Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 8

Heute erkläre ich Euch mal mein Lieblingsspiel.

Vielleicht wollt Ihr es ja auch mal probieren? Ihr braucht nur einen Spielpartner. Da man bei diesem Spiel keine 2 Meter Abstand halten kann, sollte es jemand sein, der mit Euch in einem Haushalt lebt.

Ich nenne das Spiel

Popo-Kneifen

Es eignet sich für 2 Spielpartner, Fortgeschrittene können aber auch mit mehreren gleichzeitig spielen.

Ziel des Spiels: den Partner möglichst oft in den Po kneifen!

Spielbeginn: Beide Partner stehen sich gegenüber und starren sich an. Um von Eurem Vorhaben abzulenken, könnt Ihr so tun als würdet Ihr harmlose Nasenpiele spielen wollen, nur so bißchen Gesicht haschen.

Sobald sich dann die Gelegenheit ergibt, schießt Ihr an Eurem Partner vorbei und beißt ihn herzhaft ins Gesäß! Vorsicht, der Partner wird sich durch Austreten wehren! Außerdem wird der Partner versuchen, sich schnell genug zu drehen um nun seinerseits Euch in den Allerwertesten zu kneifen. Lasst das auf keinen Fall zu! Wer sich am schnellsten drehen kann, kann die meisten Punkte einheimsen.

Eigentlich ist es wirklich ein einfaches Spiel, aber es bringt unheimlich viel Spaß, fördert die Fitness und die Wendigkeit! Es kann außerdem taktisch beliebig verfeinert werden. Ihr könnt zum Beispiel das Spiel auch ohne Vorwarnung direkt beginnen, indem Ihr Euch von hinten an den gewählten Spielpartner heranschleicht oder Ihr versucht es mit allerhand Ablenkungsmanövern wie Steigen oder Rennen.

Viel Spaß beim Spielen und lasst mich wissen wie es Euch gefallen hat!

Anbei ein paar erläuternde Illustrationen.

Die übliche Startposition zu Spielbeginn
Endlich ist es mal ein Vorteil für mich, dass ich noch so klein bin!

Hier befinde ich mich in einer SEHR ungünstigen Situation!
Niemals direkt hinter dem Spielpartner stehen! Er kann ausschlagen! Da habe ich mich in eine gefährliche Lage gebracht – nicht nachmachen!
Gleich kann ich punkten!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 7

Immer wenn es Essen gibt, fängt mein Fuß an zu tanzen vor Freude. Wirklich – ich kann nichts dafür! Plötzlich ist mein Fuß in der Schüssel und das Futter ist überall verteilt. Und manchmal ist die Schüssel dann auch kaputt. Ups. Geht Euch das nicht so? Wenn man Euch was Leckeres hinstellt, dass Ihr Euch einfach irre freut und gar nicht mehr an Euch halten könnt? Tanzen Eure Füße etwa nicht beim Essen vor Freude? Ich glaube dann ist Euer Essen einfach nicht lecker genug! Aber mein Mädchen ist sauer wenn mein Fuß in der Schüssel tanzt. Sie sagt, das sei eine ritterliche UN-Tugend. Hm.

Eine Weile hat sie überlegt, wie sie mir das abgewöhnen kann. Einmal hat sie mir meine Schüssel in die Ecke gestellt wo so ein hohes Holzbrett ist, so dass ich nicht mit dem Fuß an die Schüssel konnte. Dann ist sie weggegangen. Und ich hab gegessen. Und plötzlich stand mein einer Fuß hinter dem Holzbrett. Und der andere davor. Ups! Sie kam gleich angeflitzt, hat sich Sorgen gemacht ich könnte mir wehtun. Ach was. Ich hab halt weiter gegessen. War aber trotzdem nett dass sie mir aus dieser misslichen Lage rausgeholfen hat. War schon bißchen unbequem. Seitdem hat sie das nicht wieder gemacht. Alle anderen Ideen die sie so hatte haben ihr nicht gefallen. Und dann ist ihr eingefallen dass der ehrenwerte Herr Wurzel seinerzeit ein Spielzeug hatte aus dem er essen durfte. Er hatte das manchmal so eilig und hat sich dann verschluckt, das wollte sie nicht, also hat sie ihm dieses Ding gegeben, wo das Futter nur in kleinen Portionen raus fällt. Und das habe ich jetzt von ihm geerbt. Das ist toll! Jetzt ist mein tanzender Fuß zu was nütze! Vielleicht auch eine Idee für Euch Menschen, wenn Ihr jetzt Langeweile habt? Und vielleicht versucht Ihr mal, Euch so leckeres Essen zu machen, dass Eure Füße davon tanzen! (Ich sehe schon, mein Mädchen wird jetzt immer den Mann beobachten wenn sie ihm was gekocht hat – tanzen die Füße schon? Ist es wirklich lecker?)

Bleibt gesund und bis bald!

Persönlich

Als wir noch auf Veranstaltungen gehen durften und ich auf dem schönen Vortrag von Mark Lubetzki war, stand ich in der Pause mit ein paar Leuten zusammen und wir unterhielten uns. Plötzlich kam eine junge Frau und sprach mich an „Du bist doch die mit dem Highlandpony- Blog oder?“

An dieser Stelle herzliche Grüße! Und danke für diesen wunderbaren Moment. Da steht ein wildfremder Mensch und erkennt mich. Und sagt mir, wie gern sie meine Geschichten liest. Und ich fühle mich wie ein Karpfen: mein Mund geht auf und zu aber es kommen keine Worte raus. Ich stammle irgendwas und schon ist sie wieder weg.

Ich drehe mich wieder zu meinen Bekannten um. „Ich bin berühmt“ ist der erste Satz der mir raus rutscht. Danach muss ich lachen. Berühmt ist ja ein großes Wort. Aber mir wurde in diesem Moment klar dass da draußen wirklich ganz reale Menschen sind die mich noch nie gesehen haben und trotzdem wissen wer ich bin. Ein bisschen zumindest.

Als ich einer Schülerin von dieser Begegnung erzählte sagte sie „das ist ja auch immer ganz schön persönlich was Du da schreibst“. Ob mir das bewusst wäre, dass das öffentlich ist. Ja, ist es. Ich überlege immer sehr genau was ich schreibe.

Was mich bewegt, wenn ich so persönlich schreibe ist eine Erfahrung die ich selbst immer wieder mache: es hilft uns, wenn wir herausfinden, dass andere ähnlich fühlen wie wir. Viele von Euch schreiben mir als Reaktion auf meine Beiträge, ich hätte etwas in Worte gefasst, das sie auch fühlen und sie seien mir dankbar, denn sie selbst hätten es nicht in Worte fassen können.

Anscheinend kann ich da etwas, das nicht jeder kann und ich möchte es weiter tun, so lange es Euch Freude macht. Ich bin überzeugt davon, dass es unser Leben leichter macht, wenn wir entdecken, dass wir nicht allein sind mit unseren Gefühlen, die uns manchmal überwältigen. Wenn jemand nicht mit schlauen Sprüchen und (vermeintlich) guten Tips um sich wirft sondern einfach akzeptiert, was wir fühlen und vielleicht selbst ähnlich fühlt. Jemand, der uns hilft, Worte für unsere Gefühle zu finden, damit wir sie aussprechen können. Das heißt nicht, dass wir nicht mal einen Tip gebrauchen können und Hilfe, mit den Gefühlen umzugehen. Aber für mich steht vor der Hilfe der Moment des Fühlens. Und der Moment in dem wir dieses Fühlen in Worte fassen und einmal ganz wahrnehmen was wir fühlen. Und akzeptieren, dass Gefühle nicht logisch sind. Dass sie nicht immer mit dem Verstand zu erklären sind.

All das ist mir erst so recht klar geworden durch Finlays Tod und einige Ereignisse davor. Ich habe im Lauf des letzten Jahres einen anderen Zugang zu meinen eigenen Gefühlen bekommen und gemerkt, dass ich einen neuen Umgang mit ihnen erlernen möchte.

Und jetzt, in dieser Zeit, sind wir alle in ganz besonderen Gefühlszuständen. Vielleicht geht es einigen von Euch ein bisschen so wie mir. Ich habe all die Corona-Nachrichten total ignoriert. Panikmache, das kennen wir. Wenige Wochen vorher ist Sturmtief „Sabine“ über Deutschland gezogen – ach herrje was wurden wir da gewarnt. Hörte sich an wie Weltuntergang. Und dann war es hier bei uns doch eher nur eine steife Brise. Ich bin so an diese Dramatisierung gewöhnt, dass ich sie einfach nicht mehr ganz ernst nehme. Und dann – innerhalb weniger Stunden – hat es mich erwischt. Ich habe gelesen was in Italien passiert und plötzlich wurde mir klar: diesmal ist es ernst. Und zwar sehr viel ernster als angesagt. So etwas hat noch keiner von uns erlebt. Und meine Welt brach zusammen. Ich hatte drei ziemlich üble Tage und Nächte bevor die Nachricht überhaupt einigermaßen in meinem Kopf angekommen und verarbeitet war.

Es gibt Momente, da ist alles normal. Wenn ich die Schubkarre durch den Stall schiebe und meinen Ponys ihr Essen serviere, denke ich: alles ist normal. Ich denke: die Ponys wissen nichts von unseren Problemen. Aber natürlich wissen sie es. Sie kennen uns so gut und sie merken mit Sicherheit, dass wir anders drauf sind als sonst. Jedes Pony wird auf seine eigene Art und Weise darauf reagieren.

Ich schaue mir nur morgens neue Meldungen an. Ich kann mich nicht den ganzen Tag mit Corona auseinandersetzen, es macht mich krank. Spätestens ab mittags versuche ich Normalität zu finden. Aber nichts ist normal. Ich mache mir Sorgen um liebe Menschen, die zur Risikogruppe gehören und manchmal überrollen mich diese Sorgen einfach. Ich habe Angst, dass ich krank werde, dass mein Mann krank wird oder ein anderer lieber Mensch in meinem Umfeld. Ja ich weiß, für uns ist das Virus wahrscheinlich ungefährlich. Trotzdem: Ich habe Angst, dass wir unsere Tiere nicht versorgen können, weil wir mit Fieber im Bett oder – noch schlimmer – im Krankenhaus liegen. Angst, dass der Tierarzt krank wird oder in Quarantäne muss und nicht kommen kann wenn eines meiner Ponys ihn dringend braucht. In den ersten Tagen des Begreifens war diese Angst übermächtig und ich wusste nicht, wie ich ihrer Herr werden sollte.

Nach der totalen Angst kamen die Momente der Stille, in denen ich das Gefühl hatte, alles sei nur ein Film, ich würde alles nur von außen sehen oder phantasieren. Dann entstand etwas Neues: das Gefühl der Dankbarkeit. Die Ponys am Haus, so viel Grundstück auf dem wir uns frei bewegen können. Schönes Wetter, die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen wenn es nötig sein sollte. Alles ist gut.

Und dann ist wieder nichts gut. Neue Zahlen, neue Sorgen. Neue Zahlen heißt immer und ausnahmslos: höhere Zahlen. Niemand weiß, wie es weitergeht. Mein Arzttermin ist gestrichen – weil meine Hausarztpraxis mit einer Klinik zusammenarbeitet werden dort nur noch bestimmte Patienten betreut – ich muss mir einen anderen Arzt suchen. Schon jetzt läuft das Gesundheitssystem nicht mehr rund. Unsere Ärzte müssen unbedingt gesund bleiben. Derweil gibt es immer noch viele, die leugnen. Und viele, die über die Leugner schimpfen. Ich kann beides verstehen. Ja, auch die, die alles leugnen, alles kleinreden. Ich glaube, bei vielen ist es Selbstschutz. Aber auch eben die Tatsache, dass wir Panikmache und „Fake news“ inzwischen gewöhnt sind. Und die, die Klopapier für die nächsten 100 Jahre kaufen, sind auch nicht unbedingt Idioten, sie reagieren nur nicht mehr so ganz vernünftig.

Nach Finlays Tod habe ich gelernt: jeder trauert auf seine Weise. Heute lerne ich: jeder fürchtet sich auf seine Weise. Warum ausgerechnet Klopapier bei so vielen die größte Sorge ist, erschließt sich mir nicht, aber ich kann mich darin üben, zu akzeptieren. Andere finden meine Sorgen verrückt, ich finde deren Sorgen verrückt.

Wir alle dürfen jetzt Strategien entwickeln, wie wir weitermachen können. Ich habe mich schon immer gefragt, wie das damals im Krieg ging. All die Geschichten unserer Eltern und Großeltern über den Krieg haben immer diese Frage in mir aufgeworfen: wie geht das? Wo ist die Normalität? Wie feiert man Weihnachten, wenn Krieg ist? Wie geht man zur Schule während Bomben fallen? Wie geht man damit um, dass jeden Tag Todesnachrichten kommen?

Jetzt haben wir eine ähnlich unnormale Situation. Und wir werden lernen, damit umzugehen. Wie lebt man weiter, wenn das öffentliche Leben brach liegt? Wie geht Normalität im Kleinen, wenn sie im Großen nicht geht? Wie leben wir mit einer unsichtbaren Gefahr, die sich nur in Zahlen ausdrückt? Es ist so ein abstraktes Geschehen: für die meisten von uns ist das Virus nicht gefährlich. Aber wenn zu viele auf einmal krank werden, wird es plötzlich gefährlich – weil die, die es etwas schlimmer erwischt hat, nicht mehr gut versorgt werden können. So ist das in einer Herde – nur wenn alle mitmachen, kann es gut gehen. Jeder muss jetzt seinen Platz finden und ihn bestmöglich ausfüllen.

Wir werden Wege finden. Wir alle werden dazu Zeit brauchen, um uns zurecht zu finden in dieser neuen Situation, aber letztendlich werden wir uns zurechtfinden. Schon jetzt merke ich für mich, wie ich anfange, mich neu zu sortieren und ich bin damit sicher nicht allein.

Wie immer denke ich an die Pferde. An meinen kleinen Duncan, der vor nunmehr 6 Monaten in Dänemark in den Anhänger gestiegen ist und für den sich an einem Tag alles geändert hat. Der hier nicht freundlich empfangen wurde, sondern hart arbeiten musste um aufgenommen zu werden. Der unerschütterlich weiter gemacht hat – auch wenn er zwischendurch große Angst hatte. Und für den sich alles zum Guten gewendet hat nach ein paar Wochen.

Aber auch für die anderen Ponys hier hat sich an diesem Tag alles verändert. Sie sind nicht gefragt worden. Duncan kam hierher und sie mussten damit umgehen. Auch sie hatten vielleicht Angst. Oder waren wütend. In jedem Fall mussten sie sich neu sortieren. Auch sie mussten neue Umgangsformen miteinander erlernen.

Unsere Pferde sind sehr viel öfter in solchen Situationen. Sie wissen nicht, was passieren wird. Alles ist neu, alles ist anders, alles ist bedrohlich und fremd. Vielleicht können wir jetzt lernen, wie sich das anfühlt und unseren Pferden mit mehr Mitgefühl begegnen.

Und wir brauchen Mitgefühl für uns selbst und unsere Nächsten. Wir dürfen anerkennen, dass die Situation in der wir uns befinden, jedem von uns Angst macht. Ich bin davon überzeugt, dass das auch bei denen so ist, die (jetzt noch) leugnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ganz ohne Angst aus dieser Nummer raus kommt. Wer sich keine Sorgen macht wegen der Krankheit, hat wohl spätestens jetzt Angst vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen. Ich bin auch überzeugt, dass es nichts nützt, zu diesen Menschen zu sagen „Du hast doch auch Angst“, weil sie ihre Angst (noch) nicht fühlen. Weil in unserer Gesellschaft nicht so gern wirklich offen über Gefühle gesprochen wird. Weil wir dazu erzogen werden, sie zu verbergen – in letzter Konsequenz manchmal auch vor uns selbst.

Jetzt mag die Zeit sein, das zu ändern. Jetzt mag die Zeit kommen, in der wir uns wirklich begegnen – nicht persönlich, nicht körperlich nah, aber seelisch viel näher als sonst. Manchmal ist es ja sogar einfacher, über Gefühle zu sprechen, wenn man sich dabei nicht sieht.

Und deswegen wird mein Blog auch weiter so persönlich bleiben. Und wenn wir wieder auf Veranstaltungen gehen können und mich jemand erkennt und anspricht, dann habe ich hoffentlich eine bessere Reaktion im Angebot als den Mund auf und zu zu klappen wie ein Karpfen. Vielleicht gibt es dann ein persönliches Gespräch, bei dem wir uns in die Augen schauen, uns darüber unterhalten, wie wir uns fühlen – egal, ob wir ähnlich fühlen oder komplett verschieden – und am Ende umarmen wir uns und wissen: wir sind miteinander verbunden, so unterschiedlich wir auch sein mögen.

Früher haben wir uns verabschiedet mit Worten wie „mach‘s gut“ „bis bald“ und „tschüß“. Heute kennen wir nur noch einen Abschiedsgruß:

Bleibt gesund!

Aus dem Tagebuch das Duncan Dhu 6

Neee, mein Mädchen, das will ich nicht erzählen

Warum nicht?

Was sollen denn die Menschen von mir denken?!

Na, dass Du ein Schlingel bist. Ist ja auch so.

Ein was?

Ein Frechdachs. Ein Lump!

Ich bin Ritter!!

Der Ritter meines Herzens. Und ein Lump!

Aber das muss ja nicht jeder wissen oder? Dass ich ein Lump bin meine ich.

Muss nicht aber ich glaube sie würden es lustig finden.

Du willst dass die Menschen über mich lachen?

Du hast selbst gesagt, lachen ist wichtig, gerade jetzt!

Hm ja schon aber nicht über mich oder?

Warum nicht? Ich lach doch auch über dich.

Das ist was anderes.

Ja?

Ja, du hast mich lieb, das weiß ich, auch wenn Du lachst.

Ach Ritterchen, die Menschen da draußen haben Dich auch lieb! Wer würde Dich nicht lieb haben?!

Meinst Du?

Ganz sicher. Die finden Dich toll!

Aber würden die mich auch noch toll finden wenn sie wüssten, was ich manchmal so anstelle?

Dann erst recht! Die meisten trauen sich ja so was nur selbst nicht, würden das aber auch gern mal machen. Und dann freuen sie sich wenn jemand wie du sich so was traut.

Ich muss darüber nachdenken. Hast Du ein Foto davon?

Ich glaube nicht, aber ich schau mal nach. Du könntest es ja nochmal machen und ich mache dann schnell ein Foto.

Hab nachgeschaut, habe davon kein Foto. Du warst zu schnell mit deiner Dreistigkeit.

Gut, dann bleibt es unser Geheimnis, ja?

Ach Ritterchen, bitte…

Nein, Datenschutz ist Datenschutz! Du darfst hier nichts schreiben, was ich nicht abgesegnet habe! Zeig den Leuten doch stattdessen ein paar schöne Spiel-Bilder von mir!

Tja, Ihr Lieben, was soll ich machen? Er will es nun mal nicht erzählen und wenn ich es nun trotzdem schreibe ist er mir bestimmt böse. Ich sage mal so: Als ich klein war, habe ich manchmal meinem Vater, wenn er Sonntagsnachmittags auf dem Sofa lag, die Augenlider hochgezogen um zu schauen ob er schläft. Und mein kleiner Ritter steht mir da in nichts nach….

Och Mädchen, das ist aber doch auch so langweilig wenn die da herumliegen und pennen. Und ich konnte mir die Gelegenheit einfach nicht entgehen lassen!

War aber nicht nett, das weißt du schon oder?

Hmmmmm deswegen will ich ja nicht dass du es erzählst.

Aber wiederholt hast du es nachher trotzdem.

Naja neee, einmal Diego und einmal Gatsby.

Das sind nur die Fälle die ich gesehen habe. Du machst das doch bestimmt dauernd, erzähl mir nix.

Gar nicht. Manchmal schlafe ich ja auch selbst.

Du schläfst, wenn die anderen auf dich aufpassen. Und wenn die dann schlafen, fängst du an sie zu nerven!

Mädchen! Jetzt hast du es ja doch erzählt!

Naja, nur so halb, oder?

Untersteh dich!

Was machst du wenn ich es erzähle?

Dann bin ich böse mit dir!

Hm, das kann ich nicht riskieren.

Du hast Angst vor mir?

Nein, ich will nur dass du mich magst und nicht böse mit mir bist.

Das will ich auch von dir. Magst du mich lieber wenn ich es erzähle?

Nein mein Ritter ich mag dich immer gleich gern

Aber du willst dass ich es erzähle?

Für die Menschen da draußen.

Na gut. Liebe Menschen, das war so: Erst habe ich Merlin gefragt ob er mit mir spielt. Der hat nein gesagt. Dann habe ich Diego gefragt. Der hat aber auch nein gesagt. Und Caruso auch. Und der Gatsby lag auf der Seite in der Sonne und hat geschlafen. Und mir war das viel zu langweilig! Da bin ich ganz schnell hingetrabt und hab ihn ins Bein gekniffen. Mann hat der sich erschreckt! Er hat sich schnell auf den Bauch gedreht und wollte gerade aufstehen, als er gemerkt hat, dass ich das nur war. Und dann lag er da und hat ganz durcheinander ausgesehen. Das war soooooo lustig! Ich hätte ihn ja noch weiter geärgert, aber da hat Merlin gesagt: ok wenn es Dir so langweilig ist, komm halt her ich spiele mit Dir. Ich glaube Merlin hatte Mitleid mit Gatsby. Und Gatsby war so müde, der hat noch nicht mal mit mir geschimpft, nur so verschlafen geguckt. Ganz unfrisiert sah der aus, so wie ihr morgens beim Aufstehen.

So, Mädchen, zufrieden? Hab alles wahrheitsgemäß erzählt.

Schön, mein Ritter. Und jetzt wirst du sehen: die Menschen finden dich noch toller als vorher. Weil du so ein lustiger Schlingel bist!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 5

EIN WUNDER IST GESCHEHEN!

Ich kann es nicht fassen, sie hat uns auf die Weide gelassen!

Nur Merlin und mich.

Weil wir beide Schimmel sind (jaja ich auch! Nur noch kein weißer!)

Oder weil wir einfach immer sooooo artig sind (Ritter, Du sollst doch nicht lügen)

Oder weil sie will dass ich endlich wachse. Ok das würde für Merlin irgendwie nicht stimmen.

Weil wir so süß gucken (ich ja noch viel süßer als Merlin Ritter, nicht lügen!).

Gesagt hat sie, dass wir beide extra Essen brauchen (bekommen wir ja auch dauernd) und dass wir deswegen schon mal etwas Gras naschen dürfen. Leider nicht so richtig lang. Aber besser als gar nicht, oder?

Merlin ist mit Schwung auf die Weide gerannt – ich habe lieber gleich die ersten erreichbaren Halme verputzt.

Danach hat sie mit mir geübt, wie ich wieder reinkommen soll. Das ist sehr schwierig. Nicht, dass ich es nicht verstehen würde, aber es zu machen ist wirklich sehr schwer. Denn dafür muss ich das leckere Gras stehen lassen und zu ihr kommen. Es gab eine Möhre im Austausch. Dann durfte ich nochmal grasen. Dann hat sie mich wieder gerufen. Wenn ich sie ignoriert habe, hat sie mit ihrem Stick gewedelt und mich nicht essen lassen. Hm. Irgendwie sitzt sie immer am längeren Hebel. Aber sie hat ganz viel Verständnis gezeigt dafür dass das so schwer ist. Sie sagt, in ein paar Wochen können wir alle zusammen länger raus und dann ist es nicht mehr so schwer. Vorstellen kann ich mir das im Moment noch nicht. Ich würde am liebsten den ganzen Tag da stehen und Gras essen.

Stattdessen vertreibe ich mir die Zeit damit, meine Kumpels zu ärgern. Immer reihum. Jeder ist mal dran. Ich geh einfach hin und kneife einen herzhaft in den Po und gucke was passiert. Das ist sehr lustig! Manchmal ärgern die anderen sich über mich. Aber ganz oft spielen sie auch mit mir. Hauptsache es passiert was, dann bin ich schon ganz zufrieden. Ich mag nicht so gern, wenn die so viel herumstehen – ist doch total langweilig!

Welchen von beiden soll ich mal kurz kneifen?

Wenn ich dann genug herumgetobt habe, knalle ich mich auf den Bauch in die Sonne und ratze ein bisschen. Und wenn ich genug geratzt habe, stehe ich auf und überlege, wen ich jetzt ärgern kann. So ungefähr ist mein Tagesablauf. Ach so und zwischendurch sehe ich zu dass ich was zu essen kriege.

Schön in der Sonne gemeinsam schlafen….

Mein Mädchen lacht immer, wenn sie Merlin ruft und ich gleich mitkomme. Sie sagt dann immer „Du heißt nicht Merlin“ aber trotzdem bekomme ich was zu essen.

Ich habe jetzt verstanden dass ich kommen soll wenn sie „Duncan Dhuuuuuuu“ ruft. Aber wenn sie „Meeeeerlin“ ruft komme ich trotzdem auch. Klappt fast immer. Nur wenn sie Merlin dann reiten will dann wird es nix mit dem Essen für mich. Wobei: manchmal schon, wenn ich gaaaaaaanz artig am Tor Platz mache während Merlin raus geht. Dann findet sie einen Keks für mich in ihrer Tasche. Ihr seht: ich hab das schon ganz gut im Griff.

So jetzt habe ich aber wirklich keine Zeit mehr, mein Mädchen hat gesagt, wir dürfen heute wieder ein bisschen raus und ich hoffe, es ist bald so weit!

Bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 4

Neulich bin ich wieder in der Wackelkiste gewesen.

Ein komisches Ding. Man geht rein, dann wird man ordentlich durchgeschüttelt und wenn man wieder aussteigt ist man ganz woanders! Manchmal wird man auch nicht geschüttelt. Wenn man dann aussteigt ist man da wo man vorher war. Wahrscheinlich hat es dann einfach nicht funktioniert.

Ich habe mit Diego dem Großen gesprochen, während wir geschüttelt wurden und derweil Heu gegessen haben. Er hat eine erstaunliche Beobachtung gemacht: manchmal kommt man an Orten raus, die man auch zu Fuß hätte erreichen können – allerdings hätte es zu Fuß (ich meine: zu Huf) deutlich länger gedauert dorthin zu kommen.

Daher sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es sich um eine Art Zeitmaschine handeln muss. Vielleicht ist das mit dem Durchschütteln so als würde man ganz schnell laufen, also im Zeitraffer? Ich bin nicht sicher.

Aber ich habe einiges über die Wackelkiste herausfinden können. Zum einen ist sie nicht gefährlich (auch wenn einige Pferde das wohl glauben. Mein Schottenkollege Gatsby ist immer noch nicht hunderprozentig überzeugt von der Ungefährlichkeit). Man muss aber schon gut aufpassen, nicht umzufallen. Ich zumindest. Diego der Große sagt, ich soll mich einfach vorne, hinten und an der Seite abstützen. Aber ich fürchte, dafür bin ich zu klein! Ihr glaubt ja gar nicht wie das nervt, immer „zu klein“ zu sein! Mann!!! Stütze ich mich vorne ab, komme ich hinten nicht ran, stütze ich mich hinten ab, komme ich vorne nicht ran und wenn ich mich an der Seite abstütze und es dann doll wackelt fliege ich zur anderen Seite! Ich versuche jetzt immer diagonal zu stehen, das scheint mir die beste Taktik zu sein.

Weiter habe ich herausgefunden, dass man sich in der Kiste nicht umdrehen soll, auch nicht zum Aussteigen. Hat mein Mädchen mir erklärt. Ich weiß zwar nicht warum, aber wenn sie das so sagt, mache ich das so. Da hättet ihr mal sehen sollen wie großartig sie mich fand als ich zum ersten Mal ganz von alleine rückwärts da raus gegangen bin!

Ich habe inzwischen auch kapiert, dass ich ganz gut aufpassen muss beim Rückwärtsgehen, damit ich nicht plötzlich ins Leere trete. Ist zwar auch nicht schlimm, weil der Boden doch nie so ganz weit weg ist, aber ich mag es nicht so gern (und mein Mädchen auch nicht). Ich mache das jetzt ganz langsam mit viel Bedacht und höre genau zu was mein Mädchen mir sagt. Sie schaut für mich und sagt mir wo es langgeht. Eigentlich ein lustiges Spiel, so eine Art „blindes Pony“.

In der Wackelkiste gibt es auch immer was zu essen. Manchmal muss man länger drin stehen (als ich von meinen Eltern hierher gezogen bin, da war ich seeeeehr lange da drin) und manchmal nur ganz kurz.

Und jetzt habe ich auch noch herausgefunden, dass die Wackelkiste was mit Abenteuer zu tun hat. Tolles Ding! Eigentlich ist immer was spannendes passiert, wenn ich da rein gegangen bin.

Mein Mädchen sagt, sie hat jetzt ziemlich viel Zeit für mich und sie will noch lustigere Sachen mit der Wackelkiste machen. Rückwärts einsteigen zum Beispiel. Das ist nicht so einfach, glaube ich… Und sie will mir nochmal irgendwelche Details zeigen, wie das Einsteigen noch viel besser klappt. So ist sie eben: kaum kann ich etwas, findet sie, es geht doch auch NOCH besser. Ist sie denn nie zufrieden?

Liebe Menschen, ich wünsche Euch einen schönen Tag, genießt den Frühling!

Bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 3

Ich bin ja – wie Ihr wisst – ein Ritter ohne Furcht und Tadel. In Ausbildung.

Und ich gestehe, manchmal – wenn auch wirklich selten – fürchte ich mich doch. Natürlich nur ganz kurz. Sagen wir: ich erschrecke mich. Ein bißchen. Für ein Momentchen.

Ja, so könnte man es sagen.

Zum Beispiel gibt es bei Euch Menschen welche, die Räder haben. Zwei Räder. Und diese Menschen mit den Rädern die sind ganz leise. Wie ein hungriges Raubtier. Und schnell sind sie auch – genau wie ein Raubtier. Und sie kommen von hinten – wie ein Raubtier. Ich gestehe: da habe ich Momente der Schwäche. Mein Mädchen sagt, ich hätte ihr den Handschuh verbrannt und wenn sie keinen angehabt hätte, hätte sie loslassen müssen. Ich wollte nur ganz schnell ganz weit weg. Entschuldigung, mein Mädchen.

Mein großer Bruder Finlay (den ich ja leider nie persönlich treffen konnte) war da wohl mutiger als ich. Mein Mädchen sagt, der Finlay ist immer erstmal stehengeblieben wenn er sich erschreckt hat und hat geguckt. Oh. Ich wusste nicht, dass er SO mutig war. Mein Mädchen meint aber, ich könnte das auch lernen, sie zeigt mir wie das geht. Na da bin ich aber gespannt. Wenn ich mal denke wie oft SIE sich erschreckt….

Jaja, aus der Nähe betrachtet sind Menschen auch wenn sie Räder haben nicht gefährlich. Ich weiß schon. Ich war halt so in mein Gras vertieft. Das hatte ich mir so hart erarbeitet, weil mein Mädchen aus unerfindlichen Gründen die Regeln verschärft hat. Oh man, sie ist unerbittlich. Früher hat es ja gereicht, wenn ich brav angehalten habe und schon durfte ich essen. Jetzt wirft sie mir ja dauernd vor ich würde am Strick ziehen und also musste ich einige Kreise drehen bis sie endlich mit meiner Performance zufrieden war und mich endlich hat fressen lassen. Es riecht halt auch schon so gut nach Frühling und das Gras streckt gerade diese ersten grünen Spitzen heraus … Ihr Menschen habt keine Ahnung wie verfrührerisch das ist!

Naja, mein Mädchen war jedenfalls etwas überrascht, dass ich doch tatsächlich manchmal Angst habe. Hat sie mir schon gar nicht mehr zugetraut. War ja auch wirklich nur ein ganz kurzer Moment. Und sind wir mal ehrlich: selbst Diego der Große hat solche Momente, in denen er mal einen Sprung zur Seite macht. Nicht bei Menschen mit zwei Rädern, aber bei großen Steinhaufen am Wegesrand. Weiß doch jeder, dass Steinhaufen in der Regel hungrige Drachen beherbergen. Menschen sind da wirklich naiv. Stattdessen erwarten sie, dass wir uns vor vollkommen harmlosen Dingen erschrecken wie schnelle Autos, riesige Trecker oder gar Regenschirme (die harmlosesten Geschöpfe unter dieser Sonne).

Also merkt Euch, Ihr Menschen: was gefährlich ist und was nicht – da fragt Ihr lieber uns Ponys. Wir kennen uns da wirklich besser aus.

Bis bald und bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Sie hat mich angelogen! Ich glaube es einfach nicht! Diego der Große hat mir erzählt, dass Finlay SEHR WOHL auch manchmal einfach losgerannt ist! Nämlich bei Menschen mit zwei Rädern – allerdings den anderen, den lauten. So mein Mädchen, jetzt bist Du fällig!!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 2

Was kann schöner sein als ein Nickerchen in der Frühlingssonne?

Heute Vormittag habe ich einen ganz wunderbaren neuen Schlafplatz gefunden! Netterweise hat man mir einen Erdhügel hingelegt, auf dem ich meinen Kopf schön weich und warm betten kann. Herrlich war das, da so in der Sonne zu liegen und zu schlummern während Diego der Große auf mich aufgepasst hat.

Ihr Menschen habt ja jetzt Wochenende, hat mein Mädchen gesagt. Was immer das sein soll. Ich glaube es sind die Tage an denen Ihr am meisten Zeit für uns hat. Aber im Moment ist für einige von Euch irgendwie immer Wochenende. Für andere nie. Alles sehr verwirrend.

Na jedenfalls hat mein Mädchen mir ein neues Lied vorgesungen, das kannte ich noch gar nicht. Sie sagt, sie hat es immer beim Ausreiten mit Finlay gesungen wenn so ein Wetter war wie heute. Vom Ausreiten träumt sie ganz oft. Ich auch, weil sie sagt, wir können dann länger und vor allem schneller unterwegs sein.

Da sie für Euch hier nicht singen kann (oder will) schaut doch mal hier. https://www.youtube.com/watch?v=v_oBX-Cz2fg

Wenn das keine gute Laune macht! Und der Himmel ist so blau, keine von den komischen weißen Streifen. Hier bei uns ist alles ruhig und friedlich. Die Vögel singen auch immerzu und wenn ich meine Ohren ganz spitz mache, kann ich das Gras wachsen hören. Ja wirklich!

Das müsst Ihr unbedingt mal versuchen. Überhaupt müsstet Ihr wirklich mal von diesem jungen Frühlingsgras kosten. Ihr verpasst ja das beste! Wir dürfen leider noch nicht auf die Weide, aber wir finden schon ein paar köstliche Hälmchen hier und da. Vor ein paar Tagen waren wir auch wieder spazieren, mein Mädchen und ich, und da haben wir auch schon schöne Grasstellen gefunden. Leider hat mein Mädchen es immer so eilig, da wieder weg zu kommen. Da werde ich sie noch besser ausbilden müssen. Geduld, Mädchen, Geduld! Da ist noch ein Grashalm, der unbedingt gekostet werden will….

Also Ihr lieben Menschen: Geht in den Sonnenschein, genießt den Frühling. Mutter Erde lässt sich nicht aufhalten, sie sorgt für uns alle und stellt neue Energie bereit. Und wenn auch im Moment noch ein kalter Wind weht (deswegen habe ich noch die Winterrüstung an!) so ist es doch wunderschön und sehr gesund. Und wenn Ihr ganz still werdet, dann lauscht auf das Gras, wie es leise wächst. Da Ihr ja Abstand halten sollt, wird auch niemand neben Euch Krach machen und Euch reinquatschen wie es sonst immer ist. Viel Spaß!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu

Liebe Freunde und Bewunderer,

vor ein paar Tagen kam mein Mädchen ganz aufgelöst und durcheinander zu uns in den Stall. Wir Ponys merken ja so was sofort. Wir haben sie gefragt was los ist und sie hat uns erklärt, dass ihr Menschen gerade eine schwere Zeit durchmacht. Wir verstehen das – wir wissen, was schwere Zeiten sind. Wir wissen auch, wie schwer es sein kann, nichts tun zu können und Geduld haben zu müssen.

Mein Mädchen meinte, dass wir alle – Pferde und Menschen – in den nächsten Wochen damit leben müssen, dass die Dinge nicht so laufen wie sonst. Dass wir jeden Tag mit neuen Änderungen rechnen müssen und unsere Welt sich nicht so rund und verlässlich dreht wie sonst.

Wir haben ihr natürlich sofort unsere Hilfe angeboten.

Aber sie sagte, wir können nicht helfen. Wir könnten nur Geduld haben mit Euch Menschen, wenn ihr jetzt alle so durcheinander und überfordert seid und Euch vielleicht nicht so gut um uns kümmern könnt wie normalerweise.

Aber wie immer hat sie mich unterschätzt! (Wann lernt sie es?)

Natürlich kann ich Euch helfen, denn ich bin schließlich Ritter (in Ausbildung) und obwohl ich Euren Feind nicht direkt bekämpfen und besiegen kann (was ich nur zu gern tun würde), kann ich Euch doch etwas geben, was wir Ritter als erstes in der Grundausbildung lernen: Ritterliche Tugenden.

Was Ihr jetzt braucht, liebe Menschen, ist Mut und Tapferkeit, Geduld und guten Zusammenhalt. Jeder von Euch braucht Selbstbeherrschung aber auch verrückte Ideen. Jeder einzelne von Euch braucht Durchhaltevermögen. Und Ihr braucht eine gute Portion Humor. Lachen ist so wichtig und selbst wenn Ihr manchmal vielleicht nicht lachen könnt, könnt Ihr Euch wenigstens ablenken von Euren Sorgen. Und dabei möchte ich Euch nach Kräften unterstützen.

Deswegen habe ich beschlossen, Euch nun so oft wie möglich ein bißchen was aus meinem Leben zu erzählen.

Mein Mädchen wird ganz normal jeden Donnerstag einen tiefsinnigen, langatmigen, schwer zu lesenden Beitrag schreiben wie gehabt (Moment mal, mein Ritter, was soll das denn heißen?)

aber ich werde euch zwischendurch kleine Geschichten und Anekdoten erzählen, die Euch zum Schmunzeln bringen und Euch etwas geben, worüber ihr gemeinsam kichern könnt – durchs Telefon. Meine Beiträge werden alle die Überschrift „Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu“ tragen, damit Ihr sie von den normalen Beiträgen gut unterscheiden könnt. Und sie werden nummeriert sein, damit wir nicht den Überblick in der Reihenfolge verlieren.

Mein Mädchen hat gesagt, dass viele von Euch jetzt viel Zeit zum Lesen haben werden. Naja, was spricht dagegen, all die Geschichten die mein Mädchen über mich geschrieben hat (nochmal) zu lesen? Und wenn Ihr etwas bestimmtes über mich wissen wollt, schreibt doch einfach Eure Fragen in die Kommentare. Ich beantworte sie Euch gern. (Wenn sie nicht zu intim sind, Ihr versteht schon.)

Erzählt Euren Freunden davon und lasst uns diese Zeit mit lustigen Geschichten füllen! Ich werde mein Mädchen auch bitten, viele Fotos und Videos zu machen damit Ihr mich in voller Schönheit bewundern könnt. Bald werde ich Euch alle mit meiner neuen Sommerrüstung überraschen!

Ich wünsche Euch, Ihr lieben Menschen, dass Ihr Euren Feind schnell besiegen könnt, dass Ihr stark bleibt, zusammenhaltet und klug vorgeht und dass Ihr niemals Eure eigene Ritterlichkeit vergesst. Wir Pferde stehen natürlich immer an Eurer Seite und helfen Euch wo wir können.

Bis ganz bald und bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Klemmbrett

„Der hat bestimmt ein kleines Klemmbrett“ sagt meine Freundin „auf dem er sich immer Notizen macht“.

Und tatsächlich stelle ich mir vor, wie Sir Duncan einzelne Punkte auf seinem Klemmbrett abhakt, neue Notizen hinzufügt und einige durchstreicht oder verändert.

Anders ist sein Lernverhalten fast nicht zu erklären.

Ich erzähle meinen Schülern – besonders denen mit jungen Pferden – schon seit Jahren, dass ein gutes Lernverhalten das allerwichtigste ist, wenn wir mit unserem Pferd weiterkommen wollen. Und ich setze da andere Prioritäten als viele andere. Vor vielen Jahren fragte mich jemand nach einem Kurs, wieso Merlin und ich Änderungsvorschläge des Lehrers eigentlich immer so viel schneller umsetzen können als andere. Die Antwort liegt in dem was wir im Alltag zusammen tun. Ich übe niemals eine Lektion auf die immer gleiche Art und Weise und perfektioniere sie so. Stattdessen übe ich verschiedene Aspekte der Lektion und nähere mich ihr von verschiedenen Seiten. Außerdem belohne ich nicht unbedingt die beste Ausführung (es sei denn es ist ein Riesensprung nach vorn passiert) sondern in der Regel belohne ich konzentrierte Versuche und große Aufmerksamkeit. Ich belohne es, wenn Merlin bemerkt, dass Kriterien sich geändert haben und etwas Neues probiert. Auf diese Art haben wir eine sehr flexible Kommunikation. Wenn nun ein Lehrer kommt und sagt „mach das mal mehr so“, ist Merlin nicht überrascht, sondern kann sich schnell auf die Änderungen einstellen.

So richtig habe ich erst gemerkt, wie gut er das kann, als ich festgestellt habe, dass Finlay damit Probleme hat. Mit Finlay habe ich Sachen sehr stark auf eine Art und Weise erarbeitet. Ich dachte ja, ich hätte den perfekten Plan! Später fiel mir dieses Vorgehen auf die Füße, denn Finlay bestand darauf, dass wir Dinge immer gleich tun. Bestimmt ist das auch eine Typfrage: das eine Pferd wird von Natur aus Dinge lieber immer gleich tun, das andere nicht.

Es birgt beides seine Tücken. Ein Pferd, das Dinge immer gleich tut, ist auf eine gewisse Art sicherer für uns Menschen und vielleicht im Alltag einfacher zu „bedienen“. Es wird sich nicht so schnell neue Taktiken überlegen, wie es zu dem kommt was es möchte. Wenn wir aber Lektionen verbessern und verfeinern wollen, wird dieses Pferd es schwerer haben. Und wehe wenn wir ihm aus Versehen ein blödes Verhalten beigebracht haben, das wir schwer wieder loszukriegen sein.

Mein Merlin hingegen (und all die anderen flexiblen Pferde) kommt schnell auf neue Ideen, da muss ich als Mensch schon etwas wacher sein und mehr aufpassen was passiert. Dafür ist er eben auch schneller in der Ausbildung, weil wir neue Tipps und Ideen schneller umsetzen können.

Nachdem ich lange dachte, es wäre NUR eine Typfrage, bin ich inzwischen der Meinung es ist eine Mischung. Ein Teil ist angeboren, aber die Pferde werden sich auch in die eine oder andere Richtung entwickeln, je nachdem welche Prioritäten ich in der Ausbildung setze.

Ganz am Anfang – da wo Duncan und ich jetzt stehen – ist es natürlich so, dass Dinge erst mal immer gleich laufen, damit überhaupt eine Kommunikation entstehen kann. Duncan soll rückwärts gehen um seine Futterschüssel zu bekommen war einer dieser Schritte und erst mal galt das IMMER. Als er das verstanden hatte, konnten wir an den Details arbeiten: diese Regel gilt NICHT, wenn das Halfter drauf ist. Und wenn ich ihn mit der Schüssel an einen anderen Ort im Stall locken will, dann ist weder rückwärts gehen noch wegschauen die richtige Lösung.

Und hier kommt das Klemmbrett ins Spiel. Mir scheint, mein kleiner Ritter hat ein unglaublich systematisches Vorgehen (und zwar angeboren, niemand hat ihm das beigebracht). Das führt zu lustigen Situationen: Er steht an seiner Schüssel und frisst. Ich möchte ihn in einen anderen Stallteil bugsieren und nehme die Schüssel und gehe dort hin. Er steht an seinem Platz und schaut betont weg. Ich rufe ihn. Er schaut weg. Dann merkt er: klappt nicht. Er geht etwas rückwärts, schaut mich kurz ratlos an. Dann kommt er zögerlich auf mich zu, bleibt zwischendurch wieder stehen und schaut weg. Schließlich kommt er, kommt mir aber zu nah. Ich bleibe stumm stehen, lasse ihn nicht an die Schüssel und warte was passiert. Er geht einen Schritt zurück, schaut mich an, bekommt seine Schüssel. Und in seinem Gesicht kann ich sehen, wie er ein kleines Häkchen auf seinem Klemmbrett macht. Beim nächsten Mal hat er seine Taktik schon deutlich verfeinert und fängt an nach Details zu suchen. So muss ich immer wachsam sein und immer schon entschieden haben welches nächste Detail ich belohnen möchte. Zum Beispiel die Art WIE er wegschaut. Wenn ich nun schon (aus Versehen!) das Wegschauen etabliert habe, möchte ich es wenigstens in schöner, ruhiger Version bekommen (im Moment ist es noch eher hektisch).

Beim Führen haben wir derzeit manchmal Schwierigkeiten. Duncan hat es phasenweise recht eilig wenn wir spazieren gehen und klein wie er ist, ist sein Schritt doch schneller als meiner. Er läuft dann vor und zieht beständig leicht am Strick – sehr nervig. Ich habe diverse Taktiken ausprobiert: ihn einfach ganz direkt ausbremsen durch Zupfen am Strick. Hilft 1 Sekunde lang. Ihn mit dem Seilende von vorn begrenzen: hilft 2 Sekunden lang und macht ihn wütend, Kopfschlagen ist die Folge. Stehenbleiben und warten dass er sich wieder neben mir einsortiert, dann weitergehen. Hilft mit Glück 1 Minute. Natürlich habe ich es auch mit Graspausen bei anständigem Laufen versucht, aber das birgt große Tücken, weil wir ja dann auch in Würde und Anstand zum Gras kommen müssen. Meist weiß er aber schon, dass ich eine Graspause plane, wenn ich das entsprechende Grün entdeckt habe und fängt dann sofort an, deutlich am Strick in diese Richtung zu ziehen. Ich habe versucht (und werde das sicher noch öfter so machen) neben der Grasstelle so lang auf und ab zu gehen bis er nicht mehr dorthin zieht, erst dann darf er grasen. Aber um das allgemeine Tempo raus zu nehmen ist das keine Lösung. Außerdem gibt es im Wald einfach zu wenig gute Grasstellen dafür.

Ihm im Gehen einen Keks zu geben wenn er es gut macht führte zu katastrophalem Keksverhalten (obwohl ich mit meinem Markersignal gearbeitet habe, er also den Keks nur bekam, wenn ich vorher „Keks“ gesagt hatte).

Es ist ja immer die Frage, warum so ein Verhalten auftritt. Einen Großteil der Zeit, die wir gemeinsam gehen, passt Duncan sich prima an mein Tempo an. Und dann bekommt er plötzlich so einen „Rennflash“, zischt los und hat einen Siebenmeilenschritt am Leibe, den ich einfach so nicht mithalten kann. Wenn ich dann doch versuche, mitzuhalten, wird er noch schneller und trabt ihm Zweifelsfalle an. Wahrscheinlich – wenn ich beliebig sein Tempo mithalten könnte – würde er einfach ein Stück schneller laufen wollen und dann wieder in Schritt fallen. Leider kann ich ihm das nicht bieten. Denn auch wenn ich dann mit ihm ein Stück trabe, bin ich ihm viel zu langsam. Tja mein Ritter, so lange ich neben dir herlaufen muss wirst du mit meiner Langsamkeit leben müssen (wenn ich später im Sulky hinter dir sitze wirst du damit auch leben müssen, weil ich das Tempo schon gern bestimmen würde…. Aber dann können wir wenigstens längere Strecken flott traben).

Ich vermute, es handelt sich um das selbe Verhalten wie im Paddock: er wandert ruhig mit den anderen herum und plötzlich überkommt es ihn und er muss jemanden ärgern. Dann folgt eine kleine Spiel- und Raufeinheit und genauso plötzlich wie die gekommen ist, ist sie auch wieder vorbei und er ist wieder ganz entspannt. Sein Energielevel geht sehr schnell rauf und runter. Vermutlich eine Altersfrage, von kleinen Kindern kennen wir das ja auch. Aber wenn wir spazieren gehen wollen, müssen wir eine vernünftige Lösung finden. Und ich möchte auf dem Spaziergang auch gerne etablieren, dass das Tempo eher gleichbleibend ist, daran kann er sich ruhig jetzt schon gewöhnen und das einüben. In seiner Freizeit kann er ja tun was er möchte.

Also habe ich weiter nach einer Lösung gesucht und ich glaube, ich habe eine gefunden: sobald er ein Stück artig neben mir her geht OHNE am Strick zu ziehen, halte ich ihn an und dann gibt es den Keks. Führt nach Duncan-Art zu folgendem Verhalten: er geht artig neben mir her, schaut mich im Gehen immer wieder auffordernd an (er hat dann diesen ganz bestimmten Blick der sagt:  „ich hab das toll gemacht! Zeit für eine Belohnung!“) und wenn ich ihn mit der Stimme zwischendurch lobe bleibt er stehen und fragt nach dem Keks.

Jetzt, Sir Duncan, ist wieder Zeit für Dein Klemmbrett: finde heraus, wie lange Du so neben mir hergehen sollst, welche Position wann gefragt ist und finde heraus, dass von selbst stehenbleiben nicht die Lösung ist. Finde heraus, dass ein Stimmlob bedeutet: „sehr gut, mach weiter so!“ Und finde heraus, dass es länger dauert bis der Keks in Deinem hungrigen Mäulchen landet wenn Du mich dabei störst, ihn aus der Tasche zu fummeln als wenn Du einfach abwartest.

Vielleicht erschaffe ich jetzt ein neues Problem. Vielleicht wird er nun dauernd stehenbleiben. Aber ich vertraue auf sein Klemmbrett und seinen Notizen, dass er das nicht allzu oft versuchen wird. Und vielleicht sollte ich mir auch mal so ein Klemmbrett anschaffen. Denn mein kleines Systematiker überlässt nichts dem Zufall, da darf ich wach und aufmerksam sein und immer mitbekommen was er sich neues überlegt hat. Ich fürchte, wenn ich Fragen unbeantwortet lasse, wir er eigene Antworten finden – und ob die immer in meinem Sinne sind…