Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 243

Wie versprochen, haben mein Mädchen, der Mann, Diego und ich dann am Sonntag nachmittag noch einen Ausflug gemacht. Oder kann man das schon Ausritt nennen? Wir haben es so gemacht: mein Mädchen ist zu hause aufgestiegen und vom Hof geritten. Unterwegs ist sie immer noch ganz viel gelaufen und immer ein paar Stücke geritten. Und als wir fast zu hause waren ist sie auch nochmal aufgestiegen und ich habe sie bis vor die Haustür getragen. Merlin, Gatsby und Caruso waren sehr beeindruckt, weil sie dachten, ich hätte mein Mädchen die ganze Zeit getragen! Ich hoffe, Diego petzt nicht, dass es nicht so war.

Der Ausflug war fein! Ich hatte eine Menge Energie übrig und deswegen meinte mein Mädchen, ich könnte sie ruhig häufiger mal tragen. Gerne! Allerdings hatte ich nicht gedacht, dass sie von oben auch so genau lenken will. Soll sie doch zufrieden sein, dass ich sie trage! Warum können wir nicht links abbiegen, wenn ich dazu doch nun mal Lust habe? Ich trage sie doch! Und warum muss ich soooooo einen großen Bogen um die Kurve gehen, wenn ich doch auch ganz nah am Verkehrsschild herum ein bisschen abkürzen könnte? Schau doch mal wie weit vorn Diego schon ist! Nein, sie will lenken. Ich stelle fest: wenn sie auf meinem Rücken sitzt ist sie genauso stur wie wenn sie mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Schade eigentlich. Aber wenigstens bremst sie nicht dauernd wenn ich flotten Schritt gehen möchte. Manchmal feuert sie mich sogar an, flotter zu gehen! Also das ist mal eine Verbesserung.

Diesmal habe ich sie nicht nur den Berg hoch geschleppt, sondern nach einer kleinen Graspause und einem kurzen Stück zu Fuß auch auf der anderen Seite wieder runter getragen. Runter ist es nicht so steil wie rauf und da meinte mein Mädchen dass ich das bestimmt schon kann, obwohl es runter schwieriger ist mit der Balance. Aber das hab ich ja jetzt voll raus, wie das geht. Zügig und gleichmäßig. Mein Mädchen war entzückt! Und so waren wir alle ganz zufrieden mit dem schönen Ausflug. Ganz am Ende, als ich dann nicht mehr so viel überschüssige Energie hatte und wir schon fast beinahe zu hause waren, hörte ich sie plötzlich von oben „und Trab!“ was? Hab ich mich verhört? „Und Trab!“ Echt? Darf ich? Als sie es dann das dritte Mal gesagt hatte dachte ich: sie will es wohl wirklich. Bin dann mal angetrabt. Das war ganz lustig! Aber wie mein Mädchen halt so ist: sobald ich ein paar Meter gemacht hatte, wollte sie schon wieder Schritt. Na gut. Aber nächstes Mal machen wir länger Trab, ja? Sie sagt, vielleicht.

Euer zufriedener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 242

Der Sonntag ist erst halb rum und es sind schon so viele Dinge passiert! Es ging damit los, dass mein Mädchen und der Mann spazieren gegangen sind – ohne uns! Wo wollt Ihr denn hin? Ach es war mal wieder Zeit für einen demokratischen Spaziergang! Aber weil wir in letzter Zeit ein paar unangenehme Dorf-Erlebnisse hatten und die Menschen lieber ganz entspannt wählen wollten, sind sie allein los gegangen. Und ich? Ich hab doch voll Langeweile!

Aber als die beiden wieder da waren, da wurde es richtig spannend! Mysteriöse Dinge haben sie getan – warum hantieren sie mit dem Weidezaun auf dem Hof? Rätselhaft.

Was treiben die da bloß?

Dann haben sie uns Heu gegeben und sind auf die Weide marschiert. Und wir haben das beste aller Geräusche gehört! Nämlich das Einschlagen eines Metallpfostens. Das ist immer das Geräusch das bedeutet, dass unser Weidestück etwas vergrößert wird. Nur im Moment dürfen wir ja noch gar nicht auf die Weide! Heißt das etwa…..

JA! Heute ist der beste Tag des Jahres: wir dürfen zum ersten Mal aufs Gras!! Juhuuuuu! Es lief genau wie immer: wir mussten ganz artig still stehen, der Mann hat auf uns aufgepasst, während mein Mädchen das Weidetor aufgemacht hat (später kann sie das allein aber am Anfang der Weidesaison sind wir immer soooo aufgeregt da hat sie lieber Hilfe). Dann hat der Mann gesagt dass wir los dürfen. Alle haben Gas gegeben, Merlin ist gleich bis zum Ende der Weide durch geschossen. Ich mach das ja anders: Blitzstart und dann am ersten leckeren Grashalm Full-Stopp. So habe ich schon zwei Happen gegessen wenn die anderen noch am Rennen sind. Schlau, oder?

Nun ist es ja so, dass wir am Anfang der Weidesaison nie einfach so essen dürfen. Nein, es wird gleichzeitig das Rufen geübt. Ich bin ja jetzt schon das dritte Frühjahr hier (ist das zu glauben?) und deswegen weiß ich wie das geht. Egal wer wen ruft: ich laufe immer zu meinem Mädchen. Die lacht dann immer fröhlich. Aber heute war es nach ein paar Mal plötzlich falsch! Da war ich ganz verwirrt. Dann hab ich das kapiert: Der Mann hatte mich gerufen und das heißt ich soll zum Mann laufen! Ach sooooo. Der holt uns ja im Sommer – wenn wir die ganze Nacht grasen dürfen – immer morgens rein (während mein Mädchen noch schläft). Deswegen muss ich auch wissen wie er mich ruft und was dann zu tun ist. Zum Glück bin ich ein schlauer Ritter und hab das ganz schnell kapiert.

Der Mann hat gerufen, also muss ich zu ihm, nicht zu meinem Mädchen.

Alsbald (nach 30min) war das Weide-Vergnügen dann leider auch schon wieder rum und wir mussten wieder runter vom Gras. Zum Trost haben wir noch unsere Schüsseln bekommen, das ist ja auch was.

Mein Mädchen hat mir versprochen, dass wir nachher noch einen Ausflug machen. Und weil sie heute schon einmal spazieren war, will sie ganz viel reiten. Juhuuuu! Ich freu mich schon! Vielleicht kann ich sie endlich zu einem kleinen Trab überreden, daran arbeite ich ja jetzt schon länger.

Ach übrigens, liebe Schleswig-Holsteiner: geht wählen, weil Ihr es könnt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit Gras im Bauch

Zwei Tassen Tee

Ich habe noch ein paar Sachen im Stall zu erledigen, während Arnulf schon hoch geht in die Wohnung. „Machst Du mir einen Tee?“ frage ich ihn. Die Frage löst meist die Gegenfrage aus „was für einen?“ In der Regel trinke ich nur zwei Sorten Tee: Magentee und grünen Tee. Es ist also nicht viel Auswahl.

Neulich fand ich, als ich dann in die Wohnung ging, zwei Tassen Tee auf zwei Stövchen vor. „Ich wusste nicht mehr, was für einen Tee du wolltest“ sagt mein Mann. „Also hab ich Dir beides gemacht“. Ich habe dann also zwei Tassen Tee getrunken, hat mir auch nicht geschadet. Und dabei hab ich an meine beiden Ponys gedacht.

Meine beiden Schimmel – so ähnlich und so unterschiedlich

Zwei Ponys, jedes will meine Aufmerksamkeit, Beschäftigung, auch alles was sonst so dazu gehört an Pflege. Merlin will mit seinen 29 Jahren und den miesen Zähnen vor allem viele, viele Eimer mit „Matsche“ und ist deswegen immer sehr gesprächig am Stalltor. Duncan hingegen äußert Beschäftigungsbedarf durch überschießende Energie, weiß manchmal gar nicht wohin mit sich. Für Merlin liegt das Leben vorwiegend in der Vergangenheit, für Duncan in der Zukunft. Und ich muss mich entscheiden, denn an den wenigsten Tagen habe ich Zeit und Energie für beide. Oft bin ich im Ziespalt: gebe ich dem jungen den Vorrang, weil er dringend Beschäftigung will, weil er Muskeln aufbauen soll und Ausbildung braucht? Vernachlässige ich dann meinen treuen alten Merlin, der alles kann und alles weiß und sein Leben lang alles richtig gemacht hat und es nicht verdient hat, nur herum zu stehen, weil er auch Aufmerksamkeit haben möchte? Er möchte so gern zeigen was er kann, auch wenn er nicht mehr lang durchhält. Er möchte doch auch Kekse kassieren und gelobt werden und er soll natürlich auch „Seniorengymnastik“ machen, damit er fit und geschmeidig bleibt.

Meine zwei Tassen Tee konnte ich so hintereinander weg trinken. Mit meinen zwei unterschiedlichen Ponys geht das nicht gut. Und so lege ich Prioritäten fest, an denen ich mich jeweils für ein paar Wochen orientiere. Derzeit hat Duncan die Vorfahrt, weil ich sehe, dass da so viel Energie ist und weil ich diese Energie nutzen möchte um viele Reitpferdemuskeln aufzubauen, damit er mich Sonntags ein Stück durchs Gelände trägt. In ein paar Wochen verschiebt sich die Priorität vielleicht wieder in Richtung Merlin, weil Duncan sich in der Weidesaison etwas beruhigt und die zusätzliche Bespaßung nicht mehr so dringend braucht. Dass ich im Moment eher Duncan nehme heißt ja auch nicht, dass ich wochenlang nichts mit Merlin mache, nur, dass ich mich öfter für Duncan entscheide.

Ich werde niemals beide Ponys gleich behandeln können – schon deswegen weil sie so unterschiedlich sind. Ich kann nur versuchen, beiden irgendwie gerecht zu werden und dabei nicht zu übersehen, dass es auch für mich Spaß und Entspannung sein soll und keine Pflichtübung. Was meine beiden Ponys übrigens offenbar nicht so gerne mögen ist mein Versuch, mit beiden gleichzeitig zu arbeiten. Sie machen das mal mit, aber eigentlich möchten sie mit mir allein sein. Lieber genießen sie 10min meine volle Aufmerksamkeit als 20min die halbe.

Ich kann das gut verstehen (auch wenn ich gelegentlich trotzdem mit beiden zusammen übe, weil auch das hin und wieder Spaß macht und lehrreich ist). Aber ich habe meine beiden Teetassen ja auch nacheinander geleert und nicht durcheinander getrunken.

Jedes Pony für das wertzuschätzen was es zu bieten hat, ist die Kunst. Nicht zu vergleichen, keine Konkurrenz zu sehen. In unserer Gesellschaft, in der wir ständig alles in „besser“ und „schlechter“ einteilen das „anders“ als gleichwertig anzusehen, ist eine gute Übung für meine eigene Wahrnehmung. Und mir auch manchmal selbst zuzugestehen, dass es mir an manchen Tagen leichter fällt, mit Merlin Zeit zu verbringen, während ich an anderen Tagen lieber etwas mit Duncan unternehmen mag. Wenn ich in den Stall komme und eins meiner Ponys ganz dringlich nach Aufmerksamkeit fragt, ändere ich meine Pläne aber auch manchmal spontan. Denn meistens, wenn einer von meinen beiden Schimmeln sich nachdrücklich anbietet, wird es eine besonders schöne gemeinsame Einheit.

Letztendlich habe ich eben die beiden besten Schimmel der Welt und schätze mich deswegen doppelt glücklich. Darauf eine Tasse Tee – oder zwei.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 241

Diego war im Pferdekrankenhaus! Ich war da ja letzten Sommer, wegen Bauchweh. Diego nicht, der hat kein Bauchweh. Zumindest sagt er nix davon. Aber er sabbert immer so und kaut obwohl er gar kein Futter im Maul hat. Und das kam meinem Mädchen verdächtig vor, deswegen wurde er untersucht. Damit die Menschen seinen Magen anschauen können, muss der aber leer sein und das heißt, der arme Kerl musste Montag abend ins Krankenhaus und durfte die ganze Nacht nix essen! Also so richtig gar nix, nixnix, nicht den kleinsten Heuhalm oder Keks oder irgendwas! Schlimm.

Am Dienstag haben sie ihn dann untersucht. Zum Glück ist sein Magen nur ein ganz klein bisschen gereizt, mein Mädchen sagt das kriegen wir schnell wieder hin. Dienstag nachmittag war er dann auch schon wieder zu hause. Und ganz erleichtert, dass er es hinter sich hatte.

Während Diego weg war, hab ich hier die Stellung gehalten. Es ist nämlich nicht so, dass wir hier nur Däumchen drehen würden. Wir besuchen zum Beispiel jeden Tag die Nachbarn und halten einen Schnack über den Zaun. Das mache ich normalerweise mit Diego zusammen aber jetzt hab ich es halt allein übernommen. Gatsby, Merlin und Caruso wollten nicht mit.

Da hinter den Büschen stehen die Nachbarn, sehr ihr sie?

Außerdem schneiden wir immer sorgfältig den Zaun frei, das ist ja wichtig. Hab ich dann auch allein gemacht. Und ich habe die Zeit genutzt, um mit Gatsby zu spielen und mit ihm abzuhängen.

Zaun frei schneiden
Mit Gatsby rumhängen

Trotzdem war ich froh, als Diego wieder da war, gemeinsam macht das alles doch mehr Spaß!

Zum Glück ist Diego wieder zu Hause!

Euer Stellvertreter Sir Duncan Dhu of Nakel

Schichten

„Oger sind wie Zwiebeln“ – es tut mir leid ich kann mir diesen einleitenden Satz nicht verkneifen, auch wenn nicht alle die Anspielung auf Shrek verstehen werden. „Zwiebeln haben Schichten, Oger haben Schichten!“

Als Arnulf und ich geheiratet haben, hat meine Mutter uns eine Zwiebel geschenkt. Weil eine Ehe auch Schichten hat. Und einen manchmal zum weinen bringt.

Auch die Beziehung zu unserem Pferd hat Schichten und vor allem das Verhalten unseres Pferdes. Ich stelle es mir manchmal wie einen Eisberg vor: das meiste davon liegt im Verborgenen. Zumindest so lang bis wir mal unter die Wasseroberfläche tauchen und nachsehen was da so los ist. Oder bis wir – manchmal mit einem Tränchen im Auge – die Zwiebel so weit Schicht für Schicht auseinander nehmen bis wir auf „der Zwiebel Kern“ treffen.

Viel zu oft – finde ich – wird nur an Verhaltensweisen herumgedoktert. Wenn ich zu einer neuen Schülerin komme, frage ich ja immer was ich wohl so tun könnte für dieses Pferd und diesen Menschen. Ganz oft werden dann bestimmte Verhaltensweisen des Pferdes genannt, die der Menschen gern nicht mehr oder im Gegenteil öfter sehen möchte. Dann fangen wir an, das Verhalten zu trainieren oder durch ein anderes zu ersetzen – je nachdem. Oft funktioniert das ja auch ganz gut. Aber es gibt eben Ausnahmen. Inzwischen fange ich an, diese Ausnahmen schon früher zu erkennen. Nicht so sehr am Pferd und seinem Verhalten, sondern daran, wie der Mensch mir das Problem beschreibt. Dann ahne ich: wir haben Schichten abzutragen um die Ursache zu finden.

Manche Pferde zeigen einem das eigentliche Problem ganz schnell. Wenn ich dann die Besitzerin darauf hin weise, ist das Thema schnell erledigt. Aber manche Pferde verstecken Themen gut. Manche reagieren sehr stark auf Dinge, die für mich schlecht zu sehen sind. Mein Lieblingsbeispiel ist hier immer ein bestimmter Tinker. Es hat mich viel Zeit gekostet, dahinter zu kommen, warum er manchmal so „aufgibt“ und erst gar nicht mehr versucht, es richtig zu machen, obwohl er eigentlich ein engagierter Kerl ist. Die Ursache war, dass seine Reiterin sich selbst kritisierte. In ihrem Kopf war diese Stimme die ihr nach dem ersten misslungenen Versuch böse Worte sagte wie „ich kann das nicht, ich bin zu blöd“. Und der Tinker „hörte“ diese Worte und bezog sie anscheinend auf sich. Es war Kritik im Raum und er dachte, er ist schuld. Oder er hatte das Gefühl, dass der Mensch aufgibt und hat da einfach mitgemacht beim Aufgeben – wer weiß. Sobald die Reiterin aufhörte, sich selbst zu kritisieren, war jedenfalls auch ihr Pony mit vollem Einsatz dabei.

Seit diesem Erlebnis frage ich noch öfter bei meinen Schülerinnen nach: was denkst Du? Wo ist Deine Aufmerksamkeit? Das kann schon mal recht privat werden, gleichzeitig ist es sich oft sehr ähnlich und ich denke, wir können uns sicher sein, dass fast alle mal solche Dinge denken. „Es reicht nicht“ sagt eine gern. Ihr Pony erträgt diese Gedanken mit Fassung, er hat genug Selbstbewusstsein, aber als sie einmal Diego geritten ist, blockierte der ziemlich stark. Ging nicht vorwärts, wirkte verunsichert. Denn auch Diego kann Kritik gar nicht gut verknusen. „Es reicht nicht“ kam bei ihm an und schon war er wie gelähmt.

Bei manchen Pferden wurde auch einfach eine bestimmte Eigenschaft so lange gefördert, bis sie zum Problem wurde. Zum Beispiel bei jenem Wallach, der sich so gern präsentiert, der so gern steigt oder spanischen Schritt anbietet oder lustige Gesichter schneidet und der jetzt nicht mehr normal traben kann, weil er gar nicht weiß, wie man so etwas „langweiliges“ tut und warum. Ein überdrehter kleiner Adrenalinjunkie, der nur noch die spektakulärsten Lektionen im Angebot hat und dadurch gar nicht mehr normal sein kann. Als hätte man einen Clown so oft auf die Bühne geschickt bis er nicht mehr ins Leben außerhalb seines Kostüms zurück findet und kein normales Gespräch mehr führen kann. Und alles Training, das bisher stattgefunden hat, war zum Scheitern verurteilt, weil es sich nur um einzelne Verhaltensweisen drehte und die Ursache nicht zu packen kriegte.

Schichten frei zu legen kann mühsam sein. Ich persönlich finde es wahnsinnig interessant, aber wenn es das eigene Pferd ist, kann es einen sehr verunsichern und anstrengen, das ist klar. Wer sich das traut und aushält, dass wir in jeder Unterrichtsstunde noch etwas weiter „wühlen“ bis wir schließlich an einen Punkt kommen an dem wir merkliche Fortschritte machen, wird reichlich belohnt. Zum Glück treffe ich immer öfter auf Menschen, die sich das trauen.

Das ganze ist übrigens gar nicht esoterisch, auch wenn es manchmal so rüber kommt. Ich möchte das betonen, weil ich selbst mittlerweile oft angenervt reagiere auf „das Pferd ist Dein Spiegel“ und „jeder bekommt das Pferd das er braucht“. Kann ja jeder glauben was er will, aber ich bin da pragmatisch: ein Mensch und ein Pferd sind zusammen – warum auch immer. Und wenn ich nicht das Gefühl habe, dass das auf keinen Fall was werden kann, werde ich alles daran setzen, den beiden zu helfen, gut klar zu kommen. Dass Pferde so sensibel auf unsere Gedanken reagieren, liegt an ihrer unbeschreiblich guten Fähigkeit, unsere Körpersprache zu lesen – selbst dann wenn sie uns nicht direkt anschauen können, weil wir auf ihrem Rücken sitzen oder hinter ihnen her laufen. Und wie jeder Mensch so ist auch jedes Pferd zunächst eine Art „Blackbox“. Wir tun etwas vorne rein und dann müssen wir abwarten, was das Pferd daraus macht. Wenn wir die Augen auf machen und bereit sind, wirklich das anzuschauen, was das Pferd aus der Information, die wir ihm geben, macht (und nicht das zu sehen was wir sehen wollen) können wir viele Stolperfallen vermeiden und uns das schälen zwiebeliger Schichten später sparen. Wenn die Schichten schon da sind können wir ewig unzufrieden bleiben oder wir können das Thema angehen und wagen, etwas zu ändern. Die Pferde – so ist jedenfalls meine Erfahrung – sind immer zur Veränderung bereit.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 240

So, die Waage war da! Mein Mädchen war wieder erstaunt, ich bin kaum schwerer geworden. Sie sagt, das liegt daran, weil ich den ganzen Tag spiele und dabei jeden Heuhalm verbrenne den ich vorher gegessen habe. 377 kg habe ich auf die Waage gebracht! Dann haben die mich noch gemessen. Die machen das anders als der Mann, nix mit an der Wand stehen und so. Die haben ein richtiges Stockmaß. Nur muss es wohl kaputt sein, denn es hat nur 139cm angezeigt! Oder mein Mädchen hat meine Hufe zu kurz geraspelt. Wo der Mann doch neulich 141cm gemessen hatte! Wir haben uns jetzt einfach auf die Mitte geeinigt, also bin ich 140cm groß. Aber im Herzen ja viel größer, ist doch klar. Mein Mädchen meinte, ich soll doch jetzt wirklich mal wachsen und Breite und so. Die Waagefrau meinte, es sei sehr gut, dass ich so langsam wachse und eben nicht so schnell schwerer werde. Und da musste mein Mädchen zugeben, dass das wohl stimmt, weil es gesünder ist, sich beim wachsen mehr Zeit zu lassen. Ich soll ja lange halten! Siehst Du, mein Mädchen!

Waage kann ich. Das ist leicht.

Alle anderen hier waren auch auf der Waage. Sogar Gatsby hat sich getraut! Merlin konnte das natürlich auch ohne Halfter, der Streber. Diego hat immer ein bisschen Angst vorm Wiegen, weil da so blöde Zahlen raus kommen und mein Mädchen dann immer streng guckt und böse Worte sagt („Diät“, „Abnehmen“ und „Sport“).

Nach dem Wiegetermin haben wir zum Glück noch einen schönen Ausflug gemacht. Ich hatte nämlich schon wieder dezenten Energieüberschuss! Leider ist mir ein Missgeschick passiert und ich hab mein Mädchen in den Arm gekniffen. Ach herrje das gab vielleicht Ärger! Mein Mädchen war stinksauer. Dann hat sie gesagt ich muss so lange Abbitte leisten wie ihr Arm weh tut. Und das war lang, sage ich Euch! Ich bin dann lieber mal ganz artig neben ihr her gegangen und habe keinen Mucks mehr gemacht. Und mein Mädchen hat sich beim Mann beschwert, ich hätte schon wieder Pubertät und mein großer Bruder wäre schon so schön erwachsen gewesen – mit dem hat sie das ja auch alles durch und jetzt nochmal mit mir, das findet sie nicht fair. Kann ich aber auch nix für! Zur Entschuldigung hab ich sie dann den Berg hoch geschleppt. Ui das war da doch ganz schön steil für hiesige Verhältnisse! Ich hatte dann den Vorschlag gemacht, dass wir das besser mal im Trab machen könnten. Weil mit Schwung kommt man so einen Berg besser hoch! Aber mein Mädchen meinte, ich sollte das mal schön im Schritt machen. Da musste ich die Pobacken aber zusammen kneifen! Im Video kann man leider gar nicht so gut sehen wie steil das da ist. Aber ich hab sie da den ganzen Weg hoch geschleppt!

Den ganzen Berg hoch hab ich sie getragen!

Danach war sie wieder lieb mit mir, ist abgestiegen und wir haben eine Graspause gemacht. Als wir dann später fast zu hause waren ist sie wieder aufgestiegen und ich habe sie auch noch den Berg vor unserer Haustür hoch getragen. Der ist ziemlich klein aber ich fand trotzdem, dass traben das Mittel der Wahl wäre. Nein, wollte sie nicht. Gekichert hat sie und gesagt, ich wäre ja schon wieder schneller als sie – weil sie ja schon die perfekte Trabstrecke gefunden hat für in ein paar Wochen. Tsss in ein paar Wochen sind wir alt und grau mein Mädchen, was du heute kannst besorgen…. nein, Schritt sollte ich gehen. Na gut, wenn es sein muss.

Euer 377kg – Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 239

Gestern hat mein Mädchen mich geholt und mir die Schuhe angezogen. Oh fein! Das gibt bestimmt ein Abenteuer! Aber Pustekuchen – sie hatte was ganz anderes vor! Sie hat mir Wasser in die Puschen gegossen! Igitt, das ist doch nass! Danach hat sie mich mitsamt den nassen Puschen zum Heu fressen geschickt. Hm. Während wir Heu gefressen haben, kam sie noch mit der Gießkanne und hat mir mehr Wasser an die Hufe gekippt. Ist sie verrückt geworden? Diego und Merlin hatten auch Schuhe an und haben auch was abgekriegt aus der Gießkanne. Mein Mädchen wollte uns nämlich die Hufe schön machen und weil es so trocken ist, sind die hart wie Stein. Deswegen hat sie sie ein bisschen eingeweicht. Also als das Heu weg gemampft war, hat sie dann die Raspelmaschine geschwungen und mich hübsch gemacht. War ganz schön nötig!

Anschließend sind wir noch auf den „Sommerreitplatz“ gegangen. In Wirklichkeit ist das ja nur ein abgezäuntes Stück Weide. Wir Ponys waren ganz aufgeregt, weil wir gedacht haben, es ginge endlich los mit anweiden! Aber schon wieder Fehlanzeige. Nur ich durfte mit raus und wir haben „Bauch, Beine, Po“ gemacht. Weil der Sommerreitplatz nämlich ganz schräg ist und es da also immer bergauf und bergab geht. Das war schwer, sage ich Euch! Nicht wegen bergauf und bergab sondern weil ich kein Gras essen sollte! Erst habe ich eine Diskussion gestartet. Aber mein Mädchen war unerbittlich und hat gesagt, ich darf nur auf Ansage grasen. Jetzt sollte ich mal schön um sie rum laufen. Ich habe mir dann beholfen, indem ich angetrabt bin. Ich kann zwar auch im Trab nach Gras haschen und habe das auch diverse Male versucht, aber im Schritt ist es noch viel schwieriger, der Versuchung zu widerstehen. Zum Glück musste ich immer nur so 2-3 Minuten laufen und durfte dann kurz grasen. Später bin ich besser geworden und konnte auch im Schritt gehen ohne zu naschen. Und nach 20 Minuten waren wir auch schon fertig und ich durfte noch 5 Minuten grasen. Leckerleckerlecker!

Leckerste Belohnung der Welt! Hab ich mir hart erarbeitet

Heute kommt die Waage. Was meint Ihr, wie schwer bin ich wohl geworden? Letzten Sommer waren es 360kg.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 238

Nach all dem Üben am Osterwochenende meinte mein Mädchen, sie braucht dringend etwas Romantik. Traf sich gut, dass sowieso Dienstag war – Ausflug mit dem Spaziergehkumpel! Ich weiß das ja immer schon vorher, weil die Wackelkiste parat steht. Dann warte ich geduldig, bis mein Mädchen mich holt. Schuhe anziehen, bürsten, rauf auf die Wackelkiste und rein ins Abenteuer! Juhuuu!

Wann holst du mich denn?

Wir haben meinen Spaziergehkumpel abgeholt und sind wieder gemeinsam in den Wald gefahren. Wie gesagt, mein Mädchen wollte Romantik. Ich nicht so, ich wollte lieber Kilometer machen. Los, sei doch nicht so langsam, mein Mädchen! Aber jetzt hat sie ja eine Lösung für das Problem. Sie klettert dann einfach auf meinen Rücken und sagt, wenn sie oben sitzt darf ich mein Schritttempo gehen. Und diesmal hat es klick gemacht bei mir! Die letzten Male hatte ich noch so viel zu tun mit der Balance. Ich musste gut auf meine Füße aufpassen und die im Griff behalten. Gerade so im Wald wo der Boden nicht ganz eben ist, fand ich das doch eine überraschend komplizierte Aufgabe und ich bin nicht ganz so schnell gegangen wie normalerweise. Aber jetzt haben meine Füße kapiert, wie das geht wenn ich mein Mädchen trage. Und sie machen ihren Job wieder ganz allein. Und was heißt das? Dass ich zügiger Schritt gehen kann! Genau so wie ich mir das immer vorgestellt habe. Nicht so im Schneckentempo neben meinem Mädchen her sondern mit Siebenmeilenstiefeln voran. Es gib nur zwei Probleme dabei. Erstens steigt sie ja immer alsbald wieder ab und läuft ein Stück, weil ich sie noch nicht so lange tragen soll. Und kaum berühren ihre Füße den Boden heißt es wieder: Geschwindigkeitsbegrenzung! Menno. Und zweitens – das war mir irgendwie nicht klar – ist der Ausflug schneller vorbei wenn man schneller voran kommt! Was, wir sind schon wieder an der Wackelkiste? Wieso das denn? Aber mein Mädchen hat versprochen, dass wir die Strecke einfach verlängern und dann passt es wieder. Ok! Bin bereit!

Los geht’s! Mein Spaziergehkumpel sieht mich nur noch von hinten!

Euer flotter Sir Duncan Dhu of Nakel

Menschen und Pferde

Es ist immer wieder interessant, wie ähnlich Menschen und Pferde sich sind. Weil alle Säugetiere sich ähnlich sind. Bei den schlechten Gewohnheiten zum Beispiel. So gut wie alle Menschen die ich kenne, wissen, dass sie schlechte Gewohnheiten haben. Sie wissen, dass man nicht durch das reine Wissen darum so eine schlechte Gewohnheit los wird. Gleichzeitig schauen sie verständnislos auf die schlechten Gewohnheiten ihres Pferdes: „warum macht er das?“ und ich darf sie dann daran erinnern, dass schlechte Gewohnheiten nichts sind, was man eben schnell mal so abschüttelt – sonst wären es keine Gewohnheiten. Oder bei der Angst: warum fürchtet das Pferd sich vor so komischen Dingen? Tja, warum fürchten Menschen sich vor Spinnen, vorm Fliegen, vor Spritzen oder im Aufzug? Die Auswahl an rational kaum oder gar nicht begründeten Ängsten ist bei Menschen wohl genauso groß wie bei Pferden.

Und warum möchte das Pferd lieber faul herum stehen als Sport machen, den es dringend bräuchte? Ui, da frag mal ein paar Menschen. Warum hat mein Pferd so eine schlechte Haltung, ein schlechtes Körpergefühl, schlechte Muskulatur? Da kenne ich auch ein paar Menschen bei denen das so ist. Warum ist mein Pferd so ungeduldig, möchte nicht gern im Gesicht angefasst werden, dafür aber ständig etwas naschen?

Es ist überraschend, wie oft ich Menschen darauf hinweisen kann, dass Menschen – inklusive ihnen selbst und meiner Wenigkeit – genau so sind. Jeder hat seine Marotten. Der eine ist faul und bewegt sich keinen Meter mehr als er muss. Der andere ist ständig am hampeln und reden und kommt nie zur Ruhe. Einer möchte ständig nah sein, der andere kann gar nicht genug Abstand haben. Und alle, alle haben schlechte Angewohnheiten. Ein Mensch knibbelt an seinen Fingernägeln, ein Pferd kaut am Strick. Und dann hat noch jeder seine Taktiken, um die anderen dazu zu bringen, das zu tun was man möchte. Mancher Mensch brüllt dazu rum und schüchtert andere ein, mancher stellt sich absichtlich ein bisschen dumm an. Wir Frauen wissen alle, dass wir oft mit einem netten Lächeln bekommen was wir wollen und sogar die Männer wissen oft, dass sie das jetzt nur tun weil eine Frau nett gelächelt hat und dass die Frau nur deswegen nett gelächelt hat, weil sie damit bekommt was sie will. Es funktioniert trotzdem. Im Straßenverkehr und an der Supermarktkasse versucht man oft, den Vordermann zu beschleunigen, indem man ihm auf die Pelle rückt – obwohl eigentlich klar sein dürfte, dass das nicht wirklich funktioniert.

Das schönste Beispiel habe ich mal in einem Podcast gehört: Wenn wir den bellenden Hund anbrüllen, dass er die Klappe halten soll. Bringt nix, weiß bei kurzem Nachdenken eigentlich jeder aus eigener Erfahrung. Aber für einen kurzen Moment bringt es eben doch etwas. Ganz kurz ist der Hund still. Und dieser kurze Moment ist für unser Gehirn die Belohnung für unser Verhalten. Also brüllen wir wieder – weil unser Gehirn das als lohnendes Verhalten abgespeichert hat obwohl es gar nicht wirklich zum Ziel geführt hat.

Für mich war das ein Aha-Moment. Es leuchtet mir total ein. Es ist der selbe Effekt warum wir Schokolade essen, die uns dick macht, Zigaretten rauchen, die uns krank machen oder eben keinen Sport machen. Unser Gehirn findet die kurzfristige Belohnung einfach zu attraktiv. Darum sind Facebook und Co so erfolgreich aber kaum einer läuft Marathon.

Und genauso geht es auch dem Pferd. Wenn mein Ritter neben mir her flitzt und durch nichts davon abzuhalten zu sein scheint, dann verstehe ich: was immer ich an Strafe oder Belohnung anbiete wird wenig Einfluss haben. Die kurzfristige Belohnung, schneller zu gehen, ist heute wichtiger als alles was ich dagegen zu bieten habe.

Nur ganz langsam lernt mein Teenager, gelegentlich die kurzfristige Belohnung, die ein Verhalten ihm bietet, lieber gegen eine langfristige einzutauschen. Das nennt sich wohl erwachsen werden. Bedürfnisaufschub, Frustrationstoleranz, Dinge die auf den ersten Blick einfach nur fies erscheinen, aber langfristig glücklicher machen. Dinge, die jedes Säugetier im laufe seines Lebens mehr oder weniger gut lernt. Je besser, desto angenehmer für alle Beteiligten. Und wenn ich meinen Teenie so anschaue und genervt bin von seinen Marotten, dann denke ich an meine Marotten. Daran, dass ich Duncan damit auch sicher oft gehörig auf die Nerven gehe. Und ich denke an den bellenden Hund und weiß: wenn ich etwas ändern will, brauche ich eine langfristig wirksame Strategie. Und vor allem bin ich zuständig, meinem Pony zu helfen beim erwachsen werden. Wenn ich dann mal diejenige bin, die ihn frustriert, um seine Frustrationstoleranz zu stärken, dann muss ich das aushalten können. Als Jungpferdebesitzerin ist es mein Job, den besten Weg dafür zu finden. Da darf ich Gehirnschmalz investieren und Zeit, Geduld und den Willen, auch nochmal die Taktik zu ändern, Unterricht zu nehmen oder mir selbst eine nützliche neue Gewohnheit zu schaffen. Je erwachsener ich bin, je mehr ich mein eigenes Gehirn mit seinen schlechten Angewohnheiten im Griff habe, je mehr Frust ich aushalten kann, je mehr ich meine Bedürfnisse auch mal hintenan stellen kann, desto besser wird mein Pony das nachher auch können. Deswegen sagt man wohl, der Umgang mit Pferden ist gut für die Charakterbildung. Von Zuckerschlecken war die irgendwie nie die Rede. Und nach diesen schlechten Nachrichten brauche ich ein Stück Schokolade, Ihr wisst schon.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 237

Neulich war wieder der schöne Spanier zu Besuch! Den kenne ich ja schon. Erst war er mit seinem Mädchen auf unserem Reitplatz und mein Mädchen hat den beiden ein paar Tipps gegeben. Aber nur wenige, weil die das schon echt gut können! Fanden wir Ponys auch – wir haben zugeschaut, wie die zwei das machen.

Wir haben genau zugeschaut was die da treiben.

Danach hat mein Mädchen mich dann dazu geholt. Während der Spanier kreuz und quer über den Reitplatz gelaufen ist, sollte ich mit meinem Mädchen anders kreuz und quer über den Reitplatz laufen. Und mich dabei total auf sie konzentrieren. Nicht den Rüssel raus hängen lassen (ok meistens hing er dann doch raus) und keinen Quatsch machen (das hab ich gut geschafft!). Dann haben wir Pause gemacht. Der Spanier stand gegenüber im Paddock und ich habe ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen. Wir haben alle etwas Heu geknabbert und ich hab mich immer bewegt, wenn der Spanier sich bewegt hat. So spannend war das! Die Menschen haben derweil zwischen uns in der Sonne gesessen Kuchen gegessen.

Links der schöne Spanier, das rechts bin ich

Dann sind wir nochmal gemeinsam auf den Reitplatz gegangen und haben die Übung wiederholt. Ooooooh es ist so schwer sich zu konzentrieren! Ich will den doch so gern näher kennen lernen, der sieht so nett aus! Wollen wir nicht Freunde sein? Mein Mädchen sagt, nur Brieffreundschaft. Also ohne anfassen! Sie meinte, wir könnten doch auch so über Körpersprache kommunizieren. Ja wie denn, wenn du mir ständig dazwischen quasselst! Also kurz und gut: ich musste mich wieder auf mein Mädchen konzentrieren. Hab ich gemacht. Auch wenn es verdammt schwer war! Und danach war sie zufrieden mit mir und hat eine Menge Kekse raus gerückt. Uff. Dann nochmal zusammen rum stehen – er auf der einen Seite des Weges und ich auf der anderen. Und dann ist er plötzlich weg gegangen! Ist wieder nach hause gewackelt worden in seiner Wackelkiste. Da war ich voll traurig! Habe ihm hinterher gewiehert und bin auf und ab getrabt, ich dachte, er bleibt bei uns und zieht hier ein! Und dann geht er einfach wieder! Menno. Das fand ich blöd. Da half auch kein Heu zum trösten. Naja, nun sind wir eben doch immer noch nur zu fünft hier. Aber ich hab ja die besten Kumpels der Welt hier, das ist auch ok. Und mein Mädchen hat gesagt, der schöne Spanier kommt uns auch mal wieder besuchen und dann versuchen wir zusammen spazieren zu gehen, wenn ich mich benehmen kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel