Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 555

Jetzt haben wir in letzter Zeit ja oft geübt, alleine auszureiten ohne alleine auszureiten. Heute haben wir das dann etwas gesteigert, wir waren ausreiten MIT alleine ausreiten! Also das ging so:

Mein Mädchen kam und hat mich gerufen und ich hatte richtig Lust was zu unternehmen. In den letzten Wochen hatte ich ja wegen der Eicheln nicht so viel Zeit für sie aber so langsam geht die Eichelsaison zu Ende (uns wurde ja eh nicht viel gegönnt) und ich habe auch wieder Zeit für andere Dinge. Außerdem fand ich das am Freitag wirklich lustig auf der Hangbahn und hab immer noch gute Laune von der Gaudi.

Naja, mein Mädchen hat mich gesattelt und mir Hufschuhe angezogen. Dann ist sie aufgestiegen und hat gesagt, dass wir vom Hof gehen. Super! Habe gleich angemeldet, dass ich links gehen möchte und tatsächlich: es ging links herum! Mein Mädchen meinte, wenn ich heute wieder dieses Kribbeln fühle, wäre es toll wenn ich das irgendwie managen könnte ohne zu rennen und zu bocken. Pah! Als ob ich jemals ungestüm gewesen wäre, wenn ich sie trage! Bin schließlich Gentleman.

Ich bin losmarschiert – nicht schnell, denn ganz so sicher bin ich mir alleine doch noch nicht, aber stetig voran. Nach einer Weile gab es einen Keks und mein Mädchen war hoch erfreut, dass ich auch nach dem Keks einfach unaufgefordert weiter gegangen bin – früher, als wir mit dem allein ausreiten angefangen haben, wollte ich nach einem Keks manchmal umdrehen. Als wir an den Baum kamen, wollte ich natürlich gern grasen, da hatten wir eine klitzekleine Diskussion, aber ich habe mich überreden lassen, weiter zu gehen. Dann nach einer Weile hat mein Mädchen einen Trab vorgeschlagen und ich bin in aller Ruhe losgetrabt. An der großen Eiche rechts auf den Grasweg, der inzwischen nicht mehr so durchgepflügt aussieht, sondern wieder schön plan ist. Die Rinder sind schon wieder im Winterquartier, also können wir da schön entspannt entlangtr…

Hä? Was ist das? Ich hab kurz gestutzt, aber mein Mädchen hat gesagt, ich könnte einfach weiter traben, das wäre schon ok. Die haben den Wald eingezäunt! Aber zu spät, denn abgehauen ist er ihnen vorher schon…. also es war so: in den letzten Jahren sind da immer mehr Bäume gestorben. Und dieses Jahr haben sie da viele Bäume raus geholt aus dem Wald, so dass fast nichts mehr übrig war, was man als Wald bezeichnen könnte. Mein Mädchen war äußerst betrübt darüber. Als sie heute den Zaun gesehen hat, fand sie es zwar nicht toll, dass ein Zaun da steht, aber sie hofft, dass das bedeutet dass der Wald wieder aufgeforstet wird und man diesmal geeignetere Bäume dort pflanzt.

Ein neuer Zaun!

Weiter im Trab bis wir vor uns eine Spaziergängerin mit Hund hatten. Schritt! Die nette Dame hat angehalten und uns vorbei gelassen. Dankeschön! Weiter im Trab bis zum Dornröschenweg. Auch dort stehen jetzt zum Glück keine Rinder mehr! Die sind wahrscheinlich ins Dorf umgezogen. Gut für uns, wo wir Rinder ja immer nur so halb geheuer finden. Gegen eventuell aufkommende Nervosität hat mein Mädchen wieder ihr ABC-Spiel gespielt. Mit wenig Erfolg, denn sowohl bei Gemüsesorten als auch bei Ausrüstungsgegenständen mit denen wir beide gerade unterwegs sind, hat ihr Hirn ziemlich blockiert, aber immerhin hält sie das Spiel davon ab, sich blöde Horrorszenarien auszumalen und so konnte sie den Ausritt schön genießen. Ich hab es auch genossen, vor allem als wir dann an einer Stelle angehalten haben und ich schön was grasen durfte! Derweil hat mein Mädchen den Mann angerufen und ihn gefragt ob er weiß wo wir sind. Ja! Weil die beiden jetzt endlich eine App gefunden haben, die wirklich den richtigen Standort anzeigt und nicht irgendeinen von vor 2 Stunden (Outdooractive, Buddy Beacon).

Dann ist sie wieder aufgestiegen und weiter geritten bis zum Nachbarn vom Nachbarn. Dort ist sie dann auch schon wieder abgestiegen und ich durfte NOCHMAL grasen! Mein Mädchen hat natürlich wieder darauf bestanden, dass ich auch mal über meine Umwelt nachdenke und nicht nur über das Gras. Naaaaaa gut. Dann plötzlich… Huch! Da ist ja Diego und der Mann! Die kamen von der anderen Seite, den kurzen Weg zu Nachbars Nachbarn. Und dann ging es gemeinsam weiter, noch die übliche Runde hinterm Dorf herum. Ich hab mir erst kurz eine mentale Auszeit genommen und bin so hinter Diego her getrottet, bis mein Mädchen dann meinte, es sei Zeit, wieder vorneweg zu gehen.

Drei Äppelhaufen später (zwei von mir, einer von Diego) waren wir wieder raus aus dem Dorf und sind an den gruseligen Rindern vorbei gegangen (die waren heute aber ganz entspannt drauf) und kurz danach durfte ich dann ein drittes Mal grasen, während Diego und der Mann schon mal nach Hause marschiert sind. Nach den üblichen 10 Minuten ist mein Mädchen wieder aufgestiegen und wir sind allein nach hause geritten.

So und jetzt ratet, wer sooooooo stolz ist und mich großartig und wunderbar findet und viele, viele Herzchen in den Augen hat! (Mein Mädchen natürlich)

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel (leicht kopfmüde)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 554

Spezialtraining war ja versprochen. Mein Mädchen hatte nämlich so versonnen über die Weiden geschaut und dann war ihr aufgefallen, dass die eine Weide nicht nur abgefressen ist, sondern auch einen schönen Hang hat. Und der Boden ist trocken. Und so dachte sie sich: Zeit für etwas Hangbahntraining! An der Doppellonge. Berg rauf, Berg runter, Berg rauf, Berg runter, Berg rauf, Berg runter … ihr wisst schon.

Berg rauf….
Berg runter

Gut, es ging also los im Schritt. Berg rauf, Berg runter. Langsam wurde ich warm. Das Mädchen von Gatsby war gerade am saubermachen und wurde prompt für ein paar Fotos engagiert. Und da dachte ich mir: im Trab seh ich doch gleich sportlicher aus. Mein Mädchen war einverstanden. Dann ein Handwechsel im Trab und da hab ich was gemerkt:

mein Wachstumsschub ist vorbei, ich hatte diesen Montag keinen zünftigen Ausritt, ich hatte schon länger keine lange Tour mehr mit Diego und mein Mädchen hat meine Fütterung optimiert. Und das alles zusammen mit dem guten Training über den Sommer machte mir so ein kribbeliges Gefühl! Das musste jetzt mal raus. Ehrlich! Ich kann da nichts dafür! Hopp und hopp und igitt jetzt ist das Selett verrutscht! Also gut, ich halte kurz an. Mein Mädchen hat gelacht und gefragt, ob es dann jetzt gehen würde. Nein! Es kribbelt mich immer noch! Hopp und Hopp und hopp! Naja. Drei mal hat mein Mädchen mich festhalten können. Beim vierten Mal musste sie loslassen. Und das finde ich ja dann immer so richtig übel, wenn die Doppellonge hinter mir herrennt! Also bin ich erstmal gerannt.

Da war so ein Kribbeln in mir drin….

Nach einer Weile hab ich angehalten und mein Mädchen hat mich eingesammelt. Hat alles so weit abgebaut und auf einfache Longe umgestellt. Und dann hat sie gesagt, dass ich jetzt das Kribbeln los werde, aber so wie sie das sagt, mit etwas mehr Würde und Anstand. Ja, ich darf hüpfen, aber losreißen ist halt nicht erlaubt. Und los ging es. Trab, Galopp, Trab, dann an den Berg und im Trab den Berg rauf und runter, dann im Galopp den Berg rauf und im Trab wieder runter, Handwechsel und alles nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Zwischendurch ein Keks und die Frage, ob es mir jetzt besser ginge? Ja, aber bisschen kribbelt es noch. Also weiter. Dann irgendwann – als ich schon ordentlich geschwitzt hatte – hat sie Puls gemessen. 88. Zwei Minuten Schritt, war er runter auf 68. Da hat mein Mädchen mich angeschaut und gesagt, es wäre ja wohl nicht zu fassen, wie fit ich bin! Aber weil ich schon etwas stolperig war, fand sie, ich hätte trotzdem genug getan und wir müssten es ja nicht gleich übertreiben am Berg. Ich war ganz zufrieden, aber ich hätte schon auch noch weiter gemacht. Stattdessen gab es noch 5 min Schritt, dann eine schöne Dusche, damit ich runterkühlen kann, weil es ordentlich warm war heute. Das war wirklich ein spezielles Spezialtraining!

Und jetzt denkt mein Mädchen darüber nach, wie sie es im Winter mit mir aushalten kann. Wo soll das Kribbeln hin, wenn wir nicht mehr kilometerweise mit dem Ausreitkumpel rennen gehen können? Sie braucht jetzt mehr denn je einen richtig guten Winterplan, sagt sie. Na ich lass mich überraschen!

So lange es trocken bleibt, wird der Hang jetzt öfter unsere Spielwiese sein – aber nicht mehr an der Doppellonge, so viel steht fest!

Euer kribbeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 553

Pläne sind das eine, das Wetter das andere. Eigentlich war für Mittwoch wieder vorgesehen, dass wir alleine ausreiten ohne alleine auszureiten. Aber dann kam ziemlich viel Wind und mein Mädchen hat der Mut verlassen. Deswegen sind wir dann auf den Reitplatz gegangen und haben uns dort den Huchmampfs in der Ecke gewidmet.

Diego und der Mann hatten derweil spontan beschlossen, einmal die Hausrunde zu wandern. Und so hat mein Mädchen mal wieder eine kleine Gelegenheit gewittert und direkt genutzt. Als wir fertig waren mit reiten ist sie abgestiegen und wir sind links vom Hof gegangen bis zum Baum. Ich hab mich doll gefreut, endlich mal wieder links! Am Baum haben wir dann auf Diego und den Mann gewartet. Die kamen schneller als geplant, aber Diego durfte dann auch noch was grasen

Weil mein Mädchen ein Foto von uns beiden und DEM Baum wollte, mussten wir wenden, während der Mann die Kamera gezückt hat. Das war nicht so einfach, weil wir Ponys nunmal keinerlei Notwendigkeit gesehen haben, die Nasen aus dem Gras zu nehmen. Aber letztlich hat es dann doch geklappt.

Dann sind wir alle zusammen nach hause gelaufen und Diego durfte noch etwas wippen. Ich nicht – menno.

Am Donnerstag waren mein Mädchen und ich dann nochmal zu Fuß rechts vom Hof und am Nachbarn vorbei. Das gefällt mir immer besser! Nur über die Grasstellen möchte ich verhandeln. Anstatt einfach immer an der besten Stelle zu futtern, möchte mein Mädchen ja unbedingt immer abwechseln. Als ob ich davon vergessen würde, wo es das beste Gras gibt! Aber ich soll ja zuhören und nicht einfach da hin laufen wo ich meine. Jaja, ich kann ja zuhören, sobald ich dieses leckere Gras…. und überhaupt: warum hört SIE nicht mal zu? Ich kenne mich mit Gras schließlich viel besser aus als sie!

Naja, sie ist eben auch noch nicht fertig ausgebildet, genau wie ich. Heute steht Spezialtraining auf dem Programm, hat sie gesagt. Na da bin ich mal gespannt, was sie sich jetzt wieder ausgedacht hat!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Gras-Auskenner)

Aufräumen

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass ich lange keine Videos mehr gepostet habe. Das hat einen einfachen Grund: der Speicherplatz, den WordPress mir zur Verfügung steht, ist voll. Ich habe bereits in mühsamer Kleinarbeit Bilder und Videos durch kleinere Versionen ersetzt, aber das bringt nicht so wahnsinnig viel. Daher habe ich mich entschlossen, den Blog mal aufzuräumen und neu aufzusetzen.

5 Jahre ist Duncan nun hier, Finlay ist über 5 Jahre tot. Da kann ich schon auch mal eine neue Startseite kreieren und neue Leser besser abholen. Das steht also auf meiner To-Do-Liste für die Tage, an denen ich doch lieber nicht so viel rausgehen möchte, also vermutlich Januar/Februar, wenn draußen der Regen waagerecht fällt. Dann werde ich mir die Zeit nehmen, hier durchzuputzen. Wer also die alten Beiträge nochmal lesen möchte: noch ist die Gelegenheit dazu.

Vorher ist erstmal Herbst und das Aufräumen findet eher draußen statt – und ein bisschen auch schon in meinem Kopf. Die „Saison“ ist so gut wie zu Ende und auch wenn ich neulich ein bisschen gejammert habe über all das, was wieder NICHT stattgefunden hat, kann ich doch auch zurückschauen auf viele Dinge die stattgefunden haben. Und ich sehe vor allem wie sehr Duncan und unsere Beziehung sich entwickelt haben über die vergangenen Monate. Plötzlich hat sich ganz viel im Freedom Based Training getan, wo ich vorher das Gefühl hatte, ich komme keinen Schritt voran, habe keinen richtigen Plan, keine Idee, was ich da eigentlich tue. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es mein Pony plötzlich doch interessiert, was ich tue, und ich dadurch einen besseren Plan entwickeln kann. Es ist ihm jetzt wichtig geworden, ob ich mit ihm in Harmonie bin oder nicht. Und er hat verstanden, dass er das beeinflussen kann. Plötzlich ändern sich Dinge, das hat schon etwas magisches. Und das hängt auch mit dem allein ausreiten zusammen, denn mir fällt auf, dass wir beide – Duncan und ich – uns immer zu sehr auf unsere Begleitungen verlassen haben. Sicher, das hat uns schnell vorangebracht, gerade am Anfang konnten wir viele Dinge überhaupt nur deswegen tun, weil Diego mit dabei war. Aber wir beide haben eben die Verantwortung an Diego abgegeben (das ist zugegebenermaßen extrem leicht). Duncan war zu klein für Verantwortung und ich war zu traumatisiert, zu verängstig, zu sehr aus meiner Mitte gerissen durch Finalys Unfall-Tod. Jetzt gilt es, erwachsen zu werden. Duncan und ich müssen jetzt die Verantwortung für uns selbst übernehmen, und sobald wir das tun, können wir auch allein ausreiten, dessen bin ich mir sicher. Wie genau der Prozess ist, um dorthin zu kommen, weiß ich noch nicht, aber es hilft mir, das Problem jetzt klarer benennen zu können und zu wissen wo mein Anteil ist. Ich muss Entscheidungen treffen, wie ich mit Verhaltensweisen meines Ponys umgehen möchte. Wenn er stehenbleibt und schaut, was möchte ich ich dann tun? Heutzutage gibt es nicht mehr die eine Lehre, die uns sagt, was man uns früher zugebrüllt hat „setz dich durch!“. Es gibt viele Optionen, viele mögliche Verhaltensweisen, die mehr oder weniger schnell zum Ziel führen (wobei das Ziel dann eben jeweils auch unterschiedlich ist). Ich werde ein bisschen herumprobieren (müssen) um unseren persönlichen Weg zu finden. Einen Fehler habe ich ja schon gemacht, den brauche ich nicht zu wiederholen. Vor einigen Wochen, als ich Duncan habe grasen lassen und er die Welt um sich herum so ausgeblendet hat, dass er dann, als er den Kopf wieder hochnahm, furchtbar erschreckt war und sich losgerissen hat. Deswegen: Grasen ohne die Umwelt im Blick zu behalten ist tabu. Das habe ich schonmal kapiert. Jetzt muss ich noch rausfinden, wie lange ich Duncan gucken lassen kann und wann ich eingreifen muss, weil er sich festglotzt. Und wie ich am besten eingreifen kann.

Gestern, als der Wind mir einen Strich durch meinen ursprünglichen Ausreit-Plan gemacht hat und Duncan und ich stattdessen auf dem Reitplatz waren, haben sich noch mehr Übungsmöglichkeiten eröffnet: Die Gruselecke auf dem Reitplatz eignet sich prima, um das Reiten im Gelände zu simulieren, habe ich festgestellt. Und der schmale Weg vom Reitplatz auf den Hof ist eigentlich ja auch ein super Übungsplatz, den ich dringend nutzen sollte, um voranzukommen. Und obwohl mir letztes Jahr schon aufgefallen war, dass unser „Sommerreitplatz“ (den ich diesen Sommer kein einziges Mal genutzt habe) ein gutes Übungsfeld wäre, habe ich das irgendwie vergessen oder verdrängt. Ich merke, wie ich immer hundert Gründe habe, Dinge nicht zu tun (heute habe ich nicht genug Zeit, heute würde ich es nicht packen, wenn es schiefgeht, heute braucht er gute Gymnastik, das kriegen wir da oben nicht hin…..). Es liegt an mir, diese wunderbaren Übungsgelegenheiten mehr zu nutzen, das ist mir jetzt nochmal ganz klar geworden. Auszubrechen aus meinem Trott und Dinge anders zu machen, damit wir vorwärts kommen. Und das gute ist: das kann ich auch jetzt im Herbst und Winter tun, ganz ohne den Hof zu verlassen.

Ich freue mich darauf, all die alten Geschichten noch einmal zu lesen, bevor sie im Archiv verschwinden. Ich bin sicher, das wird mir Mut geben, die Dinge anzupacken, weil ich sehen kann, welche Hindernisse wir in 5 Jahren überwunden haben und wie weit wir schon gekommen sind. Man sagt, die meisten Menschen überschätzen was sie in einem Jahr schaffen können und unterschätzen was sie in 10 Jahren schaffen können. Von diesen 10 Jahren sind noch 5 übrig, da können wir noch eine Menge schaffen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 552

Sonntagsausflug – ausgefallen. Weil mein Mädchen den zweiten Workshop gegeben hat (diesmal war sie viel zufriedener damit, wie es gelaufen ist) und weil es so windig war, dass sie nicht mit uns raus gehen wollte. Wir waren stattdessen auf dem Reitplatz, wo das Wetter uns in einer Tour mit einer kalten Dusche gedroht hat – aber es blieb bei der Drohung. Da mein Mädchen ziemlich kaputt war nach 4 Stunden Workshop mit Menschen (Ponys sind viel einfacher im Umgang, sagt sie!), haben wir nur ein paar Kleinigkeiten geübt und vorher und nachher schön Freedom Based Training gemacht. Soll heißen: ich darf am Reitplatzrand förstern. Aber ich soll halt nicht irgendwie förstern, also nicht so wie normalerweise bis über beide Augenbrauen im Gras verschwinden und die Welt um mich herum vergessen, sondern schön aufmerksam bleiben, meine Umwelt im Blick behalten und regelmäßig den Fokus wechseln. Kann ich jetzt schon immer besser und dann ist mein Mädchen sehr zufrieden mit mir und wir sind ganz entspannt zusammen.

Dieses Bild dient nur dazu, Facebook auszutricksen

Gestern fiel dann auch noch der traditionelle Montagsausflug mit dem Ausreitkumpel aus, ist das denn zu fassen! Aber weil so schönes Wetter war, haben wir nochmal alleine ausreiten geübt ohne alleine auszureiten. Mein Mädchen ist ganz begeistert von dieser neuen Variante, weil wir immer stückweise üben können und uns dann wieder etwas erholen, während wir einfach Diego hinterherlaufen. Hier unser Ausritt in der Übersicht:

Mein Mädchen hat mich diesmal richtig gesattelt (nicht nur mit dem Reitpad) und wir sind alleine rechts vom Hof geritten. (Links wäre mir lieber gewesen!) Ich war mutig, wenn auch nicht schnell. Beim Nachbarn bin ich ein paar mal stehen geblieben um zu gucken, habe mich aber überreden lassen, weiter zu gehen. Als wir dann auf meine ehemalige Galoppstrecke abgebogen sind (wo wir jetzt nur noch Schritt reiten dürfen), wurde ich munter. Ich hab mich nämlich genau erinnert: da an der Bank, da durfte ich letztes Mal grasen! Habe also punktgenau die Bremse reingehauen. Aber was soll ich sagen: war nicht erlaubt. Sattdessen sollte ich weiter gehen mit dem Versprechen, dass ich „gleich“ grasen darf. Soso. Aber vorher waren da ein paar Rinder (Landsleute von mir, Schotten), die mich so intensiv angestarrt haben, dass mir etwas mulmig wurde. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet, wir haben die Straße überquert und dann ist sie abgestiegen und ich durfte tatsächlich grasen. Da hatte Diego uns auch schon eingeholt, der durfte dann auch was futtern.

Nach einer Weile ging es weiter, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen, der Mann ist ja noch zu Fuß unterwegs. Am schmalen Weg, wo die Reiter sich immer unter den Weiden ducken müssen, wurde es dann aufregend, da stehen nämlich jetzt auch wieder Rinder! Und die fanden uns gruselig aber spannend und haben sich ganz komisch bewegt. Ich möchte wirklich wissen, wie Diego das macht! Der guckt die einmal an und schon rühren die sich nicht mehr vom Fleck. Dann geht er hoch erhobenen Hauptes die ganze Koppel entlang ohne auch nur einmal mit dem Ohr zu wackeln. Krass! Ich kann das nicht, mir wird blümerant, wenn die so gucken. Mein Mädchen ist dann auch lieber abgestiegen und hat geführt, weil ihr ja immer blümerant wird, wenn mir blümerant wird. Vor allem auf dem super schmalen Weg, wo man nirgendwo hin kann, um den Abstand zu den Rindern zu vergrößern (außer schnell nach vorn). Als das geschafft war und wir dann am Landgasthof waren, musste ich erstmal was erledigen. Zum Glück hatte ich ja den Sattel drauf, in den Satteltaschen sind nämlich die Tüten für diesen Fall. Also konnte mein Mädchen alles einsammeln. Weiter ging es und als wir hinten aus dem Dorf wieder raus waren, ist sie wieder aufgestiegen. Um noch etwas alleine ausreiten zu üben, hat sie einen Trab angestimmt und wir sind ein großes Stück getrabt, während Diego ja nur Schritt geht im Moment. Ich wollte ja links den kurzen Weg nach hause, aber mein Mädchen hat mich überredet, geradeaus zu gehen. Dann, am Ende des Weges, ist ja immer Entscheidung: links nach hause oder rechts zum Berg? Keiner von uns Ponys will über den Berg, das ist so anstrengend. Aber mein Mädchen hat gesagt, ich soll mal rechts abbiegen und ich war artig und hab das gemacht. Und nach ein paar Metern ist sie dann abgestiegen und ich durfte wieder grasen (uff, es geht doch nicht über den Berg, so ein Glück!). Diego hatte ich schon vergessen, aber der kam irgendwann auch hinterher. Mein Mädchen wieder rauf und dann die Landstraße entlang, da hat sie gemerkt, dass sie schon etwas entspannter ist mit den ganzen Autos, weil ich das ja voll gut kann.

Bei den Nachbarpferden vorbei, dann ist sie wieder abgestiegen und während Diego nach hause gegangen ist, durfte ich NOCHMAL grasen – voll die gute Bilanz! Diesmal ist sie nach dem grasen nochmal aufgestiegen und den Rest nach hause geritten, zu Übungszwecken. Ich hab wieder alles perfekt richtig gemacht, aber aufregend ist das schon immer noch für uns. Manchmal denkt mein Mädchen, es dauert nicht mehr lang, bis wir das können, aber wenn dann wieder Rinder an ganz blöden Stellen auftauchen, dann glaubt sie, dass das niemals was wird. Da hilft wohl nur das, was sie eh am liebsten tut: üben.

Euer fast allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 551

Gestern wollte mein Mädchen mit mir Handarbeit machen. Aber dann hat sie gesehen, dass ich etwas für meine Haut getan und mir eine schöne, dicke, feuchte Pflegemaske aufgelegt hatte. Ehrlich, das ist gesund und reinigt die Haut! Aber sie findet es eklig.

Was denn? Das ist gut für die Haut!

Deswegen hat sie spontan umgeplant und beschlossen, dass sie lieber Freiarbeit machen möchte, damit sie mich nicht anfassen muss. Auch gut – so lange die Keksrate stimmt! Sie hat also Stangen in die Halle gelegt und ich sollte rüber marschieren. Das ist ja Teil unseres Winterprogramms, das haben wir lange nicht gemacht. Diego war vor mir schon dran mit der Turnerei und mein Mädchen sagt, er hat das super hingekriegt. Letzten Winter waren Diego und ich uns einig, dass man die Stangen auch einfach beiseite schubsen kann, wenn die im Weg liegen. Aber wir haben beide festgestellt, dass sich das sehr negativ auf die Keksrate auswirkt. Man muss also die Hufe richtig hochheben und dabei auch gut zielen, damit alles liegen bleibt. Jedesmal wenn man es ohne KLONK schafft, gibt es einen Keks – bzw um diese Jahreszeit lecker Apfelstückchen, das lohnt sich richtig! Es fing einfach an, aber dann hat sie die Stangen immer höher gelegt. Ich sage euch, das ist anstrengend! Da muss ich meine Füße ordentlich hochnehmen, im Trab wäre das leichter mit etwas Schwung. Aber nein: Schritt.

Hoch die Füße!

Als ich dann 20 Minuten über die Stangen geturnt war, wurde mir etwas matt. Da hat mein Mädchen gemeint, wir gehen noch kurz wippen. Ah, wippen mag ich! Habe vorgeschlagen, dass wir diesmal mit quer wippen anfangen (also mit den Vorderhufen auf der Wippe von rechts nach links) und hab meinem Mädchen erstmal gezeigt, wie toll ich das jetzt kann. Dann eine vorsichtige Wendung auf der Wippe und noch „normal“ gewippt. Ich habe jetzt rausgefunden, wie ich meinen Schwerpunkt viel weiter nach hinten verlagern kann. Ui, aber da müssen meine Hinterbeine gut halten, damit ich nicht das Gleichgewicht verliere! Mein Mädchen war hingerissen von meiner Performance und alsbald hat sie gesagt, wir machen lieber Schluss, bevor meine Kräfte mich verlassen.

Das war ein richtiges Workout sage ich euch! Jetzt ahne ich schon, was mir im Winter an Krafttraining bevorsteht. Na wie gesagt: so lange die Keksrate stimmt.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel im Fitness- Studio

Distanzreiten

Distanzreiter sagen gern „jedes normal gerittene Pferd kann einen Einführungsritt laufen“. Auf der Seite des VDD ist das zum Glück etwas vorsichtiger formuliert, dort steht „Ein gesundes Pferd oder Pony, was regelmäßig 3-4 mal in der Woche gearbeitet wird, sollte einen Einführungsritt/Fahrt von 25-40 km schadlos überstehen.“ (Quelle)

Ein Blick in meinen Kundenkreis lässt da bei mir sofort die Frage aufkommen: was heißt „gearbeitet“? Denn viele meiner Schülerinnen machen viel Handarbeit, Bodenarbeit aller Art, reiten viel Schritt. Längere Zeit traben oder gar galoppieren tun viele gar nicht – aus verschiedenen Gründen. Und beim Ausreiten hapert es hier in Schleswig-Holstein häufig an geeigneten Wegen – wer längere Trab- oder gar Galoppstrecken vor der Haustür hat, kann sich glücklich schätzen. Hier bei uns im Gelände vor Ort ist das schon sehr schwierig, da müsste ich viel Asphalt traben (was ich mit Einlagen in den Hufschuhen durchaus machen würde) und dann hoffen, dass mir nicht allzu viele Autos/Fahrräder/Spaziergänger/Trecker entgegen kommen, so dass ich nicht dauernd durchparieren muss. Die Strecken die wir reiten und das Training das wir machen ist für uns nur möglich weil wir den Luxus eines Anhängers und Zugfahrzeugs haben und also in anderes Gelände fahren können.

Der Einführungsritt, den wir 2018 mit Finlay geritten sind, war jeweils mit T8 ausgeschrieben (8min pro km, also 7,5km/h). Was habe ich vorher gerechnet und mit Equilab die Gangarten getrackt: wie viel Trab müssen wir schaffen, damit wir innerhalb dieser Zeit bleiben? Mir erschien das schwierig. Geritten sind wir nachher tatsächlich deutlich flotter, wir waren mit Tempo 7 unterwegs (8,5km/h). Aber zum Anfang unseres Trainings konnte ich mir das kaum vorstellen, denn Finlay war im Schritt extrem langsam.

Duncan schafft im Schritt 5,5km/h (das wäre T11) und im Trab 11,5km/h (entspricht ca T5). Wenn ich über die damals ausgeschriebenen 28km in Tempo 8 reiten wollte, müsste ich also 14km traben (das dauert 70min) und 14km im Schritt reiten (dauert 154min), um in den vorgeschriebenen 224min ins Ziel zu kommen. Die beiden Einführungsritte, die ich mit Finlay geritten bin, waren jeweils ohne Pause ausgeschrieben, die Strecke wurde also an einem Stück geritten. Mit so einer Rechnung bin ich damals ins Training gestartet um zu wissen, was wir können müssen.

Der Ritt, bei dem ich jetzt geholfen habe, war mit T9 ausgeschrieben und hatte eine 40minütige Pause, das ist wesentlich gemütlicher.

Aber es geht auch noch um ganz andere Dinge auf so einem Ritt: das Pferd muss ja erstmal zum Veranstaltungsort kommen, also sich verladen lassen und entspannt fahren. Am Veranstaltungsort wird in der Regel keine Box zur Verfügung gestellt, sondern man baut sich selbst einen Paddock: das Pferd muss also zaunsicher sein und sollte sich nicht endlos aufregen über alles, was es dort zu sehen gibt. Dann stehen mindestens 2, im Falle einer Pause sogar 3 tierärztliche Untersuchungen an. Ins Maul fassen, das Auge anschauen, Hautfalte ziehen, abhören, Muskulatur abtasten, vortraben. Auf dem Ritt, bei dem ich geholfen habe, waren 3 oder 4 Pferde, die bei der dritten Untersuchung dieser Art sehr ungnädig waren. Ich war verwundert, dass ihnen zum einen trotzdem einen guten Gesamteindruck attestiert wurde und dass zum anderen nur eine Besitzerin kommentierte „das müssen wir wohl mal üben“. Ich hätte mir gewünscht, dass das Thema angesprochen wird und die Reiterinnen in die Pflicht genommen werden, herauszufinden, was das Problem ist. Hatten die Pferde zu viel Stress, waren sie zu müde oder war es einfach die wiederholte Konfrontation mit der Tierärztin? Wenn ein Pferd so deutliche Gegenwehr zeigt, darf das in meinen Augen nicht kommentarlos hingenommen werden – auch wenn für den Moment die Lösung darin besteht, dem Pferd zu sagen, dass das jetzt sein muss.

Neben diesen Dingen müssen die Pferde auch damit zurechtkommen, im Gelände anderen Pferden zu begegnen, überholt zu werden und selbst zu überholen. Sie müssen durch fremdes Gelände laufen in dem man nie weiß, ob hinter der nächsten Kurve eine Rinderweide, ein Matschloch oder gestapelte Heulage-Ballen mit flatternder Plane lauern. Das Wetter spielt dabei natürlich auch seine Rolle – ist es heiß und mückig, windig und regnerisch oder mild und sonnig?

Und als ob das nicht genug wäre, müssen die Pferde auch noch damit leben, dass ihr Mensch sicher eine gewisse Aufregung mitbringt und im Start/Ziel-Bereich eine etwas wuselige Grund-Atmosphäre herrscht.

Kurz und gut: es wäre wünschenswert, dass jedes Reitpferd die Grundkondition für einen Einführungsritt hat. Und diese Grundkondition rein körperlich herzustellen, ist auch nicht so ein großes Hexenwerk, erfordert aber etwas Planung, Zeit und Engagement. Aber all das Drumherum will geübt und überlebt werden. Und ich persönlich würde nicht wollen, dass mein Pferd alles auf einmal zum ersten mal wuppen muss. Ihr wisst schon: ich mag alles üben.

Ich hoffe ich habe Euch jetzt nicht abgeschreckt und Ihr seid noch dabei. Denn so ein Ziel vor Augen zu haben, kann ein wunderbarer Ansporn sein. Eine Liste an Dingen, die gehen müssen, ein Trainingsziel für die körperliche und mentale Fitness. Auch auf diesem Distanzritt ist mir wieder aufgefallen, wie freundlich die Atmosphäre ist. Niemand tritt mit großem Ehrgeiz an und alle sind sehr hilfsbereit untereinander. Ich erinnere mich noch an unseren allerersten Ritt, den wir bestritten haben ohne jemals vorher auf einem Distanzritt gewesen zu sein. Checkkarten, Vortraben, Trossen – wir hatten keine Ahnung von nix. Wir sind damals zur Meldestelle marschiert, haben gesagt „wir sind die die von nix ne Ahnung haben“ und wurden wunderbar durch den Ablauf des Rittes geleitet. Es gab wertvolle Tipps gratis und niemand hat uns belächelt oder von oben herab belehrt. Ich kann also jeden Freizeitreiter nur ermutigen, so ein Abenteuer mal in Angriff zu nehmen. Mit Finlay habe ich damals im Januar 2018 den Entschluss gefasst, das wagen zu wollen und bin im September auf den Ritt gegangen. Das ganze Jahr hatte ich diese Vision vor Augen und ich kann euch sagen: oft bin ich nur deswegen überhaupt aufs Pferd gestiegen. Auch mal abends, bei immer noch 32° im halbdunkeln. Und es hat sich gelohnt, denn das Vergnügen liegt ja nicht nur bei dem einen Tag an dem man den Distanzritt bewältigt, sondern in all den kleinen Zielen, die man vorher erreicht, all den Fortschritten, die man sieht. Und ganz nebenbei lernt man sein Pferd noch viel besser kennen und beobachten. Ob es jetzt ein Distanzritt oder etwas anderes ist: ich wünsche mir, dass mehr Pferde mit ihren Menschen mal solche Unternehmungen wagen. Schon die Vorbereitungen für so ein kleines Abenteuer bringen Pferd und Mensch voran, sowohl in der Beziehung zueinander als auch was die Fitness angeht. Also traut Euch, da gibt es noch so viel zu entdecken!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 550

Nach dem erfolgreichen Sonntagsausflug kam der traditionelle Montags-Ritt. Ab in die Wackelkiste, den Ausreitkumpel abholen und los. Aber kaum waren wir angekommen, fing es an zu regnen. Also sind wir noch ein bisschen in der Wackelkiste stehen geblieben und haben Heu gefuttert. Dann wurde der Regen doller. Und noch doller. Vorne im Auto saßen die Mädchen und haben gewartet, hinten standen wir und haben Heu gegessen. Es schüttete.

So lange es regnet, futtern wir noch ein bisschen.

Aber irgendwann war es dann doch vorbei. Aussteigen, satteln los reiten. Der ganze Regen der da runter gekommen war, stieg jetzt wieder auf und machte dicken Nebel. Die Mädchen fanden es romantisch, wir Ponys eher gruselig. Perfektes Säbelzahntiger-Anschleich-Wetter war das! Uns wurde versprochen, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt. Aber wer weiß? Wir Ponys sehen ja so lecker aus…. Trotzdem sind wir mutig voran getrabt (meistens) – einer von uns hat es immer geschafft. Manchmal war das, als würde man in eine weiße Wand rein laufen! Der Boden war glitschig von dem vielen Wasser was da in so kurzer Zeit runter gekommen war. Also kein Galopp, aber Trab ging, wenn man gut auf die Hufe aufgepasst hat. Schuhe hatten wir zum Glück keine an (oder zum Pech, dann hätten wir mehr über den Asphalt laufen können und wären nicht immer die Bankette langgeglitscht). Mein Mädchen meinte, das hätte ich ja nun wirklich hinreichend geübt bei der ganzen Toberei, die ich in jüngeren Jahren so veranstaltet hab. Damals, als ihr immer ganz blümerant wurde, wenn sie mich beobachtet hat beim spielen und toben. Jetzt bin ich ja nicht mehr so wild, aber diese erworbene Fähigkeit, meine Füße auch bei Glitsch unter mir zu halten, die ist ja noch da.

Also Trab. Und Trab. Und Trab. Und mehr Trab. Mehr Nebel. Und es wurde dunkel. Und noch dunkler. Trab. Immer weiter. Mein Mädchen war ein bisschen müde, aber sie hat gesagt, wir schaffen das beide. Und es wurde noch dunkler. Mein Mädchen hat die Lampe angemacht, aber bei dem Nebel hat man mit Lampe noch weniger gesehen als ohne, also wieder aus. Irgendwann hat sie zu mir gesagt „du siehst mehr als ich, also bitte kümmere dich um den Weg“. Ok, kriege ich hin. Hab schließlich die besseren Augen und ich weiß auch, dass es nicht mehr weit ist bis zur Wackelkiste. Das hab ich mir nämlich in den letzten Monaten angewöhnt: immer merken wo die Wackelkiste steht. Das ist manchmal nicht so einfach, weil wir von verschiedenen Orten in das selbe Gelände starten. Aber ich gebe mir Mühe den Überblick zu behalten.

Eine letzte Kreuzung, ein schneller Blick auf die Karte (ich wurde nicht gefragt, hab wohl nicht deutlich genug gesagt wo es lang geht), sind nur noch 500 Meter. Schritt! An der Wackelkiste angekommen war es fast komplett dunkel. Ich war hungrig, habe aber auf Aufforderung artig gewartet, bis alles abgetüddelt war. Bis auf den Moment als das Mädchen vom Ausreitkumpel den Deckel von der Keksdose offen gelassen hat…. wer soll da nein sagen?

Dann durften mein Ausreitkumpel und ich noch was grasen, während mein Mädchen die Wackelkiste gewendet hat. Ich hab meinen schicken roten Schlafanzug anbekommen, damit mein Rücken warm bleibt. Den haben wir geschenkt bekommen von einer erfahrenen Distanzreiterin! Der Schlafanzug war schon auf vielen Distanzritten mit. Da fühle ich mich wie so ein Vollprofi wenn ich den anziehen darf.

Die Mädchen fanden es romantisch, wir Ponys eher etwas gruselig.

Und schon ging es wieder heim und dort durften wir dann auch alle direkt auf die Weide.

Ok diesmal war die Kalorienbilanz für mich leider nicht so gut, aber mein Mädchen sagt, wir haben nochmal richtig was für die Fitness getan. Wir sind nämlich 11km solide durchgetrabt! Mit 11,5km/h. Wie lange wir also am Stück getrabtsind, könnt ihr leicht schätzen. Leider hat mein Mädchen keinen Puls gemessen, weil das im Dunkeln eh alles so tüddelig war. Schnaufig war ich jedenfalls nicht, dass fand sie schon mal ein sehr gutes Zeichen.  Es war jedenfalls ganz schön anstrengend mit dem Nebel, der Dunkelheit und dem glitschigen Boden, aber ich bin ja ein tapferer Ritter und kann sowas.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel im Nebel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 549

Und wieder bin ich um zwei Ausritte reicher geworden. Hier erst mal der Bericht vom Sonntag:

Mein Mädchen und ich sind wieder allein losgezogen. Diesmal ist sie gleich auf dem Hof aufgestiegen und hat mir gesagt, dass wir rechts vom Hof gehen. Wenn ich es nicht schaffe, hat sie versprochen, steigt sie ab. Aber ich hab das geschafft! Bin los gegangen, zuerst etwas zögerlich, aber es ging. Beim Nachbarn war ein bisschen Halligalli auf der linken Seite wo der Hengst ist. Und auf der rechten Seite war jemand auf dem Reitplatz. Da konnte ich mich gar nicht so richtig entscheiden, musste erstmal stehen bleiben. Aber nach ein bisschen gucken ging es weiter. Wir haben einen kleinen, fluffigen Trab eingelegt und sind einfach geradeaus in Richtung Dorf. Aber bevor man ins Dorf kommt, geht es rechts ab, da ist ein Grasstreifen auf dem wir reiten dürfen. Den bin ich auch noch fröhlich lang marschiert und als es gerade so richtig gut lief, hat mein Mädchen mich angehalten und ist abgestiegen. Grasen! Mmmmm das ist ja fein!

Diego und der Mann sind derweil auch von zu hause gestartet und haben sich auf den Weg gemacht, uns einzuholen. So ein Mist, dass die so schnell sind! Ich konnte gar nicht so viel Gras essen wie ich gern wollte.

Mist, da kommen sie schon!

Na gut, als sie dann da waren ist mein Mädchen wieder aufgestiegen und mit Diego und dem Mann zusammen sind wir dann weiter ins Dorf und hinterm Dorf rum. Da durfte ich dann auch nochmal vorweg traben, damit wir noch ein bisschen „alleine“ unterwegs sind. Und tatsächlich hab ich fast vergessen, dass Diego hinter mir ist und mich kurz erschreckt als er angetapert kam – hörte sich komisch an! Mein Mädchen hat mich ein bisschen ausgelacht. Dann weiter. Hier müssen wir links! Ja das stimmt. Zum Glück, ich hatte kurz befürchtet, sie könnte rechts wollen, da gehts zum Berg…..

Und schon waren wir wieder auf dem Heimweg. Ich hab wieder bewiesen, wie gut ich mit Motorrädern klar komme (mein Mädchen muss da immer doll atmen. Ich frage dann nach einem Keks, füttern beruhigt ihre Nerven). Sie hat wieder ihr ABC-spiel gespielt, diesmal mit Automarken. Kennt jemand eine mit J ?

Als wir dann bei meinem alten Freund, dem Mülleimer, vorbeikamen, ist sie abgestiegen und ich durfte wieder 10min grasen, während Diego schon nach hause gegangen ist. Ah, schön schlemmen! Dann ging es heim und wir waren sehr zufrieden mit unserem Ausflug. Insgesamt habe ich es diesmal geschafft, mehr Kalorien zu mir zu nehmen als ich verbraucht habe und das ist eine tolle Bilanz, finde ich!

Euer Winterspeck sammelnder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 548

Wackelkiste! Ausflug! Und das bei dem schönen Wetter.

Ab in den Wald, dort trafen wir Herrn Fjord, den kenne ich ja nun schon. Ich finde allerdings trotzdem, dass er am besten aussieht, wenn er mir nicht zu nah kommt. Naja. Erstmal satteln. Wie ich da so stehe kommt ein älterer Herr angedackelt und tätschelt mir erstmal ungefragt den Po. Mein Mädchen war mal wieder froh, dass ich ein so entspannter Geselle bin und sowas mit Fassung trage!

Dann ging es los, auf bekannten Wegen. Ich war gut drauf und bin ordentlich marschiert, das war für Herrn Fjord aber kein Problem, der hat gut mitgehalten. Ich hab ihn öfter mal angemeckert, wenn ich fand, dass er in der falschen Position war (und das war er immer dann, wenn er ansatzweise neben mir war. Aushalten kann ich den eigentlich nur vor oder hinter mir. Aber mein Mädchen findet, er darf auch neben mir gehen, zumal wenn da genug Abstand ist. ICH FINDE DAS NICHT!)

Der sonst so ruhige und stille Wald war gestern gar nicht ruhig und still. Da waren Fußgänger mit und ohne Hund, Radfahrer und auch erstaunlich oft Autos unterwegs. Und Pfützen – ich meine, Pfützen sind normal, aber wenn die Sonne so scheint und sich darin so fies spiegelt, ist das schon nochmal eine andere Nummer. Wobei Herr Fjord eine kuriose Art hat, mit Pfützen umzugehen: der planscht da drin rum! Ey! Hör auf hier herumzuspritzen! Ich sag ja: der soll mal lieber Abstand halten!

Nach einer Weile, als wir auf dem schönen geraden Weg waren, sagt mein Mädchen „Trab!“ – und ich weiß ja jetzt wie sie das will: schnell! Bin also abgezogen wie gelernt. Da ist mein Mädchen fast vor Lachen von meinem Rücken geplumpst, weil Herr Fjord etwas überrascht hinter uns her schaute! Sie hat mir dann erklärt, dass mein Trabtempo bitte variabel anpassbar sein soll an die Gegebenheiten. Also mit dem Ausreitkumpel so schnell wie möglich, aber wenn jemand dabei ist, der nicht so schnell ist, dann eben ruhiger. Ach so. Na dann trabe ich eben langsamer, auch kein Problem. Mein Mädchen hat sich gefreut, dass ich das kann.

Plötzlich schallt es von hinten „Radfahrer! Aus dem Weg!“ Oha, auf so eine freundliche Aufforderung machen wir natürlich gerne Platz….

Also Schritt, die Radler vorbei lassen. Vorne tauchte derweil aus einem Seitenweg ein Pferd mit Reiterin in Fahrradbegleitung auf. Das Mädchen von Herrn Fjord meinte nur ganz trocken „oh, ein Nicht-Reiter mit reitender Freundin – herzliches Beileid!“ und dann haben unsere beiden Mädchen gelacht. Das Pferd lief derweil die ganze Zeit im Schritt vor uns her und ich wollte es ja nun wirklich gern einholen! Aber ich weiß ja: ungefragtes Antraben ist nicht gestattet. Also habe ich im Schritt Gas gegeben. Mein Mädchen hat schon wieder gelacht, weil ich plötzlich so schnell Schritt gehen kann wie nie! Wie so eine Nähmaschine, sagt sie. Aber das Pferd haben wir trotzdem nicht eingeholt. Schließlich sind die abgebogen und wir sind geradeaus weiter und dann konnten wir auch endlich wieder traben. Huiiiiii und los! Ach so nein, ich soll ja heute ruhiger machen. Wir sind ein schönes Stück durchgetrabt und mein Mädchen war enorm zufrieden mit mir. Ich war auch zufrieden. Bis plötzlich…

REH!!!

Das kreuzte vor uns den Weg ohne zu fragen! Da hab ich mal ne Vollbremsung gemacht. Mein Mädchen fand, dass ich gut reagiert habe, weil ich dann einfach stehen geblieben bin und geguckt habe und dann weiter getrabt bin.

Dann ein bisschen Schritt, noch ein bisschen Trab, wieder Schritt. Zwischendurch hatten wir doch noch Distanzritt-Feeling, denn die Markierungen hingen noch überall in den Bäumen, das hat meinem Mädchen gleich noch mehr gute Laune gemacht, weil sie wieder von einem Distanzritt träumen konnte.

Markierung = Distanzritt-Feeling

Dann gemütlich im Schritt die kleine Straße lang (auf der uns bisher noch nie auch nur eine Menschenseele begegnet ist). Einer rechts am Rand, einer links am Rand – ja ok, war blöde, aber muss man sich deswegen als Radfahrer zwischen uns durchschleichen und uns erst ansprechen wann man genau zwischen uns ist? Der hatte Glück, dass wir so coole Socken sind. Nur die Mädchen sind ordentlich zusammengezuckt. Dann an der Schafweide vorbei, plötzlich blökt es links von mir sehr laut! Aber auch da ist nur mein Mädchen zusammengezuckt, ich hab das weggesteckt. Und dann, als wir nachher im Schritt waren, waren da noch diese Menschen, die den Wald eingesammelt haben. Also irgendwie den ganzen Wald: körbeweise Moos und so alte, getrocknete Zweige. Das fanden wir gruselig. Das haben die alles in ein Auto geladen – ich glaub, die wollten den Wald stehlen! Den schönen Ausreit-Wald! So geht das ja nun nicht!

Unsere Mädchen fanden, wir haben das alles toll gemeistert, mit den vielen Menschen die da unterwegs waren, wo sonst nie jemand ist. Noch ein letzter Trab, eine letzte Pfütze – diesmal hatte Herr Fjord eine neue Idee und wagte einen Sprung darüber, was sein Mädchen einen kurzen Moment aus der Fassung brachte – dann den letzten Kilometer Schritt zu Fuß. Herr Fjord war etwas außer Atem, deswegen fand sein Mädchen, er sollte noch etwas verschnaufen bevor er in die Wackelkiste steigt. Mein Mädchen hat dann – ponyfreundlich wie sie nun mal ist – vorgeschlagen dass sich ja anbieten würde, uns etwas grasen zu lassen. Ich war zwar überhaupt nicht außer Atem, fand den Vorschlag aber super und habe mich direkt in die leckeren Brombeeren gestürzt, während Herr Fjord etwas krüsch im Gras herum gewühlt hat, bevor er etwas fand, was er essen mochte. Wir haben also noch ein paar Minuten geschlemmt, bevor es dann wieder in die Wackelkiste ging und ab nach hause. Gute 14km in knapp über 2 Stunden haben wir geschafft und mein Mädchen war ganz erstaunt, denn der Ritt kam ihr sehr gemütlich vor. Früher waren 7km/h Durchschnitt schon recht flott, aber jetzt ist das eine ganz entspannte Nummer. Ich war fit und fidel bis zum Schluss und schon hatte mein Mädchen gute Laune, weil das ganze Fitness-Training eben doch was gebracht hat. Kopfmüde war ich auch nicht, trotz all der Menschen, die da unterwegs waren. Also alles fein und ich bin wieder der Held!

Unser Ausritt in der Übersicht, allerdings sind längst nicht alle Autos und Radfahrer eingezeichnet, sonst würde man das Bild nicht mehr sehen….

Abends hat mein Mädchen sich dann schnell noch bei Agriaride angemeldet, die spenden nämlich in diesen Tagen 5€ an die Pferdeklappe für jede Anmeldung. Bis morgen könnt ihr da auch noch mitmachen!

Euer fröhlicher Sir Duncan Dhu of Nakel