Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 528

Gestern morgen hat mein Mädchen dann doch noch eine Hirschlaus auf meinem Fell entdeckt, obwohl wir doch dachten, wir wären ihnen entkommen! Naja, der schöne Ausritt war es wert.

Heute war dann wieder eine Spezial-Mission angesagt. Ihr kennt ja mein Mädchen: alles wird geübt. Heute haben wir geübt, alleine an einen fremden Ort zu fahren. Ziemlich lange stand ich in der Wackelkiste und habe Heu gefuttert. Als wir schließlich da waren, haben wir satteln geübt. Ja, das habt ihr richtig gelesen! Mein Mädchen hat mich dort angebunden und dann hat sie das komplette Anzieh-Programm gestartet. Mit Sattel, Zebradecke, Hufschuhen, Hufglocken und Bosal. Aber während sie das gemacht hat, hat eine nette Frau ihr Hinweise gegeben, wie sie dafür sorgen kann, dass ich mich besser entspanne. Als schließlich alles angetüddelt war, sind wir auf den Reitplatz gegangen und mein Mädchen hat mich ein paar Runden geführt und ich durfte mir alles anschauen. Inklusive der anderen Pferde hinterm Zaun.  Es ging darum, dass mein Mädchen noch besser wird in ihrem Timing, wann sie mit mir in Harmonie geht und wann nicht und wie sie mich besser unterstützen kann wenn ich überfordert bin. Nachdem wir ein paar Minuten auf dem Reitplatz waren, sind wir einfach wieder zurück zum Anbinder gegangen und mein Mädchen hat mir alles wieder ausgezogen. Ich war mittlerweile schon dezent kopfmüde, aber auch ganz gut entspannt. Habe dann ein kleines Nickerchen am Anbinder gemacht und das hat alle anwesenden Menschen sehr gefreut. Man könnte also sagen: die Tages-Aufgabe war Entspannung! Und das habe ich gut hingekriegt. Und mein Mädchen hat jetzt noch mehr Möglichkeiten, mir dabei zu helfen, so dass wir irgendwann genauso cool sind wie Diego und der Mann. Das ist unser großes Ziel!

Unter kompetenter Anleitung üben wir Entspannung in fremder Umgebung

Dann ging es wieder in die Wackelkiste (ich war ganz froh darum, ich fand das alles doch ganz schön anstrengend!) und ab nach hause. Immer gut, wenn man wieder in die vertraute Heimat kommt! Mein Mädchen ist jetzt wieder stolz wie Bolle und sagt, wir sind wieder ein Stückchen gewachsen.

Euer entspannter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 527

Montagsausflug! Das bedeutet: austoben. Neuerdings bedeutet es vor allem ganz viel galoppieren! Aber mal der Reihe nach.

Erst das übliche: putzen, Hufschuhe anziehen, einsprühen, ab in die Wackelkiste, den Ausreitkumpel abholen. Dann mal sehen wohin die Reise diesmal geht. Ah, ins schöne wilde Moor! Die Strecke kennen wir gut. Moment mal, hier biegen wir doch sonst links ab und nicht rechts? Ach ja, hier war ich aber auch schon mal. Ein einziges Mal, nämlich im September mit Diego. Da wollte mein Mädchen schon so lange mal wieder hin, aber es hat sich nie ergeben. Jetzt aber! Erst ein Stück bekannter Moorweg, da haben wir gleich den ersten kleinen Galopp hingelegt, dann etwas Asphalt, dann geht es hier doch irgendwo links ab? Ach ja, da ist ja der Plattenweg. Und von hier müssen wir irgendwo überraschend auf eine Wiese abbiegen, das wusste mein Mädchen noch. Da steht ein altes, vermoostes Reitwegeschild und es geht über eine hochgewachsene Wiese. Jemand hat dort ein paar Sprünge aufgebaut, aber die sind so zugewachsen, dass man sie kaum noch sieht. Der Hauptweg führt aber zum Glück daran vorbei. Eine leichte Fahrspur war zu erkennen, daran haben wir uns orientiert. Und haben tatsächlich den Weg auch gefunden! Dann kamen Plattenwege. Und Plattenwege. Und Plattenwege. Schön war das da, niemand war unterwegs, wir konnten in aller Ruhe galoppieren und galoppieren. Padadamm, padadamm, padadamm. Mein Ausreitkumpel ist sogar manchmal vorneweg gegangen und hat Verantwortung übernommen – was ist denn mit dem plötzlich los? Mir ist es einerlei ob er vorn oder hinten ist. Nur neben mir mag ich nicht so gern. Das ist so eine Marotte von mir: andere Pferde neben mir finde ich irgendwie blöde. Die mecker ich dann immer an und dann meckert mein Mädchen von oben und sagt, ich soll meine Energie fürs Laufen verwenden. Das Mädchen vom Ausreitkumpel sagt immer, so lange ich noch Energie zum meckern habe, bin ich noch nicht wirklich müde, so viel steht mal fest.

Als die Plattenwege zu Ende waren, wusste mein Mädchen nicht mehr so recht weiter und musste mal aufs Handy schauen. Wir durften derweil kurz grasen. Normalerweise jammert das Mädchen vom Ausreitkumpel dann nach 2 Sekunden, dass sie aufgefressen wird von den Fliegviechern, aber diesem Problem hat mein Mädchen jetzt Abhilfe geschaffen. Sie hat einfach das Geburtstagsgeschenk für das Mädchen vom Ausreitkumpel vorgezogen und ihr so eine Art „Ausreitdecke“ geschenkt. Leider gab es die nicht im Zebralook, sondern nur in schnödem Grün, aber trotzdem ist das Mädchen vom Ausreitkumpel jetzt sehr glücklich, weil sie nicht mehr ausgelutscht wird.

Jetzt hat sie ihre Ruhe vor den Fliegviechern!

Mein Mädchen konnte also in Ruhe aufs Handy schauen und das hat angezeigt: geradeaus. Da ging es ins Moor über den schönen Grasweg und mein Mädchen hat sich erinnert, dass das der Weg mit den Hirschlausfliegen war. Also los und nicht zögern! Je schneller wir da durch sind, desto besser! Im Trab durchs hohe Gras und da waren vielleicht Bodenwellen! Trittsicherheitstraining haben unsere Mädchen das genannt. Wir Ponys können das natürlich. Wir haben ja Einzelhufaufhängung und da ist es egal, ob ein Fuß mal 20 cm weiter oben ist als der andere. Der Weg wurde immer zugewachsener und schließlich standen wir vor einem großen Feld mit riesigem Farn. Mein Mädchen hat angehalten und aufs Handy geschaut. Ach herrje, wir sind ja falsch! Alles wieder zurück! Was sind wir doch für geduldige Ponys. Also alles wieder zurück! Was auf der Karte aussah wie geradeaus war in der Realität nämlich links. Also jetzt in den linken Weg. Der sah ähnlich aus, hatte aber nicht ganz so viele Bodenwellen. Dafür war er von oben her sehr zugewachsen – aber kleine Ponys haben große Vorteile, das wisst ihr ja!

Ja da ist ein Weg!

Plötzlich lenkt mein Mädchen mich scharf nach links, aber es war schon zu spät, mein rechtes Vorderbein und meine Hinterbeine verschwanden – schwups! – in einem amtlich tiefen Matschloch. Ich habe uns da mehr oder weniger elegant herausmanövriert aber meinen Ausreitkumpel hinter mir hat es voll erwischt. Sein Mädchen hat geschrieen, mein Mädchen hat sich erschrocken umgedreht, aber es war alles gut gegangen, auch mein Ausreitkumpel kann so was und ist heil wieder raus gekommen. Wir sind ein paar Meter weiter zu einer Stelle wo mehr Platz war, dann war erst mal Hufschuhcheck angesagt! Und siehe da: mein Ausreitkumpel hatte einen verloren. In dem Matschloch. Also zurück und den Schuh wieder einsammeln und anziehen.

gut versteckt im Gras und verdammt tief, dieses Matschloch!

Jetzt aber schnell, bevor die Hirschlaus uns entdeckt! Die liegt bestimmt schon auf der Lauer! Also weiter bis zur Straße. Dort ein schneller Blick ob irgendwo was fliegt oder krabbelt, aber da war nichts.

Nun waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg. Wir hätten die Tour noch erweitern können, aber durch den Umweg waren es jetzt schon 1,5km mehr geworden und mein Mädchen meinte, das war auch anstrengend genug. Also lieber noch ein gemütlicher Reise-Galopp und dann Schritt. Plötzlich sagt sie zu mir: komm wir biegen da rechts ab. Da ging es steil nach oben und rechts und links waren Taue gespannt. Ich war skeptisch, hab ihr aber vertraut und bin hoch gegangen. Als wir oben waren, ist sie abgestiegen, weil sie gemerkt hat, dass es mich etwas gruselt. Ich durfte dann Gras schmausen und mein Ausreitkumpel natürlich auch, während die Mädchen die Aussicht genossen haben. Puls messen war natürlich auch dran (88). Dann wieder runter und den Rest sind die Mädchen zu Fuß gegangen. Als wir an der Wackelkiste waren, war mein Puls schon wieder bei 60, also alles fein, gutes Training.

Panorama übers wilde Moor

12,5km waren es, davon 3,7km im Galopp! Das ist schon ganz schön sportlich, finden wir. Außerdem ist das eine richtig tolle Runde, die wir da gefunden haben. Die Wege durchs Moor, die wir sonst geritten sind, sind zwar landschaftlich der Hammer, dafür aber auch immer gut besucht von Spaziergängern, Radfahrern und Hunden. Da ist es schwierig, schnell zu reiten. Da wo wir diesmal waren ist niemand, da kann man so durchziehen. Und es gibt da noch mehr Wege, die werden wir jetzt mal abchecken!

Ich war jedenfalls wieder sehr zufrieden (nur eins war blöd: es gab Diätheu in der Wackelkiste. Sonst war da immer das richtig gute Zeug! Schlechter Service!)

Euer trittsicherer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 526

Eigentlich war für heute eine lange Tour geplant. Wir sollten ziemlich weit weg gewackelt werden  und dann ziemlich viele Kilometer machen, auf wichtiger Mission natürlich. Aber das Wetter war nicht auf unserer Seite…. es ist nämlich plötzlich richtig heiß geworden.

Also musste Plan B her und mein Mädchen kam morgens zur Unzeit schlaftrunken in den Stall gewankt. Sie hat gemurmelt, ich sei ja jetzt alt genug um auf sie aufzupassen, während sie noch etwas vor sich hin pennt. Klar, mein Mädchen, ich bin ja schließlich Gentleman! Also hab ich die Verantwortung übernommen und sie hat erstmal nur auf meinem Rücken gesessen und versucht, aufzuwachen. Ich bin ja morgens wach, kein Problem. 

Das Wetter war gerade noch angenehm. Ab ging es wieder auf die vertraute Runde durchs Dorf und dann hinten in den Wald. Dort wollten wir schön traben, aber der Mann war genervt, weil Diego ihn so doll geworfen hat. Mein Mädchen meinte, Übergänge würden helfen, damit Diego mal die richtige Tragemuskulatur aktiviert. Wir sind also vorne weg gegangen und dann ging es los. Schritt -Trab-Schritt-Trab-Galopp-Trab-Schritt. MÄDCHEN! Ich will laufen! Aber sie hat gesagt, da muss ich jetzt kurz durch. Eigentlich müssten wir den Sonntag und den Montag tauschen, meinte sie. Samstags hab ich nämlich immer frei und dadurch hab ich Sonntags so viel Energie übrig, dass da eigentlich so ein Montagsausflug mit dem Ausreitkumpel perfekt wäre. Aber die Wochentage sind nunmal wie sie sind, da kann man nix machen, also muss ich Sonntags Rücksicht nehmen auf Diego und den Mann und darf mich erst Montags richtig austoben. Nach ein paar Übergängen war Diego dann warm und ist vernünftig gelaufen. Wir haben erstmal einen kleinen Galopp eingelegt. Diego war gut drauf und hat ein ordentliches Tempo vorgelegt. Los, mein Mädchen, runter von der Bremse! Ich durfte laufen, musste aber versprechen, kein Wettrennen zu machen (menno) und auf meine Füße aufzupassen. Ja klar, immer doch. Da meine Klebeschuhe von den Vorderhufen wieder runter sind, hatte ich vorne meine Hufschuhe an (hinten sind die Klebeschalen noch drauf). Mein Mädchen hatte also fest damit gerechnet, dass sich da im Galopp was dreht oder wegfliegt, besonders bei dem Tempo. Aber als sie nach dem Galopp nachgeschaut hat, war alles noch an Ort und Stelle! Da hat sie sich doll gefreut und gesagt, ich würde wohl doch schon sehr viel vernünftiger galoppieren.

Weiter ging es im Trab, dann hat der Mann plötzlich angehalten. Er wollte seine Steigbügel kürzer machen um das mal auszuprobieren. Wir Ponys durften derweil schnell etwas Gras schmausen. Dann wieder los, Trab und Galopp, jetzt fand der Mann das auch besser. Ich habe derweil eine neue Regel entdeckt: wenn Spaziergänger kommen, gehen wir ja immer Schritt. Dann grüßen wir freundlich mit „moin!“ dann warte ich 10 Sekunden – und dann will ich bitte weiter traben! So läuft das doch immer! Da brauche ich doch wohl nicht warten bis mein Mädchen was sagt, oder? Sie hat nur gelacht und gemeint, ich hätte das alles voll durchschaut.

Als wir vor dem Dorfkrug waren, musste ich dann doch nochmal was erledigen. Mein Mädchen war nicht begeistert, aber hilft ja nix. Sie steigt ja dann immer ab und sammelt alles ein.  Immerhin bot sich dadurch noch die Gelegenheit für ein schönes Foto.

Auf dem Weg nach hause haben wir dann noch unsere Traversalen geübt – die hat uns der Reitlehrer empfohlen, damit ich meine Beine schlauer setze und die Hufschuhe nicht abtrete. Wir können das auf dem Reitplatz üben, aber ein breiter Weg tut es auch. Und nach einer Weile hatte ich auch geschnallt, was mein Mädchen möchte und hab alles richtig gemacht. Mittlerweile war sie auch wach und wir schon wieder zu hause (ich glaube sie hat den halben Ritt verschlafen.  Aber ich habe ja perfekt auf sie acht gegeben).

Meine Hufschuhe haben perfekt gesessen und mein Mädchen war sehr, sehr glücklich darüber (weil ihr das Geklebe ja so fürchterlich auf die Nerven geht!). Jetzt hofft sie, dass es bald auch hinten mit den Hufschuhen klappt, das werden wir in ein paar Wochen probieren, wenn die Klebeschalen runter sind.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem verschlafenen Mädchen

Beziehung im Wandel

Bald wird Duncan 6 Jahre alt. Nach dem Wachstumsschub im Frühjahr scheint er jetzt – besonders nach dem Reitkurs – unglaublich erwachsen zu sein. Und unsere Beziehung verändert sich.

Bei Finlay habe ich nicht so sehr darüber nachgedacht, aber bei Duncan fällt mir jetzt plötzlich auf, wie sehr unsere Beziehung sich im Laufe der Jahre verändert hat. Jedes Lebewesen, das von Natur aus im Familienverband aufwächst, macht vielleicht ähnliche Entwicklungsstufen durch, wie wir sie von Menschen kennen. Denn der eigene Platz in der Familie und die Beziehung zu Eltern und Geschwistern ändert sich, während man heranwächst. Und da Duncan schon mit einem Jahr hier in seine „Familie“ gekommen ist und sich an dieser Familie auch nichts geändert hat, konnte (bzw kann) er diesen Prozess näher an „normal“ durchlaufen als die meisten anderen Pferde mit denen wir hier in Deutschland so zu tun haben.

Aber ich sehe vor allem, wie unsere Beziehung sich verändert. Als er klein war, hatte ich immer die volle Verantwortung. Manchmal war ich dieser Verantwortung nicht gewachsen und habe Fehler gemacht, er hingegen war gar nicht in der Position, Verantwortung zu übernehmen und konnte somit genau genommen auch keine Fehler machen. Er hat sich – in der Herde und auch mit mir – einfach an den erwachsenen orientiert und viel nachgemacht und ausprobiert. Dann kam ein bisschen Pubertät, in der er genau das in Frage gestellt hat: warum ich eigentlich immer entscheide. Die Antwort war klar: weil die meisten seiner Ideen eher untauglich bis gefährlich waren. Meine Aufgabe änderte sich, ich trug weiterhin Verantwortung, aber es war auch mein Job, Duncan Grenzen zu setzen, die er dringend suchte. Die Herde hier zu hause war dabei mein Vorbild und hat mir Orientierung gegeben. Ich versuchte, meinem Pony einen Rahmen und Halt zu bieten. Nach und nach merkte ich, wie er sich in diese Grenzen einfügt und sich nicht nur arrangiert, sondern sich ganz wohl fühlt. Es gibt Sicherheit, wenn man weiß, was man zu tun hat.

Ich fing an, mehr von seinen Vorschlägen in die Tat umzusetzen. Du möchtest traben? Dann warte kurz, ich erlaube es gleich. Du möchtest galoppieren? Warte kurz, zeig mir, dass du dich an die Regeln hältst, dann darfst du los. Erst in den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass wir beide das so nicht mehr brauchen. Zumindest nicht mehr immer. Er fragt kurz an und ich sage ja. Denn Duncan ist ja nicht der einzige, der in den letzten 5 Jahren etwas gelernt hat. Ich habe ja auch gelernt – vor allem über ihn. Ich habe gelernt, wie er seine Wünsche äußert und vor allem habe ich inzwischen die Erfahrung, zu wissen, wann er entspannt ist und wann nicht. Und wenn er entspannt ist, das weiß ich jetzt auch, trifft er haufenweise gute Entscheidungen. Nur wenn er nicht entspannt ist, dann muss ich das Ruder wieder übernehmen und für ihn entscheiden.

Elsas Worte fallen mir ein: wenn du ein Jungpferd hast, musst du nicht 1 Pferd kennenlernen, sondern ungefähr 27. Weil ein Jungpferd sich ständig ändert und du nie genau weißt, was dich heute erwartet. Genau so war es in den letzten Jahren oft. Aber jetzt wird das weniger, das Pendel schwingt nicht mehr so stark von der einen in die andere Richtung und ich weiß schon sehr viel besser, wo die Mitte ist. Jener Ort, an den wir kommen, wenn Duncan in sich ruht und ganz er selbst ist.

5 Jahre sind eine lange Zeit – ich habe viele meiner ursprünglichen Ausbildungs-Ideen verworfen oder mindestens abgewandelt. Und ich bin dankbar, dass ich Finlay hatte, denn von dem habe ich schon so viel gelernt. Ohne diese Erfahrung wäre es mir mit Duncan nicht so gut gelungen. Aber wenn ich ihn jetzt anschaue, meinen kleinen Ritter, dann finde ich, das Ergebnis meiner Bemühungen kann sich sehen lassen. Ich glaube, es ist mir gelungen, seinen Charakter nicht zu verbiegen, sondern sich entfalten zu lassen. Aber ich muss natürlich auch zugeben: er hat es mir sehr, sehr leicht gemacht. Und die 4 erwachsenen Ponys, die haben die meiste Arbeit gemacht. Ich bin überzeugt, dass auch die ihre Erfahrungen mit Finlay gemacht haben und deswegen so viel besser wussten, wie mit so einem Jungspund umzugehen ist.

Für mich startet jetzt nochmal eine neue Phase, denn wenn ich Duncan mehr Freiheiten lasse und mehr auf seine Vorschläge höre, werde ich auch mehr darüber erfahren, was ihm Spaß macht. Gleichzeitig möchte ich ihn nicht damit überfordern, ich möchte parat stehen um ihm notfalls helfen zu können, wenn er z.B. zu müde ist um den besten Weg zu finden. Das wird für mich sehr viel komplizierter werden, denn ich muss von Sekunde zu Sekunde entscheiden, ob ich führen oder folgen möchte. Bisher habe ich meinen Pferden immer viel Führung gegeben und wenn ich jetzt so zurückblicke denke ich, dass das auch Bequemlichkeit meinerseits war. Weil ich dann eben nicht nachdenken muss, wer jetzt entscheidet. Aber ich möchte ja auch weiter lernen und Duncan soll ja mitreden dürfen. Es bleibt also spannend….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 525

Heute hatte mein Mädchen keinen guten Tag. Ihr Auto hat einen Hufschuh verloren platten Reifen. Der Mann musste als Retter in der Not einschreiten und der Tagesplan war im Eimer. Genauso wie die Laune. Aber zum Glück hat sie ja mich! Ich bin doch ihr Gute-Laune-Pony! Sie kam also später als geplant und war ganz tüddelig, aber immerhin kam sie noch. Wir haben Doppellonge gemacht, das war nach dem vielen Reiten auch mal wieder fällig. Ihre Körpersprache war eher so ein Kauderwelsch nach dem ganzen Stress und ich musste viel raten, aber ich kann das inzwischen schon ganz gut. Früher bin ich dann ja immer nervös geworden aber heute weiß ich: Ruhe bewahren, das rüttelt sich schon zurecht. Nach einer Weile hatte sie es dann auch wieder einigermaßen raus. Um ihre Laune zu steigern, habe ich alsbald einen kleinen Trab vorgeschlagen. Normalerweise ist sie ja streng und besteht darauf, dass ich erst traben soll, wenn sie es sagt, aber heute war sie einverstanden. Ich bin munter über die Stangen getrabt, die heute ordentlich hoch lagen. Mein Mädchen hat nämlich noch ein Geburtstagsgeschenk bekommen: ein paar höhere Stangenauflagen! Ich bin ja sportlich, ich komme da rüber. Als sie dann umbauen wollte, ist etwas ganz neues passiert: ich durfte in der Umbaupause etwas Gras naschen! Mit ganz offizieller Erlaubnis!! Das ist so eine Art Ritterschlag, wenn ihr das Wortspiel verzeiht.

Alsbald dachte ich, ich könnte ihre Laune noch etwas steigern, indem ich einen kleinen Galopp anbiete. Und siehe da, sie war schon wieder einverstanden! Ich habe ihr meinen schönsten Galopp gezeigt und sie war ganz entzückt. Wir haben sogar geübt, über drei Stangen zu galoppieren! Gar nicht so einfach, die Galoppsprünge genau passend zu machen. Nachdem ich das geschafft hatte, hat mein Mädchen dann nochmal umgebaut (diesmal durfte ich leider nicht grasen, schade). Sie hat die Stange ganz hoch gelegt, das sind 40cm, und dann durfte ich Anlauf nehmen. Und hopp! Und hopp! Ach das war ein großer Spaß! Sie hat dann noch das Handy aus der Tasche gezogen und den Mann angerufen, er soll mal aus dem Wohnzimmerfenster schauen. Das hat er dann gemacht und als ich den Sprung gut geschafft habe, hat er mir sogar zugejubelt! Ich konnte gar nicht genug kriegen von der Hüpferei (und den dazugehörigen Keksen) aber ich gebe zu, nach einer Weile ist es mir nicht mehr so gut gelungen, den richtigen Absprungpunkt zu finden. Ich hätte ja trotzdem weiter gemacht aber mein Mädchen meinte, ich wäre genug gesprungen. Wir haben noch ein paar Handwechsel im Trab geübt und dann noch etwas Seitwärts im Schritt.

Kein Film, dafür war bei meinem Tempo einfach keine Zeit!

Mein Mädchen hat mich angestrahlt und gesagt, ich sei doch wahrhaftig der beste Gute-Laune-Generator den man sich vorstellen könnte! Ich hab auch gestrahlt, weil ich soooooo viel Spaß hatte. Und weil es jetzt anscheinend endlich so weit ist, dass mein Mädchen meine Vorschläge nicht immer alle ablehnt, das finde ich toll. Sie sagt, ich habe mir das verdient und dass ich ja meistens auch wirklich gute Vorschläge mache. Das finde ich auch!

Euer Gute-Laune-Generator Sir Duncan Dhu of Nakel

(P.S. drückt die Daumen dass das Auto schnell wieder fit ist, wir wollen doch bald wieder mit der Wackelkiste los!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 524

Der Sonntagsausflug ist ausgefallen. Mein Mädchen hat noch ein bisschen Geburtstag nachgefeiert und hatte nicht so viel Zeit, also sind wir einfach schön wippen gegangen. Ich hab das toll hingekriegt und sie war schon wieder wahnsinnig stolz auf mich. Diego hat zugeschaut und sich schon mal angestellt, der wollte auch. Und er durfte auch. Er sollte dem Mann zeigen, was er mit meinem Mädchen geübt hat. Im Moment kann er nämlich zwar gut wippen, aber er macht sich die Arbeit ein bisschen zu leicht. Er schiebt einfach seinen Hals vor und zurück, dabei soll er doch seine Rumpfmuskulatur zum Wippen nehmen! Wegen des Trainingseffektes. Das übt mein Mädchen gerade mit ihm. Ich kann das natürlich schon, aber ich habe ja auch mehr Wipp-Übung.

Gestern war dann aber der übliche Montags-Ausflug angesagt. Nun hatte ja mein Ausreitkumpel vor 3 Wochen einen Hufschuh verloren (normalerweise ist Hufschuh-Verlust ja mein Spezialgebiet, mein Ausreitkumpel tut sowas nicht) und sein Mädchen hatte Hoffnung, dass wir den Schuh noch wiederfinden. Wir sind also die selbe Runde wie vor 3 Wochen geritten, nur andersrum, damit die Hufschuh-Such-Strecke am Anfang unserer Tour liegt. Irgendwie scheint, mir normal ausreiten gehen ist mit meinem Mädchen gar nicht möglich. Wir suchen Wege, sind auf Spezialmissionen, üben irgendwas, testen Equipment…. irgendwas ist immer. Aber egal, Hauptsache Ausflug!

Wir sind also gestartet und die Aufgabenverteilung war klar: wir Ponys achten auf den Weg, die Mädchen halten Ausschau nach dem Schuh. Irgendwann sagt mein Mädchen „naja, wenn der in dem hohen Gras am Rand liegt, finden wir den nie“. Ja, mein Mädchen, wir Ponys wüssten genau, wie man dieses Problem lösen könnte! Wenn ihr uns machen lassen würdet, wäre der Weg frei geförstert, der Schuh gefunden und wir satt. Aber auf uns hört ja keiner! Also ging es weiter. Das Mädchen vom Ausreitkumpel fand es dann doch lustiger, ein bisschen zu galoppieren, auch wenn die Schuh-Finde-Chancen dadurch natürlich gesunken sind. Ich habe meinen schönsten Reisegalopp eingelegt, den kann ich jetzt schon viel länger durchhalten. Und was wir jetzt auch voll gut können, mein Mädchen und ich, ist lenken im Galopp. Dann hilft sie mir manchmal noch, den besten Weg zu finden. Eines Tages, meint sie, könnte ich das auch ganz ohne ihre Hilfe, aber bis dahin guckt sie noch ein bisschen mit.

Tja, der Schuh ist wohl weg (wenn man uns halt machen lassen würde!) aber das hat die Laune der Mädchen nicht groß getrübt. Wir sind galoppiert und galoppiert bis mein Mädchen sich wieder Sorgen um mich gemacht hat und wir lieber etwas getrabt sind. Dann einen Schluck trinken, weiter traben (Schritt gehen hätte in sofortiger Blutleere geendet wegen Überfalls der Vampire!). Ich musste kurz meinen Kopf sortieren aber dann war ich wieder im Dienst. Ach komm, mein Mädchen, ein kleiner Galopp noch? Mein Mädchen meinte, ich könnte ja nochmal meinen Rechtsgalopp finden. Der ist irgendwie im letzten Wachstumsschub verschollen. Nach ein paar Versuchen hatte ich ihn dann aber auch wieder. Zack! – Mädchen stolz.

Die Mädchen haben festgestellt, dass diese Runde sehr gut geeignet ist um einfach durchgängig Tempo zu machen. Wenig Kreuzungen an denen sie überlegen müssen wo es lang geht, übersichtliche Wege und meistens guter Boden. Und ehe wir es uns versahen, waren wir auch schon wieder an der Wackelkiste! Dort hat mein Mädchen erstmal wieder ganz besorgt Puls gemessen, während ich schnell bisschen geförstert habe. Ich war knapp über 80. Dann hat sie mich mit Wasser abgeschwammt und mir die extra mitgenommene Fliegendecke angezogen, damit mich in der Wackelkiste niemand ärgern kann. Die Fliegendecke hat sie auch noch extra nass gemacht zum abkühlen. Und dann wieder Puls gemessen und gestaunt, denn nach 10 Minuten war ich nun schon wieder runter auf 64. Ja mein Mädchen, Training hilft! Sie war baff wie fit ich bin und wie toll ich gelaufen bin. Ich hab mich gefreut, dass sie sich jetzt so wohl fühlt im Galopp, denn das verheißt gutes… Von 10km Strecke sind wir 2,6km galoppiert (das sind ungefähr 12 min gemütlicher Reisegalopp), das bauen wir jetzt aus, sagt sie. Galopp ist nämlich total gesund für meine Lungen, damit die mal schön durchgepustet werden und außerdem macht es halt einfach sooooo viel Spaß!

Ach das war wieder ein toller Ausflug. Zu hause wurde dann nochmal Puls gemessen (48), dann nochmal abgeduscht, danach wieder gemessen (40). Weil mein Mädchen immer nach dem duschen wissen will, ob mich das entspannt. Manchmal ja, manchmal nein. Daran rätselt sie noch. Aber sie soll ja auch was zu knobeln haben!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 523

Nach dem ereignisreichen Mittwoch brauchte mein Mädchen am Donnerstag dringend einen Tag Pause.  Ich wäre ja parat gewesen aber sie meinte, ich soll mal meine Kräfte schonen, denn am Freitag ginge es dann so richtig los! Und tatsächlich: Freitag früh kam der Mann und hat Diego raus geholt und in die Wackelkiste steigen lassen. Hey! Ich will mit! Zum Glück kam mein Mädchen auch alsbald und ich durfte tatsächlich mit. Diego war nur so mittel motiviert, der hatte sich eigentlich gerade auf ein Vormittagsschläfchen eingestimmt. Als wir dann im Wald ausgestiegen waren, hat er deswegen seinen Kopf erst nochmal bei mir abgestützt um ein Nickerchen zu machen während wir gesattelt wurden. Unter Freunden geht so was klar.

Als wir fast fertig waren mit gesattelt werden, fuhr plötzlich noch eine Wackelkiste vor. Oha! Da stieg ein charmantes Spanier-Stütchen aus, die Diego gleich ein bisschen den Kopf verdreht hat! Normalerweise ignoriert er fremde Pferde, aber bei dieser netten Dame hat er doch ein paar mal hingeschaut! Ich auch, aber sie war nicht ganz mein Typ. Jedenfalls waren wir mit ihr zum Ausreiten verabredet. Und das war jetzt nicht irgendein Ausritt, sondern ein richtig langer! Wir haben ein paar Wege zusammengesetzt die wir schon kannten. Erst ging es durch den Wald und ich musste mich kurz abregen wegen der Anwesenheit der fremden Schönheit. Als ich das im Griff hatte, sind wir ein Stück gemeinsam getrabt, ich durfte vorneweg. Raus aus dem Wald auf den Plattenweg bis zur Straße. Da sind unsere Reiter alle abgestiegen, denn nun kam ein längeres Schritt-Stück und da können wir dann auch ebenso gut alle zu Fuß gehen. Zum Glück für uns Ponys beinhaltete das eine schöne Graspause, in der wir gemeinsam schmausen konnten.

Ein bisschen zu Fuß gehen schadet den Menschen auch nicht!

Und dann ging es weiter, Schritt, Trab, Schritt und von der anderen Seite wieder rein in den Wald. Ich war schon etwas kopfmüde und die Anwesenheit der Stute hat mich ein bisschen genervt. Deswegen musste ich vorneweg gehen, damit ich sie nicht immer anmecker. Aber ich mochte keine Verantwortung mehr übernehmen, mein Kopf hat geraucht. Mein Mädchen hat aber gesagt, ich schaffe das und mich ordentlich angefeuert bis mein Kopf schließlich wieder angesprungen ist. Sie sagt, wir beide wissen jetzt, was ein „toter Punkt“ ist und sind wohl zum ersten Mal drüber weg geritten. Sowas muss man auch mal können, wenn man die großen Abenteuer erleben will! Wir Schotten sind zum Glück serienmäßig mit einem Reservetank ausstattet.

Wir sind wieder durch die vielen Furten geritten – aber weil es in den letzten Tagen ausnahmsweise mal nicht geregnet hatte, war jetzt nirgendwo mehr fließendes Wasser drin und ich da einfach durchmarschiert wie so ein Großer (der ich ja auch bin!). Dann wieder Trab bis zum matschigen Weg, wo leider gar nichts zu wollen war mit Trab, sondern wir bei jedem Schritt unsere Hufe mit einem Schmatzgeräusch aus dem Modder ziehen mussten. Ganz schön anstrengend! Die Reiter Waldfahrzeuge hatten nämlich mal wieder die Reitwege kaputt gemacht, für unsere Menschen immer ein großes Ärgernis, zumal dann meistens im Anschluss der Weg geschottert wird und gar keinen Spaß mehr macht…. aber wir haben uns die Laune nicht vermiesen lassen. Am Ende, als wir dann dem Weg vom Anfang wieder näher kamen, durfte die Stute auch mal vorneweg traben. Das war ok für mich, denn mein Mädchen und ich haben in den letzten Wochen fleißig das Abstand-halten geübt so dass ich das jetzt prima kann. Außerdem hatte die Dame einen flotten Zahn drauf und galoppieren war nicht erlaubt! Da musste ich einen flinken Fuß machen um mitzuhalten. Meine Füße konnten noch gut laufen aber mit denken ging es nicht mehr ganz so gut. Mein Mädchen hat die Verantwortung übernommen und für mich mit geguckt, wo der Weg am besten ist und mir bescheid gesagt wenn da Matsch, Zweige oder Löcher waren. Danke, mein Mädchen! Ich bin ziemlich viel gestolpert, weil ich mich nicht mehr konzentrieren konnte und weil meine Klebeschuhe auch leider etwas gelitten hatten unter den vielen Matschwegen. Da hatte sich Matsch drunter gesammelt an Stellen wo eigentlich Kleber hätte sein sollen, da sind jetzt Reparaturarbeiten fällig. Aber es ging alles noch und wir haben ja gelernt dass traben bei Müdigkeit viel schlauer ist als Schritt gehen – weil im Schritt alles soooooo lange dauert und Schritt gehen eigentlich auch viel anstrengender ist als traben.

Als wir wieder an der Wackelkiste ankamen, zeigte der Tacho fast 17km und 3 Stunden die wir unterwegs waren! Das ist ein neuer Rekord! Mein Mädchen sagt, körperlich habe ich das total gut weggesteckt, aber den Kopf haben wir gut trainiert. Ich durfte meine Nase direkt im Heusack versenken, damit ich still stehe während sie mich absattelt. Meine Fliegen-Zebradecke behalte ich jetzt in der Wackelkiste immer drauf, falls ein paar Fliegviecher mit auf die Reise gehen und mich piesacken wollen. Die Decke muss aber einmal nach vorn geklappt werden, damit mein Mädchen den Sattel abnehmen kann. Und plötzlich war es passiert!

Hui buh!

Naja ihr kennt mich, ich hatte Heu vor der Nase also war mir alles andere ziemlich egal. Ich hab einfach weiter gefressen, während mein Mädchen einen mittelschweren Lachanfall bekam.

Diego war ein bisschen müde und sehr, sehr hungrig, der hat zu hause erstmal eine riesige Portion extra Heu bekommen und mein Mädchen sagt, vor so einem langen Ritt braucht er wohl einen volleren Tank. Ach und ich? Nein ich wohl nicht, ich habe angeblich Reserven – aber die sind doch für den Winter! Aber das versteht sie ja irgendwie nicht.

Jedenfalls war das mal ein ausgiebiges Abenteuer und mit Sonntags-, Montags-, Mittwochs- und Freitags- Ausritt eine Woche ganz nach meinem Geschmack! So kann das weitergehen! (Wird es nicht, sagt mein Mädchen. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen….).

Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir und meinte ich habe wieder alles richtig gemacht und mich insgesamt einwandfrei benommen. Immerhin war die Spanierin erst das 4. fremde Pferd mit dem wir ausreiten waren und dafür mache ich das ganz schön toll, findet mein Mädchen. Und das Mädchen von der Spanierin fand das auch. Die hat uns jetzt eingeladen, dass wir mal zu ihr fahren und sie uns ihr Ausreitgelände zeigt, das ist wohl auch sehr, sehr schön. Da sind wir mal gespannt! Zu gegebener Zeit werde ich natürlich berichten.

Euer Abenteurer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 522

Weiter ging unsere Woche am Mittwoch. Am Dienstag hatte mein Mädchen nämlich Geburtstag und hat sich einen Tag „Pony-frei“ genommen, hat einen Ausflug mit dem Mann gemacht. Na gut, sei es ihr gegönnt. Morgens hat sie allerdings erstmal Geschenke bekommen und da ging es natürlich doch wieder um Ponys! Der Mann hat ihr nämlich einen Sattelhalter fürs Auto gebaut. Da hatten sie bisher so eine Stange die sie ins Auto geklemmt hat, Sattel drauf und hoffen dass er hält. Und dann war die Stange immer gerade etwas zu kurz für zwei Sättel, das ist ärgerlich. Also fand der Mann, es sei Zeit für eine bessere Lösung und hat meinem Mädchen etwas tolles gebaut! Jetzt ist der Sattel viel besser untergebracht und fällt nicht mehr runter. Abenteuer wir kommen! Naja, am Dienstag war wie gesagt kein Abenteuer für mich. Aber am Mittwoch kam mein Mädchen gleich morgens an und hat mich fertig gemacht für das nächste Abenteuer. Ab in die Wackelkiste und dann zu einem unserer liebsten Wege. Dort haben wir Ritter Willibald getroffen! Den kenn ich ja nun schon. Dem wollten wir zwei unserer Lieblingswege zeigen. Vom ersten war er auch gebührend angetan. Wir sind schön getrabt und sogar zusammen galoppiert und mein Mädchen fand mich hochanständig, weil ich mir das mit dem Wettrennen verkniffen habe. Sind wir ehrlich: Willi ist derzeit nicht gut im Training, ich weiß dass ich ihn hätte abhängen können…. aber mein Mädchen möchte keine Wettrennen reiten und ich bin ja Gentleman.

Dann ging es ein gutes Stück durchs Dorf, da ist mein Mädchen abgestiegen, weil sie findet, dass ich sie nicht immer die ganze Zeit tragen muss. In dem Dorf gibt es eine Wiese wo ein paar kleine Carusos wohnen. Und heute haben wir festgestellt, dass da ein Mini-Willi dabei ist! Der Willi hat nämlich eine Sonderlackierung auf seiner Rüstung. Nennt sich „Mohrenkopf“ oder „Blauschimmel“ , hat aber mit Käse nix zu tun. Diese Blauschimmel ändern immer ihre Farbe wenn Fellwechsel-Zeit ist. Mal sind sie fast ganz weiß, mal fast schwarz, dazwischen immer so grau. Und nun steht da plötzlich so einer hinterm Zaun und sie genaus aus wie Willi! Nur…. etwas kleiner. Da war der Willi verständlicherweise ganz fasziniert.

Willi und seine Mini- Version!

Weiter ging es also durchs Dorf zu unserem zweiten Lieblingsweg. Den wollte mein Mädchen gern traben, weil da so viele Fliegviecher unterwegs sind, die uns ans Blut wollten. Aber es stellte sich heraus: da ist einer mit dem Trecker durchgefahren! Und jetzt ist der Weg kaputt. Matschig und rutschig und nicht mehr trabtauglich. Schade! Stattdessen hat aber das Mädchen von Willibald für große Erheiterung gesorgt. Beim durchreiten unter einem tiefen Ast hatte sich nämlich die Fliegenschutz-Decke an Willis Hals gelöst und nun wollte sie die gern wieder festmachen. Aber Willis Hals ist verdammt lang, da kommt man nicht mal so eben vorne an! Mein Mädchen hat versucht, während dem Lachen noch zu filmen, aber das ist nur so halb gelungen. Dann hat sie wieder festgestellt, dass kleine Ponys sehr, sehr große Vorteile haben und sich bei jedem Zweig gefreut, dass sie sich nur etwas ducken musste, während Willis Reiterin gründlich geduscht wurde. Die Zweige waren nämlich alle nass vom Regen. Da es sehr warm war, war das eher erfrischend als ärgerlich.

Vor lauter Lachen ist das Bild unscharf geworden

Der weitere Verlauf des Rittes war unspektakulär, bis wir wieder an den Lieblingsweg vom Anfang kamen. Dort wollten wir ja gern wieder traben, aber vor uns war eine Spaziergängerin mit Hund in den Weg eingebogen. Wir haben dann vereinbart, dass Willi sie einfach über den Haufen läuft und ich sie anschließend noch einmal festtrete. Dann wollten wir sie als Warnung für die anderen liegen lassen. Aber die Spaziergängerin hatte schon Angst bekommen und war an die Seite gegangen und natürlich sind wir wie immer hoch anständig geblieben, im Schritt vorbei marschiert mit freundlichem Gruß und dann erst wieder angetrabt. So sind wir eben, letztlich doch immer nett zu allen.

Im Trab den schönen Weg durch und alsbald wieder an der Wackelkiste. Ich bin in meine eingestiegen, Willi in seine und jeder ist wieder nach hause gewackelt worden.

Zu hause habe ich mich duschen lassen, es war doch einigermaßen warm und ich habe das abduschen ein bisschen für mich entdeckt muss ich sagen! Früher mochte ich das nicht so und mein Mädchen sagt auch immer, dass ich das selbst entscheiden darf, aber wenn ich entspannt stehen bleibe, geht sie davon aus, dass ich das ok finde.

Aber zu Ende war der Mittwoch noch nicht!

Ein paar Stunden später kam meine kleine Freundin! Die hat gemault, weil ich mich nach dem Duschen so fein paniert hatte und sie so viel zu putzen hatte. Mein Mädchen hat nur gelacht und gesagt, sie sei ganz schön verwöhnt von mir, weil ich ja immer so sauber bin. Dann kam der Mann dazu und hat mit Kreide meine Wirbelsäule eingezeichnet, für eine kleine Anatomie-Stunde. Am Ende hatte meine kleine Freundin die alles entscheidende Frage „und wie macht man das, dass das Pferd das dann richtig macht?“ Tja, das, meine kleine Freundin, kann ein paar Jahre dauern. Erstmal muss ich das können und dann musst du das können….

Anatomie-Stündchen

Diesmal hatte mein Mädchen sich einen Filzsattel geliehen und den durfte meine kleine Reiterin jetzt testen. Mein Mädchen ist noch nicht damit geritten, aber ich kenne das ja jetzt, allerhand Sitzunterlagen zu tragen, da ist das auch ok so. Meine kleine Reiterin ist aber noch nicht sicher, ob sie den Filzsattel mag oder nicht, das wird sie nächste Woche nochmal ausprobieren. Der Vorteil war jedenfalls, dass wir ein bisschen traben konnten und sie mal das leichttraben probiert hat – nur um festzustellen, dass das gar nicht leicht ist!

Ausnahmsweise hat sie dafür von meinem Mädchen einen kleinen Service bekommen: sie musste mich nicht nach hause führen, sondern durfte sitzen bleiben vom Reitplatz bis zum Stall.

Danach kam der beste Teil von allen: Möhrenparty! Meine kleine Freundin lässt sich da nicht lumpen, die bringt immer einen Tupper voll Möhren mit und dann wird geschlemmt! Das habe ich mir aber auch redlich verdient, weil ich das mit dem Unterrichten wieder soooooo toll gemacht hab. Und ich habe mit meinen Freunden geteilt, wie es sich gehört.

Euer vielseitig begabter Sir Duncan Dhu of Nakel

Geheimcode

Wir reiten im Schritt an einem Trafo-Häuschen vorbei. So etwas interessiert Duncan nicht – höchstens wenn es im Galopp überraschend zwischen zwei Büschen in seinem Sichtfeld auftaucht, dann schaut er da mal hin. Aber Willi, der im Moment neben ihm her läuft, findet das Häuschen plötzlich doch suspekt und schaut ein bisschen. Und Duncan imitiert ihn sofort. Ich bin überrascht: wenn der Ausreitkumpel die wildesten Sätze zur Seite macht, kümmert Duncan das überhaupt nicht. Er schaut nicht nach, was sein Freund da gesehen haben könnte. Aber wenn Willi findet, das Häuschen ist gruselig, dann überprüft Duncan, ob Willi recht hat (hatte er aber nicht).

Wenige Minuten später zuckt Duncan deutlich zusammen als ein wirklich kleiner Vogel wirklich leise und ziemlich weit weg aus dem Gebüsch fliegt. Und jetzt verstehe ich: er ist aufgeregter, als er es zugibt. Ausritt mit Willi ist eben doch noch kein Alltag, sondern ein Abenteuer. Duncan verbirgt seine Anspannung gut. Auch Finlay hat das getan, es ist sicherlich typisch für Highlandponys. Und es ist manchmal ein bisschen gefährlich, denn sie verbergen unter Umständen die Anspannung so lange, bis sie es gar nicht mehr aushalten können, und explodieren dann. Oder sie sind im Dauerstress, den niemand bemerkt.

Finlay, der immer ein Problem mit besonderen Fahrzeugen hatte (normale Autos waren ok aber LKWs, Motorräder, Autos mit Anhänger etc fand er tendenziell gruselig), konnte einige solcher Begegnungen aushalten, bevor es dann nicht mehr ging. Einmal rannte er mit wehenden Fahnen nach hause (zum Glück nicht weit) als wir bei Fahrübungen vom Boden mit LKWs konfrontiert waren. Meine Freundin sagte dann eines Tages: „jetzt sehe ich es, er zuckt vorher mit der Haut“. Etwas was ich ehrlich gesagt nie gesehen habe. Da war ein Signal, das mir völlig entgangen war.

Langsam entschlüssele ich Duncans individuellen Geheimcode. „Ich bin aufgeregt“ kann sich sowohl in erhöhter Schreckhaftigkeit als auch in zähen, langsamen Bewegungen äußern. „Ich bin unsicher“ zeigt sich je nach Situation durch Heben eines Vorderbeins oder schnelle, hektische Bewegungen bei denen er rempelt, schubst und unbedingt essen möchte. Das wirkt frech und ungezogen, überhaupt nicht unsicher. Aber es ist Unsicherheit und wenn ich es als solche erkenne und entsprechend reagiere habe ich bessere Chancen als wenn ich Streit anfange (was mir noch zu oft passiert). Oft sind das natürlich dann Situationen in denen ich selbst unsicher bin, was es nicht einfacher macht für uns beide.

Als wir neulich vor dem kleinen Bächlein standen und es durchreiten wollten, verhielt Duncan sich zunächst so, wie ich es von Pferden in dieser Situation kenne: ein Schrittchen vor, ein Schrittchen zurück, stehenbleiben, ein Schrittchen vor. Ich erwartete die Reaktion, die die meisten Pferde zeigen: ein gewagter, schneller Satz. Aber plötzlich und für mich ohne jede Vorankündigung legte Duncan den Hebel um und ging im Schritt ohne weiteres Zögern durchs Wasser auf die andere Seite, als wäre es normaler Waldweg gewesen. Hier fehlt mir noch eine Menge seines Geheimcodes: woher hätte ich wissen können, wann er da durch geht? Wie kann ich abschätzen, ob er diese Hürde meistern kann oder nicht? Auch an der schlimmsten Stelle, an der ich mir selbst nicht sicher war, hat er sich ganz genauso verhalten. Kein Satz, keine Aufregung in der Bewegung zu fühlen. Hätte er vorher nicht so lang gezögert, hätte ich nicht gemerkt, wie schwer ihm das fiel.

Ich habe also noch viel zu lernen über mein Pony, dass ich seit 5 Jahren bei mir habe und schon gut kennen müsste. Je erwachsener er wird, je mehr Abenteuer wir erleben, desto mehr entdecke ich Lücken in meinem Wissen um seine Gefühlswelt. An den Rindern (auf dem Kurs) hat er mich mit manch schneller Bewegung überrascht. Allerdings habe ich mich gefreut, dass er in der Lage war, die Menschen dabei im Blick zu behalten. Einmal ist er kurz gestiegen, hat sich aber von mir weg gedreht dabei. Groß am Strick gezogen hat er nie und er war immer sofort wieder ansprechbar. Trotzdem: ich habe es nicht kommen sehen und das ist nicht gut.

Und noch eine wichtige Information fehlt mir: wo ist sein Normal Null? Dieses Frühjahr war Duncan extrem schreckhaft. Er ist teilweise wegen raschelnder Blätter kurz angaloppiert, was ich völlig absurd fand. Aus verschiedenen Gründen habe ich seinen Zinkwert überprüfen lassen und siehe da, der ist niedrig. Nun bekommt er also mehr Zink und die Schreckhaftigkeit ist weg. Allerdings ist die im Sommer wohl immer weg, das ist meine Erfahrung der letzten Jahre. Also wo ist sein Normal Null zu welcher Jahreszeit? Was bedeutet es, wenn er phasenweise enorm schreckhaft ist und wie kann ich ihm dann am besten helfen? Diese Dinge lernt man nicht in ein paar Wochen. Diese Dinge lernt man in Jahreszyklen und bei einem Pony, das noch nicht erwachsen ist, ändern sie sich naturgemäß auch so nochmal. Ich werde also noch viel zu entschlüsseln haben und muss noch manches Rätsel knacken bis ich Duncans Geheimcode gut genug beherrsche um ihn wirklich verstehen zu können. Mit Sicherheit ist er mir da weit voraus….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 521

Ich schulde euch ja noch zwei Berichte! Das muss ich jetzt schnell erledigen, denn bald gibt es schon wieder neues zu erzählen!

Also am Sonntag war wieder Familienausflug mit Diego dem Großen. Wir sind zu einem Parkplatz gefahren den wir schon kennen, von dort sind wir schon ein paar mal losgezogen. Direkt nach dem Losreiten warteten schon die Herausforderungen am laufenden Band auf mich. Es gibt leider keine Videos von meinen Heldentaten aber hier könnt ihr sehen wie es damals war. In diesem Wald gibt es kleine Bäche durch die man durchlaufen muss. 6 Stück waren es diesmal (im 7. war kein Wasser). Letztes Mal ist Diego da vorne weg gelaufen. Aber diesmal fand mein Mädchen, dass ich groß genug bin um das selbst zu tun. Diego musste also hinter mir warten (und hat ordentlich rumgemault!) während ich mir überlegt habe ob ich das wohl schaffe. Ich habe auch wieder den Trick mit dem austrinken versucht, aber das hat leider nicht geklappt. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Ich war mir nicht sicher. Diego hat gemault. Aber dann habe ich beschlossen: das geht. Und bin einfach so da durch marschiert. Juhuuu! Keks! Kurze Zeit später kam der zweite kleine Bach. Immer geht dann der Weg ein Stück steil runter, unten ist das Wasser und auf der anderen Seite geht es steil wieder hoch. Einmal war es Diego zu blöd, da hat er überholt und ist vorneweg gegangen. Aber alle anderen Furten habe ich vorneweg gemeistert. Die letzte war besonders fies, denn da war tiefer Matsch! Ich hab meinen Fuß vorgesetzt, bin ein gutes Stück eingesunken, hab den Fuß wieder rausgezogen und meinem Mädchen gesagt dass das nichts wird. Mein Mädchen hat geantwortet, dass ich Allhuf-Antrieb habe und das schon schaffe. Ich war nicht sicher. Da haben wir wieder eine Weile gestanden aber schließlich habe ich es doch geschafft! Und da war mein Mädchen wieder soooo stolz (was sie freundlicherweise in Keksen zum Ausdruck gebracht hat).

Manchmal sind wir auch vorne, mein Mädchen und ich!

Danach war der Ausritt recht entspannt. Wir sind schön durch den Wald galoppiert (da ist Diego echt raus aus der Kondition, da müssen wir ran!) und getrabt und nachher durchs Feld im Schritt getingelt. Da gab es viel zu sehen, Bauernhöfe mit Rindern, ein Mann der Holz gespaltet hat, Hunde und so, das war schon interessant. Nach gut 9km waren wir wieder an der Wackelkiste, das hat uns diesen Sonntag auch gereicht. Es war sehr windig und die Nächte waren nicht ganz so entspannt wie sonst, da sind wir nicht sooo laufmotiviert, Diego und ich.

Schönes Wetter, schöner Himmel!

Am Montag war natürlich wieder Montags-Ausflug aber da schon wieder etwas dazwischengekommen ist, wurde der stark abgekürzt. Wir sind 5km geritten, aber dafür sehr flott mit viel Galopp, das wollen wir ja jetzt üben. Nachdem ich jetzt hinten auch die Klebeschuhe drauf habe, können wir jetzt auch unbeschwert galoppieren. Nachdem ich wieder nur Linksgalopp im Angebot hatte, hat mein Mädchen dann auch mal nach Rechtsgalopp gefragt und mit etwas Denken habe ich das auch geschafft. Zack! Mädchen stolz! Außerdem liebt sie mich ja immer ganz besonders, wenn der Ausreitkumpel vor mir wieder Gespenster sieht und im Galopp – hüpf! – von einer Seite des Weges – hüpf! – zur anderen springt. Ich bin dann nämlich völlig ungerührt, ich kenne ihn ja nun zur Genüge. Da ist kein Gespenst, das ist nur seine Fantasie. Also ignoriere ich das einfach und galoppiere stoisch geradeaus weiter.

Als wir dann munter galoppiert waren, sind wir kurz noch Schritt gegangen und waren auch schon wieder an der Wackelkiste. Da war Pulsmessen angesagt und wir durften noch grasen bis ich wieder auf 60 runter war. Und schon ging es wieder nach hause.

Das waren also dann der Sonntags- und der Montags-Ausflug. Aber wartet ab, die Woche fängt gerade erst an!

Euer mutiger Furten-Durchquerer Sir Duncan Dhu of Nakel