Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 495

Gestern hatte ich schon wieder einen Spezialauftrag als Lehrpferd! Diesmal kam eine nette Schülerin von meinem Mädchen. Die hat selbst auch Ponys und kann echt gut reiten – nur nicht im Galopp. Im Gelände kann sie voll gut Galopp reiten, aber in der Bahn auf dem Kreis kriegt sie das nicht hin, sagt sie. Und ich kann das gut verstehen! Ich fand das am Anfang auch voll kompliziert. Ich meine: geradeaus galoppieren ist ganz leicht. Aber wenn da immer eine Kurve an der anderen kommt, das ist schon ein anderer Schnack! Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie schwierig ich das am Anfang fand. Erst zu Weihnachten letztes Jahr habe ich es zum ersten Mal geschafft, mit meinem Mädchen auf dem Rücken auf dem Reitplatz zu galoppieren. Also ich verstehe, das man das auch als Reiterin kompliziert finden kann. Und umso mehr war ich natürlich bereit, zu helfen.

Mein Mädchen hat mich an die Longe genommen, damit unsere gemeinsame Reitschülerin nicht auch noch lenken muss. Die hat sich erstmal nur aufs Sitzen konzentriert, während mein Mädchen mir gesagt hat, welche Gangart dran ist. Dann wurde es etwas komplizierter für mich, denn jetzt hatte mein Mädchen zwar noch die Longe in der Hand und im Zweifel auch das letzte Wort, aber meine Reiterin sollte versuchen, mir zu sagen, wann ich angaloppieren soll. Und zwar nicht mit der Stimme, sondern mit ihrem Sitz und ihren Beinen. Mein Mädchen hat derweil ruhig in der Mitte gestanden. Und ich hab das jetzt kapiert: wenn von ihr so gar nix kommt, muss ich mich nach dem anderen Menschen richten, der da ist. Hab ich gemacht. Habe geknobelt und gelauscht und nachgefragt und ausprobiert, bis ich kapiert hatte, was meine Reiterin will. Und was soll ich euch sagen: nach ein paar Versuchen hatten wir beide das schon ganz gut raus! Und jetzt kann meine Schülerin sich auch vorstellen, wie das gehen könnte, im Kreis zu galoppieren. Vielleicht kommt sie nochmal zum üben, mal sehen. Bis dahin ist mein Mädchen wieder verdammt stolz auf mich, weil ich das so toll hingekriegt habe und so schlau rausgefunden habe, wann ich auf wen hören soll. Ja, ich bin eben ein kluger Ritter! Und schon voll das gute Lehrpony, sagt mein Mädchen, vor allem in Anbetracht meiner noch jungen Jahre und spärlichen Erfahrung in dem Job.

Ich kann das!

Euer Galopp-Erklärer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 494

Gestern war meine kleine Freundin wieder da. Wir sind jetzt schon ein richtig gut eingespieltes Team. Ich halte ihr meinen Kopf hin und schiebe meine Nase ins Halfter und dann warte ich, bis sie meine Ohren da durch gewurschtelt hat. Mein Mädchen hat mir diesmal kurz vorher ein paar Zöpfchen geflochten, weil mein prächtiges Wallehaar das aufhalftern sonst sehr erschwert. So ging das sehr gut.

Weil ich ja letztes mal plötzlich auf dem Fuß meiner kleinen Freundin gelandet war, hat mein Mädchen ihr gezeigt, wie sie mich von sich weg wenden kann, damit ich nicht auf ihrem Fuß lande. Dann wieder putzen, Pad drauf machen und los ging es zum Reitplatz. Auch dort hatte mein Mädchen schon Sachen aufgebaut, damit meine kleine Freundin lernt, mich besser zu dirigieren und mich nicht direkt auf ihren eigenen Fuß zu lenken. Erst ging es ins „Hütchen-Schloss“. Meine kleine Freundin hat sich vorgestellt, sie sei eine Prinzessin und sie muss ihr Schloss gegen Eindringlinge verteidigen. Ponys dürfen nämlich nicht ins Schloss, die wohnen im Stall! Ich sollte dann im Kreis herum gehen um ihr Schloss. Nach ein bisschen knobeln haben wir beide das gut hingekriegt und auch den Richtungswechsel gut geschafft. Als das geklappt hat, haben wir noch „Ecken laufen“ geübt. Mein Kopf war schon etwas angestrengt und dann werden meine Füße ja immer so schnell, weiß auch nicht warum das immer passiert. Aber wir haben auch das noch gut hingekriegt.

Die Prinzessin verteidigt ihr Hütchen-Schloss

Zum Schluss ist meine kleine Freundin noch aufgestiegen und wir haben die Übungen wiederholt, nur dass sie diesmal oben saß und mein Mädchen mich gelenkt hat. Und am Ende haben wir nochmal Absteigen geübt, da hatte meine kleine Freundin noch Übungsbedarf. Aber jetzt hat sie das voll raus! Und schon war wieder Feierabend und der beste Teil war dran: sie hatte einen Tupper voller Möhrenscheiben mit! Und die durfte ich eine nach der anderen verspeisen (bis auf ein paar, die Caruso abgestaubt hat. Aber Caruso ist mein Freund, das ist ok.)

Mein Mädchen war wieder sehr stolz auf mich, aber auch auf meine kleine Freundin, die sich wieder alles so gut gemerkt hat und alles so gut hinkriegt mit mir. Und heute habe ich wohl schon wieder einen Spezial-Auftrag, wie ich gehört habe, da bin ich ja mal gespannt!

Euer Lehrpony Sir Duncan Dhu of Nakel

Nein

Duncan steht am Zaun und starrt gebannt auf die Weide. Dort, oben auf dem Hügel, sieht er Arnulf. Der ist schon wieder auf die Jagd nach Jakobs-Kreuzkraut gegangen. Aber Arnulf ist auch derjenige, der die Ponys morgens für 30 min ins Gras lässt. Und dass er jetzt, einige Stunden danach, auf der Weider herumläuft, scheint in den Ponys Hoffnungen zu wecken. Ich möchte reiten und rufe Duncan. Der schaut mich kurz an und dreht sich dann wieder weg. Ich räume den Reitplatz auf, Stangen weg, Hütchen hin. Ab und zu rufe ich Duncan, aber mehr als einen Blick bekomme ich nicht. Also gut, dann hole ich ihn eben. Ich gehe auf den Paddock und rufe ihn wieder. Er geht einen zögerlichen Schritt auf mich zu. In diesem Moment beschließt Diego, doch mal nachzuschauen, was Arnulf da treibt und geht den Rundlauf entlang um den Hügel hochzukommen und bessere Sicht zu haben. Und Duncan beschließt, lieber Diego zu folgen als zu mir zu kommen. So deutlich hat er (soweit ich mich erinnere) noch nie NEIN zu mir gesagt.

Ich habe mir immer vorgenommen, ein deutliches Nein zu akzeptieren. Ich drehe mich also um und gehe – frustriert – in den Stall. Dort ist genug zu tun…. Duncan wandert mit seinen Freunden um den Rundlauf. 1,5 Stunden später versuche ich es erneut. Duncan steht an der selben Stelle im Paddock wie zuvor, aber Arnulf ist nicht mehr auf der Weide unterwegs. Ich rufe Duncan und der kommt – wie sonst ja auch üblich – prompt zu mir. Wir genießen eine fabelhafte Reiteinheit (wenn es jetzt auch noch etwas wärmer ist als zuvor, aber das macht Duncan zum Glück nichts aus).

Eigentlich hat Duncan ja immer Lust, etwas mit mir zu unternehmen. Wenn ich ihn doch mal etwas bitten muss, er mal nicht gleich angelaufen kommt, dann sage ich immer „der Spaß kommt bei der Arbeit“. Er kommt spätestens dann, wenn ich ein Stück auf ihn zu gehe. Wegdrehen, so wie diesmal, tut er sich niemals und ich muss auch nie den letzten Meter zu ihm hingehen. Aber diesmal hatte Duncan wirklich keine Zeit für mich. Er war auf einer wichtigen Mission, er darf auf keinen Fall auch nur einen Grashalm verpassen. Das ist zu dieser Jahreszeit so und ich weiß das ja auch. Deswegen darf er im Moment auch vor dem Reiten jeweils einige Minuten am Reitplatzrand grasen, nach dem Reiten darf er das ja sowieso fast immer. Ich versuche, seinen Grashunger so gut wie möglich zu berücksichtigen. Diesmal war also eine neue Variante davon im Spiel und ich weiß jetzt: wenn Arnulf sichtbar auf der Weide herumturnt, werde ich keine Arbeitseinheit planen. Oder aber ich plane dann mal die Zeit ein, übe das „Einfangen“ mit Duncan und gehe dann ausgiebig mit ihm grasen. Das wäre mal eine gute Option, ihm zu zeigen, dass ich doch ganz brauchbare Ideen habe und meine Vorschläge ihm nutzen.

Im Nachhinein bin ich ein bisschen stolz auf mich, denn vor ein paar Jahren hätte ich das anders gehandhabt. Ich hätte darauf bestanden, dass Duncan mit mir kommt und ich hätte dafür auch Druck ausgeübt wenn nötig. Und damit meinem Pony gezeigt, dass die Dinge, die ihm wichtig sind, für mich keine Rolle spielen. Dass ich nur meine eigenen Ideen wichtig finde und ihn nicht wahrnehme. Das wäre ja schade gewesen, aber man hat es mir mal so beigebracht. Jetzt bin ich klüger und darüber freue ich mich. Und ich freue mich auch, dass Duncans Kommunikation so klar verständlich ist, denn es ist mir wichtig, zu wissen, wann er NEIN sagt. Im Umkehrschluss weiß ich dann nämlich auch, dass er wirklich JA sagt, wenn er zu mir kommt. Und das fühlt sich sehr gut an.

Update von Diego (bestimmt wartet Ihr darauf): es sieht gut aus! Wir haben verfrüht um ein neues Blutbild gebeten (diese Warterei haben wir so satt!) und das sieht bisher sehr zur Zufriedenheit der Tierärztin aus, es sind aber noch nicht alle Werte da, genaueres erfahren wir am Montag. Wir haben das Ok, ihn wieder anzutrainieren, tun also jetzt einfach mal so, als wäre alles in Ordnung. In 6 Wochen soll es ein neues Blutbild geben. Hoffentlich können wir dann sagen: vollständig gesund. Ich weiß, Eure Daumen sind schon blau, aber vielleicht könnt ihr noch ein bisschen drücken, während wir noch ein paar Wochen zwischen warten, beobachten, hoffen, Sorgen machen und auftrainieren schwanken.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 493

Da ich ja mit meinen Hufschuhen gelegentlich Verlustprobleme hatte, hat mein Mädchen mir jetzt eine geklebt. Ich meine: zwei. Und zwar an jeden Vorderhuf einen „Klebebeschlag“. Gestern haben sie und der Mann unter viel Gefluche und Geschimpfe und mit viel Geduld meinerseits (Keksrate war gut) diese Dinger an meine Füße geklebt. Dann durfte ich wieder in den Paddock und mein Mädchen hat gesagt, ich soll das mal testen wie die so sind und ob die gut halten. Und ihr kennt mich: ich mache keine halben Sachen! Wenn man mir sagt, ich soll das testen, dann teste ich. Und zwar mit Schwung und Schmackes! Nach einer ordentlichen Toberunde mit Gatsby musste mein Mädchen dann feststellen, dass diesen Härtetest nur einer der Klebebeschläge überstanden hat. Beim anderen hat sich der Klebekragen vom Beschlag gelöst. Der Klebekragen klebte noch an meinem Huf, während der Beschlag im Paddock herumlag. Mein Mädchen hat aber nicht mit mir geschimpft! Sie hat gesagt, ich habe gut getestet und das war eindeutig ein Verarbeitungsfehler seitens der Menschen. Also haben sie heute einen neuen Klebekragen an den Beschlag geschweißt und mir den Huf wieder beklebt. Und dann haben wir gemeinsam getestet: beim Montagsausflug!

Klebeschuhe für m mich zum testen

Da mein Ausreitkumpel IMMER NOCH humpelt, haben wir es wieder so gemacht wie letzte Woche: Das Mädchen vom Ausreitkumpel ist den Drahtesel geritten und hat mein Mädchen und mich begleitet. Aber diesmal haben wir auch noch eine Runde „allein ausreiten ohne alleine auszureiten“ eingebaut! Da gibt es nämlich so eine Runde, wo sich das anbietet. Mein Mädchen und ich sind vorneweg getrabt, während das Mädchen vom Ausreitkumpel Drahtesel klammheimlich eine Abkürzung genommen hat. Und plötzlich waren wir allein, mein Mädchen und ich! Aber es ging wirklich sehr, sehr gut mit uns. Die Strecke ist gut, da kann man ganz gleichmäßig durchtraben. Naja, bis auf den Moment, wo von hinten ein Auto kam. Mein Mädchen hat mich durchpariert und dann, als das Auto direkt hinter uns war, hat es plötzlich sehr laut gescheppert! Da war nämlich ein großer Viehanhänger dran. Herrje, was hab ich mich erschreckt! Habe einen kleinen Galoppsprung hingelegt, mein Mädchen hat mich Richtung Büsche gelenkt, aber da war das Auto auch schon vorbei und ich habe mir fix einen Keks geben lassen zur Beruhigung. Und schon ging es weiter im Trab. Ich bin sogar total mutig an den Schweinen vorbeigetrabt!

Dann links und wieder links – das ist doch einer der Wege wo wir so fein galoppieren geübt haben? Aber mein Mädchen meinte, das traut sie sich noch nicht und wir bleiben schön im Trab. „Steady, steady“ hat sie immer gesagt, damit mein sie, ich soll ganz fein den Takt halten. Sie redet dann oft englisch, weil sie immer an diese mutige Distanzreiterin aus England denkt, die mit ihrem Highlandpony immer ganz allein ausreiten geht. Damit sie selbst den Rhythmus gut halten kann, hat sie in ihrem Kopf immer unser Trablied gesungen („I’m still standing“ von Elton John). Laut singen mag sie nicht, sie braucht ihre Luft zum Traben, aber ich kann ja fühlen wie ihr Rhythmus ist und also weiß ich auch, was sie singt.

Nach einer ganzen Weile haben wir dann das Mädchen mit dem Drahtesel wieder eingeholt und sind gemeinsam Richtung Heimat getingelt. Zwischendurch gab es noch eine schöne Graspause. Leckerleckerlecker!

Das blaue ist die Abkürzung, die der Drahtesel genommen hat

Mein Mädchen wäre fast geplatzt vor Stolz – auf mich, aber auch auf sich selbst. Weil wir beide heute wieder sooooooo mutig waren!

Meine Klebepuschen haben auch gehalten, aber mein Mädchen findet, ich laufe noch nicht so komfortabel damit wie ich mit den Hufschuhen laufe. Jetzt will sie sie noch ein bisschen anders formen und dann mal weitersehen.

Euer beklebter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 492

Es gibt immer was zu üben. Meistens üben mein Mädchen und ich zusammen. Zum Beispiel beim reiten, da üben wir ja ganz viele Kurven und Übergänge und sowas. Und da üben wir beide das gleiche zur gleichen Zeit. Aber an der Doppellonge, da üben wir derzeit unterschiedliche Sachen. Also ich zum Beispiel übe weiterhin das angaloppieren aus dem Schritt. Vor allem rechts ist das doch schwierig und wenn ich es ganz richtig und total korrekt hinkriege, flippt mein Mädchen immer komplett aus.

Juhu, geschafft!

Außerdem üben wir jetzt immer, dass ich schön gleichmäßig auf meinen 4 Füßen verteilt stehe, wenn wir angehalten haben. Also mein Mädchen sagt „hoooo“ und ich halte an und sie auch, und dann gibt sie mir noch so ganz leise, kleine Kommandos und ich muss ganz genau zuhören und ausprobieren und meine Füße ein kleines bisschen von hier nach da bewegen, bis sie gut sortiert sind. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Und was übt mein Mädchen? Die übt, die Doppellonge in den Griff zu bekommen. Sie hat ja immer so ein bisschen herumgewurschtelt damit und schon vor längerer Zeit beschlossen, dass es Zeit wird, dass sie das mal vernünftig lernt. Sie wusste nur noch nicht wie. Aber dann hat sie von diesem Buch gehört mit dem verführerischen Titel „Vom Longensalat zur Doppellonge“ und da hat es sie gepackt! Denn Longensalat ist ja genau das, was sie hat. Also hat sie sich das Buch gekauft und wird euch demnächst noch mehr davon erzählen. Dann hat sie festgestellt, dass in dem Buch das mit der Doppellonge so erklärt wird, wie man es beim Kutsche fahren auch macht und das findet sie nun äußerst praktisch. Denn diese Griffe, die man da lernen und üben muss, die kann sie ja dann alle gleich auch zum fahren verwenden, wenn es denn endlich mal damit losgeht (so in 100 Jahren). Aber ich sage mal so: fahren lernen ist kompliziert, das selbe mit der Doppellonge lernen, ist noch komplizierter, sagt mein Mädchen! Jedenfalls braucht sie jetzt immer extra lang um irgendwas zu machen. Nachgreifen, länger lassen und die Richtungswechsel – bei allem muss sie erst nachdenken. Und dann freut sie sich wieder so, dass sie mich hat, denn als perfekter Gentleman warte ich immer geduldig, bis sie sich sortiert hat. Und langsam finde ich auch heraus, wann ich derweil einfach selbständig weitergehen kann und wann ich wirklich mal kurz stehenbleiben sollte. Und dann ist sie wieder doppelt stolz, weil ich das immer öfter von selbst und ohne Ansage richtig mache und lauter gute Entscheidungen treffe. Sehr erwachsen, findet mein Mädchen und dann hat sie wieder diese vielen Herzchen in den Augen. Ich werde wohl noch viel Geduld brauchen, sagt sie, bis sie das alles wirklich gut drauf hat. Macht nix, so lange nur die Keksrate stimmt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel an feinstem Longensalat

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 491

Meine kleine Freundin war wieder da! Wenn sie mir (mit meiner tatkräftigen Unterstützung) das Halfter angezogen hat,   führt sie mich aus dem Stall und dann dreht sie mich um, damit wir in einer guten Position zum Putzen stehen. Und irgendwie hat sie mich da sehr eng gewendet und plötzlich stand ich auf ihrem Fuß! Der Mann kam angesaust und hat mich runtergeschubst. Meine kleine Freundin hat dann erstmal ihren Fuß gekühlt und ich hab derweil mit meinem Mädchen auf sie gewartet. Dann hat mein Mädchen gesagt, wir müssen wohl ein paar Sachen üben, damit sowas nicht mehr passiert! Erst hat sie meiner kleinen Freundin erklärt, dass sie sich mit Händen und Füßen wehren und herzhaft brüllen darf, wenn ich ihr wehtue. Egal, ob ich unaufmerksam war oder mich erschreckt habe oder – wie in diesem Fall – einfach genau getan habe was mir gesagt wurde: wenn es wehtut muss meine kleine Freundin sich wehren, damit sie nicht kaputt geht. Sie ist ja so klein und leicht im Vergleich zu mir.

Mein Mädchen kann sich nicht erinnern, dass ich ihr schon jemals auf den Fuß getreten wäre. Deswegen hat sie dann zusammen mit meiner kleinen Freundin genau überlegt, wie und warum das passiert ist und wir haben auf dem Reitplatz die Wendung noch ein bisschen geübt. Mein Mädchen sagt, das ist der Plan für nächstes Mal, dass wir das mal richtig klar kriegen.

Das mit der Wendung üben wir nächstes Mal noch ausführlicher

Diesmal wollte sie gern den ursprünglichen Plan durchziehen weil das Wetter so warm und der Boden so trocken ist. Und jetzt wurde auch klar, warum wir am Sonntag so komische Sachen gemacht haben, meine kleine Freundin sollte nämlich auch mal ein bisschen turnen! Weil mein Mädchen weiß, dass meine kleine Freundin da ein bisschen Angst hat, hat sie sie ausgetrickst. Meine kleine Freundin sollte nämlich ihre Schuhe aus- und Stoppersocken anziehen. Das hätte sie natürlich unten auf dem Boden tun können, aber mein Mädchen hat gesagt, sie soll das auf meinem Rücken machen. Das war vielleicht kompliziert! Die Stoppersocken waren nämlich etwas zu klein, da hatte meine kleine Freundin Socken aus früheren Zeiten mit, als sie noch kleinere Füße hatte. Ich kenne das ja: man wächst und wächst und schon passen die Klamotten nicht mehr. Und also war es ganz schön schwierig für sie, in diese Socken reinzukommen. Manchmal hab ich mich dann umgedreht um zu schauen ob sie zurecht kommt, aber das fand sie nun gar nicht lustig, weil sie das so aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Also hat mein Mädchen gesagt, ich soll den Kopf vorne lassen.

Als das geschafft war, ging es ans eigentliche turnen. Mein Mädchen hat mich geführt, während der Mann direkt neben mir her gegangen ist und meine kleine Freundin abgesichert hat. Weil die ein bisschen Sorge hatte, dass sie von meinem Rücken plumpsen könnte. Mein Job war, einfach weiter zu gehen. Aber das, muss ich ehrlich gestehen, ist gar nicht so leicht! Zwei Menschen neben mir, einer auf meinem Rücken und der macht da oben auch noch komische Sachen, da muss ich mein Gleichgewicht und meine Nerven ganz gut zusammenhalten. Und nicht stehenbleiben wenn geturnt wird, sondern weitergehen, anders als ich es gelernt habe. Puh! Mein Mädchen hat mich mit Keksen bei Laune gehalten aber ich fand das echt anstrengend. Zum Glück sind diese Zeiten ja nie lang und nach 5 Minuten haben wir dann wieder angehalten. Meine kleine Freundin hat dann noch das Absteigen geübt, diesmal in der Variante mit Bein über meinen Hals nehmen und runterrutschen. Nach ein paar Wiederholungen hat sie das auf beiden Seiten sehr gut hingekriegt und dann war Feierabend.

Mein Mädchen hat nachher zu mir gesagt, ein gutes Lehrpferd tritt niemandem auf die Füße. Sie weiß, dass meine kleine Freundin mir die falschen Kommandos gegeben hat und ich eigentlich recht hatte damit, aber man tut das trotzdem nicht, sagt sie. Nur wie sie das mit mir üben kann, muss sie sich noch überlegen. Und derweil wird sie meiner kleinen Freundin beibringen, deutlicher mit mir zu sprechen und mich nicht direkt auf ihre Füße zu lenken.

Ich stelle fest: Lehrpferd sein ist anscheinend eine Kunst für sich! Man soll genau machen, was einem gesagt wird, aber manchmal eben auch nicht. Und woher soll ich jetzt wissen, wann was dran ist? Ganz schön kompliziert.

Euer Lehrpferd in Ausbildung Sir Duncan Dhu of Nakel

Bauchgefühl

Wenn man etwas über viele Jahre macht, hat man so viele Informationen gesammelt, dass ein solides „Bauchgefühl“ entsteht. Dieses Bauchgefühl ist in Wirklichkeit eine Ansammlung von Informationen, die sich über die Jahre zu einem Gesamtbild zusammengefügt haben und eine enorm gute Leitlinie sind. Als wir Diego 2012 gekauft haben, haben wir uns die Aufgaben gut eingeteilt: Arnulf hat auf sein Herz gehört und sich gefragt, ob Diego SEIN Pferd ist. Ich habe auf mein gut geschultes Bauchgefühl gehört, um zu sehen, ob Diego gesund ist. Mein Bauchgefühl war mir wichtiger als eine Ankaufsuntersuchung, denn während man dort natürlich gut erfahren kann, ob Knochen, Sehnen, Augen und Rücken in Ordnung sind, können viele Dinge nicht durch eine Untersuchung erfasst werden: hat das Pferd eine Neigung zu Koliken? Bekommt er vielleicht ein Sommerekzem oder Asthma? Hat er immer wieder Probleme mit Mauke, Raspe, Hufgeschwüren, Infekten? All das kann kein Arzt uns sagen, der das Pferd nur einmal sieht. Würde ein Verkäufer mir solche Dinge also verschweigen, würde ich sie erst nach Kauf herausfinden. Aber ich habe so viele Pferde gesehen – kranke und gesunde – dass ich meiner Einschätzung zu diesen Fragen inzwischen ganz gut vertrauen kann. Und ich lag richtig: Diego war immer gesund. In den Jahren bei uns hat er nicht mehr Probleme gehabt als eine kleine Verletzung und ein Hufgeschwür. Sonst war er jeden Tag startklar, einsatzbereit und fit. Bis jetzt. Und so habe ich in 12 Jahren mit ihm mein Bauchgefühl nicht erweitern können: wie benimmt er sich, wenn es ihm nicht gut geht? Was hilft ihm? Was könnte er haben? Keine Idee. Und dann hat er jetzt ja auch noch eine unbekannte Erkrankung über die die Tierärztin sagte „wir haben keine Anhaltspunkte außer dem Blutbild und seinem Befinden“. Und mit „Befinden“ sind all jene diffusen Dinge gemeint, die man gerade bei einem sowieso introvertierten Typen wie Diego so furchtbar schlecht objektiv an irgendwas festmachen kann. Also ist mein Hauptkriterium die Frage, wie viel Heu er frisst. Die Verweigerung von Heu war das erst Symptom und scheint auch das letzte zu sein was weggeht. Klar, um Ostern herum ging es ihm wirklich so deutlich schlecht, dass es nicht zu übersehen war. Aber davor und danach wechselte sein Zustand häufig, mal sah er eingefallen aus, mal wieder ganz gut, mal nahm er ganz normal am Herdenleben teil, dann wieder war er etwas stiller als sonst. Und ich war leider dumm. Denn weder habe ich Fieber gemessen, noch seinen Puls gefühlt, wenn er kein Heu fressen mochte. Warum? Weil ich so unglaublich auf die Zähne fixiert war, weil für uns alles nach einem Zahnproblem aussah. An dieser Stelle hat unser Bauchgefühl uns komplett in die Irre geführt und ich habe wieder was gelernt.

Objektive Kriterien sind die Mutter des Bauchgefühls. Woran mache ich fest, wie gut oder schlecht es einem Pferd geht? Puls, Atmung und Temperatur – himmelherrgottnochmal – das haben wir doch schon im Reitverein gelernt und sind doch wunderbare, objektive, leicht messbare Kriterien. Noch bevor ich meinem Pferd im Gesicht rum gucke und nach der Schmerzskala schaue, die zwar auch sehr gut erforscht und „messbar“ ist (und die jeder Pferdebesitzer kennen sollte!), aber manchmal auch nicht so leicht zu erkennen. Zumal Diego nicht oft ein Schmerzgesicht hatte, weil er wohl keine Schmerzen hat. Eine Infektion irgendeiner Art muss ja nicht mit Schmerzen einhergehen. Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, das alles kennen wir Menschen ja auch ohne Schmerzen, wenn wir krank sind.

Zurück zum Bauchgefühl. Geht es Diego besser? Ja, das tut es ganz sicher. Auch seine Blutwerte verbessern sich. Aber nach wie vor frisst er wenig Heu. Das kann nun verschiedene Ursachen haben. Einerseits haben wir ihn in den letzten Wochen haltlos verwöhnt. Die Devise war: Hauptsache er frisst überhaupt irgendwas. Es gab Gras, Müsli, Heucobs und Möhren. Und nicht nur ein Müsli und auch nicht nur eine Sorte Heucobs: wir haben wirklich aufgefahren, wie ich es noch nie in meinem Leben getan habe. Anfangs stand er vor 5 Schüsseln und naschte mit Glück von einer davon. Aber jetzt? Jetzt kann es gut sein, dass er einfach wartet, bis es etwas schmackhafteres gibt und dafür das dröge Heu einfach liegen lässt. Vielleicht hat er gelernt, dass wir weitere Leckereien servieren, wenn er ein bisschen enttäuscht auf der Speisekarte herumschaut? Oder aber es sind eben doch die Zähne, die ja nun laut Experte Nr 3 zu glatt geschliffen wurden, was das Heu mahlen etwas mühselig gestalten könnte, auch wenn nichts wehtut. Oder aber – und das wäre natürlich die schlechteste Version – es geht ihm eben doch noch nicht so gut, wie wir denken. Ein Bauchgefühl habe ich dazu nicht im Angebot, denn ich habe noch nie ein Pferd mit einer so unklaren Erkrankung gehabt. So heißt es jetzt: ausprobieren. Erstmal wieder objektive Maße finden. Sein Puls ist für mich ein solches Maß geworden. In der Anfangsphase der Antibiose war sein Ruhepuls bei 44 und das ist für Diego viel zu hoch. Später ging er wieder runter auf die üblichen 36. Ich finde den Puls nicht an allen Tagen und er unterliegt natürlich auch gewissen Schwankungen – der Anblick von Leckereien kann sicherlich dazu beitragen, dass er mal auf 40 hoch geht. Aber so im Mittel kann ich schon sehen, wie der Ruhepuls ist und mich daran ein bisschen orientieren. Fiebermessen steht jetzt sowieso jeden Tag auf dem Plan, aber er hält sich ganz brav im Normalbereich auf. Heute haben wir ein weiteres objektives Maß hinzugefügt: wir waren mit Diego auf der Waage. An seinem schlimmsten Tag wog er 540kg, heute waren es 585kg. Das ist gut, jetzt dürfen es gern noch 15-20kg mehr werden. Da wir Duncan auch mit hatten, wissen wir jetzt auch, dass unser derzeitiges Heu anscheinend extrem mager ist, denn Duncan hat abgenommen, obwohl er mehr Heu bekommt als im Winter. Das bedeutet, dass ich für Diego jetzt nach Heu mit mehr Kalorien suchen werde, denn das was wir da haben, ist für tendenziell zu dicke Ponys prima, aber kein Appetitanreger, der Speck auf die Rippen zaubert.

Alles weitere muss uns das nächste Blutbild sagen, das eine Woche nach dem Absetzen der Antibiotika gemacht wird (vermutlich Anfang übernächster Woche). Wenn die Werte sich normalisiert haben und normal bleiben, wissen wir, dass zumindest an dieser Front alles wieder gut ist. Dann heißt es wieder, das Bauchgefühl einzuschalten und genau zu beobachten, wie Diego sich entwickelt, wenn wir wieder anfangen, mit ihm zu arbeiten und ihn normal zu füttern. Denn die Tatsache, dass das Blutbild ok ist, heißt ja nicht zwangsläufig, dass er vollkommen gesund ist.

Beim Unterrichten lerne ich jeden Tag, Gefühl und Erfahrungswerte objektivierbar zu machen, so dass ich meinen Schülerinnen Kriterien an die Hand geben kann: woran erkenne ich, ob mein Pferd den Rumpf anhebt? Wie kann ich fühlen, ob der Takt stimmt? Manchmal ist es schwer, das Gefühl in Worte zu bringen. Aber ich habe durch Diegos Krankheit wieder einmal gelernt, wie wichtig das ist. Bauchgefühl entwickeln, indem man Erfahrungswerte sammelt, ist das eine. Das Bauchgefühl dann wieder messbar und erklärbar zu machen, ist das andere. Und wenn man – wie wir in den letzten Wochen – im Panikmodus unterwegs ist, dann ist auf das Gefühl kein Verlass mehr. Dann braucht es harte Fakten, kontrollierbare Daten, die uns Halt und Orientierung geben. Nach und nach kann daraus dann wieder ein „schlauer Bauch“ werden.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 490

Montag! Also Zeit für einen Montagsausflug! Nur, dass mein Ausreitkumpel immer noch einen Humpelfuß hat und also keinen Ausflug machen kann. Was ist also zu tun? Das Mädchen vom Ausreitkumpel hatte die Lösung parat. Sie reitet einfach den Drahtesel! Damit wir nicht nur zu dritt sind, hat das Mädchen vom Ausreitkumpel einfach ein paar Hunde als Gesellschaft mitgenommen. Die meisten von denen kenne ich, aber den einen noch nicht, den musste ich mir erstmal anschauen. Aber ich kann das jetzt – das Mädchen vom Ausreitkumpel hat ja immer irgendwelche Hunde mit und ich bin schon geübt darin, neue Hunde kennenzulernen.

Den braunen kenne ich noch nicht, erstmal hallo sagen!

Dann ging es los! Mein Mädchen dachte, ich finde das vielleicht alles komisch. Aber ganz ehrlich: das Mädchen vom Ausreitkumpel kenne ich doch schon seit einer Ewigkeit (genaugenommen seit dem Tag an dem ich bei meinem Mädchen eingezogen bin) und ich weiß, dass sie in der Lage ist, mir und meinem Mädchen zu helfen, wenn es Not tut. Also bin ich einfach ganz entspannt mitgegangen. Wir sind dann auch ganz fein getrabt und mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir. Und mit sich selbst war sie auch zufrieden, weil sie nicht ganz so aufgeregt war und es jetzt schafft, mir mehr Sicherheit zu geben, wenn ich etwas komisch finde. Als ich gerade so richtig schön warmgelaufen war, war dann plötzlich Graspause angesagt – an einer ganz anderen Stelle als sonst! Aber egal, Hauptsache da ist was Grünes zum Futtern für mich.

Lecker Grün

Danach ging es im Schritt zurück. Also ich hätte ja schon gerne noch eine Runde gedreht, aber so einen Drahtesel zu reiten ist wohl kein so großes Vergnügen wie auf einem Pony, daher waren wir nur knapp 7km unterwegs.  Ich hoffe, mein Ausreitkumpel ist bald mal wieder fit! Jedenfalls haben wir beschlossen, dass das eine ganz vernünftige Alternative ist mit dem Drahtesel, damit ich überhaupt mal raus komme. Und mein Mädchen weiß jetzt, dass ich kein Pony als Begleitung brauche, es reicht ein Mensch und vielleicht ein paar Hunde. Und eines Tages, sagt sie, sind wir beide uns so sicher, dass wir es auch ganz alleine wirklich gut können. Heute sind wir dem jedenfalls wieder einen kleine Schritt näher gekommen.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem Drahtesel-Ausreitkumpel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 489

Diegos Blutbild ist da und macht die Menschen nicht viel schlauer, aber etwas zuversichtlicher. Er ist aber immer noch nicht über den Berg und wir wissen immer noch nicht ob er wieder ganz gesund wird. Ein ganz schönes Geduldsspiel ist das! Da es ihm aber im Moment ganz gut geht, haben wir zusammen die Hausrunde gedreht, der Mann mit Diego zu Fuß und mein Mädchen ist mich geritten. Ach, das tat gut, mal wieder raus zu kommen! Am Anfang war ich etwas „drüber“ wie mein Mädchen sagt. Aber sie weiß ja jetzt, dass das von angestauter Energie kommt und gegen Ende ging es mir dann auch schon sehr viel besser. Danach wurde es dann noch ganz kurios. Schaut euch das mal an, was sie sich da jetzt wieder überlegt hat! Der Mann hat mich an den Strick genommen und das Kommando gehabt. Ich hatte einen komischen Gurt an mit zwei Griffen und Diegos Filzpad vom Sattel und dann hat mein Mädchen auf meinem Rücken rumgeturnt! Jetzt ist es ja so, dass ich normalerweise immer sofort stehenbleibe, wenn sie sich ungewohnt bewegt. So hab ich das gelernt! Aber jetzt gibt es anscheinend eine Erweiterung des Regelwerks. Mein Mädchen sagt, ich soll lernen, zu unterscheiden, ob sie sich geplant komisch bewegt oder ungeplant. Wenn sie sich geplant komisch bewegt, soll ich weitergehen, sonst stehenbleiben. Das muss ich ja aber nun auch erstmal üben dürfen, rauszufinden, was was ist. Und mein Mädchen hat auch gesagt, es ist gar nicht schlimm, wenn ich mal an der falschen Stelle stehenbleibe, das ist immer besser als losflitzen oder anderen Mist machen.

Sonst ist anhalten immer richtig wenn sie komisches Zeug macht.

Die erste Herausforderung stellte aber das Aufsteigen dar. Sonst kann mein Mädchen ja einigermaßen elegant auf meinen Rücken hüpfen, aber der Gurt war ihr im Weg und sie hat ewig überlegt, wie sie das wohl als Kind mal gelernt hatte. Es ist ihr aber nicht gelungen, also hat sie es doch auf die altbewährte Methode versucht und…. naja. Seht selbst.

Ja, so ist mein Leben mit meinem Mädchen manchmal….

Was hat sie nur wieder für ein Glück, dass ich so ein geduldiger Gentleman bin! Sie hat nachher gesagt, es war gut, dass das passiert ist, weil sie jetzt weiß, dass ich das aushalte, wenn alles rutscht. So kann man sich die eigenen Pannen natürlich auch schönreden, mein Mädchen!

Aber wir hatten dann auch ein paar ganz gelungene Momente. Als sie erstmal oben war, hat sie sich allerhand lustiges Zeug überlegt. Seitwärts sitzen, rückwärts sitzen, andersrum seitwärts sitzen, die Füße hinten auf meinen Rücken legen, sich hinknien, Vierfüßlerstand und zum krönenden Abschluss aus dem Schritt abspringen. Ich habe das alles gut mitgemacht. Wofür wir das nun alles gemacht haben? Ach, das weiß man bei meinem Mädchen ja nie so genau, aber manchmal zeigt es sich im Laufe der Zeit noch…. Jedenfalls, so sagt sie, erweitert das meinen und ihren Horizont, solche komischen Sachen zu machen. Na wenn sie meint? Die Hauptsache ist doch, dass die Keksrate stimmt.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem erweiterten Horizont

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 488

Meine kleine Freundin war wieder da! Wir haben uns lange nicht gesehen, weil sie in Urlaub war. Und mein Mädchen hat schon gedacht, sie hätte vielleicht alles vergessen was sie gelernt hatte. Aber nix da, sie hat sich an alles genau erinnert! Ich habe ihr erstmal wieder geholfen beim Halfter anziehen. Dann wieder putzen, Hufe auskratzen, Pad raufmachen. Und auf zum Reitplatz! Ich habe meiner kleinen Freundin einen altbewährten Pony-Trick gezeigt: bin stehengeblieben, habe mich mit der Nase am Bein gekratzt und dann – ups! – bin ich nahtlos zum grasen übergegangen. Meine kleine Freundin kannte diesen Trick noch nicht, aber sie hat gesagt, das merkt sie sich! Na gut, ich hab schon noch ein paar mehr Tricks auf Lager!

Erst haben wir wieder führen geübt. Weil die Stangen noch da lagen von unserer letzten Doppellongen-Einheit, hat mein Mädchen einfach noch ein paar andere Sachen hingelegt und die Stangen schön in die Führaufgabe integriert. Das klappt jetzt schon ganz schön gut mit meiner kleinen Freundin und mir! Sie weiß jetzt viel besser Bescheid, drückt sich klarer aus und ich weiß, dass ich es gar nicht immer so ganz eilig haben soll. Mein Mädchen war entzückt!

Gemeinsam über die Stangen

Zum Schluss durfte meine kleine Freundin dann wieder aufsteigen und mein Mädchen hat mich geführt. Meine kleine Reiterin durfte sagen wo es langgehen soll. Über die einzelne, hochgelegte Stange oder die 4 Stangen in einer Reihe oder durch eine der Gassen oder zu einem der Hütchen. Die hat uns ganz schön durch die Gegend geschickt, sage ich euch! Zum Schluss hat sie noch das Absteigen geübt, das ist nämlich irgendwie gar nicht so einfach wie es aussieht, findet sie. Aber ich bin ja Gentleman und habe geduldig gewartet, bis sie von meinem Rücken gerutscht war. Dann hat sie mich wieder zurückgebracht und ich habe noch den einen oder anderen Pony-Trick versucht, um an etwas Gras zu kommen. Aber die Kleine ist ganz schön hartnäckig und lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen wie ich gehofft hatte! Als sie mich zurück gebracht hatte, gab es aber noch die schöne Überraschung für mich: Möhrenparty! Meine kleine Freundin hatte einen Tupper voller Möhrenscheiben und ich durfte mir einen Großteil davon einverleiben. Merlin stand in der Nähe, der hat auch ein paar abbekommen.

Ach, das war wieder fein, ich mag meine kleine Freundin! Mein Mädchen überlegt schon, was wir wohl nächstes Mal schönes üben können. Und ich denke darüber nach, welcher Pony-Trick mir wohl etwas Gras bescheren könnte, da wird mir schon noch was einfallen!

Euer trickreicher Sir Duncan Dhu of Nakel