Vormittags legen mein Schottenkollege Gatsby und ich gern mal eine Trainingseinheit im Nahkampf ein. Mein Mädchen hat das mal für euch fest gehalten.
Euer gut trainierter Sir Duncan dhu of Nakel
Der Blog voller Pony-Geschichten
Vormittags legen mein Schottenkollege Gatsby und ich gern mal eine Trainingseinheit im Nahkampf ein. Mein Mädchen hat das mal für euch fest gehalten.
Euer gut trainierter Sir Duncan dhu of Nakel
Ihr lieben, lieben Menschen! Neulich hatte ich ja den Notstand ausgerufen, Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/09/21/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-72/
Und was soll ich sagen: Ihr habt mich gerettet! Berühmt sein ist doch wirklich toll! Mein Mädchen sagt, wenn ich ihr irgendwann die Haare vom Kopf gefressen habe , dann könnte ich anscheinend auch für mein eigenes Futter sorgen.

Aber ich habe ihr die Haare nicht vom Kopf gefressen. Warum auch? Die schmecken doch gar nicht. Und deswegen gibt sie mir auch weiter Futter. Besser ist das, ich soll ja schließlich wachsen! Allerdings muss ich sagen, das Heu was sie uns gibt ist nur so halb lecker gerade. Sie meint das wäre voll gesund. Weniger Zucker und das würde uns schön fit halten. Mädchen, fit halten tu ich mich ganz anders! Ich habe nämlich meinen Lieblingssport wieder aufgenommen: mit meinem Schottenkollegen Gatsby rangeln! Jetzt wo es nicht mehr so warm ist macht das wieder viel mehr Spaß! Und außerdem können wir ja auch mehr rausgehen, mein Mädchen, für die Fitness, dann haben wir Deine auch gleich mit aufpoliert (und du hast es nötiger als ich…..). Und dann könntest Du uns auch wieder von dem leckeren Heu servieren und müsstest uns nicht so einen Ökofraß da hinlegen. Bäh.
Kennt Ihr den Spruch „der Hunger treibt’s rein“? Genau so ist das. Mein Mädchen ist sehr zufrieden damit. Wir Ponys aber nicht! Hallo?! Was soll denn das? Und das Gras auf der Wiese ist auch nicht mehr was es mal war. Ist das im Herbst immer so geschmacklos? Na wenigstens hat sie gesagt wir dürfen nochmal auf ein anderes Weidestück wo was frisches nachgewachsen ist. Vielleicht ist das ja leckerer. Wie soll ich denn wachsen wenn es nur so ein Zeug gibt? Da werde ich noch das eine oder andere ernste Wörtchen mit ihr reden müssen!
Aber bis dahin lasse ich mir Eure Kekse schmecken, denn die sind lecker! Die mit Banane habe ich noch nicht probiert, bin schon ganz gespannt!
Danke liebe Menschen!!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel
Am 29.9.2019 ist Sir Duncan hier eingezogen. Was für ein Tag! Den werde ich wohl nie vergessen. Wie Duncan 4 Stunden auf dem Anhänger stand von Dänemark zu uns und er in diesen 4 Stunden nicht einmal mit dem Kopf geschlagen, mit dem Huf gestampft oder andere Zeichen von Stress gezeigt hat. Er stand neben Diego, hat entweder Heu gegessen oder gedöst und stieg hier zu hause aus, frisch wie der junge Frühling, ohne ein nasses Haar, bereit, sich einzulassen auf was auch immer da kommen mag. Was für ein Start.
Und obwohl die Integration in die Herde dann doch schwierig und langwierig war, haben wir es schließlich geschafft und alle sind beste Freunde geworden. Unsere Herde ist eine großartige Familie für den kleinen Zwerg, sie erziehen ihn mit liebevoller Strenge und jeder trägt durch seinen individuellen Charakter dazu bei, dass Duncan sich bestens entwickelt. Diego ist einfach der beste Pony-Papa den ich mir vorstellen kann und dadurch dass wir ihn haben, konnten Duncan und ich schon ganz schön viel erleben in diesem ersten gemeinsamen Jahr. Denn Diego ist immer dabei wenn es etwas aufregendes neues zu erleben gibt und zeigt Duncan genau wie es geht. Wir sind fast 250km zusammen durchs Gelände gelaufen in diesem ersten Jahr und davon hat Duncan sich geschätzte 235km einfach absolut einwandfrei benommen. Kleinere Diskussionen gehören dazu.
Größere Pannen hatten wir nur eine – als er mir auf dem Reitplatz abgehauen ist. Meine Schuld, ohne Ausrede.
Wir sind unzählige Male Anhänger gefahren, inzwischen auch schon allein ohne Begleitpferd. Wir waren im Trailpark und hatten dort super viel Spaß. Wir haben ein erstes kleines Fahren vom Boden mit vollem Geschirr gemacht. Wir haben gewippt und Fußball gespielt, Plane, Regenschirm, Matratze, Luftballons und den Gartenschlauch sowie den Rasensprenger in Augenschein genommen. Er hat gelernt dass unser kleiner Aufsitzmäher doch ungefährlich ist. Er hat entdeckt, dass ich gern angewiehert werde und tut das ab und zu. Er hat gelernt, unangebunden auf dem Hof zu stehen und zu warten bis ich die Bürste geholt habe ihm einen Keks bringe. Er lässt sich die Hufe besser machen als der Durchschnitt meiner Kundenpferde, er kann sein kleines Reitpad mit Packtaschen tragen und eine Fliegendecke. Er kommt im Straßenverkehr gut zurecht und erträgt alles, was ein Dorf so mit sich bringt von Gartenzäunen über Hunde, Rasenmäher, flatternde Fahnen, Mülltonnen und Hydranten, Gullideckel und alles was eben sonst noch so auftaucht. Kürzlich hat er gezeigt, dass auch Dunkelheit mit beleuchteten Autos, reflektierenden Spaziergängern und der Stirnlampe auf meinem Kopf kein Thema für ihn sind.
Beim Fotoshooting hat er sich benommen wie ein Großer, und genauso benimmt er sich auch wenn sein Spaziergehkumpel mal wieder akute Pubertät hat. Er geht durch fremdes Gelände genauso sicher und entspannt wie durch heimisches und sollte er sich doch mal erschrecken, beschränkt er sich auf einen Satz nach vorn und kommt dann schnell wieder zur Ruhe.
Kurz und gut: er weiß und kann deutlich mehr als er in seinem Alter wissen und können müsste. Und ich bin sicher, dass er es genießt, so viel zu erleben. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er es wunderbar findet, draußen unterwegs zu sein – je länger, je besser. Unser neuer Rekord sind 9,7 km in gut zwei Stunden. Nach den zwei Stunden war Duncan zwar müde, aber sehr zufrieden mit sich und der Welt.
Glasige Augen, wie ich sie von anderen jungen Pferden als eindeutiges Zeichen von Müdigkeit kenne, habe ich bisher nur einmal gesehen und da war dann auch das gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren einfach mal komplett aus. An allen anderen Tagen war er zwar mal müde, aber immer gut gelaunt und noch ansprechbar.
Die Panne von neulich hat uns irgendwie nochmal mehr zusammengeschweißt – wie das mit Pannen manchmal so ist. Vielleicht weil ich ihn seitdem mit anderen Augen sehe. Ich habe so lang nach einer Grenze gesucht und nun habe ich eine gefunden. Das gibt mir eine Orientierung, wonach ich Ausschau halten darf bei der Arbeit mit meinem Super-Pony und an welchem Punkt ich wirklich aufpassen muss.
Als ich vor ein paar Tagen Abends mit der Stirnlampe in den dunklen Stall kam um die Ponys auf die Weide zu lassen, lag Duncan und schlief. Ich durfte mich dazu setzen und so haben wir eine ganze Weile miteinander verbracht, bis die anderen Ponys der Meinung waren, es sei doch jetzt wirklich Zeit, mal raus zu gehen.
Das Jahr, was nun vor uns liegt, das zwischen dem 2. und dem 3. Geburtstag, wird vielleicht das anstrengendste Jahr für mich. Zumindest wenn es so läuft wie bei Finlay. Denn das war das unstete Jahr, geprägt von Stimmungsschwankungen und Wachstumsschmerzen, Zahnwechsel und ständigem in-Frage-stellen von altbekannten Regeln. Aber vielleicht wird es bei Duncan ja auch anders. Und wenn ich es genau nehme bin ich bei Finlay damals glimpflich davon gekommen. Insgesamt war er auch in der Pubertät sehr harmlos.
Auf einem Spaziergang neulich hatte Duncan anfangs mal solche pubertären Ideen: er ist wieder Rennsemmel und zieht am Strick. Ich sage ihm er soll es lassen und statt des üblichen „ok ok“ kommt ein klares „nö“. Tja, tut mir leid, mein kleiner Ritter aber da werde ich dann schon mal etwas deutlicher. Du hast ja viele Freiheiten aber am Strick ziehen nur so wegen nix das dulde ich nicht. Danach hat er dann herumgestrebert und sich alle möglichen – sehr guten und manchmal lustigen – Taktiken überlegt, wie er an Kekse und Gras kommt.
Danach hatte ich geschlagene 8 Tage keine Zeit, etwas mit ihm zu unternehmen und er hat Euch ja schon gesagt, dass das nicht geht und er mich abgemahnt hat durch erneutes Strick-Gezerre. Allerdings diesmal in etwas anderer Qualität, sehr viel dezenter und er hat auch auf Korrektur deutlich besser reagiert. Grundsätzlich zieht er am Strick, wenn er an Energieüberschuss leidet. Ich hoffe, dass die langen Spaziergänge ihn lernen lassen, dass man Stress auch schön im gleichmäßigen Schritt abbauen kann und dafür gar nicht immer rennen muss. Nach einer Weile hatte er es sich dann abgelaufen und konnte ganz entspannt neben mir her bummeln. Er hat ja schon immer zwischen rennen und bummeln gewechselt, allerdings sind die Phasen jetzt länger geworden.
Ich möchte im kommenden Jahr vor allem weiter viele draußen-Kilometer sammeln. Öfter mal unseren „Hausberg“ rauf und runter klettern mit ihm. Noch mal in den Trailpark. Viel wippen, für die Rumpfmuskulatur (eine gute Beschäftigung für regnerische und stürmische Tage). Auch Stangentraining soll dazu kommen, natürlich vorwiegend im Schritt um die Knochen zu schonen. Im Freedom Based Training möchte ich das Pause machen üben und ich möchte anfangen, neben ihm herumzuhüpfen als erster Anklang für späteres Aufsteigen. Vor allem soll das Fahren vom Boden in unseren Alltag Einzug halten, sobald wir die Basis geklärt haben, und dann möchte ich das im Gelände üben. Ein bisschen Freiarbeit möchte ich auch anfangen. Und natürlich viel gutes Futter ins Pony, damit er schön wächst. Mit dem wachsen hat er es ja so gar nicht eilig. Aber gut, man sagt ja, langsam wachsen sei gesünder als schnell. Ich hoffe, dass es stimmt. Und irgendwann wird er schon groß werden.
Dieses erste Jahr mit ihm war für mich schwierig. Finlay loszulassen und mich auf Duncan einzulassen ist ein langer Prozess gewesen. Vielleicht ist er jetzt abgeschlossen, vielleicht kommt noch ein Rückfall. Ich bin meinem Pony unendlich dankbar, dass er meine seelische Zerissenheit so tapfer ertragen hat. Natürlich fühlt er das alles, was ich an „Gepäck“ mit mir herum schleppe. Die Tatsache, dass Pferde so etwas fühlen und darauf reagieren macht sie ja zu so guten Partnern, Coaches und Lehrmeistern. Dass mein kleiner Jährling all das für mich ausgehalten hat, immer wieder zu mir gekommen ist und mich getröstet hat, sich nicht hat verwirren lassen, wenn ich auf Spaziergängen plötzlich in Tränen ausgebrochen bin oder eine Panikattacke hatte, das ist das größte Geschenk was er mir machen konnte. Und wenn er jetzt pubertär werden sollte, werde ich mir das vor Augen halten: er hat mich ausgehalten in meinem Schmerz, jetzt will ich ihn aushalten in seinem erwachsenwerden, wie auch immer das aussieht.
Und wir werden uns weiter kennenlernen. Es gibt noch so viel zu entdecken und Duncan wird sich noch so stark verändern während er erwachsen wird. Sicherlich gibt es für mich auch wieder viel auszuprobieren an Übungen und Methoden.
Für nächste Woche haben wir ein neues großes Abenteuer geplant, von dem ich Euch dann berichten werde. Ich bin schon sehr gespannt, wie Duncan das finden wird!
Was auch immer unser zweites gemeinsames Jahr uns bringen mag, eins steht fest: wir sind schon jetzt ein gutes Team geworden. In den nächsten Wochen werde ich immer meine alten Blog-Beiträge lesen, zum Beispiel diesen hier https://wordpress.com/block-editor/post/schotten-pony.com/48?retry=1 und ich werde rekapitulieren ob meine Einschätzungen sich bewahrheitet haben oder nicht. Natürlich besteht immer viel Interpretationsspielraum und leider kann man ja nicht die selbe Situation noch einmal haben und eine andere Lösung ausprobieren. Wenn ich mich an die Integration erinnere muss ich sagen: das war verdammt anstrengend für uns alle und ich bin heilfroh, dass sie schließlich doch noch beste Freunde geworden sind. Es hätte ja auch sein können, dass Duncan nur „geduldet“ wird und dann hätte ich ernsthaft überlegen müssen, ob ich das will…. Aber es hat geklappt und unsere „Ponyfamilie“ ist ganz wunderbar harmonisch geworden.
Und das macht mir Mut für die Zukunft: alles, was wir schon erreicht und geschafft haben, steht auf der Haben-Seite. Und da steht schon so viel mehr als ich vor einem Jahr erwartet hätte. Und also schaffen wir auch das, was uns noch bevorsteht.
Mit ritterlichem Mut ins nächste Jahr, mein schöner Sir Duncan!
Ich hoffe, dass Ihr, liebe Leser, auch weiterhin Spaß habt, unsere Berichte zu lesen. Ich freue mich über jeden Like, jeden Kommentar, jeden Abonennten, jeden geteilten Beitrag. Ich wünsche mir von Euch, dass Ihr mich wissen lasst, was Euch interessiert, welche Beiträge Euch besonders gut gefallen und ob vielleicht Fragen auftauchen. Und ich hoffe, ein kleines bisschen von meinem Pony-Glück mit Euch teilen zu können über die Geschichten hier. Danke an Euch alle, Ihr treuen Leser!
Liebe Menschen,
gestern hatte ich Einzugs-Jahrestag! Mein Mädchen hat damals diese beiden Artikel geschrieben:
Danke für das Abenteuer – los, such Dir ein neues!
Mein neues Abenteuer
Ich hab nix geschrieben. Stattdessen hab ich lieber die Sprache meiner neuen Kumpels studiert. Am Anfang war das richtig, richtig schwer. Dauernd haben sie gesagt ich hätte alles falsch gemacht und ich müsste weggehen. Aber so nach und nach habe ich herausgefunden wie es geht. Erst habe ich Merlin erweichen können, dass er mir hilft. Echt nett der alte Zauberer! Dann habe ich mich mit den anderen angefreundet. War ein hartes Stück Arbeit sage ich Euch! Aber das härteste Stück Arbeit ist die Ausbildung meines Mädchens. Nun, ich will ehrlich sein: sie hat gute Fortschritte gemacht in diesem ersten Jahr. Sie kann jetzt meistens erkennen ob ich etwas mag oder nicht. Sie weiß, wann sie mir einen Keks geben soll – macht es aber dann trotzdem nicht immer, da besteht Nachbesserungsbedarf. Sie hat kapiert, dass ich was erleben möchte und nicht zufrieden bin mit kleinen Mini-Spaziergängen. Sie hat gemerkt, dass ich manche Dinge nur ihr zu liebe tue und dann auch irgendwann damit aufhöre wenn ich keine Lust mehr habe. Sie weiß, dass ich es gern mag, wenn ich mal so viel erlebt habe, dass ich wirklich müde bin danach und dass ich nicht überfordert bin davon. Sie weiß, wie ich schaue, wenn mir langweilig ist und ich unbedingt ein Abenteuer brauche. Sie weiß, wie und wo sie mich bürsten soll und wie nicht.
Jetzt werde ich an den Feinheiten arbeiten. Das Kekssystem ist ausbaufähig. Aber auch die Beschäftigungsrate. Neulich sind 8 Tage vergangen in denen sie NICHTS mit mir unternommen hat! Das geht nicht. Ich habe sie dafür ordentlich abgemahnt, habe eine gute halbe Stunde lang auf dem Spaziergang am Strick gezogen. Die überschüssige Energie musste halt raus, ist ja ihre Schuld nicht meine. Da braucht sie gar nicht maulen! Auf dem Reitplatz werde ich noch viel mit ihr arbeiten müssen. Ich muss ihr mal erklären, welche Dinge sinnvoll sind und welche nicht. Das wird kompliziert, weil sie ja manchmal soooooo schwer von Begriff ist. Aber ich schaffe das schon noch!
Ich habe auch einiges gelernt: wie sie aussieht, wenn sie zufrieden ist, und wie sie aussieht wenn sie mich mal wieder absolut grandios erstaunlich wundervoll findet. Wie sie aussieht, wenn sie müde, traurig, unkonzentriert oder gestresst ist und was ich dann tun muss um das zu ändern. Wann sie mich besonders toll findet und womit ich sie zur Verzweiflung treiben kann (was ich natürlich nicht möchte!). Aber das wichtigste was ich gelernt habe ist, dass wir beide uns richtig doll lieb haben. Und das ist schließlich die Hauptsache, oder?
Sie hat sich sogar extra neue Schuhe gekauft, damit wir jetzt längere Spaziergänge machen können. Und sie hat darauf geachtet, dass die Schuhe farblich zu meinem Halfter passen, so dass wir jetzt im Partnerlook gehen. Ach, da wird mir ganz romantisch!

Unseren Jahrestag haben wir so gefeiert wie ich es am liebsten mag: mit einem feinen Abenteuer! Wir waren meinen Spaziergehkumpel besuchen und sind laaaaaaaange zusammen unterwegs gewesen. Nachher war es schon ganz dunkel. Mein Mädchen meinte mal wieder, ich könnte mich fürchten. Nicht vor der Dunkelheit sondern davor dass alles dann so komisch leuchtet und reflektiert. Ja neeee mein Mädchen. Ich bin doch Ritter. Da fand sie mich schon wieder erstaunlich. Ich hingegen war endlich mal wieder so richtig entspannt, nach 9,7 km die wir gelaufen waren. Herrlich!
So kann ich mich mit Mut und Zuversicht in das zweite Ausbildungsjahr wagen. Ich werde Euch berichten!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel
Wir wollen sie doch alle: Aufmerksamkeit. Deswegen teilen wir Videos von Katzen, die wir selbst gar nicht kennen, auf Facebook. Oder wir erzählen dort Hinz und Kunz, was wir getan und erlebt haben. Deswegen schreibe ich diesen Blog. Als soziale Wesen sind wir darauf gepolt, Aufmerksamkeit zu wollen. Wir wollen gesehen und gehört werden, das macht uns gute Gefühle. Und wenn ein bestimmtes Verhalten unsererseits dazu führt, dass die anderen uns wahrnehmen, dann werden wir dieses Verhalten öfter zeigen.
Wenn es gut läuft, lernen wir in unserer Kindheit, dass freundliches Verhalten viel freundliche Aufmerksamkeit einbringt. Wir lernen, uns auf eine Art und Weise zu verhalten, die gute Gefühle beim anderen auslöst und im Austausch dafür die freundliche Aufmerksamkeit des anderen zu bekommen. Ganz am Anfang, bevor Menschen irgendetwas nennenswertes tun können, fangen sie schon an, andere Menschen anzulächeln. Das ist die einfachste Art, positive Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn die Erwachsenen dann zurücklächeln.
Da wir aber (zum Glück!) auch Aufmerksamkeit bekommen, wenn es uns schlecht geht, wenn uns etwas wehtut, machen wir auch die Erfahrung, dass wir durch negatives Verhalten Aufmerksamkeit bekommen können. Und schließlich lernen wir alle an irgendeinem Punkt auch, dass ein Wutanfall Aufmerksamkeit auslösen kann, mag es auch negative Aufmerksamkeit sein, weil der andere auch wütend wird.
Sinnvoll ist das nicht, aber wenn es anders keine Aufmerksamkeit gibt, dann eben so. Selbst bei berühmten Menschen können wir das beobachten, die manchmal einen Skandal erzeugen, nur um mal wieder in der Presse aufzutauchen.
Und genau so ist es bei unseren Pferden. Sie wollen beachtet und wahrgenommen werden und sie sind bereit, (fast) alles dafür zu tun. Und ich danke unserer Herde dafür, dass sie Duncan so großartig erziehen. Denn im Gegensatz zu vielen zusammengewürfelten Herden in Reitställen, bei denen ständiger Wechsel herrscht, weil Leute dauernd einen neuen Stall besser finden, ist unsere Herde seit vielen Jahren im Kern stabil. Diego ist 2012 hier eingezogen und hat Anfang 2013 das Zepter übernommen. Seitdem herrscht hier eine bestimmte „Hausordnung“. Diego legt Wert auf Höflichkeit untereinander. Ich sehe viele Beschwichtigungsgesten (vor allem Wegschauen oder am Boden schnüffeln) die unsere Pferde einsetzen, wenn die den anderen z.B. bitten, etwas Platz zu machen oder an ihm vorbeigehen zu dürfen. Auch Anfragen zum gegenseitigen Fellkraulen sind von viel „Konversation“ begleitet, freundliches annähern, nachfragen, langsames herantasten an die Situation. Schnelle Bewegungen sind selten und finden fast nur in der Diskussion um Heu statt.
Wenn gerangelt und getobt wird, passiert dass immer so freundlich, dass niemand eine Macke davonträgt. Etwas, was mich im Spiel zwischen Gatsby und Finlay immer sehr beeindruckt hat: es ging wild zur Sache und das Fell flog. Aber die Haut hatte niemals auch nur einen Ratscher. Beide Ponys wussten ganz genau, wie sie ihre Zähne einsetzen, so dass zwar der Pelz nachher nach Mottenfraß aussieht, aber keine Abschürfung der Haut zu sehen ist.
Kleine freundschaftliche Zankereien enden eigentlich immer darin, dass beide nachher noch einen Moment in Harmonie zusammenstehen, wie eine Bestätigung, dass es nichts ernstes war sondern nur eine Rangelei unter Jungs.
Duncan ist nun fast ein Jahr hier. Anfangs hat er sich schwer getan, die Regeln zu durchschauen. Ich glaube, dass er zu hause in einem relativ regelfreien Raum unterwegs war, in dem man über alles hinweggesehen hat, weil er ja „der Kleine“ war. In unserer Herde hat er dann plötzlich lernen müssen, wie man „Bitte“ und „Danke“ sagt, wann man wo stehen darf und wann eben nicht. Er war nicht „der Kleine“, sondern es wurde von ihm erwartet, sich genauso an die Regeln zu halten wie die anderen. Und es hat ihm sehr gut getan, finde ich.
Auch Gatsby hat das erst lernen müssen. Als er vor 5 Jahren hier eingezogen ist, kam er aus einer großen Herde in der wenig Zusammenhalt herrschte. Ich erlebe oft, dass in den großen Herden an den großen Ställen kein Familiengefühl entsteht. Es gibt schon kleine Freundesgruppen, aber das sind dann eben Pferde die sich einfach von Natur aus gut vertragen. Sie brauchen kein Regelwerk, denn wenn dem einen das Verhalten des anderen nicht passt, sucht man sich eben einen neuen Freund. Hier in unserer kleinen Gruppe gibt es Verhaltensregeln wie in einer Familie und alle sind eng befreundet – jeder mit jedem.
Gatsby hatte auch einige Wochen zu tun bis Diego ihm verklickert hatte, wie er das haben will. Das tolle an Diego ist, dass er eben nicht „das ranghohe Pferd“ ist, das einfach nur sagt „komm mir nicht zu nah“ und „das Heu gehört mir“ und sich ansonsten nicht darum kümmert was die anderen denken. Wenn er klar gestellt hat, wie man sich zu benehmen hat, ist er wirklich wie ein Familienvater, der auf seine Truppe aufpasst. Etwas wirkt gefährlich und die Ponys haben Angst? Diego geht hin und schaut es sich an. Bei den Nachbarn ist ein neues Pferd auf der Weide? Diego hält Konversation über den Zaun während die anderen im Hintergrund stehen und zuhören. Am Weidezaun sollen alle warten bis sie raus dürfen? Diego steht als Rammbock vorne und zeigt den anderen wie man sich mit den Menschen benimmt. Wenn dann das Ok kommt und alle raus stürmen dürfen sie aber durchaus an ihm vorbei, die ungestümen „Kinder“.
Was für ein toller Pferdepapa!
Duncan verbringt die meiste Zeit des Tages damit, Diego auf Schritt und Tritt zu folgen. Er ahmt alles nach was sein großer schwarzer Held tut. Und Diego schenkt ihm dafür positive Aufmerksamkeit.
Aber auch der Rest der Herde tut das. Hier habe ich ein kleines Video von einer Szene die ich neulich beobachten durfte (nicht die erste dieser Art). Duncan hat eine Idee – er möchte zu der Eiche, um dort Eicheln aufzusammeln. Und er läuft los, aber nicht einfach so für sich, sondern er fragt die anderen, ob sie mitkommen. Und sie kommen mit. All die erwachsenen Pferde folgen dem kleinen zweijährigen und schauen sich an, was er für eine Idee hat. Und sie stellen fest: war eine gute Idee, es sind ein paar Eicheln zu finden.
Und ich denke an Familien, in denen kleine Kinder genau diese Art von Aufmerksamkeit bekommen: „schau mal Mama, ein Marienkäfer!“ und dann wird gemeinsam der Käfer bestaunt. Es ist dieses Gefühl, beachtet zu werden, das uns glücklich macht.
Und hier liegt für uns Menschen, die wir Pferde (oder andere Tiere oder andere Menschen) ausbilden das größte Potential. Wenn wir Aufmerksamkeit geben in eben jenen Momenten, in denen die Dinge gut laufen, werden wir eine wunderbare Stimmung erzeugen. Wir werden Freude und gute Laune kultivieren genauso wie höfliche Umgangsformen. Unser Pferd wird uns lieben für die Beachtung die wir ihm schenken.
Wenn wir unser Pferd aber zu wenig beachten, dann wird es dafür sorgen, dass sich das ändert. Und je nach Typ kann das auch heißen, dass es uns auf den Fuß tritt, uns beißt oder die Kekstasche an sich reißt. Manche sind da gnadenlos.
Besonders gut kennen wir dieses Verhalten von pubertären Tieren und Menschen. Mancher Mensch färbt sich die Haare grün – um anders zu sein und aufzufallen. Manches Pferd muss in der Pubertät ständig etwas ausdiskutieren, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ich vermute, dass mir mit Duncan jetzt so eine Zeit bevor steht – es gibt Anzeichen dafür. Eine Zeit in der er „nein“ sagt, um mich zu einer Reaktion zu provozieren. Und natürlich weiß er genau, dass ich nicht alles ignorieren kann, so sehr ich mich auch bemühe, blödem Verhalten möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken.
Meine Aufgabe wird sein, ihm MEHR Aufmerksamkeit zu geben wenn alles gut ist. Dafür zu sorgen, dass die positive Aufmerksamkeit die negative stets überwiegt. Das ist manchmal im Alltag gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Denn wenn Duncan gerade herzhaft am Strick gezogen hat, dann ist mein Gehirn auf Hab-acht und flüstert „pass auf dass er es nicht wieder tut“. Damit bin ich aber in Gedanken darauf fixiert dass Duncan am Strick zieht und bemerke gar nicht, dass er im Moment super artig neben mir her marschiert. Er hingegen bemerkt, dass ich das nicht bemerke und ihm keine Aufmerksamkeit gebe – und sorgt schnell dafür, dass ich mich wieder ganz dem Hier und Jetzt widme und genau merke, was er tut. Vielleicht indem er wirklich wieder am Strick zieht. Oder mit seinen Zähnen nach mir hascht. Oder die Nase ins Gras versenkt. Und schon ist es für mich wieder etwas schwieriger geworden zu bemerken wann er es gut macht, weil mein Gehirn jetzt flüstert „siehst du, du musst aufpassen! Vielleicht will er gleich wieder fressen oder beißen oder am Strick ziehen“ und während es da so vor sich hin plappert bemerke ich wieder nicht, wie nett er jetzt gerade neben mir her läuft. „Aufpassen“ ist nämlich leider oft das Gegenteil von dem wonach es sich anhört.
Ich darf also mein Gehirn trainieren: pass doch mal auf, wann er das alles toll macht! Und das ist ja die allermeisten Zeit der Fall. Bemerke, dass er es richtig macht, bemerke, wie sehr er sich bemüht und schenke ihm Aufmerksamkeit für dieses feine Verhalten.
Ich wünsche mir sehr, dass mein kleiner Duncan das großartige „Papa“-Verhalten von Diego lernt. Dass Duncan vielleicht eines Tages in Diegos Hufstapfen tritt und für Höflichkeit, Zusammenhalt und Freundlichkeit in der Herde sorgt. Und vielleicht kann ich ein winziges bisschen dazu beitragen indem ich darauf achte, es so zu machen wie Diego: den guten Verhaltensweisen viel positive Aufmerksamkeit schenken. Danke, Du großartiger Diego, für diese wunderbare Art die Du in unsere Herde bringst!
Mein Spaziergehkumpel ist umgezogen. Der wohnt jetzt an einem anderen Stall. Und damit wir weiter zusammen spazieren gehen können, muss ich in die Wackelkiste steigen. Weil es meinem Mädchen zu weit ist, da mit mir hinzulaufen. Tsssssss…..
Jedenfalls war mein Mädchen ziemlich nervös. Ich glaub sie fährt nicht so gern allein mit der Wackelkiste. Mir hat das nix gemacht, ich weiß doch wie das geht: einsteigen, Nase ins Heu und dann futtern, futtern, futtern, bis sie mir sagt, dass es Zeit ist, wieder auszusteigen.
Ganz stolz war sie auf mich. Aber warum? Mache ich doch immer so.
Der neue Stall vom Spaziergehkumpel liegt in einer Wohnsiedlung. Da wollten wir dann mal ganz gemütlich durch marschieren. Ich schau mir die ganzen Gartenzäune und Dekorationen und Büsche und Zwerge und
WAS IST DAS!?? Gott sei Dank, nur ein bellender Hund. Nur ein Hund? Oder doch eher der Höllenhund Cerberus? Ist dieser Zaun eigentlich hoch genug für dieses Riesenmonster? Wird der gleich da rüber hüpfen und uns verspeisen mit seinen riesigen Zähnen?
Man, da haben wir uns aber alle erschreckt! Mein Spaziergehkumpel und ich sind ungefähr 2 Meter hoch in die Luft gesprungen. Das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel hatte auch echt Angst – das war das erste Mal dass ich gesehen hab, dass die Angst hat! Die ist sonst wirklich furchtlos. Fast wie eine Ritterin. Aber ich verstehe das, denn sie hatte ihre drei Hunde mit und die waren zu dritt nicht annähernd so groß wie dieses Wahnsinns-Monster! Der hätte alle drei mit einem Haps gefressen. Und uns Ponys zum Nachtisch. Zum Glück war der Zaun aber doch hoch genug. Das Frauchen von Cerberus kam dann auch noch und hat rumgebrüllt und Cerberus hat rumgebrüllt, das war wirklich furchteinflößend.
Erstmal durchatmen und wieder beruhigen ACHTUNG DA IST NOCH SO EINER ach nein der ist ja viel kleiner und der Zaun ist höher ABER DER DA DRÜBEN SIEHT BÖSE AUS
So ging das die ganze Zeit. Mein Mädchen und ich haben aber fest zusammengehalten und uns Mut zugesprochen. Als wir dann endlich weg waren von den ganzen Monstern haben wir alle erst mal eine beruhigende Graspause gebraucht. Was für ein Höllentrip! Aber unsere Mädchen waren sehr stolz auf uns. Weil wir Ponys nur kurz in die Luft gesprungen und danach ganz tapfer weiter gegangen sind.
Wir sind dann lieber nicht durch die Siedlung zurückgegangen sondern an der großen Landstraße. Ich wusste gar nicht, dass Straßenverkehr so entspannend sein kann. Da kann man vorher hören was kommt und niemand will einen fressen.
Nach dem Spaziergang hatte mein Mädchen Sorge ob ich wohl noch so entspannt allein in der Wackelkiste stehen kann. Aber hey, nach so einem Schreck gibt es nichts besseres als Heu zu kauen! Nase rein und drin lassen bis sie sagt es sei Zeit auszusteigen. Als wir zuhause angekommen waren musste ich mich ganz schön konzentrieren um richtig auszusteigen und mein Mädchen hat gesagt ich sei wohl doch ein bisschen kaputt. Stimmt sogar. Und das obwohl wir nur 2,4 Kilometer gelaufen waren. Aber das waren die aufregendsten Meter meines Lebens, das sage ich Euch.
Euer tapferer Sir Duncan Dhu of Nakel (der dem Höllenhund lieber nie wieder begegnen möchte, tapfer hin, tapfer her….)
P.S. von Cerberus habe ich kein Bild aber es gibt gute Nachrichten: die Kekse sind geliefert worden!!

Ich rufe offiziell den Notstand aus! Seht Ihr das?


Das sind die Kekse die ich von meinem Mädchen und vom Mädchen von meinem Spaziergehkumpel zum Geburtstag bekommen habe. Nein: das WAREN die Kekse. Nun habe ich ja aber erst nächstes Jahr wieder Geburtstag! Und die Kekse sind schon alle! Ich war lieb und hab mit meinen Kumpels geteilt. Von denen hat nämlich nie jemand Geburtstag. Voll traurig. Weil niemand weiß wann die geboren sind. Außer mein Schottenkumpel Gatsby. Aber der hat keine Kekse zum Geburtstag bekommen sondern ein neues Halfter. Voll öde, was zum Anziehen geschenkt zu bekommen.
Na jedenfall essen wir ja normalerweise immer das Futter von Merlin dem Zauberer als Kekse. Er bekommt vier große Schaufeln am Tag – einfach so, ohne was dafür zu tun und wir …. so 4 Stück oder so. Und nur wenn wir uns doll anstrengen und alles richtig machen. Gerecht geht anders. Aber was soll ich Euch sagen: auch diese Kekse sind alle! Mein Mädchen sagt, morgen kommt eine große Palette und da sind viele von den Keksen drauf. Na Gott sei dank!
Wobei ich ehrlich sagen muss, dass die Geburtstags-Kekse echt schwer zu kauen waren. Mein Mädchen hat manchmal ganz schön gekichert wenn ich die in meinem Maul hin und her geschoben hab. Sie vermutet, dass ich wohl schon langsam in den Zahnwechsel komme. Aber das bleibt mein Geheimnis – vorerst. Wir Ponys bekommen nämlich mit 2 Jahren noch einen Backenzahn hinten, aber das könnt Ihr Menschen so nicht sehen …. (im Dezember kommt der Zahnarzt, der wird es dann verraten. Der kann ja kein Geheimnis bewahren, die Plaudertasche.)
Die Merlin-Kekse sind zum Glück leichter zu kauen. Müssen sie auch sein, weil der arme alte Merlin doch so schlechte Zähne hat. Aber wenn halt keine Kekse da sind, kann man auch keine kauen….
Ein Trost bleibt uns noch: die Apfelbäume. Die lassen uns jetzt ab und zu schon mal was zukommen. Da purzelt einfach so mal was runter. Und wenn wir das hören, dann laufen wir gleich hin. Leider sind das oft Äpfel die faulig sind oder schimmelig. Die sortiert der Baum aus. Aber manche sind auch gut, die suchen wir uns dann raus. Mein Mädchen hat neulich auch einen davon gegessen. Dann hat sie ein ganz lustiges Gesicht gemacht – er war noch viel zu sauer! Aber wir Ponys finden: Sauer macht lustig.
Trotzdem: bitte die Daumen drücken dass die Kekse morgen geliefert werden, wie soll ich das mit dem wachsen denn schaffen, wenn ich keine Kekse kriege? Und mein Mädchen hat gesagt ich muss noch ganz viel wachsen… (neulich war Messtag. Ein Desaster sage ich Euch! Sprechen wir nicht mehr darüber…..)
Euer unterkekster Sir Duncan Dhu of Nakel
Fast ein Jahr ist Duncan jetzt bei mir. Ich habe mit ihm schon unglaublich viel erlebt und gemacht, viel mehr als geplant. Und nie hat er gesagt „es ist mir zu viel“. Ganz im Gegenteil, häufig wollte er gern noch etwas mehr. Und dann morgen nochmal. Bis auf letzte Woche. Da war es dann so weit. Und ich habe wieder etwas über mein Pony gelernt.
Mitte Juli habe ich mich hier https://schotten-pony.com/2020/07/16/wohin-geht-die-reise/ schon ein bisschen darüber ausgelassen wie schwer ich es manchmal finde, einzuschätzen, was ich mit Duncan machen kann und was nicht. Ich finde es in der Tat schwerer als bei anderen jungen Ponys weil er sich in aller Regel gar nicht benimmt wie ein Jungspund. Er bekommt nie glasige Augen und seine Konzentration scheint beinahe unerschöpflich zu sein.
Alles, was wir an Ausflügen gemacht haben, hat er mit Bravour gemeistert. Er ist inzwischen sogar schon alleine Anhänger gefahren – zu seinem Spaziergehkumpel, der den Stall gewechselt hat, dort ein Horror-Spaziergang (er wird sicher noch etwas darüber in sein Tagebuch schreiben) und dann allein wieder zurück fahren. Er war dabei gelassener als viele erwachsene Pferde die ich kenne, obwohl es wirklich viel für ihn war.
Aber eine Grenze habe ich nun doch unfreiwillig gefunden. Letzten Donnerstag. Da waren wir auf dem Platz, Duncan und ich. Und Duncan war wunderbar. Es war so ein Genuss mit ihm zu arbeiten. Er war hoch konzentriert, eifrig aber nicht übereifrig und hat all die kleinen Dinge die er kann in schönster Manier abgeliefert. Und ich habe einfach übertrieben. Zumindest glaube ich, dass das der Grund war. Jedenfalls raste er plötzlich ohne jede Vorwarnung los und ich musste den Strick loslassen. Unser Reitplatz ist nicht eingezäunt, 5 Meter Strick wehten hinter meinem Pony her und er schoss im Galopp nach vorne auf den Hof, wo er vorm Stalltor zum stehen kam. Von mir wollte er aber nichts wissen und raste schon als er mich sah wieder los, im Bogen zurück zum Reitplatz, von dort wieder auf den Hof und fand dann Gott sei Dank den Weg in den Garten, wo die Verlockung des grünen Grases und der gefallenen Äpfel seine Nerven wieder restaurierte. Ich konnte ihn einsammeln, wir sind zurück zum Reitplatz gegangen (ich konnte das ja nun so nicht auf sich beruhen lassen) haben dort kurz nebeneinander her gehen und anhalten geübt mit viel Lob und vielen Keksen bis wir beide wieder etwas entspannter waren und dann habe ich ihn zurück gebracht. Mache das Halfter ab und beschließe, noch etwas Zeit mit ihm im Paddock zu verbringen, aber als ich mich umdrehe um das Halfter wegzulegen, donnert er los. Rast zu den anderen Pferden, knallt in Diego, bekommt einen Rüffel und beruhigt sich dann. Beruhigen musste ich mich auch erst mal. Wie ich es drehe und wende, es gibt für mich nur eine Begründung für dieses Verhalten: ich habe es übertrieben. Hätte ich 2 Minuten früher Schluss gemacht, wäre ich den Tag über den Hof geschwebt vor Glück. So war ich nun am Boden zerstört.
Nachdem ich 10 Minuten lang meine Nerven sortiert habe, gehe ich in seine Richtung. Ich will einfach noch etwas Zeit mit ihm verbringen, gerne auf größere Distanz, das kommt mir ganz klug vor. Aber aus 50 Metern Entfernung sieht Duncan mich – und kommt zu mir. Fragt nach einem Keks, bekommt aber keinen, weil es einfach so für nichts im Paddock sowieso keine Kekse gebt. Wir gehen gemeinsam zur Tränke, ich mache die Tränke sauber und er steht neben mir, beobachtet mich, spielt ein bisschen im Wasser rum, kommt immer wieder mit der Nase und berührt mich und es wirkt für mich so als würden wir uns beide versichern, dass zwischen uns alles in Ordnung ist nach dieser Panne. Ob es wirklich so gemeint war? Jedenfalls hat es sich so angefühlt.
Tja, Pannen gehören dazu. Ich habe viele Tage gebraucht, um mich wieder abzuregen, weil ich mich so sehr über mich selbst geärgert habe. Ein dämlicher Fehler!
Aber es läuft ja darauf hinaus: Duncan hat mir eine Grenze gezeigt, nachdem ich fast ein Jahr lang keine gefunden hatte. Jetzt kann ich daraus lernen und anfangen ihn noch einmal neu zu beobachten: hat es sich doch angekündigt und ich habe es nicht gesehen? Oder war es eine typische Jungpferd-Aktion, ein spontaner Stimmungswechsel wie er eben in dem Alter mal kommt – wo ein älteres Pferd mir mehr Vorwarnung gegeben hätte? Oder ist er tatsächlich der Typ Pferd, den ich immer als „zu artig“ bezeichne? Damit meine ich, dass es Pferde gibt, die sich so lange bemühen, alles richtig zu machen, bis sie gar nicht mehr können und dann explodieren. Solche Pferde sind mir ein paar Mal begegnet. Sie sind eine große Lektion für den Menschen, weil man immer unterhalb dessen bleiben muss, was sie bereit wären zu tun. Ich meine: weit unterhalb.
Duncan scheint da zu unterscheiden: alle bisherigen Herausforderungen waren in irgendeiner Form Abenteuer. Und er liebt Abenteuer! Rausgehen, was erleben, davon kann er gar nicht genug bekommen. Auch Wippe, Plane und Konsorten machen ihm Spaß. Aber die reine Bodenarbeit auf dem Platz ist kein Abenteuer. Wahrscheinlich fühlt er sich dort schnell etwas gegängelt, nicht weil ich blöd zu ihm wäre, sondern weil ich so genau arbeite – dieser Fuß hier, Kopf etwas nach da, mehr so oder mehr so. Vielleicht ist es für ihn so wie für mich Stricken. Zu kleinteilig. Zu figelinsch würde der Norddeutsche sagen. Fummelkram halt.
Nun fange ich also von vorn an mit der Arbeit auf dem Platz. Und ich weiß, was ich beobachten und erfahren möchte über mein Pony.
Und ich habe mal wieder verstanden, wie anders er ist als mein Finlay. Denn Finlay, der war vieles, aber nie „lieb“. Versteht mich nicht falsch, Finlay war mein Seelenpony. Ich liebe ihn ohne Ende, immer noch. Er war der Typ Pony der sich gern mal reibt, der gern mal gestritten hat. Wenn ich mit Finlay Sachen gemacht habe, die ihm zu viel waren, dann ist er in irgendeiner Form in die Konfrontation gegangen. Er hätte niemals so lange weitergemacht bis er nicht mehr kann. Er hat sich seine Auszeit und seine Pause weit vorher genommen, zur Not mit viel Nachdruck. Und er hat sich niemals danach erkundigt ob zwischen uns eigentlich noch alles gut ist. Nein, es war meine Aufgabe, dann zu ihm zu gehen und mich zu entschuldigen. Und wenn ich Glück hatte, hat er die Entschuldigung angenommen. Einen Streit fand er eher belebend als erschreckend. Wenn er wütend war, hat er mir mit den Hinterhufen eine Ladung Sand ins Gesicht geschmissen. Oder er ist stehengeblieben und hat gar nichts mehr gemacht.
Duncan hingegen scheint mir doch genau das zu sein: lieb. Lieb in dem Sinne dass er sich auch mal überfordern lässt. Und es liegt jetzt an mir, genau hinzuschauen, was ihn überfordert und unterhalb dieser Grenze zu bleiben. Und ich darf lernen, dass diese Grenze an sehr unterschiedlichen Stellen ist, je nachdem um welche Form gemeinsamer Unternehmung es sich handelt.
Ich glaube, dass er die Pausen, die ich auf dem Reitplatz mache, bisher nicht als Pausen wahrnimmt. Er kann sich dann noch nicht richtig entspannen, weil er nicht weiß, was zu tun ist. Wenn wir draußen unterwegs sind, kann ich ihn irgendwo grasen lassen, das ist für ihn eine schöne Belohung und Pause, in der er das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren einmal im Leerlauf haben kann. Auf dem Reitplatz ist er (so vermute ich) im „Dauereinsatz“ und reagiert daher anders. Und dann brennt das Maschinchen eben doch mal durch.
Und natürlich ist er Schotte: Reitplatzarbeit finden die meisten Highlandponys grundsätzlich blöde – es mangelt am Sinn. Mein Plan ist jetzt also, vor allem das Pause machen zu üben, sowohl im Paddock (im Freedom Based Training) als auch auf dem Reitplatz. Mal sehen, wie dieser Plan so aufgeht….
Es gibt noch einen weiteren Hinweis auf seinen Charakter, der dazu genau passt: wenn jemand anders streitet – neulich eine Frau mit ihrem Hund, an einem anderen Tag Arnulf mit Diego – dann schaut Duncan sorgenvoll dort hin und sieht ganz unglücklich und angespannt aus. Er mag keinen Streit. Ich finde das spannend, denn an Selbstbewusstsein mangelt es ihm ja nun wirklich nicht. Aber wenn er keinen Streit mag, heißt das eben, er wird keinen anfangen, um sich vor Überforderung zu schützen. Lieber lässt er sich überfordern, bis es nicht mehr geht.
Finlay hingegen hat Streit geliebt. Er war gerade in der Pubertät so ein Streithahn, mit mir und mit den anderen Ponys, musste immerzu Grenzen ausloten. Manchmal wenn ich ihn vom Paddock geholt habe wusste ich schon: heute müssen wir streiten. Dann hat er mich so lange provoziert bis wir uns einmal richtig in die Köppe gekriegt haben und danach war alles gut. Wenn ich aber versucht habe, es anders zu klären und ruhig zu bleiben, das konnte er nicht leiden. Er wollte einmal sehen, dass ich WIRKLICH reagiere und mich mit ihm aufrege!
Da Finlay nur 8 Jahre alt wurde, kann ich natürlich nicht sagen, wie er sich noch entwickelt hätte. Er war rundum freundlich, hat sich auch mit jedem Pferd gut vertragen, niemals war jemand verletzt, aber er mochte sich eben kabbeln. Er musste ja auch unbedingt immer alles ins Maul nehmen. Duncan tut das fast nie. Und kabbeln tut er sich zwar mal, aber viel weniger raubeinig als Finlay, viel zarter.
Es bleibt spannend wohin sich das entwickelt. Und ich finde es wahnsinnig spannend zu sehen, wie unterschiedlich meine beiden Ponys sind.
Wie viel Einfluss hat mein Training und mein Umgang darauf? Wie viel Einfluss hat die Herde? Das werde ich wohl nie erfahren. Fest steht: ich gehe ganz anders mit Duncan um als mit Finlay, aber ich glaube das liegt eben unter anderem daran, dass Duncan von Natur aus ganz anders IST als Finlay, Einflüsse hin oder her.
Hier ist also meine neue Lernaufgabe und eine erste Duncan-Lektion: nicht jeder Schotte streitet gern.
Ich bin jetzt Bergsteiger! (Dabei bin ich ja auch schon Förster, Influencer und Forscher! Ganz schön vielseitig bin ich!)
Mein Mädchen hat gesagt, ich soll mal was für meine Muskeln tun. Hallo? Ich bin doch wohl total fit und durchtrainiert! Aber sie sagt ich habe eine schlechte Haltung. Lasse mich vorne immer so hängen. Und deswegen soll ich jetzt mehr Sport machen. Bergauf und bergab wandern soll ich. Und wippen. Das ist gut für die Fitness sagt sie. Und dann hänge ich vorne nicht mehr so. Kein Problem, wandern und wippen macht Spaß! Na jedenfalls sind wir von zu hause los marschiert und dann im Wald links abgebogen statt rechts. Und da ging es ordentlich den Berg rauf!

Und dann ein bisschen wieder runter. Und dann weiter rauf. Und wieder bisschen runter. Irgendwie konnte der Berg sich nicht ganz entscheiden ob es jetzt rauf oder runter gehen soll. Aber es hat viel Spaß gemacht! Ich musste oft hinter meinem Mädchen gehen, weil der Pfad so schmal war. Sie sagt ich hab das fein gemacht. Bin auch bergab schön langsam gegangen. Gar nicht so einfach wie es sich anhört!
Oben gab es schöne Aussicht. Aber ich hab mich da nicht so für interessiert. Mehr für das Grün vor meiner Nase.


Und dann war der Pfad zu Ende und wir kamen auf einem Parkplatz an und zu meinem Erstaunen stand dort unsere Wackelkiste! Na hoppla! Das fand ich lustig. Dann sind wir nach hause gefahren. War ein toller Ausflug!
Euer gipfelstürmender Sir Duncan Dhu of Nakel
P.S. mein Mädchen sagt das ist kein richtiger Berg. Der ist nur 94 Meter hoch. Aber das ist doch riesig! Ich meine: Diego ist 1,64m und der ist ja schon groß!
Die „besten“ Momente sind ja immer die, in denen man seine eigenen Ratschläge missachtet, finde ich. Oder vielleicht ist der Moment noch besser in dem man das hinterher merkt und sich selbst mit der flachen Hand vor die Stirn schlägt ob der eigenen Blödheit. „Da könnte ich mich in den A… beißen“ sagen wir dann – warum eigentlich und hat das schon jemals jemand geschafft? Na auch egal. Jedenfalls stand ich neulich mit Duncan auf dem Reitplatz und es klappte nicht so wie ich wollte. Nach einem super Start hatte ich versucht, ihn rechter Hand auf den Zirkel zu schicken – das macht er auch brav, aber er ist mir zu nah und lässt sich nicht raus schicken. Also halte ich ihn an und versuche ihm zu erklären, dass er ein bisschen seitwärts von mir weg gehen soll. Er kennt das schon, aber nur mit dem kurzen Stick und jetzt möchte ich es mit der langen Peitsche üben. Es klappt so halb. Dann nur noch ein Viertel und dann gar nicht mehr. Ich bin ratlos. Erst später wird mir klar, wo eigentlich das Problem war. Und ich hoffe, ich kann mir das merken, was ich gelernt habe. Diesen Gesichtsausdruck von Duncan, der frustriert ist, weil ich nicht sicher bin. Nicht, weil ER sich nicht sicher ist, das stört ihn nicht so. Aber dass ICH mir nicht sicher bin, das nervt ihn total. Als Arnulf ihn mir aus der Hand nimmt um etwas zu probieren, bin ICH dann diejenige die genervt ist. Denn mit etwas „klassischem Horsemanship“ – einfach mal das Stöckchen nehmen und das Pony so antippen dass es reagiert – ist das Thema fix geklärt. Duncan regt sich kurz auf, dann versteht er und macht. Fertig. Aber so will ich das eben nicht mehr. Ja, das ist einfach und geht schnell. Ich hätte es gern netter. Aber ich frage mich schon wieder, ob netter wirklich netter ist. Eine klare Ansage kann nämlich auch nett sein. „Lunch is at one“ (Mittagessen ist um eins) sagt meine englische Lieblingsreitlehrerin dazu. Es ist ihr Beispiel für solche Situationen. Wenn eine Frau einen Kurs abhält und gefragt wird, wann es Mittagessen gibt, wird meist ein bisschen hin und her diskutiert und dann einigt man sich darauf, dass 13 Uhr eine gute Zeit ist. Wenn ein Mann einen Kurs gibt und man fragt nach der Mittagsessenszeit, wird er sagen „Mittagessen ist um eins“. Das sind natürlich Klischees. Es geht nur um folgendes: das Ergebnis ist das selbe, gegessen wird um eins. Einmal hat man Zeit verschwendet mit einem inhaltlich recht sinnlosen Gespräch über eine unbedeutende Entscheidung, einmal hat jemand eine vernünftige Entscheidung für alle getroffen. Es ist nicht falsch, über die Mittagsessenszeit zu diskutieren. Auch dieses Gespräch kann wichtig sein, denn dann fühlen sich die Teilnehmer vielleicht mehr wahrgenommen, mehr wert geschätzt, mehr eingebunden. Das kann ja auch wichtig sein. Die zweite Version ist angenehmer, wenn es um eine schnelle Entscheidung geht und darum, zum Wesentlichen kommen zu können. Und bei Ponys erlebe ich fast immer, dass sie die zweite Variante vorziehen. Ponys sind selbst auch meist mehr „geradeheraus“ als andere Pferderassen. Und sie haben überhaupt kein Problem damit, wenn ihnen jemand sagt, was zu tun ist. Sie finden es eher nervig, wenn jemand unentschlossen um sie herum hüpft und nicht auf den Punkt kommt. Ich habe den Eindruck, dass Unentschlossenheit auf Ponys sehr inkompetent wirkt.
Und was sage ich meinen Schülern immer? Die grundsätzliche Entscheidung, wie viel Druck, wie viele Kekse, welche Ansprüche sind ok, die triffst Du nicht, wenn Du neben dem Pferd stehst. Die triffst Du in Ruhe auf dem Sofa. Oder beim Stall ausmisten. Aber wenn Du neben Deinem Pferd stehst, dann handelst Du. Dann ist der falsche Zeitpunkt um lange zu überlegen. Zur Not brich die Übung ab, hör auf oder mach was anderes und überleg Dir erst wie Du vorgehen willst.
Danke für diesen Rat, Frau Lehrerin. Wäre schön wenn ich ihn dann auch selbst befolgt hätte. Nächstes Mal, so hoffe ich, bin ich wieder besser darin. Einziger Trost: Duncan hat es mir nicht übel genommen. Und er muss eh langfristig auch lernen, damit umgehen zu können, dass ich mal so bin. Sagen wir mal: er ist schon fabelhaft damit umgegangen. Denn er ist einfach stehen geblieben und hat frustriert geschaut. Da hätte es eine Reihe an blöderen Möglichkeiten gegeben und eigentlich keine bessere.
Ich geh dann jetzt mal den Stall ausmisten – und denke dabei noch eine Runde nach.