Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 345

Frohe Ostern, liebe Menschen! Bei uns hoppeln die Hasen wild durch die Gegend aber ansonsten merken wir Ostern vor allem immer daran, dass unsere Menschen mehr Zeit haben. Und da ja gerade Fellwechsel-Zeit ist äußert sich das erst mal in einer groß angelegten „Entpelzungs-Aktion“.

Mein Winterfell kommt ja so ganz geschmeidig Härchen für Härchen nebenbei raus gefallen. Aber gerade bei den Senioren – also Merlin und Caruso – müssen die Menschen doch mal etwas nachhelfen. Die haben beide soooo viel Fell und das verfilzt dann so, weil sie auch noch zwischendurch die Decken drauf haben wenn es regnet. Also muss der Entpelzer ran – so nennt mein Mädchen das spezielle Putzgerät mit dem sie uns vom losen Winterfell befreit. Der Mann hat sich wieder mal beschwert, weil Caruso einfach zu klein ist und ja auch unterm Bauch entpelzt werden muss! Bei Caruso ist alles sehr weit unten. Soll noch einer sagen, ICH wäre klein! Aber Caruso will eben auch entpelzt werden, also ist Kreativität gefragt! Liebe Kinder, bitte nicht zu hause nachmachen.

Caruso genießt seine „Unterboden-Wäsche“

Einmal hatte der Mann sogar versucht, Caruso zu reiten. Das war so: er hat „Dieeeeeeeego!“ gerufen, weil wir einen Ausflug machen wollten. Aber Caruso fand, das klang so ähnlich wie „Caruuuuuuuuso“ und ist einfach schnell angelaufen gekommen! Da hat er Mann gesagt, dann geht er eben mit Caruso ausreiten. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, das würde wohl nicht funktionieren, aber man soll sich ja wundern!

Huch!

Naja, ausreiten waren die zwei dann aber doch nicht. Da hätte der Mann ja die ganze Zeit mitlaufen müssen! Und dafür ist Caruso eindeutig viel zu schnell, er ist nämlich ein richtiger Kugelblitz!

Jetzt sind wir alle einmal schön durchgeputzt. Als nächstes ist wieder Hufe raspeln dran, aber ich habe gehört, dass für heute und morgen auch noch Ausflüge geplant sind – mit Spezialabenteuer! Jetzt bin ich ganz gespannt, hoffentlich geht es bald los!

Ich werde Euch natürlich berichten!

Euer entpelzter Sir Duncan Dhu of Nakel

Spielen

Da ist er wieder – der komische Punkt.

Ich erinnere mich gut, wie es mir mit Finlay damals ging – allerdings war Finlay da schon 6 Jahre alt, weil ich mit ihm einen anderen Weg gegangen bin als jetzt mit Duncan. Es ist ein merkwürdiger Punkt, finde ich. Denn am Anfang war für mich mit meinen beiden jungen Pferden ganz klar, was es so zu lernen gibt. Vom ersten Führen über Spaziergänge, grundlegende Bodenarbeit bis zum anreiten und alles was da so drum und dran hängt, ist für mich eindeutig, welche Basis ich haben möchte mit meinem Pony. Und dann – gefühlt sehr plötzlich, obwohl das natürlich nicht stimmt – geht das alles. Als wir am Sonntag unterwegs waren, wurde mir wieder einmal klar, wie entspannt Duncan und ich inzwischen durchs Gelände tingeln. Alles, was für unsere heiß geliebten Ausflüge nötig ist, können wir zwei jetzt. (Einige Dinge müssen noch extra geübt werden, na klar, aber das sind dann Spezialthemen wie Autobahnbrücken o.ä.)

Und jetzt geht´s los mit der Zielsuche. Naja, irgendwann wollen wir zumindest mal wieder einen kleinen Distanzritt machen. Da ist der Weg vorgezeichnet: Kondition aufbauen, möglichst unterschiedliche Gelände besuchen, das anständige Zusammensein mit fremden Pferden üben. Das alles ist kein Hexenwerk – für einen Einführungsritt von 30km braucht es noch keinen Trainingsplan, keine Pulsuhr oder etwas derart kompliziertes. Und wenn es mal so sein sollte, dass wir so etwas brauchen, dann sind das Dinge, die ICH lernen muss. Mein Pony schaut auf keinen Plan, der läuft einfach mit mir los.

Was also soll Duncan jetzt lernen? Und da ist er wieder: der Nebel in Tüten. Denn natürlich soll Duncan lernen und üben, mich gesund zu tragen. Er soll ausbalanciert werden und kräftiger, damit er mich schadlos tragen und sich möglichst verschleißfrei bewegen kann. Und wie ich ihn da hin trainiere, das hängt schwer davon ab, welchen Ausbilder ich zu Rate ziehe. Und genau diese Tatsache macht mir gerade wieder das Leben schwer. Denn wenn man sich umschaut in der Reiterwelt, gibt es viele, viele Menschen, die uns genau erklären können, wie wir unser Pferd korrekt ausbilden. Nur leider sagt jeder was anderes und es wird sich auch ganz direkt widersprochen. Auf welche Höhe gehören Kopf und Hals? Was ist das richtige Tempo? Wie reitet man am besten seitwärts – mit Biegung oder ohne, mit viel Abstellung oder wenig? Welches Zaumzeug und welche Zügelführung ist das beste für mein Pferd? Welche Gangart ist die, in der es sich am besten bewegt und trainiert? Brauche ich Stangen, Hütchen, viel Platz oder wenig, tiefen oder flachen Boden? Soll ich lieber viel reiten, viel longieren oder viel Handarbeit machen? Doppellonge, Freiarbeit? Soll mein Pferd sich viel biegen, viele Kreise und Kringel laufen oder lieber ganz viel geradeaus?

Wahrscheinlich hat jede Reiterin schon die Erfahrung gemacht, zu einem neuen Ausbilder zu kommen und etwas ganz anderes zu hören als davor. Mir ist es gefühlt hunderte Male so gegangen – sowohl als Schülerin wie auch als Lehrerin. Jetzt kann ich mich entscheiden: glaube ich dem nächsten Ausbilder und erlerne wieder ein neues System? Glaube ich keinem mehr und mache einfach einen Mix aus allem, in der Hoffnung dass es einigermaßen klappt? Greife ich auf das zurück, was ich einigermaßen beherrsche und versuche es weiter zu verbessern?

Bisher habe ich in Duncans Ausbildung genau das getan: das, was ich schon kann und weiß, weiter verbessern und ein bisschen auf Duncan zuschneiden. Handarbeit, Seitengänge in Variationen von Schenkelweichen bis zu verschiedenen Schulterhereins (jaja, lieber Reiterinnen, je nachdem welchen Ausbilder man fragt, sieht Schulterherein durchaus sehr unterschiedlich aus!), Übergänge, Wendungen, Tempounterschiede. An der Longe ein bisschen Stangenarbeit (Duncan ist das erste meiner Ponys das einen Sinn darin sieht!), Doppellonge haben wir neu zusammen gelernt, ist aber mit Duncan auch ganz leicht (in der Basisversion die wir machen, zu höheren Sphären sind wir noch nicht aufgestiegen bzw haben uns bisher nicht darum bemüht). Freiarbeit haben wir bisher nicht viel gemacht und ich glaube, es wird nicht Duncans Favorit.

Ich muss jetzt entscheiden ob ich diesem bisherigen Programm treu bleibe, was davon ich wie, wie viel und wie oft mache und ob ich etwas neues dazu nehmen oder einiges weg lassen bzw ersetzen möchte. Ob wir wirklich irgendwann piaffieren oder eine 60km Distanz reiten, weiß ich nicht und es ist mir auch egal, denn mein Pony ist „Freizeitpony“ (Pfridolin Pferd würde an der Stelle hinzufügen „… der DARF gar nicht arbeiten“).

Führt mein bisheriges Programm zu diesem wunderbar gut bemuskelten und geschmeidigen Pony, das ich gern hätte? Oder braucht er noch etwas anderes? Welches Vorgehen ist das beste für Duncan? Was passt zu seinem Körper und seiner Seele? Stürze ich mich noch einmal in ganz unbekannte Gefilde und lerne ein neues Konzept – wieder mal?

Letzte Woche war ich kurz in einer Sinnkrise. Aber zum Glück habe ich einige langjährige Schülerinnen, mit denen auch mal das eine oder andere persönliche Gespräch stattfindet. Und eine von ihnen gab mir den alles entscheidenden Hinweis. Sie sagte sinngemäß „es geht doch um den Spaß und darum dass dein Pony merkt, dass du ihn toll findest“.

Da fiel mir Karen Rohlf ein, eine amerikanische Ausbilderin, die ich zwar persönlich nie getroffen, von der ich aber trotzdem schon eine Menge gelernt habe. Und eines ihrer wunderbaren Zitate:

„Precision arrives out of the possibilities that play creates“ (frei übersetzt: „Präzision ergibt sich aus den Möglichkeiten, die im Spiel entstehen“)

Was auch immer Duncan und ich uns jetzt so vornehmen, ich will immer daran denken: es soll für uns beide spielerisch bleiben. Wir wollen nicht ernst und verbissen Lektionen üben, sondern die Möglichkeiten ausloten und entdecken. Das steht nicht im Widerspruch zu Konzentration und Anstrengung! Aber es bedeutet, dass wir frei herum probieren und uns keiner starren Methode verschreiben. Und dass wir uns nicht anstecken lassen von den ernsten Ausbildern, die so wichtig daher kommen und keinerlei Lebendigkeit und Freude mehr versprühen. Auch wenn wir von diesen Ausbildern viel lernen und mitnehmen – wir machen es trotzdem auf unsere Art. Wir dürfen Spielen und Quatsch machen wo andere kritisch gucken – die Freiheit nehmen wir uns. Wir suchen nach Abwechslung und immer neuen Ideen, so wie Merlin es mich in den letzten 22 Jahren gelehrt hat. Denn Merlin hat das Zitat von Karen Rohlf gelebt: er hat immer herum probiert, gespielt, mir etwas vorgeschlagen. Und wenn ein neuer Lehrer mit einer neuen Anforderung kam, konnten wir das oft sehr schnell umsetzen, weil mein Pony so wunderbar flexibel reagiert hat und bereit war, auch dieses neue Spiel zu probieren. Und dadurch konnte er in all den Jahren immer all die Dinge tun, die ihm eigentlich niemand zugetraut hätte. Heute schaue ich mein altes Pony an und merke, was er mich WIRKLICH gelehrt hat: auf eine Art und Weise zu spielen und Spaß zu haben, die zu fantastischen Ergebnissen führt.

Daran möchte ich bei Duncans weiterer Ausbildung immer denken, wohin uns der Weg auch führen mag.

Und darum zu Merlins Ehren hier noch ein kleines Video von Anfang des Jahres mit dem Spruch seines Lebens: „Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden, wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen.“

Auch mit 30 noch verspielt und neugierig.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 344

Immer wenn wir zusammen los ziehen, macht mein Mädchen mir einen kleinen Zopf. Ich finde das etwas nervig, weil ich still stehen muss, während sie genau vor meinem Gesicht herum fummelt. Das ist ja nicht so meins. Weiß mein Mädchen auch und gibt mir deswegen Kekse dafür. Dann sagt sie immer „das ist wichtig, ich will nicht, dass du irgendwann ohne Zaumzeug mitten im Gelände stehst!“ und dann erzählt sie immer von meinem großen Bruder. Das war nämlich so: eines Tages waren mein Mädchen und das Mädchen vom Spaziergehkumpel mit ihren beiden Ponys unterwegs. Sie wollten für den ersten Distanzritt trainieren und hatten sich überlegt, dass sie mal eine längere Strecke machen um zu sehen, ob die Ponys fit genug sind dafür. Wie sie so an einem Bauernhof vorbei traben, schießt plötzlich ein Hund ans Tor und mein großer Bruder erschreckt sich und macht einen Hüpfer. Mein Mädchen denkt sich nix dabei, aber dann fühlen sich die Zügel plötzlich so komisch an. Was war passiert? Bei dem Hüpfer ist einfach so das ganze Zaumzeug von Finlays Kopf gerutscht!

Wir Highlandponys haben nämlich viel Wallehaar und kleine Ohren. Das heißt, der Genickriemen kann uns ganz leicht und schnell über die Ohren nach vorn rutschen und schon sind wir frei. Mein Mädchen fand das aber nicht so wahnsinnig witzig, mitten im Gelände ohne Zaumzeug zu stehen (auch wenn mein großer Bruder natürlich genauso artig war wie ich). Deswegen hat sie beschlossen, dass mein Zaumzeug immer festgeflochten werden muss, bevor wir den Hof verlassen, damit es wenigstens einigermaßen am Kopf bleibt.

Und immer wenn ich mir nach dem Reiten die Ohren kratze (das mache ich traditionell so), sagt sie „siehst du, deswegen ist das wichtig mit dem festflechten“.

Ups, ein Ohr ist raus! Hätte ich mein Befestigungs-Zöpfchen nicht, wäre ich jetzt frei….

Naja, nervig finde ich es aber trotzdem und das sage ich ihr auch jedes Mal. Aber ihr kennt sie ja: Stur ist ist. Und da es nur ein kleines Zöpfchen ist, geht es zum Glück ja auch schnell.

Euer festgeflochtener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 343

Na, das war aber mal ein Ausflug!

Mein Mädchen hatte Lust, mal wieder in unseren anderen Lieblingswald zu fahren. Der ist etwas weiter weg, dafür aber noch viel schöner. Sie hatte erst überlegt, ob wir unsere derzeit üblichen 10km mal etwas erweitern, aber dann hat sie sich dagegen entschieden und wollte lieber nochmal ganz genau ausbaldowern, wo da jetzt die neuen Reitwegeschilder stehen – das ist nämlich teilweise verwirrend. Also hat sie 9,7km geplant.

Los ging es bei allerschönstem Sonnenschein über den allerschönsten Waldweg. Wir Ponys waren gut gelaunt und ich bin fleißig marschiert. Mein Mädchen meinte, ich wäre wieder viel lockerer und das wäre gut. Dann mache ich größere Schritte und federe mich besser ab, sagt sie. Ich hab ein bisschen Turboschritt eingelegt.

Der Wald war so schön lichtdurchflutet!
Verwirrende Schilder – da rechts ist nämlich gar kein Weg (mehr?)
Schön, schön, schön!

Weil es in letzter Zeit viel geregnet hat, war da das eine oder andere Matschloch und nach jedem Matschloch haben die Menschen schnell unsere Hufschuhe durchgezählt. Die haben aber einwandfrei gehalten. Dann kamen wir raus aus dem Wald auf einen Plattenweg, wo wir dann auch ein Stück getrabt sind. Dann eine ausgiebige Graspause und über uns bisher unbekannte Wege an romantisch einsam gelegenen Häusern vorbei wieder in den Wald. Dort wollten wir noch ein Stück traben. Plötzlich sagt der Mann zu meinem Mädchen: „hat Diego noch alle Hufschuhe drauf? Der läuft irgendwie ungleich“. Ach herrje, da fehlte doch einer! Meinem Mädchen wurde gleich ganz blümerant, denn sie hatte länger nicht nach Diegos Hufschuhen geschaut (sie kann ja meine Schuhe von oben so schlecht sehen, deswegen schaut sie nach Diegos Schuhen und der Mann nach meinen). Und da hat sie gleich geahnt, dass der Schuh vielleicht schon länger fehlt! Was soll ich euch sagen, es ging ein gutes Stück zurück. Aus dem Wald wieder raus, an den romantisch einsam gelegenen Häusern vorbei bis zur Grauspausenstelle. Der Mann war sicher, dass dort noch alle Schuhe da gewesen wären. Aber wir haben den Schuh auf der ganzen Strecke nicht gefunden. Mein Mädchen war sicher, dass wir weiter zurück müssen. Schließlich haben sie sich entschlossen, weiter zurück zu gehen und siehe da, hinter der nächsten Kurve lag der Schuh.

Also Schuh wieder drauf und wieder umdrehen! Ich wurde mittlerweile etwas kopfmüde von dem ganzen hin und her und meinem Mädchen war kalt, also ist sie ein langes Stück gelaufen. Vorbei an den romantisch einsam gelegenen Häusern und wieder rein in den Wald. Dort sind wir noch ein kleines Stück getrabt, aber leider wurde der Weg dann so steinig, das war doof. Da haben selbst unsere Hufschuhe nicht so gut geholfen. Die Menschen wollten den kürzesten Weg zur Wackelkiste nehmen und haben sich deswegen für den Hauptweg entschieden. Im Nachhinein war das aber ne blöde Idee weil wir dort wegen der Steine nur Schritt gehen konnten. Mein Mädchen sagt, der andere Weg wäre zwar 500m länger gewesen, aber dafür viel schöner und wir hätten noch traben können.

Nun war es wie es war und wir haben insgesamt 14,4 km in knapp über 3 Stunden hinter uns gebracht. Meine Füße konnten schon noch gut laufen, aber mein Kopf war aus, das ganze Umdrehen und so war doch irgendwie anstrengend.

Mein Mädchen hat versucht, mich mit dem einen oder anderen Keks bei Laune zu halten und mir erzählt, dass ihr Vater auf Ausflügen immer eine Tafel Nussschokolade aus der Jacke gezaubert hat, wenn sie nicht mehr konnte. Also damals, als sie noch klein war – jetzt macht er das leider nicht mehr! Aber deswegen hat sie immer Schokolade in ihrem Auto und einen Müsli-Riegel in der Tasche, man weiß ja nie, wann einem die Kräfte versagen! Ich hatte Durst und hab jede Pfütze probiert, aber es hat keine so gut geschmeckt, dass ich mich satt getrunken hätte. Und Hunger hatte ich, die Graspause war viel zu lange her! Deswegen hab ich an der Wackelkiste auch gleich versucht, etwas Heu zu ergattern. Mein Mädchen hat sich beeilt, dass ich schnell einsteigen und essen kann, bevor mein Blutzucker komplett im Keller ist. Zum Glück kennt sie sich ja aus mit uns Ponys und weiß, wie wichtig Essen für uns ist!

Trotzdem: es war ein prima Ausflug und ganz aus Versehen haben wir jetzt einen neuen Streckenrekord aufgestellt! Ihr wisst ja, ich mag das, mich mal richtig auszupowern. Und mein Mädchen sagt, sie merkt sich, dass man den Hauptweg nicht reiten sollte, weil der so steinig ist. Sie will jetzt noch den Rest von dem Wald erkunden und dann irgendwann alle Wege dort zusammensetzen, das werden dann so knappe 18km. Aber das dauert noch etwas, bis wir das gut schaffen können.

Heute haben Diego und ich erst mal schön frei und dürfen uns erholen. Neue Muskeln wachsen lassen und ein paar neue Synapsen, damit wir für die nächste Tour gerüstet sind. Diesmal dann geplant und ohne umdrehen. Und mein Mädchen baut endlich wieder die Extra-Riemen an die Schuhe, damit wir sie nicht mehr verlieren.

Euer gut ausgepowerter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 342

Erinnert Ihr Euch noch an diese Beiträge? Und viele, viele andere zum Thema

Seit ich hier eingezogen bin, ist mein Mädchen besessen davon, dass ich wachse. Größer soll ich werden – und zwar nicht nur hinten, sondern auch vorne! Jetzt soll ich auch noch breiter werden, aber bitte nicht fett! Und überhaupt bin ich für alles zu klein. Gut, jetzt ist es ja im letzten Jahr dramatisch besser geworden, nachdem ich hinlänglich bewiesen habe, dass ich groß genug bin, mein Mädchen zu tragen. Trotzdem: wenn sie auf meinem Rücken sitzt, baumeln ihre Beine so an mir herunter und sie findet das irgendwie nicht gut. Mir ist es ja egal, ehrlich gesagt…. aber ich möchte ihr ja gern gefallen. Also: wachsen.

Und was ist: es geht ihr nicht schnell genug. War ja wieder klar! Wenn ich beim Ausflug vorschlage, wir könnten etwas schneller machen, steht sie auf der Bremse. Aber beim wachsen, da kann es ihr gar nicht schnell genug gehen!

Deswegen hat sie sich jetzt was neues überlegt. Ihr erinnert Euch an die Reifendruckprüfung neulich? Mit dem Kompressor war sie da am Gange. Und wie sie da so am prüfen war, kam sie auf die Idee: wenn sie einfach etwas Luft in mich rein pustet, werde ich viel schneller breiter! Jetzt bekomme ich jede Woche eine kleine Dosis Druckluft, dann geht es schneller mit dem Wachsen.

Na wenn sie meint?

Einmal die Woche etwas Druckluft beschleunigt das wachsen ungemein, sagt mein Mädchen!

Euer aufgeblasener Sir Duncan Dhu of Nakel

Freiheit

Immer wenn es sehr philosophisch wird, suche ich erst mal nach Zitaten. Zum Thema Freiheit beziehen sich diese in aller Regel auf Menschen und sind nicht auf Pferde übertragbar.

In der Pferdewelt gibt es oft einen romantischen Blick auf jene Pferde, die in Freiheit leben. Wildlebende Pferde (d.h. ausgewilderte Hauspferde) gibt es fast überall auf der Welt. In einer sehr interessanten Studie über wildlebende Brumbys in Australien hat Brian Hampson mit seinen Kollegen verschiedene Herden angeschaut. Dort wurde klar: Leben in Freiheit kann ganz unterschiedlich aussehen. Während eine Gruppe ständig dem Hungertod nah war und wahnsinnige Strecken zurück legen musste zwischen Weideland und Wasser (die Pferde gingen daher nur alle 4 Tage zum Wasser!), lebte eine andere Gruppe an einer Art Oase. Diese Pferde bewegten sich nicht mehr als 3km von ihrem Wasserloch weg, waren alle übergewichtig und litten zu 60% an Hufrehe. Zwischen den beiden Extremen gibt es natürlich alle Abstufungen.

Sicher ist diese Untersuchung nicht ganz aussagekräftig, weil Pferde in Australien keine Fressfeinde haben. Aber sie zeigt die extremen Bedingungen, die es in Freiheit geben kann.

Ich habe mal eine Frau kennengelernt, die selbst in einer Tierschutzorganisation tätig war, die am liebsten gar keine Tiere in Gefangenschaft sehen möchte. Sie selbst besaß aber einen Mustang, der die ersten 10 Jahre seines Lebens in Freiheit gelebt hatte. Und sie sagte den extremer eingestellten Tierschützern dann immer: „Komm mich mal besuchen. Ich zeige dir, welches meiner Pferde bei Regen als erstes in den Unterstand geht und sich im Winter am meisten über das Heu freut“. Der Mustang wusste, wie hart das Leben in Freiheit sein kann. Hunger, Durst, Gefahr, Verletzung, Erschöpfung, Wetter in all seinen Extremen. Das ist eben der Preis der Freiheit für ein Pferd. Will ich das? Will mein Pferd das? Ich kann es nicht fragen. So wie Menschen diese Frage unterschiedlich beantworten würden und ihre eigene Freiheit unterschiedlich einschätzen, so geht es bestimmt auch den Pferden: der eine hat lieber mehr Sicherheit und Bequemlichkeit, der andere verzichtet zu Gunsten von mehr Freiheit darauf.

Und was ist das überhaupt, diese „Freiheit“?

„Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden.“ (Abraham Lincoln)

Im Laufe der Jahre wurde unser Paddock für die Ponys immer größer und interessanter. Als erstes bauten wir einen Roundpen, in dem wir eigentlich Freiarbeit machen wollten, den wir aber wenig dafür nutzen. Somit beschlossen wir, dass die Ponys ihn auch als Paddock mit nutzen können. Sie schlafen dort oder spielen. Der Roundpen wird manchmal genutzt wie ein Boxring: wer spielen will, lädt den anderen dort hin ein, wer genug hat, verlässt den Ring. Etwas später bauten wir einen insgesamt ca 400m langen Rundlauf um die Weide. Den haben wir dann nochmal umgebaut, weil er an einer Stelle durch zu nassen Boden lief. Durch den Umbau entstand eine schnurgerade „Rennstrecke“, die gern genutzt wird. Oben bei den Nachbarn bauten wir dann nochmal etwas um, so dass eine großzügige Ecke entstand, in der die Ponys gern in der Gesellschaft ihrer Nachbarn schlafen oder spielen. Dann bauten wir einen zweiten, kleinen Rundlauf um unseren Reitplatz herum.

Jeder neue Paddockteil wurde von den Ponys dankbar als interessante Erweiterung angenommen. Am Rundlauf entlang läuft der Knick (eine Wallhecke), wo die Ponys gern ein paar Zweige und Blätter pflücken. Im Herbst sammeln sie dort Eicheln und schmausen Schlehen und Brombeeren. Jetzt im Frühling sind sie den lieben langen Tag damit beschäftigt, Meter für Meter die kleinen grünen Grasspitzen am Rand des Rundlaufs abzunagen und zu versuchen, mit ihrem Kopf möglichst weit unter den Zaun zu angeln (das scheint immer der Job meines Ponys zu sein. Finlay hat dort manche Verrenkung unternommen um möglichst viel Gras zu erhaschen und auch Duncan arbeitet an seiner Beweglichkeit zu diesem Zwecke). Im Sommer dreht Diego den Spieß dann um: wenn das Gras hüfthoch steht, langt er mit seinem langen Hals über den E-Zaun hinweg, spitzt seine langen Lippen und reißt sich von oben die Grashalme ab.

Unsere Ponys haben zwei Ställe, die zwar nebeneinander liegen, aber von unterschiedlichen Seiten begehbar sind. So können sie sich mal aus dem Weg und außer Sichtweite gehen und nutzen diese Möglichkeit auch, was in meinen Augen maßgeblich dazu beiträgt, dass unsere Herde so entspannt ist.

Ist das alles „Freiheit“? Nein, natürlich nicht. Es ist das beste, was ich meinen Ponys bieten kann (bis mir die nächste Verbesserung einfällt). Aber eins ist klar: wenn ich einen Teil des Ganzen aus irgendwelchen Gründen absperre, sind die Ponys genervt. Die Freiheit, die einem genommen wird, spürt man eben sehr viel mehr als die, die man nie hatte.

Das ist übrigens einer der Gründe, weshalb ich es sehr unglücklich finde, wenn Pferde von einer großen Weide, auf der sie aufgewachsen sind, plötzlich in einen kleine Stall gestellt und dann angeritten werden. Was für ein Kulturschock und dann soll man etwas ganz neues lernen? Leider ist das gängige Praxis.

Ich bin froh, dass mein Duncan direkt hier bei uns aufgewachsen ist. So ist er das, was hier an Freiheit ist oder nicht ist, gewohnt. Unser Reitplatz liegt quasi mitten im Paddock, das heißt dort ist man nie wirklich allein. Die Ponys schauen regelmäßig zu, wenn einer von ihnen „arbeitet“, für alle eine Art Entertainment-System. Duncan hat sich mit Sicherheit manches von den großen Ponys abgeschaut und hatte bei allem, was wir neu angefangen haben, immer die moralische Unterstützung vom Rand mit dabei.

Die wenigsten Menschen können ihren Pferden so viel Freiheit bieten, die meisten Pferd leben deutlich beengter. Unsere Ponys waren jetzt lange ohne ihren großen Rundlauf. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich trotzdem recht viel bewegt haben, aber ich muss diesen Eindruck revidieren. Jetzt, wo der Rundlauf wieder auf ist, sehe ich, wie viel Bewegung in der Gruppe ist. Und schon steigt die Fitness der Ponys wieder, ohne dass wir viel dafür tun – ein netter Nebeneffekt. Merlins alte Knochen werden wieder geschmeidiger, die jüngeren liefern sich mal wieder ein Wettrennen und den Rest des Tages wandern die Ponys herum wie es sich für Pferde ja eigentlich auch gehört.

Viele Reitweisen propagieren, sie würden die Pferde gesund erhalten. Immer mit gleichzeitig geäußerter Kritik an anderen Reitweisen. Witzig, wenn die Distanzreiter sagen „bei uns laufen viele alte Pferde im Sport“, während die „klassische Dressur“ behauptet, nur durch hohe Ausbildung, kurze Einheiten und sorgfältigste Geraderichtung und Versammlung könnten Pferde bis ins hohe Alter gesund bleiben. Ich weiß nicht, ob es dazu Untersuchungen gibt, wahrscheinlich wird das schwierig. Aber wenn ich mal so meinen eigenen Erfahrungsschatz durchwühle und anschaue, welche Pferde gesund (!) alt werden, möchte ich behaupten: es sind irgenwie meistens die, die vernünftig gehalten und gefüttert wurden. Die, bei denen die Besitzer sich viele Gedanken um die 23 Stunden machen, die das Pferd täglich ohne sie verbringt.

Unsere Pferde waren im Schnitt noch nie so gesund wie seit dem Bau des großen Rundlaufs. Sie sind fit und beweglich, nicht mehr so übergewichtig und bekommen keine Koliken. Keine Reitweise der Welt kann freie Bewegung ersetzen. Versteht mich nicht falsch: wenn mein Pferd zu wenig freie Bewegung hat, ist viel anderweitige Beschäftigung mit dem Menschen sicher hilfreich. Aber ein adäquater Ersatz ist es eben nicht. Da auch Pferde ökonomisch denken, braucht es aber Anreize, sonst bewegen sie sich auch auf der größten Fläche nicht mehr als sie müssen. In unserem Fall wachsen diese Bewegungsanreize am Wegesrand, was für uns das Leben leicht macht. Andere müssen da kreativer werden.

Und so stellt die Freiheit, die ich meine, auch eine Art Zwang zur Bewegung dar.

Freiheit ist eben relativ….

Es macht mich unendlich glücklich, die Ponys wieder in unserem ganzen (kleinen) Ausmaß von Freiheit zu beobachten und zu sehen, wie gut es ihnen damit geht. Das ist jede Mühe wert, die es uns Menschen macht, lange Zäune in Stand zu halten und Äppel aus entfernten Ecken zu kratzen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 341

Ach, herrlich! So ein schönes Wetter war das gestern, Sonne, um mein Mädchen zu wärmen, bisschen Wind, um uns Ponys abzukühlen. Und los ging es auf Ausflug! Aber vor dem Ausflug war noch Reifendruck prüfen angesagt. Erst beim Anhänger und dann angeblich auch noch bei meiner „Bereifung“! Aber ich glaube da haben die Menschen mich auf den Arm genommen. Jedenfalls hat der Kompressor komische Geräusche gemacht, da musste ich erst mal ein paar Kekse haben um sicher zu sein, dass das ok ist. Diego hat natürlich wieder kein Problem damit gehabt. Wie kann man so abgeklärt sein? Ob ich das auch irgendwann bin? Immerhin ist Diego 15 Jahre älter als ich. Vielleicht hab ich noch Chancen.

Ich glaub die haben mich auf den Arm genommen. Luftdruck prüfen? Ehrlich?
Bisschen gruselig. Aber mein Mädchen weiß: Kekse besiegen Monster. Isso.

Dann ging es endlich los! Wir Ponys waren allerbest gelaunt und die Menschen auch. Wir sind in ein Gebiet gefahren wo wir vor 2 Jahren mal waren und dann irgendwie nicht mehr – warum, wissen wir alle nicht so genau! Mein Mädchen hatte am Computer Wege rausgesucht und diesmal hat sie einen Volltreffer gelandet: die waren alle wunderschön! 10,7 km fast ohne Straße und eigentlich könnte man so gut wie überall traben. Na gut, so fit sind wir alle noch nicht und zwischendurch muss man ja auch mal bremsen weil ein Hund mit seinen Menschen vorbei kommt oder so.

Am Anfang gab es auch fremde Pferde zu sehen, da war ich doch noch etwas aufgeregt! Wallach hin oder her, fremde Pferde sind einfach soooooo spannend! Da möchte ich doch gleich Freundschaft schließen! Mein Mädchen sagt, mein großer Bruder (der im Himmel) ist genauso gewesen. Der wollte auch mit jedem Pferd befreundet sein. Wir Schotten sind eben nette Typen! Aber leider dürfen wir fremde Pferde immer nur angucken und müssen dann weiter gehen. Schade. Diego kann da ja so einfach weiter marschieren, völlig ungerührt. Wie macht er das bloß?

An einer Stelle sind die Menschen abgestiegen und wir durften grasen, während mein Mädchen allein einen Weg rein gegangen ist. Das war nämlich die andere Seite von dem Weg, auf dem sich damals die Büsche geküsst haben. Quasi der Weg auf dem ich eine meiner Berufungen gefunden habe („ich bin Förster von Beruf“). Sie ist da rein gelaufen und wieder raus gekommen und gesagt der Weg ist frei. Aber wir sind trotzdem den anderen geritten. Den kann man nämlich besser traben, weil er etwas breiter ist.

Voll die schönen Wege gibt es da!

Wir sind insgesamt ungefähr die Hälfte der Strecke getrabt und das ist wohl ein neuer Rekord! Gegen Ende meinte mein Mädchen, ich sei wohl müde, und hat nach vorne zum Mann gesagt „Schritt, bitte.“ Diego hat also durchpariert. Mein Mädchen hat die Zügel lang gelassen und gedacht ich pariere jetzt auch durch. Aber ich war halt grad so fein im Fluss! Bin einfach an Diego vorbei und noch ein bisschen weiter getrabt, während mein Mädchen gelacht und die Arme in die Luft geworfen hat, ohne die Zügel fest zu halten. Soooooo doll vertraut sie mir jetzt! Kann sie ja auch, wo ich doch so ein Guter bin. Irgendwann hab ich dann doch durchpariert. War auch ganz schlau, denn da war gerade so eine feine Stelle für eine Graspause, die haben wir dann auch ausgiebig genutzt. Mein Mädchen hat für die Graspausen jetzt so ein langes, dünnes Seil mit, so haben wir beide mehr Freiheit, wenn ich grase und sie kann mich zur Not trotzdem schnell fest halten, falls ich Blödsinn machen sollte (als ob ich das jemals tun würde!) Manchmal trete ich mir da aus Versehen auf den Strick und dann ist mein Kopf fixiert. Früher hab ich dann immer mit Gewalt mit meinem Kopf gezogen dann kam der Strick unter dem Huf frei. Jetzt kann ich das schlauer: wenn ich merke, dass ich meinen Kopf nicht mehr bewegen kann, hebe ich einfach nacheinander meine Füße und irgenwann geht es wieder. Mein Mädchen findet das mega schlau von mir! Manchmal hilft sie mir und zeigt mir, welches Bein ich heben muss, wenn ich nicht gleich drauf komme.

Graspause finden wir Ponys voll wichtig! Langsam lernt der Mann auch, sich da etwas mehr Zeit zu lassen.

Den letzten Kilometer sind die Menschen dann mit uns zu Fuß gegangen sind, weil sie fanden, wir haben sie jetzt wirklich lang genug getragen. Wir haben alle 4 fest gestellt, dass unsere Fitness schon besser geworden ist! Das muss auch, denn mein Mädchen plant ja für den Herbst einen Ritt, der mehr als doppelt so lang ist wie der gestern, da braucht es noch ein paar Muskeln an uns allen! (Und einen Sattel, aber das ist eine andere Geschichte).

Den letzten Kilometer zu Fuß.

Euer fröhlicher Ausflügler Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 340

Viele Wochen war unsere Freiheit ja nun deutlich eingeschränkt. Weil die Stuten beim Nachbarn mich so wuschig gemacht haben. Dann bin ich kastriert worden und danach wollten die Menschen noch warten, bis ich mich wirklich als Wallach fühle.

Das tue ich jetzt. Woher ich das weiß? Vor allem weil ich mich wieder viel besser konzentrieren kann. Wenn mein Mädchen und ich auf dem Platz sind und die Stuten beim Nachbarn über die Weide flitzen hatte mich das in letzter Zeit doch dezent abgelenkt. Jetzt kann ich sie geschmeidig ignorieren.

Und weil das so ist, hat mein Mädchen am Dienstag den Rundlauf um die Weide wieder aufgemacht. Vorteil für uns: da sind inzwischen kleine grüne Grasspitzen am Zaun gewachsen, die können wir jetzt erst mal abnagen! Leckerleckerlecker das schmeckt schon herrlich nach Frühling! Die Stuten finden wir nach wie vor nett, aber sie bringen mich nicht mehr um den Verstand. Ich kann jetzt, auch wenn wir direkt neben den Stuten stehen, mit meinen Kumpels zusammen sein und mich mit ihnen vertragen. Und wenn die Stuten weg gehen, bin ich nicht mehr frustriert. Sie sind eben nur Nachbarn, mehr nicht.

Wir sind alle froh, auch mein Mädchen, dass wir jetzt unsere Rennstrecke wieder haben und uns grundsätzlich wieder mehr bewegen. Weil wir ja auch so an Fitness verloren haben, Diego und ich, und sie vermutet dass das eben auch daran lag, dass wir weniger gewandert sind als sonst.

Lädt ein zum Wandern und Rennen und ist endlich wieder offen: Unser Rundlauf um die Weide!

Jetzt ist alles wieder so, wie es sein soll. Der Frühling kann kommen, ich wäre dann jetzt bereit!

Euer Wallach Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu of Nakel 339

Merlin ist ja schon uuuuuuuralt. Er ist das älteste Pony bei uns, sagt mein Mädchen. Dann schaut sie Caruso an und muss zugeben, dass sie das eigentlich gar nicht sicher weiß! Weil niemand weiß, wie alt Caruso ist. Jedenfalls auch schon älter, das steht fest. Aber irgendwie, sagt mein Mädchen, ist das ja bei Shettys noch schwerer einzuschätzen als bei uns größeren (ha! Hier gehöre ich mal zu den größeren!).

Wenn das stimmt, was die Vorbesitzer von Merlin damals gesagt haben, wird er dieses Jahr 30 Jahre alt! Es könnte aber sogar sein, dass er ein oder zwei Jahre älter ist. Niemand weiß, wann er geboren wurde, auch er selbst nicht (ist ja verständlich, dass er das vergessen hat, weil das so lang her ist!). Also hat mein Mädchen sich für Pragmatismus entschieden und gesagt, wir feiern einfach Merlins 30. Geburtstag wann es uns passt. Und das haben wir dann gemacht. Erst hat Merlin Bananen bekommen, für jedes Jahrzehnt eine. Dann hat mein Mädchen noch eine große 30 aus Möhren gelegt und die haben wir alle zusammen weggeknuspert. Eine schöne Party war das!

Party für unseren wahrscheinlich ältesten Freund!

Merlin ist jetzt also offiziell uralt. Noch ist er ja ganz fit so weit, aber arbeiten mag er nix mehr. Das macht nichts, das übernehme jetzt ich! Ich mag voll gern mit meinem Mädchen alles mögliche machen und Merlin kann derweil seine Rente genießen. Zack – alle glücklich.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel in seiner Funktion als Merlin-Nachfolger

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 338

Weil mein Mädchen beschlossen hat, dass wir dieses Jahr kein großes Abenteuer erleben, sondern lieber ein paar kleinere, war gestern Ausflugstag. Wir sind ganz kurz in der Wackelkiste gewesen und dann an einem Ort ausgestiegen, den wir schon ganz gut kennen. Vor da ging es los auf eine längere Tour – ich kannte alle Wege, aber nicht in dieser Reihenfolge.

Als erstes kamen wir gleich mal an eine Baustelle. Da wird ein riesiges Umspannwerk gebaut! Aber Baustelle kann ich. Da war auch nicht viel los.

Baustelle kann ich.

Dann ging es munter im Trab los und plötzlich meinte mein Mädchen, ein Galopp wäre doch auch mal was schönes. Und – zack! – haben wir einen der Punkte auf unserer Liste abgehakt: wir sind nämlich nebeneinander her galoppiert, Diego und ich. Und natürlich haben wir KEIN Wettrennen gemacht. Wir wissen schließlich, was sich gehört! Manchmal ist es praktisch, den Mann dabei zu haben. Der fragt nämlich nicht so lang und macht sich nicht so viele Sorgen, der lässt Diego einfach galoppieren und gut is.

Das Wetter war so windig und sonnig, dass mein Mädchen meinte, es sei das reinste Nordsee-Feeling. Meine Mähne war komplett verweht! Aber kalt war es nicht.

Der Wind hat mein Wallehaar zerzaust!

Nach einer ganzen Weile, als wir schon auf dem Rückweg waren, kam von hinten ein Trecker mit Güllewagen. Wir sind ein bisschen aufs Feld ausgewichen und haben den vorbei gelassen, das kann ich. Da fürchte ich mich nicht. Dann sind wir hinter ihm her geritten und er blieb plötzlich stehen. Der Mensch stieg aus und fing an, Zweige aus der Feldeinfahrt zu räumen. Also rechts stand der Trecker mit laufendem Motor und links hat der Treckerfahrer so halb versteckt im Gebüsch gewerkelt – da war ich mir doch nicht mehr ganz so sicher! Mein Mädchen meinte, ich schaffe das. Vorneweg. Ich meinte, ja, aber dann ganz schnell. Nein, bitte langsam, meinte mein Mädchen. Hm. Dann hab ich gedacht: ok, hier ist ein Kompromiss eine gute Idee. Wir machen die erste Hälfte langsam und die zweite ganz schnell! Hab ich dann so gemacht. Fand mein Mädchen nicht so gut. Als wir dann vorbei geflitzt waren, hat sie gesagt wir drehen jetzt um und gehen da nochmal hin und gucken. Hm. Sicher? Ja, gibt auch Kekse. Na gut. Aber so ganz wirklich überzeugt war ich trotzdem nicht. Habe mir das angeschaut und mir Kekse geben lassen, aber ich war trotzdem froh als wir dann weiter gegangen sind. Leider hatte ich bei meinem Blitzstart einen Hufschuh stehen lassen, also musste mein Mädchen noch absteigen und zurück gehen. Ich fand sie ja recht mutig, dass sie da einfach so ganz allein wieder hingeht! Sonst ist sie doch viel ängstlicher als ich!

Danach sind wir noch ein gutes Stück getrabt, bis ich ziemlich müde wurde. Wieder an der Baustelle vorbei. Dort gab es eine kleine Diskussion, ob wir an der roten Ampel halten müssen, wenn wir davor rechts abbiegen (ja ok, da war kein Grünpfeil. Aber ich hatte es halt eilig!), während der Mann lustige Reime aufgesagt hat und anschließend drohte, wir würden wohl ein Knöllchen bekommen.

Wenn der Mann anfängt, zu reimen, wird es ernst!
Jaaaa wir hätten warten müssen. Aber ich hatte keine Zeit!
Oje, hoffentlich wird das nicht zu teuer!

Den Rest sind die Menschen dann zu Fuß gegangen, weil wir Ponys schon etwas müde waren und dann sind wir hochzufrieden nach hause gefahren. Anstrengend, aber sehr, sehr schön.

Mein Mädchen plant jetzt jeden Monat einmal so eine Extra-Tour. Da wollen wir dann auch mal etwas weiter weg fahren und fremdes Gelände erkunden. Ui da freu ich mich doll drauf!

Euer durchgepusteter Sir Duncan Dhu of Nakel