Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 164

1,40m! Das sind 140cm, also ganze 1400mm oder wie wir Schotten sagen: 13,8 hand! So und jetzt sag noch mal ich wäre klein, mein Mädchen! Von wegen. Voll groß bin ich nämlich geworden. Und in der Breite hat sich ja auch schon einiges getan, hast Du ja selbst gesagt. Schöner Po und so.

Nachdem wir ja im Urlaub Bootcamp waren ist der auch noch schöner geworden, weil noch knackiger. Und ich arbeite auch fleißig an meiner Farbgebung.

Ganz aktuell von heute

Wir haben heute Fotos gemacht. Weil ich an meiner ersten Highlandpony-Show teilnehme! Aber halt nur virtuell. Daher haben der Mann und mein Mädchen mich geschniegelt und gebügelt. Sogar den Schweif haben sie mir gewaschen. Der Mann ist ja mein persönlicher Coiffeur, der kennt sich mit Wallehaar voll gut aus. Dann musste ich artig ohne Halfter mitten auf der grünen Wiese stehen ohne zu essen. Boah das war schwer! Aber ich kann das. Und es gab Kekse.

Jetzt steht mein Foto im Internet und konkurriert mit der Konkurrenz. Oder so. Mein Mädchen sagt es ist völlig egal ob die Jury mich toll findet. Weil ich nämlich definitiv der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke bin. So oder so. Gut, dann kann es mir ja auch egal sein. Aber so ein Schleifchen würde ich schon nochmal nehmen. Na wir werden ja sehen!

Tja das sind so die Neuigkeiten von heute – aber ich hab noch mehr zu erzählen, also freut Euch schon mal auf mehr Tagebuch von

Eurem Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. jetzt 140cm groß!

Erinnerung

Facebook zeigt mir heute diese Erinnerung. Und die teile ich einfach mal mit Euch.

Unser allererster Distanzritt – Schusteracht 2018 28km

Der Wecker klingelt zu einer Uhrzeit zu der Weckerklingeln eigentlich verboten sein sollte. „Geh auf Distanzritt“ haben sie gesagt – „das macht Spaß“ haben sie gesagt. Warte mal – Spaß? Um diese Uhrzeit? (An dieser Stelle möchte ich erwähnen dass die Geschichte eine tragische Wendung genommen hat – wir hätten mindestens eine, fast noch zwei Stunden länger schlafen können….) Erstmal den Hafermotor betanken. Der Schotte hat die Nacht mit seinem Reitkumpel bei uns im „Distanzponyferienlager“ verbracht und die beiden haben hart an ihrer Heubauchfigur gearbeitet (so hart, dass der Sattelgurt beim Pony meiner Freundin vor dem Ritt kaum zugehen wollte). Meine Freundin taucht auf und sieht ungefähr so aus wie ich mich fühle. Dann gehts los. Auf einer großen Weide stehen schon einige Fahrzeuge, aufgebaute Paddocks, Pferde, Menschen…. wir bauen unser Paddock auf und parken die Ponys dort. Dann gehts an die Meldestelle. Wir gestehen unsere Ahnungslosigkeit und werden sehr nett in Empfang genommen. Alles wird uns gut erklärt und es ist auch wirklich nicht schwierig. Wir stehen ganz oben auf der Liste und bekommen die Startnummern 1 und 2!

Wir putzen die Ponys und ich stopfe Finlay in seine Hufschuhe, dann geht’s zur Voruntersuchung. Beide Ponys kommen anstandslos durch und die Nummern werden auf ihre schönen Pony-Popos gemalt. Finlay startet eine erste Charme-Offensive, wickelt sich fix die Tierärztin um den Huf und bekommt prompt neben seine Startnummer noch ein Blümchen gemalt 🙂 Ich staune über mein Pony: anscheinend hat er jetzt wirklich raus, was Menschen charmant finden und was nicht. Er hat alle gut im Griff und nagt nicht wie früher einfach jeden an, den er sympathisch findet.

Unsere Ponys sind sehr entspannt, beide mit Pulswerten von 36. Wir eher nicht so, aber bei uns wird ja der Puls nicht gemessen. Rein in die Klamotten, ich entscheide mich aufgrund des Regenradars, den Regenmantel lieber anzuziehen. Dann an den Start. Finlay möchte los, er will nicht warten bis die Startzeit in die Check-Karte eingetragen wurde. Und dann ist es endlich so weit: Abritt! Die Ponys so „ach wir gehen einfach ausreiten – na das ist ja cool!“ Für uns Reiter ist es zu Anfang gefühlt eher eine Schnitzeljagd. Unter einem „markierten Ritt“ hatte ich mir so was vorgestellt wo die schnellen Reiter (zu denen wir ja zum Glück noch lange nicht gehören) auch im Galopp noch den Weg finden. Naja, anscheinend tun sie das ja auch, aber wohl nur weil sie es schon so oft geübt haben. Ich bin jedenfalls froh, die Karte schon auf dem Handy zu haben, so dass wir uns immer schnell vergewissern können, dass wir noch richtig sind. Zu Anfang ist das Gelände wie bei uns zu hause: Plattenwege. Tempomäßig sind die Ponys gut drauf und wir kommen flott voran. Für ein erstes Foto unter einem schönen Torbogen nehmen wir uns aber Zeit und lachen über uns selbst als wir uns vorstellen wie Profis dieses Verhalten beäugen würden.

Mein linkes Bein ist heute irgendwie unglücklich mit dem Steigbügel, Knie und Knöchel fangen bereits nach kurzer Zeit an, zu maulen, aber die meiste Zeit ist es einfach nur toll, so zu reiten. Der Wind fegt uns um die Ohren, der Schotte hat allerbeste Laune und wir genießen die Zeit. Und plötzlich sind wir schon am ersten Vet-Check bei km9! Wir treten auf die Bremse, damit die Ponys die vorgegebenen Pulswerte schnell erreichen. Die Bagaluten nehmen einen guten Schluck Wasser aus der Tränke und sorgen damit für Freude bei der Vet-Crew, die Pulswerte sind fein. Unser lieber Trosser Arnulf nimmt uns die ersten Jacken ab – ist dann beim reiten doch wärmer als gedacht, aber den Regenmantel zieh ich wieder drüber wegen schwarzer Wolken am Himmel – und begleitet uns ein kleines Stück mit dem Auto zur ersten Querung der Bundesstraße, da uns weise empfohlen wurde, dass dort vielleicht besser jemand hilft. Tatsächlich ist das gar nicht so blöd. Auf der anderen Seite der B76 ist das Gelände plötzlich traumhaft schön – wir reiten durch den Wald (und denken öfter mal an die Reiter der großen Warm- und Vollblüter während wir uns unter Zweigen her ducken), dann kommen wir an die Schwentine und fühlen uns kurz wie Grafschaften, die durch ihren Park reiten. Über eine wunderschöne Holzbrücke (hier denken wir kurz an die Reiter, die nicht so coole Pferde haben wie wir) und dann weiter durch den Wald. Da wir hervorragend in der Zeit liegen und Finlay eine erste Müdigkeitsphase hat (km14 – Lios erste Panikattacke. Erst die Hälfte geschafft und Pony schon müde?) machen wir eine Graspause, in der ich auch endlich meinen Regenmantel ausziehen kann, in dem es mittlerweile regnet, weil ich so schwitze. Das Wetter bleibt uns gnädig: obwohl immer wieder schwarze Wolken zu sehen sind bleibt es trocken.

Weiter geht die Reise über die nächste Schwentine-Brücke und dann noch eine. Ich möchte meine Freundin romantisch filmen wie sie mit ihrem Pony über die Brücke läuft, aber ihr Pony hat andere Pläne und weigert sich, da rüber zu gehen. Während sie auf ihr Pony einredet und ich mit der Handy-Kamera rumfummel fühlt Finlay sich unbeobachtet genug um schnell mal zu pinkeln – Ihr glaubt gar nicht über was für bekloppte Sachen Reiter sich freuen können! Das hat er nämlich auf einem Ritt noch nie gemacht und es war wohl das ein oder andere mal die volle Blase, die ihn langsam laufen ließ. Als das erledigt ist, gehen Finlay und ich zusammen voran über die Brücke. Geritten mag er auch nicht drüber, aber als ich vorne weg gehe, ist er absolut einverstanden. Lautes „klong klong“ hinter uns lässt mich wissen, dass auch das beschlagene Pony meiner Freundin jetzt mitkommt.

Wieder rauf auf die Ponys und weiter geht die Reise. Wunderschöne Graswege neben den eigentlichen Wegen und Straßen scheinen das Markenzeichen der Schusteracht zu sein. Die Ponys freuen sich über den weichen Boden, der Schotte ist wieder putzmunter und bietet immer wieder einen kleinen Galopp an, heute schneller und länger als jemals zuvor! Wir kommen wieder an die B76 und überqueren sie mit Arnulfs Hilfe. Danach kommt noch so ein wunderschöner Grasweg und wir galoppieren zügig einen Hügel hoch, als ich plötzlich ein verdächtiges Geräusch höre. Ich denke „da ist doch ein Hufschuh lose“ aber der Schotte galoppiert völlig unbeirrt weiter und ich meine, vielleicht ist doch alles ok. Dann kommen noch komischere Geräusche und obwohl der Schotte sich nicht daran stört, halte ich an und sehe das Desaster. Er hat den Hufschuh total zerlegt und schleift ihn nur noch an der Gamasche hinterher. Wie er das geschafft hat, ist mir ein Rätsel, aber im Moment gibt es nur eine Lösung – der Schuh ist tot, also muss mein Pony den Rest hinten barhuf bewältigen. Zum Glück weiß ich ja schon, dass die Strecke gut genug ist dafür. Ein bißchen fluchend reiten wir weiter und schmieden Pläne, ihm einen Klebebeschlag zu verpassen.

Ein Stück weiter bei km18 ist dann der zweite Vet-Check. Um die Pulswerte zu senken, reiten wir vorher Schritt, kommen aber an einer gruseligen Biogasanlage vorbei, die den Puls erst mal wieder hochjagt. Zum Glück ist sie noch weit genug weg vom Check, der an der selben Stelle wie der erste liegt – ab jetzt ist die Strecke dann die selbe wie am Anfang. Die Ponys kommen wieder schnell auf den erforderlichen Pulswert und wir dürfen – nachdem der Schotte noch ein paar Komplimente bezüglich seiner Schönheit einkassiert hat – weiter. Obwohl Herr Finn langsam doch etwas müde wird, findet er nochmal Reserven und gibt immer wieder Gas. Mein linker Knöchel tut langsam übelst weh und wenn wir zu hause wären würde ich jetzt ein Stück laufen. Aber wir wollen ja ein bisschen flott bleiben, also weiter. So ist das wohl mit dem Ehrgeiz… Der Schotte hat immer noch den einen oder anderen Galopp im Angebot, wofür ich sehr dankbar bin, weil mein Knöchel im Galopp nicht weh tut. (Tags danach habe ich erst das getan, was ich zu Anfang hätte tun sollen – nachgeschaut ob die Bügel gleich lang sind. Wie überaus bedauerlich, dass ich nicht auf mein Gefühl gehört habe, sondern lieber 28km mit ungleich langen Bügeln unterwegs war mit dem Mantra „niemand anders benutzt diese Bügel, sie können nicht verstellt sein“. Als ich das gesehen habe, wollte ich irgendwie gern den Kopf gegen die Wand hauen. Aber das hilft ja auch nicht gegen Schmerzen im Knie….)

Aufgrund der fehlenden Schuhe sind wir etwas gehandicapt, weil wir nun den Grasstreifen nutzen und wir eine Strecke Schritt reiten, die wir sonst noch hätten traben wollen. Aber wir liegen hervorragend in der Zeit und also ist es uns egal. Die Ponys bewältigen noch einmal ein paar Gruselecken vom Anfang – Baustelle rechts, Kettensäge links… Und plötzlich sind wir wieder da und haben es geschafft! 28km in 190min – sehr sehr viel schneller als angedacht und mit einem immer noch recht fitten Schotten (das Pony meiner Freundin ist ja körperlich sowieso fit genug dafür). Wir vergessen fast, die Ankunftszeit in die Check-Karten eintragen zu lassen, weil wir so im Reit-Flow sind, aber zum Glück passen alle gut auf uns Anfänger auf und pfeifen uns sofort zurück. Die Pulswerte sind ok und so dürfen die Ponys erstmal mit Abschwitzdecke in ihr Paddock zurück. Gras mögen sie nicht, die Weide ist leider sehr vollgeäppelt, also gibt es mitgebrachtes Heu, worüber sie sich freuen.

Jetzt zeigt sich, wie müde das Pony meiner Freundin ist – nicht körperlich, sondern geistig. Während Finlay und ich ja häufig mit Arnulf und Diego zum ausreiten losziehen und auch schon auf Kurs waren mit Fremdübernachtung kennt ihr Pony sowas gar nicht. Er hat ja nun auch die Nacht schon fremd bei uns verbracht und jetzt, wo es geschafft ist, wirkt er total überwältigt von all den Eindrücken. Er steht nur noch und döst. Die Sonne kommt raus und wärmt die Ponys auf, so dass sie bald wieder trocken sind. Der Schotte sieht höchst zufrieden aus mit sich und der Welt und startet weitere Charme-Offensiven mit jedem Menschen, der in seine Nähe kommt. Nach 2 Stunden dürfen beide zur Nachuntersuchung und werden für ok befunden. Die Tierärztin verhandelt mit meiner Freundin, ob sie nicht ihr Pony haben kann (allerdings möchte sie es mit dem Kompressor aufpusten, denn es ist ihr zu klein) aber meine Freundin liebt ihr Pony und lehnt das Kaufangebot ab. Und dann dürfen die Bagaluten auch schon wieder ins Taxi steigen und lassen sich von Arnulf nach hause kutschieren, während meine Freundin und ich die Siegerehrung erwarten.

Viel später ist es dann so weit. Und obwohl seit dem Tag, an dem wir beschlossen haben, einen Distanzritt reiten zu wollen (irgendwann im Dezember?) für mich total klar war, dass wir ganz unten auf der Liste stehen und der Schotte eine rote Laterne mit nach hause nimmt, ist das keineswegs der Fall! Als das Verlesen der Zeiten (natürlich mit dem langsamsten Ritt beginnend) seinen Lauf nimmt, sind wir höchst überrascht, dass so viele Reiter vor uns genannt werden. Tatsächlich liegen wir ziemlich genau in der Mitte des Feldes! Wir nehmen unsere Plakette und einen Beutel Mash-to-Go entgegen und gewinnen sogar noch ausgeloste Preise (leider wusste das Los nicht, dass blau-graue Streichkappen nicht auf meinem Wunschzettel stehen – möchte jemand welche haben?) Wir fahren nach hause und laden das Pony meiner Freundin wieder auf, denn er soll noch in seinen Heimatstall. Er ist allerdings so kaputt, dass das einiges an Überredung kostet und ich beobachte erneut, wie Verhalten plötzlich nicht mehr funktioniert, weil der Kopf einfach überdreht und überfordert ist. Letztendlich steigt er aber doch ein und ich vermute, er hat zu hause erst mal zwei bis drei Mützen voll Schlaf genommen. Mein Schotte derweil hatte das Abenteuer seines Lebens und findet, es war ein wunderbarer Tag- und das finden wir auch!

Dieses Jahr kann ich mit Freude im Herzen auf diese schöne Erinnerung zurück blicken. Wenn ausnahmsweise alles nach Plan läuft, starten Duncan und ich in zwei Jahren auf genau diesem Ritt zum ersten Mal gemeinsam. Ich hoffe dass es klappt und freue mich schon drauf, diese schöne Erfahrung mit meinem besten Pony 2.0 zu wiederholen….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 163

„Aua Mädchen guck mal, meine Schnute tut so weh!“

Ui da hat mein Mädchen sich aber bös erschreckt. Meine Lippe und meine Nase, alles geschwollen! Voll fies war das! Mich hatte nämlich was gestochen als ich am Wegesrand Gras gefressen hab.

Da hat mein Mädchen schnell den Tierarzt angerufen, der hat mir eine Spritze gegeben (Spritze kann ich. Da sag ich keinen Mucks). Dann hat er gesagt wir sollen das kühlen. Also kam mein Mädchen mit einem Eisbeutel. Damit es etwas schottischer wird, hat sie den in ihr kariertes Taschentuch gewickelt. Ich fand die Kühlerei trotzdem erst mal doof, wo doch meine Schnute so weh getan hat!

Dicke Lippe…
Dicke Nase – aua!

Aber wir haben einen Deal gemacht: paar Sekunden die eine Stelle kühlen, dann eine andere, denn noch eine andere und dann hab ich einen Keks bekommen. Dann das ganze von vorn. So ging es dann schließlich doch ganz gut. Und so nach einer guten Stunde war es schon viel besser. Dann haben sie mir noch so ein Spray drauf gemacht und ich durfte erst mal Heu essen gehen. Aber natürlich kam mein Mädchen dauernd wieder angerannt um zu gucken ob es mir auch wirklich gut geht. Auch mitten in der Nacht kam sie wieder mit halb geschlossenen Augen in den Stall getorkelt Diego war grad so schön am schlafen und ich hab bisschen Heu geknabbert. Bin dann zu ihr hin geschlurft, hab mir einen Keks geholt und bin wieder zurück geschlurft zum Heu, ohne Diego zu wecken.

Na jetzt bin ich zum Glück wieder fit! Und ich weiß jetzt, wo ich meine Nase besser nicht rein halte.

Euer zerstochener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 162

Ich glaube ich bin im Boot-Camp gelandet! Wir waren heute schon wieder so lang unterwegs! Da es etwas kühler war als gestern, war Diego der Große heute auch wieder ganz er selbst. Gestern war es ihm zu warm, dann ist er langsam und hat keine rechte Lust. Aber heute hatte er wieder seinen üblichen Turboschritt und mein Mädchen und ich sind kaum hinterher gekommen. Uff, der hat aber auch lange Beine! Wenn ich vorne laufen darf, geht es etwas besser. Wenn ich hinter ihm war, fühlte ich mich schnell abgehängt – da brauche ich auch gar nicht zu versuchen, mitzuhalten. Mein Mädchen hat gekichert und gemeint, ich wäre wohl doch tatsächlich mal müde und das hätte sie ja noch nie erlebt. Ach, Mädchen, schau dich doch selbst mal an. Wer jammert hier ständig, dass sie morgen Muskelkater haben wird? Na ich bin das nicht! Und dabei hat mein Mädchen gemogelt. Sie ist gar nicht den ganzen Weg gelaufen, sie hat sich ein gutes Stück von Diego tragen lassen. Und Gepäck trägt sie ja auch keins. Das mache ja schließlich ich – ganz allein! Sehr ritterlich ist das und verdient volle Anerkennung, finde ich.

Aber es war wirklich ein schöner Ausflug. Mit insgesamt 12km haben wir einen neuen Rekord aufgestellt! Ein Stück weit ist der Mann geritten und hat mich als Handpferd mitgenommen.

Als Handpferd laufen kann ich.

So musste mein Mädchen mal nur auf sich selbst aufpassen. Als mein Mädchen dann Diego geritten ist, ist der Mann mit mir gelaufen. Der kann übrigens genauso schnell Schritt gehen wie Diego – man ist das anstrengend! Aber ich glaub er war zufrieden mit mir.

Der Mann hat echt einen flotten Schritt drauf!

Zwischendurch haben wir eine ausgiebige Pause gemacht. Das war sehr fein!

Den Grastank auffüllen. War nötig. Und der Mann war doch auch schon ein bisschen müde, scheint mir!

Am Schluss war ich zum ersten Mal wirklich richtig froh, wieder nach hause zu kommen. Mein Mädchen hat gesagt, morgen machen wir uns einen faulen Tag. Und vielleicht ist das jetzt auch das erste Mal, dass ich mich darüber freue. Mein Mädchen sagt übrigens, dass genau das auch der Plan war. Hmmmmm, rätselhaft. Na egal, ich muss mich jetzt diesem großen Heuhaufen hier widmen. Den hab ich mir wahrhaftig redlich verdient!

Euer gut trainierter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 161

Mein Mädchen und der Mann haben heute JA(hres)-Tag. Das ist der Tag an dem sie „ja“ gesagt haben. Nicht zu irgendwas sondern er zu ihr und sie zu ihm. Sie haben sich versprochen, dass sie zusammenhalten „in guten wie in schlechten Zeiten“. Die beiden sagen aber lieber „wie Schwech und Pefel und durch dick und doof“.

16 Jahre ist das jetzt her – das ist viel länger als ich mir vorstellen kann! Und sie kennen sich schon 20 Jahre – das ist genauso lang wie mein Mädchen Merlin den Zauberer kennt. Und ich stelle fest: nach so einer langen Zeit kennen die sich ganz schön gut.

Aber mein Mädchen und ich, wir kennen uns jetzt ja immerhin auch schon 2 Jahre, das ist doch ein Anfang. Heute haben wir zur Feier des Tages einen schönen Ausflug gemacht: mein Mädchen und ich und der Mann und Diego der Große. Bei fabelhaftem Wetter. Mein Mädchen sagt, an diesem Tag ist immer schönes Wetter – weil da halt Ja-Tag ist. Wir sind 11km gewandert!

Zwischendurch haben wir Picknick gemacht

Nachher waren wir alle ganz schön müde. Mein Mädchen hat sich zum Schluss ein Stück von Diego dem Großen tragen lassen, weil ihre Füße nicht mehr laufen mochten. Meine Füße waren ok, nur mein Gehirn ist dann manchmal ein bisschen abgenutzt. Immerhin waren wir 3 Stunden unterwegs! Und da muss ich ja immer gut aufpassen, was angesagt ist. Gegen Ende wird mein Kopf dann immer etwas langsam.

Mein Mädchen hat gesagt, am nächsten JA-Tag kann ich sie vielleicht immer schon mal ein kleines Stückchen tragen – je nachdem wie ich mich so zurecht wachse. Na dann will ich mal loslegen! Also macht´s gut liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Poker

„Wir Pferdeleute sind alle Pokerspieler“ hat Elsa mal gesagt. Und seit dem denke ich oft an diesen Spruch, denn er ist so einfach und so wahr. Jedes mal wenn ich ein Pferd und einen Menschen unterrichte, ist es wie Poker spielen. Wie hoch ist der Einsatz? Wie gut stehen die Chancen dass das klappt? Ein guter Pferdemensch wird das oft richtig einschätzen. Manchmal liegt man aber auch daneben. Wie ich damals mit Duncan und der Autobahnbrücke. Da hatte ich eben zu hoch gepokert. Und jetzt muss ich das alles wieder ausbügeln.

Die Kunst beim Pokern ist, nicht so hoch zu pokern, dass man nachher Haus und Hof verspielt hat. Hohe Einsätze kann man eben nur so lange machen, wie noch Geld da ist. Wer aber immer zu niedrig pokert, wird keinen großen Gewinn machen können.

Elsa hat noch ein schönes Bild: Im Freedom Based Training, wo alles ganz langsam geht, spielt man immer nur um Cent-Beträge. Man verliert nur wenig, wenn man verliert. Aber man kann auch nur wenig gewinnen. Wenn man dominanter unterwegs ist und dem Pferd sagt, was zu tun ist, spielt man um höhere Beträge. Man kann mehr auf einen Schlag einzahlen auf das Beziehungskonto, aber man kann eben auch mehr verlieren. Je besser man sich auskennt und je besser man seine Mitspieler lesen kann, desto mehr kann man setzen.

„Das mit dem Ketchup war ein Fehler“ sagt mein Mann und schaut betrübt auf seine Nudeln. „Ich hab mich auch gewundert“ antworte ich ihm. Und er sagt „hab ich gesehen“. Ich frage mich woran. Aber nun haben wir morgen ja auch schon unseren 16. Hochzeitstag. Und wir kennen uns seit 20 Jahren. Obwohl ich mir einen Kommentar zum Ketchup auf den Nudeln verkniffen hatte (mein Mann ist schließlich selber groß und muss wissen was er essen möchte), hat er mir anscheinend deutlich angesehen, dass ich die Idee reichlich merkwürdig finde. Ich habe wohl – zumindest in Arnulfs Augen – kein gutes Pokerface.

Auch Duncan hat kein Pokerface. In der Regel kann ich ihm gut ansehen, was er denkt. Nur beim Freedom Based Training, da bin ich oft verloren. Er bewegt seine Ohren und Augen so wahnsinnig schnell und viel, da verliere ich schon mal den Überblick. Erst ganz nach und nach entschlüssele ich die Masse an Information, die mein Pony ständig in die Welt funkt. Im „normalen“ Training ist das nicht so schlimm, schließlich sage ich meinem Pony, was zu tun ist. Im Freedom Based Training ist es (zumindest anfangs) umgekehrt: es ist an mir, herauszufinden, wo ich mich gerade aufhalten soll. Und da liege ich halt öfter mal daneben – schließlich bin ich Anfänger.

Aber immerhin habe ich jetzt das mit den Einsätzen verstanden. So lange ich Duncans Gesicht nicht gut genug lesen kann, muss ich die Einsätze eben im Cent-Bereich halten, damit ich keine großen Verluste mache, wenn ich daneben gelegen habe. Ein Atemzug in einer Position muss reichen – dann suche ich mir flugs einen neuen Platz. Ich habe Glück, denn auf dem Kurs mit Elsa war eine Teilnehmerin mit einem Pony, das Duncan nicht ganz unähnlich ist. Sie zu beobachten hat mir sehr geholfen. Keine Angst haben davor mich schnell zu bewegen und die Plätze ständig zu wechseln.

Langsam, ganz langsam, fällt der Groschen bei mir. Und wenn ich Duncan dann noch besser kenne, kann ich auch im Freedom Based Training höher pokern. Bis dahin geht es Cent für Cent. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 160

Gestern waren mein Mädchen und ich zusammen in der Halle. Der Mann hat ihr so eine patente Aufsteigehilfe gebastelt, die wollte sie jetzt mal zum Einsatz bringen. Nicht, dass sie schon aufsteigen würde – Ihr kennt ja mein Mädchen! Nein nein, dafür bin ich noch viel zu klein. Und als sie neben mir auf der Aufsteigehilfe stand hat sie gesagt, von oben würde ich noch viel kleiner aussehen. Ja, Mädchen, wenn man sich Dinge von weiter oben anschaut, sehen die halt kleiner aus. Ist mir auch schon aufgefallen, weswegen ich meine Nase gern nah am Gras hab, dann sieht es größer aus ….. Aber zurück zur Aufsteigehilfe. Wir haben einparken geübt und Kekse von der anderen Seite essen und zwischendurch sollte ich im Kreis um die Aufsteigehilfe rum laufen – sinnloses Unterfangen, finde ich. Dann sollte ich wieder einparken und sie ist immer rauf und runter gehüpft und hat sich auf mir abgestützt und mir den Fuß auf den Rücken gelegt und solche Späße. Und mir dabei den Mähnenkamm geschubbert. Das war schön.

Erst einparken, dann den Keks kassieren. Auf der anderen Seite!
Ein Geturne war das vielleicht!
Zwischendurch gemeinsam Pause machen. Kannst Dich ruhig an mir anlehnen, mein Mädchen. Wenn Du am Boden stehst, stimmen ja auch die Größenverhältnisse wieder.

Dann hat sie den Mann gefragt, was er wohl so meint, was wir noch verbessern können. Und der Mann hat gesagt, da könnte man nix verbessern! Und da war mein Mädchen stolz, denn das hat er noch nie gesagt. Also haben wir Feierabend gemacht, weil mein Kopf schon ein bisschen geraucht hat von den vielen Übungen. Schön war’s!

Aber nicht vergessen, mein Mädchen: Echte Abenteuer gibt es nur jenseits der Grundstücksgrenzen zu erleben! Und wenn ich Dir zu klein bin, dann hock Dich doch einfach auf den Boden, dann seh ich gleich viel größer aus, versprochen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Eine magische Liste

Nein, es ist nicht immer alles rosarot. Auch bei uns nicht.

Duncan ist ein sehr, sehr einfach auszubildendes Pony. Finde ich. Vielleicht liegt es auch nicht nur am Pony sondern mehr an mir und an den allgemeinen Umständen hier. Klar, ich habe es leicht, denn zu jeder neuen Herausforderung können wir einfach Diego mitnehmen und ich weiß: Diego zeigt seinem Ziehsohn wie das geht und der kleine macht eh alles nach was der große macht. Und Diego macht ja irgendwie einfach immer alles richtig (was für ein Pferd!). Einfacher wird Pferdeausbildung ja nicht. Und so ein Highlandpony hat zwar seine Eigenheiten, ist aber in der Regel ja von Natur aus kooperativ und freundlich. Dann kommt bei Duncan hinzu, dass er in schier atemberaubendem Tempo lernt – zumindest kommt es mir so vor. Vielleicht unterschätzen wir auch alle, wie schnell Pferde lernen können. Ich denke oft, dass es so ist, weil so viele Pferde einen Sack voll Probleme mit sich herum tragen, der sie daran hindert, schnell zu lernen. Viele „unverdorbene“ Jungpferde die ich kenne lernen unglaublich schnell. Also kurz und gut: ich habe es maximal leicht mit Duncan. Und doch spielt mein Kopf mir manchmal Streiche.

Jungpferdeausbildung ist eine interessante Sache. Am Anfang erwartet man wenig von den Kleinen. Sind ja noch Kinder! Dann – je nach Pony und Mensch früher oder später – stellt man aber doch ein paar Ansprüche. Man freut sich über all die tollen Dinge, die das Pony lernt. Da kommt eine neue Sache nach der anderen dazu, bis schließlich in den meisten Fällen das Ganze gekrönt wird vom Anreiten – erstes Mal aufsteigen, erstes Mal allein lenken, erster Trab, erster Galopp ….. und dann ist das Pferd angeritten. So wie der Spaziergehkumpel von Sir Duncan. Und dann – ich erinnere mich noch sehr gut, wie es bei Finlay war. Dann kommt eine Zeit, in der sich augenscheinlich viel weniger tut. Die Highlights werden seltener und gefühlt werden die Fortschritte kleiner. Was nicht stimmt, die Ausbildung hat sich nur verlagert. Denn am Anfang geht es meistens nur ums Verstehen. Aber dann geht es darum, den Körper zu trainieren. Und das ist eben doch nicht ganz so schnell gemacht. Davon dass mir jemand erklärt, wie ich einen Spagat mache, kann ich halt keinen. Da heißt es üben, üben, üben. Das gleiche gilt für den Marathonlauf oder auch „nur“ die eine oder andere Yogaübung.

Nun aber zurück zu Sir Duncan. Da mein kleiner, großer Ritter mental so unglaublich früh dran ist mit allem und sich eigentlich immer 2 Jahre älter „anfühlt“ als er ist, verschiebt sich für mich das alles ganz schön. In meiner Wahrnehmung kann er schon längst „alles“ was man am Boden so können kann (in seinem Alter). Und wenn er was nicht kann, zeige ich es ihm und dann kann er das. So läuft das jetzt seit 2 Jahren. Und ja, ich bin verwöhnt.

Und dann bin ich plötzlich perplex, dass es Dinge gibt, die er NICHT kann. Zum Beispiel seine eigenen Gefühle managen wenn es um fremde Pferde geht. Eigentlich kein Wunder in seinem Alter. Und auch kein Wunder, weil wir es ja noch so wenig geübt haben. Aber wenn es dann schief geht und Herr Ritter mal wieder vergisst, dass ich auch noch da bin, dann macht mein Kopf ein Riesen Drama daraus. Mein Kopf extrapoliert dann das blöde Verhalten von heute und sagt mir, dass es ist ein oder zwei Jahren so schlimm sein wird, dass Duncan zum feuerspeienden Drachen mutiert sobald die Silhouette eines fremden Pferdes am Horizont erscheint.

Es ist für mich hilfreich, das am eigenen Leib (bzw im eigenen Kopf) noch einmal so zu erleben. Denn wie oft sage ich meinen Schülern, wenn sie ein Problem haben: „das geht vorbei, das müssen wir halt üben, das kriegen wir hin“ und wie oft sehe ich ihren ungläubigen, angsterfüllten Blick. Nun weiß ich (wieder), wie es sich hinter diesem Blick anfühlt und warum. Finlays Pubertät ist halt doch schon ein paar Jahre her und die Erinnerungen daran sind verblasst. Aber hey, der hatte schon auch mal ein paar lustige Ideen in dem Alter!

Jetzt liegt es also an mir, mit mir selbst so umzugehen wie mit meinen Schülern. Meinem Kopf zu erklären dass die Sache mit den fremden Pferden das EINZIGE Problem ist, was wir überhaupt haben, Duncan und ich. Und dass das mit viel Üben sicherlich in den Griff zu kriegen ist. Dass es Menschen gibt, die uns dabei unterstützen können. Und ich habe noch einen Trick gefunden: wenn Duncan mal wieder Pubertät hat, dann gehe ich mal pauschal davon aus, dass die Pubertät, die jetzt statt findet, die schlimmste Zeit ist, die wir zusammen haben. Stelle mir vor: Schlimmer als jetzt wird es nicht mehr. Und – zack! – ist Ruhe in meinem Oberstübchen. Denn wenn das alles ist, dann habe ich die entspannteste und einfachste Jungpferdeausbildung aller Zeiten.

Und wenn mein Kopf sich dann immer noch nicht überzeugen lässt, dann hole ich meine magische Liste hervor. Dort habe ich alles aufgeschrieben, was wir schon erreicht und gemacht haben. Und wenn ich diese Liste anschaue, dann wird mir klar: ich hab echt keinen Grund mich zu beschweren. Und das mit den fremden Pferden, das schaffen wir auch noch, Sir Duncan und ich.

Diese Liste ist etwas, das ich jedem Pferdebesitzer ans Herz lege. Wenn eine Schülerin sich beschwert, dass der Rechtsgalopp noch so blöde ist, dann erinnere ich sie daran, wie wir angefangen haben, mit einem einzigen Galoppsprung und es ging nur mit Hilfe von unten. Wenn eine Schülerin jammert, dass ihr Pferd immer noch Angst vor Treckern hat, erinnere ich sie daran, dass es vor ein paar Wochen sogar eine Plastiktüte für tödlich hielt. Und auch wenn meine Schülerin sich selbst klein redet und meint, dass sie das alles nicht kann, erinnere ich sie daran, dass der erste Trab schon eine Herausforderung war und sie das jetzt ganz selbstverständlich kann.

Ich finde, jeder sollte eine magische Liste haben. Die hilft uns auf die Sprünge, wenn wir uns festgedacht haben im Labyrinth angeblich riesiger Probleme. Und sie erinnert uns vielleicht auch daran, dass Pferdeausbildung (und auch Menschenausbildung) sowieso nie fertig und abgeschlossen ist.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 159

Ich hatte gestern Geburtstag! Und wisst Ihr was? Jetzt bin ich der Sache mit dem erwachsen-werden einen großen Schritt näher, denn jetzt bin ich schon 3 Jahre alt! Mein Mädchen meint, 3 Jahre wäre ein komisches Alter. Nicht mehr richtig klein aber auch noch nicht richtig groß. Ach was, ich bin doch schon voll groß! Hab ich ihr dann auch prompt gezeigt. Erstens habe ich ihr meinen Po gezeigt, der ist nämlich gewachsen, jawoll! Voll breit ist der geworden.

Und dann habe ich mich auf unserem Geburtstagsausflug einfach mal wieder total erwachsen benommen. Wir haben wieder so getan als würden wir Kutsche fahren. Weil ich ja Geburtstag hatte, haben die Mädchen gesungen. Oje, das hätte wirklich nicht sein müssen…. aber sie haben nicht so lang gesungen zum Glück.

Ganz schön schräg was die Mädchen da singen! Lieber ohne Ton anschauen, das ist schöner….

Den Rest der Zeit sind wir so durch die Landschaft gebummelt und haben das schöne Wetter genossen. Und mein Spaziergehkumpel und ich haben sogar ganz mutig überlebt als eine ganze Rinderherde „Stampede“ gespielt hat und im Galopp angerannt kam! Wir haben uns tüchtig erschreckt, ehrlich gesagt, weil die so hinter der Hecke versteckt waren, dass wir sie kaum sehen konnten! Aber mein Spaziergehkumpel und ich, wir wissen, dass man nicht einfach loszischen darf, auch wenn man sich erschreckt! Sind also nur ein bisschen flotter geworden und haben dann brav angehalten (und dafür Kekse kassiert). Weil wir soooooooo große und erwachsene Ponys sind!

Weil ich ja nun schon so erwachsen bin, wollte ich dann gern auch den Stuten auf der einen Weide gern ein bisschen imponieren. Aber das fand mein Mädchen voll blöde. Hm. Dabei kann ich so einen imposanten Hals machen und ich krieg dann auch echt eine tiefe Stimme! Aber mein Mädchen kriegt dann auch so eine verdächtig tiefe Stimme und dann weiß ich dass ich gleich Ärger kriege wenn ich mich nicht zusammenreiße…..

Aber ansonsten war es der reinste Genuss! Und das beste kommt ja noch: wir sind zum ersten Mal gemeinsam getrabt! Das Mädchen vom Spaziergehkumpel hat sich tragen lassen und mein Mädchen ist (weil ja noch keine echte Kutsche im Spiel ist) hinter mir her getrabt. Wer mein Tagebuch aufmerksam liest, weiß ja: ich kann jetzt genauso langsam traben wie sie! Und das hat den Vorteil, dass sie ein paar Meter mehr schafft bevor sie nicht mehr kann. Außerdem fand sie es ganz und gar wunderschön wie mein Schweif so vor ihr hin und her pendelte – da war sie abgelenkt davon, dass es anstrengend ist, zu traben.

Wenn ich alles richtig toll und gut gemacht habe, gab es natürlich Kekse. Und zwar per „Luftbetankung“! Dann hat das Mädchen vom Spaziergehkumpel mir die Kekse gereicht während wir weiter gelaufen sind. Ach, ich mag die, die ist echt nett!

Bitte einmal Luftbetankung!

Also es war rundherum herrlich!

Zu hause gab es noch Geburtstagsküsschen vom Spaziergehkumpel und vom Mädchen vom Spaziergehkumpel. Einmal mit Zunge und einmal ohne….

Wir küssen uns halt gern! Mein Spaziergehkumpel am liebsten mit Zunge!
Geburtstagsküsschen vom Mädchen vom Spaziergehkumpel

Aber jetzt, liebe Menschen, wiederhole ich meinen Geburtstagswunsch vom letzten Jahr. Wie Ihr wisst, geht es leider nicht allen Pferden so gut wie mir! Aber es gibt nette Menschen, die den Pferden helfen, denen es schlecht geht. Und diese netten Menschen brauchen Spenden, damit sie helfen können. Mein Mädchen hat mir deswegen nix teures zum Geburtstag geschenkt, sondern das Geld lieber für die armen Pferde gespendet. Und ich würde mich freuen, wenn Ihr auch was spendet. Schaut mal hier equiwent.org und lasst ein paar Euros da! Danke!

Euer drei Jahre alter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 158

Liebe Menschen, bitte entschuldigt, dass ich so lange nichts geschrieben habe. Ich war sehr beschäftigt. Nämlich mit wachsen und Zähne wechseln. Ich bin ja ein tapferer Ritter, aber es gibt Dinge, die selbst ich anstrengend finde und erwachsen werden gehört definitiv dazu! Wann bin ich wohl endlich fertig damit?

Na jedenfalls hat mein Mädchen ziemlich lange nichts mit mir unternommen. Zwischendurch war sie auch noch weg – auf Fortbildung. Und wisst Ihr, was sie da gelernt hat? Das Rumstehen! Ich lach mich schlapp. Ihr Menschen seid wirklich zu lustig! Das lustigste ist: obwohl sie 4 Tage lang rumstehen gelernt hat, kann sie es immer noch nicht richtig….. Aber ich werde es ihr schon noch erklären.

Heute jedenfalls hat sie dann gesagt, es wird doch Zeit, dass wir wieder was unternehmen. Ok. Während sie mich geputzt hat war ich ganz ruhig und artig und mein Mädchen hat zum Mann gesagt, dass sie sich ein bisschen Sorgen um mich macht. Ob es mir wohl gut geht? Weil ich so ruhig und artig bin. Da hat der Mann herzhaft gelacht. Und ich hab gedacht: Sorgen machen sollst du dir ja nun nicht, mein Mädchen! Und dann ging es los, wir sind endlich mal wieder spazieren gegangen! Oooooooh das hat mir so gefehlt! Bin gleich vom Hof runter um die Ecke gezischt und da musste mein Mädchen schon grinsen. Dann hab ich mal bisschen aufgedreht, versucht, den Mann zu beißen oder Diego den Großen zu beißen oder Gras zu haschen. Hat so ungefähr 5 Minuten gedauert bis mein Mädchen überzeugt war, dass es mir gut geht. Und dann noch weitere 5 Minuten bis sie beschlossen hat, dass es mir wohl fast ZU gut geht und ich dringend mehr Beschäftigung brauche. Recht hat sie – dieses nebeneinander her latschen hat sich ehrlich gesagt etwas abgenutzt. Also haben wir traben geübt. Ich kann jetzt genauso langsam traben wie mein Mädchen! Ich bin zwar immer noch nicht sicher ob das wirklich erstrebenswert ist, aber es gibt Kekse dafür. Na gut. Und dann musste ich immer gut aufpassen, wann wir wieder Schritt gehen, wann wir plötzlich unvermittelt anhalten, wann ich rückwärts gehen soll und so. Das war lustig! Ich hab das natürlich schnell kapiert.

Wir sind heute nach langer Zeit mal wieder durchs Dorf gelaufen, das war interessant! Da gab es viel zu sehen. Und weil mein Mädchen sich einen Äppelhaufen von mir gewünscht hatte um zu sehen ob ich nicht schon wieder Verstopfung habe, habe ich ihr einen schönen Haufen auf dem Bürgersteig platziert. Da hat sie sich gefreut! (So halb. Man kann es ihr ja nie ganz recht machen).

So, lange Rede, kurzer Sinn: mein Mädchen hat geschnallt, dass sie es einen Hauch übertrieben hat mit dem Pause machen. Und sie hat auch endlich verstanden was ich ihr nun bald 2 Jahre lang erzähle: Abenteuer finden jenseits des heimischen Hofes statt. Und alles was wir hier zu Hause machen ist nun mal kein Ersatz für einen vernünftigen Ausflug. Ich will was sehen von der Welt!

So und jetzt kümmere ich mich wieder um den blöden Zahnwechsel. Verdammt nervig, das sage ich Euch!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel