Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 539

Montagsausflug! Los, los, mein Mädchen! Ich muss schnell in die Wackelkiste erst zu dem leckeren Heu da drin und dann zum Rennen! Aber mein Mädchen wollte wieder erst bürsten, Hufe auskratzen, einsprühen…. immer dieses Tammtamm!

Dann aber. Rein in die gute Kiste, Ausreitkumpel abholen. Mein Ausreitkumpel hat eine harte Zeit – sagt er. Sein Mädchen hat nämlich Urlaub und hat ihn auf große Touren geschleift – da bin ich etwas neidisch! Am Sonntag waren er und sein Kumpel 24km unterwegs! Tja, aber alles hat seine Nachteile: jetzt hat er Scheuerstellen von seinen Hufschuhen. Also muss er ohne Schuhe laufen. Mein Mädchen hat also extra eine Strecke ausgeheckt, die ohne Schuhe gut geht, ich war dann auch ohne unterwegs. (Das spart etwas Tammtamm vor der Abfahrt).

Mein Ausreitkumpel war plötzlich vorne – hä? Was ist denn mit dem los? Seit wann übernimmt er denn Verantwortung? Na mir soll es recht sein. Trab! Mein Dieselmotor muss ja immer erst warmlaufen. Dann wurde er warm und mein Ausreitkumpel auch. Der kann sooooo schnell traben! Weil sein Freund, das schnellste Pony der Welt, so irre schnell ist, hat mein Ausreitkumpel gutes Tempo-Training. Mein Pech, denn mein Mädchen meint jetzt, ich könnte auch lernen, schneller zu traben anstatt immer zu galoppieren. Nur: warum? Galoppieren macht doch viel mehr Spaß! Nein, war nicht erlaubt. Menno.

Huch? Seit wann läuft er da vorne?

Die letzten Wochen war mein Mädchen so schön pflegeleicht geworden. Ich durfte laufen, sie hat die Klappe gehalten (im Wesentlichen). Aber jetzt hat sie wieder so Ansprüche. Und weil wir gestern nur eine kleine Tour gemacht haben (mein Ausreitkumpel hatte ja Sonntag so eine große, tolle Abenteuertour und sollte nicht gleich wieder so viele Kilometer laufen müssen), meinte mein Mädchen das sei gut zum üben.

Wir sind nochmal den Weg geritten, den wir mit Herrn Fjord gefunden hatten. Der ist wunderschön und jetzt waren wir ja auch gewarnt und wussten, dass der einmal im Kreis führt und man dann wieder ziemlich genau da ist wo man angefangen hat. Aber es ist ein schöner Kreis – bis auf den Hof, über man rüber laufen muss. Der ist gruselig. Mein Mädchen ist diesmal einfach abgestiegen und vorneweg marschiert, das war mir ganz recht. Mein Ausreitkumpel fand es nämlich auch recht gruselig da.

Der Ausflug war recht ereignislos und mir war das alles zu wenig Galopp. Wir sind dann doch noch ein Stück galoppiert, auch weil mein Mädchen wissen wollte, ob ich den Rechtsgalopp wieder finde, nachdem der Mann mich geradegerückt hat. Ich habe ihn gefunden, wenn auch nicht im ersten Anlauf. Und der Rechtsgalopp ist noch ganz schön schwierig finde ich, mein Mädchen sagt ich bin ganz flach und schräg, da müssen wir noch viele Kringel üben, bis das wieder besser geht.

Gegen Ende war ich etwas entnervt. Wir sind schon wieder zurück an der Wackelkiste und ich hatte nur ein paar Meterchen Galopp, was soll das? Außerdem wollte mein Mädchen wieder so viel bestimmen. Dabei hatte ich sie mir schon so gut erzogen, dass sie mich ein bisschen mehr machen lässt. Naja, es ist wohl wie sie sagt: Rückschritte gehören zur Ausbildung dazu. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gelacht und gesagt, ich hätte wieder dieses motzige Gesicht. So wie damals. Aber auch da lag es nicht an mir, sondern an meinem Mädchen und ihren unnötigen Regeln, das möchte ich mal in aller Deutlichkeit feststellen!

Als wir nach 10,5km schon wieder an der Wackelkiste standen (ich hab mich doch gerade erst warmgelaufen!), hatte mein Ausreitkumpel noch die glorreiche Idee, seinen juckenden Kopf an meinem Hintern zu scheuern. Da bin ich mal ganz dezent ausgeflippt und hab ihm auch ein paar gescheuert – mit meinen Hinterhufen. Der spinnt doch! Ich wollte auch gern nochmal nachsetzen aber das gab Ärger von den Mädchen. Die haben gesagt, ich hätte schon recht, dass das frech war, aber nachtreten tut man nicht. Ich war grummelig. Angeblich hab ich wieder Pubertät. Dabei durfte ich nur nicht genug laufen.

Euer grummeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 538

Geburtstaaaaaaag! Also eigentlich hatte ich ja schon gestern Geburtstag. Ich bin 6 Jahre alt geworden! Das ist – sagt mein Mädchen – das Alter ab dem sie mich als „erwachsen“ betrachtet. So ganz „fertig“ bin ich zwar noch nicht, wahrscheinlich werde ich auch noch 2 Jahre lang ein bisschen weiter wachsen, aber sie sagt, ich bin jetzt so wie ihr Menschen mit 18.

Man, was hab ich lange auf dieses Erwachsenwerden gewartet! Manchmal hab ich gedacht, es passiert nie. Aber in den letzten Jahren, ganz besonders in den letzten Monaten, haben wir so viele tolle Abenteuer erlebt, dass die Zeit wie im Galopp vergangen ist. Und mein Mädchen meint, ich habe eigentlich schon seit ein paar Wochen bewiesen, dass ich erwachsen bin. Ok, am Mittwoch hatten wir eine kleine Panne, das war aber nicht allein meine Schuld, sondern auch die meines Mädchens, das sieht sie auch ein. Fehler machen wir halt alle mal und wenn sie und ich gleichzeitig Fehler machen, geht auch mal was schief. Aber insgesamt habe ich es schon voll raus.

Gestern hat mein Mädchen den ganzen Tag gearbeitet und kam mit Kopfschmerzen nach hause, weil es soooo schwül war. Deswegen haben wir nur ein bisschen gewippt und sie hat gesagt, die Geburtstags-Party holen wir heute nach. Es wurde ein Möhren-Geburtstags-Tisch für uns alle bereitet, über den wir uns hermachen durften. Leckerleckerlecker!

Möhrenparty mit der ganzen Familie

Später haben wir noch Doppellonge gemacht. Weil ich so gewachsen bin, ist mein Körper wieder durcheinander gekommen und ich muss wieder neu lernen, wie der funktioniert. Und weil mein Mädchen und ich am Mittwoch diese Panne hatten, hat mein Mädchen beschlossen, dass wir eine Abenteuer-Pause einlegen. Keine wilden Sachen, keine Ausritte mit fremden Pferden, keine Ausritte allein. Mit Diego können wir ja im Moment nicht los, wegen seinem Bein. Wir machen also langsam. Einfach erstmal wieder zurückkehren zur Grundgymnastik und von da neu starten. Naaaaaaa gut. Ich weiß ja jetzt auch, dass sie genug Abenteuer liefert, da kann ich auch damit leben, wenn wir mal eine Weile ein bisschen kürzer treten. Und der Ausreitkumpel steht ja zum Glück trotzdem parat.

Nach der Doppellongen-Einheit hat der Mann mich noch osteopathisch behandelt. Das war bitter nötig, denn ich war krumm und schief hintenrum. Kein Wunder, dass es mit dem Rechtsgalopp nicht klappen will! Jetzt bin ich wieder geradegerückt, muss aber die Tage wohl nochmal zur Nachbehandlung antreten. Mein Mädchen sagt, das ist noch ein Grund mehr, wieder mehr Gymnastik-Einheiten einzubauen.

So, ihr wisst ja schon, was ich mir traditionell von euch zum Geburtstag wünsche: bitte denkt mal an meine armen Kollegen weiter östlich! Die haben nicht so ein schönes Leben wie ich mit Geburtstags-Party und Abenteuer-Ausflügen, die müssen schuften und werden oft nicht so gut versorgt. Zum Glück gibt es liebe Menschen, die ihnen helfen und die können dafür jeden Euro gut gebrauchen! Also öffnet eure Herzen und Portmonees und überweist eine Kleinigkeit an equiwent.org

Danke!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (6 Jahre alt!!)

Fehlertoleranz

Wenn ich unerfahrene Menschen am Pferd sehe, wundere ich mich oft, dass nicht viel öfter etwas schief geht. Die Pferde retten uns Menschen wieder und wieder, obwohl wir so unglaublich viele Fehler machen. Manche Fehler passieren aus Unwissenheit, einige aus Unachtsamkeit, weil man es gerade eilig hat oder abgelenkt ist. Manche passieren, weil wir eben Menschen sind, eine lange Reaktionszeit und (im Vergleich zum Pferd) ziemlich stumpfe Sinne haben. Viele Fehler passieren, weil wir so Hand-orientiert sind in unserem Tun und manche passieren aus Selbstüberschätzung. Die Liste der Möglichkeiten ist bestimmt noch viel länger. Dass es fast immer gut geht, ist oft den Pferden geschuldet, die Unmögliches möglich machen um uns zu beschützen. Oft haben die Tiere eine hohe Fehlertoleranz und machen auch dann noch das Richtige, wenn die Informationen, die sie bekommen, nur wenig verständlich sind.

Duncan hat neulich mit einem kompletten Pferde-Neuling eine erste Doppellongen-Einheit gemacht und bewiesen, wie gut er menschliche Unklarheit tolerieren kann und sich zu helfen weiß (in diesem Fall meistens, indem er bei mir nachgefragt hat, was ja völlig legitim und sogar sehr schlau ist).

Aber gestern war es dann doch zu viel – ich hatte einfach zu viele Fehler gemacht. Das Wetter nicht beachtet, mein Timing total im Eimer und mir meiner Sache zu sicher – das endete darin, dass mein Pony ohne mich mit wehendem Strick vom Nachbarn nach hause galoppierte. Wir wollten nur eben zu Fuß rüber gehen und üben, dass es da nicht gruselig ist. Das war wohl nix.

Wenn dann so eine Panne passiert ist, ist mir am Anfang nur eins klar: ich muss etwas falsch gemacht haben. Aber was? Dann fallen mir oft ein, zwei kleine Faktoren ein (in diesem Fall der Wetterumschwung von heiß auf kühl und windig mit Temperatursturz von 10 Grad). Aber nur das Wetter kann es bei Duncan nicht sein. Also muss ich noch was falsch gemacht haben. Aber was? Mir hilft, darüber zu reden. Mit mehreren Leuten, die verschiedene Meinungen dazu haben. Meistens brauche ich weniger den Rat, was ich üben kann, sondern eine gute Analyse dessen, was schief gegangen ist. Denn daraus ergibt sich, was ich üben kann. Und wenn ich mit drei Leuten gesprochen habe, die drei verschiedene Ansichten dazu haben, woraus sich 6 verschiedene Übungen ergeben und mir fallen dann auch noch 2 Übungen ein, dann kann ich 8 Dinge üben, damit die Fehlertoleranz meines Ponys weiter steigt. Das wiederum gibt mir die Sicherheit, dass ich das Problem von allen Seiten angehen und letztlich lösen kann.

Vorher muss ich aber meinen Frust abbauen. Bisschen heulen, bisschen jammern, mich total unfähig fühlen. Nützt nix, das muss ich erst erledigen, bevor ich wieder klar denken kann. Danach gehe ich zu meinem Pony und versuche mich im Freedom Based Training oder irgendeiner Art des einfachen Zusammenseins ohne Anspruch. Ich checke die Lage und er tut das auch. Das beiden anderen Male, die er mir wirklich weggelaufen ist, sind lange her, aber auch damals hat er dieses Verhalten gezeigt: er kommt dann sehr freundlich zu mir, sucht nach meiner Nähe und nach Harmonie, ist viel kuscheliger als sonst. Ich kann nur vermuten, warum das so ist, aber es war jetzt jedenfalls wieder so und ich behaupte mal, dass es bedeutet, dass er mir nicht böse ist. Er läuft nicht vor mir weg, sondern er kommt und stellt Verbindung her, das ist doch schon mal gut. Und es beruhigt meine Nerven auch direkt wieder.

Danach geht es dann also ans Üben. In unserem Fall

  • ich übe mal wieder mein Timing
  • ich mache mir (mal wieder) klar, dass mein Pony möchte, dass ich die Umgebung im Blick behalte, anstatt entspannt in Harmonie mit ihm zu stehen
  • ich mache Führübungen, bei denen ich die Situation in Zeitlupe nachstelle
  • ich werde üben, Freiarbeit zu machen, während der Strick auf dem Boden hängt und ihn „verfolgt“ (denn der wehende Strick hat ihn wohl zusätzlich noch beschleunigt)
  • ich übe im Freedom Based Training weiterhin daran, dass er beim Grasen nicht alles um sich herum vergisst
  • ich übe für mich, ihn beim Grasen draußen immer wieder zu unterbrechen und ihn aufzufordern, seine Umgebung wahrzunehmen (das klingt so leicht und fällt mir so schwer und bestimmt werde ich es oft vergessen oder nicht wollen…. )
  • ich übe ganz von vorn, dass wir allein vom Hof gehen und fange diesbezüglich bei Null wieder an (und ich Dummerchen dachte, wir gehen alsbald wirklich allein ausreiten….. )
  • ich lerne, mein Pony noch besser zu lesen und seine Anspannung noch früher zu erkennen bzw ernster zu nehmen (gesehen hatte ich es, aber ich dachte „das geht schon“)

Achja, es gibt immer viel zu tun.

Abends, in der zweiten Doppellongen-Einheit mit besagtem Pferde-Neuling hat Duncan schon sehr viel mehr auf ihn geachtet als beim ersten Versuch. Der Mensch war sehr viel klarer und Duncan konnte ihn besser verstehen. Dennoch fiel seiner Freundin, die zuschaute, auf, dass Duncan mir immer kleine Seitenblicke zuwarf um sich abzusichern, dass das alles richtig ist. Nachher sagte sie zu mir „ich will, dass mein Pony das auch tut“ und ich fühlte mich ein bisschen geehrt. Denn Duncan hatte klar gezeigt, dass er mich als kompetent betrachtet, und das obwohl ich wenige Stunden zuvor meine Inkompetenz unter Beweis gestellt hatte. Jetzt liegt es an mir, ihm zu zeigen, dass ich lernfähig bin. Er hingegen kann hoffentlich seine Fehlertoleranz noch ausbauen, damit er mir nie wieder weglaufen muss, auch wenn ich machmal sehr dummes Zeug mache. Das wäre toll (und entbindet mich natürlich nicht von meiner Pflicht, weniger dummes Zeug zu machen).

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 537

Montagsausflug! Und das war mal wieder die Deluxe-Edition. Mein Mädchen hatte der Wegeplanung gefrönt, das liebt sie ja so. Auf Karten rum gucken und was aushecken. Und dann weiß man ja nie, wo man so landet!

Wir sind an einen Ort gefahren den ich kenne, aber wo ich sehr lange nicht war. Wie wir gerade dabei sind aus der Wackelkiste auszusteigen, mein Ausreitkumpel und ich, da ging das Abenteuer schon los: Eine Herde Schafe wurde gerade direkt an uns vorbei getrieben! Wir tapferen Ponys haben uns das angeschaut und wenn ein Schaf uns zu nah kam, hat das Mädchen vom Ausreitkumpel es direkt weggescheucht. Am Ende der Reihe, als sie alle vorbei waren, ist mein Ausreitkumpel mit seinem Mädchen hinter den Schafen her – und mein Mädchen und ich gleich mit. Los, Mädchen, schneller! Die schaffen wir!

Nachdem die Schafe um die Ecke gebogen waren, ging es dann ans Satteln und los. Wir waren guter Dinge und haben erstmal festgestellt, dass das Mädchen vom Ausreitkumpel – ganz in lila gekleidet – perfekt zu der blühenden Heide passte.

Wunderschöne Heideblüte

Alsbald ging es im Trab über einen schönen kleinen Grasweg und als wir dann auf den Plattenweg kamen, sind wir munter angaloppiert. Ich natürlich immer vorneweg, weil mein Ausreitkumpel ja nur zu gern die Verantwortung an mich abgibt. Wir hatten schöne Wege zu reiten, die mein Mädchen und ich auch schon kannten, bis wir dann an einer Stelle rechts abgebogen sind. Da kannten wir uns dann nicht mehr aus. Es ging über die Bahnschienen – bisschen gruselig fanden wir Ponys das ja schon! – und dann Richtung See.

Bahnschienen….

Jetzt wurde es richtig spannend, denn plötzlich standen wir vor einer Holzbrücke! Da haben wir ein bisschen dumm geguckt. Unter der Brücke gurgelte das Wasser sehr, sehr laut. Die Mädchen sind erstmal abgestiegen und haben sich das angeschaut. Sah aber stabil aus. Mein Mädchen ist dann auf die Brücke gegangen und hat darauf herum gestampft. Das hat keine verdächtigen Geräusche gemacht und also hat sie mich angeschaut und gesagt „das schaffen wir“. Ich bin ja so ein Guter, ich bin einfach rüber marschiert (und das obwohl Brücken echt mal ein Thema waren für mich!). Und mein Ausreitkumpel mit seinem Mädchen hinterher. Die Mädchen haben uns gefeiert ohne Ende.

…. Abenteuer pur!

Aber der Weg ging jetzt erst so richtig los! Es war alles nur ein Pony breit, rechts ein Abgrund Richtung See, links Stacheldraht. Die Mädchen sind lieber zu Fuß gegangen und haben gebetet, dass der Weg überhaupt weiter geht. Ging er! Mein Mädchen hat ständig ängstlich auf den Stacheldraht nach links geschielt, während das Mädchen vom Ausreitkumpel den Abgrund zu unserer rechten sehr viel schlimmer fand. Und wenn die sich schon mal fürchtet, dann ist es ernst, das sage ich euch!

Sieht harmloser aus als es ist

Als wir dann wieder in der Zivilisation ankamen, waren wir doch ein bisschen erleichtert. Wobei auch die Zivilisation ja so ihre Tücken hat: Autofahrer halten nichts davon, Abstand zu halten oder zu bremsen, wenn sie uns Ponys sehen, und dann kamen da auch schon wieder die Bahnschienen.

Aber danach wurde es wieder ruhiger. Naja, an einer Stelle war dann ein Weg einfach nicht mehr da, obwohl er auf der Karte noch existiert, aber das war kein Problem, da konnten wir einen kleinen Extra-Schlenker einlegen. Während wir auf dem kleinen Sträßchen so unterwegs sind kommt von hinten ein Trecker mit Anhänger in Höchstgeschwindigkeit angerast. Mein Mädchen hat mich nach rechts an den Rand gelenkt und mir gesagt, dass wir stehen oder langsam weiter gehen können, wie ich mag. Ich bin erstmal weiter gegangen und als der Trecker dann direkt neben uns war, hab ich angehalten und mir einen Keks geben lassen. Gefürchtet hab ich mich nicht, aber die Gelegenheit war so günstig…. mein Ausreitkumpel hat das auch alles gelassen hingenommen, der hat auch kapiert, dass Anhalten und Keks kassieren so viel besser ist als alles andere. Zack! – Beide Mädchen stolz.  

Dann waren wir endlich wieder auf Plattenwegen. Wir hatten jetzt ungefähr 10 km hinter uns, aber ich war noch frisch und putzmunter. Mein Mädchen hat sich gefreut, weil ich nicht nur „Sprit im Tank“ hatte, sondern auch mein Kopf noch wach war, trotz (oder wegen?) der vielen Erlebnisse die wir schon hatten und all der fremden Wege. Also nochmal los im Galopp! Rechtsgalopp hat leider nicht geklappt, also war es eben immer Linksgalopp. Fand mein Mädchen blöde, aber war so. Ich wachse immer noch so leise vor mich hin und da geht manchmal eben nicht alles. Aber laufen ging! Nur hatte ich jetzt so ein bisschen ein Entscheidungsproblem. Ich wollte noch laufen, musste aber auch irgendwie mal pieschen, wollte was trinken und natürlich essen. Leider, leider geht nicht alles gleichzeitig, musste ich feststellen. Bei Kilometer 15 war mein Mädchen von meiner Unentschlossenheit so genervt, dass sie mir eine Zwangspause verordnet hat. Grasen, Puls messen, entspannen. Puls war bei 88, ging fix runter auf 74. Danach waren wir mit Pieschen beschäftigt und sie hat vergessen nochmal zu messen. Es war kompliziert, aber schließlich bin ich doch noch fertig geworden.

Weiter! Da waren noch schöne Wege also hoppi galoppi so weit die Hufe tragen! Bei Kilometer 17 kamen uns zwei Pferde entgegen und das eine fand mich unglaublich gruselig wegen meiner Zebraverkleidung. Hey, ich bin doch ganz harmlos! Mein Mädchen hat mich angehalten und wir haben geduldig gewartet, bis der Unbekannte sich abgeregt hatte. Zu seiner Beruhigung durfte ich einen Keks essen, das fand ich super (ich glaub der Keks war eher für meine Geduld). Als das geschafft war, ging es nochmal in einen letzten kleinen Galopp. Der Weg war sandig und hatte lauter tiefe Wellen, das war toll! Ich fand das lustig und mein Mädchen meinte, es wäre wie Achterbahn fahren, nur in schön. Ich habe das Tempo klug geregelt, sagt sie, immer rein in die Lunke etwas langsamer und dann mit Schwung wieder raus. Nächste Lunke! Runter langsam (ein oder zwei Galoppsprünge), raus mit Schwung! Und dabei schön den Galopptakt halten. Das war eine Gaudi! Mein Mädchen fand es super, wie ich bei Kilometer 18 und 19 noch dabei bin. Hinter uns ertönte plötzlich ein spitzer Schrei, da war doch ein kleiner Hund hinter meinem Ausreitkumpel her gerannt! Zum Glück ist der ganz souverän mit der Situation umgegangen, hat gebremst, sein Mädchen hat den Hund verscheucht und dann ging es weiter. Wir sind so gute, brave und mutige Ponys! Das kann man wirklich nicht oft genug betonen.

Dann war mein Tank aber doch ein bisschen leer. Mein Ausreitkumpel ist ausnahmsweise nach vorn gegangen aber das wollte ich dann nun auch nicht auf mir sitzen lassen. So sind wir noch ein Stück nebeneinander her getrabt und dann war Feierabend. Absteigen! Und an wem kommen wir da vorbei? An den Schafen! Die waren nämlich dort im Stall untergebracht. Ganz schön laute Gesellen sind das!

Schließlich waren wir wieder an der Wackelkiste. Puls messen – knapp über 80 – dann trinken und abschwammen. Zack, Puls runter auf 60. Da hat mein Mädchen ganz schön gestaunt! Anscheinend haben die vielen Ausritte doch eine ganze Menge gebracht, meint sie.

Sie hingegen war ziemlich kaputt, vor allem im Kopf. Aber die Mädchen waren auch sehr, sehr zufrieden mit uns tollen Ponys. Fast 20 km hatten wir auf dem Tacho und davon 4,6km im Galopp und 8km im Trab (oder etwas mehr, weil die App nicht ganz genau gemessen hat). Ungefähr 2Std 15min waren wir unterwegs und was soll ich euch sagen: mein Ausreitkumpel und ich haben einfach wieder alles richtig gemacht.

Ganz nebenbei ist noch etwas anderes passiert: mein Mädchen und ich sind jetzt über 2000km zusammen unterwegs! Da hätten wir eigentlich kurz anhalten und einen Sekt trinken müssen. Aber sowas mag mein Mädchen nicht und wir Ponys mögen nicht dauernd anhalten, das nervt. Deswegen feiern wir das still für uns heute nach und freuen uns, dass wir schon so viele tolle Sachen zusammen erlebt haben.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel der seit 2000km alles richtig macht

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 536

Sonntagsausflug! Diego hat sich ja leider letzte Woche einen Humpelfuß geholt. Er hat zwar bald aufgehört mit Humpeln aber das Bein war dick und mein Mädchen wollte sicher gehen dass da nichts schlimmes ist. Also sind der Mann und sie mit Diego zum Tierarzt gefahren. Diego sagt, das war der beste Tierarzt-Termin seines Lebens. Er musste nämlich nur still stehen und Glibbergel am Bein erdulden, dabei gab es Kekse, Kekse und Kekse. Keine einzige Spritze, kein Maulgatter oder sonstige Fiesigkeiten. Das fand er toll! Die Tierärztin hat gesagt, im Ultraschall und im Röntgen sieht Diego mit seinen 21 Jahren aus wie ein 4jähriger. Aber das Bein ist halt dick. Deswegen hat sie ihm einen Krankenschein ausgestellt für zwei Wochen, er darf hier zu hause zwar machen was er will, aber geritten werden darf er nicht. Sein Bein soll gekühlt werden und er hat abschwellende Medikamente bekommen, weil wahrscheinlich eben doch eine Kleinigkeit kaputt gegangen ist. Jetzt bummelt er hier durch den Paddock und genießt schon wieder eine Menge Freizeit.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich hatte keinen Ausreitkumpel für heute. Aber jetzt sind wir ja schon groß, mein Mädchen und ich, und können allein los. Meinte mein Mädchen. Erst hat sie meine neuen Hufschuhe für hinten angepasst mit Hilfe des Mannes. Der hat mir dann noch – in seiner Funktion als mein persönlicher Coiffeur – das Wallehaar gerichtet und mir einen wunderschönen Zopf geflochten, weil unter der Decke sonst immer alles durcheinander kommt und sich verzottelt.

So ein schöner Zopf!

Dann ging es los! Und zwar diesmal nicht die altvertraute Hausrunde, sondern für Fortgeschrittene. Das heißt: nicht links vom Hof, sondern nach rechts. Und weil mein Mädchen weiß, dass ich damit so meine Problemchen habe, ist sie erst mal zu Fuß gegangen. Als wir am Nachbarn vorbei waren ist sie dann aufgestiegen. Aber ich war mir echt nicht so sicher. Das war alles komisch, in diese Richtung. Ich hab mehrfach gefragt ob wir nicht lieber umdrehen wollen, aber mein Mädchen meinte wir schaffen das. Puh!

Schließlich, bei Nachbar Nummer drei, ist sie wieder abgestiegen und zu Fuß gegangen. Wir sind dann Richtung Landstraße gewandert. Dort mussten wir ein Weilchen warten, weil so viele Autos kamen. Es kamen auch drei schnelle Motorräder, da hat mein Mädchen sich Sorgen gemacht, ob ich mich wohl fürchten könnte. Pah! Ich liebe Motorräder! Da gibt es nämlich Kekse für. Weiß ich doch. Schließlich konnten wir die Straße kreuzen und dann auf der anderen Seite weiter gehen. Da war auch nochmal lecker Gras für mich und mein Mädchen hat mit ihrer App (TrailCompanion) eine Nachricht an ihre Notfallkontakte geschickt um das auszuprobieren. Nach ein paar Maulvoll ging es weiter, wieder auf die andere Straßenseite und durchs Dorf. Warte mal, mein Mädchen, im Dorf hab ich doch immer so ein dringendes Bedürfnis…. mitten auf den Bürgersteig, versteht sich. Also hat mein Mädchen die Tüte gezückt und alles eingesammelt, während ich geduldig gewartet habe. Als wir dann wieder auf den Heimweg abgebogen waren, hat sie die Tüte geleert und ist wieder aufgestiegen. Ich bin fröhlich los marschiert und wir waren ganz entspannt unterwegs. Als wir an die Kreuzung kamen, wo man ins Nachbardorf abbiegen kann, hat mein Mädchen einfach still gesessen und mich entscheiden lassen. Klar, warum auch nicht? Ich bin einfach nochmal abgebogen. Mein Mädchen hat sich doll gefreut, aber auch gewundert. Sie sagt, mein Logik erschließt sich ihr nicht ganz, erst will ich nicht von zu hause weg, dann will ich nicht nach hause zurück. Mädchen, das ist Pony-Logik, davon hast du keine Ahnung! Wir sind dann ein kleines Stück die Straße geritten, die ich ausgesucht hatte, dann rechts auf den Radweg abgebogen und wieder Richtung Heimat geschwenkt. Ich durfte noch ein paar Happen Gras essen, dann ging es wieder los. Jetzt war ich irgendwie hektisch, nicht doll, aber mein Mädchen meinte, das gefällt ihr nicht so. Also ging es nochmal rechts ab Richtung Nachbarn, so wie am Anfang der Tour. Das fand ich erst blöd, aber na gut. Dort durfte ich dann auch nochmal grasen und dann wieder wenden und nach hause. Noch einmal kurz am Hof vorbeilaufen, absteigen, grasen, dann nach hause.

Wir haben spektakuläre 3,6km geschafft in fast einer Stunde. Na das nenne ich mal Schneckentempo! Aber mein Mädchen sagt, das ist egal. Sie war trotzdem zufrieden mit uns und sagt, wir üben das jetzt weiter und sie wird mehr zu Fuß gehen am Anfang, damit wir besser weg kommen von zu hause, weil mir das anscheinend so schwer fällt. Wir werden sehen, wie es weiter geht!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Üben hilft

Richtig gute Ausbilder können Dinge üben, ohne sie zu üben. Oder wie mein Reitlehrer immer sagt: wenn ein Pferd sich im Schritt sauber vom Renvers ins Traver umstellen kann, kann es auch einen fliegenden Wechsel springen. Vom fliegenden Wechsel sind Duncan und ich noch weit entfernt und ich fand ihn auch mit Merlin gar nicht ganz so einfach, aber an einer anderen Stelle habe ich jetzt völlig ungeplant wieder die Erfahrung gemacht, etwas zu üben ohne es zu üben.

In letzter Zeit waren wir ja ziemlich viel unterwegs auf Abenteuer-Tour, Sir Duncan und ich. Im Frühling ein paar Ausritte ohne Begleitpferd, dafür mit meiner Freundin auf dem Fahrrad, dann der Reitkurs und einige Ausritte mit fremden Pferden – auch längere Ritte als bisher. Viel Galopp, öfter mal ein bisschen ans Limit – vor allem ans Kopflimit, aber auch mal ans körperliche Limit (glaube ich). Ich habe geübt, an leicht gruseligen Dingen entschlossen vorbei zu reiten, nicht mehr immer jemanden vor zu lassen oder abzusteigen, sondern das Kommando ganz klar zu übernehmen – und damit auch die Verantwortung. Wir haben geübt, Abstand vom Vorderpferd zu halten und ich habe geübt, Duncan genauer zu lenken und ihm den Weg klar vorzugeben wenn ich es für sinnvoll halte (weil er z.B. müde oder unaufmerksam ist). Wir waren ganz allein zum Spezial-Training und danach auch ganz allein an einem völlig fremden Ort, wo wir auf unsere Ausreitbegleitung gewartet haben. Duncan hat immer alles richtig gemacht, wie es so seine Art ist (was sicher auch daran liegt, dass ich bisher immer einigermaßen richtig lag mit meiner Einschätzung dessen, was er gut schaffen kann). Und ich habe weiter gelernt. Dann kam eine denkwürdige Reitstunde mit einer Schülerin, die das galoppieren üben wollte. Gut für mich, Duncan einmal von unten zu sehen und seinen Gesichtsausdruck zu beobachten. Auf dem Reitkurs sagte jemand, Duncan habe so einen stillen, feinen Humor – und den entdecke ich gerade erst so richtig. Vielleicht kommt er jetzt erst so richtig hervor oder ich habe ihn bisher nur nicht so wahrgenommen, weil ich mit so vielen anderen Dingen beschäftigt war. Finlay war da ja sehr viel offensichtlicher, hat gern Dinge ins Maul genommen und mit einem Grinsen im Gesicht zum Streit herausgefordert. Duncans Humor ist etwas hintersinniger. Er ist dieser Typ, bei dem man sich oft nicht ganz sicher ist, ob er gerade einen Witz gemacht hat oder nicht und auf jeden Fall würde er als Mensch seine Sprüche knochentrocken bringen ohne eine Miene zu verziehen. Während ich versuchte, meiner Schülerin zu erklären was sie tun soll, musste ich selbst ziemlich viel lachen, weil ich Duncans Gesicht sehen konnte. Immer wenn er in meine Richtung lief, wurde seine Reiterin eine Spur unsicher und das fand er offensichtlich höchst amüsant. Er war nicht bereit, ihr zu helfen oder sie zu retten, er spielte sein Spielchen weiter – bis ich es ihr erklärt hatte und sie selbst beschloss, nicht mehr mitzuspielen. Und schon war Duncan das artigeste aller Highlandponys, spielte die Unschuld vom Lande und tat wie ihm geheißen. Nur seine Augen blitzten schelmisch unter seinem Schopf hervor….

Für mich war das alles sehr informativ, denn beim reiten sehe ich ja sein Gesicht nicht und weiß manchmal nicht, wann er unsicher ist und wann nicht. Ich beschloss an diesem Tag, deutlich seltener von Unsicherheit auszugehen und häufiger mal eine klare Ansage zu machen, was zu tun ist und mich selbst weniger aus dem Konzept bringen zu lassen. Manchmal, wenn Duncan im Gelände kopfmüde wird, macht er ja merkwürdige Dinge. Irgendwo abbiegen ist seine Lieblingsmarotte. Anstatt mich davon verwirren zu lassen, habe ich die letzten Male sehr schnell ziemlich deutlich auf solch kuriose Ideen reagiert und ich hatte das Gefühl, dass das nicht nur das Problem löst, sondern ihm auch tatsächlich hilft. Wenn er müde ist oder anderweitig am Limit (fremdes Pferd neben ihm kann das auch mal auslösen), kann er keine vernünftigen Entscheidungen mehr treffen und es hilft ihm, wenn ich dann in aller Deutlichkeit sage: wir machen das so. Übrigens eine Erfahrung, die Teilnehmerinnen auf dem Workshop gemacht haben: es kann unglaublich angenehm sein, die Verantwortung abzugeben und sich führen zu lassen.

Und als wir dann am Montag nach langer Zeit wieder mal wirklich allein ausreiten waren, da setzten sich all diese Dinge zusammen. Ich wusste jetzt: wenn ich entschlossen und mutig reite, ist Duncan auch dabei. Gleichzeitig kann ich jetzt viel besser einschätzen, wann er wirklich Hilfe braucht – oder wann ich mich einfach nicht traue und lieber absteige, weil ich selbst nicht genug Mut mitbringe und ihm dann von oben nicht genug Sicherheit vermitteln kann.

Und so fühlte alleine ausreiten sich plötzlich wie etwas machbares an. Keine Zitterpartie mehr, sondern nur etwas, was zwar noch außerhalb unserer Komfortzone liegt aber von dem ich plötzlich das Gefühl hatte, es kann in unsere Komfortzone hineinrutschen, wenn wir es ein bisschen öfter machen. Und schon fange ich wieder an zu träumen, von einsamen, stillen Ritten durch den nebligen Herbst. Ob es dieses Jahr wahr wird und ob es sich dann auch so anfühlt, wie ich es mir wünsche? Wir werden sehen.

„Üben hilft“ sagt eine Kundin von mir. Wenn man üben will, ohne zu üben, muss man die Übungsmöglichkeiten finden, die sich anderswo bieten. Allzu oft sehe ich, wie Leute schnell über kleine Probleme hinwegbügeln, weil sie sich jetzt nicht darum kümmern wollen. Ein zappelndes Pferd am Anbinder, eine kleine Diskussion über das Tempo. All das ist nicht schlimm, wenn es einmal passiert. Passiert es aber hundert mal, wird daraus womöglich ein Problem. Umgekehrt gilt das gleiche: ich kann in jeder Situation üben, wenn ich sie genau betrachte und kläre. Nichts ungeklärt lassen ist zu einem Motto von mir geworden. Keinen eierigen Zirkel, keinen vermasselten Übergang, keine unklare Situation im Alltag so stehen lassen, sondern immer wiederholen und zeigen, wie es hätte sein sollen. In aller Freundlichkeit! So setzt sich nach und nach im Kopf des Pferdes ein glasklares Bild zusammen, wie die gemeinsame Zeit laufen soll und Pferde sind nur allzu bereit, klare Wünsche auch zu erfüllen. (Sogar Highlandponys, die gern mal Schabernack treiben). Und dieses Bild funktioniert dann auch in Situationen, die wir nie geübt haben. So einfach ist das (und so schwer).

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 535

Den ganzen Tag hab ich mein Mädchen beobachtet. Gegen Abend wurde ich leicht nervös: wollten wir nicht noch alleine ausreiten gehen? Wann holst du mich denn endlich? Dann kam sie doch noch mit dem Bosal. Da hab ich sie erstmal freundlich angebrummelt. Das mache ich ja nicht so oft und wenn ich es dann mal mache, dann freut sie sich immer so süß. Sie sagt, ich mache das meistens dann, wenn die Abenteuer-Rate in den Tagen davor gut war. Ja, mein Mädchen, denk da mal drüber nach!

Also alles antüddeln, Reitpad drauf, Bosal dran und Handy eingeschaltet, damit der Mann uns live und in Farbe verfolgen kann (theoretisch). Und dann links rum vom Hof auf die Hausrunde. Ich war gleich los marschiert aber dann hab ich doch gezögert. Mein Mädchen hat mich angetrieben und gesagt, sie hat gelernt, dass es mir mehr hilft, wenn sie klar das Kommando übernimmt. Ja schon, aber bei dem was gerade zu tun war hat das halt nicht geholfen, ich musste nämlich mal pieschen. Zum Glück weiß mein Mädchen ja, woran sie das erkennt. Ich mach ja immer Abenteuerpieschen, schön irgendwo halb im Graben oder im Gebüsch, in den Brennesseln oder in den Dornen. So muss das, sonst kann ich nicht, wenn ich muss. Falls ihr versteht.

So nun war das erledigt und dann konnte es losgehen. So ganz 100% sicher war ich mir nicht, aber mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Ein gemütlicher Trab und dann, als wir an die Rinderweide kamen, Schritt. Zwei Rinder standen unten an der Tränke, wo wir direkt vorbei kommen. Das ist aber kein Thema, zwei Rinder schaffe ich mit links. Und dann auf den Grasweg. Das ist so: links ist der Wald, rechts der Stacheldraht zu den Kühen, dazwischen zwei Pony-Breiten Weg. Und die Rinderkoppel, die ist lang, das sage ich euch. Die haben nämlich jetzt den hinteren Teil der Weide auch aufgemacht und da kommen 700 Meter zusammen. Die Rinder standen alle im hinteren Bereich, das war gut für uns, denn so lange die alle vor uns sind, ist alles fein. Also sind wir noch ein bisschen getrabt. Mein Mädchen hat mir gesagt, dass sie jederzeit absteigen kann, wenn es mich gruselt. Einzige Bedingung ist, dass ich rechtzeitig Bescheid sage und keine Blitzaktion mache. Ok!

Laaaaaaange Rinderweide, viele Rinder.

Alles war gut bis wir es plötzlich hinter uns galoppieren hörten! BESCHEID! Hab kurz überlegt ob ich losflitze, mich dann aber erinnert, was mein Mädchen gesagt hat, bin also nur zusammengezuckt und schon sagt sie „hooo“ und springt von meinem Rücken. Da kam doch eine von den Kühen, die an der Tränke gewesen waren, von hinten über die Weide galoppiert, weil die schnell wieder zu ihrer Herde wollte! Aber sobald mein Mädchen unten neben mir stand, war das ok. Sie ist dann zu Fuß mit mir gegangen bis ans Ende der Rinderkoppel. Ich war ein klitzekleines bisschen aufgeregt, das merkt sie daran, dass ich wild nach Gras hasche und sie mit der Nase anstupse und so. Aber nichts schlimmes. Es gab ein paar Kekse, die helfen ja bekanntlich gegen alles. Die zweite Kuh ist dann auch noch etwas galoppiert, aber ich hab das gut gemeistert. Am Ende der Weide haben wir dann angehalten und ich durfte grasen, direkt neben den Rindern. Ich hab mich strategisch schlau hingestellt so dass ich die nicht sehe, habe meinem Mädchen die Oberaufsicht übertragen, die Nase ins Gras geschoben und versucht, mich mit essen abzulenken. Hat auch ganz gut geklappt.

Ich gucke nicht hin, mein Mädchen passt auf.

Schließlich ging es dann weiter. Der Dornröschenweg kam in Sicht. Und was soll ich euch sagen: da stehen jetzt auch Rinder! Und da hat mein Mädchen der Mut verlassen. Sie hat gesagt, das tun wir uns nicht an. Der Dornröschenweg ist ja so schmal, dass wir nicht nebeneinander her gehen können. Und da möchte sie nicht mit mir sein, wenn ich dann doch Angst bekomme. Also haben wir eine Abkürzung genommen übers Stoppelfeld. Da war zum Glück eh abgemäht, also kein Problem. Mein Mädchen war noch zu Fuß und ist auch zu Fuß gegangen bis wir dann auf der anderen Seite wieder auf dem Weg waren und dann noch das steile, steinige Stück bergab. Danach ist sie wieder aufgestiegen und wir sind noch ein bisschen getrabt. Schritt an den Pferden vorbei, noch ein kleiner Trab, Schritt an den nächsten Pferden vorbei – oh die waren ein bisschen interessiert an mir! Da musste ich mich doll zusammenreißen um vorbei zu gehen. Hab ich aber brav gemacht – Keks!

Dann noch ein kleiner Trab und wieder Schritt am Nachbarhof vorbei – ich finde es da ja immer gruselig. Da finde ich Sachen gruselig, die mir sonst nichts ausmachen, ein Fahrrad zum Beispiel. Aber auch das haben wir gemeistert. Noch ein paar Meter Trab und da waren wir schon wieder zu hause!

Mein Mädchen hat gesagt, ich hätte das gemacht „wie ein König“. Wahrscheinlich weil ich alles so tapfer und würdevoll gemeistert habe. Außerdem hat sie gesagt, sobald sie absteigt, ist sie sich jetzt sicher, dass wir so ziemlich alles schaffen und das gibt ihr Mut. Denn absteigen geht zur Not ja immer, wenn ich nur rechtzeitig Bescheid sage.

Der Mann hat uns dann gezeigt, was das Handy behauptet hat, wo wir so waren…. das war teilweise schon sehr gelogen. Luftlinie 2km waren wir vom Dorf weg, als sein Handy meinte, wir würden gerade durchs Dorf tingeln. Mein Mädchen sagt, das probieren wir nochmal anders. Mit viel Glück sogar gleich heute!

So ein Blödsinn, wir waren doch bei den Rindern und nicht im Ort!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 534

So, im dritten Anlauf hat es dann endlich geklappt mit der geplanten großen Tour. Ich hab ja jetzt Erfahrung und weiß: das wichtigste ist die Vorbereitung. Das heißt, erst noch ein schönes Nickerchen halten, dann ab in die Wackelkiste und dort Tieftauchen ins Heu – Druckbetankung für den Heuverbrenner! Und dafür war genug Zeit, eine Stunde waren wir in der Wackelkiste unterwegs.

Gute Vorbereitung ist das A und O!

Dann satteln und los. Erstmal direkt über die Bahnschienen, kein Problem. Aber kaum waren wir drüber machte es hinter uns sehr, sehr laut „tschuuuu tschuuuuu!“ – da wurde mir doch etwas blümerant! Habe meinem Mädchen das nach oben gefunkt und sie hat gesagt, ich hab die Wahl. Keks essen oder bisschen schneller laufen. Sie wäre für Keks essen aber wenn ich laufen müsste wäre das auch ok. Warte, hast du Keks gesagt? Na dann nehme ich doch den Keks. Als das geschafft war ging es los mit dem Wege suchen. Mein Mädchen hatte wieder diese Stimme in der Hosentasche. Aber die lässt sich immer viel Zeit bevor sie mal Bescheid sagt, also hat mein Mädchen doch dauernd das Handy in der Hand. Aber inzwischen können wir das alles auch so ganz gut. Diesmal hat sie auch nicht nur nach der Karte geschaut, sondern auch noch nach etwas anderem – wir waren nämlich verabredet! Aber davon wusste ich noch nichts. Der Start war etwas holprig, denn immer wenn wir antraben wollten, kamen irgendwelche Spaziergänger mit oder ohne Hund und wir mussten gleich wieder durchparieren. Als wir dann die ersten 4km hinter uns hatten, hab ich von weitem ein Pferd gesehen, das stand da so herum. Das war unsere Verabredung! Eine hübsche Schimmel-Zebra-Stute. Also natürlich nur mit der Decke, kein echtes Zebra. Aber ein echter Schimmel.

Oh hallo! 

Die ist dann gemeinsam mit uns losgezogen. Ich hab ja jetzt schon voll die Übung mit fremden Pferden und hab mich ziemlich gut benommen (sagt mein Mädchen). Erst sind wir Schritt gegangen, aber dann sind wir getrabt. Diego vorne weg, dann ich, dann hinter mir die Stute. Das ging so ganz gut. Nach einer Weile ist die Stute dann vorgegangen. Ui, die hatte aber einen schnellen Zahn drauf da vorn! Die beiden Großen sind mir einfach so davongelaufen. Mädchen, ich glaube wir müssen mal den dritten Gang einlegen um aufzuholen! Ja, ok. Jetzt aber schnell! Nein, nicht so schnell. Doch! Und wenn wir schon im Galopp sind, könnten wir doch auch gleich…. nein, nicht reinrennen, überholen oder sowas. Menno. Nach einer Weile war dann Schritt und die beiden anderen Reiter sind abgestiegen. Mein Mädchen ist sitzen geblieben, weil sie fand, ich hätte wirklich noch genug Energie um sie zu tragen. Nur weil man mal bisschen flitzen möchte, heißt es ja gleich, man sein pubertär! Menno. Kurze Zeit später sind die beiden dann wieder auf ihre Riesen-Rösser gehüpft und weiter ging es im Trab. Schnell, schnell, mein Mädchen, die sind schon um die Kurve! Aber ich war anständig, habe auf das Galopp-Kommando gewartet (wenn auch etwas …. angespannt) und durfte dann immer mal nachgaloppieren. Immer munter weiter, nach einer Weile ist wieder Diego vorneweg gegangen. An einer Kreuzung gab es etwas Konfusion ob es rechts oder links geht, da haben mein Mädchen und ich schnell die Chance genutzt und sind an den beiden vorbei, so dass wir jetzt vorne waren. Aber vorne war mir gar nicht so recht. Fremdes Gelände und jetzt war die Stute ja hinter mir, da kann ich die ja gar nicht mehr sehen! Nein, das wollte ich nicht so gern. Mein Mädchen hat mich angetrieben, aber nach kurzer Zeit hat der Mann gesagt, dass Diego auch nicht mehr so recht traben möchte und wir sind Schritt gegangen.

Die Menschen haben geschnackt, wir sind munter marschiert und mein Mädchen hat sich gefreut, dass mein Schritt noch so flott war. Und dann – dann ist die Stute plötzlich einfach rechts abgebogen und davon getrabt, während wir geradeaus gegangen sind! Na sowas! Da war ich kurzzeitig verwirrt, habe mich aber schnell gefangen. Wir haben noch einen kleinen Galopp versucht, aber Diego mochte nicht mehr so recht. Deswegen haben wir – obwohl wir nur noch gute 3km vor uns hatten, eine schöne Graspause gemacht.

Gemein, wenn man immer sie kürzesten Beine hat!

Danach dachte mein Mädchen, dass wir vielleicht noch etwas traben können, aber leider stellte sich heraus, dass Diego einen leichten Humpelfuß hat! So ein Mist! Also ist der Mann abgestiegen und den Rest des Weges zu Fuß gegangen, während ich mein Mädchen noch getragen habe. Wir waren alle rechtschaffen müde, so viel Wind und Sonne, fremde Wege und ein fremdes Pferd! Aber ich hab trotzdem noch gut zugehört und alles richtig gemacht.

Schließlich sind wir dann wieder an der Wackelkiste angekommen und haben frisches Heu nachgelegt bekommen für die Rückreise. Trotz Diegos leichter Humpelei, von der wir noch nicht wissen, woher sie kommt, sind wir sehr zufrieden mit unserem Ausflug. Meine Fitness ist gut, sagt mein Mädchen, und mein Kopf hat auch gut durchgehalten. Das war ein feiner Ausflug! 17 km haben wir geschafft, in 3 Stunden.

Morgen fällt der Montagsausflug aus, aber mein Mädchen meint, das sei eine gute Gelegenheit, um mal wieder allein loszuziehen. Hoffentlich klappt das endlich mal wieder!

Euer fröhlich ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Gib mal einen Keks!

Eine gut investierte Minute

Unsere Ponys leben schon recht luxuriös. Sie haben ihren Stall und zusätzlich noch unsere kleine Halle, in deren Sandboden mit den vielen Steinen dazwischen sie sich regelrechte „Schlafkuhlen“ bauen – sehr zu unserem Leidwesen. Einen Teil dieser Halle haben wir mit Litze abgezäunt, dort steht die Wippe und der Steg, so können wir beides nutzen ohne auf- und abbauen zu müssen. Wenn ich also ein Pony durch die Hallentür auf den Hof führen will, müssen wir erst durch diese Litze und den „Wippenraum“ um auf den Hof zu kommen.

Für unseren Workshop (ich suche übrigens Versuchskaninchen der 2. Generation…..) haben wir die Litze abgebaut und Steg und Wippe an die Wand geschoben. Stattdessen standen dort Tisch, Stühle und allerhand Equipment. Und da wir das alles noch nicht wieder weggeräumt hatten, haben wir nach dem Workshop die Litze wieder gespannt und alles hinter der Litze stehen lassen, damit die Ponys die Halle wieder nutzen (und neue Schlafkuhlen buddeln) können. Gestern, als ich Duncan zum ausreiten abholen wollte, stand der in der Halle und also habe ich ihn durch die Litze in den „Wippenraum“ laufen lassen – ohne Halfter. Ich habe erst die etwas widerspenstige Litze wieder zugemacht, dann nach meinem Pony gerufen. Komm! Wir wollen doch los!

Aber Duncan wollte noch nicht los. Duncan wollte gern all die Dinge anschauen, die da standen, die sonst nie da stehen. Und wieder mal merkte ich, wie unachtsam wir Menschen oft sind. Es ist doch toll, wenn mein Pony Lust hat, zu gucken, zu schnüffeln, zu betasten und zu erkunden! Diese Neugierde wollen wir doch erhalten! Also habe ich mich von ihm leiten lassen, bin – das Halfter in der Hand – zu ihm gegangen und habe mir mit ihm gemeinsam die Dinge angeschaut. Das hat nicht länger als eine Minute gedauert, aber für mein Pony war es wichtig und offensichtlich hoch interessant. Als er alles angeschaut hatte, drehte er mir den Kopf zu und signalisierte mir, dass er bereit ist, loszuziehen. Ich durfte ihn aufhalftern und er kam selbstverständlich mit auf den Hof.

Später, als wir dann auf unserem Abenteuer-Ritt waren, und ich so manches mal nicht auf Duncans Wünsche eingegangen bin (nein, wir verkosten nicht jede Pfütze, nein, wir bleiben nicht alle paar Meter für ein Maulvoll stehen, nein, wir meckern unser Begleitpferd nicht an, nein, wir gehen jetzt noch nicht Schritt) war ich froh, dass ich vorab die Chance genutzt hatte, ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Es ist eine kleine Geste, aber sie macht einen großen Unterschied, ich glaube wir alle wissen das und haben es schon erlebt. Die meiste Zeit in unserem Zusammensein bestimme ich, was wir tun und lassen. Die kleinen Gelegenheiten zu nutzen, die sich ganz nebenbei ergeben, um ihn bestimmen zu lassen, ist mir wichtig geworden. Es gibt mir – und hoffentlich auch ihm – das Gefühl von mehr Partnerschaftlichkeit. Duncan hat gestern auch in seiner Müdigkeit noch alles richtig gemacht, alle wichtigen Regeln noch parat gehabt und mich noch wahrgenommen, obwohl sein Kopf so voll war mit all den Eindrücken. Im Gegenzug möchte auch ich versuchen, ihn wahrzunehmen, auch wenn ich müde oder unter Zeitdruck bin. Denn oft dauert es nur wenige Sekunden, einen kleinen Wunsch zu erfüllen: kannst du mich da mal kurz kratzen, können wir kurz anhalten damit ich die Fliege wegmachen kann, kann ich da mal eben schnuppern, darf ich einmal schauen bevor ich da weiter gehe. Oder auch die anderen Wünsche, die er äußert: wollen wir ein Stück galoppieren, können wir die Wegseite wechseln, darf ich vorneweg gehen, kann der andere mal vorneweg gehen, muss die Dusche heute sein?

Mit meiner Mitreiterin tausche ich mich darüber aus, wie wir früher gelernt haben, was die Pferde alles nicht dürfen. Weil dieses oder jenes Verhalten bedeutet, sie seien „dominant“ (in meinem Kopf immer übersetzt als „will die Weltherrschaft an sich reißen“). Setz dich durch, der verarscht dich und zeig ihm wer der Boss ist sind Sätze, die wir beide so oder so ähnlich recht oft gehört haben. Ja, ich bin in unserer Beziehung meistens die „Chefin“. Aber ich möchte ein gute Chefin sein, keine Tyrannin. Ich möchte die Persönlichkeit meines Ponys wahrnehmen, seine Stärken fördern. Denn die kleinen Anfragen die er so stellt, nutzen letztlich auch mir: ich lerne z.B. etwas über ihn. Was findet er interessant, worauf hat er Lust, womit kann ich ihn belohnen? Und dieses Anschauen von neuen Dingen ist doch super, wenn wir mal an etwas gruseligem vorbeikommen. Schau es dir an (in seinem Fall heißt das: dran riechen und mit der Nase leicht berühren) um festzustellen, was das ist. Als meine Mitreiterin gestern meinte „es riecht hier nach Wildschwein, oder?“ musste ich zugeben, dass außer nervigem Fliegenspray kein Duft an meine Nase kam. Aber ich war sicher, dass es nicht nach Wildschwein riecht, weil mein Pony nicht reagierte (und ihres auch nicht). Ich weiß, wann es nach Wildschwein riecht, weil mein Pony das anzeigt.

Und da dachte ich gleich wieder an unseren allerersten Spaziergang, auf dem Duncan mich schon gleich eines Besseren belehrt hat: er sieht, hört und riecht Dinge von denen ich keine Ahnung habe. Wenn Duncan also sagt: ich möchte das da anschnuppern, dann darf ich auch mal voller Bewunderung daneben stehen und versuchen zu ergründen – oder auch nur zu erraten – was für Informationen er gerade aufnimmt, die sich mir leider nie erschließen werden.

Es gibt also viele gute Gründe, diese eine Minute zu investieren und meinem Pony die Zeit zu geben, zu schauen. Der wichtigste Grund ist und bleibt für mich aber der einfachste: ich mag mein Pony und ich möchte die Welt mit ihm gemeinsam erleben.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 533

Mein Mädchen hatte einen kühnen Plan für die Woche. Weil sie recht viel Zeit hat, hatte sie eine volle Ausreit-Trainingswoche geplant:

Montag mit dem Ausreitkumpel los
Mittwoch Ausflug mit Sir Willibald
Freitag Ausflug mit Herrn Fjord
Sonntag eine große Tour auf Spezial-Mission mit Diego und dem Mann.

Aber Pläne sind das eine, die Realität ist etwas anderes. Es fing also damit an, dass mein Ausreitkumpel sich einen gelben Schein geholt hat und wir deswegen bereits am Montag mit Herrn Fjord los waren. Das waren recht entspannte 11km durchs wilde Moor. Dann kam die Nachricht, dass Sir Willibald auch nicht ganz auf der Höhe ist. Herr Fjord, dessen Mädchen diese Woche auch viel Zeit hat, bot sich an, nochmal einzuspringen. Und so hat mein Mädchen für heute eine weitere Tour geplant, diesmal durch den schönen Iloo. Da waren mein Mädchen und ich ja schon öfter, aber wir haben noch längst nicht alle Wege gesehen, die es dort gibt. Und jetzt dachte sie, das könnte doch eine gute Möglichkeit sein, um Wege zu testen! Also ging es los. Erst war alles ganz einfach. Dann kamen wir an ein Reitwegeschild, wo mein Mädchen schon länger mal abbiegen und gucken wollte und das haben wir dann auch getan. Herr Fjord ging vorneweg und hat den Weg gesucht durch hohes Gras und Matschlöcher. Das war schon ganz schöne Konzentrationsarbeit! Ich musste zwar nur hinterher gehen, aber trotzdem gut auf meine Hufe aufpassen. Nachdem wir eine Weile so unterwegs gewesen waren, kamen wir an einen Hauptweg und mein Mädchen hat entschieden, dass es mit den abenteuerlichen Strecken jetzt auch reicht und wir lieber auf dem bequemen, breiten Weg bleiben. Zumindest ein Stück, denn dann haben wir noch einen schönen Reitweg entdeckt, der war wirklich gut zu laufen und trotzdem sehr idyllisch. Anschließend ging es im Trab und mit einem kleinen Galopp über bekannte Strecken. Und dann, bei km8, ging das Abenteuer erst so richtig los! Jetzt wollte mein Mädchen nämlich einen Weg finden, von dem ihr jemand erzählt hatte. Gedacht war es so, dass wir schauen ob wir den Weg finden – wenn ja, wären wir dann auf dem Rückweg gelandet, wenn nein hätten wir halt umgedreht, den breiten Hauptweg genommen und den schönen Weg wann anders gesucht. Was aber dann passiert ist, war völlig ungeplant, wir haben nämlich einen wunderschönen Weg gefunden, der aber leider nicht in die richtige Richtung führte! Weil wir immer noch Hoffnung hatten, dass er wohl doch noch mal abbiegt, sind wir munter weiter gegangen. Schließlich hat mein Mädchen dann eingesehen, dass das so nix wird und hat uns an der nächsten Möglichkeit zum abbiegen linksrum gelotst, so dass wir in einem hübschen Kringel wieder dort raus kamen wo wir angefangen hatten mit der Wegesuche. Ja, der Kringel hat sich wirklich gelohnt, es ist total schön da! So hatten wir halt jetzt 2,5km mehr auf dem Tacho, ohne einen Meter näher an unsere Wackelkisten gekommen zu sein. Na sowas! Wir sind dann noch ein Stück weit die schönen Wege neben den Hauptwegen geritten, aber ehrlich gesagt waren wir alle schon etwas matt. Herr Fjord und ich waren kopfmüde, es war schwül-warm, wir haben alle geschwitzt und es bewegte sich kein Lüftchen. Mein Mädchen meinte, wir gehen auf die Hauptwege und sehen zu, dass wir noch traben so weit wir können. Ich natürlich vorne weg. Und los ging es. Was ich nicht wusste: wir hatten noch fast 6km zu schaffen! Und das zog sich. Der Weg geht immer geradeaus und man hat nicht das Gefühl, voran zu kommen. Mein Mädchen hat mich angefeuert und gesagt, dass Schritt gehen einfach keine Option ist, weil es dann viel zu lange dauert. Und dass ich gleichmäßig traben soll, weil das am kräfteschonendsten ist. Puh! Ich habe schon immer mal angemerkt, dass ich müde bin, aber mein Mädchen meinte nur, dass wir alle müde sind und dass das jetzt nix nutzt und es nur schlimmer wird, wenn wir Schritt gehen.

Schließlich mussten wir aber doch durchparieren, weil wir an einem Auto vorbei mussten, das da im Weg stand, und weil da noch ganz viele Rinder waren, das hätte ich im Trab einfach nicht geschafft, das wusste mein Mädchen auch. Danach waren es noch 1,4km und die Mädchen waren sich einig: ein letzter kleiner Trab noch, damit wir schnell wieder an den Wackelkisten sind. Mittlerweile hatten wir 15 km auf der Uhr und als mein Mädchen gesagt hat, ich soll wieder antraben, hatte ich eine eindeutige Antwort für sie: nein. Einfach nein. Vergiss es. Sie hat gelacht und gemeint, das würde wohl nix mehr werden. Aber was soll ich sagen: plötzlich kam Herr Fjord von hinten angetrabt und zog lässig an mir vorbei! Moment mal! Das lasse ich mir ja nun doch nicht bieten. Zack, angetrabt und ihn flugs nochmal überholt. Da hat mein Mädchen nochmal gelacht. Zu guter Letzt haben wir dann doch durchpariert (jetzt war ich wieder im Fluss und hätte noch ein Stück weiter laufen können) und die Mädchen sind abgestiegen. Mein Mädchen hat gejammert, dass alles klebt. Ja danke, bei mir übrigens auch. Eine erste Pulsmessung ergab 76, als wir dann die letzten Meter zu den Wackelkisten gegangen waren, war der schon runter auf 68, damit war mein Mädchen sehr zufrieden. Aus Jux und Dollerei hat mein Mädchen auch Herrn Fjords Puls gemessen, der war auch bei 68.

Ich hab erstmal einen tüchtigen Schluck aus dem Wassereimer genommen und mich dann abschwammen lassen bevor es wieder in die Wackelkiste ging. Ab nach hause!

Kaum waren wir zu hause – Hufschuhe aus und noch eine Dusche für mich – fing es an zu donnern und zu regnen! Da hatten wir aber nochmal Glück mit dem Wetter! „Siehst du“ hat mein Mädchen gesagt „deswegen mussten wir traben“. Dann hat sie mir erzählt wie toll ich das gemacht habe und wie stolz sie auf mich ist. Ich hab ihr gesagt, dass ich sehr, sehr kopfmüde bin, aber auch richtig zufrieden mit mir und der Welt. Und sie war stolz, dass ich auch kopfmüde noch alles richtig gemacht habe.

16,6km in 2h40min haben wir jetzt auf dem Buckel. Und wir haben schöne neue Wege entdeckt. Und das war so viel Abenteuer, das reicht für den Rest der Woche, hat mein Mädchen beschlossen. Wir bleiben jetzt hier zu hause und ruhen uns aus, bis es am Sonntag wieder los geht mit dem nächsten Abenteuer. Ich muss sagen: im Abenteuer liefern ist mein Mädchen wirklich viel besser geworden!

Euer abenteuerlich ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel