Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 508

Ausflug außer der Reihe, juhuuu! Ab und zu nehmen der Mann und mein Mädchen sich ja frei und wir gehen einfach so unter der Woche zusammen ausreiten. Und jetzt war es endlich mal wieder so weit! Die Touren sind noch nicht so lang, wegen Diegos Fitness, aber diesmal waren wir wieder auf wichtiger Mission. Es ist ja so, dass wir eigentlich eine Strecke für einen Distanzritt probereiten. Damit hätten wir längst fertig sein sollen, aber mein Ausreitkumpel laboriert ja nun schon eine halbe Ewigkeit mit seinem Humpelfuß herum und also ging an der Front nix voran. Deswegen sind wir heute mit Diego mal da hin gefahren und haben uns die gute Hälfte vom dritten Drittel des Distanzrittes angesehen.

Diego ist gleich mal wieder munter losmarschiert und ich musste erstmal meinen Dieselmotor vorglühen. „Was?“ sagt der Mann zum Mädchen „ein DIESEL? Ich reite ja einen Hü-Brid“ (Oder „Hü-Breed“) und damit ist das endlich mal klar, warum Diego sooooo schnell ist: der hat anscheinend zwei Motoren wo ich nur einen habe! Unverschämtheit! Er ist ja ein Friese-Tinker-Mix und wahrscheinlich hat er einen Friesen-Motor und einen Tinker-Motor, während ich armes, reinrassiges Highlandpony eben nur einen einzigen Motor habe. Aber als der mal warmgelaufen war, habe ich den schnellsten aller Schritte hingelegt, den ich so schaffe. (Leider deutlich langsamer als Diegos entspannter Normalschritt).

Ihr seht schon, die Menschen waren gut gelaunt und wir Ponys auch. Leider stellte sich heraus, dass die Wege gar nicht ganz so schön sind, wie erhofft, da war doch viel Asphalt zu treten. An jeder Kreuzung haben wir angehalten und die Menschen haben Fotos gemacht – seufz. Können wir nicht einfach weiterlaufen, bitte? Das Anhalten nervt immer so. Dann zwischendurch immer mal ein Stück Trab, aber Diego trabt einfach nicht ganz so lange durch wie mein Ausreitkumpel, so dass ich die Vorteile meines Dieselmotors gar nicht so recht ins Spiel bringen kann. Kaum habe ich mich warmgelaufen, schon wird wieder durchpariert. Trotzdem war es schön, zusammen unterwegs zu sein. Ich hab nachtraben geübt, weil ich ja sowieso nie bei Diegos Schritt mithalten kann. Nachtraben ist fies für mich, weil ich da ja erst antraben und dann gleich wieder durchparieren muss. Das finde ich anstrengend und meckere dann immer etwas rum, aber Diego hat gesagt, für ihn ist das ja auch anstrengend, wenn er immer auf mich warten muss. Irgendwas ist ja immer!

Diego ist dann zwischendurch immer ein paar Seitengänge gegangen, damit das Tempo besser passt. Aber nach jedem Seitengang wurde er dann gefühlt noch flotter! Aber wir sind ja beste Freunde und kriegen das alles hin. Mein Mädchen meint ja immer, es sei sehr gut für mich, wenn ich mich im Schritt richtig anstrengen muss. 

Diego hat das mit dem Distanzritt sehr ernst genommen und sich bemüht, die Strecke schon mal ordnungsgemäß zu markieren. An jeder Kreuzung ein Äppelhaufen! Mein Mädchen hat ihn dafür doll gelobt. Nur an einer Stelle hat er es verkackt (wenn ihr das Wortspiel gestattet). Da haben wir Graspause gemacht und mein Mädchen wollte kurz auskundschaften, welcher von den beiden möglichen Wegen wohl der schönere wäre. Und da hat Diego so mitten auf die Kreuzung geäppelt, aber zu weit rechts, wir wollten nämlich dann links abbiegen. Mein Mädchen meinte, das wäre ja wohl nix.

Die Markierung ist verkackt!

Der Mann hat dann schnell einen Stock genommen und etwas nachgebessert, damit jeder die Markierung verstehen kann. Ob Diego demnächst gleich Pfeile äppelt? Wir sind gespannt!

So ist es besser verständlich

Nach guten 9km waren wir dann auch schon wieder an der Wackelkiste. Man, hatte ich einen Hunger! Dieser flotte Schritt ist ganz schön anstrengend, sage ich euch. Schnell schon mal etwas Heu naschen, während mein Mädchen mich absattelt. Sie meinte dann aber, dass ich doch lieber von hinten durch die große Tür in die Wackelkiste einsteigen soll. Ok, Hauptsache ich komme ans Buffet!

Hunger!!

Das war ein schöner Sonntags-Ausflug am Donnerstag. Und das schönste ist: das machen wir jetzt wieder öfter. Diego ist diesmal nicht gestolpert und war auch nicht so müde, also es geht gut voran mit der Fitness. Nur eins hat uns nicht so gefallen: der viele Asphalt. Da müssen wir jetzt mal sehen, ob sich das für einen Distanzritt wirklich so gut eignet, aber das besprechen die Menschen untereinander, da haben wir Ponys nix mit zu tun. Wir gehen lieber auf die Weide und gewöhnen unsere Bäuche an Gras.

Euer Distanzrittstreckentester Sir Duncan Dhu of Nakel

Die Ausbildung des Reiters

Als ich noch ein Kind war hat mein Großonkel mir ein Buch geschenkt. Kein neu gekauftes, sondern eins aus seinen Beständen, aus seiner Zeit bei der Kavallerie. Müselers Reitlehre in der Ausgabe von 1938. Mit seinem zerschlissenen Einband und den abgerundeten Ecken ist es für mich doch immer ein ganz besonderes Buch – eine Art Zeitzeuge in meinem Bücherregal.

Das Buch beginnt mit dem Kapitel „Die Ausbildung des Reiters“. Und widmet sich dann den Fragen „Wie lernt der Reiter sitzen?“, „Wie lernt der Reiter fühlen?“ und „Wie lernt der Reiter einwirken?“

Schon die Reihenfolge dieser drei Fragen sagt einiges aus. Sitzen lernen, das haben wir zu meiner Zeit noch an der Longe getan in der denkbar ungünstigsten Art und Weise („Hände ruhig!“, „Schultern zurück!“, „Absatz tief!“). Heute gebe ich natürlich im Reitunterricht auch Hinweise, wie eine Reiterin besser sitzen kann, aber ich kann trotzdem nur jeder empfehlen, sich auch separat mit ihrem Sitz zu beschäftigen. Ich bin da keine Expertin, aber es gibt viele Ausbilder, die sich genau darauf spezialisiert haben und die auch neben dem Pferd gute Angebote wie Yoga, Pilates etc haben. Sitzen lernt man nicht einmal und ist dann fertig damit. Sitzen übt man ein Leben lang.

Wie lernt der Reiter fühlen? Tja, da sind wir heute oft im Nachteil. Denn Fühlen lernt man vor allem im Vergleich und dafür bräuchte man verschiedene Reitpferde. Die meisten Frauen, die ich unterrichte, reiten immer ein und dasselbe Pferd. Das Gefühl auf diesem Pferd hat ihr Körper als „normal“ abgespeichert. Da wird es schwierig, ein neues Bewegungsbild zu bekommen. Wann immer sich euch die Gelegenheit bietet, mal ein anderes Pferd zu reiten, nehmt sie wahr. Und sei es nur 10 Minuten im Schritt: für den Körper ist es eine wertvolle Erfahrung, ein wichtiger Vergleich, um dann besser wahrzunehmen, was das eigene Pferd wohl für Besonderheiten, Schiefen oder Steifigkeiten mitbringt.

Und wie lernt der Reiter einwirken? Auch hier sind wir wieder sehr im Nachteil. Zu Müselers Zeiten lernten die Reiter auf vernünftig ausgebildeten Schulpferden. Heute sind zumindest jene Frauen, mit denen ich zu tun habe, selbst Pferdebesitzerinnen. Reitschulen mit gut ausgebildeten Pferden sind sehr selten. Wenn aber das eigene Pferd noch nicht viel weiter ausgebildet ist, als die Reiterin oben drauf, dann wird der Weg um ein vielfaches schwieriger. Denn eine Reiterin, die das Zielbild nicht im Kopf und Körper hat, weil sie es noch nie geritten ist, sitzt jetzt auf einem Pferd, dem es ganz genauso geht. Beide kämpfen mit ihren körperlichen Schwierigkeiten: die Reiterin kommt meist aus einem bewegungsarmen Alltag im Büro, das Pferd hat das eine oder andere Zipperlein und lebt ebenfalls sehr bewegungsarm (Offenstall hin oder her).

Natürlich kommen Reiterin und Pferd trotzdem voran, wenn sie dranbleiben und üben, guten Unterricht bekommen und sich weiterbilden. Dennoch glaube ich, dass die Ausbildung von Reitern heute deutlich länger dauert als damals, zu Müselers Zeiten.

Denn selbst die, die jede Woche Unterricht nehmen und viel reiten, äußern immer dasselbe Problem – und selbst Müseler wusste das schon. Er schreibt: „Es liegt nun der Gedanke nahe, dass der Reiter zunächst die einzelnen „Einwirkungen“ für sich allein ausprobiert, um dann, wenn er mit ihnen vertraut ist, „Hilfen“ geben zu können. Zu Pferde ist das in dieser Form meist leider nicht möglich, weil das Pferd auf Einwirkungen nur dann vernünftig reagieren kann, wenn mehrere von ihnen in solcher Zusammenstellung gegeben werden, dass sie als „Hilfen“ für das Pferd verständlich sind. Wollte man z.B. die Wirkung des „Annehmens“ der Zügel für sich allein ausprobieren, ohne die zum Verständnis für das Pferd notwendigen Ergänzungen der Kreuz- und Schenkeleinwirkungen mit dem richtig abgemessenen Nachdruck gleichzeitig vorzunehmen, dann wüsste das Pferd nicht, was es machen sollte.“

Kurz und gut: man muss halt immer so viele Dinge gleichzeitig tun. Und im richtigen Moment aufhören, sie zu tun. Und dann soll man noch fühlen, was das Pferd tut. Und das Atmen nicht vergessen.

Deswegen starte ich in meine neue Mission: zu versuchen, die Dinge etwas mehr auseinanderzunehmen, damit Reiterinnen die Möglichkeit haben, einzelne Bausteine zu üben, um sie anschließend zusammenzusetzen.

Darum soll mein Duncan gelegentlich als Lehrpferd zur Verfügung stehen – er muss dafür auch gar nicht perfekt ausgebildet sein, sondern nur mal die Möglichkeit bieten, etwas zu erfühlen oder zu üben. Auch Diego wird hoffentlich bald wieder als Lehrpferd arbeiten können, sobald die nötige Fitness wieder hergestellt ist. Da ich beide von unten „fernsteuern“ kann, bleibt für die Reiterin mehr Zeit zum fühlen.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, die Themen weiter herunterzubrechen. Ich möchte Workshops OHNE Pferd anbieten, der erste wird zum Thema „Timing und Rhythmus“ sein. Wer in meinem „Versuchskaninchendurchlauf“ dabei sein will, schreibt mich gerne an!

Heute haben wir viel bessere Lehrmethoden als Herr Müseler vor über 80 Jahren, denn wir wissen mehr über Pferdeverhalten und auch mehr darüber, wie der Mensch lernt. Nur das Reiten ist nicht einfacher geworden, das will – genau wie damals – gelernt und geübt werden und fertig ist man damit nie. Nicht umsonst heißt der kürzeste Reiterwitz „Ich kann´s“.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 507

Gestern war ja wieder Montagsausflug. Aber vorher war Wellness angesagt, gegen meinen schiefen Po. Der Mann hat mich ordentlich durchgeknetet. Beine dehnen und kreisen, Schweif kreisen, Muskeln massieren. Aaaaaaah so lässt es sich leben!

Schweif kreisen in den Rücken zu lockern
Beine dehnen
Herrlich, so eine Massage.

Und dann ging es in die Wackelkiste Richtung Ausreitkumpel.

Der ist jetzt wieder in der Aufbauphase angekommen, aber noch baut sich da irgendwie nix auf. Er jammert und meint, alles sei furchtbar anstrengend. Durch die Humpelei ist sein Po nämlich NOCH VIEL SCHIEFER als meiner und er bekommt zwar auch ständig Wellness, soll sich aber auch bewegen und das findet er ja so gar nicht witzig. Ich hatte ja nun am Sonntag meinen Turbo-Schritt mit Diego geübt (da bin ich ja immer hoffnungslos zu langsam, egal wie sehr ich mich bemühe) und am Montag hatte ich dann den Ausreitkumpel hinter mir, der immer meinte, ich sei viiiiiiiiel zu schnell. Wie man es macht, man macht´s verkehrt.

Wir sind wieder 5km Schritt gegangen während die Mädchen sich die neuesten Neuigkeiten erzählt haben. Weil mein Mädchen keine Lust auf drölfzig Autos hatte, hat sie kurzerhand den Ausreitkumpel zu mir in die Wackelkiste gepackt und wir sind ein kleines Stück gewackelt bis zu den schöneren Wegen, damit wir in Ruhe laufen können.

Alles ganz nett, aber unspekatulär ohne Ende. Ich hoffe ja doch sehr, dass mein Ausreitkumpel bald wieder ganz der Alte ist, damit wir endlich mal wieder ohne Ende traben können!

Bis dahin warte ich auf eine Lieferung neuer Hufschuhe und Kleber, damit ich was an die Hufe kriege was ich im Galopp nicht verliere (mein Mädchen möchte einen neuen Versuch starten) denn ich hoffe sehr, dass wir dann auch im Gelände mal wieder richtig schön galoppieren können.

Euer durchgekneteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 506

Sonntagsausflug!

Aber bevor es losgehen konnte, brauchte ich erst noch kurz eine osteopathische Behandlung. Ich bin nämlich wieder ganz krumm und schief geworden! Wahrscheinlich eine ungünstige Kombi aus Wachstum, Anweiden (dann kommt der Bauch etwas durcheinander und gast mal ein bisschen auf, da kann man schnell mal krumm werden) und der Tatsache, dass mein Mädchen mit meinen Dehnübungen geschludert hat. Tssss tssss tsss…. Jedenfalls war mein schöner runder Po ganz schief. Also hat der Mann mich erstmal behandelt, bis es einigermaßen wieder gerade war.

Dann in die Wackelkiste und los ging es! Diesmal mit Zwischenstopp. Beim Ausreitkumpel war nämlich die Pferdewaage und Diego sollte da zur Kontrolle nochmal drauf. Mein Mädchen meinte, er hätte zugenommen. Der Mann meinte, er hätte sein Gewicht ziemlich genau gehalten. Und der Mann hat gewonnen, denn Diego hat 590kg, das sind nur 5kg mehr als vor 4 Wochen. Ein gutes Gewicht für ihn, jetzt müssen nur mehr Muskeln dran. Da kommt so ein schöner Ausritt gerade gelegen! Während Diego auf der Waage war, hab ich geübt, tapfer allein in der Wackelkiste stehen zu bleiben bis Diego wieder kommt. Kann ich!

Dann sind wir weitergewackelt worden bis in den Wald. Dort haben wir die gute alte Tour gemacht, die ist fast 10 km lang und ganz schön. Abgesehen natürlich von dem Schotter, den sie an einigen Stellen leider sehr aufgefrischt haben.

Weil ich ja so schief war und weil Diego noch nicht so viele Tragemuskeln hat, sind die Menschen heute ein gutes Stück zu Fuß gegangen. Dann aufgestiegen und los ging es im Trab. Diego war gut drauf und hat ein ordentliches Tempo vorgelegt. Ein frischer, kühler Wind wehte uns um die Nase, da läuft es sich gleich viel besser als wenn es so warm ist.

Mein Mädchen hatte vergessen, mir meine Hufglocken anzuziehen, also war angaloppieren strengstens verboten, denn dann trete ich mir ja immer in meine Schuhe und verdrehe mir die. Da musste ich mich im Trab ein bisschen beeilen, hab ich aber geschafft! Dann kurze Schrittpause, dann noch ein ausgiebiger Trab. Einmal bin ich dann doch kurz in den Galopp gefallen und mein Mädchen hat runter geschielt und gesagt, jetzt ist der Schuh verdreht. Es traf sich aber ganz gut, denn wir waren eh schon da, wo wir traditionell Graspause machen. Da konnte mein Mädchen schnell den Schuh wieder geraderücken.

Nach dem leckeren Schmaus noch ein Kilometer im Trab, aber Diego wurde schon etwas müde, der wurde immer langsamer und fing an zu stolpern. Wir waren aber sowieso auf dem Hauptweg angekommen, da wird der Boden wieder etwas schottrig und also sind die Menschen wieder abgestiegen und ein gutes Stück zu Fuß gegangen.

Zwischendurch zu Fuß, damit unsere Rücken sich erholen können.

Nur die letzten 10 min haben sie sich dann nochmal tragen lassen. Ab in die Wackelkiste und nach hause. Zu hause hat der Mann dann nochmal nach meinem schiefen Becken geschaut. Durch den Ausritt war meine Muskulatur ja jetzt gut durchgewärmt und also konnten wir noch ein paar Dehnübungen nachlegen. Noch bin ich nicht ganz gerade, aber das wird schon wieder, wenn wir jetzt dranbleiben. Ist ja nicht das erste mal, dass ich schief und krumm bin… Jetzt wird wieder viel gedehnt und ordentlich Gymnastik gemacht, sagt mein Mädchen, und wachsen sollte ich jetzt bitte wieder vorn, hinten ist es nämlich genug. Bei dem Thema redet sie mir also immer noch rein, manche Dinge ändern sich wohl nie.

Aber der Ausritt war toll und hat meine Laune deutlich gesteigert.

Euer bald wieder gerader Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 505

Entschuldigt bitte, liebe Menschen, mein Mädchen hat mit der Technik gekämpft. Glück für euch, weil ihr jetzt zwei Tagebucheinträge an einem Tag bekommt! Irgendwie ist es mit der Technik fast so wie mit der Doppellonge: eine Art Hassliebe. Mit der Technik hab ich ja zum Glück nix zu tun, da soll sie sich mal schön drum kümmern. Aber bei der Doppellonge bin ich natürlich beteiligt! Wenn alles gut läuft, dann finden wir das beide toll. Es ist dann fast wie ein Tanz, ich immer auf dem weiten Weg und mein Mädchen in der Mitte dirigiert mich – geradeaus, um die Kurve, auf den kleinen Kreis, auf den größeren Kreis, über die Stangen oder durch die Gassen. Ich kann nach Herzenslust traben und galoppieren, ohne dass sie sich über Gebühr verausgaben muss (ihr wisst ja: sie ist einfach nicht so fit wie ich!).

Aber wehe, wenn sie dann nachgreifen oder – Gott bewahre! – die Richtung wechseln möchte. Dann vertüddelt sich die Doppellonge und mein Mädchen mutiert sofort zum Rohrspatz und schimpft und flucht bis sie alles wieder sortiert hat. Mir ist es inzwischen ziemlich einerlei, ich weiß ungefähr was ich in der Zeit tun soll und wenn ich es mal nicht weiß, halte ich an und schaue sie an, dann sagt sie es mir. Sie weiß ja, dass ich nix dafür kann und entschuldigt sich dann immer bei mir. Macht nix, mein Mädchen, darf ich jetzt dafür noch ein bisschen galoppieren zum Trost? Und dann tanzen wir wieder. Das macht Spaß! Langsam wird sie besser und schimpft seltener. Neulich meinte sie dann, sie muss doch wirklich nochmal in Ruhe üben. Und was das bedeutet, zeigte sich kurze Zeit später als sie in Begleitung des Mannes auf dem Reitplatz auftauchte. Der arme Kerl! Er musste nun als Übungspferd herhalten und immer schön auf dem Reitplatz herum laufen (zum Glück für ihn fand die Übung nur im Schritt statt!). Er war sehr geduldig, aber am Ende, als mein Mädchen ihr braves „Pferdchen“ loben wollte, hat er noch kurz gezeigt, was er von der Aktion hielt….

Der arme Mann musste herhalten…

Ach naja, im Großen und Ganzen hat er mein Mädchen lieb und macht sowas ja gern um ihr zu helfen.

Ein paar Tage später war ich dann wieder dran. Und tatsächlich, mein Mädchen war besser geworden! Der Reitplatz war allerdings wieder etwas feuchter und so durfte ich dann gleich noch etwas „Aquatraining“ mitmachen. Später bin ich sogar zum ersten Mal durch die Pfütze galoppiert (davon gibt es leider kein Video)! Erst war ich nicht sicher, ob das so wirklich geht, aber tatsächlich: es geht.

Mein Mädchen war wieder total stolz auf mich. Dann wollte sie mal schauen, wie es um meine Galopp-Künste jetzt so bestellt ist. Galopp im Kreis finde ich ja immer noch anstrengend und sie hat gedacht, sie zählt mal runden. 6 Zirkelrunden habe ich gut geschafft und dann haben wir gleich noch 6 Runden in die andere Richtung gemacht. Ich könnte natürlich länger galoppieren, aber dann würde ich doch eher in „Motorrad-Schräglage“ um die Kurven sausen und das soll ich ja nicht, ich soll das ja vernünftig machen und da verlassen mich dann halt doch noch die Kräfte. Aber dafür üben wir das ja und bald kann ich das noch viiiiiel besser.

Euer bedoppellongter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 504

Neulich war wieder der Zahnarzt da. Der hat unsere Beißerchen durchgecheckt. Wir werden dann alle in die Halle geholt, damit wir parat stehen und dann macht er einfach ein Pony nach dem anderen. Ich bin seit meiner blöden Krankheit damals nach der Kastration ja nicht mehr so gut auf alles zu sprechen was entfernt nach Tierarzt aussieht. Habe mich also erstmal ein bisschen in der Ecke versteckt und gewartet ob ich damit durchkomme. Gatsby war zuerst dran. Dann Caruso. Caruso ist ja so klein, da muss der Zahnarzt immer ein extra kleines Maulgatter nehmen und sich selbst ganz viel bücken. Aber dann ist Caruso auf einmal gestiegen! Stand einen Moment ganz ruhig auf seinen Hinterbeinen, kam wieder runter und plötzlich hielt der Zahnarzt die Zange hoch – da war ein Zahn raus gekommen! Der war so lose, dass er den einfach so raus nehmen konnte. Er muss Caruso fürchterlich gestört haben, weil er ganz hoch stand und beim kauen immer herumgewackelt hat. Deswegen hatte er sich wohl in letzter Zeit auch ein paar mal so blöde verschluckt! Jetzt hat Caruso also einen Backenzahn weniger. Der Zahnarzt sagt, Caruso hat seinen Zahn gut abgenutzt. Wir wissen ja nicht, wie alt er ist, aber wohl so Ende 20.

Dann war ich dran. Ich mochte nicht kommen, als mein Mädchen mich gerufen hat, also musste sie mich abholen. Aber mit dem Zahnarzt hab ich mich trotzdem gut vertragen, der ist ja doch ein netter Kerl. Während er meine Zähne von scharfen Kanten befreit hat, hat mein Mädchen ihm was vorgeschwärmt, wie toll ich bin. Das höre ich immer gern und habe also stillgehalten. Sie hat ihm von meiner kleinen Freundin erzählt, der ich jetzt alles über Ponys beibringe, und er war sehr beeindruckt. Und dann war ich auch schon fertig und durfte gehen. Habe mich wieder in der Ecke versteckt – man weiß ja nie!

Merlin sollte eigentlich nur einmal angeschaut werden. Der hasst Zahnärzte, weil ihm im Maul schon so oft was wehgetan hat. Aber mein Mädchen wollte einmal nachschauen lassen, weil er in letzter Zeit wieder so sehr schlecht gekaut hat (er kann ja eh noch kaum was kauen und bekommt deswegen einen Brei-Eimer nach dem anderen, um in Form zu bleiben). Der Zahnarzt hat alles abgetastet und dann die Zange gezückt. Zack! War bei Merlin auch ein Backenzahn raus! Der war auch schon so lose, dass er einfach so raus kam. Jetzt hat Merlin NOCH weniger Zähne im Unterkiefer. Da ist nicht mehr viel übrig, sagt der Zahnarzt. Und das heißt natürlich, dass kauen immer noch schwieriger wird. Mehr Brei muss her! Mein Mädchen hat grimmig gelacht und gesagt, sonst wüsste sie ja auch eh nicht wohin mit dem vielen Geld.

Der größere Zahn ist von Caruso! Von Merlins Zähnen ist nicht mehr viel übrig….

Dann hat der Zahnarzt unsere Wippe gesehen und angefangen, mein Mädchen darüber auszufragen. Sie hat gesagt „wir zeigen dir, wie das geht“ und hat mich gerufen. Ich bin aber nicht gekommen – ich will nicht nochmal zum Zahnarzt! Auch wenn er nett ist: er ist Zahnarzt! Also musste sie mich wieder abholen. Aber als es dann auf die Wippe ging, war ich natürlich sofort voll am Start! Habe alles gezeigt, was ich kann. Und der Zahnarzt war extrem beeindruckt. Er meinte, nur vom Zuschauen würde er schon in Schweiß geraten, weil das so anstrengend aussieht und das wäre ja voll das gute Workout. Ständig hat er gesagt, es wäre ja erstaunlich, dass ich da immer wieder rauf will, obwohl es wackelt und anstrengend ist. Ich glaube, der Typ hat einfach noch nie so richtig gute Kekse gegessen! Dafür würde er sich auch so ins Zeug legen! Abgesehen davon macht das einfach soooo Spaß, auszuprobieren was noch alles geht. Rückwärts auf die Wippe rauf gehen ist ja mein neuester Trick. Klappt jetzt auch schon voll oft!

Jetzt bin ich mit dem Zahnarzt wieder versöhnt, weil er mich so schön bewundert hat. Trotzdem bin ich froh, wenn ich ihn erst in einem Jahr wieder sehe. Und zum Glück sitzen meine Backenzähne alle bombenfest wie es sich in meinem Alter ja auch gehört.

Euer zahngepflegter Sir Duncan Dhu of Nakel

Lehrpferde

Vor 30 Jahren bin ich meinem ersten Pferd „Wurzel“ begegnet. Ein Warmblüter, der vom Reitverein als Schulpferd gekauft wurde. Alsbald stellte sich jedoch heraus, dass Wurzel für diese Aufgabe nicht geeignet war, denn er entwickelte einige Marotten, die sich immer weiter verschlimmerten. Eine davon war die, die für mich rückblickend meinen persönlichen Startpunkt in eine neue Art des Umgangs mit Pferden darstellt:

Am Ende jeder Reitstunde stellten alle Reiter ihre Pferde auf der Mittellinie auf. Bei A war der Ausgang aus der Reithalle. Wurzel sorgte dafür, dass er immer direkt dort stand, egal, was man versuchte. Sobald man dann abgestiegen war und ihn durch die Tür in den angeschlossenen Stall führen wollte, rannte er los und sauste von der Reithalle in seine Box – ohne Rücksicht auf Verluste. Niemand, auch nicht unsere sehr resolute Reitlehrerin, konnte ihn davon abbringen.

Eines Tages hatte ich eine Idee: ich ließ Wurzel in seine Box flitzen, aber als er dort war, führte ich ihn ungerührt zurück in die Halle. Der Vorgang wiederholte sich ein paar mal, bis Wurzel schließlich verstand und gesittet neben mir her in seine Box ging, wo ich ihn dann absatteln konnte. Seitdem ging er mit mir immer anständig aus der Halle in die Box. Dieser Tag war für mich der, an dem ich verstand, stur zu sein, statt gewaltätig zu werden. Weder wildes Gezerre am Gebiss, noch Schläge mit der Gerte oder Geschrei hatten Wurzel dazu gebracht, sein Verhalten zu ändern. Aber stures Wiederholen hatte etwas geändert.

Wenn ich heute daran denke, was für ein schreckliches Leben die Pferde dort hatten, möchte ich Wurzel im Nachhinein zurufen: lauf! Lauf nicht in deine Box, sondern so weit weg, wie du nur kannst…

Einige Zeit später wurde Wurzel mein erstes eigenes Pferd und vielleicht mein größter Lehrmeister. Er war kein gutes Lehrpferd, er war der Typ Pferd, der so lange „nein“ sagt, bis man als Mensch notgedrungen andere Wege findet. Das ist eine sehr harte Schule für den Menschen und fürs Pferd ein schmerzhafter und steiniger Weg. Ich bin dankbar, dass Wurzel so sehr für sich selbst eingestanden hat und mir immer ganz klar die Grenzen aufgezeigt hat. Wer weiß, wo ich ohne ihn heute wäre?

Heute ist die Pferdewelt eine andere als vor 30 Jahren und das ist gut so. Und heute steht hier mein kleiner großer Duncan und lernt, ein Lehrpferd zu sein. Ein echtes Lehrpferd, nicht eins, was nur „nein“ sagt. Eins, das Menschen unterstützt, zu lernen. Und ich beobachte mit Faszination, wie Duncan von Woche zu Woche lernt, zu lehren.

Was macht ein gutes Lehrpferd aus? Ich finde, an erster Stelle steht immer die Sicherheit. Duncan lernt, dass langsamer werden immer – ausnahmslos – die bessere Option ist. Er beobachtet, während er mit seiner kleinen Freundin arbeitet, jede meiner Reaktionen und leitet sich daraus ab, welches Verhalten ich gut finde und welches nicht. Wenn er nicht weiter weiß, fragt er mich um Hilfe, indem er mich anschaut und sich dann von mir „fernsteuern“ lässt. Dazwischen versucht er, die noch sehr undeutlichen und wenig überzeugenden Anweisungen seiner kleinen Freundin zu entschlüsseln. Ein gutes Lehrpferd ist eines, das weiß, wann es genau das macht, was ihm vom Schüler gesagt wird und wann nicht. Als das Mädchen Duncan so ungeschickt geführt hat, dass er auf ihrem Fuß zu stehen kam, war das ein Zeichen für Duncans Unerfahrenheit. Er hatte genau getan, was sie gesagt hatte. Nun darf er lernen, in manchen Situationen selbständig anders zu entscheiden, damit so etwas nicht wieder passiert. Denn es wird nicht der letzte Fehler dieser Art gewesen sein – ein Lehrpferd ist ja genau dazu da, dass eine Schülerin Fehler machen kann, ohne in Gefahr zu geraten.

Was für eine schwierige Aufgabe für ein Pony! Ich habe Merlin vor Augen, der ein perfekter Lehrer war. Woher er das konnte, weiß ich nicht (beim Vorbesitzer hatte er das sicher nicht gelernt). Und ich wünsche mir, dass Duncan in ein paar Jahren auch so souverän ist. Dass er genau weiß, wann er die Verantwortung übernehmen soll und wann er – zu Ausbildungszwecken – genau das machen soll, was der Mensch ihm sagt. Ich weiß noch genau, wie Merlin immer geschaut hat, wenn er in aller Seelenruhe genau den Blödsinn gemacht hat, den die Reiterin auf seinem Rücken ihm gesagt hat. Sein Gesichtsausdruck war klar: „ich weiß, dass das nicht das ist, was du WILLST aber es ist das was du SAGST“. Niemals jedoch hätte er sich so verhalten, wenn dabei jemand zu Schaden gekommen wäre. Dann übernahm er die Führung und sein Gesicht sagte „nein, das machen wir nicht. Versuch es nochmal“. Und ich war immer aufs Neue fasziniert von dieser wunderbaren Fähigkeit, zu unterscheiden.

Gestern, als Duncans kleine Schülerin ihn zum ersten Mal selbst gelenkt hat und er der Wand in der Halle zu nah kam, hat er vorbildlich angehalten und auf weitere Anweisungen gewartet. So blieb ihr Bein unversehrt und ich konnte Duncan einen Tipp geben, was in so einer Situation zu tun ist. Und jede solcher Situationen gibt mir das Gefühl: er wird großartig werden in dem Job. Und was noch wichtiger ist: er hat eindeutig Spaß daran.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 503

Montagsausflug! Ab in die Wackelkiste zum Ausreitkumpel! Aber kaum war ich aus der Wackelkiste ausgestiegen, öffnete der Himmel seine Schleusen und ergoß mittelgroße Fluten über uns! Wir haben uns schnell unter einen Baum gestellt und gewartet, während mein Reitpad schön im Regen lag und nass wurde. Zum Glück ließ es bald ein bisschen nach und wurde zu normalem Regen und mein Mädchen hat zum Glück immer ihren halben Kleiderschrank im Auto, so dass sie sich schnell eine trockene, wärmere Jacke und einen Regenschutz-Reitrock anziehen konnte. Sie hatte allerdings schon Sorge, dass einige Minuten später die Sonne wieder rauskommt und sie dann in ihren Klamotten dampfgegart wird.

Mein Ausreitkumpel kuriert langsam seinen Humpelfuß und kann jetzt wieder eine kleine Schrittrunde gehen. Nun ist ja schon wieder Mückenzeit und mein Ausreitkumpel lebt am Rand eines Moores – da könnt ihr euch ja vorstellen, wie viele von den Vampiren da rumfliegen! Deswegen ist da normalerweise keine Schrittrunde drin um diese Jahreszeit, da kann man nur mit viel Tempo den Blutsaugern entgehen. Was ist also zu tun? Anti-Romantik! Denn an der Straße sind nicht so viele Mücken. Also hat das Mädchen vom Ausreitkumpel das übliche Maß an Hunden an die Leine genommen (in diesem Falle waren es 4 – oder hab ich mich verzählt?) und die Mädchen sind mit uns erstmal zu Fuß gegangen. Sie wollten die Zeit nutzen um ein bisschen zu schnacken. Aber die Unterbrechungsrate war doch recht hoch. Auto! Alle an den Rand! Dann wieder einige Meter weiter gehen. Auto! Alle an den Rand! Zwischendurch ein großer LKW, da wurde mir etwas mulmig, aber mein Mädchen hatte zum Glück Kekse eingesteckt.

Als wir dann an die Kreuzung kamen und auf die etwas ruhigere Straße abgebogen waren, wollte mein Mädchen gern aufsteigen. Aber mit dem Reitrock ist das nicht so einfach mit eben mal hochspringen und da ich meine Zebra-Decke anhatte, konnte sie auch nicht in meine Mähne greifen. Also musste eine Aufsteigehilfe her und siehe da, jemand hat uns das Luxusmodell da hingestellt! Einziger Punkt: mein Mädchen hatte sich in den Kopf gesetzt, dass ich da rückwärts einparken soll. Wir hätten ja auch durchgehen und wenden können, aber sie fand, das sei eine gute Übung. Ich war nicht gleich davon überzeugt aber dann hatte ich es raus, wie ich einfädeln muss. Mein Mädchen hatte nur das mit dem Lenken nicht ganz raus, so dass ich dann mit dem einen Hinterbein voll gegen die Holzpfosten gedotzt bin. Mädchen! Du hast gesagt, du guckst für mich! Tat ihr dann auch leid. Aber ich bin ja so ein Guter, ich hab sie nur kurz böse angeschaut und dann die nötige Kurskorrektur vorgenommen. Mein Mädchen ist also aufgestiegen, das Mädchen vom Ausreitkumpel ist etwas später auch aufgestiegen und weiter ging es im Schritt. Auto! Alle an den Rand! Da kamen schon noch ganz schön viele. Aber die meisten waren sehr, sehr nett und sind ganz langsam an uns vorbeigefahren.

Perfekte Aufsteigehilfe

Weiter ging es links herum an ein paar Höfen vorbei. Da konnte ich nochmal meine Fokus-Wechsel üben. Das hat mein Mädchen als neue Übung auserkoren. Weil ich, wenn ich interessante Sachen sehe, immer alles andere vergesse. Ich schaue dann so gebannt dort hin, dass ich über meine eigenen Füße stolper oder in den Graben laufe, weil ich nicht mitkriege, was sonst so los ist. Früher hat mein Mädchen dann immer die Lenkung übernommen, aber jetzt findet sie, ich habe langsam mal genug von der Welt gesehen und kann mir abgewöhnen, mich so festzuglotzen. Sie sagt dann immer, ich sei doch nicht Glotzkowski. 2-3 Sekunden gucken ist Maximal-Zeit, dann einmal den Rest der Welt wieder wahrnehmen, dann kann ich ja auch wieder gucken wohin ich will. Also sagt sie mir jetzt immer „Fokus-Wechsel!“ (mit einem kleinen Impuls am Bein und am Zügel), dann soll ich schnell mal woanders hingucken oder nach ihr da oben lauschen. Und tatsächlich, ich muss ihr recht geben: ich stolpere dann weniger und Dinge sind weniger gruselig, wenn man sie nicht allzu intensiv anstarrt. Das ist interessant! Eines Tages, sagt sie, kann ich das ganz von allein, dann muss sie es mir nicht mehr sagen.

Auf diese Art haben wir also die Höfe passiert. Dann noch ein Stück an den Bahnschienen entlang – als der Zug kam, ist mein Mädchen schnell abgesprungen und hat mir Kekse gegeben. Aber es war ein ganz kurzer Zug und ich fand den uninteressant. Sie war dann stolz auf sich, weil sie es doch geschafft hat, wieder aufzuspringen. Kurz danach kam aber noch ein Zug und sie ist wieder abgesprungen und hat beschlossen, jetzt den Rest zu Fuß zu gehen, so wie das Mädchen vom Ausreitkumpel auch. Allerdings waren die beiden etwas am Jammern, weil die Reitpads ja vor dem Aufsteigen nass geworden waren und sie also nasse Hosen hatten. Sie liefen etwas breitbeinig und angewiedert, aber andererseits haben sie festgestellt, dass es eine ganz gute Kühlung war. Denn mittlerweile war längst die Sonne wieder raus gekommen und eigentlich waren die beiden viel zu warm angezogen. So haben sie jetzt noch den wassergekühlten Sattel erfunden und werden demnächst Patent darauf anmelden.

Schön war das, auch wenn die Auto-Quote eindeutig zu hoch und die Trab-Quote viel zu niedrig war. Vielleicht ist mein Ausreitkumpel ja bald wieder ganz fit und wir können endlich mal wieder so richtig ausgiebig losziehen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (nicht verwandt mit Mike Glotzkowski)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 502

Ach, endlich sind die Sonntage wieder so, wie Sonntage sein sollen. Heute morgen war zwar Gewitter und Regen, aber die Menschen wussten schon, dass das bald zu Ende ist und haben uns im Stall schon mal alles angezogen, während wir noch etwas Heu knabbern durften.

Als es aufhörte zu regnen, ging es dann los. Schon wieder über den Berg! Aber diesmal im Trab und ich vorneweg. Mein Mädchen hat mich angefeuert, dass ich bis zum bitteren Ende hoch trabe. Das ist soooo fies, weil er Berg ja immer steiler wird! Diego hatte schon durchpariert. Oben angekommen, war dann die traditionelle Graspause und mein neugieriges Mädchen hat unseren Puls gesucht – und gefunden. Meiner war anfangs bei 84 und ging dann fix runter auf 68, das fand mein Mädchen prima, weil das heißt, dass ich mich „endlich mal angestrengt“ hätte. Also wirklich! Bei Diego allerdings hat sie streng geguckt und „40“ gesagt. Der Mann hat angefangen zu lachen und gesagt, Diego hätte wohl sehr gut darauf geachtet, sich ja nicht zu viel anzustrengen.

Weil Diego also topfit war, haben wir dann noch den Schlenker rechtsrum gemacht, also quasi die Hausrunde angehängt. Wir haben ein bisschen bergab traben geübt und dann kamen wir an den Dornröschenweg. Nun hat es ja viel geregnet und es war warmes Wetter und – zack!- ist es überall grün und auch total zugewachsen. Der Dornröschenweg ist kaum noch zu sehen und die Zweige von oben hängen sehr tief. Mein Mädchen hat sich ordentlich geduckt, aber als wir aus dem Weg wieder rauskamen, hat sie gehustet und gesagt, sie hätte jetzt eine vollständige Mahlzeit zu sich genommen, mit pflanzlichen und tierischen Bestandteilen. Da hatte sie wohl den Mund nicht zu? Während wir Ponys noch etwas grasen durften, hat mein Mädchen in einer Tour gehustet und gesagt, die Proteine, die sie zu sich genommen hätte, wären wohl doch noch nicht ganz tot…. na lecker.

Da geht’s durch? Ja und danach war mein Mädchen satt….

Als sie dann irgendwann alles runtergeschluckt hatte, ist sie wieder aufgestiegen. Der Weg ist dort in sich sehr schräg und mein Mädchen und ich sind auf der niedrigeren Wegseite gewesen. Schaut der Mann auf uns herab und sagt „man, seid ihr klein!“ ooooooh da wurde mein Mädchen ganz grimmig! Wo er vorher schon gesagt hatte, ich wäre im Schritt so langsam, dass man mir ihm Gehen die Hufschuhe besohlen könnte. Dabei hab ich mich so beeilt! Mein Mädchen hat vorgeschlagen, wir könnten Diego ja mal auf 1,40m schrumpfen und dann sehen wie schnell er dann noch vorankommt. Der mit seinen langen Beinen und den Siebenmeilenstiefeln.

Zum Schluss haben wir noch etwas „Angebertrab“ geübt. Das ist so langsamer Trab wie auf dem Reitplatz, so dass die Menschen aussitzen können. Diego vorneweg und ich war hinten am drängeln. Mein Mädchen meinte, ich kann wohl nicht so gut langsam traben. Aber dann hat sie probiert, wie es klappt wenn ich vorneweg gehe und da kann ich seeeeeeehr langsam traben. Es ist nur so: wenn ich einen Hintern vor mir sehe, kommt meine Vorliebe fürs Popo-Kneifen durch, da kann ich nicht gegen an! Angeblich will sie das jetzt mit mir üben. Ich bin aber nicht sicher, ob ich mir bei dem Thema wirklich reinreden lasse.

Schließlich waren wir zu hause und wir Ponys haben uns duschen lassen. Weil ich den Berg im Trab gemeistert hatte und es vorher geregnet hat, war mein Bauch ganz dreckig und mein Mädchen hat mir eine Unterbodenwäsche verpasst. Danach bin ich mich erstmal schön panieren gegangen und jetzt gedenke ich den Rest vom Sonntag zu verbummeln. Nachher geht´s nochmal auf die Weide, da freue ich mich schon drauf!

Unterbodenwäsche war nötig.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 501

Erinnert ihr euch noch, dass ich springen lerne? Ich darf sagen: ich mache gute Fortschritte! Während mein Mädchen mit der Doppellonge übt, verbessere ich meine Springmanier. Mein Mädchen hat jetzt rausgefunden, wie ich es am besten schaffe: sie darf vor dem Sprung gar nix mehr zu mir sagen (ich muss mich dann nämlich doll konzentrieren!) und im Moment muss ich noch ganz gerade auf den Sprung zu kommen. Später soll ich das auch aus einer Kurve heraus schaffen, aber bisher endet das immer mit Stangensalat, weil ich den Absprungpunkt nicht finde.

Da der Mann mit Diego auf dem Reitplatz war und Diego wie immer früher Feierabend machen durfte als ich (irgendwie unfair, oder?), hat mein Mädchen den Mann gefragt ob er meine Springkünste mal filmen kann. Also nochmal springen, Sir Duncan! Jawoll, mein Mädchen, geht los. Angaloppieren, Maß nehmen und Hopp! Perfekt! Mein Mädchen meinte, es sei Zeit für Feierabend. Dann hat aber der Mann gefragt, ob ich nicht nochmal springen könnte, damit er mich noch aus einer anderen Perspektive filmen kann. Naaaaaaa gut. Ich war nicht ganz so begeistert, habe mich aber überreden lassen. Mein Mädchen hat mich angefeuert…. und das kann ich nicht so gut leiden! Wenn ich schon alles gebe, mag ich nicht angefeuert werden! Und ich war eigentlich schon fertig! Deswegen habe ich ein bisschen herumgemault. Dann ist der Sprung schiefgegangen und ich habe noch mehr rumgemault. Dann hat der Sprung geklappt, aber mein Mädchen fand es doof, dass ich so weit rein gekommen bin und hat mit der Peitsche gewedelt. Da wurde es mir zu bunt! Habe ihr meine Hinterhufe gezeigt! Normalerweise versteht sie, was ich damit sagen will. Problem war nur, dass ich irgendwie mit dem Bein über die Doppellonge geraten bin und sich die Longen um mein Bein gewickelt haben! Ich hab gleich nochmal ausgetreten in der Hoffnung, dass es wieder weggeht, aber das hat nicht geklappt. Mein Mädchen hat sich doll erschrocken, dass ich so hoch austrete, dann hat sie erst gesehen, was passiert war. Hat die Longe nachgegeben und HOOOOOOO gesagt. Und gelernt ist gelernt! Ich hab also direkt die Bremse reingehauen. Da war mein Mädchen sehr, sehr stolz auf mich, dass ich so besonnen reagiert habe. Dadurch habe ich mir auch gar nicht weh getan und wir haben einfach in aller Ruhe den Sprung nochmal gemacht. Feierabend!

Später hat mein Mädchen gesagt, dass ich mal ein sehr gutes Kutschpony werde. Wer anhalten kann, wenn sich was vertüddelt hat, den kann man vor die Kutsche spannen. Ja, da will ich seit Jahren hin, mein Mädchen, aber du kommst ja nicht in die Puschen! Es ist ein Drame, wenn man so einen langsamen Menschen erwischt hat, ich sage es euch. Aber ich bleibe dran und eines Tages wird es so weit sein. Bis dahin verbessere ich weiter meine Springkünste. Hopp!

Hopp! Kann ich jetzt schon ganz gut.

Euer vertüddelter Sir Duncan Dhu of Nakel