Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 13

Liebe Menschen, mein Mädchen kann ganz schön gemein sein. Sie hatte ja am 1.April behauptet sie habe einen Termin zum Kastrieren gemacht. Ich hatte wirklich ganz schön Angst! Aber das war ein Aprilscherz! Gar nichts hat sie ausgemacht.

Im Gegenteil. Sie hat mir erklärt, dass ich – als einziger hier! – ein ganzer Mann bleiben darf, so lange ich mich anständig benehme.

Was „anständig benehmen“ bedeutet wollte ich dann gerne genau wissen. Also ich darf meine Kumpels nicht zu sehr ärgern, sagt mein Mädchen. Besonders nicht den Zauberer Merlin, weil der schon ungefähr 100 Jahre alt ist. Aber auch die anderen nicht zu doll. Wenn sie nein sagen muss ich das akzeptieren.

Hmmmmm, schwere Bedingung.

Im übrigen darf ich nicht durch irgendwelche Zäune gehen, krabbeln oder drüber springen, egal wie lecker die Stuten auf der anderen Seite riechen. Ja, ich glaube das kann ich schaffen. Die Stuten sind weit genug weg, ich stelle mir vor sie gehören zu einem anderen Hengst, dann geht das.

Und ich muss lernen draußen im Gelände artig an anderen Pferden vorbei zu gehen ohne gleich den „Rüssel“ raus hängen zu lassen und angeben zu wollen (das habe ich neulich mal versucht, fand sie nicht lustig). Ok ich glaube das schaffe ich auch. Meistens.

Drückt mir die Daumen! Ich möchte nämlich nicht kastriert werden. Die anderen haben mir gesagt dass das nicht schön ist. Gut, es hat natürlich den Vorteil dass man dann nicht mehr so wuschig wird wenn Stuten da sind und dass man insgesamt ein bisschen entspannter ist im Leben. Aber trotzdem… nein nein. Ich werde mich also seeeeeehr bemühen. Mein Mädchen hat versprochen, dass ich eventuell überschüssige Energie in Laufen umsetzen darf, wenn ich etwas größer bin. Gut, ich nehme dich beim Wort, mein Mädchen! Aber dann nicht dauernd bremsen wollen!

Und sie hat gesagt wenn ich ganz ganz ganz viel Glück habe und extrem artig bin gibt es vielleicht irgendwann sogar mal kleine Duncans. Ui das wäre ja aufregend! Stellt Euch mal vor, ein paar mehr von meiner Sorte, wie viel lustiger und schöner die Welt dann wird! Dafür lohnt es sich, mich anständig zu benehmen, glaube ich.

Also: kein Tierarzt nächste Woche, mein Tag ist gerettet. Ach was sag ich, die ganze Woche ist gerettet!

Übrigens wollte ich Euch ein Foto zu diesem Tagebucheintrag posten. Aber mein Mädchen hat sich geweigert. Sie hat gesagt passende Fotos wie ich sie vorschlage wären sehr unanständig. Oooooch wieso? Alles nur Natur! Und ich bin wirklich schon gut ausgestattet, Ihr wärt bestimmt beeindruckt!

Oh, ich muss Schluss machen, mein Mädchen guckt gerade sehr streng….

Bleibt gesund!

Ein halbes Jahr

Wie Sir Duncan Euch bereits am Sonntag verraten hat, hatten wir „Halbjahrestag“. Ist er nun „schon“ ein halbes Jahr bei uns oder „erst“?

So sah Duncan im August aus. Kaum weiße Haare und deutlich kompakter.

Arnulfs spontane Reaktion war „erst“. Es kommt uns meistens länger vor, einfach deshalb weil wir nun in diesem halben Jahr schon so viel zusammen gemacht haben, was sich in meiner Planung und Erwartung über mindestens ein Jahr gezogen hätte.

Im Frühling wollte ich die ersten Spaziergänge wagen, im Sommer die ersten Spaziergänge ohne Begleitpferd und die ersten Touren mit dem Anhänger. Duncan hatte allerdings andere Vorstellungen. Ende September hier eingezogen und schon vor Weihnachten die ersten Spaziergänge gemacht – sogar den ersten klitzekleinen ohne Begleitpferd. Und dann im März mit dem Anhänger los um mit Diego und Duncan im Wald spazieren zu gehen (davon hat Duncan Euch ja auch schon berichtet).

Dazwischen so gar nichts von dem was ich eigentlich geplant hatte – kein Führtraining auf dem Platz, keine Übungen wie Rückwärts, Hinterhand weichen oder solche Dinge. Warum nicht? Weil ich fühle, dass er es blöd findet. Bei Finlay bin ich oft über dieses Gefühl hinweggegangen, ich dachte „das muss so“. Bei Duncan habe ich Dinge einmal angetestet, einmal gezeigt, fand er lustig. Aber dann war er durch damit und wollte raus. Die Arbeit auf dem Platz werde ich ihm – wohl im wahrsten Sinne des Wortes – erst noch schmackhaft machen müssen. Wie Finlay sieht er keinen Sinn darin. Ich habe das inzwischen von vielen Highlandponys gehört: rausgehen und ein Abenteuer erleben, das ist des Schotten Natur. Davon abgesehen hat er auch mit keiner dieser Übungen das leiseste Problem angedeutet. Er hat alles sofort verstanden und auch gemacht. Das heißt natürlich nicht, dass er es wirklich kann. Aber es reicht für sein Alter total aus, der Rest kommt im Zweifel von allein im Alltag – beim Putzen, Verladen und Hufe raspeln übt sich sowas ja auch immer nebenbei. Wenn sich nächstes Jahr Probleme zeigen sollten ist dann noch genug Zeit, das aufzuarbeiten.

Schrecktraining – Ihr habt davon gelesen – habe ich durchaus probiert. Ohne „Erfolg“, denn das meiste fand Sir Duncan irgendwo zwischen „langweilig“, „blödsinnig“ und „lächerlich“. Die Idee, er könnte Fußballspielen lustig finden, teilte er so gar nicht, seine Fußballbegeisterung stimmt genau mit der meines Mannes überein. Nein, bisher ist das einzige was er lustig findet das, was jenseits unserer Grundstücksgrenze stattfindet.

Stillstehen für ein Foto? Laaaangweilig! Mein „Lulatsch“ zeigt erste weiße Haare, besonders am Rücken und große Strähnen in Mähne und Schweif. Das Winterfell lässt ihn auf dem Foto kompakter wirken als er ist.

Manchmal finde ich aber auch, dass er „schon“ ein halbes Jahr da ist. Manchmal ist Finlay noch so präsent und Duncan noch so fremd. Wir kennen uns nun schon ganz gut, ich weiß meistens was er denkt, er weiß meistens was ich denke, aber natürlich ist das kein Vergleich zu meinem Finlay, den ich 8 Jahre lang kannte und mit dem ich alle möglichen Situationen und Abenteuer erlebt hatte. Duncan ist immer noch ein bißchen „neu“ für mich. Interessanterweise findet mein Gehirn manchmal – in den Augenblicken zwischen schlafen und wachen oder dann wenn die Ponys der Reihe nach in den Stall kommen um ihr Heu zu holen – dass beide Schotten hier sein müssten: Finlay und Duncan. Ich möchte nicht mehr ohne Duncan sein und ich kann mir auch die Herde nicht mehr ohne ihn vorstellen. Aber auch Finlay gehört noch zur Herde, irgendwie.

Als wir neulich Fotos zusammengesucht haben für unsere Mieterin (ihr traditionelles Geburtstagsgeschenk von uns: Fotos von ihrem Pony) habe ich das komplett an Arnulf abgegeben. Denn da waren auch Fotos von Finlay mit dabei und die alle durchzusehen und die schönsten rauszusuchen, das konnte ich nicht. Schlimm genug, wenn Facebook mir alle Nase lang Erinnerungen zeigt. Dann schaue ich immer auf das Datum: wann habe ich das Video von unserem ersten gerittenen Schrittzirkel gepostet, wie alt war Finlay da, wie sah er da aus? Und ich frage mich: wie wird Duncan in dem Alter aussehen und werden wir dann tatsächlich anfangen ihn zu fahren wie es bisher mein Plan ist? Wird es dann Fotos und Videos von unserer ersten Kutschfahrt geben, die ich mit stolzgeschwellter Brust mit Euch teile? Welche Farbe wird er dann haben und welche „Form“? Im Moment ist er ein „Lulatsch“, alles schlackert und er kann gar nicht genug essen um bei Figur zu bleiben. Mehr Futter scheint er nur in mehr Bewegung umzusetze. Ich hoffe auf die Weidesaison um mal ein bißchen was an ihn dran zu kriegen. Ich hoffe auch auf einen baldigen Wachstumsschub – für meine ungeduldige Seele. Nur um zu sehen dass sich was tut. Nicht dass das irgendetwas ändern würde an den Fakten seines Alters.

Ich las heute die freundliche Erinnerung: das Leben ist kein Wartezimmer, es findet JETZT statt. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich nicht zu sehr „warte“, darauf dass er groß wird und wir mit den Dingen anfangen können, die mir so sehr fehlen. Ich möchte diese Zeit jetzt mit ihm genießen und uns beiden das bestmögliche Fundament geben. Nach wie vor bin ich froh mir ein so junges Pony gekauft zu haben, er hat nie schlechte Erfahrungen gemacht und das macht unser Leben so leicht.

Die größte Überraschung die er uns bietet ist wohl sein Verhalten in der Herde. Mein Finlay war ja immer so ein ganz ruhiger Vertreter. Klar, der hat auch mal getobt und gespielt. Aber vielleicht einmal am Tag. Duncan tut gefühlt fast nichts anderes. Er macht mal ein kleines Nickerchen, aber ansonsten ist er ständig in Bewegung. Er hält seine 4 Kumpel alle gut auf Trab, keiner bleibt verschont.

Auch mich hält er beim Spazierengehen gut auf Trab: es kann ihm gar nicht schnell genug gehen.

Nach diesem ersten gemeinsamen halben Jahr denke ich, er ist das perfekte Distanzpferd (sagen wir: sobald er gelernt hat, anständig an fremden Pferden vorbei zu gehen). Er ist flott und unermüdlich, liebt fremdes Gelände, kennt keine Furcht, ist nicht überdreht aber energiegeladen.

Ob ich bei seinem Energielevel mithalten kann, werden die Jahre zeigen. Manchmal trauere ich Finlays Gemütlichkeit nach, die irgendwie besser zu meinem eigenen Phlegma gepasst hat. Aber Duncan scheint hier zu sein um mich fit zu machen, was ich nach langen Monaten der Trauer und Krankheit auch dringend nötig habe. Ich hoffe also, dass wir über Sommer Wege finden, uns auf ein Tempo zu einigen und er als mein personal trainer meine Kondition verbessert.

Und noch ein großer Unterschied: Finlay war immer sehr hart im Nehmen was Druck anging. Antippen mit der Gerte? Egal. Da musste schon mehr passieren damit der Herr bereit war, die Nase aus dem Gras zu nehmen (und das obwohl er wusste dass er weiter fressen darf, sobald er durchs Tor gegangen war). Duncan ist dagegen sehr empfindsam was Druck von meiner Seite angeht. Ich muss da vorsichtig sein, sonst schieße ich schnell übers Ziel hinaus. Er ist natürlich kein Araber aber doch sensibler als viele andere Ponys die ich kenne. Er möchte auch nicht mit der harten Bürste kräftig gekratzt werden, wie Merlin und Finlay. Der weiche Gummistriegel ist sein „Wohlfühlgerät“ (das ich bei Merlin nie benutze weil er es viel zu sanft findet).

Und er möchte unbedingt friedlich mit mir sein. Streit kann er (meistens) nicht leiden, wo Finlay den Streit gerne mal gesucht hat. Allerdings war Finlay schon etwas älter als ich das beobachtet habe, also vielleicht kommt das auch noch. Während Finlay von mir lange kein Futter aus der Hand bekommen hat, weil ich Sorge hatte, dass wir das nicht im Griff haben, bin ich heute anders gestrickt und arbeite sehr viel mit Futterbelohnung. Duncan hat das Wegschauen perfekt verinnerlicht (wie lustig, da ich es ihm gar nicht bewusst beigebracht habe) und wendet es bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten an um einen Keks zu bekommen. Ich bin nun vor allem gespannt wie hartnäckig er versucht, Futter in Situationen zu bekommen in denen es nunmal keines gibt, wie flexibel er ist, neue Dinge auszuprobieren und ob irgendwann eine Zeit kommt in der er grundsätzlich einfach mal alles in Frage stellt (nennt sich Pubertät). Die Arbeit mit der Futterbelohung und teilweise mit Markersignal (klick) stellt mich wieder vor neue Herausforderungen und Fragen. Warum kann ich eigentlich nicht einmal bei einem System bleiben in dem ich mich gut auskenne? So bin ich wohl. Wie Sir Duncan sagt: nie zufrieden. Es muss immer noch besser gehen, das gilt auch für mich.

Insgesamt war ich in diesem halben Jahr jeden Tag froh ihn hier zu haben und ich mag ihn jeden Tag noch etwas lieber. Und ich bin sicher: wir werden ein gutes Team. Also auf zu neuen Abenteuern, mein erlebnishungriger Ritter!

Zum Schluss habe ich noch eine Bitte in eigener Sache. Ich investiere (gerade jetzt) recht viel Zeit und Arbeit in diesen Blog, weil ich hoffe, Euch damit eine Freude zu machen. Ihr könnt mir auch eine Freude machen, indem Ihr den Blog so viel und so oft wie möglich auf Facebook teilt und an allen möglichen und unmöglichen Stellen verlinkt. Letztlich ist es auch Werbung für mich, meine Arbeit und mein (immer noch nicht veröffentlichtes) Buch. Erzählt anderen davon und sorgt so für mehr Reichweite. Damit macht Ihr ja auch denen eine Freude, die den Blog dann neu kennen und lieben lernen. Danke!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 12

Eigentlich wollte ich Euch heute so richtig schön „April-verscherzen“. Aber mir fiel einfach nichts Gutes ein. Ich kann ja schlecht zu Euch hin rennen, Euch im Schlaf ins Bein kneifen und mich dann daran erfreuen wie Ihr Euch erschreckt – wo wir doch alle 2 Meter Abstand halten sollen (mein Mädchen sagt das ist ungefähr eine Diego-Länge und der ist länger als ich!).

Dann dachte ich, ich könnte behaupten, ich würde nicht mehr Tagebuch schreiben wollen und Ihr solltet mit Euren Problemen mal alleine klarkommen. Aber der Mann sagte, das wäre so gar nicht nett. Also dachte ich, ich behaupte, ich würde jetzt eine kleine Kopfkamera bekommen und einen Livestream über Youtube starten und dann würde ich für jeden Like einen Keks bekommen. Aber dann habe ich mir vorgestellt wie traurig Ihr wärt, wenn ich Euch morgen sagen muss dass es keinen Livestream geben wird.

Und ich will Euch ja nicht enttäuschen! Dann dachte ich noch, ich könnte behaupten, dass ich mich für eine Karriere als Springpferd entschieden habe.

Oder vielleicht dass ich panische Angst vor Regenwürmern entwickelt habe und zum Psychiater muss.

Dann habe ich überlegt, ob ich so tun könnte als hätte ich mir die Mähne gefärbt.

Aber nichts davon hat mich so richtig überzeugt. Und mein Mädchen sagt, ich wäre auch total schlecht im Lügen, man würde mir schon immer 10 Meilen gegen den Wind ansehen was ich wirklich denke. Mein großer Bruder hatte wohl so ein Pokerface, dem konnte man das nie ansehen. Aber ich trage mein Herz auf der Zunge (bzw zwischen den Ohren). Also müsst Ihr leider ohne Aprilscherz auskommen.

Und dann kam mein Mädchen und hat gesagt sie hat für nächste Woche den Tierarzt bestellt zum Kastrieren – und ich kann nur inständig hoffen, dass das ein April-Scherz war!!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 11

Heute möchte ich Euch von meinem Ausflug in den Wald erzählen. Ist schon eine Weile her, aber ich bin noch gar nicht dazu gekommen es Euch in Ruhe zu erzählen.

Also Diego der Große und ich sind in die Wackelkiste gestiegen und haben eine Weile Heu gegessen während wir geschüttelt wurden. Und als wir ausgestiegen sind, waren wir in einem wunderschönen Wald! Mein Mädchen fand mich schon wieder höchst erstaunlich, weil ich mich gar nicht aufgeregt habe. Aber warum denn? Ich weiß wirklich nicht was sie sich immer denkt. Ich fand den Wald total schön und als wir losgegangen sind, bin ich einfach vorneweg gegangen und hab mir alles angeschaut. Toll war das da! Mein Mädchen war allerbest gelaunt und nach einer Weile haben wir auch eine schöne Grasstelle gefunden. Leider haben Menschen ja immer zu wenig Zeit an solchen Grasstellen, damit finde ich mich ja langsam schon ab. Also sind wir weiter gegangen. Dann kamen wir an ein Holzding. Mein Mädchen hat sich da drauf gesetzt und Pause gemacht. Und ich sollte stillstehen. Laaaaaangweilig. Aber sie hat mir immer Kekse gegeben wenn ich weit weg von ihr gestanden habe und geduldig gewartet habe.

Dann sind wir weiter gegangen. Irgendwann sagte mein Mädchen, ich wäre wohl doch müde, weil ich so nervig wäre. Hm? Hatte ich gar nicht mitbekommen. Sie selbst war auch ein bißchen müde. Sie hat sich dann von Diego dem Großen tragen lassen (ich darf sie ja noch nicht tragen hat sie gesagt – ich bin mal wieder zu klein…. ) und der Mann ist mit mir gegangen. Er hat mich angemeckert, weil ich nach ihm gehapst habe. Oh das hatte ich gar nicht so richtig mitbekommen. Ich hab mich dann nochmal ganz doll konzentriert und den Rest des Weges ohne Mecker geschafft. War zum Glück nicht mehr so weit.

Dann sind wir wieder in die Wackelkiste gestiegen und nach Hause gerüttelt worden.

Ach war das ein toller Tag! Kurz danach waren wir nochmal in dem Wald, diesmal mit meinem anderen Spaziergehkumpel. Und es war wieder so schön! Ich hoffe wir können da noch ganz oft hin.

Ich hänge Euch ein paar Fotos mit an.

Genießt den Frühling!

Und passt gut auf – morgen ist der 1.April!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 9

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute vor genau einem halben Jahr bin ich bei meinem Mädchen eingezogen! Und dann hat sie angefangen, den Blog über mich zu schreiben. Und seitdem lest Ihr den fleißig (hoffe ich). Und ich hoffe Ihr habt Spaß daran!

Das bin ich kurz nach meinem Einzug! Oh wie ich mich auf die Weidesaison freue …

Vor einem halben Jahr hat mein Mädchen gedacht, ich ziehe hier ein und dann bin ich total beschäftigt mit eingewöhnen und zurechtfinden und wachsen. Sie dachte, das erste halbe Jahr passiert nicht viel mit uns beiden.

Das mit dem wachsen habe ich verschoben, dafür hatte ich jetzt einfach keine Zeit, da kümmere ich mich später drum. Ich war tatsächlich recht beschäftigt mit eingewöhnen. Ein paar Wochen. Und dann war ich fertig mit eingewöhnen und wollte was Neues erleben. Mein Mädchen war ganz überrascht. Ich wollte so gern raus und spazieren gehen! Erst hat sie es nicht geglaubt. Aber dann hat sie gemerkt dass es wirklich so ist. Und jetzt waren wir schon so ungefähr 70km zusammen unterwegs – mal hier ein Spaziergang, mal da…. Da kommt was zusammen! Irgendwann, sagt mein Mädchen, erledigen wir diese 70km an einem Tag. Juhuuu! Da freu ich mich schon drauf! Manchmal meckert sie, dass ich eine Rennsemmel sei. Sie selbst ist ja eher der gemütliche Typ. Ich habe es immer eilig. Na, ich werde sie schon noch fit kriegen! Gebt mir ein Jahr, dann läuft sie fleißig und geschmeidig neben mir her und ich muss sie nicht mehr so ziehen wie jetzt! Und mal ehrlich: in ihrem Tempo schaffen wir keine 70km an einem Tag, da wird sie schon noch bisschen loslegen müssen!

Insgesamt läuft es echt gut mit uns beiden. Ich verstehe sie ganz gut und sie mich. Manchmal ist sie noch traurig – wegen meinem großen Bruder. Wenn wir spazieren gehen und etwas erinnert sie an ihn zum Beispiel. Dann bin ich etwas ratlos, wie ich sie trösten kann. Aber sie sagt, es reicht, dass ich da bin und das tröstet sie schon. Da sein kann ich! Kein Problem.

Und wenn ich über das Stalltor gucke, dann schmilzt sie förmlich dahin. Ich muss nur immer meine Chance nutzen, da überhaupt stehen zu können, denn eigentlich ist das Diegos Platz und er schubst mich immer weg, wenn er kommt. Aber manchmal ist er anderweitig beschäftigt, dann nehme ich seinen Platz ein. Und gucke übers Tor und mein Mädchen findet mich dann so unglaublich süß dass sie gar nicht weiß wohin mit sich. Tja, das hab ich voll raus!

Der Blick über das Stalltor funktioniert einfach immer!

Außerdem weiß ich jetzt, dass ich 4 Namen habe. Fand ich am Anfang recht kompliziert, ist es aber gar nicht. Wenn es Heu für alle gibt, heißen wir alle „Pooooooooooniiiiies“. Wenn es extra Futter gibt heißen Merlin und ich „Meeeeeerliin“, wenn nur ich gemeint bin heiße ich „Duncan Dhuuuuuuuuuuuu“ und wenn es ganz schlecht läuft heiße ich „Sir Duncan!“ Oh und wenn es richtig richtig schlecht läuft, spricht sie mich sogar mit vollem Namen an. („Sir Duncan dhu of Nakel!!!“) Zum Glück dauert das so lang, dass ihr Ärger verpufft ist bis sie fertig ist mit aussprechen. Praktisch so ein langer Name! Sie kann mir nie lange böse sein. Wer könnte das schon?

Sie hat natürlich auch so ihre Macken. Sie spielt zum Beispiel mein Lieblingsspiel nicht mit mir (Popo-Kneifen, hab ich Euch gestern erklärt). Blöd. Ich finde ihren Po so attraktiv aber sie sagt, wenn ich da rein kneife gibt es RICHTIG Ärger. Bisher habe ich mich nicht getraut. Aber vielleicht eines Tages…. Es ist schon sehr verlockend!

Außerdem will sie manchmal sehr langweilige Sachen machen. Stillstehen zum Beispiel. Gähn. Sie gibt mir dann viele Kekse damit es nicht ganz so langweilig ist. Na gut. Aber trotzdem ist es langweilig. Und dann hat sie ja immer noch diese Marotte zu denken ich sei für alles zu klein. Vielleicht kann ich ihr das irgendwann austreiben. Habt Ihr da vielleicht einen Tipp für mich?

Jedenfalls bin ich gespannt auf das nächste halbe Jahr. Jetzt kommt der Sommer und ich habe Großes vor! Ich werde Euch berichten!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 8

Heute erkläre ich Euch mal mein Lieblingsspiel.

Vielleicht wollt Ihr es ja auch mal probieren? Ihr braucht nur einen Spielpartner. Da man bei diesem Spiel keine 2 Meter Abstand halten kann, sollte es jemand sein, der mit Euch in einem Haushalt lebt.

Ich nenne das Spiel

Popo-Kneifen

Es eignet sich für 2 Spielpartner, Fortgeschrittene können aber auch mit mehreren gleichzeitig spielen.

Ziel des Spiels: den Partner möglichst oft in den Po kneifen!

Spielbeginn: Beide Partner stehen sich gegenüber und starren sich an. Um von Eurem Vorhaben abzulenken, könnt Ihr so tun als würdet Ihr harmlose Nasenpiele spielen wollen, nur so bißchen Gesicht haschen.

Sobald sich dann die Gelegenheit ergibt, schießt Ihr an Eurem Partner vorbei und beißt ihn herzhaft ins Gesäß! Vorsicht, der Partner wird sich durch Austreten wehren! Außerdem wird der Partner versuchen, sich schnell genug zu drehen um nun seinerseits Euch in den Allerwertesten zu kneifen. Lasst das auf keinen Fall zu! Wer sich am schnellsten drehen kann, kann die meisten Punkte einheimsen.

Eigentlich ist es wirklich ein einfaches Spiel, aber es bringt unheimlich viel Spaß, fördert die Fitness und die Wendigkeit! Es kann außerdem taktisch beliebig verfeinert werden. Ihr könnt zum Beispiel das Spiel auch ohne Vorwarnung direkt beginnen, indem Ihr Euch von hinten an den gewählten Spielpartner heranschleicht oder Ihr versucht es mit allerhand Ablenkungsmanövern wie Steigen oder Rennen.

Viel Spaß beim Spielen und lasst mich wissen wie es Euch gefallen hat!

Anbei ein paar erläuternde Illustrationen.

Die übliche Startposition zu Spielbeginn
Endlich ist es mal ein Vorteil für mich, dass ich noch so klein bin!

Hier befinde ich mich in einer SEHR ungünstigen Situation!
Niemals direkt hinter dem Spielpartner stehen! Er kann ausschlagen! Da habe ich mich in eine gefährliche Lage gebracht – nicht nachmachen!
Gleich kann ich punkten!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 7

Immer wenn es Essen gibt, fängt mein Fuß an zu tanzen vor Freude. Wirklich – ich kann nichts dafür! Plötzlich ist mein Fuß in der Schüssel und das Futter ist überall verteilt. Und manchmal ist die Schüssel dann auch kaputt. Ups. Geht Euch das nicht so? Wenn man Euch was Leckeres hinstellt, dass Ihr Euch einfach irre freut und gar nicht mehr an Euch halten könnt? Tanzen Eure Füße etwa nicht beim Essen vor Freude? Ich glaube dann ist Euer Essen einfach nicht lecker genug! Aber mein Mädchen ist sauer wenn mein Fuß in der Schüssel tanzt. Sie sagt, das sei eine ritterliche UN-Tugend. Hm.

Eine Weile hat sie überlegt, wie sie mir das abgewöhnen kann. Einmal hat sie mir meine Schüssel in die Ecke gestellt wo so ein hohes Holzbrett ist, so dass ich nicht mit dem Fuß an die Schüssel konnte. Dann ist sie weggegangen. Und ich hab gegessen. Und plötzlich stand mein einer Fuß hinter dem Holzbrett. Und der andere davor. Ups! Sie kam gleich angeflitzt, hat sich Sorgen gemacht ich könnte mir wehtun. Ach was. Ich hab halt weiter gegessen. War aber trotzdem nett dass sie mir aus dieser misslichen Lage rausgeholfen hat. War schon bißchen unbequem. Seitdem hat sie das nicht wieder gemacht. Alle anderen Ideen die sie so hatte haben ihr nicht gefallen. Und dann ist ihr eingefallen dass der ehrenwerte Herr Wurzel seinerzeit ein Spielzeug hatte aus dem er essen durfte. Er hatte das manchmal so eilig und hat sich dann verschluckt, das wollte sie nicht, also hat sie ihm dieses Ding gegeben, wo das Futter nur in kleinen Portionen raus fällt. Und das habe ich jetzt von ihm geerbt. Das ist toll! Jetzt ist mein tanzender Fuß zu was nütze! Vielleicht auch eine Idee für Euch Menschen, wenn Ihr jetzt Langeweile habt? Und vielleicht versucht Ihr mal, Euch so leckeres Essen zu machen, dass Eure Füße davon tanzen! (Ich sehe schon, mein Mädchen wird jetzt immer den Mann beobachten wenn sie ihm was gekocht hat – tanzen die Füße schon? Ist es wirklich lecker?)

Bleibt gesund und bis bald!

Persönlich

Als wir noch auf Veranstaltungen gehen durften und ich auf dem schönen Vortrag von Mark Lubetzki war, stand ich in der Pause mit ein paar Leuten zusammen und wir unterhielten uns. Plötzlich kam eine junge Frau und sprach mich an „Du bist doch die mit dem Highlandpony- Blog oder?“

An dieser Stelle herzliche Grüße! Und danke für diesen wunderbaren Moment. Da steht ein wildfremder Mensch und erkennt mich. Und sagt mir, wie gern sie meine Geschichten liest. Und ich fühle mich wie ein Karpfen: mein Mund geht auf und zu aber es kommen keine Worte raus. Ich stammle irgendwas und schon ist sie wieder weg.

Ich drehe mich wieder zu meinen Bekannten um. „Ich bin berühmt“ ist der erste Satz der mir raus rutscht. Danach muss ich lachen. Berühmt ist ja ein großes Wort. Aber mir wurde in diesem Moment klar dass da draußen wirklich ganz reale Menschen sind die mich noch nie gesehen haben und trotzdem wissen wer ich bin. Ein bisschen zumindest.

Als ich einer Schülerin von dieser Begegnung erzählte sagte sie „das ist ja auch immer ganz schön persönlich was Du da schreibst“. Ob mir das bewusst wäre, dass das öffentlich ist. Ja, ist es. Ich überlege immer sehr genau was ich schreibe.

Was mich bewegt, wenn ich so persönlich schreibe ist eine Erfahrung die ich selbst immer wieder mache: es hilft uns, wenn wir herausfinden, dass andere ähnlich fühlen wie wir. Viele von Euch schreiben mir als Reaktion auf meine Beiträge, ich hätte etwas in Worte gefasst, das sie auch fühlen und sie seien mir dankbar, denn sie selbst hätten es nicht in Worte fassen können.

Anscheinend kann ich da etwas, das nicht jeder kann und ich möchte es weiter tun, so lange es Euch Freude macht. Ich bin überzeugt davon, dass es unser Leben leichter macht, wenn wir entdecken, dass wir nicht allein sind mit unseren Gefühlen, die uns manchmal überwältigen. Wenn jemand nicht mit schlauen Sprüchen und (vermeintlich) guten Tips um sich wirft sondern einfach akzeptiert, was wir fühlen und vielleicht selbst ähnlich fühlt. Jemand, der uns hilft, Worte für unsere Gefühle zu finden, damit wir sie aussprechen können. Das heißt nicht, dass wir nicht mal einen Tip gebrauchen können und Hilfe, mit den Gefühlen umzugehen. Aber für mich steht vor der Hilfe der Moment des Fühlens. Und der Moment in dem wir dieses Fühlen in Worte fassen und einmal ganz wahrnehmen was wir fühlen. Und akzeptieren, dass Gefühle nicht logisch sind. Dass sie nicht immer mit dem Verstand zu erklären sind.

All das ist mir erst so recht klar geworden durch Finlays Tod und einige Ereignisse davor. Ich habe im Lauf des letzten Jahres einen anderen Zugang zu meinen eigenen Gefühlen bekommen und gemerkt, dass ich einen neuen Umgang mit ihnen erlernen möchte.

Und jetzt, in dieser Zeit, sind wir alle in ganz besonderen Gefühlszuständen. Vielleicht geht es einigen von Euch ein bisschen so wie mir. Ich habe all die Corona-Nachrichten total ignoriert. Panikmache, das kennen wir. Wenige Wochen vorher ist Sturmtief „Sabine“ über Deutschland gezogen – ach herrje was wurden wir da gewarnt. Hörte sich an wie Weltuntergang. Und dann war es hier bei uns doch eher nur eine steife Brise. Ich bin so an diese Dramatisierung gewöhnt, dass ich sie einfach nicht mehr ganz ernst nehme. Und dann – innerhalb weniger Stunden – hat es mich erwischt. Ich habe gelesen was in Italien passiert und plötzlich wurde mir klar: diesmal ist es ernst. Und zwar sehr viel ernster als angesagt. So etwas hat noch keiner von uns erlebt. Und meine Welt brach zusammen. Ich hatte drei ziemlich üble Tage und Nächte bevor die Nachricht überhaupt einigermaßen in meinem Kopf angekommen und verarbeitet war.

Es gibt Momente, da ist alles normal. Wenn ich die Schubkarre durch den Stall schiebe und meinen Ponys ihr Essen serviere, denke ich: alles ist normal. Ich denke: die Ponys wissen nichts von unseren Problemen. Aber natürlich wissen sie es. Sie kennen uns so gut und sie merken mit Sicherheit, dass wir anders drauf sind als sonst. Jedes Pony wird auf seine eigene Art und Weise darauf reagieren.

Ich schaue mir nur morgens neue Meldungen an. Ich kann mich nicht den ganzen Tag mit Corona auseinandersetzen, es macht mich krank. Spätestens ab mittags versuche ich Normalität zu finden. Aber nichts ist normal. Ich mache mir Sorgen um liebe Menschen, die zur Risikogruppe gehören und manchmal überrollen mich diese Sorgen einfach. Ich habe Angst, dass ich krank werde, dass mein Mann krank wird oder ein anderer lieber Mensch in meinem Umfeld. Ja ich weiß, für uns ist das Virus wahrscheinlich ungefährlich. Trotzdem: Ich habe Angst, dass wir unsere Tiere nicht versorgen können, weil wir mit Fieber im Bett oder – noch schlimmer – im Krankenhaus liegen. Angst, dass der Tierarzt krank wird oder in Quarantäne muss und nicht kommen kann wenn eines meiner Ponys ihn dringend braucht. In den ersten Tagen des Begreifens war diese Angst übermächtig und ich wusste nicht, wie ich ihrer Herr werden sollte.

Nach der totalen Angst kamen die Momente der Stille, in denen ich das Gefühl hatte, alles sei nur ein Film, ich würde alles nur von außen sehen oder phantasieren. Dann entstand etwas Neues: das Gefühl der Dankbarkeit. Die Ponys am Haus, so viel Grundstück auf dem wir uns frei bewegen können. Schönes Wetter, die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen wenn es nötig sein sollte. Alles ist gut.

Und dann ist wieder nichts gut. Neue Zahlen, neue Sorgen. Neue Zahlen heißt immer und ausnahmslos: höhere Zahlen. Niemand weiß, wie es weitergeht. Mein Arzttermin ist gestrichen – weil meine Hausarztpraxis mit einer Klinik zusammenarbeitet werden dort nur noch bestimmte Patienten betreut – ich muss mir einen anderen Arzt suchen. Schon jetzt läuft das Gesundheitssystem nicht mehr rund. Unsere Ärzte müssen unbedingt gesund bleiben. Derweil gibt es immer noch viele, die leugnen. Und viele, die über die Leugner schimpfen. Ich kann beides verstehen. Ja, auch die, die alles leugnen, alles kleinreden. Ich glaube, bei vielen ist es Selbstschutz. Aber auch eben die Tatsache, dass wir Panikmache und „Fake news“ inzwischen gewöhnt sind. Und die, die Klopapier für die nächsten 100 Jahre kaufen, sind auch nicht unbedingt Idioten, sie reagieren nur nicht mehr so ganz vernünftig.

Nach Finlays Tod habe ich gelernt: jeder trauert auf seine Weise. Heute lerne ich: jeder fürchtet sich auf seine Weise. Warum ausgerechnet Klopapier bei so vielen die größte Sorge ist, erschließt sich mir nicht, aber ich kann mich darin üben, zu akzeptieren. Andere finden meine Sorgen verrückt, ich finde deren Sorgen verrückt.

Wir alle dürfen jetzt Strategien entwickeln, wie wir weitermachen können. Ich habe mich schon immer gefragt, wie das damals im Krieg ging. All die Geschichten unserer Eltern und Großeltern über den Krieg haben immer diese Frage in mir aufgeworfen: wie geht das? Wo ist die Normalität? Wie feiert man Weihnachten, wenn Krieg ist? Wie geht man zur Schule während Bomben fallen? Wie geht man damit um, dass jeden Tag Todesnachrichten kommen?

Jetzt haben wir eine ähnlich unnormale Situation. Und wir werden lernen, damit umzugehen. Wie lebt man weiter, wenn das öffentliche Leben brach liegt? Wie geht Normalität im Kleinen, wenn sie im Großen nicht geht? Wie leben wir mit einer unsichtbaren Gefahr, die sich nur in Zahlen ausdrückt? Es ist so ein abstraktes Geschehen: für die meisten von uns ist das Virus nicht gefährlich. Aber wenn zu viele auf einmal krank werden, wird es plötzlich gefährlich – weil die, die es etwas schlimmer erwischt hat, nicht mehr gut versorgt werden können. So ist das in einer Herde – nur wenn alle mitmachen, kann es gut gehen. Jeder muss jetzt seinen Platz finden und ihn bestmöglich ausfüllen.

Wir werden Wege finden. Wir alle werden dazu Zeit brauchen, um uns zurecht zu finden in dieser neuen Situation, aber letztendlich werden wir uns zurechtfinden. Schon jetzt merke ich für mich, wie ich anfange, mich neu zu sortieren und ich bin damit sicher nicht allein.

Wie immer denke ich an die Pferde. An meinen kleinen Duncan, der vor nunmehr 6 Monaten in Dänemark in den Anhänger gestiegen ist und für den sich an einem Tag alles geändert hat. Der hier nicht freundlich empfangen wurde, sondern hart arbeiten musste um aufgenommen zu werden. Der unerschütterlich weiter gemacht hat – auch wenn er zwischendurch große Angst hatte. Und für den sich alles zum Guten gewendet hat nach ein paar Wochen.

Aber auch für die anderen Ponys hier hat sich an diesem Tag alles verändert. Sie sind nicht gefragt worden. Duncan kam hierher und sie mussten damit umgehen. Auch sie hatten vielleicht Angst. Oder waren wütend. In jedem Fall mussten sie sich neu sortieren. Auch sie mussten neue Umgangsformen miteinander erlernen.

Unsere Pferde sind sehr viel öfter in solchen Situationen. Sie wissen nicht, was passieren wird. Alles ist neu, alles ist anders, alles ist bedrohlich und fremd. Vielleicht können wir jetzt lernen, wie sich das anfühlt und unseren Pferden mit mehr Mitgefühl begegnen.

Und wir brauchen Mitgefühl für uns selbst und unsere Nächsten. Wir dürfen anerkennen, dass die Situation in der wir uns befinden, jedem von uns Angst macht. Ich bin davon überzeugt, dass das auch bei denen so ist, die (jetzt noch) leugnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ganz ohne Angst aus dieser Nummer raus kommt. Wer sich keine Sorgen macht wegen der Krankheit, hat wohl spätestens jetzt Angst vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen. Ich bin auch überzeugt, dass es nichts nützt, zu diesen Menschen zu sagen „Du hast doch auch Angst“, weil sie ihre Angst (noch) nicht fühlen. Weil in unserer Gesellschaft nicht so gern wirklich offen über Gefühle gesprochen wird. Weil wir dazu erzogen werden, sie zu verbergen – in letzter Konsequenz manchmal auch vor uns selbst.

Jetzt mag die Zeit sein, das zu ändern. Jetzt mag die Zeit kommen, in der wir uns wirklich begegnen – nicht persönlich, nicht körperlich nah, aber seelisch viel näher als sonst. Manchmal ist es ja sogar einfacher, über Gefühle zu sprechen, wenn man sich dabei nicht sieht.

Und deswegen wird mein Blog auch weiter so persönlich bleiben. Und wenn wir wieder auf Veranstaltungen gehen können und mich jemand erkennt und anspricht, dann habe ich hoffentlich eine bessere Reaktion im Angebot als den Mund auf und zu zu klappen wie ein Karpfen. Vielleicht gibt es dann ein persönliches Gespräch, bei dem wir uns in die Augen schauen, uns darüber unterhalten, wie wir uns fühlen – egal, ob wir ähnlich fühlen oder komplett verschieden – und am Ende umarmen wir uns und wissen: wir sind miteinander verbunden, so unterschiedlich wir auch sein mögen.

Früher haben wir uns verabschiedet mit Worten wie „mach‘s gut“ „bis bald“ und „tschüß“. Heute kennen wir nur noch einen Abschiedsgruß:

Bleibt gesund!

Aus dem Tagebuch das Duncan Dhu 6

Neee, mein Mädchen, das will ich nicht erzählen

Warum nicht?

Was sollen denn die Menschen von mir denken?!

Na, dass Du ein Schlingel bist. Ist ja auch so.

Ein was?

Ein Frechdachs. Ein Lump!

Ich bin Ritter!!

Der Ritter meines Herzens. Und ein Lump!

Aber das muss ja nicht jeder wissen oder? Dass ich ein Lump bin meine ich.

Muss nicht aber ich glaube sie würden es lustig finden.

Du willst dass die Menschen über mich lachen?

Du hast selbst gesagt, lachen ist wichtig, gerade jetzt!

Hm ja schon aber nicht über mich oder?

Warum nicht? Ich lach doch auch über dich.

Das ist was anderes.

Ja?

Ja, du hast mich lieb, das weiß ich, auch wenn Du lachst.

Ach Ritterchen, die Menschen da draußen haben Dich auch lieb! Wer würde Dich nicht lieb haben?!

Meinst Du?

Ganz sicher. Die finden Dich toll!

Aber würden die mich auch noch toll finden wenn sie wüssten, was ich manchmal so anstelle?

Dann erst recht! Die meisten trauen sich ja so was nur selbst nicht, würden das aber auch gern mal machen. Und dann freuen sie sich wenn jemand wie du sich so was traut.

Ich muss darüber nachdenken. Hast Du ein Foto davon?

Ich glaube nicht, aber ich schau mal nach. Du könntest es ja nochmal machen und ich mache dann schnell ein Foto.

Hab nachgeschaut, habe davon kein Foto. Du warst zu schnell mit deiner Dreistigkeit.

Gut, dann bleibt es unser Geheimnis, ja?

Ach Ritterchen, bitte…

Nein, Datenschutz ist Datenschutz! Du darfst hier nichts schreiben, was ich nicht abgesegnet habe! Zeig den Leuten doch stattdessen ein paar schöne Spiel-Bilder von mir!

Tja, Ihr Lieben, was soll ich machen? Er will es nun mal nicht erzählen und wenn ich es nun trotzdem schreibe ist er mir bestimmt böse. Ich sage mal so: Als ich klein war, habe ich manchmal meinem Vater, wenn er Sonntagsnachmittags auf dem Sofa lag, die Augenlider hochgezogen um zu schauen ob er schläft. Und mein kleiner Ritter steht mir da in nichts nach….

Och Mädchen, das ist aber doch auch so langweilig wenn die da herumliegen und pennen. Und ich konnte mir die Gelegenheit einfach nicht entgehen lassen!

War aber nicht nett, das weißt du schon oder?

Hmmmmm deswegen will ich ja nicht dass du es erzählst.

Aber wiederholt hast du es nachher trotzdem.

Naja neee, einmal Diego und einmal Gatsby.

Das sind nur die Fälle die ich gesehen habe. Du machst das doch bestimmt dauernd, erzähl mir nix.

Gar nicht. Manchmal schlafe ich ja auch selbst.

Du schläfst, wenn die anderen auf dich aufpassen. Und wenn die dann schlafen, fängst du an sie zu nerven!

Mädchen! Jetzt hast du es ja doch erzählt!

Naja, nur so halb, oder?

Untersteh dich!

Was machst du wenn ich es erzähle?

Dann bin ich böse mit dir!

Hm, das kann ich nicht riskieren.

Du hast Angst vor mir?

Nein, ich will nur dass du mich magst und nicht böse mit mir bist.

Das will ich auch von dir. Magst du mich lieber wenn ich es erzähle?

Nein mein Ritter ich mag dich immer gleich gern

Aber du willst dass ich es erzähle?

Für die Menschen da draußen.

Na gut. Liebe Menschen, das war so: Erst habe ich Merlin gefragt ob er mit mir spielt. Der hat nein gesagt. Dann habe ich Diego gefragt. Der hat aber auch nein gesagt. Und Caruso auch. Und der Gatsby lag auf der Seite in der Sonne und hat geschlafen. Und mir war das viel zu langweilig! Da bin ich ganz schnell hingetrabt und hab ihn ins Bein gekniffen. Mann hat der sich erschreckt! Er hat sich schnell auf den Bauch gedreht und wollte gerade aufstehen, als er gemerkt hat, dass ich das nur war. Und dann lag er da und hat ganz durcheinander ausgesehen. Das war soooooo lustig! Ich hätte ihn ja noch weiter geärgert, aber da hat Merlin gesagt: ok wenn es Dir so langweilig ist, komm halt her ich spiele mit Dir. Ich glaube Merlin hatte Mitleid mit Gatsby. Und Gatsby war so müde, der hat noch nicht mal mit mir geschimpft, nur so verschlafen geguckt. Ganz unfrisiert sah der aus, so wie ihr morgens beim Aufstehen.

So, Mädchen, zufrieden? Hab alles wahrheitsgemäß erzählt.

Schön, mein Ritter. Und jetzt wirst du sehen: die Menschen finden dich noch toller als vorher. Weil du so ein lustiger Schlingel bist!