Einladung zum Workshop

Ich habe ihn Euch versprochen und jetzt ist es so weit!

Sonntagsworkshop „Rhythmus und Timing“

Liebe Versuchskaninchen, es ist so weit! Unser Test-Workshop findet am

Sonntag den 4.8. statt bei uns in 24802 Groß Vollstedt, Emkendorfer Weg 9

Spielerisch werden wir euer Rhythmus-Gefühl schulen und in Mensch-zu-Mensch-Übungen euer Timing verbessern, denn beides ist essentiell in der Arbeit mit Pferden. Allzu ernst wird es dabei nicht zugehen, dann am besten lernt man mit Spaß!

Start ist um 10 Uhr und wir planen um 14 Uhr fertig zu sein  

Einmaliger Versuchskaninchen-Teilnehmerpreis: 40 € 

Wir werden uns in unserer kleinen Halle aufhalten, sind also vor Wind und Regen geschützt. Bitte tragt stalltaugliche Kleidung. Wer mag, bringt seine eigene Gerte/Longierpeitsche/Bodenarbeitsseil mit. Wir arbeiten NICHT am Pferd! (Wer mit Leckerlis belohnen will sollte also was menschentaugliches mitbringen…)

Bitte meldet Euch bis zum 28.7. verbindlich an, damit wir mit der Teilnehmerzahl planen können. Am besten per Whatsapp oder Signal an 0160-8462350 oder per mail an lioba@orbis-alia.de

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 520

Also der Montagsausflug ist leider ausgefallen, das war schade. Ich hatte dann den Montag frei, mein Mädchen ist nur vorbeigekommen und hat „Rumstehtraining“ mit mir gemacht. Ansonsten habe ich den Kurs nachwirken lassen und mich sehr groß und stolz gefühlt.

Dienstag und Mittwoch haben wir dann reiten geübt. Und zwar mit Gebiss auf dem Reitplatz, was wir sonst nie tun. Aber mein Mädchen hat festgestellt, dass ich die Gebisshilfen noch nicht ganz verstanden habe und da möchte sie jetzt nachjustieren. Wir haben ein bisschen was von den Sachen geübt die wir auf dem Kurs gemacht haben (nur Rinder waren keine da) und wir finden, das klappt schon ganz fein.

Gestern vormittag war dann mal wieder Doppellonge dran. Mein neu gewachsener Körper hat sich wieder zurechtgeruckelt (naja, der Mann hat da auch einiges zurechtgeruckelt) so dass ich jetzt wieder ganz fein laufen kann und das hab ich dann direkt auch mal demonstriert. Mit galoppieren und springen und mein Mädchen hat mich in einer Tour gefeiert, weil ich das soooooo toll gemacht habe!

Nachmittags ging es dann gleich weiter mit Programm, da kam nämlich meine kleine Freundin! Und wisst ihr was? Bisher war ich immer recht aufgeregt, wenn sie kam. Weil ich nie so ganz sicher war, was zu tun ist. Aber diesmal dachte ich, ich habe 6 Rindern ins Auge gesehen, habe eine Reihe Zuschauer begeistert und Dinge getan die mein Mädchen gar nicht für möglich hielt, da brauche ich mir keine Sorgen machen wegen einer kleinen Reitschülerin. Und dann war ich ganz entspannt. Als sie mich gebürstet hat, hab ich erstmal ein kleines Nickerchen gemacht. Mein Mädchen war baff, das ist ja noch nie passiert! Bevor es mit dem Reiten los ging, musste ich noch kurz am Anbinder warten, weil mein Mädchen meiner kleinen Freundin noch was erklären wollte. Da sind sie doch mit zwei Besenstielen über den Hof gelaufen und haben so getan als hätten sie vier Beine! Das sah sehr, sehr lustig aus, kann ich euch sagen.

Dann war ich dran und ich bin tiefenentspannt mit meiner kleinen Freundin zum Reitplatz gegangen, ohne schubsen oder drängeln (ja, natürlich habe ich trotzdem nach dem ein oder anderen Grashalm gehascht!). Dort haben wir wieder Lenken geübt. Mein Mädchen hat die Longe dran, aber nur falls es ganz durcheinander gerät, eigentlich soll meine kleine Freundin lenken und sie tut das auch. Manchmal verstehen wir uns noch nicht so ganz, dann geht es irgendwie in eine falsche Richtung, aber nachher hatten wir es gut raus. Immer schön im Kreis rundherum um mein Mädchen. Anhalten wenn ich von oben „hooooo“ höre, Keks nehmen. Meine kleine Freundin hat auch gemerkt, dass ich entspannter bin als sonst, weil ich nicht mehr so doll nach den Keksen gehascht habe. Das war eine rundum gelungene Einheit und beim zurückführen war ich auch sehr, sehr artig (da hatte ich sonst immer so einen Zug Richtung Gras den meine kleine Freundin nicht lustig fand).

Mein Mädchen meint, dieser Kurs hätte mich ja wohl total erwachsen gemacht und ich würde so schön in mir ruhen. Diese Ruhe wurde dann auch prompt ausgenutzt um mir noch hinten die Hufe zu bekleben (so wie vorne). Der Mann hat auch gemerkt, dass ich ruhiger bin. So waren wir alle sehr zufrieden mit uns und jetzt hoffen wir, dass die Klebeschalen hinten genauso gut halten wie vorne und wir im Gelände mal ordentlich galoppieren können ohne was zu verlieren!

Euer in sich ruhender Sir Duncan Dhu of Nakel

Reitkurs

Da waren wir nun auf unserem ersten Reitkurs. Der Kurs, den wir 2022 bei Elsa Sinclair mitgemacht haben, bestand ja für Duncan tatsächlich nur daraus, 4 Tage im Paddock mit Diego zu sein, was damals wirklich aufregend genug war, weil er noch Hengst war und viel herum gerannt ist.

Jetzt ist er nicht nur Wallach, sondern auch 2 Jahre älter. Er kann die Anwesenheit fremder Pferde ganz gut wegstecken, das hat er in den letzten Wochen mehrfach bewiesen. Also war ich guter Dinge, dass er den Kurs gut meistern wird.

An einem einzigen Wochenende war dann auch gleich so ziemlich alles dabei: übernachten auf einem fremden Weidestück mit Rindern und anderen Pferden nebenan, später Unterbringung in der Box mit Sicht auf den Hof, der voller Kinder und Hunde war und auf die Stallgasse, auf der auch immer wieder reges Treiben herrschte, wenn die Gruppen wechselten. Reiten in der Halle (die ich ihm zum Glück vorher zeigen konnte) mit Zuschauern und offener Tür zu besagtem Hof (Hunde und Kinder), Rinder treiben in der Gruppe mit fremden Pferden auf der großen Koppel und schließlich noch in der Halle mit fremden Pferden reiten. Ich sah sie förmlich, die kleinen Rauchwolken, die aus Duncans Kopf aufstiegen. Als wir einmal vor Arnulf und Diego in die Halle gegangen und dort alleine waren, hat Duncan sein Unwohlsein deutlich zum Ausdruck gebracht: er wollte zum Ausgang. Ja, er war artig. Aber er war nicht entspannt, er fühlte sich nicht sicher.

In meinen Augen ist so ein Kurs genau deswegen immer ein kleines Risiko. Die meisten Pferde sind unfassbar nett und kooperativ. Sie versuchen ihr bestes, im Zweifelsfall so lange, bis es nicht mehr geht. Wenn es dann nicht mehr geht, ist es zu spät, denn dann ist vorher schon so viel schief gelaufen, dass man das nicht mal eben schnell wieder ins Lot bringen kann. Mein Klassiker an der Stelle sind die Menschen, die mich für Verladetraining holen. Ganz oft begegnet mir das Problem, dass das Pferd zu hause super einsteigt, aber dann, wenn man irgendwo war, geht nichts mehr. Der Kopf des Pferdes ist dann voll, das Budget ist aufgebraucht. Nach dem Kurs, dem Strandritt oder gar dem Klinikbesuch ist es dem Pferd nicht mehr möglich, in den Anhänger einzusteigen.

Die Lösung heißt auch hier: Training. Jeder, der mal in einem fremden Supermarkt einkaufen war, kennt das Problem. Und jetzt stellt euch vor, ihr sollt nicht nur in dem fremden Supermarkt einkaufen, es ist auch eine fremde Sprache, eine fremde Währung, fremde Produkte. Es ist nicht nur irgendein Einkauf, sondern der Wocheneinkauf für eine 10köpfige Familie, die am Sonntag ein großes Fest feiern will. Und ihr seid knapp in der Zeit. Ihr wisst nicht, was wo steht, was wie heißt und dann stellt ihr fest: Einkaufszettel vergessen.

Da kann man schon mal schnell unter Stress kommen. Und je nachdem was für ein Typ man ist, wird man dann die Hälfte vergessen, die Kassiererin anbrüllen, das Glas mit den sauren Gurken fallen lassen oder im Anschluss einen Autounfall bauen. Wenn das Gehirn überlastet ist, wird das Leben auf jeden Fall nicht schöner. Im vertrauten Supermarkt wäre das alles doch einfacher gewesen, denn je mehr Informationen bereits bekannt sind, desto einfacher wird es, mit den neuen Informationen umzugehen. Deswegen war es mir wichtig, Duncan den Ort des Geschehens vorher schon einmal zu zeigen. Ich hatte diese Möglichkeit und ich bin sehr dankbar dafür. Er hat alles schon einmal gesehen.

Training heißt also in diesem Fall, einerseits einen Haufen gute Routinen zu erschaffen. Wenn mein Pferd nicht so viel nachdenken muss über die einfachen Dinge – führen von A nach B, an einer beliebigen Aufsteigehilfe einparken, fremde Pferde ignorieren, Rinder ignorieren, in den Anhänger einsteigen – habe ich schon mal Gehirnkapazität gewonnen. Diese Routinen kommen durch Wiederholung.

Zum Training gehört dann aber auch, zu lernen, die Füße langsam zu bewegen, wenn das Gehirn viel zu tun hat (beim Pferd von Natur aus eher umgekehrt, sofort schnell laufen, nicht erst viel denken! Sonst wird man Frühstück….). Zum Training gehört, den Menschen im Fokus zu behalten (für Pferde sind erstmal alle Reize gleich wichtig. Zu lernen, dass der Mensch immer Priorität hat, ist ein langer Prozess). Zum Training gehört, gute Reaktionen zu verinnerlichen: stehenbleiben und gucken. Nur gucken, nicht anfassen. Und dann den Fokus wechseln, nicht festglotzen. Rücksprache mit dem Menschen halten.

Wenn ich es schaffe, mein Pony an den Rand seiner Gehirn-Leistungsfähigkeit zu bringen aber ein gutes Ende zu finden und ihm ein Erfolgsgefühl zu vermitteln, wird der nächste Kurs noch besser. Dann kann ich nächstes Mal eine neue Herausforderung dazu nehmen (z.B. ohne Diego irgendwo hin fahren). Wenn es ihm aber zu viel wird und er zu gestresst ist, muss ich beim nächsten mal einen oder mehr Schritte zurück gehen. Woran erkenne ich ob es zu viel war? Tja, dafür muss ich nun wieder Dinge über mein Pony lernen, die ich bisher noch nicht weiß. So richtig werde ich das erst in der nächsten vergleichbaren Situation herausfinden können, aber es gibt natürlich schon auch ein paar andere Anzeichen.

Zu meinem Glück ist Duncan ja in der Regel der Meinung, dass ein Abenteuer, nach dem man so richtig müde ist, etwas großartiges ist. Ich möchte, dass das so bleibt. Und dafür lasse ich mich gerne auch mal etwas belächeln, wenn ich mit Argusaugen auf mein Pony schaue und den kleinen Dingen viel Bedeutung beimesse: das Haschen nach Gras, obwohl er den ganzen Tag auf der Weide stand, ist eine Übersprungshandlung, das habe ich gelernt. Es bedeutet, dass er Stress hat. Das Ziehen zum Ausgang, auch wenn ich ihn dort weg lenken kann, ist kein gutes Zeichen und ich möchte nicht zu oft darüber hinweg gehen. Dass er mir einmal auf den Fuß getreten ist, ist gar kein gutes Zeichen, denn das hat er noch nie getan. Er war unaufmerksam, das ist er sonst nicht. Diese vermeindlich kleinen Dinge sind wichtige Hinweise bei einem Pony, das eben nicht sichtbar durchdreht, herumbrüllt, rennt oder die Augen groß aufreißt. Gerade auf die stillen Typen muss man besonders gut aufpassen.

Aber ich habe auch gemerkt, wie Duncan sich helfen lässt von mir. Er weiß, dass ich versuche, ihm zu helfen. Er nimmt wahr, dass ich ihn beachte und nicht über seine kleinen Signale hinweg gehe. Und dann nimmt er seine Kräfte zusammen und tut was Merlin immer getan hat: er liefert ab. Er gibt sein allerbestes, legt sich für mich ins Zeug. Und ich vermute dass es das ist, was unseren Ponys das „gewisse Etwas“ verleiht, worauf wir oft angesprochen werden.

Nachher sind wir beide erschöpft, aber stolz. Wir sind beide gewachsen und wenn wir das nächste Mal auf einen Kurs fahren, wird es sicher schon weniger stressig sein, weil wir beide mehr trainiert haben. Duncan wird bald 6 Jahre alt, es wird Zeit, diese Dinge anzugehen. Und ich merke für mich, dass ich jetzt auch die Kraft und den Mut dazu gesammelt habe. Jetzt können wir uns neue Herausforderungen suchen und ich hoffe, dass das dahin führt, dass mein kleiner großer Duncan irgendwann genauso gelassen und kompetent ist wie Diego, der immer und überall zurecht kommt. Meine Hauptaufgabe ist – wie im körperlichen Training auch – die richtige Dosierung zu finden. Herausfordern ohne zu überfordern. In so einer Kurssituation ist das nicht leicht zu steuern, denn ich bin ja nicht allein. Da sind so viele andere Menschen und Pferde. Deswegen war es mir wichtig, einen guten ersten Kursort zu finden und das ist uns gelungen. Bei meinem Reitlehrer Alex Zell sind wir natürlich immer in den besten Händen, aber im Stall Quindalup hat halt auch alles andere gestimmt. Das Wohl der Pferde stand wirklich im Mittelpunkt, die Menschen waren alle freundlich miteinander, es gab keine Konkurrenz, kein Geläster, keine kleinen Sticheleien. Wenn ich entspannt bin, weil die Leute alle nett sind, kann ich mich voll auf mein Pony einlassen. In diesem Kurs hat die gesamte Gruppe an einem Strang gezogen und das ist eine tolle Atmosphäre. Duncan und ich hatten zwei großartige Tage und ich bin sicher, mein Pony ist ein bisschen gewachsen an diesem Erlebnis. Danke an alle, die daran beteiligt waren!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 519

Was für ein Wochenende! Das war mal ein richtiges Abenteuer! Am Freitag ist mein Mädchen emsig durch die Gegend gesaust und hat ganz viele Sachen ins Auto gepackt. Die Wackelkiste stand auch schon parat. Diego meinte schon: da kommt wieder was großes auf uns zu. Wenn sie am Tag VOR der Abreise schon packen, wird es wild, hat er gesagt.

Und tatsächlich, am Samstag in der Frühe kam der Mann und anstatt uns unser Frühstücksheu zu bringen, hat er doch tatsächlich mein Wallehaar komplett gebürstet! Er fand das wichtig, dass ich gut aussehe. Schließlich ist er mein persönlicher Coiffeur! Diego wurde natürlich auch entsprechend aufgehübscht. Können wir jetzt bitte endlich frühstücken? Nein, wir sollen in der Wackelkiste frühstücken und deswegen müssen wir warten, bis die Menschen fertig sind mit packen. Dann aber endlich. Hunger! Wir sind ein gutes Stück gefahren und dann haben wir noch eine ganze Weile in der Wackelkiste gewartet aber das war uns sehr recht, wo doch so viel leckeres Heu da war! Schließlich sollten wir dann aber doch aussteigen. Ach, den Hof kenne ich doch! Den hatte mein Mädchen mir ja in weiser Voraussicht schon mal gezeigt, damit ich mich schon ein bisschen auskenne. Schön ist das hier! Wir haben ein kleines Stück Wiese bekommen, Diego und ich, und zwar genau zwischen Rinderweide und Reitplatz. Da hatten wir den Logenplatz und alles genau im Blick! Und das ganze mit leckerem Gras dazu, besser geht es ja nicht.

Als wir eine Weile zugeschaut hatten, wie andere Reiter Unterricht bekommen, waren wir dann dran. Wir sind nach oben in die Halle gegangen, da waren Zuschauer und der Reitlehrer, den mein Mädchen sonst immer nur im Ohr hat. Hallo! Du bist das! Dich finde ich nett!

Dann sollten wir reiten. Mein Mädchen hatte viele, viele Fragen und ich musste mich ganz doll konzentrieren, dass ich neben all den Zuschauern und dem was außerhalb der Halle so los war auch noch meine Aufgaben gut machen konnte. Gaaaaanz genau drauf achten, was mein Mädchen will. Gut, dass Diego mit war, der strahlt immer so eine Ruhe aus und hat alles im Griff, das macht es für mich dann gleich viel leichter.

Nach einer Weile hatte ich Feierabend, mein Mädchen ist abgestiegen und wir haben ein bisschen herumgestanden, während der Mann und Diego auch noch Unterricht bekommen haben. Dann ging es wieder auf unser Weidestück.

Am Nachmittag wurde es dann ganz wild. Da haben wir nämlich Rinder getrieben! Erst war eine Gruppe Reiter dran, die haben die Rinder von der kleinen Koppel uns gegenüber auf eine größere Koppel getrieben. Ich hab mir das ein bisschen angeschaut aber dann beschlossen, dass essen doch auch sehr wichtig ist. Und dann waren wir dran und ich dachte, ich hätte doch mal genauer zuschauen sollen! Von mir als Pony wird erwartet, dass ich auf diese großen, böse guckenden Tiere genau zu gehe und angeblich gehen die dann weg, weil sie Respekt vor mir haben! Also bei Diego klappt das. Aber der ist ja auch so viel größer und beeindruckender als ich! Ich war da jetzt nicht so ganz sicher. Und ehrlich gesagt: mein Mädchen auch nicht. Sie ging zu Fuß neben mir und hat versucht, mir Sicherheit zu geben, aber wenn wir zu nah an die Rinder gekommen sind, hatten wir beide bisschen Muffensausen. Reitlehrer Alex hat mich dann an die Hand genommen und ist mit mir da hin gegangen. Der war sich sicher, aber wisst ihr was? Der ist ja auch so viel größer als ich! Ich war nicht ganz überzeugt. Wenn die Rinder sich komisch bewegt haben, hab ich mich doch immer etwas erschreckt und bin mal kurz in den Fluchtmodus gegangen. Die anderen Pferde hatten das besser raus, aber die Menschen haben gesagt, ich hab das trotzdem alles toll gemacht. Nachher sind wir dann mit mehreren Pferden im Kreis um die Herde herum gegangen, das konnte ich gut. Da ist mein Mädchen dann auch aufgestiegen und geritten und wenn ein Mensch am Boden mir geholfen hat, konnte ich auch mal so ein Rind anschauen und es ist dann auch tatsächlich weg gegangen.

Mein Kopf hat schon ordentlich geraucht, als wir schließlich Feierabend gemacht haben. Mein Mädchen hat sich bei mir entschuldigt, weil sie fand, sie wäre mir keine gute Hilfe gewesen. Sie fand die Rinder nämlich auch ganz schön groß und beeindruckend und war sich auch nicht sicher, ob die weggehen, wenn wir kommen. Na gut, dann sind wir uns ja einig, mein Mädchen!

Die sind größer und schwerer als ich!

Wir haben dann auf dem Weidestück übernachtet, aber in der Nacht fing es an zu regnen und alles wurde immer nasser und nasser. Am frühen Morgen kam dann der Mann und hat uns in den Stall gebracht, da waren zwei Boxen für uns vorbereitet. Hey, warum muss ich denn in den Knast? Ich habe nichts verbrochen! Das fand ich voll blöd. Aber ich bin ja ein artiges Pony und habe mich in mein Schicksal gefügt. Da war Heu und wo Heu ist kann man es eine Weile aushalten wenn nötig.

Am Sonntag hatten wir dann morgens nochmal Unterricht und haben tolle Sachen gemacht, mein Mädchen und ich. Ich hab gut aufgepasst und mir Mühe gegeben, immer meine Beine richtig zu sortieren und mein Mädchen war stolz wie Bolle. Die Zuschauer haben gejubelt und uns angefeuert und immerzu gesagt, wie toll sie mich finden. Jetzt weiß ich was Merlin immer meint, wenn er sagt, Kurse sind toll! Das macht ja richtig Spaß!

Reitlehrer Alex, der ein großer Merlin-Fan ist, hat mich am Ende angeschaut und gesagt, ich sei ein würdiger Nachfolger. Und ich glaube, da bin ich nochmal ein gutes Stück gewachsen.

Nachmittags ging es dann nochmal in die Halle, aber diesmal waren nicht nur Diego und ich dort, sondern auch noch zwei andere Pferde! Oooooooh war das aufregend! Mein Mädchen hatte Sorge, ob mein Kopf wohl schon so raucht, dass bald was durchbrennt, aber ich habe alle meine Geisteskraft gebündelt und mich nochmal so doll konzentriert wie ich nur konnte. Wir haben geübt, mit der Garrocha zu reiten, da muss man wirklich gut aufpassen, damit das gelingt! Und ich habe mich konzentriert was das Zeug hielt, bis mein Mädchen meinte, das reicht jetzt wirklich. Sie ist dann abgestiegen und ich durfte neben Diego stehen und entspannen während die anderen beiden Pferde noch gearbeitet haben.

Danach nochmal kurz in den Knast – das haben wir gar nicht verdient! Diego war auch schon ziemlich angefressen davon. Aber die Menschen haben nur noch eingepackt und dann durften wir in die Wackelkiste und es ging nach hause. Man war ich müde, ich konnte kaum noch geradeaus denken nach den ganzen Erlebnissen. Mein Mädchen ist natürlich wieder wahnsinnig stolz auf mich, weil ich das alles so toll hingekriegt habe. Und sie ist auch richtig, richtig müde, weil es für sie auch ganz schön viel Abenteuer war. Wir waren beide sehr froh, dass Diego und der Mann dabei waren, das hilft ja immer so. Irgendwann, sagt mein Mädchen, sind wir so gut, dass wir das auch ohne die beiden können, aber bis dahin lassen wir uns gerne von ihnen helfen.

Heute gehen wir erstmal ausreiten mit dem Ausreitkumpel. So ein schöner Ausritt ist genau das was mein Kopf jetzt braucht, damit sich alles wieder sortieren kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (offiziell würdiger Nachfolger von Merlin dem Zauberer)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 518

Morgens zu einer ganz unüblichen Zeit kam mein Mädchen und hat Diego aus dem Stall geholt. Warte mal, der geht ja in die Wackelkiste! Da will ich aber mit! Und tatsächlich, ich durfte mit. Schnell einsteigen da vorne ist Heu! Nein, erst warten. Warum denn? Hufe auskratzen. Jetzt aber schnell! Nein, nochmal warten. Was denn jetzt noch? Einmal den Staub abbürsten. Oooooooor Mädchen mach hinne, Diego futtert mir ja alles weg! Unsere helfende Hand, das Mädchen vom Schimmelfreund, hat sich totgelacht über mich, weil ich es so eilig hatte. Schließlich durfte ich einsteigen und es ging los. Alsbald waren wir angekommen und sollten aussteigen. Aber vorne war noch Heu, da haben wir es nicht so eilig…. haben uns dann aber überreden lassen. Da war Gras, das ist ja auch fein, und wir durften essen. Aber da stand schon einer!

Hallo, bist Du ein neuer Ausreitkumpel?

Wieso sagst Du denn gar nix?

Hallo, wer bist du denn?

Ganz schön lecker, Dein Gras hier, wollen wir bisschen zusammen grasen?

Jetzt antworte mir doch mal!

Das war vielleicht ein schweigsamer Geselle. Nix hat der gesagt, gar nix. Ich hab dann beschlossen, dass es sinnlos ist, mit ihm reden zu wollen. Diego und ich haben lieber von dem leckeren Klee genascht, der dort wuchs. Aber allzu schnell fand das ein Ende und wir sind in eine Scheune gegangen. Dort war eine Tierärztin, die uns beiden etwas Blut abgezapft hat. Bei Bremsen stört mich das, bei Tierärzten ist es mir egal. Das piekst einmal ganz kurz, dann gibt es einen Keks und schon ist es vorbei.

Diego sollte nämlich noch eine letzte Kontrolle haben, weil er ja so krank war. Und weil er so einen dollen Zinkmangel hatte, hat mein Mädchen beschlossen, dass bei mir vorsichtshalber auch mal der Zinkwert angeschaut werden soll, nicht dass ich da auch einen Mangel hab. Jetzt warten wir auf die Ergebnisse. Aber Diego geht es prima, mein Mädchen ist sich sicher, dass da so weit alles gut ist. Sollte da noch ein Zinkmangel sein, kann sie ja weiter dagegen anfüttern. Er mag sein Zinkpulver nicht sooooo gern aber mit seinem Lieblingsmüsli geht es trotzdem rein. Alle anderen Werte werden zwar mit kontrolliert, aber eigentlich nur noch der Form halber.

Als wir also Blut abgegeben hatten, hab ich mir nochmal den Untersuchungsstand anschauen dürfen, der hat so interessant gerochen! Dann wieder raus zum grasen, mein Mädchen hat die Wackelkiste gewendet, während wir Ponys geschmaust haben und dann ging es auch schon wieder heim. Mein Mädchen war wieder stolz auf uns, weil wir soooooo entspannte Ponys sind. Wir Ponys waren froh, weil es leckeres Gras gab und im Anhänger leckeres Heu. War nur bisschen schade, dass wir nicht ausreiten gegangen sind, aber irgendwas ist ja immer.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem schweigsamsten aller Freunde

Er hat mir einfach nicht geantwortet…

Steigerung

Wie Duncan Euch berichtet hat, waren wir am Montag so flott unterwegs wie noch nie. Es war plötzlich warm geworden und in meinem Kopf waren diese Stimmen „Pferde bei Hitze nicht überfordern“ aber unter mir war mein Pony und das galoppierte fröhlich und neben mir war meine Freundin die sagte „der hat ja noch nicht mal erhöhte Atmung“.

Ich war nie im Leistungssport – weder selbst für mich noch mit Pferd. Ich kenne mich mit echtem, sportlichem Training gar nicht gut aus. Das was bei uns „Training“ heißt, ist für Sportler ein Witz.

Einen Tag nach unserem flotten Ritt mit über 11km/h Durchschnittsgeschwindigkeit höre ich den Distanzreitpodcast und stelle fest: auf der deutschen Meisterschaft ist die Siegerin in knapp 11,5 Stunden (Reitzeit) 160km mit über 3000 Höhenmetern geritten. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 14km/h . Und da wird mir dann klar: Training ist halt ganz was anderes. Klar messe ich mich nicht mit der deutschen Meisterin und mein Highlandpony könnte eine solche Leistung auch gar nicht erbringen, weil er für andere Sachen gezüchtet wurde. Aber wenn man die Obergrenze mal sieht, kann man manchmal die eigene Leistung besser einsortieren. Wenn ich das Gefühl hatte, soooooooo schnell und lang geritten zu sein und dann höre, dass Leistungssportler diese 10km mit ihrem Pferd durchgängig galoppieren, dann bin ich wieder still. Es tut mir gut, so etwas zu hören, weil es mir klar macht: ich bin in keinem Bereich, in dem mein Pferd irgendwie ernsthaft gefordert ist. Und jetzt kommt der spannende Teil, denn ich will unser Training ja steigern. Und das ist übrigens der Teil, den die meisten Freizeitreiter meiner Meinung nach verpassen. Sie üben mit ihrem Pferd so allerhand und sie gehen auch mal ausreiten, aber sie steigern sich nicht. Und ich glaube mittlerweile, dass viele genau deswegen nicht gut vorankommen. Die Horsemanship-Bewegung hat uns allen eingetrichtert, aufzuhören, wenn es gut läuft. Und das ist ja auch richtig, wenn das Pferd etwas lernen soll. Aber die Freizeitpferde, die ich so sehe, die scheinen Dinge nur noch zu lernen und dann nie zu trainieren. Und dann steigert sich da halt keine Leistungsfähigkeit. Und ja, die meisten Freizeitreiter sollten die Leistungsfähigkeit ihrer Pferde dringend steigern, das würde nämlich zu mehr Gesundheit führen. Mehr Galopp verbessert die Atmung, mehr Krafttraining verbessert die Fettverbrennung, mehr Ausdauertraining verbessert die Laune. Ich vermisse bei den meisten Pferden eine gute Grundfitness – und da nehme ich mich und mein Pony nicht aus, aber ich arbeite daran.

Und also soll sich Duncans Pensum steigern. Und das heißt: mein innerer Helikopter muss das mal überleben. Ihn mal anfeuern, ihm vorschlagen, nochmal zu galoppieren, ihm was zutrauen. Und staunen, wie er da raus kommt bei der Wärme und die Pulswerte völlig in Ordnung sind. Und mich freuen, wie er am nächsten Tag kommt und fragt, was wir heute machen. Und nicht glauben, dass er gleich kaputt geht, selbst wenn ich ihn mal überfordern SOLLTE (was mir auf körperliche Leistung bezogen noch nicht gelungen ist). Natürlich ist so ein Pulswert auch nur eine Aussage über das Herz-Kreislauf-System. Natürlich muss ich auch Bänder, Sehnen und Knochen im Blick haben. Aber das darf nicht zur Ausrede werden, nie aus dem Quark zu kommen.

Mein Finlay musste viel trainieren um unseren ersten kleinen Distanzritt in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Für den zweiten war er zu schlecht trainiert und wir haben es nicht in der Zeit geschafft (macht ja nix). Aber obwohl er sich immer so schwer getan hat, hatte er Spaß dabei. Finlay hat immer gut auf sich aufgepasst und Pause gemacht, wenn er eine brauchte. Ich wurde da nicht gefragt. Duncan tut sich von Natur aus leichter, obwohl der so klein ist und damit prozentual gesehen mehr Gewicht trägt (Finlay war 12 cm größer und wog fast 600kg, Duncan nur gut 400kg). Mein kleines Pony ist enorm stark und läuft sehr effizient. Vor allem läuft er gern, sehr gern.

Ich höre inzwischen von zwei Schülerinnen, die an ihren Ställen keine Mitreiter fürs Gelände finden. Weil die potentiellen Mitreiter 12km „zu weit“ finden und 8km/h Durchschnitt „zu schnell“. Und einer dieser Ställe steht voller Isländer – eigentlich doch die Rasse für Leute die gern im Gelände unterwegs sind. Wenn ich zurückdenke an unseren Ritt am Montag, habe ich einen leisen Verdacht, warum das so sein könnte. Denn so eine Steigerung erfordert einen gewissen Mut. Gerade in den sozialen Medien wird einem – wenn man in den entsprechenden Filterblasen unterwegs ist – quasi permanent eingebläut, wie schnell das geliebte Pony Schaden nehmen kann. Zu früh geritten, zu schnell geritten, zu harter Boden – Pony kaputt. Einem Faktencheck halten diese Behauptungen zwar so einfach nicht stand, aber im Unterbewusstsein sind sie abgespeichert. Ich habe das „Glück“ dass ich überall die Gefahren vom Gegenteil sehe: zu dicke Ponys, Ponys die Atemprobleme haben, Arthrose bei Pferden, die überhaupt nie ernsthaft etwas geleistet haben. Das macht mich ein bisschen immun gegen die Stimmung, die mir im Internet entgegenschwappt. Trotzdem habe ich immer wieder Angst, ich könnte mein Pony überlasten. Und dann tut es mir gut, wieder und wieder von den anderen zu hören. In meinem Fall von den Distanzreitern, die nicht müde werden zu betonen, dass „jedes normal gerittene Pferd“ einen Einführungsritt von 30km schafft. Und das heißt nach deren Maßstab ist Duncan noch kein „normal gerittenes Pferd“. Oder von meiner Freundin, für die 20km Trab vor der Kutsche einfach die normale Sonntagstour sind und die gern einen ihrer Ausbilder mit den Worten zitiert, das Pferd sollte dreimal in der Woche nass geschwitzt sein.

Wir müssen uns immer und ständig bewusst machen, wie sehr unsere Wahrnehmung und unsere Maßstäbe sich nach dem richten, was wir täglich sehen und hören. Und anstatt andere zu verteufeln für das, was sie ihren Pferden abverlangen, können wir ja mal hinschauen, ob wir nicht etwas lernen können. Und uns und unseren Pferden mal mehr zutrauen, und das eine oder andere mal staunen, wie toll unsere Pferde das finden. Duncan, der mich in unseren gemeinsamen 5 Jahren nur eine handvoll mal angebrummelt hat, hat genau das heute getan in freudiger Erwartung von mehr Abenteuer und Anstrengung. Dass unser Reitplatz bereits in der prallen Sonne lag, war ihm egal, er stand parat. Und ja, heute haben wir nur im Schritt an seiner Balance gearbeitet, aber ich weiß genau, was er hätte leisten können und wollen und gedenke das auch demnächst wieder abzurufen denn ich kann eins ganz konsistent beobachten: ein paar Tage nach den größten Herausforderungen hat mein Pony die beste Laune und die meiste Motivation für mehr. Er will sich gern steigern und freut sich, wenn ich mich traue. Und ich glaube kaum, dass er das einzige Pony ist, das so empfindet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 517

Ausflüge, Ausflüge! Ich hab da etwas Nachholbedarf, nachdem Diego UND mein Ausreitkumpel beide so lang nicht fit waren. Aber jetzt geht es wirklich wieder los! Am Sonntag waren wir mit Diego unterwegs, die selbe Runde wie letzte Woche aber mit einer kleinen Erweiterung. Da im Wald die Vampire auf uns lauern hat mein Mädchen die Devise ausgegeben, dass wir da einfach ohne zögern durchtraben. Am Anfang war Diego noch ein bisschen wankelmütig und wurde immer mal langsamer und schneller und langsamer. Mich hat das etwas genervt aber mein Mädchen hat gesagt, wir üben jetzt das Abstand-halten. Und dann ist Diego plötzlich wieder rein gekommen in seine frühere Form und ist wie ein Uhrwerk getrabt und ich einfach hinterher. Mein Mädchen war happy und ich auch. Durch den ganzen Wald durch, ohne den Mücken eine Chance zu geben. Pech gehabt! Da mussten die sich an den Spaziergängern sattsaugen. Nach dem ausgiebigen Trab (4,5km) war Graspause mit Pulsmessen angesagt. Wir waren beide so um die 80 und sind dann fix runter gekommen. Diego hat einen Trick gefunden der Pulsmessung zu entgehen: einfach dann, wenn mein Mädchen die Schweifrübe in der Hand hat, „zufällig“ mit dem Hintern in die Brennesseln drehen. Und schon kann man wieder in Ruhe essen, ohne befummelt zu werden.

Unterwegs war alles wie immer: ich hab schön ins Dorf geäppelt, die Spaziergänger haben uns auf den Zebralook angesprochen und ansonsten war schönstes Reitwetter bei Sonne und Wind. Mein Mädchen ist diesmal ohne Gebiss geritten, nur mit dem Bosal und ich sage euch: das ist praktisch! Da kann ich unterwegs mal schnell ein Hälmchen oder ein Ästchen abreißen ohne dass ich dann mit dem Gebiss in die Bredouille komme. Mein Mädchen meint, wenn ich das schaffe, ohne das Tempo zu verändern, kann ich das ruhig machen. Ich denke, wir diskutieren das noch aus.

Das war also der Sonntag – insgesamt 11km. Und gestern dann direkt wieder los mit dem Ausreitkumpel in den Wald.

Vor dem Ritt ein Schlückchen Apfelschorle bitte!

Und wenn ich es euch sage: Fliegendecke, Bimselgebämsel im Gesicht, Spray überall und im Gesicht noch so ein Gel, aber die kommen einfach trotzdem! Mein Mädchen meint, die Fliegviecher haben gelernt dass sie das leckerste Essen da finden wo es am meisten stinkt. Aber sie hatte gut vorgeplant: kürzere Runde aber dafür flott, flott, flott! Man muss wirklich einfach so schnell durch die Mückenschwärme durch wie man kann. Da ich aber ja im Galopp meine Hufschuhe hinten immer runterziehe und der erste Teil des Weges zu steinig war um ihn ohne Schuhe zu machen, sind wir erstmal getrabt bis der steinige Teil vorbei war. Mein Ausreitkumpel hat natürlich wieder lässig die Verantwortung an mich abgegeben und ich musste vorneweg. Es war sehr warm und ich hatte es nicht so eilig. Aber dann, als der steinige Part zu Ende war, hat mein Mädchen mir ganz schnell die Hufschuhe ausgezogen (man hat so ca 20 Sekunden bis die Blutsauger gemerkt haben, dass man sich nicht mehr bewegt!) und dann ging es los mit dem galoppieren. Und da wurde ich wach! Vor allem weil meine werte Reiterin jetzt ENDLICH mal kapiert hat, dass ich zuverlässig, artig und ein Gentleman bin. Mit dem Bosal komme ich besser zurecht und wir sind wieder in unseren gleichmäßigen Reise-Galopp rein gekommen. Zwischendurch durchparieren wenn der Boden matschig wurde, dann weiter. Ich war etwas flotter als mein Ausreitkumpel, der alsbald einen großen Abstand hatte. Während ich mutig an allen gruseligen Dingen vorbeigaloppiert bin hat er wieder die Sattelfestigkeit seines Mädchens durch den ein oder anderen Hüpfer mit der einen oder anderen integrierten Vollbremsung getestet. Sie hat aber alle Tests mit Bravour bestanden und nur geschimpft wie ein Rohrspatz. Als mir etwas matt wurde, sind wir ein Stück getrabt, bis die beiden uns eingeholt hatten. Mein Mädchen war mittlerweile im Helikopter-Modus: es ist doch so warm und ich bin noch nie so lange galoppiert, ob es mir wohl gut ginge? Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat nur gelacht und gesagt, ich hätte ja noch nicht mal erhöhte Atmung und außerdem würde ich wohl kaum weiter galoppieren wenn ich nicht mehr wollte. So ein Typ bin ich ja nun nicht. Aber sie fand, ich könnte etwas geistige Erholung vertragen und mein werter Ausreitkumpel könnte ja mal die Verantwortung übernehmen. Der fand das blöde, aber er ist dann vorneweg galoppiert während ich noch etwas getrabt bin. Als wir einen guten Abstand hatten, hat mein Mädchen mir dann erlaubt, anzugaloppieren. Ich seh meinen Ausreitkumpel so vor mir und denke: den schaffe ich. Bisschen schneller, mein Mädchen? Ja, war erlaubt! Noch ein bisschen schneller? Auch erlaubt! Schau mal, wir holen den ein! Ein bisschen schneller noch? Auch erlaubt! Ach, das war schön, endlich hat sie mal nicht auf der Bremse gestanden. Noch mehr Galopp und noch mehr, aber dann wurde es meinem Mädchen bange. Ich war nämlich doch schon etwas müde und der Weg ist da ziemlich wellig und sie wollte nicht, dass ich im Galopp stolpere. Also bitte Trab! Mein Ausreitkumpel und ich haben uns dann noch vor ein paar Pfützen gegruselt, weil da so komische Insekten drauf waren. Aber an einer Pfütze haben wir schön was trinken können und ich sage euch, auch das ist mit dem Bosal so viel einfacher als mit dem Gebiss! Mein Mädchen sagt, zu manchen Gelegenheiten werden wir trotzdem noch das Gebiss mitnehmen aber für die normalen Ausritte geht das jetzt so. Das finde ich mal eine richtig gute Idee, mein Mädchen!

So kamen wir klatschnass geschwitzt aber glücklich an der Wackelkiste an. Mein Mädchen hatte einen Eimer Wasser und den Schwamm mit. Aber erst wurde Puls gemessen: 80. Da waren die Sorgen meines Mädchens, ich könnte mich völlig verausgabt und übernommen haben, schon wieder verflogen.

Aber eine blöde Wendung nahm es dann doch noch: Mein Ausreitkumpel hatte einen Hufschuh verloren! Was war zu tun? Die Mädchen haben sich abgesprochen, das Mädchen vom Ausreitkumpel ist zurück gelaufen und mein Mädchen hat uns Ponys versorgt. Abschwammen, alles ins Auto einpacken, nochmal Puls messen (der war runter auf 60, also alles im grünen Bereich), noch unsere Fliegendecken mit Wasser tränken damit wir schön abkühlen können und dann durften wir in die Wackelkiste. Wir sind ja so gute Ponys, man kann uns auch allein sehr gut versorgen.

Dann sind wir eine halbe Ewigkeit gewackelt worden, weil wir gaaaaaaanz außenrum mussten um das Mädchen vom Ausreitkumpel am anderen Ende des Weges abzuholen. Den Schuh hat sie nicht gefunden, vermutlich liegt er in einer Pfütze oder so. Wir Ponys waren langsam etwas ungehalten, weil unser Heu alle war. Mein Ausreitkumpel hat mal schnell den Vorderhuf ins Heunetz verhakt um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, aber geholfen hat es nicht.

Als wir alle wieder zu hause waren, hat mein Mädchen NOCHMAL Puls gemessen (40) und war dann endlich wirklich überzeugt, dass mir die Tour nicht zu viel war (trotz wirklich warmem Wetter). Wir haben alle unsere Rekorde gesprengt und sind 10km in 48 min geritten, 7km im Trab und sagenhafte 2,3km im Galopp (was ungefähr doppelt so viel ist wie bisher). Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit im Galopp war 16km/h und als ich Gas geben durfte waren es mal 17 oder 18km/h. Jaja, ich kann viel schneller laufen, aber ich weiß, dass mein Mädchen das nicht will wenn ich sie an Bord habe. 16km/h ist jetzt unser neues Reisegalopp-Tempo, daran hat sie sich gewöhnt (zumindest auf den übersichtlichen, geraden Wegen). Es wird wirklich langsam besser mit ihr!

So und jetzt habe ich heute frei (weil mein Mädchen sich erholen muss, ihr wisst schon).

Das waren zwei schöne Ausflüge!

Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 516

Gestern war mal wieder Zeit für die Waschanlage! Abgesehen davon, dass der Winterdreck noch in meinem Schweif herumhing, lasse ich mich auch schon mal ein bisschen aufhübschen, denn das nächste Abenteuer wartet schon auf uns! Das erzähle ich euch dann, in gut einer Woche ist es so weit!

Gestern also erstmal Waschanlage. Mit Hindernissen: der gelbe Eimer war nicht mehr ganz dicht, um mich herum schwirrten schon wieder hungrige Blutsauger, die mir an den Pelz wollten und meine Geduld war dann nach dem Einweichen auch schon erschöpft. Ich genervt, Mädchen genervt. Aber irgendwie haben wir es dann doch noch hingekriegt und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ab durch die Waschanlage!

Danach sind wir „turnen“ gegangen. Weil meine Hinterbeine irgendwie so ein komisches Eigenleben haben seit dem letzten Wachstumsschub hat mein Mädchen beschlossen, dass wir da mal was für tun. Und getreu ihrem Motto „finde so viele Varianten wie möglich“ hat sie sich eine neue Übung überlegt, die ging so: Sie hat die Matratze direkt an den Steg gelegt, dann bin ich mit den Hinterhufen auf den Steg gegangen (Vorderhufe am Boden) und bin seitwärts gegangen, also erst über den Steg und dann vom Steg seitwärts auf die Matratze. Holla! Das war mal interessant. Ich meine: ich kann das natürlich. Aber mein Mädchen hat mir angesehen, dass ich eine Menge Informationen zu verarbeiten habe bei dieser Übung.

Gar nicht so harmlos wie ich es aussehen lasse!

Wir haben auch noch andere Seitwärts-Varianten geübt und zum Abschluss durfte ich noch kurz wippen. Das mache ich persönlich ja am allerliebsten! Mein Schweif ist in der Zeit gut getrocknet und sieht jetzt aus wie neu (mal sehen wie lange).

Euer frisch gewaschener Sir Duncan Dhu of Nakel

Ich kann das besser

„Show him that you can do better“ (Zeig ihm, dass du das besser kannst) ist einer der Sätze von Elsa Sinclair, die mir besonders hängen geblieben sind. Wenn Du etwas falsch gemacht hast, zeig deinem Pferd, dass du es besser kannst. Das ist eine sehr heilsame Einstellung, wenn ich mal das Gefühl habe, ich hätte alles komplett verbockt. Und genau dieses Gefühl hatte ich neulich mal wieder.

Duncan ist gewachsen. Er sah wieder so komisch aus (er hat dann, wie Finlay damals auch, so einen birnenförmigen Bauch und einen leichten Karpfenrücken), er war krumm und schief in alle Richtungen, schlecht gelaunt und pubertär. So weit, so unangenehm. Aber das kenne ich ja nun, das sitzen wir aus. Die Schiefe hat Arnulf behandelt und ich habe etwas Wellness obendrauf gemacht. Ich habe ein bisschen langsamer gemacht, mehr Doppellonge, weniger reiten. Passt schon. Dann war Duncan wieder ganz der alte und ich dachte, es geht wieder los. Ging es auch, nur: reiten auf dem Platz war plötzlich „kaputt“. Wir hatten schon so schön an seiner Geraderichtung gearbeitet, er lief auf beiden Händen (altersentsprechend) gleichmäßig schön und war durchlässig, ließ sich lenken und mit etwas Geschick und Ruhe auch vernünftig biegen. Und da wollte ich ja nun anknüpfen. Ich bin sicher, Duncan wollte das auch, aber obwohl er den osteopathischen Check bestanden hatte, wollte es einfach nicht klappen. Oder sagen wir: nicht immer. Momenteweise war alles gut, dann wieder nicht. Linksrum hatte ich eine Art Brett unterm Hintern, Duncan lief entweder einfach gnadenlos nach links oder er blieb stehen und ging nicht mehr los. Und wir gerieten in Streit. Wie dumm von mir, ich weiß doch, dass er das nicht macht, um mich zu ärgern. Wir stritten nicht so doll wie an dem Tag als er so schief war, aber immer noch zu doll – als ich abstieg, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Da steht mein kleines Pony und er bemüht sich immer so sehr und ich kriege es nicht hin, ihm richtig zu helfen. Nach etwas Nachdenken kamen mir ein paar Ideen, die ich versuchen könnte. Und so kam ich am nächsten Tag mit genau jener Einstellung zu Duncan, die ich von Elsa gelernt habe: ich zeige dir jetzt, dass ich das besser kann. Und zum Glück war Duncan auch total bereit, sich das von mir zeigen zu lassen, nachtragend ist er ja (im Gegensatz zu Finlay) nicht.

Wir ritten 15 Minuten im Schritt, ganz in Ruhe und übten nur, unser Gleichgewicht zu finden. Ich fühlte mich um 2 Jahre zurückversetzt, als wir gerade dabei waren, herauszufinden, wie das mit dem Lenken auf dem Reitplatz überhaupt geht. Aber ich konnte das jetzt akzeptieren – wir fangen eben von vorn an. Wir erarbeiten uns alles neu, denn Duncans Körper ist anscheinend sehr neu. Und ich vermute, es wird nicht der letzte Wachstumsschub gewesen sein, da kommt bestimmt noch mehr solcher kleinen Dramen auf uns zu. Mit viel Lob, viel Ruhe und ganz einfachen Übungen kamen wir da hin, dass Duncan links und rechts im Schritt ein hübsches kleines Schulterherein auf dem Zirkel hinkriegte. Dann wollte es eh schon wieder regnen und ich nutzte das als Anlass, um aufzuhören. Wir gingen mit einem zufriedenen Gefühl vom Platz und ich hoffe dass Duncan gemerkt hat, dass ich das besser kann. Und ich werde hoffentlich nächstes Mal schneller schalten und nicht streiten, sondern in aller Ruhe so viele Schritte zurückgehen wie nötig und da anknüpfen, wo ich anknüpfen kann.

Leider sind wir in der Pferdewelt fast alle mal darauf konditioniert worden, uns „durchzusetzen“. Der Mensch sagt, was gemacht wird und das Pferd hat zu gehorchen. Wie schwierig all jene leicht aussehenden Dinge für unser Pferd sind, verkennen wir oft. Das schon ein vernünftiger Zirkel etwas ist, was gelernt und geübt werden will, hat mir damals im Reitverein niemand gesagt. Und wahrscheinlich hat es auch niemand gedacht. Wieso, im Kreis laufen kann doch jeder. Ja sicher, nur wie ist halt die Frage…. Duncan hat mir schon in den allerersten großen Wachstumsschüben immer gezeigt, was das mit ihm macht. Dann ging es plötzlich am Steg nicht mehr, die Wippe hat sich anders benommen, wenn sein „Radstand“ und sein Schwerpunkt sich verändert hatten und einmal hat er ja auch einfach vergessen, dass er ein linkes Hinterbein hat – das war irgendwie völlig aus dem System verschwunden. Neuer Körper, alles neu lernen. Das gute ist ja: je öfter er es neu lernt, desto schneller geht es. Und ich kann derweil üben, nicht mit ihm zu streiten über Dinge die er gar nicht richtig machen KANN. Klingt einfach, ist es aber im Eifer des „Gefechts“ leider nicht immer…. Und dann ist es eben manchmal so, dass man am nächsten Tag wieder kommt und dem Pferd zeigt, dass man es besser kann. Ich persönlich glaube fest daran, dass die Pferde das auch merken und dann besser damit umgehen können, wenn wir Menschen uns mal daneben benehmen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 515

Neulich durfte ich wieder Lehrpferd sein. Eine Schülerin von meinem Mädchen kam und wollte galoppieren üben. Ich kenne die schon, die war schonmal da und wir haben zusammen geübt. Sie hat immer gute Kekse mit, das macht sie schonmal pauschal sehr sympathisch. Außerdem stellte sich heraus, dass sie voll gut Ponys kratzen kann. Ich bin ja eigentlich nicht so der Kratztyp, aber sie hat diese eine kleine Stelle gefunden, wo ich das wirklich gut finde. Aaaaahhhh schön.

Sie hat die eine gute Kratzstelle gefunden!

Als sie genug gekratzt hatte, ging es auf den Reitplatz. Aber ihr Galopp-Mut hatte sie schon wieder verlassen. Was denn? Ich passe voll gut auf meine Reiterinnen auf, du musst dir keine Sorgen machen! Aber es ging nicht um mich, sie war einfach nicht so gut drauf und mochte sich an diesem Tag dieser Angst nicht stellen. Und das ist ja auch völlig in Ordnung, weil wir doch auch so ganz viele tolle Sachen zusammen machen können! Mein Mädchen weiß, was ihr selbst an schlechten Tagen am besten hilft: nur fühlen. Also hat sie mich an die Longe genommen und meine Reiterin hat gefühlt. Zum Beispiel ihre Sitzbeinhöcker. Und jetzt habe ich eine offizielle Wunderheilung vollbracht! Denn bisher konnte sie immer nur einen ihrer zwei Sitzbeinhöcker fühlen, aber auf meinem Rücken fühlte sie sie plötzlich doch beide! Ha! Ich kann das voll gut mit dem unterrichten!

Fühlen, fühlen, fühlen!

Nachdem sie im Schritt ganz viel gefühlt hatte, sind wir noch ein bisschen getrabt. Der Reitplatz war voller Pfützen und Matschlöcher, da war es doch etwas komplizierter als normal, gleichmäßig zu traben. Tut mir leid, da habe ich dir das etwas schwer gemacht…. aber sie hat auch da wieder ganz viel gefühlt und ich bin ja so ein Guter, ich halte ja sofort an, wenn meine wertvolle Fracht auch nur ansatzweise ins Rutschen kommen könnte. Ich habe dann vorgeschlagen, ob wir nicht doch noch galoppieren wollen. Weil so ein Galopp genaugenommen doch viel bequemer ist als der Trab. Meine Reiterin mochte aber nicht, aber sie ist kurz abgestiegen, damit ich mal flitzen kann. Da war sie mir doch noch viel sympathischer! Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir haben noch geübt, Schritt verlangsamen und beschleunigen nur aus dem Sitz heraus. Das war kompliziert, weil mein Mädchen ja in der Mitte stand und ich dann immer bei ihr noch gucken wollte, was gemeint ist, aber sie hat ganz feste versucht, mir keine Signale zu geben (naja, das geht genaugenommen natürlich nicht). Nach ein paar Versuchen hatten wir das aber gut raus und dann haben wir noch geübt, aus dem Schritt in den Trab zu kommen nur über den Sitz. Dann hatte meine Reiterin für den Tag genug gefühlt und ich wurde in meinen wohlverdienten Feierabend entlassen. Meine Reiterin hatte jetzt bessere Laune als vorher („Ponys machen glücklich“ sagt sie immer und das stimmt!) und dass wir nicht galoppiert sind hat keinen von uns gestört (ich durfte ja trotzdem kurz galoppieren). Manchmal, sagt mein Mädchen, ist es nicht der richtige Tag um sich einer Angst zu stellen. Sie selbst kennt das nur zu gut. Und als gutes Lehrpferd nehme ich selbstverständlich Rücksicht darauf, was meine Schülerinnen wollen und was ihnen gut tut.

Euer Lehrpferd Sir Duncan Dhu of Nakel