Von Wegen und Zielen

Am Dienstag abend, im Stockdunkeln und bei Nieselregen, haben wir zu Ende gebracht, was am 1. Mai begonnen hat. Sir Duncan hatte Euch davon berichtet https://schotten-pony.com/2020/05/01/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-35/ (und er wird bestimmt auch seine eigene Sicht auf unseren Zieleinlauf noch zum Besten geben).

Etwas wehmütig war uns zumute, als wir wieder zu hause waren. Über den ganzen Sommer hinweg hat jeder der Spaziergänge die Duncans „Spaziergehkumpel“ Freddy, sein „Mädchen“ Sabrina und Duncan und ich gemeinsam gemacht haben, zu dieser Challenge gezählt. Wir haben alles aufgeschrieben und auch fast immer in der dazugehörigen Facebook-Gruppe darüber berichtet. Wir haben so viel erlebt, von pubertierenden Ponys, den ersten Versuchen im Fahren vom Boden, den ersten Schritten, die Freddy seine Sabrina getragen hat über jede Sorte von Wetter und Gelände, Horrorbegegnungen mit Hunden und einfach wahnsinnig viele schöne Momente. Ja, hätten wir ohne die Challenge auch gemacht. Wir wären spazieren gegangen, vermutlich sogar fast genauso viel und oft. Aber es macht eben einen Unterschied, wenn man ein Ziel vor Augen hat. Und wenn man dann das Ziel erreicht hat – was dann? Dann kommt das, was ich den „Weihnachtsblues“ nenne. Ach, was habe ich mich als Kind wochenlang auf Weihnachten gefreut! Mit all den schönen Dingen, die die Vorfreude so richtig wunderbar gemacht haben, Adventskalender und Adventskranz, Heimlichtuereien wegen Geschenken, zwischendurch noch der Nikolaustag – der ganze Dezember war ein einziges Fest. Und dann, dann war Weihnachten vorbei. Und dann war irgendwie nichts mehr übrig zum drauf freuen. Und genau so geht es mir noch heute. Vielleicht geht es anderen Leuten anders, ich weiß es nicht. Aber bei mir ist das geblieben, nur dass ich heute besser damit umgehen kann. Ich weiß, dass das kommt, wenn ich ein Ziel erreicht habe und ich kann mich darauf einstellen. Jetzt im Moment freue ich mich darauf, es im Winter ruhiger angehen zu lassen. Ich lege keinen Wert darauf, im Winter bei Regen von der Seite, womöglich im Dunkeln, durch die Gegend zu stapfen. Duncan und ich werden uns mit Wippen und Bodenarbeit die meiste Zeit des Winters vertreiben und dann, wenn der Frühling kommt, geht es wieder mehr raus.

Der Weg ist das Ziel, so sagt man ja. Und gerade bei dieser sehr langgezogenen Veranstaltung wurde das wieder einmal deutlich. Wir haben den Weg in vollen Zügen genossen und das Ziel war nur der kleine Ansporn, auch bei miesem Wetter und zunehmender Dunkelheit noch los zu gehen oder mal doch eher die längere Strecke zu wählen.

Corona-gerechte Ziellinie aus Klopapier.
Beim tatsächlichen Zieleinlauf war es dann allerdings schon zu dunkel für ein gutes Foto…

Und ich erinnere mich an den Zahnarztbesuch neulich. Der Pferdezahnarzt war da und hat unsere Ponys behandelt. Alle standen wir in der Halle herum und Duncan wollte doch so gern alles untersuchen. Aber er durfte halt nicht – das Werkzeug ist einfach zu teuer um es der Neugierde meines kleinen Ponys zum Fraß vorzuwerfen. Also dachte ich mir, ich biete ihm etwas Abwechslung. Ich habe meine Hände leicht auf Duncans Rücken abgestützt und bin neben ihm hoch und runter gehüpft. Duncan fand das höchst unterhaltsam und immer wenn ich aufhörte zu hüpfen, kam er mit der Nase herum und schien zu sagen „hey, mach weiter!“ Der Zahnarzt beobachtete unser Treiben und sagte irgendwann „wie wäre es mit Belly-Bumps?“ (Das Wort übersetzt sich schlecht. Gemeint ist, dass ich hochspringe und meinen Bauch gegen Duncan dotzen lasse). Ich erklärte ihm, dass es noch ganz neu ist, dass ich neben Duncan in die Luft springen darf und dass ich mit den Belly-Bumps warten werde, bis ich sicher bin dass es ok ist für ihn. Der Zahnarzt sagte „es ist gut dass Du das sagst. Ich selbst habe früher Rennpferde ausgebildet. Da hatten wir einen Plan über zwei Wochen, dann mussten die angeritten sein. Ich habe manchmal noch sehr die Einstellung einfach „da hin zu kommen““.

Nun muss ich sagen, dass unser Pferdezahnarzt ein unglaublich geduldiger, einfühlsamer Mann ist. Er ist ganz sicher einer der besten Pferdemenschen die ich kenne. Und dann kam da dieser Satz und ich dachte „schau an“. Ich habe schon öfter gedacht, dass vielleicht gerade mein Weihnachtsblues aus der Kindheit mir in der Pferdeausbildung zugute kommt. Weil ich nämlich viel weniger zielfixiert bin als andere. Und dadurch bin ich vielleicht manchmal gelassener und geduldiger. Bestimmt bin ich deswegen aber auch weniger „erfolgreich“ im kapitalistischen Sinne. Schließlich verkaufen sich auch in der Pferdewelt schnelle Ergebnisse oft immer noch am besten. (Wie viele Schüler haben sich schon gewundert, wie lange Verladetraining bei mir dauert…..)

Bei jungen Pferden gibt es ja viele Teilziele zu erreichen. Vom ersten Spaziergang über das erste Mal draufsitzen bis hin zum ersten Galopp, dauernd solche Meilensteine. Dann hörte das auf und die Schritte werden kleiner bzw langwieriger und weniger „messbar“. Und zum ersten Mal wird mir klar, dass es vielleicht das ist, was sehr zielorientierten Menschen bei der Pferdeausbildung im Wege steht. Denn den Pferden sind unsere Ziele herzlich egal. Ich glaube schon, dass Pferde sich über das Erreichen eines Meilensteins freuen können, dass sie stolz sind, wenn sie etwas zum ersten Mal geschafft haben. Aber vorausplanen tun sie das sicher nicht und daher können sie auch nicht verstehen, warum bei uns da so ein Druck dahinter ist.

Über Ziele könnte ich endlos weiterschreiben, scheint mir. Zum Beispiel über die Situation neulich, als ich im Verladetraining mit einer Schülerin war. Ihr Pferd sollte lernen, zuzuhören und sie übte das mit ihm an der Rampe – ein Fuß rauf, ein Fuß runter, zwei Füße rauf, ein Fuß runter. Jemand schaute uns zu und sagte plötzlich „einfach reingehen!“. Ich erklärte, was wir tun. Nachher dachte ich: ich hätte einfach zurückfragen sollen „warum?“. Weil jeder, der einen Anhänger und ein Pferd sieht, automatisch den Wunsch hat, dass das Pferd einsteigen soll. Zielautomatismus sozusagen. Vielleicht sollten wir den gelegentlich hinterfragen, zum Wohle unserer Pferde. Und das werde ich noch ganz ganz oft tun dürfen in den nächsten Jahren. Wenn es darum geht, ob ich heute „Belly Bumps“ übe. Ob Duncan schon so weit ist, dass ich ihn am Strick um mich herumschicken kann. Ob Duncan schon so weit ist, dass er gelassen über die Autobahnbrücke gehen kann. Ob er schon so weit ist, dass ich ihn ohne Führperson vom Boden fahren kann. Schließlich wann er wohl so weit ist, dass ich einmal kurz aufspringen darf. Ich habe all diese Ziele und natürlich bin ich sicher, dass wir das alles schaffen. Aber ich möchte Duncan den Zeitpunkt bestimmen lassen, wann es so weit ist. Denn der Weg ist das Ziel und das Ziel ist in meinem Fall einfach eine wunderbare Zeit gemeinsam mit meinem wunderbaren Pony zu verbringen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 86

Manchmal kann mein Mädchen ja ganz romantisch sein. Wenn sie mich so verliebt anschaut und mir erzählt wie wunderschön ich bin (weiß ich, aber ich hör das natürlich trotzdem immer sehr gern). Oder wenn sie ganz lieb mit mir kuschelt und mir einen Kuss auf meine weiche Nase drückt. Oder wenn wir gemeinsam durch die Natur spazieren und einfach nur das Zusammensein genießen.

Und dann hat sie diese anderen Momente. Da vergisst sie die Romantik irgendwie. Ich meine: was soll das hier denn bitte?

Romantik ade!

Sie hat gesagt, es dient meiner Ausbildung. Ach ja? Was jetzt genau?Naja so Abhärtung gegen den Verkehr halt. Witzig. Brauch ich doch nicht, kann ich doch schon. Danke für das Gras aber so lecker schmeckt das an der Stelle jetzt gar nicht mal.

Zum Glück hat sie schnell kapiert dass ich das nicht romantisch finde aber auch nicht üben muss. Und sie hat gesagt, das wäre dann jetzt abgehakt und wir sind noch ganz nett weiter spazieren gegangen. Na gut. Aber nächstes Mal bitte wieder etwas stimmungsvoller, ja?

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Von vorn

Vor ein paar Wochen ist Duncan mir ja abgehauen vom Reitplatz. Ihr erinnert Euch?  https://schotten-pony.com/2020/09/17/duncan-lektion/

Seitdem war ich auf dem Reitplatz sehr vorsichtig mit ihm. Wir machen es im Moment so, dass wir genau EINE Übung machen und wenn die klappt ist Schluss. Zeitaufwand maximal 5 Minuten. Er versteht ja auch alles immer so schnell und macht es dann auch, also sind das sehr kurze Einheiten.

Vom „longieren“ bei dem er mir abgehauen war, hatte ich bisher abgesehen. Ich habe stattdessen Übungen gemacht, die ihm zeigen, dass das Hauptziel immer ist, dass der Strick durchhängt. Neulich habe ich dann zum ersten Mal wieder angefangen, ihn um mich herum gehen zu lassen. Und siehe da: ich konnte das Problem sehen. Eine Winzigkeit von „wenn Du mich rausdrückst laufe ich ins Halfter“. Gar nicht viel und etwas was ich vorher nicht so ernst genommen hatte. Ich dachte, er wird schon merken dass das nicht die Lösung ist und habe ihn quasi einfach festgehalten und weitergemacht. Aber im Nachhinein denke ich, diese Winzigkeit hat mir nachher das große Problem beschert. Der Widerspruch, den ich in seinen Augen aussende „geh weg aber bleib hier“ ist noch nicht aufgelöst und so ist es dann eben schief gegangen. Gut, also werde ich es ihm jetzt von vorn erklären. Ich hab ja Glück, ich bin mit meinem Bodenarbeitslehrer verheiratet und der hilft mir auf die Sprünge. Wir üben Kreisslalom – Duncan geht im Kreis um die Hütchen um mich herum, immer ein Hütchen außenrum, eins innenrum. Und mein kluger Mann gibt mir den Tipp „sag ihm was er tun soll“. Ist ja irgendwie altbekannt und ich hätte es wissen können. Es ist ja nicht so, dass Duncan „geh raus“ und „komm rein“ als Stimmkommando verstehen könnte, aber natürlich bewege ich mich viel eindeutiger wenn ich es laut ausspreche und schon funktioniert es und Duncan hat Feierabend.

So bauen wir das jetzt also schön von vorn auf. Entgegen meiner eigentlich Vorlieben und Gewohnheiten arbeite ich mit Duncan derzeit auch ohne Gerte. Er ist so sensibel und je mehr Information ich ihm gebe desto schneller ist er überfordert. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren verarbeitet jeden noch so kleinen Hinweis (wo Finlay gern mal großzügig gefiltert hat was er unwichtig fand bzw was ihm nicht in den Kram passte) und allein das Zeigen mit der Gerte ist dann eben noch eine Information obendrauf und macht den Overload. Eigentlich ist Duncan mir da ganz schön ähnlich. Ich selbst bin auch schnell reizüberflutet und nehme zu viele Informationen auf. Der Trick ist, das zu merken. Bei mir und bei Duncan. Denn uns beiden sieht man das gar nicht so gut an. Und während ich lang gebraucht habe um für mich selbst herauszufinden warum ich eigentlich manchmal so durcheinander und gereizt bin, habe ich jetzt bei Duncan die Chance, das schneller zu verstehen. Die reinen Umweltreize – der Spaziergang durchs Dorf – die sind kein Problem. Aber Informationen von mir, die er anscheinend (zu meiner Freude) als sehr wichtig einstuft, davon kommt dann schnell mal zu viel. Und so darf ich mich ganz zurücknehmen, gerade so als hätte ich einen Araber in der Hand oder einen Spanier, darf die Hilfen minimieren und mich wundern, dass ein Highlandpony so sein kann. Was für eine erstaunliche Mischung aus Mut und Robustheit gepaart mit dieser hohen Sensibilität, wahnsinnigem Lernvermögen und großer Motivation.

Es gibt noch eine Geschichte, die meiner Meinung nach dazu passt. Bisher kannte Duncan zum Thema Beine nur „Hufe geben“. Jetzt gab es etwas neues zu lernen denn für unsere Spaziergänge im Dunkeln trägt er Leuchtbänder an den Beinen. Das klassische Problem: wenn man ihm ans Bein fasst um das Leuchtband festzumachen, hebt er den Huf – so hat er es gelernt. Ich habe mir dann überlegt, wenn ich seitlich komme, soll das Bein stehenbleiben. Beim Hufe heben steht man ja immer parallel zum Pferd. Bereits nach dem Anbringen von 3 Bändern mit entsprechender Belohnung war der Fall für ihn klar. Und ich mal wieder baff.

Leuchtbänder als Anlass, etwas neues zu lernen und mich wieder mal in Staunen zu versetzen.

Manchmal denke ich ja, es ist ganz normal dass die so schnell lernen. Wir können das durchaus öfter mal beobachten. Es ist nur bei den meisten Pferden verschütt gegangen unter all den unklaren Informationen die sie in ihrem Leben schon erhalten haben. Sie filtern dann vieles raus, weil es keinen Sinn ergibt. Und natürlich nutzen Pferde ihr Lernverhalten unterschiedlich. Der eine, um möglichst energiesparend durchs Leben zu kommen, der andere um möglichst oft an etwas zu essen zu kommen, der dritte für eine Menge Schabernack  und der vierte für eine große Portion Liebe. Und genau in diese Kategorie scheint mein kleiner Abenteurer zu fallen. Da stehe ich und staune, denn das hatte ich nicht erwartet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 85

Liebe Menfen,

ich hatte Euch ja neulich fon erfählt, daff ich grofe Taten vorbereite. Und jetft ift ef fo weit!

Na wie gefällt Euch meine föne Fahnlücke?

Ich bin dem erwachfenwerden ein grofef Ftück näher gekommen! Mein Mädchen ftaunt mal wieder über mich, weil ich früh dran bin mit dem Fahnwechfel – aber ich hab ja flieflich nicht ewig Zeit! Das wachfen ift nicht so wichtig, aber wenn ich irgendwann auf Diftanfritt gehen will dann fauen die ob meine Fähne ganf fertig gewechfelt find und wenn nicht darf ich nicht ftarten – also hat der Fahnwechfel eindeutig Priorität! Wie grof ich bin ift denen nämlich echt egal.

Leider bleibt noch viel Arbeit übrig. Daf ift ja nur der erfte Fneidefahn (der fweite ist auch fon fast rauf) aber ich muff noch foooo viele andere Zähne wechfeln – uff! Ganf fön anftrengend finde ich daf. Ich habe auch vorerft alle anderen Aktivitäten wie wildef fpielen und die anderen ärgern auf Eif gelegt, bin total befäftigt mit der Fahnerei. Der neue Fahn muff ja auch erft gemacht werden und daf mache ich auch ruckifucki! Ihr könnt ihn fon fehen auf dem Bild!

Euer fahnender Fir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 84

Mein Spaziergehkumpel hat einen neuen Kumpel! Der ist gestern hier eingezogen. Wohnt mit meinem Spaziergehkumpel und seiner Stute zusammen.

So jetzt würde ich normalerweise an dieser Stelle sagen: „die Freunde meiner Freunde sind auch meine Freunde“ aber mein Spaziergehkumpel ist noch nicht ganz sicher was er von dem Neuen hält. Also Freunde sind die (noch) nicht. Mein Spaziergehkumpel meint, der Neue wäre zwar an sich ganz ok, würde ihm aber die Stute und seine Mädchen streitig machen wollen und das wäre natürlich so gar nicht ok! Ich glaube er muss noch darüber nachdenken ob er den Neuen mag. Ich denke da auch noch drüber nach. Werde ihn erst mal beobachten so über den Zaun hinweg. Mein Mädchen sagt wir gehen auch bald mal mit dem spazieren. Dann hab ich zwei Spaziergehkumpel…. na ich werde Euch berichten wie es mir gefällt!

Seht Ihr das weiße Pony rechts im Bild? Das ist der Neue. Wir haben uns schon mal so über zwei Zäune angeschaut.

Euer nachdenklicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 83

Kennt Ihr das, wenn die Klamotten kneifen? Bei Merlin und Caruso passiert das manchmal im Sommer. Die haben ja so Decken gegen die fiesen kleinen Mücken. Abends, wenn mein Mädchen ihnen die Decken anzieht, passen sie ganz gut. Aber nach einer Nacht auf der Weide sind die Bauchgurte plötzlich merkwürdig eng! Und manchmal wenn wir besonders leckeres Gras hatten, passt Carusos Decke gar nicht mehr richtig, dann muss mein Mädchen den einen Bauchgurt auf lassen.

Ich hab ja normalerweise nix an. Außer halt mein Halfter. Und das schwarze Halfter das ich immer anziehe wenn ich in der Wackelkiste unterwegs bin, das ist was ganz besonderes. Das hat so nämlich Klett, falls ich mich damit in der Wackelkiste verhake geht das auf. Naja nun ist es aber so: angeblich (so sagt jedenfalls mein Mädchen) wachse ich ja nicht genug. Aber es gibt schon Stellen an denen ich wachse! Zum Beispiel am Kopf. Deswegen hat sie mir ja schon vor geraumer Zeit ein größeres Halfter gekauft. Aber das größere Halfter passte nun auch nicht mehr richtig. Ich bin ja meinem Papa so ähnlich: gleiche Farbe, genauso hübsch, der gleiche tolle Charakter, die gleichen wundervollen Augen. Naja und der gleiche kräftige Unterkiefer. Und mein Unterkiefer, der ist jetzt so doll gewachsen, dass das Halfter kneift! Der blöde Karabiner da an der Seite der hat mir immer in die Backe gedrückt. Und wenn mein Mädchen den zu gemacht hat dann hab ich immer ein bisschen so ein Gesicht gezogen um ihr zu sagen dass mir das nicht gefällt. Und sieh an: sie hat mich verstanden! Und hat jemanden gefunden, der für mich das Halfter umgebaut hat. Jetzt ist aus meinem kleinen alten Halfter und dem größeren neuen ein wirklich passendes Halfter geworden und das kann noch so viel verstellt werden dass es mir auch noch passt wenn ich ganz fertig bin mit wachsen. Toll oder?

Als ganz besonderes Pony brauche ich ein ganz besonders Halfter! Ist doch logisch oder?

Ich bin ganz zufrieden mit meinem Mädchen. Hat zwar etwas gedauert bis sie das Problem gelöst hat, aber immerhin, sie hat es kapiert und was dagegen getan. Und danke an die nette Näherin (eine meiner heimlichen Bewunderinnen)!

Euer zufriedener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 82

Bisher hat mein Mädchen mir immer geholfen wenn es darum ging, aus der Wackelkiste auszusteigen. Sie hatte Angst dass ich versuche, mich umzudrehen. Pah! Als ob ich so etwas Dummes machen würde! Jetzt hat sie endlich kapiert, dass ich weiß wie das geht. Aber seht selbst!

Erst musste ich mal überlegen ob ich überhaupt aussteigen will – da war doch noch Heu übrig! Aber wenn sie mich so lieb ruft …. (hat sie bestimmt einen Keks für mich!)

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Ja der Mann kommt ins Bild gerannt weil er fürchtet dass ich schräg runter gehe und daneben trete. Kein Vertrauen in meine Fähigkeiten…. Tsssss…..Und deswegen muss man mir die Show vermiesen?

Zeit

Mir scheint,mein kleiner Forscher hat mal wieder sein Klemmbrett raus geholt. Diesmal forscht er in einer anderen Richtung. Ehrlich gesagt, hätte ich schon sehr viel früher damit gerechnet….

Jedes Pony bekommt irgendwann heraus, was unsere Schwachstelle ist. Und eine Schwachstelle haben wir Menschen alle gemeinsam: die Zeit. Das ist praktisch für die Ponys, denn die haben an der Stelle kein Problem.

Unsere Ponys haben keine Uhr, keine Termine und sie werden auch nicht nach Zeit bezahlt. Im Grunde habe ich keine Vorstellung davon, wie das Zeit-Konzept der Ponys aussieht. Sie entwickeln ja schon ein Gefühl dafür, wann Fütterungszeit ist und sie haben auch so ihren Rhythmus, aber sie tun eben das wonach sie sich gerade fühlen. Die Tatsache, dass sie so viel Zeit haben, macht manches Pony zum Ausbrecherkönig oder bringt es dazu, unglaubliches Geschick im Erhaschen letzter Grashalme unter dem Zaun zu entwickeln. Ich erinnere mich, als ich einmal über meinen jungen Hund gesagt habe „ich weiß gar nicht woher die das alles weiß“ hat mir jemand geantwortet „die hat nichts anderers zu tun als dich den ganzen Tag zu beobachten“. Und das war so einer dieser Sätze wo ich schlagartig etwas verstanden habe. Unsere Tiere und auch die kleinen Kinder haben nichts anderes zu tun als zu beobachten. Und dann probieren sie aus. Und an irgendeinem Punkt beobachten sie, dass Zeit unsere Schwachstelle ist. Und dann fangen sie an, das für ihre Belange zu nutzen.

Duncan zum Beispiel kann zum putzen wunderbar unangebunden auf dem Hof stehen. Ab und zu gibt es einen Keks dafür, jetzt gerade versuche ich die Keksrate etwas zu senken. Damit ist mein Ritter nun nicht so ganz einverstanden, aber anstatt nach Keksen zu fragen, hat er sich überlegt, dass man ja auch selbst auf die Suche nach Fressbarem gehen kann. Ein Heuhalm hier, ein Haferkorn von Merlin da. Und schon steht man nicht mehr still. Ich nehme ihn am Strick, stelle ihn wieder auf seinen Platz, sage ihm, dass er dort stehen soll. Wende mich wieder dem Putzen zu – zack, geht Duncan wieder los. Ich nehme seinen Strick, stelle ihn wieder an seinen Platz, sage ihm, dass er da stehenbleiben soll. Wende mich wieder dem Putzen zu – Duncan geht wieder los. Ich nehme ihn am Strick und stelle ihn wieder auf seinen Platz. Und das könnt Ihr jetzt ein paar Mal in Dauerschleife lesen, dann habt Ihr einen realistischen Eindruck.

Duncan weiß aber nicht, dass meine Lieblingsreitlehrerin mir mal den entscheidenden Tipp gegeben hat, wie man solche Situationen durchsteht ohne wahnsinnig zu werden. Sie sagte „das Pferd soll aus der Situation rausgehen mit dem Gefühl: warum war ich so blöd und hab mir so viel Arbeit gemacht, wenn die Lösung so einfach ist?“

Das ist seitdem immer mein Tipp auch an meine Schüler: je länger es dauert, desto mehr können wir uns freuen! Denn je länger es dauert, desto größer ist nachher der Aha-Effekt beim Pferd: so einfach hätte es sein können! Ich hätte das alles viel schneller haben können und mit viel weniger Aufwand! Da hätte ich wohl besser das gemacht was mein Mensch gesagt hat…..

Und so haben wir doppelten Erfolg: das Pferd hat eine gute Verhaltensweise gelernt und es hat auch noch gelernt, dass sein Leben viel leichter ist, wenn es tut, was wir ihm sagen.

In Duncans Fall bedeutet das, dass er einfach nur noch kurz stehenbleiben soll und dann kommt der Keks, während dieses ganze Herumgewandere ihm nur einbringt, dass ich ihn immer wieder zurück schicke auf seinen Platz.

Auch an einer anderen Stelle probiert Duncan diese Taktik (hier ist sie nur nicht ganz neu, das hat er schon mal versucht): wie gehen spazieren, Diego vorne weg. Dann hält Arnulf Diego an und lässt ihn grasen. Duncan sieht das und möchte natürlich auch sofort zum Gras! Er zischt nach vorne und beachtet mich nicht. Ich bleibe wortlos stehen, er rennt in den Strick, dreht sich um, schaut mich fassungslos an. Ich bleibe stehen, lasse ihn um mich herumgehen, sage ihm, wo er hätte anhalten sollen. Er ignoriert mich, läuft in den Strick, dreht sich wieder um und schaut mich fassungslos an. Erst im 3. Versuch schafft er es, so anzuhalten wie ich es ihm sage, dann darf er grasen. Ich versuche, so entspannt wie möglich zu bleiben und ihn selbst herausfinden zu lassen, wie er am schnellsten ans Gras kommt. Er war an dem Punkt schon mal, im Frühling. Jetzt, wo die Weidesaison beendet ist und die Ponys von Heu leben müssen, ist der Wert des Grases am Wegesrand deutlich gestiegen und er fängt wieder an zu diskutieren.

Ich persönlich mag es, wenn Ponys das Zeit-Spiel spielen. Auf irgendeinem Wege muss man ja auch mal Dinge ausdiskutieren und das Spiel auf Zeit ist so schön entspannt und gewaltfrei. Kein wildes Zerren am Strick, kein Beißen, Rempeln oder andere Fiesigkeiten. Mein Spruch an der Stelle ist immer „sei sturer als Dein Pony“. Und der jahrelange Umgang mit Ponys hat meine Sturheit zur vollen Blüte kommen lassen. Jetzt wird sie also wohl dem Duncan-Test unterzogen. Ich bin gespannt, wie viel Sturheit in ihm steckt und wann er wieder die Taktik wechselt. Und ich achte wieder besonders gut darauf, genug Zeit mitzubringen, wenn ich etwas bestimmtes von ihm will. Denn er hat Zeit ohne Ende……

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 81

Gestern waren wir noch mal zusammen los – Diego der Große und der Mann und mein Mädchen und ich. Auf einer sehr schönen Strecke die ich noch nicht kannte.

So ein schöner Ausflug!

Aber dann sind wir an einem Hof vorbei gekommen wo ich schon mal war! Und zwar im Frühjahr. Damals sind wir da mit der Wackelkiste hin gefahren damit wir auf die Waage konnten. Und mein Mädchen hat sich erinnert dass ich das sooooooo aufregend fand – nicht die Waage, sondern die vielen, vielen anderen Pferde die da überall herumgelaufen sind. Ich finde fremde Pferde immer so spannend und möchte gern jeden näher kennenlernen und Freundschaft schließen! (Wollte mein großer Bruder auch immer, sagt mein Mädchen. Wir Schotten sind eben gesellige Wesen!). Früher hab ich dann manchmal vergessen dass mein Mädchen auch noch da ist. Jetzt haben wir das aber schon ein paar mal geübt so beim Spazierengehen wenn uns andere Pferde entgegengekommen sind oder wir an Pferdeweiden vorbei gegangen sind. Mein Mädchen hat gesagt ich darf gucken und ich darf auch wiehern. Aber ich muss immer darauf achten was sie sagt und darf nicht drängeln und schubsen oder ziehen. Ok hab ich kapiert. Gibt auch Kekse wenn ich das schaffe. Na und jetzt meinte sie wir gehen da nochmal an dem Hof vorbei. Rechts Pferde auf der Weide, links Pferde auf der Weide und vor uns noch eine Gruppe Reiter. Und mein Mädchen hat gedacht, das wird bestimmt anstrengend für uns beide weil es mir bestimmt schwer fallen wird, die Regeln einzuhalten. Pah! Ich bin doch jetzt so viel größer und erwachsener als im Frühling. Ich kann das jetzt! Bin einfach neben ihr her gelaufen. Hab geschaut wo die schönsten Pferde stehen aber eben nur geschaut. Und als einer mir zugewiehert hab, hab ich geantwortet aber ich bin ganz brav weiter gegangen. Oh und da ist mein Mädchen mal wieder total ausgeflippt weil sie mich ja soooooooooooooooo großartig findet! Das sind so Momente wo sie immer ganz überrascht ist was ich jetzt schon alles kann was vor ein paar Monaten noch nicht ging. Ach Mädchen, ist ja nun nicht so als hätte ich die vergangenen Monate nur rumgestanden! Wir haben doch so viel geübt und ich bin doch so reif und vernünftig und erwachsen geworden, hast Du das gar nicht bemerkt? Na jetzt hat sie es geschnallt. Und das ist immer so süß wenn sie sich so freut. Den ganzen Tag kann sie sich dann freuen. Und den Tag danach auch noch. Ist echt leicht, sie glücklich zu machen.

Heute ist es hier ganz stürmisch, da bleiben wir schön zu hause. Vielleicht gehe ich nachher noch bisschen wippen (Bauch-Beine-Po-Training. Will ja schließlich ein stattlicher Hengst werden!).

Fliegt nicht davon bei dem Wind! Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 80

Tipps gegen den Herbstblues von Eurem Influencer-Förster:

– Herbstspaziergang mit einem guten Freund machen und die Farben genießen

– Nase ins Laub und durchschieben

– Lichtung im Wald finden auf der noch Gras wächst

– ganz laut mit den Füßen durchs Laub rascheln

– die allerletzten Eicheln aufsammeln

– Blätter verkosten

– der Haut etwas gutes tun mit einem Peeling oder einer Schlamm-Packung

– die schönen bunten Blätter als Deko nutzen

– mit dem Lieblings-Menschen kuscheln

So kommt Ihr gut durch die allerschönste Jahreszeit, liebe Menschen! Lasst es Euch gut gehen

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel