Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 514

Und schon wieder ein Ausflug! Weil Montag war. Ausreitkumpel! Bist du fit? Wir wollen doch jetzt mal wirklich richtig flott durchreiten, das hatten wir sooooo lange nicht! Mit der Wackelkiste ging es an den Waldrand. Aber ach! Der Waldrand bei schwülwarmem Wetter, da tut man gleich wieder unfreiwillig was gegen das Insektensterben. Decken, Fliegengebimselbämsel, Spray und trotzdem kommen die wilden Blutsauger. Da hilft leider nur eins: Tempo! Man muss einfach schneller laufen als die fliegen bzw landen können. Deswegen fiel die Aufwärmphase im Schritt ausnahmsweise aus. Mein Dieselmotor hat etwas gestottert, aber angetrabt bin ich natürlich trotzdem. Mein Ausreitkumpel wollte mal wieder keine Verantwortung übernehmen und klebte mit seiner Nase an – oder eher auf – meinem Hintern. Ich glaube er ist zu faul, seinen Kopf zu tragen und versucht ernsthaft, den auf mir abzulegen. Aber er darf das. Also von mir aus. Sein Mädchen hingegen fand das blöd und hat ihm gesagt, er soll jetzt mal vorneweg, er kann schließlich flott traben und ich war ja noch etwas langsam unterwegs. Also der Ausreitkumpel vorneweg. Der Weg war natürlich voller Pfützen – HÜPF – HÜPF – HÜPF – BREMS – HÜPF – RUTSCH- HÜPF das war ungefähr die Gangart des Ausreitkumpels. Mein Mädchen hat mir dann vorgeschlagen, dass wir etwas Abstand halten, falls er wieder einen Sliding Stop macht. Ok! Dann haben wir lustig Trab-Galopp-Übergänge gemacht. Langsam wurde ich warm!

Alsbald war der rutschige Weg zu Ende – und auch die Ambitionen meines Ausreitkumpels, Verantwortung zu übernehmen. Wer ging also wieder mutig voran? Ich. Im Galopp. Mein Mädchen findet, mit dem Bosal geht das alles viel besser. Ich bin schön gleichmäßig galoppiert, bis…. Mädchen, da stimmt was nicht! Tja, einer von meinen hinteren Hufschuhen hatte sich mal wieder gedreht. Mein Mädchen hat geschimpft, aber dann hat sie gesehen, dass tatsächlich nichts kaputt gegangen ist diesmal. Trotzdem hat sie mir versprochen, dass wir jetzt hinten auch kleben werden. Meine Hinterhufe sind nämlich ziemlich runtergelaufen, weil wir so viel ohne Schuhe unterwegs waren und mit den Schuhen kann ich halt leider einfach nicht ohne Verluste galoppieren, weil ich hinten so eng laufe. Mein Mädchen hofft, dass sich das mit Training und Wachstum noch verbessert, aber im Moment ist es wie es ist.

Nachdem sie mir den Schuh wieder gerichtet hatte, ging es weiter im Trab zur Brücke. Die Brücke, mein alter Feind! Aber jetzt hab ich das ja voll raus und kann da rüber traben! KLONK KLONK macht das unter meinen Hufen, aber ich hab es weggesteckt. Dann waren wir im Dorf, da gehen wir Schritt. Und wie immer waren da ein paar Spaziergänger, die es ganz erstaunlich fanden, wie ich aussehe „Ich wusste gar nicht, dass man jetzt auch Zebras reiten kann!“ sagt der nette Mann am Straßenrand. Nun kennt mein Mädchen diese Sprüche ja schon und hatte die passende Antwort parat „ja, das ist jetzt der neue Trend!“ hat sie behauptet. Pah! Und dann sagt der Typ doch „kommt der aus Mittel-Afrika?“ „Klar“ sagt mein Mädchen, „aber es ist ihm hier zu kalt“. Echt jetzt, Mädchen? Zu kalt? Zu mückig wohl eher! Naja. Weiter ging es durchs Dorf. Als wir schon fast wieder raus waren, sahen wir von weitem eine Frau mit Hund, die stehenblieb sobald sie uns sah. Die fürchten sich wohl vor uns? Da sind die Mädchen abgestiegen, das Mädchen vom Ausreitkumpel hat die Hunde angeleint und wir sind zu Fuß weiter. Und wie wir so gehen merke ich ein dringendes Bedürfnis. Habe ich euch schon erzählt, dass ich nur dann Pieschern kann, wenn ein kleines Abenteuer dabei ist? Ein Graben, ein paar Brennnesseln, Dornengestrüpp oder sowas, sonst kann ich nicht. Und hier war alles passend. Mein Mädchen wäre gern im Boden versunken vor Scham, weil ich genau neben dem fremden Hund angehalten habe, um zu tun was ich nicht lassen konnte. Was denn? Das war halt der beste Platz dafür und dem Hund macht das nix aus.

Meine Schuhe hinten hat mein Mädchen mir dann ausgezogen denn nun ging es zu dem schönen Weg und da wollte sie doch noch galoppieren. Das war aber eine sportliche Nummer nach dem ganzen Regen, weil es überall rutschig, sumpfig und matschig war. Also sind wir doch die meiste Zeit getrabt und nur zwischendurch ein bisschen galoppiert. Mein Mädchen fand aber ich habe den schwierigen Boden super gemeistert und dass das tolles Balance-Training war. Aus dem Wald wieder raus sind die Mädchen dann abgestiegen, ich hab meine Schuhe wieder anbekommen und wir sind ein Stück die Straße lang gegangen (wenn mein Mädchen im Wald nicht falsch abgebogen wäre, wäre das übrigens gar nicht nötig gewesen, aber wir sind diese Strecke zu lang nicht geritten und also…… tsss tsss). Während wir so unterwegs sind, bemerkt mein Mädchen plötzlich ein frisches Lüftchen an ihrem Bein. Reithose kaputt! Das ist wohl auf dem rutschigen Weg passiert, denn der ist auch voller tiefhängender Äste, da ist sie wohl unbemerkt an einem hängen geblieben. Zum Glück kann der Mann nähen, der flickt ihr das bestimmt.

Ja das war abenteuerlich diesmal!

Als die Mädchen dann wieder aufgestiegen sind und wir weiter traben wollten, zeigte sich das Übel: Der Ausreitkumpel lahmt! Sein Humpelfuß ist ja eigentlich wieder gut, aber er hat so lang gehumpelt, dass seine Muskeln alle ganz verspannt waren und anscheinend war das jetzt doch ein bisschen zu viel. Was ist zu tun? Sir Duncan Dhu muss auf Rettungsmission gehen! Also sind mein Mädchen und ich los getrabt Richtung Wackelkiste, während der Ausreitkumpel im Schritt geführt wurde und die Mädchen haben vereinbart, wo wir den Ausreitkumpel abholen können. Und so waren wir plötzlich ganz allein unterwegs, mein Mädchen und ich. Aber mein Mädchen hat eine neue Taktik gelernt, wie sie ihren Kopf beruhigen kann. Sie heißt „ABC-Spiel“. Also man sucht sich eine Kategorie, in ihrem Fall Bäume, und findet für jeden Buchstaben einen Baum. Ahorn, Buche, Ceder, …äh…. Dornengestrüpp, Esche, Fichte, …äh…. Giraffenbaum…. ungefähr so hat sie das gemacht. Es macht ihr gute Laune, wenn sie sich zwischendurch Blödsinn ausdenkt, weil ihr auf die Schnelle kein echter Baum einfällt. Und so sind wir munter getrabt. Plötzlich klingelt es in ihrer Tasche! Sie wollte aber nicht durchparieren und da ihr Handy beim Reiten immer an der Leine liegt, ist das auch kein Problem. Also Handy raus, da war das Mädchen vom Ausreitkumpel dran. Er musste auch mal pieschern und auf mysteriöse Art und Weise konnte er danach wieder einwandfrei laufen! Anscheinend hatte er sich so verklemmt, weil er so dringend musste, dass er gar nicht mehr laufen konnte. Jedenfalls war alles wieder gut und sie kommen jetzt hinter uns her. Wir sind weiter getrabt bis der Weg zu Ende war, dann ist mein Mädchen abgestiegen und hat mich grasen lassen. Ich hoffte auf einen fürstlichen Schmaus aber was soll ich sagen? Mein Ausreitkumpel war soooo flott, dass es nur für einige Maulvoll gereicht hat. Jetzt aber schnell zur Wackelkiste, bevor die Blutsauger uns noch den letzten Tropfen auslutschen! Außerdem hatte ich nach der Tour schon wieder einen amtlichen Heuhunger. Im Moment bin ich immer sooooooo hungrig! Aber nach 11,9km (davon 3km allein!) im stattlichen 7km/h Durchschnitts-Tempo darf man auch hungrig sein. Unsere Mädchen waren wahnsinnig stolz auf uns, weil wir uns so klaglos getrennt haben und uns so unglaublich anständig benehmen können. Das war zwar eine ungeplante, aber sehr erfolgreiche Übung und wir sind zufrieden nach hause gewackelt. Dort durfte ich dann auch gleich auf die Weide, gegen den Hunger.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (kurzzeitig auf Rettungsmission)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 513

Sonntagsausflug! Nachdem mein Mädchen ja am Freitag meinte, ich würde immer so doll auf die Vorhand kommen, hat sie sich mal was neues überlegt. Anstatt meinem Sidepull hat sie mir das Bosal angezogen und dann das Gebiss dazu. Ohne Gebiss traut sie sich ja immer nicht so recht, weil sie denkt, ich könnte mal „jung und wild“ sein. Diego geht ja immer nur mit Bosal raus, aber der kann und weiß ja alles und benimmt sich immer und ausnahmslos perfekt (der Streber). Mir traut mein Mädchen ja immer allerhand Schabernack zu obwohl ich wirklich nie Mist baue und doch so ein Guter bin. Ganz schön ungerecht finde ich das!

Na jedenfalls habe ich dann also das Bosal drauf bekommen. Damit üben wir ja immer auf dem Reitplatz und ich verstehe besser, wie ich darauf reagieren soll. Und tatsächlich war mein Mädchen von Anfang an begeistert, wie schön ich damit laufe und ich bin auch begeistert, weil das für mich alles klarer und verständlicher ist. Tatsächlich war mein Mädchen so begeistert, dass sie schon angekündigt hat, das demnächst mal ohne Gebiss zu versuchen, wenn wir in sicherem Gelände unterwegs sind und Diego als Lebensversicherung dabei haben. Als ob ich nicht zuverlässig wäre. Ich werde bald 6 Jahre alt und habe mir noch nie was zuschulden kommen lassen! Aber sie traut mir immer noch nicht über den Weg. Es ist manchmal recht mühsam mit ihr….

Was neues probieren. Hat gut funktioniert!

Wir sind heute durchs Dorf geritten, da haben wir eine Tradition, Diego und ich. Auf dem Hinweg habe nur ich mitten im Ort geäppelt, auf dem Rückweg haben wir uns ein Synchron-Äppeln genehmigt (gibt es das als olympische Sportart?). Beide Male mit dem entsprechenden Gefluche von den Menschen, beide Male hat mein Mädchen dann die Tüte geschnappt und alles eingesammelt um es im nächsten Gebüsch wieder zu entsorgen. Gleichzeitig ärgert sie sich immer über die Anwohner, die gar nicht wissen, was ihnen tolles entgeht für ihre schönen Gärten. Aber anscheinend will ja niemand den guten Stoff haben, denn wenn mein Mädchen das Zeug nicht wegräumt, bleibt es liegen bis es plattgefahren und weggeregnet ist. Also räumt sie es weg, weil wir uns ja nicht unbeliebt machen wollen.

Danach ist sie dann ein Stück zu Fuß gegangen und hat mit mir geschimpft. Weil ich, sobald sie zu Fuß geht, in den Schleich-Modus verfalle, wie sie es nennt. Nachdem ich jahrelang versucht habe, sie zu überreden, schneller zu sein beim Spazierengehen, bin ich ihr jetzt plötzlich zu langsam – sie weiß einfach nicht was sie will. Wenn sie dann wieder aufsteigt, wache ich wieder auf und lege meinen schönsten Turboschritt hin. Ich hab einfach kapiert, dass ich die zu-Fuß-Strecken als geistige Pause nutzen kann! Aber mein Mädchen findet das blöd und meint, auf so einem kurzen Ausritt bräuchte ich sowas doch gar nicht. Dabei weiß ich doch gar nicht wie lang der Ausritt wird, man weiß ja nie auf was für Ideen sie kommt!

Hinten raus aus dem Dorf in den Wald, da wollten wir mal schauen ob der eine Weg wieder frei ist. Ja, er ist frei, wenn man an einer Stelle gut aufpasst, dass man nicht im Sumpf versinkt. Diego war gut drauf und so sind wir ordentlich getrabt. Das war auch nötig, denn die Blutsauger wollten in Heerscharen über uns hereinfallen und uns leerlutschen! Aber im Trab haben sie keine Chance. Dann durchs Dorf wieder zurück (mit Synchron-Äppeln) und dann noch den Weg mit den tiefhängenden Weiden – die hängen so weit runter, dass selbst mein Mädchen sich ducken muss. Ich biete dann immer an, das wegzuförstern, aber natürlich ist das wieder nicht gestattet. Tssss tsss tsss, dabei wäre der Weg dann frei!

Ich würde das ja wegförstern, wenn man mich den lassen würde.

200Meter vor unserem Hof hörten wir es schon donnern und der Mann hat mein Mädchen gelobt für ihr gutes Timing. Und kaum waren wir ausgezogen und die Stalltür hinter uns ins Schloss gefallen, fing es an zu regnen. Ach das war wieder fein, zusammen unterwegs zu sein!

Diegos Fitness ist deutlich gestiegen, er war den ganzen Ausritt fit und fidel, so dass wir jetzt die Strecken wohl wieder etwas steigern können. Mein Mädchen und der Mann freuen sich, dass das Trainingsprogramm so gute Früchte trägt, aber Diego hat mir erzählt, dass er zwischendurch doch etwas Muskelkater hatte von den vielen Doppellongen-Einheiten, die mein Mädchen mit ihm gemacht hat. Aber da hab ich kein Mitleid, ich brauche einen sportlichen Diego damit wir schön ausreiten können!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem fitten Adoptiv-Papa Diego

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 512

Ausreitkumpel! DER Ausreitkumpel! Mein liebster, bester, tollster äh… manchmal nervigster Ausreitkumpel. Der mir immer das Schweifhaar richten möchte während er hinter mir her trabt und nur allzu gern die komplette Verantwortung an mich abgibt. Ich lieb den Typen, der ist einfach mein bester Kindheitsfreund, daran ist nix zu rütteln. Trotzdem: geh nicht so nah neben mir!

Also er stieg zu mir in die Wackelkiste – wie gut wir das jetzt können! Früher haben wir dann immer noch versucht, in der Wackelkiste zu spielen und zu rangeln. Deswegen gibt es eine „Quietsch-Kreisch-Sicherung“ für jeden von uns, das heißt wir werden seitlich so angebunden dass wir die Nasen nicht zusammenkriegen. Außerdem haben wir ein extra Heunetz zwischen unseren Köpfen. Dann können wir uns aufs Mampfen konzentrieren.

Aussteigen wollten wir jetzt nicht so dringend, das Heu war dann doch sehr lecker… aber die Mädchen haben uns nett überredet. Na gut.

Erstmal bisschen zu Fuß, dann haben wir eine schöne Aufsteigehilfe gefunden und die Mädchen sind aufgestiegen. Auf geht´s im Trab! Mir war gruselig zumute, da waren Baumstümpfe und Reste von altem Heu am Wegesrand…. mein Mädchen meinte, ich würde ja spinnen. Später fiel ihr auf, dass wir viel von dem leckeren Zuckerheu hatten und sie vermutet, dass ich deswegen so merkwürdig drauf bin. Zucker macht mich ja immer schreckhaft, meint sie. Ich glaube ja eher es liegt am mangelnden Speckpolster, aber da geht mein Mädchen irgendwie nicht mit.

Als der Weg zu Ende war, hat sie mich durchpariert und das war auch gut so, denn plötzlich tauchte von links ein Fahrrad auf! Ein komisches Ding, gar kein normales Rad, sondern eins mit Anhänger und Fähnchen! HUCH! Ein kleiner Satz musste da schon sein. Dann über den gruseligen Hof, aber den fand ich diesmal nicht gruselig. Bis plötzlich…. HUCH! kam da plötzlich ein Mensch aus der Tür! Nächster Satz zur Seite. Mein Mädchen trägt das ja inzwischen mit viel Fassung, ich nehme sie ja immer mit und so weit springe ich ja auch nicht.

Weiter ging es im Trab an den Bahnschienen längs. Da kam ein Zug von vorn! Mein Mädchen hat mir gut zugeredet und gesagt wir schaffen das jetzt im Trab, er kommt schließlich von vorn. Aber der nahm und nahm kein Ende, das war schon ganz schön beängstigend! Hab ich aber geschafft. Und weiter im Trab, bis wir dann vor uns den Radler sahen, der an einer Kreuzung stand und aussah als wüsste er nicht so es lang geht. Aber er hat nur freundlich gelächelt als wir vorbei gegangen sind, also alles gut. Noch ein bisschen Trab, aber dann kam ein Hund von vorne und wir mussten anhalten, damit das Mädchen vom Ausreitkumpel ihre Hunde an der Seite ablegen kann. Der andere Hund fand uns etwas angsteinflößend, aber schließlich ist er doch an uns vorbei gegangen. Bis das alles erledigt war, hatte der Radfahrer und schon wieder eingeholt und fuhr dann an uns vorbei mit einem Lob, wie artig wir alle wären. Nach dem ganzen Getüddel brauchte ich erstmal einen Drink und habe die Pfützen abgeschmeckt, die da so waren, bis mein Mädchen meinte, wir wollen dann auch mal weiter und nicht jede Pfütze einzeln verkosten. Schade!

Den schönen Grasweg rechts rein und immer weiter im Trab bis zum nächsten Hund. Es war ganz schön viel los so am Freitag nachmittag mit schönem Wetter und das Mädchen vom Ausreitkumpel war dezent genervt. Ich wäre auch lieber einfach durchgetrabt aber es nützt ja nix. Mein Mädchen plant jetzt schon die nächste Tour in ein weniger touristisches Gebiet, damit wir mal durchtraben können.

Nachdem wir noch ein paar Hunde und Spaziergänger erledigt hatten, war die Bahn vor uns schön frei. Mädchen, wie wäre es mit einem Galopp? Sie hatte etwas Sorge, weil ich ja so guckig bin und wir so lange nicht galoppiert sind im Gelände. Da höre ich von hinten vom Mädchen vom Ausreikumpel: „ein kleiner Galopp vielleicht?“. Ach, ich mag die, die ist einfach super. Die schiebt mein Mädchen immer an, damit die Abenteuer besser, länger und schneller werden. Mein Mädchen hat gesagt, sie muss mal schauen, sie erinnert sich noch allzu gut, wie ich auf dieser Strecke immer von rechts nach links gehopst bin wegen der Vögel. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gelacht und gesagt „Du und Dein Kopf“. Also hat mein Mädchen sich doch getraut. Ich durfte angaloppieren und wollte gerade so richtig loslegen, da hat sie mich wieder durchpariert. Dann wieder angaloppieren, wieder durchparieren. Mein Mädchen meint, nach meinem letzen Wachstumsschub hänge ich jetzt wieder so auf der Vorhand und das fühlt sich immer so an als könnte man mich nicht bremsen. So ein Quatsch! Aber sie und ihr Kopf sind eben so und ich bin ja ein Gentleman und nehme darauf natürlich Rücksicht. Alsbald war es eh vorbei, weil schon wieder Spaziergänger kamen. Trotzdem: Galopp ist jetzt auch wieder auf dem Plan. Und meine Klebeschuhe haben gut gehalten!

Aus Rücksicht auf den Ausreitkumpel, der ja jetzt erst wieder so richtig laufen kann, sind wir den etwas kürzeren Weg geritten und so waren wir alsbald am Absteigepunkt. Sobald mein Mädchen unten ist weiß ich ja: da passiert nix mehr. Dann dödel ich so neben ihr her und versuche, etwas zu Essen zu erhaschen. Und mein Mädchen ist genervt, aber das ist mir wurst.

An der Wackelkiste haben wir uns dann alles ausziehen lassen, haben noch einen kleinen Flirt eingelegt und dann ging es wieder nach hause. Schön war das! Und das schönste ist, dass das jetzt wieder richtig losgeht. Juhuuuu!

DER Ausreitkumpel

Euer Sir Duncan Dhu mit dem besten aller Ausreitkumpel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 511

Obwohl das Wetter gar nicht so danach aussieht, sind wir hier im Sommermodus angekommen. Die letzten Härchen von meiner Winterrüstung habe ich abgeworfen (aber wartet nur, direkt nach der Sommersonnenwende werde ich anfangen, mich für den nächsten Winter zu rüsten!) und wir dürfen jetzt wieder nachts auf die Weide zum schmausen. Leckerleckerlecker – wobei, das ist echtes Diätgras was da jetzt steht. Es ist lang und hart und hat nur wenig Zucker. Da essen wir fast lieber von dem extra süßen Heu, das mein Mädchen für Diego gekauft hat, als der so mäkelig war! Mein Weidebauch ist auch schon wieder beträchtlich geschrumpft, weil das Gras so langweilig geworden ist – mein Mädchen merkt das ja immer am Sattelgurt. Sie freut sich, aber wie soll ich bei der schmalen Kost Winterspeck anlegen?

Da wir ja nun hoffentlich auch wieder so richtig flott mit dem Ausreitkumpel losziehen können, hat mein Mädchen es nochmal mit dem Kleben versucht. Der letzte Bekleb wollte ja einfach nicht halten. Jetzt hat sie etwas anderes probiert, nämlich die Schalen von meinen Hufschuhen an meinen Hufen festzukleben. Dann brauche ich diesen Ballenhalter hinten am Huf nicht mehr, wo ich mir immer reintrete, weshalb ich dann den Schuh verliere. So also der Plan und schon ging das Gefummel und Gefrickel wieder los: Hufe schön sauber machen, ordentlich abschleifen, trocken föhnen, Staub runter bürsten. Kleber in die Schalen, Schale an den Huf halten, kurz warten, absetzen. Und wer musste dabei die ganze Zeit ihm wahrsten Sinne die Füße still halten? Richtig: ich. Zum Glück gab es Kekse. Mein Mädchen hat – wie immer – gejammert, dass sie alles hasst, was mit Kleber zu tun hat. Eigentlich wundert sie sich, dass sie nicht bis heute einen Tisch aus der Grundschule an ihren Fingern kleben hat, weil sie das noch nie konnte. Diesmal klebten nur die Einmalhandschuhe an meinem Huf, aber zum Glück hat sie sie wieder abbgekommen, sonst hätte das doch recht peinlich ausgesehen. Jedenfalls war sie im Anschluss ganz zufrieden mit ihrem Werk, auch wenn es zugegebenermaßen eher …. kreativ aussieht.

Kleben ist nicht Mädchens Stärke…

Jetzt droht mein Mädchen damit, das an meinen Hinterhufen auch noch zu machen, wenn es sich vorne bewährt. Da werde ich aber noch eine Menge Kekse brauchen, damit ich dafür die nötige Geduld aufbringe! Vielleicht muss ich mal mit dem Mann sprechen. Ohne den kriegt sie es ja eh nicht hin, wenn der sich weigern würde, hätte ich vielleicht eine Chance. Andererseits: wenn Bekleben bedeutet, dass wir öfter flott ausreiten, hätte es auch seine guten Seiten….

Heute starten wir dann erstmal den Härtetest und ziehen mit DEM Ausreitkumpel los – der einzig wahre, beste, schnellste und mir der liebste von allen! Hoffentlich ist er wieder fit und wir können ausgiebig traben, vielleicht ist ja auch ein Galöppchen drin. Drückt mir die Daumen!

Euer neu beklebter Sir Duncan Dhu of Nakel

Blau-gelb

Wenn ich eine neue Reitschülerin und ihr Pferd kennenlerne, frage ich ja immer auch, was die beiden so zusammen machen. Und bei einigen kommt dann unter anderem „Equikinetic“. Bisher wusste ich darüber nur wenig. Naja, von Dualaktivierung hatte ich natürlich schon mal gehört und ich wusste, dass es bei den blau-gelben Gassen um die zwei Farben geht, die Pferde am besten sehen und unterscheiden können. Ich wusste auch, dass Michael Geitner auf Facebook seine Methode bewirbt mit den Worten „mach diese eine Übung und hab ein fittes Pferd“. Was ich mich frage: wenn ich bei 100 Reiterinnen, die ich treffe, von einer gewissen Zahl erfahre, dass sie Equikinetic machen und wenn ich dann im Durchschnitt keinerlei Unterschied in der Bemuskelung der Pferde sehe, was ist da falsch gelaufen?  Kann natürlich sein, dass das System falsch angewendet wird. Daher entschloss ich mich, mir das Training mal live und in Farbe vom Original vorführen zu lassen – Fortbildung hat schließlich noch keinem geschadet. Also hab ich mir frei genommen und bin zum  „Equiday“ gefahren. Dort habe ich mir einen Tag von Michael Geitner persönlich erklären lassen, worum es geht und wie das alles funktioniert. Eine gut organisierte Veranstaltung, bei der Michael Geitner und Alexandra Schmid mit verschiedenen Pferden und ziemlich viel Theorie die verschiedenen Trainingsarten erklären, die sie anbieten. Beide zeigen einen exzellenten Umgang mit den Pferden. Michael Geitner spricht viel darüber, wie er sich in den letzten Jahren diesbezüglich weiterentwickelt hat, wie viel kulanter er geworden ist und wie wenig er heutzutage von „Dominanz“ hält. Wichtig ist ihm, dass man sich auf das Pferd konzentriert und Alexandra Schmid demonstriert das auch: wenn sie mit dem Pferd arbeitet, ist ihr Mikrofon ausgeschaltet. Sie lässt Michael Geitner sprechen und wenn der sie etwas fragt, nimmt sie sich auch die Zeit zu sagen „Moment“ und erst die Arbeit mit dem Pferd zu beenden. Das finde ich vorbildlich und sehr sympathisch.

In der Equikinetic läuft das Pferd eine vorgegebene Zeit auf einem vorgegebenen Kreis. Ist das eigentlich schon alles? Dabei soll es sich nach innen stellen und biegen. Wie man das nun wirklich praktisch erreicht bzw wie das Endbild im Geitner-System aussehen soll, wird für mich in den Demos leider nicht ganz klar, aber es ist ja auch nur ein Demo-Tag und kein Kurs. Also lausche ich genau auf die Gespräche um und mit Michael Geitner. Ich höre, wie er in der Pause zu einer Dame sagt „wenn man das lang genug macht, wird das Pferd sich stellen und biegen, egal wie viele Fehler der Mensch macht, weil die Kreislinie ja vorgegeben ist“. Und ich glaube, genau da liegt der Hase im berühmten Pfeffer.

Immer wieder wird betont, man solle mal 3 Monate nicht reiten und nur jeden zweiten Tag Equikinetic machen, das bringe erstaunliche Erfolge. Jede andere Aktivität, die man dazwischen einbaue, berge die Gefahr, diese Erfolge zunichte zu machen. Ich frage mich, ob der Erfolg der Trainingsmethode nicht so sehr an dem liegt, was getan wird, sondern an dem, was nicht getan wird. 3 Monate ohne Sattel und Reiter wird vielen Pferden ganz sicher helfen, ihren Rücken wieder aufzubauen – nämlich z.B. all jenen Pferden, die einen unpassenden Sattel haben (leider ein sehr weit verbreitetes Problem, auch bei denen, die den Sattler regelmäßig da haben… ).

In einem Teil des blau-gelben Trainingssystems werden dann Gummimatten vorgestellt, über die die Pferde laufen. Die Erklärung ist, dass auf unsicheren Untergründen von alleine eine Geraderichtung im Pferd stattfindet, weil die Hinterhand bemüht ist, der Vorhand genau zu folgen, um kein Risiko einzugehen. Diese Information war mir neu, leuchtet aber total ein. Die Hinterhand läuft in die selbe Spur wie die Vorhand, denn diese hat schon Informationen gesendet darüber, wie die Bodenverhältnisse sind. An dieser Stelle muss ich ein bisschen lachen, denn wenn es um unsichere Bodenverhältnisse geht, brauche ich keine Gummimatte zu kaufen. Wie wäre es mit etwas Matsch, einem kleinen Berg, rutschigem Gras oder einer Pfütze? Findet sich kostenlos im Gelände und macht Pferd und Mensch mehr Spaß. Wenn die gegebene Erklärung stimmt, ist mir jetzt auch klar, warum unebene und schwierige Böden die Gymnastizierung des Pferdes so gut fördern.

In der Pause sehe ich mir den Pferdeschädel samt Atlas und Axis an, den Alexandra Schmid zuvor gezeigt hatte. Ich frage mich, wie die drei Teile zusammengehören und bin etwas beschämt, dass ich mich daran nicht erinnere. Schade, dass ich am Infostand auch von den anwesenden Trainerinnen keine Antwort auf meine Frage bekomme, eine Grafik oder eine Beschriftung an den Knochen hätten mir geholfen. Extra nach Alexandra suchen möchte ich jetzt nicht, ich weiß ja, dass mein Mann es mir zu hause anhand seiner vielen  Anatomie-Bücher zeigen kann.

Ich treffe eine frühere Hufpflegekundin mit ihren Töchtern – wow, sind die groß geworden (oder ich so alt?)! Wir sprechen darüber, wie erstaunlich es ist, dass 8 Minuten Training so viel bringen soll und das Pferd danach angeblich so dringend einen Pausentag braucht. Eine der beiden jungen Frauen sagt „wahrscheinlich bringt jedes Konzept erstaunliche Erfolge, wenn man es 3 Monate lang jeden zweiten Tag macht. Mach doch mal 3 Monate lang jeden 2. Tag Verladetraining, da wirst du auch staunen.“ Was für ein wahrer Satz.

Vielleicht ist das das Erfolgsgeheimnis hinter der Equikinetic: wenn der Druck groß genug ist, weil das Pferd z.B. ein gesundheitliches Problem hat, und der  Mensch das wirklich durchzieht, dann hilft das auch. Wenn ein Mensch jeden zweiten Tag 8 Minuten Sport macht, wird das bei den untrainierten, den schiefen und den total steifen Menschen eine Menge bringen. Wer allerdings sowieso viermal in der Woche eine Stunde Sport macht, wird kaum davon profitieren (es sei denn es ist eine ganz andere Art von Sport als sonst).

In der abschließenden Fragerunde staune ich, dass Michael Geitner seinen Zuschauern immer noch erklären muss, warum ein Sperriemen eine blöde Idee ist. Auf dem Heimweg denke ich noch über Gespräche nach, die ich in der Pause gehört habe: für manche war es anscheinend eine neue Information, dass es einen Unterschied zwischen dem rechten und dem linken Auge des Pferdes gibt – ich dachte, das weiß inzwischen nun wirklich jeder. Die Leute, die zu mir kommen, sind zum Glück etwas weiter. Sie haben sich in der Regel schon sehr viele Gedanken gemacht, sie reiten sehr viel besser und vor allem pferdefreundlicher als der „Otto-Normal-Reiter“ und sie beobachten ihre Pferde mit Argusaugen. Sie haben ständig den Sattler, den Osteopathen oder die Physiotherapeutin da und geben sich eine Menge Mühe, ihrem Pferd ein abwechslungsreiches Training zu bieten. Sie lesen Bücher, besuchen Kurse und machen sich haufenweise Gedanken. Ich bin dankbar für jede einzelne meiner Schülerinnen, die mit so viel Herzblut dabei sind!

Aus dem Equiday nehme ich einige Ideen und Anregungen mit und ich bin froh, dass Michael Geitner Gutes tut für die Pferdewelt. Er ist ein hervorragender Vermittler seiner Methode und seiner Werkzeuge und weiß genau, was er tut.

Später, als ich für Diego den 8m-Kreis aufgebaue und diesen Zirkel in unser reguläres Doppellongen-Trainng integriere, verstehe ich einen weiteren Punkt: in der Equikinetic wird nach Zeit trainiert. Das bedeutet, der Mensch entscheidet nicht, wann es gut war und man die Übung beenden sollte – die Uhr entscheidet, wann Pause ist. Das war einer meiner größten Kritikpunkte an dem System, aber inzwischen halte ich es für schlau. Denn sehr viele Menschen erkennen gar nicht zuverlässig, wann ein Pferd gut läuft (oder besser läuft als zuvor). Sie können also kaum herausfinden, wann sie loben und Pause machen müssten. In der Equikinetic wird das Lernen dem Pferd überlassen. Man sagt ihm quasi „eine Minute Mühe geben, dann Pause machen, das ganze 8 mal“. Das ist überschaubar, das Pferd wird motiviert sein, und mitzumachen. Dadurch wird es automatisch besser, dadurch wiederum motivierter. Die blauen und gelben Gassen und Hütchen machen die Aufgabe deutlich sichtbar und das Pferd kann auch selbst einschätzen, wie gut es das geschafft hat.

Und ich gestehe, dass auch ich merke, wie unrund meine Zirkel sind. Ein genau abgemessener, vorgegebener Kreis kommt mir nicht rund vor – das kann ja nur bedeuten, dass ich vorher irgendwelche Ovale longiert habe, die ich für Kreise hielt. Ich nehme mir also fest vor, noch viel öfter Dinge aufzubauen und dabei auch genauer nachzumessen. Zum Glück ist die Auswahl ja groß.

Fürs Pferd hat man also jetzt alles sichtbar und selbsterklärend gemacht. Jetzt könnte man auch noch eine kleine Matte hinzufügen, auf der der Mensch steht, damit der sich nicht mehr ständig vom Pferd durch die Gegend schieben lässt. „Positionsarbeit“ nennt Michael Geitner das und es ist ihm enorm wichtig. Doch wo ist das Hilfsmaterial für die Menschen? Blau und gelb sind ja nun schon besetzt aber wenn es demnächst eine orange-grüne Matte zu kaufen gibt, auf der Menschen stehen sollen, damit sie ihre Position halten, dann wisst ihr wer sie erfunden hat……

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 510

Abenteueeeeer! Geht´s jetzt los? Wackelkiste steht da, Hufschuhe stehen bereit: es geht los! Mein Mädchen hat mir die Schuhe angezogen, dann hat sie mir mein Gebiss ins Maul gemacht. Hä? Falsche Reihenfolge? Das machen wir doch immer erst, nachdem ich irgendwo hin gewackelt wurde? Aber dann hat sie das Gebiss wieder raus genommen, mir die Schuhe wieder ausgezogen, hat gesagt „das passt“ und mich wieder in den Stall gebracht! So ja nicht, mein Mädchen, SO NICHT!

Als sie eine Weile später wieder nach mir gerufen hat, hab ich sie ignoriert. Ich hab die Faxen dicke von all dem Gefummel und Anprobieren, ich mach da nicht mehr mit. Aber sie hat gesagt, wir wären verabredet und es wäre jetzt wirklich gut, wenn ich mal mitkommen würde. Hm. Na dann mache ich das mal. Hufschuhe wieder an, einsteigen! Und los ging es. Ein bisschen wackeln und dann kamen wir an einer Stelle raus, die ich gut kenne. Aussteigen, anbinden, satteln. Nur sie und ich, ganz allein. Mein Mädchen war stolz, weil ich sooooo erwachsen bin. Dann, als wir gerade fertig waren, höre ich ein Pferd schnauben und gleichzeitig kommt eine Radfahrerin um die Ecke! Huch! Da hab ich mich doch verjagt. Und spätestens da wusste mein Mädchen, dass ich nicht ganz so entspannt bin, wie ich tue. Aber das war ihr ja eigentlich vorher schon klar – sie war ja auch nicht so entspannt wie sie getan hat….

Also nachdem ich kurz überlegt hatte, ob Fahrräder genauso schnauben können wie Pferde, löste sich das Rätsel: da kam ein Pony um die Ecke! Aber hallo, wer bist denn du? Das war ein Fjordpferd. Der sieht mir gar nicht mal so unähnlich, nur dass er falbfarben ist und sein Wallehaar ganz kurz geschnitten trägt, wie so ein Punk!

Stellt sich raus: das Fjordpferd ist heute mein Ausreitkumpel! Mein Mädchen ist auf die Aufsteigehilfe geklettert und war schon gleich ganz stolz auf mich, weil ich trotz der Anwesenheit des Fremden einfach so eingeparkt habe wie ein ganz großer! Und dann ging es auch schon los. Schön im Schritt, einer rechts am Wegesrand und einer links. Unser Schritt-Tempo hat gut gepasst und die Mädchen haben sich erstmal fröhlich unterhalten, während mein neuer Ausreitkumpel und ich uns gegenseitig abgecheckt haben. Ja, ich glaube mit dem ist gut auskommen, das klappt schon. Dann kam von vorne eine Radfahrerin und ich musste ein bisschen näher an meinen neuen Kumpel ran um Platz zu machen, aber auch das war kein Problem. Nur die Radlerin, die kam uns so bekannt vor – hatten wir die nicht eben schon gesehen? Naja, weiter ging die Reise und siehe da, kurze Zeit später kommt genau die selbe Radlerin schon wieder von vorne! Die lachte und sagte „letzte Runde“ und mein Mädchen konnte sich nicht verkneifen, ihr hinterher zu rufen „gib alles, du schaffst das!“. Ja, manchmal ist sie ein bisschen peinlich….

Wir wollten dann gern etwas traben, aber vor uns war ein anderes Pferd, das da zu Fuß mit seinen Menschen ging und etwas langsamer war als wir. Und ich wurde immer schneller, je näher wir diesem Pferd kamen – ich wollte doch mal gucken! Und wenn ich gucken sage, meine ich natürlich anfassen. War aber nicht erlaubt. Am Ende des Weges ist das Pferd rechts abgebogen wo wir links wollten und so konnten wir endlich traben. Ich finde ja, dass Schritt eine völlig überbewertete Gangart ist und hab mich gefreut, dass es los ging. Ich durfte vorneweg und mein neuer Ausreitkumpel hinterher. Das ging ganz fein und mein Mädchen war schon wieder sehr stolz auf mich. Nach einer Weile mussten wir aber durchparieren, weil uns ein Mann mit einem Dackel entgegen kam. Die wollen wir ja nicht erschrecken, indem wir an ihnen vorbeizischen. Der Dackel war an der Leine, also haben wir uns gar keine Gedanken gemacht. Der Mann hat freundlich gegrüßt und gescherzt „alle wollen bewegt werden“ und ich fühle derweil, wie der Dackel sich meinen Hinterbeinen nähert! Mann, da hab ich aber echt kurz überlegt! Mein Mädchen hat mir schnell gesagt, ich soll einfach einen Schritt nach vorn machen. Hab ich dann auch. Und der Mann hat den Dackel weg gezogen und ist schnell weitergegangen. Keks! Den hatte ich mir verdient, weil ich mich für vorwärts gehen entschieden hatte und nicht für austreten. Das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte auch, das sei sehr nett von mir gewesen, sie hätte schon vor ihrem geistigen Auge gesehen wie das schlimm ausgeht für den Dackel…. gut, dass ich so ein anständiger Kerl bin. Und mein Mädchen hat mich gefeiert, dass ich das so weggeatmet hab. Ich kenne ja Hunde, aber fremde Hunde mag ich nicht! Und schon gar nicht an meinen Hinterbeinen!

Weiter ging es noch mit ein bisschen Trab, dann ein Stück die Straße entlang, an dem Hof vorbei wo manchmal die Hunde bellen (heute nicht) und noch mehr Trab. Kannst du noch, neuer Ausreitkumpel? Der war nämlich am Sonntag auf einem Kurs gewesen und hatte dort fleißig gearbeitet. Und bis er an der Wackelkiste war um uns abzuholen hatte er schon 20 min Schritt auf der Uhr. Aber er war noch munter und so sind wir noch ein gutes Stück getrabt, bis wir dann bei den Kühen waren. Erst dachten wir, wir können muuuuhtig da vorbei traben aber dann haben wir vor uns den Mann mit dem Dackel gesehen und das lieber gelassen. Zu dem halten wir besser etwas mehr Abstand! Die Kühe waren nicht allein, es waren einige kleine Kälber da und der größte Bulle der Welt stand auch mit auf der Weide. Und viele Kühe waren ganz nah am Zaun unterwegs. Das war schon etwas gruselig! Aber mein neuer Ausreitkumpel und ich sind tapfer daran vorbei gegangen. Dann kommen ja noch die Schweine, die regen mich nicht mehr so doll auf, weil ich da jetzt schon so oft war. Mein Ausreitkumpel hat ein bisschen große Augen gemacht aber er ist so ein tougher Typ, der sich nichts anmerken lässt, auch wenn ihm eine kleine Angstschweiß-Perle von der Stirn tropft. Schweine sind nämlich nicht so sein Ding! Und schon waren wir wieder an der Wackelkiste. Mein Mädchen hat noch versucht, ein paar Fotos zu machen, aber das war nicht so einfach. Dann haben die Mädchen noch verhandelt, wie es wohl am besten geht, und beschlossen, dass mein Ausreitkumpel sich einfach auf den Heimweg macht und mein Mädchen schaut, wie ich das finde. Wie ich was finde? Hm? Hier ist Heu, ich hab Hunger. War mir egal, dass er geht. Schön in Ruhe absatteln, einsteigen und essen, essen, essen. Zack! Mädchen stolz. Weil ich hungrig bin? Manchmal ist sie lustig.

Mein neuer Ausreitkumpel und ich hatten eine gute Zeit!

Als wir wieder nach hause kamen, hat mein Mädchen mich versonnen angeschaut und gemeint, ich sei nun doch schon ganz schön richtig toll erwachsen. Dass ich einfach so mit einem fremden Pferd ausreiten gehen kann, ohne mich groß aufzuregen, findet sie spitzenmäßig! Und sich selbst fand sie auch toll, weil sie so mutig war. Sie war ziemlich kaputt, weil sie das alles so aufregend fand. Ich war nur hungrig, sonst nix.

Demnächst wollen wir dem neuen Ausreitkumpel mal so unsere Lieblingswege zeigen. Der wird staunen, was für schöne Stellen wir so kennen! Da freuen wir uns drauf.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit einem neuen Ausreitkumpel (wie viele sind es jetzt eigentlich? Ich muss mal nachzählen….)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 509

Also wirklich: der letzte richtig tolle, schnelle, lange Ausritt ist jetzt schon eine halbe Ewigkeit her. Der war am 15.4.! Seitdem hatte ich nur so Runden mit viel Schritt und die meisten davon auch viel zu kurz. Und so langsam nervt´s! Ich brauche meine regelmäßigen Austobe-Einheiten, sonst werde ich sauer! Jetzt war heute auch noch so fieses Wetter, dass es gar nix wurde mit dem Ausreiten – ganz viel Wind und Regen und dabei ziemlich kalt. Ich stand in der Scheune, die Menschen haben wieder an meinen Hufschuhen rumgebastelt, es hat geschüttet und meine Laune war im Eimer. Ich war so richtig grummelig.

Draußen schüttet es und ich bin schlecht gelaunt.

Mein Mädchen hat das gesehen und hat versprochen, dass ich noch laufen darf. Auf jeden Fall. Sobald es aufhört zu regnen. Ich war immer noch grummelig. So ein blöder Mist! Aber wenn sie etwas versprochen hat, dann hält sie das ja auch. Also kam sie sofort an, als es aufgehört hat zu regnen. Wir sind auf den Platz gegangen und haben Doppellonge gemacht. Mit Stangen und einem aufgebauten Kringel zum drin laufen. Erst schön warmmachen im Schritt. Dann endlich ab in den Trab. Können wir bitte auch bald mal galoppieren? Ja, konnten wir. Ich bin dann einfach ein paar Runden durchgaloppiert und dann plötzlich ging es wieder mit meiner Laune. Der Mann hat mir noch den Sprung aufgebaut und ich dann konnte ich noch hüpfen und hüpfen und galoppieren und traben und hüpfen und galoppieren…. und dann war meine Welt wieder in Ordnung. Besonders in Ordnung war sie dann, als mein Mädchen gesagt hat, dass wir morgen – so das Wetter uns gnädig ist – ein feines Abenteuer vorhaben. Oh toll, da bin ich ja mal gespannt! Also Daumen drücken, dass das Wetter morgen mitmacht!

Hüpfen hebt die Stimmung!

Diego durfte dann auch noch an die Doppellonge. Mein Mädchen hat das ja mit ihm geübt in den letzten Wochen und jetzt hat sie es dem Mann mal gezeigt. Diego kann jetzt auch ganz leise über die Stangen laufen, ohne klonk klonk (nicht immer, aber immer öfter). Darauf ist mein Mädchen ganz besonders stolz. Und darauf, dass er jetzt schon wieder ein bisschen galoppieren kann und schon wieder ganz gut durchhält. Am Anfang war er immer so schnell müde, weil er ja so schlimm krank war, aber davon merkt man jetzt schon gar nicht mehr so viel.

Diego war auch fleißig

Als wir dann beide schön Sport gemacht hatten, ging es noch ein bisschen auf die Weide – bald sind wir mit anweiden fertig, dann können wir wieder nachts raus, aber im Moment gehen wir noch morgens und abends jeweils eine Weile zum Gras essen. Danach war ich wieder in feinster Stimmung und habe das auch meinem Mädchen direkt erzählt und die hat sich sehr gefreut, dass ich wieder ganz ich selbst bin und nicht mehr grummelig und motzig.

Euer wieder gut gelaunter Sir Duncan Dhu of Nakel (in Erwartung eines feinen Abenteuers!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 508

Ausflug außer der Reihe, juhuuu! Ab und zu nehmen der Mann und mein Mädchen sich ja frei und wir gehen einfach so unter der Woche zusammen ausreiten. Und jetzt war es endlich mal wieder so weit! Die Touren sind noch nicht so lang, wegen Diegos Fitness, aber diesmal waren wir wieder auf wichtiger Mission. Es ist ja so, dass wir eigentlich eine Strecke für einen Distanzritt probereiten. Damit hätten wir längst fertig sein sollen, aber mein Ausreitkumpel laboriert ja nun schon eine halbe Ewigkeit mit seinem Humpelfuß herum und also ging an der Front nix voran. Deswegen sind wir heute mit Diego mal da hin gefahren und haben uns die gute Hälfte vom dritten Drittel des Distanzrittes angesehen.

Diego ist gleich mal wieder munter losmarschiert und ich musste erstmal meinen Dieselmotor vorglühen. „Was?“ sagt der Mann zum Mädchen „ein DIESEL? Ich reite ja einen Hü-Brid“ (Oder „Hü-Breed“) und damit ist das endlich mal klar, warum Diego sooooo schnell ist: der hat anscheinend zwei Motoren wo ich nur einen habe! Unverschämtheit! Er ist ja ein Friese-Tinker-Mix und wahrscheinlich hat er einen Friesen-Motor und einen Tinker-Motor, während ich armes, reinrassiges Highlandpony eben nur einen einzigen Motor habe. Aber als der mal warmgelaufen war, habe ich den schnellsten aller Schritte hingelegt, den ich so schaffe. (Leider deutlich langsamer als Diegos entspannter Normalschritt).

Ihr seht schon, die Menschen waren gut gelaunt und wir Ponys auch. Leider stellte sich heraus, dass die Wege gar nicht ganz so schön sind, wie erhofft, da war doch viel Asphalt zu treten. An jeder Kreuzung haben wir angehalten und die Menschen haben Fotos gemacht – seufz. Können wir nicht einfach weiterlaufen, bitte? Das Anhalten nervt immer so. Dann zwischendurch immer mal ein Stück Trab, aber Diego trabt einfach nicht ganz so lange durch wie mein Ausreitkumpel, so dass ich die Vorteile meines Dieselmotors gar nicht so recht ins Spiel bringen kann. Kaum habe ich mich warmgelaufen, schon wird wieder durchpariert. Trotzdem war es schön, zusammen unterwegs zu sein. Ich hab nachtraben geübt, weil ich ja sowieso nie bei Diegos Schritt mithalten kann. Nachtraben ist fies für mich, weil ich da ja erst antraben und dann gleich wieder durchparieren muss. Das finde ich anstrengend und meckere dann immer etwas rum, aber Diego hat gesagt, für ihn ist das ja auch anstrengend, wenn er immer auf mich warten muss. Irgendwas ist ja immer!

Diego ist dann zwischendurch immer ein paar Seitengänge gegangen, damit das Tempo besser passt. Aber nach jedem Seitengang wurde er dann gefühlt noch flotter! Aber wir sind ja beste Freunde und kriegen das alles hin. Mein Mädchen meint ja immer, es sei sehr gut für mich, wenn ich mich im Schritt richtig anstrengen muss. 

Diego hat das mit dem Distanzritt sehr ernst genommen und sich bemüht, die Strecke schon mal ordnungsgemäß zu markieren. An jeder Kreuzung ein Äppelhaufen! Mein Mädchen hat ihn dafür doll gelobt. Nur an einer Stelle hat er es verkackt (wenn ihr das Wortspiel gestattet). Da haben wir Graspause gemacht und mein Mädchen wollte kurz auskundschaften, welcher von den beiden möglichen Wegen wohl der schönere wäre. Und da hat Diego so mitten auf die Kreuzung geäppelt, aber zu weit rechts, wir wollten nämlich dann links abbiegen. Mein Mädchen meinte, das wäre ja wohl nix.

Die Markierung ist verkackt!

Der Mann hat dann schnell einen Stock genommen und etwas nachgebessert, damit jeder die Markierung verstehen kann. Ob Diego demnächst gleich Pfeile äppelt? Wir sind gespannt!

So ist es besser verständlich

Nach guten 9km waren wir dann auch schon wieder an der Wackelkiste. Man, hatte ich einen Hunger! Dieser flotte Schritt ist ganz schön anstrengend, sage ich euch. Schnell schon mal etwas Heu naschen, während mein Mädchen mich absattelt. Sie meinte dann aber, dass ich doch lieber von hinten durch die große Tür in die Wackelkiste einsteigen soll. Ok, Hauptsache ich komme ans Buffet!

Hunger!!

Das war ein schöner Sonntags-Ausflug am Donnerstag. Und das schönste ist: das machen wir jetzt wieder öfter. Diego ist diesmal nicht gestolpert und war auch nicht so müde, also es geht gut voran mit der Fitness. Nur eins hat uns nicht so gefallen: der viele Asphalt. Da müssen wir jetzt mal sehen, ob sich das für einen Distanzritt wirklich so gut eignet, aber das besprechen die Menschen untereinander, da haben wir Ponys nix mit zu tun. Wir gehen lieber auf die Weide und gewöhnen unsere Bäuche an Gras.

Euer Distanzrittstreckentester Sir Duncan Dhu of Nakel

Die Ausbildung des Reiters

Als ich noch ein Kind war hat mein Großonkel mir ein Buch geschenkt. Kein neu gekauftes, sondern eins aus seinen Beständen, aus seiner Zeit bei der Kavallerie. Müselers Reitlehre in der Ausgabe von 1938. Mit seinem zerschlissenen Einband und den abgerundeten Ecken ist es für mich doch immer ein ganz besonderes Buch – eine Art Zeitzeuge in meinem Bücherregal.

Das Buch beginnt mit dem Kapitel „Die Ausbildung des Reiters“. Und widmet sich dann den Fragen „Wie lernt der Reiter sitzen?“, „Wie lernt der Reiter fühlen?“ und „Wie lernt der Reiter einwirken?“

Schon die Reihenfolge dieser drei Fragen sagt einiges aus. Sitzen lernen, das haben wir zu meiner Zeit noch an der Longe getan in der denkbar ungünstigsten Art und Weise („Hände ruhig!“, „Schultern zurück!“, „Absatz tief!“). Heute gebe ich natürlich im Reitunterricht auch Hinweise, wie eine Reiterin besser sitzen kann, aber ich kann trotzdem nur jeder empfehlen, sich auch separat mit ihrem Sitz zu beschäftigen. Ich bin da keine Expertin, aber es gibt viele Ausbilder, die sich genau darauf spezialisiert haben und die auch neben dem Pferd gute Angebote wie Yoga, Pilates etc haben. Sitzen lernt man nicht einmal und ist dann fertig damit. Sitzen übt man ein Leben lang.

Wie lernt der Reiter fühlen? Tja, da sind wir heute oft im Nachteil. Denn Fühlen lernt man vor allem im Vergleich und dafür bräuchte man verschiedene Reitpferde. Die meisten Frauen, die ich unterrichte, reiten immer ein und dasselbe Pferd. Das Gefühl auf diesem Pferd hat ihr Körper als „normal“ abgespeichert. Da wird es schwierig, ein neues Bewegungsbild zu bekommen. Wann immer sich euch die Gelegenheit bietet, mal ein anderes Pferd zu reiten, nehmt sie wahr. Und sei es nur 10 Minuten im Schritt: für den Körper ist es eine wertvolle Erfahrung, ein wichtiger Vergleich, um dann besser wahrzunehmen, was das eigene Pferd wohl für Besonderheiten, Schiefen oder Steifigkeiten mitbringt.

Und wie lernt der Reiter einwirken? Auch hier sind wir wieder sehr im Nachteil. Zu Müselers Zeiten lernten die Reiter auf vernünftig ausgebildeten Schulpferden. Heute sind zumindest jene Frauen, mit denen ich zu tun habe, selbst Pferdebesitzerinnen. Reitschulen mit gut ausgebildeten Pferden sind sehr selten. Wenn aber das eigene Pferd noch nicht viel weiter ausgebildet ist, als die Reiterin oben drauf, dann wird der Weg um ein vielfaches schwieriger. Denn eine Reiterin, die das Zielbild nicht im Kopf und Körper hat, weil sie es noch nie geritten ist, sitzt jetzt auf einem Pferd, dem es ganz genauso geht. Beide kämpfen mit ihren körperlichen Schwierigkeiten: die Reiterin kommt meist aus einem bewegungsarmen Alltag im Büro, das Pferd hat das eine oder andere Zipperlein und lebt ebenfalls sehr bewegungsarm (Offenstall hin oder her).

Natürlich kommen Reiterin und Pferd trotzdem voran, wenn sie dranbleiben und üben, guten Unterricht bekommen und sich weiterbilden. Dennoch glaube ich, dass die Ausbildung von Reitern heute deutlich länger dauert als damals, zu Müselers Zeiten.

Denn selbst die, die jede Woche Unterricht nehmen und viel reiten, äußern immer dasselbe Problem – und selbst Müseler wusste das schon. Er schreibt: „Es liegt nun der Gedanke nahe, dass der Reiter zunächst die einzelnen „Einwirkungen“ für sich allein ausprobiert, um dann, wenn er mit ihnen vertraut ist, „Hilfen“ geben zu können. Zu Pferde ist das in dieser Form meist leider nicht möglich, weil das Pferd auf Einwirkungen nur dann vernünftig reagieren kann, wenn mehrere von ihnen in solcher Zusammenstellung gegeben werden, dass sie als „Hilfen“ für das Pferd verständlich sind. Wollte man z.B. die Wirkung des „Annehmens“ der Zügel für sich allein ausprobieren, ohne die zum Verständnis für das Pferd notwendigen Ergänzungen der Kreuz- und Schenkeleinwirkungen mit dem richtig abgemessenen Nachdruck gleichzeitig vorzunehmen, dann wüsste das Pferd nicht, was es machen sollte.“

Kurz und gut: man muss halt immer so viele Dinge gleichzeitig tun. Und im richtigen Moment aufhören, sie zu tun. Und dann soll man noch fühlen, was das Pferd tut. Und das Atmen nicht vergessen.

Deswegen starte ich in meine neue Mission: zu versuchen, die Dinge etwas mehr auseinanderzunehmen, damit Reiterinnen die Möglichkeit haben, einzelne Bausteine zu üben, um sie anschließend zusammenzusetzen.

Darum soll mein Duncan gelegentlich als Lehrpferd zur Verfügung stehen – er muss dafür auch gar nicht perfekt ausgebildet sein, sondern nur mal die Möglichkeit bieten, etwas zu erfühlen oder zu üben. Auch Diego wird hoffentlich bald wieder als Lehrpferd arbeiten können, sobald die nötige Fitness wieder hergestellt ist. Da ich beide von unten „fernsteuern“ kann, bleibt für die Reiterin mehr Zeit zum fühlen.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, die Themen weiter herunterzubrechen. Ich möchte Workshops OHNE Pferd anbieten, der erste wird zum Thema „Timing und Rhythmus“ sein. Wer in meinem „Versuchskaninchendurchlauf“ dabei sein will, schreibt mich gerne an!

Heute haben wir viel bessere Lehrmethoden als Herr Müseler vor über 80 Jahren, denn wir wissen mehr über Pferdeverhalten und auch mehr darüber, wie der Mensch lernt. Nur das Reiten ist nicht einfacher geworden, das will – genau wie damals – gelernt und geübt werden und fertig ist man damit nie. Nicht umsonst heißt der kürzeste Reiterwitz „Ich kann´s“.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 507

Gestern war ja wieder Montagsausflug. Aber vorher war Wellness angesagt, gegen meinen schiefen Po. Der Mann hat mich ordentlich durchgeknetet. Beine dehnen und kreisen, Schweif kreisen, Muskeln massieren. Aaaaaaah so lässt es sich leben!

Schweif kreisen in den Rücken zu lockern
Beine dehnen
Herrlich, so eine Massage.

Und dann ging es in die Wackelkiste Richtung Ausreitkumpel.

Der ist jetzt wieder in der Aufbauphase angekommen, aber noch baut sich da irgendwie nix auf. Er jammert und meint, alles sei furchtbar anstrengend. Durch die Humpelei ist sein Po nämlich NOCH VIEL SCHIEFER als meiner und er bekommt zwar auch ständig Wellness, soll sich aber auch bewegen und das findet er ja so gar nicht witzig. Ich hatte ja nun am Sonntag meinen Turbo-Schritt mit Diego geübt (da bin ich ja immer hoffnungslos zu langsam, egal wie sehr ich mich bemühe) und am Montag hatte ich dann den Ausreitkumpel hinter mir, der immer meinte, ich sei viiiiiiiiel zu schnell. Wie man es macht, man macht´s verkehrt.

Wir sind wieder 5km Schritt gegangen während die Mädchen sich die neuesten Neuigkeiten erzählt haben. Weil mein Mädchen keine Lust auf drölfzig Autos hatte, hat sie kurzerhand den Ausreitkumpel zu mir in die Wackelkiste gepackt und wir sind ein kleines Stück gewackelt bis zu den schöneren Wegen, damit wir in Ruhe laufen können.

Alles ganz nett, aber unspekatulär ohne Ende. Ich hoffe ja doch sehr, dass mein Ausreitkumpel bald wieder ganz der Alte ist, damit wir endlich mal wieder ohne Ende traben können!

Bis dahin warte ich auf eine Lieferung neuer Hufschuhe und Kleber, damit ich was an die Hufe kriege was ich im Galopp nicht verliere (mein Mädchen möchte einen neuen Versuch starten) denn ich hoffe sehr, dass wir dann auch im Gelände mal wieder richtig schön galoppieren können.

Euer durchgekneteter Sir Duncan Dhu of Nakel