Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 480

Hallo, dich kenne ich doch! Da kam eine Dame, die früher mal auf Merlin Unterricht genommen hat. Und ich bin bekanntlich Merlins Nachfolger und jetzt auch Lehrpony (in Ausbildung). Und diese nette Frau, die durfte jetzt auch mal was mit mir machen. Sie hat ja auch ein eigenes Pony, ein norwegisches, das mir ein bisschen ähnlich ist vom Charakter.

Erst mal habe ich die Kekslage abgecheckt. Eine ganze Tüte hatte sie mitgebracht! Klasse! Und für den alten Merlin eine Banane. Erst mal hat sie mich ein bisschen geputzt, aber bei erwachsenen Menschen mag ich das ja nicht so gern. Nur bei meiner kleinen Freundin bin ich da ganz geduldig, die großen Menschen sollen lieber zusehen, dass sie fertig werden.

Dann ging es auf den Reitplatz und wir haben erst ein bisschen Bodenarbeit gemacht. Ich hab genau hingehört, was sie gesagt hat und mich ganz doll bemüht, alles zu verstehen, auch wenn sie sich etwas anders ausdrückt als mein Mädchen. Zwischendurch hat das Wetter sich dann noch kurz im Datum vertan, gemeint, es wäre schon April und einen kräftigen Hagelschauer auf uns niedergehen lassen, weswegen wir erst nochmal unter Dach geflüchtet sind bis das vorbei war.

Dann sind wir wieder raus gegangen und meine Schülerin durfte aufsteigen und wir haben auch noch ein bisschen reiten geübt. Sie hat immer gesagt, ich würde das toll machen, vor allem dafür, dass ich ja erst 5 Jahre alt bin. Also bitte, ich bin 5einhalb Jahre alt und überhaupt dachte ich wirklich, dass es mit dem „klein“ sein jetzt ein Ende hätte! Menno. Also hab ich mich noch mehr bemüht, alles richtig zu machen. Und wenn ich etwas richtig gemacht hatte, habe ich meinen Keks eingefordert. Ohne Keks kein Hopp, da bin ich konsequent.

Das hab ich toll gemacht! Keks!

Am Ende sind wir sogar noch ein kleines bisschen getrabt und auch das hab ich natürlich alles richtig gemacht. Dann war ich aber auch schon wieder so ein bisschen am Ende meiner Denkleistung angelangt, weil es voll anstrengend ist, wenn jemand so anders redet als mein Mädchen. Also haben wir aufgehört, weil die Menschen wollten, dass ich das alles in guter Erinnerung behalte. Ich durfte auch noch etwas grasen und derweil hat die Besuchsfrau meinem Mädchen erzählt, dass sie findet, dass ich das schon richtig toll gemacht habe. Wo ich doch erst 5 wäre. FÜNFEINHALB! Sie war voll des Lobes, weil ich ihr so ein sicheres Gefühl gegeben habe und so sehr kooperativ bin. Und weil sie auf mir etwas Elementares gelernt hat! Ich hab das nämlich immer dann am besten gemacht, wenn sie am wenigsten gemacht hat. Und das – sagt auch mein Mädchen – müsst ihr Menschen ja immer und immer und immer üben: weniger machen. Stiller sein. Und wenn ich dabei helfen kann, euch das beizubringen, dann mache ich das. So lange die Keksrate stimmt, versteht sich!

Mein Mädchen fand auch, dass ich das ganz wunderbar gemacht habe und sie meint, ich wäre der Sache mit dem Unterrichten schon näher gekommen, weil ich mich mehr auf meine Schülerin konzentriert habe, anstatt immer nur nach meinem Mädchen zu schauen. Ich meine: sie liebt es, wenn ich sie anschaue, das weiß ich ja! Aber wenn jemand anders mit mir was macht dann soll ich mich eben doch eher auf die andere Person konzentrieren. Und auch mit dem Raten bin ich schon besser geworden, findet mein Mädchen. Denn raten muss man als Pony manchmal, wenn jemand sich so anders ausdrückt als man das gewohnt ist.

Also es war rundum gelungen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Lehrpferd in Ausbildung)

Geschwindigkeit

„Aber er war doch total langsam“ sagt meine Freundin als ich Duncan mit etwas Mühe endlich aus dem Galopp durchpariert habe. „Ja ich weiß!“ entgegne ich „aber es hat sich nicht so angefühlt als würde ich noch bremsen können und er wurde immer schneller!“

Und dann das umgekehrte Erlebnis: nach unserem bisher schönsten, gleichmäßigsten, ruhigsten Galopp mit tiefen, sehr hörbaren Atemzügen von Duncan, zeigt die App mir, dass das unser bisher schnellster Galopp gewesen ist. Nun ist diese App nicht so wahnsinnig zuverlässig, aber ich glaube schon, dass das so ungefähr stimmt. Jedenfalls war der Galopp nicht langsamer als die anderen, sondern tendenziell schneller. Und dennoch hat er sich sicher angefühlt für mich (und auch für Duncan, davon bin ich überzeugt). Eigentlich hat er sich sogar langsamer angefühlt, weil er gleichmäßig war im Tempo und nicht stetig schneller wurde.

Es geht – wie so oft im Reiterleben – um Balance. In diesem Fall nicht um meine, sondern um Duncans (wobei ich ihn natürlich unterstützen kann). Denn Duncan hat, wenn er die Balance verliert, die Tendenz, sich nach vorne hin zu stabilisieren. Der Hals wird lang und gerade und er macht ihn dann so fest, dass eine Ansprache über Zügelhilfen nicht mehr möglich ist. Da er aber auch den Rumpf komplett fest macht, kann ich ihn auch über den Sitz nicht mehr erreichen. Er braucht dann seine ganze Kraft, um sich und mich zu halten und kann nicht mehr weich und beweglich sein. Und weil sein Schwerpunkt ein Stück zu weit nach vorne gerutscht ist, wird er immer schneller. Und das ist es, was mich immer wieder dazu veranlasst, durchzuparieren, weil es sich anfühlt, als würde Duncan durchgehen (wollen). Genau genommen fühlt es sich so fies an wie damals, als ich auf schneebedeckter Straße mit dem Auto bremsen wollte und einfach weiter gerutscht bin. Wer das mal erlebt hat, weiß, wovon ich rede: man steht mit dem Fuß voll auf dem Bremspedal aber es tut sich einfach nichts. Mein Auto hat sich nicht gedreht oder ähnliches, es hat sich einfach weiter geradeaus vorwärts bewegt, bis eine Verkehrsinsel uns gestoppt hat. Noch heute, über 20 Jahre später, träume ich manchmal von ähnlichen Szenen, obwohl damals nichts schlimmes passiert ist. Ich hasse dieses Gefühl und auf meinem Pony im Gelände hasse ich es genauso. Ich will es nicht haben, ich kann nicht – wie andere es könnten – darüber hinwegreiten bis er raus gefunden hat, wie es besser geht. Also folge ich dem klugen Tipp meiner Freundin und reite Übergänge. Trab, Galopp, Trab. Spätestens wenn er im Galopp die Balance verliert, pariere ich ihn wieder durch, oft auch vorher. Anfangs ist das nach wenigen Galoppsprüngen der Fall, doch je mehr Übergänge wir machen, desto länger kann er den Galopp halten, ohne sich so fies anzufühlen. Und dann, bei unserem Ausritt am Montag, kommt plötzlich dieses Atemgeräusch dazu. Kein sanftes Schnauben, sondern ein lautes, kräftiges Ausatmen bei jedem Galoppsprung, das mich erst mal ein bisschen erschreckt. Was bin ich immer dankbar, wenn ich dann einen Menschen dabei habe, der sagt „ja, er atmet halt, ist doch super!“. Denn der kleine Schotte unter mir hört sich an wie eine ausgewachsene Dampflok.

Von Amanda Barton habe ich gelernt, dass es gar nicht ungewöhnlich ist, dass Pferde im Galopp nicht richtig atmen. Im Galopp MUSS ein Pferd bei jedem Galoppsprung atmen, weil die Eingeweide sich so stark bewegen und damit die Lunge auf- und wieder zumachen. Wenn das Pferd also versucht, gegen diesen Rhythmus zu atmen, wird es nicht viel Luft kriegen, was wiederum zu (sehr verständlicher) Angst führen kann. Deswegen hat Amanda mit einigen Schülerinnen auf ihren Kursen daran gearbeitet, das Pferd so lange galoppieren zu lassen, bis es richtig atmet, und dann eine Pause zu machen. Ohne es geplant zu haben, ist das jetzt bei uns von selbst passiert. Mir war gar nicht aufgefallen, dass Duncan nicht richtig atmet, bis ich ihn plötzlich atmen hörte. Ich hoffe, dass Duncan also in Zunkunft schneller in seinen Atemrhythmus kommt und leichter in seine Balance findet. Das alles dann länger durchzuhalten ist eine reine Trainingsfrage.

Der Reisegalopp, den er mir am Montag angeboten hat, war jedenfalls so verlockend, dass ich definitiv mehr davon will und mein lauffreudiges kleines Pony wird da sicher keine Einwände haben.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 479

Heute war meine neue kleine Freundin wieder da. Diesmal wusste ich ja: ich bin jetzt Lehrpferd und zeige ihr wie es geht.

Sie kam also in den Stall zu mir und hatte das Halfter in der Hand. Und dann stand sie da und hat überlegt, wie das mit dem Halfter anziehen noch ging. Und während sie da so steht und nachdenkt, habe ich entschieden, jetzt gleich mit dem erklären anzufangen. Bin also zu ihr gegangen und habe einfach meine Nase in das Halfter geschoben, genau da rein wo sie rein gehört. Schau so geht das! Mein Mädchen wäre fast geschmolzen als sie das gesehen hat! Was denn? Ich bin ein edler Ritter und wenn ich eine Jungfrau in Nöten sehe, ist es meine Pflicht, zu helfen! Nur über die Ohren kann ich das Halfter halt nicht selbst ziehen, da habe ich dann geduldig gewartet, bis meine kleine Freundin alles zurecht gefummelt hatte. Anschließend ging es raus auf den Hof zum putzen. Nachdem meine neue Freundin mich sorgfältig gebürstet hatte, wollte sie meine Hufe auskratzen. Ich hatte mir da ziemlich viel Dreck reingetreten und so hat sie ein bisschen gekämpft, während ich gaaaaaanz geduldig den Huf hochgehalten habe. Während ich so gewartet habe, habe ich immer meinem Mädchen die Hand geleckt. Ich habe nämlich gemerkt, dass ich dann entspannter bin und noch viel geduldiger. Mein Mädchen fand das eine super Idee, auch wenn sie meinte, ihre Hand sei nachher ganz schrumpelig gewesen. Das ist es wert, sagt sie.

Hufe auskratzen

Dann ging es auf den Reitplatz. Heute hatte mein Mädchen einen guten Plan und hat farbige Hütchen aufgestellt. Sie hat dann meiner kleinen Freundin immer eine Farbe zugerufen und die hat mich dort hin geführt. Das hat schon sehr viel besser geklappt als letzte Woche, weil meine kleine Freundin sich alles genau gemerkt hatte, was sie über das Führen gelernt hat und weil ich verstanden habe, dass ich besser auf sie achten und nicht so schnell laufen soll.

Farbige Hütchen ansteuern

Zum Schluss durfte meine kleine Freundin dann noch aufsteigen und ich habe sie ein paar Minuten getragen, während mein Mädchen mich geführt hat. Diesmal durfte meine kleine Reiterin die Farben ansagen und wir sind da hin gegangen wo sie es bestimmt hat.

Wir hatten eine Menge Spaß und am Ende waren wir alle seeeeehr zufrieden mit uns! Diesmal war ich auch nachher nicht ganz so müde, Übung macht den (Lehr)meister!

Euer ritterlich helfender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 478

Und gleich noch ein Ausflug! Mein Mädchen war etwas besorgt, ob mir das wohl zu viel wird. Ich war ja gestern echt müde und die Frage ist dann immer: kopfmüde oder körpermüde? Müde wegen der Kilometerzahl oder müde wegen der Zeit, die wir draußen unterwegs waren? Diese Fragen hat mein Mädchen heute mitgenommen auf die Tour. Und ich kann sagen: wir haben die Antwort ziemlich klar gefunden!

Tatsächlich war ich ein bisschen tüddelig beim Einsteigen (mein Mädchen hatte große Sorge, dass es heißen könnte, dass ich keine Lust habe), dann war ich tüddelig beim Aussteigen (s.o.). Aber dann habe ich gesehen, dass wir mit dem Ausreitkumpel losziehen und da wusste ich, dass ich nicht so viel denken muss. Laufen kann ich nämlich noch! Und das hab ich dann gemacht. Fleißig und fröhlich wie immer. Da war mein Mädchen auch gleich ganz fröhlich und hat sich keine Sorgen mehr gemacht!

Wir haben wieder Galopp-Trab-Übergänge geübt. Und heute habe ich was neues raus gefunden: es geht viiiiiiiel leichter mit dem galoppieren, wenn ich schön im Rhythmus atme! Bei uns Ponys ist es ja so: Wenn wir die Vorderbeine hoch heben, rutscht alles im Bauch nach hinten unten und zieht die Lunge auf, dann geht Luft rein. In der nächsten Phase des Galoppsprungs rutscht im Bauch alles wieder nach vorn und drückt die Luft aus der Lunge raus. Wir müssen also eigentlich gar nix dazu tun um zu atmen, aber bisher war mir das irgendwie nicht so klar! Jetzt wo ich das verstanden habe, sagt mein Mädchen, höre ich mich wirklich an wie eine kleine Dampflok. Schnauf, schnauf, schnauf im selben Rhytmus wie hopp, hopp, hopp und so wurde alles ganz fein gleichmäig und die Balance hat auch gestimmt und mein Mädchen hat sich sicher gefühlt und es war einfach toll! Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gesagt, das sei ein schöner Reisegalopp und dieses Wort gefällt meinem Mädchen total gut. Das sagt sie jetzt immer zu mir, ich soll bitte den „Reisegalopp“ einlegen und ich verstehe, dass das bedeutet, dass wir kein wildes Gerenne machen, sondern ein Tempo wählen, dass wir später laaaaange durchhalten können. Mir macht das das Bild in den Kopf, dass wir kilometerweise so weiter laufen und das mag ich. Meinem Mädchen macht es das Bild in den Kopf, dass alles ganz gemütlich läuft, eben so, dass man es bequem eine lange Zeit durchhält. Tolles Wort, danke, Mädchen vom Ausreitkumpel! Wenn wir dich nicht hätten!

Zack, war die Strecke auch schon wieder zu Ende und es ging nach hause. Ausgiebige Graspause (nur halt nie ausgiebig genug, es war ja noch Gras übrig!) Weitere 8,5km zeigt mein Tacho jetzt an. Morgen ist dann Pausentag, sagt mein Mädchen. Es kann höchstens sein, dass wir eine Kleinigkeit vom Boden üben, weil sie etwas vorbereiten will für den nächsten Besuch meiner neuen, kleinen Freundin. Aber sonst passiert morgen nix, ich soll meine Muskeln wachsen lassen und mein Gehirn soll all die Eindrücke in Ruhe verarbeiten.

Eure kleine Dampflok Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 477

Freitag Ausflug mit dem Ausreitkumpel, gestern brauchte mein Mädchen dann einen Tag Erholung (sie meint dann immer, ICH könnte einen Tag Pause gebrauchen….) und heute mit Diego los. In die Wackelkiste zu einem Parkplatz von dem aus wir letztes Jahr zum ersten Mal mit meinem neuen Sattel unterwegs waren. Aber heute ging es nicht in den Wald, sondern in die ganz andere Richtung los. Mein Mädchen plant nämlich, mal eine ganz große Tour zu machen und die will sie jetzt stückweise zusammensetzen. Dafür müssen wir Wege „probereiten“ und schauen, wo die schönsten Strecken sind. Früher hat sie sowas immer im Vorhinein genau angeschaut, aber jetzt findet sie, ich bin schon so groß und erwachsen, dass man mit mir auch einfach mal in unbekannte Gefilde losstiefeln kann, ohne so recht zu wissen, was einen erwartet. Diego war allerbest gelaunt und ist gleich mit Siebenmeilenstiefeln losgezogen. Ich habe mich wieder redlich bemüht, hinterher zu kommen. Die Sonne schien wie verrückt und also war der erste Glitzertag des Jahres, da finde ich manchmal Dinge ein bisschen gruselig, die sonst nicht gruselig sind. Aber weil ich so groß und erwachsen bin und mein Mädchen weiß, dass ich nur gucke und maximal zusammenzucke, und weil ich weiß, dass die Dinge auf den zweiten Blick doch immer ungefährlich sind, hat uns das beide nicht so gestört.

Alsbald kamen wir an einem Haus vorbei, wo eine nette Frau gegärtnert hat. Sie hatte einen sehr hübschen Hund und mein Mädchen sagte „der ist ja süß!“ und sie antwortete „der aber auch“ und meinte mich damit. Da dachte ich, der netten Gärtnerin lasse ich doch gleich etwas frischen, warmen Dünger da! Darüber hat sie sich gefreut und gesagt, den tut sie gleich an ihre Rosen.

Weiter ging es, Diego immer in seinem schnellen Schritt (der sein normaler Schritt ist, aber viel schneller als mein schneller Schritt) und ich so schnell ich konnte hinterher mit gelegentlicher Trabeinlage. Diego hat, weil wir das Gelände nicht kannten, immer mal ein paar Äppel ausgelegt. Das macht er immer gern, damit wir zur Not zurück finden! Wie bei Hänsel und Gretel. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, Diego würde wohl der App nicht trauen, die uns den Weg zeigt. Und der Mann hat dann gesagt, Diego würde eben lieber äppeln als appen und da wäre mein Mädchen vor Lachen doch fast von meinem Rücken geplumpst! Sie hat dann gesungen:

Diego und Duncan verirren sich nicht im Wald
denn zum Verirren ist Diego viel zu alt
er ist ein schlaues Pony und legt sich eine Spur
Und auf dem Heimweg folgt er dann dieser nur!

Naja, mein Mädchen, das ist ja sehr…. kreativ.
Ein Stück weiter haben wir eine schöne Graspause eingelegt, wir Ponys durften das wunderbare Frühlingsgras verkosten, während die Menschen sich entpelzt haben, weil es doch wärmer war als gedacht. Als sie fertig waren, ging es weiter, schön im Trab bzw in meinem Fall im Galopp mit Übergängen. Trab, Galopp, Trab, Galopp, Trab, Galopp, wie am Freitag. Aber leider waren die schönen Wegstücke immer nur recht kurz, so dass wir alsbald wieder Schritt gehen mussten. Das ist so auf die Dauer ganz schön anstrengend sage ich euch! Immer lange Füße machen und trotzdem nicht hinterher kommen, dann ein kleines Stück Trab, wieder durchparieren…. uff.

Bei schönstem Sonnenschein unterwegs

Nachdem wir so 9km unterwegs gewesen waren, wurde ich ehrlich gesagt doch müde. Ich meine: so viel Schritt, dazu warmes Wetter und fremdes Gelände, das finde ich dann schon anstrengend. Zwischendurch keine Pfütze um was zu trinken und der Blutzucker war mir auch schon wieder abgerutscht. Wir haben dann noch eine kleine Graspause gemacht aber die war zu kurz für meinen Hunger. Zum Schluss hat mein Mädchen mich immer noch ein bisschen traben lassen, damit es sich nicht so zieht, weil ich im Schritt doch schon sehr gemütlich unterwegs war. Einziger Trost: Diego war auch etwas ermattet. Bei ihm merkt man das aber immer nur daran, dass er öfter mal stolpert. Im Tempo lässt er irgendwie nie nach!

Zurück am Anhänger gab es erst mal Wasser für uns, das hatte sie uns mitgenommen. Die Menschen waren hoch zufrieden und mein Mädchen meinte mit Blick in mein Gesicht nur „den haben wir geschafft!“. Ja, 12,5km fast nur Schritt ist unglaublich viel anstrengender, als die Kilometer so im Trab oder Galopp wegzuputzen. 2,5 Stunden waren wir unterwegs! Das ist das LSD des Trainings und damit sind leider keine Drogen gemeint, sondern „Long slow distance“. Wobei mein Mädchen findet, soooooo long wären 12,5km ja nun auch nicht. Aber zu hause hat sie festgestellt dass sie selbst doch auch einigermaßen müde ist von so viel Sonne und frischer Luft. Und das obwohl ich sie fast die ganze Strecke getragen habe! Also erzähl du mir nix von Fitness, mein Mädchen.

Euer ausgepowerter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 476

Saisonstaaaaaaart!

Endlich ist es wieder länger hell und das Wetter ist gut, also wieder Zeit für Ausritte mit dem einzig wahren Ausreitkumpel! Ich meine: Ausritte mit Diego sind toll, aber wenn es mit dem Ausreitkumpel und seinem Mädchen losgeht, dann kommt mal so richtig Schwung in die Bude! „9km sind für den Start ok, oder?“ hat das Mädchen vom Ausreitkumpel gefragt. Und mein Mädchen hat genickt und mir zugeraunt „also mit 11 km müssen wir rechnen“. Weil das Mädchen vom Ausreitkumpel ja immer ein bisschen…. anders… plant. Die Erfahrung haben wir schon ein paar mal gemacht!

Los ging es also. Im Trab den schmalen Waldweg, Ausreitkumpel vorneweg. Ich mit Schwung hinterher. Nach einer Weile, als der Weg breiter wurde, bin ich dann vorneweg. Aber mir war das noch etwas komisch, ich war da so lange nicht und muss doch gucken! Mein Mädchen hat mich angefeuert, dass ich das schaffe. Dann links. Und da dachte ich: oh, den Weg kenne ich! Den sind wir doch schonmal gegangen und damals sind wir soooo schön galoppiert! Mädchen, es geht los! Halt dich fest und genieß die Aussicht! Aber ach, mein Mädchen, die alte Bangbüx, fand schon wieder, ich würde mich nicht so anfühlen, als könnte sie mich zur Not noch bremsen. Durchparieren! Ich war frustriert, aber sie auch. Und also hat sie das Mädchen vom Ausreitkumpel gefragt. Und die sagte: „lass uns doch Übergänge üben!“ Und so haben wir es dann gemacht. Galopp! Trab! Galopp! Trab! Galopp! Trab! Ich immer vorneweg und mein Ausreitkumpel musste sich anpassen. Und nach dem 4. Übergang hatten wir es raus. Galopp! Trab! Galopp! Trab!

Dann kamen wir an eine Strecke, wo jemand ein paar große Äste und kleine Baumstämme ausgelegt hat wie einen Springparcour. An den meisten Stellen gab es einen Weg außen rum, den haben mein Mädchen und ich genommen, während der Ausreitkumpel hinter uns fröhlich gesprungen ist. Aber um ein paar Dinger konnte man nicht außen rum. Nun waren die auch nicht höher als unsere Stangen zu hause, einfach drüber traben. Huch! Da war noch ein zweiter Stamm hinter dem ersten! Ich konnte noch so eben meine Hufe in der Luft sortieren. Mein Mädchen war total stolz wie gut ich das hingekriegt habe. Und noch während sie stolz war, kam der nächste kleine Baumstamm und da ich gerade so im Schwung war, habe ich einfach einen kleinen Sprung darüber gemacht. Zack! Mädchen stolz. Das war unser erster gemeinsamer Hüpfer!

Dann wieder auf den breiten Weg und weiter ging es. Trab, Galopp, Trab, Galopp, Trab, Galopp, langsam wurde mir etwas matt. Der Blutzucker sinkt ja so schnell bei den ganzen Übergängen. Also Graspause!

Endlich wieder zusammen unterwegs!

Mein Mädchen musste derweil meinen Hufschuh richten, der total verdreht war. Na immerhin haben wir ihn nicht verloren! Sie hat ihn etwas enger geschnallt und gesagt, wenn ich jetzt anfange zu lahmen, muss sie daran denken, dass mir wahrscheinlich nur der Schuh zu eng ist.

Nach einer Runde Gras essen war ich wieder frisch und es konnte weiter gehen. Vorbei an den lustigen Schweinen und mein Mädchen meinte, wir könnten noch ein bisschen üben. Trab, Galopp, Trab, Galopp, Trab, Galopp. Was klappert denn da eigentlich so, sind das meine Hufschuhe oder die vom Ausreitkumpel? Na auch egal, weiter gehts. Ich war allerbest gelaunt. Aber dann tat mein Fuß doch weh und ich hab ein klitzekleines bisschen gehumpelt. Ok, Mädchen runter und hat beschlossen, die Schuhe auszuziehen. Da hat sie das Desaster gesehen: Ein Hinterhufschuh war komplett rumgedreht und ich bin immer mit dem Huf auf der einen Kante rumgelaufen! Sie war total überrascht, dass ich nicht gleich „aua aua“ gerufen habe, aber ich war ja so im Fluss, es hat mich nicht gleich gestört….

Sie hat jetzt endgültig entschieden, dass ich zumindest im Galopp (noch) kein Hufschuh-taugliches Pony bin und eine andere Lösung her muss. Ich mache im Galopp meine Hinterbeine zu eng zusammen, das überleben die Schuhe nicht. Aber mein Mädchen sagt, wenn ich noch etwas in die Breite wachse und noch mehr Übung haben, kann es gut sein, dass sich das bessert und es dann geht. Vorerst heißt die Lösung, dass wir barhuf reiten. Alle Schuhe ab, zum Glück haben wir ja die großen Satteltaschen mit. Mein Mädchen hat geschimpft „musst Du immer alles kaputtmachen oder verlieren?“. Also ich möchte doch sehr bitten, mein Mädchen! Das sind nur Hufschuhe und du musst zugeben, dass ich die wirklich wichtigen Dinge nie kaputt mache oder verliere: Dich zum Beispiel! Und da hat sie gesagt, das stimmt und ich bin das allerbeste Pony diesseits der Regenbogenbrücke. Gut, können wir dann jetzt weiter? Ich bin nämlich noch sehr munter und könnte noch…. aber jetzt war mein Mädchen aufgebraucht. Ihre Nerven waren alle und also sind wir nur noch getrabt. War auch gar nicht mehr weit bis zur Grasstelle wo die Mädchen dann traditionell absteigen und den Rest zu Fuß gehen.

Wie wir so durchs Dorf gehen sagt mein Mädchen zum Mädchen vom Ausreitkumpel „schau mal, er lächelt“, weil ich wieder dieses breite, zufriedene Grinsen im Gesicht hatte. Mein Mädchen hat auch zufrieden gegrinst und meinte, ich wäre ja nach den ersten Kilometern wieder absolut hochanständig gewesen. Und ich sage mal so: mir hat man erzählt, dass man bei echten Distanzpferden eh die ersten 5-10km nur auf der Bremse steht. Ich bin noch Anfänger, aber ich übe das schon mal und also muss sie bisher nur die ersten 3km auf der Bremse stehen. Warte nur ab, mein Mädchen…

Die angeblichen 9km stellten sich als 10,7km heraus. Müde war ich aber nicht, nur sehr, sehr glücklich und ordentlich schwitzig (man, mein Kopf juckt dann immer so!).

Abends als mein Mädchen zum füttern kam, habe ich ihr noch einen zarten Kuss ins Gesicht gehaucht, das ist meine Art, mich bei ihr zu bedanken, wenn wir ein tolles Abenteuer erlebt haben. Wir wollen jetzt wieder jede Woche mit dem Ausreitkumpel los, da freue ich mich soooooo doll drauf!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Verunsichert

Duncan schaut zu mir – seine neue, kleinste Freundin hat noch keine klare Körpersprache und er ist sich nicht sicher, was zu tun ist. Ich stehe in der Mitte, Arnulf ist bei dem Mädchen. Duncan bekommt drei verschiedene Infos von drei verschiedenen Menschen.

Genauso geht es uns Pferdebesitzern und Reitern irgendwie auch ständig. Der eine sagt so, der andere so. Ich habe mich hier schon einmal darüber ausgelassen. Dann bekomme ich Fragen gestellt oder Theorien werden mir aufgetischt darüber, wie der Pferdekörper funktionieren soll und welches Körperteil wo hin bewegt werden muss damit das Pferd korrekt läuft. Und ich denke dann immer zurück in meine Vergangenheit: vor 25 Jahren (oje, ich werde alt) hat mir eine Tierärztin für viel Geld erklärt, wie der Huf des Pferdes funktioniert und wie ich ihn bearbeiten muss, damit das Pferd gesund bleibt. Dieses Wissen war die Wahrheit (natürlich). Erst 7 Jahre später dämmerte mir, dass diese „Wahrheit“ der Wirklichkeit nicht standhält. Die versprochenen Ergebnisse blieben aus und ich nahm mir fest vor, jede Theorie nur noch danach zu beurteilen, welche Ergebnisse sie liefert. Dann kam das Interent und social media und jetzt kann jeder, mit jeder beliebig absurden Theorie, angebliche Beweise posten dafür, wie toll die eigene Methode funktioniert. Und gerade kürzlich habe ich erst wieder erlebt, wie sehr da – sagen wir es freundlich – gemauschelt wird.

Wenn ich aber rausgehe in die Wirklichkeit – damit meine ich meine persönliche Lebenswirklichkeit – dann sehe ich dort nicht die versprochenen Ergebnisse. Und das liegt in aller Regel nicht daran, dass die Pferdemenschen, die mir begegnen, sich nicht bemühen würden. Es liegt viel mehr daran, dass die angebotenen Theorien entweder Humbug sind oder zumindest fragwürdig. Und daran, dass all diese Theorien mit einer Liste an Verboten daher kommen was man auf keinen Fall tun soll (was zur Folge hat, dass insgesamt viel zu wenig getan wird und das Pferd gar keine Chance hat, Muskeln aufzubauen oder gesund und fit zu werden). Und wenn die Methode tatsächlich gut ist und funktioniert, dann tut sie das oft nur, wenn sie absolut korrekt durchgeführt wird. Dazu braucht es dann nicht nur das passende Equipment, sondern auch die passende Umgebung (z.b. eine Reithalle mit gutem Boden in der man sich beliebig lang im Schritt an der Band aufhalten kann…..). Und natürlich vor allem eine Pferdebesitzerin, die diese Methode im Handumdrehen erlernt, um sie dann bei ihrem Pferd anwenden zu können.

Wie dankbar ich doch bin, dass ich meine Freundin kennengelernt habe. Die hat gar keinen Reitplatz. Die geht mit ihren Ponys viel und zügig ins Gelände, wahlweise geritten oder gefahren, manchmal geht man auch spazieren, aber das eher selten. Wenn geritten oder gefahren wird, dient der Schritt lediglich dem Aufwärmen, ansonsten ist der Trab die Gangart der Wahl. Als wir damals unseren ersten kleinen Distanzritt geritten sind (28km) ist ihr winziges Pony mit meiner Freundin obendrauf kilometerweise im leichten Galopp neben meinem trabenden Finlay her bzw vor ihm her gezogen und das einzige was nachher an diesem Pony müde war, war der Kopf. Vielleicht war es damals, dass mir klar wurde, wie idiotisch meine Bemühungen waren, mein Pony fit zu kriegen, in dem ich Schulterherein reite.

Ja, ich mag Schulterherein, es ist eine tolle Übung (die man auch super im Gelände reiten kann). Aber ein korrektes Schulterherein zu führen oder zu reiten ist gar nicht so einfach wie es immer erzählt wird (ganz abgesehen davon, dass die Definitionen von „korrekt“ massiv voneinander abweichen). Und die Klientel mit der ich zu tun habe, sind in der Regel Frauen in meinem Alter, die neben Arbeit, Hund und Kind eben auch noch ein Pferd haben, zu dem sie 4-5 mal in der Woche fahren und dann eine Stunde Zeit haben. Davon wird man nunmal keine Top-Reiterin. Und das ist doch auch gar nicht schlimm, schließlich geht es um ein Hobby.

Eine Reiterin, die ich schon lange kenne, hat sich vor ein paar Jahren von mir verabschiedet, weil sie eine jener tollen Methoden lernen wollte. Etwas später kehrte sie zu mir zurück. Sie hatte ein Erlebnis gehabt, dass ihr klar werden ließ, was sie eigentlich will: sie möchte die Zeit mit ihrem Pferd genießen. Denn diese Zeit – das musste ich ja selbst schmerzlich erfahren – kann schneller vorbei sein als gedacht.

Und hier kommt die gute Nachricht: wir können die Zeit mit unserem Pferd genießen, ohne es dabei kaputt zu machen. Mit freundlicher, kompetenter Hilfe, die keine Raketenwissenschaft aus ein bisschen Freizeitreiten macht, geht es den allermeisten Pferden und ihren Reiterinnen prima.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 475

Heute vormittag haben wir wieder Doppellonge geübt, mein Mädchen und ich. Diesmal mit Handwechseln und sogar etwas seitwärts gehen. Mein Mädchen hat geflucht, weil sie mit den langen Leinen und der Peitsche überfordert war (wie immer), aber sie findet, ich habe das gut hingekriegt. Jetzt überlegt sie, ob sie nochmal einen Kurs macht oder Unterricht nimmt, damit sie das besser in den Griff kriegt. Wir haben auch wieder galoppieren geübt, mit vielen, vielen Übergängen, weil mein Mädchen meint, das macht mich kräftiger. Manchmal, wenn es gut klappt, kann ich schon voll schön aus dem Schritt in den Galopp springen, dann flippt sie komplett aus, weil das soooooo toll aussieht. Aber manchmal kriege ich auch noch Beinchaos, dann klappt es nicht so ganz, aber ich mauschel es schnell hin.

Dann waren wir fertig und ich dachte das war es für heute. Aber nein! Am Nachmittag höre ich mein Mädchen nochmal rufen! Bin schnell hingelaufen und da war sie gar nicht allein: bei ihr waren der Mann und ein kleineres Mädchen. Und die war nun plötzlich für mich zuständig! Das war ganz schön aufregend! Das kleinere Mädchen hat noch nicht so viel Erfahrung und konnte mir deswegen nicht so ganz genau sagen, was wir jetzt machen und wo wir hingehen. Ich hab immer versucht, von meinem Mädchen auch noch Infos dazu zu erhaschen und sie hat mir auch immer Hinweise gegeben aber mein Kopf fing alsbald das rauchen an bei so vielen verschiedenen Ansagen. Nachdem das kleinere Mädchen mich geputzt hatte, sind wir auf den Reitplatz gegangen und haben ein paar Führübungen gemacht. Ich war aufgeregt und wenn ich aufgeregt bin, habe ich es immer sehr eilig. Es hat etwas gedauert, bis wir das alles klar gekriegt haben, aber dann ging es ganz gut. Schließlich zum krönenden Abschluss durfte das kleinere Mädchen noch aufsteigen und mein Mädchen hat mich geführt. Das kleinere Mädchen hat von oben Stimmkommandos gegeben: „hoooooo“ für anhalten und „voran!“ fürs losgehen. Ich habe immer ganz genau gelauscht und versucht, das alles richtig zu machen. Wenn ich nicht bescheid wusste, konnte ich ja noch schnell schauen, was mein Mädchen mit ihrer Körpersprache sagt. Insgesamt habe ich natürlich wie immer alles richtig gemacht, aber ich sage euch, nachher war ich ganz schön müde im Kopf! Musste erst mal nachdenken und eine Runde gähnen. Mein Mädchen sagt, Übung macht den Meister und so üben wir beide – das kleinere Mädchen übt, mir genauer zu sagen was ich machen soll und ich übe, besser zurecht zu kommen, wenn ich nicht weiß, was ich tun soll. Ich erinnere mich dunkel, dass Merlin und Diego mir da mal was erklärt haben, vor langer Zeit, als wir zum allerersten Mal Unterricht hatten. Und jetzt ist es glaube ich so ähnlich…

Jedenfalls sind wir für nächste Woche wieder verabredet, das kleinere Mädchen und ich, und dann werden wir gemeinsam weiter üben!

Meine (gar nicht so) kleine Reiterin und ich werden sicher bald beste Freunde sein!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (hiermit offiziell „Lehrpferd“!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 474

Sonntag! Ihr wisst schon: Ausflugstag!

Vormittags haben wir Ponys erst mal in der Sonne ein kleines Schläfchen gemacht, während die Menschen allerhand zu tun hatten. Nach dem Mittagsheu sind wir dann aber gemeinsam los gezogen! Diego hat sich beim Satteln erst mal beschwert, hat immer den linken Vorderhuf gehoben. Nach einer Weile war das so auffällig, dass mein Mädchen seinen Hufschuh gecheckt hat. Der war hinten ein bisschen verdreht und das hat Diego gedrückt! Mein Mädchen war stolz auf ihn, weil er das so fein angezeigt hat und so hartnäckig, bis sie es verstanden hatte.

Als wir komplett angezogen waren, ging es endlich los. Ich wollte ja links runter vom Hof, das will ich immer. Und ich seh gar nicht ein, warum mein Mädchen manchmal rechtsrum starten will! Was soll das? Also haben wir das kurz ausdiskutiert. Und dabei zieh ich ja irgendwie immer den Kürzeren. Aber naja, ich bin ja froh, wenn wir ausreiten gehen, also meinetwegen rechts herum.

Alsbald wurde uns Ponys klar, was läuft: Bergtour! Diesmal aber über den anderen Berg. Erst geht es da ganz leise den Berg hoch und da hat mein Mädchen schon mal einen kleinen Galopp vorgeschlagen. Ok! Aber als Diego zurück geblieben ist, wurde mir komisch. Irgendwie war mir alles gruselig heute. Mein Mädchen meinte, das läge wohl an dem kalten Wind! Als wir oben auf dem Berg waren, habe ich durchpariert und erst mal einen ordentlichen Satz gemacht, weil ein Weidetor komisch geklappert hat. Mein Mädchen meinte, ich würde wirklich ein bisschen übertreiben, aber kaum hatte ich einmal geatmet, kam von rechts aus dem Wald so ein Mountainbiker und der hat gebremst und dabei ein voll fieses Geräusch gemacht! Für einen Augenblick habe ich überlegt, ob ich umdrehe und das Weite suche. Aber dann hab ich die Situation durchschaut und der Mountainbiker ist voll nett stehen geblieben. Mein Mädchen meinte, dass ich jetzt aber WIRKLICH übertreibe und hat sich gefragt, warum ich eigentlich so spannig bin. Und dann fiel es ihr wieder ein: ich hatte 2 Tage frei! Und das sind nunmal 2 Tage zuviel. Naja, Samstags habe ich meistens frei, aber diesmal hatte ich halt auch schon Freitags frei (warum, erfahrt ihr auch irgendwann noch, aber wahrscheinlich erst in ein paar Wochen). Und so hatte sich ein bisschen Energie angestaut und die möchte irgendwo hin! Mein Mädchen hat dann gesagt, es wird mir gleich besser gehen. Weil wir nämlich den Berg hoch und runter stiefeln. Und dann geht es da ja nicht nur rauf und runter, sondern über den schmalen Weg auch noch rechts und links, zwischen Bäumen durch (mein Mädchen immer: „denk an mein Knie“, ja natürlich tu ich das, bin schließlich Gentleman) und über jede Menge Wurzeln. Also richtiges Ganzkörper- und Aufmerksamkeitstraining. Am ganz steilen Berg sind die Menschen abgestiegen, damit wir da alle heile runter kommen.

Soooooo hohe Berge haben wir erklommen!

Danach ging es wieder Richtung Heimat. Der Mann wollte gern noch „Angebertrab“ üben. Das ist so ein langsamer Trab, den er gut aussitzen kann. Mein Mädchen fand, das ist ein gute Idee und wir können auch mal schön Angebetrab üben. Dabei hat sie sich überlegt, dass so ein bisschen Seitwärts im Trab gar nicht übel wäre. Und ich habe das sooooooo toll hingekriegt! Schulterherein rechts, bisschen Schenkelweichen quer über die Straße, Schulterherein links. Mädchen begeistert und Mann auch! Das haben wir noch ausgiebig geübt und ich wurde immer besser und geschmeidiger. Zwischendurch gab es sogar Kekse dafür!

Ruckzuck waren wir auch schon wieder zu hause. Diego und ich hatten trotz kaltem Wind und Teilentpelzung ganz gut geschwitzt und wir waren alle sehr zufrieden mit unserem Ausflug. Mein Mädchen hat – wie immer – gesagt, wir sollten doch öfter diese Bergtouren machen, weil sie so gutes Training sind. Vielleicht wird es ja mal wahr, wer weiß? Jetzt können wir uns wieder ein paar neue Muskeln wachsen lassen, Diego und ich.

Euer Bergsteiger Sir Duncan Dhu of Nakel

2. Ausritt allein

Fast noch etwas spannender als der erste Ausritt alleine, bei dem ich ja noch gar nicht wusste ob wir überhaupt die ganze Runde gehen, war für mich jetzt der zweite.

Wie wird Duncan reagieren, wenn ich vorschlage, das Abenteuer zu wiederholen? War er zufrieden letztes Mal? Oder bekommt er doch wieder Angst, möchte stehen bleiben oder umdrehen? Und wie wird es mir gehen?

Die erste Erkenntnis: Duncan hat Lust. Er stiefelt munter los und ich muss ihn erst mal daran hindern, die Kurve so zu schneiden, dass ich am Straßenschild hängen bleibe. Seine erste Irritation setzt allerdings ein, als ich ihn bitte, am rechten Straßenrand zu gehen statt am linken. Naja, er ist eben Brite…. er lässt sich aber überreden und scheint sich dann auch rechts wohl zu fühlen.

Seine Reaktion auf die Papiertüte, die still mitten auf dem Weg liegt, zeigt mir, dass er doch sehr viel aufmerksamer ist als wenn Pferde-Begleitung dabei ist. Aber wir sind lang genug zusammen, ich kann gut einschätzen, wie groß bzw klein die Besorgnis ist und sobald er das unbekannte Objekt als Tüte identifiziert hat, ist es ja auch ok.

Wie fast immer möchte er am Baum links abbiegen. Generell biegt er lieber links ab als rechts, das fällt mir auf. Auch sonst wenn wir im Gelände unterwegs sind, schlägt er oft vor, links abzubiegen. Und er schlägt oft vor, Wege zu nehmen, die er noch nicht kennt. Dass er das jetzt auch alleine tut, macht mir Mut: er scheint sich sicher genug zu fühlen.

Wir traben ein bisschen, er läuft munter voran und ich überlege, ob ich nicht nächstes Mal den Sattel nehme, damit er noch munterer laufen kann. Dann passiert das, worauf ich eigentlich schon länger gewartet habe: ein Erschrecker. Der Vogel im Gebüsch, Duncans Erzfeind. Es ist immer das selbe Geräusch dass ihn auf die selbe Art erschreckt. Ein Satz, Vorderbeine breit in den Boden, hinschauen. Ich frage mich im Nachhinein ob das Geräusch das selbe ist, das eine Schlange machen würde. Und ich freue mich über den Erschrecker! Denn nun weiß ich, dass der auch allein nicht anders ausfällt als in Gesellschaft. Bisher hatte ich Sorge, er könnte, wenn wir allein sind, losrennen, weil er keine Orientierung an ein anderes Pferd hat. Aber von losrennen ist keine Rede, im Gegenteil, für einen Moment ist er erstarrt. Ein Keks, weil ich Erstarrung so viel besser finde als rennen, dann treibe ich ihn voran, weil ich gelernt habe, dass er besser und leichter aus der Erstarrung kommt, wenn wir einfach weiter traben. Schnell beruhigen wir uns wieder. Mir fällt auf, dass Duncan sich angewöhnt hat, in angespannten Momenten abzuschnauben. Ich habe das abschnauben immer mal belohnt und ich glaube fast, er hat gelernt, dass es ihm hilft, sich zu beruhigen. Wie ein Kind, das singt, wenn es die Kellertreppe runter geht oder ein Erwachsener, der bewusst ruhig und tief atmet, um der Angst Herr zu werden.

Mein persönlicher Stress geht wieder am Dornröschenweg hoch, aber ich bin schon deutlich entspannter als letzes Mal. Danach genießen wir unsere Graspause. Auf dem Rest des Weges stelle ich fest: im Trab geht alles besser. Wenn wir längere Zeit Schritt gehen, wandert Duncans Aufmerksamkeit immer weiter und weiter in die Ferne, die Ohren werden immer spitzer und er beobachtet entfernte, noch nicht gut zu erkennende Objekte mit Argwohn. Im Trab passiert das nicht, da tingelt er einfach durch die Landschaft, ist sehr viel mehr bei mir und bei ihm selbst als im außen. Das merke ich mir!

Ich selbst beobachte meine eigenen Aufmerksamkeit. Mein Kopf spielt mir Streiche: gleich könnte etwas passieren! Ich übe, mir ganz klar vor Augen zu führen, dass gleich alles passieren kann aber JETZT in diesem Moment, mein Pony unter mir gleichmäßig läuft. Ich denke an Elsas Worte „Rhythm equals Confidence“ (Grob übersetzt: Der Rhythmus spiegelt die Selbstsicherheit wieder). Je rhythmischer mein Pony sich bewegt, desto sicherer fühlt er sich, desto geringer die Chance, dass er blöde Entscheidungen trifft. Also konzentriere ich mich auf den Rhythmus, meinen und seinen um uns darin zu unterstützen. Das hilft. Ich rufe mich immer wieder in den Moment zurück und fange Gedanken ein, die in eine angsteinflößende Zukunft reisen wollen.

Ganz am Ende des Ritts, als Duncan beim Nachbarn nochmal ein bisschen angespannt ist, steige ich ab. Ich finde, wir beide haben das toll gemacht und können diese letzte kleine Herausforderung einfach entschärfen, von unten ist es kein Problem. Duncan bringt mich noch einmal zum lachen, indem er mir die Futterschüsseln zeigt, die hinterm Weidezaun stehen, und seiner Betrübnis darüber Ausdruck verleiht, dass es nicht SEINE Schüsseln sind, dann gehen wir gemeinsam nach hause. Wir haben beide enorm gute Laune und ich bin sicher, dass mein Pony genauso viel Spaß hatte wie ich.