Plätzchen

Zu Weihnachten backen Arnulf und ich immer Zimtsterne. Arnulf hatte vor ein paar Jahren angemeldet dass er das gerne mal machen möchte und also haben wir damit angefangen. Meine Plätzchen-erprobte Mutter wollte natürlich prompt das Rezept (weil die Dinger echt lecker sind). Aber nach dem ersten Versuch verkündete sie, dass sie das Zimtstern-backen in Zukunft lieber uns überlässt. Weil ihre ganze Küche geklebt hat. Sie backt dafür all die anderen leckeren Sachen, da kommen wir gut bei weg.
Mit den Rezepten ist das ja so eine Sache: man kann versuchen, jemandem genau zu erklären, wie man etwas macht, und trotzdem klappt es beim anderen nicht. Ich zum Beispiel „kann“ keinen Hefeteig. Oder sollte ich sagen: ich konnte keinen Hefeteig. Bis meine Schwester mir dieses wunderbare Buch geschenkt hat. Brot backen in Perfektion. Plötz-Prinzip, winzige Hefemengen, lange Gehzeiten. Klappt jedes Mal. Normaler Hefeteig hingegen geht bei mir irgndwie nie. Und dann hat ja jeder seine Tricks, aber keiner von denen funktioniert bei mir.
Handlungsanleitungen sind eine schwierige Sache. Mein Lieblingsvideo dazu findet Ihr hier https://www.youtube.com/watch?v=Ct-lOOUqmyY – ein Lacher zu Weihnachten

Jeden Tag, wenn ich unterrichte, gibt es mindestens eine Situation, in der ich meiner Schülerin etwas erkläre und wenn sie es dann macht, sieht es irgendwie anders aus als das was ich mir vorgestellt hatte. Das ist ja kein Problem, wir probieren es dann einfach so lange, bis wir verstanden haben, was der jeweils andere meint. Schwieriger wird es bei Dingen wie „Ausstrahlung“. Mikro-Körpersprache die wir willentlich nur sehr mittelmäßig bis gar nicht beeinflussen können und die für Pferde so unglaublich wichtig ist. Sie nehmen für bare Münze, was sie uns ansehen. Und sie sehen alles. Es wird behauptet, dass sie unseren Herzschlag hören (keine Ahnung woher man das weiß). Auf jeden Fall sehen sie kleinste Muskelbewegungen. Und „so tun als ob“ hilft da halt auch in den seltensten Fällen. Sie sehen es uns an der Nasenspitze an. Je jünger und unverbrauchter, aber auch je sensibler ein Pferd ist, desto mehr sind sie verwirrt von unseren teils widersprüchlichen Signalen.

Das interessante am Kochen und Backen ist ja: wenn man es gut kann, braucht man eigentlich kein Rezept mehr. Wenn man es aber noch gar nicht kann, funktioniert es oft auch mit dem perfekten Rezept nicht so richtig. Und was hilft dann? Ausprobieren, üben und ab und zu jemanden fragen der sich damit auskennt (was frustrierend sein kann, wenn derjenige dann Dinge ganz einfach aussehen lässt….)

Und so denke ich beim Plätzchen backen darüber nach, wie ich meine Schüler besser unterrichten kann. Ich denke daran, wie ich dieses Jahr im Mai zum ersten Mal etwas gefühlt habe, was mein Reitlehrer mir letztes Jahr im Oktober erklärt hat. Ich bin die Übung unter seiner Aufsicht geritten, aber irgendwie wusste ich nicht, worum es wirklich ging. Umso größer war im Mai meine Überraschung, als ich es plötzlich fühlen konnte und wusste: das hat er gemeint! Ausprobieren und üben kann uns keiner abnehmen. Wenn wir es nicht tun, werden wir nicht weiter kommen.
Auch mit Duncan habe ich dieses Jahr viel ausprobiert und geübt. Inzwischen sehe ich ihm auch manchmal Dinge an der Nasenspitze an. Und wie beim Backen mache ich mir Notizen und frage mich, ob ich nächstes Jahr nicht dieses oder jenes mal anders probiere. Und auch wie beim Backen probiere ich manchmal ein Rezept, dass einfach nicht schmeckt. Aber die altbewährten Rezepte, die werden jedes Jahr noch weiter perfektioniert. Und wenn ich nachher die perfekten Zimtsterne backen kann, aber nichts anderes, dann kann ich wenigstens die perfekten Zimtsterne. Und die schmecken, das sage ich Euch! Im Übrigen habe ich auch hier eine Verbesserungsidee ausprobiert. Aber die Zimtstern-Backmatte hat Probleme erschaffen, die wir vorher gar nicht hatten. So kann‘s gehen. Macht ja nichts, zurück zum Altbewährten.

Und wenn Ihr jetzt Plätzchen-Hunger bekommen habt – hier ist es, unser Zimtstern-Rezept:

Für 2 Bleche

380 g Puderzucker
200 g gemahlene Mandeln
400 g gemahlene Nüsse
3-4 Eiweiß
3 gehäufte TL Zimt
2 Spritzer Zitronensaft oder etwas Bittermandelöl

Die Hälfte der Nüsse beiseite stellen
Den Puderzucker mit den Eiweiß zu einer steifen Glasur schlagen. 1/3 davon zur Seite stellen. Die restlichen Zutaten unter die 2/3 Glasur rühren. Der Teig sollte richtig schön klebrig sein.

Den Teig zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie ausrollen, die obere Folie abnehmen, den Teig dünn mit gemahlenen Nüssen bestreuen. Die Folie wieder drauflegen und das ganze umdrehen (geht am besten zu zweit wenn jeder zwei Ecken der Folie hält). Dann die obere Folie abnehmen, Plätzlich ausstechen. Der restliche Teig kann jeweils wieder verknetet und neu ausgerollt werden. Die Ausstechformen mit etwas Wasser befeuchten und evt ein Essstäbchen zu Hilfe nehmen um den Teig vorsichtig aus den Ecken der Förmchen zu drücken.
Die Plätzchen auf ein Backblech mit Backpapier oder einer Dauerbackfolie legen und mit dem Rest der Glasur bestreichen. Bitte darauf achten, dass sie dickflüssig genug ist, evtl mit mehr Puderzucker eindicken, sonst läuft sie von den Plätzchen herunter. Anschließend bei 150° Umluft 10-12 min backen. Nach dem Backen sind die Plätzchen noch etwas feucht, sie trocknen aber nach. Nicht zu lange trocknen lassen, sonst werden sie zu hart!

Lecker Plätzchen! Frohe Weihnachten!

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