Wissen, können, wollen

Ich stehe auf dem Platz und schaue meiner Schülerin und ihrem Pferd beim Üben zu. Plötzlich muss ich grinsen. Wir haben noch nichts geübt, was von außen so aussieht als würde es ihr eigentliches Problem lösen. Sie kam nämlich zu mir um bei der Bodenarbeit mehr auf Distanz gehen zu können. Ihr Pferd möchte immer ganz nah bei ihr sein und tritt ihr dabei lieber fast auf den Fuß als selbständiger und etwas weiter weg zu sein. Nun bin ich ja pragmatisch: Gerte nehmen und das Pferd auf Abstand halten, dann im richtigen Moment belohnen und – zack – Problem gelöst. Aber diese Schülerin möchte das nicht. Sie arbeitet mit positiver Verstärkung, sie möchte möglichst überhaupt keinen Druck machen. Also finden wir andere Wege. Und das, was ich durchaus auch jeder anderen Schülerin erzählt hätte, gewinnt nun mehr Bedeutung. Das ist gut für mich, denn die Prioritäten verschieben sich und ich lerne unglaublich viel wenn ich mir neue Wege ausdenken muss (hoffentlich verlangt sie nicht nächstes Mal Geld von mir!)

Ich habe mir also das Treiben der beiden angeschaut und beobachtet, dass ihr Pferd große Probleme mit dem Gleichgewicht hat. Das klingt ja immer ein bisschen verrückt, schließlich hat so ein Pferd an jeder Ecke ein Bein und das sollte doch völlig ausreichen. Tut es ja auch – bis der Mensch ins Spiel kommt.

Bei Duncan kann ich das nun schön noch einmal von vorne beobachten: im Laufe der ersten Lebensjahre, gerade auch wenn der Körper sich durch Wachstum ständig verändert, müssen die Pferde immer wieder neu ausprobieren, wie es geht. Duncan lotet – wie es sich für einen kleinen Hengst gehört – vor allem auch mal die Grenzen des Machbaren aus: wie hoch kann ich steigen, bevor ich umfalle? Wie schnell kann ich um die Kurve sausen bevor es mir die Füße wegzieht? Wie muss ich mein Verhalten an die Bodenverhältnisse anpassen damit mir nicht vier Füße in vier verschiedene Richtungen wegrutschen? Lernen durch Erfahrung. Mir wird regelmäßig ein bisschen schlecht, wenn ich ihn dabei beobachte, aber obwohl mein Gefühl schreit „du musst das verhindern, der wird sich verletzen!“ weiß mein Kopf: es geht eben nur so. Um es mit den Worten meines Schwagers über seine Kinder zu sagen „wenn die nie irgendwo hochklettern wissen sie nachher nicht wie tief man da runter fällt“. Körpererfahrung ist durch nichts zu ersetzen.

Wenn so ein Pferd dann aber ausgewachsen ist und seine Bewegungsmuster und Erfahrungen hat, dann tut sich da oft nicht mehr so viel. Und dann kommt der Mensch. Und möchte Einfluss nehmen – so oder so. Schneller oder langsamer, rechtsrum oder linksrum, eleganter, über den Sprung und das alles mit so einem „Rucksack“ auf dem Rücken oder einem „Körpersprachlegasteniker“ an der Seite. Denn mal ehrlich: Menschen die ihren Körper so im Griff haben, dass sie dem Pferd wirklich HELFEN können sind rar gesät. Meistens sind wir eher ein Störfaktor.

Nun sind die meisten Pferde bereit, eine Menge für uns zu tun. Sie geben sich wirklich Mühe und deswegen finden sie Wege, das zu tun, was wir möchten. Diese Wege sind aber nicht immer gut fürs Pferd. Viele finden heraus, wie sie uns tragen und ausbalancieren können, wissen aber nicht, dass sie sich selbst damit sehr schaden, wenn sie nicht die richtige Muskulatur einsetzen. Und gerade der „Klassiker“ in der Bodenarbeit, das longieren, endet oft darin, dass das Pferd zwar im Kreis um den Menschen herum läuft, aber dabei eher zentrifugiert als gymnastiziert wird.

Warum ist das so? Jeder, der mal mit einem kleinen Kind oder seiner alten Oma spazieren gegangen ist, erinnert sich vielleicht, wie anstrengend das ist. Da ist jemand, der ein ganz anderes Tempo, einen ganz anderen Rhythmus hat als man selbst. Schon mit jemandem zu gehen, der ein kleines bisschen schneller oder langsamer ist, kann einen raus bringen. Nicht selten sind wir danach total verspannt. Auch geistig kann es einen schnell an den Rand der Verzweiflung bringen.

Wirklich synchron zu sein, sich genau passend zum anderen zu bewegen ist eine große Kunst. Und wunderschön anzusehen, falls Ihr Lust auf ein schönes Video habt.

Und so sehr wir auch denken, dass wir dem Pferd „nur“ sagen müssen was es machen soll: ich glaube das stimmt nicht. Ich glaube, auch wenn wir „nur“ in der Mitte stehen und unser Pferd um uns herum läuft, wird es eine Art Synchronisation suchen mit uns. Das ist seine Natur. Es wird versuchen, sich an uns anzupassen. Das ist verdammt schwer. Und da kommt dann das Gleichgewicht ins Spiel.

Und so stehen meine Schülerin und ihr Pferd auf dem Platz und üben, zunächst direkt nebeneinander, dass das Pferd auf Kommando sein Gewicht von der einen Schulter mehr auf die andere bringt. Dass es sich langsamer und schneller bewegen kann im Gleichklang mit dem Menschen. Dass es seine eigene Körperbalance wieder findet ohne den Kontakt zum Menschen zu verlieren. Und ich stehe daneben und staune, wie schwer das eigentlich ist.

Eine der magischen Fragen in der Pferdeausbildung ist ja immer die: warum macht das Pferd das nicht? Weil es nicht weiß, was es tun soll. Oder weil es das, was es tun soll, nicht kann. Oder weil es nicht will. Und das ist dann eben die Frage. Mit einem jungen Pferd hat man da einen gewissen Vorteil, denn erst mal kann man ja davon ausgehen, dass das Pferd einfach nie weiß, was es tun soll. Aber später wird es komplizierter. Und je länger ich Pferde ausbilde, desto öfter finde ich ein „das Pferd kann das nicht“ wo ich früher auf eine der beiden anderen Optionen getippt hätte.

Ich habe noch eine ganze Menge zu dem Thema zu sagen, aber das wird hier zu lang. Also komme ich später darauf zurück. Bis dahin beschäftige ich mich und meinen kleinen Ritter mit einfachen Körpergefühls-Übungen. Wippen. Stufentraining. Über die Matraze laufen. Mit Stangen spielen. Er wird Euch darüber berichten.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 103

In Urlaub war sie. Ohne mich. Na toll. Und ich hab Langeweile geschoben. Klar, das Mädchen vom Spaziergehkumpel ist jeden Tag gekommen und hat mir die Schnute eingeschmiert. Aber ich bin ja so fürchterlich artig, dass es dazu noch nicht mal ein Halfter braucht. Dauert 5 Minuten und das auch nur weil sie so nett war mit mir vorher und nachher zu „üben“ (ich weiß doch wie das geht aber fürs Üben gibt es noch Kekse). Dann war sie wieder weg. Und ich hatte Langeweile. Habe meine Kumpels geärgert, immer reihum. Mit Gatsby bisschen rennen, mit Caruso bisschen boxen, mit Diego bisschen Popokneifen, mit Merlin bisschen drehen. Dann wieder zu Gatsby. Und es ist so rutschig, es ist mehr Geschlitter als Spielen. Wobei das den Spaßfaktor ja auch erhöht, wenn man Gefahr läuft, auf die Nase zu fallen!

Der Bremsweg ist zur Zeit etwas länger. Zum Glück habe ich Allhuf- Antrieb also vorwärts geht gut! Und wer bremst hat Angst!

Dann war mein Mädchen wieder da! Erst habe ich das gar nicht so richtig glauben können. Merlin auch nicht. Ich hab ein bisschen mit ihr gekuschelt, aber Merlin hat sie gar nicht richtig angeschaut. Der war muksch mit ihr, glaube ich. Aber als sie am nächsten Morgen im Stall aufgetaucht ist und alles wieder so war wie es sich gehört, da haben wir uns beide doll gefreut. Und ich habe ihr dann beim Absammeln erzählt, wie furchtbar langweilig mir ist! Sie hat gelacht und gesagt, ich darf nicht gegen das Knatterpferd treten und ich darf auch nicht an den vielen Hebeln herumspielen aber sie würde nachher mit mir spazierengehen. Dann ist sie weggegangen. Ich weiß aber, wenn sie aus dem Fenster schaut! Also habe ich eine kleine Showeinlage gemacht. Damit sie sieht, WIE langweilig mir ist! Diego fand es nur so halb lustig. Ich hatte erst schön mit ihm gespielt aber als ich ihn einmal zu oft in den Po gekniffen habe, wurde er etwas sauer….. bin dann also lieber noch allein eine Runde gerannt.

Schau, Mädchen, ich hab sooooo viel Extra-Energie!

Zum Glück hat mein Mädchen die Botschaft verstanden und kam dann zum Spazierengehen. In der ersten halben Stunde meinte sie, ich sei furchtbar nervig, aber das sei ja zu erwarten gewesen. Was denn? Ich wollte nur etwas schneller! Und zwischendurch Gras naschen! Und sie kneifen! Und schneller laufen! Und wieder naschen und dann wieder kneifen! Aber sie….. immer soll ich anständig sein. Seufz. Naja, später ging es mir dann schon etwas besser und dann kann ich auch besser anständig sein. Dann freut mein Mädchen sich immer.

Und später am Abend haben wir dann sogar noch gewippt! Und natürlich hab ich das großartig gemacht. Ehrensache. Jetzt ist sie also wieder da und ich werde auf entsprechende Unterhaltung bestehen. Und nicht dass sie mir nochmal in Urlaub fährt! Ist ja nicht zum aushalten!

Euer energiegeladener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 102

So, liebe Menschen, neues Jahr, neues Glück! Habt Ihr Vorsätze fürs neue Jahr? Mein Mädchen ja leider nicht. Dabei hätte ich da so ein zwei Vorschläge für sie gehabt…

…. aber naja. Ich selbst habe mir einiges vorgenommen für das Jahr 2021!

Mein Mädchen meint, ich soll mal vor allem ganz viel wachsen. Ich finde das aber gar nicht so wichtig. Ich möchte vor allem raus! Abenteuer erleben. Deswegen werden wir auch einen zweiten Hundertmeiler bestreiten. Diesmal sollen ja nur die Kilometer zählen, die wir an der Kutsche schaffen – mein Spaziergehkumpel vorn und ich hinten.

Außerdem möchte ich mein Mädchen dazu bringen, mehr mit mir zu unternehmen. Öfter spazierengehen, länger spazierengehen, ganz viel wippen und sonst auch ein paar lustige Sachen machen. Soll sie sich mal was einfallen lassen!

Dann möchte ich natürlich auf jeden Fall die Keksrate steigern! Da geht doch noch was! Ich habe mir überlegt, dass ich nicht nur einfach artig bin, sondern spektakulär viele neue Dinge lerne und dafür unendlich viele Kekse bekomme bis mein Bauch ganz rund wird! Und dann klappt es vielleicht auch mit dem Wachsen. Wenn ich Lust hab.

Ansonsten werde ich mich als Fitnesstrainer für alle betätigen: Für Diego den Großen, Gatsby, Caruso und Merlin, für meinen Spaziergehkumpel, für mein Mädchen und den Mann. Da habe ich gut zu tun!

Natürlich werde ich auch weiter fleißig für Euch Tagebuch schreiben. Und mein Wallehaar soll auch noch länger werden.

Uff, das wird ein Jahr, so viel zu tun!

Euer schwer beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel

Puzzleteile

1000 Teile liegen vor uns. Da muss man schon ein bisschen verrückt sein. Und die sixtinische Kapelle hat es in sich: die großen Strukturen kommen alle mehrfach vor, 8 Bögen, 8 blaue Fenster, 8 dreieckige Friese. Es gibt kein oben und kein unten. Jedes Teil sieht anders aus und doch sehen sie sich unheimlich ähnlich.

Natürlich fängt man mit dem Rahmen an. Danach suchen wir Strukturen, an denen wir uns entlanghangeln können. Und ich denke an mein Pony. So ein Rahmen, der ist schnell gebaut. In den vergangenen 15 Monaten haben wir einen Rahmen für unser Zusammensein geschaffen: Dinge, die man niemals tut und Dinge, die immer im Rahmen des Erlaubten liegen. Für uns beide sind Orientierungslinien enstanden was der andere mag oder nicht mag, was akzeptabel ist und was nicht, wo wir Spielraum zum Ausprobieren haben. Jetzt suchen wir nach Strukturen, an denen wir uns entlanghangeln können. Welches Teil gehört wohin? Wie so ein Puzzle stelle ich mir die Ausbildung meines Ponys vor: alles ist schon da, alles ist schon angelegt. Es muss nur an seinen Platz finden, damit ein wunderschönes Bild entsteht.

Der Rahmen ist schnell fertig

Man kann versuchen, jedes Teil in die Hand zu nehmen und anhand des Bildes zu identifizieren wo es hin gehören mag. Man kann Teile nach Form sortieren und probieren. Man kann versuchen, einzelne Teile zuerst zusammenzusetzen und dann später das große Ganze zusammenzufügen. Alle Wege können erfolgreich sein. Bei 1000 Teilen haben sie alle eins gemeinsam: es ist viel Arbeit. Und jedes Teil will angefasst werden, geschenkt gibt es nichts. Dabei muss man immer darauf achten, dass kein Teil herunterfällt und unter dem Tisch liegen bleibt, sonst hat das Bild nachher ein Loch.

Silvester tut immer so, als wäre etwas zu Ende und etwas Neues würde anfangen. Das ist aber gar nicht wahr. Es ändert sich lediglich das Datum, der Rest bleibt wie er ist. Natürlich mag für den ein oder anderen am 1.1. eine Veränderung anstehen, aber wohl nicht mehr als am 1.4. oder 1.8.  Vorsätze für das neue Jahr gibt es bei mir nicht. Man kann jeden Tag etwas ändern oder es lassen. Und ein 1000 Teile Puzzle setzt sich nicht plötzlich von selbst zusammen nur weil 2021 ist. Mein Pony kennt das Datum nicht. Er möchte weiter mit seinen Freunden seinen Alltag verbringen und von mir die Extra-Bespaßung bekommen die das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren braucht, um rund zu laufen. Er weiß nichts von den 1000 Teilen, aber auch er nimmt wahr, wie sich ein Bild zusammenfügt und er arbeitet fleißig daran mit. Er probiert aus und findet heraus, was ich wie meine und ich probiere aus und finde heraus was er wie meint und wir beide bauen ein Bild zusammen von dem wir bisher nur eine wage Idee haben. Aber eines wissen wir: ein schönes Bild soll es werden.

2020 oder 2021, das spielt dabei keine Rolle. Jeder Tag, jede gemeinsam verbrachte Minute bringt uns unserem Bild etwas näher. Wir werden ein Leben lang daran herumpuzzeln. Wenn ein Teil fertig ist, bauen wir noch einen neuen Teil an. Denn der Sinn des Puzzelns liegt darin, dass man an jedem Teilchen Freude hat, das seinen Platz findet. Hätte man erst ganz am Ende Freude, wäre das Ganze eine sehr sinnlose Beschäftigung.

Der Rest setzt sich nur langsam Stück für Stück zusammen

Vor uns liegt eine unbestimmte Anzahl an gemeinsamen Tagen. Je schöner wir jeden dieser Tage zusammen verbringen, desto schöner wird unser Bild am Ende sein. Und je schöner wir jeden einzelnen dieser Tage zusammen verbringen, desto schöner wir jeder einzelne gemeinsame Tag sein. Wir gewinnen also auf beiden Ebenen: im Hier und Jetzt und in der unbekannten Zukunft. Und je mehr ich mit Pferden so arbeite, desto weniger interessiert mich der Jahreswechsel. Da ist so ein Fellwechsel interessanter, wenn mein Pony wieder neue Farbschattierungen zeigt.

Ich wünsche Euch einen guten „Rutsch“. Möge 2021 für die Welt als Ganzes viel Gutes bringen, unabhängig vom Datum.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 101

Ich habe mich verletzt! Beim Nahkampftraining mit meinem Spaziergehkumpel habe ich mir irgendwie das Zahnfleisch aufgeschlitzt. Einen Tag bevor mein Mädchen in Urlaub gefahren ist! Sie hat sich ganz doll erschreckt und schon gefragt ob jetzt der Tierarzt kommen muss. Aber das Mädchen vom Spaziergehkumpel und der Mann haben gesagt es ist nicht schlimm. Und das Mädchen vom Spaziergehkumpel hat versprochen, sich ganz hervorragend um mich zu kümmern und mir meine Schnute jeden Tag einzuschmieren. Das tut sie dann jetzt auch. Die Schmiere schmeckt komisch aber fürs einschmieren bekomme ich viele Kekse, das macht alles wieder wett. Wir üben jetzt dass ich meine Zähne zeigen soll, also ich soll es mir nicht mehr nur gefallen lassen dass sie mir die Lippe hochklappt, sondern ich soll mich anstrengen und meine Lippe selbst hochheben damit sie gucken kann. Na, so lange die Bezahlung stimmt….

So habe ich wenigstens etwas Beschäftigung während mein Mädchen in Urlaub ist. Und ich sehe zu dass meine Schnute wieder heile ist bis mein Mädchen wieder kommt, dann freut sie sich.

Euer tapferer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 100

Frohe Weihnachten, liebe Menschen!

Ich wünsche Euch viel Liebe und Frieden im Herzen und viele gute Kekse im Bauch!

Wir haben ein paar Weihnachtsfotos für Euch gemacht. Ein freundlicher Sponsor hat mir eine Mütze und Klingelglöckchen spendiert, ist das nicht nett! Dazu gab es sogar noch ein Paket Kekse – das ist mir ja das wichtigste….

Von links nach rechts: meine Wenigkeit, mein Mädchen, der Mann und Diego der Große. Wusstet Ihr aber eh schon.
Naaaa, wer hat die schönere Mütze?

Wir haben uns alle nochmal für ein Weihnachtsfoto aufgestellt. Mein Mädchen war sehr stolz auf uns, wie fein wir das alle gemacht haben!
Kling, Glöckchen!

Wir werden den Tag heute mit einem schönen Weihnachtsspaziergang begehen – das wird auch mal wieder Zeit! Mein Mädchen sagt, ich würde bald platzen vor Energie. Ja hallo, die Bespaßungsrate ist auch echt mies gerade! Sagen wir mal: die Spaziergehrate ist mies. Ansonsten gibt sie sich schon Mühe. Aber heute wandern wir schön durchs Moor, hat mein Mädchen versprochen.

Also liebe Menschen, findet gute, vielleicht ungewöhnliche oder neue Wege, diese Tage zu feiern. Ein Spaziergang in der Sonne wäre ein guter Tipp von Eurem Förster-Influencer. Ist nämlich gesund und macht Spaß! Und so ein Weihnachtsapfel ist sich nicht zu verachten.

Ansonsten möchte ich an dieser Stelle meinen Blogger- Kollegen Pfridolin Pferd zitieren: „esst Kekse und habt euch lieb!“

Euer weihnachtlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Frohe Weihnachten, liebe Menschen!

Plätzchen

Zu Weihnachten backen Arnulf und ich immer Zimtsterne. Arnulf hatte vor ein paar Jahren angemeldet dass er das gerne mal machen möchte und also haben wir damit angefangen. Meine Plätzchen-erprobte Mutter wollte natürlich prompt das Rezept (weil die Dinger echt lecker sind). Aber nach dem ersten Versuch verkündete sie, dass sie das Zimtstern-backen in Zukunft lieber uns überlässt. Weil ihre ganze Küche geklebt hat. Sie backt dafür all die anderen leckeren Sachen, da kommen wir gut bei weg.
Mit den Rezepten ist das ja so eine Sache: man kann versuchen, jemandem genau zu erklären, wie man etwas macht, und trotzdem klappt es beim anderen nicht. Ich zum Beispiel „kann“ keinen Hefeteig. Oder sollte ich sagen: ich konnte keinen Hefeteig. Bis meine Schwester mir dieses wunderbare Buch geschenkt hat. Brot backen in Perfektion. Plötz-Prinzip, winzige Hefemengen, lange Gehzeiten. Klappt jedes Mal. Normaler Hefeteig hingegen geht bei mir irgndwie nie. Und dann hat ja jeder seine Tricks, aber keiner von denen funktioniert bei mir.
Handlungsanleitungen sind eine schwierige Sache. Mein Lieblingsvideo dazu findet Ihr hier https://www.youtube.com/watch?v=Ct-lOOUqmyY – ein Lacher zu Weihnachten

Jeden Tag, wenn ich unterrichte, gibt es mindestens eine Situation, in der ich meiner Schülerin etwas erkläre und wenn sie es dann macht, sieht es irgendwie anders aus als das was ich mir vorgestellt hatte. Das ist ja kein Problem, wir probieren es dann einfach so lange, bis wir verstanden haben, was der jeweils andere meint. Schwieriger wird es bei Dingen wie „Ausstrahlung“. Mikro-Körpersprache die wir willentlich nur sehr mittelmäßig bis gar nicht beeinflussen können und die für Pferde so unglaublich wichtig ist. Sie nehmen für bare Münze, was sie uns ansehen. Und sie sehen alles. Es wird behauptet, dass sie unseren Herzschlag hören (keine Ahnung woher man das weiß). Auf jeden Fall sehen sie kleinste Muskelbewegungen. Und „so tun als ob“ hilft da halt auch in den seltensten Fällen. Sie sehen es uns an der Nasenspitze an. Je jünger und unverbrauchter, aber auch je sensibler ein Pferd ist, desto mehr sind sie verwirrt von unseren teils widersprüchlichen Signalen.

Das interessante am Kochen und Backen ist ja: wenn man es gut kann, braucht man eigentlich kein Rezept mehr. Wenn man es aber noch gar nicht kann, funktioniert es oft auch mit dem perfekten Rezept nicht so richtig. Und was hilft dann? Ausprobieren, üben und ab und zu jemanden fragen der sich damit auskennt (was frustrierend sein kann, wenn derjenige dann Dinge ganz einfach aussehen lässt….)

Und so denke ich beim Plätzchen backen darüber nach, wie ich meine Schüler besser unterrichten kann. Ich denke daran, wie ich dieses Jahr im Mai zum ersten Mal etwas gefühlt habe, was mein Reitlehrer mir letztes Jahr im Oktober erklärt hat. Ich bin die Übung unter seiner Aufsicht geritten, aber irgendwie wusste ich nicht, worum es wirklich ging. Umso größer war im Mai meine Überraschung, als ich es plötzlich fühlen konnte und wusste: das hat er gemeint! Ausprobieren und üben kann uns keiner abnehmen. Wenn wir es nicht tun, werden wir nicht weiter kommen.
Auch mit Duncan habe ich dieses Jahr viel ausprobiert und geübt. Inzwischen sehe ich ihm auch manchmal Dinge an der Nasenspitze an. Und wie beim Backen mache ich mir Notizen und frage mich, ob ich nächstes Jahr nicht dieses oder jenes mal anders probiere. Und auch wie beim Backen probiere ich manchmal ein Rezept, dass einfach nicht schmeckt. Aber die altbewährten Rezepte, die werden jedes Jahr noch weiter perfektioniert. Und wenn ich nachher die perfekten Zimtsterne backen kann, aber nichts anderes, dann kann ich wenigstens die perfekten Zimtsterne. Und die schmecken, das sage ich Euch! Im Übrigen habe ich auch hier eine Verbesserungsidee ausprobiert. Aber die Zimtstern-Backmatte hat Probleme erschaffen, die wir vorher gar nicht hatten. So kann‘s gehen. Macht ja nichts, zurück zum Altbewährten.

Und wenn Ihr jetzt Plätzchen-Hunger bekommen habt – hier ist es, unser Zimtstern-Rezept:

Für 2 Bleche

380 g Puderzucker
200 g gemahlene Mandeln
400 g gemahlene Nüsse
3-4 Eiweiß
3 gehäufte TL Zimt
2 Spritzer Zitronensaft oder etwas Bittermandelöl

Die Hälfte der Nüsse beiseite stellen
Den Puderzucker mit den Eiweiß zu einer steifen Glasur schlagen. 1/3 davon zur Seite stellen. Die restlichen Zutaten unter die 2/3 Glasur rühren. Der Teig sollte richtig schön klebrig sein.

Den Teig zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie ausrollen, die obere Folie abnehmen, den Teig dünn mit gemahlenen Nüssen bestreuen. Die Folie wieder drauflegen und das ganze umdrehen (geht am besten zu zweit wenn jeder zwei Ecken der Folie hält). Dann die obere Folie abnehmen, Plätzlich ausstechen. Der restliche Teig kann jeweils wieder verknetet und neu ausgerollt werden. Die Ausstechformen mit etwas Wasser befeuchten und evt ein Essstäbchen zu Hilfe nehmen um den Teig vorsichtig aus den Ecken der Förmchen zu drücken.
Die Plätzchen auf ein Backblech mit Backpapier oder einer Dauerbackfolie legen und mit dem Rest der Glasur bestreichen. Bitte darauf achten, dass sie dickflüssig genug ist, evtl mit mehr Puderzucker eindicken, sonst läuft sie von den Plätzchen herunter. Anschließend bei 150° Umluft 10-12 min backen. Nach dem Backen sind die Plätzchen noch etwas feucht, sie trocknen aber nach. Nicht zu lange trocknen lassen, sonst werden sie zu hart!

Lecker Plätzchen! Frohe Weihnachten!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 98

Manchmal tut Ihr Menschen mir ein bisschen leid. Es mag ja praktisch sein, an warmen Tagen das Winterfell ausziehen zu können. Aber Ihr müsst es ja auch immer anziehen, sonst würdet Ihr bei ganz normalen Temperaturen schon jämmerlich erfrieren. Und dann ist ja dieses An- und Ausziehen auch wirklich unpraktisch. Ich meine: wenn mein Mädchen mich nicht hätte, hätte sie ihr Winterfell selbst durch den Wald schleppen müssen! Wir können unser Fell einfach aufstellen oder anlegen und uns an die Temperatur anpassen. Und so ein Wetter wo mein Mädchen es beim Rumstehen trotz angezogenem Winterfell kalt findet, finden wir gerade gemütlich.

Aber noch schlimmer ist es, wenn es regnet. Da seid Ihr ja überhaupt nicht für ausgerüstet! Unser Fell hingegen ist wasserfest. Das fetten wir immer von innen ein bisschen nach und schon ist es wieder dicht. Schaut: den ganzen Tag im Regen gestanden und unten drunter ist alles trocken. Praktisch, oder? Ihr mit Euren Regenmänteln. Und trotzdem werdet Ihr nass.

Drunter ist es schön trocken und warm.

Und dann will ich ja gar nicht davon anfangen, wie untauglich der Rest Eures Körpers ist. Ihr könnt die Ohren ja gar nicht drehen! Wie soll man da etwas hören können und vor allem wisst Ihr ja nie woher es kommt! Und nachts braucht Ihr Lampen um gucken zu können. Tsssss also ich finde das alles sehr unpraktisch. Und deswegen tut ihr mir ein bisschen leid. Ihr könnt auch nicht schnell rennen, Eure Reaktionszeit ist unter aller Sau (entschuldigt aber ein besserer Ausdruck ist mir nicht eingefallen) und Euer Geruchssinn reicht nur gerade von „Pferdeäppel stinken“ bis „Ponys riechen wunderbar“. Oje, liebe Menschen.

Euer Euch bemitleidender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 97

Heute habe ich einen ganz besonderen Brief geschrieben. Ihr Menschen habt es ja nicht so leicht dieses Jahr. Und besonders die älteren unter Euch. Also bei uns Ponys ist das ja anders. Unser alter Merlin der wohnt ganz normal bei uns anderen. Der geht nur manchmal weg um was extra zu essen (ooooooh was sind wir anderen dann immer neidisch!).

Aber Ihr Menschen habt ja extra Ställe für die alten. Und dieses Jahr darf da kaum Besuch kommen, hat mein Mädchen erzählt. Das ist ja wohl voll blöd! Zum Glück gibt es immer auch unter Euch Menschen welche mit guten Ideen. Da hat jemand die „Aktion Brieftaube“ ins Leben gerufen. Da können die Menschen Briefe schreiben an die alten Leute, die so wenig Besuch bekommen dürfen. Und ich hab da mitgemacht. Ich hab ein bisschen über mich geschrieben und ein Foto mitgeschickt, damit die Menschen, die das lesen, sehen, wie hübsch ich bin.

Ich hoffe sehr, dass irgendwo ein unbekannter Mensch sich über meine Zeilen freut.

Ihr könnt übrigens auch mitmachen! Schaut mal hier

https://www.youngcaritas.de/soziales-engagement/corona/briefe-schreiben/

Das ist ganz einfach und macht viel Spaß!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel