Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 535

Den ganzen Tag hab ich mein Mädchen beobachtet. Gegen Abend wurde ich leicht nervös: wollten wir nicht noch alleine ausreiten gehen? Wann holst du mich denn endlich? Dann kam sie doch noch mit dem Bosal. Da hab ich sie erstmal freundlich angebrummelt. Das mache ich ja nicht so oft und wenn ich es dann mal mache, dann freut sie sich immer so süß. Sie sagt, ich mache das meistens dann, wenn die Abenteuer-Rate in den Tagen davor gut war. Ja, mein Mädchen, denk da mal drüber nach!

Also alles antüddeln, Reitpad drauf, Bosal dran und Handy eingeschaltet, damit der Mann uns live und in Farbe verfolgen kann (theoretisch). Und dann links rum vom Hof auf die Hausrunde. Ich war gleich los marschiert aber dann hab ich doch gezögert. Mein Mädchen hat mich angetrieben und gesagt, sie hat gelernt, dass es mir mehr hilft, wenn sie klar das Kommando übernimmt. Ja schon, aber bei dem was gerade zu tun war hat das halt nicht geholfen, ich musste nämlich mal pieschen. Zum Glück weiß mein Mädchen ja, woran sie das erkennt. Ich mach ja immer Abenteuerpieschen, schön irgendwo halb im Graben oder im Gebüsch, in den Brennesseln oder in den Dornen. So muss das, sonst kann ich nicht, wenn ich muss. Falls ihr versteht.

So nun war das erledigt und dann konnte es losgehen. So ganz 100% sicher war ich mir nicht, aber mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Ein gemütlicher Trab und dann, als wir an die Rinderweide kamen, Schritt. Zwei Rinder standen unten an der Tränke, wo wir direkt vorbei kommen. Das ist aber kein Thema, zwei Rinder schaffe ich mit links. Und dann auf den Grasweg. Das ist so: links ist der Wald, rechts der Stacheldraht zu den Kühen, dazwischen zwei Pony-Breiten Weg. Und die Rinderkoppel, die ist lang, das sage ich euch. Die haben nämlich jetzt den hinteren Teil der Weide auch aufgemacht und da kommen 700 Meter zusammen. Die Rinder standen alle im hinteren Bereich, das war gut für uns, denn so lange die alle vor uns sind, ist alles fein. Also sind wir noch ein bisschen getrabt. Mein Mädchen hat mir gesagt, dass sie jederzeit absteigen kann, wenn es mich gruselt. Einzige Bedingung ist, dass ich rechtzeitig Bescheid sage und keine Blitzaktion mache. Ok!

Laaaaaaange Rinderweide, viele Rinder.

Alles war gut bis wir es plötzlich hinter uns galoppieren hörten! BESCHEID! Hab kurz überlegt ob ich losflitze, mich dann aber erinnert, was mein Mädchen gesagt hat, bin also nur zusammengezuckt und schon sagt sie „hooo“ und springt von meinem Rücken. Da kam doch eine von den Kühen, die an der Tränke gewesen waren, von hinten über die Weide galoppiert, weil die schnell wieder zu ihrer Herde wollte! Aber sobald mein Mädchen unten neben mir stand, war das ok. Sie ist dann zu Fuß mit mir gegangen bis ans Ende der Rinderkoppel. Ich war ein klitzekleines bisschen aufgeregt, das merkt sie daran, dass ich wild nach Gras hasche und sie mit der Nase anstupse und so. Aber nichts schlimmes. Es gab ein paar Kekse, die helfen ja bekanntlich gegen alles. Die zweite Kuh ist dann auch noch etwas galoppiert, aber ich hab das gut gemeistert. Am Ende der Weide haben wir dann angehalten und ich durfte grasen, direkt neben den Rindern. Ich hab mich strategisch schlau hingestellt so dass ich die nicht sehe, habe meinem Mädchen die Oberaufsicht übertragen, die Nase ins Gras geschoben und versucht, mich mit essen abzulenken. Hat auch ganz gut geklappt.

Ich gucke nicht hin, mein Mädchen passt auf.

Schließlich ging es dann weiter. Der Dornröschenweg kam in Sicht. Und was soll ich euch sagen: da stehen jetzt auch Rinder! Und da hat mein Mädchen der Mut verlassen. Sie hat gesagt, das tun wir uns nicht an. Der Dornröschenweg ist ja so schmal, dass wir nicht nebeneinander her gehen können. Und da möchte sie nicht mit mir sein, wenn ich dann doch Angst bekomme. Also haben wir eine Abkürzung genommen übers Stoppelfeld. Da war zum Glück eh abgemäht, also kein Problem. Mein Mädchen war noch zu Fuß und ist auch zu Fuß gegangen bis wir dann auf der anderen Seite wieder auf dem Weg waren und dann noch das steile, steinige Stück bergab. Danach ist sie wieder aufgestiegen und wir sind noch ein bisschen getrabt. Schritt an den Pferden vorbei, noch ein kleiner Trab, Schritt an den nächsten Pferden vorbei – oh die waren ein bisschen interessiert an mir! Da musste ich mich doll zusammenreißen um vorbei zu gehen. Hab ich aber brav gemacht – Keks!

Dann noch ein kleiner Trab und wieder Schritt am Nachbarhof vorbei – ich finde es da ja immer gruselig. Da finde ich Sachen gruselig, die mir sonst nichts ausmachen, ein Fahrrad zum Beispiel. Aber auch das haben wir gemeistert. Noch ein paar Meter Trab und da waren wir schon wieder zu hause!

Mein Mädchen hat gesagt, ich hätte das gemacht „wie ein König“. Wahrscheinlich weil ich alles so tapfer und würdevoll gemeistert habe. Außerdem hat sie gesagt, sobald sie absteigt, ist sie sich jetzt sicher, dass wir so ziemlich alles schaffen und das gibt ihr Mut. Denn absteigen geht zur Not ja immer, wenn ich nur rechtzeitig Bescheid sage.

Der Mann hat uns dann gezeigt, was das Handy behauptet hat, wo wir so waren…. das war teilweise schon sehr gelogen. Luftlinie 2km waren wir vom Dorf weg, als sein Handy meinte, wir würden gerade durchs Dorf tingeln. Mein Mädchen sagt, das probieren wir nochmal anders. Mit viel Glück sogar gleich heute!

So ein Blödsinn, wir waren doch bei den Rindern und nicht im Ort!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 534

So, im dritten Anlauf hat es dann endlich geklappt mit der geplanten großen Tour. Ich hab ja jetzt Erfahrung und weiß: das wichtigste ist die Vorbereitung. Das heißt, erst noch ein schönes Nickerchen halten, dann ab in die Wackelkiste und dort Tieftauchen ins Heu – Druckbetankung für den Heuverbrenner! Und dafür war genug Zeit, eine Stunde waren wir in der Wackelkiste unterwegs.

Gute Vorbereitung ist das A und O!

Dann satteln und los. Erstmal direkt über die Bahnschienen, kein Problem. Aber kaum waren wir drüber machte es hinter uns sehr, sehr laut „tschuuuu tschuuuuu!“ – da wurde mir doch etwas blümerant! Habe meinem Mädchen das nach oben gefunkt und sie hat gesagt, ich hab die Wahl. Keks essen oder bisschen schneller laufen. Sie wäre für Keks essen aber wenn ich laufen müsste wäre das auch ok. Warte, hast du Keks gesagt? Na dann nehme ich doch den Keks. Als das geschafft war ging es los mit dem Wege suchen. Mein Mädchen hatte wieder diese Stimme in der Hosentasche. Aber die lässt sich immer viel Zeit bevor sie mal Bescheid sagt, also hat mein Mädchen doch dauernd das Handy in der Hand. Aber inzwischen können wir das alles auch so ganz gut. Diesmal hat sie auch nicht nur nach der Karte geschaut, sondern auch noch nach etwas anderem – wir waren nämlich verabredet! Aber davon wusste ich noch nichts. Der Start war etwas holprig, denn immer wenn wir antraben wollten, kamen irgendwelche Spaziergänger mit oder ohne Hund und wir mussten gleich wieder durchparieren. Als wir dann die ersten 4km hinter uns hatten, hab ich von weitem ein Pferd gesehen, das stand da so herum. Das war unsere Verabredung! Eine hübsche Schimmel-Zebra-Stute. Also natürlich nur mit der Decke, kein echtes Zebra. Aber ein echter Schimmel.

Oh hallo! 

Die ist dann gemeinsam mit uns losgezogen. Ich hab ja jetzt schon voll die Übung mit fremden Pferden und hab mich ziemlich gut benommen (sagt mein Mädchen). Erst sind wir Schritt gegangen, aber dann sind wir getrabt. Diego vorne weg, dann ich, dann hinter mir die Stute. Das ging so ganz gut. Nach einer Weile ist die Stute dann vorgegangen. Ui, die hatte aber einen schnellen Zahn drauf da vorn! Die beiden Großen sind mir einfach so davongelaufen. Mädchen, ich glaube wir müssen mal den dritten Gang einlegen um aufzuholen! Ja, ok. Jetzt aber schnell! Nein, nicht so schnell. Doch! Und wenn wir schon im Galopp sind, könnten wir doch auch gleich…. nein, nicht reinrennen, überholen oder sowas. Menno. Nach einer Weile war dann Schritt und die beiden anderen Reiter sind abgestiegen. Mein Mädchen ist sitzen geblieben, weil sie fand, ich hätte wirklich noch genug Energie um sie zu tragen. Nur weil man mal bisschen flitzen möchte, heißt es ja gleich, man sein pubertär! Menno. Kurze Zeit später sind die beiden dann wieder auf ihre Riesen-Rösser gehüpft und weiter ging es im Trab. Schnell, schnell, mein Mädchen, die sind schon um die Kurve! Aber ich war anständig, habe auf das Galopp-Kommando gewartet (wenn auch etwas …. angespannt) und durfte dann immer mal nachgaloppieren. Immer munter weiter, nach einer Weile ist wieder Diego vorneweg gegangen. An einer Kreuzung gab es etwas Konfusion ob es rechts oder links geht, da haben mein Mädchen und ich schnell die Chance genutzt und sind an den beiden vorbei, so dass wir jetzt vorne waren. Aber vorne war mir gar nicht so recht. Fremdes Gelände und jetzt war die Stute ja hinter mir, da kann ich die ja gar nicht mehr sehen! Nein, das wollte ich nicht so gern. Mein Mädchen hat mich angetrieben, aber nach kurzer Zeit hat der Mann gesagt, dass Diego auch nicht mehr so recht traben möchte und wir sind Schritt gegangen.

Die Menschen haben geschnackt, wir sind munter marschiert und mein Mädchen hat sich gefreut, dass mein Schritt noch so flott war. Und dann – dann ist die Stute plötzlich einfach rechts abgebogen und davon getrabt, während wir geradeaus gegangen sind! Na sowas! Da war ich kurzzeitig verwirrt, habe mich aber schnell gefangen. Wir haben noch einen kleinen Galopp versucht, aber Diego mochte nicht mehr so recht. Deswegen haben wir – obwohl wir nur noch gute 3km vor uns hatten, eine schöne Graspause gemacht.

Gemein, wenn man immer sie kürzesten Beine hat!

Danach dachte mein Mädchen, dass wir vielleicht noch etwas traben können, aber leider stellte sich heraus, dass Diego einen leichten Humpelfuß hat! So ein Mist! Also ist der Mann abgestiegen und den Rest des Weges zu Fuß gegangen, während ich mein Mädchen noch getragen habe. Wir waren alle rechtschaffen müde, so viel Wind und Sonne, fremde Wege und ein fremdes Pferd! Aber ich hab trotzdem noch gut zugehört und alles richtig gemacht.

Schließlich sind wir dann wieder an der Wackelkiste angekommen und haben frisches Heu nachgelegt bekommen für die Rückreise. Trotz Diegos leichter Humpelei, von der wir noch nicht wissen, woher sie kommt, sind wir sehr zufrieden mit unserem Ausflug. Meine Fitness ist gut, sagt mein Mädchen, und mein Kopf hat auch gut durchgehalten. Das war ein feiner Ausflug! 17 km haben wir geschafft, in 3 Stunden.

Morgen fällt der Montagsausflug aus, aber mein Mädchen meint, das sei eine gute Gelegenheit, um mal wieder allein loszuziehen. Hoffentlich klappt das endlich mal wieder!

Euer fröhlich ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Gib mal einen Keks!

Eine gut investierte Minute

Unsere Ponys leben schon recht luxuriös. Sie haben ihren Stall und zusätzlich noch unsere kleine Halle, in deren Sandboden mit den vielen Steinen dazwischen sie sich regelrechte „Schlafkuhlen“ bauen – sehr zu unserem Leidwesen. Einen Teil dieser Halle haben wir mit Litze abgezäunt, dort steht die Wippe und der Steg, so können wir beides nutzen ohne auf- und abbauen zu müssen. Wenn ich also ein Pony durch die Hallentür auf den Hof führen will, müssen wir erst durch diese Litze und den „Wippenraum“ um auf den Hof zu kommen.

Für unseren Workshop (ich suche übrigens Versuchskaninchen der 2. Generation…..) haben wir die Litze abgebaut und Steg und Wippe an die Wand geschoben. Stattdessen standen dort Tisch, Stühle und allerhand Equipment. Und da wir das alles noch nicht wieder weggeräumt hatten, haben wir nach dem Workshop die Litze wieder gespannt und alles hinter der Litze stehen lassen, damit die Ponys die Halle wieder nutzen (und neue Schlafkuhlen buddeln) können. Gestern, als ich Duncan zum ausreiten abholen wollte, stand der in der Halle und also habe ich ihn durch die Litze in den „Wippenraum“ laufen lassen – ohne Halfter. Ich habe erst die etwas widerspenstige Litze wieder zugemacht, dann nach meinem Pony gerufen. Komm! Wir wollen doch los!

Aber Duncan wollte noch nicht los. Duncan wollte gern all die Dinge anschauen, die da standen, die sonst nie da stehen. Und wieder mal merkte ich, wie unachtsam wir Menschen oft sind. Es ist doch toll, wenn mein Pony Lust hat, zu gucken, zu schnüffeln, zu betasten und zu erkunden! Diese Neugierde wollen wir doch erhalten! Also habe ich mich von ihm leiten lassen, bin – das Halfter in der Hand – zu ihm gegangen und habe mir mit ihm gemeinsam die Dinge angeschaut. Das hat nicht länger als eine Minute gedauert, aber für mein Pony war es wichtig und offensichtlich hoch interessant. Als er alles angeschaut hatte, drehte er mir den Kopf zu und signalisierte mir, dass er bereit ist, loszuziehen. Ich durfte ihn aufhalftern und er kam selbstverständlich mit auf den Hof.

Später, als wir dann auf unserem Abenteuer-Ritt waren, und ich so manches mal nicht auf Duncans Wünsche eingegangen bin (nein, wir verkosten nicht jede Pfütze, nein, wir bleiben nicht alle paar Meter für ein Maulvoll stehen, nein, wir meckern unser Begleitpferd nicht an, nein, wir gehen jetzt noch nicht Schritt) war ich froh, dass ich vorab die Chance genutzt hatte, ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Es ist eine kleine Geste, aber sie macht einen großen Unterschied, ich glaube wir alle wissen das und haben es schon erlebt. Die meiste Zeit in unserem Zusammensein bestimme ich, was wir tun und lassen. Die kleinen Gelegenheiten zu nutzen, die sich ganz nebenbei ergeben, um ihn bestimmen zu lassen, ist mir wichtig geworden. Es gibt mir – und hoffentlich auch ihm – das Gefühl von mehr Partnerschaftlichkeit. Duncan hat gestern auch in seiner Müdigkeit noch alles richtig gemacht, alle wichtigen Regeln noch parat gehabt und mich noch wahrgenommen, obwohl sein Kopf so voll war mit all den Eindrücken. Im Gegenzug möchte auch ich versuchen, ihn wahrzunehmen, auch wenn ich müde oder unter Zeitdruck bin. Denn oft dauert es nur wenige Sekunden, einen kleinen Wunsch zu erfüllen: kannst du mich da mal kurz kratzen, können wir kurz anhalten damit ich die Fliege wegmachen kann, kann ich da mal eben schnuppern, darf ich einmal schauen bevor ich da weiter gehe. Oder auch die anderen Wünsche, die er äußert: wollen wir ein Stück galoppieren, können wir die Wegseite wechseln, darf ich vorneweg gehen, kann der andere mal vorneweg gehen, muss die Dusche heute sein?

Mit meiner Mitreiterin tausche ich mich darüber aus, wie wir früher gelernt haben, was die Pferde alles nicht dürfen. Weil dieses oder jenes Verhalten bedeutet, sie seien „dominant“ (in meinem Kopf immer übersetzt als „will die Weltherrschaft an sich reißen“). Setz dich durch, der verarscht dich und zeig ihm wer der Boss ist sind Sätze, die wir beide so oder so ähnlich recht oft gehört haben. Ja, ich bin in unserer Beziehung meistens die „Chefin“. Aber ich möchte ein gute Chefin sein, keine Tyrannin. Ich möchte die Persönlichkeit meines Ponys wahrnehmen, seine Stärken fördern. Denn die kleinen Anfragen die er so stellt, nutzen letztlich auch mir: ich lerne z.B. etwas über ihn. Was findet er interessant, worauf hat er Lust, womit kann ich ihn belohnen? Und dieses Anschauen von neuen Dingen ist doch super, wenn wir mal an etwas gruseligem vorbeikommen. Schau es dir an (in seinem Fall heißt das: dran riechen und mit der Nase leicht berühren) um festzustellen, was das ist. Als meine Mitreiterin gestern meinte „es riecht hier nach Wildschwein, oder?“ musste ich zugeben, dass außer nervigem Fliegenspray kein Duft an meine Nase kam. Aber ich war sicher, dass es nicht nach Wildschwein riecht, weil mein Pony nicht reagierte (und ihres auch nicht). Ich weiß, wann es nach Wildschwein riecht, weil mein Pony das anzeigt.

Und da dachte ich gleich wieder an unseren allerersten Spaziergang, auf dem Duncan mich schon gleich eines Besseren belehrt hat: er sieht, hört und riecht Dinge von denen ich keine Ahnung habe. Wenn Duncan also sagt: ich möchte das da anschnuppern, dann darf ich auch mal voller Bewunderung daneben stehen und versuchen zu ergründen – oder auch nur zu erraten – was für Informationen er gerade aufnimmt, die sich mir leider nie erschließen werden.

Es gibt also viele gute Gründe, diese eine Minute zu investieren und meinem Pony die Zeit zu geben, zu schauen. Der wichtigste Grund ist und bleibt für mich aber der einfachste: ich mag mein Pony und ich möchte die Welt mit ihm gemeinsam erleben.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 533

Mein Mädchen hatte einen kühnen Plan für die Woche. Weil sie recht viel Zeit hat, hatte sie eine volle Ausreit-Trainingswoche geplant:

Montag mit dem Ausreitkumpel los
Mittwoch Ausflug mit Sir Willibald
Freitag Ausflug mit Herrn Fjord
Sonntag eine große Tour auf Spezial-Mission mit Diego und dem Mann.

Aber Pläne sind das eine, die Realität ist etwas anderes. Es fing also damit an, dass mein Ausreitkumpel sich einen gelben Schein geholt hat und wir deswegen bereits am Montag mit Herrn Fjord los waren. Das waren recht entspannte 11km durchs wilde Moor. Dann kam die Nachricht, dass Sir Willibald auch nicht ganz auf der Höhe ist. Herr Fjord, dessen Mädchen diese Woche auch viel Zeit hat, bot sich an, nochmal einzuspringen. Und so hat mein Mädchen für heute eine weitere Tour geplant, diesmal durch den schönen Iloo. Da waren mein Mädchen und ich ja schon öfter, aber wir haben noch längst nicht alle Wege gesehen, die es dort gibt. Und jetzt dachte sie, das könnte doch eine gute Möglichkeit sein, um Wege zu testen! Also ging es los. Erst war alles ganz einfach. Dann kamen wir an ein Reitwegeschild, wo mein Mädchen schon länger mal abbiegen und gucken wollte und das haben wir dann auch getan. Herr Fjord ging vorneweg und hat den Weg gesucht durch hohes Gras und Matschlöcher. Das war schon ganz schöne Konzentrationsarbeit! Ich musste zwar nur hinterher gehen, aber trotzdem gut auf meine Hufe aufpassen. Nachdem wir eine Weile so unterwegs gewesen waren, kamen wir an einen Hauptweg und mein Mädchen hat entschieden, dass es mit den abenteuerlichen Strecken jetzt auch reicht und wir lieber auf dem bequemen, breiten Weg bleiben. Zumindest ein Stück, denn dann haben wir noch einen schönen Reitweg entdeckt, der war wirklich gut zu laufen und trotzdem sehr idyllisch. Anschließend ging es im Trab und mit einem kleinen Galopp über bekannte Strecken. Und dann, bei km8, ging das Abenteuer erst so richtig los! Jetzt wollte mein Mädchen nämlich einen Weg finden, von dem ihr jemand erzählt hatte. Gedacht war es so, dass wir schauen ob wir den Weg finden – wenn ja, wären wir dann auf dem Rückweg gelandet, wenn nein hätten wir halt umgedreht, den breiten Hauptweg genommen und den schönen Weg wann anders gesucht. Was aber dann passiert ist, war völlig ungeplant, wir haben nämlich einen wunderschönen Weg gefunden, der aber leider nicht in die richtige Richtung führte! Weil wir immer noch Hoffnung hatten, dass er wohl doch noch mal abbiegt, sind wir munter weiter gegangen. Schließlich hat mein Mädchen dann eingesehen, dass das so nix wird und hat uns an der nächsten Möglichkeit zum abbiegen linksrum gelotst, so dass wir in einem hübschen Kringel wieder dort raus kamen wo wir angefangen hatten mit der Wegesuche. Ja, der Kringel hat sich wirklich gelohnt, es ist total schön da! So hatten wir halt jetzt 2,5km mehr auf dem Tacho, ohne einen Meter näher an unsere Wackelkisten gekommen zu sein. Na sowas! Wir sind dann noch ein Stück weit die schönen Wege neben den Hauptwegen geritten, aber ehrlich gesagt waren wir alle schon etwas matt. Herr Fjord und ich waren kopfmüde, es war schwül-warm, wir haben alle geschwitzt und es bewegte sich kein Lüftchen. Mein Mädchen meinte, wir gehen auf die Hauptwege und sehen zu, dass wir noch traben so weit wir können. Ich natürlich vorne weg. Und los ging es. Was ich nicht wusste: wir hatten noch fast 6km zu schaffen! Und das zog sich. Der Weg geht immer geradeaus und man hat nicht das Gefühl, voran zu kommen. Mein Mädchen hat mich angefeuert und gesagt, dass Schritt gehen einfach keine Option ist, weil es dann viel zu lange dauert. Und dass ich gleichmäßig traben soll, weil das am kräfteschonendsten ist. Puh! Ich habe schon immer mal angemerkt, dass ich müde bin, aber mein Mädchen meinte nur, dass wir alle müde sind und dass das jetzt nix nutzt und es nur schlimmer wird, wenn wir Schritt gehen.

Schließlich mussten wir aber doch durchparieren, weil wir an einem Auto vorbei mussten, das da im Weg stand, und weil da noch ganz viele Rinder waren, das hätte ich im Trab einfach nicht geschafft, das wusste mein Mädchen auch. Danach waren es noch 1,4km und die Mädchen waren sich einig: ein letzter kleiner Trab noch, damit wir schnell wieder an den Wackelkisten sind. Mittlerweile hatten wir 15 km auf der Uhr und als mein Mädchen gesagt hat, ich soll wieder antraben, hatte ich eine eindeutige Antwort für sie: nein. Einfach nein. Vergiss es. Sie hat gelacht und gemeint, das würde wohl nix mehr werden. Aber was soll ich sagen: plötzlich kam Herr Fjord von hinten angetrabt und zog lässig an mir vorbei! Moment mal! Das lasse ich mir ja nun doch nicht bieten. Zack, angetrabt und ihn flugs nochmal überholt. Da hat mein Mädchen nochmal gelacht. Zu guter Letzt haben wir dann doch durchpariert (jetzt war ich wieder im Fluss und hätte noch ein Stück weiter laufen können) und die Mädchen sind abgestiegen. Mein Mädchen hat gejammert, dass alles klebt. Ja danke, bei mir übrigens auch. Eine erste Pulsmessung ergab 76, als wir dann die letzten Meter zu den Wackelkisten gegangen waren, war der schon runter auf 68, damit war mein Mädchen sehr zufrieden. Aus Jux und Dollerei hat mein Mädchen auch Herrn Fjords Puls gemessen, der war auch bei 68.

Ich hab erstmal einen tüchtigen Schluck aus dem Wassereimer genommen und mich dann abschwammen lassen bevor es wieder in die Wackelkiste ging. Ab nach hause!

Kaum waren wir zu hause – Hufschuhe aus und noch eine Dusche für mich – fing es an zu donnern und zu regnen! Da hatten wir aber nochmal Glück mit dem Wetter! „Siehst du“ hat mein Mädchen gesagt „deswegen mussten wir traben“. Dann hat sie mir erzählt wie toll ich das gemacht habe und wie stolz sie auf mich ist. Ich hab ihr gesagt, dass ich sehr, sehr kopfmüde bin, aber auch richtig zufrieden mit mir und der Welt. Und sie war stolz, dass ich auch kopfmüde noch alles richtig gemacht habe.

16,6km in 2h40min haben wir jetzt auf dem Buckel. Und wir haben schöne neue Wege entdeckt. Und das war so viel Abenteuer, das reicht für den Rest der Woche, hat mein Mädchen beschlossen. Wir bleiben jetzt hier zu hause und ruhen uns aus, bis es am Sonntag wieder los geht mit dem nächsten Abenteuer. Ich muss sagen: im Abenteuer liefern ist mein Mädchen wirklich viel besser geworden!

Euer abenteuerlich ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 532

Montagsausflug gerettet! Obwohl mein Ausreitkumpel ja mal wieder einen Krankenschein eingereicht hat, konnten mein Mädchen und ich trotzdem los. Weil ich ja jetzt so groß und erwachsen bin und auch mit anderen Pferden ausreiten gehen kann! Zum Beispiel mit dem Fjord-Pferd. Das haben wir dann heute wiederholt. Man stelle sich vor, Herr Fjord war noch nie in unserem schönen wilden Moor unterwegs! Da wurde es mal Zeit. Also sind wir – jeder in seiner Wackelkiste – dort hingewackelt worden und wurden – jeder an seiner Wackelkiste – gesattelt. Mein Mädchen und ich haben beim Satteln noch nebenbei das Entspannen geübt, wie wir es gelernt haben.

Dann ging es los. Ich hab so getan als wäre alles fein. Aber ganz ehrlich? Bisschen aufgeregt war ich doch. Mein Mädchen hat mich ertappt – einmal wollte ich einfach irgendwo abbiegen und außerdem habe ich verdächtig oft geäppelt. Unsere Mitreiterin meinte, ich würde wohl den Weg markieren, falls es dunkel wird. Eben! Macht Diego ja auch immer! Das ist gar keine Aufregung, das ist reine Pfadfinderkunst! Wir sind lange im Schritt unterwegs gewesen und mein Mädchen hat sich alles von der Seele geredet was bei ihrem Workshop so los war. Das hing ihr ganz schön nach, weil das nicht so war wie sie es sich vorgestellt hatte. Und ihr wisst ja: normal ausreiten können wir nicht. Entweder wir üben was, oder wir sind auf Spezial-Mission, testen Equipment, finden neue Wege. Und jetzt also eine neue Version: therapeutisches Ausreiten. Wir drei – also Herr Fjord, seine Reiterin und meine Wenigkeit – haben uns das alles angehört. Wir Ponys haben uns schweigend unseren Teil gedacht, das Mädchen von Herrn Fjord hat von ihren eigenen Erfahrungen erzählt. Die hat nämlich auch schon viele Kurse und Unterricht gegeben, deswegen kennt die sich da aus. So konnte mein Mädchen all die vielen, wirren Gedanken mal sortieren, die da durch ihren Kopf geflogen sind. Danach ging es ihr gleich besser und dann konnten wir auch ein Stück traben. Erst ich vorneweg, dann haben wir uns mal von Herrn Fjord überholen lassen, um zu sehen, wie ich das finde. Das habe ich ganz lässig hingenommen. Als Herr Fjord dann vorne war, ist er angaloppiert – aber so ganz langsam und gesetzt mit voll viel Würde und Anstand. So langsam kann ich nicht galoppieren, das weiß mein Mädchen. Deswegen sind wir erst noch getrabt, bis wir etwas Abstand hatten und sind dann erst angaloppiert. Das hat die Reiterin des Herrn Fjord irritiert und sie hat durchpariert und nachgefragt ob wir jetzt da sind? Mein Mädchen hat das dann erklärt, dass ich noch nicht so gesetzt galoppieren kann sondern etwas Schwung brauche und Herr Fjord ist einen Hauch flotter galoppiert, so ging es dann für uns auch. Wir haben viel Abstand gehalten, das war meinem Mädchen wichtig. Ich hätte jetzt gern mal etwas Gas gegeben  und auf- bzw. überholt, aber nein, das war nicht erlaubt. Wir haben ein bisschen hin und her diskutiert (ich dachte halt, wenn ich ihr zeige, dass die Bremse funktioniert, darf ich danach schneller laufen, aber nein…. ). Als Herr Fjord nicht mehr galoppieren mochte, weil er aus der Puste war, sind wir dann wieder durchpariert und im Schritt zurück zu den Wackelkisten gebummelt. Mein Mädchen war verdammt stolz auf mich, weil ich wieder alles richtig gemacht habe. So hatten wir einen schönen Ritt als Ersatz-Ausflug!

Unsere Mädchen waren beide super zufrieden, weil wir so Alltags-taugliche Ponys sind. Jeder ist nachher wieder klaglos in seine Wackelkiste geklettert, niemand hat gewiehert, gehampelt oder sich sonst wie aufgeregt und unsere beiden Mädchen finden, das ist etwas ganz wunderbares, das wir das so können! Viel wertvoller als Schleifen zu gewinnen, finden die beiden.

Voll brav sind wir beide

Das wilde Moor hat unseren Begleitern auch gut gefallen, und mein Mädchen freut sich schon darauf, den beiden noch mehr von unseren Lieblingswegen zu zeigen, wenn mal Zeit dafür ist.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (seeeeeeeeehr erwachsen!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 531

Gestern ist der Sonntagsausflug ausgefallen. Mein Mädchen und der Mann haben nämlich einen Workshop gegeben. Da sind 10 Frauen angereist und wollten was über Rhythmus und Timing lernen. Deswegen durften wir Ponys nicht in die Halle. Mein Mädchen war sehr, sehr aufgeregt. Die Menschen sind lustig rumgeturnt und haben ganz schön viel Quatsch gemacht. Ich hab einmal kurz geschaut was die da machen, aber dann beschlossen, dass das nicht so interessant ist wie diese kleinen grünen Hälmchen die diesen Sommer so zahlreich in unserem Paddock wachsen und die so gut sind für die Figur (sieht mein Mädchen anders, aber ich fange schon an, Winterfell zu produzieren, da wird es dringend auch Zeit für etwas Winterspeck!).

Was machen die da?

Als die Menschen genug komischen Kram gemacht hatten, kamen sie noch als Horde in den Paddock. Die eine hatte Knabbereien für uns mitgebracht, aber auch als die weggefuttert waren, sind wir noch ein Weilchen geblieben und haben Klönschnack gehalten. Mein Mädchen war sehr angetan davon, wie gut ich mich benehmen kann zwischen so vielen Menschen. Habe mit allen mal kurz geschnackt, aber niemanden bedrängt. Die eine hat noch ein zartes Küsschen bekommen, die kenne ich aber auch schon, die war schon öfter da (ich küsse ja nicht jede!). Merlin hat sich mit Nachdruck ein paar Bauchkraul-Einheiten eingefordert und wollte sich danach gern die beste Bauchkraulerin aussuchen und hier behalten, aber das hat irgendwie nicht funktioniert.

Besuch vom Fanclub!

Als alle Menschen weg waren, war mein Mädchen komplett platt. Ich hab sie gefragt, ob wir noch was schönes machen können, aber sie hat gesagt, das muss leider warten, weil sie nicht mehr denken kann aber trotzdem noch ganz viel denken muss. Sie fand das alles sehr anstrengend und war auch nicht so zufrieden mit sich – das kenne ich schon, dann braucht sie etwas Zeit um wieder klarzukommen und meine Aufmunterung kommt dann später zum Zuge. Sie geht dann Äppel sammeln, irgendwie hat das therapeutische Wirkung. Deswegen legen wir immer genug parat – für den Notfall! Das Aufmuntern werde ich dann heute machen, zum Glück bin ich inzwischen ja Profi darin, ihre Laune zu verbessern und ihr beim Entspannen zu helfen. Was wir heute machen, weiß ich aber noch nicht ganz genau, denn mein Ausreitkumpel hat sich schon wieder einen gelben Schein geholt und ist nicht für einen Ausflug zu haben! So ein Mist. Mal sehen, welches Alternativ-Programm wir finden.

Euer aufmunternder Sir Duncan Dhu of Nakel

Fitness

Jetzt haben wir es raus: Duncan galoppiert wunderbar gleichmäßig unter mir, völlig entspannt, ein Sprung wie der andere. Ich kann ihn lenken, ich weiß auch, dass ich ihn jederzeit durchparieren kann. (Meine Freundin hinter mir kann das übrigens auch, wenn sie das passende Stimmkommando gibt, pariert Duncan durch). Zwischendurch feuere ich ihn etwas an, damit er im Galopp bleibt. Wo ist die Grenze? Wie weit kann ich ihn treiben, ohne ihn zu überfordern und ohne dass er die Freude am Laufen verliert? Zwischendurch hat er einen toten Punkt. Plötzlich ist er schreckhaft und etwas klemmig und mir ist nicht klar, warum. Aber einige Minuten später ist er wieder da und schlägt noch einen Galopp vor. Langsam entwickelt sich ein neues Verhältnis zwischen uns, eins in dem er weiß, wie er Vorschläge machen kann und ich weiß, was sein Verhalten bedeutet. Immer öfter sage ich ja zu seinen Ideen, weil ich sie gut finde. Er benimmt sich immer so einwandfrei, er hat sich seine kleinen Freiheiten wirklich verdient. Seit wir mit dem Bosal unterwegs sind, bin ich auch nicht mehr so pingelig mit der Försterei unterwegs, so lange er weiter läuft. Er übt also jetzt das Abreißen kleinerer Zweige im Galopp… und es stört mich nicht, weil er es so geschickt macht, dass es eben nicht stört. Auch das Trinken ist für ihn ohne Gebiss so viel leichter, das kommt uns sehr zu Gute wenn wir jetzt so viel galoppieren. Mir tut es gut, mit meiner Freundin unterwegs zu sein. Die hat einfach ganz andere Maßstäbe als ich. Ich selbst reite zum ersten Mal ein Pferd, das Lust hat, so viel zu Laufen. Mein alter Warmblüter ist auch gern gelaufen, aber am liebsten nach hause. Merlin wollte nie wirklich lang ausreiten gehen und Finlay war zwar gerne draußen unterwegs aber nicht so schnell bitte. Duncan dagegen kann gar nicht genug kriegen von unseren Touren. Er läuft gern UND er ist gern draußen. Das einzige was ihn stört ist, wenn er schon alle Wege so oft gelaufen ist. Dann möchte er mal an neuen Stellen abbiegen und die Welt erkunden – eines Tages wird er auch hier gelegentlich selbst entscheiden dürfen (und dann oft erfahren, dass es sich um Sackgassen handelt – was ihn in Anbetracht der Grasmengen, die sich am Ende dieser Sackgassen oft finden, wohl nicht betrüben wird…..).

Während ich also immer Sorge habe, es könnte Duncan zu viel werden, ist das, was wir da an Strecke und Tempo reiten, für meine Freundin völlig normal. Sie ist schon als Jugendliche viele Stunden schnell geritten und ihre Ponys waren immer fit. Als ich sie kennenlernte, war es für sie die normale Sonntags-Kutschtour 20-25km im Trab. Und ihr kleines Pony ist die 28km Distanzritt mit Finlay im Reisegalopp gelaufen während Finlay mit seinen längeren Beinen nebenher getrabt ist. Sie hat nicht die Vorstellung die in meinem Kopf herum geistert, dass mein Pony plötzlich völlig überfordert oder überhitzt sein könnte und Kreislaufprobleme kriegt oder einfach total erschöpft ist und nie wieder ausreiten gehen will. Sie schaut Duncan kurz ins Gesicht, fängt an zu lachen und sagt „dem geht´s prima“.

Duncan ist vor und nach solchen Ritten oft sehr ruhig. Er wirkt dann auf mich manchmal müde, aber ich muss lernen, dass das nicht stimmt. Er ruht in sich und vergeudet keine Energie mit hampeln oder auch nur erhöhter Aufmerksamkeit. Immer öfter schafft er es, von tiefenentspannt stehen und gesattelt werden direkt in flottes Laufen umzuschwenken und von da direkt wieder in die Entspannung. Eine wertvolle Fähigkeit und ich arbeite daran, das noch auszubauen, so dass es dann auch mit fremden Pferden in fremder Umgebung entspannt bleibt. Aber jetzt frage ich mich vor und nach dem Ritt manchmal ob es ihm gut geht, weil er so still ist. Dann muss ich über mich selbst lachen. Viele Reiterinnen würden mich beneiden um diese Eigenschaft meines Ponys. Und wenn es wirklich mal auf Distanzritt geht, kommt noch genug Aufregung dazu, da ist es gut wenn er diese Grundentspannung mitbringt.

Was mir auch noch völlig fehlt an Informationen ist die Sache mit der Müdigkeit. Wie müde ist er, wenn er langsamer wird? Kommt da nochmal was, ist da noch Reserve oder ist er dann am Ende seiner Kräfte angekommen? Ich möchte so gern gut auf mein Pony achten, aber ich möchte ihn auch herausfordern, weil ich weiß, dass er das mag. Und ich möchte ja auch demnächst mal auf Distanzritt – wann auch immer dieses „demnächst“ sein wird. Wieder muss ich über die Distanzreiter lachen, die sagen „jedes normal gerittene Pferd kann einen Einführungsritt gehen“. Wann ist mein Pony denn normal geritten? Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass er das schaffen kann. Ich habe ihn nach unseren 14,4 km gesehen, ich kann mir nicht vorstellen, dass er nächste Woche die doppelte Strecke schaffen würde. Ist er also immer noch nicht „normal geritten?“ Oder liege ich total falsch und er könnte das ganz entspannt schaffen, wenn ich nicht so ein Helikopter wäre? Ich werde es nicht ausprobieren. Erst werde ich unsere Strecken weiter steigern. Ich hoffe nach wie vor, dass wir bald allein ausreiten können, aber irgendwas kommt mir immer dazwischen, das Wetter, die Zeit oder mein Energielevel. Aber immer auf Begleitung angewiesen zu sein ist auch enorm bremsend, denn es bedeutet meistens auch mit dem Anhänger los zu fahren und da gehen schnell ein, zwei Stunden mehr ins Land als wenn man einfach von zu hause losziehen kann. Dieses Jahr war schon wieder so zerstückelt, als wir gerade angefangen hatten mit unseren Ausritten, fing der Ausreitkumpel an zu lahmen und Diego war krank. Wochen sind ins Land gegangen bis mal wieder irgendetwas passiert ist was Richtung Training ging. Also hoffe ich wieder, dass es nächstes Jahr besser wird. Immerhin haben wir doch auch schon einiges von unserer Liste abgehakt: erste Ausritte mit anderen Begleitpferden als den bisher bekannten hat Duncan mit Bravour gemeistert. Das erweitert unsere Möglichkeiten schon mal.

Derweil beobachte ich Duncan jetzt nochmal neu, denn vielleicht ist er jetzt – über ein Jahr nach der Kastration und mit fast 6 Jahren – ungefähr so, wie er eben als erwachsenes Pony sein wird. (Ich vergesse ja oft, wie jung er eigentlich noch ist). Und das heißt ich kann jetzt rausfinden, wann er gut drauf ist, wann er zu viel oder auch mal eher wenig Energie hat. Wann er viel Arbeit will und braucht und wann Pausenzeiten sein können und sollen. Im Moment ergibt es sich, dass wir wenig auf dem Platz machen, dafür aber ständig unterwegs sind – zum Ausreiten, zum Kurs, für Spezialtraining und zum „extra“ Ausreiten mit anderen Pferden. Vielleicht gönnen ich uns eine Auszeit vom Platz, auf dem wir noch genug Zeit verbringen werden. Im Moment ist er nur immer noch so schief, dass ich denke wir müssen da ab und zu ein bisschen ran. Ich bin in all diesen Dingen noch unsicher und denke an eine Reiterin, die ich in einem Podcast über die TransGermania gehört habe – ein Distanzritt über 21 Tage mit Tagesetappen von 60 km. Theoretisch darf man dort mit einem 7jährigen Pferd starten, aber Tatiana Peter sagt im Interview, sie glaubt kaum, dass man ein so junges Pferd schon gut genug kennen könne um so einen Ritt anzugehen (ganz abgesehen von körperlichen Trainingsfragen). Das fand ich eine tolle Aussage, weil ich mir schon langsam ein bisschen blöd vorkomme wenn ich denke, wie wenig ich immer noch über mein Pony weiß. Wie viele Fragen ich noch habe, wie oft ich noch nicht weiß, warum er heute so drauf ist und morgen so, an welchem Tag ich mit welchem Verhalten rechnen muss.

Wir bleiben dran – sowohl an der Fitness, als auch am Kennenlernen. Vielleicht bin ich nächstes Jahr schon schlauer – oder es passieren dann wieder unvorhergesehene Dinge. Vielleicht ist nächstes Jahr dann ja endlich das Jahr des alleine Ausreitens und das Jahr unseres ersten Distanzrittes. Denn auch das habe ich von den Distanzreitern gelernt: Fitness kommt nicht in einer Saison, sondern wird über viele Jahre aufgebaut. Wie immer in der Pferde-Ausbildung gilt es also, langfristig zu planen und Geduld zu haben.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 530

Montagsausflug! Wackelkiste, Ausreitkumpel abholen und wo geht es diesmal hin? Ah, die selbe Stelle wie letzten Montag. Alles antüddeln – diesmal habe ich noch mehr Fliegenbimselbamselgebämsel ins Gesicht bekommen. Weil die Bremsen immer an meine Nase wollen! Das war ein neuer Versuch meines Mädchens und letztendlich hat es sich auch bewährt, aber vorerst musste es mal festgemacht werden. Als das geschafft war, ging es endlich los. Ich habe mir eine neue Sache angewöhnt, die mein Mädchen sehr clever findet, nämlich das Pieseln VOR dem Aufsteigen zu erledigen. Dafür gibt es sogar einen Keks! Sonst habe ich ja damit immer gewartet bis sie aufgestiegen war und bin dann mit ihr gemeinsam in den Busch gewandert – ich möchte es ja immer gern abenteuerlich haben für mein Geschäft.

So, das hätten wir, ich bin parat! Los ging es auf den selben Wegen wie letztes Mal. Hoppi galoppi! Im Grunde wussten wir ja nun wo es lang geht, aber mein Mädchen hatte trotzdem die Stimme in der Tasche an. Die Stimme kennt die geplante Route und sagt sie uns dann vor. Leider weiß sie manchmal nicht genau, wo wir gerade sind. Dann sagt sie „Du verlässt die Route, die Route liegt 40 Meter rechts von Dir“ und mein Mädchen anwortet „40 Meter rechts von uns liegt vielleicht die nächste Moorleiche, aber nicht unsere Route du Dummerchen“. Oder die Stimme in der Tasche gibt lustige Anweisungen wie „der Straße weiter folgen, dann noch 150Meter geradeaus“. Das findet mein Mädchen immer sehr amüsant und fragt sich, was sie damit meint. Eigentlich erwartet mein Mädchen immer, dass die Stimme in der Tasche eines Tages sagt „Mach deinen Sch… doch alleine, du hörst doch eh nie auf mich!“ aber bisher ist das nicht passiert.

Durch den abenteuerlichen Grasweg (schnell! Bevor die Hirschlaus uns erwischt!) dann den langen, langen Plattenweg im Galopp (hier üben wir jetzt, ein gleichmäßiges Tempo zu halten), dann den zweiten Grasweg. Diesmal ohne verreiten. Und wir wussten ungefähr noch, wo das Matschloch ist. Mein Mädchen hat mich links drum rum gelenkt, ich wollte viel Abstand nehmen, aber sie lieber nicht, falls auf der linken Seite doch gleich das Moor anfängt. Haben wir geschafft, da schimpft es hinter uns schon wieder – mein Ausreitkumpel hatte einen SEHR großen Bogen um das Loch gemacht. Naja, zum Glück war da kein Moor und wir mussten weder Schuhe suchen noch sonst irgendwas.

Schnell wieder traben, wegen der Hirschlaus! Dann wieder raus aus dem Weg und ein Stück die Straße bis zu der Ecke wo wir wieder auf den Startweg abbiegen. Ich war etwas ermattet, mein Blutzucker war doch sehr gesunken, also hat mein Mädchen eine Graspause vorgeschlagen und meinen Puls gemessen, weil sie sich ja schon wieder Sorgen gemacht hat. Mein Puls war kurz über 80. Jetzt stellte sich beim Grasen heraus, dass das zweite Fliegenbimselbamselgebämsel sehr hinderlich beim essen ist. Also hat mein Mädchen das abgebaut.

Fliegengebämsel wieder anbämseln. Da ist noch Verbesserunsbedarf.

7 Minuten später hat sie wieder Puls gemessen: 64. Damit war mein Schicksal besiegelt, denn so hat sie beschlossen, dass wir die kleine Erweiterung noch reiten können, die wir letzte Mal ausgelassen hatten. Letzte Woche waren 11,4km geplant, weil wir uns verritten hatten, wurden es aber 12,5km. Diese Woche hat mein Mädchen beschlossen, dass wir ein bisschen steigern können. Also sind wir da, wo wir sonst links abbiegen, nochmal geradeaus weiter getrabt. Äh, Mädchen, wollten wir nicht abbiegen? Nein, wollten wir nicht. Puh, nun wurde mir etwas matt. Ich bin zwar weiter gelaufen aber ich hab mir doch überlegt, mir meine verbleibende Kraft gut einzuteilen – was weiß ich was die Menschen noch so vor haben! Das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte, dass der ja auch nochmal vorneweg gehen und Verantwortung übernehmen könnte. Aber während er das wohl klaglos tut, wenn sie mit anderen Pferden ausreiten ist, möchte er das bei mir nicht. Er möchte hinter mir laufen und nicht denken. Und also hat er sich eine gute Taktik überlegt, wie er das mit dem Überholen verhindern kann: er drängelt dann so seitlich in mich rein und geht allen gehörig auf die Nerven, während er sich standhaft weigert, zu beschleunigen. Sollte er doch mal weiter nach vorne kommen, weil ich langsamer werde, wird er sofort selbst auch langsamer. Schließlich hat sein Mädchen es aufgesteckt und wir haben es alle so akzeptiert wie es es: ich vorneweg, Ausreitkumpel hinterher. Der Vorteil ist: ich bestimme das Tempo. Und mein Mädchen hat mich dann so traben lassen wie ich wollte, das war nicht mehr so schnell aber immer noch schön gleichmäßig.

Schließlich kam die Wackelkiste in Sicht und wir sind Schritt gegangen. Mein Mädchen ist abgestiegen und ich bin müde neben ihr her geschlurft. Am Anhänger wieder Puls messen (gute 80), dann abwaschen (das war ganz schön warm gestern!), Fliegendecke anziehen, wieder Puls messen (60) und ab nach hause. Schön war das, auch wenn ich echt müde war. Aber ihr wisst ja, ich mag das, mich richtig auszutoben. 14,4km hatten wir nachher auf der Uhr, davon 3,2km im Galopp und 9,4km im Trab. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit war mit 9,2km/h wirklich zügig, da kann man nicht meckern! Jetzt hab ich mir aber wirklich eine kleine Pause verdient.

Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 529

Also eigentlich wollten wir ja letzten Sonntag auf Spezial-Mission. Da war es dann aber zu heiß. Deswegen haben wir die Spezial-Mission auf diesen Sonntag verschoben. Aber irgendwie ist da doch der Wurm drin! Gestern abend ist an Diegos Huf nämlich ein großes Stück abgebrochen. Da war das alte Hufgeschwür aus dem letzten Herbst, das am Kronsaum aufgegangen war und jetzt runter gewachsen ist. So weit, so gut, aber an dem Spalt ist jetzt Horn weggebrochen. Es stört Diego zum Glück nicht, aber die Menschen wollten lieber nicht das Risiko eingehen, dass wir dann in einem fremden Wald weit weg von zu hause sind und es Diego nach ein paar Kilometern vielleicht doch stört. Also musste – mal wieder – Plan B her.

Mein Mädchen hatte aber noch ein paar Wege auf ihrer Liste, die sie sowieso testen wollte und also sind wir doch auf eine Art Spezial-Mission gegangen, nur halt mehr in der Nähe und mit Abkürzungs-Option für den Notfall. Ab in die Wackelkiste und los ging es. Normalerweise plant mein Mädchen ja immer alles minutiös vor, aber jetzt war halt mal Spontanität angesagt. Erste Frage: wo parken wir die Wackelkiste? Da war nicht so richtig ein guter Platz. Aber neben einem Bauernhof war ein schönes Plätzchen. Und weil da gerade Leute auf dem Hof waren, hat der Mann freundlich gefragt, ob wir da parken dürfen. Das durften wir. Dann wurde gesattelt (ich mit kleinen Entspannungseinheiten zwischendurch, so wie wir es bei unserem Spezialtraining am Mittwoch gelernt haben) und schließlich ging es los. Einmal die Runde herum, Wege gucken. Die Wege da sind ganz schön, es war windig, etwas schattig und so gut wie fliegviechfrei, was sehr angenehm war. Wir sind viel Schritt gegangen, aber ein kleiner Trab oder Galopp zwischendurch war auch drin. Einmal, als mein Mädchen und ich gerade munter vorneweg unterwegs waren, hörten wir einen Trecker. Mein Mädchen hat mich durchpariert und da kam das riesige Geschoss auch schon von rechts um die Ecke! Das war so groß, dass mein Mädchen Angst hatte, dass der Fahrer uns nicht sieht. Sie hat wild gewunken und er hat dann angehalten und ist ein paar Meter rückwärts gefahren, damit wir vorbei konnten. Ich habe derweil nicht mit der Wimper gezuckt. Keks! Mein Mädchen war schon wieder sooooo stolz auf mich, weil ich das so toll gemacht habe. Kann ich!

Weiter ging es und schließlich kamen wir von der anderen Seite wieder an dem Hof an dem wir geparkt hatten. Der Mann fragte sich, was die da bauen und hat dann einen Klönschnack angefangen. Die Menschen dort haben auch Pferde und so kamen wir ins Gespräch. Die Frau die dort wohnt war ganz angetan, dass Diego und ich alles ohne Gebiss machen – klar, wir sind doch die besten Ponys der Welt!

Als wir genug geschnackt hatten (ich habe mir derweil ein kleines Nickerchen gegönnt und musste erst mal wieder aufwachen) ging es weiter. Und zwar einfach ganz geschmeidig an der Wackelkiste vorbei! Diego war nicht 100% überzeugt davon, mir war das egal. Da waren nämlich noch zwei Wege zu testen, also sind wir nach der größeren Runde jetzt einfach noch eine kleinere Runde geritten, damit wir alle Wege abgeklappert haben. Uns Ponys war es recht und so sind wir insgesamt auf 9,5km gekommen. Diego ist gut gelaufen und sein Huf hat ihn gar nicht gestört, das hat die Menschen sehr gefreut. Aber lieber einmal zu vorsichtig als nachher dumm aus der Wäsche gucken. Und so hatten wir ja nun trotzdem einen schönen Ausritt.

Jetzt weiß mein Mädchen, welche Wege sich lohnen und welche nicht und im Gespräch mit der netten Hofbesitzerin hat sie auch noch wieder eine Idee bekommen, wie sie mal ein paar Wege zusammensetzen könnte zu einem Tagesritt. Nur dass wir dann den Tagesritt halt auch mal machen müssten, da scheitert es ja im Moment immer an irgendwas. Aber es wird schon noch klappen, sagt mein Mädchen. Bis dahin trainieren wir fleißig, damit wir dann den Ritt auch schaffen.

Euer Wege-erkundender Sir Duncan Dhu of Nakel (Foto machen hat mein Mädchen einfach vergessen. Lasst eurer Fantasie freien Lauf!)

Spezial-Training

Wie Duncan Euch gestern schon berichtet hat, waren wir mal wieder auf spezieller Übungs-Mission. Manche werden mich deswegen vielleicht belächeln. Ja, ich habe einen ganzen Nachmittag investiert, bin viele Kilometer mit dem Anhänger gefahren und habe Unterricht genommen, in dem ich nichts anderes getan habe, als mein Pony auf- und wieder abzusatteln. Wohlgemerkt: mein sehr, sehr artiges Pony. Mein Pony, das ohne Geschrei, Gezappel und Gerenne an einem völlig fremden Ort vom Anhänger steigt, sich dort anbinden lässt, sich alles antüddeln lässt. Ohne sich viel hin und her zu drehen, zu scharren, zu wiehern oder was es sonst noch so an Optionen gibt (worauf ich schon verdammt stolz bin, ehrlich gesagt). Warum also die Übung? Weil ich ihn gern entspannter hätte. NOCH entspannter.

Auf der Rückfahrt fiel mir im Gespräch mit Arnulf auf, wie meine Vorstellung davon, was es heißt, mit Pferden zu arbeiten, sich von Grund auf verändert hat in den letzten Jahren. Irgendwie ist es in unserer Welt meistens so, dass wir Dinge von den Pferden verlangen. Freundlicher oder weniger freundlich, aber das Pferd soll dieses, jenes oder selles für uns tun. Dabei übersehen wir gerne mal, dass WIR diejenigen sind, die in der Bringschuld sind. WIR haben uns entschieden, ein Pferd zu kaufen. WIR haben entschieden, dass wir dieses Pferd reiten/fahren/longieren/putzen wollen. Und weil wir das Pferd bei uns haben, müssen wir auch dafür sorgen, dass es sich z.B. die Hufe bearbeiten lässt. Es ist nicht der Job des Pferdes, sich die Hufe machen zu lassen, es ist unser Job, das Pferd in die Lage zu versetzen und zu motivieren, sich die Hufe bearbeiten zu lassen. Und glaubt mir, in 25 Jahren als Hufpflegerin habe ich nicht viele Menschen gesehen, die wirklich nach diesem Grundsatz handeln. „Das kannst du jetzt mal machen“, „jetzt halt doch mal still“ und „stell dich nicht so an“ sind Sätze, die uns allzu schnell über die Lippen kommen – ich nehme mich da nicht aus. Wenn ich komme und eine Arbeit zu erledigen habe, werde ich auch kurzfristig erstmal sehen, dass ich diese Arbeit erledigt kriege. Langfristig wäre es die Aufgabe der Besitzerin, dafür zu sorgen, dass ihr Pferd besser steht – was auch immer das im individuellen Fall erfordert. Vielleicht sind es diese Jahre der Hufbearbeitung, die mich nach und nach sensibilisiert haben und in denen ich verstanden habe, wie verdreht und verkehrt unsere Sicht auf diese Dinge ist.

Wenn ich also mit meinem Pony bestimmte Dinge tun will, ist es mein Job, mein Pony darauf vorzubereiten. Und mein Anspruch ist gestiegen: es reicht mir nicht, dass mein Pony sich richtig verhält, ich möchte, dass er sich auch wirklich wohl fühlt. Das wird nicht immer und überall möglich sein und Herausforderungen gehören zum Leben dazu. Aber ich möchte ihn nicht ständig überfordern, nur weil er so artig ist und sich so sehr bemüht. Gerade weil er sich so viel Mühe gibt, alles richtig zu machen, hat er nicht verdient, unter latentem Dauerstress zu stehen. Leider sehen immer noch viele Leute diesen Stress bei ihren Pferden nicht. Das ist keine böse Absicht, sondern mangelnde Ausbildung und zu niedriger Standard. Ich bin nun immerhin so weit, dass ich es sehe. Der nächste Schritt ist, dass ich noch besser lerne, wie ich dem Pferd helfen kann, aus diesem Stress raus zu kommen.

Früher war Wiederholung das Mittel der Wahl. Wiederholen und hoffen, dass das Pferd von allein besser klar kommt. Und natürlich ist das immer noch besser als Druck ausüben oder das Pferd einfach unverhofft und ungeübt in alle möglichen Situationen zu bringen. Aber heutzutage wissen wir so viel mehr über Pferde. Es gibt so tolle Ausbilder rund um den Globus, die uns lehren, wie wir den Pferden helfen können. Wir müssen nicht mehr stumpf wiederholen, wir können aktiv dazu beitragen, die Dinge zu verbessern. Und das ist doch toll! Ja, es erfordert von uns Menschen nochmal mehr Aufmerksamkeit. Nochmal mehr Mitdenken, mehr Mühe geben, mehr lernen. Aber die Belohnung ist ein wirklich entspanntes, zufriedenes und glückliches Pferd und eine Beziehung die viel tiefer geht als alles was wir bisher so kannten.

Heutzutage gibt es für fast alle Themen die passenden Spezialisten. Und dank Internet kann man die auch finden. Man braucht nicht – wie vor 30 Jahren – den einen Reitlehrer vor Ort, der dann alles können soll. Man kann sich den Menschen suchen, der sich mit dem Thema, das man gerade am Wickel hat, ständig beschäftigt und gut auskennt. Und genau das habe ich getan. Während ich bei Alex Zell auf dem Kurs etwas über Balance, Rotationen und Rinderarbeit lernen kann, meinen Sitz und meine Einwirkung verbessere und ganz nebenbei das Hufschuhproblem löse, war ich diesmal bei Jule Liebelt und habe unter ihrer Anleitung Entspannung beim Satteln in fremder Umgebung geübt. Weil ich weiß, dass Jule sich viel mit diesen Dingen auseinandersetzt, viel von Elsa Sinclair gelernt hat und selbst auch Ponys hat, die im Ausdrucksverhalten nicht so weit weg von Duncan sind. Ausbilder, die vorwiegend mit iberischen oder arabischen Pferden zu tun haben, können die Ponys oft nicht gut lesen und kennen sich da nicht so aus. Mein artiges, äußerlich ruhiges Pony zu verstehen, erfordert eine andere Expertise. Das eine ist nicht schlechter als das andere, es ist eine Frage von Spezialisierung. Und heutzutage ist es zum Glück so, dass viele Ausbilder sich stark spezialisiert haben und in ihrem Gebiet richtig, richtig gut sind.

Weder als Ausbilderin noch als Pferdebesitzerin muss ich alles können und wissen. Ich muss nur wissen, wen ich fragen kann und wer mir helfen kann. Aber allem voran muss ich merken, wenn ich ein Problem habe oder etwas für mein Pony noch besser werden könnte. Und noch einen Schritt davor ist es an mir, zu erkennen, dass das MEINE Bringschuld ist. Wenn mein Pony sich nicht so verhält, wie ich das gerne hätte, ist das nicht die Schuld des Ponys. Letztlich, konsequent zu Ende gedacht, ist es immer der Mensch, der in der Verantwortung ist. Das heißt nicht, dass so ein Pony nie Schabernack macht (gerade Ponybesitzerinnen wissen, wie viel Freude manche Ponys daran haben). Aber ich muss erkennen, wann es Schabernack ist und wann es was zu üben oder ein Problem zu lösen gibt. Und ich muss lernen, auch mit dem Schabernack so umzugehen, dass langfristig etwas vernünftiges dabei heraus kommt. Was dieses vernünftige ist – das entscheidet jede Pferdebesitzerin für sich selbst und möglichst im besten Sinne auch für ihr Pony.

Und wenn es gut läuft, dann habe ich nachher ein Pony, das in jeder gegebenen Situation gut klar kommt, entspannt ist und Spaß hat am gemeinsamen Tun. Diese Ponys fallen nicht vom Himmel, es ist unsere Aufgabe, ihnen zu ermöglichen, ihr bestes Selbst zu werden. Und wenn das bedeutet, dass ich satteln in fremder Umgebung übe, dann habe ich mein Geld und meine Zeit gut investiert. Und die Erfahrung lehrt, dass die, die mich jetzt dafür belächeln, in ein paar Jahren neidisch sein werden.