Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 475

Heute vormittag haben wir wieder Doppellonge geübt, mein Mädchen und ich. Diesmal mit Handwechseln und sogar etwas seitwärts gehen. Mein Mädchen hat geflucht, weil sie mit den langen Leinen und der Peitsche überfordert war (wie immer), aber sie findet, ich habe das gut hingekriegt. Jetzt überlegt sie, ob sie nochmal einen Kurs macht oder Unterricht nimmt, damit sie das besser in den Griff kriegt. Wir haben auch wieder galoppieren geübt, mit vielen, vielen Übergängen, weil mein Mädchen meint, das macht mich kräftiger. Manchmal, wenn es gut klappt, kann ich schon voll schön aus dem Schritt in den Galopp springen, dann flippt sie komplett aus, weil das soooooo toll aussieht. Aber manchmal kriege ich auch noch Beinchaos, dann klappt es nicht so ganz, aber ich mauschel es schnell hin.

Dann waren wir fertig und ich dachte das war es für heute. Aber nein! Am Nachmittag höre ich mein Mädchen nochmal rufen! Bin schnell hingelaufen und da war sie gar nicht allein: bei ihr waren der Mann und ein kleineres Mädchen. Und die war nun plötzlich für mich zuständig! Das war ganz schön aufregend! Das kleinere Mädchen hat noch nicht so viel Erfahrung und konnte mir deswegen nicht so ganz genau sagen, was wir jetzt machen und wo wir hingehen. Ich hab immer versucht, von meinem Mädchen auch noch Infos dazu zu erhaschen und sie hat mir auch immer Hinweise gegeben aber mein Kopf fing alsbald das rauchen an bei so vielen verschiedenen Ansagen. Nachdem das kleinere Mädchen mich geputzt hatte, sind wir auf den Reitplatz gegangen und haben ein paar Führübungen gemacht. Ich war aufgeregt und wenn ich aufgeregt bin, habe ich es immer sehr eilig. Es hat etwas gedauert, bis wir das alles klar gekriegt haben, aber dann ging es ganz gut. Schließlich zum krönenden Abschluss durfte das kleinere Mädchen noch aufsteigen und mein Mädchen hat mich geführt. Das kleinere Mädchen hat von oben Stimmkommandos gegeben: „hoooooo“ für anhalten und „voran!“ fürs losgehen. Ich habe immer ganz genau gelauscht und versucht, das alles richtig zu machen. Wenn ich nicht bescheid wusste, konnte ich ja noch schnell schauen, was mein Mädchen mit ihrer Körpersprache sagt. Insgesamt habe ich natürlich wie immer alles richtig gemacht, aber ich sage euch, nachher war ich ganz schön müde im Kopf! Musste erst mal nachdenken und eine Runde gähnen. Mein Mädchen sagt, Übung macht den Meister und so üben wir beide – das kleinere Mädchen übt, mir genauer zu sagen was ich machen soll und ich übe, besser zurecht zu kommen, wenn ich nicht weiß, was ich tun soll. Ich erinnere mich dunkel, dass Merlin und Diego mir da mal was erklärt haben, vor langer Zeit, als wir zum allerersten Mal Unterricht hatten. Und jetzt ist es glaube ich so ähnlich…

Jedenfalls sind wir für nächste Woche wieder verabredet, das kleinere Mädchen und ich, und dann werden wir gemeinsam weiter üben!

Meine (gar nicht so) kleine Reiterin und ich werden sicher bald beste Freunde sein!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (hiermit offiziell „Lehrpferd“!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 474

Sonntag! Ihr wisst schon: Ausflugstag!

Vormittags haben wir Ponys erst mal in der Sonne ein kleines Schläfchen gemacht, während die Menschen allerhand zu tun hatten. Nach dem Mittagsheu sind wir dann aber gemeinsam los gezogen! Diego hat sich beim Satteln erst mal beschwert, hat immer den linken Vorderhuf gehoben. Nach einer Weile war das so auffällig, dass mein Mädchen seinen Hufschuh gecheckt hat. Der war hinten ein bisschen verdreht und das hat Diego gedrückt! Mein Mädchen war stolz auf ihn, weil er das so fein angezeigt hat und so hartnäckig, bis sie es verstanden hatte.

Als wir komplett angezogen waren, ging es endlich los. Ich wollte ja links runter vom Hof, das will ich immer. Und ich seh gar nicht ein, warum mein Mädchen manchmal rechtsrum starten will! Was soll das? Also haben wir das kurz ausdiskutiert. Und dabei zieh ich ja irgendwie immer den Kürzeren. Aber naja, ich bin ja froh, wenn wir ausreiten gehen, also meinetwegen rechts herum.

Alsbald wurde uns Ponys klar, was läuft: Bergtour! Diesmal aber über den anderen Berg. Erst geht es da ganz leise den Berg hoch und da hat mein Mädchen schon mal einen kleinen Galopp vorgeschlagen. Ok! Aber als Diego zurück geblieben ist, wurde mir komisch. Irgendwie war mir alles gruselig heute. Mein Mädchen meinte, das läge wohl an dem kalten Wind! Als wir oben auf dem Berg waren, habe ich durchpariert und erst mal einen ordentlichen Satz gemacht, weil ein Weidetor komisch geklappert hat. Mein Mädchen meinte, ich würde wirklich ein bisschen übertreiben, aber kaum hatte ich einmal geatmet, kam von rechts aus dem Wald so ein Mountainbiker und der hat gebremst und dabei ein voll fieses Geräusch gemacht! Für einen Augenblick habe ich überlegt, ob ich umdrehe und das Weite suche. Aber dann hab ich die Situation durchschaut und der Mountainbiker ist voll nett stehen geblieben. Mein Mädchen meinte, dass ich jetzt aber WIRKLICH übertreibe und hat sich gefragt, warum ich eigentlich so spannig bin. Und dann fiel es ihr wieder ein: ich hatte 2 Tage frei! Und das sind nunmal 2 Tage zuviel. Naja, Samstags habe ich meistens frei, aber diesmal hatte ich halt auch schon Freitags frei (warum, erfahrt ihr auch irgendwann noch, aber wahrscheinlich erst in ein paar Wochen). Und so hatte sich ein bisschen Energie angestaut und die möchte irgendwo hin! Mein Mädchen hat dann gesagt, es wird mir gleich besser gehen. Weil wir nämlich den Berg hoch und runter stiefeln. Und dann geht es da ja nicht nur rauf und runter, sondern über den schmalen Weg auch noch rechts und links, zwischen Bäumen durch (mein Mädchen immer: „denk an mein Knie“, ja natürlich tu ich das, bin schließlich Gentleman) und über jede Menge Wurzeln. Also richtiges Ganzkörper- und Aufmerksamkeitstraining. Am ganz steilen Berg sind die Menschen abgestiegen, damit wir da alle heile runter kommen.

Soooooo hohe Berge haben wir erklommen!

Danach ging es wieder Richtung Heimat. Der Mann wollte gern noch „Angebertrab“ üben. Das ist so ein langsamer Trab, den er gut aussitzen kann. Mein Mädchen fand, das ist ein gute Idee und wir können auch mal schön Angebetrab üben. Dabei hat sie sich überlegt, dass so ein bisschen Seitwärts im Trab gar nicht übel wäre. Und ich habe das sooooooo toll hingekriegt! Schulterherein rechts, bisschen Schenkelweichen quer über die Straße, Schulterherein links. Mädchen begeistert und Mann auch! Das haben wir noch ausgiebig geübt und ich wurde immer besser und geschmeidiger. Zwischendurch gab es sogar Kekse dafür!

Ruckzuck waren wir auch schon wieder zu hause. Diego und ich hatten trotz kaltem Wind und Teilentpelzung ganz gut geschwitzt und wir waren alle sehr zufrieden mit unserem Ausflug. Mein Mädchen hat – wie immer – gesagt, wir sollten doch öfter diese Bergtouren machen, weil sie so gutes Training sind. Vielleicht wird es ja mal wahr, wer weiß? Jetzt können wir uns wieder ein paar neue Muskeln wachsen lassen, Diego und ich.

Euer Bergsteiger Sir Duncan Dhu of Nakel

2. Ausritt allein

Fast noch etwas spannender als der erste Ausritt alleine, bei dem ich ja noch gar nicht wusste ob wir überhaupt die ganze Runde gehen, war für mich jetzt der zweite.

Wie wird Duncan reagieren, wenn ich vorschlage, das Abenteuer zu wiederholen? War er zufrieden letztes Mal? Oder bekommt er doch wieder Angst, möchte stehen bleiben oder umdrehen? Und wie wird es mir gehen?

Die erste Erkenntnis: Duncan hat Lust. Er stiefelt munter los und ich muss ihn erst mal daran hindern, die Kurve so zu schneiden, dass ich am Straßenschild hängen bleibe. Seine erste Irritation setzt allerdings ein, als ich ihn bitte, am rechten Straßenrand zu gehen statt am linken. Naja, er ist eben Brite…. er lässt sich aber überreden und scheint sich dann auch rechts wohl zu fühlen.

Seine Reaktion auf die Papiertüte, die still mitten auf dem Weg liegt, zeigt mir, dass er doch sehr viel aufmerksamer ist als wenn Pferde-Begleitung dabei ist. Aber wir sind lang genug zusammen, ich kann gut einschätzen, wie groß bzw klein die Besorgnis ist und sobald er das unbekannte Objekt als Tüte identifiziert hat, ist es ja auch ok.

Wie fast immer möchte er am Baum links abbiegen. Generell biegt er lieber links ab als rechts, das fällt mir auf. Auch sonst wenn wir im Gelände unterwegs sind, schlägt er oft vor, links abzubiegen. Und er schlägt oft vor, Wege zu nehmen, die er noch nicht kennt. Dass er das jetzt auch alleine tut, macht mir Mut: er scheint sich sicher genug zu fühlen.

Wir traben ein bisschen, er läuft munter voran und ich überlege, ob ich nicht nächstes Mal den Sattel nehme, damit er noch munterer laufen kann. Dann passiert das, worauf ich eigentlich schon länger gewartet habe: ein Erschrecker. Der Vogel im Gebüsch, Duncans Erzfeind. Es ist immer das selbe Geräusch dass ihn auf die selbe Art erschreckt. Ein Satz, Vorderbeine breit in den Boden, hinschauen. Ich frage mich im Nachhinein ob das Geräusch das selbe ist, das eine Schlange machen würde. Und ich freue mich über den Erschrecker! Denn nun weiß ich, dass der auch allein nicht anders ausfällt als in Gesellschaft. Bisher hatte ich Sorge, er könnte, wenn wir allein sind, losrennen, weil er keine Orientierung an ein anderes Pferd hat. Aber von losrennen ist keine Rede, im Gegenteil, für einen Moment ist er erstarrt. Ein Keks, weil ich Erstarrung so viel besser finde als rennen, dann treibe ich ihn voran, weil ich gelernt habe, dass er besser und leichter aus der Erstarrung kommt, wenn wir einfach weiter traben. Schnell beruhigen wir uns wieder. Mir fällt auf, dass Duncan sich angewöhnt hat, in angespannten Momenten abzuschnauben. Ich habe das abschnauben immer mal belohnt und ich glaube fast, er hat gelernt, dass es ihm hilft, sich zu beruhigen. Wie ein Kind, das singt, wenn es die Kellertreppe runter geht oder ein Erwachsener, der bewusst ruhig und tief atmet, um der Angst Herr zu werden.

Mein persönlicher Stress geht wieder am Dornröschenweg hoch, aber ich bin schon deutlich entspannter als letzes Mal. Danach genießen wir unsere Graspause. Auf dem Rest des Weges stelle ich fest: im Trab geht alles besser. Wenn wir längere Zeit Schritt gehen, wandert Duncans Aufmerksamkeit immer weiter und weiter in die Ferne, die Ohren werden immer spitzer und er beobachtet entfernte, noch nicht gut zu erkennende Objekte mit Argwohn. Im Trab passiert das nicht, da tingelt er einfach durch die Landschaft, ist sehr viel mehr bei mir und bei ihm selbst als im außen. Das merke ich mir!

Ich selbst beobachte meine eigenen Aufmerksamkeit. Mein Kopf spielt mir Streiche: gleich könnte etwas passieren! Ich übe, mir ganz klar vor Augen zu führen, dass gleich alles passieren kann aber JETZT in diesem Moment, mein Pony unter mir gleichmäßig läuft. Ich denke an Elsas Worte „Rhythm equals Confidence“ (Grob übersetzt: Der Rhythmus spiegelt die Selbstsicherheit wieder). Je rhythmischer mein Pony sich bewegt, desto sicherer fühlt er sich, desto geringer die Chance, dass er blöde Entscheidungen trifft. Also konzentriere ich mich auf den Rhythmus, meinen und seinen um uns darin zu unterstützen. Das hilft. Ich rufe mich immer wieder in den Moment zurück und fange Gedanken ein, die in eine angsteinflößende Zukunft reisen wollen.

Ganz am Ende des Ritts, als Duncan beim Nachbarn nochmal ein bisschen angespannt ist, steige ich ab. Ich finde, wir beide haben das toll gemacht und können diese letzte kleine Herausforderung einfach entschärfen, von unten ist es kein Problem. Duncan bringt mich noch einmal zum lachen, indem er mir die Futterschüsseln zeigt, die hinterm Weidezaun stehen, und seiner Betrübnis darüber Ausdruck verleiht, dass es nicht SEINE Schüsseln sind, dann gehen wir gemeinsam nach hause. Wir haben beide enorm gute Laune und ich bin sicher, dass mein Pony genauso viel Spaß hatte wie ich.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 473

Nach unserem ausgiebigen Ausritt am Sonntag haben Diego und ich am Montag einen Tag frei gehabt. Nicht, dass ich da Lust drauf hätte, aber mein Mädchen hatte einfach keine Zeit und findet, das ist dann eine gute Kombi, wenn wir am Tag davor ordentlich was getan haben. Wir sollen dann unsere Muskeln wachsen lassen. Laaaaaaaangweilig! Hab ich ihr auch gesagt, aber sie war eh nur ganz kurz im Stall. Naja.

Gestern war sie dann morgens ganz wuselig unterwegs. Ich ahnte bereits großes, wo ich doch jetzt weiß: wenn sie aufgeregt ist, passiert was spannendes! Naja, es ging dann so mit der Spannung. Wir haben nämlich Reitunterricht bekommen, aber das ist für mich leider so gar kein Hochgenuss. Da der Reitlehrer nämlich gaaaaaanz weit weg gezogen ist, kommt er nicht zu uns, sondern schaut uns übers Internet beim reiten zu und redet meinem Mädchen ins Ohr. Ich kriege davon nix mit, ich merke nur, dass sie furchtbar abgelenkt ist und sich ganz wenig wirklich auf mich konzentriert. Aber ich bin ja Gentleman und gebe mein Bestes. Mein Mädchen sagt, wenn wir das jetzt vielleicht etwas regelmäßiger machen, kann sie das auch üben, dann klappt das auch besser. Na gut.

Heute war dann aber ausgleichende Gerechtigkeit, denn weil endlich mal wieder alles gestimmt hat, sind wir zum zweiten Mal ganz alleine richtig ausreiten gegangen!

Mein Mädchen war ganz gespannt, ob ich wohl wieder so fein entspannt und motiviert bin. Na klar, Mädchen, wo ich doch jetzt raus gefunden habe, wie viel Spaß das macht! Los geht´s!

Ziemlich am Anfang der Tour lag ein gruseliges Dings auf dem Weg. Ich hab meinem Mädchen das gezeigt (von weitem) und sie hat gesagt, es sei eine Tüte. Ach so, Tüten kenne ich. Sie meinte dann, wir gehen da hin und gucken uns das an und dann bekomme ich einen Keks. Ok! Haben wir so gemacht. Tüten sind nicht gruselig, als ich sicher war, dass es nur eine Tüte ist, war auch alles fein. Dann an dem Baum vorbei, da will ich ja immer gern links abbiegen, weil da so ein schöner Weg ist. Mein Mädchen sagt aber, diesen Weg werde ich niemals betreten, denn auf diesem Weg hat mein großer Bruder sich tödlich verletzt. Hm. Nachdem sie diesen Gedanken kurz weg geatmet hatte, sind wir ein bisschen getrabt. Wir hatten uns gerade so schön eingegroovt als plötzlich

VOGEL!!!!

Man, diese Dinosaurier! Wenn sie so herumpiepsen und flattern stören sie mich ja nicht. Aber dieses Geraschel im Gebüsch von seitlich unten, das kann ich im ersten Moment immer nicht einschätzen. Was ist da wohl? Eine Schlange? Ein Tiger? Ein Huchmampf? Weiß ich doch nicht! Also lieber fix einen Satz zur Seite, dann die Bremse rein hauen und gucken. Mein Mädchen hat mir einen Keks gegeben und gesagt, dass sie es toll findet, dass ich die Bremse rein haue und gucke. Und dass wir jetzt weiter traben, weil man da das Adrenalin am besten und schnellsten los wird. Ok! Also ging es weiter. An der Eiche um die Kurve und dann den schönen Grasweg lang. Heute war der trocken genug und wir konnten durchgängig traben – langsam bergab und etwas flotter bergauf. Mein Mädchen hatte ein kleines Tränchen in den Augen – nicht vom Fahrtwind, sondern weil sie das alles sooooo toll findet und sich so freut, dass sie mich hat und ich sie so fein durch die Landschaft trage. Gerne, mein Mädchen!

Den Dornröschenweg im Schritt, danach die traditionelle Graspause, in der mein Mädchen eine Nachricht an ihre „Notfallkontakte“ geschickt hat mit einem Foto von mir beim grasen und ein paar Herzchen dazu, damit sie wissen, dass es uns gut geht.

Dann ist sie wieder aufgestiegen und es ging den blöden Teil des Weges entlang, über die großen Steine bergab. Danach noch ein kleiner Trab und an den Pferdeweiden in den Schritt, damit wir keine Pferde provozieren, ein Wettrennen zu starten. Wie wir so auf den Nachbarn (zweiten Grades, also der Nachbar vom Nachbarn) zu kommen, sehe ich da doch etwas merkwürdiges. So ein Schatten! Was ist das mein Mädchen? Sie hat mir gesagt, es sei eine Mülltonne. Ja? Ok wir gehen gucken. Hab ich mir angeschaut. Stimmt, es war nur eine Mülltonne. Na dann! Keks und Abgang. Im Schritt weiter und beim direkten Nachbarn ist sie dann abgestiegen und ist zu Fuß mit mir nach hause gegangen. Ach, was war sie wieder stolz und glücklich! Und das mag ich ja am liebsten. Wir haben noch einen kleinen Schnack an der Stalltür gehalten und mein Mädchen hat sich bei mir bedankt für den schönen Ausritt. Jetzt sind wir beide sehr zufrieden mit uns und der Welt!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 472

Juhuuuuu! Sonntaaaaaag!

Es fing etwas merkwürdig an, weil die Menschen meine Hufschuhe aufgepimpt haben und ich dafür ungefähr 100 mal die Schuhe an – und wieder ausziehen musste. Langsam wurde mir ganz kribbelig: gehen wir irgendwann auch mal ausreiten? Ja, gehen wir. Als die Schuhe fertig waren und dann noch mit bunter Farbe besprüht, damit man sie besser sieht, haben die Menschen endlich die Sachen gepackt und wir durften in die Wackelkiste klettern.

Hufschuhe gepimpt!

Wir sind in ein Gebiet gefahren, wo wir lange nicht waren. Dort gibt es viele schöne Wege und die Frage ist ja immer, wie man die dann sinnvoll kombiniert. Diesmal hatte mein Mädchen einen sehr guten Plan ausgeheckt und wir sind alle sehr zufrieden damit – diese Tour wollen wir jetzt öfter reiten.

Ein kleines Stück durchs Dorf, wo die Leute alle Frühlingsgefühle hatten: überall waren sie am putzen, gärtnern und aufräumen. Dann direkt raus in die Felder. Mädchen, hier ist es überall so schön grün und es riecht so gut nach Frühling! Da, siehst du diesen leckeren Grashalm? Und diesen? Und den da drüben? Mein Mädchen meinte, dass wir jetzt erstmal ein Stück laufen, und nachher eine Graspause machen. Na gut….

Dann ein flotter Trab – wie gut dass Diego jetzt teilentpelzt ist! Das war sooooo warm! Zwischendurch immer der Blick aufs Handy: wo müssen wir jetzt lang? Das nervt uns alle etwas und deswegen möchte mein Mädchen jetzt Runden, die uns gefallen, so oft reiten, bis wir sie solide auswendig kennen. Neue Wege erkunden können wir ja in neuen Gebieten. Ich finde ja, man könnte einfach mal irgendwo abbiegen wo es nett aussieht, aber mein Mädchen möchte das nicht.

Wo geht’s lang? Mein Mädchen ist für die Route verantwortlich, weil sie meinen Entscheidungen nicht traut….

Also weiter nach ihrem schönen Plan! Ein kleiner Galopp, ich vorneweg, dann kam Diego von der Seite und wir Ponys wollten ein kleines Wettrennen machen! Aber die Menschen wollten das nicht. Spielverderber!

Ich bin dann vorneweg galoppiert und der Mann ist mit Diego hinten geblieben. Es lief gerade so schön, da fühlte sich an meinen Hinterhufen was komisch an. Der Mann hat gepfiffen, wir haben gebremst. Hufschuh-Alarm! Also die vorderen Schuhe haben gehalten – Fortschritt! Diesmal war beim hinteren eine Schraube abgerissen. Das ist schon mal passiert, auch hinten bin ich einfach ein Schmalspurpony und trete mir selbst auf die Schuhe, vor allem im Galopp. Mein Mädchen hat kurz gemeckert, aber dann beschlossen, sich später darum zu kümmern. Hinten Schuhe aus und weiter ging es. Nachher meinte sie, ich brauche hinten eh nicht immer Schuhe anhaben, wir haben jetzt gute Wege gefunden, da geht das auch gut ohne. Sie will ja immer, dass ich die Schuhe anhabe, damit mir die Hufe nicht weh tun wenn die Wege mal blöd geschottert sind. Aber auf diesen Strecken sind keine blöden Schotterwege und dann geht das ja auch so, vor allem an den Hinterhufen.

Nach Galopp und Hufschuhverlust kam endlich die Graspause. Leckerleckerleckerlecker! Währenddessen haben die Menschen den verschwitzten Diego angeschaut (ja, ich war auch schon ordentlich nass, aber Diego hat ja immer die große innere Hitze, dem tropfte schon wieder das Fell!) und haben beraten, noch ein bisschen mehr zu entpelzen.

Dann weiter. Erst eine Diskussion zwischen dem Mann und Diego, weil der die große Ungeduld hatte. Er wollte immer gleich los, sobald der Hintern des Mannes den Sattel berührt. Aber der Mann findet, als artiges Pony bleibt man stehen bis der Mensch sagt, dass es los geht. Also ist er wieder abgestiegen und hat das mit dem Aufsteigen nochmal geübt. Und dann nochmal. Diego wurde immer ungeduldiger. Der wollte los! Als es dann schließlich los ging, hat er so einen Zahn drauf gehabt, dass mein Mädchen und ich nur noch dumm hinterher gucken konnten. Aber mein Mädchen ist froh, weil Diego so deutlich zeigt, dass es ihm gut geht, auch wenn er immer noch Probleme hat, Heu zu kauen (er bekommt im Moment jetzt auch massenweise Eimer, so wie Merlin und Caruso – und wir Schotten schauen dumm aus der Wäsche!).

Etwas weiter sind wir zwei Spaziergängern begegnet und die Frau meinte, wir wären so schöne Pferde – ach, das hören wir ja gern! Mein Mädchen hat im Gegenzug gefragt ob den beiden das Haus da hinten gehört? Ja tut es und schon fand ein längeres Gespräch über die Solaranlage statt, die dort nicht auf dem Dach sondern im Garten steht. Mir war ein bisschen langweilig bei dem Geschnacke, habe ein bisschen geflirtet und mich ein bisschen gekratzt aber dann war ich froh als es wieder los ging. Und Diego erst! Der hatte wirklich die große Ungeduld.

Noch etwas Schritt, dann durchs Moor über die schrägen Plattenwege. Da ich etwas müde wurde, hat mein Mädchen noch einen Trab gezündet. Sie hat inzwischen ja verstanden, dass es nichts nützt, im Schritt daher zu schleichen, wenn ich meinen müden Punkt habe. Wenn wir Traben, finde ich den Reservetank schneller und den hab ich dann aufgemacht.

Schon waren wir wieder auf dem schönen Weg vom Anfang, den sind wir noch durchgetrabt, dann kam nur noch Schritt (abgesehen davon, dass ich ab und zu ein Stück traben musste, wenn Diego wieder soooo weit vorne war). Am Eingang vom Dorf war mir kurz ein bisschen gruselig, da stehen so Häuser mit hohen, dichten Hecken und ich weiß, hinter hohen, dichten Hecken sind manchmal Erschrecker-Hunde. Mein Mädchen hat gesagt, sie findet die Häuser auch ein bisschen gruselig, aber aus einem anderen Grund. Damit es nicht so gruselig ist, hat sie angefangen, ein Lied zu pfeifen und zwar dieses hier. Weil sie allzu ordentliche und saubere Häuser immer etwas erschreckend findet, noch dazu wenn komische Deko involviert ist. Und weil sie es so lustig fand, das Lied lautstark zu pfeifen und überlegt hat, ob jemand die Melodie erkennt, musste sie innerlich kichern und schon war uns nicht mehr gruselig.

Dann sind die Menschen die letzten Meter zu Fuß gegangen und an der Wackelkiste durften wir nochmal grasen, bevor es dann nach hause ging. Ach, das war wieder so toll! Wetter gut, Laune gut, Wege gut, alles gut!

Für die, die Zahlen so gern mögen wie mein Mädchen:

Gute 2 Stunden waren wir unterwegs, 12 km, davon 5 im Trab und zu wenig im Galopp (hier war aber auch wieder die App so zickig. Die mag meinen Galopp wohl nicht so gern?). Mein Mädchen sagt, wenn wir Ende September unseren ersten kleinen Distanzritt gehen wollen, sind das gut doppelt so viele km und das Tempo müssen wir noch etwas steigern, aber bis dahin sollte das gar kein Problem sein. Ich würde sagen: die Aussichten für die Saison sind gut!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Zusammenarbeit

Letzten Samstag hatte ich die Ehre, anderen Highland-Pony-Fans etwas über die Ausbildung junger Ponys zu erzählen. (Duncan hatte hier kurz berichtet).

Ok, ich habe also 1-1,5 Stunden Zeit, da muss ich mich entscheiden! Man kann ja unmöglich alles, was so zu sagen wäre, in einer Stunde sagen. Ich habe also überlegt, was ich wohl zu sagen haben – vor allem, was ICH zu sagen habe, was nicht schon 100 andere in Büchern verzapft haben. Fohlen-ABC, Führübungen, was weiß ich. Dazu gibt es genug Input. Worüber hört man nicht so oft? Was prägt meine Vorstellung vom Zusammensein mit den Ponys? Was ist der Unterschied zwischen dem, was ich mit Duncan gemacht habe und dem, was ich mit Finlay gemacht habe? Auf diesen Fragen habe ich meine Auswahl aufgebaut. Habe entsprechend viel vor allem darüber gesprochen, wie man beobachten kann, was für ein Pony man da eigentlich vor sich hat. Welche Fragen man sich stellen kann: wie werden Dinge erkundet, wie zeigt sich Angespanntheit, was interessiert mein Pony, welches Tauschgeschäft kann ich vielleicht anbieten?

All die alten Bilder und Videos von Duncan zu sehen, hat mir gezeigt, wie viel Zeit vergangen ist. Wir haben jetzt über 4 gemeinsame Jahre hinter uns und schon eine ganze Menge erreicht. Jetzt, wo die Basis stimmt, stellt sich wieder die Frage: was sind eigentlich meine Ausbildungsziele?

Sonntag: Duncan und ich stehen allein im Wald. Arnulf und Diego sind irgendwie woanders abgebogen und wir haben uns missverstanden, so dass Arnulf glaubt, er würde hinter mir her reiten, während ich ganz woanders stehe und auf ihn warte. Duncan wartet artig mit mir, aber Arnulf und Diego tauchen nicht auf. Ich entscheide: wir reiten zurück und versuchen herauszufinden, wo die beiden hingegangen sind. Duncan ist bei mir, er trägt es mit Fassung, dass Diego nicht mehr zu sehen und zu hören ist. Ich bin froh, dass wir so oft das „alleine ausreiten ohne alleine auszureiten“ geübt haben. Ich denke: um zwei Ecken rum, dann sehen wir sie bestimmt. Ein Matschloch vor uns veranlasst Duncan zu der kurzen Frage, ob Tempo die Sache verbessern würde. Vielleicht hat er recht? Aber ich weiß nicht, was nach dem Matschloch kommt und vielleicht ist der Bremsweg dann recht lang, also bitte ich Duncan, es im Schritt zu machen und er kommt dieser Bitte nach. Ich bin wahnsinnig stolz auf mein Pony. Nach der Kurve sehen wir Diego bestimmt schon. Aber das einzige was wir sehen ist das nächste Matschloch und das übernächste. Mein Telefon hat kein Netz. Sind wir hier überhaupt richtig? Kann Duncan im Matsch stecken bleiben? Ich werde nervös. Und zum ersten Mal kann ich spüren, wie meine Nervosität sich überträgt – Duncan wird nervös. Nein, das ist nicht gut! Ich setze mich aufrecht. Ich bin eine erwachsene Frau, erfahrene Reiterin. Duncan kann das. Es ist nur Matsch, kein Moor, er bleibt nicht stecken. Wir kriegen das hin, wir sind schon groß. Ich atme durch, Duncan atmet durch. Mein Telefon klingelt, Arnulf ist dran. Ok, wir müssen ein Stück weiter, dort warten die beiden auf uns. Vor uns liegt eine kleine Brücke, dahinter ein paar Wildhütten aus Blech, die Duncan gruselig findet, aber ich bin wieder voll da und spreche ihm Mut zu.

Vielleicht habe ich an diesem Tag wieder ein bisschen was von dem geschafft, was ich meinem Pony gern beibringen möchte: auch wenn ich selbst nervös bin, ist das keine Katastrophen-Vorhersage. Bleibe bei mir, bewege dich langsam, hör mir gut zu. Wir schaffen das, auch wenn es mal gruselig für uns beide ist. Du kannst mich unterstützen, indem du deine Aufmerksamkeit bei mir hältst. Ich unterstütze dich so gut ich kann und versuche, so wie du, die Ruhe zu bewahren.

Man kann Pferden so viele tolle Sachen beibringen. Aber in meinen Augen werden diese Momente immer die wertvollsten sein. Die Momente, in denen wir zusammenarbeiten, um ein Problem zu lösen. Die Momente, in denen ich als Mensch nicht perfekt sein muss, weil mein Pony meine Schwäche aushält und ein Stück weit ausgleichen kann, bis ich es wieder hinkriege. Und da war ein erster Schritt dazu. Duncan ist noch jung und unerfahren, natürlich kann er nicht alles alleine regeln, während ich panisch auf seinem Rücken hänge. Diego könnte das wahrscheinlich. Aber wenn ich mein Bestes gebe und versuche, meine Angst im Griff zu haben so weit es mir möglich ist, dann tut Duncan das selbe. Und das reicht, der Rest ist Lebenserfahrung, die nicht nur ihm fehlt, sondern auch mir. Unsere Ausritte sind immer gut geplant, auf sehr zivilen Wegen. Ich bin weit entfernt davon, so etwas wie eine englische Fuchsjagd zu reiten (ich sehe gelegentlich Videos davon und staune dann immer, wie wenig ich meinem Pony doch zutraue).

An Tagen wie diesen, wo wir uns durch den Matsch gekämpft haben, wird mir klar, dass ich mehr Herausforderungen suchen will. Je öfter wir solche Dinge meistern, desto sicherer werden wir und wie wir gesehen haben, kann auch die beste Planung Überraschungen nicht immer verhindern.

Früher hatte ich mal ganz andere Ambitionen, aber heute überlasse ich das Streben nach Perfektion den anderen. Lieber möchte ich mein Pony so ausbilden, dass es genau solche Situationen mit mir zusammen durchsteht. Ich möchte mein Pony so ausbilden, dass wir vor dem Matschloch gemeinsam abwägen können, was der beste Weg ist. Noch liegt die Haupt-Verantwortung bei mir, aber je erfahrener Duncan wird, desto mehr Verantwortung soll er auch übernehmen. Er tut das gern, das weiß ich. Und letztlich sind es seine Hufe, die am Boden sind, seine Beine, die er sortieren muss. Er ist der mit dem Allhufantrieb und von Natur aus viel geländegängiger als ich. Er muss nur die Gelegenheiten bekommen sich auszuprobieren und mir scheint, jetzt, mit 5,5 Jahren und einer soliden Basis, wird es Zeit, dass ich ihm diesbezüglich mehr biete, damit er seinen Teil der Aufgabe gut üben kann. Das wird auch mir wieder Mut abverlangen und ich werde mich langsam rantasten müssen, aber je mehr Herausforderungen wir bewältigen, desto sicherer werden wir.

Ich möchte mein Pony so ausbilden, dass er nachher auch dann klar kommt, wenn ich nicht mehr klar komme. Dass er mal die Führung übernehmen kann, wenn es drauf ankommt. Dass er mir sagen kann „atme, ich hab das im Griff“.

Es ist ein schmaler Grat zwischen herausfordern und überfordern, zwischen machen lassen und helfen, zwischen reinquatschen und unterstützen. Wie finde ich die Mitte? Wohl nur indem ich das Pendel nach rechts und links ausschlagen lasse. Wobei ich zugegebenermaßen fast immer auf der Seite bin, auf der ich meinem Pony zu wenig zutraue, zu viel reinquatsche und zu sehr kontrolliere. Ich versuche, mich zu bessern….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 471

Also das war ja mal wieder ein Sonntagsausflug! Fangen wir vorn an, beim üblichen Procedere: Putzen, Hufschuhe anziehen, Wackelkiste besteigen. Aber halt! Vorab habe ich noch Hufglocken über die Vorderhufe bekommen, damit ich nicht wieder Schuhe verliere. Mein Mädchen hatte beim Aufräumen nämlich noch passende entdeckt. Sie meinte, ich sehe jetzt aus wie ein Springpferd mit meinen Streichkappen hinten und den Glocken vorne.

Guter Dinge sind wir dann los. Mein Mädchen war auf der Suche nach einer längeren Galoppstrecke (juhuuuuu!) und dabei fiel ihr dieser Wald wieder ein, wo wir soooo lange nicht waren. Jedenfalls nicht mit Diego. Zwischendurch waren wir da mal mit dem Ausreitkumpel, aber das ist auch schon fast 80 Tagebucheinträge her. Und da hatten wir Stress, die Wege zu finden. Heute wollte mein Mädchen das nochmal in Ruhe angehen mit den Reitwegen.

Diese Ruhe war schon an der ersten Kreuzung dahin, da haben wir schon mal ein Hin und Her gehabt, ob wir jetzt geradeaus oder lieber links, weil da der Reitweg ist… naja. Letztlich sind wir links abgebogen, haben dann fest gestellt, dass der Reitweg nur in die falsche Richtung führt, sind dann bei nächster Gelegenheit verbotenerweise rechts. Komischerweise haben wir dort viele Hufspuren gefunden… und als wir wieder auf dem Hauptweg waren, war der plötzlich dann doch als Reitweg beschildert. Da war mein Mädchen direkt auf Zinne, weil sie das immer so aufregt: man darf nur da reiten wo ein Reitweg ausgeschildert ist, aber dann ist die Beschilderung so bekloppt, dass man die gar nicht verstehen kann! Darüber kann sie sich endlos aufregen. Kann sie, will sie aber nicht. Lieber hat sie es genossen, dass sie das beste Ponys der Welt unterm Hintern hat und sich ihres Lebens gefreut.

Eine Weile war es dann recht unspektakulär, wir sind schön getrabt und ein Stück galoppiert und mein Mädchen hat festgestellt, was ich ihr ja doch schon seit einer Ewigkeit erkläre: wenn die Abenteuer-Rate passt, bin ich ganz furchtbar artig und galoppiere genau so (langsam) wie sie das will. Dann eine kleine Graspause (man, das riecht schon so nach Frühling! Ich bin schon wieder jedem grünen Hälmchen hinterher).

Als wir dann auf einem Plattenweg unterwegs waren sagte der Mann in sarkastischem Ton „da könnten sie doch mal ein Reitwegeschild hinstellen, das sieht doch so aus wie der übliche Reitweg!“ und zeigte auf den völlig vermatschten und kaputten Streifen der links neben dem Hauptweg zu sehen war. Mein Mädchen hat grimmig gelacht. Aber dann hat sie aufgehört zu lachen und fassungslos geguckt. Weil nämlich GENAU DAS der Reitweg ist und da tatsächlich ein Reitwegeschild stand! Ok, wir haben dann versucht, diesem Weg zu folgen, weil mein Mädchen es ja nun endlich mal rausfinden wollte wo man da lang soll.

Eine Weile weiter wollten wir rechts abbiegen. Nur: wo? Da stand zwar ein Schild am Wegesrand, aber wo soll der Weg sein? Der Mann meinte, wir sollten ein Stück zurück, in den Parallelweg und dann von da über den Wall. Mein Mädchen hat gesagt, er kann ja zurück reiten, sie nimmt hier die kleine Abkürzung. Ich bin also mit meinem Mädchen über den einen Wall geklettert, dann über den anderen und ein Stück den Grasweg rein. Ob das hier wirklich der Weg sein soll? Na, wir warten Mal auf Diego und den Mann. Und dann haben wir gewartet. Und gewartet. Mein Mädchen hat dann mal gerufen und gepfiffen aber Antwort kam keine.

Wo bleiben die beiden bloß?

Schließlich meinte sie, es nützt nichts, wir gehen jetzt zurück. Also wieder über den Wall und dann versucht, den Weg nachzuvollziehen, den der Mann geritten ist. Ach, sieh an, ein Reitwegeschild! Na dann ist er wohl da lang? Mein Mädchen hat versucht ihn anzurufen, aber sie hatte kein Netz. Vor uns lag der matschigste Weg aller Zeiten aber wir haben gelegentlich Spuren von Diegos Hufschuhen erkannt (die zum Glück ziemlich einzigartig aussehen). Also war mein Mädchen guter Dinge, dass wir die beiden gleich sehen. Ich musste mich doll konzentrieren, wie und wo ich durch den tiefen Matsch komme (deswegen gibt es leider auch kein Foto!), es war wirklich eine Herausforderung! Immer mal kurz aufatmen wenn es besser wurde und dann hinein in das nächste Matschloch! Zwischendurch hat mein Mädchen nochmmal versucht zu telefonieren, aber kein Netz. Dann klingelte ihr Telefon und der Mann war dran und wollte wissen, ob es uns gut geht? Er war ein ganzes großes Stück weiter geritten, weil er dachte, wir hätten einen anderen Weg gefunden! Die Menschen hatten total aneinander vorbei geredet. Nun denn, weiter durch den Matsch. Mein Mädchen war sooooooo stolz auf mich wie ich das alles gemeistert habe! Nach einer gefühlten Ewigkeit so mutterseelenallein im Matsch haben wir Diego und den Mann gesehen. Wir haben dann erst mal eine Graspause eingelegt und die Menschen haben diskutiert, wie es weiter geht.

Die weiteren Wege waren dann gut. Bis zum Schluss, da hat mein Mädchen gesagt, wir reiten jetzt hier stur geradeaus und biegen nicht nochmal auf so einen Reitweg ab, auf dem man entweder im Matsch versinkt oder sich die Haxen bricht. Scheiß auf die Regeln, wir wollen jetzt nach hause! Nochmal schnell den Turbotrab einlegen und bis zum Hauptweg durch traben. Aber ach, trotz der Glocken hat der Turbotrab wieder getan was er nicht lassen kann: Hufschuh weg! Umdrehen! Zurück traben – zum Glück nicht so weit – Hufschuh einsammeln. Danach wollte der Mann nicht mehr traben, also im Schritt zur Wackelkiste.

Jetzt bestellt mein Mädchen Zusatzriemen für die Schuhe. Sie beißt sich noch die Zähne an dem Thema aus, glaube ich! Aber sie ist bekanntlich stur. Und sie sagt, sie hat lieber ein gesundes, munteres und fideles Pony und dafür Ärger mit den Schuhen, als dass sie keinen Ärger mit den Schuhen hat, aber dafür ein krankes Pony oder eins was keine Lust auf ausreiten hat. Richtig so, mein Mädchen, man muss die Prioritäten klar haben!

So, und nach diesen überaus aufregenden 11,7 km in knapp 2,5 Stunden brauchen wir jetzt alle etwas Erholung!

Mein Mädchen ist sowieso noch platt von gestern. Gestern abend hat sie nämlich ihr allererstes Webinar gegeben – über mich! Naja, sie sagt das stimmt nicht. Es ging um junge (Highland-)Ponys und wie man als Mensch gut mit ihnen umgehen kann. Aber auf JEDEM einzelnen Foto und Video was sie verwendet hat, war ICH zu sehen! Also ging es eben doch um mich, finde ich. Und das gefällt mir! Wollt ihr eine Aufzeichnung sehen? Schreibt an info@highlandponies.de, zahlt 10€ und dann bekommt ihr sie.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (zum Glück Matsch-tauglich!)

Wackelkisten- Tage sind die schönsten Tage! Heute war es echt anstrengend, aber ihr wisst ja, ich mag das, mich richtig auszupowern.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 470

Am Mittwoch war zwar nicht Sonntag, aber wir haben trotzdem einen Ausflug in den Wald gemacht! Ach, das war fein, ich hab mich so gefreut! Das ist unser Erinnerungswald. Da waren wir ganz oft als ich gelernt hab, mein Mädchen zu tragen. Und in dem Wald sind wir auch das erste Mal getrabt. Und überhaupt den allerersten „woanders“-Spaziergang, als ich noch winzig klein war, den haben wir auch da gemacht. Und sooooo viele schöne Ausritte!

Dann haben sie da ziemlich viel Schotter hin gekippt und wir waren eine Weile nicht da, aber jetzt wollten wir es mal wieder versuchen. Alles andere ist ja ziemlich matschig und da hat der Schotter dann doch gewisse Vorzüge. Da wir ja unsere super Hufschuhe haben, stört uns der Schotter nicht.

Aber diese Hufschuhe, die ärgern uns ja immer noch ein bisschen. Weil ich ja so ein Schmalspur-Pony bin und mir gelegentlich im Eifer des Gefechts mal mit dem einen Huf am anderen entlangschleife und dann ein Schuh abfällt. Deswegen hatte mein Mädchen beim Anziehen schon versucht, mir alte Hufglocken überzuziehen, aber die waren von ihrem Warmblüter und viiiiiiiiiel zu groß. Also sind wir wieder ohne Glocken los (sie muss dringend shoppen gehen, sagt sie). No risk, no fun! Und es kam wie es kommen musste: nach längerer Schritttour kam der erste Weg, wo wir traben konnten, und da sind wir dann ein schönes Stück getrabt, bis es zu matschig wurde und wir durchpariert haben. Der Mann hat einen kritischen Blick auf meine Füße geworfen und ….. oh nein! Schon wieder ein Hufschuh weg! Mein Mädchen war total genervt. Tja. Umdrehen, zurück traben! Schuh wieder einsammeln, anziehen, etwas enger schnallen, weiter gehts! Schön im Trab, wieder bis zu der matschigen Stelle, durchparieren, dann wurde der Weg wieder besser, also Trab. Gerade war die versprochene Graspause in Sichtweite gerückt, als von hinten der Mann rief. Oh nein! Anscheinend kann nicht nur ich Schuhe verlieren. Diesmal war es der Mann! Der hatte einen seiner Handschuhe aus der Tasche verloren. Zurück marsch, marsch! Mein Mädchen meinte, wir haben ja jetzt gesehen, dass der Weg da ok ist, also Zeit für einen kleinen Galopp! Sie hat gesagt, ich soll langsam galoppieren. Ich hab kurz nachgedacht, mich an letztes Mal erinnert und mir dann gedacht: lieber so langsam galoppieren wie eine Schnecke als wieder Ärger bekommen. Da war sie sehr zufrieden mit mir und hat mich doll gelobt! Mädchen, Diego ist hinter uns getrabt und trotzdem mitgekommen, also schnell waren wir nicht….. aber sie meint, das macht nichts, beschleunigen können wir später immer noch. Ich hab wirklich, wirklich das langsamste Mädchen unter der Sonne erwischt! Wenn ich nicht so ein Gentleman wäre…

Wir mussten weit zurück, nämlich ziemlich genau bis zu dem Punkt, wo es so matschig war und aufgefallen war, dass mein Hufschuh fehlt! Ach herrje! Jetzt waren wir so viel hin und her geritten, dass wir schon viel mehr Kilometer auf der Uhr hatten, als geplant. Also haben die Menschen beschlossen, die Runde von hier aus abzukürzen. Das heißt: keine Graspause! Denn wir waren die ganze Zeit im Wald und da ist selten was zu finden, schon gar nicht um diese Jahreszeit, und an der leckeren Stelle sind wir nun gar nicht vorbei gekommen. Och menno.

Weiter ging es und wir haben fleißig geübt, was mein Mädchen sich vorgenommen hatte, nämlich Tempo-Unterschiede im Trab. Laaaaaaangsam (warum?) und „voran!“. Ja, voran kann ich! Aber dieses langsame Traben macht im Gelände nicht so viel Sinn oder? Naja, ich habe es gemacht, weil ich so ein Guter bin. Diego hat auch mitgemacht.

Dann hörten wir ein Fahrzeug. Der Wald ist normalerweise wie leer gefegt, was ist da jetzt los? Da war einer dabei, Baumstämme aufzuladen. Das haben wir uns von weitem erst mal schön angeschaut. Der greift mit seinem großen gelben Maul einen Baumstamm (wie so ein Hund!) und dann hebt er den Baumstamm hoch und legt ihn auf der Ladefläche wieder ab – alles mit viel Gewackel und Geschlenker. Als ich genug geschaut hatte, sind wir darauf zu geritten – ich bin vorne weg gegangen! – und der nette Mensch auf dem Gerät hat den Motor irgendwie halb ausgemacht, es war jedenfalls sehr viel leiser. Ich bin wie ein Großer daran vorbei marschiert – zack! Mädchen stolz!

Mutig voran! Kann ich.

Dann noch ein frischer kleiner Galopp – erst ich vorneweg und dann hat Diego überholt. Zack!- Mädchen schon wieder stolz, weil mich das Überholen nicht aufgeregt hat! Etwas Schritt zum Verschnaufen – Diego ist der Schweiß aus dem Pelz getropft, der Arme muss dringend nachgeschoren werden! Bei mir ging es, ich bin ja teilentpelzt. An der Grillhütte noch ein kleiner Grassnack – naja viel war da nicht zu holen aber ein paar grüne Halme – und dann ab nach hause. 11,2 km haben wir geschafft mit dem ganzen Hin und Her (geplant waren 10). Die App hat gesagt, ich hätte heute 5,5km/h im Schritt geschafft, das ist ein neuer Rekord! Allerdings lügt sie wohl ein bisschen, denn für Trab sagt sie 10,2 km/h (kann sein) und für Galopp 7,3km/h, das wäre ja dann doch sehr langsam gewesen. Da stimmt irgendwas nicht. Naja, so genau ist das Ding dann wohl doch nicht. Als Spitzengeschwindigkeit hat die App jedenfalls runde 12 km/h angezeigt und das, mein Mädchen, ist kein Galopptempo! Ich muss ihr das wirklich beibringen.

Meinem Mädchen sind die km/h nicht so wichtig, die lässt sie sich nur aus Interesse zeigen und damit sie einen Distanzritt planen kann. Entscheidend ist, dass ich wieder alles großartig richtig gemacht habe! Und ich bin sehr zufrieden, weil ich mich endlich mal wieder richtig auspowern konnte. Aaaaaaah das hat gut getan! Ich hoffe wir machen das jetzt bald wieder regelmäßig.

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Ansprüche

Ich war ja bisher nie so der Fan vom Longieren. Meine Ponys haben das immer als sinnbefreit empfunden und ich konnte das gut verstehen. Aber Duncan sieht das anders: er läuft gern an der Longe. Und also machen wir das regelmäßig und haben über die Jahre eine gute Kommunikation entwickelt. Duncan kann schon eine Menge schöner Übergänge (aus dem Halten antraben, aus dem Schritt angaloppieren, aus dem Galopp in den Schritt usw) und er beherrscht im Schritt und im Trab „laaaaaangsam“ und „voran“ als Unterscheidung des Tempos. Handwechsel und Rückwärtsgehen gehören in unser Progarmm, er weiß, wie weit er raus gehen soll und dass er niemals an der Longe ziehen soll. Wir longieren Volten, Geraden, Zirkel verkleinern und vergrößern, um Hütchen, über Stangen usw.

Die anderen Ponys longiere ich nie. Aber jetzt, wo Diego wirklich dringend neue Muskeln braucht und ich da nicht dauernd auch noch draufsitzen will, hat ihn das Longier-Schicksal ereilt. Es ist einfach die beste Art, schnell ein bisschen Grundmuskulatur wieder aufzubauen, finde ich. Nun ist das Problem, dass Diego zwar weiß, wie longieren geht, es aber bei uns – also seit fast 12 Jahren – eigentlich nie gemacht hat. Von einer feinen Kommunikation wie mit Duncan kann daher keine Rede sein. Außerdem ist Diego auf unserem recht kleinen Reitplatz herausgefordert: für ihn, mit seinem hohen Schwerpunkt und seiner Überbeweglichkeit, ist es viel schwieriger, die Kurve korrekt zu kriegen, als für den kleinen, kompakt-kurzen, stabilen Ritter. Zumal ihm ja genau jene Muskulatur gerade fehlt, die er dafür braucht.

Hätte ich alles vorher wissen können. Bzw wissen sollen. Stattdessen habe ich Diego unbedarft an die Longe genommen und gemeint, er könnte das doch jetzt mal machen. Und er müsste das jetzt mal tun, wegen der Muskeln. Und dann war das alles Mist. Und es wurde immer mistiger. Diego zog nach außen, ich war sauer, er war sauer und von schönem Training war keine Rede.

Als ich nachher darüber nachdachte, was da wohl passiert ist, wurde mir klar: meine Ansprüche waren viel zu hoch. Weil Diego immer der Große ist, der alles besser kann als Duncan, habe ich automatisch unbewusst geschlussfolgert, dass er das an der Longe genauso gut kann wie Duncan. Aber woher denn, wenn wir es nie mit ihm geübt haben? Was für eine dumme Annahme. Also fange ich jetzt eben von vorne an. Habe ihm einen Gurt gekauft, nehme ihn an die Doppellonge und erarbeite mir Schritt für Schritt das, was ich mir mit Duncan ja auch Schritt für Schritt erarbeitet habe. Das ist ja gar kein Problem!

Ich nehme das als Warnschuss für mich. Denn bisher war Duncan immer „der Kleine“. Mir war klar, dass er nichts kann, was ich nicht mit ihm geübt habe. Aber bei erwachsenen Pferden gehen wir viel zu oft davon aus, dass sie dieses oder jenes einfach können. Das liegt sicher auch daran, dass ein erfahrenes Pferd mit guter Grundausbildung die meisten Aufgaben auf Anhieb gut lösen kann. Weil Pferde eben einfach schlau sind und oft richtig raten, trotz mangelhafter Übung und schlechter Hilfestellung unsererseits. Aber es ist nicht fair, sie in Situationen zu bringen, in denen sie sich nicht auskennen, und dann raten zu lassen. Und jetzt, wo mein Ritter langsam erwachsen ist, möchte ich das im Kopf behalten. Jede neue Situation ist eine Übungssituation. Ja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er gute und richtige Entscheidungen trifft. Es ist mein Job, ihm dann rückzumelden, welche Entscheidungen ich toll finde. Und es ist mein Job, ihm zu helfen, wenn er sich nicht auskennt. Es ist mein Job, die Aufgabe möglichst so zu wählen, dass er sie gut bewältigen kann.

Neben Missverständnissen und Unwissenheit kommen oft auch körperliche Schwierigkeiten dazu, die wir Menschen komplett unterschätzen. An der Longe im Kreis laufen, kann doch nicht so schwer sein, oder? Ein Pferd müsste das doch können – um die Kurve laufen. Auf der Koppel schafft er das doch auch! Aber auf der Koppel kann das Pferd alles selbst entscheiden: Geschwindigkeit, Kurvenlage, Stellung/Biegung. Und auch da können wir oft sehen, wie Pferde unelegant irgendwo längs schroten und im Zweifel noch wegrutschen oder in den Zaun knallen. Pferde sind nicht unbedingt für Kurven gebaut. Sobald aber der Mensch ins Spiel kommt, sollen sie lernen, die Kurven vernünftig zu laufen, nämlich so, dass kein Bein übermäßig belastet wird und der Reiter im Schwerpunkt sitzen kann. Und das will nunmal gelernt sein. Und ein Pferd wie Diego, der das mit Reiter durchaus beherrscht, kann dann trotzdem an der Longe recht verloren sein, weil die einrahmenden Hilfen von oben fehlen und stattdessen die Longe am Kopf das Gleichgewicht empfindlich stört.

Und während wir all solche Dinge verlangen, nehmen wir den Pferden gleichzeitig die Möglichkeit, sich selbst gut zu trainieren. Auf unseren stinklangweiligen, meist sehr ebenen Weiden und Paddocks (ganz zu schweigen von Boxen) haben sie keine Möglichkeit, sich mal in Ruhe mit ihrem Körper auseinanderzusetzen. Deswegen hat der Ritter bei mir von Anfang an Wippe, Matratze und Hangtraining kennengelernt. Wieder ist es also mein Job: dafür zu sorgen, dass er sein Gleichgewicht üben kann in möglichst vielen verschiedenen Situationen. Dafür zu sorgen, dass ich ihn möglichst wenig störe in seiner Balance. Dafür zu sorgen, dass ich keine Aufgabe stelle, die er aus körperlichen Gründen gar nicht lösen kann.

Ein Leben lang bleibt das mein Job, egal wie gut mein Pferd geworden ist. Ich bin verantwortlich, denn mein Pferd ist mir ausgeliefert in einer Welt, die seiner Natur nicht entspricht. Wenn ich meinen Job ernst nehme und gut mache, können wir zusammen eine Menge Spaß haben. Wenn ich meinen Job vernachlässigt habe, so wie bei Diego an der Longe, entschuldige ich mich und mache es dann besser. Mein Anspruch an meine Ponys ist wahnsinnig hoch, das weiß ich. Und die Ponys sind mehr als bereit, meine Ansprüche zu erfüllen, wenn ich meinen Teil der Arbeit richtig mache: sie vorbereiten, ausbilden und nichts jemals als gegeben hinnehmen, sondern immer bereit sein, zu helfen oder einen (oder mehrere) Schritt zurückzugehen. Egal, wie alt mein Pony ist.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 469

„Hat hier ein Schotte Lust auf ein Abenteuer?“ hat mein Mädchen in den Stall gefragt. Ich war gerade beim Staubsaugen (letzte Halme Heu zusammenklauben), aber als ich den Satz gehört hab, bin ich natürlich sofort zur Tür! Klar hab ich Lust auf ein Abenteuer! Also ab in die Wackelkiste und zum Schimmelfreund! Und jetzt passt gut auf, denn jetzt wird es kompliziert: der Schimmelfreund hat ja auch Kumpel, nämlich ein Exmoorpony und einen Schimmelfreund! Und mit dem sind wir heute ausreiten gewesen – also mit dem Schimmelfreund vom Schimmelfreund.

Das Mädchen von den beiden Schimmelfreunden war schon gleich hellauf begeistert, weil ich einfach ganz still angebunden am Anhänger gewartet habe, während mein Mädchen mich gesattelt und sich selbst angezogen hat. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, sie soll sich mal nicht täuschen lassen, ich wäre schon aufgeregt! Aber das Mädchen vom Schimmelfreund meinte, dann würde ich das ja wohl voll gut wegatmen. „Deswegen hab ich Ponys!“ sagt mein Mädchen. Aber da hab ich sie streng angeschaut! Sie findet Ponys nämlich immer genau so lange toll, bis ich meiner Pony-Natur folge und den nächsten grünen Halm anvisiere! Dann sagt sie plötzlich Dinge wie „verfressen“ und „wehe wenn der Schotte was zu essen sieht – oder auch nur was, was er für essbar hält“. Aber, mein Mädchen, ein Pony ist ein Pony ist ein Pony! Man kann nunmal das eine nicht ohne das andere haben, isso! Und jetzt gib mir einen Keks, schließlich mache ich das hier gerade wirklich großartig, obwohl ich aufgeregt bin!

Die Menschen sind dann aufgestiegen und es ging los! Während ich so ganz konzentriert darauf war, alles richtig zu machen (und das auch gut hingekriegt habe), ist das Mädchen vom Schimmelfreund plötzlich abgestiegen, der war nämlich etwas „arabisch“ und tänzelte da herum. Ich hingegen – Vorteile des Ponys! – bin ganz super artig weiter geradeaus gegangen und habe so getan als würde mich das nur sehr peripher tangieren. Nach einer Weile hatte der Schimmelfreund vom Schimmelfreund sich abgeregt und sein Mädchen ist wieder aufgestiegen. Danach sind wir ganz gepflegt zu dritt im Schritt eine kleine Runde gegangen .

Zwischendurch kam nochmal die Ente des Grauens ins Spiel, aber ich habe mich doll zusammengerissen und fleißig weiter geatmet, keinen Hopser gemacht und mir dafür auch wieder direkt einen Keks geben lassen. Kurz danach mussten wir über eine Holzbrücke, da ist mein Mädchen lieber nochmal abgestiegen. Ihr Kopf macht ja dann so Sachen und sie malt sich aus, wie die Ente des Grauens direkt unter der Brücke auffliegt, ich mich erschrecke, einen winzigen Hopser mache, auf dem feuchten Holz ausrutsche und dann das Unheil seinen Lauf nimmt. Quatsch, Mädchen, ich hätte das gekonnt! Aber sie wollte lieber neben mir sein. Nach der Brücke ist sie dann einfach wieder auf meinen Rücken gehopst – kleine Ponys haben große Vorteile!

Ein Stück weiter stand eine nette Frau am Wegesrand, die dieses schöne Foto von uns gemacht hat! Die nette Frau war das Mädchen vom Kumpel von den beiden Schimmelfreunden – das Exmoorpony. Ich weiß, ich weiß, mit den Verwandschaftsverhältnissen wird das hier immer komplizierter! Ich blicke da auch nicht immer ganz durch. Ist ja auch nicht so wichtig, wichtig war für mich vor allem, dass sie sofort schockverliebt in mich war und ich mit ihr flirten durfte, während mein Mädchen Fragen über mich beantwortet hat.

Zu dritt auf Tour! Schön war das.

Als wir fertig waren mit flirten, ging es weiter. Diego immer vorneweg. Und dann ist was passiert, was ich noch nie erlebt habe: Diego hat sich plötzlich gefürchtet und wollte nicht weiter gehen! Rechts neben dem Weg lag etwas auf der Wiese, was in seinen Augen aussah wie eine Hydra! Es hatte viel zu viele Köpfe! Der Mann hat angefangen zu lachen, Diego hat eine kleine Runde gedreht, der Schimmelfreund und ich haben angemerkt, dass etwas, was Diego Angst einjagt, definitiv zu gefährlich ist, um daran vorbei zu gehen, da kam Diego von hinten, hatte seinen ganzen Mut gesammelt und ist an der Hydra vorbei gegangen. Stellt sich raus: es waren nur kleine Baby-Schafe, die da schlafend zusammengekuschelt lagen. Aber man kann als Pony einfach nicht vorsichtig genug sein! Ich bin froh, dass Diego so verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen ist.

Etwas weiter sind wir noch an einer gruseligen Stelle vorbei gekommen, wo unter uns ein Wasserfall war. Die beiden anderen hat das nicht interessiert, aber ich war doch ein bisschen im Zweifel, ob ich da so einfach weitergehen kann. Mein Mädchen hat gesagt „wir schaffen das, wir sind schon groß!“ und hat so getan als wäre sie sich da ganz sicher. Und ich hab dann auch einfach so getan als wäre ich mir sicher. Ich bin nämlich ein guter Schauspieler geworden! Wenn man so tut als wäre man sich sicher, passiert auch nix schlimmes, habe ich fest gestellt.

Nach gut 3km waren wir dann auch schon wieder zurück. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir, weil ich alles richtig gemacht hab. Mein Kopf hat eine Menge Eindrücke zu verarbeiten und ich hab wieder viele Dinge gesehen und gehört, die man so als Pony mal gesehen und gehört haben sollte. Die Liste an ungefährlichen Situationen wird länger und die an vielleicht gefährlichen entsprechend kürzer. Was auch länger wird: die Liste mit den Ausreitkumpels!

Morgen ist hoffentlich ein Romantik-Ausflug dran, dann kann mein Körper sich austoben während der Kopf nicht viel zu tun hat.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den vielen Ausreitfreunden