Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 70

Seht nur, meine lieben Freunde und Bewunderer, meine Menschen tragen jetzt mein Konterfei auf ihrem Rücken! So gefällt mir das! Und diesen Sonntag komme ich ganz groß raus! Leider kann ich nicht persönlich anwesend sein, wenn mein Mädchen aus meinem Tagebuch vorliest. Aber sie hat versprochen, alles wahrheitsgetreu vorzutragen, so wie ich es ihr diktiert habe! Und ich kenne sie lang genug um zu wissen, dass sie ihre Versprechen hält. Sicher werden die Zuhörer ihr ganz gebannt lauschen und im Anschluss werden meine Werke großen Applaus bekommen, dessen bin ich gewiss! Und danach bin ich noch berühmter als jetzt, könnt Ihr Euch das vorstellen? Wahnsinn oder? Ich finde es toll!

Mein Mädchen ist sehr nervös. Aber ich verstehe gar nicht warum, schließlich ist es ja nicht IHR Tagebuch aus dem sie vorliest. Also wenn jemand Grund zur Nervosität hätte wäre das ja wohl ich, aber ich neige eben nicht dazu, nervös zu sein.

Nun, liebe Freunde, ich werde berichten. Wobei ich – mangels eigener Anwesenheit – natürlich nur berichten kann, was mein Mädchen mir erzählt. Hm. Oder jemand von Euch, der sie vorlesen hört, berichtet mir, das könnte etwas objektiver sein. Also bitte, alle die da sind, mögen sich bei mir melden!

Euer berühmter Sir Duncan Dhu of Nakel

Nachtrag vom Mädchen: die Lesung findet im Rahmen der Vaquero Classics statt. Diese wundervolle Veranstaltung ist für dieses Jahr schon ausgebucht, aber nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr….. https://vaquero-classics.de

Zu spät

Ich bin zu spät. Donnerstag ist Blog-Tag und ich habe nichts für Euch geschrieben. Entschuldigung! Ich habe natürlich „gute Gründe“. Urlaub und 15. Hochzeitstag, da war ich anderweitig beschäftigt. Alles nur Ausreden, denn ich hätte ja etwas vorbereiten können. Hab ich aber nicht. Und die schönste Ausrede verändert nichts daran, dass vielleicht gestern jemand hier auf der Seite war und gehofft hat, dass es einen neuen Beitrag gibt und dann enttäuscht wurde. Das blöde Gefühl der Enttäuschung löst sich nicht in Luft auf nur weil es „Gründe“ (Ausreden) gibt.

Für unsere Pferde sind wir übrigens immer zu spät. Sie haben eine ungefähr halb so lange Reaktionszeit wie wir. Bis wir Schlafmützen reagiert haben, ist für sie viel Zeit vergangen. Und das wird sich auch nicht ändern, egal wie gut wir werden. Das ist nun mal unsere Biologie, die uns da im Wege steht. Vielleicht – ich nehme es stark an – ist das eins der Dinge, die junge Pferde über uns Menschen lernen: Menschen sind langsam. Ich vergleiche das gern mit jemandem, der stottert. Ihm zuzuhören kann anstrengend werden – egal, wie gern man denjenigen hat und wie interessant das, was er zu sagen hat, sein mag: die Zeitverzögerung kann einen wahnsinnig machen. Inwieweit Pferde im Laufe ihres Lebens lernen, unsere Verhaltensweisen anders zu interpretieren, weil sie immer eine halbe Sekunde Zeit „drauf rechnen“, das weiß wohl niemand. Aber die Beobachtung junger und alter Pferde lässt mich vermuten, dass sie genau das tun. Sie gewöhnen sich daran, dass unsere Reaktion sich auf etwas bezieht, das schon lang vergangen ist. Trotzdem wirken viele Pferde regelrecht erleichtert, wenn wir unsere Reaktionen beschleunigen – es ist eben angenehmer für sie, wenn das timing stimmt.

Unsere einzige Chance, einigermaßen gute Reaktionen hinzulegen, ist Routine. Zum einen Dinge so lang zu üben bis wir wenigstens nicht mehr nachdenken müssen, bevor wir handeln, zum anderen so viel Gespür entwickeln, dass wir oft schon wissen was passieren wird bevor es passiert. Mit diesen Dingen können wir uns behelfen und für unsere Pferde etwas weniger langsam werden. Und wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich ahnen können, dass ich besser einen Blogartikel „auf Vorrat“ schreibe. Dann wäre ich jetzt nicht zu spät gewesen. Jetzt habe ich etwas gelernt.

Besonders deutlich zeigen sich Timing-Fragen im Unterricht. Ich schaue Pferd und Mensch zu. Dann sehe ich eine Möglichkeit, etwas zu verbessern. Ich erkläre dem Menschen, was er anders machen könnte. Dann versucht der Mensch, das gesagte umzusetzen. Natürlich ist inzwischen viel Zeit vergangen, in der das Pferd mehr oder weniger selbst entschieden hat, was jetzt wohl zu tun sei. Die Situation, in der meine Tipps funktioniert hätten, ist längst vorbei – für uns Menschen und fürs Pferd erst recht.

Interessanterweise hat das ganze eine Kehrseite: Pferde sind sehr langsame Wesen. Ich mag den Gesichtsausdruck, den Menschen haben, wenn ich das sage und ich stelle mir vor, dass Ihr nun auch so schaut, während Ihr das lest. Pferde sind langsame Wesen. Natürlich: sie können blitzschnell reagieren. Und schnell rennen wenn es sein muss. Aber im Alltag, wenn wir unsere Pferde beobachten, sind sie langsam. Sie gehen nicht oft schneller als Schritt. Und sie lassen sich häufig Zeit für Entscheidungen. Und hier knüpfe ich an an den Artikel von letzter Woche und Pferdetraining wird noch etwas komplizierter. Denn wenn ich nun da stehe, mit ganz leichtem Zug am Strick und warte, bis mein Pferd im Laufe einiger Minuten eine Entscheidung trifft, dann muss ich trotzdem bereit sein, flink zu reagieren, wenn das Pferd dann etwas tut. Trotz dieser Bereitschaft ist allerdings auch wichtig, dass ich entspannt bin, denn sonst übertrage ich Angespanntheit auf mein Pferd und schon habe ich die Chancen erhöht, dass mein Pferd eine schlechte Entscheidung trifft – weil es angespannt ist.

Auch hier hilft nur Üben. Und kein Lehrer der Welt kann uns dieses Üben abnehmen. Natürlich kann ich als Lehrer unterstützen, erinnern und motivieren. Aber üben muss jeder für sich. Und die Pferde üben, mit unserer Langsamkeit umzugehen, davon bin ich überzeugt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 69

Liebe Menschen,

neulich war es wieder so weit: mein Mädchen und das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel haben mir ganz viel angezogen. Das hat vielleicht gedauert! Und dann immer den Bauchgurt wieder auf und wieder zu (weil mein Bauch noch zu klein ist – dann muss ich wohl mehr zu essen bekommen, mein Mädchen!) und das Zaumzeug rauf und wieder runter und verstellen und tüdeln. Ich war gaaaaaaaaaaaanz geduldig. Gegen entsprechende Bezahlung versteht sich.

Und dann ging es los! Wir sind auf eine abgefressene Weide gegangen und mein Mädchen hat mich von hinten gelenkt. Das war aber gar nicht so einfach wie sonst – ich konnte sie nämlich nicht mehr sehen! Also musste ich ganz doll aufpassen was sie mir sagt. Zum Glück ist das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel neben mir gelaufen. Die konnte ich zwar auch nicht sehen aber ich wusste ja dass sie da ist und wenn ich nicht weiter wusste habe ich meinen Kopf gedreht und mal geschaut was die so meint. Außerdem hat sie mir immer Kekse gegeben wenn ich was richtig gemacht habe. Und ich habe ganz oft was richtig gemacht! Man mir hat vielleicht der Kopf geraucht! War richtig anstrengend. Aber beide Mädchen waren sehr zufrieden mit mir (und ich war auch zufrieden mit mir) und so haben wir nach kurzer Zeit Feierabend gemacht. Jetzt denke ich da erst mal drüber nach bevor wir es wieder probieren.

Mein Mädchen hat auch ein Video geschickt an die Dame bei der sie den Kurs besuchen wollte der ja nun ausfällt. Und die hat gesagt ich würde das fantastisch machen und ich würde sehr stolz aussehen in meinem erwachsenen Job und dass es den Eindruck macht als wäre die Arbeit mit mir ein großer Spaß. Aber hallo!

Mein Mädchen sagt, ich sehe sogar in Arbeitskleidung totschick aus – und ich muss sagen, da bin ich ganz ihrer Meinung!
Volle Konzentration!
Lauscher immer nach hinten ausrichten: was hat sie gesagt?

Demnächst wenn wir das ein bißchen geübt haben machen wir das draußen beim Spazierengehen. Genau wie mein Spaziergehkumpel. Das hab ich ja schon gesehen. Dann üben wir lenken und bremsen und ich kann mich an all die Riemen gewöhnen die überall an mir herumbaumeln (naja die stören mich nicht groß) und mein Mädchen kann Griffe üben. Das muss sie können wenn wir Kutsche fahren wollen! Leider dauert es noch ganz lang bis ich wirklich die Kutsche ziehen darf. Aber wir träumen schon mal davon, sagt mein Mädchen.

Euer träumender Sir Duncan Dhu of Nakel

Der schnellere Weg

Piep – ein Glas Paprika-Aufstrich. Piep – ein Paket Waschmittel. Piep – eine Tafel Schokolade. Und dann steh ich da: Äpfel. Ich habe es wieder getan, entgegen besseres Wissen. Ich habe mich an der Selbstbedienungs-Kasse im Supermarkt angestellt, weil mir die Schlange an der normalen Kasse zu lang war. Eigentlich gehe ich nie an diese Kasse, weil ich immer mit Bargeld bezahle und das Gerät, in dass ich die Scheine schieben muss, meine Scheine so oft nicht mag. Dann verschwinden sie ganz schnell in dem gefräßigen Schlitz, nur um noch schneller wieder raus zu kommen und ich muss sie bügeln und kneten und falten und wieder rein schieben nur damit sie wieder raus geschossen kommen und brauche 4 Anläufe pro Schein um zu bezahlen. Aber seit Corona bezahle ich – wie vom Supermarkt gewünscht – mit Karte. Und da dachte ich, ich könnte ja mal wieder selbst kassieren. Ich habe nur leider nicht bedacht, dass mein Stamm-Supermarkt das System geändert hat. Früher hat man sein Obst und Gemüse selbst abgewogen und so einen schicken Barcode-Aufkleber dafür bekommen, den man an der Selbstbedienungs-Kasse problemlos einscannen konnte. Piep! Aber jetzt wird das Obst und Gemüse an der Kasse abgewogen. Hier stehe ich nun mit meinen Äpfeln im Obstnetz. Da sehe ich eine Taste „Obst“. Fein, denke ich, und drücke drauf. Äpfel „Red Prince“ gibt es da zur Auswahl. Nun hätte ich ja gern meinen Lieblingsapfel gekauft, aber „Red Prince“ war heute leider nicht zu haben. Naja, aber ich weiß, dass alle Äpfel früher auch die gleiche Nummer hatten. Also drücke ich auf die Taste. Und dann steht da „Stückzahl“. Hä? Werden Äpfel nicht nach Gewicht verkauft? Inzwischen ist die Schlange an der normalen Kasse – die Schlange, die mir zu lang war um zu warten – ein beträchtliches Stück weiter gerückt. Ich hole mir Hilfe, frage die Dame, die das Selbstkassieren überwacht. Sie erklärt mir, dass ich nicht auf die „Obst“-Taste hätte drücken müssen sondern auf  „Gewichtsartikel“. Diese Taste war mir entgegangen. Na gut, wieder was gelernt. Für die Bananen weiß ich ja jetzt Bescheid. Nur dass es da dann keine Bio-Bananen in der Liste gibt. Nun denn. Schließlich, als ich alles gescannt habe, muss ich mir eingestehen, dass ich an der anderen Kasse nicht nur schneller, sondern auch viel stressfreier fertig gewesen wäre. Und woran denke ich bei solchen Gelegenheiten? Richtig: an Ponys. Und Menschen. Denn was mich verleitet hat, an die Selbstbedienungskasse zu gehen war das selbe Problem warum so viele Menschen lieber aussichtlos hampeln, schnalzen, reden und locken, wenn ihr Pferd nicht in den Anhänger gehen möchte, anstatt einfach mal zu warten. Warten ist nämlich gar nicht einfach, vor allem nicht, wenn man nichts tun darf in der Wartezeit. Wir mit unseren Smartphones, die ständig aus der Tasche kommen um auch noch die allerkleinste Wartezeit zu überbrücken, wir halten es nicht aus, da zu stehen und zu warten. Und im Hier und Jetzt zu bleiben, unsere freundliche Anfrage aufrecht zu halten bis wir eine Antwort bekommen. Wir wollen viel lieber etwas tun. Es ist nur so: meistens dauert es dann länger und ist stressiger. Nächstes Mal werde ich mich wieder daran erinnern und lieber an der normalen Kasse warten. Und ein paar freundliche Worte mit der Kassiererin austauschen, wenn ich dann dran bin. Und vielleicht wird diese Geschichte eine von denen, die ich meinen Schülern erzähle, wenn sie mit ihrem Pferd am Anhänger stehen – um ihnen die Wartezeit zu erleichtern und den Stress raus zu nehmen. Denn ganz oft kommt das Pferd gerade dann einen Schritt nach vorne, wenn meine Schüler mir zuhören und für einen Moment vergessen, dass sie jetzt unbedingt wollen dass etwas passiert. Das ist die Magie der Pferde…

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 68

Geburtstaaaaaaaaaaaaaaag!

Jetzt bin ich 2 Jahre alt! Jawoll!

Wie gestern versprochen bekommt Ihr ein paar lustige Fotos von mir und von meiner tollen Geburtstagsparty.

Ich hatte mir extra eine pflegende Maske auf den Rücken aufgetragen
Deswegen musste mein Mädchen mich vor der Party noch bürsten
Der Mann hat mir sogar die Hufe poliert!

Wir haben ein paar lustige Outfits probiert aber letztendlich waren wir uns einig dass ich in natura am schönsten bin!
Die Menschen hatten den Partytisch schon liebevoll gedeckt
Ponyparadies! Geburtstag haben ist toll!
Nach und nach sind meine Freunde eingetrudelt
Wir haben es uns gemeinsam schmecken lassen

Tja, jetzt muss ich bis nächstes Jahr warten bis ich wieder Geburtstag habe. Aber dafür werde ich dann schon 3 Jahre alt! Kann es kaum erwarten!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 67

Liebe Menschen,

morgen ist der große Tag! Morgen ist mein Geburtstag und ich werde 2 Jahre alt! Dann bin ich schon fast erwachsen, glaube ich. (Naja, mein Ritterchen, ein bisschen dauert das schon noch….) Aber nicht mehr so lang!

Mein Mädchen hat gesagt, wenn man Geburtstag hat, darf man sich was wünschen. Ich habe laaaaaaaange überlegt. Dann habe ich mir gewünscht, dass sie mich immer lieb hat. Da hat sie gesagt, das tut sie sowieso. Ok. Dann hab ich mir gewünscht dass wir ganz viele Abenteuer zusammen erleben. Sie hat versprochen, so viele Abenteuer mit mir zu erleben wie es nur irgendwie geht (ab und zu muss sie auch arbeiten – damit sie uns Futter kaufen kann. Auch wichtig).

Und außerdem wünsche ich mir, dass es allen Pferden gut geht! Es gibt nämlich Pferde, denen es wirklich schlecht geht. Die nicht genug zu essen haben und ganz viel arbeiten müssen. Nicht, weil ihre Menschen sie nicht lieb hätten, sondern weil ihre Menschen ganz arm sind und ohne die Hilfe der Pferde verhungern müssten. Diese Menschen können auch den Hufschmied und den Tierarzt oft nicht bezahlen so dass meine armen Pferdekumpels hungrig, mit schlechten Hufen und manchmal sogar noch krank ganz hart arbeiten müssen. Zum Glück gibt es Menschen, die diesen Pferden und ihren Besitzern helfen. Und jetzt kommt mein Geburtstag ins Spiel denn Ihr alle könnt mir ein großes Geschenk machen!

Ihr könnt Eure Futtertaschen (Portmonees) aufmachen und mal schauen ob Ihr nicht eine Kleinigkeit übrig habt. Und dann geht Ihr an den Computer und schaut mal hier www.equiwent.org und spendet ein bisschen was für meine armen Pferdekollegen. Und dann teilt Ihr diesen Beitrag und erzählt Euren Freunden auch noch was ich mir wünsche, damit die auch was spenden, ja?

Zum Dank schicke ich Euch morgen lustige Fotos, versprochen!

Euer wünschender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 66

Liebe Menschen, ich habe mal wieder eine interessante Entdeckung gemacht (ich bin Forscher, Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/04/17/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-24/ ). Mir ist aufgefallen, dass Merlin, Diego und auch mein Schottenkollege Gatsby auffallend viele Geräusche machen, wenn sie mit den Menschen kommunzieren. Normalerweise sind wir Ponys ja eher stille Gesellen und unterhalten uns über Körpersprache aber Ihr Menschen sabbelt ja immerzu. Und anscheinend haben die großen Ponys sich dem angepasst. Also hab ich das heute auch mal ausprobiert. Als mein Mädchen mich gerufen hat, hab ich mich doll gefreut, weil ich gleich wusste, dass wir endlich mal wieder einen vernünftigen Ausflug machen. Dieser Freude habe ich dann mal stimmlich Ausdruck verliehen und sie freundlich angewiehert bevor ich losgegangen bin um zu ihr zu kommen. Ach, was hat sie sich süß gefreut! Ist völlig ausgeflippt und hatte schon wieder Herzchen in den Augen. Muss ich mir merken – eine sehr einfache Art sie glücklich zu machen. Und ich mache sie nun mal gerne glücklich. Bin schließlich Gentleman.

Euer ritterlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Charakterfragen

Immer wenn ich erzähle, dass ich jetzt das zweite Highlandpony habe und der Rasse total verfallen bin, kommt die unvermeidliche Frage „wie sind die denn so, die Highlandponys?“

Tja, wie sind die so? Wie sind denn „die Warmblüter“, „die Haflinger“ und „die Shetlandponys“?

Ich kann ja mal ein paar Klischees und Vorurteile raushauen. Ihr dürft mir gern widersprechen. Das was ich jetzt schreibe spiegelt lediglich meine persönliche Meinung und Erfahrung wieder und Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Meistens, so finde ich, macht es Sinn, sich zu fragen, wofür eine bestimmte Rasse ursprünglich gezüchtet wurde. Das Warmblutpferd zum Beispiel ist – in meinen Augen – ein Soldat. Das hören manche Menschen nicht so gern und ich kann das verstehen, meine es aber gar nicht wertend. Ich schaue nur zurück und sehe die Warmblüter in großen Gruppen in der Kavallerie losziehen. Und später dann sind sie Sport- und Turnierpferde geworden und das ist irgendwie nicht so weit weg davon, denn beides sind auf eine Art Befehlsempfänger. Viele Pony-Besitzer mit denen ich spreche stimmen mit mir darin überein dass die absurden Dinge, die man mit Warmblütern im Sport (leider immer noch) tut, mit Ponys gar nicht möglich wären – weil sie sich das nicht gefallen lassen würden. Warmblüter scheinen – im Durchschnitt – viel schneller bereit zu sein, sich unterzuordnen und für den Menschen auch über ihre Grenzen zu gehen als zum Beispiel der Durchschnitts-Norweger.

Wenn ich dann wiederum Kaltblütern begegne, so empfinde ich genau umgekehrt. Viele Rassen, die für die schweren Arbeiten genutzt wurden (und teilweise werden) sind selbständiger, gerade Holzrückepferde tragen große Verantwortung und müssen auch viel selbst schauen (und dennoch aufs leisteste Wort genau horchen – eine unglaubliche Kombination wie ich finde). Kaltblüter empfinde ich oft als „Männerpferde“ (vorsicht Klischee) weil sie nicht so gern betüddelt, gekuschelt und begöscht werden. Sie wollen oft einfach nur wissen, was der Job ist und dann geht das los. Gibt man ihnen freundliche aber sachliche Anweisungen, sind sie wunderbar zufrieden.

Und das Highlandpony? Das Highlandpony wurde vor allem genutzt um geschossene Hirsche den Berg herunter zu tragen. Das ist eine der ursprünglichsten Aufgaben die diese Ponys so haben – manche machen diesen Job noch heute. Und dann überlege ich, was es dafür braucht. Mut, gute Trittsicherheit, Stärke (denn Hirsche sind nun mal keine Elfen). So wie ich es gelesen habe, verlassen die Menschen sich darauf, dass das Pony in den schwierigen Bedingungen der Highlands den besten Weg findet.  Viele Highlandponybesitzer berichten, dass ihre Ponys all das gern tun was man draußen tut. Auf dem Reitplatz hingegen stellen sie gern mal die Sinnfrage und wollen – je nach individueller Ausprägung – überzeugt werden oder machen einfach gar nicht mit.

Und dann denke ich ja immer: die Menschen haben schon immer Pferde gezüchtet die ihnen gefallen haben, optisch und charakterlich.  Ich bin noch keinem Schotten persönlich begegnet, aber es gibt ja so gewisse Vorurteile über sie – wie über jedes Volk. Grundsätzlich finde ich, die „native breeds“ also alle britischen Pferderassen sind oft das, was ich als „typische Ponys“ empfinde. Selbstbewusst, sehr dem Menschen zugewandt aber nicht so sehr mit dem ausgestattet was man „will to please“ nennt, den unbedingten Willen zu gefallen. Sie wollen doch gern auch  ein Wörtchen mitreden und sie sind nicht zu allem bereit, sondern entscheiden generell gern mal selbst, was und wen sie mögen oder nicht mögen. Das macht sie oft etwas schwieriger auszubilden als andere Pferde und gleichzeitig sind sie, wenn man sie einmal von sich überzeugt hat, bereit, sich sehr auf ihren Menschen einzulassen und mit ihm zusammenzuarbeiten und durch dick und dünn zu gehen. Aber da liegt eben der Schlüssel: in der Zusammenarbeit. Es ist viel öfter eine Beziehung auf Augenhöhe, weil diese Ponys das viel mehr einfordern, als andere Rassen.

Und ich vermute, dass das eben auch im Naturell jener Menschen begründet liegt, die die Rassen ursprünglich gezüchtet haben, während andere Völker andere Rassen gezüchtet haben (und zu anderen Zwecken.) Obwohl ich es nicht mit Sicherheit weiß, stelle ich mir das Highlandpony als Partner in allen Lebenslagen vor, was auch immer gerade ansteht. Sie können ja wohl kaum nur zur Jagdsaison gearbeitet haben, sicherlich haben sie bei den schottischen Bauern früher auch jede andere Arbeit gemacht. Und so sind sie heute als vielseitige Rasse bekannt, sie sind keine Spezialisten für eine bestimmte Sportart.

Schaue ich nun meine beiden Highlandponys an, so sehe ich große Unterschiede schon innerhalb dieser Rasse. Finlay zum Beispiel hat gern Probleme selbst gelöst. Er konnte – als einziges unserer Ponys – Äpfel aus der Tränke herausfischen. Er hat einfach so lange verschiedene Taktiken ausprobiert, bis er wusste, wie das geht. Duncan hingehen – obwohl er genauso auf Futter versessen ist wie Finlay es war – geht das Thema anders an: er sucht sich Hilfe. Als neulich die Möhren auf dem Grund der Tränke lagen hat er sich zielsicher jene Person geschnappt, die ihm am ehesten helfen würde – und sie hat geholfen. Es lief dabei etwas mehr nach seinen Regeln als nach ihren, aber insgesamt fand sich ein guter Kompromiss. Finlay hingegen war nicht für Kompromisse zu haben. Ihn auszubilden war eine große Herausforderung für mich, denn bei ihm galt der alte Spruch „du musst Deine Idee zur Idee des Pferdes machen“. Sonst lief da nichts. Finlay war nie ratlos, der wusste sich immer zu helfen und hatte dabei manch schräge Idee auf Lager. Duncan hingegen ist schnell mal ein bisschen verzweifelt, wenn er nicht genau versteht, was er tun soll. Dann kommt der Vorderfuß hoch und wedelt in der Luft und ich weiß inzwischen, dass ich ihm dann helfen soll. Er weiß nicht, was zu tun ist und er ist nicht der Typ, der sich dann etwas ausdenkt. Jetzt, wo sein Repertoire an Verhaltensweisen langsam größer wird, bietet er dann gern alles an, was jemals zum Erfolg geführt hat, in relativ schneller Folge und mit großem Enthusiasmus. Auch das wäre Finlay nie passiert. Wenn ich das, was er im Angebot hatte, blöd fand, na dann eben nicht. Dann stand er eher da, schaute mich an und schien zu sagen „wer nicht will der hat schon“.

Wie sind sie nun also „die Highlandponys“? Unterschiedlich. Aber was zumindest meinen beiden Ponys gemein ist (und wonach ich gezielt gesucht habe) ist ihr Selbstbewusstsein. Auf seine Art ist Duncan genauso überzeugt von sich wie Finlay es immer war. Und in genau dieser selbstbewussten Art hat er mir nun eben auch gezeigt: Möhren ins Wasser zu werfen ist eine ganz und gar bescheuerte Idee und Probleme die ICH geschaffen habe, habe ICH auch zu lösen (oder ein anderer Mensch). Seine Sache ist das nicht.  Und ich habe wieder etwas über ihn gelernt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 65

Neulich war mein Fanclub zu Besuch. Ok, ein kleiner Teil meines Fanclubs. Die eine war besonders nett. Die hat uns Möhren mitgebracht! Aber dann hat sie erzählt dass ihr Pferd nach den Möhren taucht. Und da hat mein Mädchen die Möhren in die Tränke geworfen um zu sehen ob ich auch danach tauche. Mein großer Bruder hat das wohl gern gemacht. Tja, wir hatten ja aber schon festgestellt dass ich kein Seepferdchen bin. Nun meinte mein Mädchen, das sei so eine Art Intelligenztest, ob ich herausfinde, wie ich die Möhren da raus kriege. Ja mein Mädchen, ich bin intelligent genug um zu verstehen dass das Pony-Verarsche erster Güte ist! Und ich wusste auch genau, wer dafür verantwortlich ist – nämlich die Dame die von ihrem Tauch-Pferd erzählt hatte. Also hab ich sie mir geschnappt und ihr gesagt dass sie mir jetzt zügig die Möhren da aus dem Wasser angeln soll! Hat so halb geklappt. Aus irgendeinem Grund wollte sie unbedingt, dass ich auch tauche. Aber ich konnte schlimmeres verhindern und sie überreden, die Möhren wenigstens so hoch zu halten dass ich nur mit den Lippen unter Wasser muss. Tssss… Ihr Menschen habt wirklich merkwürdige Ideen.

Du bist schuld dass die Möhren da drin liegen also holst du sie auch wieder raus!

Nachher hab ich dem Fanclub noch was vorgewippt. Da fanden sie mich natürlich alle toll und haben auch applaudiert. Bisschen nervös war ich schon weil die alle zugeschaut haben. Schön aussehen kann ich ja schon perfekt aber beim Wippen komme ich manchmal noch durcheinander. Aber mein Mädchen hat gesagt es ist gar nicht schlimm und ich würde ja schließlich auch beim Wippen schön aussehen – na das stimmt nun auch wieder! Und ich müsste lernen mich zu konzentrieren wenn Leute zuschauen weil wir ja auch mal auf Kurs fahren wollen. Aber, mein liebes Mädchen, da kenne ich noch eine die das noch üben muss! Sie war nämlich auch nicht so konzentriert bei der Sache wie sonst.

Jedenfalls hoffe ich jetzt dass mich bald noch mehr Fans besuchen kommen. Wegen der Möhren. Aber bitte nicht in die Tränke werfen! Das ist doch nun wirklich Quatsch.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 64

Ui war das heiß die letzten Tage. Aber mein Mädchen sagt, es wird ab morgen wieder kühler. Das sagt ihr der Computer. Der Typ weiß irgendwie alles! Ich hoffe es stimmt, denn wir waren schon ewig nicht mehr spazieren, mein Mädchen und ich. Es ist ihr zu warm, sie mag lieber unterm Baum sitzen. Wenn wir was zusammen machen, haben wir uns aufs Wippen beschränkt (schön im Schatten, ist aber trotzdem warm) oder wir haben mit Wasser gespielt. Ich war ja erst nicht so überzeugt als sie mit dem Schlauch kam. Fand ich ein bisschen gruselig. Aber sie hat mir gezeigt wie das Wasser sich bewegt und nach und nach hab ich mich dran gewöhnt dass es mich nass macht. Na gut. Ein Fan werde ich nicht. Ein schöner Regenschauer ist mir dann doch lieber. Aber wenn man so richtig warm ist, dann ist so eine kühle Dusche nicht schlecht. Und dann hat sie den Rasensprenger aufgestellt. Da sind wir immer unter dem Schauer drunter her gelaufen. Mein Mädchen hat gequietscht und gekreischt wenn das kalte Wasser sie getroffen hat und ist rumgehüpft. Ich hab nur zugesehen dass es nicht in meine Augen und Ohren kommt, ansonsten war es mir eigentlich einerlei. Mein Mädchen sagt, ich bin anscheinend kein Seepferdchen. Nö, Mädchen, ich bin Ritter.

Naja… muss nicht sein.
Nein ich bin kein Seepferdchen. Aber natürlich ein tapferer Ritter.

Ich hoffe ihr habt Euch kühl gehalten, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel