Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 25

Das war schön heute!

Heute war ich wieder mit meinem Mädchen spazieren. Der Mann war auch mit, aber kein anderes Pony. Und ich war ganz entspannt und gut gelaunt. Ich weiß ja jetzt welchen Weg wir immer gehen und dass wir auch wieder nach hause kommen. Mein Mädchen war sehr zufrieden mit mir. Ich war aber nicht so ganz zufrieden mit ihr, sie hat sich nämlich schon wieder eine neue Regel ausgedacht. Wenn wir an eine Stelle mit schönem Gras kommen muss ich mich GLEICH gut benehmen. Wenn ich ziehe oder schubse geht sie einfach an dem schönen Gras vorbei und lässt mich nicht davon naschen! Was soll das denn nun wieder? Sie hat gesagt, ich wüsste doch wie es geht und ich sollte es halt richtig machen. 2. Chance gibt es nicht mehr. Sie sagt, bei der nächsten Grasstelle ist dann die nächste Chance. Och menno! Ich finde das gemein, dass sie immer die Regeln aufstellen darf. Sie sagt, das ist so, weil sie mein Futter bezahlt. Na da müssen wir aber direkt mal über die Mengen reden die ich bekomme! Außerdem könnte ich prima für mich selbst sorgen, wenn nicht überall Zäune wären. Aber mein Mädchen sagt, das wäre sehr gefährlich für mich, weil hier so viele gefährliche Sachen sind. Menschen vor allem. Auf Rädern. 2 oder 4 sind es meistens. Räder – nicht Menschen. Aber sie sagt auch, das allergrünste grüne Gras soll ich jetzt auch nicht essen. Das wächst in Reih und Glied auf ganz großen Flächen und sieht sehr lecker aus. Aber mein Mädchen hat mich nicht kosten lassen, sie sagt, das sei ganz ungesund. Es ist gar kein Gras, sagt sie. Und es ist manchmal voller Gift. Oje, Ihr Menschen macht komische Sachen. Warum ist Gift auf dem Grün?

Übrigens ist da noch eine Sache die ich mal fragen muss. Manchmal wenn wir spazieren gehen bleibt mein Mädchen plötzlich stehen und hebt etwas auf. Dann schüttelt sie ihren Kopf und ist traurig. Sie hat gesagt, das was sie da aufsammelt, ist Euer Müll. Aber warum liegt der da draußen herum? Das versteht mein Mädchen auch nicht. Sie sagt, wenn ich bald gelernt habe, eine Tasche zu tragen, können wir noch mehr davon einsammeln. Ok, dabei helfe ich ihr gerne. Erstens gibt es nämlich Kekse wenn ich warte bis sie den Müll eingesammelt hat und zweitens will ich ja auch keinen Müll in meinem Essen liegen haben. Ihr etwa?

Liebe Menschen, nehmt Euren Müll doch mit nach hause. Ich weiß auch wo er hingehört: in die Monster die manchmal am Wegesrand stehen. Es sind sehr hungrige Monster die sehr gern Müll fressen. Ich weiß aber inzwischen dass sie keine Ponys fressen und habe keine Angst vor ihnen. Im Gegenteil: ist doch gut wenn einer den Müll frisst. Also total nett, diese Monster.

Heute hat sie nur wenig mitgenommen weil sie keine große Tasche hatte. Aber zum Schluss hat mein Mädchen sogar noch eine Tüte gefunden um alles rein zu tun. Das ist doch verrückt!

Und wenn einer von Euch mal Müll verliert, kann der nächste es ja mitnehmen. Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Ritter der – wie ich bald – den Müll nach hause trägt.

Danke!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 24

Liebe Menschen,

wie Ihr wisst, bin ich Ritter (in Ausbildung). Aber ich bin auch Forscher. Ich erforsche die Welt, die Menschen im Allgemeinen und ganz besonders erforsche ich mein Mädchen.

Mein Mädchen ist ein sehr interessantes und lohnendes Forschungsobjekt. Bei sorgfältiger Methodik springt einiges für mich dabei heraus. Folgende Fragen treiben mich um:

Wie genau komme ich am besten, schnellsten und elegantesten an den Keks in ihrer Tasche?

Wie genau kann ich bewirken dass sie mich grasen lässt?

Was genau muss ich tun damit sie mich an den richtigen Stellen kratzt?

Das sind die Hauptpunkte meines Forschungsprojekts. Natürlich ließe sich das jetzt noch beliebig im Detail ausführen. Stattdessen möchte ich es etwas anschaulicher gestalten und Euch eine Sequenz aus meinem derzeitigen Unterprojekt zeigen: was ist zu tun wenn sie mich ruft und welche Konsequenzen haben verschiedene Verhaltensweisen meinerseits.

Hier ein paar Versuche die ich dazu durchgeführt habe.

Fehlversuch. Ich erspare euch das darauf folgende Drama…. nur so viel: Sie hat mich erfolgreich vom Grasen abgehalten!
Das Ganze einmal als Testlauf: ignorieren und weggehen hat unangenehme Konsequenzen, Kommen löst das Problem schnell und einfach
Das hier ist wohl die optimal- Lösung. Sie war danach sehr lieb und ich durfte noch eine lange Zeit in Ruhe grasen.

Die endgültige Auswertung der Ergebnisse steht noch aus. Ich muss noch einige Gegenproben machen um meine Ergebnisse zu verifizieren. Zusammenfassend kann ich aber schon sagen: mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es schlauer, sofort zu ihr zu gehen wenn sie mich ruft. Derzeit experimentiere ich noch mit der Frage ob schnelleres Kommen sich lohnt und wie dicht ich ihr dann kommen sollte. Dazu erfordert es noch eine feinere Abstimmung der Experimente.

Ihr seht: ich habe eine Menge zu tun. Und das ist ja nur ein winziger Teil meiner Forschungsarbeit! Mein Klemmbrett füllt sich dieser Tage recht schnell mit neuen Notizen und Ideen. Ihr erinnert Euch? https://wordpress.com/block-editor/post/schotten-pony.com/282

Also, Ihr Lieben, ich muss meine Forschung vorantreiben. Bis bald und bleibt gesund!

Euer (Achtung, lustiges Wortspiel) Forscher-Ritter Sir Duncan Dhu of Nakel

Das Pony das ich habe

Letzten Freitag war Finlays Geburtstag. 9 Jahre wäre er alt geworden. Ich hätte diesen Tag mit ihm gefeiert, Fotos gemacht und Euch von seinen Fortschritten und unseren Träumen und Zielen berichtet. Ich wäre traurig gewesen, weil der Distanzritt, für den wir trainiert hätten, ausgefallen ist wegen Corona. Aber ich wäre froh gewesen, Finlay in meinem Leben zu haben, hätte von Distanzritten im Herbst oder nächstes Jahr geträumt und dafür trainiert.

Vor 9 Jahren habe ich Finlay kennengelernt. Da war er 4 Tage alt und ich wollte gar kein Nachwuchspferd kaufen – noch nicht. Und ich wollte sowieso garantiert kein Fohlen von Finlays Mama, die war nämlich nicht mein Fall. Die Züchterin von Finlay war meine Hufpflegekundin und ich wollte sehr wohl ein Fohlen aus dieser Zucht aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt und eben schon gar nicht aus dieser Stute. Finlay hatte aber andere Pläne.

Als wir Finlay kennengelernt haben, dachten Arnulf und ich, dass er ein rechter Quatschkopf ist. Seine lustigen Verhaltensweisen, wegen derer ich mich so in ihn verliebt hatte, schienen darauf hinzuweisen. Interessanterweise kann ich rückblickend sagen dass das eine Fehlinterpretation war. Finlay war eigentlich kein Quatschkopf – jedenfalls kein großer. Aber er war ein Pony das immer mal ganz andere Lösungen für Probleme fand als andere Ponys. Noch Heu in der Karre, der Hals zu kurz, der Weg außenrum zu lang? Kein Thema, einfach mit den Vorderhufen in die Karre steigen.

Finlay mit 2 Jahren. Er hatte immer seine eigenen Problemlösungsstrategien.

Finlay war kein einfaches Pony. Ich habe oft gesagt, wenn er bei Anfängern gelandet wäre, hätte das böse schiefgehen können. Das lag vor allem daran, dass er so unglaublich wenig Mimik hatte. Irgendwie sah er immer gleich aus und es hat lange gedauert, bis ich einigermaßen einschätzen konnte, was in seinem Kopf vor sich ging. Oft sah er aus als würde er schlafen, aber er hat alles mitbekommen und sich seinen ganz eigenen Reim darauf gemacht. Finlay hat auch nie groß verhandelt. Er hat selbst entschieden was richtig ist und meine Meinung war ihm öfter mal egal. Er fand es trotzdem toll, wenn ich ihn toll fand. Er war nur nicht bereit, seine eigene Meinung dafür aufzugeben.

Mit Finlay hatte ich eine magische Verbindung, direkt von dem Moment an als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Und dann hatten wir diese Jahre zusammen, in denen wir uns so gut kennengelernt haben, so viel erlebt haben, so sehr zusammengewachsen sind. Finlay war nie wirklich „süß“ oder „lieb“. Er war raubeinig und direkt, immer absolut ehrlich und wenn ich Fehler gemacht hatte, musste ich erst Abbitte leisten und zeigen dass ich es besser kann, bevor er wieder mit mir gearbeitet hat.

Und jetzt ist da Duncan. Die Umstände, die Art und Weise wie er zu mir gekommen ist, macht mir manchmal das Leben schwer. Manchmal ist es einfach ganz falsch, dass er hier ist, wo mein Finlay sein müsste. Manchmal ist es ganz falsch, dass ich ihm noch nicht so recht traue, ihn noch nicht gut genug kenne. Und es ist ganz falsch, dass er so klein ist, wo mein Finlay doch so groß und stark war.

Aber er ist das Pony das ich habe und Finlay ist nicht mehr da.

Neulich sprach ich mit meiner Schülerin darüber: wir können uns ein Pferd kaufen, weil wir uns verlieben und dann dieses Pferd so nehmen wie es ist und die Dinge mit diesem Pferd machen an denen das Pferd Spaß hat und die es gut kann. Oder wir kaufen uns ein Pferd, weil wir bestimmte Dinge tun wollen. Dann müssen wir uns eben das passende Pferd dafür suchen. Das eine ist nicht besser als das andere, wir müssen nur wissen was wir wollen. Viele in meinem Umkreis haben damals, als ich Finlay gekauft habe, gestaunt. Meine Ambitionen, Dressur zu reiten, schienen nicht dazu zu passen. Sie hätten erwartet, dass ich mir einen Spanier kaufe. Aber ich wollte ein Pony. Ich wollte ein gefräßiges, freches, haariges Ding, eher zu faul als zu schnell, möglichst angstfrei und nicht so sensibel dass es nicht aushält wenn ich mal schlechte Laune habe.

Finlay hat all diese Ansprüche perfekt erfüllt, jeden Tag seines Lebens.

Als Finlay dann tot war, wollte ich vor allem wieder einen Schotten. Ich konnte mir einfach nicht so recht etwas anderes vorstellen. Und ich wollte wieder einen Charakter, etwas mutiges, freches. Ein Pony, das mir auf Augenhöhe begegnet. Aber ich wollte auch ein Pony, das anders ist als Finlay. Ich wollte nicht vergleichen. Es sollte kein „Finlay 2“ werden. Mir war vor allem wichtig, dass mein Pony Finay nicht zu ähnlich sieht und mich auch sonst nicht ständig an Finlay erinnert. Ich fand Duncan. Und Duncan erfüllt diese Bedingungen perfekt.

Und jetzt? Jetzt habe ich das Pony das ich habe. Ich habe mir nicht ein Pony für einen bestimmten Zweck gekauft, nicht dafür, bestimmte Dinge mit ihm zu tun. Ich habe einen Jährling gekauft, der mein Herz erobert hat. Welchen Charakter dieser kleine Mann am Ende wirklich haben wird, welche Stärken, welche Schwächen, welche kleinen lustigen oder nervigen Angewohnheiten – wer weiß? Ein junges Pferd zu kaufen ist ein kleines Wagnis.

Das Pony, das ich habe, lerne ich nun nach und nach erst kennen. Langsam fange ich an, ihm zu vertrauen. Als er sich neulich kurz gefürchtet hat vor dem großen Kastenwagen der von hinten kam und am Strick lostrabte, war ich zum ersten Mal entspannt in dieser Situation. Weil ich aus Erfahrung weiß: er tut nichts blödes. Er reißt sich nicht los, dreht sich nicht plötzlich um, tritt nicht nach mir aus. Er wird nur kurz schnell und lässt sich dann bremsen. Es war der erste Moment in dem ich diese feine Verbindung gespürt habe. Ein bisschen hat er mich schon gezähmt. (Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/02/27/zaehmen/ )

Im Alltag lerne ich seine kleinen liebenswerten Eigenschaften kennen und lieben. Dieses süße Weggucken – ich weiß, ich habe ihm das beigebracht, aber was er jetzt daraus macht ist einfach zu lustig. Dieser Gesichtsausdruck wenn er sich sehr bemüht, still zu stehen. Auch der Gesichtsausdruck der heißt „ich weiß nicht genau was Du willst“. Die Art und Weise wie er zu mir kommt und Kontakt aufnimmt. Die Art und Weise wie er beim Heu fressen unbedingt bei einem seiner Freunde fressen will und sich so seitlich anschleicht. Die Art und Weise wie er seine Kumpels zum Spielen animiert. Ich finde, es sind doch immer diese kleinen Eigenheiten, die ein Lebewesen so liebenswert machen und so einzigartig.

Das Pony, das ich habe ist nicht das Pony das ich haben sollte – denn ich sollte Finlay hier haben. Aber das Pony das ich habe ist ein anderes tolles Pony. Und manchmal, in kleinen Augenblicken, schenkt er mir schon jetzt das selbe Glücksgefühl wie Finlay.

Finlay hat immer eine Welle des Glücks durch mich laufen lassen wenn er mich nur angeschaut hat. Das ist etwas, was bei Duncan bisher nur selten passiert – nicht weil Duncan mich nicht glücklich machen würde, sondern weil zu viel Schmerz damit verbunden ist, dass er hier ist.

Aber langsam, ganz langsam, ändert sich das. Die Vertrautheit stellt sich ein, ich möchte sagen, sie schleicht sich ein, ganz leise. Und ich lerne, das Pony zu lieben, das ich habe.

Das Pony das ich habe – auch Duncan schenkt mir manchmal schon diesen Moment reinen Glücks.

Manchmal ist es ein bewusstes „Einlassen“. Manchmal passiert es nicht von selbst. Dann muss ich mir immer wieder klarmachen, dass es Duncan gegenüber nicht fair ist, ihn mit Finlay zu vergleichen. Dass es nichts nützt, Finlay hinterher zu trauern wenn ich Duncan in der Hand habe. Die Trauer um Finlay darf in Momenten stattfinden, in denen Duncan nicht beteiligt ist. Das gelingt nicht immer, aber ich kann mich immer wieder daran erinnern. Manchmal, wenn Duncan – die kleine Rennsemmel – voransaust und es ach so eilig hat, vermisse ich meinen Bummelanten, meinen verträumten, gemütlichen Finlay so sehr, dass ich sauer werde auf Duncan. Dann mache ich mir klar, dass das keine echte Wut ist, sondern Trauer über das, was ich nicht mehr habe. Manchmal mache ich mir auch klar, dass auch Finlay nervige Eigenheiten hatte und ich mich so oft über sein Verhalten aufgeregt habe. Auch er war nicht „perfekt“ – kein Pony ist das. Dass es an mir liegt, Lösungen zu finden. Dass Duncan noch klein ist und sich vieles noch verwachsen wird.

Ich weiß nicht, ob jemand, der so etwas nicht erlebt hat, verstehen kann, wie ambivalent Gefühle sein können. Ich wusste das vorher nicht. Meine Gefühle waren immer klar voneinander getrennt. Jetzt ist alles vermischt und verwischt – Trauer, Liebe, Schmerz, Freude, Hoffnung und Angst.

Ich hoffe, wenn im Herbst unser erstes gemeinsames Jahr vergangen ist, wenn wir diesen Sommer mit gemeinsamen Erlebnissen gefüllt haben und uns noch besser kennen, dass dann die Momente öfter werden in denen ich die Welle des Glücks fühle und den Stolz auf mein tolles Pony und die Freude darüber, ihn hier zu haben, so wie ich es bei Finlay gefühlt habe. Und obwohl der Schmerz über Finlays Verlust bleiben wird, darf er dann in den Hintergrund rücken, übertönt von der Freude über das Pony das ich habe.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 23

Wow, liebe Menschen, seht Ihr das? Das passiert, wenn mein Mädchen „klotzt“ statt zu „kleckern“. Das sind über 750kg Futter – mehr als Diego der Große wiegt! Und der ist ja echt schwer. Und mehr als doppelt so viel wie ich wiege! Stellt Euch das vor – zwei Sir Duncans in Futter!

Das meiste davon wird allerdings Merlin der Zauberer bekommen. Och menno. Ich möchte auch alt sein und ständig extra Essen bekommen. Aber mein Mädchen sagt ich bekomme genug extra und ich hätte schließlich gute Zähne. Das hat der Merlin nicht mehr. Das merke ich auch immer wenn wir uns kraulen, der Merlin kann gar nicht so richtig kraulen mit seinen übrig gebliebenen Zahnstummeln. Armer Kerl. Zum Glück hat das Mädchen ihn sehr lieb und sorgt dafür dass er Futter bekommt was er noch kauen kann.

Naja also das meiste von diesem vielen schönen Futter ist für Merlin. Manches ist für mich. Und manches ist für die Weide. Ja, das habt Ihr richtig gelesen, mein Mädchen füttert die Weide. Was für eine kuriose Idee! Sie sagt, es geht so: sie füttert die Weide, dann fressen wir das Gras da runter, das was wir daraus machen ist wiederum Futter für die Regenwürmer und die Regenwürmer kommen dann wieder auf die Weide um die noch besser zu machen damit die Weide mehr Gras für uns macht. Aber anscheinend reicht es nicht dass die Regenwürmer auf der Weide sind, die braucht noch mehr essen obendrauf. Scheint recht hungrig zu sein, unsere Weide. Aber sie ist ja auch groß. Na Hauptsache sie macht schönes Gras für uns! Mein Mädchen sagt aber wenn es nicht bald mal regnet wird das nix. Die beste Fütterung nützt nichts, wenn es nichts zu trinken gibt. Das verstehe ich, ich bin auch nach dem Heu immer durstig. Aber die Weide kann anscheinend nicht aus der Tränke trinken. Man muss das Wasser zu ihr bringen und das muss das Wetter machen. Mein Mädchen kann ihr nur Futter bringen.

Warum man diese Umwege gehen muss und nicht einfach das was da in den Tüten ist direkt an uns verfüttert erschließt sich mir nicht ganz, muss ich ehrlich sagen. Aber mein Mädchen sagt, über die Umwege hätten wir mehr davon. Gut, meistens ist sie ja in Futtersachen ganz kompetent, sagen wir mal mit Ausnahme der Mengenberechnung.

Im Übrigen habe ich heute nichts Neues zu erzählen außer dass mein Mädchen gestern ganz zufrieden war mit mir beim Spazierengehen. Sie sagt, ich sei fast schon entspannt gewesen. Naja ich bin ja auch vorher mit 200km/h hier über den Rundlauf gedonnert, damit ich mich dann über ihr Schneckentempo nicht so aufrege. Hat gut geklappt, dieser Trick. Der Mann und das Mädchen haben übrigens ganz schön gestaunt wie schnell ich rennen kann. Jaaaa da seht ihr mal! Geschwindigkeit ist keine Hexerei.

Macht‘s gut, bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 22

Erinnert Ihr Euch noch als ich den allerersten Artikel selbst geschrieben habe?

Diego der Große hat ja zu mir gesagt, ich soll mein Langhaar in Ordnung halten. Das ist wichtig, weil die Menschen schönes Langhaar lieben und sehr viel freundlicher und großzügiger werden wenn man gut aussieht. Er hat gesagt, wenn ich nicht genug gebürstet werde, soll ich ein paar Kletten in Mähne und Schweif verteilen, das würde garantiert zu einer längeren Bürst- und Pflegesitzung führen. Bisher hatte ich ja nie das entsprechende gefunden, ein paar Blätter in meinem Schweif konnten mein Mädchen nicht animieren. Aber jetzt! Jetzt habe ich die Kletten gefunden. Und gleich genutzt. Und siehe da: mein Mädchen hat sich wirklich darum gekümmert! Und ich war sehr geduldig, habe gar nicht gemeckert – weder über das komisch riechende Spray noch darüber dass sie meinen Schopf gebürstet hat. Habe auch viele Kekse fürs Stillhalten bekommen. Und jetzt ist alles wieder schön. Also: ein Erfolg auf ganzer Linie! Muss wiederholt werden.

Mein Mädchen sagt, wenn Eure Frisöre nicht bald wieder auf machen dürfen, braucht Ihr auch alle dieses Spray, weil Eure Haare dann ganz zerzaust sind. Ich habe noch genug davon, könnt Ihr gerne haben. Riecht komisch. Vielleicht solltet Ihr eine Maske bei der Verwendung tragen.

Nur so eine Idee!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Ich habe ganze Arbeit geleistet
Im Schweif hatte ich auch ein paar drapiert
Mein Mädchen sagt das mit dem fotografiert werden muss ich noch üben. Still stehen ist halt soooo langweilig!
Alles wieder schick!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 21

Gestern waren wir wieder so schön spazieren. Mit meinem Spaziergehkumpel. Mein Spaziergehkumpel muss jetzt immer vor seinem Mädchen laufen beim Spazierengehen. Sie lenkt ihn von hinten und er muss ganz gut aufpassen. Beim letzten Mal war das ein bisschen chaotisch weil er immer grasen wollte und sein Mädchen wollte das nicht und dann haben sie gestritten. Voll gut für mich, weil so lange die gestritten haben ob es jetzt weiter geht oder nicht durfte ich genüsslich grasen.

Leider haben sie gestern kaum noch gestritten weil mein Spazierengehkumpel echt gut geworden ist im vorneweg gehen. Mein Mädchen sagt, bald soll ich das auch können. Pfffff, kein Problem. Ich geh eh gerne vorneweg. Und weil mein Mädchen ja immer so langsam ist, wäre es vielleicht besser sie geht hinter mir und lässt sich ziehen. Sie hat aber gesagt so richtig ziehen kann ich sie erst wenn sie sich Räder untergebaut hat und das geht erst in zwei Jahren, vorher bin ich zu klein. Mal wieder. Seufz.

Ich bin ihr immer eine Nasenlänge voraus. Nicht schwierig, sie ist so langsam…

Im Moment geht sie aber noch neben mir. Sie hat sich neue Regeln ausgedacht. Weil ich doch angeblich so eine Rennsemmel bin und immer am Strick ziehe. Das ist gelogen! Sie ist nur zu langsam, ich gehe ganz normal. Ehrlich! Sie hängt halt immer hinterher und keucht und schnauft und jammert. Mädchen sind eben so, glaube ich. Also jedenfalls hat sie sich neue Regeln ausgedacht. Einerseits ist sie echt streng geworden. Sie hat jetzt immer ein Stöckchen mit und damit wedelt sie in der Luft wenn ich sie beißen will und sie tippt mir vor die Brust wenn ich zu doll ziehe. Naja, mit Carusos Tritten kann das Getippe nicht mithalten aber ich nehme sie schon ernst. Ich glaube es wäre nicht gut, wenn ich es mir mit ihr verscherze – könnte sich negativ auf die Futterzufuhr auswirken. Apropos Futterzufuhr, das ist die gute Nachricht an den neuen Regeln. Sie hat jetzt beschlossen mir Kekse während dem Gehen zu geben. Das ist gar nicht mal so einfach wie es klingt denn sie gibt mir den Keks nur wenn ich ihn anständig nehme. Also ich muss erstens warten bis sie „Keks“ sagt sonst gibt es gar nichts. Ich habe das gestern ausgiebig probiert aber sämtliche Versuche, anders an den Keks zu kommen sind kläglich gescheitert. Also muss ich warten bis sie „Keks“ sagt. Und dann soll ich ihn im Gehen so nehmen dass sie nicht das Gefühl hat dass ich ihre ganze Hand aufessen würde. Nun ist sie da leider sehr empfindsam (ein echtes Mädchen halt) und ich muss wirklich sehr vorsichtig sein. Ich glaube ich habe eine ganz gute Lösung gefunden: ich werde ein bisschen langsamer, dann kann ich den Keks vorsichtig nehmen. Das ist anscheinend erlaubt. Dann muss ich mich wieder ganz doll zusammenreißen, neben ihr hergehen, nicht drängeln, nicht schneller gehen als sie (also nur Schneckentempo) und nicht an ihr herumfummeln. Uiuiuiuiui, ganz schön schwer. Aber ich übe. Und wenn ich es schaffe, sagt sie „Keks“ und es gibt was. Manchmal halten wir auch an zum Grasen. Aber sonst halten wir jetzt kaum noch an, sie bleibt nicht mehr dauernd stehen. Das gefällt mir besser, wir gehen das (Schnecken-)Tempo gleichmäßig durch. Sie sagt das ist auch später gut für die Distanzritte und ich kann das jetzt ruhig schon üben. Wann es wohl endlich losgeht mit den großen Abenteuern von denen sie immer redet?

Mal sehen was sie sich heute wieder einfallen lässt.

Macht‘s gut

Euer (großer) Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 20

Entschuldigt bitte dass ich Euch gestern nichts geschrieben habe, liebe Menschen. Mein Mädchen war fleißig Geld verdienen (damit wir was zu Essen bekommen) und hatte abends keine Lust mehr noch aufzuschreiben was ich erlebt hatte. Ich selbst komme einfach mit der Tastatur nicht klar und brauche deswegen immer ihre Hilfe zum schreiben. Normalerweise schreibt sie auch wirklich alles auf was ich ihr diktiere, aber gestern wollte sie nicht. Sie war ziemlich kaputt und hat mir nur schnell mein Essen gebracht.

War aber nicht schlimm, denn tagsüber hat sich der Mann um uns gekümmert und den Zauberer Merlin und mich auch auf die Weide gelassen. Er war sehr zufrieden mit meinem Benehmen beim Raus- und Reinbringen. Ich war artiger als der Zauberer hat er gesagt! Der macht gerne mal etwas Quatsch wenn es ums Gras geht. Er ist dann sooooooo aufgeregt und kann sich nicht gut beherrschen.

Heute ist ein besonderer Tag: der zweite Sonntag im Monat! Und wisst Ihr was da immer passiert? Da werde ich gemessen.

Beim Messen muss ich immer ganz nah an der Wand stehen und darf mich nicht bewegen. Zum Glück gibt es viele Kekse dafür!

Nun hatte ich Euch ja neulich geschrieben dass ich so doll gewachsen bin. Und heute habe ich den Beweis erbracht. Ich bin jetzt vorne 132cm groß und hinten sogar schon 136cm! Mein Mädchen ist seeeeeehr stolz auf mich. Mindestens 10cm soll ich aber noch schaffen – vor allem vorne hat sie gesagt. Schaffe ich locker! Brauche nur etwas zu essen (ok: VIEL zu essen) und ein bisschen Zeit. Aber Ihr wisst ja: mit Geduld hat sie es nicht so. Sie hätte am liebsten dass ich morgen schon groß und erwachsen bin. Tja, so schnell geht das nicht, mein Mädchen, tut mir leid! Dafür wird das Ergebnis der Hammer, versprochen!

Liebe Menschen, genießt das schöne Wetter und lasst Euch die Sonne in Eure Herzen scheinen.

Frohe Ostern!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 19

Meine Ausbildung zum Ritter umfasst auch immer wieder das Training mit anderen Ponys als denen meiner Herde. Hier seht Ihr eine besonders intensive Trainingseinheit im Nahkampf mit meinem Spaziergehkumpel von nebenan. Wir haben eine Stunde so trainiert bis wir beide ordentlich verschwitzt und aus der Puste waren. Das war toll! Und ich schwöre, mein Po ist jetzt noch schöner als vorher. Soll ich Euch mal ein Foto…

Oh mein Mädchen schaut schon wieder so streng, muss aufhören!

Euer Sir Duncan Dhu

Sorry technische Panne. Video kommt nach!

Lebkuchen zu Ostern

Die beste Mutter der Welt (meine) lässt uns zu Ostern immer Naschi zukommen. Damit wir nicht vom Fleisch fallen und unsere gute Laune behalten!
Dieses Jahr ist ja aber alles anders. Meine Mutter meidet (zum Glück) den Supermarkt – kein Naschi-Einkauf – und sie möchte dass wir das auch tun, also ist es mit einer Geldspende auch nicht getan, denn dann wären wir ja versucht, einen Naschi-Einkauf zu tätigen!
Also wird meine Mutter kreativ. Und was fällt ihr da ein? Dass sie uns auch in der Adventszeit immer Naschi zukommen lässt und zwar vom Lebkuchen-Lieferanten!

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Lösungen


Was tut meine Mutter also? Sie lässt uns Lebkuchen zu Ostern liefern!
Was für ein Glück dass ich sowieso immer diejenige bin, die das ganze Jahr über Lebkuchen essen könnte (ja ich bin auch die, die im September die ersten Lebkuchen aus den Supermarkt-Regalen mitnimmt – nur falls Ihr mal wissen wolltet wer die dann schon kauft!). Und was für ein doppeltes Glück, dass der Lebkuchen-Lieferant anscheinend meiner Meinung ist: Lebkuchen geht immer! Und also sogar liefert.

Lecker Lebkuchen zu Ostern!


Und Ihr wisst: für mich hat alles immer etwas mit Pferden zu tun – sogar das.
Pferdeausbildung funktioniert nämlich genau so. Man nehme eine Situation in der das Pferd nicht weiß was zu tun ist (wie meine Mutter: das bisherige Konzept zu Ostern funktioniert dieses Jahr nicht). Nun wird dieses Pferd Verhaltensweisen ausprobieren (sagen wir mal: wenn es ein gut ausgebildetes Pferd ist, das weiß, dass es sich lohnt, Verhaltensweisen auszuprobieren und das keine Angst hat, dabei Fehler zu machen). Im Gegensatz zu meiner Mutter, die Verhaltensweisen lediglich im Kopf als Szenario durchspielt und dann die beste aussucht, wird das Pferd ganz real dieses oder jenes Verhalten zeigen um zu sehen wie wir darauf reagieren. Im NLP nennt sich dieses Verfahren „Test-Operate-Test-Exit“ also feststellen was das Problem ist, eine Handlungsweise probieren, Nachtesten ob das Problem jetzt gelöst ist. Wenn das Problem nicht gelöst ist, eine andere Handlungsweise probieren, wieder Nachtesten etc so lange bis das Problem gelöst ist.
Ich erkläre Euch das an einem Beispiel. Ich rufe Duncan. Er weiß: ich habe einen Keks für ihn. (test: er stellt fest, dass er den Keks haben will) Aber er weiß noch nicht genau, wie er sich verhalten soll, wenn ich ihn rufe. Er bleibt stehen und schaut betont weg. (Operate: kriegt er so den Keks? ) Ich rufe ihn wieder (Test: er stellt fest, dass er den Keks nicht bekommen hat). Er kommt ein Stück auf mich zu (Operate: vielleicht bekommt er den Keks jetzt?) aber er hält zu früh an, ist noch zu weit weg. (test: er hat den Keks noch nicht bekommen.). Er bleibt dort stehen und schaut betont weg (operate: vielleicht klappt wegschauen jetzt, wo er näher dran ist?). Er bekommt den Keks immer noch nicht (test: kein Keks). Operate: er kommt näher. Er bekommt den Keks (Exit: Problem gelöst). Er merkt sich: rufen = kommen = keks.

Genau so läuft es auch im Kopf meiner Mutter ab, nur dass keine reale Handlung erfolgt. Sie spielt Möglichkeiten durch und findet schließlich eine, die funktioniert.
Nun ist es so: je länger wir leben (und meine Mutter ist einen Hauch älter als Sir Duncan) desto mehr Erfahrung sammeln wir mit diesem Prinzip. Je mehr Erfahrung wir sammeln, je mehr Probleme wir in unserem Leben schon gelöst haben, desto mehr Lösungsmöglichkeiten stehen uns zur Verfügung.
Das ist etwas was ich beim Unterrichten häufig beobachte: ein guter Lehrer hat das Problem, dass sein Schüler mit seinem Pferd hat, schon öfter gesehen und verschiedene (!) Lösungsstrategien entwickelt und ausprobiert (ein schlechter Lehrer wendet einfach stumpf immer die selbe Strategie an und wenn sie nicht funktioniert macht er mehr davon). Der gute Lehrer weiß, welche Lösungsstrategien bei welchem Pferd und welchem Menschen funktioniert haben, also auch, welche häufig funktionieren und welche selten, welche bei diesem Charakter eher funktionieren oder bei jenem. Er wird dann die erfolgsversprechendste Lösung probieren. Sollte die nicht klappen, hat er aber auch noch andere Lösungen in petto und das ist das, was wir „Erfahrung“ nennen.
In meiner NLP-Ausbildung habe ich gelernt, für ein Problem 10 Lösungen zu finden, mögen sie auch noch so absurd sein. Es schult unsere Kreativität, das zu tun und wir werden flexibler in unseren Strategien. Ich lade Euch ein, das auch öfter mal zu tun, es macht Spaß und ist gut fürs Gehirn!
Sir Duncan jedoch mit seinem kleinen Erfahrungshorizont hat noch gar keine 10 Lösungsmöglichkeiten parat. Er wird also zunächst immer die zwei oder drei Dinge ausprobieren die er kennt. Am Anfang kannte er nur eine Lösung um an Futter zu kommen: rückwärts gehen. Dann haben wir die zweite Lösung erarbeitet: stehenbleiben (daraus hat er „stehenbleiben und wegschauen“ gemacht, weil ich das wegschauen unbewusst mit belohnt habe). Jetzt erlernt er eine dritte Möglichkeit: zu mir kommen. Und dann fängt es an interessant zu werden, denn zu mir kommen beinhaltet letztlich dann auch, rechtzeitig stehenzubleiben. Ich möchte ja nicht umgerannt und auch nicht überholt werden. Er soll kommen und in gutem Abstand vor mir stehenbleiben. Durch sein test-operate-test-exit-Verfahren kann er jetzt herausfinden, was ein guter Abstand ist.
Dann wird er weiter Details erproben: wie schnell soll ich kommen, wann soll ich NICHT kommen bzw wann lohnt sich kommen nicht, mit welchem Gesichtsausdruck soll ich kommen etc.
Das interessante für mich ist, dass Pferde – wenn sie gut ausgebildet wurden – dieses Vorgehen von allein anwenden. Sie werden stets neue Verhaltensweisen ausprobieren und immer noch versuchen, Dinge zu verbessern.
Menschen hingegen tun das nicht immer. Menschen sagen oft zu mir „das kann ich nicht“ und sind geneigt, dann aufzuhören, es zu probieren. Häufig bin ich diejenige, die dann in der Mitte vom Reitplatz steht und sagt „probiere es nochmal“ oder „probiere etwas anderes“.
Und dann denke ich an meine Mutter. Meine Mutter war oft sauer wenn ich gesagt habe „ich kann das nicht“. Ich war dann auch sauer, denn ich wollte Hilfe und sie hat sie mir verwehrt, weil sie fand, ich könnte es doch nochmal probieren oder mir eine andere Lösung überlegen.
Ein schmaler Grat – wann helfen wir, wann lassen wir unser Pferd „auflaufen“ und selbst probieren? Auch bei Schülern: wie oft lasse ich meinen Schüler das probieren bevor ich eingreife? Heute neige ich dazu, Schüler und Pferde viel probieren zu lassen. Aber manchmal begegnen mir Pferde oder Menschen, die viel Unterstützung brauchen, die noch wenig eigene Lösungsstrategien haben. Deren Erfahrungshorizont so klein ist wie der von Klein-Duncan. Dann muss ich helfen. Lösungen vorschlagen, Aufgaben vereinfachen. Manchmal staunen meine Schüler über die kreativen Ideen die ich habe. Manchmal staune ich, dass sie Ideen kreativ finden, die ich ganz offensichtlich fand. Manchmal haben aber auch meine Schüler die kreativen Ideen und ich kann etwas von ihnen lernen.

Sir Duncan fördere ich bewusst darin, es selbst zu probieren. Und schon jetzt – viel früher als ich es bei Finlay getan habe – arbeite ich mit ihm daran, dass nicht immer alles gleich ist. Die Lösung für Futter ist nicht immer stehenbleiben. Und nicht immer rückwärts gehen. Sondern situationsabhängig auch mal herkommen. Und er fängt an zu merken, dass die Gleichung manchmal ein paar Unbekannte enthält und das Ausprobieren erlaubt ist und zum Ziel führt. Dann holt er sein Klemmbrett raus und macht sich Notizen.
Und ich denke an meine Mutter und an Lebkuchen zu Ostern und daran wie wichtig es ist, dass wir uns darin üben, Lösungsmöglichkeiten zu finden: möglichst 10 Stück für ein Problem, mögen sie noch so absurd sein. Und dass wir unserem Pferd erlauben, auch mal absurde Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren, kreativ zu sein und auszuprobieren.

Und jetzt, Ihr Lieben, wünsche ich Euch schöne Ostern. Ich werde dieses Wochenende nicht nur Ostereier essen sondern auch lecker Lebkuchen.

Bleibt gesund!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 18

Nachdem ich ja so viel gewachsen bin, bin ich jetzt nicht nur stark, sondern auch groß. Und Hengst. Und ich habe beschlossen dass ich mir jetzt einfach nicht mehr alles vorschreiben lasse! Mir reicht‘s! Mein Mädchen redet mir ständig rein wenn wir spazieren gehen. Ist ja ok, ich kann mal stehenbleiben und auf sie warten. Aber dann dieses Gebummel! Hopp hopp, Galopp meine Liebe! Nicht so lahmarschig! Und hör auf mich immer zu gängeln, ich glaube es ja wohl nicht! Ich bin ein GROSSER STARKER HENGST!

Und wenn Kopfschütteln und Huf aufstampfen nicht reicht werde ich demnächst zu anderen Mitteln greifen!!

Und ich habe auch keine Lust mehr, mich immer an Deine Essensregeln zu halten! Ich will einfach sofort an mein Futter, was soll denn das, das wir immer erst vom Tor weggehen müssen!

Wie es gibt sonst nichts? Wieso sitzt sie eigentlich immer am längeren Hebel? Und wieso genau regt sie sich so wenig auf wenn ich am Strick herumtanze? Ich gebe mir wirklich große Mühe ihr zu zeigen was für ein prächtiger Hengst ich bin und sie ist völlig unbeeindruckt? Mädchen, merk mal was! Ich bin der Schönste hier! Und ich lasse mir von Dir nichts sagen! Ihr Menschen wollt immer alles bestimmen aber JETZT IST SCHLUSS DAMIT!

Meine Herde sieht das anders, aber wenigstens einer hier ist meiner Meinung. Mein Spaziergehkumpel, (ihr wisst schon, der nebenan wohnt) mit dem habe ich gestern das erste Mal richtig gespielt nach unserem Spaziergang. Und dabei haben wir uns unterhalten. Der findet das auch voll blöde dass die Menschen immer alles bestimmen. Meine Herdenkumpels sind da ja so weichgespült. Gehirngewaschen möchte ich fast sagen. Die machen alles was die Menschen ihnen sagen. Einfach so. Ohne Nachfragen, ohne Diskussion. Und wenn ich protestiere sagen sie, sie haben gute Erfahrungen damit gemacht. Weicheier. Die sind nur zu feige ihre Meinung zu sagen! Aber jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt ziehe ich hier ganz andere Seiten auf, Ihr werdet schon sehen!

So das musste mal gesagt werden!

Euer großer starker Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Mein Mädchen sagt das wäre wohl der erste Pubertätsschub. So ein Blödsinn! ICH BIN EIN GROSSER STARKER HENGST!