Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 468

Regen, Regen, Regen! Sonst konnte das Wetter gestern gar nix. Mein Mädchen hat grimmig gelacht und gesagt, wir können froh sein, dass der Regen diesmal senkrecht von oben kommt und nicht – wie sonst so oft – waagrecht. Trotzdem war das einfach kein Ausreitwetter. Es war ja nicht nur von oben nass, sondern mittlerweile ist ja auch von unten alles sooooo nass, dass es wirklich keinen Spaß mehr macht.

Also kein Ausritt. Stattdessen waren die Menschen auf einer Spezial-Mission. Mein Ausreitkumpel hat nämlich einen neuen Freund bekommen! Den haben mein Mädchen und der Mann gemeinsam mit dem Harem von meinem Ausreitkumpel begutachtet und dann mit unserer Wackelkiste in sein neues Zuhause gefahren. Sicherlich werde ich ihn demnächst persönlich treffen, wenn wir mal wieder ausreiten gehen, da bin ich schon gespannt!

Ich hab derweil zu hause Langeweile geschoben. Samstag hatte ich frei, da hat mein Mädchen den ganzen Tag gearbeitet. Und jetzt also dieser Sonntag mit Regen, Regen und Regen. Wir Ponys haben uns in den Stall gestellt und mürrisch geguckt. Ich hab ab und zu ein bisschen gestänkert, aber so richtig Spaß hat das auch nicht gemacht.

Mittags tauchten die Menschen dann auf und fingen an, den Stall sauber zu machen. Ich hab mein Mädchen aufgefordert, was mit mir zu machen, aber sie meinte, sie macht jetzt erst noch den Stall sauber. Mir ist aber so langweilig! Also hab ich, als sie nicht hingeschaut hat, die anderen ein bisschen geärgert. Mein Mädchen hat das aber wohl gehört, jedenfalls hat sie gelacht und gesagt, ich würde wohl wieder ein bisschen Stunk machen, oder? Dann hat sie mich angeschaut und nochmal gelacht, weil ich meinen unschuldigsten Blick aufgesetzt hatte und sie mit ganz runden Knopfaugen unter meinem Pony angeblinzelt habe. Iiiiiiiiich? Ich ärgere doch niemanden! Bin dann zu ihr gegangen und hab mit ihr ein bisschen geflirtet und sie hat versprochen, dass wir nachher was machen. Ok!

Nachher kam sie dann auch. Im Schlepptau hatte sie den Mann. Wir haben wieder Stangen in der Halle gemacht, aber diesmal hat der Mann immer genau abgemessen, wie groß der Abstand sein muss. Im Schritt und auch im Trab. Ich war am Anfang dezent überdreht wegen der Langeweile. Mein Mädchen hat gesagt, ich bin dann so, wie ich früher immer war. So ein bisschen zu aufgedreht und nicht so aufmerksam wie sonst. Ich bin dann so in Schwung und dann mache ich einfach das Programm was ich da seh und vergesse, dass sie ja immer alles bestimmen will. Ich meine: da liegen Stangen, dann geh ich da rüber, so soll ich das doch! Aber sie ist ja so pingelig. Naja, nach den ersten Runden ging es mir besser und ich konnte zuhören. Es war praktisch, dass der Mann da war, denn wenn ich mal die hochgelegte Stange von ihren Haltern gefegt hatte, konnte er sie wieder aufheben. Das passiert mir aber immer seltener, vor allem im Trab kann ich das jetzt voll gut. Deswegen hat mein Mädchen gemeint, wir versuchen mal einen kleinen Galopp. In unserer winzigen Halle ist das voll schwer! Da jagt eine Kurve die nächste! Letztes Mal als wir Galopp versucht haben, hab ich das nicht geschafft. Aber ich bin ja so viel besser geworden mit den Kurven und dem Galopp, dass mein Mädchen dachte, wir probieren das. Mit einer Stange zum Hüpfen. Aber das mit dem Hüpfen, das hab ich noch nicht so ganz raus.

Der einzige gelungene Versuch – den Rest erspare ich euch lieber!

Naja, trotzdem fand sie, ich hab das alles toll gemacht und jetzt ist Feierabend! Danach war Diego dran. Ich bin draußen vorm Tor stehengeblieben und hab mir das angeschaut. Auch für Diego wurden die Stangenabstände genau vermessen. So kann mein Mädchen jetzt demnächst die Stangen einfach gleich ganz richtig und akkurat hinlegen. Diego hat noch nicht so viel Übung mit den Stangen, bei dem macht es voll oft „Klonk“ wenn er da rüber läuft. Obwohl alle ganz niedrig am Boden liegen! Bei mir ist mein Mädchen da streng: wenn es „klonk“ macht, kriege ich keinen Keks! Ich muss ganz leise über die Stangen laufen, damit es einen Keks gibt. Bei Diego ist sie da nicht so streng, aber der soll das auch noch lernen.

Ich hoffe bloß, dass es dann auch bald wieder Outdoor-Programm gibt, sonst versauere ich hier noch! Dann muss ich doch ganz eventuell noch den einen oder anderen Kumpel ein bisschen ärgern, aber psssssst sagt das nicht meinem Mädchen!

Euer gelangweilter Sir Duncan Dhu of Nakel

Allein ausreiten

Das Wunschthema der besten Gewichts-Schätzerin ist dran!

Nachdem ich erst noch dachte, dass es wohl noch dauert, bis ich zu diesem Thema ernsthaft was schreiben kann, ist es ja nun einfach so passiert. Und zwar genau so, wie ich es mir vorgestellt habe: unspektakulär. Ohne Angst – weder auf meiner, noch auf Duncans Seite. Ohne Stocken, Glotzen, Zucken oder Beschleunigen. Ohne einen einzigen Moment in dem er gefragt hätte ob wir umdrehen und ohne einen Moment in dem ich hätte absteigen wollen.

Wenn ich Dinge tue, die für mich am Limit der Angst liegen, tue ich immer alles, um mich möglichst sicher zu fühlen. Am Anfang steht dabei stets die Akzeptanz des Restrisikos. In meinem Kopf ist es die Angst, dass Duncan sich erschreckt und kopflos losrennt. Dabei könnte er stürzen, auf die Straße in ein Auto rennen oder sich mit dem auf unserer Hausrunde allgegenwärtigen Stacheldraht anlegen. Das Restrisiko bleibt: jedes Pferd kann sich erschrecken (bei Diego bin ich da allerdings nicht ganz sicher… ). Aber einige Jahre Erfahrung mit Duncan haben mir gezeigt, dass er nicht der Losrenn-Typ ist. Zusammenzucken, mal ein Stück laufen, einen Hüpfer zur Seite machen, das hatten wir alles schon. Blindes losrennen hatten wir tatsächlich nur zweimal und das beide Male hier zu hause und in Situationen, die so im Gelände nicht passieren.

Außerdem für mein Sicherheitsgefühl unerlässlich: der Notfallplan. Mein Mann ist im Homeoffice, der kann uns sofort aufsammeln, wenn was sein sollte. Er weiß, welche Wege wir reiten und wie lange das dauert. Sollte ich stürzen und nicht in der Lage sein, ihn anzurufen, wird er das spätestens nach 45min merken. Da mir das zu lang ist, rüste ich jetzt auf und habe einen Sturzsensor für meinen Helm gekauft, den ich demnächst dann mit habe.

Falls mich unterwegs die Angst überrollt, hätte ich gern moralische Unterstützung: reden hilft mir. Es lenkt mich vom Kopfkino ab. Und wie redet man mit jemandem, der weit weg ist? Man telefoniert. Da mein Mann nicht den Nerv hat, sinnlos mit mir zu reden, habe ich mir da jemand anders auserkoren und mit ihr abgesprochen, dass ich sie anrufen darf wenn ich es brauche. Ich brauchte es nicht, aber ich werde mir diese Option sicher noch ein paar mal offen halten. Headset machts möglich, ich könnte zur Not den ganzen Ritt über jemanden im Ohr haben. Dann weiß ich auch: diese Person kann meinen Mann informieren falls die Verbindung abreißt. Apropos Handy: der Akku ist natürlich voll geladen, wenn ich los reite!

Für mich fühlt es sich sicherer an, mit Reitpad (ohne Sattel) loszuziehen. Eine für manche vielleicht etwas merkwürdige Sicherheitsmaßnahme, die ich auch beim Anreiten ergreife. Ich mag am liebsten schnell unten sein, wenn es drauf ankommt. Kein Steigbügel zum verheddern (das kann ja auch mit Sicherheitssteigbügeln passieren), kein Vorder- und Hinterzwiesel zum hängen bleiben. Einfach rutschen lassen, wenn es Not tut.

Meinen Körper schütze ich so gut wie es geht. Ich reite Duncan tatsächlich IMMER mit Handschuhen. Er hat mir diese Kraft gezeigt, die in ihm steckt und ich will zur Not doch wenigstens festhalten können, auch im Sturz noch, wenn es Spitz auf Knopf steht. Auch die Sicherheitsweste ist bei Duncan im Gelände für mich ein Muss. Ich bin älter geworden, so ist das nunmal. Ich weiß nicht, ob ich noch so geschmeidig falle und ich möchte meinen Rücken geschützt wissen. Unser Gelände ist steinig, wir sind viel auf Asphalt, mit dem möchte ich mich nicht anlegen. Helm ist bei mir im Gelände sowieso immer auf, ich hab nur den einen Kopf (er mag nicht viel taugen aber ohne wäre wohl schlimmer).

Anfangs wagen wir uns nur bei passendem Wetter alleine raus: kein Wind, wärmer als die Tage davor, kein Regen. Das können wir alles später üben, wenn wir mehr Routine haben. Für den Fall einer unheimlichen Begegnung (welcher Art auch immer) habe ich genug Kekse in der Tasche. Weiß der Himmel, welcher Herausforderung wir begegnen und Kekse besiegen bekanntlich Monster. Es beruhigt meine Nerven, zu wissen, dass ich zur Not füttern kann bis Hilfe kommt. Auch für mich selbst habe ich einen kleinen Riegel mit, vielleicht hilft essen mir im Notfall auch.

Außerdem wende ich die „vielleicht heute“-Taktik an und dabei wird es noch eine Weile bleiben. „Vielleicht heute“ bedeutet, dass ich mir bei jedem Ausritt die Option offen halte, zu reiten, zu führen oder umzudrehen. Vielleicht reite ich heute. Aber sicher ist das eben nicht. Es ist kein fester Vorsatz, den ich auf Biegen und Brechen umsetze. Es muss sich richtig anfühlen – und zwar KOMPLETT richtig. Ein gewisses Maß an Angst kann schon mitkommen, aber ich muss das Gefühl haben, dass es so wenig ist, dass wir beide – Duncan und ich – gut damit umgehen können. Gegen die Angst hilft (neben dem Headset mit dem ich zur Not eine helfende Stimme im Ohr haben kann) auch die Atmung. Mir hilft „Box-breathing“: Einatmen auf 4, dann 4 anhalten, 4 ausatmen, nochmal 4 anhalten. Das hat den Vorteil, dass man ziemlich beschäftigt ist mit atmen und zählen und es gleichzeitig das Nervensystem runterfährt.

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, wie viel Angst für mich tolerabel ist und wann es ein echtes Problem ist. Zu viel Angst macht mich fahrig, steckt mein Pony an, beeinträchtigt mein Urteilsvermögen. Ich denke mal, dass jeder sein eigenes Maß an Angst-Toleranz hat, meins ist klein. Unter anderem ein Grund, weshalb ich Ponys reite und keine Spanier, Araber oder Vollblüter. Außerdem funktioniert es bei mir nicht, die Angst zu überwinden und danach zu lernen: ist nicht schlimm. In meinem Kopf bleibt es immer schlimm, wenn ich zu viel Angst hatte. Besser wird es nur, wenn die Angst nachlässt, während ich reite. Ich hatte hier schon einmal ausführlich darüber geschrieben.

Trab! Ich hab die Erfahrung gemacht, dass im Schritt die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Duncan unter Spannung kommt. Er schaut sich dann etwas zu viel um und hat zu viel Zeit, nachzudenken. Davon abgesehen dauert die Runde im Schritt viel länger, so dass noch viel mehr Zeit ist, sich zu fürchten. Sein langsamer Pony-Trab kommt mir da gerade recht. Das ist eine sehr ruhige Gangart, in der er sich gut entspannt und die ich gut aussitzen kann.

Letztlich läuft es dann alles wieder auf Punkt 1 hinaus. Reiten ist gefährlich, so oder so. Aber Autofahren ist das auch und trotzdem tun wir es dauernd ohne uns Sorgen zu machen. Und ich bin nicht gewillt, mir den Spaß am Ausreiten nehmen zu lassen. Seit ich Duncan habe, träume ich davon, wieder ausreiten gehen zu können. Und gerade im Winter habe ich mich oft geärgert, wenn dann mal gutes Wetter war und ich Zeit hatte, aber niemanden, der hätte mitkommen können. Einmal die Hausrunde reiten zu können ist schon eine große Bereicherung für unser Winter-Repertoire. Davon abgesehen, dass ich viele Dinge üben kann auf so einem allein-Ausritt, weil ich mich nicht dem Tempo von anderen anpassen muss, sondern spontan entscheiden kann. Kurz und gut: ich will allein ausreiten können. Und das Restrisiko ist gering, also Bange machen gilt nicht. Manchmal hilft es mir, dass Finlay in einer eigentlich komplett harmlosen und sicheren Situation verunglückt ist. So habe ich gelernt: jede noch so sicher scheinende Situation kann in die Katastrophe führen. Es macht also keinen Sinn, jedes noch so kleine Risiko meiden zu wollen und dafür den ganzen Spaß zu verpassen. Und Duncan ist genau wie Finlay: aufschieben ist nicht. Gelebt wird jetzt, hier und heute.

Trotzdem gehört zum allein ausreiten natürlich gute Vorbereitung. 11 mal sind wir gestartet. Gefühlt haben wir die ersten 9 male eher Rück- als Fortschritte gemacht. Das auszuhalten ist manchmal schwer, aber ich hatte das sichere Gefühl, dass unser Tag schon kommen wird. Ich hatte auch noch ein paar Pläne in petto. Was letztlich jetzt den Unterschied gemacht hat, weiß ich nicht. Ich glaube, Duncan ist einfach insgesamt in den letzten Wochen nochmal erwachsener geworden. Er wirkt auch im sonstigen Umgang anders, viel gefestigter in sich.

Was uns sicherlich sehr viel geholfen hat war „alleine ausreiten ohne alleine auszureiten“. Bei den letzten Ausritten habe ich dazu jede Möglichkeit genutzt, die sich ergeben hat. Und ich konnte sehen, wie es Duncan von mal zu mal leichter fiel, sich von Diego zu lösen und munter vorweg zu traben. Und auch mein Kopfkino wurde immer weniger. Das schöne an dieser Übung: ich bestimme komplett allein, wann und ob ich sie abbreche. Denn im Zweifel kann ich anhalten, absteigen und Duncan grasen lassen, bis Diego uns eingeholt hat. Dieser beruhigende Gedanke hat mich mutig gemacht.

Nun bleibt mir zu hoffen, dass wir unseren Erfolg wiederholen können. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie Duncan sich anfühlen soll, wenn wir losreiten. Er sagt mir schon, ob er das schafft. Sollte er sich nicht so anfühlen, kann ich ja umschwenken auf Plan B. Der erste Schritt ist geschafft, wir haben ein wunderbar positives Erlebnis abgespeichert und sind jetzt erstmal stolz auf uns.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 467

Mein Mädchen ist ja wirklich zu lustig. Immer redet sie von Fitness. Ich soll Sport machen für meine Figur, Diego soll Sport machen für seine Muskeln, beide sollen wir Sport machen für die Gesundheit. Aber sie selbst…. am Sonntag, als ich ihr mal gezeigt habe, wie fit ich bin – trotz winterlicher Pause! – hat sie prompt gemerkt, wie unfit SIE eigentlich ist. Und das lässt sie nicht auf sich sitzen! Also macht sie jetzt Sport. Sie hat sich ein Programm zusammengestellt, genau wie für uns. Einen Tag Beine, einen Tag Bauch, einen Tag Arme und Schultern. Das ist wie einen Tag Longe, einen Tag reiten, einen Tag Wippen. So wie wir wird sie wohl auch gelegentlich einen Pausentag einlegen um die Muskeln wachsen zu lassen. Es ist zu schade, dass ich sie bei ihrem Training nicht beobachten kann, ich finde es ja immer so witzig, wenn sie versucht „sportlich“ zu sein. Ich meine, ihr solltet das mal sehen, wenn sie an der Longe versucht, ein bisschen mitzulaufen, damit ich geradeaus galoppieren oder auch nur traben kann. Nach 10 Metern verlässt sie ja schon ihre Puste und sie kriegt das Hecheln!

Aber jetzt ist sie wild entschlossen, weil sie Angst hat, dass sie nicht mithalten kann. Wenn es bald hoffentlich wieder losgeht mit den Ausflügen mit dem Ausreitkumpel, dann werden wir uns beide umschauen, der hat nämlich sauber durchtrainiert und läuft uns davon! Und mein Mädchen sagt, sie kennt mich, ich bin bestimmt ganz schnell wieder voll mit dabei, nur sie selbst halt nicht. Dem will sie etwas entgegensetzen. Das ist lobenswert, mein Mädchen, aber insgesamt können wir beide heilfroh sein, dass ich so ein starker Gentleman bin und dich trage. Ich erinnere mich mit Schrecken an die Zeit, als sie neben mir her gelaufen ist. Sooooooo langsam! Es war zermürbend. Und ich persönlich finde, ich hab da noch was gut bei ihr und darf jetzt auch mal bisschen schneller als sie es will – schließlich war sie jahrelang viel langsamer als ich es wollte! Da ist das nur gerecht, oder?

So oder so: ich kriege sie schon fit. Und wenn sie ohne mich noch etwas dafür tut, wird es hoffentlich nicht so mühsam für mich und wir können bald einfach wieder Spaß haben.

Euer fitter Sir Duncan Dhu of Nakel (in seiner Funktion als Mädchen-Trainer)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 466

Heute waren mein Mädchen und ich wieder allein ausreiten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, war es das 12. mal. Und bisher haben wir es nie weiter als bis zum zweiten Nachbarn geschafft und das war am 20.11.! Danach waren wir nicht mehr allein los, weil nie die richtige Kombi war. Wetter muss stimmen, der Mann muss zu hause sein, mein Mädchen muss sich fit fühlen und ich darf nicht ZU gute Laune haben.

Heute hat das dann endlich mal wieder alles gestimmt! Mein Mädchen hatte schon so ein Gefühl. Sie hat mir meine Schuhe angezogen, weil sie meinte, es könnte heute so weit sein. Und ich hab das auch gemeint. Sie hat mich angezogen und dann hat es noch ewig gedauert, bis es wirklich los ging, weil sie erst dem Mann Bescheid gesagt hat, dann hat sie noch ihr Headset eingepackt und das Mädchen vom Schimmelfreund informiert, dann nochmal Nase putzen, Handy starten, durchatmen…. und endlich ist sie auf den Hocker geklettert. Ich hab sie gleich passgenau abgeholt und dann ging es los! Ich hatte richtig Bock und bin los marschiert wie ein Großer. Links vom Hof (rechts mag ich ja nicht so) und dann einfach so, als hätten wir nie was anderes getan. Mein Mädchen hat sich sicher gefühlt und mir gesagt, dass ich das so toll mache, dass sie sich sicher fühlt. Ich hab mich auch sicher gefühlt. Dann kamen wir an den Baum. Da haben wir ja bisher immer eine Graspause gemacht, da habe ich mein Mädchen dran erinnert, aber sie hat nein gesagt. Doch! Nein! Wir gehen jetzt weiter! Menno. Na gut. Ein kleines Stückchen Trab (mein „kleiner“ Trab, gut mit Pad zu sitzen für mein Mädchen und so ruhig, dass sie nicht das Gefühl hat, es könnte mit mir durchgehen). Dann kam eine Spaziergängerin mit einem Hund, der hatte so eine reflektierende Decke an, da hab ich kurz geguckt, aber im Grunde stört mich sowas ja nicht. Und schon waren wir an der Eiche! Das ist quasi der „point of no return“, denn danach kommt der schöne Grasweg. Mein Mädchen hat überlegt, ob sie akustische Unterstützung braucht. Deswegen hatte sie nämlich das Headset mit, dann hätte sie das Mädchen vom Schimmelfreund angerufen und sich mit ihr unterhalten, damit ihr Kopf nicht so viele dumme Dinge denkt. Aber nach einer kurzen Überlegung hat sie gemerkt: ihr Kopf denkt gar keine dummen Dinge. Sie ist entspannt und ich bin es auch und wir genießen unsere Zweisamkeit. Also ging es den Grasweg entlang, an den guten Stellen im Trab, an den allzu glitschigen Stellen im Schritt. Ich hab super aufgepasst und alles richtig gemacht. Dann kamen wir auch schon an den Dornröschenweg. Den findet mein Mädchen ja immer etwas gruselig, weil der so schmal ist: links Stacheldraht, rechts eine Baumreihe, hinter der ein Wassergraben liegt. Kein Platz für nix! Aber wir waren beide so gut drauf, dass sie gesagt hat, wir kriegen auch das hin. Und ich bin ja ein Schmalspurpony, ich komme eigentlich überall gut durch. Also hab ich sie da durch getragen und danach haben wir eine Graspause gemacht. Während ich Gras geschmaust habe, stand mein Mädchen neben mir und hat ein Foto für den Mann (und für euch) gemacht. Sie hat dem Mann das Foto geschickt und ganz viele Herzchen drunter gemacht, damit er weiß, dass wir schon so weit gekommen sind und alles gut ist.

Hinter mir seht ihr den Dornröschennweg. Auch den haben wir entspannt gemeistert!

Nach einer Weile war die Graspause zu Ende, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen und dann kam der Teil, den ich am wenigsten mag. Ich habe eine Alternativ-Route übers Feld vorgeschlagen aber leider müssen wir auf den Wegen bleiben. Es geht da steil bergab mit großen Steinen, das ist immer kompliziert und wenn es so viel geregnet hat, ist es noch komplizierter. Aber ich kann das und habe mein Mädchen auch da wohlbehalten runtergetragen. Dann noch etwas Trab, im Schritt an den Pferden vorbei (mein Mädchen war schon wieder stolz, weil ich das so toll mache), noch etwas Trab und schon waren wir wieder fast zu hause. Da kam uns noch der Nachbar mit seinem komischen Gefährt entgegen, das surrt so merkwürdig, aber auch das kann ich. Und kurz vor zu hause ist sie abgestiegen, hat mir viiiiiiiiiiiele Kekse gegeben und gelacht, weil ich angeblich schon wieder „dieses Gesicht“ gemacht habe. Dieses Gesicht, sagt sie, sieht aus als wollte ich sagen „jaaaaa ich weiß, ich bin toll, aber das ist doch alles ganz selbstverständlich, ich konnte das doch schon immer und es ist gar nix besonderes“.

Mein Mädchen sagt, genauso hat es sich angefühlt, als ob wir das schon immer gekonnt hätten. Ganz unspektakulär, einfach nur schön und entspannt. Und genau so sollte es ja auch sein! Ohne gucken oder angespannt sein oder Angst haben. Nur ausreiten.

Später kam sie dann und hat Diego gerufen, da habe ich mir überlegt, dass so ein kleiner Ausritt ja auch gar nicht reicht und hab mich nochmal angestellt. Ich hätte jetzt auch noch was auf dem Platz machen können! Aber mein Mädchen ist ja nicht so fit wie ich, die braucht dann irgendwann eine Pause, das verstehe ich ja. Also habe ich einfach noch zugeschaut, wie sie was mit Diego gemacht hat, sie danach gefragt, ob wir nicht doch vielleicht noch eine Runde drehen wollen und wenn nein ob ich dann noch einen Keks bekommen kann (leider auch nein) und habe mir nochmal sagen lassen, was für ein großartiges, wunderbares, mutiges, erwachsenes, selbständiges und geniales Pony ich bin.

Ich wäre ja gern nochmal dran!

Und das höre ich ja wirklich gern, muss ich sagen. Dann mache ich wieder mein Gesicht, tue so als wäre das selbstverständlich und fühle mich innerlich wie der König der Welt!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 465

Sonntaaaaag! Als mein Mädchen die Wackelkiste parat gestellt hat, hab ich schon gleich angefangen, mich zu freuen. Los ging es, zu einem unserer Lieblingswege. Und wisst ihr was? Das Satteldeckenproblem ist gelöst! Und zwar auf die denkbar beste Art und Weise! ICH habe jetzt nämlich eine neue Satteldecke in passender Farbe bekommen und Diego trägt meine alte mit der komischen Farbe. Der macht sich da nix draus, das passt schon, sagt er.

Mein Mädchen wollte die App starten, aber die App hatte heute Sonntag und keine Lust zu starten. Also ohne App, macht ja auch nix. Aber später hat sie sich schon geärgert, dazu komme ich gleich….

Schön im Trab den Lieblingsweg entlang bis zur Grillhütte. Dort hat der Mann einmal nachgesattelt, er muss noch üben mit der neuen Decke so zu satteln, dass alles auch da bleibt wo sie soll. Als alles wieder richtig lag, hat mein Mädchen vorgeschlagen, wir könnten galoppieren. Wir vorneweg. Mein Mädchen von oben „aaaachtung, und hopp“ und ich bin angaloppiert. Ach, herrlich, endlich mal die Beine strecken! Mädchen, schau mal, ich kann auch schneller! „Na gut, ein bisschen schneller darfst du noch“. Ok. Aber schau mal, wenn ich mich ganz gerade mache, kann ich sogar noch schneller! Wollte sie nicht. Also hab ich wieder etwas gebremst. Aber so langsam ist halt so langweilig! Also hab ich wieder Gas gegeben. Sie wieder gebremst, ich wieder Gas gegeben. So ging es etwas hin und her, bis am Wegesrand ein komisches Dings stand und mich der Mut verließ, da habe ich durchpariert. Als wir da vorbei getrabt waren sagt mein Mädchen „wir galoppieren jetzt nochmal aber mit Würde und Anstand“ – oder aber, mein Mädchen, wir galoppieren jetzt nochmal und diesmal mit mehr Tempo! Wo ich mich doch gerade so schön warm gelaufen hab, schau mal huiiiiiiii! Und ich könnte noch viel schneller wenn du nicht ständig bremsen würdest! Fühlst du das, diesen Turbo in meinem runden Pony-Popo? Der ist warm und hat ordentlich PS unter der Pelzhaube, merkst du das? Ich könnte noch viel …. oh. Jetzt ist sie sauer. Schade.

Aber jetzt soll mir die Logik einer mal erklären: im Schritt sagt sie mir in einer Tour, ich soll so schnell gehen, wie ich nur kann. Im Trab sagt sie, ich soll so schnell laufen wie ich kann. Aber im Galopp, wenn ich dann mal zeigen will, WIE schnell ich kann, dann ist es falsch! Das macht doch keinen Sinn, Mädchen! Ich glaube, das müssen wir noch diskutieren.

Naja, es ging dann im Schritt durchs Dorf und kaum waren wir raus aus dem Dorf, war auch schon wieder Trab angesagt. Weil ich ja so gut drauf war! Na mir war das recht. Diego flott vorneweg (mein Mädchen sagt, Diego ist eine Maschine. Der läuft und läuft und wenn der Mann sagt er soll schneller laufen, läuft er schneller und es sieht nie so aus als ob es ihn auch nur im Geringsten anstrengt! Wie macht er das nur?). Wir sind dann, als der Abstand groß genug war, nochmal hinterher galoppiert und haben das Durchparieren geübt. Ich war seeeeeeehr artig, wollte ja nicht wieder angerüffelt werden.

Dann wieder in den schönen Weg und während Diego sich ein Schrittpäuschen genehmigt hat, meinte mein Mädchen, wir traben mal noch schön weiter, ich hätte es schließlich nötig. Ok! Ich bin munter weiter getrabt und da war mein Mädchen sehr zufrieden, weil ich das jetzt schon so schön kann, so alleine vorneweg.

Überhaupt meint sie, bis auf den Galopp hätte ich das wieder alles toll gemacht und sie mag das, wenn ich gut drauf bin. Dass sie im Galopp nicht so schnell mag, das muss ich halt erst noch lernen, sagt sie. Ich sehe das anders: SIE muss lernen, wie schön so ein richtig schneller Galopp ist! Naja, wie gesagt, das diskutieren wir noch. Vorerst sagt sie, der Galopp wird jetzt erst stattfinden, wenn wir vorher schon ordentlich getrabt sind und ich nicht so doll Burgkoller habe. Diese Bangbüx!

Insgesamt hat das echt gut getan, mal wieder wirklich zu laufen. Wir haben ordentlich geschwitzt, Diego und ich. Als wir dann auf dem Weg zurück zur Wackelkiste waren haben wir kurz angehalten und mein Mädchen hat Puls bei uns beiden gefühlt. Sie kann das jetzt schon ganz gut, mit ihren Fingern an der Schweifrübe. Wir waren beide etwas über 60, damit war sie sehr zufrieden. Nachher, als wir wieder zu hause waren, hatten wir beide einen 40er Puls, auch damit war sie sehr zufrieden. Sie sagt, wir haben heute mal wirklich was für die Fitness getan und so kann es weiter gehen, wenn das Wetter jetzt endlich mal besser mit macht.

Die App wollte ja nicht, aber nachvollziehen konnte mein Mädchen es doch nachher noch ganz gut: Ungefähr 4,5km insgesamt im Trab, lächerliche 750m Diskussion im Galopp (hättest du mich mal gelassen hätte ich die 750m einfach in 10 Sekunden erledigt und gut wäre es gewesen! Aber nein….) Gesamtstrecke 7,6km (Kommentar vom Mädchen: das muss jetzt dringend wieder mehr werden. Kommentar von mir: ja, und schneller!)

Euer schneller Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 464

Gestern hatte ich frei, weil mein Mädchen nach dem Absammeln so nass und kalt war, dass sie keine Lust mehr hatte (sie sagte dann „ich bin ja Mittwoch und Donnerstag geritten, da kannst du heute mal frei haben“. Na ich brauche keinen freien Tag! Nur sie, wegen mangelnder Fitness und/oder Wetterfestigkeit…..). Also nachdem ich gestern frei hatte, war mir wichtig, dass heute wieder Bespaßung stattfindet.

Vormittags tauchten mein Mädchen und der Mann auf und fingen an, neben Merlins Separe herumzuwerkeln. Merlin – und inzwischen auch Caruso – bekommen dort ja 5 mal am Tag ihre Extra-Eimer. Voll ungerecht, nur weil die so alt sind! Na jedenfalls ist Diego ja auch irgendwie älter geworden und braucht jetzt mehr Heu als Gatsby und ich. Alt werden muss toll sein, weil man dann immer so viel essen darf…. Jedenfalls steht Diego jetzt immer einmal am Tag im Stall einzeln und bekommt einen ganzen Sack Heu für sich allein zum sattessen. So fängt es an, ich weiß es genau! Und später werden es zwei Säcke Heu und dann ein Eimer dazu und noch ein Eimer….

Damit Diego nicht immer im Stall eingesperrt steht, hat mein Mädchen sich überlegt, dass jetzt noch ein zweites Separe gebaut wird, extra für Diego. Dafür muss aber erst auf- und umgeräumt werden. Und da haben sie heute vormittag etwas weiter gemacht, während Diego und ich zugeschaut haben. Ich hab mein Mädchen schon immer auffordernd angeschaut: wann geht es denn mal los mit dem Bespaßungsprogramm? „Bald“ hat sie gesagt. Dann ist sie weg gegangen. Ich hab da gestanden und gewartet. Dann ist sie wieder aufgetaucht, mit einem Stapel bunter Dinger und ist damit auf den Reitplatz gegangen. Ich bin dann auch zum Reitplatz und hab übern Zaun geschaut, wie sie da immer so Schritte gezählt und die Dinger hingelegt hat. Die sehen aus wie Ufos! Bin ich jetzt in der Area 51 gelandet oder was?

Sehr ihr die kleinen bunten Dinger?

Dann ist sie wieder weg gegangen, hat aber gesagt, dass sie gleich da ist. Ok, dann warte ich hier auf Dich! Einige Zeit später kam sie dann mit der Longe wieder. Wir sind auf den Reitplatz gegangen und sie hat gesagt wir machen heute „Präzisionsarbeit“. Aha! Das heißt, ich muss genau zwischen den Hütchen durchgehen, die sie mir anzeigt. Mal weiter außen, mal weiter innen. Mit Handwechsel und Volte und auch ein bisschen Schlangenlinien (1/8 Kreis außen, nächster 1/8 Kreis innen, dann wieder außen). Im Galopp ging es aber nur ganz außen rum, da haben wir geübt, dass ich länger durchhalte. Linksrum geht das, aber rechts geht mir manchmal der Motor aus, da muss ich noch üben. Links finde ich viel leichter! Ich war hoch motiviert und mein Mädchen war hoch zufrieden und als wir fertig waren, war ich eigentlich gerade warm gelaufen. Mein Mädchen meint, sie muss sich jetzt wohl angewöhnen, mal länger zu machen, damit das dann auch mal sportliche Effekte hat, was wir da machen. Ok, ich bin dabei! Aber wichtiger wäre ein ausgiebiger Ausritt, das weißt du schon, oder? Morgen ist Sonntag, ich wollte es nur gesagt haben…

Euer präzise arbeitender Sir Duncan Dhu of Nakel

#niewiederhufrehe

So viele Reitweisen. So viele Erklärungsmodelle. Man möchte meinen, das eröffnet eine Welt voller Möglichkeiten, aber ich beobachte das Gegenteil.

Viele Reit- und Ausbildungsweisen kommen mit Systemen daher, die auf Einschränkung basieren. Bevor dein Pferd das und das im Schritt nicht kann, darfst du nicht traben. Bevor du nicht perfekt sitzt, darfst du nicht reiten. Je nach Reitweise darfst du nicht mit Gebiss reiten – oder nicht ohne. Du darfst dein Pferd nicht longieren oder longieren ist das beste Training überhaupt. Und wenn longieren, dann darf das Pferd auf keinen Fall nach außen schauen. Oder doch, weil das die natürliche Balance ist und man sich da nicht einmischen darf. Ach und der Sattel muss natürlich einen Baum haben, sonst ist alles Mist. Aber ein Sattel mit Baum könnte auch schon fast Tierquälerei sein. Jetzt ist also irgendwie alles verboten, falsch und beinahe tödlich und es bleibt nichts übrig, was man mit dem Pferd gefahrlos machen kann, ohne dass es kaputt geht.

Ich selbst beobachte mich dabei, wie ich viel zu oft denke “es ist bestimmt nicht gut, dass ich das mache“. Häufig denke ich das dann, wenn ich auf dem Weg, den ich mal eingeschlagen hatte, nicht weiter komme. Dann wähle ich einen anderen Weg, aber immer mit latent schlechtem Gewissen, es passt ja nicht zum vorherigen Weg und ist bestimmt falsch.

Ganz ehrlich: das geht mir auf die Nerven. Und ich glaube, es beschert uns große Probleme. Unter dem Hashtag #niewiederhufrehe geht es gerade öfter mal um zu dicke Pferde. Und warum sind so viele Pferde zu dick? Weil sich so viele Pferde viel zu wenig bewegen. Klar kann man auch am Futter herumknappsen, ich tu das auch. Aber so sehr man auch noch den letzten Heuhalm spart und damit Gefahr läuft, das Ponys zu frustrieren und die Magengesundheit zu ruinieren – ein wirklich leichtfuttriges Pony wird auch dann noch zu dick. Das ist nunmal so und da hilft einfach nur zusätzliche Bewegung. Und diese zusätzliche Bewegung muss nicht perfekt sein, die muss vor allem mal stattfinden.

Als Jugendliche war ich immer im Malkurs. Einmal die Woche haben wir gezeichnet, gemalt, getöpfert oder mit Speckstein gearbeitet. Mein Talent ging gegen Null. Das, was ich da zu Papier brachte, sah nie so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Lehrerin sagte mal zu mir „du radierst ja schon, bevor du was gezeichnet hast“. Und das denke ich heute bei vielen Reiterinnen. Die fangen gar nicht erst an, weil das, was dabei raus kommt, nicht so aussehen wird, wie sie es gern hätten.

Im Freedom Based Training mit Elsa habe ich die Erfahrung gemacht, wie viel man falsch machen kann, während man 4 Meter entfernt vom Pferd herumsteht und nichts in der Hand hat – kein Futter, kein Equipment. Selbst das kann man dermaßen falsch machen, dass das Pony wütend wird, habe ich selbst mehrfach erlebt. Also: es scheint keine Aufgabe zu geben, die so leicht ist, dass man nichts falsch machen kann. Es wäre also besser, wenn wir uns damit abfinden, dass wir sehr viel falsch machen werden. Und unserem Pferd wird zusätzliche Bewegung trotzdem immer noch besser tun als wenn wir nichts machen, aus lauter Angst vor den unvermeidlichen Fehlern. Nichts tun ist der größte Fehler! Denn Nichtstun macht die Pferde am schnellsten und sichersten kaputt.

Neulich wurde von Kernkompetenz Pferd auf Facebook die Frage aufgeworfen: Wann ist mein Training erfolgreich? Nach ein bisschen überlegen habe ich meine Antwort darauf gefunden: Mein Training ist erfolgreich, wenn die Dinge leichter werden. Leichter, nicht einfacher! Denn je mehr man lernt, desto komplizierter wird das Ganze. Immer mehr Details, auf die man noch achten kann. Aber leichter wird es doch. Leichter, weil man z.B. besser im Gleichgewicht sitzt und nicht mehr so oft in „Wohnungsnot“ kommt. Leichter, weil das Pferd schön gleichmäßig durchtrabt, ohne ständig das Tempo zu verändern. Leichter, weil man das Schulterherein jetzt so gut drauf hat, dass man nicht mehr die Hälfte der langen Seite braucht, um überhaupt reinzukommen. Leichter, weil der Galopp, der einem mal Angst gemacht hat, jetzt eine Selbstverständlichkeit ist. Leichter, weil das Pferd, das nach einer Runde Galopp schon nicht mehr konnte, jetzt ein paar Runden durchgaloppieren kann ohne sich dabei groß anstrengen zu müssen.

Damit etwas leichter werden kann, muss man es üben, das gilt für Mensch und Pferd. Und trainieren. Das ist ein Unterschied, der oft in der Pferdewelt zu kurz kommt: Üben heißt, einen Bewegungsablauf so oft wiederholen, bis man ihn gezielt zuverlässig abrufen kann. Erst wenn das klappt, kommt das trainieren: wiederholen, wiederholen, wiederholen bis die Muskeln dazu wachsen. Viele von uns üben immer nur und trainieren nie wirklich. Wer das Aussitzen im Trab übt, wird wohl wissen was ich meine: irgendwann kann man es. Aber trotzdem gibt es ein Zeitlimit, bis die eigene Muskulatur so ermüdet, dass es wieder nicht mehr geht. Nur über Steigerung der Zeit kann man das ändern, so simpel ist das. Wer immer nur zwei Zirkelrunden im Aussitzen trabt und den Rest der Zeit entweder leichttrabt oder Schritt reitet, wird nicht weiter kommen, egal wie schön er die zwei Runden sitzt.

Zurück zum Thema: wer das Aussitzen erlernen möchte, muss damit anfangen. Ja, es gibt Tricks und Kniffe dazu. Aber anfangen muss man trotzdem. Und es dann nochmal machen und nochmal. Und ja, das Pferd wird es dabei nicht so leicht haben, die Reiterin zu tragen. Das behalten wir im Blick. Aber sich einreden zu lassen, dass man das nicht üben darf, bringt gar nichts.

#niewiederhufrehe heißt für mich, sich zu trauen und loszulegen. Die Handbremse im Kopf zu lösen, damit unsere Pferde wieder mehr in Bewegung kommen. Bewegung ist durch nichts zu ersetzen und wir als Menschen sind dafür verantwortlich. Wir müssen dafür nicht perfekt sein, wir müssen es nur machen. Und wenn wir dann erstmal dabei sind, werden wir auch besser werden. Dann können wir neue, fortgeschrittenere Fehler machen……

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 463

Erinnert ihr euch noch, dass ich vor über einem Jahr mit meinem Mädchen auf einem Kurs war, wo sie das Rumstehen gelernt hat? Da ging es unter anderem darum, dass sie mir beim erwachsenwerden hilft. Wer erwachsen ist, kann ruhig und freundlich Bescheid sagen, wenn er ein Problem hat. Und wenn der andere das nicht versteht, dann sagt man das nochmal anders und deutlicher aber genauso freundlich. Das ist ein wichtiger Teil vom erwachsenwerden, hat Elsa damals gesagt. Damals war ich noch viel jünger und hab manchmal blödes Zeug gemacht, wenn ich ein Problem hatte. Einmal bin ich zum Beispiel mit der Doppellonge über den Sommerreitplatz gefegt und nicht mehr klargekommen weil da so viel Insekten waren. Oder noch früher, als ich noch viel kleiner war, da bin ich mal vom Reitplatz abgehauen, als mir alles zu viel wurde. Ich wusste da noch nicht so recht, wie ich es meinem Mädchen anders erklären soll und es hat mich so überrollt, dass ich da nicht mit umgehen konnte. Manchmal hab ich mein Mädchen auch voll angemeckert, wenn sie Sachen gemacht hat, die ich nicht mochte.

Aber jetzt hab ich das voll raus! Das hab ich meinem Mädchen vor ein paar Tagen bewiesen. Es war nämlich so: es hat mich hinter meinem Ohr immer so gejuckt. Deswegen hat sie mir ja so eine fürchterliche Frisur gemacht, damit da Luft an meine Haut kommt. Nein, ich zeige euch wirklich kein Foto davon! Und dann hat sie auf die Juckestelle eine Creme geschmiert. Die hat auch super geholfen, aber es stellt sich heraus: die ist da wohl für immer! Die geht irgendwie gar nicht mehr ab. Und neulich stand ich auf dem Hof und war fertig mit allem und mein Mädchen hatte mir sogar schon das Halfter abgenommen – jawohl! Ich darf nämlich jetzt auch manchmal frei mitten auf dem Hof stehen, so wie die großen Ponys, weil ich so erwachsen bin und mich so gut benehmen kann! Ich stehe da also so frei ohne Halfter auf dem Hof und mein Mädchen schaut auf die Creme und meinte „ach das versuchen wir noch schnell“. Holt die Sprühflasche und meint, sie könnte da jetzt mit Mähnenspray versuchen, die Creme runter zu spülen. Aber Spray an meinem Ohr ist halt nicht so meins. So, jetzt HÄTTE ich ja Hackengas geben und davonflitzen können. Aber ich – voll erwachsen – habe meinen Kopf weggedreht und sie angeschaut. Und sie stand da mit hoch erhobener Sprühflasche und ich denke „sie hat mich noch nicht verstanden, ich muss deutlicher sprechen“ und bin ganz in Ruhe zwei Schritte von ihr weg gegangen, bin stehengeblieben und hab sie wieder angeschaut. Und da hat es bei ihr Klick gemacht und sie hat die Sprühflasche runter genommen, hat mich angelächelt, die Flasche weg geräumt und mir gesagt was für ein tolles, großartiges, erwachsenes und wunderbares Pony ich bin, weil ich das sooooo vernünftig und verständlich erklärt habe! Und dass sie das jetzt nicht macht, sondern wir mal in Ruhe mit vielen Keksen das Problem angehen und nicht so mal eben schnell zwischen Tür und Angel.

Ich hab mich unendlich erwachsen gefühlt und mein Mädchen war irre stolz auf mich. Und weil ich solche Sachen jetzt so super kann, darf ich auch mehr. Zum Beispiel auch mal ohne Halfter aus der Stalltür kommen und mich erst auf dem Hof anziehen lassen. Wie die ganz Großen halt!

Euer sehr erwachsener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 462

Burgkoller, der: Psychische Störung, die sich bei einem tapferen Ritter wie mir und bei seinem Mädchen einstellt, wenn wegen der Wetterverhältnisse über viele Wochen das Verlassen der heimischen Burg nur viel zu selten möglich ist und die Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der Burg stark eingeschränkt sind.

Symptome: Rastlosigkeit, schlechte Laune, verrückte Ideen (gute und schlechte), Verzweiflung, Langeweile, vermehrter Kekshunger, Konzentrationsschwäche.

Heute hat es mein Mädchen besonders schlimm erwischt. Bei 70 km/h schnellem Wind mit leichtem Nieselregen meinte sie, heute gehen wir auf den Reitplatz und ich soll an der Longe laufen. Erst hat sie mich in die falsche Richtung geparkt und „warte“ gesagt. Hör mal, Mädchen, ich bin ja wetterfest, aber ich steh doch nicht mit dem Gesicht im Wind! Bin also los gegangen. Sie hat mich wieder an meinen Platz gestellt. Ich bin wieder los gegangen. Da hat sie gesagt, ich könnte das jetzt kurz aushalten, es gibt schließlich auch einen Keks dafür und manchmal ist das so. Sie sah so streng aus, dass ich es dann lieber einfach ausgehalten hab, war ja zum Glück nur ein paar Sekunden bis sie das Tor zugemacht hatte. Dann ging es los. Weil es auf dem Reitplatz ja immer im Kreis geht, kam der Wind erst von rechts, dann von vorn, dann von links, dann von hinten (oder, wenn ich andersherum gelaufen bin, umgekehrt). Und je nachdem wie es dem Wettergott just in dem Moment gefiel, kam mit dem Wind auch Nieselregen oder nicht. Wenn Regen kam, hab ich meinen Kopf schräg gehalten und mein Mädchen empört angeschaut. Aber die meinte, wir ziehen das jetzt durch, es gibt Kekse und wir machen nicht lang und wenn ich mal ins laufen komme, dann geht das. Damit hatte sie sogar recht, nach dem Aufwärmen durfte ich einige Runden galoppieren und dabei habe ich Wind und Regen kurz vergessen. Als ich das fein gemacht hatte, habe ich angemerkt, dass sie ja nur kurz machen wollte und sie hat mich auch verstanden und gesagt, wir machen jetzt Feierabend. Eineschöne Einheit war das nicht, aber sie sagt, ich habe mich den Umständen entsprechend vorbildlich benommen und das ist ja auch was. Diego musste dann auch noch ran, den ist sie kurz geritten, aber der Wind hätte sie fast von seinem Rücken geweht, deswegen hat sie auf höhere Geschwindigkeiten lieber verzichtet und schließlich kaptiuliert. Sie hat auch versprochen, dass sie morgen wieder vernünftig ist. Da soll es nämlich noch viel mehr regnen und dann gehen wir doch lieber wieder in die Halle und schauen, was wir da schönes machen können. Wenigstens haben wir ja unsere kleine Mini-Halle, das ist ja schon ein Luxus.

Die einzige Medizin gegen Burgkoller ist übrigens Ausreiten – schön, lang und bitte jede Woche ein- oder besser zweimal. Aber bisher sind wir dieses Jahr insgesamt erst 3 mal ausgeritten und das immer nur kurz. Hoffentlich kann das bald wieder losgehen, damit wir beide wieder genesen können! Drückt uns die Daumen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der gemeinsam mit seinem Mädchen an Burgkoller leidet)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 461

Schon wieder Wind! Oder immer noch? Mein Mädchen war nicht sicher, ob wir bei dem Gepuste los können. Aber der Mann meinte, das sei nur „n büschen Wind“ und das ginge schon. Also Wackelkiste hergerichtet, Schuhe an und los! In der Nähe vom Ausreitkumpel sind wir dann ausgestiegen. Knappe 9km waren geplant. Aber nun ist es ja so: Diego braucht eine extra Decke unter seinem Sattel zum Ausgleich fehlender Muskulatur. Und zwar am besten MEINE Decke! Aber MEINE Decke ist nunmal MEINE Decke und die brauche ich unter MEINEM Sattel. Also was ist zu tun? Mein Mädchen und der Mann hatten vorher zu hause ausprobiert, wie sie Diegos Sattel mit einer anderen Decke polstern könnten. Diese andere Decke ist auch eigentlich MEINE Decke, die habe ich immer unter meinem Reitpad. (Ok, das war früher Merlins Decke, aber ICH hab sie geerbt! Und außerdem finde ich es blöde, dass ich alles teilen muss, sogar mein Mädchen!). Zu hause hatten die Menschen das ausprobiert mit dem Sattel und der Decke, aber ohne Diego. Als wir dann an der Wackelkiste gesattelt wurden, sagt der Mann plötzlich: „nein, das geht so nicht“. Da hätte Diego eine ganz fiese Kante in der Polsterung gehabt. Was ist also zu tun? Der Mann hat dann beschlossen, dass er einfach zu Fuß geht. Die Menschen haben die Runde umgeplant, so dass es nur noch 5km waren und der Mann ist mit Diego zu Fuß gegangen, während mein Mädchen geritten ist. Nun kann der Mann ja zu Fuß mindestens genauso schnell gehen wie Diego im Schritt. Die sind sooooo flott unterwegs! Also waren wir kurz nach dem Start schon wieder hinten dran. Plötzlich ruft es von hinten „Achtung Jogger von hinten!“ das fand mein Mädchen ja sehr nett! Damit ich mich nicht erschrecke, hatte der Laufmensch bescheid gesagt. Der kam dann an mir vorbei und hat mich einfach überholt! Sowas kann ich ja wohl gleich gar nicht leiden! Habe ihm mit angelegten Ohren hinterher-gemeckert und meinem Mädchen gesagt, dass wir jetzt traben müssen, weil das eine Unverschämtheit ist, mich einfach zu überholen! Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, ich wäre ein Spinner und sollte einfach weiter Schritt gehen. Dann, als ich mich wieder abgeregt hatte, durfte ich traben und auch an Diego vorbei immer dem Jogger hinterher. Der konnte genauso schnell laufen wie ich getrabt bin! So und jetzt, mein Mädchen, möchte ich nochmal genau wissen, warum wir eine halbe Ewigkeit immer nur im Schritt spazieren waren, wenn es doch offensichtlich auch für euch Menschen möglich ist, mein Trabtempo zu laufen! Naja, die Antwort liegt ja auf der Hand: mein Mädchen ist nicht gerade ein Ausbund an Fitness….. da hätte ich so einen Jogger als Besitzer haben müssen, der wäre mit mir auch zu Fuß auf Distanzritt gegangen, als ich angeblich noch zu klein war, um mein Mädchen zu tragen. Aber ok, ich mag mein Mädchen, auch wenn sie nicht so schnell laufen kann. Dafür hat sie immer leckere Kekse….

Der Mann heute zu Fuß

Weiter ging es im Schritt Richtung Umspannwerk. Da war ich ja nun länger nicht und die haben da einiges verändert seit ich das letzte Mal da war. Und es war ja windig, da hat es ein bisschen geklappert, geknarzt und gescheppert und eine Fahne wehte vor sich hin – kurzum: es war gruselig. Mein Mädchen hat gesagt, wir schaffen das, Diego und der Mann sind ja auch da und wir sind schon groß. Dann hat sie doll geatmet und ich hab meinen Mut zusammengekratzt und wir sind da vorbei gegangen. Keks!

Der Mann meinte dann, wir könnten doch mal üben, voraus zu traben, dann umzudrehen und wieder zurück zu traben. Mein Mädchen hat diese Übung erst mal entschärft (so läuft das bei den beiden immer, der Mann ist ja viel mutiger als mein Mädchen): Wir sind voraus getrabt und dann im Schritt zurück. An Diego vorbei in die falsche Richtung, kurz danach gewendet und im Schritt hinter Diego her, dann auftraben. Ich war etwas durcheinander, aber mein Mädchen sagt ich hab das alles richtig gemacht. Bis auf dass ich immer sehr langsam werde, wenn ich durcheinander bin, aber das ist ihr ja lieber als zu schnell. Nachher haben wir das nochmal gemacht, diesmal mit Trab, und da konnte ich es schon besser. Dann sind wir lange vorgetrabt, haben dann an einer schönen Grasstelle angehalten, mein Mädchen ist abgestiegen und ich durfte grasen, bis Diego uns eingeholt hatte. Diego ist dann an uns vorbei, mein Mädchen hat mich an einer günstigen Stelle eingeparkt und ist wieder aufgestiegen. Zack! Mädchen stolz, weil ich das alles so toll gemacht habe obwohl Diego ja weiter von uns weg ging!

Dann im Trab hinterher, an Diego vorbei und einfach weiter. „Wir schaffen das, wir sind groß“ hat mein Mädchen immer gesagt. Und als sie Sorge hatte, ich könnte in den Galopp fallen, hat sie ihr Trablied gesungen. Bis ein Spaziergänger mit zwei Hunden kam, da sind wir dann im Schritt vorbei gegangen. Danach wieder Trab, immer weiter weg von Diego, bis wir das Gefühl hatten, ganz allein zu sein. Mein Mädchen hat sich selbst Mut zugesprochen und ich hab alles fabelhaft richtig gemacht. Ganz allein über die kleine Brücke und schon waren wir an der Wackelkiste. Bis mein Mädchen in Ruhe abgesattelt hatte, waren Diego und der Mann dann auch schon da und wir sind nach hause gewackelt worden. Das waren zwar nur 5km aber mein Kopf hatte ordentlich zu tun, muss ich sagen!

Jetzt lösen die Menschen das Problem mit der Satteldecke, damit der Mann demnächst auch wieder reiten kann.

Euer fast allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel