Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 66

Liebe Menschen, ich habe mal wieder eine interessante Entdeckung gemacht (ich bin Forscher, Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/04/17/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-24/ ). Mir ist aufgefallen, dass Merlin, Diego und auch mein Schottenkollege Gatsby auffallend viele Geräusche machen, wenn sie mit den Menschen kommunzieren. Normalerweise sind wir Ponys ja eher stille Gesellen und unterhalten uns über Körpersprache aber Ihr Menschen sabbelt ja immerzu. Und anscheinend haben die großen Ponys sich dem angepasst. Also hab ich das heute auch mal ausprobiert. Als mein Mädchen mich gerufen hat, hab ich mich doll gefreut, weil ich gleich wusste, dass wir endlich mal wieder einen vernünftigen Ausflug machen. Dieser Freude habe ich dann mal stimmlich Ausdruck verliehen und sie freundlich angewiehert bevor ich losgegangen bin um zu ihr zu kommen. Ach, was hat sie sich süß gefreut! Ist völlig ausgeflippt und hatte schon wieder Herzchen in den Augen. Muss ich mir merken – eine sehr einfache Art sie glücklich zu machen. Und ich mache sie nun mal gerne glücklich. Bin schließlich Gentleman.

Euer ritterlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Charakterfragen

Immer wenn ich erzähle, dass ich jetzt das zweite Highlandpony habe und der Rasse total verfallen bin, kommt die unvermeidliche Frage „wie sind die denn so, die Highlandponys?“

Tja, wie sind die so? Wie sind denn „die Warmblüter“, „die Haflinger“ und „die Shetlandponys“?

Ich kann ja mal ein paar Klischees und Vorurteile raushauen. Ihr dürft mir gern widersprechen. Das was ich jetzt schreibe spiegelt lediglich meine persönliche Meinung und Erfahrung wieder und Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Meistens, so finde ich, macht es Sinn, sich zu fragen, wofür eine bestimmte Rasse ursprünglich gezüchtet wurde. Das Warmblutpferd zum Beispiel ist – in meinen Augen – ein Soldat. Das hören manche Menschen nicht so gern und ich kann das verstehen, meine es aber gar nicht wertend. Ich schaue nur zurück und sehe die Warmblüter in großen Gruppen in der Kavallerie losziehen. Und später dann sind sie Sport- und Turnierpferde geworden und das ist irgendwie nicht so weit weg davon, denn beides sind auf eine Art Befehlsempfänger. Viele Pony-Besitzer mit denen ich spreche stimmen mit mir darin überein dass die absurden Dinge, die man mit Warmblütern im Sport (leider immer noch) tut, mit Ponys gar nicht möglich wären – weil sie sich das nicht gefallen lassen würden. Warmblüter scheinen – im Durchschnitt – viel schneller bereit zu sein, sich unterzuordnen und für den Menschen auch über ihre Grenzen zu gehen als zum Beispiel der Durchschnitts-Norweger.

Wenn ich dann wiederum Kaltblütern begegne, so empfinde ich genau umgekehrt. Viele Rassen, die für die schweren Arbeiten genutzt wurden (und teilweise werden) sind selbständiger, gerade Holzrückepferde tragen große Verantwortung und müssen auch viel selbst schauen (und dennoch aufs leisteste Wort genau horchen – eine unglaubliche Kombination wie ich finde). Kaltblüter empfinde ich oft als „Männerpferde“ (vorsicht Klischee) weil sie nicht so gern betüddelt, gekuschelt und begöscht werden. Sie wollen oft einfach nur wissen, was der Job ist und dann geht das los. Gibt man ihnen freundliche aber sachliche Anweisungen, sind sie wunderbar zufrieden.

Und das Highlandpony? Das Highlandpony wurde vor allem genutzt um geschossene Hirsche den Berg herunter zu tragen. Das ist eine der ursprünglichsten Aufgaben die diese Ponys so haben – manche machen diesen Job noch heute. Und dann überlege ich, was es dafür braucht. Mut, gute Trittsicherheit, Stärke (denn Hirsche sind nun mal keine Elfen). So wie ich es gelesen habe, verlassen die Menschen sich darauf, dass das Pony in den schwierigen Bedingungen der Highlands den besten Weg findet.  Viele Highlandponybesitzer berichten, dass ihre Ponys all das gern tun was man draußen tut. Auf dem Reitplatz hingegen stellen sie gern mal die Sinnfrage und wollen – je nach individueller Ausprägung – überzeugt werden oder machen einfach gar nicht mit.

Und dann denke ich ja immer: die Menschen haben schon immer Pferde gezüchtet die ihnen gefallen haben, optisch und charakterlich.  Ich bin noch keinem Schotten persönlich begegnet, aber es gibt ja so gewisse Vorurteile über sie – wie über jedes Volk. Grundsätzlich finde ich, die „native breeds“ also alle britischen Pferderassen sind oft das, was ich als „typische Ponys“ empfinde. Selbstbewusst, sehr dem Menschen zugewandt aber nicht so sehr mit dem ausgestattet was man „will to please“ nennt, den unbedingten Willen zu gefallen. Sie wollen doch gern auch  ein Wörtchen mitreden und sie sind nicht zu allem bereit, sondern entscheiden generell gern mal selbst, was und wen sie mögen oder nicht mögen. Das macht sie oft etwas schwieriger auszubilden als andere Pferde und gleichzeitig sind sie, wenn man sie einmal von sich überzeugt hat, bereit, sich sehr auf ihren Menschen einzulassen und mit ihm zusammenzuarbeiten und durch dick und dünn zu gehen. Aber da liegt eben der Schlüssel: in der Zusammenarbeit. Es ist viel öfter eine Beziehung auf Augenhöhe, weil diese Ponys das viel mehr einfordern, als andere Rassen.

Und ich vermute, dass das eben auch im Naturell jener Menschen begründet liegt, die die Rassen ursprünglich gezüchtet haben, während andere Völker andere Rassen gezüchtet haben (und zu anderen Zwecken.) Obwohl ich es nicht mit Sicherheit weiß, stelle ich mir das Highlandpony als Partner in allen Lebenslagen vor, was auch immer gerade ansteht. Sie können ja wohl kaum nur zur Jagdsaison gearbeitet haben, sicherlich haben sie bei den schottischen Bauern früher auch jede andere Arbeit gemacht. Und so sind sie heute als vielseitige Rasse bekannt, sie sind keine Spezialisten für eine bestimmte Sportart.

Schaue ich nun meine beiden Highlandponys an, so sehe ich große Unterschiede schon innerhalb dieser Rasse. Finlay zum Beispiel hat gern Probleme selbst gelöst. Er konnte – als einziges unserer Ponys – Äpfel aus der Tränke herausfischen. Er hat einfach so lange verschiedene Taktiken ausprobiert, bis er wusste, wie das geht. Duncan hingehen – obwohl er genauso auf Futter versessen ist wie Finlay es war – geht das Thema anders an: er sucht sich Hilfe. Als neulich die Möhren auf dem Grund der Tränke lagen hat er sich zielsicher jene Person geschnappt, die ihm am ehesten helfen würde – und sie hat geholfen. Es lief dabei etwas mehr nach seinen Regeln als nach ihren, aber insgesamt fand sich ein guter Kompromiss. Finlay hingegen war nicht für Kompromisse zu haben. Ihn auszubilden war eine große Herausforderung für mich, denn bei ihm galt der alte Spruch „du musst Deine Idee zur Idee des Pferdes machen“. Sonst lief da nichts. Finlay war nie ratlos, der wusste sich immer zu helfen und hatte dabei manch schräge Idee auf Lager. Duncan hingegen ist schnell mal ein bisschen verzweifelt, wenn er nicht genau versteht, was er tun soll. Dann kommt der Vorderfuß hoch und wedelt in der Luft und ich weiß inzwischen, dass ich ihm dann helfen soll. Er weiß nicht, was zu tun ist und er ist nicht der Typ, der sich dann etwas ausdenkt. Jetzt, wo sein Repertoire an Verhaltensweisen langsam größer wird, bietet er dann gern alles an, was jemals zum Erfolg geführt hat, in relativ schneller Folge und mit großem Enthusiasmus. Auch das wäre Finlay nie passiert. Wenn ich das, was er im Angebot hatte, blöd fand, na dann eben nicht. Dann stand er eher da, schaute mich an und schien zu sagen „wer nicht will der hat schon“.

Wie sind sie nun also „die Highlandponys“? Unterschiedlich. Aber was zumindest meinen beiden Ponys gemein ist (und wonach ich gezielt gesucht habe) ist ihr Selbstbewusstsein. Auf seine Art ist Duncan genauso überzeugt von sich wie Finlay es immer war. Und in genau dieser selbstbewussten Art hat er mir nun eben auch gezeigt: Möhren ins Wasser zu werfen ist eine ganz und gar bescheuerte Idee und Probleme die ICH geschaffen habe, habe ICH auch zu lösen (oder ein anderer Mensch). Seine Sache ist das nicht.  Und ich habe wieder etwas über ihn gelernt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 65

Neulich war mein Fanclub zu Besuch. Ok, ein kleiner Teil meines Fanclubs. Die eine war besonders nett. Die hat uns Möhren mitgebracht! Aber dann hat sie erzählt dass ihr Pferd nach den Möhren taucht. Und da hat mein Mädchen die Möhren in die Tränke geworfen um zu sehen ob ich auch danach tauche. Mein großer Bruder hat das wohl gern gemacht. Tja, wir hatten ja aber schon festgestellt dass ich kein Seepferdchen bin. Nun meinte mein Mädchen, das sei so eine Art Intelligenztest, ob ich herausfinde, wie ich die Möhren da raus kriege. Ja mein Mädchen, ich bin intelligent genug um zu verstehen dass das Pony-Verarsche erster Güte ist! Und ich wusste auch genau, wer dafür verantwortlich ist – nämlich die Dame die von ihrem Tauch-Pferd erzählt hatte. Also hab ich sie mir geschnappt und ihr gesagt dass sie mir jetzt zügig die Möhren da aus dem Wasser angeln soll! Hat so halb geklappt. Aus irgendeinem Grund wollte sie unbedingt, dass ich auch tauche. Aber ich konnte schlimmeres verhindern und sie überreden, die Möhren wenigstens so hoch zu halten dass ich nur mit den Lippen unter Wasser muss. Tssss… Ihr Menschen habt wirklich merkwürdige Ideen.

Du bist schuld dass die Möhren da drin liegen also holst du sie auch wieder raus!

Nachher hab ich dem Fanclub noch was vorgewippt. Da fanden sie mich natürlich alle toll und haben auch applaudiert. Bisschen nervös war ich schon weil die alle zugeschaut haben. Schön aussehen kann ich ja schon perfekt aber beim Wippen komme ich manchmal noch durcheinander. Aber mein Mädchen hat gesagt es ist gar nicht schlimm und ich würde ja schließlich auch beim Wippen schön aussehen – na das stimmt nun auch wieder! Und ich müsste lernen mich zu konzentrieren wenn Leute zuschauen weil wir ja auch mal auf Kurs fahren wollen. Aber, mein liebes Mädchen, da kenne ich noch eine die das noch üben muss! Sie war nämlich auch nicht so konzentriert bei der Sache wie sonst.

Jedenfalls hoffe ich jetzt dass mich bald noch mehr Fans besuchen kommen. Wegen der Möhren. Aber bitte nicht in die Tränke werfen! Das ist doch nun wirklich Quatsch.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 64

Ui war das heiß die letzten Tage. Aber mein Mädchen sagt, es wird ab morgen wieder kühler. Das sagt ihr der Computer. Der Typ weiß irgendwie alles! Ich hoffe es stimmt, denn wir waren schon ewig nicht mehr spazieren, mein Mädchen und ich. Es ist ihr zu warm, sie mag lieber unterm Baum sitzen. Wenn wir was zusammen machen, haben wir uns aufs Wippen beschränkt (schön im Schatten, ist aber trotzdem warm) oder wir haben mit Wasser gespielt. Ich war ja erst nicht so überzeugt als sie mit dem Schlauch kam. Fand ich ein bisschen gruselig. Aber sie hat mir gezeigt wie das Wasser sich bewegt und nach und nach hab ich mich dran gewöhnt dass es mich nass macht. Na gut. Ein Fan werde ich nicht. Ein schöner Regenschauer ist mir dann doch lieber. Aber wenn man so richtig warm ist, dann ist so eine kühle Dusche nicht schlecht. Und dann hat sie den Rasensprenger aufgestellt. Da sind wir immer unter dem Schauer drunter her gelaufen. Mein Mädchen hat gequietscht und gekreischt wenn das kalte Wasser sie getroffen hat und ist rumgehüpft. Ich hab nur zugesehen dass es nicht in meine Augen und Ohren kommt, ansonsten war es mir eigentlich einerlei. Mein Mädchen sagt, ich bin anscheinend kein Seepferdchen. Nö, Mädchen, ich bin Ritter.

Naja… muss nicht sein.
Nein ich bin kein Seepferdchen. Aber natürlich ein tapferer Ritter.

Ich hoffe ihr habt Euch kühl gehalten, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Seine Welt

Es ist heiß. 30 Grad im Schatten reichen, um aus meinem Gehirn so etwas wie einen geschmolzenen Klumpen Käse zu machen. Die Nächte sind mir zu warm zum schlafen und meine Laune sinkt mit jedem Tag. Während andere Menschen vergnügt zum Strand fahren habe ich bei diesem Wetter einfach gar keine Lust auf nichts. Mein einziger Wunsch ist, dass das Thermometer unter die 25 Grad-Marke fallen möge, damit ich mich wieder lebendig fühle. Bis dahin bin ich im „Überlebensmodus“. Ich weiß wirklich nicht mehr, wie ich das 2018 geschafft habe, aber ich glaube, da war es so lange so, dass ich mich irgendwann doch daran gewöhnt hatte. So eine Art Kapitulation.

An solchen Tagen wünsche ich mir oft, ich wäre mein Pony. Ich würde den ganzen Tag oben in der Ecke zum Nachbarn stehen, unter den Bäumen, wo ein leichter Windhauch weht und ich würde nur zum Heu essen runter kommen.

Aber unsere Ponys sehen das anders. Sie stehen lieber unten im Stall und verdösen dort den Tag. Auch wenn es – vor allem in unserer kleinen Halle – im Laufe des Tages zunehmend stickig wird, sind sie noch dort. Und ab und zu gehen sie raus, knabbern in der prallen Sonne etwas von den Hälmchen, die den Weg unterm Weidezaun durch gefunden haben und bummeln ein bisschen herum. Und wieder zeigt sich: ich bin eben kein Pony (so sehr ich auch wie eines riechen mag). Wir haben unsere Ponys nun seit 16 Jahren am Haus, aber noch immer verstehe ich viele Dinge nicht. Wann gehen sie rein, wann gehen sie raus, wann steht wer mit wem zusammen, wann sind sie sehr hungrig und wann weniger? Warum bevorzugen sie manchmal die eine Tränke und manchmal die andere? Sie geben mir immer wieder Rätsel auf. Und als ich neulich ein wunderbares Interview mit Mark Rashid gelesen habe https://www.danielakaemmerer.de/interview/wir-muessen-die-pferde-verstehen-lernen-interview-mit-mark-rashid/ kamen mir wieder all die kleinen Dinge in den Kopf, über die ich beim Lesen mal so gestolpert bin. Darüber, wie Pferde sehen, zum Beispiel. Etwas, was wir Menschen uns ja gar nicht vorstellen können: die Augen so weit seitlich am Kopf, dass es zwei jeweils zweidimensionale Bilder gibt und in der Mitte ein kleiner Überschneidungsbereich in dem es dreidimensional wird. Aber auch einen viel größeren blinden Fleck direkt vor der eigenen Nase als bei uns, ein Sichtfeld das mehr auf den unteren Teil der Welt ausgerichtet ist und ein anderes Farbsehen, besseres Sehen in der Dunkelheit aber langsameres Anpassen an Veränderung der Lichtverhältnisse. Die Wahrnehmungspriorität liegt beim Pferd viel mehr auf Bewegungen – macht ja auch Sinn, wenn man den Säbelzahntiger im Gebüsch erkennen möchte.

Und erst neulich, als ich die alte Stute meiner Freundin fahren durfte, haben wir übers Hören gesprochen. Wie kann das Pferd meine Stimmkommandos so gut hören wenn vor ihr der kläffende Hund her läuft? Tja, sie kann ihre Ohren drehen – ich nicht (was ich manchmal sehr bedaure).

Vom Riechen will ich gar nicht erst anfangen – was uns da an Information entgeht! Besonders bei Duncan werde ich da immer wieder aufmerksam. Pferde können Pheromone riechen und wer weiß was für Informationen er so aus den Äppelhaufen herausliest die er untersucht. Als Hengst wird die Wichtigkeit dieser Information für ihn im Laufe der nächsten Jahre sicher noch bedeutsamer werden als für unsere Wallache.

Und wenn unsere Ponys Brennnesseln fressen oder Disteln oder Brombeerzweige, dann wird mir manchmal ganz anders. Ich kann die Dinger noch nicht mal anfassen ohne mir weh zu tun und die futtern das so weg. Und wenn wir dann im Winter Bodenfrost haben und Minusgrade und die Ponys gemütlich draußen liegen und schlafen (obwohl sie auch drinnen liegen könnten) dann weiß ich wieder: die empfinden das alles anders als wir. Ich glaube, sie leben in einer ganz anderen Welt. Wenn ich mit Duncan „Rumstehtraining“ mache und mich einfach mal von ihm mitnehmen lasse, dann versuche ich, die Welt so zu sehen wie er. Was riecht er hier, wonach lauscht er jetzt, was hat er dort gesehen und was bewegt ihn dazu, jetzt dort rüber zu gehen? Aber ich weiß: das ist nur ein kläglicher Versuch. Ich bin weit davon entfernt, zu wissen, wie er die Welt wahrnimmt. Er sieht sie – buchstäblich und metaphorisch – in ganz anderen Farben als ich. Und er weiß nicht, wie ich die Welt sehe. Er kann es nicht wissen. Er kann manches erfühlen, wenn er neben mir her geht. Zum Beispiel bei unseren ersten Spaziergängen, wo jedes laute, besonders große Fahrzeug mir Angst eingejagt hat, weil Finlay Probleme mit diesen Monstern hatte. Da hat Duncan ganz sicher meine Angst gespürt (und gerochen!). Hat er auch gespürt, dass ich versucht habe, ihm zu vermitteln, dass ich mich nicht vor dem Monster fürchte, sondern vor seiner Reaktion? Wer weiß…

Immer wieder, wenn ein Pferd starr ins Gebüsch schaut, sind wir Menschen geneigt, zu sagen „da ist nichts“. Und wie oft sind wir schon eines Besseren belehrt worden. Und auch wenn da nichts sein sollte, manchmal ist es doch besser, nochmal nachzuschauen, wenn man einen Ast hat knacken hören oder einen Schatten gesehen hat. Zumindest, wenn man auf dem Speiseplan einiger Tiere auftaucht…

Ich habe mir daher angewöhnt, in den allermeisten Fällen mit meinem Pferd zusammen zu schauen. Zu versuchen, wahrzunehmen, was mein Pferd wahrnimmt. Ich bin nur selten erfolgreich, aber wenigstens weiß mein Pferd, dass ich ihm glaube. Meist können wir dann nach kurzer Zeit problemlos weiter arbeiten.

Und ich versuche, den Lebensraum meiner Ponys so zu gestalten, dass sie ihr Verhalten an ihr eigenes Empfinden anpassen können anstatt an meines . Sie können rein und raus, auf unserem Rundlauf gibt es verschiedene „Klimazonen“ zur Auswahl, es gibt Büsche und Bäume und zwei verschiedene Tränken sowie – wenn es denn mal wieder genug regnet – die Möglichkeit, Regenwasser zu trinken. Wenigstens diese kleinen Dinge kann ich meinen Ponys bieten. Es ist viel zu wenig Wahlfreiheit, ich weiß und ich bin stets um Verbesserung bemüht. Ich freue mich, dass es zumindest mehr Freiheit ist als für viele andere Pferde, die ihr Leben in Boxen oder langweilig viereckigen Paddocks fristen. Und jedesmal, wenn wir etwas verändern, lassen wir uns überraschen, was die Ponys davon halten. Denn Vorhersagen bleiben schwierig: ich bin eben kein Pony.

Ich sage den Jungpferdebesitzern unter meinen Schülern oft: das erste was junge Pferde lernen müssen ist, dass Menschen verrückt sind. Menschen tun ständig Dinge, die aus Pferdesicht keinerlei Sinn ergeben. Sie haben keine Ahnung von den wahren Gefahren des Lebens und sie sind stets und ständig zu langsam (Pferde haben eine ungefähr doppelt so schnelle Reaktionszeit wie wir). Menschen sind blind, taub und blöd, halten sich aber für die Krone der Schöpfung. Wenn ein Jungpferd das gelernt hat, dann kann es herausfinden, dass die Zusammenarbeit sich trotzdem lohnt und dass es in der Menschenwelt durchaus sein kann, dass der Zweibeiner sich mal besser auskennt. Und wenn wir es geschickt anstellen, kann am Ende jeder von den Fähigkeiten des anderen profitieren. Nennt sich Domestizierung: die Pferde kommen in den Genuss von Futter, Wasser und Sicherheit im Austausch gegen die Leistungen, die sie für uns erbringen. Wenn es gut läuft, ist das ein durchaus sehr viel bequemeres Leben als in der Wildnis – wenn auch mit weniger Freiheit. Meine Welt wird zu seiner Welt – ein Stück weit. Und seine Welt wird ein winziges bisschen zu meiner Welt, wenn ich mich darauf einlasse.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 63

Jetzt will ich Euch doch mal von meinen Berufswünschen erzählen. Ich habe zwei Ideen. Die eine entstand so: Wir waren spazieren, mein Mädchen, der Mann, Diego und ich. Auf Wegen, die keiner von uns kannte. Mein Mädchen mag gern alles genau planen und daher hatte sie sich am Computer ausgesucht, wo sie mit uns langgehen will. Es stellte sich aber heraus, dass der Computer diesen Weg selbst länger nicht gegangen war und deswegen nicht wusste, dass er an einer Stelle ganz zugewachsen war (der Weg, nicht der Computer). Und so standen wir plötzlich vor zwei Büschen, die sich wohl sehr lieb hatten – jedenfalls küssten sie sich innig – und das mitten auf dem Weg! Der Mann meinte, wir sollten wohl lieber umdrehen. Aber das Mädchen hat den Computer gefragt und festgestellt, dass wir gar nicht weit vom nächsten breiteren Weg weg waren. Sie hat dann eine Erkundungstour gemacht, während wir auf sie gewartet haben und sie hat herausgefunden, dass es hinter den Büschen mit einem guten Weg weitergeht. Also sind der Mann und Diego der Große vorneweg durch die Büsche gegangen. Und mein Mädchen und ich hinter ihnen her. Mein Mädchen hat sich Sorgen gemacht (mal wieder) ob das so funktioniert, weil ich so was ja noch nie gemacht habe. Ich hatte das Picknick auf dem Rücken und auch noch die Jacken von den beiden Menschen und sie hatte Angst dass ich damit im Busch hängen bleibe und mich erschrecke. Aber ich habe mir überlegt: wo kein Weg ist, muss man eben einen machen! Und also habe ich angefangen, eine Lücke durch die Büsche zu fressen. Ist doch logisch! Fand mein Mädchen aber nicht. Sie hat mich weiter gezogen und geschimpft. Dann hat sie gesagt, manchmal wäre ich meinem großen Bruder doch sehr ähnlich. Der hätte auch immer geförstert wenn sie unterwegs waren. Wege freischneiden und so. Und weil sie fand ich habe das doch toll gemacht, hat sie gute Laune bekommen und angefangen zu singen: (zur Melodie von Reinhard Meys Lied „Klempner von Beruf“ zu finden zum Beispiel hier https://youtu.be/lMnpk_S0rXY )

   

Ich bin Förster von Beruf
ein dreifach Hoch dem der dies goldene Handwerk schuf
denn es gibt immer was zu beißen
noch ein Blättchen abzureißen
einen Ast in Form zu stutzen
und ein Zweiglein zu verputzen
ich bin Förster von Beruf
und braucht man keine Förster mehr
na dann werd ich halt Landschaftsgärtner    

Das ist also der eine Berufswunsch den ich habe. Mein Mädchen findet das nur so halb gut. Weil wir gar nicht vorwärts kommen wenn ich dauernd förstern muss. Da ist natürlich was dran! Obwohl, an der Kutsche im Trab hab ich es auch schon mal geschafft ein Zweiglein abzurupfen, vielleicht nur eine Übungsfrage…

Ich habe aber auch noch eine zweite Idee. Neulich kam nämlich eine Reitschülerin vom Mädchen. Die durfte Diego den Großen reiten. Ich bin ja noch zu klein für so was (sagt mein Mädchen) aber als sie Diego geputzt haben, hab ich mal charmant übers Stalltor geschaut. Das klappt ja immer. Prompt kam sie angelaufen und sagte zu meinem Mädchen „ich muss mal dem Influencer hallo sagen“. Dem was? Da musste ich mich dann doch erst mal erkundigen. Ein Influencer? Wikipedia hat mir weiter geholfen. Da steht sooooo ein langer Text dazu und ich hab gar nicht alles verstanden. Aber diesen Abschnitt hab ich kapiert:

„Erfolgreiche Beeinflusser verfügen über soziale Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Sie zeigen Hingabe, verhalten sich konsistent, sind engagiert und wirken fachlich kompetent. Sie werden von ihren Followern als Experten angesehen und gelten dort als vertrauenswürdige Vorbilder, deren Meinungen und Empfehlungen beachtet werden.“

Und ich finde, das beschreibt doch genau… MICH! Also bitte, das ist mein zweiter Berufswunsch: Influencer! Auch davon ist mein Mädchen nur so halb begeistert. Sie sagt, es ist wichtiger, dass wir wirklich was zusammen erleben anstatt nur dauernd darüber zu quatschen. Aber bisschen drüber quatschen ist auch ok. Also mache ich einfach beides. Mal förstern, mal influencen.  Zack – Berufswahl geklärt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 62

Ja ok das mit der Malerin und der Leinwand war geflunkert. Aber jetzt mal ehrlich: „Fotoshooting“ klingt nur halb so gut, oder? Das hat doch gar nicht so den rechten künstlerischen Touch.

Auf die endültigen Ergebnisse müssen wir jetzt geduldig warten, weil da noch nachbearbeitet werden muss – ist eben doch eher Malerei als Fotografie! – aber ich durfte schon mal reinspitzen und ich kann Euch sagen: es ist spektakulär! Euch werden die Augen ausfallen!

Aber jetzt will ich Euch nicht vorenthalten wie es lief. Also morgens um 4.30 Uhr kam schon unser Frühstück (endlich mal eine vernünftige Uhrzeit um zu frühstücken!). Um 5 Uhr tauchten dann mein Mädchen und der Mann auf um uns zu „polieren“. Also Bürste raus, Spray ins Wallehaar und los! Hat etwas geziept, das fand ich blöde. Mein Mädchen hat versprochen, nochmal ein besseres Spray zu kaufen mit dem es weniger ziept. Ansonsten bin ich ja ein sehr reinliches Pony, nur etwas Staub musste sie mir aus dem Pelz bürsten und schon sah ich perfekt aus. Noch perfekter als sonst, könnt Ihr Euch das vorstellen?

Um 5.30 kam dann die werte Künstlerin. Sie heißt Andrea und fand mich gleich toll. Dann hat sie Diego gesehen…. er ist einfach meine stärkste Konkurrenz wenn es um die Herzen der Damen geht! Zack – war sie ihm verfallen. Naja, er ist ja mein Adoptiv-Papa und ich schau mir einfach noch genau ab wie er das macht. Tja und dann ging es los. Auf die Wiese, mitten rein ins hohe Gras, Halfter ab und stillstehen, nicht essen, nach hier schauen, nach da schauen, etwas mehr so herum oder so herum, zwischendurch die Haare wieder richten.

Es waren noch ganz viele Leute da und die haben immer komische Sachen gemacht weil ich zu denen schauen sollte. Aber ich hab immer mein Mädchen angeschaut! Schließlich hat der Mann sich neben mich gestellt und mir gesagt ich soll stehenbleiben und mein Mädchen ist ein Stück weggegangen. Das hat sie gemacht damit ich richtig gucke. Und ich hab richtig geguckt, nämlich immer zu ihr! Sie fand das soooooooo süß von mir, dass ich sie nicht aus den Augen gelassen hab und mich nicht habe ablenken lassen von all den anderen. Sie ist eben die wichtigste Person in meinem Leben, das ist doch klar!

Dann musste ich beim Mann warten, mein Mädchen ist noch weiter weggegangen und hat mich gerufen und ich bin zu ihr gelaufen. Und schon war sie wieder ganz entzückt, was ich schon für tolle Sachen kann! Klar, Mädchen, kann ich.

Diego der Große war auch immer mal wieder dran. Der hatte das auch voll drauf mit dem Posen und schön aussehen!

Und dann kam der Action- Part, da sollten Diego und ich gaaaaaaanz schnell über die abgefressene Wiese rennen! Ich war da nicht so überzeugt. Also Trab reicht doch auch oder? Aber alle Menschen die da waren haben mich so doll angefeuert bis ich schließlich auch mal galoppiert bin.

Dann war Pause. Die Menschen haben gefrühstückt und wir Ponys haben auch noch mal gefrühstückt. Frühstücken ist ja so was Feines, das kann man gar nicht oft genug machen! Danach kam dann noch was ganz lustiges, da haben sie ein großes schwarzes Tuch in unserer Scheune gespannt und wir sollten davor posieren. Ganz schön kompliziert – so herum stehen aber anders herum gucken, immer die Ohren nach vorne, mein Mädchen im Auge behalten aber nicht hingehen …. die kritische Künstlerin war ganz schön anspruchsvoll! Ich habe mich ganz doll angestrengt alles richtig zu machen. Bis ich mich gar nicht mehr konzentrieren konnte. Da hat mein Mädchen gesagt dass ich alles toll gemacht habe und hat mich in den Stall gebracht. Mir hat echt der Kopf geschwirrt!

Was soll ich machen? Mein Mädchen hat es mir immer ganz genau erklärt.

Aber wirklich, ich verspreche es Euch: das Ergebnis kann sich sehen lassen! Ich werde Euch natürlich die Bilder hier zeigen. Und wenn Ihr schon mal eine Ahnung bekommen wollt, schaut doch mal unter wolfsmomente.de  oder bei Facebook unter wolfsmomente (dort ist sogar schon ein Bild von mir zu sehen!)

Euer stolzer Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. mein Mädchen ist wieder mal total hin und weg von mir!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 61

Liebe Menschen, ich bin schon ganz aufgeregt! Morgen ist es endlich so weit: Da kommt eine Malerin die mein ritterliches Konterfei auf Leinwand bannen wird.

Mein Mädchen sagt, wenn es nachher etwas kühler ist, üben wir nochmal das Posen. Damit ich morgen ganz genau weiß, wie ich am schönsten aussehe. Und dann heißt es früh ins Bett gehen, denn die Malerin möchte mich im Morgenlicht porträtieren und kommt daher bereits vor Sonnenaufgang! Ob mein Mädchen da die Augen überhaupt schon auf bekommt? Naja sie hat gesagt es reicht ja, wenn ICH schön aussehe, sie soll ja nicht mit auf das Bild. Und ich sehe ja auch wirklich schön aus – wer will das bestreiten? Auch morgens vor Sonnenaufgang seh ich schon schön aus.

Jedenfalls müssen wir dann also heute Abend ganz früh ins Bett damit mein Mädchen ausgeschlafen ist. Und wenn ich nicht schlafen kann, was mache ich dann? Da hatte mein Mädchen einen guten Tip: Schäfchen zählen!

Na dann gute Nacht!

Euer aufgeregter Sir Duncan Dhu of Nakel

Rosarot

„Warum“ fragt meine Freundin, während ihr Pony am Strick um sie herum tanzt „wird eigentlich immer alles so rosarot dargestellt? Das ist doch wie beim Kinder kriegen“ (zur Erläuterung: sie hat zwei Kinder, ich keins) „da erzählen dir die Leute auch: in dem Moment wo das Kind dann da ist hast du die Schmerzen der Geburt vergessen. So ein Blödsinn! Du bist einfach nur froh dass du das überlebt hast und dann hast du so einen Wurm im Arm der auf einer Frequenz schreit die dir ganz klar sagt, dass du das mit dem schlafen für die nächsten Monate vergessen kannst!“

Ich muss kichern. Sie schimpft in einer Tour wie ein Rohrspatz. Zwischendurch versucht sie, ihr Pony zur Vernunft zu bringen – allerdings ohne Erfolg. Er hat heute wohl wieder mal Pubertät. Die 4,7km die wir zurücklegen sind geprägt von den Streitereien der beiden, die sich schließlich so steigern, dass ihr Pony sie beißt. Der Ritter ist derweil recht entspannt, etwas flotter vielleicht als sonst, aber doch manierlich unterwegs. Zum Glück ist er keiner, der sich anstecken lässt von dem Gehampel seines Spaziergehkumpels.

Tja, warum wird alles so rosarot dargestellt? Ich komme nicht dazu, darüber nachzudenken, denn der Rohrspatz – alias meine Freundin – legt wieder los „und mit Hunden ist es doch genauso! Da gibt es dieses Buch „ein Welpe zieht ein“ und da ist alles süß und niedlich und keiner sagt dir dass die verdammt spitze Zähnchen haben und alle zwei Stunden raus müssen und alles zerkauen was nicht bei drei auf dem Baum ist!“

Ich glaube mittlerweile hat sie genauso schlechte Laune wie ihr Pony. Ich hingegen muss lachen, weil es einfach zu lustig ist, ihr Geschimpfe zu hören.

Zwischen ihren Schimpftiraden erinnere ich sie daran, dass heute der Tag ist, an dem sie sich an die „Genießen, genießen, genießen“ – Momente erinnern kann. Das sind jene wunderbaren Momente in denen alles rund läuft und unsere Ponys einfach nur die besten Ponys der Welt sind. Da wir beide junge Ponys haben und genau wissen, dass wir nicht davon ausgehen können dass es morgen oder nächste Woche wieder so läuft, erinnern wir uns in diesen Momenten gegenseitig daran, dass wir sie abspeichern wollen. „Genießen, genießen, genießen!“ Manchmal sind das auch nur kleine Augenblicke in einem Spaziergang voller Diskussionen und merkwürdiger Pony-Ideen. Dann kann es passieren dass einer von uns sagt „genießen, genießen… vorbei.“

Wenn es hart auf hart kommt, hilft dann nur noch, dass eine zur anderen sagt: „sprich mir nach: ich liebe mein Pony, ich liebe mein Pony, ich liebe mein Pony“

Tja, warum ist alles rosarot? Als ich schließlich dazu komme, darüber nachzudenken, fallen mir viele meiner Kunden ein. Die einen, die immer glückselig sind und ihr Pferd einfach nur lieben – völlig egal was es tut. Die anderen, die sich ständig Sorgen machen, dass sie etwas falsch machen oder es ihrem Pferd nicht gut geht. Die, die nie zufrieden sind, auch wenn ihr Pferd schon gute Ansätze zeigt. Alle haben eins gemeinsam: sie sind freiwillig Pferdebesitzer. Sie investieren viel Zeit und Geld in ihr Pferd – manche nur einen Teil, manche alles was sie haben – und also müssen sie ja gute Gründe haben.  Und deswegen, glaube ich, sehen wir Dinge gern rosarot. Bis auf gelegentliche Anfälle, bei denen wir uns kurz überlegen wofür wir das alles eigentlich machen, sind wir doch froh, unsere Pferde zu haben und wir finden, dass die positiven Aspekte der Pferdehaltung die negativen mehr als wett machen. Und wenn ich überlege, wie es manchmal ist, im Winter, wenn der Regen hier in Schleswig-Holstein waagrecht fällt bei 3 Grad in den Stall zu gehen und Äppel zu sammeln, dann braucht es einen großen Anteil an positiven Aspekten als Ausgleich.

Ich finde, wir dürfen die Dinge ruhig rosarot sehen. Die Menschen, die das nicht tun, hören nämlich oft alsbald auf, Pferde zu halten. Ich merke bei mir selbst, wie wenig Lust ich derzeit habe, wieder einen Hund anzuschaffen, weil in meinem Kopf eine – vielleicht realistischere – Vorstellung davon besteht, wie viel Zeit und Arbeit ich investieren müsste um wieder einen Hund auszubilden und weil ich sehe, dass Sir Duncan all meine Zeit und Energie in Anspruch nimmt – mit steigender Tendenz je älter er wird. Aber vielleicht kommt der Tag an dem ich plötzlich die rosarote Brille wieder auf habe und die Rechnung wieder anders ausfällt, weil der Spaß und die Freude überwiegen. Wer weiß?

In jedem Fall tun wir gut daran, uns vorher zu überlegen, ob es uns das wert ist. Man weiß zwar nie genau, was einen so erwartet, aber eine grundsätzliche Vorstellung kann man sich ja schon machen, wie viel Zeit und Geld so ein Tier wohl in Anspruch nimmt. Und sich fragen, ob auch diese Tage, an denen alles schief geht und das liebe Pony plötzlich den feuerspeienden Drachen mimt, die rosarote Brille die Realität noch ausreichend einfärben wird um das zu überstehen, um es am nächsten Tag wieder zu versuchen, um in die Ausbildung des Pferdes zu investieren, ständig selbst dazu zu lernen und sich einzulassen auf die individuellen Eigenheiten und Marotten des vierbeinigen Gefährten.

Fragt mich einfach wieder wenn Sir Duncan den nächsten Pubertätsschub hat……

Bis dahin sammle ich weiter die „Genießen, genießen, genießen“ – Momente, so dass ich einen großen Vorrat habe und alles schön rosarot bleibt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 60

Liebe Menschen,

ich habe Euch ja noch sooooo viel zu erzählen! Von einer Begegnung der dritten Art, von meinen Berufswünschen und der Meinung meines Mädchens zu diesem Thema, von kaltem Wasser an warmen Tagen, von meinem pubertären Spaziergehkumpel und von meinen sportlichen Betätigungen. Aber diese Woche wird mein Mädchen wieder ziemlich viel arbeiten (damit sie Geld verdient von dem sie unser Futter bezahlt! Besonders das vom Zauberer natürlich. Wir anderen werden im Moment vom Gras satt) und wenn sie dann mal nicht arbeiten muss dann will sie wohl lieber etwas mit mir unternehmen anstatt am Computer zu sitzen und meine Texte zu tippen – das finde ich auch besser.

Deswegen habe ich gedacht ich schreibe Euch jetzt noch mal ganz schnell dass ich gestern wieder als Handpferd unterwegs war und ich habe das ganz hervorragend gemacht! Diesmal bin ich fast die ganze Strecke als Handpferd gelaufen. Der Mann musste die ganze Strecke den Drahtesel reiten und mein Mädchen ist Diego geritten – ob sich da jetzt doch mal eine Rangordnung herauskristallisiert? Und der Mann hat mich nur an einer Stelle an den Strick genommen als wir im Wald über einen kleinen Bachlauf gehen mussten. Hätte ich auch so geschafft aber die Menschen wollten sicher gehen dass wir Ponys uns nicht wehtun weil da so große Steine waren.

Wir sind auch ganz viel getrabt, das war toll! Mein Mädchen meint dann immer ich sei ihre kleine Dampflok. Nicht dass ich schnaufen, tuten und dampf spucken würde. Aber sie sagt meine Beine sind wie Kolben die so rauf und runter gehen. Meine Rücken bewegt sich ja fast gar nicht, das ist bei uns Schotten so. Aber meine Beine arbeiten fleißig und deswegen findet sie ich sehe aus wie eine Dampflok. Na so lange sie mich toll findet ist mir alles recht. Und sie findet mich toll! Drei mal haben wir auch den Seitenwechel geübt – erst bin ich rechts von Diego gelaufen, dann links, dann wieder rechts und zum Schluss nochmal links. Und Diego und ich haben den Seitenwechsel voll gut gemacht sagt mein Mädchen. Diego musste stehen bleiben und ich hinten um ihn herum gehen. Später will mein Mädchen das auch im Gehen machen.

Seht ihr wie sie grinst? Weil ich das so toll mache.

Alles in allem ein großer Spaß!

So, habt eine schöne Woche! Bei uns soll es richtig warm werden, da wird mein Mädchen wohl ordentlich ins Schwitzen kommen bei der Arbeit!