Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 492

Es gibt immer was zu üben. Meistens üben mein Mädchen und ich zusammen. Zum Beispiel beim reiten, da üben wir ja ganz viele Kurven und Übergänge und sowas. Und da üben wir beide das gleiche zur gleichen Zeit. Aber an der Doppellonge, da üben wir derzeit unterschiedliche Sachen. Also ich zum Beispiel übe weiterhin das angaloppieren aus dem Schritt. Vor allem rechts ist das doch schwierig und wenn ich es ganz richtig und total korrekt hinkriege, flippt mein Mädchen immer komplett aus.

Juhu, geschafft!

Außerdem üben wir jetzt immer, dass ich schön gleichmäßig auf meinen 4 Füßen verteilt stehe, wenn wir angehalten haben. Also mein Mädchen sagt „hoooo“ und ich halte an und sie auch, und dann gibt sie mir noch so ganz leise, kleine Kommandos und ich muss ganz genau zuhören und ausprobieren und meine Füße ein kleines bisschen von hier nach da bewegen, bis sie gut sortiert sind. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Und was übt mein Mädchen? Die übt, die Doppellonge in den Griff zu bekommen. Sie hat ja immer so ein bisschen herumgewurschtelt damit und schon vor längerer Zeit beschlossen, dass es Zeit wird, dass sie das mal vernünftig lernt. Sie wusste nur noch nicht wie. Aber dann hat sie von diesem Buch gehört mit dem verführerischen Titel „Vom Longensalat zur Doppellonge“ und da hat es sie gepackt! Denn Longensalat ist ja genau das, was sie hat. Also hat sie sich das Buch gekauft und wird euch demnächst noch mehr davon erzählen. Dann hat sie festgestellt, dass in dem Buch das mit der Doppellonge so erklärt wird, wie man es beim Kutsche fahren auch macht und das findet sie nun äußerst praktisch. Denn diese Griffe, die man da lernen und üben muss, die kann sie ja dann alle gleich auch zum fahren verwenden, wenn es denn endlich mal damit losgeht (so in 100 Jahren). Aber ich sage mal so: fahren lernen ist kompliziert, das selbe mit der Doppellonge lernen, ist noch komplizierter, sagt mein Mädchen! Jedenfalls braucht sie jetzt immer extra lang um irgendwas zu machen. Nachgreifen, länger lassen und die Richtungswechsel – bei allem muss sie erst nachdenken. Und dann freut sie sich wieder so, dass sie mich hat, denn als perfekter Gentleman warte ich immer geduldig, bis sie sich sortiert hat. Und langsam finde ich auch heraus, wann ich derweil einfach selbständig weitergehen kann und wann ich wirklich mal kurz stehenbleiben sollte. Und dann ist sie wieder doppelt stolz, weil ich das immer öfter von selbst und ohne Ansage richtig mache und lauter gute Entscheidungen treffe. Sehr erwachsen, findet mein Mädchen und dann hat sie wieder diese vielen Herzchen in den Augen. Ich werde wohl noch viel Geduld brauchen, sagt sie, bis sie das alles wirklich gut drauf hat. Macht nix, so lange nur die Keksrate stimmt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel an feinstem Longensalat

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