Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 400

Wow, der 400. Tagebucheintrag! Und ich habe genau die passende Abenteuergeschichte für euch, passt mal auf!

Also gestern war ja Dienstag. Und was ist Dienstag (jetzt endlich wieder)? Ausflugstag mit dem Ausreitkumpel! Mein Mädchen sagt, das nennt sich jetzt „Training“. Weil wir ja im Herbst den Gedenkritt machen wollen und da müssen wir alle fit sein. Wir wollen jetzt ganz viel traben und uns damit immer schön ein bisschen steigern. Ok, kann losgehen!

Das Mädchen vom Ausreitkumpel scheint allerdings etwas aus der Übung gekommen zu sein, scheint mir. Das hat vielleicht gedauert, bis das endlich los ging! Dann ging es los und nach 20 Metern standen wir schon wieder, weil die Steigbügelriemen nicht richtig waren. Mein Ausreitkumpel wollte nicht stillstehen, der wollte jetzt los und also hat es eeeeeeewig gedauert bis sie endlich fertig waren weil sie zwischendurch noch 5 mal streiten mussten. Dann ging es endlich los. Im Schritt – also ich jedenfalls. Mein Spaziergehkumpel hatte nicht die Nerven für Schritt, der musste tänzeln. Ich versteh das, er muss dringend Speck los werden und das geht schneller und besser wenn man tänzelt! Dann sind wir angetrabt und gerade als ich mich eingrooven wollte mussten wir wieder anhalten! Wegen der Steigbügel oder so, bin nicht sicher. Hmpf.

Dann ein Stück getrabt bis zu einem gruseligen Bauernhof. Ich war da schon mal, ist aber lange her. Da gibt es alles was ein bisschen gefährlich aussieht, also lieber Schritt. Ich bin vorne weg gegangen und mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Und sie war sooooo stolz auf mich, weil ich das toll gemacht habe! Dann wollten wir weiter, aber nein! Das Mädchen vom Ausreitkumpel wollte die Ärmel von ihrer Jacke ab machen. Was sie allein nicht hinbekommen hat, also mussten wir Ponys ganz nah beieinander still stehen, damit mein Mädchen ihr helfen kann. Erst rechts, dann links. KÖNNEN WIR DANN JETZT ENDLICH LOS? So wird das nix mit dem Distanzritt!

Ja, endlich ging es los. Nun war das die Strecke, die mein Mädchen die Ü-Strecke nennt, weil da alles mit ü ist: Züge, Brücken, Kühe und Pfützen.

Ok, Züge waren gestern keine da und Pfützen nur sehr wenige. Aber Kühe dafür ganz viele! Große Herden auf großen Weiden. Sonst sind wir da immer im Schritt vorbei aber wenn man immer bei der kleinsten Kleinigkeit durchpariert wird das nix mit dem gleichmäßigen Trab und also fand mein Mädchen es sei Zeit, an den Kühen vorbei zu traben. Hab ich gemacht. Und bin sogar brav weitergetrabt als die Kühe neben uns auch getrabt sind. Zack! – mein Mädchen schon wieder stolz wie Bolle. Weil ich das so toll kann! Wir sind einfach gleichmäßig wie ein Uhrwerk weiter getrabt. Mit dem Mädchen vom Ausreitkumpel war schon wieder irgendwas aber wir sind weiter getrabt, die können ja aufgaloppieren. Wir traben also so durchs schöne Moor und genießen die frische Luft und mein Mädchen sagt „das machst du schon so toll, das ist ja fast wie allein ausreiten!“ und ich feiere mich als plötzlich ….

VOGEL!!!

Man, hab ich mich erschreckt! Diese blöden Viecher fliegen da so hinter den Büschen hoch, dass man sie nicht sieht und dabei rascheln sie präzise genauso wie ein hungriger Säbelzahntiger! Ich bin also reflexmäßig nach rechts gesprungen Richtung Graben. Aber dann wurde mir klar: kein Säbelzahntiger. Nur ein Vogel. So und jetzt kommt´s: normalerweise wenn ich mich erschreckt habe, haben wir angehalten und es gab einen Keks für mich. Weil mein Mädchen das so gut findet, wenn ich nicht los rase, sondern stehen bleibe nachdem ich mich erschreckt habe. Aber diesmal nicht! Diesmal hat sie mich einfach wieder auf den Weg gelenkt und mir gesagt, dass wir weiter traben und als ich dann weiter getrabt bin, hat sie mich über den grünen Klee gelobt, wie toll ich das gemacht habe und wie stolz sie auf mich ist. Ich war also gerade wieder dabei mich zu feiern als plötzlich ….

VOGEL!!

Es gibt einfach zu viele davon im Moor, ehrlich! Und schon saßen wir wieder halb im Gebüsch. Aber wir sind wieder einfach weiter getrabt. Mein Mädchen meinte, jetzt hat sie doch wackelige Knie aber wir schaffen das. Und wir haben das geschafft. Wie die Großen!

Nach all der Aufregung war dann Zeit für eine Graspause. Sehr gut, die haben wir uns auch wirklich verdient. Während wir am mampfen waren, haben die Mädchen einen Schluck getrunken und plötzlich sagt das Mädchen vom Ausreitkumpel „oh nein, ich habe einen Ärmel verloren!“. Ja, sowas kommt davon wenn man die nicht an der Jacke lässt! Und jetzt? Den ganzen Weg zurück? Das wäre zu weit geworden. Aber den halben Weg zurück und dann eine Abkürzung nehmen, das geht. Als wieder rauf und zurück marsch marsch! Oh, das hat mich jetzt schon ein bisschen aufgeregt! Da musste ich doch mal mit dem Kopf runter und schütteln und mich ärgern – gab aber Mecker von oben. Na gut, aber dann hurtig! Nein, auch nicht recht. Ruhiges, gleichmäßiges Tempo. Vogel! Aber diesmal hab ich keinen Satz mehr gemacht. Und da war mein Mädchen schon wieder versöhnt und stolz.

Weiter ging es Richtung Kühe. Und dann….. fanden wir uns plötzlich im Galopp wieder und mein Mädchen hat den Bremsfallschirm aktiviert (in Gedanken). Sie hat nicht verstanden, was los war, weil sie ja immer nix mitkriegt! da war eine ganze Kuhherde HINTER uns im Galopp her gerannt! Da lasse ich mich doch nicht lumpen, was denkst du denn? Nein, war nicht erlaubt. Durchpariert zum Schritt, atmen. Der Ausreitkumpel war schon im Schritt, weil wir uns nämlich zum Glück nie gegenseitig anstecken und sein Mädchen ihn fix durchpariert hat als sie gesehen hat, dass mir nach einem Sprint zumute ist.

Mein Ausreitkumpel und ich sind das perfekte Pony-Sicherheits-Team: er erkennt alle lauernden Drachen (von denen die Menschen regelmäßig meinen es seien Baumstämme – weil ihr Menschen von Drachen einfach nix versteht!) und ich erkenne jedes kleine Geräusch sich anschleichender Säbelzahntiger (oder Dinosaurier, Vögel sind schließlich Dinos!). Somit ist jede Gefahr abgedeckt. Da wir unsere Aufgabenbereiche so klar eingeteilt haben, regt sich keiner auf, wenn der andere kurz was abcheckt. Unsere Mädchen finden das sehr, sehr praktisch. Ich auch, dann muss ich nicht auch noch nach Drachen gucken!

So und nach dem ganzen Vögel- und Kuhgalopp-Gedöns waren wir dann – ohne den Ärmel zu finden – auf der Abkürzung für den Rückweg. Mein Mädcehn meinte schon wieder, ich hätte ja NULL Orientierungssinn, weil ich es ganz verkehrt fand, da abzubiegen. Ich wäre einfach die selbe Strecke zurück gelaufen, meint sie. Aber ehrlich, über Orientierungssinn braucht man mit ihr nicht reden! Sie hat ja selbst keinen.

Als die Wackelkiste in Sicht kam, sind die Mädchen abgestiegen und haben geführt. Mein Mädchen hat mir kritisch ins Gesicht geschaut, wie es mir so geht und hat dann gesagt „der hat ja nicht mal Atmung!“. Also ich muss doch sehr bitten, ich atme den ganzen Tag korrekt ein und aus, das muss dir doch schon mal aufgefallen sein! Jaaa, aber das meinte sie nicht. Sie meinte, das meine Nüstern direkt nach all der Traberei noch nicht mal ansatzweise rund sind und man außer etwas Schweiß nicht erkennen kann, dass wir diesmal stolze 6,9km getrabt sind. Tja, Mädchen, so was nennt sich Fitness, aber auch davon hast du ja keine Ahnung…..

Also kurz und gut: mein Mädchen ist unfassbar stolz auf mich und ein bisschen auf sich selbst, weil sie es geschafft hat, sich nicht so doll vor meinen Erschreckern zu fürchten. Sie sagt, sie hat jetzt schon gutes Zutrauen zu mir, dass ich nix schlimmes mache. Außerdem hat unser neuer Sattel das Vogelhopsen gut gehalten und ist nicht gerutscht, das sind auch sehr gute Nachrichten.

Den Ärmel haben wir nachher wieder gefunden, wir sind mit der Wackelkiste einen kleinen Schlenker zum gruseligen Bauernhof gefahren und da lag er, kurz hinter der Stelle wo das Mädchen vom Ausreitkumpel ihn ausgezogen hatte. Wahrscheinlich ist er aus der Tasche gefallen als mein Ausreitkumpel den Drachen dort gesehen hatte (die Menschen behaupten wieder, es sei ein Baumstamm gewesen. Tssssss). Ganz umsonst umgedreht! Wirklich, ich muss ein ernstes Wort mit ihr reden. Aber andererseits….. sie sorgt für Abenteuer. Also so richtig böse kann ich ihr dann doch nicht sein. Und wenn wir so ein feines Abenteuer hatten, ist mein Mädchen wieder die ganze Woche stolz auf mich, das habe ich sehr, sehr gern!

Euer mutiger Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. bei all der Traberei wird es schwierig mit Fotos. Aber ich glaub, ihr könnt es euch vorstellen, oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 359

Seht ihr das? Seht ihr das? Wisst ihr was das heißt?

Pusten! Pusten!

Mein Mädchen hat mal irgendwo als Bauernregel aufgeschnappt „anweiden, wenn der Löwenzahn zur Pusteblume geworden ist“. Das ist jetzt immer ein wichtiger Indikator für sie (wenn auch nicht der einzige, das Gras muss natürlich auch hoch genug sein). Deswegen pusten wir Ponys immer heimlich, damit die gelben Blüten zu Pusteblumen werden – funktioniert aber leider nicht.

Zum Glück weiß mein Mädchen, wie groß unser Grashunger um diese Jahreszeit ist und wir dürfen vorher immer schon mal ein Stündchen raus. Aber gesteigert wird diese Zeit eben erst jetzt! Bis wir dann die ganze Nacht raus dürfen, dauert es noch, weil unsere Bäuche erst wieder lernen müssen, wie man Gras verdaut. Das kommt daher, dass wir im Winter nie auf Weide dürfen! Ich finde, man könnte das verbessern. Aber mein Mädchen sagt, dafür haben wir leider einfach nicht genug Fläche. Schade.

Sie steckt uns für jeden Weidegang (morgens und abends dürfen wir jeweils raus) ein Stück Wiese weiter. Während sie flucht und schimpft – weil die Brennesseln und Disteln durch die Hose piken, weil da, wo sie den Pfosten einschlagen will, wieder hunderte von Steinen liegen oder weil sie sich den Daumen blutig klemmt am Aufrollmechanismus vom Weitersteckzaun – tigern wir Ponys am Zaun auf und ab und versuchen herauszufinden, durch welches Tor es heute raus geht. Und rufen Sachen wie „Du hast gesagt Disteln sind gesund!“ oder „wir sind eben steinreich!“ nur um sie ein bisschen zu ärgern.

Wo geht’s denn heute auf die Wiese?

Dann kommt der große Moment und sie macht das Tor auf! Diego steht immer vorne und macht dann einen lustigen Freudenquietscher wenn er los galoppiert. Ich bin da nicht so eilig, ich nehme erst mal ein Hälmchen direkt am Eingang und trabe dann gemach hinterher.

So mache ich es auch beim Reinkommen. Wenn mein Mädchen ruft, schaue ich hoch, um ihr zu zeigen dass ich sie gehört habe, dann nehme ich den Kopf wieder runter, suche mir noch ein leckeres Maulvoll zusammen und erst dann gehe ich zu meinem Mädchen. Sie hat inzwischen verstanden, dass das bei mir so ist und ich mir da auch nicht rein reden lassen. Eile mit Weile und einem Maulvoll Gras bitteschön. Zum Glück mag sie Ponys mit Charakter und Eigenleben, da ist sie bei mir genau richtig!

Wenn wir dann vom Gras wieder drin sind, ist erst mal verdauen angesagt. Wir ziehen uns alle zusammen in die Halle zurück und ich werde von meinem schweren Grasbauch zu Boden gezogen. Die anderen Ponys bleiben meistens stehen und lassen nur die Unterlippe hängen aber ich brauch immer ein schönes Schläfchen. Vor allem wenn es so warm ist wie in den letzten Tagen. Danach finden wir dann, es könnte wieder raus gehen für die nächste Portion Gras! Die Zeit zwischen morgens und abends kann manchmal ganz schön lang sein…..

So und jetzt entschuldigt mich, ich muss Gras essen gehen!

Euer grasender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 358

Sonntag! Ausflugstag! Ab in die Wackelkiste und dann ist ja immer die Frage: wo geht es heute hin? Mir fiel schon auf, dass ich keine Hufschuhe an bekommen habe. Dann weiß ich schon, dass es keine lange Tour wird, sondern wahrscheinlich eher was zum üben. Und richtig: wir haben meinen Schimmelfreund wieder besucht! Diesmal war Diego wieder mit und das war auch gut so, denn wir waren zusammen ausreiten: Diego, der Schimmelfreund und ich. Das Mädchen vom Schimmelfreund geht noch zu Fuß, der hat noch nicht so viel Reit-Erfahrung. Aber mein Mädchen ist erst mal munter aufgestiegen. Los ging es, alle zusammen! Ich war aufgeregt. Ooooooooh was war ich aufgeregt! Mein Mädchen hat das genau gemerkt. Benommen hab ich mich ja trotzdem gut, aber ich war im Turboschritt unterwegs und dann hat der Schimmelfreund plötzlich hinter mir laut gewiehert! Man, hab ich mich verjagt! Bin erst mal halb ins Feld gehüpft! Mein Mädchen meinte, da sieht man, wie aufgeregt ich bin. Sie meinte, wenn sie eine Weile reitet, wird es bestimmt besser mit meiner Aufregung, aber das wurde es irgendwie nicht. Der Schimmelfreund hat immer mal wieder gewiehert und ich bin jedes Mal zusammengezuckt und überhaupt bei jedem lauteren Geräusch auch einmal angetrabt. Schließlich ist mein Mädchen dann abgestiegen und meinte, es wäre wohl doch besser für meine Nerven, wenn sie zu Fuß geht. Das fand ich auch und nach und nach wurde es dann auch besser. Ich musste noch drei mal äppeln und dann ging es langsam. Der Schimmelfreund war wohl auch aufgeregter als er zugeben wollte, denn normalerweise macht er das nicht mit dem Gewieher. Insgesamt waren wir nur knappe 3km unterwegs, aber ich war doch ziemlich müde danach. Mein Mädchen sagt, ich hab das toll gemacht und nächstes Mal bin ich bestimmt schon weniger aufgeregt. Sie hat aber auch gesagt, wenn wir auf Distanzritt wollen, muss ich das alles können: fremde Pferde, fremdes Gelände und Gewieher! Oha, ich sehe schon: es gibt noch einiges zu lernen für mich.

Zum Glück gab es danach eine leckere Runde Gras für uns: Ich sag es euch: der Schimmelfreund, der wohnt im Paradies! So viel grünes Gras! Ich war echt traurig als mein Mädchen meinte, dass wir wieder in die Wackelkiste einsteigen sollen. Können wir nicht hier bleiben? Nein, ab nach hause. Tschüss, mein Schimmelfreund! Wir kommen wieder!

Das ist das Paradies!
Tschüss, Schimmelfreund! Bis bald!

Euer müder Sir Duncan dhu of Nakel (der jetzt eine Pause macht)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 357

Wenn man in der Öffentlichkeit steht – so wie ich – dann wird man ständig mit der Kamera verfolgt. Überall Paparazzi! Ob ich nun schlafe oder esse, einen neuen Sattel anprobiere oder fleißig trainiere. Mein Mädchen meint, ich wäre zwar wunderschön, aber das mit dem fotografieren hätte ich noch nicht richtig verstanden. Was denn, ich denke ich soll immer im Bilde sein? Also sehe ich zu, dass ich der Kamera immer nah komme. Aber sie sagt, dann wäre nur meine Nase zu sehen. Na und, meine Nase ist doch echt schick? Und manchmal möchte ich einfach nur abchecken, ob da ein Keks zu holen wäre, so ganz eventuell.

Nase…
Nase…..
Ich will in den Vordergrund!

Und weil es ohne euch, meine liebe Fangemeinde, diesen Blog gar nicht gäbe, bekommt ihr heute mal ein virtuelles Pony-Küsschen von mir.

Ein virtuelles Küsschen für euch, liebe Leserinnen (na gut, für die Herren auch, ich will mal nicht so sein)

Danke, dass ihr meine Geschichten lest und mir gelegentlich auch einen Kommentar da lasst! Ich werde natürlich weiter fleißig von meinen Abenteuern berichten. Und immer wenn ihr denkt, ein kleines Dankeschön wäre angebracht für die Arbeit, die mein Mädchen damit hat, geht ihr bitte hier hin und lasst ein paar Taler für meine armen Artgenossen springen, denen es nicht so gut geht wie mir, ok? Oder für die Menschen dort, die können es auch gebrauchen.

Danke dafür!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Person Pony des öffentlichen Lebens)

Trainingsplan

So, da ist sie, die „echte“ Ausreitsaison. Mit Sattel und Ziel: Gedenkritt im Herbst. 23km auf den Spuren der besten Ponys 1.0. Wie lange wir für die 23 km brauchen ist egal, aber meine Freundin und ich sind beide keine passionierten Schritt-Reiter und ich wünsche mir schon, dass wir uns an das Tempo eines Einführungs-Distanzritts annähern (auf unserem ersten Ritt mit Finlay war damals mindestens Tempo 8, echte Distanzreiter kichern jetzt). Ich könnte also jetzt versuchen, mit meinem laienhaften Wissen einen Trainingsplan zu erstellen und ich werde das auch zumindest ansatzweise tun im Sinne von: wie viele Wochen, wie viele Ritte, bis zu welcher Strecke möchte ich vorher schon mal geritten sein. Wichtiger wird mir sein, die Teile der Strecke zu üben, die für Duncan eine Herausforderung sein könnten, allen voran die Autobahnbrücke.

Zeitgleich beobachte ich in meinen Unterrichtsstunden, wie es laufen kann: man sucht sich ein Thema aus und landet plötzlich ganz woanders. Weil heute komisches Wetter ist, weil die Pferde ausgebrochen sind und sehr aufgeregt sind, weil das Pferd sich die Hüfte schief gezogen hat beim Sprint auf die feuchte Wiese oder weil ich einfach eine oder zwei Stufen unterhalb des sichtbaren Problems eine Ursache entdecke, die zuerst beseitigt werden muss.

Manchmal glaube ich, mein nicht vorhandener Ehrgeiz ist in Sachen Pferdeausbildung ein großer Vorteil. Wenn wir den Ritt nicht diesen Herbst machen können, weil das Training noch nicht reicht oder irgendwas anderes ist, dann wird er eben verkürzt oder verschoben. Auch damals auf unserem Einführungsritt: wie lange es dauert ist mir egal, Hauptsache wir kommen an. Bei unserem zweiten Einführungsritt waren wir weit außerhalb des Zeitlimits. Der eigentliche Reiz lag für mich viel mehr im Training davor. Plötzlich war ausreiten nicht mehr so beliebig, was für mich dann schnell etwas langweilig wird. Ausreiten hatte eine Struktur, es gab Sachen zu üben, zu beobachten und zu überdenken. Ich habe viel gelernt bei unseren Trainingsritten – über mein Pony, über mich, über unser Equipment, unsere Grenzen und Motivation. Und natürlich gab es dauernd Fortschritte zu feiern!

Manche meiner Reitschülerinnen meinen, ich würde mich langweilen mit ihnen, weil sie noch nicht so gut reiten und wir an der Basis arbeiten. Nein! Es gibt so viele Facetten von Unterrichtserteilung, so viele Möglichkeiten an der kleinsten Kleinigkeit zu arbeiten, ich kann meine Sprache variieren, meine Erklärform, meine Übungswahl und das alles ist eine riesige Spielwiese für mich. Wenn ich wirklich mal denke „das erkläre ich jetzt zum 100. mal“ dann verändere ich meine Sprechgeschwindigkeit und staune, welchen Effekt das jeweils auf meine Schülerin hat. Ehrgeiz, meine Schüler irgendwo hin zu bringen, habe ich nicht und das selbe gilt für mich und mein Pony.

Und ganz ehrlich: mir ist es hundertmal lieber wenn eine Schülerin absteigt, nachdem sie ein paar Meter geritten ist und sagt „das geht heute nicht, wir müssen Handarbeit machen“ als wenn auf Teufel-komm-raus geritten wird obwohl Pferd und Reiterin dafür heute viel zu aufgeregt sind. Und wenn eine Schülerin, die heute galoppieren wollte, mit mir bereit ist, am Schritt zu tüfteln, weil wir da gerade ein Problem aufgespürt haben, dann bin ich dafür sehr dankbar. Aber auch umgekehrt kann es ja passieren: jede Schülerin, die vor einer bestimmten Sache Angst hab (meistens vorm galoppieren) weiß, dass sie jederzeit sagen kann „jetzt ist es so weit“. Plötzlich kommt der eine Moment und dann geht es los – egal, was eigentlich gerade geplant war. Und mir ging es mit Duncans erstem Galopp mit mir oben drauf nicht anders – das war völlig ungeplant. Solche Chancen dann nicht zu ergreifen wäre ja sehr schade!

Alle meine bisherigen Pläne mit Duncan haben sich im Laufe der gemeinsamen Jahre immer wieder verschoben und verändert. Wenn ich also einen rudimentären „Trainingsplan“ erstelle und ein Ziel ans Ende schreibe, dann ist das nicht mehr als eine Orientierungslinie. Das Ziel (und ein Plan ist ja auch nichts weiter als lauter Zwischenziele) dient meiner Motivation, bestimmte Dinge anzupacken, die ich sonst vielleicht auf die lange Bank schieben wollen würde. Und es dient mir dazu, Grenzen auszuloten – nicht beim ersten Anzeichen von Müdigkeit auf meiner oder Duncans Seite auf der Bremse zu stehen, die „Helikoptermutter“ zu machen und lieber einen Schritt zurück zu treten, sondern uns beide ein bisschen heraus zu fordern und das Augenmaß dafür zu entwickeln, wo Grenzen wirklich sind und wo nur ein erstes „oh, anstrengend“ vermeldet wird.

Dazu, und nur dazu, dient mir mein „Trainingsplan“. Und ich bin sehr gespannt, was ich im Laufe dieser Zeit über Duncan lernen werde, denn wir betreten neues Terrain: echtes Training mit dem Ziel der Leistungssteigerung. Wird es einen Punkt geben, an dem er sagt „es reicht“? Finlay hat sich seine Pausen ja immer selbst und vehement verschafft. Da kannte er keinen Spaß. Aber nach einer Pause war er auch bereit, weiter zu machen und er hat sich durchaus auch gut gesteigert im Training. Das Tempo hat er dabei selbst bestimmt. Wie wird Duncan damit umgehen? Wahrscheinlich ganz anders. Eins steht fest: im Herbst weiß ich mehr.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 356

Dienstaaaaaaag! Ich dachte schon, mein Mädchen hätte vergessen, wie so ein ordentlicher Dienstag abzulaufen hat! Das ist ja eeeeeeeeewig her! Seit Oktober waren wir nicht mehr zusammen los, mein Ausreitkumpel und ich. Aber jetzt geht es endlich wieder los – juhuuuuuu! Und mit dem Ausreitkumpel ist immer ganz viel traben angesagt, auch damit geht es jetzt wieder los! Zum Einstieg haben wir eine kleine Tour gemacht, 6,7km, aber davon immerhin stolze 4,1km im Trab (in zwei Etappen mit Graspause dazwischen versteht sich). Mein Mädchen hat nachher gerechnet: ich schaffe im Trab gute 10km/h also Tempo 6 (6min für einen Kilometer.). Das heißt wir sind bummelig 24 min getrabt, das ist schon echt ok oder? Mein Mädchen meint, mit etwas Übung kann ich später vielleicht 12 km/h im Trab schaffen, aber das ergibt sich von allein, ich bestimme mein Tempo selbst. Nur gleichmäßig soll es sein. Mit meinem neuen Sattel laufe ich wie ein schweizer Uhrwerk, ein Schritt genauso wie der andere. Was bedeutet, dass mein Mädchen schön ruhig sitzen kann, was bedeutet, dass ich sie leichter tragen kann, was bedeutet, dass ich schön lange und gleichmäßig wie ein Uhrwerk laufen kann – ihr versteht? Mein Mädchen war hoch erfreut über meine Fitness: obwohl es echt warm war, hab ich nicht übermäßig geschnauft und auch nicht doll geschwitzt. Sie macht sich ja gern mal Sorgen, dass es mir zu viel sein könnte, aber sie weiß inzwischen auch, dass ich ganz deutlich bescheid sage, wenn es mir anstrengend wird, dann nehme ich im Trab den Kopf immer so runter. Und das hab ich nicht gemacht, also alles gut. Der neue Sattel machts möglich! Und natürlich all das andere Training was wir machen, ist ja klar. Ich sag nur: Handarbeit, Doppellonge, Hügeltraining, Ausreiten, Wippen…… (und Gras essen, aber davon erzähle ich die Tage mal).

Weil wir so flott unterwegs waren und uns alle so gefreut haben, blieb keine Zeit für ein Foto, aber ihr könnt euch das ja sicher gut vorstellen. Hier eine Bildbeschreibung:

Sonnenschein, Vogelgezwitscher, mein Ausreitkumpel und ich schon wieder in Fliegendecke (ich als Zebra, dazu komme ich gleich noch!), unsere Mädchen grinsend von einem Ohr zum anderen, wir Ponys grinsend von einem Ohr zum anderen, Waldweg und dann das Geräusch von trabenden Ponys (trabtrabtrabtrabschnaubtrabtrabtrab). Mein Mädchen hat abends auf der App gesehen, dass ich angeblich 89bpm im Trab habe, das entspricht zum Beispiel dem Song „I´m still standing“ von Elton John. Da sie öfter mal Ohrwürmer hat findet sie es nützlich zu wissen, welchen Song sie auf ihrer inneren Schallplatte laufen lassen kann, damit der Rhythmus passt. Das wird nächstes Mal gleich ausprobiert!

Auf dem Rückweg sprach uns dann noch eine nette Dame an, ich wäre ja ein süßes Zebra! Ich wollte ihr gern hallo sagen und sie hat mir die Hand hin gehalten. Sie bekam einen zarten Handkuss von mir und hat mir dann leider mitgeteilt, dass sie keine Kekse für mich hat. Schade! Aber nett war sie trotzdem. Mein Ausreitkumpel wollte gern in ihrem schicken Cabrio mit fahren (manchmal ist er doch etwas lauffaul und ganz ehrlich: er hat sich im letzten halben Jahr eine ordentliche Wampe angefuttert, weil er so wenig Sport gemacht hat! Da bin ich doch schon wieder als personal trainer gefragt!)

Am Ende waren wir alle happy und mein Mädchen und ich sind wieder nach hause gefahren. Dort hat sie noch meinen Puls gemessen, der – traditionsgemäß – bei 44 lag. Das ist irgendwie mein Wert, den ich nach der Heimfahrt anscheinend immer hab. Vielleicht denkt sie ja mal dran das Stethoskop mitzunehmen und direkt nach dem Reiten meinen Puls zu messen.

Wir erklären jetzt die Saison offiziell für eröffnet und arbeiten auf unseren Gedenkritt im September hin!

Euer hoch zufriedener Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 355

Vorgestern war ja wieder Sonntag – also Ausflugstag! Ihr fragt Euch sicher, was eigentlich am Sonntag davor los war. Da waren mein Mädchen und der Mann gar nicht da! Eine Woche waren sie weg und wir Ponys haben Langeweile geschoben. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gelegentlich vorbei geschaut und ansonsten hat uns Gatsbys Mädchen versorgt. Gatsby fühlt sich dann immer gleich ganz königlich wichtig, wenn sein Mädchen der Chef im Hause ist. Und Diego und ich wissen gar nicht wohin mit unserer vielen Freizeit.

Dann kamen die beiden Menschen endlich wieder und es ging wieder los mit der Bespaßung! Am Samstag an der Doppellonge hab ich meinem Mädchen erst mal gezeigt, was so an Energie in mir steckt – aber ganz gesittet, versteht sich. Bis sie dann meinte, wenn ich so gut drauf bin, könnten wir ja auch mal wieder ein Galöppchen wagen und da ist es dann aus mir heraus gebrochen! Mein Mädchen hat gelacht und gemeint, buckeln könnte ich ja nicht so toll aber gleichzeitig mit allen vieren in die Luft springen, dabei den Kopf runter nehmen und wild schütteln und die Vorderbeine nach vorn raus werfen könnte ich ja schon ganz gut, ich sollte nur aufpassen, dass ich nicht auf die Nase fliege dabei. Ich weiß ja: so lange ich nicht an der Longe ziehe, ist Spaß haben erlaubt und das habe ich mir dann rechtsrum und linksrum auch erst mal gegönnt, bevor ich jeweils artig galoppiert bin. Mein Mädchen war hoch zufrieden, weil ich in allen Gangarten so schön im Takt war und so fleißig und aufmerksam und überhaupt. Sie meint, in der Woche in der sie weg war, bin ich noch ein bisschen erwachsener geworden – oder ich bin einfach froh, dass sie wieder da ist und gebe mir extra Mühe, das könnte auch sein.

Sonntag war dann also Sonntagsausflug aber bei Diego ist immer noch eine Schraube locker (also bei seinem Sattel) und deswegen ist der Mann ohne Sattel los geritten. Erweiterte Hausrunde, knappe 8km, die meiste Zeit Schritt weil traben ohne Sattel mit Diego kein großer Spaß ist. Mein Mädchen wollte aber den Ritt für einen letzten Sattel-Fein-Test nutzen und daher auch mal traben, was zur Folge hatte, dass wir immer vorne weg getrabt sind und Diego gaaaaaanz langsam nach gekommen ist. Da üben wir auch gleich wieder das alleine ausreiten, meinte mein Mädchen. Mein Kopf war etwas hyperaktiv, es war windig und ich war ja länger nicht draußen gewesen, aber benommen hab ich mich natürlich einwandfrei. Kann ich! Diego hatte auch Bock und ist im Schritt wieder so elendig schnell gelaufen, dass ich mit meinen etwas kürzeren Beinen trotz Turbo-Tempo einfach keine Chance hatte, mitzukommen. Menno. Meistens wartet Diego dann irgendwann auf uns (und rollt dabei genervt mit den Augen) oder wir traben mal ein Stückchen nach. Beim Nachtraben ist der Nachteil aber der, dass ich durchparieren muss, bevor ich richtig in Fahrt gekommen bin, das mag ich nicht so gern. Wenn man schon trabt, soll sich das doch auch mal lohnen, bitteschön! Ich bring doch meine Schwungmasse nicht mühsam auf Tempo um dann gleich wieder alles abzubremsen.

Das mit dem Sattel hat auch etwas genervt: Foto davor, Foto zwischendurch, dann mal neu satteln, eine Weile zu Fuß gehen, noch ein Foto…. und als sie dann zu hause abgestiegen war fiel meinem Mädchen ein, dass wir noch ein Foto mit ihr obendrauf brauchen – also ist sie wieder rauf geklettert. Danach wurde wieder mit Kreide auf mir rum gemalt und nach dem Schwerpunkt gesucht. Was hat sie für ein Glück, dass ich so ein geduldiger, höflicher Ritter bin! Aber die gute Nachricht ist: die Sattel-Expertin ist sehr zufrieden, der Sattel wird für passend erklärt! Jetzt können wir erst mal reiten und weiter beobachten ob er gut liegt. Ich soll ja noch wachsen und Muskeln aufbauen und der Sattel wird sich mit der Zeit noch etwas setzen, da müssen wir schauen ob nochmal nachjustiert werden muss. Aber erst mal hat das ganze fotografieren ein Ende – Gott sei Dank!

Sattel-Fotos, Sattel-Fotos, Sattel-Fotos….. egal, Hauptsache Ausflug!

Und wir können jetzt unsere alte Satteldecke dazwischen legen, die mit den Taschen, damit alles wieder seine Ordnung hat (und wir die komische Farbe vom Pad nicht mehr sehen).

Später am Tag ist dann übrigens noch etwas ganz interessantes und tolles passiert, aber davon erzähle ich euch nächstes Mal!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Mit freundlicher Unterstützung

Der Speicher von meinem Handy war voll. Fotos, Fotos, Videos, noch mehr Fotos. Auf der langen Fahrt vom Urlaub nach hause habe ich mir dann einen Teil davon mal vorgenommen und zumindest grob sortiert. Die meisten Fotos, die ich auf diesem Handy habe, sind aus der Zeit ohne Finlay, mit Duncan. Auf den ersten ist Duncan gerade hier eingezogen. Wie eine Zeitreise war das und als wir zu hause ankamen und ich mein Pony im Stall begrüßte, wunderte ich mich, wie groß er ist und wie viel weiß in seinem Fell schon zu sehen ist, war er doch auf den Fotos so klein und dunkel.

Und als ich die Fotos so durchgesehen habe, wurde mir wieder klar, wie viel Hilfe ich habe und hatte bei der Ausbildung meines jungen Ponys. Nicht nur der wunderbare Diego und die anderen Ponys, sondern auch Menschen, die mich unterstützt haben und unterstützen. Allen voran natürlich mein wunderbarer Mann und meine Freundin. Mit einem jungen Pferd ist am Anfang alles eine Übungsaufgabe. Von Stillstehen über Hufe geben bis zu den ersten Spaziergängen, nichts ist selbstverständlich. Man weiß nie, was einen erwartet. Ganz zu schweigen von all den ersten Malen: erstes Aufsitzen, erstes Ausreiten, erster Trab. Und der Erfolg oder Misserfolg solcher Unternehmungen hängt unter anderem von der Begleitung ab, die man hat. Ist da ein Mensch, der mich drängt, aufzusteigen, obwohl ich mich nicht wohl fühle? Ist da jemand, der einfach antrabt ohne mich zu fragen? Fängt jemand an zu galoppieren ohne zu beobachten, was mit meinem jungen Pferd passiert? Ist jemand genervt, wenn ich absteige und führe? Oder ist da, wie in meinem Fall, all diese wunderbare Unterstützung, die Rücksichtnahme, die Hilfe beim Einschätzen einer Situation (ist mein Pony jetzt schon müde oder einfach nur entspannt?). Kann ich ein Gespräch mitten im Satz unterbrechen und mich meinem Pony widmen, ohne dass mein Gegenüber beleidigt ist? Kann ich sagen „ich möchte den Plan ändern, das läuft nicht wie gedacht“?

In vielen Ställen erlebe ich, wie Pferdemenschen schlecht miteinander umgehen. Von gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtnahme keine Spur – im Gegenteil: an der Bande wird gelästert über alles und jede und wenn jemand kleinschrittig und freundlich mit seinem Pferd arbeitet, wird mit den Augen gerollt. „Warum reitest du denn immer noch nicht?“ hören viele meiner Schülerinnen vielleicht als häufigsten Satz. Aber auch das unsägliche „du musst dich nur mal durchsetzen“.

Ich bin dann immer sehr traurig, denn wenn wir uns gegenseitig unterstützen würden, wäre vieles so viel einfacher. Das gelassene Pferd kann dem ängstlichen im Gelände etwas Sicherheit vermitteln, während das bewegungsfreudige Pferd das Energiesparmodell mal etwas „mitziehen“ kann. Wenn am Stall jemand den Anhänger anhängt zum üben, könnten alle anderen sich anschließen – wenn es denn eine entsprechende Übereinkunft gäbe, dass das verleihen des Anhängers angemessen „entlohnt“ wird, zum Beispiel indem man eine Urlaubsvertretung oder einen Stalldienst übernimmt. Anstatt dass wir ungefragt Tipps geben, weil wir immer meinen, alles besser zu können und zu wissen, könnten wir ja mal fragen „wie kann ich dich unterstützen?“. Oft helfen ja Kleinigkeiten schon weiter. Wenn ich mein junges Pferd reite, möchte ich gern, dass jemand davon weiß. Wenn ich runter fallen sollte, soll das bitte jemand mitkriegen und helfen oder Hilfe schicken. Deswegen rufe ich immer bei Arnulf an bevor ich aufsteige und sage dann per Whatsapp bescheid, wenn ich wieder abgestiegen bin. An einem Reitstall wäre es hilfreich, wenn jemand dann mal schaut oder vielleicht zeitgleich sein ruhiges Pferd in der Halle reitet. Es kann so einfach sein, sich gegenseitig zu unterstützen. Wenn eine Reiterin Angst hat, kann es helfen, mit ihr zu reden – nicht über das was sie falsch macht oder was sie tun sollte, sondern über ganz andere Sachen. Oder darüber, wie toll das Pferd das gerade macht. Manchmal kann ein Außenstehender uns helfen, einen Zwischenschritt zu finden, den wir selbst gerade nicht sehen: was könnte ich denn üben um da hin zu kommen wo ich hin will? Wie könnte ich diese Plane „entgruseln“ vor der mein Pferd sich so fürchtet?

Aber Hilfe kann auch ganz anders aussehen: geh bitte weg, ich möchte jetzt ungestört sein. Hör bitte auf, dieses Geräusch zu machen, mein Pferd hat Angst davor und ich möchte das JETZT nicht üben. Oder hast du Zeit, das mit dem Geräusch jetzt so zu machen, dass wir es üben können? Nimm bitte Rücksicht auf mich, mein Jungpferd ist noch nicht so sicher zu lenken.

Wie viel besser und leichter könnten wir mit der Ausbildung unserer Pferde voran kommen, wenn wir es nur schaffen würden, andere auf IHREM Weg zu unterstützen.

Ich bin dankbar für all die Unterstützung und Hilfe, die ich hatte und habe und manchmal, wenn ihr denkt, dass bei mir alles ganz leicht ist, dann liegt das zu einem großen Teil auch daran, dass meine Umgebung es mir und Duncan leicht macht. Und vielleicht könnt ihr es euch ja auch gegenseitig das eine oder anderen Mal leichter machen anstatt schwerer, das wäre auch sehr im Sinne der Pferde.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 354

Manchmal ist mein Mädchen ja ein bisschen schwer von Begriff. Seit einer Ewigkeit jammert sie, dass Schleswig-Holstein zwar ohne Zweifel das schönste Bundesland der Welt ist, aber für ein gutes Training leider viel zu flach. Die Auswahl an Bergen ist doch eher begrenzt bei uns und dabei machen Berge uns Ponys doch so schön fit!

Neulich fiel es ihr dann auf: wir haben den perfekten Trainingsberg bei uns im Paddock! Jeden Tag läuft sie daran vorbei und merkt nix. Oh man. Ich kenne diesen Hügel gut, weil ich den gern beim Spielen mit den anderen Ponys nutze. Ich stell mich da drauf und dann bin ich schön groß!

Jetzt hat mein Mädchen also auch diesen Berg entdeckt und möchte ihn in mein Training integrieren. Früher stand dort eine Hecke und von den Büschen stehen noch die Stümpfe da. Steine sind da auch im Weg, also es ist gar nicht so leicht, da rauf und runter zu laufen, da muss ich gut meine Hufe sortieren! Und oben kommt auch gleich der Zaun, da muss man scharf um die Kurve navigieren.

Zum Spielen da drauf stehen ist das eine, aber jetzt soll ich auf Kommando im Kreis rauf und runter gehen und manchmal sogar traben. Heidewitzka, das ist ganz schön anstrengend! Mein Mädchen sagt, wir fangen mit 10 Minuten an und ich gestehe das reicht auch erst mal. Zwei mal haben wir das jetzt an der Longe gemacht, aber einmal auch einfach so frei. Und mein Mädchen findet, ich hab das toll gemacht – was auch sonst?

Also das wird jetzt ein neuer Teil unseres Fitnessprogramms. Mein Mädchen sagt, sie ist schon ganz gespannt wie schön und geschmeidig ich das eines Tages kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem eigenen Trainingshügel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 353

Zur Fitness, sagt mein Mädchen, gehört nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Geschmeidigkeit. Deswegen gehören ein paar Dehnübungen auch immer mit ins Programm. Meistens so zwischendurch wenn ich einen Keks bekomme, dann muss ich mich immer irgendwo hin strecken oder drehen um da ran zu kommen.

Kopf nach rechts, das üben wir natürlich auch nach links!
Ein paar Dehnübungen halten die Rüstung geschmeidig.

Und nach der Arbeit dehnen wir noch meine Beine, besonders mein linkes Hinterbein braucht immer einen Moment, bis ich das entspannen kann. Aber es wird besser! Und ich habe gelernt, dass das sehr angenehm ist. Am Anfang fand ich das immer eher gruselig und mein Mädchen hat nur gaaaaaanz sachte mein Bein nach hinten raus geführt bis ich loslassen konnte und einmal durchgeatmet habe. Jetzt weiß ich aber auch, dass es schön ist, wenn sie da mal vorsichtig ein bisschen Zug aufbaut. Dann lasse ich meine linke Pobacke sinken und entspanne mich und merke wie mir das gut tut.

Hmmmm schön entspannen.

Empfohlen und erklärt hat uns all diese Übungen natürlich der Mann in seiner Eigenschaft als Haus- und Hof-Osteopath. Der weiß genau, wo es bei mir gern mal zwickt und ziept. Und wenn ich es beim Spielen mal wieder übertrieben habe, richtet er mir manchmal meine Hüfte und mein Genick wieder, so dass alles gut voreinander sitzt und sich nix schief und krumm schiebt. Ich kenn das jetzt schon und ich weiß auch, dass ich da mithelfen kann und dass ich ein Mitspracherecht habe, wenn ich etwas nicht mag.

Auch vorne wird gedehnt, damit meine Schulter schön geschmeidig bleibt. Damit ich nicht nur schön und stark, sondern auch beweglich bin!

Schulter frei machen tut gut!

Euer beweglicher Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem eigenen Fitness-Trainer-Team