Sicherheit

Diego haben wir 2012 auf einem Kurs kennen gelernt. Als wir heraus fanden, dass er zum Verkauf steht, wunderten wir uns: wer verkauft so ein tolles Pferd? Es stellte sich heraus, dass Diego bei seiner Vorbesitzerin nicht glücklich war – er wurde in der Herde gemobbt.

Als Arnulf sich entschieden hatte, dass er Diego gern kaufen möchte, zog der zunächst auf Probe bei uns ein. Was hätte es genutzt, wenn er auch in unserer Herde nicht klar gekommen wäre? Aber Merlin hieß ihn gleich willkommen, die beiden waren nach 5 Minuten Freunde und außer Merlin wohnten damals nur die beiden Shettys bei uns, die sowieso mit jedem Pferd klar gekommen sind.

Ein halbes Jahr nach seinem Einzug wurde Diego Herdenchef und seitdem ist er unser wunderbarer, ruhiger, souveräner „Pony-Papa“ nach dem sich alle richten. Ich habe lange gerätselt, warum so ein gelassenes, durch und durch freundliches Pferd gemobbt wurde. Erst Elsa Sinclair hat mir die Erklärung geliefert, die ich für absolut einleuchtend halte.

Elsa hat viel mit Mustangs zu tun, die in der Wildnis aufgewachsen sind. Diese Pferde wissen – im Gegensatz zu unseren Hauspferden – was echte Lebensgefahr ist. Sie kennen nicht nur Hunger und Kälte, sondern auch Verletzungen und vor allem Fressfeinde. Aufpassen ist für sie wirklich noch überlebenswichtig und alle Herdenmitglieder sind gefragt, dabei mit zu helfen. Elsa beobachtet, dass in gemischten Herden – also Mustangs und Hauspferde – die Mustangs oft ungehalten sind, weil die Pferde, die in menschlicher Obhut aufgewachsen sind, einfach nicht genug aufpassen. Die Mustangs finden, dass die Hauspferde leichtsinnig sind und sie werden sauer, wenn die „Schnarchnasen“ zu viele Dinge einfach ignorieren und dösend stehen bleiben. Die Hauspferde wiederum verstehen aber nicht, warum die Mustangs sie durch die Gegend schicken und was sie eigentlich wollen. Und ich glaube, etwas ähnliches ist damals mit Diego passiert. Denn der hat nun wirklich die Ruhe weg. Es ist extrem selten, dass etwas seine Aufmerksamkeit wirklich nachhaltig erregt und dass er mal meint, es sei evt nötig, zu flüchten, passiert gefühlt nur 5 mal im Jahr. Er fühlt sich sicher in unserer Menschenwelt. Die anderen Pferde in seiner früheren Herde waren aber hochblütiger, ein Vollblut, ein Warmblut und ein Spanier wenn ich mich richtig erinnere. Wahrscheinlich waren diese Pferde einfach der Ansicht, dass Diego seinen Anteil am Aufpassen nicht erfüllt und wurden deswegen sauer. Diego konnte aber nicht verstehen, warum er durch die Gegend geschickt wird. Bei uns in der Herde traf er dann auf Pferde, die ein ähnliches Gemüt haben wie er. Merlin ist froh, wenn jemand Ruhe ausstrahlt und hat sich zumindest in jüngeren Jahren auch nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Mit seiner Gelassenheit hat Diego mir jetzt zum zweiten Mal geholfen, ein junges Pferd sicher durch sämtlich „Erstsituationen“ zu bringen, sei es Straßenverkehr, Anhänger fahren, fremdes Gelände oder was auch immer. Ohne seine Ruhe hätte alles mit Finlay und Duncan viel länger gedauert. Auch beim Einfahren, sowohl bei Finlay als auch bei Duncans Ausreitkumpel, ist Arnulf mit Diego jeweils bei den ersten Fahrten vorneweg geritten, was einen wunderbar beruhigenden Effekt auf alle Beteiligten hat.

Neulich, als die Gänse auf unserem Paddock waren, konnte ich zum ersten Mal beobachten, dass auch Duncan manchmal findet, dass Diego doch mehr aufpassen könnte. Als Diego sich hingelegt hatte, ging Duncan hin und ärgerte ihn, bis er wieder aufstand und mein Eindruck war, dass er sich einfach nicht sicher genug fühlte mit den Gänsen. Duncan wollte, dass Diego gut aufpasst. Ob Diego verstanden hat, worum es da ging? Ich weiß es nicht.

Mit Duncan kann ich jetzt zum zweiten Mal beobachten, wie das Sicherheitsgefühl junger Pferde sich ändert. Am Anfang sind die Kleinen unheimlich angstfrei. Viele Jährlinge sind sehr sorglos. Sie liegen gern oft mitten im Geschehen platt auf der Seite, pennen in aller Seelenruhe und sind sich sicher: die Großen passen auf. Von den Kleinen wird nicht erwartet, dass sie sich um Gefahren kümmern, sie kennen sich ja eh noch nicht aus.

Dann kommt ein Alter, in dem die Großen doch etwas mehr erwarten. Ein langsamer Übergang, in dem das junge Pferd lernt, dass es auch selbst auf Gefahren achten muss. Gerade im letzten halben Jahr ist Duncan diesbezüglich deutlich anders geworden. Wenn ich dann auch noch reite, anstatt neben ihm zu gehen, fühlt er sich oft für unser beider Sicherheit verantwortlich. Dass Diego gelassen bleibt, dient nur noch teilweise seiner Beruhigung. Da Diego die meisten Dinge in seiner Umwelt ignoriert, hat Duncan für vieles was er sieht, wahrscheinlich erst mal keinen Anhaltspunkt: findet Diego das ok oder hat er es nicht gesehen/gehört? Duncans Augen und Ohren sind unaufhaltsam dabei, seine Umwelt zu überprüfen. Die meisten Dinge stuft er als „interessant“ ein. Manche erschrecken ihn kurz, wenige lösen wirklich einen Fluchtreflex aus. Ich erwarte, dass er innerhalb der nächsten Jahre ein großes Repertoire an Eindrücken sammelt und dann vermutlich wieder etwas gelassener wird, weil er viele Dinge schon oft gesehen hat. Aber vom Typ her ist er sicher ein Pony, das grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit für seine Umwelt mitbringt.

Von Elsa habe ich auch gelernt, was Duncan und Diego mir jetzt bestätigen: dass das ranghöhere Pferd gelassen bleibt und eine vermeintliche Gefahr ignoriert, vermittelt nicht immer Sicherheit. Als unser Bundeskanzler an die Macht kam konnte ich dieses Gefühl übrigens plötzlich gut nachvollziehen und habe es des öfteren mit Erfolg im Unterricht als Beispiel eingesetzt….

Wenn wir ein Problem sehen und es ist jemand da, der eigentlich zuständig ist, dann wollen wir bitte, dass derjenige HANDELT! Und so habe ich bei den Pferden einen Teil von Elsas Vorgehen übernommen: ich gucke mit, ich passe mit auf. Natürlich versuche ich, auszustrahlen, dass ich das, was ich da sehe oder höre, für ungefährlich halte, aber ich nehme es wahr, ich ignoriere es nicht. Auch wenn ich nicht weiß, wonach mein Pony gerade schaut oder lauscht, kann ich meine Sinne kurz schärfen und dort hin richten wo er mir etwas anzeigt. Dann entspanne ich mich wieder und sage ihm, dass ich überzeugt bin, dass wir in Sicherheit sind. Was zur Folge hat, dass mir immer öfter auffällt, dass Duncan, wenn er etwas sieht, zwischendurch Kontakt zu mir sucht und schaut, was ich davon halte. Und das ist ja genau das was ich will! Er soll mir ja vertrauen – und ich hasse diesen Satz. Denn es ist nicht SEINE Aufgabe, mir zu vertrauen, sondern MEINE Aufgabe, ihm die entsprechende Sicherheit zu geben. Und heute weiß ich, dass ich diese Sicherheit nicht unbedingt durch ignorieren aller Umweltreize geben kann, sondern vielmehr indem ich meinen Teil zu unserer aller Sicherheit beitrage – auf eine Art und Weise, die das Pferd auch wirklich so empfindet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 352

Heute war kein Ausritt angesagt, weil bei Diego eine Schraube locker ist. Nein, nicht was ihr denkt, nur an seinem Sattel! Deswegen haben wir uns entschlossen, das Abenteuer von neulich zu wiederholen: Besuch bei fremdem Pferd! Diesmal in der Version für Fortgeschrittene – soll heißen: ohne Diego. Nur ich allein in die Wackelkiste und los ging die Reise. Wieder zu dem Araber, den ich an Ostern schon gesehen hatte – wieder auf die tolle Weide! Ooooooh da ist das soooo schön grün und lecker!

Heute fand ich, der Araber zählt nicht mehr als fremd. Den hab ich doch neulich erst gesehen, da brauche ich mich nicht aufregen. Mein Mädchen fand das toll und so sind wir gleich zur nächsten Fortgeschrittenen-Version übergegangen und haben einen gemeinsamen „Ausritt“ gemacht. Wahrscheinlich war das der kürzeste Ausritt aller Zeiten, 300 Meter hin und 300 Meter wieder zurück. Mein Mädchen ist auf mir geritten, der Mann hatte mich sicherheitshalber am Strick (was echt nicht nötig gewesen wäre, aber ihr kennt ja mein Mädchen) und das Mädchen vom Araber ist mit dem Araber schräg hinter uns oder schräg vor uns gelaufen. Das fand ich voll ok und alles gut. Was ich NICHT ok fand war, dass ich derweil nicht von dem verdammt leckeren Grünzeug am Wegesrand essen durfte! Mein Mädchen meint, um diese Jahreszeit wäre ich ein echter Junkie. Nur dass ich das Gras halt esse anstatt es zu rauchen…. Aber sie weiß ja auch, dass ich wieder entspannter damit werde, wenn wir erst mal angeweidet sind und ich jede Nacht Gras schmausen kann so viel das Herz begehrt.

Na, jedenfalls fand mein Mädchen, dass ich das alles wunderbar und fein gemacht habe, wir sind nochmal zusammen grasen gegangen und jetzt soll der Araber bald mein „Ausreitkumpel 2“ werden. Aber das ist mir zu kompliziert, die alle durch zu nummerieren also habe ich beschlossen, ihn meinen Schimmelfreund zu nennen. Er wird nämlich auch weiß, so wie ich, und wie ihr sehen könnt, ist er mir da auch etwas voraus! Nur dass er sein Wallehaar noch schwarz trägt während das ja bei mir als erstes weiß wird.

Hallo Schimmelfreund! Du bist nett. Aber ich muss jetzt dringend Gras essen!

Das Mädchen vom Schimmelfreund meint, dass er und ich uns bestimmt Nachrichten per Gänsepost geschickt haben seit dem letzten Treffen. Weil bei denen auch immer so viele Gänse sind. Wer weiß?

Schließlich ist mein Schimmelfreund dann weg gegangen in Richtung von seinem Stall – ich wollte da dann doch gern noch mit, aber mein Mädchen hat am Strick gezupft und gesagt, wir trennen uns jetzt wieder. Ich durfte noch kurz grasen, dann wieder rein in die Wackelkiste und nach hause. Und was soll ich euch sagen: jetzt kriege ich wieder den ganzen Tag zu hören, wie toll ich doch bin und dass mein Mädchen fast platzt vor Stolz und dass es so viel besser lief als sie jemals zu hoffen gewagt hätte und dass ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke bin.

Ich habe dann das angenehme mit dem notwendigen verbunden und mich an der Stalltür eingeparkt. Notwendig war nämlich eine kleine Auszeit für mein Gehirn um all die Eindrücke zu verarbeiten, angenehm war, dass mein Mädchen da ständig vorbei gelaufen kam und mich angehimmelt hat und mir wieder gesagt habt, dass ich ein großartiger kleiner (was?) Ritter bin und mir versprochen, dass wir dann mit dem Schimmelfreund auch den einen oder anderen schönen Ausflug machen können, sobald wir das noch ein bisschen geübt haben.

Dösen an der Stalltür

Ach, das war fein!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem neuen Schimmelfreund (den ich nicht anfassen darf! Hab ich verstanden.)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 351

Fitness, Fitness, Fitness! Gestern haben wir die Bergtour wiederholt. Fast 5 Wochen sind vergangen, seit wir dort waren, weil es zwischendurch so viel geregnet hat und der Berg dann nicht gut begehbar ist. Und was soll ich sagen: das Training in den 5 Wochen hat sie ausgezahlt!

Aber von vorn. Bevor wir zum Berg können, müssen wir ja durchs Dorf. Ich war etwas angespannt, in letzter Zeit waren so viele Tiere bei uns im Paddock unterwegs, dass die Ruhe etwas zu kurz kam. Dann bin ich leicht nervös und zucke öfter mal zusammen. Mein Mädchen sagt, es ist „Spitzohrtag“, weil ich meine Ohren dann immer nach vorn spitze und alles genau im Blick behalte. Kaum aus dem Dorf raus, hören wir ein ganz merkwürdiges, rhytmisches Knallen. Und wir sind genau drauf zu geritten! Mädchen, bist du dir da sicher? Ja, war sie. Im Übrigen war sie sich leider auch sicher, dass noch keine Zeit für eine Graspause war, obwohl ich ihr gezeigt habe, wie schön grün es da schon ist! Menno.

Wir sind dem Knallen immer näher gekommen und meine Nerven lagen schließlich so blank, dass mein Mädchen abgestiegen ist. Was war da los? Da wurde eine Koppel neu eingezäunt und ein großer Trecker hat mit der Ramme Pfähle eingeschlagen. Als mein Mädchen dann neben mir war, ging es mit meinen Nerven. Gab natürlich auch Kekse und wir wissen alle: Kekse besiegen Monster.

Als wir das überlebt hatten, ging es weiter Richtung Teich, wo Herr und Frau „Ente des Grauens“ diesmal friedlich herum geschwommen sind und auf das Erschrecken armer Ponys dankenswerter Weise verzichtet haben. Dann schön den ersten Berg hoch, das ging ganz anständig. Ein Stück wieder runter und Anlauf auf den zweiten Berg. Aber halt, Moment mal? Was ist denn da los? Auf der Weide stand eine ganze Menge Schotten! Also die anderen. Die mit dem lustigen Pony und den großen Hörnern. Und so viele, in ganz verschiedenen Farben und Größen! Das musste ich mir genauer ansehen. Mein Mädchen fand, ich mache das toll, weil ich nicht ängstlich und angespannt war, sondern nur vorsichtig neugierig beobachtet habe, was für Gesellen das sind. Und wir wurden auch zurück-beobachtet, ich glaube manche von denen fanden uns auch interessant.

So viele Schotten!

Nachdem ich genug geguckt hatte, ging es dann also den nächsten Berg hoch. Und mein Mädchen und der Mann waren schwer begeistert, wie viel besser Diego und ich das jetzt wieder können. Schön im gleichmäßigen Schritt da hoch, ohne groß zu schnaufen. Ich wollte zwischendurch mal traben, war aber nicht erlaubt. „Schieb!“ hat mein Mädchen gesagt „hinten ist der Motor!“. Das ist wohl wahr, mein Mädchen, aber vorne ist die Futterluke! Das fiel ihr dann auch wieder ein und so gab es oben auf dem Berg traditionell Graspause und Aussicht. Die Graspause war ausgiebig, aber zu kurz – ihr wisst schon, es ist einfach zu verlockend grün um diese Jahreszeit und auf die Weide dürfen wir ja noch nicht. Da ist so eine Graspause pauschal IMMER zu kurz.

Traditionelle Graspause auf dem Gipfel.

Den Berg runter und an der Landstraße lang ist mein Mädchen dann gelaufen, weil sie fand, eine Pause tut mir bestimmt gut. Dann ein kleines Stück noch reiten und schon waren wir wieder zu hause. Schön war das wieder und wir sind ganz stolz auf unsere gestiegene Fitness!

So soll es jetzt über Sommer weiter gehen mit dem Training, damit wir dann im Herbst den Gedenkritt schaffen.

Euer trainierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Motivation

Ich war in meinem Leben nie fest angestellt. Vielleicht habe ich deswegen einen anderen Blick auf diese Art Arbeitsverhältnis. Ich höre und sehe in meinem Freundes- und Kundenkreis ja so einiges und bin immer wieder erschüttert und erschrocken über das, was ich da so erfahre. Kürzlich hat meine Freundin ihren Job gekündigt, weil sie etwas besseres gefunden hat. Und es ist genau das passiert, was ich erwartet hatte: plötzlich macht man ihr große Angebote, damit sie doch noch bleibt. Plötzlich kann man – oh Wunder – doch mehr Gehalt zahlen (was vorher jahrelang angeblich nicht möglich war). Angeblich steht man natürlich immer voll hinter ihr und alles, was in letzter Zeit so gar nicht dafür sprach, dass man ihre Arbeit wert schätzt hat sie „falsch verstanden“. Nun denn, zum Glück ist meine Freundin vernünftig und fällt auf solche Märchen nicht rein.

Direkt nach dem Telefonat in dem wir beide uns köstlich darüber amüsierten, dass sie nun sogar einen freien Tag bekommen hat um die Entscheidung nochmal zu überdenken, betrete ich mit Halfter, Strick und Gerte den Paddock. Duncan sieht mich und kommt – völlig ungefragt – zu mir. Er weiß, dass ich das passende Equipment mit habe um mit ihm etwas schönes zu machen. Er hat Lust, ist motiviert und freut sich auf unsere gemeinsame Zeit. Woran liegt das?

Meine Pferde bekommen viel Futterbelohnung. Das kann man vielleicht als eine Art „Bezahlung“ verstehen, ähnlich verstehe ich z.B. das Kratzen beliebter Stellen oder eine schöne Massage (wenn das Pferd das denn mag). Es gibt aber auch Dinge, für die ich meine Ponys nicht „bezahle“. Ausreiten (oder Spazierengehen) ist für Duncan z.B. selbstbelohnend. Er ist einfach so gern draußen und sieht die Welt! Manche Araber, die ich kenne, freuen sich auch über einen ausgiebigen Trab an der Longe (etwas wofür ich Merlin, Diego oder Finlay niemals begeistern konnte). Auch Duncan hat einfach Freude an der Bewegung und findet es ganz ok, länger an der Longe oder an der Hand zu traben, wenn es zwischendurch was zu Naschen gibt.

Inzwischen glaube ich aber auch, dass Duncan einfach gern mit mir zusammen ist. Das, was ich bei Elsa Sinclair gelernt habe, macht sich bemerkbar. Duncan findet, dass ich oft gute Entscheidungen treffe und er genießt meine Gesellschaft, so wie ich seine genieße. Ich sage ihm jeden Tag (meistens mehrfach) dass er der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke ist, ich feiere es, wenn er eine schwierige Übung hinkriegt (und inzwischen feiert er dann mit – anfangs hat sich ihm dieses Konzept nicht erschlossen). Er fühlt sich großartig wenn wir etwas gemeinsam machen, weil ich die Aufgaben nach Möglichkeit so dosiere, dass er sie mit etwas Konzentration und Anstrengung erfüllen kann. Und ja, ich lobe ihn nach wie vor auch für die Dinge, die selbstverständlich sind: Hufe geben, warten, los gehen, antraben. Ich nehme nichts als gegeben hin. Oft denke ich an Alex Zell der mich im Unterricht oft gefragt hat „macht er das gut?“ und wenn meine Antwort „ja“ war, kam von ihm ein „dann sag ihm das!“. Wir müssen dafür nicht jedes mal in Lobeshymnen ausbrechen, Pferde lieben Harmonie und wenn wir uns darum bemühen, diese zu finden, und uns unserem Pferd anpassen, ist das für viele Pferde schon eine sehr große Motivation. Ihnen die ganze Zeit – egal ob verbal oder nonverbal – mitzuteilen wie sehr wir seine Bemühungen schätzen, macht die Pferde stolz und motiviert sie.

Und doch ist das anscheinend für viele schwer. So wie für manche meiner „Arbeitgeber“ – meine Kundinnen. Einige geben mir jedes mal Trinkgeld. In den letzten Monaten gab es ein paar, die mir gesagt haben, dass sie finden es sei jetzt Zeit für eine Preiserhöhung und mir deswegen mehr geben. Andere bringen mir Schokolade mit, packen mir zu Weihnachten Päckchen mit Leckereien oder anderen schönen Dingen, kochen mir Tee oder sind einfach sehr nett zu mir. Viele versuchen, mir meine Arbeit bei der Hufpflege so leicht wie möglich zu machen. Ich bekam auch schon extra Scheinchen, weil Termine so schwierig zu vereinbaren waren und von Kundinnenseite mehrfach verschoben wurden oder weil ein Pferd mir auf den Fuß getreten ist. Für diese Kundinnen fahre ich gern die extra Meile und mache auch einen ungünstigen Termin noch möglich. Ich investiere gern etwas extra Zeit für diese Menschen, wenn ich per Whatsapp eine Frage bekomme. Sprich: ich bin besonders motiviert, für diese Menschen etwas zu tun, die meine Arbeit offensichtlich wertschätzen und nicht meinen, mit Bezahlung allein wäre doch alles nötige getan.

Und wenn Ihr das nächste Mal ein motiviertes Pferd seht, dann beobachtet doch mal, wie viel Lob und freundliche Worte, wie viel Rücksicht auf körperliche Schwierigkeiten, wie viel Pflege (im Sinne von regelmäßigem Zahn- Huf- und Osteopathentermin, Sattelanpassung etc) dieses Pferd bekommt. Und dann schaut nach dem anderen Pferd, das lieber weg geht, wenn der Besitzer kommt. Hört zu, wenn diese Besitzerin über ihr Pferd spricht. Darüber, dass es faul und dominant ist, dass es „das jetzt einfach mal machen“ kann, dass es das doch weiß und warum es denn so blöd ist.

Und den Angestellten unter Euch kann ich nur raten, auch mal eure Chefin unter die Lupe zu nehmen. Wie behandelt man Euch im Job? Und ist das wirklich noch zeitgemäß was da passiert? Vielleicht geht Ihr mit Eurem Pferd so um, wie Ihr es selbst auf der Arbeit erlebt – und vielleicht ist das gut oder vielleicht eben auch nicht. Oder seid Ihr selbst die Chefin? Und wie geht Ihr mit Euren Angestellten um?

Ich freue mich jeden Tag auf Duncan, und wenn wir – wie gestern – 11 Minuten schön zusammen arbeiten ist mir das unendlich viel mehr wert als wenn wir eine Stunde miteinander verbringen, in der wir beide unzufrieden sind. Auch das gehört für mich zur Motivation meiner Pferde unbedingt dazu: aufhören, wenn es am schönsten ist, anstatt mehr und mehr und mehr zu verlangen. Körperliches Training ja, aber nicht ohne Spaß.

Und jetzt entschuldigt mich, mein Pony wartet auf mich.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 350

Hier auf dem Hof wohnen wir Ponys und die Menschen, möchte man meinen. Aber in Wirklichkeit ist hier viel mehr los! Zum Beispiel wohnen hier jede Menge Regenwürmer, die regelmäßig umziehen müssen. Außerdem haben wir oft Besuch von Rehen (mein Mädchen sagt, jeder der sich auskennt, schlägt jetzt die Hände überm Kopf zusammen, weil das bestimmt in Wirklichkeit Damwild heißt und nicht Reh, aber das ist uns egal). Die „Rehe“ dürfen auf die Weide bevor wir es dürfen und fressen uns da das Gras weg – das finde ich nicht fair! In den letzten Jahren hat auch fast immer eines sein Kitz hier in der Wiese versteckt. Mein Mädchen versucht immer mitzukriegen wo gerade eins liegt und lässt uns dann nicht auf diese Weide, sondern lieber auf ein anderes Stück.

In unserem Misthaufen, wo es schön warm ist, lässt eine Blindschleich ihre Eier ausbrüten. Dann kommt immer eine Zeit wo wir denken „man, sind die Regenwürmer groß geworden“ und erst auf den zweiten Blick fällt uns auf, dass es sich um Blindschleichenbabys handelt.

Ein Riesenregenwurm? Nein, eine Mini-Schleiche!

Jetzt im Frühling kriegen wir auch immer mit, wie viele Hasen und Kaninchen hier so herum hoppeln – die sind ganz schön frech und düsen wirklich überall herum, vor allem wenn sie in Paarungslaune sind. Und der Fasan, der wohnt hier auch und erschreckt uns gerne alle mal, indem er laut schreiend auffliegt. In einem Jahr hat seine Frau mal ihre Küken über den Paddock geführt, sagt mein Mädchen, das fand sie süß. Vielleicht passiert das ja dieses Jahr auch wieder.

Auch ein Bussard schaut hier immer wieder vorbei. Und setzt sich immer so weit weg, dass mein Mädchen kein scharfes Bild bekommt.
Pfütze oder Ententeich?

Dieses Jahr haben sich aber noch mehr Vögel bei uns eingefunden, plötzlich waren hier zwei Enten unterwegs, die unsere Pfütze kurzerhand zum Ententeich deklariert haben und jetzt ist unsere Wiese dieser Tage auch noch zur Gänseweide geworden! Und ich gestehe: Gänse machen mich fertig. Die finde ich gleichzeitig spannend und gruselig. Wenn die so laut schnattern und hochfliegen und dann einige Meter weiter wieder landen, da kann ich nicht mit umgehen. Ich erinnere mich dann immer an die Ente des Grauens. Heute morgen war hier gänsemäßig Hochbetrieb und Diego wollte sich allen Ernstes schlafen legen! Da habe ich ihn aber schnell wieder geweckt, das wollte ich nicht. Wenn gruselige Gänse da sind, dann muss Diego bitteschön aufpassen und nicht schlafen! Er war dann etwas schlecht gelaunt aber mir war das einfach wichtig, dass er da die Verantwortung übernimmt.

Unsere neuesten Besucher. Oder sind das jetzt Mitbewohner?

Natürlich gibt es hier noch viele andere Tiere. Ab und zu kommen zum Beispiel Wildschweine vorbei. Dann ist mein Mädchen genervt, weil die immer den Zaun zerstören. Ein größeres Tier, vielleicht ein Fuchs oder Dachs, hat oben an unserem Rundlauf seinen Bau, aber den Bewohner hat mein Mädchen noch nie gesehen.

Und dann sind da noch die Huchmampfs! Ihr wisst nicht, was das für Wesen sind? Dann schaut mal hier! Die Huchmampfs verstecken sich gern mal im Gebüsch rund um den Reitplatz und lauern mir auf, besonders im Frühling und im Herbst. Wenn man da nicht aufpasst, ist es schnell vorbei, das sage ich euch! Aber ich glaube, ihr Menschen habt vom Huchmampf einfach keine Ahnung und würdet es noch nicht mal erkennen wenn es euch schon verspeist hat….. da muss ich mich schon selbst um meine Sicherheit kümmern.

Also, einsam ist es hier ganz sicher nicht. Meine Aufzählung erhebt auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Bald kommen ja die Schwalben wieder und machen den Sommer (so sagt man doch, oder?), die dicken Hummeln brummen schon wieder herum und freuen sich, dass mein Mädchen allerhand „Unkraut“ hat das jetzt schon blüht. Und die Wespen überlegen, ob sie wieder ein Nest im Heuschober bauen. Kurz und gut: hier ist ordentlich was los und das ist schön so.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit den vielen Mitbewohnern (einige davon gruselig)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 349

So, ihr wartet doch bestimmt schon auf meinen Sonntags-Ausflugs-Bericht, oder?

Heute hatte mein Mädchen den Plan, dass mein neuer Sattel nochmal ordentlich im Trab getestet wird. Dafür hat sie eine schöne Strecke raus gesucht, die wir zwar schon öfter gegangen sind, aber jetzt schon ganz lange nicht mehr. Da kann man fein ein längeres Stück auf richtig schönem Boden durch traben. Und zwar in der Schweiz! Tjaja, da staunt ihr, was? Wir kommen ganz schön rum! Naja, es war „nur“ die Nienkattbeker Schweiz. Der Mann hat unterwegs gerätselt, warum es wohl so heißt. Berge sind da nämlich keine. Ob es in der Region guten Käse gibt? Oder vielleicht besonders feine Schokolade? Oder Uhren? Wir haben es nicht heraus gefunden. Schön ist es da jedenfalls, das steht fest. Wir sind also munter getrabt. Dann ein Stück Schritt, dann ist mein Mädchen eine ganze Weile zu Fuß gegangen, damit ich sie mit dem neuen Sattel noch nicht so lange tragen muss. Auf dem Rückweg sind wir dann nochmal den schönen Weg vom Anfang getrabt – ich vorne weg. Mein Mädchen möchte nämlich mal raus finden, welches Tempo gut ist für mich zum traben.

Also das Problem ist ja folgendes: Diego der Große heißt ja nicht zum Spaß so. Er ist echt groß! Und er hat lange Beine. Wenn der im Schritt gemütlich schlendert, bin ich schon auf Anschlag mit meiner Schrittgeschwindigkeit. Diegos Reiseschritt ist deutlich schneller als ich jemals Schritt gehen kann. Und im Trab sieht es natürlich genauso aus! Jetzt hat der Mann so einen Faible für „Angebertrab“ da läuft Diego ganz langsam und ist gut zu sitzen. Der Trab ist aber für mich dann zu langsam, da habe ich nicht genug Schub von hinten und kann mein Mädchen nicht gut tragen, ich brauche da einfach mehr Vortrieb. Wenn Diego dann aber schnell trabt, komme ich nicht mehr hinterher und müsste langsam galoppieren (bzw. dann wäre ich wieder zu schnell!). Ihr seht: es ist vertrackt. Mein Mädchen meinte, da hätte sie beim Kauf einfach nicht dran gedacht, dass ich wohl tempomäßig nicht zu Diego passen werde. Aber ich weiß: es war ihr einfach total egal, denn sie wollte MICH!

Mein Mädchen findet, die Großen müssen auf die Kleinen Rücksicht nehmen. Also muss Diego sich an mein Tempo anpassen. Und mein Tempo im Trab sind im Moment so 10,5km/h. Das ist nicht sonderlich schnell, ich weiß, aber mein Mädchen und ich wissen auch, dass ich noch schneller werde wenn ich mehr trainiert habe. Und dann wird mein flotter Trab wohl einigermaßen zu Diegos halb flottem Trab passen.

Mit meinem neuen Sattel sind wir jedenfalls seeeeeehr zufrieden. Er hat sich jetzt schon ein gutes Stück gesetzt, so dass mein Mädchen nicht mehr so thront wie am Anfang. Heute ist sie wohl so 6km geritten, also müsste er nach ungefähr 4 weiteren Reit-Kilometern vollständig gesetzt sein.

Ein Foto habe ich nicht für euch, weil alles so herrlich unspektakulär war. Mein Mädchen war sehr zufrieden mit diesem ruhigen, völlig abenteuerfreien Ausritt. Und wir anderen auch. Richtig schön war das. Jetzt steht wieder ein paar Tage Platz-Arbeit auf dem Programm, bis es wieder auf Ausflug geht. Fitness, Fitness, Fitness! Mein Mädchen sagt, sie hat sich auch noch etwas neues ausgedacht, was sie mal testen will, wenn das Wetter etwas länger trocken war. Bin gespannt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 348

Einige von euch haben es schon im letzten Video gesehen: ich habe jetzt einen neuen Sattel! „Neu“ stimmt nicht ganz, mein Mädchen hat ihn gebraucht gekauft (aber fast neu). Es ist ein Ghost-Sattel, für alle die es interessiert. Er hat keinen festen Sattelbaum aber eine sehr patente Steigbügelaufhängung, die das Gewicht von meinem Mädchen gut verteilt, auch wenn sie in den Bügeln steht. Weil ich noch wachse und ganz viele Muskeln bekommen soll wäre es Quatsch, jetzt einen Sattel mit festem Baum zu kaufen hat sie gesagt. Zumal das bei meinem kurzen Rücken auch kein Kinderspiel wird! Wir probieren jetzt wie uns das mit dem Ghost gefällt und dann sehen wir in ein paar Jahren weiter ob wir dabei bleiben. Der Sattel kann mit mir mitwachsen und immer wieder neu angepasst werden.

Allerdings sind diese Anpass-Sessions ganz schön ätzend für mich, das sage ich Euch! Da wird aufgestiegen, abgestiegen, neu gesattelt, neu gegurtet, der Sattel umgebaut, wieder aufgestiegen, wieder abgestiegen, gefilmt und fotografiert….. kurzum: sehr, sehr nervig! Wenn es da keine Kekse für gäbe, würde ich nicht mit machen! Da es hier keinen Sattler gibt, der diese Sättel anpassen kann, mussten mein Mädchen und der Mann das selbst machen, haben aber kompetente Anleitung aus der Ferne bekommen (von Amelie Mohr).

Jetzt passt alles, jetzt muss sich der Sattel aber noch „setzen“. Das finde ich lustig, eigentlich setzt sich doch mein Mädchen – und zwar auf den Sattel auf meinem Rücken! Aber nein, der Sattel setzt sich auch. In die passende Form für meinen Rücken. Dafür müssen wir 15km damit reiten. Damit das nicht blöde ist für mich hat mein Mädchen beschlossen, die 15km gut aufzuteilen. Am Montag waren wir ja 8km unterwegs, aber sie ist nur 5km geritten in zwei Etappen. Weil ich es ja bequem haben soll mit dem noch nicht eingerittenen Sattel. Sie wollte gern mal einen lockeren Trab testen, ich fand, wir könnten dann auch gleich einen lockeren Galopp testen. Warum auch nicht? Mein Mädchen hat gelacht und gleichzeitig ein bisschen geschimpft, weil es eigentlich frech ist, dass ich ungefragt angaloppiere. Andererseits freut sie sich immer, weil ich so schön galoppiere. Diesmal habe ich sogar mal einen Rechtsgalopp probiert, das habe ich mit ihr oben drauf noch nie gemacht – sonst hatte ich immer Linksgalopp gewählt. Also es ist so: wenn Diego schnell trabt, komm ich da nicht hinterher. Dann sage ich zu meinem Mädchen „wir könnten doch galoppieren“ und mein Mädchen sagt „nein“ und bremst ein bisschen. Dann bremse ich einfach ganz doll ab und trabe extra langsam, während Diego schon irgendwo um die nächste Ecke verschwindet. „Guck mal“ sage ich dann zu meinem Mädchen „wir kommen da gar nicht hinterher!“ und dann treibt mein Mädchen mich an. Damit meint sie ich soll schneller traben, aber ich interpretiere das dann einfach zu meinen Gunsten als Galopphilfe! Und wenn wir dann erst mal im Galopp sind muss sie lachen und bis sie dann anfängt zu bremsen hab ich Diego schon eingeholt und das Spiel geht von vorn los. Mein Mädchen findet das schlau und frech und lustig und unmöglich – alles auf einmal.

Na jedenfalls wollte sie mit dem Sattel noch nicht galoppieren, weil der (ungesetzt) noch so hoch ist wie ein kleines Thrönchen und sie etwas Sorge hatte, dass er rutschen könnte. Aber ich hatte schon gemerkt, dass da nix rutscht und hab ihr deswegen gezeigt, wie fein ich damit galoppieren kann. Hab ihr gesagt, dass sie meine Prinzessin ist auf ihrem Thron und wenn ich so charmant bin kann sie mir eh nix mehr abschlagen.

Ein Thron für meine Prinzessin – ich meine: mein Mädchen!
Damit auch ja nix rutscht ist mein Mädchen von extra weit oben aufgestiegen. Kann ich.

Jetzt müssen wir also noch 10km mit dem Sattel reiten, dann hat er sich gesetzt und wir müssen neue Fotos zu Amelie schicken damit sie die Passform nochmal kontrolliert. Und wenn ich dann wachse und Muskeln bekomme, dann kann sie immer nachschauen ob noch alles sitzt wie es soll.

Einen einzigen Haken hat die Sache allerdings. Da mein Mädchen den Sattel gebraucht gekauft hat, konnte sie sich die Farbe nicht aussuchen. Und die Satteldecke gehört zu diesem Sattel dazu, die ist speziell gepolstert. Und die hat die völlig falsche Farbe für uns! Da müssen wir uns wirklich noch was einfallen lassen. Ich plädiere ja dafür, dass mein Mädchen einfach genug Geld verdient um eine passende Satteldecke in der richtigen Farbe zu kaufen. Aber mein Mädchen sagt, ich habe in letzter Zeit so viel Geld gekostet, dass wir im Moment nicht wählerisch sein können. Wir kneifen einfach ein bisschen die Augen zusammen und schauen über die Farbe großzügig hinweg, bis wieder Geld da ist, sagt sie. Wenn der Sattel sich gesetzt hat, können wir vielleicht unsere alte braune Satteldecke darüber legen, dann sieht keiner die komische Farbe, die uns gar nicht steht.

Im Grunde ist das ja auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir jetzt endlich wieder besser traben können, wenn wir unterwegs sind, weil mein Mädchen Steigbügel hat. Und ihr Gewicht auf meinem Rücken schön verteilt wird, so dass ich sie bequem auch über längere Strecken tragen kann. Dafür starten wir jetzt voll durch mit Training und Muskelaufbau, denn der Sommer kommt und ganz bald kann ich wohl auch wieder mit meinem Spaziergehkumpel los ziehen – juhuuu!

Euer besattelter Sir Duncan Dhu of Nakel

100 Wiederholungen

Ich habe schon einmal etwas über diesen wunderbaren Text geschrieben. Mein Artikel damals hieß „Einhundert mal“ und wenn ich ihn heute lese, grinse ich ein bisschen. Denn vieles von dem, was wir damals erarbeitet haben, ist heute längst Routine. Andererseits ist mein damaliger Plan, Duncan erst einzufahren bevor ich ihn reite, nicht wahr geworden (aus diversen Gründen). Und das ist gar nicht schlimm, heißt aber, dass die einhundert mal vom Boden fahren, die ich mir damals vorgenommen hatte, noch längst nicht erledigt sind. Und erinnert mich daran, damit wieder anzufangen, denn irgendwann – vielleicht nächstes Frühjahr – soll es ja losgehen mit der Fahrerei.

Jetzt habe ich den ursprünglichen Artikel wieder ausgegraben, denn es gibt etwas, wo ich mich noch viel mehr an den einhundert Mal orientieren werde. Der Witz im ursprünglichen Artikel ist ja der: einhundert Mal wiederholen, OHNE zu überlegen, ob man Fortschritte macht. Stur wiederholen. Egal ob es besser wird oder nicht. Quasi völlig ziellos.

Duncan und ich wollen jetzt wirklich ernsthaft an das „fremde Pferde“-Thema ran. (Ja, ich glaube schon dass Duncan das auch will, denn es wird sein Leben bereichern). Das sind die Momente, wo er mich einfach mal ausblendet: da ist ein fremdes Pferd, da muss ich jetzt gucken. Aber wenn ich jemals auch mit anderen Leuten ausreiten oder sogar mal auf Distanzritt gehen will, dann müssen wir das in den Griff kriegen! Er muss ja nicht alles wegignorieren wie Diego, aber ein bisschen Aufmerksamkeit für mich übrig lassen wäre schon schön. Und hier kommen die 100 mal ins Spiel.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass das Fremd-Pferd-Thema für mich angstbesetzt ist, weil Duncan mehrfach an der Hand gestiegen ist in diesem Zusammenhang. Nicht, dass jemals jemand zu Schaden gekommen wäre, aber es war immer recht ansatzlos so, dass das Pony plötzlich senkrecht stand und das ist dann schon beeindruckend. Inzwischen kenne ich die Voranzeichen besser und natürlich ist zu vermuten, dass die Kastration die Heftigkeit des Ganzen abmildert (wobei ich am Sonntag noch nicht das Gefühl hatte, dass er sehr viel ruhiger ist). Das Thema ist mein persönliches Schreck-Gespenst. In meinem Kopf existiert noch keine Vorstellung von einem gelassenen, aufmerksamen Duncan in der Nähe unbekannter Pferde. Und einen echten Trainingsplan habe ich auch nicht. Hier kommen jetzt die 100 ziellosen Wiederholungen ins Spiel. Einfach 100 mal eine Begegnung mit fremdem Pferd üben, dabei meine Komfortzone nicht zu weit verlassen (also so, dass ich mich mit ihm sicher fühle). Ohne Anspruch, dass sich etwas ändert. Ohne Anspruch an mich, dass ich irgendetwas steigern muss, etwas erreichen muss, etwas verbessern muss. Wenn wir es 100 mal auf die gleiche Art machen ist das auch ok. Danach können wir immer noch sehen, wie es weiter geht.

Den Druck raus nehmen und gleichzeitig das Thema angehen. Und ich merke, wie gut mir das tut. Ich denke an viele meiner Schülerinnen, ganz besonders an jene, die Verladetraining machen. Denn irgendwie ist Verladetraining besonders vertrackt. Während bei allem anderen für viele instinktiv gilt „der Weg ist das Ziel“, fühlt sich das am Anhänger direkt anders an. Verladetraining ist erst nützlich, wenn man los fahren kann (so zumindest der Gedanke und das Gefühl der meisten Pferdemenschen). Für mich ist Verladetraining ja immer eher Beziehungsarbeit und ein Stück weit körperliches Training fürs Pferd (Füße sortieren, sich mit unbekannten Bodenverhältnissen auseinander setzen). Aber ich verstehe das Gefühl (zumal die meisten erst anfangen, das Verladen zu üben, wenn sie irgendwo hin müssen – was übrigens wirklich viel zu spät ist!).

Aber was, wenn wir uns einfach mal vornehmen würden, 100 mal am Anhänger zu üben – ohne Zieldruck (gibt es das Wort oder hab ich das gerade erfunden?)? Ich bin ja immer so sehr dafür, einen guten Plan zu haben und genau zu wissen, welcher Schritt nach welchem kommt. Aber manchmal wissen wir das einfach nicht. Manchmal bewegen wir uns auf unbekanntem Terrain und müssen schauen, wo der Weg uns hin führt. Manchmal sind wir innerlich blockiert von Angst oder Sorgen, Frustration oder schlicht davon, dass wir uns nicht vorstellen können dass das jemals klappen kann. Und auch wenn 100 planlose Wiederholungen sicherlich weniger Fortschritt bringen als wenn wir einen guten Plan hätten, so sind 100 planlose Wiederholungen eben doch ganz sicher besser, als es gar nicht zu tun. Denn von gar nichts tun wird gar nichts besser, so viel ist klar.

Wer weiß, vielleicht erkennen wir nach 50 Wiederholungen bestimmte Muster, die uns helfen, einen besseren Trainingsplan zu erstellen? Vielleicht erzielen wir nach 80 Wiederholungen plötzlich einen Durchbruch?

Das einzige was es zu vermeiden gilt ist, 100 mal das FALSCHE zu üben. Deswegen ist es wichtig, die Schritte so klein zu halten, dass wir auf jeden Fall ein gutes Ergebnis an diesem Tag haben. Wenn das bedeutet, dass meine und Duncans Maximalleistung ist, grasend mit 10m Abstand neben einem fremden Pferd zu stehen – dann ist das so. Und wenn es die nächsten 99 mal wieder so ist, dann ist es so. Wenn es für ein Verladetraining bedeutet, dass nur ein Vorderhuf des Pferdes die Rampe betritt, dann ist das so. Und wenn wir dann akzeptieren, dass es unter Umständen 100 mal so bleibt, wie fühlt sich das dann an? Und wie oft haben wir schon gesagt „ich habe Zeit“ und behauptet, wir hätten Geduld? Und jetzt reden wir darüber, was Geduld ist – wenn wir uns vorstellen, wie wir 100 Wiederholungen lang keine Fortschritte machen. Und ich glaube, dann, wenn wir wissen, dass das passieren kann und TROTZDEM mit dem Training anfangen, dann sind wir wirklich mutig.

In meinem Fall empfinde ich es so: ich kann mich dem Thema jetzt so stellen und mir genehmigen, einigermaßen angstfrei das Zusammensein mit fremden Pferden mit Duncan zu üben, ohne zu wissen ob das so irgendwie zum Ziel führt. Oder ich muss mein Pony für dieses Training aus der Hand geben, denn es nützt Duncan auch nichts, wenn ich angespannt und ängstlich bin, weil da fremde Pferde sind. Beide Lösungen sind ok. Ich entscheide mich zunächst für die 100 Wiederholungen. Ich habe keinen Zeitdruck und ich will wissen, was passiert. In der Excel-Liste in der ich unsere Erlebnisse dokumentiere und gemeinsam gemachte Kilometer zähle, wird es also jetzt eine neue Spalte geben: Fremdpferdeübung. Ziellos, aber dafür umso hartnäckiger und geduldiger. Und wenn eine von Euch auch so ein Thema hat und mitmachen möchte, dann lasst uns uns gegenseitig anspornen. 100 Wiederholungen ohne Druck. 100 mal machen ohne zu wissen was dabei heraus kommt. Ich lass mich überraschen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 347

Nachdem wir am Sonntag ja nix körperlich anstrengendes gemacht hatten (nur mein Kopf war angestrengt!), war für Montag ein Ausflug angesetzt.

Mein Bruder im Himmel hatte Geburtstag und da muss mein Mädchen immer extra betreut werden von ihrem persönlichen Herzensreparateur – das bin ich! Sie sagt, ich habe einen verdammt guten Job gemacht, denn sie ist zwar immer noch traurig, wenn sie an meinen Bruder denkt, aber es tut nicht mehr so weh. Sie kann sich jetzt freuen, dass sie ihn gekannt hat und über all die Dinge die er ihr beigebracht und gezeigt hat. Ich bin sehr stolz auf meine Leistung, denn das war schon ganz schön viel Arbeit, ihr Herz wieder hin zu bekommen!

Beste Herz- Reparatur- Methode: schönen Ausflug machen!

Jedenfalls war also wieder ein Ausflug dran, bei allerfeinstem Ausflugswetter. Wir sind eine ganz neue Strecke gegangen und da gab es allerhand zu sehen! Erst mal ging es durch den Wald, aber irgendwie ist das kein normaler Weg, sondern einer wo man dauernd durch Bäche durch marschieren muss! Ich habe da ja so meine Taktik, bin schließlich Pfützenfeinabschmecker und muss jedes Wasser probieren! Der Mann meinte, ich sei wie Thor, der das große Trinkhorn von Utgardloki austrinken sollte. Das gelang ihm nicht, weil das Trinkhorn auf magische Art und Weise mit dem Meer verbunden war – aber Thor hat immerhin so viel getrunken, dass er dadurch Ebbe und Flut erschaffen hat! So ähnlich hab ich das mit dem Bach auch versucht. Ob es mir gelungen ist? Naja zum austrinken hat es nicht gereicht, aber ich hab mir ein bisschen die Füße gekühlt und mich meines Lebens gefreut bevor ich mich habe überreden lassen, weiter zu gehen.

Erst mal kosten…

Später ging es aus dem Wald wieder raus in ein Dorf. Da gab es allerhand zu gucken und ich habe mir auch alles genau angeschaut. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir, weil ich so unaufgeregt aber aufmerksam war. Rinder, Folien, Gärten aller Art und schließlich, ganz am Ende, eine Hängematte, die vom Wind genau in unsere Richtung geweht wurde! Ui, da hat sogar Diego kurz einen Satz gemacht! Und ich auch. Aber halt nur einen. Dann stehen bleiben, gucken, fest stellen dass es doch kein Drache war, Keks kassieren, weiter gehen.

Dann wieder rein in den Wald und zurück zur Wackelkiste. Insgesamt knappe 8km, aber mein Mädchen findet, das reicht auch mit den ganzen neuen Wegen. Und es hatte auch noch einen anderen Grund, aber das erzähle ich euch beim nächsten Mal. Wer genau hinschaut, kann es aber auch im Video erkennen!

Mein Mädchen war glücklich mit dem schönen Ausflug. Abends haben die Menschen noch ein kleines Osterfeuer bei uns im Roundpen gemacht. Das fand ich interessant und wollte es mir gern näher ansehen! Aber mein Mädchen meinte, ich sollte mir mal lieber nicht die Tasthaare versengen und hat mich immer etwas auf Abstand gehalten. Trotzdem war sie ganz fröhlich, dass ich so mutig und neugierig bin.

Das Feuer fand ich spannend!
Diego hat sich das auch angeschaut

Und sie hat mir nochmal gesagt, dass ich der allerbeste Herzensreparateur bin, den sie sich vorstellen kann. Dass ich so ganz anders bin als mein großer Bruder im Himmel und dass sie da sehr froh drum ist, weil sie uns gar nicht vergleichen kann. Jeder von uns ist auf seine eigenen Weise das beste Pony! Sie ist stolz, dass ich schon so fein erwachsen geworden bin und zuverlässig und überhaupt rundum toll und gelungen und all das.

Ach, das höre ich doch gern!

Euer erfolgreicher Herzensreparateur Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 346

Soooo Ostern ist vorbei, das sonnige Wetter auch. Mein Mädchen findet das Timing echt gut: Ostern konnten wir schön genießen und jetzt gibt es nochmal etwas Wasser für die Weide, damit das Gras schön wächst. Oooooooh wir Ponys sind schon so ungeduldig! Wann es wohl endlich los geht mit der Weidesaison?

Damit sind wir auch schon beim Sonntagsausflug. Das war ein ganz toller Ausflug, wir sind nämlich auf eine Weide gefahren und Diego und ich durften da 30min grasen! Nebenbei war da auch noch dieser Araber – den kenn ich doch schon irgendwo her? Ach, richtig, den hatten wir mal in der Spielhalle getroffen!

Fremde Pferde sind ja meine einzige echte Schwäche sagt mein Mädchen. Die sind aber auch immer so verdammt spannend und nie darf ich richtig gucken gehen! Diesmal ging es so einigermaßen, weil da halt so viel leckeres Gras war. Ab und zu sollte ich dann den Kopf hoch nehmen und irgendwo hin gehen, dann durfte ich wieder grasen. Diego durfte einfach die ganze Zeit durchgehend schmausen. Aber der kann fremde Pferde halt auch einfach so wegignorieren! Wie macht er das nur?

Grasen in Gesellschaft des Arabers

Mein Mädchen sagt, wir wollen mit dem Araber später auch ausreiten gehen können und dafür muss ich lernen, auf sie zu hören, auch wenn er da ist. Puh. Schwer. Und für Distanzritte muss ich ganz viele andere Pferde ignorieren können – das hört sich noch schwerer an!

Mein Mädchen sagt, Übung macht den Meister und niemand hetzt uns, wir können das ganz in Ruhe machen. Na gut. Wenn es dabei immer so viel leckeres Gras gibt, bin ich einverstanden!

Euer grasender Sir Duncan Dhu of Nakel