Motivation

Ich war in meinem Leben nie fest angestellt. Vielleicht habe ich deswegen einen anderen Blick auf diese Art Arbeitsverhältnis. Ich höre und sehe in meinem Freundes- und Kundenkreis ja so einiges und bin immer wieder erschüttert und erschrocken über das, was ich da so erfahre. Kürzlich hat meine Freundin ihren Job gekündigt, weil sie etwas besseres gefunden hat. Und es ist genau das passiert, was ich erwartet hatte: plötzlich macht man ihr große Angebote, damit sie doch noch bleibt. Plötzlich kann man – oh Wunder – doch mehr Gehalt zahlen (was vorher jahrelang angeblich nicht möglich war). Angeblich steht man natürlich immer voll hinter ihr und alles, was in letzter Zeit so gar nicht dafür sprach, dass man ihre Arbeit wert schätzt hat sie „falsch verstanden“. Nun denn, zum Glück ist meine Freundin vernünftig und fällt auf solche Märchen nicht rein.

Direkt nach dem Telefonat in dem wir beide uns köstlich darüber amüsierten, dass sie nun sogar einen freien Tag bekommen hat um die Entscheidung nochmal zu überdenken, betrete ich mit Halfter, Strick und Gerte den Paddock. Duncan sieht mich und kommt – völlig ungefragt – zu mir. Er weiß, dass ich das passende Equipment mit habe um mit ihm etwas schönes zu machen. Er hat Lust, ist motiviert und freut sich auf unsere gemeinsame Zeit. Woran liegt das?

Meine Pferde bekommen viel Futterbelohnung. Das kann man vielleicht als eine Art „Bezahlung“ verstehen, ähnlich verstehe ich z.B. das Kratzen beliebter Stellen oder eine schöne Massage (wenn das Pferd das denn mag). Es gibt aber auch Dinge, für die ich meine Ponys nicht „bezahle“. Ausreiten (oder Spazierengehen) ist für Duncan z.B. selbstbelohnend. Er ist einfach so gern draußen und sieht die Welt! Manche Araber, die ich kenne, freuen sich auch über einen ausgiebigen Trab an der Longe (etwas wofür ich Merlin, Diego oder Finlay niemals begeistern konnte). Auch Duncan hat einfach Freude an der Bewegung und findet es ganz ok, länger an der Longe oder an der Hand zu traben, wenn es zwischendurch was zu Naschen gibt.

Inzwischen glaube ich aber auch, dass Duncan einfach gern mit mir zusammen ist. Das, was ich bei Elsa Sinclair gelernt habe, macht sich bemerkbar. Duncan findet, dass ich oft gute Entscheidungen treffe und er genießt meine Gesellschaft, so wie ich seine genieße. Ich sage ihm jeden Tag (meistens mehrfach) dass er der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke ist, ich feiere es, wenn er eine schwierige Übung hinkriegt (und inzwischen feiert er dann mit – anfangs hat sich ihm dieses Konzept nicht erschlossen). Er fühlt sich großartig wenn wir etwas gemeinsam machen, weil ich die Aufgaben nach Möglichkeit so dosiere, dass er sie mit etwas Konzentration und Anstrengung erfüllen kann. Und ja, ich lobe ihn nach wie vor auch für die Dinge, die selbstverständlich sind: Hufe geben, warten, los gehen, antraben. Ich nehme nichts als gegeben hin. Oft denke ich an Alex Zell der mich im Unterricht oft gefragt hat „macht er das gut?“ und wenn meine Antwort „ja“ war, kam von ihm ein „dann sag ihm das!“. Wir müssen dafür nicht jedes mal in Lobeshymnen ausbrechen, Pferde lieben Harmonie und wenn wir uns darum bemühen, diese zu finden, und uns unserem Pferd anpassen, ist das für viele Pferde schon eine sehr große Motivation. Ihnen die ganze Zeit – egal ob verbal oder nonverbal – mitzuteilen wie sehr wir seine Bemühungen schätzen, macht die Pferde stolz und motiviert sie.

Und doch ist das anscheinend für viele schwer. So wie für manche meiner „Arbeitgeber“ – meine Kundinnen. Einige geben mir jedes mal Trinkgeld. In den letzten Monaten gab es ein paar, die mir gesagt haben, dass sie finden es sei jetzt Zeit für eine Preiserhöhung und mir deswegen mehr geben. Andere bringen mir Schokolade mit, packen mir zu Weihnachten Päckchen mit Leckereien oder anderen schönen Dingen, kochen mir Tee oder sind einfach sehr nett zu mir. Viele versuchen, mir meine Arbeit bei der Hufpflege so leicht wie möglich zu machen. Ich bekam auch schon extra Scheinchen, weil Termine so schwierig zu vereinbaren waren und von Kundinnenseite mehrfach verschoben wurden oder weil ein Pferd mir auf den Fuß getreten ist. Für diese Kundinnen fahre ich gern die extra Meile und mache auch einen ungünstigen Termin noch möglich. Ich investiere gern etwas extra Zeit für diese Menschen, wenn ich per Whatsapp eine Frage bekomme. Sprich: ich bin besonders motiviert, für diese Menschen etwas zu tun, die meine Arbeit offensichtlich wertschätzen und nicht meinen, mit Bezahlung allein wäre doch alles nötige getan.

Und wenn Ihr das nächste Mal ein motiviertes Pferd seht, dann beobachtet doch mal, wie viel Lob und freundliche Worte, wie viel Rücksicht auf körperliche Schwierigkeiten, wie viel Pflege (im Sinne von regelmäßigem Zahn- Huf- und Osteopathentermin, Sattelanpassung etc) dieses Pferd bekommt. Und dann schaut nach dem anderen Pferd, das lieber weg geht, wenn der Besitzer kommt. Hört zu, wenn diese Besitzerin über ihr Pferd spricht. Darüber, dass es faul und dominant ist, dass es „das jetzt einfach mal machen“ kann, dass es das doch weiß und warum es denn so blöd ist.

Und den Angestellten unter Euch kann ich nur raten, auch mal eure Chefin unter die Lupe zu nehmen. Wie behandelt man Euch im Job? Und ist das wirklich noch zeitgemäß was da passiert? Vielleicht geht Ihr mit Eurem Pferd so um, wie Ihr es selbst auf der Arbeit erlebt – und vielleicht ist das gut oder vielleicht eben auch nicht. Oder seid Ihr selbst die Chefin? Und wie geht Ihr mit Euren Angestellten um?

Ich freue mich jeden Tag auf Duncan, und wenn wir – wie gestern – 11 Minuten schön zusammen arbeiten ist mir das unendlich viel mehr wert als wenn wir eine Stunde miteinander verbringen, in der wir beide unzufrieden sind. Auch das gehört für mich zur Motivation meiner Pferde unbedingt dazu: aufhören, wenn es am schönsten ist, anstatt mehr und mehr und mehr zu verlangen. Körperliches Training ja, aber nicht ohne Spaß.

Und jetzt entschuldigt mich, mein Pony wartet auf mich.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 350

Hier auf dem Hof wohnen wir Ponys und die Menschen, möchte man meinen. Aber in Wirklichkeit ist hier viel mehr los! Zum Beispiel wohnen hier jede Menge Regenwürmer, die regelmäßig umziehen müssen. Außerdem haben wir oft Besuch von Rehen (mein Mädchen sagt, jeder der sich auskennt, schlägt jetzt die Hände überm Kopf zusammen, weil das bestimmt in Wirklichkeit Damwild heißt und nicht Reh, aber das ist uns egal). Die „Rehe“ dürfen auf die Weide bevor wir es dürfen und fressen uns da das Gras weg – das finde ich nicht fair! In den letzten Jahren hat auch fast immer eines sein Kitz hier in der Wiese versteckt. Mein Mädchen versucht immer mitzukriegen wo gerade eins liegt und lässt uns dann nicht auf diese Weide, sondern lieber auf ein anderes Stück.

In unserem Misthaufen, wo es schön warm ist, lässt eine Blindschleich ihre Eier ausbrüten. Dann kommt immer eine Zeit wo wir denken „man, sind die Regenwürmer groß geworden“ und erst auf den zweiten Blick fällt uns auf, dass es sich um Blindschleichenbabys handelt.

Ein Riesenregenwurm? Nein, eine Mini-Schleiche!

Jetzt im Frühling kriegen wir auch immer mit, wie viele Hasen und Kaninchen hier so herum hoppeln – die sind ganz schön frech und düsen wirklich überall herum, vor allem wenn sie in Paarungslaune sind. Und der Fasan, der wohnt hier auch und erschreckt uns gerne alle mal, indem er laut schreiend auffliegt. In einem Jahr hat seine Frau mal ihre Küken über den Paddock geführt, sagt mein Mädchen, das fand sie süß. Vielleicht passiert das ja dieses Jahr auch wieder.

Auch ein Bussard schaut hier immer wieder vorbei. Und setzt sich immer so weit weg, dass mein Mädchen kein scharfes Bild bekommt.
Pfütze oder Ententeich?

Dieses Jahr haben sich aber noch mehr Vögel bei uns eingefunden, plötzlich waren hier zwei Enten unterwegs, die unsere Pfütze kurzerhand zum Ententeich deklariert haben und jetzt ist unsere Wiese dieser Tage auch noch zur Gänseweide geworden! Und ich gestehe: Gänse machen mich fertig. Die finde ich gleichzeitig spannend und gruselig. Wenn die so laut schnattern und hochfliegen und dann einige Meter weiter wieder landen, da kann ich nicht mit umgehen. Ich erinnere mich dann immer an die Ente des Grauens. Heute morgen war hier gänsemäßig Hochbetrieb und Diego wollte sich allen Ernstes schlafen legen! Da habe ich ihn aber schnell wieder geweckt, das wollte ich nicht. Wenn gruselige Gänse da sind, dann muss Diego bitteschön aufpassen und nicht schlafen! Er war dann etwas schlecht gelaunt aber mir war das einfach wichtig, dass er da die Verantwortung übernimmt.

Unsere neuesten Besucher. Oder sind das jetzt Mitbewohner?

Natürlich gibt es hier noch viele andere Tiere. Ab und zu kommen zum Beispiel Wildschweine vorbei. Dann ist mein Mädchen genervt, weil die immer den Zaun zerstören. Ein größeres Tier, vielleicht ein Fuchs oder Dachs, hat oben an unserem Rundlauf seinen Bau, aber den Bewohner hat mein Mädchen noch nie gesehen.

Und dann sind da noch die Huchmampfs! Ihr wisst nicht, was das für Wesen sind? Dann schaut mal hier! Die Huchmampfs verstecken sich gern mal im Gebüsch rund um den Reitplatz und lauern mir auf, besonders im Frühling und im Herbst. Wenn man da nicht aufpasst, ist es schnell vorbei, das sage ich euch! Aber ich glaube, ihr Menschen habt vom Huchmampf einfach keine Ahnung und würdet es noch nicht mal erkennen wenn es euch schon verspeist hat….. da muss ich mich schon selbst um meine Sicherheit kümmern.

Also, einsam ist es hier ganz sicher nicht. Meine Aufzählung erhebt auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Bald kommen ja die Schwalben wieder und machen den Sommer (so sagt man doch, oder?), die dicken Hummeln brummen schon wieder herum und freuen sich, dass mein Mädchen allerhand „Unkraut“ hat das jetzt schon blüht. Und die Wespen überlegen, ob sie wieder ein Nest im Heuschober bauen. Kurz und gut: hier ist ordentlich was los und das ist schön so.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit den vielen Mitbewohnern (einige davon gruselig)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 349

So, ihr wartet doch bestimmt schon auf meinen Sonntags-Ausflugs-Bericht, oder?

Heute hatte mein Mädchen den Plan, dass mein neuer Sattel nochmal ordentlich im Trab getestet wird. Dafür hat sie eine schöne Strecke raus gesucht, die wir zwar schon öfter gegangen sind, aber jetzt schon ganz lange nicht mehr. Da kann man fein ein längeres Stück auf richtig schönem Boden durch traben. Und zwar in der Schweiz! Tjaja, da staunt ihr, was? Wir kommen ganz schön rum! Naja, es war „nur“ die Nienkattbeker Schweiz. Der Mann hat unterwegs gerätselt, warum es wohl so heißt. Berge sind da nämlich keine. Ob es in der Region guten Käse gibt? Oder vielleicht besonders feine Schokolade? Oder Uhren? Wir haben es nicht heraus gefunden. Schön ist es da jedenfalls, das steht fest. Wir sind also munter getrabt. Dann ein Stück Schritt, dann ist mein Mädchen eine ganze Weile zu Fuß gegangen, damit ich sie mit dem neuen Sattel noch nicht so lange tragen muss. Auf dem Rückweg sind wir dann nochmal den schönen Weg vom Anfang getrabt – ich vorne weg. Mein Mädchen möchte nämlich mal raus finden, welches Tempo gut ist für mich zum traben.

Also das Problem ist ja folgendes: Diego der Große heißt ja nicht zum Spaß so. Er ist echt groß! Und er hat lange Beine. Wenn der im Schritt gemütlich schlendert, bin ich schon auf Anschlag mit meiner Schrittgeschwindigkeit. Diegos Reiseschritt ist deutlich schneller als ich jemals Schritt gehen kann. Und im Trab sieht es natürlich genauso aus! Jetzt hat der Mann so einen Faible für „Angebertrab“ da läuft Diego ganz langsam und ist gut zu sitzen. Der Trab ist aber für mich dann zu langsam, da habe ich nicht genug Schub von hinten und kann mein Mädchen nicht gut tragen, ich brauche da einfach mehr Vortrieb. Wenn Diego dann aber schnell trabt, komme ich nicht mehr hinterher und müsste langsam galoppieren (bzw. dann wäre ich wieder zu schnell!). Ihr seht: es ist vertrackt. Mein Mädchen meinte, da hätte sie beim Kauf einfach nicht dran gedacht, dass ich wohl tempomäßig nicht zu Diego passen werde. Aber ich weiß: es war ihr einfach total egal, denn sie wollte MICH!

Mein Mädchen findet, die Großen müssen auf die Kleinen Rücksicht nehmen. Also muss Diego sich an mein Tempo anpassen. Und mein Tempo im Trab sind im Moment so 10,5km/h. Das ist nicht sonderlich schnell, ich weiß, aber mein Mädchen und ich wissen auch, dass ich noch schneller werde wenn ich mehr trainiert habe. Und dann wird mein flotter Trab wohl einigermaßen zu Diegos halb flottem Trab passen.

Mit meinem neuen Sattel sind wir jedenfalls seeeeeehr zufrieden. Er hat sich jetzt schon ein gutes Stück gesetzt, so dass mein Mädchen nicht mehr so thront wie am Anfang. Heute ist sie wohl so 6km geritten, also müsste er nach ungefähr 4 weiteren Reit-Kilometern vollständig gesetzt sein.

Ein Foto habe ich nicht für euch, weil alles so herrlich unspektakulär war. Mein Mädchen war sehr zufrieden mit diesem ruhigen, völlig abenteuerfreien Ausritt. Und wir anderen auch. Richtig schön war das. Jetzt steht wieder ein paar Tage Platz-Arbeit auf dem Programm, bis es wieder auf Ausflug geht. Fitness, Fitness, Fitness! Mein Mädchen sagt, sie hat sich auch noch etwas neues ausgedacht, was sie mal testen will, wenn das Wetter etwas länger trocken war. Bin gespannt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 348

Einige von euch haben es schon im letzten Video gesehen: ich habe jetzt einen neuen Sattel! „Neu“ stimmt nicht ganz, mein Mädchen hat ihn gebraucht gekauft (aber fast neu). Es ist ein Ghost-Sattel, für alle die es interessiert. Er hat keinen festen Sattelbaum aber eine sehr patente Steigbügelaufhängung, die das Gewicht von meinem Mädchen gut verteilt, auch wenn sie in den Bügeln steht. Weil ich noch wachse und ganz viele Muskeln bekommen soll wäre es Quatsch, jetzt einen Sattel mit festem Baum zu kaufen hat sie gesagt. Zumal das bei meinem kurzen Rücken auch kein Kinderspiel wird! Wir probieren jetzt wie uns das mit dem Ghost gefällt und dann sehen wir in ein paar Jahren weiter ob wir dabei bleiben. Der Sattel kann mit mir mitwachsen und immer wieder neu angepasst werden.

Allerdings sind diese Anpass-Sessions ganz schön ätzend für mich, das sage ich Euch! Da wird aufgestiegen, abgestiegen, neu gesattelt, neu gegurtet, der Sattel umgebaut, wieder aufgestiegen, wieder abgestiegen, gefilmt und fotografiert….. kurzum: sehr, sehr nervig! Wenn es da keine Kekse für gäbe, würde ich nicht mit machen! Da es hier keinen Sattler gibt, der diese Sättel anpassen kann, mussten mein Mädchen und der Mann das selbst machen, haben aber kompetente Anleitung aus der Ferne bekommen (von Amelie Mohr).

Jetzt passt alles, jetzt muss sich der Sattel aber noch „setzen“. Das finde ich lustig, eigentlich setzt sich doch mein Mädchen – und zwar auf den Sattel auf meinem Rücken! Aber nein, der Sattel setzt sich auch. In die passende Form für meinen Rücken. Dafür müssen wir 15km damit reiten. Damit das nicht blöde ist für mich hat mein Mädchen beschlossen, die 15km gut aufzuteilen. Am Montag waren wir ja 8km unterwegs, aber sie ist nur 5km geritten in zwei Etappen. Weil ich es ja bequem haben soll mit dem noch nicht eingerittenen Sattel. Sie wollte gern mal einen lockeren Trab testen, ich fand, wir könnten dann auch gleich einen lockeren Galopp testen. Warum auch nicht? Mein Mädchen hat gelacht und gleichzeitig ein bisschen geschimpft, weil es eigentlich frech ist, dass ich ungefragt angaloppiere. Andererseits freut sie sich immer, weil ich so schön galoppiere. Diesmal habe ich sogar mal einen Rechtsgalopp probiert, das habe ich mit ihr oben drauf noch nie gemacht – sonst hatte ich immer Linksgalopp gewählt. Also es ist so: wenn Diego schnell trabt, komm ich da nicht hinterher. Dann sage ich zu meinem Mädchen „wir könnten doch galoppieren“ und mein Mädchen sagt „nein“ und bremst ein bisschen. Dann bremse ich einfach ganz doll ab und trabe extra langsam, während Diego schon irgendwo um die nächste Ecke verschwindet. „Guck mal“ sage ich dann zu meinem Mädchen „wir kommen da gar nicht hinterher!“ und dann treibt mein Mädchen mich an. Damit meint sie ich soll schneller traben, aber ich interpretiere das dann einfach zu meinen Gunsten als Galopphilfe! Und wenn wir dann erst mal im Galopp sind muss sie lachen und bis sie dann anfängt zu bremsen hab ich Diego schon eingeholt und das Spiel geht von vorn los. Mein Mädchen findet das schlau und frech und lustig und unmöglich – alles auf einmal.

Na jedenfalls wollte sie mit dem Sattel noch nicht galoppieren, weil der (ungesetzt) noch so hoch ist wie ein kleines Thrönchen und sie etwas Sorge hatte, dass er rutschen könnte. Aber ich hatte schon gemerkt, dass da nix rutscht und hab ihr deswegen gezeigt, wie fein ich damit galoppieren kann. Hab ihr gesagt, dass sie meine Prinzessin ist auf ihrem Thron und wenn ich so charmant bin kann sie mir eh nix mehr abschlagen.

Ein Thron für meine Prinzessin – ich meine: mein Mädchen!
Damit auch ja nix rutscht ist mein Mädchen von extra weit oben aufgestiegen. Kann ich.

Jetzt müssen wir also noch 10km mit dem Sattel reiten, dann hat er sich gesetzt und wir müssen neue Fotos zu Amelie schicken damit sie die Passform nochmal kontrolliert. Und wenn ich dann wachse und Muskeln bekomme, dann kann sie immer nachschauen ob noch alles sitzt wie es soll.

Einen einzigen Haken hat die Sache allerdings. Da mein Mädchen den Sattel gebraucht gekauft hat, konnte sie sich die Farbe nicht aussuchen. Und die Satteldecke gehört zu diesem Sattel dazu, die ist speziell gepolstert. Und die hat die völlig falsche Farbe für uns! Da müssen wir uns wirklich noch was einfallen lassen. Ich plädiere ja dafür, dass mein Mädchen einfach genug Geld verdient um eine passende Satteldecke in der richtigen Farbe zu kaufen. Aber mein Mädchen sagt, ich habe in letzter Zeit so viel Geld gekostet, dass wir im Moment nicht wählerisch sein können. Wir kneifen einfach ein bisschen die Augen zusammen und schauen über die Farbe großzügig hinweg, bis wieder Geld da ist, sagt sie. Wenn der Sattel sich gesetzt hat, können wir vielleicht unsere alte braune Satteldecke darüber legen, dann sieht keiner die komische Farbe, die uns gar nicht steht.

Im Grunde ist das ja auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir jetzt endlich wieder besser traben können, wenn wir unterwegs sind, weil mein Mädchen Steigbügel hat. Und ihr Gewicht auf meinem Rücken schön verteilt wird, so dass ich sie bequem auch über längere Strecken tragen kann. Dafür starten wir jetzt voll durch mit Training und Muskelaufbau, denn der Sommer kommt und ganz bald kann ich wohl auch wieder mit meinem Spaziergehkumpel los ziehen – juhuuu!

Euer besattelter Sir Duncan Dhu of Nakel

100 Wiederholungen

Ich habe schon einmal etwas über diesen wunderbaren Text geschrieben. Mein Artikel damals hieß „Einhundert mal“ und wenn ich ihn heute lese, grinse ich ein bisschen. Denn vieles von dem, was wir damals erarbeitet haben, ist heute längst Routine. Andererseits ist mein damaliger Plan, Duncan erst einzufahren bevor ich ihn reite, nicht wahr geworden (aus diversen Gründen). Und das ist gar nicht schlimm, heißt aber, dass die einhundert mal vom Boden fahren, die ich mir damals vorgenommen hatte, noch längst nicht erledigt sind. Und erinnert mich daran, damit wieder anzufangen, denn irgendwann – vielleicht nächstes Frühjahr – soll es ja losgehen mit der Fahrerei.

Jetzt habe ich den ursprünglichen Artikel wieder ausgegraben, denn es gibt etwas, wo ich mich noch viel mehr an den einhundert Mal orientieren werde. Der Witz im ursprünglichen Artikel ist ja der: einhundert Mal wiederholen, OHNE zu überlegen, ob man Fortschritte macht. Stur wiederholen. Egal ob es besser wird oder nicht. Quasi völlig ziellos.

Duncan und ich wollen jetzt wirklich ernsthaft an das „fremde Pferde“-Thema ran. (Ja, ich glaube schon dass Duncan das auch will, denn es wird sein Leben bereichern). Das sind die Momente, wo er mich einfach mal ausblendet: da ist ein fremdes Pferd, da muss ich jetzt gucken. Aber wenn ich jemals auch mit anderen Leuten ausreiten oder sogar mal auf Distanzritt gehen will, dann müssen wir das in den Griff kriegen! Er muss ja nicht alles wegignorieren wie Diego, aber ein bisschen Aufmerksamkeit für mich übrig lassen wäre schon schön. Und hier kommen die 100 mal ins Spiel.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass das Fremd-Pferd-Thema für mich angstbesetzt ist, weil Duncan mehrfach an der Hand gestiegen ist in diesem Zusammenhang. Nicht, dass jemals jemand zu Schaden gekommen wäre, aber es war immer recht ansatzlos so, dass das Pony plötzlich senkrecht stand und das ist dann schon beeindruckend. Inzwischen kenne ich die Voranzeichen besser und natürlich ist zu vermuten, dass die Kastration die Heftigkeit des Ganzen abmildert (wobei ich am Sonntag noch nicht das Gefühl hatte, dass er sehr viel ruhiger ist). Das Thema ist mein persönliches Schreck-Gespenst. In meinem Kopf existiert noch keine Vorstellung von einem gelassenen, aufmerksamen Duncan in der Nähe unbekannter Pferde. Und einen echten Trainingsplan habe ich auch nicht. Hier kommen jetzt die 100 ziellosen Wiederholungen ins Spiel. Einfach 100 mal eine Begegnung mit fremdem Pferd üben, dabei meine Komfortzone nicht zu weit verlassen (also so, dass ich mich mit ihm sicher fühle). Ohne Anspruch, dass sich etwas ändert. Ohne Anspruch an mich, dass ich irgendetwas steigern muss, etwas erreichen muss, etwas verbessern muss. Wenn wir es 100 mal auf die gleiche Art machen ist das auch ok. Danach können wir immer noch sehen, wie es weiter geht.

Den Druck raus nehmen und gleichzeitig das Thema angehen. Und ich merke, wie gut mir das tut. Ich denke an viele meiner Schülerinnen, ganz besonders an jene, die Verladetraining machen. Denn irgendwie ist Verladetraining besonders vertrackt. Während bei allem anderen für viele instinktiv gilt „der Weg ist das Ziel“, fühlt sich das am Anhänger direkt anders an. Verladetraining ist erst nützlich, wenn man los fahren kann (so zumindest der Gedanke und das Gefühl der meisten Pferdemenschen). Für mich ist Verladetraining ja immer eher Beziehungsarbeit und ein Stück weit körperliches Training fürs Pferd (Füße sortieren, sich mit unbekannten Bodenverhältnissen auseinander setzen). Aber ich verstehe das Gefühl (zumal die meisten erst anfangen, das Verladen zu üben, wenn sie irgendwo hin müssen – was übrigens wirklich viel zu spät ist!).

Aber was, wenn wir uns einfach mal vornehmen würden, 100 mal am Anhänger zu üben – ohne Zieldruck (gibt es das Wort oder hab ich das gerade erfunden?)? Ich bin ja immer so sehr dafür, einen guten Plan zu haben und genau zu wissen, welcher Schritt nach welchem kommt. Aber manchmal wissen wir das einfach nicht. Manchmal bewegen wir uns auf unbekanntem Terrain und müssen schauen, wo der Weg uns hin führt. Manchmal sind wir innerlich blockiert von Angst oder Sorgen, Frustration oder schlicht davon, dass wir uns nicht vorstellen können dass das jemals klappen kann. Und auch wenn 100 planlose Wiederholungen sicherlich weniger Fortschritt bringen als wenn wir einen guten Plan hätten, so sind 100 planlose Wiederholungen eben doch ganz sicher besser, als es gar nicht zu tun. Denn von gar nichts tun wird gar nichts besser, so viel ist klar.

Wer weiß, vielleicht erkennen wir nach 50 Wiederholungen bestimmte Muster, die uns helfen, einen besseren Trainingsplan zu erstellen? Vielleicht erzielen wir nach 80 Wiederholungen plötzlich einen Durchbruch?

Das einzige was es zu vermeiden gilt ist, 100 mal das FALSCHE zu üben. Deswegen ist es wichtig, die Schritte so klein zu halten, dass wir auf jeden Fall ein gutes Ergebnis an diesem Tag haben. Wenn das bedeutet, dass meine und Duncans Maximalleistung ist, grasend mit 10m Abstand neben einem fremden Pferd zu stehen – dann ist das so. Und wenn es die nächsten 99 mal wieder so ist, dann ist es so. Wenn es für ein Verladetraining bedeutet, dass nur ein Vorderhuf des Pferdes die Rampe betritt, dann ist das so. Und wenn wir dann akzeptieren, dass es unter Umständen 100 mal so bleibt, wie fühlt sich das dann an? Und wie oft haben wir schon gesagt „ich habe Zeit“ und behauptet, wir hätten Geduld? Und jetzt reden wir darüber, was Geduld ist – wenn wir uns vorstellen, wie wir 100 Wiederholungen lang keine Fortschritte machen. Und ich glaube, dann, wenn wir wissen, dass das passieren kann und TROTZDEM mit dem Training anfangen, dann sind wir wirklich mutig.

In meinem Fall empfinde ich es so: ich kann mich dem Thema jetzt so stellen und mir genehmigen, einigermaßen angstfrei das Zusammensein mit fremden Pferden mit Duncan zu üben, ohne zu wissen ob das so irgendwie zum Ziel führt. Oder ich muss mein Pony für dieses Training aus der Hand geben, denn es nützt Duncan auch nichts, wenn ich angespannt und ängstlich bin, weil da fremde Pferde sind. Beide Lösungen sind ok. Ich entscheide mich zunächst für die 100 Wiederholungen. Ich habe keinen Zeitdruck und ich will wissen, was passiert. In der Excel-Liste in der ich unsere Erlebnisse dokumentiere und gemeinsam gemachte Kilometer zähle, wird es also jetzt eine neue Spalte geben: Fremdpferdeübung. Ziellos, aber dafür umso hartnäckiger und geduldiger. Und wenn eine von Euch auch so ein Thema hat und mitmachen möchte, dann lasst uns uns gegenseitig anspornen. 100 Wiederholungen ohne Druck. 100 mal machen ohne zu wissen was dabei heraus kommt. Ich lass mich überraschen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 347

Nachdem wir am Sonntag ja nix körperlich anstrengendes gemacht hatten (nur mein Kopf war angestrengt!), war für Montag ein Ausflug angesetzt.

Mein Bruder im Himmel hatte Geburtstag und da muss mein Mädchen immer extra betreut werden von ihrem persönlichen Herzensreparateur – das bin ich! Sie sagt, ich habe einen verdammt guten Job gemacht, denn sie ist zwar immer noch traurig, wenn sie an meinen Bruder denkt, aber es tut nicht mehr so weh. Sie kann sich jetzt freuen, dass sie ihn gekannt hat und über all die Dinge die er ihr beigebracht und gezeigt hat. Ich bin sehr stolz auf meine Leistung, denn das war schon ganz schön viel Arbeit, ihr Herz wieder hin zu bekommen!

Beste Herz- Reparatur- Methode: schönen Ausflug machen!

Jedenfalls war also wieder ein Ausflug dran, bei allerfeinstem Ausflugswetter. Wir sind eine ganz neue Strecke gegangen und da gab es allerhand zu sehen! Erst mal ging es durch den Wald, aber irgendwie ist das kein normaler Weg, sondern einer wo man dauernd durch Bäche durch marschieren muss! Ich habe da ja so meine Taktik, bin schließlich Pfützenfeinabschmecker und muss jedes Wasser probieren! Der Mann meinte, ich sei wie Thor, der das große Trinkhorn von Utgardloki austrinken sollte. Das gelang ihm nicht, weil das Trinkhorn auf magische Art und Weise mit dem Meer verbunden war – aber Thor hat immerhin so viel getrunken, dass er dadurch Ebbe und Flut erschaffen hat! So ähnlich hab ich das mit dem Bach auch versucht. Ob es mir gelungen ist? Naja zum austrinken hat es nicht gereicht, aber ich hab mir ein bisschen die Füße gekühlt und mich meines Lebens gefreut bevor ich mich habe überreden lassen, weiter zu gehen.

Erst mal kosten…

Später ging es aus dem Wald wieder raus in ein Dorf. Da gab es allerhand zu gucken und ich habe mir auch alles genau angeschaut. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir, weil ich so unaufgeregt aber aufmerksam war. Rinder, Folien, Gärten aller Art und schließlich, ganz am Ende, eine Hängematte, die vom Wind genau in unsere Richtung geweht wurde! Ui, da hat sogar Diego kurz einen Satz gemacht! Und ich auch. Aber halt nur einen. Dann stehen bleiben, gucken, fest stellen dass es doch kein Drache war, Keks kassieren, weiter gehen.

Dann wieder rein in den Wald und zurück zur Wackelkiste. Insgesamt knappe 8km, aber mein Mädchen findet, das reicht auch mit den ganzen neuen Wegen. Und es hatte auch noch einen anderen Grund, aber das erzähle ich euch beim nächsten Mal. Wer genau hinschaut, kann es aber auch im Video erkennen!

Mein Mädchen war glücklich mit dem schönen Ausflug. Abends haben die Menschen noch ein kleines Osterfeuer bei uns im Roundpen gemacht. Das fand ich interessant und wollte es mir gern näher ansehen! Aber mein Mädchen meinte, ich sollte mir mal lieber nicht die Tasthaare versengen und hat mich immer etwas auf Abstand gehalten. Trotzdem war sie ganz fröhlich, dass ich so mutig und neugierig bin.

Das Feuer fand ich spannend!
Diego hat sich das auch angeschaut

Und sie hat mir nochmal gesagt, dass ich der allerbeste Herzensreparateur bin, den sie sich vorstellen kann. Dass ich so ganz anders bin als mein großer Bruder im Himmel und dass sie da sehr froh drum ist, weil sie uns gar nicht vergleichen kann. Jeder von uns ist auf seine eigenen Weise das beste Pony! Sie ist stolz, dass ich schon so fein erwachsen geworden bin und zuverlässig und überhaupt rundum toll und gelungen und all das.

Ach, das höre ich doch gern!

Euer erfolgreicher Herzensreparateur Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 346

Soooo Ostern ist vorbei, das sonnige Wetter auch. Mein Mädchen findet das Timing echt gut: Ostern konnten wir schön genießen und jetzt gibt es nochmal etwas Wasser für die Weide, damit das Gras schön wächst. Oooooooh wir Ponys sind schon so ungeduldig! Wann es wohl endlich los geht mit der Weidesaison?

Damit sind wir auch schon beim Sonntagsausflug. Das war ein ganz toller Ausflug, wir sind nämlich auf eine Weide gefahren und Diego und ich durften da 30min grasen! Nebenbei war da auch noch dieser Araber – den kenn ich doch schon irgendwo her? Ach, richtig, den hatten wir mal in der Spielhalle getroffen!

Fremde Pferde sind ja meine einzige echte Schwäche sagt mein Mädchen. Die sind aber auch immer so verdammt spannend und nie darf ich richtig gucken gehen! Diesmal ging es so einigermaßen, weil da halt so viel leckeres Gras war. Ab und zu sollte ich dann den Kopf hoch nehmen und irgendwo hin gehen, dann durfte ich wieder grasen. Diego durfte einfach die ganze Zeit durchgehend schmausen. Aber der kann fremde Pferde halt auch einfach so wegignorieren! Wie macht er das nur?

Grasen in Gesellschaft des Arabers

Mein Mädchen sagt, wir wollen mit dem Araber später auch ausreiten gehen können und dafür muss ich lernen, auf sie zu hören, auch wenn er da ist. Puh. Schwer. Und für Distanzritte muss ich ganz viele andere Pferde ignorieren können – das hört sich noch schwerer an!

Mein Mädchen sagt, Übung macht den Meister und niemand hetzt uns, wir können das ganz in Ruhe machen. Na gut. Wenn es dabei immer so viel leckeres Gras gibt, bin ich einverstanden!

Euer grasender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 345

Frohe Ostern, liebe Menschen! Bei uns hoppeln die Hasen wild durch die Gegend aber ansonsten merken wir Ostern vor allem immer daran, dass unsere Menschen mehr Zeit haben. Und da ja gerade Fellwechsel-Zeit ist äußert sich das erst mal in einer groß angelegten „Entpelzungs-Aktion“.

Mein Winterfell kommt ja so ganz geschmeidig Härchen für Härchen nebenbei raus gefallen. Aber gerade bei den Senioren – also Merlin und Caruso – müssen die Menschen doch mal etwas nachhelfen. Die haben beide soooo viel Fell und das verfilzt dann so, weil sie auch noch zwischendurch die Decken drauf haben wenn es regnet. Also muss der Entpelzer ran – so nennt mein Mädchen das spezielle Putzgerät mit dem sie uns vom losen Winterfell befreit. Der Mann hat sich wieder mal beschwert, weil Caruso einfach zu klein ist und ja auch unterm Bauch entpelzt werden muss! Bei Caruso ist alles sehr weit unten. Soll noch einer sagen, ICH wäre klein! Aber Caruso will eben auch entpelzt werden, also ist Kreativität gefragt! Liebe Kinder, bitte nicht zu hause nachmachen.

Caruso genießt seine „Unterboden-Wäsche“

Einmal hatte der Mann sogar versucht, Caruso zu reiten. Das war so: er hat „Dieeeeeeeego!“ gerufen, weil wir einen Ausflug machen wollten. Aber Caruso fand, das klang so ähnlich wie „Caruuuuuuuuso“ und ist einfach schnell angelaufen gekommen! Da hat er Mann gesagt, dann geht er eben mit Caruso ausreiten. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, das würde wohl nicht funktionieren, aber man soll sich ja wundern!

Huch!

Naja, ausreiten waren die zwei dann aber doch nicht. Da hätte der Mann ja die ganze Zeit mitlaufen müssen! Und dafür ist Caruso eindeutig viel zu schnell, er ist nämlich ein richtiger Kugelblitz!

Jetzt sind wir alle einmal schön durchgeputzt. Als nächstes ist wieder Hufe raspeln dran, aber ich habe gehört, dass für heute und morgen auch noch Ausflüge geplant sind – mit Spezialabenteuer! Jetzt bin ich ganz gespannt, hoffentlich geht es bald los!

Ich werde Euch natürlich berichten!

Euer entpelzter Sir Duncan Dhu of Nakel

Spielen

Da ist er wieder – der komische Punkt.

Ich erinnere mich gut, wie es mir mit Finlay damals ging – allerdings war Finlay da schon 6 Jahre alt, weil ich mit ihm einen anderen Weg gegangen bin als jetzt mit Duncan. Es ist ein merkwürdiger Punkt, finde ich. Denn am Anfang war für mich mit meinen beiden jungen Pferden ganz klar, was es so zu lernen gibt. Vom ersten Führen über Spaziergänge, grundlegende Bodenarbeit bis zum anreiten und alles was da so drum und dran hängt, ist für mich eindeutig, welche Basis ich haben möchte mit meinem Pony. Und dann – gefühlt sehr plötzlich, obwohl das natürlich nicht stimmt – geht das alles. Als wir am Sonntag unterwegs waren, wurde mir wieder einmal klar, wie entspannt Duncan und ich inzwischen durchs Gelände tingeln. Alles, was für unsere heiß geliebten Ausflüge nötig ist, können wir zwei jetzt. (Einige Dinge müssen noch extra geübt werden, na klar, aber das sind dann Spezialthemen wie Autobahnbrücken o.ä.)

Und jetzt geht´s los mit der Zielsuche. Naja, irgendwann wollen wir zumindest mal wieder einen kleinen Distanzritt machen. Da ist der Weg vorgezeichnet: Kondition aufbauen, möglichst unterschiedliche Gelände besuchen, das anständige Zusammensein mit fremden Pferden üben. Das alles ist kein Hexenwerk – für einen Einführungsritt von 30km braucht es noch keinen Trainingsplan, keine Pulsuhr oder etwas derart kompliziertes. Und wenn es mal so sein sollte, dass wir so etwas brauchen, dann sind das Dinge, die ICH lernen muss. Mein Pony schaut auf keinen Plan, der läuft einfach mit mir los.

Was also soll Duncan jetzt lernen? Und da ist er wieder: der Nebel in Tüten. Denn natürlich soll Duncan lernen und üben, mich gesund zu tragen. Er soll ausbalanciert werden und kräftiger, damit er mich schadlos tragen und sich möglichst verschleißfrei bewegen kann. Und wie ich ihn da hin trainiere, das hängt schwer davon ab, welchen Ausbilder ich zu Rate ziehe. Und genau diese Tatsache macht mir gerade wieder das Leben schwer. Denn wenn man sich umschaut in der Reiterwelt, gibt es viele, viele Menschen, die uns genau erklären können, wie wir unser Pferd korrekt ausbilden. Nur leider sagt jeder was anderes und es wird sich auch ganz direkt widersprochen. Auf welche Höhe gehören Kopf und Hals? Was ist das richtige Tempo? Wie reitet man am besten seitwärts – mit Biegung oder ohne, mit viel Abstellung oder wenig? Welches Zaumzeug und welche Zügelführung ist das beste für mein Pferd? Welche Gangart ist die, in der es sich am besten bewegt und trainiert? Brauche ich Stangen, Hütchen, viel Platz oder wenig, tiefen oder flachen Boden? Soll ich lieber viel reiten, viel longieren oder viel Handarbeit machen? Doppellonge, Freiarbeit? Soll mein Pferd sich viel biegen, viele Kreise und Kringel laufen oder lieber ganz viel geradeaus?

Wahrscheinlich hat jede Reiterin schon die Erfahrung gemacht, zu einem neuen Ausbilder zu kommen und etwas ganz anderes zu hören als davor. Mir ist es gefühlt hunderte Male so gegangen – sowohl als Schülerin wie auch als Lehrerin. Jetzt kann ich mich entscheiden: glaube ich dem nächsten Ausbilder und erlerne wieder ein neues System? Glaube ich keinem mehr und mache einfach einen Mix aus allem, in der Hoffnung dass es einigermaßen klappt? Greife ich auf das zurück, was ich einigermaßen beherrsche und versuche es weiter zu verbessern?

Bisher habe ich in Duncans Ausbildung genau das getan: das, was ich schon kann und weiß, weiter verbessern und ein bisschen auf Duncan zuschneiden. Handarbeit, Seitengänge in Variationen von Schenkelweichen bis zu verschiedenen Schulterhereins (jaja, lieber Reiterinnen, je nachdem welchen Ausbilder man fragt, sieht Schulterherein durchaus sehr unterschiedlich aus!), Übergänge, Wendungen, Tempounterschiede. An der Longe ein bisschen Stangenarbeit (Duncan ist das erste meiner Ponys das einen Sinn darin sieht!), Doppellonge haben wir neu zusammen gelernt, ist aber mit Duncan auch ganz leicht (in der Basisversion die wir machen, zu höheren Sphären sind wir noch nicht aufgestiegen bzw haben uns bisher nicht darum bemüht). Freiarbeit haben wir bisher nicht viel gemacht und ich glaube, es wird nicht Duncans Favorit.

Ich muss jetzt entscheiden ob ich diesem bisherigen Programm treu bleibe, was davon ich wie, wie viel und wie oft mache und ob ich etwas neues dazu nehmen oder einiges weg lassen bzw ersetzen möchte. Ob wir wirklich irgendwann piaffieren oder eine 60km Distanz reiten, weiß ich nicht und es ist mir auch egal, denn mein Pony ist „Freizeitpony“ (Pfridolin Pferd würde an der Stelle hinzufügen „… der DARF gar nicht arbeiten“).

Führt mein bisheriges Programm zu diesem wunderbar gut bemuskelten und geschmeidigen Pony, das ich gern hätte? Oder braucht er noch etwas anderes? Welches Vorgehen ist das beste für Duncan? Was passt zu seinem Körper und seiner Seele? Stürze ich mich noch einmal in ganz unbekannte Gefilde und lerne ein neues Konzept – wieder mal?

Letzte Woche war ich kurz in einer Sinnkrise. Aber zum Glück habe ich einige langjährige Schülerinnen, mit denen auch mal das eine oder andere persönliche Gespräch stattfindet. Und eine von ihnen gab mir den alles entscheidenden Hinweis. Sie sagte sinngemäß „es geht doch um den Spaß und darum dass dein Pony merkt, dass du ihn toll findest“.

Da fiel mir Karen Rohlf ein, eine amerikanische Ausbilderin, die ich zwar persönlich nie getroffen, von der ich aber trotzdem schon eine Menge gelernt habe. Und eines ihrer wunderbaren Zitate:

„Precision arrives out of the possibilities that play creates“ (frei übersetzt: „Präzision ergibt sich aus den Möglichkeiten, die im Spiel entstehen“)

Was auch immer Duncan und ich uns jetzt so vornehmen, ich will immer daran denken: es soll für uns beide spielerisch bleiben. Wir wollen nicht ernst und verbissen Lektionen üben, sondern die Möglichkeiten ausloten und entdecken. Das steht nicht im Widerspruch zu Konzentration und Anstrengung! Aber es bedeutet, dass wir frei herum probieren und uns keiner starren Methode verschreiben. Und dass wir uns nicht anstecken lassen von den ernsten Ausbildern, die so wichtig daher kommen und keinerlei Lebendigkeit und Freude mehr versprühen. Auch wenn wir von diesen Ausbildern viel lernen und mitnehmen – wir machen es trotzdem auf unsere Art. Wir dürfen Spielen und Quatsch machen wo andere kritisch gucken – die Freiheit nehmen wir uns. Wir suchen nach Abwechslung und immer neuen Ideen, so wie Merlin es mich in den letzten 22 Jahren gelehrt hat. Denn Merlin hat das Zitat von Karen Rohlf gelebt: er hat immer herum probiert, gespielt, mir etwas vorgeschlagen. Und wenn ein neuer Lehrer mit einer neuen Anforderung kam, konnten wir das oft sehr schnell umsetzen, weil mein Pony so wunderbar flexibel reagiert hat und bereit war, auch dieses neue Spiel zu probieren. Und dadurch konnte er in all den Jahren immer all die Dinge tun, die ihm eigentlich niemand zugetraut hätte. Heute schaue ich mein altes Pony an und merke, was er mich WIRKLICH gelehrt hat: auf eine Art und Weise zu spielen und Spaß zu haben, die zu fantastischen Ergebnissen führt.

Daran möchte ich bei Duncans weiterer Ausbildung immer denken, wohin uns der Weg auch führen mag.

Und darum zu Merlins Ehren hier noch ein kleines Video von Anfang des Jahres mit dem Spruch seines Lebens: „Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden, wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen.“

Auch mit 30 noch verspielt und neugierig.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 344

Immer wenn wir zusammen los ziehen, macht mein Mädchen mir einen kleinen Zopf. Ich finde das etwas nervig, weil ich still stehen muss, während sie genau vor meinem Gesicht herum fummelt. Das ist ja nicht so meins. Weiß mein Mädchen auch und gibt mir deswegen Kekse dafür. Dann sagt sie immer „das ist wichtig, ich will nicht, dass du irgendwann ohne Zaumzeug mitten im Gelände stehst!“ und dann erzählt sie immer von meinem großen Bruder. Das war nämlich so: eines Tages waren mein Mädchen und das Mädchen vom Spaziergehkumpel mit ihren beiden Ponys unterwegs. Sie wollten für den ersten Distanzritt trainieren und hatten sich überlegt, dass sie mal eine längere Strecke machen um zu sehen, ob die Ponys fit genug sind dafür. Wie sie so an einem Bauernhof vorbei traben, schießt plötzlich ein Hund ans Tor und mein großer Bruder erschreckt sich und macht einen Hüpfer. Mein Mädchen denkt sich nix dabei, aber dann fühlen sich die Zügel plötzlich so komisch an. Was war passiert? Bei dem Hüpfer ist einfach so das ganze Zaumzeug von Finlays Kopf gerutscht!

Wir Highlandponys haben nämlich viel Wallehaar und kleine Ohren. Das heißt, der Genickriemen kann uns ganz leicht und schnell über die Ohren nach vorn rutschen und schon sind wir frei. Mein Mädchen fand das aber nicht so wahnsinnig witzig, mitten im Gelände ohne Zaumzeug zu stehen (auch wenn mein großer Bruder natürlich genauso artig war wie ich). Deswegen hat sie beschlossen, dass mein Zaumzeug immer festgeflochten werden muss, bevor wir den Hof verlassen, damit es wenigstens einigermaßen am Kopf bleibt.

Und immer wenn ich mir nach dem Reiten die Ohren kratze (das mache ich traditionell so), sagt sie „siehst du, deswegen ist das wichtig mit dem festflechten“.

Ups, ein Ohr ist raus! Hätte ich mein Befestigungs-Zöpfchen nicht, wäre ich jetzt frei….

Naja, nervig finde ich es aber trotzdem und das sage ich ihr auch jedes Mal. Aber ihr kennt sie ja: Stur ist ist. Und da es nur ein kleines Zöpfchen ist, geht es zum Glück ja auch schnell.

Euer festgeflochtener Sir Duncan Dhu of Nakel