Zu spät

Ich bin zu spät. Donnerstag ist Blog-Tag und ich habe nichts für Euch geschrieben. Entschuldigung! Ich habe natürlich „gute Gründe“. Urlaub und 15. Hochzeitstag, da war ich anderweitig beschäftigt. Alles nur Ausreden, denn ich hätte ja etwas vorbereiten können. Hab ich aber nicht. Und die schönste Ausrede verändert nichts daran, dass vielleicht gestern jemand hier auf der Seite war und gehofft hat, dass es einen neuen Beitrag gibt und dann enttäuscht wurde. Das blöde Gefühl der Enttäuschung löst sich nicht in Luft auf nur weil es „Gründe“ (Ausreden) gibt.

Für unsere Pferde sind wir übrigens immer zu spät. Sie haben eine ungefähr halb so lange Reaktionszeit wie wir. Bis wir Schlafmützen reagiert haben, ist für sie viel Zeit vergangen. Und das wird sich auch nicht ändern, egal wie gut wir werden. Das ist nun mal unsere Biologie, die uns da im Wege steht. Vielleicht – ich nehme es stark an – ist das eins der Dinge, die junge Pferde über uns Menschen lernen: Menschen sind langsam. Ich vergleiche das gern mit jemandem, der stottert. Ihm zuzuhören kann anstrengend werden – egal, wie gern man denjenigen hat und wie interessant das, was er zu sagen hat, sein mag: die Zeitverzögerung kann einen wahnsinnig machen. Inwieweit Pferde im Laufe ihres Lebens lernen, unsere Verhaltensweisen anders zu interpretieren, weil sie immer eine halbe Sekunde Zeit „drauf rechnen“, das weiß wohl niemand. Aber die Beobachtung junger und alter Pferde lässt mich vermuten, dass sie genau das tun. Sie gewöhnen sich daran, dass unsere Reaktion sich auf etwas bezieht, das schon lang vergangen ist. Trotzdem wirken viele Pferde regelrecht erleichtert, wenn wir unsere Reaktionen beschleunigen – es ist eben angenehmer für sie, wenn das timing stimmt.

Unsere einzige Chance, einigermaßen gute Reaktionen hinzulegen, ist Routine. Zum einen Dinge so lang zu üben bis wir wenigstens nicht mehr nachdenken müssen, bevor wir handeln, zum anderen so viel Gespür entwickeln, dass wir oft schon wissen was passieren wird bevor es passiert. Mit diesen Dingen können wir uns behelfen und für unsere Pferde etwas weniger langsam werden. Und wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich ahnen können, dass ich besser einen Blogartikel „auf Vorrat“ schreibe. Dann wäre ich jetzt nicht zu spät gewesen. Jetzt habe ich etwas gelernt.

Besonders deutlich zeigen sich Timing-Fragen im Unterricht. Ich schaue Pferd und Mensch zu. Dann sehe ich eine Möglichkeit, etwas zu verbessern. Ich erkläre dem Menschen, was er anders machen könnte. Dann versucht der Mensch, das gesagte umzusetzen. Natürlich ist inzwischen viel Zeit vergangen, in der das Pferd mehr oder weniger selbst entschieden hat, was jetzt wohl zu tun sei. Die Situation, in der meine Tipps funktioniert hätten, ist längst vorbei – für uns Menschen und fürs Pferd erst recht.

Interessanterweise hat das ganze eine Kehrseite: Pferde sind sehr langsame Wesen. Ich mag den Gesichtsausdruck, den Menschen haben, wenn ich das sage und ich stelle mir vor, dass Ihr nun auch so schaut, während Ihr das lest. Pferde sind langsame Wesen. Natürlich: sie können blitzschnell reagieren. Und schnell rennen wenn es sein muss. Aber im Alltag, wenn wir unsere Pferde beobachten, sind sie langsam. Sie gehen nicht oft schneller als Schritt. Und sie lassen sich häufig Zeit für Entscheidungen. Und hier knüpfe ich an an den Artikel von letzter Woche und Pferdetraining wird noch etwas komplizierter. Denn wenn ich nun da stehe, mit ganz leichtem Zug am Strick und warte, bis mein Pferd im Laufe einiger Minuten eine Entscheidung trifft, dann muss ich trotzdem bereit sein, flink zu reagieren, wenn das Pferd dann etwas tut. Trotz dieser Bereitschaft ist allerdings auch wichtig, dass ich entspannt bin, denn sonst übertrage ich Angespanntheit auf mein Pferd und schon habe ich die Chancen erhöht, dass mein Pferd eine schlechte Entscheidung trifft – weil es angespannt ist.

Auch hier hilft nur Üben. Und kein Lehrer der Welt kann uns dieses Üben abnehmen. Natürlich kann ich als Lehrer unterstützen, erinnern und motivieren. Aber üben muss jeder für sich. Und die Pferde üben, mit unserer Langsamkeit umzugehen, davon bin ich überzeugt.

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