Buch: Vom Longensalat zur Doppellonge

Ich habe mal wieder was gelesen. Ich tue das selten, ich kann nicht gut aus Büchern lernen. Aber das Thema Doppellonge hat mich gepackt und ich habe schon lange nach einem Buch gesucht, was mich anspricht. Zum Glück kann man ja im Internet durch Bücher stöbern und oft ein paar Seiten einsehen und jedesmal sah ich dort Dinge, die mir nicht gefielen. Nein, ich will nicht 4 Umlenkrollen an mein Pony schnallen, will nicht die äußere Longe ums Hinterbein führen und habe auch sonst keinen weiteren Verschnürungsbedarf. Eigentlich will ich vor allem mal Griffe lernen, die wirklich funktionieren.

Dann hörte ich einen Podcast, in dem Sabrina Möller, die Autorin des heute vorgestellten Buches, über ihre Doppellongenarbeit spricht. Und als sie dann den Titel ihres Buches nannte, da hatte sie mich. Longensalat, das ist ja genau das, was ich immer habe. Und nur die Tatsache, dass mein Pony so artig und geduldig ist und so wunderbar auf Stimmkommandos hört, rettet mich ein ums andere mal. So habe ich also dieses Buch bestellt und ich wurde nicht enttäuscht.

Für jemanden wie mich, die eher instinktiv gegen all dieses Verschnallen und Verschnüren ist, ist es eine Wohltat, mal genau aufgeschlüsselt erklärt zu bekommen, welche Kräfte bei welcher Verschnallung wo wirken. Und warum die Verschnallung, die mir anfangs für Duncan empfohlen wurde, eben doch gar nicht unbedingt einfacher fürs Pferd ist, sondern in Wirklichkeit meistens nur einfacher für den Menschen. Und wie man es besser machen kann. Allerdings erschüttern mich die vielen Seiten der Erklärung, was die Autorin alles NICHT macht, denn all das steht anscheinend in vielen Lehrbüchern drin und wird (nicht nur) von der FN genau so propagiert. Und zwischen den Zeilen kann ich lesen, dass dort eben immer noch die Devise gilt „Hauptsache der Kopf ist unten“. Es macht mich traurig, dass jemand, der ein schönes Buch über pferdegerechte Arbeit schreibt, so viele Seiten darauf verschwenden muss, erstmal zu erklären, warum sie all diese Dinge nicht tut. 14 Seiten gehen drauf um alte Zöpfe abzuschneiden und das in dem Wissen, dass eben jene Methoden weiterhin überall gelehrt und gedruckt werden.

Aber zurück zum Buch: Nachdem also all die ungünstigen Verschnallungsvarianten erklärt wurden (Vorteil: es bleiben nur zwei Verschnallungen übrig, die sinnvoll sind, das ist leichter zu merken), widmet sich die Autorin der Körpersprache und den Signalen des Longenführers. Hier bin ich an einer Stelle für mich auf andere Erkenntnisse gestoßen, das würde ich aber unter „persönlicher Stil“ oder „Prioritäten“ verbuchen.

Weiter geht es mit Erklärungen, warum man am Kopf des Pferdes nicht herumziehen sollte (auch hier frage ich mich immer wieder, wie es bloß sein kann, dass man das IMMER WIEDER erklären muss, aber ich sehe jeden Tag, dass es nötig ist….). Auf den folgenden Seiten kommt kurz „Raketenwissenschaft“. Ich sage mal so: wer mit der Doppellonge anfängt, wird sich hier mit Sicherheit überfordert fühlen. Die Parade ganz korrekt im richtigen Moment der Stützbeinphase zu geben ist was für Fortgeschrittene. Aber das ist ja toll: auch die Fortgeschrittenen können in dem Buch noch Feinheiten finden, mit denen sie ihre Arbeit verbessern können. Ich schiebe das für mich noch ein bisschen nach hinten, denn noch ist zu oft Salat in meinen Händen, als dass ich schon so gezielt einwirken könnte. Bis dahin freue ich mich, dass mein Pony gut auf Körpersprache und Stimmkommandos reagiert, so dass ich für die Basisübungen, die wir machen, keine superkorrekte Longenführung brauche. Denn irgendwie muss man das ganze ja auch noch ein bisschen üben dürfen und währen die Autorin ganz richtig empfiehlt, die Dinge viel am Lehrgerät und mit menschlichen Partnern zu üben, ist es dann mit einem Pferd eben doch nochmal was anderes. Auch im Kapitel über das korrekte Timing von treibender Hilfe und Parade kann man die (berechtigte) Kritik der Autorin an den gängigen Methoden finden und bekommt ganz genau erklärt, warum man eben NICHT gleichzeitig hinten treiben und vorne annehmen sollte.

Dann geht es ans Eingemachte: die Griffe. Hier hat das Buch mich erstmal überrascht. Ich wusste, dass es an der Doppellonge einige verschiedene Möglichkeiten der Handhabung geht und ich hatte irgendwie gedacht (warum weiß ich nicht genau, ich glaube ich hatte das im Podcast falsch verstanden), dass hier verschiedene Möglichkeiten dargestellt werden mit Vor- und Nachteilen. Das ist nicht der Fall. Die Autorin führt die Doppellonge nach Achenbach und das ist auch das System, was sie im Buch erklärt. Ich bin erst etwas erschrocken, denn in diesem System bleibt die Longe immer in der linken Hand und die Peitsche in der rechten, auch wenn man rechtsherum longiert. Bisher hatte ich das für ein zumindest für mich ungeeignetes System gehalten, da ich dachte, es bringt die Körpersprache komplett durcheinander, wenn man überkreuz arbeitet. Allerdings war ich, als ich „Achenbach“ las, gleich Feuer und Flamme, denn nach Achenbach wird hierzulande auch Kutsche gefahren, das heißt, die Griffe sind im Grunde die Gleichen und man muss nicht noch eine neue Variante von Griffen lernen. Diese Griffe werden detailliert in Wort und Bild erklärt. Praktisch, weil zum Beispiel einer den Text vorlesen kann, der andere entsprechend greift und man dann anhand des Bildes kontrollieren kann, ob man es richtig verstanden hat. Das finde ich besser, als wenn es nur Bilder mit kurzen Hinweisen gibt.

Gut gefällt mir auch, dass nicht nur die „normale“ Doppellongenarbeit abgehandelt wird, sondern auch andere mögliche Positionen gezeigt werden, die mit der Doppellonge möglich sind (Handarbeit, Langzügel, Fahren vom Boden) und die Wechsel zwischen diesen Positionen, was die Arbeit mit der Doppellonge sehr viel interessanter und vielseitiger macht.

Schließlich erklärt die Autorin noch die Gewöhnung des Pferdes an die Doppellonge. Hier zeigt sich, dass doch dringend ein Helfer dabei sein sollte für die ersten Schritte, auch wenn man ein ruhiges Pferd hat, macht es das für alle so viel leichter und sicherer. Und selbst der Weg vom Putzplatz zum Reitplatz und das Auf- und Abwickeln der Doppellonge werden detailliert erklärt. Auf den letzten Seiten finden sich einige Übungen und dazu aufgelistet mögliche Probleme und ihre Ursachen.

Natürlich habe ich nicht erst das ganze Buch gelesen und dann angefangen, dafür bin ich zu ungeduldig und mein Pony kennt ja die Doppellonge auch schon und ist sehr sicher und entspannt. Ich hatte mir das Buch ja vor allem gekauft, um den Longensalat mit einem feinen Dressing zu verspeisen.

Hochmotiviert ging ich mit Arnulf auf dem Sofa die Griffe durch. Am nächsten Tag musste Duncan dann herhalten für einen ersten Versuch (ich lerne wieder eine Menge darüber, wie ich selbst am besten lerne). Und bei diesem ersten Versuch erwartete mich eine große Überraschung: das Arbeiten überkreuz finde ich sehr viel angenehmer, als das Hin und Her zwischen rechter und linker Hand. Abgesehen davon, dass ich am ersten Tag noch sehr gekämpft habe mit dem Nachgreifen und Verlängern der Longen (und diesen Kampf auch noch nicht gewonnen habe) merke ich schon jetzt, wie das klar durchdachte System des Herrn Achenbach auch solchen „Stricklisln“ wie mir auf die Sprünge hilft (auch wenn ich fürchte, der gute Mann dreht sich des öfteren im Grabe herum, wenn ich loslege, aber ein bisschen mogeln muss am Anfang halt auch mal erlaubt sein, finde ich).

Ich kann das Buch „Vom Longensalat zur Doppellonge“ uneingeschränkt empfehlen für alle, die Lust auf Doppellonge haben (und sich vielleicht noch nicht recht trauen). Sabrina Möller steht ab sofort auf meiner „Kurs-Wunschliste“, ich hoffe sehr, einmal Unterricht bei ihr nehmen zu können. Und ich bin jetzt noch etwas mehr verliebt in die Doppellonge – nicht aufgrund dessen, was im Buch steht (Papier ist ja sehr geduldig, wie man weiß), sondern aufgrund der Ergebnisse, die ich direkt an den Pferden sehe. Die Doppellonge – wenn sie so ruhig und präzise geführt wird – bringt ganz andere Ergebnisse als die einfache Longe. Die Pferde werden gerader und länger, die äußere Schulter findet ihren Weg viel besser und die Doppellonge übernimmt allein durch ihre Anwesenheit die Funktion eines Rahmens, an dem das Pferd sich orientieren kann und der an der einfachen Longe komplett fehlt.

In meinem Kopf arbeite ich jetzt daran, das ganze noch etwas herunterzubrechen, so dass man möglichst einfach starten kann und da habe ich auch schon einige Ideen. Also: Freiwillige vor, ich brauche Übungspferde und Übungsschüler 🙂

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 498

Nanu, Wackelkistentag? Am Mittwoch? Und mein Mädchen ganz aufgeregt. Ein Abenteuer! Das rieche ich doch schon! Mein Mädchen hat gesagt, wir beide haben heute einen Job: jeder bewahrt so gut er kann die Ruhe. Und dass ich das bestimmt besser kann als sie, hat sie gesagt, aber dass sie auch ihr bestes gibt. Also rein in die Wackelkiste und Heu mampfen. Wo es wohl hingeht?

Es ging an einen Ort, den ich schon ganz gut kenne, da waren wir schon öfter. Und wer war da auch? Ritter Willibald („Willibald vom Blamauer zu Stössing“)! Na sowas! Da waren wir zum ausreiten verabredet, nur er und ich (und natürlich unsere Mädchen).

Schnell satteln und schon ging es auch los – ich vorneweg. Erst wollte ich nicht so, war mir nicht sicher, ob der Willi auch wirklich mitkommt! Dann habe ich gemerkt, dass er mitkommt und bin munter los marschiert. Mein nervöses Mädchen hat sich ganz schnell entspannt und alsbald waren wir an dem schönen Grasweg und sind getrabt. Da war ein heimtückisches Matschloch, das war so tief, da wäre ich doch fast drin stecken geblieben! Aber ich kann sowas ja. Mit Schwung die Füße wieder hochziehen und – hopp! – schon bin ich wieder draußen. Der Weg war ganz schön zugewuchert (ist er im Sommer immer) und ich wollte gern förstern, was sich im Trab aber doch recht schwierig gestaltet und auf gar nicht soooo viel Gegenliebe bei meinem Mädchen stieß. Weiter ging es auf den Sandweg und Willi hat uns dann überholt. Alter Schwede, wenn der lostrabt, muss ich aber ganz schön Gas geben! Mädchen, wollen wir nicht… nein, Trab sollte es sein. Ich hab mich redlich bemüht, aber am Ende musste Willi doch kurz warten. Und dann ging es los mit der Wegesuche. Mein Mädchen hat ja so gar kein Wege-Gedächtnis irgendwie – man möchte meinen, sie kennt die Tour langsam mal! Ist ja nicht so, dass wir hier nicht schon öfter gewesen wären. Aber sie hat alle Nase lang auf ihr Handy geschaut, nur um sich dann doch zu vertun. Plötzlich standen wir mitten im Wald und mussten umdrehen. Von hinten kam ein Radfahrer, der meinte, der Weg ginge zwar weiter, aber wir würden da nicht durchkommen. Unsere Mädchen waren etwas verwundert, wie der Radfahrer da durchkommen will, wenn wir es nicht können? Aber egal, umdrehen, ein (kleines) Stück zurück reiten und den richtigen Abzweig nehmen. Dann noch ein schönes Stück Trab bis auf der rechten Seite eine Herde Rinder war, die das sehr interessant fanden, dass wir so schnell laufen. Mein Mädchen hat dann darum gebeten, Schritt zu gehen und Willibald ist stehengebliebn und hat sich die Rinder genau angeschaut. Dann hat er plötzlich laut gewiehert! Mann, ich hab mich vielleicht verjagt. Und dann diese Rinder, die auch so aufgeregt waren! Mein Mädchen wollte dann lieber weiter. Und dann kam noch von hinten unser Freund, der Radfahrer, dem sind wir dann davongetrabt. Aber als wir an die Straße kamen, hat er uns eingeholt und uns gefragt, wo wir denn hin wollen. Er hat uns dann den Weg erklärt, was ja gar nicht nötig war, weil mein Mädchen ja aufs Handy gucken konnte. Aber wenn er meint? Ein ganzes Stück ging es dann auf der Straße entlang, an der Genießerbank vorbei und mit ein paar Radfahrern, zwei Autos und einem gruseligen Trecker. Der Trecker stand ganz still am Straßenrand und irgendwie fanden Willi und ich den beide komisch. Aber ich war schließlich mutig und bin vorneweg daran vorbei marschiert! Keks!

An einer Stelle haben wir angehalten, weil alles zusammenkam: Rinder rechts auf der Weide, Auto von vorn, Fahrräder von hinten. Ich stehe also so am Wegesrand und warte, Willi hinter mir. Das Auto an uns vorbei und dann hatte Willi irgendwie nicht gemerkt, dass da Radler von hinten kamen. Hat sich kurz erschreckt und ist ein bisschen in mich rein gehopst (nur ganz sachte). Zack! – war mein Mädchen stolz, weil ich das ganz ungerührt hingenommen habe. Letzte Jahr hätte ich bei so einer Aktion noch ganz böse gemeckert! Aber jetzt bin ich ja viel erwachsener und gelassener und kann das mal aushalten.

Weiter ging die Reise durch die Felder – da war das so windig, dass unsere Reiterinnen sich kaum unterhalten konnten, weil es so laut war! Richtig stürmisch, aber dafür waren halt keine Fliegviecher unterwegs. Dann über die total schräg abgestürzte Spurbahn im Trab und über den schönen Grasweg zurück (mit kleiner Erschrecker-Galopp-Einlage meinerseits, aber mein Mädchen wird immer besser darin, das auszuhalten!), dann nochmal Willi vorneweg in seinem super schnellen Trab (ich hinterher gehechelt – Mädchen, wollen wir nicht….? Nein, wir bleiben im Trab. Willi hat dann wieder auf uns gewartet, was ich sehr nett fand). Und schon waren wir zurück an der Wackelkiste. Der Tacho zeigte gute 12km in ungefähr 2 Stunden an. Mein Mädchen war besorgt, ob mich das jetzt aufregt, wenn Willi in seine Wackelkiste steigt und ich in meine, aber ich war gut ausgetobt und ziemlich hungrig (wir haben unterwegs gar keine Graspause gemacht, ist das zu fassen?) und wollte einfach Heu essen. Ab nach hause, dort gleich schön auf die Wiese.

Und jetzt, mein Mädchen, will ich nix mehr hören von Pubertät und komischen Launen! Ich bin nämlich der beste Ritter in der glänzendsten Rüstung und habe alles – ich wiederhole ALLES – total richtig gemacht! Das findet mein Mädchen auch. Und jetzt ist sie wieder so stolz, auf mich, aber auch auf sich selbst, dass sie sich das getraut hat, mit mir so ganz allein.

Und Willibald wird offiziell in die Riege meiner Ausreitkumpel aufgenommen. Er ist ein richtig cooler Typ, kennt alles, weiß alles und ist Vollprofi im Ausreiten. Er hat sogar schon Gruppen durchs Gelände geführt! https://horsetrail.jimdofree.com/

Willi ist jetzt auch mein Ausreitkumpel!

Wenn ich groß bin (mein Mädchen sagt, ich werde niemals so groß sein wie Willi, und darüber ist sie auch sehr froh, denn kleine Ponys haben große Vorteile!) also wenn ich ganz erwachsen bin und wir noch mehr Erfahrung gesammelt haben, dann sind wir beide auch so coole Socken wie Willi und sein Mädchen. Gaaaaaaanz entspannt. So wie auch Diego und der Mann immer drauf sind. Bis dahin halten wir die Aufregung aber gut aus, sagt mein Mädchen.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Freund von „Willibald vom Blamauer zu Stössing“)

Schön war das. Danke, Willi!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 497

Ich bin ja so ein Guter. Immer bin ich artig, immer mache ich alles richtig. Sagt mein Mädchen ja selbst! Ich bin total bemüht und stets gut gelaunt. Arbeite als Lehrpony, reime mir da ganz fix und schlau zusammen, was wann zu tun und zu lassen ist, passe auf meine kleine Freundin auf, übe mit meinem Mädchen an der Doppellonge und wenn ich mich tatsächlich mal erschrecke, dann achte ich drauf, dass ich mein Mädchen noch mitnehme. Also kurz und gut: ich bin der perfekte Ritter in glänzender Rüstung.

Aber auch der perfekteste Ritter in der allerglänzensten Rüstung hat einfach mal einen schlechten Tag. Und prompt muss ich mir anhören, ich hätte Pubertät. Nur weil ich mal nachfrage, ob wir nicht endlich mal wieder einen anderen Weg reiten könnten und wann wir eigentlich mal wieder so RICHTIG ausreiten gehen. Und warum mein Mädchen immer alles bestimmen darf. Hmpf. Und so kam es, dass wir uns gestern tatsächlich kurz mal gestritten haben. Das ist sehr, sehr selten und ich hab dann auch alsbald gemerkt, dass es schlauer und angenehmer ist, einfach schön zu traben, das entspannt mich ja dann auch. Aber mein Mädchen war den ganzen Montags-Ausflug über misstrauisch mit mir. Voll blöd, weil ich danach doch wieder total artig war OBWOHL ich nicht so schnell und so lang laufen durfte, wie ich wollte. Menno.

Mein Ausreitkumpel ist IMMER NOCH nicht wieder fit – langsam werde ich ihm böse! Deswegen war sein Mädchen wieder mit dem Fahrrad mit. Sie hat jetzt ein neues Rad, das heißt „Gazelle“ und kann wohl schneller laufen als der alte Drahtesel. Leider hat sie aber auch immer die Hunde mit und denen war sooooooo warm, dass die nicht so schnell laufen wollten. Mir war die Wärme ja egal, ich war nach 8km gut im Fluss und hätte ganz gut die Runde nochmal laufen können, aber da wurde nix draus. Schade. Ich könnte wirklich, wirklich mal wieder so einen richtigen Auspower-Ausflug gebrauchen!

Mein Mädchen meint, ich hätte, Pubertät, Frühling, Energieüberschuss und Wachstum in einem. Sie hofft, dass ein paar dieser Dinge sich gut lösen lassen und ansonsten müssen wir das wohl aussitzen, sagt sie. Ich sage: sie ist verwöhnt und irrsinnig anspruchsvoll und soll sich mal nicht ganz so anstellen, nur weil ich mal ein Läunchen und ne Meinung habe.

Euer (angeblich pubertärer) Ritter in glänzender Rüstung Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 496

Menschen haben zwei Beine und Ponys vier. Deswegen sind wir euch grundsätzlich überlegen, wenn es ums Laufen geht. Wehe, wenn euch von euren zwei Beinen eins wegrutscht, da liegt ihr fix auf der Nase! Wir haben dann noch drei am Boden, das klappt meistens. Und wenn von 4 Beinen mal eines weh tut, kann man das in die Luft halten und hat noch drei übrig zum laufen – ist nicht schön, funktioniert aber (mein Ausreitkumpel praktiziert das gerade). Ihr Menschen könnt hingegen ja nur noch hüpfen, wenn euch ein Bein wehtut. Mein Mädchen hat das damals mal demonstriert, das sah wirklich ganz und gar nicht gut aus!

So ging es auch dem Mädchen vom Schimmelfreund, nachdem sie böse umgeknickt war. Und als mein Mädchen gesehen hat, wie die so vor sich hin hoppelt, da fiel ihr ein, dass der Mann noch „Unterarmgehhilfen“ (der Volksmund sagt „Krücken“) auf dem Speicher herumstehen hat. Und wenn meinem Mädchen sowas einfällt, dann weckt das sofort ihren Spieltrieb. Ob sie mich auch noch führen könnte, wenn sie selbst einen bösen Humpelfuß hätte und an Krücken ginge? Das musste sie dann gleich mal ausprobieren. Sie sagt dann immer, sowas erweitert meinen Horizont und es ist eine gute Übung. Ich denke mir meinen Teil, bin aber ja Gentleman und mache alles mit was man mir aufträgt.

Das schöne Gras….  aber nein. Nix darf man.

So, mein Mädchen, und nachdem du nun meine Nerven getestet hast, teste ich deine. Wir sind dann heute einmal unsere kleine Hausrunde geritten, mit viel „Angebertrab“ und Seitengängen, damit Diego seine Fitness langsam wieder aufbauen kann. Ich war aber in Frühlingslaune und also etwas schreckhafter als sonst. Und wenn es so im Gebüsch raschelt, kann ich einfach manchmal nicht an mich halten! Mein Mädchen hat nachher gesagt, sie versucht, es positiv zu sehen. Sie kann nämlich zwei Punkte auf ihrer Liste abhaken. Was passiert, wenn ich mich auf dem Dornröschenweg erschrecke und was passiert, wenn ich mich beim bergab-gehen erschrecke. Antwort ist immer die gleiche: nix wildes. Ich sprinte kurz los, mache ein paar Galoppsprünge, merke dann, dass es eben doch kein Säbelzahntiger war und pariere wieder durch. Mein Mädchen weiß ja, dass sich das wieder legt, wenn der Sommer kommt, ich mehr Gras esse und alles wieder ruhiger wird in meinem Kopf. Sie wünscht sich nur, dass der Ausreitkumpel endlich wieder fit wäre, dann könnten wir mit ihm eine schöne, ausgiebige Trabrunde drehen, das hilft am besten gegen Schreckhaftigkeit. Aber weil ich schon so gut trainiert bin, braucht es flotte 12km oder lieber mehr, bis wirklich alle Hummeln aus meinem Hintern weg sind. Das kann Diego im Moment nicht und allein können wir es schon gar nicht. Mein Mädchen hat sich aber fest vorgenommen, dass alleine ausreiten weiter voranzutreiben, damit wir nächstes Jahr da bessere Möglichkeiten haben. Nur im Moment wird sie sich das nicht trauen, sagt sie, wenn ich so schreckhaft bin. Irgendwie ist das ein Teufelskreis, scheint mir!

So, jetzt sind alle Nerven getestet, ich verbummel den Tag im Paddock und mein Mädchen und der Mann backen Waffeln für Diegos Retterinnen, die ihn, als er Ostersamstag sooooo krank war, in die Klinik gefahren haben. Jetzt sieht es ja so aus, als ob er wieder ganz gesund ist, er soll jetzt wieder ins Training kommen und wir hoffen, dass alles wieder gut ist. So ganz sicher wissen wir das wohl erst in ein paar Wochen, wenn er nochmal Blut hergegeben hat und wenn er dann bis dahin stabil gesund ist. Vielleicht ist er der härtere Nerventester als ich?

Euer Nerventester Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 495

Gestern hatte ich schon wieder einen Spezialauftrag als Lehrpferd! Diesmal kam eine nette Schülerin von meinem Mädchen. Die hat selbst auch Ponys und kann echt gut reiten – nur nicht im Galopp. Im Gelände kann sie voll gut Galopp reiten, aber in der Bahn auf dem Kreis kriegt sie das nicht hin, sagt sie. Und ich kann das gut verstehen! Ich fand das am Anfang auch voll kompliziert. Ich meine: geradeaus galoppieren ist ganz leicht. Aber wenn da immer eine Kurve an der anderen kommt, das ist schon ein anderer Schnack! Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie schwierig ich das am Anfang fand. Erst zu Weihnachten letztes Jahr habe ich es zum ersten Mal geschafft, mit meinem Mädchen auf dem Rücken auf dem Reitplatz zu galoppieren. Also ich verstehe, das man das auch als Reiterin kompliziert finden kann. Und umso mehr war ich natürlich bereit, zu helfen.

Mein Mädchen hat mich an die Longe genommen, damit unsere gemeinsame Reitschülerin nicht auch noch lenken muss. Die hat sich erstmal nur aufs Sitzen konzentriert, während mein Mädchen mir gesagt hat, welche Gangart dran ist. Dann wurde es etwas komplizierter für mich, denn jetzt hatte mein Mädchen zwar noch die Longe in der Hand und im Zweifel auch das letzte Wort, aber meine Reiterin sollte versuchen, mir zu sagen, wann ich angaloppieren soll. Und zwar nicht mit der Stimme, sondern mit ihrem Sitz und ihren Beinen. Mein Mädchen hat derweil ruhig in der Mitte gestanden. Und ich hab das jetzt kapiert: wenn von ihr so gar nix kommt, muss ich mich nach dem anderen Menschen richten, der da ist. Hab ich gemacht. Habe geknobelt und gelauscht und nachgefragt und ausprobiert, bis ich kapiert hatte, was meine Reiterin will. Und was soll ich euch sagen: nach ein paar Versuchen hatten wir beide das schon ganz gut raus! Und jetzt kann meine Schülerin sich auch vorstellen, wie das gehen könnte, im Kreis zu galoppieren. Vielleicht kommt sie nochmal zum üben, mal sehen. Bis dahin ist mein Mädchen wieder verdammt stolz auf mich, weil ich das so toll hingekriegt habe und so schlau rausgefunden habe, wann ich auf wen hören soll. Ja, ich bin eben ein kluger Ritter! Und schon voll das gute Lehrpony, sagt mein Mädchen, vor allem in Anbetracht meiner noch jungen Jahre und spärlichen Erfahrung in dem Job.

Ich kann das!

Euer Galopp-Erklärer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 494

Gestern war meine kleine Freundin wieder da. Wir sind jetzt schon ein richtig gut eingespieltes Team. Ich halte ihr meinen Kopf hin und schiebe meine Nase ins Halfter und dann warte ich, bis sie meine Ohren da durch gewurschtelt hat. Mein Mädchen hat mir diesmal kurz vorher ein paar Zöpfchen geflochten, weil mein prächtiges Wallehaar das aufhalftern sonst sehr erschwert. So ging das sehr gut.

Weil ich ja letztes mal plötzlich auf dem Fuß meiner kleinen Freundin gelandet war, hat mein Mädchen ihr gezeigt, wie sie mich von sich weg wenden kann, damit ich nicht auf ihrem Fuß lande. Dann wieder putzen, Pad drauf machen und los ging es zum Reitplatz. Auch dort hatte mein Mädchen schon Sachen aufgebaut, damit meine kleine Freundin lernt, mich besser zu dirigieren und mich nicht direkt auf ihren eigenen Fuß zu lenken. Erst ging es ins „Hütchen-Schloss“. Meine kleine Freundin hat sich vorgestellt, sie sei eine Prinzessin und sie muss ihr Schloss gegen Eindringlinge verteidigen. Ponys dürfen nämlich nicht ins Schloss, die wohnen im Stall! Ich sollte dann im Kreis herum gehen um ihr Schloss. Nach ein bisschen knobeln haben wir beide das gut hingekriegt und auch den Richtungswechsel gut geschafft. Als das geklappt hat, haben wir noch „Ecken laufen“ geübt. Mein Kopf war schon etwas angestrengt und dann werden meine Füße ja immer so schnell, weiß auch nicht warum das immer passiert. Aber wir haben auch das noch gut hingekriegt.

Die Prinzessin verteidigt ihr Hütchen-Schloss

Zum Schluss ist meine kleine Freundin noch aufgestiegen und wir haben die Übungen wiederholt, nur dass sie diesmal oben saß und mein Mädchen mich gelenkt hat. Und am Ende haben wir nochmal Absteigen geübt, da hatte meine kleine Freundin noch Übungsbedarf. Aber jetzt hat sie das voll raus! Und schon war wieder Feierabend und der beste Teil war dran: sie hatte einen Tupper voller Möhrenscheiben mit! Und die durfte ich eine nach der anderen verspeisen (bis auf ein paar, die Caruso abgestaubt hat. Aber Caruso ist mein Freund, das ist ok.)

Mein Mädchen war wieder sehr stolz auf mich, aber auch auf meine kleine Freundin, die sich wieder alles so gut gemerkt hat und alles so gut hinkriegt mit mir. Und heute habe ich wohl schon wieder einen Spezial-Auftrag, wie ich gehört habe, da bin ich ja mal gespannt!

Euer Lehrpony Sir Duncan Dhu of Nakel

Nein

Duncan steht am Zaun und starrt gebannt auf die Weide. Dort, oben auf dem Hügel, sieht er Arnulf. Der ist schon wieder auf die Jagd nach Jakobs-Kreuzkraut gegangen. Aber Arnulf ist auch derjenige, der die Ponys morgens für 30 min ins Gras lässt. Und dass er jetzt, einige Stunden danach, auf der Weider herumläuft, scheint in den Ponys Hoffnungen zu wecken. Ich möchte reiten und rufe Duncan. Der schaut mich kurz an und dreht sich dann wieder weg. Ich räume den Reitplatz auf, Stangen weg, Hütchen hin. Ab und zu rufe ich Duncan, aber mehr als einen Blick bekomme ich nicht. Also gut, dann hole ich ihn eben. Ich gehe auf den Paddock und rufe ihn wieder. Er geht einen zögerlichen Schritt auf mich zu. In diesem Moment beschließt Diego, doch mal nachzuschauen, was Arnulf da treibt und geht den Rundlauf entlang um den Hügel hochzukommen und bessere Sicht zu haben. Und Duncan beschließt, lieber Diego zu folgen als zu mir zu kommen. So deutlich hat er (soweit ich mich erinnere) noch nie NEIN zu mir gesagt.

Ich habe mir immer vorgenommen, ein deutliches Nein zu akzeptieren. Ich drehe mich also um und gehe – frustriert – in den Stall. Dort ist genug zu tun…. Duncan wandert mit seinen Freunden um den Rundlauf. 1,5 Stunden später versuche ich es erneut. Duncan steht an der selben Stelle im Paddock wie zuvor, aber Arnulf ist nicht mehr auf der Weide unterwegs. Ich rufe Duncan und der kommt – wie sonst ja auch üblich – prompt zu mir. Wir genießen eine fabelhafte Reiteinheit (wenn es jetzt auch noch etwas wärmer ist als zuvor, aber das macht Duncan zum Glück nichts aus).

Eigentlich hat Duncan ja immer Lust, etwas mit mir zu unternehmen. Wenn ich ihn doch mal etwas bitten muss, er mal nicht gleich angelaufen kommt, dann sage ich immer „der Spaß kommt bei der Arbeit“. Er kommt spätestens dann, wenn ich ein Stück auf ihn zu gehe. Wegdrehen, so wie diesmal, tut er sich niemals und ich muss auch nie den letzten Meter zu ihm hingehen. Aber diesmal hatte Duncan wirklich keine Zeit für mich. Er war auf einer wichtigen Mission, er darf auf keinen Fall auch nur einen Grashalm verpassen. Das ist zu dieser Jahreszeit so und ich weiß das ja auch. Deswegen darf er im Moment auch vor dem Reiten jeweils einige Minuten am Reitplatzrand grasen, nach dem Reiten darf er das ja sowieso fast immer. Ich versuche, seinen Grashunger so gut wie möglich zu berücksichtigen. Diesmal war also eine neue Variante davon im Spiel und ich weiß jetzt: wenn Arnulf sichtbar auf der Weide herumturnt, werde ich keine Arbeitseinheit planen. Oder aber ich plane dann mal die Zeit ein, übe das „Einfangen“ mit Duncan und gehe dann ausgiebig mit ihm grasen. Das wäre mal eine gute Option, ihm zu zeigen, dass ich doch ganz brauchbare Ideen habe und meine Vorschläge ihm nutzen.

Im Nachhinein bin ich ein bisschen stolz auf mich, denn vor ein paar Jahren hätte ich das anders gehandhabt. Ich hätte darauf bestanden, dass Duncan mit mir kommt und ich hätte dafür auch Druck ausgeübt wenn nötig. Und damit meinem Pony gezeigt, dass die Dinge, die ihm wichtig sind, für mich keine Rolle spielen. Dass ich nur meine eigenen Ideen wichtig finde und ihn nicht wahrnehme. Das wäre ja schade gewesen, aber man hat es mir mal so beigebracht. Jetzt bin ich klüger und darüber freue ich mich. Und ich freue mich auch, dass Duncans Kommunikation so klar verständlich ist, denn es ist mir wichtig, zu wissen, wann er NEIN sagt. Im Umkehrschluss weiß ich dann nämlich auch, dass er wirklich JA sagt, wenn er zu mir kommt. Und das fühlt sich sehr gut an.

Update von Diego (bestimmt wartet Ihr darauf): es sieht gut aus! Wir haben verfrüht um ein neues Blutbild gebeten (diese Warterei haben wir so satt!) und das sieht bisher sehr zur Zufriedenheit der Tierärztin aus, es sind aber noch nicht alle Werte da, genaueres erfahren wir am Montag. Wir haben das Ok, ihn wieder anzutrainieren, tun also jetzt einfach mal so, als wäre alles in Ordnung. In 6 Wochen soll es ein neues Blutbild geben. Hoffentlich können wir dann sagen: vollständig gesund. Ich weiß, Eure Daumen sind schon blau, aber vielleicht könnt ihr noch ein bisschen drücken, während wir noch ein paar Wochen zwischen warten, beobachten, hoffen, Sorgen machen und auftrainieren schwanken.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 493

Da ich ja mit meinen Hufschuhen gelegentlich Verlustprobleme hatte, hat mein Mädchen mir jetzt eine geklebt. Ich meine: zwei. Und zwar an jeden Vorderhuf einen „Klebebeschlag“. Gestern haben sie und der Mann unter viel Gefluche und Geschimpfe und mit viel Geduld meinerseits (Keksrate war gut) diese Dinger an meine Füße geklebt. Dann durfte ich wieder in den Paddock und mein Mädchen hat gesagt, ich soll das mal testen wie die so sind und ob die gut halten. Und ihr kennt mich: ich mache keine halben Sachen! Wenn man mir sagt, ich soll das testen, dann teste ich. Und zwar mit Schwung und Schmackes! Nach einer ordentlichen Toberunde mit Gatsby musste mein Mädchen dann feststellen, dass diesen Härtetest nur einer der Klebebeschläge überstanden hat. Beim anderen hat sich der Klebekragen vom Beschlag gelöst. Der Klebekragen klebte noch an meinem Huf, während der Beschlag im Paddock herumlag. Mein Mädchen hat aber nicht mit mir geschimpft! Sie hat gesagt, ich habe gut getestet und das war eindeutig ein Verarbeitungsfehler seitens der Menschen. Also haben sie heute einen neuen Klebekragen an den Beschlag geschweißt und mir den Huf wieder beklebt. Und dann haben wir gemeinsam getestet: beim Montagsausflug!

Klebeschuhe für m mich zum testen

Da mein Ausreitkumpel IMMER NOCH humpelt, haben wir es wieder so gemacht wie letzte Woche: Das Mädchen vom Ausreitkumpel ist den Drahtesel geritten und hat mein Mädchen und mich begleitet. Aber diesmal haben wir auch noch eine Runde „allein ausreiten ohne alleine auszureiten“ eingebaut! Da gibt es nämlich so eine Runde, wo sich das anbietet. Mein Mädchen und ich sind vorneweg getrabt, während das Mädchen vom Ausreitkumpel Drahtesel klammheimlich eine Abkürzung genommen hat. Und plötzlich waren wir allein, mein Mädchen und ich! Aber es ging wirklich sehr, sehr gut mit uns. Die Strecke ist gut, da kann man ganz gleichmäßig durchtraben. Naja, bis auf den Moment, wo von hinten ein Auto kam. Mein Mädchen hat mich durchpariert und dann, als das Auto direkt hinter uns war, hat es plötzlich sehr laut gescheppert! Da war nämlich ein großer Viehanhänger dran. Herrje, was hab ich mich erschreckt! Habe einen kleinen Galoppsprung hingelegt, mein Mädchen hat mich Richtung Büsche gelenkt, aber da war das Auto auch schon vorbei und ich habe mir fix einen Keks geben lassen zur Beruhigung. Und schon ging es weiter im Trab. Ich bin sogar total mutig an den Schweinen vorbeigetrabt!

Dann links und wieder links – das ist doch einer der Wege wo wir so fein galoppieren geübt haben? Aber mein Mädchen meinte, das traut sie sich noch nicht und wir bleiben schön im Trab. „Steady, steady“ hat sie immer gesagt, damit mein sie, ich soll ganz fein den Takt halten. Sie redet dann oft englisch, weil sie immer an diese mutige Distanzreiterin aus England denkt, die mit ihrem Highlandpony immer ganz allein ausreiten geht. Damit sie selbst den Rhythmus gut halten kann, hat sie in ihrem Kopf immer unser Trablied gesungen („I’m still standing“ von Elton John). Laut singen mag sie nicht, sie braucht ihre Luft zum Traben, aber ich kann ja fühlen wie ihr Rhythmus ist und also weiß ich auch, was sie singt.

Nach einer ganzen Weile haben wir dann das Mädchen mit dem Drahtesel wieder eingeholt und sind gemeinsam Richtung Heimat getingelt. Zwischendurch gab es noch eine schöne Graspause. Leckerleckerlecker!

Das blaue ist die Abkürzung, die der Drahtesel genommen hat

Mein Mädchen wäre fast geplatzt vor Stolz – auf mich, aber auch auf sich selbst. Weil wir beide heute wieder sooooooo mutig waren!

Meine Klebepuschen haben auch gehalten, aber mein Mädchen findet, ich laufe noch nicht so komfortabel damit wie ich mit den Hufschuhen laufe. Jetzt will sie sie noch ein bisschen anders formen und dann mal weitersehen.

Euer beklebter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 492

Es gibt immer was zu üben. Meistens üben mein Mädchen und ich zusammen. Zum Beispiel beim reiten, da üben wir ja ganz viele Kurven und Übergänge und sowas. Und da üben wir beide das gleiche zur gleichen Zeit. Aber an der Doppellonge, da üben wir derzeit unterschiedliche Sachen. Also ich zum Beispiel übe weiterhin das angaloppieren aus dem Schritt. Vor allem rechts ist das doch schwierig und wenn ich es ganz richtig und total korrekt hinkriege, flippt mein Mädchen immer komplett aus.

Juhu, geschafft!

Außerdem üben wir jetzt immer, dass ich schön gleichmäßig auf meinen 4 Füßen verteilt stehe, wenn wir angehalten haben. Also mein Mädchen sagt „hoooo“ und ich halte an und sie auch, und dann gibt sie mir noch so ganz leise, kleine Kommandos und ich muss ganz genau zuhören und ausprobieren und meine Füße ein kleines bisschen von hier nach da bewegen, bis sie gut sortiert sind. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Und was übt mein Mädchen? Die übt, die Doppellonge in den Griff zu bekommen. Sie hat ja immer so ein bisschen herumgewurschtelt damit und schon vor längerer Zeit beschlossen, dass es Zeit wird, dass sie das mal vernünftig lernt. Sie wusste nur noch nicht wie. Aber dann hat sie von diesem Buch gehört mit dem verführerischen Titel „Vom Longensalat zur Doppellonge“ und da hat es sie gepackt! Denn Longensalat ist ja genau das, was sie hat. Also hat sie sich das Buch gekauft und wird euch demnächst noch mehr davon erzählen. Dann hat sie festgestellt, dass in dem Buch das mit der Doppellonge so erklärt wird, wie man es beim Kutsche fahren auch macht und das findet sie nun äußerst praktisch. Denn diese Griffe, die man da lernen und üben muss, die kann sie ja dann alle gleich auch zum fahren verwenden, wenn es denn endlich mal damit losgeht (so in 100 Jahren). Aber ich sage mal so: fahren lernen ist kompliziert, das selbe mit der Doppellonge lernen, ist noch komplizierter, sagt mein Mädchen! Jedenfalls braucht sie jetzt immer extra lang um irgendwas zu machen. Nachgreifen, länger lassen und die Richtungswechsel – bei allem muss sie erst nachdenken. Und dann freut sie sich wieder so, dass sie mich hat, denn als perfekter Gentleman warte ich immer geduldig, bis sie sich sortiert hat. Und langsam finde ich auch heraus, wann ich derweil einfach selbständig weitergehen kann und wann ich wirklich mal kurz stehenbleiben sollte. Und dann ist sie wieder doppelt stolz, weil ich das immer öfter von selbst und ohne Ansage richtig mache und lauter gute Entscheidungen treffe. Sehr erwachsen, findet mein Mädchen und dann hat sie wieder diese vielen Herzchen in den Augen. Ich werde wohl noch viel Geduld brauchen, sagt sie, bis sie das alles wirklich gut drauf hat. Macht nix, so lange nur die Keksrate stimmt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel an feinstem Longensalat

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 491

Meine kleine Freundin war wieder da! Wenn sie mir (mit meiner tatkräftigen Unterstützung) das Halfter angezogen hat,   führt sie mich aus dem Stall und dann dreht sie mich um, damit wir in einer guten Position zum Putzen stehen. Und irgendwie hat sie mich da sehr eng gewendet und plötzlich stand ich auf ihrem Fuß! Der Mann kam angesaust und hat mich runtergeschubst. Meine kleine Freundin hat dann erstmal ihren Fuß gekühlt und ich hab derweil mit meinem Mädchen auf sie gewartet. Dann hat mein Mädchen gesagt, wir müssen wohl ein paar Sachen üben, damit sowas nicht mehr passiert! Erst hat sie meiner kleinen Freundin erklärt, dass sie sich mit Händen und Füßen wehren und herzhaft brüllen darf, wenn ich ihr wehtue. Egal, ob ich unaufmerksam war oder mich erschreckt habe oder – wie in diesem Fall – einfach genau getan habe was mir gesagt wurde: wenn es wehtut muss meine kleine Freundin sich wehren, damit sie nicht kaputt geht. Sie ist ja so klein und leicht im Vergleich zu mir.

Mein Mädchen kann sich nicht erinnern, dass ich ihr schon jemals auf den Fuß getreten wäre. Deswegen hat sie dann zusammen mit meiner kleinen Freundin genau überlegt, wie und warum das passiert ist und wir haben auf dem Reitplatz die Wendung noch ein bisschen geübt. Mein Mädchen sagt, das ist der Plan für nächstes Mal, dass wir das mal richtig klar kriegen.

Das mit der Wendung üben wir nächstes Mal noch ausführlicher

Diesmal wollte sie gern den ursprünglichen Plan durchziehen weil das Wetter so warm und der Boden so trocken ist. Und jetzt wurde auch klar, warum wir am Sonntag so komische Sachen gemacht haben, meine kleine Freundin sollte nämlich auch mal ein bisschen turnen! Weil mein Mädchen weiß, dass meine kleine Freundin da ein bisschen Angst hat, hat sie sie ausgetrickst. Meine kleine Freundin sollte nämlich ihre Schuhe aus- und Stoppersocken anziehen. Das hätte sie natürlich unten auf dem Boden tun können, aber mein Mädchen hat gesagt, sie soll das auf meinem Rücken machen. Das war vielleicht kompliziert! Die Stoppersocken waren nämlich etwas zu klein, da hatte meine kleine Freundin Socken aus früheren Zeiten mit, als sie noch kleinere Füße hatte. Ich kenne das ja: man wächst und wächst und schon passen die Klamotten nicht mehr. Und also war es ganz schön schwierig für sie, in diese Socken reinzukommen. Manchmal hab ich mich dann umgedreht um zu schauen ob sie zurecht kommt, aber das fand sie nun gar nicht lustig, weil sie das so aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Also hat mein Mädchen gesagt, ich soll den Kopf vorne lassen.

Als das geschafft war, ging es ans eigentliche turnen. Mein Mädchen hat mich geführt, während der Mann direkt neben mir her gegangen ist und meine kleine Freundin abgesichert hat. Weil die ein bisschen Sorge hatte, dass sie von meinem Rücken plumpsen könnte. Mein Job war, einfach weiter zu gehen. Aber das, muss ich ehrlich gestehen, ist gar nicht so leicht! Zwei Menschen neben mir, einer auf meinem Rücken und der macht da oben auch noch komische Sachen, da muss ich mein Gleichgewicht und meine Nerven ganz gut zusammenhalten. Und nicht stehenbleiben wenn geturnt wird, sondern weitergehen, anders als ich es gelernt habe. Puh! Mein Mädchen hat mich mit Keksen bei Laune gehalten aber ich fand das echt anstrengend. Zum Glück sind diese Zeiten ja nie lang und nach 5 Minuten haben wir dann wieder angehalten. Meine kleine Freundin hat dann noch das Absteigen geübt, diesmal in der Variante mit Bein über meinen Hals nehmen und runterrutschen. Nach ein paar Wiederholungen hat sie das auf beiden Seiten sehr gut hingekriegt und dann war Feierabend.

Mein Mädchen hat nachher zu mir gesagt, ein gutes Lehrpferd tritt niemandem auf die Füße. Sie weiß, dass meine kleine Freundin mir die falschen Kommandos gegeben hat und ich eigentlich recht hatte damit, aber man tut das trotzdem nicht, sagt sie. Nur wie sie das mit mir üben kann, muss sie sich noch überlegen. Und derweil wird sie meiner kleinen Freundin beibringen, deutlicher mit mir zu sprechen und mich nicht direkt auf ihre Füße zu lenken.

Ich stelle fest: Lehrpferd sein ist anscheinend eine Kunst für sich! Man soll genau machen, was einem gesagt wird, aber manchmal eben auch nicht. Und woher soll ich jetzt wissen, wann was dran ist? Ganz schön kompliziert.

Euer Lehrpferd in Ausbildung Sir Duncan Dhu of Nakel