Ich hatte ja versprochen, euch jedes mal davon zu erzählen, wenn mein Mädchen und ich ganz allein los ziehen. Auch wenn es vielleicht nicht viel zu berichten gibt, sollt ihr doch bei unserem größten Langzeitprojekt auf dem laufenden bleiben!
Diesmal war ganz schön was los. Als ich gerade fertig angezogen war und mein Mädchen die Aufsteigehilfe geholt hat, kam doch glatt ein fremdes Pony am Hof vorbei geritten und lief genau in die Richtung in die wir auch wollten! Da war mein Mädchen erst mal total genervt, denn das Pony war sehr langsam unterwegs und es war völlig klar, dass wir es überholen müssen, wenn wir jetzt in die gleiche Richtung gehen. Sie hat kurz überlegt, ob wir in die andere Richtung reiten, dann hat sie überlegt, ob wir warten und während sie so überlegt, sieht sie, wie das Pony antrabt und also schnell Land gewinnt. Na dann können wir ja doch los!
Diesmal bin ich hoch anständig wie ein Vollprofi vom Hof marschiert, aber kaum waren wir runter vom Hof, kam ein Moped angesaust. Da hat mein Mädchen mich nochmal angehalten und mir einen Keks gegeben, weil wir sowas zwar können, wenn wir mit anderen zusammen unterwegs sind, aber allein sind wir beide uns da noch nicht ganz so sicher. Ich war dann auch erst mal gar nicht so sicher, ob ich weiter gehen möchte. Mein Mädchen hat gewartet, ob ich mich vielleicht noch aufraffen kann, ich hab darüber nachgedacht, dann hat sie mich nochmal gefragt ob es losgehen kann und ich fand: ja, es kann los gehen. Also los.
Kaum war ich wieder in Gange, kam uns doch das fremde Pony entgegen! Mein Mädchen war dezent nervös was ich davon wohl halte, aber ich bin da ganz artig vorbei gegangen. Anhalten, Keks!
Weiter ging es Richtung Baum. Nach der Aufregung musste ich erstmal feste abschnauben, drei mal. Das fand mein Mädchen gut und hat gleich noch einen Keks raus gehauen.
Ich hab dann Maß genommen auf den Baum, wo ich doch weiß, dass ich da grasen darf! Fand mein Mädchen doof und meinte, wir gehen jetzt noch ein Stück um die Kurve, aus Prinzip. Aber nach ein paar Metern hatte sie ein Einsehen, ist abgestiegen und ich durfte schön grasen.
Lecker Gras! Im Hintergrund: DER Baum.
Als ich (nach Meinung meines Mädchens) lang genug gegrast hatte, sollte es wieder nach hause gehen. Es hat aber etwas gedauert mit dem Aufsteigen und so war ich doch leicht strapaziert und wollte dann auch fix wieder zurück, als sie wieder auf meinem Rücken saß. Das war ihr ZU fix und sie ist wieder abgestiegen und lieber ein Stück zu Fuß gegangen. Dann wieder rauf. Ich wollte Turboschritt mit Tendenz zum Trab, aber das fand mein Mädchen blöd und hat gebremst. Wenn ich langsamer wurde, hab ich dann immer einen Keks bekommen. Alsbald ist sie auch schon wieder abgestiegen, weil Autos kamen und sie sich nicht so sicher war, wie wir das schaffen.
Dann ist sie aber wieder aufgestiegen, denn sie wollte unbedingt nach hause reiten, weil wir ja traditionell dann nochmal auf den Reitplatz gehen und ein bisschen traben.
Diesmal hab ich auch nicht „die Kurve gekratzt“, sondern bin hoch anständig so gelaufen, wie sie gelenkt hat. Auf dem Weg zum Reitplatz bin ich am Stromzaun nochmal stehen geblieben, aber mit etwas Bedenkzeit und gutem Zureden kann ich das dann doch immer. Auf dem Reitplatz noch schön traben geübt, das kann ich ja jetzt auch voll gut. Und antraben aus dem Stand haben wir auch versucht. Aber da mein Mädchen und ich beide nach so einem aufregenden Allein-Ausritt nicht so konzentriert und entspannt sind wie sonst, ist unser Anspruch nicht so groß.
Nach ein paar Minuten war dann auch schon Feierabend und mein Mädchen war insgesamt ganz zufrieden. Nur dass ich so flott nach hause wollte, fand sie nicht so gut. Deswegen hat sie jetzt den Mann gefragt und sie haben noch einen neuen Übungsplan ausgeheckt, da lass ich mich mal überraschen, was ich da wieder machen soll.
Irgendwann, sagt mein Mädchen, ziehen wir wie die Vollprofis alleine los. Davon ist sie überzeugt. Ich übrigens auch. Weil wir bisher alles irgendwann hingekriegt haben, was wir uns vorgenommen haben.
„Geraderichten“ steht auf der Ausbildungsskala. Ich kann diese Skala ja so gar nicht leiden. Schon allein deswegen, weil sie meiner Meinung nach nur „Nebel in Tüten“ im Angebot hat. „Losgelassenheit“, „Versammlung“, tolle Worte. Und fast so aussagekräftig wie „warm“ oder „lecker“.
„Geraderichten“ finde ich noch dazu ein total blödes Wort. Da denke ich irgendwie daran, wie man uns früher die Gerte quer hinterm Rücken durch die Ellenbogen gefädelt hat, damit wir „gerade“ sitzen. Mein eigener Reitlehrer hat mal gesagt „nimm dir 4 Stifte: rechte Hand, linke Hand, rechter Fuß, linker Fuß, und schreib mit allen 4 Stiften gleich schön, dann bist du geradegerichtet“. Diesen Vergleich mag ich sehr, denn viele Reiterinnen erwarten vom Pferd, es möge bitte gerade sein, während sie mir von ihrem eigenen Beckenschiefstand berichten.
„Geraderichten“ – wenn ich die Ausbildungsskala umschreiben sollte, würde ich da viel eher sowas wie „Balance finden“ hinschreiben.
In letzter Zeit habe ich mit meinen Schülerinnen viel über Balance gesprochen. Dabei habe ich mich an eine Freundin aus Kindertagen erinnert, die ein Einrad besaß. Ich bin ein paar mal auf dem Ding gefahren, aber an der Bordsteinkante war Schluss. Sie hingegen fuhr später damit fröhlich zum durch den Ort zum Klavierunterricht. Balance ist ein weit gefasster Begriff. Wer nicht auf einem Bein stehen kann, hat wohl ziemlich wenig davon. Wer mit dem Einrad übers Stahlseil fährt, hat ziemlich viel davon. Dazwischen gibt es alle Abstufungen. Duncan hat eine gute Balance in vielen Situationen – zum Beispiel beim Anhängerfahren. Im Schritt auf dem Reitplatz wird es inzwischen auch besser, aber da ist noch Spielraum nach oben. Im Trab noch mehr und galoppiert sind wir dort aus gutem Grund noch gar nicht. Balance kann man natürlich nicht getrennt vom Rest üben. Balance halten erfordert Kraft, Koordination und gute Propriozeption (die Wahrnehmung darüber, wie mein Körper sich zum Raum verhält und wie meine Körperteile sich zueinander verhalten).
Balance halten bedeutet, die Mitte immer wieder finden – und zwar schnell, bevor man umfällt. Es bedeutet nicht, dass man immer in dieser Mitte ist. Aber man findet so schnell wieder rein, dass im Endeffekt niemand mehr sieht, wie man sie verliert und wieder sucht, weil es so kleine Bewegungen sind. Und später merkt man vielleicht noch nicht mal selbst, dass man Ausgleichsbewegungen macht, weil der Körper es von allein macht ohne Einmischung des Gehirns (zumindest ohne bewusstes Denken).
Die Mitte und Balance liegt genau zwischen rechts, links, vorne und hinten. Deswegen empfehle ich Schülerinnen, die permanent nach vorn fallen, sich mal so weit nach hinten zu lehnen, dass ich sage „jetzt ist es zu weit“. Von „zu weit vorn“ direkt in die Mitte zu finden ist nämlich nicht möglich, weil der Körper die Mitte als „zu weit hinten“ deklariert. Er muss erst erfahren, wo „zu weit hinten“ ist, bis er die Mitte finden kann.
Für Pferde ist Balance überlebenswichtig. Wer auf der Flucht vorm Raubtier hinfällt, ist tot. Aber auch andere Tiere – wie wir Meschen – werden schnell unsicher, wenn die Balance verloren geht. Je stabiler wir in unserem Körper sind, desto gelassener können wir damit umgehen, wenn es mal holprig wird. Das ist für Reiter eine wichtige Fähigkeit, damit wir nicht, wenn das Pferd einmal einen kleinen Erschrecker-Satz macht, gleich unten sind oder im Zügel hängen. Je besser wir uns ausbalancieren können, desto leichter zu tragen sind wir auch für unser Pferd, weil unser Gewicht dann immer schön in der Nähe des Pferdeschwerpunktes bleibt und nicht wild von rechts nach links oder von vorn nach hinten wackelt.
Aber Balance hat auch eine seelische Dimension: braucht mein Pferd mehr Herausforderung oder mehr Ruhe und Kleinschrittigkeit? Auch da können wir eigentlich nur ausprobieren. Uns mal was trauen, vielleicht mal einen Hauch zu viel machen und dann beobachten wie das Pferd reagiert.
Diesbezüglich habe ich von Finlay etwas gelernt, was Duncan mir ebenfalls zeigt: etwas, was erst mal wie eine Überforderung wirkt, kann im Nachhinein vom Pony doch als schönes Abenteuer interpretiert werden und sie wollen mehr davon. Das sehe ich daran, mit welch leuchtenden Augen und Begeisterung mein Pony ins nächste Abenteuer startet. Umgekehrt, besonders bei traumatisierten Pferden, ist man auch viel schneller über eine Grenze hinweg gegangen als man vielleicht gedacht hätte. Auch das wird das Pferd anzeigen, je nach Typ durch kleine Hinweise oder eine deutliche Ansage. Ich finde die Balance wie beim Reiten, indem ich mal zu weit in die eine und mal zu weit in die andere Richtung gehe, bis ich weiß, wo die Mitte ist.
Eins gilt aber in jedem Falle: Wo im Training die goldene Mitte ist bestimmen nicht wir, sondern unser Pferd. Wenn wir sie dann gefunden haben und mit unserem Training in der Mitte bleiben, ist unser Pferd seelisch „gerade gerichtet“. Und ich persönlich glaube, dass das unabdingbar verbunden ist mit dem körperlichen „geraderichten“. Wer die körperliche Mitte hat, kann die seelische leichter finden und umgekehrt.
Pony-Yoga! Neulich waren wir zusammen mit Diego und dem Mann auf dem Platz. Diego hat Sparprogramm gemacht und war ruckzuck fertig, aber ich hab noch etwas mehr gemacht mit meinem Mädchen und der Mann hat uns dann noch zugeschaut und geholfen. Er meinte, da sei doch alles schief. Dann hat er Fotos gemacht und gefilmt, während mein Mädchen und ich immer versucht haben, ganz gerade von ihm weg zu reiten, dann umdrehen und ganz gerade wieder zu ihm zurück. Und nochmal. Und nochmal. Irgendwann war mir schon ganz komisch von dem ganzen Getüddel. Hab ich dann nach oben gefunkt. Und siehe da: mein Mädchen hat mich verstanden! Und gesagt, dass wir jetzt noch ein Ründchen traben und dann ist gut. Und also sind wir noch ein Ründchen getrabt und haben dann Feierabend gemacht.
Wo ist denn dieses verflixte „gerade“?
Heute haben wir uns dann allein auf dem Platz vergnügt. Vergnügt war mein Mädchen schon wieder von Anfang an, weil ich so hoch motiviert meine Nase ins Zaumzeug gesteckt habe. Und dann war ich wieder voll bei der Sache. Wir üben jetzt auch mal rückwärts gehen und heute haben wir versucht, aus dem Stand anzutraben. Im dritten Anlauf ist uns das dann auch gut gelungen und schon war wieder Feierabend!
Ich durfte noch auf dem Reitplatz etwas förstern (da ist vielleicht viel gewachsen diesen Sommer! Und man lässt mir nie genug Zeit um mich mal ordentlich zu kümmern!) und mein Mädchen hat sich im Rumstehen geübt.
Wir waren beide sehr glücklich und zufrieden mit uns!
Ui, was für ein Sonntagsausflug! Mein Mädchen war ja der Meinung, ich hätte wohl von Kraft geträumt und würde mich ein bisschen überschätzen und da sei es Zeit, dass ich mal so richtig müde werde. Und zwar nicht durch wildes Galoppieren (das wäre ja mein persönlicher Favorit gewesen), sondern durch ausgiebiges Schritt-Gehen. Nun wisst ihr ja, für mich gilt: Hauptsache raus.
Aber vorher alles anziehen. Hufschuhe! Da hat mein Mädchen geflucht und mit meinen vorderen Schuhen gekämpft, weil die einfach nicht auf meine Hufe gehen wollten. Schließlich wurde es ihr zu bunt, sie hat die Raspelmaschine zur Hand genommen, meine Hufe wieder besser in Form gebracht und dann ging es. Sie sagt, es ist gut, dass ich diese Schuhe hab, die zwingen sie dazu, meine Hufe immer tiptop in Form zu halten. Meine Hufe wachsen nämlich sonst zu viel nach vorn und das ist nicht gut.
Nachdem das geregelt war und der ganze Rest angetüddelt war, hat mein Mädchen die Aufsteigehilfe geholt. Jaaaaa ok, sie hat gesagt, ich soll warten. Aber ich wollte halt los! Und wenn sie den Hocker holt, dann weiß ich doch: sie will aufsteigen! Warum soll ich ihr dann nicht entgegenkommen? Da hat sie gelacht und sich gefreut, weil ich so viel Lust hab, loszulegen.
Und wie! Los ging es Richtung Dorf. Ich munter vorneweg im flotten Schritt. An meinen schottischen Freunden mit den Hörnern vorbei – die waren noch am pennen – und dann den schmalen Weg mit den Weidenbäumen entlang. Ach guck, da ist jetzt auch ein Zaun und noch mehr schottische Freunde! Die waren aber weit weg und ich kenn die ja auch, die sind ok. Direkt am Dorfeingang kam dann der Gulli. DER Gulli den ich zwar schon lange kenne, aber letztes Mal trotzdem etwas gruselig fand, weil ich ja ganz allein vorne war und die ganze Verantwortung hatte! Dieses Mal hat mein Mädchen gesagt, wir haben Zeit und wir gucken so lange ich gucken muss, aber sie möchte, dass ich vorneweg da rüber gehe und ich schaffe das. Ach, Mädchen! Ich bin doch jetzt 5 Jahre alt und also erwachsen! Und ich konnte ganz ohne gucken über den Gulli marschieren. Zack! Mädchen stolz. Wir haben dann Kekse gegessen – nein: ICH habe Kekse gegessen bis Diego mich eingeholt hatte.
Dann durchs Dorf. Dort kam uns ein Auto entgegen mit ganz lauter Musik und mein Mädchen war schon wieder stolz, weil mich das einfach GAR NICHT gestört hat. So ging es weiter. Auch an der Baustelle vorbei, da hab ich mir kurz angeschaut, was da so an Materialien rum liegt, aber ich war ganz entspannt dabei.
Schließlich kamen wir zu unserer Trabstrecke und los ging es! Mein Mädchen meinte, ich sei wohl doch vernünftiger geworden, weil ich gar keinen Galopp angeboten habe. Haha! Ich musste mich doch nur erst warmtraben! Wir mussten noch kurz durchparieren um an einem Hund vorbei zu gehen, danach wieder los und da dachte ich: Galopp macht doch mehr Spaß! Aber ich hab dann doch eingesehen, dass Trab auch fein ist und es dann ja keinen Ärger von oben gibt – also Trab. Naaaaaaa gut.
Mein Mädchen hatte sich eine lange Tour vorgenommen und als Regel ausgegeben, dass ich sie 1 Stunde trage und sie dann 10 min zu Fuß geht und dann wieder 1 Stunde tragen usw. Alsbald war die erste Stunde um und das traf sich gut, wir haben dann nämlich erst mal eine schöne Graspause gemacht (für meinen Blutzucker!). Außerdem waren wir fast im nächsten Dorf angekommen. Dort ging sie also zu Fuß mit mir durch. Da war vielleicht was los! Es kamen ständig Leute, Autos, Pferdeanhänger, Fahrradfahrer. Ich war aber ganz entspannt unterwegs. Bin doch jetzt 5! Nur ein Hund, der komische Geräusche hinterm Zaun gemacht hat, konnte mich ganz leicht beunruhigen. Wenn der aber auch so schief singt!
Aus dem Dorf raus, Mädchen wieder rauf auf meinen Rücken und weiter ging es. Immer im Schritt. Das ist auf Dauer anstrengender als es sich anhört, vor allem weil Diego ja so flott unterwegs ist und irgendwie auch nie müde wird (wie macht er das?) und so war ich ganz froh, als wir dann wieder an eine Trabstrecke kamen, das lockert alles einmal auf.
Lecker Graspause
Und so ging es weiter. Nach einer weiteren Stunde wieder eine Graspause, das hat wieder gut gepasst: Graspause am Dorfrand, zu Fuß durchs Dorf. Und dann Richtung nach hause. Puh, ich war einigermaßen durch. Mein Mädchen war sich nicht sicher, ob ich jetzt eigentlich kopf- oder körpermüde bin. Ich wusste das selbst gar nicht so genau, ich war nur müde. Aber mein Mädchen sagt, sie weiß genau, dass wir Schotten serienmäßig mit Reservetank ausgeliefert werden und ich soll den mal aufmachen. Ok, nach einer Weile hab ich ihn gefunden und dann ging es nochmal, so dass ich den Rest der Strecke dann doch noch gut geschafft habe. Diego hat sich nix anmerken lassen, aber manchmal konnten wir hören, dass er ein bisschen schlurft. Im Tempo hat er aber nicht nachgelassen.
Wir haben insgesamt einen neuen Rekord aufgestellt und waren 16km in gut 3 Stunden unterwegs! So eine weite Strecke bin ich noch nie an einem Stück gelaufen. Mein Mädchen sagt, jetzt werden mir wieder schöne Muskeln wachsen. Und wahrscheinlich träume ich dann wieder von Kraft und nächstes Mal müssen wir noch weiter gehen, bis ich müde bin.
Nach einer schönen Dusche und Pause mit Heu kam mein Mädchen wieder runter in den Stall und hat mich gerufen. Ich kam gleich angelaufen, was sie sehr gefreut hat, weil ich unsere Tour wohl nicht zu anstrengend fand. Ach Mädchen, ich weiß doch wie es ist: wenn ICH müde bin, dann bist DU doch auch müde und das heißt, heute machen wir gar nix anstrengendes mehr. Und ich hatte recht: keine Anstrengung. Stattdessen bekam ich eine schöne Massage! Der Mann hat meinem Mädchen gezeigt, wie sie meine Schultern etwas lockerer kriegen kann. Mein Job war, still zu stehen und zu zeigen, welche Stellen ich mag und welche nicht so. Aaaaaah ja da ist es gut! Das will sie jetzt regelmäßig machen, damit ich vornerum etwas lockerer werde. Bestimmt kann ich dann noch besser und schneller und länger laufen! Juhuuuu!
Erst etwas durchbewegenJa, das ist gut. Aaaaaaaaah, schööööööön
Ach das war ein schöner Sonntag. Ich fühle mich tatsächlich sehr ausgetobt, obwohl ich gar nicht galoppiert bin.
Wisst ihr noch, als ich mich verzählt habe und schon einmal einen 400. Tagebucheintrag gemacht habe? Es gibt jetzt einfach noch einen, weil es so schön passt. Wo ich euch doch heute von meinem Geburtstag berichte! Das ist ja schließlich auch eine 400 wert.
Gestern bin ich nämlich 5 Jahre alt geworden! Also erwachsen (finde ich). Zumindest fast (findet mein Mädchen). Und so ein Geburtstag muss natürlich gebührend gefeiert werden. Mit Ausflug! Also war ich – ganz und gar außer der Reihe – mit dem Ausreitkumpel verabredet. Und mit ihm zusammen bin ich zu Ritter Willibald gewackelt worden. Mein Mädchen dachte, da ich beide – den Ausreitkumpel und Ritter Willibald – ja schon kenne, wird es keine Probleme geben. Aber ich gestehe, ich fand das doch enorm aufregend mit den beiden zusammen unterwegs zu sein! Ich wollte gern beide im Blick behalten und wenn dann einer vor und einer hinter mir war, oder einer rechts und einer links, das hat mich ganz wuschig gemacht. Naja ich hab mich natürlich trotzdem gut benommen (mein Mädchen sagt „fast gut“).
Dann kamen wir an eine Stelle im Wald, wo plötzlich zwei weiße Rinder direkt am Weg standen. Nun hab ich ja normalerweise nicht so ein Thema mit Rindern und Willibald und mein Spaziergehkumpel auch nicht aber diese Rinder fanden wir alle drei etwas gruselig. Die standen da so und haben uns angestarrt und sich nicht bewegt! Schließlich ist Ritter Willibald dann vorneweg gegangen, so einen kleinen, steilen Waldweg runter. Mein Ausreitkumpel hat sich auch getraut und ich wollte dann hinterher. Aber ich war so auf die Rinder fixiert, dass ich einen Stein übersehen hatte, vor dem hab ich mich dann ordentlich erschreckt. Und weil mein Mädchen gar nicht leiden kann, wenn ich den steilen, schmalen Pfad nicht ruhig und konzentriert runter gehe, ist sie lieber abgestiegen, so wie letztes Mal (da waren die Rinder noch nicht an diesem Weg, aber es war ihr trotzdem zu steil).
Als wir den Berg runter waren, meinte das Mädchen von Ritter Willibald, wir könnten uns die Rinder nochmal ansehen wenn wir wollen. Das wollte mein Mädchen gern, damit ich nochmal feststellen kann, dass die doch wirklich ungefährlich sind. Also über einen anderen schmalen Pfad den Berg wieder rauf, an der Rinderkoppel entlang und da oben standen sie noch und haben uns wieder so angeglotzt! Ritter Willibald – der mutige Gigant – hat sich das von nahem angeschaut. Dann fanden mein Ausreitkumpel und ich das auch ok – letztendlich sind es ja doch eben nur Rinder, wenn sie auch ein bisschen komisch drauf sind. So und dann den Berg wieder runter. Das ist da in diesem Wald irgendwie so….
Ritter Willibald traut sich was!
Etwas weiter ist mein Mädchen dann wieder aufgestiegen und weiter ging die Tour. Weil ich so aufgeregt war, wenn ich meine beiden Begleiter vor oder neben mir hatte, durfte ich vorneweg gehen und hab das auch super gemacht. Nur zwischendurch, wenn nicht so klar war, wo der Weg lang geht (man, das ist vielleicht ein Abenteuerwald! Ich finde das toll. Mein Mädchen macht das immer nervös. Als ob ich sowas nicht könnte!), ist Ritter Willibald vorneweg gegangen. Wir kamen dann auch wieder an den Fluss wo ich letztes Mal so mutig vorweg geschwommen (na gut: gegangen) bin. Willi ist da so durch marschiert und mein Mädchen fand ich sollte warten bis er drüben ist, damit ich sehen kann wo es hin geht. Da hatte ich es einfach eilig und hab das mit zwei großen Sätzen erledigt. Nur, dass dann schon wieder einer meiner hinteren Hufschuhe einfach stehen geblieben ist. (Neue Schuhe sind bestellt aber noch nicht geliefert. Hoffentlich hat das dann ein Ende!). Mein Mädchen ist also abgestiegen, aber das Mädchen vom Ausreitkumpel war auch schon abgestiegen um den Schuh einzusammeln. Mein Ausreitkumpel war von meinem eleganten Sprung über den Fluss inspiriert und hat es mir nachgemacht. Dabei ist er ein bisschen in sein Mädchen rein gesprungen, die dann doch dezent sauer war. Jedenfalls haben die beiden den Fluss dann nochmal geübt, während mein Mädchen mir den Schuh angezogen hat. Mein Mädchen hat gesagt, wir üben den Fluss nicht, weil sie ja weiß, dass ich das besser kann wenn ich nicht so aufgeregt bin.
Mein Ausreitkumpel übt den Fluss
Nun waren wir wieder auf dem Rückweg und ich bin noch ein bisschen hinten gelaufen – das ging. Wenn Willibald vorne und mein Ausreitkumpel dahinter waren, konnte ich einfach meinem Ausreitkumpel hinterher laufen, das war ok.
Wir kamen wieder an einem tief hängenden Zweig vorbei, den wir noch vom letzten Mal kannten. Aber letztes Mal konnte mein Mädchen da noch fas aufrecht drunter her reiten, jetzt hängt der Zweig noch tiefer, so dass wir uns da ordentlich durchs Gebüsch schlagen mussten. Ich kann das natürlich. Und weil ich es so toll konnte, durfte ich es gleich nochmal machen: fürs Video. Da hatte ich mir nun aber überlegt, dass ich ja mal die gute alte Taktik probieren könnte. Wo kein Weg ist, muss man eben einen machen! Und ich bin schließlich Förster von Beruf! Wollte mir den Weg einfach frei fressen. Mein Mädchen meinte aber, das würde doch wohl zu lange dauern. Trotzdem fand sie, ich hab das super gemacht.
Ich bin Förster von Beruf…
Zum Schluss war dann nochmal ein kleiner Trab den Berg hoch angesagt und da wollte ich wieder weiter nach vorn. Durfte ich auch und wie ich Willibald so überhole, denke ich mir: so ein kleines Wettrennen zum Abschluss vielleicht? Aber mein Mädchen fand diese Idee ganz und gar nicht witzig. Traben sollte ich bitteschön. Und dann wurde dieser Berg auch wahrlich etwas steiler als ich gedacht hatte, so dass ich nochmal ordentlich die Pobacken zusammen kneifen musste, um da rauf zu kommen. Mein Mädchen war überrascht, wie viel Kraft ich nach alle dem auf und ab und der Aufregung noch hatte. Tja, ich hab ja auch trainiert!
Oben angekommen ist sie dann abgestiegen und hat gesagt, sie hatte genug Aufregung für heute und geht den Rest zu Fuß. Und da war sie auch froh drum, denn eine Aufregung kam noch! Da waren zwei klitzekleine Ponys auf einer Weide, die waren kleiner als unser Caruso, und die fanden es toll dass wir da vorbei gekommen sind und haben ein bisschen Party gemacht! Ich konnte das aber noch ganz gut weg stecken, auch wenn ich schon reichlich kopfmüde war.
Willibald ist dann nach hause abgebogen, das fand ich sehr schade, und wir sind zur Wackelkiste weiter gegangen, wo wir noch ein bisschen grasen durften vor dem Einsteigen. Ich war wirklich ganz schön kopfmüde, aber mein Körper hätte noch gut weiter gekonnt. 7,8km fast nur Schritt sind nicht mehr so eine große Herausforderung, auch wenn es viel bergauf und bergab ist. Und so plant mein Mädchen jetzt eine große Sonntagsrunde mit Diego. Der hat ja so einen schnellen Schritt, da muss ich mich ordentlich ins Zeug legen um mitzukommen und sie meint, es wird mir gut tut, mich mal im Schritt auszutoben und nicht immer so viel an Galopp zu denken. Ich werde wieder nicht gefragt, wie immer. Menno. Galopp ist doch viel lustiger als Schritt!
Jedenfalls war das ein toller Ausflug und alle Menschen fanden, dass ich das für meine 5 Jahre doch insgesamt sehr ordentlich mache. Sogar mein Mädchen fand das nachher, als sie sich wieder etwas entspannt hatte.
Abends haben wir dann zu hause noch eine Möhrenparty für alle gemacht. Der Mann hat Musik laufen lassen, weil er nicht selbst ein Ständchen singen wollte. Das fand ich sehr interessant! Bin immer hinter ihm und der Musik her gelaufen. Und mein Mädchen hat Möhren geworfen, die wir Ponys uns dann eingesammelt haben. Leckerleckerlecker!
Möhren- Party!
Jetzt muss ich ein Jahr auf den nächsten Geburtstag warten, das ist ein bisschen schade. Aber mein Mädchen sagt, wir füllen das Jahr mit Abenteuern und das klingt doch sehr vielversprechend! Sie ist ganz gespannt, wo ich in dem Jahr so hin wachse und was wir noch alles feines lernen. Ich bin gespannt, welche neuen Wege sie mir zeigt.
Ich hoffe, ihr bleibt mir gewogen, meine lieben Leser! Und ihr wisst ja, an wen ich an meinem Geburtstag auch immer denke: an die Pferde, die keine Abenteuer erleben, sondern hart arbeiten müssen. Bitte spendet ein paar Möhren an meine armen Kollegen. Danke!
Der Wind pfeift in meinem Helm. Padadamm, Padadamm, Padadamm machen Duncans Hufe unter mir. Er liebt galoppieren! Ich hatte noch nie ein so lauffreudiges Pony wie ihn. Mein kleiner Ritter fühlt sich stark und trittsicher an. Meine Angst, dass er stolpern und stürzen könnte, wie es Finlay mal passiert ist, ist nicht mehr so groß wie zu Anfang. Aber noch habe ich die Zügel kurz, damit sein Kopf oben bleibt. Rhythmisch gehen meine Hände mit vor, damit er trotzdem keinen Kontakt am Gebiss hat, so lange er sich so verhält, dass ich mich sicher fühle.
Padadamm, Padadamm, Padadamm Meine Beine fühlen sich strapaziert an. Das Pony ist breiter geworden und ich glaube ich muss deswegen jetzt die Bügelriemen kürzer stellen. Irgendwie ist alles anders seit dem letzten Wachstumsschub. Andererseits kann ich jetzt auch mal von unten aufsteigen, ohne dass der Sattel mir komplett entgegen kommt. Er liegt durch die breiter Auflagefläche stabiler. Ich muss daran danken, meiner Sattel-Beraterin ein Foto zu schicken zum Checkup.
Padadamm, Padadamm, Padadamm geht es weiter. Ich hatte irgendwie vergessen, dass es anstrengend sein kann, im leichten Sitz zu galoppieren. Meine Fitness! Herrje.
Padadamm, Padadamm, Padadamm immer wenn Duncan beschleunigt, kommt die Angst: wird er zu irgendeinem Zeitpunkt beschließen, dass er mal zeigen könnte, WIE SCHNELL er rennen kann? Es reicht mir, das im Paddock zu sehen. Ich muss das wirklich nicht erleben, wenn ich drauf sitze. Aber ich weiß auch: am ehesten kann ich solche Eskapaden verhindern, wenn ich ihn ausgiebig galoppieren lasse und nicht zu viel bremse. Er wird sicher noch deutlich schneller galoppieren können mit etwas Training und mehr Mut von meiner Seite.
Padadamm, Padadamm, Padadamm da vorne ist der große Weg, wir müssen durchparieren. Der Bremsweg ist jetzt nicht mehr so lang, Duncans Übermut hat sich gelegt. Ich freue mich, dass er so viel Energie hat und dass die Anstrengung von letzter Woche ihn anscheinend nicht abgeschreckt, sondern eher angespornt hat.
Ein Blick auf die App verrät mir später, dass unsere Höchstgeschwindigkeit bei knapp 15 km/h lag. Erstaunlich, wie schnell sich etwas anfühlen kann, was man nicht (mehr) gewöhnt ist! Und wie lang mir die Galoppstrecke vorkam, dabei waren es nur ungefähr 500 Meter. Und am Ende des Ausritts sind wir insgesamt auf 1,1 km Galopp gekommen.
Ein knappes Jahr ist es her, dass Duncan und ich den gleichmäßigen Trab über längere Strecke für uns entdeckt haben. Jetzt also Galopp. Duncan ist – so wie Finlay damals auch – der Meinung, dass ich zu spät dran bin. Ich wollte mit dem Galopp bis nach seinem 5. Geburtstag warten. Aber wenn mein Pony so unbedingt findet, dass er so weit ist, verlasse ich mich auf ihn. Er ist – ebenfalls wie Finlay – kein Typ, der sich selbst überfordert. Er achtet auf sich, das habe ich jetzt 4 Jahre lang beobachten können. Er kennt seinen Körper und weiß, was er da tut, davon bin ich überzeugt. Und ich will ihm nicht den Spaß vermiesen indem ich ewig bremse.
In den letzten Wochen fühlt Duncan sich unbesiegbar. Er ist gewachsen, er ist kräftiger geworden, er hat jede Herausfoderung gemeistert und selbst als er müde war, war das für ihn anscheinend völlig ok. Er erinnert mich ganz schwer an jene Jugendliche, die offensichtlich endlos Energie haben, sich vor nichts fürchten und erst dann zufrieden sind, wenn sie sich selbst bis ans Limit gepusht haben.
Heute wird mein Ritter 5 Jahre alt. Wie sehr habe ich auf diesen Tag gewartet, den Tag an dem er den größten Teil des Erwachsen-werdens geschafft hat. Klar, bisschen was kommt schon noch. Vielleicht überrascht er mich auch und kriegt nochmal so richtig spätpubertäre Anfälle. Aber im Moment – obwohl er durchaus Pubertät hat – ist er einfach super. Ja, er hat ein paar merkwürdige Ideen. Aber wir zwei kennen uns jetzt so gut und haben so viel Spaß mit- und aneinander, dass uns das nicht ernsthaft erschüttert. Gelegentlich mache ich mir Sorgen, ob die eine oder andere Verhaltensweise (wie völlig unmotiviertes Abbiegen irgendwohin) eine tiefere Bedeutung hat, aber so lange mein Pony fröhlich in den Anhänger steigt und beim Ausreiten fröhlich vorneweg durch fremdes Gelände saust, denke ich, das passt schon so. Der darf auch mal ne komische Idee haben in seinem Alter. Und er macht insgesamt alles so toll! Er wirkt manchmal etwas größenwahnsinnig, aber auch das ist ja irgendwie für Jugendliche normal.
Damals, als mein kleiner Jährling hier eingezogen ist, hatte ich so eine vage Vorstellung davon, wie es mal werden könnte. Und so ganz grob gesehen stimmt die vielleicht auch, diese Vorstellung. Aber irgendwie auch nicht, denn die Realität ist noch viel besser als in meiner Vorstellung. Ich hätte nicht zu träumen gewagt, dass ich ein Pony bekomme, was so perfekt zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Wo gibt es das schon, diese Mischung aus Bewegungsfreude und dem Willen zur Strecke gepaart mit dem rechten Maß an innerer Ruhe und Gemütlichkeit, damit es mir nicht zu doll wird? Ich bin so eine anspruchsvolle Reiterin, habe schnell Angst, möchte aber trotzdem viel erleben. Ich bin nicht leicht zufrieden zu stellen. Aber dieser kleine Ritter, der ist so nah an der Perfektion wie es wohl möglich ist. Und die Sorge, er könnte zu klein sein für mich, ist vollständig von mir abgefallen, seit ich wieder und wieder fühle, mit welcher unglaublichen Leichtigkeit er mich trägt – bergauf oder bergab, im Schritt, Trab oder Galopp oder mit beginnender Kadenz auf dem Reitplatz. Wie unglaublich leicht ihm alles fällt durch seinen kompakten Körperbau, sein gutes Körpergefühl und seine gut gewinkelte Hinterhand. Und wie viel Lust er immer hat: noch ein Abenteuer, noch ein Ausflug, nochmal los ziehen und wenn es mal zu viel war, dann reicht ein Tag Pause bis es ihn wieder packt und er wieder los will. Kurz gesagt: er ist der Hammer. Und dabei wird er heute erst 5 Jahre alt. Wenn er so weiter macht, wage ich kaum, mir vorzustellen, was in 5 Jahren möglich sein könnte. So lang er nur bei mir bleibt, gesund und munter, stehen uns ganz sicher noch viele wundervolle gemeinsame Stunden bevor. Darauf eine Möhre! (oder eher ein paar mehr). Happy Birthday, mein wundervoller Ritter in glänzender Rüstung!
Gestern war Montag. Und trotzdem Ausflugstag mit dem Ausreitkumpel! Das soll wohl jetzt vorerst immer so sein, sagt mein Mädchen. Wisst ihr was? Mir egal. Hauptsache Ausflug!
Mein Mädchen war natürlich besorgt. Wie immer! Weil ich es ja letzte Woche so anstrengend fand. Was sie vergessen hat: letzte Woche war letzte Woche. Jetzt ist diese Woche. Und ich war ja in der Zwischenzeit nicht untätig. Wir waren auf dem Reitplatz zum Ponyyoga und in der Halle zum Wippen und vor allem hab ich mir doch Muskeln wachsen lassen! Dafür ist Regenerationszeit schließlich da. Und das bedeutet, ich bin diese Woche stärker, schneller und vielleicht sogar noch etwas schöner als letzte Woche (falls das möglich ist).
Also los in die Wackelkiste und zum Ausreitkumpel! Hinterhufe wieder in den alten, geliehenen, halb kaputten Schuhen, weil wir probieren wollten wie es damit mit dem Galopp klappt. Mein Mädchen hatte zwar schon so eine Ahnung, aber sie wollte es trotzdem probieren.
Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat sich auch erinnert, wie anstrengend ich es letzte Woche fand und hat gesagt, in Anbetracht der Hitze reiten wir lieber nur 8,5km. Dann ging es los, auf einen schmalen Waldweg. Trab! Und dann um die Kurve um den Baum, etwas runter, etwas rauf. Ich war munter und flott vorneweg unterwegs. Dann wurde der Weg gerade und ich dachte, ein kleiner Galopp wäre wohl angemessen. Mein Mädchen fand das aber gar nicht. Ich aber schon. Und so gerieten wir in eine kleine Diskussion. Hab dann nachgegeben und bin getrabt. Aber so richtig Spaß hat es mir nicht gemacht, also bin ich eben doch wieder angaloppiert. Diskussion. Trab. Laaaaaaaaaangweilig! Galopp! Diskussion. Trab. Nein, jetzt ist es mir zu doof. Ich will galoppieren und mir ist das vollkommen egal was mein Mädchen davon hält. Oooooooh, da gab es aber mal richtig Ärger. Verdammt! Fand sie gar nicht witzig. Menno.
Die gute Nachricht ist: sie hat verstanden, dass ich Galopp einfach eine tolle Gangart finde und im Grunde findet sie das ja auch. Als wir also kurze Zeit später auf einen breiteren Weg kamen, ging es los – mit Erlaubnis von oben. Juhuuuuuu! Hopp, hopp, Galopp! Wir waren gerade so recht in Fahrt als ich komisch gestolpert bin mit den Hinterhufen. Mein Mädchen wusste gleich: Schuh ab. Sie war schon am bremsen als… Huch! Was fliegt denn da! Da musste ich doch kurz einen Satz und einen kleinen Buckler machen vor Schreck! Hab dann aber gebremst. Beide Schuhe futsch. Die Gamaschen waren noch an meinen Beinen aber die Schalen waren im hohen Bogen weg geflogen. Naja, das war ja fast zu erwarten gewesen.
Zwei Schuhe in vier Teilen ist nicht in Sinne des Erfinders!
Schuhe in die Tasche und es ging hinten barhuf weiter, war guter Boden. Trab oder Galopp oder was – bisschen Chaos weil wir vorne waren aber den Weg nicht wussten und die Ansagen von hinten irgendwie verwirrend waren. Aber egal, wir hatten trotzdem Spaß. Und dann kamen wir an eine Badestelle. Ab in den Fluss! Zumindest mein Ausreitkumpel. Ich bin ja jetzt nicht so die Wasserratte. Wollte gerade einen Schluck trinken, da fängt der neben mir an zu plantschen wie so ein Irrer! Ey, das spritzt mir ins Gesicht! Nein, da mach ich nicht mit. Bin das Ufer wieder hoch geklettert und hab mir das von weitem angeschaut. Der spinnt doch!
Nachher, als er fertig war mit plantschen, sind mein Mädchen und ich auch nochmal ans Wasser. Aber ich bin einfach keine Badenixe und mein Mädchen sagt, das muss ich auch nicht sein, ich soll nur keine Angst haben.
Der spinnt doch! Das schau ich mir lieber von weitem an.
Weiter ging die Reise, einen kurzen, steilen Berg hoch und dann wieder zurück zur schönen Galoppstrecke. Hurraaaaa! Ich finde galoppieren einfach großartig! Mein Mädchen hat immer zwischendurch gecheckt ob die Bremse noch geht und wenn ich gesagt hab, dass ich noch zuhöre, hat sie mich wieder laufen lassen. Sie war ganz überrascht, wie fit ich bin. Naja, wie gesagt, ich hab mir Muskeln wachsen lassen – und das war doch auch ihr Plan! Was ist sie denn dann so überrascht, wenn das dann klappt? Komisch.
Dann noch etwas Trab und als das Mädchen vom Ausreitkumpel gefragt hat, welchen Weg wir zurück reiten hat mein Mädchen auf den breiten Weg gezeigt und gesagt, ich soll ruhig noch galoppieren. Oh, jetzt wurde das schon ein bisschen anstrengend. Nicht schlimm, aber vielleicht einen Hauch mehr, als ich dachte. Und so, sagt mein Mädchen, war auch der Plan. Weil ich mich fühle wieder König der Welt (und? Einwände?) und ich fix lernen soll, dass ich mich auspowern kann ohne ungefragt zu galoppieren. Ok, mein Mädchen, aber dann musst du mir das auch fest versprechen! Mein Mädchen sagt, sie will mir zeigen, dass ich mich auf langen Schritt-Ausritten, mittellangen Trab-Ausritten und kürzeren Ritten mit viel Galopp auspowern kann. Mal so und mal so. Weil sie unbedingt die Gangart bestimmen will – zumindest im Moment. Sie sagt, wenn ich weiterhin immer super artig bin und ihr gezeigt habe, dass die Bremse zur Not funktioniert, dann kann ich auch mehr selbst bestimmen. Immer dieses Misstrauen! Nur weil man mal ein bisschen schneller möchte. Tssss tsss, wer bremst, hat Angst!
Und die alten, geliehenen Hufschuhe haben uns trotz ihrer spektakulären Flugbahn die gewünschte Erkenntnis gebracht: meine vorderen Hufschuhe bleiben auch im Galopp dran, wenn ich hinten welche anhab, die gut passen und keine Schnalle vorne haben. Damit weiß mein Mädchen jetzt, was sie mir hintenrum anziehen kann und dann sollte das Thema Hufschuhe bald mal etwas weniger nervig sein. Allerdings heißt das nicht, dass sie nicht noch 100 andere Sachen an unserem Equipment verbessern möchte!
Gegen Ende war ich dann sehr zufrieden mit mir. Müde allerdings nicht, nur sehr verschwitzt. Wir sind nach hause gefahren und dort hat mein Mädchen Puls gemessen – 44. Dann hat sie den Schlauch aufgedreht und mich gefragt, ob ich duschen möchte. Ach weißt du was, mein Mädchen, ich möchte wirklich gern duschen, ich fühle mich ganz klebrig und heiß. Also hat sie mich komplett abgeduscht und ich fand das ausnahmsweise sehr angenehm. Fertig! Ab zum panieren und dann Feierabend. Mädchen stolz, zufrieden und überrascht und ich ausgetobt, glücklich und bald noch fitter!
Mein Mädchen ist etwas matschig, weil so fieses Wetter war. Gestern heiß und schwül und in der Nacht sagt sie, hat sie im Dampfbad geschlafen. Warmer Nebel! Na jedenfalls war ihr da heute nicht nach großem Ausflug. Wir haben also ganz gemütlich die Hausrunde gedreht. Ohne Sattel, nur mit Pad. Dafür mit neuen Schuhen für meine Hinterhufe zum ausprobieren. Geliehen natürlich, weil mein Mädchen ja so aufs Ausleihen steht. Sitzen gut! Aber es kann sein dass ich sie eine Nummer kleiner brauche, wenn mein Mädchen mir die Hufe wieder schick gemacht hat. Das sehen wir dann, hat sie gesagt.
Schuhe probieren
Also es ging los. Erst mal kam ein großer Trecker. Kann ich! Und dann hab ich mir einen Keks geben lassen. Kurz danach kam ein Motorrad von hinten. Kann ich auch! Und Keks! Mein Mädchen ist sehr stolz auf mich, weil ich das alles so gut kann. Ich bin stolz auf mein Mädchen, weil sie mir so schön vertraut.
Mein Mädchen fest gestellt, dass sie ganz anders sitzt, weil ich breiter geworden bin. Das hat sie dem Mann erzählt, und gesagt, ich sei wohl gewachsen. Dann hat sie gezögert und gesagt „oder ist er so dick geworden?“. WIE BITTE? Wenn ich nicht so nett wäre, hätte ich sie direkt zu Boden befördert! Was ist das bitte für eine Unterstellung! Aber der Mann hat die Situation gerettet und gesagt, ich hätte auch eine breitere Brust bekommen und das sei sicher nicht nur Speck. Glück gehabt, Mädchen!
Weiter ging es im Trab den schönen Grasweg lang, mein Mädchen und ich vorneweg. Ganz gemütlich, weil wir ja ohne Sattel waren. Ich bin sogar mutig an dem etwas gruseligen Maisfeld vorbei getrabt.
Dann kamen wir an den schmalen Weg. Den findet mein Mädchen immer etwas doof, denn oben sind Büsche, links ist Stacheldraht und rechts ist ein Graben und teilweise Draht der fast unsichtbar auf dem Boden liegt. Dazwischen ist genau Platz für ein Pony zum durch gehen. Ich hab damit natürlich kein Problem, kenne den Weg ja auch von klein auf. Aber plötzlich lag da dieses weiße Ding auf dem Weg! Mein Mädchen dachte, es wäre ein Fußball, aber bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich um einen Pilz handelt! Später hat sie dann gelesen, dass sie sich daraus ein kapitales Pilzomelett hätte machen können. Aber darauf hat sie lieber verzichtet. Nun denn, wir standen also vor dem Pilz und mein Mädchen und ich waren nicht sicher, was zu tun sei. Der Mann meinte, wir könnten außen herum reiten, aber dabei hätte ich fast den Abgang in den Graben gemacht. Also hat mein Mädchen gesagt, so geht das nicht und wir müssen einfach über den Pilz drüber marschieren. Ok, hab ich gemacht! Mit einem klitzeklitzekleinen Hüpferchen. Aber insgesamt so souverän, dass mein Mädchen schon wieder stolz war und mir eine schöne Graspause gegönnt hat, damit sie ein Foto von dem Riesenpilz machen kann.
Lecker GraspauseSchmaler Weg, großer Pilz!Der war riesig!
Weiter ging es Richtung nach hause. Von hinten kam noch ein sehr leiser Fahrradfahrer und was soll ich euch sagen: ich hab mich nicht erschreckt! Mein Mädchen findet, dass ich voll großartig erwachsen und reif und erfahren bin. Sie hat zum Mann gesagt, wenn sie sich manchmal über meine kleinen Marotten beschwert, ist das Jammern auf extrem hohem Niveau und er soll sie daran erinnern, was für ein tolles Pony ich bin.
Und damit hat sie das mit dem Speck wieder wett gemacht und ich bin ihr nicht mehr böse.
Ich bin euch ja noch einen Dienstags-Bericht schuldig! Der kommt so spät, weil ich erst mal Regenerationszeit brauchte. Mein Mädchen hat mir ja jahrelang versprochen, dass ich – sobald ich sie tragen kann – so viel laufen darf, wie ich will. Und was sie verspricht, das hält sie auch! Und jetzt, knapp vor meinem 5. Geburtstag, legt sie richtig los. Also wir waren ja am Freitag bremsenreiche 11,2km unterwegs, am Sonntag ruhige 11,6km und am Dienstag waren es dann 12,2km – und zwar flott!
Wir waren natürlich wieder mit DEM Ausreitkumpel unterwegs. Und jetzt weiß ich auch, warum mein Mädchen immer sagt, das Mädchen vom Ausreitkumpel sei unser Drill-Instructor! Das war wohl damals mit meinem großen Bruder schon so. Das frühere Pony vom Mädchen vom Ausreitkumpel war nämlich sehr, sehr fit und ist ganz viel vor der Kutsche gelaufen. Und mein großer Bruder war nicht so fit, wollte aber ja auf Distanzritt gehen und musste also trainieren. Also war das kleine Pony vom Mädchen vom Ausreitkumpel immer vorneweg, immer flott, immer gut gelaunt und fit wie ein Turnschuh und hat dadurch meinen großen Bruder auf Trab gebracht. Nun galoppieren die beiden vielleicht gemeinsam über die himmlischen Weidegründe, wer weiß? Jedenfalls ist klar, wer vorneweg galoppiert……ich trete derweil hier unten in die Fußstapfen meines großen Bruders. Und mein Ausreitkumpel tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers.
Mein Ausreitkumpel hat ja nicht nur das eine Mädchen, sondern einen ganzen Harem. Und er ist etwas älter als ich. Das bedeutet, er trainiert länger und öfter und ist folgerichtig fitter als ich. Und das Mädchen vom Ausreitkumpel hat Lust, schnell und lang zu reiten. Und jetzt wo ich etwas größer bin, kann das richtig los gehen, meint mein Mädchen. Und so ging es denn auch los! Erst mal im Trab. Dann kamen wir an eine Stelle, wo man einen Hügel erklimmen kann – einfach so. Es gibt keinen Grund dafür, das zu tun, außer dass man dann an der anderen Seite den Hügel wieder runter reitet und genau da ist wo man angefangen hat. Ich hab das drei mal gemacht (das dritte mal aber nur, damit es noch auf Video fest gehalten wird) und meinem Mädchen dann mitgeteilt, dass es Dinge gibt, die auch mit Keks wenig Sinn ergeben.
Das kann man machen. Aber warum?
Das hat sie verstanden und also sind wir weiter getrabt. Dann ein klitzekleines Stück Straße und – huch? Was ist das? Der Boden sieht so komisch aus? Mein Mädchen meinte, ich wäre hier schon mal gewesen – ob ich das vergessen hätte? Ist halt lange her! – und ich sollte mir das ruhig anschauen, aber nicht zu lange, weil es sonst sein könnte, dass ein Zug kommt! Das waren nämlich die Bahnschienen. Ich bin dann tapfer drüber gegangen und mein Mädchen war schon wieder stolz.
Hinter den Bahnschienen fing es dann alsbald mit den schönen Wegen an und mein Wunsch ging in Erfüllung: wir sind schön ausgiebig galoppiert! Erst hinter meinem Ausreitkumpel her, dann vorneweg. Zum Glück! Denn plötzlich flog mein Hufschuh weg! Es ist so: weil ich so kurz gebaut bin, trete ich mir manchmal mit den Hinterhufen von hinten in die vorderen Hufschuhe rein. Das liegt auch daran, dass die hinteren Hufschuhe nicht ganz die besten für mich sind, da suchen wir noch was besseres. Jedenfalls war der vordere Hufschuh etwas kaputt und dadurch etwas lose und ich war flott im Galopp und – schwupps! – war der Schuh weg. Zum Glück hat es ja aber das Mädchen vom Ausreitkumpel gleich gesehen und bescheid gesagt. Wo mein Mädchen dann eh absteigen musste, haben wir gleich eine schöne Graspause eingelegt. Na den Trick merke ich mir! Schuh wieder an und noch ein Stückchen Galopp, aber der Schuh hat sich gedreht und also haben wir das mit dem Galopp dann gelassen. Ehrlich gesagt war ich mittlerweile aber auch so viel galoppiert, dass mir etwas matt um die Beine wurde. Weiter ging es im gleichmäßigen Trab. Mein Mädchen war schon wieder stolz, weil mein Ausreitkumpel um die Ecke außer Sichtweite getrabt ist und ich ganz ruhig mein Tempo weiter getrabt bin, ohne zu befürchten, dass wir ihn jetzt verloren haben. Ich weiß ja jetzt: die lassen uns nicht allein. Die warten irgendwo auf uns. Und das taten sie auch, weil sie nämlich sowieso anhalten mussten. Da war plötzlich ein Großaufgebot an Treckern und Autos und alle waren am Hin- und herfahren und wenden auf dem Weg. Wir haben erst mal abgewartet. Die meisten sind dann von uns weg gefahren aber zwei Trecker wollten an uns vorbei. Wir haben uns in eine Feldauffahrt gestellt und mein Mädchen hat kurz überlegt ob sie in Anbetracht der Größe dieser zwei Gefährte wohl absteigen muss, um mir zu helfen. Ich hab ihr nach oben gefunkt, dass ein, zwei Kekse von oben mir reichen um das zu überleben. Dann habe ich ganz ruhig gewartet, während diese Monstergeschosse an uns vorbei gefahren sind. Und hab Kekse gegessen. Zack! – Mädchen schon wieder stolz! Weil ich so entspannt war dabei.
Danach hatte ich einen kleinen Anfall von Kopfmüdigkeit. Ich musste mal Pipi, konnte mich aber ewig nicht entscheiden,was wohl die richtige Örtlichkeit dafür ist. Und als ich es dann erledigt hatte, war ich etwas durcheinander und wir haben uns ein bisschen gestritten, mein Mädchen und ich, weil ich plötzlich überall links abbiegen wollte, auch da wo gar nicht unbedingt ein Weg war. Mein Mädchen hat sich Sorgen gemacht, dass ich voll überfordert bin. Aber ich hab mich dann irgendwann wieder zurecht getüddelt.
Die Trecker die uns überholt haben und der Zug. Kann ich alles!
Die Mädchen sind ein Stück zu Fuß gegangen und da kamen von hinten nochmal so zwei riesige Gefährte angerollt. Auch das habe ich wunderbar gemeistert. Dann wieder über die Bahnschienen und in den schönen Weg. Dort gab es nochmal eine Graspause, damit mein Kopf wieder mit macht. Und dann konnte ich auch noch ein gutes Stück traben, wenn auch nicht mehr so arg flott. Schließlich sind die Mädchen abgestiegen und wir sind zu Fuß zur Wackelkiste zurück gegangen. Heidewitzka, was war ich kaputt! Mein Puls war so bummelig bei 52, da wusste mein Mädchen, dass ich mich echt angestrengt hatte. Nach 15 Minuten Heimfahrt in der Wackelkiste war er dann aber schon auf 44 runter. Ich kann einfach gut entspannen in der Wackelkiste!
Nach diesem Training hatte ich mir den freien Mittwoch wahrlich verdient. Ich habe ihn einfach verbummelt und mir neue Muskeln wachsen lassen. Mein Mädchen hat erstmal ein Ersatzteil für meinen Hufschuh bestellt und wird jetzt verschärft nach einer besseren Lösung für meine Hinterhufe suchen.
Euer gut trainierter Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem stolzen Mädchen
Neulich war ich mit einer Schülerin und ihren beiden Ponys an einer Rinderkoppel verabredet. Sie möchte dort vorbei reiten können, aber die Rinder finden ihre Ponys sehr interessant und die Ponys finden die Rinder sehr gruselig. Der beste Weg, Ponys an Rinder heran zu führen, ist sicherlich ein Rinderkurs. Aber Vorsicht: schaut Euch die durchführenden Trainer unbedingt an, bevor Ihr mit Pferd teil nehmt, auch dort gibt es schwarze Schafe, die die Pferde total überfordern und dann hat man evt nachher ein größeres Problem als vorher.
Ohne Rinderkurs ist Rindertraining tricky. Man kommt an die Koppel und weiß nicht was einen erwaretet. Während man bei Straßenverkehr durchaus Einfluss nehmen kann durch die Wahl der Straße und der Uhrzeit, hat man bei Rindern gar keinen Einfluss. Liegen sie evt alle im Schatten und schlafen? Dann gibt es nicht viel zu üben. Sind die Kälber gerade übermütig am spielen? Dann könnte es das Pferd total überfordern. An diesem Tag hatten wir aber Glück. Die Rinderherde war gerade am Wasserwagen, weit weg von unserem Treffpunkt, so dass wir die Ponys erst einfach mal schauen ließen, bis der erste Gruselfaktor weg war. Nach und nach gingen wir den Zaun entlang und kamen den Rindern näher. Es waren vielleicht 5 Kühe und 7 oder 8 Bullenkälber. Als wir uns näherten, gingen die Rinder ihrerseits näher an den Zaun. Neugierig, wie Rinder nun mal sind, beobachteten sie uns genau. Wir verbrachten 45 Minuten bei den Rindern und es lief wunderbar. Eins der beiden Ponys wollte nachher gern Freundschaft schließen mit diesen fremdartigen Wesen. Das andere war da noch nicht so sicher, aber wenn einer von zweien die Nerven behält, ist das ja schon mal viel wert. Aber ein Satz, den meine Schülerin sagte, war für mich sehr erhellend. Sie sagte sinngemäß „ja ich weiß, ich müsste das üben. Aber immer wenn ich ausreite, will ich halt einfach nur hier vorbei“.
Vielleicht ist das der Vorteil, wenn man ein junges Pferd hat. Ich wusste von Anfang an: ich muss ALLES üben. So ein Jährling kann ja nix. Das heißt, ich muss jedes Detail, jeden Schritt üben. Führen, anbinden, Hufe geben, später reiten. Und eben alles, was ein Ausreitpferd so können muss: Autos, Brücken, Dörfer und eben auch Rinder. Und so gab es für mich immer schon zwei Arten von Ausflügen: einfach nur Ausreiten (bzw. spazieren gehen) oder üben. und wenn ich einen Übungsausflug mache, dann plane ich wenig km und viel Zeit. Und ich mache es nur wenn alles passt: Wetter, Laune, Begleitung. Ich übe nur dann und nur dort, wo ich mit ziemlicher Sicherheit Erfolg habe, mein Pony also nachher etwas weiß oder kann was es vorher nicht wusste oder konnte.
Einfach nur ausreiten kann zwar auch Übungssituationen beinhalten, aber dann sichere ich mich entsprechend ab. Die ersten Mal an Rindern vorbei hatten wir immer Diego mit und Plan B in der Tasche. Ich wäre niemals eine Strecke gegangen, auf der ich nicht zur Not einfach umdrehen und ohne Rinder wieder zurück gehen kann. Das selbe gilt für die Autobahnbrücke (und da gilt es auch bis heute).
Die Einteilung in reiten oder üben hilft mir ungemein. So oft möchte ich einfach los. Ich möchte mein Pony bewegen und eine gute Zeit haben. Dann suche ich mir eine Strecke auf der das entspannt und gefahrlos geht. Fürs Üben brauche ich bessere Nerven. Aber wenn ich dann weiß: heute ist Üben angesagt und nicht Romantik, dann ist das völlig ok. Dann ist das auch ergebnisoffen. Wenn wir – wie neulich – dann eben nur am Anfang der Autobahnbrücke stehen und nicht da rüber gehen, dann ist das ok. Wenn wir an einer Rinderkoppel stehen und Duncan 30 min nur an der Hand grast und sich dabei davon überzeugt, dass diese „Aliens“ echt nett sind, dann ist das ok.
Wenn wir dann eines Tages so viele Dinge geübt haben, dass wir glauben, nichts mehr üben zu müssen, dann können wir uns ungeplant in fremdes Gelände stürzen und uns einfach überraschen lassen. Aber ganz ehrlich: so viel Lebenserfahrung, innere Ruhe und Vertrauen in den Menschen, das man das machen kann, haben gar nicht so viele Pferde. Nicht umsonst kann man in den entsprechenden Gruppen bei Distanzreitern wieder und wieder den Rat lesen, dass ein gesundes Pferd für einen kleinen Einführungsritt nicht viel körperliches Training braucht, man aber all die anderen Sachen vorher üben sollte: reiten in fremdem Gelände, stehen in einem abgesteckten Paddock, Anhänger fahren etc. Das ist nämlich keine Selbstverständlichkeit und sollte auch nie als solche angesehen werden. Erst neulich habe ich auch gehört, dass diese Fähigkeiten wieder verloren gehen können, wenn ein Pferd längere Zeit diesen Reizen nicht ausgesetzt war. Das ist ja bei uns Menschen nicht anders. Solche Pferde sind quasi das Pendant zur reitenden Wiedereinsteigerin, die zwar als Kind geritten ist, dann aber lange Pause hatte. Manche sind schnell wieder drin, manche brauchen Jahre, um wieder den Mut und die Gelassenheit zu entdecken, die sie brauchen.
Mutige Reiter neigen dazu, mit ihren Pferden weniger zu üben, weil sie die Reaktion ihres Pferdes weniger fürchten. Das kann klappen, muss aber nicht – hängt vom Pferd und ein bisschen vom Glück ab. Mir ist es auf jeden Fall lieber, wenn Menschen zu langsam, zu kleinschrittig üben und dabei etwas Zeit verschwenden, als wenn das Pferd überfordert wird. Andererseits kann ein mutiger Reiter, der auf leichte Angst des Pferdes gut und gelassen reagiert, dem Pferd aktiv Angst nehmen, während ein ängstlicher Reiter (wie ich) manchmal die Angst des Pferdes verstärkt und zusätzlich dummes Zeug macht wie am Zügel zu ziehen bei der kleinsten Reaktion. Das ist ein unangenehmer Reiz fürs Pferd, der dann evt mit der Situation assoziiert wird. Ein Grund für mich, viel mit Futter zu arbeiten, denn das überspielt mein eigenen Unzulänglichkeiten (hoffentlich) sehr gut. Für ängstliche Reiter wie mich ist es wichtig, dass wir selbst die Dinge so dosieren, dass sie machbar sind. Dass wir uns selbst nicht überfordern, nur weil unser Pferd das, was wir da vorhaben, durchaus tun könnte. Wenn eine Reiterin Angst hat, zu galoppieren, obwohl das Pferd völlig sicher und ruhig galoppiert, darf ich mit ihr genauso kleinschrittig und vorsichtig üben wie mit einem Pferd das Angst vor dem Galopp hat (ja das gibt es, vor allem wenn in der Bahn der Galopp mit Gleichgewichtsverlust einher geht).
Wenn man sich fragt, was man mal so üben könnte, kann man auch einfach den Alltag mit dem Pferd beobachten. Viele haben jedes Mal ein kleineres oder größeres Drama in den immer gleichen Situationen. Einsprühen steht da aktuell wieder ganz oben auf der Liste. Wenn es immer wieder mit einem angespannten Pferd endet, das Pferd sich immer wieder wegdreht oder ähnliches finde ich es eine gute Idee sich mal einen Tag auszusuchen an dem man das einfach übt. Ganz in Ruhe, ohne Zeitdruck und ergebnisoffen. Was auch immer dann am Ende dieser Übungseinheit steht ist die Basis für die nächste Übungseinheit. Es lohnt sich, diese Arbeit zu investieren, denn sie macht nachher den Alltag für alle entspannter.
Wenn jetzt wieder heiße Tage kommen, an denen Pferd und Mensch wenig Bewegungsdrang haben, ist vielleicht eine gute Zeit um solche Dinge mal anzugehen. Aufhalftern. Gebiss ins Maul nehmen. Hufe geben. Führen. Stillstehen. Schweif waschen. Es gibt so viel zu üben, die Liste an Alltäglichkeiten ist endlos. Und ein guter Trainer ist sich auch nicht zu schade, Euch bei diesen Kleinigkeiten zu helfen. Damit wir dann später wieder alle ganz entspannt reiten oder spazieren gehen können, ohne was zu üben.