Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 173

Erinnert Ihr Euch noch an diesen Beitrag? Mein Mädchen hat jetzt die Spielregeln geändert. Jetzt machen wir das für fortgeschrittene Ponys! Das geht so: Wir sind auf dem Reitplatz und üben lustige Sachen. Jetzt tut sie nicht nur so als würde sie Kutsche fahren – sie tut auch so als würde sie reiten! Das heißt sie geht neben mir her – hinter meiner Schulter, da wo sie später sitzen möchte. Sie hat zwei Zügel in der Hand und ich muss die Kommandos verstehen. Das ist aber wirklich kinderleicht. Naja und wenn ich es dann gut gemacht habe, gibt es einen Keks und dann gehen wir zur Aufsteigehilfe. Aber mein Mädchen sagt mir nicht, was ich machen soll. Sie stellt sich einfach auf die Kisten und schaut mich erwartungsvoll an. Am Anfang hab ich gedacht: sie scheint zu warten, also soll ich bestimmt auch warten. Warten kann ich – da müssen alle 4 Hufe am Boden bleiben. Aber nach einer Weile dachte ich: sie sieht doch eher aus als würde sie etwas ERwarten. Ich hab dann mal mein Gewicht verlagert. Und sie hat gesagt, das wäre voll die gute Idee! Dann hab ich einen Schritt gemacht. Und da hat sie gesagt, das wäre noch eine viel bessere Idee! Dann hat sie die Gerte genommen und mir gezeigt dass ich „einparken“ soll. Einparken heißt, dass ich mich exakt so hinstelle, dass sie aufsteigen könnte. Kann ich (wenn sie mich dirigiert). Dann gibt es Kekse auf der anderen Seite. Und sie hampelt ein bisschen herum, legt mir ein Bein über den Rücken und so. Manchmal finde ich das komisch. Dann macht sie es so lang bis ich mich entspanne.

Danach gehen wir wieder lustige Sachen üben. Und wenn ich es gut gemacht habe, gehen wir wieder zur Kiste. Beim zweiten Versuch war ich schon etwas schlauer: also um warten geht es nicht, ich soll mich bewegen. Als ich noch viel kleiner war, sollte ich mal im Kreis um sie herum laufen als sie auf der Kiste stand. Vielleicht will sie das? Sie hat gesagt, ich wäre nah dran aber ganz richtig ist es noch nicht. Hm. Dann hat sie mich wieder eingeparkt und das ganze Keks-auf-der-anderen-Seite und Bein-auf-meinen-Rücken-Ding wiederholt.

Anschließend haben wir wieder lustige Sachen geübt und – Ihr ahnt es schon – als ich es gut gemacht habe, sind wir zur Kiste gegangen. Mein Mädchen hat sich drauf gestellt und plötzlich hat es bei mir „klick“ gemacht: sie will dass ich mich SELBST einparke! Hab ich dann auch prompt probiert. War auch schon fast perfekt. Kennt Ihr das mit dem Auto wenn Ihr irgendwo in eine enge Parklücke wollt? So einfach ist das gar nicht wenn man es nicht geübt hat! Und so geht es mir auch. Ich muss genau die richtige Stelle erwischen. Aber ich übe das jetzt und bald kann ich das perfekt, sollt Ihr mal sehen. Ich hab das ja auch schon voll oft beobachtet bei Merlin und Diego.

Übrigens habe ich raus gefunden, dass sie lustig quietscht und von ihrer Kiste fällt, wenn ich zu nah parke. Aber ich bin ja ein edler Ritter also versuche ich das zu vermeiden. Weil ich so nett bin.

Ein Video gibt es leider nicht davon, aber ich werde nachliefern sobald ich kann, versprochen!

Euer einparkender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 172

Es ist Herbst. Das erkennt man an verschiedenen Dingen:

1. mein Mädchen findet alles schööööööön: Das Licht, die Blätter, den Nebel, die Sonnenuntergänge, die Sterne am Himmel, die Stille – alles ist schööööööön.

2. meine Rüstung ist schon wieder ganz plüschig (schööööööön). Für die warmen Tage ist sie oft etwas ZU plüschig, aber dafür ist es nachts gemütlich.

3. das Gras ist anders. Wir haben zwar zum Glück noch viel Gras aber das ist jetzt labberiger als im Sommer. Und deswegen braucht unser Bauch mehr Heu dazu, sonst machen wir Kuhfladen. Wobei auch der schönste, festeste Haufen nach wenigen Stunden in die Breite wandert, weil sooooo viele kleine Käfer unterwegs sind, die das irgendwie lecker finden und alles auseinanderbauen.

Das war ein perfekter Haufen! Aber dann kamen die Käfer…..

4. wir bekommen endlich auch wieder „Schmatzofatz“. Im Sommer mussten wir mit ein paar Mineralbricks aus der Hand klar kommen, Schüssel gab es da nur für Merlin. Jetzt gibt es wieder Leckereien. Während Merlin seine 3. überdimensionierte Riesenschüssel des Tages leert, bekommen wir anderen Heu und Schmatzofatz. Das ist voll lecker. Und voll gesund. Mit Kräutern und allerhand anderen guten Dingen, die so schlimm kleben dass man es kaum essen kann. Aber das ist es wert. Mein Mädchen steht daneben und passt auf dass jeder aus seiner eigenen Schüssel frisst und dass mein Fuß nicht hampelt. Wer fertig ist, darf nicht bei den anderen klauen sondern muss zum Heu gehen und dort weiter essen. Das ist Gesetz (ich hab das überprüft, es ist nicht verhandelbar). Meistens sind wir aber alle ungefähr gleichzeitig fertig.

Lecker Schmatzofatz!

5. mein Mädchen baut am Zaun rum und werkelt überhaupt draußen ganz viel. Da gibt es öfter mal was zu gucken. Allerdings muss man aufpassen: wenn sie gewerkelt hat, ist der Zaun danach besonders bissig! Wahrscheinlich hat er dann schlechte Laune, weil mein Mädchen ihn in seiner Ruhe gestört hat.

6. überall liegen Sachen rum, die man essen kann. Mal ein Apfel der den Weg vom Baum gefunden hat, eine Eichel, eine Haselnuss oder wir pflücken uns eine Schlehe. Das reinste Festmahl ist das! Manchmal trägt mein Mädchen dazu bei. Gestern hat sie zum Beispiel Möhrenstücke in den Paddock geworfen, die können wir dann suchen. Caruso ist der Beste in diesem Spiel, meistens bekommt er den Löwenanteil ab. Er ist so klein und wendig und hat total gute Ohren, der hört wo was runter fällt und saust dann schnell hin! Mein Mädchen lacht immer, vor allem weil wir anderen Ponys oft nur blöd hinterher gucken während Caruso schlemmt.

Ach ja, der Herbst ist eine schöne Jahreszeit. Mein Mädchen sagt, dass jetzt auch keine großen „Spezialtermine“ mehr anstehen. Bis Weihnachten sind wir jetzt einfach hier zu hause und genießen das Leben. Das mag mein Mädchen. Und ich mag das auch. Vor allem wenn wir die Zeit nutzen für Herbstspaziergänge und dafür, neue Sachen zu lernen.

Genießt den Herbst!

Euer plüschiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Dialekt

„Wir müssen mal das ganze Gelersch da weg räumen“ sagt Arnulf zu mir. Ich bin sehr beeindruckt. „Gelersch“ ist ein hessisches Wort und zwar eins, das mein Vater gern und oft verwendet. Jede Art von Krempel heißt „Gelersch“. Dadurch, dass mein Vater es so oft sagt, hat Arnulf es in seinen Wortschatz aufgenommen. Nur ist er halt kein Hesse und es mangelte an der Aussprache. Der Hesse hat ja so einen bestimmten Tonfall – jeder Dialekt hat ja seine ganz eigene Tonlage und Sprachmelodie. Und die nachzuahmen ist nicht leicht, wenn man mit einem anderen Dialekt aufgewachsen ist. Aber diesmal kam das Wort „Gelersch“ sehr natürlich und schön gesprochen über Arnulfs Lippen. Sieh an, Übung macht den Meister!

Wir sprechen den Dialekt mit dem wir aufwachsen. Wenn wir umziehen, können wir uns anpassen oder es lassen. Mancher spricht sein Leben lang hessisch, obwohl er längst in Schleswig-Holstein wohnt. Meine schlimmste Zeit war die in der man mich hier im Norden immer direkt als Hesse identifizierte, während man mir im Urlaub in Hessen nachsagte, ich würde schon wie ein „Fischkopp“ sprechen. Identitätskrise! Dabei ist das ja alles Deutsch. Noch ganz anders wird es in der Schweiz. Meine Schwester wohnt nun dort. „Ist das gut für Dich?“ fragte sie mich neulich – zum Glück mit der Erklärung dass der Satz Schweizerdeutsch ist. Denn im Hochdeutschen hätte er an der Stelle gar nicht gepasst. Wir hätten gesagt „ist das ok für Dich?“ und obwohl beide Sätze ähnlich klingen, sind sie eben doch sehr unterschiedlich in der Bedeutung – zumindest im Hochdeutschen.

Mein kleiner Duncan spricht meine Sprache. Meine Art Körpersprache, meine Stimmkommandos. Inzwischen versteht er auch Arnulfs Sprache ganz gut. Aber sonst halt nix. Als wir neulich Doppellongenunterricht hatten, hatte er keinen Plan, was die fremde Frau in der Mitte meinen könnte. Er war sehr verwirrt, wurde immer langsamer und als ich dann übernommen hatte und wir die Situation klären konnten, musste er erst mal ganz oft gähnen. Das war so verwirrend mit der fremden Person! Solche Situationen erinnern mich daran, dass ich mein Pony öfter mal bewusst aus der Hand geben möchte, damit er lernen kann, auch andere „Dialekte“ zu verstehen. Damit er nachher nicht verwirrt ist, wenn jemand fremdes kommt und etwas von ihm möchte, was er nicht versteht. Kann ja schnell mal passieren, wenn ich da so an geplante Abenteuer denke… und wenn es nur ist, dass ihn jemand für mich kurz mal halten soll.

Aber das Pony aus der Hand geben ist auch schwer. Ich bin ja gern mal „Helikopter-Mama“ und kann nicht gut aushalten, wenn mein Pony sich dann mit anderen auseinandersetzen muss die in meinen Augen vielleicht zu viel verlangen, zu viel Druck machen oder sich nicht verständlich ausdrücken. Das fällt unter die Kategorie „Chaos üben“ und es kommt mit auf meine Liste der zu übenden Dinge. Neben Brücken, Dörfern und fremden Pferden…..

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 171

„Schluss mit Romantik“ hat mein Mädchen gesagt. „Wir müssen jetzt ran an den Speck“. Hä? Welcher Speck denn? Ich bin doch voll gut in Schuss und perfekt proportioniert!

Aber sie meinte auch nicht wirklich „Speck“. Eigentlich meinte sie, dass wir jetzt ein paar Dinge mal ernsthaft üben müssen. Fremde Pferde, Dorf, fremde Pferde, Brücken und fremde Pferde zum Beispiel. Ungefähr in dieser Reihenfolge. Also fahren wir jetzt nicht mehr mit der Wackelkiste an all die romantischen, verwunschenen, einsamen Orte wo nichts und niemand unterwegs ist, sondern wir suchen die Herausforderung. Heute waren es die fremden Pferde. Wobei ich die Strecke schon kannte, eigentlich ist das ein schöner Spaziergang, nur dass man ein ganzes Stück an einer Pferdeweide vorbei läuft. Aber der Rest vom Spaziergang war heute auch nicht so wahnsinnig romantisch, weil mein Mädchen dauernd mit mir geübt hat. Weil ich nämlich fremde Pferde so unglaublich spannend finde und dann manchmal vergesse, dass mein Mädchen auch noch da ist und Tempo und Richtung bestimmen will, hat sie beschlossen, dass wir jetzt immer seitwärts gehen, wenn ich sie vergesse, damit ich mich erinnere, dass sie noch existiert. Und damit wir auch beide genau wissen was zu tun ist, haben wir das vorher auf dem Weg zu den fremden Pferden geübt. Mit 1384729 Tipps vom Mann, der das auch zwei- oder dreimal noch demonstrieren musste, mit viel Fluchen von Seiten des Mädchens wegen der 7 Meter Seil und – zum Glück – mit Keksen für mich wenn ich es gut gemacht habe. War anstrengend, nicht romantisch. Als wir dann zu den fremden Pferden kamen, die da auf der Koppel rumstehen, hab ich mir überlegt dass ich schon genug seitwärts unterwegs war und lieber gleich alles richtig mache. Hab da mal so zu den anderen geschielt aber wenn mein Mädchen am Strick gezupft hat und gesagt hat, dass ich lieber zu ihr schielen soll, hab ich das halt gemacht. Und was war sie begeistert von mir! Weil ich so ein artiger Hengst bin. Ganz ruhig bin ich da lang marschiert. Ohne Wiehern, ohne Imponiergehabe und ich habe mir auch verkniffen, meinen „Rüssel“ raus hängen zu lassen, das mach ich sonst ganz gerne mal. Aber mein Mädchen kann das nicht leiden, sie sagt das will doch keiner sehen. Ach, ich glaube, da gibt es schon welche die das beeindruckend finden… Aber gut, so gehen die Meinungen auseinander und letztendlich hat sie halt das Sagen. Manchmal schade, aber da ist wohl nix zu wollen – weil sie ja die Kekse verwaltet und somit am längeren Hebel sitzt.

„Schluss mit Romantik“ heißt übrigens auch, dass sie ganz schön streng geworden ist. Weil ich jetzt ein echter Teenager bin und sie allezeit gutes Benehmen erwartet. Uiuiuiui. Anspruchsvoll ist sie geworden. Aber ich kann das (meistens).

Also, anscheinend gibt es jetzt dauernd was zu üben. Na wenigstens kommt dann keine Langeweile auf.

Euer unromantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 170

„Komm mein Ritter, heute probieren wir mal was neues“. Ach, das höre ich ja gern. Ich mag immer gern was neues probieren, das gibt dem Leben die richtige Würze. Also, Mädchen, was steht an? Ach, da kommt ja eine nette Frau, wer bist Du denn? Kekse hat sie aber nicht in der Tasche. Naja.

Dann sind wir zusammen auf den Reitplatz gegangen. Wieder mal allerhand Zeugs an mir fest getüddelt und dann hat die fremde Frau gemeint sie könnte mit mir was machen. Ich hab mein Mädchen angeschaut, die sagt „ja ja, mach mal, das klappt schon“. Aber ich hab das nicht kapiert was die wollte. Versucht hab ich es wohl, aber irgendwie hatte sie einen komischen Dialekt in ihrer Körpersprache und mir war nicht klar was das heißen soll. Also hat sie dann doch das ganze Zeugs direkt meinem Mädchen in die Hand gedrückt. Das waren sooooooo lange Leinen dass mein Mädchen Angst hatte, dass sie nachher wie ein verschnürtes Paket auf dem Reitplatz liegt. Aber die nette Frau hat ihr geholfen und ihr die Leinen hinterhergetragen. Und mein Mädchen hat mir gesagt, ich soll außen rum gehen. Ach soooooo! Ja das kann ich wohl. Wobei diese Leinen schon irgendwie komisch sind. Aber nach einer Weile hab ich raus gefunden, dass ich mir die einfach so zurechtlegen kann wie ich das möchte, einfach Hals lang machen und dann kann ich mich ganz fein frei bewegen. Bisschen Schritt, dann ein Keks, dann ein Trab und noch ein Keks…. andere Richtung auch. Und wir wurden immer besser, mein Mädchen und ich. Das einzige, was mich wirklich irritiert hat, war, dass die fremde Frau mein Mädchen manchmal abgelenkt hat. Aber beide waren ganz begeistert von mir, ich will mich nicht beschweren. Und als wir dann alles gut gemacht hatten und Feierabend war, da sind auch noch die Zuschauer zu uns gekommen – der Mann und das Mädchen vom Spaziergehkumpel und noch eine Frau. Und da standen sie nun zu fünft und haben mir vorgeschwärmt was für ein tolles Pony ich doch bin! Ach, so lass ich mir das ja gefallen! Und mein Mädchen lag auch nicht verschnürt am Boden. Zum Glück, wer hätte mir sonst Abendessen geben sollen?

Jetzt können wir also was neues. Oder sagen wir mal: wir können es vielleicht noch nicht perfekt aber wir haben einen guten Start hingelegt. Jetzt geht mein Mädchen bestimmt wieder shoppen, das macht sie immer wenn wir was neues anfangen. Dann bekomme ich wieder buntes Equipment. Na, so lange es nicht rosa und lila und türkis sein muss – solche Farben muss mein armer Spaziergehkumpel immer tragen! Er ist da sehr geduldig mit seinem Mädchen. Zum Glück hat mein Mädchen einen anderen Farbgeschmack.

Mein Mädchen sagt, dass ich gestern auch noch etwas ganz anderes gelernt habe: Unterricht bekommen. Das war erst mein zweites Mal das jemand fremdes zum Unterricht gekommen ist. Sonst gibt der Mann meinem Mädchen manchmal Unterricht aber der kennt mich und ich kenn ihn und dann läuft das. Unterricht bedeutet, dass mein Mädchen versucht, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren und dass ich manchmal selbst klar kommen muss während sie über etwas nachdenkt oder etwas ausprobiert. Nur was ich dann in der Zeit machen muss ist mir noch nicht ganz klar. Manchmal sollte ich stehen bleiben und manchmal sollte ich weiter laufen. Hm. Merlin und Diego haben gesagt, dass man das mit der Zeit raus findet. Und dass Unterricht toll ist, weil die Lehrer in der Mitte einen immer ganz besonders doll loben. Merlin sagt, am allerbesten ist es mit vielen Zuschauern, weil die dann auch alle immer ganz begeistert sind und man sich dann so richtig feiern lassen kann. Merlin liebt Zuschauer! Ich muss sagen, gestern konnte ich das verstehen, das war schon gar nicht mal so übel!

Mein Mädchen sagt, sie hat auch ganz viel gelernt. Und zwar vor allem über mich! So so.

Also sind wir jetzt beide wieder ein Stück schlauer. Und für die, die wissen wollen was wir denn da gemacht haben: mein Mädchen sagt das heißt „Doppellonge“. Und ich finde, dann brauche ich dafür auch einen „Doppelkeks“. Logisch, oder?

Sobald wir das mal im hellen probieren, bekommt Ihr natürlich noch Fotos und Videos nachgeliefert!

Gemeinsame Zeit

Als Arnulf und ich uns kennengelernt haben, führten wir zunächst eine Fernbeziehung, sahen uns also nur an den Wochenenden. Aber das waren keine normalen Wochenenden, an denen wir unsere Freizeit miteinander verbrachten, sondern Wochenenden, an denen wir mindestens einen Tag zusammen unterwegs waren um Hufpflegekunden zu betreuen. Und so ein Tag voller Hufpflegetermine ist anstrengend. Wir lernten also sehr schnell essentielle Dinge übereinander: wie ist der andere drauf, wenn er müde ist und abgearbeitet? Wie reagiert der andere auf Stress und Ärger? Wie geht der andere damit um, wenn ein Tagesplan nicht funktioniert? Und wie plant der andere so einen Tag überhaupt? Was passiert dann abends wenn man gemeinsam auf dem Sofa sitzt und einfach nur müde und müffelig ist? All diese Dinge lernten wir schon sehr früh über einander.

In einem Podcast hat eine Profi-Reiterin mal gesagt, sie fühlt sich auf einem jungen Pferd erst dann sicher, wenn es einmal eine größere Panne gab – eine Angstsituation in der das Pferd buckelt/durchgeht oder sonstige unerwünschte Reaktionen zeigt. Denn erst dann weiß sie, wie dieses Pferd sich verhält, wenn etwas schief geht. Eine Beziehung immer schön und harmonisch zu halten so lange alles im Lot ist, ist ja ganz leicht. Aber wenn mal alles durcheinander purzelt, nichts so läuft wie es soll und alle Beteiligten gereizt und genervt sind, dann noch in Kontakt zu bleiben und kein totales Desaster zu erzeugen – wie man so schön sagt „kein Porzellan zu zerschlagen“ – das ist die Kunst der Beziehung.

Arnulf und ich wussten das voneinander schon ganz früh und wir haben früh gelernt, dass wir auch dann noch gut zusammenpassen und gut miteinander sein können, wenn alles drunter und drüber geht. Und das macht unsere Beziehung so verlässlich und stabil.

Mit Duncan hatte ich noch sehr wenige Pannen. Wir waren nur selten am Limit. Und ich bin froh darüber, weil wir ja erst mal eine gemeinsame Basis brauchten. Und er brauchte überhaupt eine Basis im Leben. Aber jetzt merke ich, dass wir „zu wenige“ Pannen hatten. Ich weiß nicht, wie er auf Pannen reagiert und er weiß nicht, wie ich reagiere. Und es liegt jetzt an mir, Situationen herzustellen oder herauszufordern, in denen wir das einigermaßen gefahrlos lernen können. Zum Beispiel indem ich im Gelände, wenn ich ihn vom Boden fahre, nicht mehr gleich zu ihm nach vorn sause, wenn es mal gruselig wird. Sondern ihn – wie neulich – auffordere, mutig an den Rindern vorbei zu gehen und auszuhalten, dass das nicht so entspannt ist. Und er macht. Er gibt sich Mühe, ruft gelernte Verhaltensweisen ab, fragt zwischendurch unverhohlen nach einem Keks weil er das toll macht. Gelegentlich gibt er auch Gas. Aber inzwischen kann er sich nach 2 Schritten (oder auch Galoppsprüngen) wieder einsammeln und beruhigen. Er rennt nicht kopflos weiter, er lässt sich bremsen, bleibt dann stehen und erwartet ein entsprechendes Lob für diese Ruhmestat. Neulich habe ich ihm dann sogar sofort sagen können, er möge bitte trotzdem weiter gehen (eine Fähigkeit, die wir vor der Kutsche brauchen) und er bekam seinen wohlverdienten Keks etwas später. Ich weiß jetzt schon viel besser, woran ich die Höhe seines Stresspegels ablesen und die Wahrscheinlichkeit für diese oder jene Reaktion einschätzen kann.

Mit jeder dieser Situationen steigt mein Zutrauen in ihn. Und wohl auch sein Zutrauen in sich selbst und vielleicht in uns als Gemeinschaft (wenn ich es nicht übertreibe). Jenes Zutrauen, dass eine gute Beziehung ausmacht: was auch immer passiert, gemeinsam stehen wir das durch. Unsere Beziehung hält das aus, wir bleiben im Kontakt, wir sind füreinander da.

„In guten wie in schlechten Zeiten“ das sagt sich so leicht, so lange keine schlechten Zeiten sind. Nach Finlays Tod habe ich ansatzweise erfahren, wie schlecht Zeiten sein können und wie stark eine Beziehung sein muss, um das tragen zu können. So eine starke Beziehung entsteht nicht, wenn man immer nur im Sonnenschein gemeinsam spazieren geht. In guten und in schlechten Zeiten zusammen halten zu können bedeutet, die schlechten Zeiten gemeinsam zu erleben. Ich werde mein Pony nicht vor allem beschützen können und wenn wir Kutsche fahren und auf Distanzritt gehen wollen, kann ich nicht jede Situation als Trainingssituation genau bestimmen und üben. Was, wenn neben uns der Rettungshubschrauber landen muss? Was, wenn uns ein Vollidiot auf dem Motorrad mit 100km/h fast über die Füße fährt? Was, wenn das Pferd eines Mitreiters plötzlich ohne Mensch durch die Gegend läuft? Was, wenn aus dem angesagten Regen ein Starkregen mit Sturmböen wird? Wenn wir einen geplanten Weg nicht nutzen können und plötzlich 10 km Umweg vor uns haben?

Immer noch geistert der Glaube durch die Reiterszene, wenn man nur „Herdenchef“ gegenüber seinem Pferd sei, würde es all diese Probleme nicht geben. In unserer Herde, mit Diego als wundervollem Chef, kann ich beobachten, wie verkehrt dieser Glaube ist. Selbst wenn Diego sich über etwas gar nicht aufregt und völlig ruhig bleibt, erschrecken sich die anderen manchmal. Und fürchten sich. Ja, Diego kann helfen mit seiner Ruhe. Aber er kann die Angst der anderen auch nicht wegzaubern. Und er hat noch nie einen von seinen Freunden gezwungen – oder auch nur überredet – an eine vermeintliche Gefahr heran zu gehen. Wenn etwas los ist, geht er voran und schaut sich das an. Dann entscheidet er, ob er das gefährlich findet oder nicht. Fast immer findet er es nicht gefährlich. Dann verhält er sich entspannt und normal und lässt die anderen Ponys gewähren. Die entscheiden für sich je nach Angst ob sie ihm glauben oder nicht. Wenn nicht, kann es schon mal wildes Gerenne geben, an dem Diego dann eben nicht teilnimmt. Niemals schickt er ein rangniedriges Pony vor in die Gefahr (wie Menschen so gern behaupten dass es wäre). Er geht immer vorweg und übernimmt die Verantwortung.

Wenn ich mein Pony am Strick oder vor der Kutsche habe, bin ich nicht in der Situation, dass ich ihn rennen lassen kann wenn er es meint. Ich muss schon Einfluss nehmen. Und in unvorhergesehenen Situationen muss er an der Kutsche auch voran gehen (in vorhersehbaren kann der Beifahrer vorher absteigen und das Pony vorne unterstützen). Ich muss also eine andere Beziehung zu meinem Pony haben als Herdenchef Diego sie hat. Und die will geübt und aufgebaut werden – jedes Mal wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Bis wir uns aufeinander verlassen können: in guten wie in schlechten Zeiten.

Zwei Jahre ist Duncan jetzt bei mir. Und nein, das reicht nicht um eine stabile Beziehung aufzubauen, erst recht nicht bei einem jungen Pferd. Und gerade in diesen Tagen voller Erinnerungen an unseren gemeinsamen Start und an den Schmerz, der damit verbunden ist, weil ich meinen Finlay verloren haben – gerade in diesen Tagen weiß ich, wie weit der Weg noch ist. Weil ich weiß, wie weit er mit Finlay war. Es geht schnell, einem Pferd bestimmte Verhaltensweisen beizubringen. Aber eine Beziehung aufzubauen, die wirklich hält, das dauert. Und es gibt keine Abkürzung (so sehr uns die entsprechende Ausbilder-Branche das auch verkaufen möchte). Umso wertvoller ist sie nachher und umso magischer fühlt sie sich an. In guten und auch in schlechten Momenten.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 169

Mir ist ganz romantisch zumute. Heute vor zwei Jahren bin ich nämlich hier eingezogen! Ach, das war vielleicht kompliziert alles! Die anderen fanden mich nämlich erst nicht so toll. Aber mit meinem Charme und meiner Hartnäckigkeit habe ich sie schließlich doch noch überzeugt. Erst nur Merlin den Zauberer. Der alte Knabe ist wirklich ein ganz netter. Und ich habe nicht vergessen, wie rücksichtsvoll er mit mir umgegangen ist als ich noch klein war – deswegen geh ich jetzt immer rücksichtsvoll mit ihm um, wenn wir mal bisschen spielen. Weil er nämlich schon uralt ist und nicht mehr so doll spielen kann.

Merlin war der erste hier, der nett zu mir war. Das werde ich nicht vergessen!

Diego der Große hingegen hat mir damals gleich gesagt, wer hier das Sagen hat (nämlich er). Aber er war auch nicht gemein zu mir, sondern hat mir erklärt, wenn ich mich an seine Regeln halte, dann ist hier alles friedlich. Gatsby fand mich anfangs total doof. Bei uns Schotten gibt es ja so Clans und manche davon sind verfeindet…. Hat ein bisschen gedauert, bis wir uns einig geworden sind. Dafür sind wir jetzt echte Kumpels.

Caruso hat mich am Anfang ganz schön erschreckt: so klein und doch so willensstark! Hat sich immer an mir fest gebissen und nicht mehr losgelassen! Aber was soll ich Euch sagen: inzwischen fällt mir auf, dass er wirklich ziemlich klein und eigentlich ganz harmlos ist. Der macht nur auf dicke Hose, aber ich kann ihn geschmeidig an mir abprallen lassen wenn es Not tut. Natürlich sind wir trotzdem beste Freunde, ist doch klar. Caruso ist immer für Schabernack zu haben und hat lustige Ideen. Und er kann wahnsinnig schnell rennen! Das ist wirklich unfassbar. Wie ein Kugelblitz, da kann ich nur noch hinterher schauen.

Und außerdem hab ich mich ja noch mit meinem Spaziergehkumpel angefreundet. Der wohnt zwar nebenan, besucht mich aber ab und zu, damit wir spielen können. Dann spielen wir und wenn wir fertig sind, geht er wieder nach hause. Außerdem erleben wir jede Menge tolle Abenteuer zusammen mit unseren Mädchen!

Ich muss sagen, als ich damals meinem Mädchen gesagt habe, dass ich bei ihr einziehen möchte, habe ich eine gute Entscheidung getroffen. Ich hab ihr gleich gesagt, dass ich regelmäßige Abenteuer erwarte und sie liefert auch wirklich ganz gut. Meistens zumindest. Und wenn nicht, dann hört sie zumindest meine Hinweise und bessert nach. Damit kann ich leben.

Unser allererstes gemeinsames Abenteuer. Schon sooo lange her!

Ich hab in den zwei Jahren auch schon ganz schön viel gelernt und ich bin natürlich viiiiiiiiiiel größer, schöner, stärker und schlauer geworden. Und haariger.

Mein Mädchen sagt, ich hätte in den zwei Jahren vor allem ihr Herz repariert. Noch nicht ganz, aber zu großen Teilen. Manchmal tut es ihr noch weh, aber nicht mehr so oft und so doll. Manchmal erzählt sie mir von meinem „großen Bruder“ auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Dann versuche ich, ihn mir vorzustellen. Ich glaube, er war ein guter Typ.

Jetzt sind mein Mädchen und ich ganz gespannt, was in den nächsten zwei Jahren so passiert. Da kommen nämlich die richtig tollen Sachen! Ich soll ja lernen, eine Kutsche zu ziehen – ganz in echt, nicht nur so tun! Und bald möchte meine Mädchen auch wirklich endlich mal aufsteigen. Sie sagt, in zwei Jahren können wir beides und dann bin ich auch alt genug um auf den ersten kleinen Distanzritt zu gehen! Ui das klingt wirklich toll! Ich werde Euch natürlich weiterhin auf dem laufenden halten. Und heute werde ich erst mal sehen ob ich nicht ein paar Gratis-Kekse kassieren kann, einfach nur so weil ich jetzt 2 Jahre hier bin….. das würde ich sehr angemessen finden für diesen besonderen Anlass.

Euer romantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 168

Heute haben wir einen sehr demokratischen Spaziergang gemacht. Diego und ich haben nämlich mein Mädchen und den Mann zum Wahllokal begleitet. Das hat schon Tradition, sagt mein Mädchen. Aber früher war das einfacher, da wurde im Landgasthof gewählt und die Ponys konnten direkt vor der Tür warten. Jetzt wird in der Schule gewählt und da geht das leider nicht. Also mussten wir Ponys etwas weiter weg warten, während jeweils einer von unseren Menschen wählen gegangen ist. Und so gibt es nun kein schönes Foto von uns vorm Wahllokal! Das ist sehr betrüblich.

Wir warten geduldig während der Mann seine Kreuzchen macht. Mein Mädchen war schon dran.

Wählen durften wir auch nicht. Aber da war auch keine interessante Partei für uns dabei. Ich persönlich hätte da schon ein paar Vorschläge. Wie wäre es mit der KoK-Partei (Kekse ohne Knausern) oder vielleicht die FGa (Freies Gras für alle)? Ich könnte mir auch vorstellen, die AfsP zu wählen (Abenteuer für schöne Ponys) oder die Wallehaar-Partei. Oder die Partei der freien Ponys (PfP). Aber die standen ja alle nicht zur Wahl.

Liebe Menschen, ich versteh nicht viel von Eurer Demokratie. Aber uns Ponys bleibt oft nicht so viel Wahl und das eine oder andere Mal hätten wir gern mehr davon. Deswegen rate ich Euch: Geht wählen – weil Ihr es könnt!

Euer demokratischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Geht wählen – weil ihr es könnt!

Mein neues Pony

Alles neu macht – das Erwachsenwerden.

Der Zeitpunkt ist gekommen. Der Zeitpunkt zu dem ich erfahre, welche von Duncans Eigenschaften bleiben und welche sich verändern, während er erwachsen wird. Was für ein spannender Moment! Naja, wahrscheinlich dauert dieser „Moment“ mindestens ein Jahr. Mal sehen.

Bald ist Duncan 2 Jahre bei mir – und wie oft habe ich mich in den zwei Jahren gefragt: dieses Verhalten – ist das sein Grundcharakter oder wird sich das noch ändern?

Vieles ist geblieben: die Lust am Abenteuer, die Intelligenz, das Lernverhalten. Manches ändert sich jetzt und ich denke viel darüber nach. Vor allem eins fällt mir auf: mein Pony ist dickfelliger geworden. Und ich glaube, das ist nicht (nur) die Pubertät, die bewirkt, dass er den einen oder anderen Rüffel (sei er von mir oder von einem Herdenmitglied) wahlweise ignoriert oder mit Gegenwehr beantwortet (gerade so wie ein Teenager, der die Mutter schnell mal mit „dumme Kuh!“ anbrüllt, wenn sie Kritik wagt). Nein, ich glaube, er ist wahrhaftig dickfelliger – oder soll ich sagen: dickhäutiger – geworden. Schon in unserem Urlaub fiel mir auf, dass Duncan auf die nervigen Fliegen etwas weniger Reaktion gezeigt hat als Diego. Und als wir jetzt – oh Schreck! – die erste Hirschlausfliege hier bei uns hatten, da hat Duncan ebenfalls herzlich wenig Reaktion darauf gezeigt. Das erinnert mich an Finlay, der (was ja durchaus angenehm ist) auf jegliche Wetterphänomene sowie auf Insekten aller Art fast keine Reaktion gezeigt hat. Die Kehrseite dieser Medaille ist, dass so ein Pferd eben auch einen Rüffel schneller einsteckt und einen anschaut nach dem Motto „na und?“. Neulich hatten wir zum ersten Mal die Situation dass Duncan versucht hat, völlig ungerührt an mir vorbei zu marschieren, während ich eigentlich gesagt hatte, er soll warten und mich durch lassen. Nicht nur einmal, sondern zwei mal hat er das versucht. Denn auf der anderen Seite des Tores hatte er eine Schüssel gesichtet und beschlossen, dass die für ihn sei (dabei hatte Merlin sie längst geleert). Bis ich ihm das Tor vor der Nase wieder zu gemacht habe mit der Ansage, dass es das Heu eben leider erst dann gibt, wenn Herr Ritter gedenkt, sich ritterlich zu benehmen. Ach so. Na dann. Ungläubiger Blick aber meine Botschaft kam schnell an.

Wenn er unterwegs ungefragt die Nase ins Grün steckt, muss ich schon deutlich mehr Gas geben um die da wieder raus zu kriegen. Meine vorher sehr erfolgreiche Taktik, ihm das Seil vor oder an die Nase zu werfen, beeindruckt ihn nicht mehr. Jetzt könnte ich vermuten, dass es sich abgenutzt hat und somit meine Schuld ist. Aber ich sehe, dass er auf die anderen Ponys ähnlich stoisch reagiert. Beiß mich doch. Ich steh trotzdem hier. Und Caruso beißt sich dann langsam mal die Zähne aus an seinem großen Freund. Ich schätze, Sir Duncan hat begriffen, dass er doch deutlich schwerer ist als 180kg… Diego hingegen hat den Ton etwas verschärft und ich sehe öfter mal, dass Duncan ein paar Meter „fliegt“ wenn Diego das allzu rüpelig fand, was der Teenie da tut. Also darf ich wohl mein Training anpassen. Jetzt ist es eben doch ein Schotte. Letztes Jahr habe ich noch gesagt, ich gehe mit ihm um wie mit dem durchschnittlichen Araber, weil er so ein Sensibelchen ist. Jetzt hat sich das was mit Sensibelchen.

Als er im Urlaub vom fremden Tierarzt eine Spritze bekam, hatte der erst im zweiten Anlauf Erfolg. Die erste Kanüle drang nicht bis zur Vene vor und der erstaunte Tierarzt fragte „was hat der denn für eine Haut? Meine Kanüle ist verstopft!“. Tja das ist eben doch eher eine Ritterrüstung, die taugt zum Abwehren sowohl schottischer Wetterverhältnisse als auch der Millionen von „Midges“ (Stechmücken) die in den Highlands über alles herfallen was Blut zu bieten hat.

Zum Glück heißt das eben auch, dass mein Pony noch nicht mal mit dem Ohr wackelte, als der Tierarzt mit der zweiten Kanüle kam. So etwas trägt der Ritter mit Fassung. Und so hat die Dickhäutigkeit ihre Vorteile. Ich bin ja auch gar nicht so wirklich der Typ für Sensibelchen. Und wenn ich Duncan mit Arnulf zusammen sehe (Arnulf ist immer sehr direkt und bewusst unvorsichtig mit den Ponys) dann beobachte ich, dass Duncan das jetzt völlig gelassen nimmt. Es gruselt ihn nicht mehr, wenn Arnulf ihn in den Arm nimmt und herzhaft durchknuddelt. Er hat kein Problem mehr damit, dass Arnulf Kommandos viel deutlicher gibt als ich. Während ich noch als Übermami daneben stehe und mich um mein Pony sorge, machen die Männer das fix unter sich aus und sind beste Freunde. Duncan sieht Arnulf jetzt als Kumpel, das ist zu merken.

Und eine weitere Neuheit habe ich beobachtet: wenn Arnulf mir Unterricht gibt, nimmt er mir Duncan ab und zu aus der Hand um etwas auszuprobieren oder zu zeigen. Früher war Duncan dann immer verwirrt und hat ständig zu mir geschaut. Als wir am Sonntag „Chaos“ geübt haben, war das nicht mehr so. Duncan hat immer genau hingeschaut, wer von uns beiden den Strick in der Hand hat und sich dann an demjenigen orientiert. Er weiß jetzt auch viel besser, mit welchen Gesten er gemeint ist und welche nix mit ihm zu tun haben. Und ich glaube, dass er das verstanden hat, macht ihn wiederum sicherer und ruhiger.

Außerdem können wir neuerdings auf dem Reitplatz gemeinsam Pause machen. Ich muss das jetzt erst wieder lernen, denn sonst war Reitplatzzeit völlig ohne Pause. Duncan konnte mit Pause machen nichts anfangen (etwas was ich von Finlay auch kenne). Jetzt hingegen hat er entdeckt, dass es nett sein kann, zwischen den Übungen gemeinsam herum zu stehen. Und ich fange an, ein „Pausen-Ende-Signal“ zu etablieren. Das ist etwas, das Finlay mich gelehrt hat: da ich nie wusste, wann er wie lange Pause machen möchte, haben wir uns schließlich darauf geeinigt, dass er so lang Pause hat wie seine 4 Füße am selben Platz bleiben. Das hat drei Vorteile: er lernt, ruhig zu stehen und das mit Entspannung zu assoziieren, er lernt außerdem, sich von vorneherein so hinzustellen, dass es auch bequem ist und er kann kommunizieren wie lang die Pause sein soll. So fange ich es jetzt auch mit Duncan an (und ich vermute, er hat die Logik bereits durchschaut). Im Unterschied zu früher stehe ich selbst während der Pause aber nicht mehr still sondern wechsle meinen Platz wie ich es bei Elsa gelernt habe. Das ist nicht nur für mein Pony angenehmer, sondern letztlich auch sinnvoller, denn so lernt er, dass er Pause machen kann, während ich um ihn herum wusel – das wird sehr praktisch sein später auf Distanzritt oder auch wenn wir mit der Kutsche los wollen.

Nun habe ich also ein neues Pony und darf meine Kommunikation entsprechend anpassen. Und mich überraschen lassen, was sich noch so alles verändert und wohin die Reise weitergeht. Davon abgesehen ist mein Pony ja nun in einem Alter, wo er auch etwas mehr ernsthaft „arbeiten“ darf, so dass wir auch noch das eine oder andere an neuen Beschäftigungen ausprobieren werden. Und auch da lasse ich mich überraschen, welche Meinung der Ritter hat zu meinen Ideen. Er wird Euch sicher davon erzählen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 167

Mein Mädchen sagt, wir üben jetzt Chaos. Sie muss das aber gar nicht üben, sie kann das voll gut, das sage ich Euch. Aber von vorn:

Mein Mädchen hat sich ein neues Seil gekauft. Das ist länger als das andere und schwerer. Und wenn man es gut drauf hat (so wie der Mann) dann kann man damit total gut Signale geben. Schwingen rechts und schwingen links, von oben oder vorne oder hinten, langsamer und schneller und was nicht noch alles. Und für uns Ponys ergibt sich das dann fast alles von allein, was das bedeutet. So weit die Theorie…. In der Praxis sieht es eher so aus, dass mein Mädchen das Seil nicht im Griff hat, sich ständig darin verheddert und drüber stolpert oder es sich selbst um die Ohren haut. Das ist schon manchmal recht amüsant! Aber irgendwelche klaren Signale kommen da für mich jetzt nicht bei rum. Und da kommt das mit dem Üben ins Spiel.

Ich bin ja ein sensibles, artiges und sehr, sehr schlaues Pony. Und wenn mein Mädchen nicht gerade 7m Seil in der Hand hat, drückt sie sich ja in der Regel auch klar aus. Das hat zur Folge, dass ich immer alles im ersten Anlauf kapiere. Wir müssen eigentlich nie was üben oder wiederholen und sie muss auch nie viele oder dolle Signale geben. Meistens hält sie die Gerte irgendwo hin und wartet, während ich nachdenke, dann mache ich das was ich denke was sie meinen könnte und in aller Regel ist das richtig. Oder zumindest fast richtig und im zweiten Anlauf ganz richtig. Dann bekomme ich einen Keks und merke mir das. So läuft das bei uns. Bis auf eine Ausnahme: wenn wir spazieren gehen und da sind fremde Pferde auf einer Koppel, dann läuft das nicht mehr. Dann will ich nämlich die fremden Pferde kennenlernen! Und kann mich gar nicht auf mein Mädchen konzentrieren. Und mein Mädchen wird dann hektisch, weil sie sich Sorgen macht und kann nicht mehr so klar Signale geben. Und dann höre ich erst recht nicht mehr hin, weil sie eh nur Kauderwelsch redet. Und dann gibt es Streit. Und das will ja nun wieder keiner von uns.

Also hat mein Mädchen einen Plan ausgeheckt der da heißt: wir üben Chaos. Also: Sie macht Chaos mit dem langen Seil und ich muss trotzdem raten was sie will. Und mich konzentrieren und ruhig bleiben und lieber zu langsam machen als zu schnell. Mich nicht über das Chaos ärgern oder aufregen sondern das Beste draus machen. Und das üben wir jetzt erst mal auf dem Reitplatz. Und wenn wir das da geübt haben, macht mein Mädchen hoffentlich schon etwas weniger Chaos mit dem Seil und ich habe ganz viel gelernt über das Aushalten und Interpretieren von Kauderwelsch. Und wenn wir dann wieder fremden Pferden begegnen, redet sie weniger Kauderwelsch und ich verstehe ihr Chaos besser und wir müssen nicht streiten. So der Plan!

Zum Glück ist der Mann dabei. Der hat sie erst mal ohne mich üben lassen, wie man das Seil wirft und schwingt. Der hat glaube ich Mitleid mit mir, wenn sie so wirres Zeug macht. Aber inzwischen bin ich ja schon ein großer, starker Ritter, ich halte das aus, wenn es sein muss (und ich Kekse dafür bekomme). Und ich hab was raus gefunden: Sobald sie ihre Hände minimal bewegt, mache ich einen Schritt in die Richtung, die vorher die richtige war (gestern war es entweder rückwärts oder seitwärts), dann schaue ich wie sie reagiert. Entweder sie fängt doll an zu kichern und gibt mir einen Keks, dann war es richtig, oder sie macht irgendwas mit ihrem Seil, dann war es falsch. Dann warte ich kurz, probiere die andere Richtung und – zack – Problem gelöst. Der Mann findet, ich bin verdammt schlau. Mein Mädchen findet, ich bin verdammt süß. Beide haben Kekse in der Tasche. Und unter diesen Bedingungen lässt es sich auch mit Chaos ganz gut leben.

Euer gewitzter Sir Duncan Dhu of Nakel