Erinnert Ihr Euch noch als ich den allerersten Artikel selbst geschrieben habe?
Diego der Große hat ja zu mir gesagt, ich soll mein Langhaar in Ordnung halten. Das ist wichtig, weil die Menschen schönes Langhaar lieben und sehr viel freundlicher und großzügiger werden wenn man gut aussieht. Er hat gesagt, wenn ich nicht genug gebürstet werde, soll ich ein paar Kletten in Mähne und Schweif verteilen, das würde garantiert zu einer längeren Bürst- und Pflegesitzung führen. Bisher hatte ich ja nie das entsprechende gefunden, ein paar Blätter in meinem Schweif konnten mein Mädchen nicht animieren. Aber jetzt! Jetzt habe ich die Kletten gefunden. Und gleich genutzt. Und siehe da: mein Mädchen hat sich wirklich darum gekümmert! Und ich war sehr geduldig, habe gar nicht gemeckert – weder über das komisch riechende Spray noch darüber dass sie meinen Schopf gebürstet hat. Habe auch viele Kekse fürs Stillhalten bekommen. Und jetzt ist alles wieder schön. Also: ein Erfolg auf ganzer Linie! Muss wiederholt werden.
Mein Mädchen sagt, wenn Eure Frisöre nicht bald wieder auf machen dürfen, braucht Ihr auch alle dieses Spray, weil Eure Haare dann ganz zerzaust sind. Ich habe noch genug davon, könnt Ihr gerne haben. Riecht komisch. Vielleicht solltet Ihr eine Maske bei der Verwendung tragen.
Nur so eine Idee!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel
Ich habe ganze Arbeit geleistet
Im Schweif hatte ich auch ein paar drapiert
Mein Mädchen sagt das mit dem fotografiert werden muss ich noch üben. Still stehen ist halt soooo langweilig!
Gestern waren wir wieder so schön spazieren. Mit meinem Spaziergehkumpel. Mein Spaziergehkumpel muss jetzt immer vor seinem Mädchen laufen beim Spazierengehen. Sie lenkt ihn von hinten und er muss ganz gut aufpassen. Beim letzten Mal war das ein bisschen chaotisch weil er immer grasen wollte und sein Mädchen wollte das nicht und dann haben sie gestritten. Voll gut für mich, weil so lange die gestritten haben ob es jetzt weiter geht oder nicht durfte ich genüsslich grasen.
Leider haben sie gestern kaum noch gestritten weil mein Spazierengehkumpel echt gut geworden ist im vorneweg gehen. Mein Mädchen sagt, bald soll ich das auch können. Pfffff, kein Problem. Ich geh eh gerne vorneweg. Und weil mein Mädchen ja immer so langsam ist, wäre es vielleicht besser sie geht hinter mir und lässt sich ziehen. Sie hat aber gesagt so richtig ziehen kann ich sie erst wenn sie sich Räder untergebaut hat und das geht erst in zwei Jahren, vorher bin ich zu klein. Mal wieder. Seufz.
Ich bin ihr immer eine Nasenlänge voraus. Nicht schwierig, sie ist so langsam…
Im Moment geht sie aber noch neben mir. Sie hat sich neue Regeln ausgedacht. Weil ich doch angeblich so eine Rennsemmel bin und immer am Strick ziehe. Das ist gelogen! Sie ist nur zu langsam, ich gehe ganz normal. Ehrlich! Sie hängt halt immer hinterher und keucht und schnauft und jammert. Mädchen sind eben so, glaube ich. Also jedenfalls hat sie sich neue Regeln ausgedacht. Einerseits ist sie echt streng geworden. Sie hat jetzt immer ein Stöckchen mit und damit wedelt sie in der Luft wenn ich sie beißen will und sie tippt mir vor die Brust wenn ich zu doll ziehe. Naja, mit Carusos Tritten kann das Getippe nicht mithalten aber ich nehme sie schon ernst. Ich glaube es wäre nicht gut, wenn ich es mir mit ihr verscherze – könnte sich negativ auf die Futterzufuhr auswirken. Apropos Futterzufuhr, das ist die gute Nachricht an den neuen Regeln. Sie hat jetzt beschlossen mir Kekse während dem Gehen zu geben. Das ist gar nicht mal so einfach wie es klingt denn sie gibt mir den Keks nur wenn ich ihn anständig nehme. Also ich muss erstens warten bis sie „Keks“ sagt sonst gibt es gar nichts. Ich habe das gestern ausgiebig probiert aber sämtliche Versuche, anders an den Keks zu kommen sind kläglich gescheitert. Also muss ich warten bis sie „Keks“ sagt. Und dann soll ich ihn im Gehen so nehmen dass sie nicht das Gefühl hat dass ich ihre ganze Hand aufessen würde. Nun ist sie da leider sehr empfindsam (ein echtes Mädchen halt) und ich muss wirklich sehr vorsichtig sein. Ich glaube ich habe eine ganz gute Lösung gefunden: ich werde ein bisschen langsamer, dann kann ich den Keks vorsichtig nehmen. Das ist anscheinend erlaubt. Dann muss ich mich wieder ganz doll zusammenreißen, neben ihr hergehen, nicht drängeln, nicht schneller gehen als sie (also nur Schneckentempo) und nicht an ihr herumfummeln. Uiuiuiuiui, ganz schön schwer. Aber ich übe. Und wenn ich es schaffe, sagt sie „Keks“ und es gibt was. Manchmal halten wir auch an zum Grasen. Aber sonst halten wir jetzt kaum noch an, sie bleibt nicht mehr dauernd stehen. Das gefällt mir besser, wir gehen das (Schnecken-)Tempo gleichmäßig durch. Sie sagt das ist auch später gut für die Distanzritte und ich kann das jetzt ruhig schon üben. Wann es wohl endlich losgeht mit den großen Abenteuern von denen sie immer redet?
Mal sehen was sie sich heute wieder einfallen lässt.
Entschuldigt bitte dass ich Euch gestern nichts geschrieben habe, liebe Menschen. Mein Mädchen war fleißig Geld verdienen (damit wir was zu Essen bekommen) und hatte abends keine Lust mehr noch aufzuschreiben was ich erlebt hatte. Ich selbst komme einfach mit der Tastatur nicht klar und brauche deswegen immer ihre Hilfe zum schreiben. Normalerweise schreibt sie auch wirklich alles auf was ich ihr diktiere, aber gestern wollte sie nicht. Sie war ziemlich kaputt und hat mir nur schnell mein Essen gebracht.
War aber nicht schlimm, denn tagsüber hat sich der Mann um uns gekümmert und den Zauberer Merlin und mich auch auf die Weide gelassen. Er war sehr zufrieden mit meinem Benehmen beim Raus- und Reinbringen. Ich war artiger als der Zauberer hat er gesagt! Der macht gerne mal etwas Quatsch wenn es ums Gras geht. Er ist dann sooooooo aufgeregt und kann sich nicht gut beherrschen.
Heute ist ein besonderer Tag: der zweite Sonntag im Monat! Und wisst Ihr was da immer passiert? Da werde ich gemessen.
Beim Messen muss ich immer ganz nah an der Wand stehen und darf mich nicht bewegen. Zum Glück gibt es viele Kekse dafür!
Nun hatte ich Euch ja neulich geschrieben dass ich so doll gewachsen bin. Und heute habe ich den Beweis erbracht. Ich bin jetzt vorne 132cm groß und hinten sogar schon 136cm! Mein Mädchen ist seeeeeehr stolz auf mich. Mindestens 10cm soll ich aber noch schaffen – vor allem vorne hat sie gesagt. Schaffe ich locker! Brauche nur etwas zu essen (ok: VIEL zu essen) und ein bisschen Zeit. Aber Ihr wisst ja: mit Geduld hat sie es nicht so. Sie hätte am liebsten dass ich morgen schon groß und erwachsen bin. Tja, so schnell geht das nicht, mein Mädchen, tut mir leid! Dafür wird das Ergebnis der Hammer, versprochen!
WR das heißt WiderristK steht für KruppeVielsagende Striche an der Stallwand!
Liebe Menschen, genießt das schöne Wetter und lasst Euch die Sonne in Eure Herzen scheinen.
Meine Ausbildung zum Ritter umfasst auch immer wieder das Training mit anderen Ponys als denen meiner Herde. Hier seht Ihr eine besonders intensive Trainingseinheit im Nahkampf mit meinem Spaziergehkumpel von nebenan. Wir haben eine Stunde so trainiert bis wir beide ordentlich verschwitzt und aus der Puste waren. Das war toll! Und ich schwöre, mein Po ist jetzt noch schöner als vorher. Soll ich Euch mal ein Foto…
Oh mein Mädchen schaut schon wieder so streng, muss aufhören!
Die beste Mutter der Welt (meine) lässt uns zu Ostern immer Naschi zukommen. Damit wir nicht vom Fleisch fallen und unsere gute Laune behalten! Dieses Jahr ist ja aber alles anders. Meine Mutter meidet (zum Glück) den Supermarkt – kein Naschi-Einkauf – und sie möchte dass wir das auch tun, also ist es mit einer Geldspende auch nicht getan, denn dann wären wir ja versucht, einen Naschi-Einkauf zu tätigen! Also wird meine Mutter kreativ. Und was fällt ihr da ein? Dass sie uns auch in der Adventszeit immer Naschi zukommen lässt und zwar vom Lebkuchen-Lieferanten!
Was tut meine Mutter also? Sie lässt uns Lebkuchen zu Ostern liefern! Was für ein Glück dass ich sowieso immer diejenige bin, die das ganze Jahr über Lebkuchen essen könnte (ja ich bin auch die, die im September die ersten Lebkuchen aus den Supermarkt-Regalen mitnimmt – nur falls Ihr mal wissen wolltet wer die dann schon kauft!). Und was für ein doppeltes Glück, dass der Lebkuchen-Lieferant anscheinend meiner Meinung ist: Lebkuchen geht immer! Und also sogar liefert.
Lecker Lebkuchen zu Ostern!
Und Ihr wisst: für mich hat alles immer etwas mit Pferden zu tun – sogar das. Pferdeausbildung funktioniert nämlich genau so. Man nehme eine Situation in der das Pferd nicht weiß was zu tun ist (wie meine Mutter: das bisherige Konzept zu Ostern funktioniert dieses Jahr nicht). Nun wird dieses Pferd Verhaltensweisen ausprobieren (sagen wir mal: wenn es ein gut ausgebildetes Pferd ist, das weiß, dass es sich lohnt, Verhaltensweisen auszuprobieren und das keine Angst hat, dabei Fehler zu machen). Im Gegensatz zu meiner Mutter, die Verhaltensweisen lediglich im Kopf als Szenario durchspielt und dann die beste aussucht, wird das Pferd ganz real dieses oder jenes Verhalten zeigen um zu sehen wie wir darauf reagieren. Im NLP nennt sich dieses Verfahren „Test-Operate-Test-Exit“ also feststellen was das Problem ist, eine Handlungsweise probieren, Nachtesten ob das Problem jetzt gelöst ist. Wenn das Problem nicht gelöst ist, eine andere Handlungsweise probieren, wieder Nachtesten etc so lange bis das Problem gelöst ist. Ich erkläre Euch das an einem Beispiel. Ich rufe Duncan. Er weiß: ich habe einen Keks für ihn. (test: er stellt fest, dass er den Keks haben will) Aber er weiß noch nicht genau, wie er sich verhalten soll, wenn ich ihn rufe. Er bleibt stehen und schaut betont weg. (Operate: kriegt er so den Keks? ) Ich rufe ihn wieder (Test: er stellt fest, dass er den Keks nicht bekommen hat). Er kommt ein Stück auf mich zu (Operate: vielleicht bekommt er den Keks jetzt?) aber er hält zu früh an, ist noch zu weit weg. (test: er hat den Keks noch nicht bekommen.). Er bleibt dort stehen und schaut betont weg (operate: vielleicht klappt wegschauen jetzt, wo er näher dran ist?). Er bekommt den Keks immer noch nicht (test: kein Keks). Operate: er kommt näher. Er bekommt den Keks (Exit: Problem gelöst). Er merkt sich: rufen = kommen = keks.
Genau so läuft es auch im Kopf meiner Mutter ab, nur dass keine reale Handlung erfolgt. Sie spielt Möglichkeiten durch und findet schließlich eine, die funktioniert. Nun ist es so: je länger wir leben (und meine Mutter ist einen Hauch älter als Sir Duncan) desto mehr Erfahrung sammeln wir mit diesem Prinzip. Je mehr Erfahrung wir sammeln, je mehr Probleme wir in unserem Leben schon gelöst haben, desto mehr Lösungsmöglichkeiten stehen uns zur Verfügung. Das ist etwas was ich beim Unterrichten häufig beobachte: ein guter Lehrer hat das Problem, dass sein Schüler mit seinem Pferd hat, schon öfter gesehen und verschiedene (!) Lösungsstrategien entwickelt und ausprobiert (ein schlechter Lehrer wendet einfach stumpf immer die selbe Strategie an und wenn sie nicht funktioniert macht er mehr davon). Der gute Lehrer weiß, welche Lösungsstrategien bei welchem Pferd und welchem Menschen funktioniert haben, also auch, welche häufig funktionieren und welche selten, welche bei diesem Charakter eher funktionieren oder bei jenem. Er wird dann die erfolgsversprechendste Lösung probieren. Sollte die nicht klappen, hat er aber auch noch andere Lösungen in petto und das ist das, was wir „Erfahrung“ nennen. In meiner NLP-Ausbildung habe ich gelernt, für ein Problem 10 Lösungen zu finden, mögen sie auch noch so absurd sein. Es schult unsere Kreativität, das zu tun und wir werden flexibler in unseren Strategien. Ich lade Euch ein, das auch öfter mal zu tun, es macht Spaß und ist gut fürs Gehirn! Sir Duncan jedoch mit seinem kleinen Erfahrungshorizont hat noch gar keine 10 Lösungsmöglichkeiten parat. Er wird also zunächst immer die zwei oder drei Dinge ausprobieren die er kennt. Am Anfang kannte er nur eine Lösung um an Futter zu kommen: rückwärts gehen. Dann haben wir die zweite Lösung erarbeitet: stehenbleiben (daraus hat er „stehenbleiben und wegschauen“ gemacht, weil ich das wegschauen unbewusst mit belohnt habe). Jetzt erlernt er eine dritte Möglichkeit: zu mir kommen. Und dann fängt es an interessant zu werden, denn zu mir kommen beinhaltet letztlich dann auch, rechtzeitig stehenzubleiben. Ich möchte ja nicht umgerannt und auch nicht überholt werden. Er soll kommen und in gutem Abstand vor mir stehenbleiben. Durch sein test-operate-test-exit-Verfahren kann er jetzt herausfinden, was ein guter Abstand ist. Dann wird er weiter Details erproben: wie schnell soll ich kommen, wann soll ich NICHT kommen bzw wann lohnt sich kommen nicht, mit welchem Gesichtsausdruck soll ich kommen etc. Das interessante für mich ist, dass Pferde – wenn sie gut ausgebildet wurden – dieses Vorgehen von allein anwenden. Sie werden stets neue Verhaltensweisen ausprobieren und immer noch versuchen, Dinge zu verbessern. Menschen hingegen tun das nicht immer. Menschen sagen oft zu mir „das kann ich nicht“ und sind geneigt, dann aufzuhören, es zu probieren. Häufig bin ich diejenige, die dann in der Mitte vom Reitplatz steht und sagt „probiere es nochmal“ oder „probiere etwas anderes“. Und dann denke ich an meine Mutter. Meine Mutter war oft sauer wenn ich gesagt habe „ich kann das nicht“. Ich war dann auch sauer, denn ich wollte Hilfe und sie hat sie mir verwehrt, weil sie fand, ich könnte es doch nochmal probieren oder mir eine andere Lösung überlegen. Ein schmaler Grat – wann helfen wir, wann lassen wir unser Pferd „auflaufen“ und selbst probieren? Auch bei Schülern: wie oft lasse ich meinen Schüler das probieren bevor ich eingreife? Heute neige ich dazu, Schüler und Pferde viel probieren zu lassen. Aber manchmal begegnen mir Pferde oder Menschen, die viel Unterstützung brauchen, die noch wenig eigene Lösungsstrategien haben. Deren Erfahrungshorizont so klein ist wie der von Klein-Duncan. Dann muss ich helfen. Lösungen vorschlagen, Aufgaben vereinfachen. Manchmal staunen meine Schüler über die kreativen Ideen die ich habe. Manchmal staune ich, dass sie Ideen kreativ finden, die ich ganz offensichtlich fand. Manchmal haben aber auch meine Schüler die kreativen Ideen und ich kann etwas von ihnen lernen.
Sir Duncan fördere ich bewusst darin, es selbst zu probieren. Und schon jetzt – viel früher als ich es bei Finlay getan habe – arbeite ich mit ihm daran, dass nicht immer alles gleich ist. Die Lösung für Futter ist nicht immer stehenbleiben. Und nicht immer rückwärts gehen. Sondern situationsabhängig auch mal herkommen. Und er fängt an zu merken, dass die Gleichung manchmal ein paar Unbekannte enthält und das Ausprobieren erlaubt ist und zum Ziel führt. Dann holt er sein Klemmbrett raus und macht sich Notizen. Und ich denke an meine Mutter und an Lebkuchen zu Ostern und daran wie wichtig es ist, dass wir uns darin üben, Lösungsmöglichkeiten zu finden: möglichst 10 Stück für ein Problem, mögen sie noch so absurd sein. Und dass wir unserem Pferd erlauben, auch mal absurde Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren, kreativ zu sein und auszuprobieren.
Und jetzt, Ihr Lieben, wünsche ich Euch schöne Ostern. Ich werde dieses Wochenende nicht nur Ostereier essen sondern auch lecker Lebkuchen.
Nachdem ich ja so viel gewachsen bin, bin ich jetzt nicht nur stark, sondern auch groß. Und Hengst. Und ich habe beschlossen dass ich mir jetzt einfach nicht mehr alles vorschreiben lasse! Mir reicht‘s! Mein Mädchen redet mir ständig rein wenn wir spazieren gehen. Ist ja ok, ich kann mal stehenbleiben und auf sie warten. Aber dann dieses Gebummel! Hopp hopp, Galopp meine Liebe! Nicht so lahmarschig! Und hör auf mich immer zu gängeln, ich glaube es ja wohl nicht! Ich bin ein GROSSER STARKER HENGST!
Und wenn Kopfschütteln und Huf aufstampfen nicht reicht werde ich demnächst zu anderen Mitteln greifen!!
Und ich habe auch keine Lust mehr, mich immer an Deine Essensregeln zu halten! Ich will einfach sofort an mein Futter, was soll denn das, das wir immer erst vom Tor weggehen müssen!
Wie es gibt sonst nichts? Wieso sitzt sie eigentlich immer am längeren Hebel? Und wieso genau regt sie sich so wenig auf wenn ich am Strick herumtanze? Ich gebe mir wirklich große Mühe ihr zu zeigen was für ein prächtiger Hengst ich bin und sie ist völlig unbeeindruckt? Mädchen, merk mal was! Ich bin der Schönste hier! Und ich lasse mir von Dir nichts sagen! Ihr Menschen wollt immer alles bestimmen aber JETZT IST SCHLUSS DAMIT!
Meine Herde sieht das anders, aber wenigstens einer hier ist meiner Meinung. Mein Spaziergehkumpel, (ihr wisst schon, der nebenan wohnt) mit dem habe ich gestern das erste Mal richtig gespielt nach unserem Spaziergang. Und dabei haben wir uns unterhalten. Der findet das auch voll blöde dass die Menschen immer alles bestimmen. Meine Herdenkumpels sind da ja so weichgespült. Gehirngewaschen möchte ich fast sagen. Die machen alles was die Menschen ihnen sagen. Einfach so. Ohne Nachfragen, ohne Diskussion. Und wenn ich protestiere sagen sie, sie haben gute Erfahrungen damit gemacht. Weicheier. Die sind nur zu feige ihre Meinung zu sagen! Aber jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt ziehe ich hier ganz andere Seiten auf, Ihr werdet schon sehen!
So das musste mal gesagt werden!
Euer großer starker Sir Duncan Dhu of Nakel
P.S. Mein Mädchen sagt das wäre wohl der erste Pubertätsschub. So ein Blödsinn! ICH BIN EIN GROSSER STARKER HENGST!
Neulich bin ich gewachsen. Gefühlte 10 cm an einem Tag. Mein Mädchen sagt das stimmt nicht, aber es hat sich halt so angefühlt. Und leider war das kein gutes Gefühl. Ich war richtig mies drauf, mir hat der Rücken so weh getan und ich war ganz maulig. Mein Mädchen sagt ich wäre nicht in meiner Mitte und würde nicht in mir ruhen wie sonst. Keine Ahnung ich hatte halt einfach schlechte Laune.
Abends beim Essen wollte mein Mädchen sich neben mich stellen und einen Größenvergleich machen. Weil sie ja gesehen hat, dass ich gewachsen bin (so schnell war das, dass sie es gesehen hat – obwohl sie sonst ja nicht viel mitkriegt. Sie hört ja noch nicht mal das Gras wachsen).
Ich hab ihr gesagt sie soll mich in Ruhe lassen. Aber sie hat es nicht gehört. Dann hab ich es nochmal gesagt und nochmal. Aber sie war immer noch da, hat sich an meine Schulter gedrückt um zu sehen wie hoch mein Widerrist ist. Und da hat es mir endgültig gereicht und ich habe ihr gesagt dass ich sie beißen werde wenn sie nicht sofort damit aufhört! Sie hat sich sehr erschreckt. Tat mir ein bisschen leid, aber ich hatte es ja wirklich versucht, es nett zu sagen! Natürlich hätte ich sie nicht wirklich gebissen. Ich bin schließlich Ritter, kein Räuber. Und auch kein Raubritter.
Na und dann hat sie etwas getan was Ihr Menschen viel zu selten tut: sie hat darüber nachgedacht wie sie es besser machen kann.
Und währenddessen hat sie Rumsteh-Training gemacht.
Rumsteh-Training ist das einzige Training wo die Menschen den Fehler immer ausschließlich bei sich suchen. Wir Pferde müssen dabei gar nichts tun und nichts beachten. Sehr schön. Mein Mädchen steht dann irgendwo herum und dann stellt sie sich woanders hin und schaut wie mir das gefällt. Und wenn es mir gefällt stellt sie sich wieder woanders hin. Und dann wieder woanders.
Das hat sie an dem Tag gemacht und am nächsten Tag und am übernächsten Tag. Immer wenn ich gegessen habe mit meinem tollen Futterspielzeug. Am Anfang fand ich es immer noch blöde, wenn sie zu nah kam. Ich hab ihr das gesagt und sie hat ein bisschen darauf gehört. Nicht so richtig, sie ist nicht ganz weggegangen. Nur kurz, dann ist sie wiedergekommen und hat versucht es besser zu machen. Und jetzt finde ich es wieder ganz ok wenn sie beim Fressen neben mir steht. Gar nicht mehr schlimm. Ich mag Rumsteh-Training. Vor allem wenn ich dabei auch noch essen darf (und sie nicht). Und sie sagt, sie hat wieder etwas über mich gelernt. Und übers Rumstehen. Da seid ihr Menschen ja grundsätzlich recht schlecht drin. Aber wie gesagt: sie hat wohl irgendwas gelernt.
Vielleicht ist sie ja doch kein ganz hoffnungsloser Fall. Wie Merlin der Zauberer immer sagt: ich bin ja noch jung und habe viel Zeit sie auszubilden. Ich gelobe feierlich, mein Bestes zu geben.
Ganz ehrlich, liebe Menschen, mein Mädchen ist ja immer ein bißchen schräg drauf. Aber es gibt Tage da dreht sie einfach durch. Heute zum Beispiel.
Ok, es ist ja nett, dass sie immer den Stall für uns sauber macht. Aber dass sie uns alle trennt, dann ungeduldig wartet bis wir etwas abgeliefert haben und das ganze dann in Tüten tut – das finde ich sehr merkwürdig. Nun würde mich das ja im Grunde nicht stören – ich brauche das Zeug ja nicht mehr. Aber die Art und Weise ist doch recht unbequem. Sie stellt jeden von uns in einen extra Stallteil und zwar ohne Futter (warum auch immer) und dann kommt sie dauernd angerannt und schaut ob wir schon fertig sind. Echt jetzt? Gut Ding will eben Weile haben!
Sie sagt, das sei wichtig für meine Gesundheit. Hä? Wieso, was weg ist, ist doch weg.
Das war ein schöner, ordentlich drapierter Haufen. Bis mein Mädchen darin herum gewühlt hat.
Also sie sammelt das Zeug in Tüten und dann – haltet Euch fest – verschickt sie es auch noch mit der Post!
Ich frage mich was der Postbote sich denkt. Vor allem bei der fein-würzigen Duftnote die aus dem Päckchen zieht. Hoffentlich landet das Paket nicht direkt neben einem in dem Schokolade ist oder (noch schlimmer) Pferdefutter.
In die Post damit? Ehrlich??
Einmal war das richtig doof. Ein paar Tage nachdem sie die heiße Ware zur Post gebracht hatte, kam sie mit so einem Zeug an. Das hat sie mir ins Maul gegeben. Eklig war das, das hat so fies geklebt. Angeblich total gesund. Würmer hätte ich, hat sie gesagt. Und zwei Wochen später war sie schon wieder hinter meinem Haufen her. Kontrolle hat sie gesagt. Aber danach war sie zufrieden, wäre alles wieder gut. Uff.
Und jetzt das ganze von vorne. In ein paar Tagen weiß ich dann Bescheid: kommt sie wieder mit klebriger, widerlicher Paste oder erzählt sie mir dass alles gut ist? Ich werde berichten.
Aber ich überlege mir, ob ich weiterhin so brav abliefern sollte. Merlin der Zauberer ziert sich da immer sehr, der lässt sich nicht so leicht in die Karten schauen. Aber ich muss immer so oft. Das kommt vom Wachsen glaube ich. Viel rein, viel raus, sagt mein Mädchen. Aber bei Merlin geht auch viel rein und nur selten was raus. Hmmmmmmm ich muss mir erklären lassen wie das geht.
Nur: nützen tut es ihm auch nichts, also ist es vielleicht auch vergebene Liebesmühe. Er muss so lange einzeln stehen bis er geäppelt hat, da kennt mein Mädchen keine Gnade. Und irgendwann muss man ja nunmal!
Einzige gute Nachricht: diese ganz bekloppten Tage hat sie nur recht selten.
Vielleicht muss ich einfach damit leben. Die Hoffnung, dass sie eines Tages noch vernünftig wird, habe ich schon aufgegeben. Drückt mir die Daumen dass ich wenigstens keine Paste schlucken muss!
Hui, heute war ein großer Tag für mein Mädchen und mich!
Wir sind in trauter Zweisamkeit ein bisschen spazieren gegangen. So ganz ohne einen anderen Menschen und ohne ein anderes Pferd. Fast schon romantisch…
Allerdings waren wir irgendwie nicht die einzigen die das schöne Wetter schön fanden. Da waren heute vielleicht viele Leute bei uns unterwegs! Ganz viele von den Menschen mit zwei Rädern (mein Mädchen sagt das ist eine gute Übung für mich. Bisschen gruselig finde ich sie ja schon noch, aber nicht mehr so schlimm), zwei davon hatten auch laute Räder aber die fand ich nicht schlimm, die sind ganz langsam gefahren. Manchmal haben wir laute Zweiräder gehört auf der weiter entfernten Straße, dann haben wir beide gelauscht. Aber aus dieser Entfernung sind die ungefährlich, das weiß ich.
So ganz romantisch was es aber doch nicht, denn mein Mädchen hat wieder gemault, ich wäre so eine Rennsemmel. Och menno, was bist Du auch so langsam, Mädchen?
Zwischendurch haben wir etwas gegrast. Das stimmt nicht ganz: ich habe gegrast und sie hat aufgepasst. Wie nett von ihr! Sie schaut dann ob Menschen mit zwei Rädern kommen und warnt mich vor, damit ich mich nicht erschrecke. So kann ich mich ganz auf das leckere Gras konzentrieren. Als sie weiter wollte bin ich einfach stehengeblieben. Und siehe da: plötzlich wollte sie dass ich mich schneller bewege! Sie kann sich anscheinend nicht entscheiden was sie will. Also bin ich zügig losmarschiert und -zack- war ich ihr wieder zu schnell.
Und dann nervt sie mich, bleibt immer stehen wenn ich zu schnell laufe und wartet dass ich einen Schritt rückwärts gehe. Maaaaaaaannnn das ist furchtbar. Ich habe mit dem Kopf geschüttelt und mit dem Huf gestampft aber sie hat es trotzdem immer wieder gemacht. So ist sie: stur wie ein Maulesel. Habt Ihr da ein Mittel dagegen?
So, ich muss wieder weitermachen mit meinem Frühlingsprogramm: Fell abwerfen, in der Sonne dösen, Kumpels ärgern.
Mein Mädchen darf ja nicht unterrichten. Und wisst Ihr was? Es fehlt ihr so sehr, dass sie angefangen hat, sich selbst zu unterrichten! Das ist vielleicht lustig! Ich steh ja gern am Reitplatz und schaue zu wenn sie den Zauberer Merlin reitet oder manchmal auch Diego den Großen.
Dabei pule ich mir immer Heureste zwischen den Zähnen raus mit der kleinen abgeschnittenen Eiche die da steht und schaue ganz genau zu, was die da so treiben. Muss ja wissen wie das geht! Ich soll das auch alles können wenn ich groß bin, sagt mein Mädchen. Warum man das können soll weiß ich zwar nicht aber es scheint eine Menge Lob und Kekse dafür zu geben – könnte ein hinreichender Grund sein.
So was kann der Zauberer. Ich soll das auch mal können wenn ich groß bin. Warum weiß ich auch nicht.
Na jedenfalls hat sie jetzt angefangen, mit sich selbst zu reden. Dann sehe ich immer wie sie murmelt „atmen“ oder „linke Schulter leicht“ oder „Seifenblase“. Ooooooh das ist so witzig Ihr Lieben! Sie stellt sich auch selbst Aufgaben „Traversale im Trab“ oder „wir versuchen noch eine Piaffe zum Schluss“. Dann tut sie so als würde sie das zu Merlin sagen. Na klar. Ich weiß ganz genau mit wem sie redet, nämlich mit sich selbst!
Aber es wird noch witziger, sie unterrichtet sich sogar selbst wenn wir spazieren gehen. Dann schaut sie mich gedankenverloren an und entwickelt Strategien wie sie damit umgeht wenn ich ihr zu schnell bin und am Strick ziehe. Manchmal fragt sie auch den Mann um Rat. Manchmal nimmt der Mann sogar meinen Strick. Aber meistens unterrichtet sie sich selbst. Dann sagt sie manchmal „oh Mist, falsch belohnt“ (was für ein Quatsch, das geht doch gar nicht!). Oder sie sagt zu mir „entschuldigung da war ich zu langsam“ (bist du sowieso immer mein Mädchen).
Manchmal schüttelt sie auch plötzlich ihren Arm aus, weil der verspannt ist. Oder sie fängt an Schritte zu zählen. Dabei bekommt sie die meisten Sachen ja gar nicht mit und wenn dann viel zu spät. Sie wird noch eine Menge Unterricht brauchen – aber ob sie selbst da jetzt so die geeignete Lehrerin ist?
Sie hat mir erklärt, dass sie das immer macht, nicht nur jetzt. Sie hat so kleine Reitlehrer im Kopf, vor allem zwei bestimmte, bei denen sie am liebsten Unterricht hat. Die sitzen in ihrem Kopf und unterrichten sie. Beide gleichzeitig? Kriegen die wohl Geld dafür? Ich frage mich ja ob das so ganz legal ist was sie da macht. Und ob sie eigentlich ganz dicht ist.