Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 493

Da ich ja mit meinen Hufschuhen gelegentlich Verlustprobleme hatte, hat mein Mädchen mir jetzt eine geklebt. Ich meine: zwei. Und zwar an jeden Vorderhuf einen „Klebebeschlag“. Gestern haben sie und der Mann unter viel Gefluche und Geschimpfe und mit viel Geduld meinerseits (Keksrate war gut) diese Dinger an meine Füße geklebt. Dann durfte ich wieder in den Paddock und mein Mädchen hat gesagt, ich soll das mal testen wie die so sind und ob die gut halten. Und ihr kennt mich: ich mache keine halben Sachen! Wenn man mir sagt, ich soll das testen, dann teste ich. Und zwar mit Schwung und Schmackes! Nach einer ordentlichen Toberunde mit Gatsby musste mein Mädchen dann feststellen, dass diesen Härtetest nur einer der Klebebeschläge überstanden hat. Beim anderen hat sich der Klebekragen vom Beschlag gelöst. Der Klebekragen klebte noch an meinem Huf, während der Beschlag im Paddock herumlag. Mein Mädchen hat aber nicht mit mir geschimpft! Sie hat gesagt, ich habe gut getestet und das war eindeutig ein Verarbeitungsfehler seitens der Menschen. Also haben sie heute einen neuen Klebekragen an den Beschlag geschweißt und mir den Huf wieder beklebt. Und dann haben wir gemeinsam getestet: beim Montagsausflug!

Klebeschuhe für m mich zum testen

Da mein Ausreitkumpel IMMER NOCH humpelt, haben wir es wieder so gemacht wie letzte Woche: Das Mädchen vom Ausreitkumpel ist den Drahtesel geritten und hat mein Mädchen und mich begleitet. Aber diesmal haben wir auch noch eine Runde „allein ausreiten ohne alleine auszureiten“ eingebaut! Da gibt es nämlich so eine Runde, wo sich das anbietet. Mein Mädchen und ich sind vorneweg getrabt, während das Mädchen vom Ausreitkumpel Drahtesel klammheimlich eine Abkürzung genommen hat. Und plötzlich waren wir allein, mein Mädchen und ich! Aber es ging wirklich sehr, sehr gut mit uns. Die Strecke ist gut, da kann man ganz gleichmäßig durchtraben. Naja, bis auf den Moment, wo von hinten ein Auto kam. Mein Mädchen hat mich durchpariert und dann, als das Auto direkt hinter uns war, hat es plötzlich sehr laut gescheppert! Da war nämlich ein großer Viehanhänger dran. Herrje, was hab ich mich erschreckt! Habe einen kleinen Galoppsprung hingelegt, mein Mädchen hat mich Richtung Büsche gelenkt, aber da war das Auto auch schon vorbei und ich habe mir fix einen Keks geben lassen zur Beruhigung. Und schon ging es weiter im Trab. Ich bin sogar total mutig an den Schweinen vorbeigetrabt!

Dann links und wieder links – das ist doch einer der Wege wo wir so fein galoppieren geübt haben? Aber mein Mädchen meinte, das traut sie sich noch nicht und wir bleiben schön im Trab. „Steady, steady“ hat sie immer gesagt, damit mein sie, ich soll ganz fein den Takt halten. Sie redet dann oft englisch, weil sie immer an diese mutige Distanzreiterin aus England denkt, die mit ihrem Highlandpony immer ganz allein ausreiten geht. Damit sie selbst den Rhythmus gut halten kann, hat sie in ihrem Kopf immer unser Trablied gesungen („I’m still standing“ von Elton John). Laut singen mag sie nicht, sie braucht ihre Luft zum Traben, aber ich kann ja fühlen wie ihr Rhythmus ist und also weiß ich auch, was sie singt.

Nach einer ganzen Weile haben wir dann das Mädchen mit dem Drahtesel wieder eingeholt und sind gemeinsam Richtung Heimat getingelt. Zwischendurch gab es noch eine schöne Graspause. Leckerleckerlecker!

Das blaue ist die Abkürzung, die der Drahtesel genommen hat

Mein Mädchen wäre fast geplatzt vor Stolz – auf mich, aber auch auf sich selbst. Weil wir beide heute wieder sooooooo mutig waren!

Meine Klebepuschen haben auch gehalten, aber mein Mädchen findet, ich laufe noch nicht so komfortabel damit wie ich mit den Hufschuhen laufe. Jetzt will sie sie noch ein bisschen anders formen und dann mal weitersehen.

Euer beklebter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 492

Es gibt immer was zu üben. Meistens üben mein Mädchen und ich zusammen. Zum Beispiel beim reiten, da üben wir ja ganz viele Kurven und Übergänge und sowas. Und da üben wir beide das gleiche zur gleichen Zeit. Aber an der Doppellonge, da üben wir derzeit unterschiedliche Sachen. Also ich zum Beispiel übe weiterhin das angaloppieren aus dem Schritt. Vor allem rechts ist das doch schwierig und wenn ich es ganz richtig und total korrekt hinkriege, flippt mein Mädchen immer komplett aus.

Juhu, geschafft!

Außerdem üben wir jetzt immer, dass ich schön gleichmäßig auf meinen 4 Füßen verteilt stehe, wenn wir angehalten haben. Also mein Mädchen sagt „hoooo“ und ich halte an und sie auch, und dann gibt sie mir noch so ganz leise, kleine Kommandos und ich muss ganz genau zuhören und ausprobieren und meine Füße ein kleines bisschen von hier nach da bewegen, bis sie gut sortiert sind. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Und was übt mein Mädchen? Die übt, die Doppellonge in den Griff zu bekommen. Sie hat ja immer so ein bisschen herumgewurschtelt damit und schon vor längerer Zeit beschlossen, dass es Zeit wird, dass sie das mal vernünftig lernt. Sie wusste nur noch nicht wie. Aber dann hat sie von diesem Buch gehört mit dem verführerischen Titel „Vom Longensalat zur Doppellonge“ und da hat es sie gepackt! Denn Longensalat ist ja genau das, was sie hat. Also hat sie sich das Buch gekauft und wird euch demnächst noch mehr davon erzählen. Dann hat sie festgestellt, dass in dem Buch das mit der Doppellonge so erklärt wird, wie man es beim Kutsche fahren auch macht und das findet sie nun äußerst praktisch. Denn diese Griffe, die man da lernen und üben muss, die kann sie ja dann alle gleich auch zum fahren verwenden, wenn es denn endlich mal damit losgeht (so in 100 Jahren). Aber ich sage mal so: fahren lernen ist kompliziert, das selbe mit der Doppellonge lernen, ist noch komplizierter, sagt mein Mädchen! Jedenfalls braucht sie jetzt immer extra lang um irgendwas zu machen. Nachgreifen, länger lassen und die Richtungswechsel – bei allem muss sie erst nachdenken. Und dann freut sie sich wieder so, dass sie mich hat, denn als perfekter Gentleman warte ich immer geduldig, bis sie sich sortiert hat. Und langsam finde ich auch heraus, wann ich derweil einfach selbständig weitergehen kann und wann ich wirklich mal kurz stehenbleiben sollte. Und dann ist sie wieder doppelt stolz, weil ich das immer öfter von selbst und ohne Ansage richtig mache und lauter gute Entscheidungen treffe. Sehr erwachsen, findet mein Mädchen und dann hat sie wieder diese vielen Herzchen in den Augen. Ich werde wohl noch viel Geduld brauchen, sagt sie, bis sie das alles wirklich gut drauf hat. Macht nix, so lange nur die Keksrate stimmt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel an feinstem Longensalat

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 491

Meine kleine Freundin war wieder da! Wenn sie mir (mit meiner tatkräftigen Unterstützung) das Halfter angezogen hat,   führt sie mich aus dem Stall und dann dreht sie mich um, damit wir in einer guten Position zum Putzen stehen. Und irgendwie hat sie mich da sehr eng gewendet und plötzlich stand ich auf ihrem Fuß! Der Mann kam angesaust und hat mich runtergeschubst. Meine kleine Freundin hat dann erstmal ihren Fuß gekühlt und ich hab derweil mit meinem Mädchen auf sie gewartet. Dann hat mein Mädchen gesagt, wir müssen wohl ein paar Sachen üben, damit sowas nicht mehr passiert! Erst hat sie meiner kleinen Freundin erklärt, dass sie sich mit Händen und Füßen wehren und herzhaft brüllen darf, wenn ich ihr wehtue. Egal, ob ich unaufmerksam war oder mich erschreckt habe oder – wie in diesem Fall – einfach genau getan habe was mir gesagt wurde: wenn es wehtut muss meine kleine Freundin sich wehren, damit sie nicht kaputt geht. Sie ist ja so klein und leicht im Vergleich zu mir.

Mein Mädchen kann sich nicht erinnern, dass ich ihr schon jemals auf den Fuß getreten wäre. Deswegen hat sie dann zusammen mit meiner kleinen Freundin genau überlegt, wie und warum das passiert ist und wir haben auf dem Reitplatz die Wendung noch ein bisschen geübt. Mein Mädchen sagt, das ist der Plan für nächstes Mal, dass wir das mal richtig klar kriegen.

Das mit der Wendung üben wir nächstes Mal noch ausführlicher

Diesmal wollte sie gern den ursprünglichen Plan durchziehen weil das Wetter so warm und der Boden so trocken ist. Und jetzt wurde auch klar, warum wir am Sonntag so komische Sachen gemacht haben, meine kleine Freundin sollte nämlich auch mal ein bisschen turnen! Weil mein Mädchen weiß, dass meine kleine Freundin da ein bisschen Angst hat, hat sie sie ausgetrickst. Meine kleine Freundin sollte nämlich ihre Schuhe aus- und Stoppersocken anziehen. Das hätte sie natürlich unten auf dem Boden tun können, aber mein Mädchen hat gesagt, sie soll das auf meinem Rücken machen. Das war vielleicht kompliziert! Die Stoppersocken waren nämlich etwas zu klein, da hatte meine kleine Freundin Socken aus früheren Zeiten mit, als sie noch kleinere Füße hatte. Ich kenne das ja: man wächst und wächst und schon passen die Klamotten nicht mehr. Und also war es ganz schön schwierig für sie, in diese Socken reinzukommen. Manchmal hab ich mich dann umgedreht um zu schauen ob sie zurecht kommt, aber das fand sie nun gar nicht lustig, weil sie das so aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Also hat mein Mädchen gesagt, ich soll den Kopf vorne lassen.

Als das geschafft war, ging es ans eigentliche turnen. Mein Mädchen hat mich geführt, während der Mann direkt neben mir her gegangen ist und meine kleine Freundin abgesichert hat. Weil die ein bisschen Sorge hatte, dass sie von meinem Rücken plumpsen könnte. Mein Job war, einfach weiter zu gehen. Aber das, muss ich ehrlich gestehen, ist gar nicht so leicht! Zwei Menschen neben mir, einer auf meinem Rücken und der macht da oben auch noch komische Sachen, da muss ich mein Gleichgewicht und meine Nerven ganz gut zusammenhalten. Und nicht stehenbleiben wenn geturnt wird, sondern weitergehen, anders als ich es gelernt habe. Puh! Mein Mädchen hat mich mit Keksen bei Laune gehalten aber ich fand das echt anstrengend. Zum Glück sind diese Zeiten ja nie lang und nach 5 Minuten haben wir dann wieder angehalten. Meine kleine Freundin hat dann noch das Absteigen geübt, diesmal in der Variante mit Bein über meinen Hals nehmen und runterrutschen. Nach ein paar Wiederholungen hat sie das auf beiden Seiten sehr gut hingekriegt und dann war Feierabend.

Mein Mädchen hat nachher zu mir gesagt, ein gutes Lehrpferd tritt niemandem auf die Füße. Sie weiß, dass meine kleine Freundin mir die falschen Kommandos gegeben hat und ich eigentlich recht hatte damit, aber man tut das trotzdem nicht, sagt sie. Nur wie sie das mit mir üben kann, muss sie sich noch überlegen. Und derweil wird sie meiner kleinen Freundin beibringen, deutlicher mit mir zu sprechen und mich nicht direkt auf ihre Füße zu lenken.

Ich stelle fest: Lehrpferd sein ist anscheinend eine Kunst für sich! Man soll genau machen, was einem gesagt wird, aber manchmal eben auch nicht. Und woher soll ich jetzt wissen, wann was dran ist? Ganz schön kompliziert.

Euer Lehrpferd in Ausbildung Sir Duncan Dhu of Nakel

Bauchgefühl

Wenn man etwas über viele Jahre macht, hat man so viele Informationen gesammelt, dass ein solides „Bauchgefühl“ entsteht. Dieses Bauchgefühl ist in Wirklichkeit eine Ansammlung von Informationen, die sich über die Jahre zu einem Gesamtbild zusammengefügt haben und eine enorm gute Leitlinie sind. Als wir Diego 2012 gekauft haben, haben wir uns die Aufgaben gut eingeteilt: Arnulf hat auf sein Herz gehört und sich gefragt, ob Diego SEIN Pferd ist. Ich habe auf mein gut geschultes Bauchgefühl gehört, um zu sehen, ob Diego gesund ist. Mein Bauchgefühl war mir wichtiger als eine Ankaufsuntersuchung, denn während man dort natürlich gut erfahren kann, ob Knochen, Sehnen, Augen und Rücken in Ordnung sind, können viele Dinge nicht durch eine Untersuchung erfasst werden: hat das Pferd eine Neigung zu Koliken? Bekommt er vielleicht ein Sommerekzem oder Asthma? Hat er immer wieder Probleme mit Mauke, Raspe, Hufgeschwüren, Infekten? All das kann kein Arzt uns sagen, der das Pferd nur einmal sieht. Würde ein Verkäufer mir solche Dinge also verschweigen, würde ich sie erst nach Kauf herausfinden. Aber ich habe so viele Pferde gesehen – kranke und gesunde – dass ich meiner Einschätzung zu diesen Fragen inzwischen ganz gut vertrauen kann. Und ich lag richtig: Diego war immer gesund. In den Jahren bei uns hat er nicht mehr Probleme gehabt als eine kleine Verletzung und ein Hufgeschwür. Sonst war er jeden Tag startklar, einsatzbereit und fit. Bis jetzt. Und so habe ich in 12 Jahren mit ihm mein Bauchgefühl nicht erweitern können: wie benimmt er sich, wenn es ihm nicht gut geht? Was hilft ihm? Was könnte er haben? Keine Idee. Und dann hat er jetzt ja auch noch eine unbekannte Erkrankung über die die Tierärztin sagte „wir haben keine Anhaltspunkte außer dem Blutbild und seinem Befinden“. Und mit „Befinden“ sind all jene diffusen Dinge gemeint, die man gerade bei einem sowieso introvertierten Typen wie Diego so furchtbar schlecht objektiv an irgendwas festmachen kann. Also ist mein Hauptkriterium die Frage, wie viel Heu er frisst. Die Verweigerung von Heu war das erst Symptom und scheint auch das letzte zu sein was weggeht. Klar, um Ostern herum ging es ihm wirklich so deutlich schlecht, dass es nicht zu übersehen war. Aber davor und danach wechselte sein Zustand häufig, mal sah er eingefallen aus, mal wieder ganz gut, mal nahm er ganz normal am Herdenleben teil, dann wieder war er etwas stiller als sonst. Und ich war leider dumm. Denn weder habe ich Fieber gemessen, noch seinen Puls gefühlt, wenn er kein Heu fressen mochte. Warum? Weil ich so unglaublich auf die Zähne fixiert war, weil für uns alles nach einem Zahnproblem aussah. An dieser Stelle hat unser Bauchgefühl uns komplett in die Irre geführt und ich habe wieder was gelernt.

Objektive Kriterien sind die Mutter des Bauchgefühls. Woran mache ich fest, wie gut oder schlecht es einem Pferd geht? Puls, Atmung und Temperatur – himmelherrgottnochmal – das haben wir doch schon im Reitverein gelernt und sind doch wunderbare, objektive, leicht messbare Kriterien. Noch bevor ich meinem Pferd im Gesicht rum gucke und nach der Schmerzskala schaue, die zwar auch sehr gut erforscht und „messbar“ ist (und die jeder Pferdebesitzer kennen sollte!), aber manchmal auch nicht so leicht zu erkennen. Zumal Diego nicht oft ein Schmerzgesicht hatte, weil er wohl keine Schmerzen hat. Eine Infektion irgendeiner Art muss ja nicht mit Schmerzen einhergehen. Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, das alles kennen wir Menschen ja auch ohne Schmerzen, wenn wir krank sind.

Zurück zum Bauchgefühl. Geht es Diego besser? Ja, das tut es ganz sicher. Auch seine Blutwerte verbessern sich. Aber nach wie vor frisst er wenig Heu. Das kann nun verschiedene Ursachen haben. Einerseits haben wir ihn in den letzten Wochen haltlos verwöhnt. Die Devise war: Hauptsache er frisst überhaupt irgendwas. Es gab Gras, Müsli, Heucobs und Möhren. Und nicht nur ein Müsli und auch nicht nur eine Sorte Heucobs: wir haben wirklich aufgefahren, wie ich es noch nie in meinem Leben getan habe. Anfangs stand er vor 5 Schüsseln und naschte mit Glück von einer davon. Aber jetzt? Jetzt kann es gut sein, dass er einfach wartet, bis es etwas schmackhafteres gibt und dafür das dröge Heu einfach liegen lässt. Vielleicht hat er gelernt, dass wir weitere Leckereien servieren, wenn er ein bisschen enttäuscht auf der Speisekarte herumschaut? Oder aber es sind eben doch die Zähne, die ja nun laut Experte Nr 3 zu glatt geschliffen wurden, was das Heu mahlen etwas mühselig gestalten könnte, auch wenn nichts wehtut. Oder aber – und das wäre natürlich die schlechteste Version – es geht ihm eben doch noch nicht so gut, wie wir denken. Ein Bauchgefühl habe ich dazu nicht im Angebot, denn ich habe noch nie ein Pferd mit einer so unklaren Erkrankung gehabt. So heißt es jetzt: ausprobieren. Erstmal wieder objektive Maße finden. Sein Puls ist für mich ein solches Maß geworden. In der Anfangsphase der Antibiose war sein Ruhepuls bei 44 und das ist für Diego viel zu hoch. Später ging er wieder runter auf die üblichen 36. Ich finde den Puls nicht an allen Tagen und er unterliegt natürlich auch gewissen Schwankungen – der Anblick von Leckereien kann sicherlich dazu beitragen, dass er mal auf 40 hoch geht. Aber so im Mittel kann ich schon sehen, wie der Ruhepuls ist und mich daran ein bisschen orientieren. Fiebermessen steht jetzt sowieso jeden Tag auf dem Plan, aber er hält sich ganz brav im Normalbereich auf. Heute haben wir ein weiteres objektives Maß hinzugefügt: wir waren mit Diego auf der Waage. An seinem schlimmsten Tag wog er 540kg, heute waren es 585kg. Das ist gut, jetzt dürfen es gern noch 15-20kg mehr werden. Da wir Duncan auch mit hatten, wissen wir jetzt auch, dass unser derzeitiges Heu anscheinend extrem mager ist, denn Duncan hat abgenommen, obwohl er mehr Heu bekommt als im Winter. Das bedeutet, dass ich für Diego jetzt nach Heu mit mehr Kalorien suchen werde, denn das was wir da haben, ist für tendenziell zu dicke Ponys prima, aber kein Appetitanreger, der Speck auf die Rippen zaubert.

Alles weitere muss uns das nächste Blutbild sagen, das eine Woche nach dem Absetzen der Antibiotika gemacht wird (vermutlich Anfang übernächster Woche). Wenn die Werte sich normalisiert haben und normal bleiben, wissen wir, dass zumindest an dieser Front alles wieder gut ist. Dann heißt es wieder, das Bauchgefühl einzuschalten und genau zu beobachten, wie Diego sich entwickelt, wenn wir wieder anfangen, mit ihm zu arbeiten und ihn normal zu füttern. Denn die Tatsache, dass das Blutbild ok ist, heißt ja nicht zwangsläufig, dass er vollkommen gesund ist.

Beim Unterrichten lerne ich jeden Tag, Gefühl und Erfahrungswerte objektivierbar zu machen, so dass ich meinen Schülerinnen Kriterien an die Hand geben kann: woran erkenne ich, ob mein Pferd den Rumpf anhebt? Wie kann ich fühlen, ob der Takt stimmt? Manchmal ist es schwer, das Gefühl in Worte zu bringen. Aber ich habe durch Diegos Krankheit wieder einmal gelernt, wie wichtig das ist. Bauchgefühl entwickeln, indem man Erfahrungswerte sammelt, ist das eine. Das Bauchgefühl dann wieder messbar und erklärbar zu machen, ist das andere. Und wenn man – wie wir in den letzten Wochen – im Panikmodus unterwegs ist, dann ist auf das Gefühl kein Verlass mehr. Dann braucht es harte Fakten, kontrollierbare Daten, die uns Halt und Orientierung geben. Nach und nach kann daraus dann wieder ein „schlauer Bauch“ werden.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 490

Montag! Also Zeit für einen Montagsausflug! Nur, dass mein Ausreitkumpel immer noch einen Humpelfuß hat und also keinen Ausflug machen kann. Was ist also zu tun? Das Mädchen vom Ausreitkumpel hatte die Lösung parat. Sie reitet einfach den Drahtesel! Damit wir nicht nur zu dritt sind, hat das Mädchen vom Ausreitkumpel einfach ein paar Hunde als Gesellschaft mitgenommen. Die meisten von denen kenne ich, aber den einen noch nicht, den musste ich mir erstmal anschauen. Aber ich kann das jetzt – das Mädchen vom Ausreitkumpel hat ja immer irgendwelche Hunde mit und ich bin schon geübt darin, neue Hunde kennenzulernen.

Den braunen kenne ich noch nicht, erstmal hallo sagen!

Dann ging es los! Mein Mädchen dachte, ich finde das vielleicht alles komisch. Aber ganz ehrlich: das Mädchen vom Ausreitkumpel kenne ich doch schon seit einer Ewigkeit (genaugenommen seit dem Tag an dem ich bei meinem Mädchen eingezogen bin) und ich weiß, dass sie in der Lage ist, mir und meinem Mädchen zu helfen, wenn es Not tut. Also bin ich einfach ganz entspannt mitgegangen. Wir sind dann auch ganz fein getrabt und mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir. Und mit sich selbst war sie auch zufrieden, weil sie nicht ganz so aufgeregt war und es jetzt schafft, mir mehr Sicherheit zu geben, wenn ich etwas komisch finde. Als ich gerade so richtig schön warmgelaufen war, war dann plötzlich Graspause angesagt – an einer ganz anderen Stelle als sonst! Aber egal, Hauptsache da ist was Grünes zum Futtern für mich.

Lecker Grün

Danach ging es im Schritt zurück. Also ich hätte ja schon gerne noch eine Runde gedreht, aber so einen Drahtesel zu reiten ist wohl kein so großes Vergnügen wie auf einem Pony, daher waren wir nur knapp 7km unterwegs.  Ich hoffe, mein Ausreitkumpel ist bald mal wieder fit! Jedenfalls haben wir beschlossen, dass das eine ganz vernünftige Alternative ist mit dem Drahtesel, damit ich überhaupt mal raus komme. Und mein Mädchen weiß jetzt, dass ich kein Pony als Begleitung brauche, es reicht ein Mensch und vielleicht ein paar Hunde. Und eines Tages, sagt sie, sind wir beide uns so sicher, dass wir es auch ganz alleine wirklich gut können. Heute sind wir dem jedenfalls wieder einen kleine Schritt näher gekommen.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem Drahtesel-Ausreitkumpel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 489

Diegos Blutbild ist da und macht die Menschen nicht viel schlauer, aber etwas zuversichtlicher. Er ist aber immer noch nicht über den Berg und wir wissen immer noch nicht ob er wieder ganz gesund wird. Ein ganz schönes Geduldsspiel ist das! Da es ihm aber im Moment ganz gut geht, haben wir zusammen die Hausrunde gedreht, der Mann mit Diego zu Fuß und mein Mädchen ist mich geritten. Ach, das tat gut, mal wieder raus zu kommen! Am Anfang war ich etwas „drüber“ wie mein Mädchen sagt. Aber sie weiß ja jetzt, dass das von angestauter Energie kommt und gegen Ende ging es mir dann auch schon sehr viel besser. Danach wurde es dann noch ganz kurios. Schaut euch das mal an, was sie sich da jetzt wieder überlegt hat! Der Mann hat mich an den Strick genommen und das Kommando gehabt. Ich hatte einen komischen Gurt an mit zwei Griffen und Diegos Filzpad vom Sattel und dann hat mein Mädchen auf meinem Rücken rumgeturnt! Jetzt ist es ja so, dass ich normalerweise immer sofort stehenbleibe, wenn sie sich ungewohnt bewegt. So hab ich das gelernt! Aber jetzt gibt es anscheinend eine Erweiterung des Regelwerks. Mein Mädchen sagt, ich soll lernen, zu unterscheiden, ob sie sich geplant komisch bewegt oder ungeplant. Wenn sie sich geplant komisch bewegt, soll ich weitergehen, sonst stehenbleiben. Das muss ich ja aber nun auch erstmal üben dürfen, rauszufinden, was was ist. Und mein Mädchen hat auch gesagt, es ist gar nicht schlimm, wenn ich mal an der falschen Stelle stehenbleibe, das ist immer besser als losflitzen oder anderen Mist machen.

Sonst ist anhalten immer richtig wenn sie komisches Zeug macht.

Die erste Herausforderung stellte aber das Aufsteigen dar. Sonst kann mein Mädchen ja einigermaßen elegant auf meinen Rücken hüpfen, aber der Gurt war ihr im Weg und sie hat ewig überlegt, wie sie das wohl als Kind mal gelernt hatte. Es ist ihr aber nicht gelungen, also hat sie es doch auf die altbewährte Methode versucht und…. naja. Seht selbst.

Ja, so ist mein Leben mit meinem Mädchen manchmal….

Was hat sie nur wieder für ein Glück, dass ich so ein geduldiger Gentleman bin! Sie hat nachher gesagt, es war gut, dass das passiert ist, weil sie jetzt weiß, dass ich das aushalte, wenn alles rutscht. So kann man sich die eigenen Pannen natürlich auch schönreden, mein Mädchen!

Aber wir hatten dann auch ein paar ganz gelungene Momente. Als sie erstmal oben war, hat sie sich allerhand lustiges Zeug überlegt. Seitwärts sitzen, rückwärts sitzen, andersrum seitwärts sitzen, die Füße hinten auf meinen Rücken legen, sich hinknien, Vierfüßlerstand und zum krönenden Abschluss aus dem Schritt abspringen. Ich habe das alles gut mitgemacht. Wofür wir das nun alles gemacht haben? Ach, das weiß man bei meinem Mädchen ja nie so genau, aber manchmal zeigt es sich im Laufe der Zeit noch…. Jedenfalls, so sagt sie, erweitert das meinen und ihren Horizont, solche komischen Sachen zu machen. Na wenn sie meint? Die Hauptsache ist doch, dass die Keksrate stimmt.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem erweiterten Horizont

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 488

Meine kleine Freundin war wieder da! Wir haben uns lange nicht gesehen, weil sie in Urlaub war. Und mein Mädchen hat schon gedacht, sie hätte vielleicht alles vergessen was sie gelernt hatte. Aber nix da, sie hat sich an alles genau erinnert! Ich habe ihr erstmal wieder geholfen beim Halfter anziehen. Dann wieder putzen, Hufe auskratzen, Pad raufmachen. Und auf zum Reitplatz! Ich habe meiner kleinen Freundin einen altbewährten Pony-Trick gezeigt: bin stehengeblieben, habe mich mit der Nase am Bein gekratzt und dann – ups! – bin ich nahtlos zum grasen übergegangen. Meine kleine Freundin kannte diesen Trick noch nicht, aber sie hat gesagt, das merkt sie sich! Na gut, ich hab schon noch ein paar mehr Tricks auf Lager!

Erst haben wir wieder führen geübt. Weil die Stangen noch da lagen von unserer letzten Doppellongen-Einheit, hat mein Mädchen einfach noch ein paar andere Sachen hingelegt und die Stangen schön in die Führaufgabe integriert. Das klappt jetzt schon ganz schön gut mit meiner kleinen Freundin und mir! Sie weiß jetzt viel besser Bescheid, drückt sich klarer aus und ich weiß, dass ich es gar nicht immer so ganz eilig haben soll. Mein Mädchen war entzückt!

Gemeinsam über die Stangen

Zum Schluss durfte meine kleine Freundin dann wieder aufsteigen und mein Mädchen hat mich geführt. Meine kleine Reiterin durfte sagen wo es langgehen soll. Über die einzelne, hochgelegte Stange oder die 4 Stangen in einer Reihe oder durch eine der Gassen oder zu einem der Hütchen. Die hat uns ganz schön durch die Gegend geschickt, sage ich euch! Zum Schluss hat sie noch das Absteigen geübt, das ist nämlich irgendwie gar nicht so einfach wie es aussieht, findet sie. Aber ich bin ja Gentleman und habe geduldig gewartet, bis sie von meinem Rücken gerutscht war. Dann hat sie mich wieder zurückgebracht und ich habe noch den einen oder anderen Pony-Trick versucht, um an etwas Gras zu kommen. Aber die Kleine ist ganz schön hartnäckig und lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen wie ich gehofft hatte! Als sie mich zurück gebracht hatte, gab es aber noch die schöne Überraschung für mich: Möhrenparty! Meine kleine Freundin hatte einen Tupper voller Möhrenscheiben und ich durfte mir einen Großteil davon einverleiben. Merlin stand in der Nähe, der hat auch ein paar abbekommen.

Ach, das war wieder fein, ich mag meine kleine Freundin! Mein Mädchen überlegt schon, was wir wohl nächstes Mal schönes üben können. Und ich denke darüber nach, welcher Pony-Trick mir wohl etwas Gras bescheren könnte, da wird mir schon noch was einfallen!

Euer trickreicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Muskelaufbau

Ein häufig gewünschtes Thema in meinem Unterricht ist der Muskelaufbau. Das Pferd soll bitte schön bemuskelt sein. Und ich nehme mir fest vor, das nächste mal nachzufragen, warum. Ich mag solche Fragen, die mir erstmal komische Blicke bescheren, sie machen das Leben interessanter.

Unser Diego (wir warten noch auf Blutwerte…) hat in den letzten Wochen zum Glück etwas zugenommen und fühlt sich offensichtlich wieder wohler in seinem Körper. Neulich schaute ich ihn an und sagte zu Arnulf „der sieht aus als hätte er Muskeln aufgebaut“. Was ja nun mangels Training eigentlich gar nicht sein kann. Er hat sich auch nicht mehr bewegt, sondern eher weniger, während er vor seinen Heuhaufen steht und sich nach und nach wieder der normalsten Sache der Welt widmet. Training hatte also lediglich seine Kaumuskulatur. Aber er hat eben eine rundere Form bekommen und er hält sich wieder aufrechter, lässt sich nicht mehr so hängen. Und schon sieht er aus, wie all die vielen vielen Pferde, von denen Vorher-nachher-Fotos auf social media zu sehen sind und die für die eine oder andere Trainingsmethode Werbemodell stehen (manchmal auch für Pülverchen aller Art und Sorte). Häufig betrachte ich diese Bilder mit Skepsis: da werden Pferde im Winterfell und im Sommerfell verglichen, Pferde mit Weide-Luxusbäuchlein und ohne, Pferde stehen unterschiedlich da, halten den Kopf anders oder das Licht kommt von der anderen Seite. Unser running gag an der Stelle ist eine Hufpflegerin auf einer Fortbildung, die uns vorher-nachher-Huffotos zeigte und dazu sagte „das ist jetzt nicht der selbe Huf aber das selbe Pferd“. Klar, das ist natürlich total vergleichbar. So wie meine rechte Hand ja auch genauso aussieht wie die linke. Nicht. Huffotos haben mich geheilt was die Vergleichbarkeit angeht. Man kann sich wahnsinnig täuschen. Und so sehe ich es auch mit Muskelfotos von Pferden. Ich mache sie trotzdem, aber man muss sich daran nicht festgucken. Und dann ist da ja noch die Unterscheidung zwischen Muskeln und Fett, die viele Pferdebesitzer so gar nicht beherrschen und die auf Fotos so gut wie unmöglich sein dürfte. Figuren von Pferden werden stets und ständig falsch eingeschätzt („das sind Muskeln“ ist mein Lieblingsspruch wenn ich anmerke, dass ein Pferd übergewichtig ist. Wo ein Pferd da so angeblich überall Muskeln haben kann, ist schon wirklich interessant.)

Und selbst wenn ein Pferd toll bemuskelt ist, ist es dann stark? Ich erinnere mich an einen der muskulösesten Männer die ich kennengelernt habe. Der hat mich – als er schweißgebadet nach zwei Hufen die Raspel abgegeben hat – gefragt, wie ich das mache mit der Hufpflege. Seine Frau, ihres Zeichens Hundephysiotherapeutin, kicherte nur. Seine Muskeln, so sagte sie mir, „taugen nix“, die sehen nur toll aus. Und ich denke an den schlacksigen jungen Mann, der so unglaublich viel Kraft hatte. Oder auch das eine oder andere „Dickerchen“, die etwas fülligeren Frauen, die wahnsinnig unsportlich aussehen und mich dann ganz geschmeidig bei jedem Ausdauertraining abhängen, während mir schnell nachgesagt wird, ich sei ja so sportlich, weil ich von Natur aus einfach eine Figur habe, die etwas athletischer wirkt. Wie ein Körper aussieht, sagt nicht so ganz direkt etwas darüber aus, wie stark oder funktionell er ist.

Das Pony von meiner Freundin, der in meinem Dunstkreis wohl die meisten Kilometer in der Woche reißt, sieht weiß Gott nicht aus wie ein durchtrainierter Sportler. Dagegen sieht mancher Koppelgänger durchaus gut bemuskelt aus und das eine oder andere Quarter Horse bekommt einfach vom Füttern schon Muskelmasse, wo der Araber daneben sich einfach nur eine Weidewampe zulegt und viele, viele, sehr viele Kilometer machen muss, um die wieder loszuwerden.

Irgendwie ist Reiten zur Raketenwissenschaft geworden. Reiter versuchen, all die Muskeln zu kennen, die ihr Pferd (angeblich) braucht und jeden einzeln ansteuern zu können. Sie versuchen, dem Pferd eine bestimmte Körper- oder schlimmstenfalls Kopfhaltung beizubringen in der Annahme, so sei es „richtig“ und das Pferd würde „korrekt“ laufen. Ich hätte nichts dagegen, wenn man sich denn einig wäre, wie „richtig“ und „korrekt“ aussehen. Ist man aber nicht. So viele schöne Theorien, eine widerspricht der anderen und in der Praxis sind sie entweder für den Laien gar nicht umsetzbar oder selbst beim Profi nicht erfolgreich. Da wir getrickst, gefummelt, schöngeredet und hinfotografiert und die, die sich wirklich große Gedanken machen, die wirklich alles richtig machen wollen zum Wohle ihres Pferdes, die sind dann komplett verunsichert, trauen sich gar nix mehr und schmeißen irgendeinem Guru haufenweise Euros in den Rachen.

Und dabei sehe ich ganz klar an Diego: wenn unsere Pferde sich wohlfühlen, sehen sie eh gleich viel schöner aus. Wenn wir ihnen vielfältige Aufgaben stellen, dann kriegen die ihren Körper in den Griff. Wenn wir den unpassenden Sattel weglassen, haben die auch wieder einen Rücken. Und dann sehen die vielleicht nicht instagramm-tauglich aus, aber sie sind gesund und munter – im Winter mit zotteligem Fell und im Sommer vielleicht mit einem (kleinen!) Wohlstandsbäuchlein. Fertig. Ich schätze all jene Reiterinnen, die so sehr alles richtig machen wollen. Ich selbst möchte das auch. Aber mehr als einmal habe ich nun schon gelernt: dieser Wunsch kann uns total blockieren. Kann uns verpassen lassen, wie einfach alles sein kann und uns total den Spaß an unseren Pferden vermiesen. Und das ist doch schade. Die Zeit mit unseren Pferden ist so wertvoll. Sie soll voller Freude sein für alle Beteiligten. Und unsere Pferde haben auch oft keine Lust, ständig kritisiert zu werden, weil sie „nicht korrekt“ laufen und nicht gut genug bemuskelt sind.

(Das alles gilt für die einigermaßen gesunden Pferde. Für die Spezialfälle braucht es vielleicht spezielle Super-Methoden, das mag angehen. Oder auch nicht, wer weiß?)

Ihr bekommt ein Diego-Update sobald ich eins habe, versprochen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 487

Jetzt ist auch noch der Montags-Ausflug ausgefallen! Mein Ausreitkumpel hat einen Humpelfuß. Mein Mädchen sagt, wir müssen dringend üben, allein ausreiten zu gehen, aber dafür muss sie erst ihre strapazierten Nerven wieder reparieren. Und das hängt im Wesentlichen davon ab, wie Diegos Blutergebnisse ausfallen ….. bis dahin ist weiterhin Reitplatz-Spaß angesagt. Und damit keine Langeweile aufkommt, haben wir heute wieder mit der Doppellonge geübt. Und Stangen und ein Sprung waren auch im Spiel! Wir Highlandponys sind ja „the versatile breed“, also die vielseitige Rasse. Wir können einfach alles! Reiten, Kühe hüten, Kutsche ziehen, auf Fuchsjagd gehen oder eben auch springen. Und alles was euch sonst noch einfällt. Aber natürlich können wir das nicht einfach so, wir müssen schon ein paar mal üben dürfen. Und das mit dem Springen, da war ich bisher noch nicht so sicher wie das gehen soll. Man muss ja immer den richtigen Punkt zum abheben finden und das ist nicht so einfach wie es sich anhört! Aber jetzt hat es klick gemacht, heute bin ich ganz oft richtig abgesprungen und mein Mädchen war schon wieder soooooo stolz auf mich! Bald macht sie euch bestimmt ein Video davon. Bis dahin müsst ihr mal wieder eure Fantasie bemühen, das schafft ihr schon. Hier ein Bild vom Sprung:

Ok, er ist nicht hoch. Aber ziemlich schwierig, weil die Stange sofort runterfällt, wenn man sie auch nur mit einem Huf berührt. Also: angaloppieren, Maß nehmen, Gas geben und Hopp!

Jetzt bin ich also auch noch Springpony! Und wieder um einige (viele) Kekse reicher geworden. Lohnt sich!

Euer springender Sir Duncan Dhu of Nakel (der trotzdem auf einen schönen Ausritt hofft!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 486

Weiterhin keine Sonntagsausflüge, Diego bekommt weiterhin Medikamente und hält den Krankenschein hoch. Also müssen wir uns bei Laune halten, sagt mein Mädchen, und Abwechslung in die Platzreiterei bringen. Und deswegen hat sie gestern nach langer Zeit mal wieder ihre Garrocha ausgepackt, die sie letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hat. Mit der haben wir seit November nicht geübt, also mussten wir quasi von vorn anfangen. So einen richtig, richtig, perfekt runden Kreis zu gehen ist gar nicht so einfach wie es sich anhört! Dann noch mit meinem Mädchen oben drauf, die voll beschäftigt ist, nur eine Hand für die Zügel hat und sich regelmäßig die Arme verknotet. Diesmal hat es geklappt, das ganze zu filmen und damit ihr auch mal was zu lachen habt, haben wir euch den allerschönsten Ausschnitt ausgesucht. Mein Mädchen hat wirklich Glück, dass ich so ein Gentleman bin und sooooo geduldig warte, bis sie alles sortiert und geübt und probiert und sich wieder entknotet hat! Da war sie mir wieder sehr dankbar (das schlägt sich erfreulicherweise in der Keksrate nieder).

Na, wird es gehen?

Später, als sie dann meinte, ich hätte jetzt genug Chaos erduldet, hatte ich Feierabend und durfte am Reitplatzrand noch etwas Gras schmausen. Mein Mädchen hat sich derweil die Garrocha geschnappt und zu Fuß noch etwas geübt. „Das muss doch zu schaffen sein“ hat sie immer gemurmelt. Ich fand´s lustig! Heute hat sie Muskelkater im rechten Arm. Weil man da irgendwie ganz andere Muskeln benutzt als sie sonst so braucht (sagt sie). Oder weil sie generell sehr unfit und nicht gut trainiert ist (sage ich).

Diego hat derweil Heu gefressen. Und jetzt wird es kurios, denn plötzlich feiert mein Mädchen das ganz groß, dass er Heu frisst. Normalerweise sagt sie immer, wir fressen ihr die Haare vom Kopf und zu dick findet sie uns auch meistens. Aber wenn Diego jetzt mal ein paar Kilo Heu verdrückt, dann freut sie sich wie Bolle und legt ihm sofort was nach. Da soll so ein kleines Pony wie ich nun schlau draus werden. Mein Mädchen sagt, dass Diego Heu frisst, erhöht ihre Hoffnung, dass er wieder ganz gesund wird und wir bald wieder Sonntagsausflüge machen können. Ok, wenn das so ist, dann esse ich jetzt auch nochmal extra Heu, denn die Ausflüge fehlen mir schon sehr. Mein Mädchen sagt, am Mittwoch muss Diego nochmal eine Blutprobe hergeben und dann wissen wir hoffentlich am Freitag mehr. Drückt uns weiterhin die Daumen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem verknoteten Mädchen