Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 522

Weiter ging unsere Woche am Mittwoch. Am Dienstag hatte mein Mädchen nämlich Geburtstag und hat sich einen Tag „Pony-frei“ genommen, hat einen Ausflug mit dem Mann gemacht. Na gut, sei es ihr gegönnt. Morgens hat sie allerdings erstmal Geschenke bekommen und da ging es natürlich doch wieder um Ponys! Der Mann hat ihr nämlich einen Sattelhalter fürs Auto gebaut. Da hatten sie bisher so eine Stange die sie ins Auto geklemmt hat, Sattel drauf und hoffen dass er hält. Und dann war die Stange immer gerade etwas zu kurz für zwei Sättel, das ist ärgerlich. Also fand der Mann, es sei Zeit für eine bessere Lösung und hat meinem Mädchen etwas tolles gebaut! Jetzt ist der Sattel viel besser untergebracht und fällt nicht mehr runter. Abenteuer wir kommen! Naja, am Dienstag war wie gesagt kein Abenteuer für mich. Aber am Mittwoch kam mein Mädchen gleich morgens an und hat mich fertig gemacht für das nächste Abenteuer. Ab in die Wackelkiste und dann zu einem unserer liebsten Wege. Dort haben wir Ritter Willibald getroffen! Den kenn ich ja nun schon. Dem wollten wir zwei unserer Lieblingswege zeigen. Vom ersten war er auch gebührend angetan. Wir sind schön getrabt und sogar zusammen galoppiert und mein Mädchen fand mich hochanständig, weil ich mir das mit dem Wettrennen verkniffen habe. Sind wir ehrlich: Willi ist derzeit nicht gut im Training, ich weiß dass ich ihn hätte abhängen können…. aber mein Mädchen möchte keine Wettrennen reiten und ich bin ja Gentleman.

Dann ging es ein gutes Stück durchs Dorf, da ist mein Mädchen abgestiegen, weil sie findet, dass ich sie nicht immer die ganze Zeit tragen muss. In dem Dorf gibt es eine Wiese wo ein paar kleine Carusos wohnen. Und heute haben wir festgestellt, dass da ein Mini-Willi dabei ist! Der Willi hat nämlich eine Sonderlackierung auf seiner Rüstung. Nennt sich „Mohrenkopf“ oder „Blauschimmel“ , hat aber mit Käse nix zu tun. Diese Blauschimmel ändern immer ihre Farbe wenn Fellwechsel-Zeit ist. Mal sind sie fast ganz weiß, mal fast schwarz, dazwischen immer so grau. Und nun steht da plötzlich so einer hinterm Zaun und sie genaus aus wie Willi! Nur…. etwas kleiner. Da war der Willi verständlicherweise ganz fasziniert.

Willi und seine Mini- Version!

Weiter ging es also durchs Dorf zu unserem zweiten Lieblingsweg. Den wollte mein Mädchen gern traben, weil da so viele Fliegviecher unterwegs sind, die uns ans Blut wollten. Aber es stellte sich heraus: da ist einer mit dem Trecker durchgefahren! Und jetzt ist der Weg kaputt. Matschig und rutschig und nicht mehr trabtauglich. Schade! Stattdessen hat aber das Mädchen von Willibald für große Erheiterung gesorgt. Beim durchreiten unter einem tiefen Ast hatte sich nämlich die Fliegenschutz-Decke an Willis Hals gelöst und nun wollte sie die gern wieder festmachen. Aber Willis Hals ist verdammt lang, da kommt man nicht mal so eben vorne an! Mein Mädchen hat versucht, während dem Lachen noch zu filmen, aber das ist nur so halb gelungen. Dann hat sie wieder festgestellt, dass kleine Ponys sehr, sehr große Vorteile haben und sich bei jedem Zweig gefreut, dass sie sich nur etwas ducken musste, während Willis Reiterin gründlich geduscht wurde. Die Zweige waren nämlich alle nass vom Regen. Da es sehr warm war, war das eher erfrischend als ärgerlich.

Vor lauter Lachen ist das Bild unscharf geworden

Der weitere Verlauf des Rittes war unspektakulär, bis wir wieder an den Lieblingsweg vom Anfang kamen. Dort wollten wir ja gern wieder traben, aber vor uns war eine Spaziergängerin mit Hund in den Weg eingebogen. Wir haben dann vereinbart, dass Willi sie einfach über den Haufen läuft und ich sie anschließend noch einmal festtrete. Dann wollten wir sie als Warnung für die anderen liegen lassen. Aber die Spaziergängerin hatte schon Angst bekommen und war an die Seite gegangen und natürlich sind wir wie immer hoch anständig geblieben, im Schritt vorbei marschiert mit freundlichem Gruß und dann erst wieder angetrabt. So sind wir eben, letztlich doch immer nett zu allen.

Im Trab den schönen Weg durch und alsbald wieder an der Wackelkiste. Ich bin in meine eingestiegen, Willi in seine und jeder ist wieder nach hause gewackelt worden.

Zu hause habe ich mich duschen lassen, es war doch einigermaßen warm und ich habe das abduschen ein bisschen für mich entdeckt muss ich sagen! Früher mochte ich das nicht so und mein Mädchen sagt auch immer, dass ich das selbst entscheiden darf, aber wenn ich entspannt stehen bleibe, geht sie davon aus, dass ich das ok finde.

Aber zu Ende war der Mittwoch noch nicht!

Ein paar Stunden später kam meine kleine Freundin! Die hat gemault, weil ich mich nach dem Duschen so fein paniert hatte und sie so viel zu putzen hatte. Mein Mädchen hat nur gelacht und gesagt, sie sei ganz schön verwöhnt von mir, weil ich ja immer so sauber bin. Dann kam der Mann dazu und hat mit Kreide meine Wirbelsäule eingezeichnet, für eine kleine Anatomie-Stunde. Am Ende hatte meine kleine Freundin die alles entscheidende Frage „und wie macht man das, dass das Pferd das dann richtig macht?“ Tja, das, meine kleine Freundin, kann ein paar Jahre dauern. Erstmal muss ich das können und dann musst du das können….

Anatomie-Stündchen

Diesmal hatte mein Mädchen sich einen Filzsattel geliehen und den durfte meine kleine Reiterin jetzt testen. Mein Mädchen ist noch nicht damit geritten, aber ich kenne das ja jetzt, allerhand Sitzunterlagen zu tragen, da ist das auch ok so. Meine kleine Reiterin ist aber noch nicht sicher, ob sie den Filzsattel mag oder nicht, das wird sie nächste Woche nochmal ausprobieren. Der Vorteil war jedenfalls, dass wir ein bisschen traben konnten und sie mal das leichttraben probiert hat – nur um festzustellen, dass das gar nicht leicht ist!

Ausnahmsweise hat sie dafür von meinem Mädchen einen kleinen Service bekommen: sie musste mich nicht nach hause führen, sondern durfte sitzen bleiben vom Reitplatz bis zum Stall.

Danach kam der beste Teil von allen: Möhrenparty! Meine kleine Freundin lässt sich da nicht lumpen, die bringt immer einen Tupper voll Möhren mit und dann wird geschlemmt! Das habe ich mir aber auch redlich verdient, weil ich das mit dem Unterrichten wieder soooooo toll gemacht hab. Und ich habe mit meinen Freunden geteilt, wie es sich gehört.

Euer vielseitig begabter Sir Duncan Dhu of Nakel

Geheimcode

Wir reiten im Schritt an einem Trafo-Häuschen vorbei. So etwas interessiert Duncan nicht – höchstens wenn es im Galopp überraschend zwischen zwei Büschen in seinem Sichtfeld auftaucht, dann schaut er da mal hin. Aber Willi, der im Moment neben ihm her läuft, findet das Häuschen plötzlich doch suspekt und schaut ein bisschen. Und Duncan imitiert ihn sofort. Ich bin überrascht: wenn der Ausreitkumpel die wildesten Sätze zur Seite macht, kümmert Duncan das überhaupt nicht. Er schaut nicht nach, was sein Freund da gesehen haben könnte. Aber wenn Willi findet, das Häuschen ist gruselig, dann überprüft Duncan, ob Willi recht hat (hatte er aber nicht).

Wenige Minuten später zuckt Duncan deutlich zusammen als ein wirklich kleiner Vogel wirklich leise und ziemlich weit weg aus dem Gebüsch fliegt. Und jetzt verstehe ich: er ist aufgeregter, als er es zugibt. Ausritt mit Willi ist eben doch noch kein Alltag, sondern ein Abenteuer. Duncan verbirgt seine Anspannung gut. Auch Finlay hat das getan, es ist sicherlich typisch für Highlandponys. Und es ist manchmal ein bisschen gefährlich, denn sie verbergen unter Umständen die Anspannung so lange, bis sie es gar nicht mehr aushalten können, und explodieren dann. Oder sie sind im Dauerstress, den niemand bemerkt.

Finlay, der immer ein Problem mit besonderen Fahrzeugen hatte (normale Autos waren ok aber LKWs, Motorräder, Autos mit Anhänger etc fand er tendenziell gruselig), konnte einige solcher Begegnungen aushalten, bevor es dann nicht mehr ging. Einmal rannte er mit wehenden Fahnen nach hause (zum Glück nicht weit) als wir bei Fahrübungen vom Boden mit LKWs konfrontiert waren. Meine Freundin sagte dann eines Tages: „jetzt sehe ich es, er zuckt vorher mit der Haut“. Etwas was ich ehrlich gesagt nie gesehen habe. Da war ein Signal, das mir völlig entgangen war.

Langsam entschlüssele ich Duncans individuellen Geheimcode. „Ich bin aufgeregt“ kann sich sowohl in erhöhter Schreckhaftigkeit als auch in zähen, langsamen Bewegungen äußern. „Ich bin unsicher“ zeigt sich je nach Situation durch Heben eines Vorderbeins oder schnelle, hektische Bewegungen bei denen er rempelt, schubst und unbedingt essen möchte. Das wirkt frech und ungezogen, überhaupt nicht unsicher. Aber es ist Unsicherheit und wenn ich es als solche erkenne und entsprechend reagiere habe ich bessere Chancen als wenn ich Streit anfange (was mir noch zu oft passiert). Oft sind das natürlich dann Situationen in denen ich selbst unsicher bin, was es nicht einfacher macht für uns beide.

Als wir neulich vor dem kleinen Bächlein standen und es durchreiten wollten, verhielt Duncan sich zunächst so, wie ich es von Pferden in dieser Situation kenne: ein Schrittchen vor, ein Schrittchen zurück, stehenbleiben, ein Schrittchen vor. Ich erwartete die Reaktion, die die meisten Pferde zeigen: ein gewagter, schneller Satz. Aber plötzlich und für mich ohne jede Vorankündigung legte Duncan den Hebel um und ging im Schritt ohne weiteres Zögern durchs Wasser auf die andere Seite, als wäre es normaler Waldweg gewesen. Hier fehlt mir noch eine Menge seines Geheimcodes: woher hätte ich wissen können, wann er da durch geht? Wie kann ich abschätzen, ob er diese Hürde meistern kann oder nicht? Auch an der schlimmsten Stelle, an der ich mir selbst nicht sicher war, hat er sich ganz genauso verhalten. Kein Satz, keine Aufregung in der Bewegung zu fühlen. Hätte er vorher nicht so lang gezögert, hätte ich nicht gemerkt, wie schwer ihm das fiel.

Ich habe also noch viel zu lernen über mein Pony, dass ich seit 5 Jahren bei mir habe und schon gut kennen müsste. Je erwachsener er wird, je mehr Abenteuer wir erleben, desto mehr entdecke ich Lücken in meinem Wissen um seine Gefühlswelt. An den Rindern (auf dem Kurs) hat er mich mit manch schneller Bewegung überrascht. Allerdings habe ich mich gefreut, dass er in der Lage war, die Menschen dabei im Blick zu behalten. Einmal ist er kurz gestiegen, hat sich aber von mir weg gedreht dabei. Groß am Strick gezogen hat er nie und er war immer sofort wieder ansprechbar. Trotzdem: ich habe es nicht kommen sehen und das ist nicht gut.

Und noch eine wichtige Information fehlt mir: wo ist sein Normal Null? Dieses Frühjahr war Duncan extrem schreckhaft. Er ist teilweise wegen raschelnder Blätter kurz angaloppiert, was ich völlig absurd fand. Aus verschiedenen Gründen habe ich seinen Zinkwert überprüfen lassen und siehe da, der ist niedrig. Nun bekommt er also mehr Zink und die Schreckhaftigkeit ist weg. Allerdings ist die im Sommer wohl immer weg, das ist meine Erfahrung der letzten Jahre. Also wo ist sein Normal Null zu welcher Jahreszeit? Was bedeutet es, wenn er phasenweise enorm schreckhaft ist und wie kann ich ihm dann am besten helfen? Diese Dinge lernt man nicht in ein paar Wochen. Diese Dinge lernt man in Jahreszyklen und bei einem Pony, das noch nicht erwachsen ist, ändern sie sich naturgemäß auch so nochmal. Ich werde also noch viel zu entschlüsseln haben und muss noch manches Rätsel knacken bis ich Duncans Geheimcode gut genug beherrsche um ihn wirklich verstehen zu können. Mit Sicherheit ist er mir da weit voraus….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 521

Ich schulde euch ja noch zwei Berichte! Das muss ich jetzt schnell erledigen, denn bald gibt es schon wieder neues zu erzählen!

Also am Sonntag war wieder Familienausflug mit Diego dem Großen. Wir sind zu einem Parkplatz gefahren den wir schon kennen, von dort sind wir schon ein paar mal losgezogen. Direkt nach dem Losreiten warteten schon die Herausforderungen am laufenden Band auf mich. Es gibt leider keine Videos von meinen Heldentaten aber hier könnt ihr sehen wie es damals war. In diesem Wald gibt es kleine Bäche durch die man durchlaufen muss. 6 Stück waren es diesmal (im 7. war kein Wasser). Letztes Mal ist Diego da vorne weg gelaufen. Aber diesmal fand mein Mädchen, dass ich groß genug bin um das selbst zu tun. Diego musste also hinter mir warten (und hat ordentlich rumgemault!) während ich mir überlegt habe ob ich das wohl schaffe. Ich habe auch wieder den Trick mit dem austrinken versucht, aber das hat leider nicht geklappt. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Ich war mir nicht sicher. Diego hat gemault. Aber dann habe ich beschlossen: das geht. Und bin einfach so da durch marschiert. Juhuuu! Keks! Kurze Zeit später kam der zweite kleine Bach. Immer geht dann der Weg ein Stück steil runter, unten ist das Wasser und auf der anderen Seite geht es steil wieder hoch. Einmal war es Diego zu blöd, da hat er überholt und ist vorneweg gegangen. Aber alle anderen Furten habe ich vorneweg gemeistert. Die letzte war besonders fies, denn da war tiefer Matsch! Ich hab meinen Fuß vorgesetzt, bin ein gutes Stück eingesunken, hab den Fuß wieder rausgezogen und meinem Mädchen gesagt dass das nichts wird. Mein Mädchen hat geantwortet, dass ich Allhuf-Antrieb habe und das schon schaffe. Ich war nicht sicher. Da haben wir wieder eine Weile gestanden aber schließlich habe ich es doch geschafft! Und da war mein Mädchen wieder soooo stolz (was sie freundlicherweise in Keksen zum Ausdruck gebracht hat).

Manchmal sind wir auch vorne, mein Mädchen und ich!

Danach war der Ausritt recht entspannt. Wir sind schön durch den Wald galoppiert (da ist Diego echt raus aus der Kondition, da müssen wir ran!) und getrabt und nachher durchs Feld im Schritt getingelt. Da gab es viel zu sehen, Bauernhöfe mit Rindern, ein Mann der Holz gespaltet hat, Hunde und so, das war schon interessant. Nach gut 9km waren wir wieder an der Wackelkiste, das hat uns diesen Sonntag auch gereicht. Es war sehr windig und die Nächte waren nicht ganz so entspannt wie sonst, da sind wir nicht sooo laufmotiviert, Diego und ich.

Schönes Wetter, schöner Himmel!

Am Montag war natürlich wieder Montags-Ausflug aber da schon wieder etwas dazwischengekommen ist, wurde der stark abgekürzt. Wir sind 5km geritten, aber dafür sehr flott mit viel Galopp, das wollen wir ja jetzt üben. Nachdem ich jetzt hinten auch die Klebeschuhe drauf habe, können wir jetzt auch unbeschwert galoppieren. Nachdem ich wieder nur Linksgalopp im Angebot hatte, hat mein Mädchen dann auch mal nach Rechtsgalopp gefragt und mit etwas Denken habe ich das auch geschafft. Zack! Mädchen stolz! Außerdem liebt sie mich ja immer ganz besonders, wenn der Ausreitkumpel vor mir wieder Gespenster sieht und im Galopp – hüpf! – von einer Seite des Weges – hüpf! – zur anderen springt. Ich bin dann nämlich völlig ungerührt, ich kenne ihn ja nun zur Genüge. Da ist kein Gespenst, das ist nur seine Fantasie. Also ignoriere ich das einfach und galoppiere stoisch geradeaus weiter.

Als wir dann munter galoppiert waren, sind wir kurz noch Schritt gegangen und waren auch schon wieder an der Wackelkiste. Da war Pulsmessen angesagt und wir durften noch grasen bis ich wieder auf 60 runter war. Und schon ging es wieder nach hause.

Das waren also dann der Sonntags- und der Montags-Ausflug. Aber wartet ab, die Woche fängt gerade erst an!

Euer mutiger Furten-Durchquerer Sir Duncan Dhu of Nakel

Einladung zum Workshop

Ich habe ihn Euch versprochen und jetzt ist es so weit!

Sonntagsworkshop „Rhythmus und Timing“

Liebe Versuchskaninchen, es ist so weit! Unser Test-Workshop findet am

Sonntag den 4.8. statt bei uns in 24802 Groß Vollstedt, Emkendorfer Weg 9

Spielerisch werden wir euer Rhythmus-Gefühl schulen und in Mensch-zu-Mensch-Übungen euer Timing verbessern, denn beides ist essentiell in der Arbeit mit Pferden. Allzu ernst wird es dabei nicht zugehen, dann am besten lernt man mit Spaß!

Start ist um 10 Uhr und wir planen um 14 Uhr fertig zu sein  

Einmaliger Versuchskaninchen-Teilnehmerpreis: 40 € 

Wir werden uns in unserer kleinen Halle aufhalten, sind also vor Wind und Regen geschützt. Bitte tragt stalltaugliche Kleidung. Wer mag, bringt seine eigene Gerte/Longierpeitsche/Bodenarbeitsseil mit. Wir arbeiten NICHT am Pferd! (Wer mit Leckerlis belohnen will sollte also was menschentaugliches mitbringen…)

Bitte meldet Euch bis zum 28.7. verbindlich an, damit wir mit der Teilnehmerzahl planen können. Am besten per Whatsapp oder Signal an 0160-8462350 oder per mail an lioba@orbis-alia.de

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 520

Also der Montagsausflug ist leider ausgefallen, das war schade. Ich hatte dann den Montag frei, mein Mädchen ist nur vorbeigekommen und hat „Rumstehtraining“ mit mir gemacht. Ansonsten habe ich den Kurs nachwirken lassen und mich sehr groß und stolz gefühlt.

Dienstag und Mittwoch haben wir dann reiten geübt. Und zwar mit Gebiss auf dem Reitplatz, was wir sonst nie tun. Aber mein Mädchen hat festgestellt, dass ich die Gebisshilfen noch nicht ganz verstanden habe und da möchte sie jetzt nachjustieren. Wir haben ein bisschen was von den Sachen geübt die wir auf dem Kurs gemacht haben (nur Rinder waren keine da) und wir finden, das klappt schon ganz fein.

Gestern vormittag war dann mal wieder Doppellonge dran. Mein neu gewachsener Körper hat sich wieder zurechtgeruckelt (naja, der Mann hat da auch einiges zurechtgeruckelt) so dass ich jetzt wieder ganz fein laufen kann und das hab ich dann direkt auch mal demonstriert. Mit galoppieren und springen und mein Mädchen hat mich in einer Tour gefeiert, weil ich das soooooo toll gemacht habe!

Nachmittags ging es dann gleich weiter mit Programm, da kam nämlich meine kleine Freundin! Und wisst ihr was? Bisher war ich immer recht aufgeregt, wenn sie kam. Weil ich nie so ganz sicher war, was zu tun ist. Aber diesmal dachte ich, ich habe 6 Rindern ins Auge gesehen, habe eine Reihe Zuschauer begeistert und Dinge getan die mein Mädchen gar nicht für möglich hielt, da brauche ich mir keine Sorgen machen wegen einer kleinen Reitschülerin. Und dann war ich ganz entspannt. Als sie mich gebürstet hat, hab ich erstmal ein kleines Nickerchen gemacht. Mein Mädchen war baff, das ist ja noch nie passiert! Bevor es mit dem Reiten los ging, musste ich noch kurz am Anbinder warten, weil mein Mädchen meiner kleinen Freundin noch was erklären wollte. Da sind sie doch mit zwei Besenstielen über den Hof gelaufen und haben so getan als hätten sie vier Beine! Das sah sehr, sehr lustig aus, kann ich euch sagen.

Dann war ich dran und ich bin tiefenentspannt mit meiner kleinen Freundin zum Reitplatz gegangen, ohne schubsen oder drängeln (ja, natürlich habe ich trotzdem nach dem ein oder anderen Grashalm gehascht!). Dort haben wir wieder Lenken geübt. Mein Mädchen hat die Longe dran, aber nur falls es ganz durcheinander gerät, eigentlich soll meine kleine Freundin lenken und sie tut das auch. Manchmal verstehen wir uns noch nicht so ganz, dann geht es irgendwie in eine falsche Richtung, aber nachher hatten wir es gut raus. Immer schön im Kreis rundherum um mein Mädchen. Anhalten wenn ich von oben „hooooo“ höre, Keks nehmen. Meine kleine Freundin hat auch gemerkt, dass ich entspannter bin als sonst, weil ich nicht mehr so doll nach den Keksen gehascht habe. Das war eine rundum gelungene Einheit und beim zurückführen war ich auch sehr, sehr artig (da hatte ich sonst immer so einen Zug Richtung Gras den meine kleine Freundin nicht lustig fand).

Mein Mädchen meint, dieser Kurs hätte mich ja wohl total erwachsen gemacht und ich würde so schön in mir ruhen. Diese Ruhe wurde dann auch prompt ausgenutzt um mir noch hinten die Hufe zu bekleben (so wie vorne). Der Mann hat auch gemerkt, dass ich ruhiger bin. So waren wir alle sehr zufrieden mit uns und jetzt hoffen wir, dass die Klebeschalen hinten genauso gut halten wie vorne und wir im Gelände mal ordentlich galoppieren können ohne was zu verlieren!

Euer in sich ruhender Sir Duncan Dhu of Nakel

Reitkurs

Da waren wir nun auf unserem ersten Reitkurs. Der Kurs, den wir 2022 bei Elsa Sinclair mitgemacht haben, bestand ja für Duncan tatsächlich nur daraus, 4 Tage im Paddock mit Diego zu sein, was damals wirklich aufregend genug war, weil er noch Hengst war und viel herum gerannt ist.

Jetzt ist er nicht nur Wallach, sondern auch 2 Jahre älter. Er kann die Anwesenheit fremder Pferde ganz gut wegstecken, das hat er in den letzten Wochen mehrfach bewiesen. Also war ich guter Dinge, dass er den Kurs gut meistern wird.

An einem einzigen Wochenende war dann auch gleich so ziemlich alles dabei: übernachten auf einem fremden Weidestück mit Rindern und anderen Pferden nebenan, später Unterbringung in der Box mit Sicht auf den Hof, der voller Kinder und Hunde war und auf die Stallgasse, auf der auch immer wieder reges Treiben herrschte, wenn die Gruppen wechselten. Reiten in der Halle (die ich ihm zum Glück vorher zeigen konnte) mit Zuschauern und offener Tür zu besagtem Hof (Hunde und Kinder), Rinder treiben in der Gruppe mit fremden Pferden auf der großen Koppel und schließlich noch in der Halle mit fremden Pferden reiten. Ich sah sie förmlich, die kleinen Rauchwolken, die aus Duncans Kopf aufstiegen. Als wir einmal vor Arnulf und Diego in die Halle gegangen und dort alleine waren, hat Duncan sein Unwohlsein deutlich zum Ausdruck gebracht: er wollte zum Ausgang. Ja, er war artig. Aber er war nicht entspannt, er fühlte sich nicht sicher.

In meinen Augen ist so ein Kurs genau deswegen immer ein kleines Risiko. Die meisten Pferde sind unfassbar nett und kooperativ. Sie versuchen ihr bestes, im Zweifelsfall so lange, bis es nicht mehr geht. Wenn es dann nicht mehr geht, ist es zu spät, denn dann ist vorher schon so viel schief gelaufen, dass man das nicht mal eben schnell wieder ins Lot bringen kann. Mein Klassiker an der Stelle sind die Menschen, die mich für Verladetraining holen. Ganz oft begegnet mir das Problem, dass das Pferd zu hause super einsteigt, aber dann, wenn man irgendwo war, geht nichts mehr. Der Kopf des Pferdes ist dann voll, das Budget ist aufgebraucht. Nach dem Kurs, dem Strandritt oder gar dem Klinikbesuch ist es dem Pferd nicht mehr möglich, in den Anhänger einzusteigen.

Die Lösung heißt auch hier: Training. Jeder, der mal in einem fremden Supermarkt einkaufen war, kennt das Problem. Und jetzt stellt euch vor, ihr sollt nicht nur in dem fremden Supermarkt einkaufen, es ist auch eine fremde Sprache, eine fremde Währung, fremde Produkte. Es ist nicht nur irgendein Einkauf, sondern der Wocheneinkauf für eine 10köpfige Familie, die am Sonntag ein großes Fest feiern will. Und ihr seid knapp in der Zeit. Ihr wisst nicht, was wo steht, was wie heißt und dann stellt ihr fest: Einkaufszettel vergessen.

Da kann man schon mal schnell unter Stress kommen. Und je nachdem was für ein Typ man ist, wird man dann die Hälfte vergessen, die Kassiererin anbrüllen, das Glas mit den sauren Gurken fallen lassen oder im Anschluss einen Autounfall bauen. Wenn das Gehirn überlastet ist, wird das Leben auf jeden Fall nicht schöner. Im vertrauten Supermarkt wäre das alles doch einfacher gewesen, denn je mehr Informationen bereits bekannt sind, desto einfacher wird es, mit den neuen Informationen umzugehen. Deswegen war es mir wichtig, Duncan den Ort des Geschehens vorher schon einmal zu zeigen. Ich hatte diese Möglichkeit und ich bin sehr dankbar dafür. Er hat alles schon einmal gesehen.

Training heißt also in diesem Fall, einerseits einen Haufen gute Routinen zu erschaffen. Wenn mein Pferd nicht so viel nachdenken muss über die einfachen Dinge – führen von A nach B, an einer beliebigen Aufsteigehilfe einparken, fremde Pferde ignorieren, Rinder ignorieren, in den Anhänger einsteigen – habe ich schon mal Gehirnkapazität gewonnen. Diese Routinen kommen durch Wiederholung.

Zum Training gehört dann aber auch, zu lernen, die Füße langsam zu bewegen, wenn das Gehirn viel zu tun hat (beim Pferd von Natur aus eher umgekehrt, sofort schnell laufen, nicht erst viel denken! Sonst wird man Frühstück….). Zum Training gehört, den Menschen im Fokus zu behalten (für Pferde sind erstmal alle Reize gleich wichtig. Zu lernen, dass der Mensch immer Priorität hat, ist ein langer Prozess). Zum Training gehört, gute Reaktionen zu verinnerlichen: stehenbleiben und gucken. Nur gucken, nicht anfassen. Und dann den Fokus wechseln, nicht festglotzen. Rücksprache mit dem Menschen halten.

Wenn ich es schaffe, mein Pony an den Rand seiner Gehirn-Leistungsfähigkeit zu bringen aber ein gutes Ende zu finden und ihm ein Erfolgsgefühl zu vermitteln, wird der nächste Kurs noch besser. Dann kann ich nächstes Mal eine neue Herausforderung dazu nehmen (z.B. ohne Diego irgendwo hin fahren). Wenn es ihm aber zu viel wird und er zu gestresst ist, muss ich beim nächsten mal einen oder mehr Schritte zurück gehen. Woran erkenne ich ob es zu viel war? Tja, dafür muss ich nun wieder Dinge über mein Pony lernen, die ich bisher noch nicht weiß. So richtig werde ich das erst in der nächsten vergleichbaren Situation herausfinden können, aber es gibt natürlich schon auch ein paar andere Anzeichen.

Zu meinem Glück ist Duncan ja in der Regel der Meinung, dass ein Abenteuer, nach dem man so richtig müde ist, etwas großartiges ist. Ich möchte, dass das so bleibt. Und dafür lasse ich mich gerne auch mal etwas belächeln, wenn ich mit Argusaugen auf mein Pony schaue und den kleinen Dingen viel Bedeutung beimesse: das Haschen nach Gras, obwohl er den ganzen Tag auf der Weide stand, ist eine Übersprungshandlung, das habe ich gelernt. Es bedeutet, dass er Stress hat. Das Ziehen zum Ausgang, auch wenn ich ihn dort weg lenken kann, ist kein gutes Zeichen und ich möchte nicht zu oft darüber hinweg gehen. Dass er mir einmal auf den Fuß getreten ist, ist gar kein gutes Zeichen, denn das hat er noch nie getan. Er war unaufmerksam, das ist er sonst nicht. Diese vermeindlich kleinen Dinge sind wichtige Hinweise bei einem Pony, das eben nicht sichtbar durchdreht, herumbrüllt, rennt oder die Augen groß aufreißt. Gerade auf die stillen Typen muss man besonders gut aufpassen.

Aber ich habe auch gemerkt, wie Duncan sich helfen lässt von mir. Er weiß, dass ich versuche, ihm zu helfen. Er nimmt wahr, dass ich ihn beachte und nicht über seine kleinen Signale hinweg gehe. Und dann nimmt er seine Kräfte zusammen und tut was Merlin immer getan hat: er liefert ab. Er gibt sein allerbestes, legt sich für mich ins Zeug. Und ich vermute dass es das ist, was unseren Ponys das „gewisse Etwas“ verleiht, worauf wir oft angesprochen werden.

Nachher sind wir beide erschöpft, aber stolz. Wir sind beide gewachsen und wenn wir das nächste Mal auf einen Kurs fahren, wird es sicher schon weniger stressig sein, weil wir beide mehr trainiert haben. Duncan wird bald 6 Jahre alt, es wird Zeit, diese Dinge anzugehen. Und ich merke für mich, dass ich jetzt auch die Kraft und den Mut dazu gesammelt habe. Jetzt können wir uns neue Herausforderungen suchen und ich hoffe, dass das dahin führt, dass mein kleiner großer Duncan irgendwann genauso gelassen und kompetent ist wie Diego, der immer und überall zurecht kommt. Meine Hauptaufgabe ist – wie im körperlichen Training auch – die richtige Dosierung zu finden. Herausfordern ohne zu überfordern. In so einer Kurssituation ist das nicht leicht zu steuern, denn ich bin ja nicht allein. Da sind so viele andere Menschen und Pferde. Deswegen war es mir wichtig, einen guten ersten Kursort zu finden und das ist uns gelungen. Bei meinem Reitlehrer Alex Zell sind wir natürlich immer in den besten Händen, aber im Stall Quindalup hat halt auch alles andere gestimmt. Das Wohl der Pferde stand wirklich im Mittelpunkt, die Menschen waren alle freundlich miteinander, es gab keine Konkurrenz, kein Geläster, keine kleinen Sticheleien. Wenn ich entspannt bin, weil die Leute alle nett sind, kann ich mich voll auf mein Pony einlassen. In diesem Kurs hat die gesamte Gruppe an einem Strang gezogen und das ist eine tolle Atmosphäre. Duncan und ich hatten zwei großartige Tage und ich bin sicher, mein Pony ist ein bisschen gewachsen an diesem Erlebnis. Danke an alle, die daran beteiligt waren!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 519

Was für ein Wochenende! Das war mal ein richtiges Abenteuer! Am Freitag ist mein Mädchen emsig durch die Gegend gesaust und hat ganz viele Sachen ins Auto gepackt. Die Wackelkiste stand auch schon parat. Diego meinte schon: da kommt wieder was großes auf uns zu. Wenn sie am Tag VOR der Abreise schon packen, wird es wild, hat er gesagt.

Und tatsächlich, am Samstag in der Frühe kam der Mann und anstatt uns unser Frühstücksheu zu bringen, hat er doch tatsächlich mein Wallehaar komplett gebürstet! Er fand das wichtig, dass ich gut aussehe. Schließlich ist er mein persönlicher Coiffeur! Diego wurde natürlich auch entsprechend aufgehübscht. Können wir jetzt bitte endlich frühstücken? Nein, wir sollen in der Wackelkiste frühstücken und deswegen müssen wir warten, bis die Menschen fertig sind mit packen. Dann aber endlich. Hunger! Wir sind ein gutes Stück gefahren und dann haben wir noch eine ganze Weile in der Wackelkiste gewartet aber das war uns sehr recht, wo doch so viel leckeres Heu da war! Schließlich sollten wir dann aber doch aussteigen. Ach, den Hof kenne ich doch! Den hatte mein Mädchen mir ja in weiser Voraussicht schon mal gezeigt, damit ich mich schon ein bisschen auskenne. Schön ist das hier! Wir haben ein kleines Stück Wiese bekommen, Diego und ich, und zwar genau zwischen Rinderweide und Reitplatz. Da hatten wir den Logenplatz und alles genau im Blick! Und das ganze mit leckerem Gras dazu, besser geht es ja nicht.

Als wir eine Weile zugeschaut hatten, wie andere Reiter Unterricht bekommen, waren wir dann dran. Wir sind nach oben in die Halle gegangen, da waren Zuschauer und der Reitlehrer, den mein Mädchen sonst immer nur im Ohr hat. Hallo! Du bist das! Dich finde ich nett!

Dann sollten wir reiten. Mein Mädchen hatte viele, viele Fragen und ich musste mich ganz doll konzentrieren, dass ich neben all den Zuschauern und dem was außerhalb der Halle so los war auch noch meine Aufgaben gut machen konnte. Gaaaaanz genau drauf achten, was mein Mädchen will. Gut, dass Diego mit war, der strahlt immer so eine Ruhe aus und hat alles im Griff, das macht es für mich dann gleich viel leichter.

Nach einer Weile hatte ich Feierabend, mein Mädchen ist abgestiegen und wir haben ein bisschen herumgestanden, während der Mann und Diego auch noch Unterricht bekommen haben. Dann ging es wieder auf unser Weidestück.

Am Nachmittag wurde es dann ganz wild. Da haben wir nämlich Rinder getrieben! Erst war eine Gruppe Reiter dran, die haben die Rinder von der kleinen Koppel uns gegenüber auf eine größere Koppel getrieben. Ich hab mir das ein bisschen angeschaut aber dann beschlossen, dass essen doch auch sehr wichtig ist. Und dann waren wir dran und ich dachte, ich hätte doch mal genauer zuschauen sollen! Von mir als Pony wird erwartet, dass ich auf diese großen, böse guckenden Tiere genau zu gehe und angeblich gehen die dann weg, weil sie Respekt vor mir haben! Also bei Diego klappt das. Aber der ist ja auch so viel größer und beeindruckender als ich! Ich war da jetzt nicht so ganz sicher. Und ehrlich gesagt: mein Mädchen auch nicht. Sie ging zu Fuß neben mir und hat versucht, mir Sicherheit zu geben, aber wenn wir zu nah an die Rinder gekommen sind, hatten wir beide bisschen Muffensausen. Reitlehrer Alex hat mich dann an die Hand genommen und ist mit mir da hin gegangen. Der war sich sicher, aber wisst ihr was? Der ist ja auch so viel größer als ich! Ich war nicht ganz überzeugt. Wenn die Rinder sich komisch bewegt haben, hab ich mich doch immer etwas erschreckt und bin mal kurz in den Fluchtmodus gegangen. Die anderen Pferde hatten das besser raus, aber die Menschen haben gesagt, ich hab das trotzdem alles toll gemacht. Nachher sind wir dann mit mehreren Pferden im Kreis um die Herde herum gegangen, das konnte ich gut. Da ist mein Mädchen dann auch aufgestiegen und geritten und wenn ein Mensch am Boden mir geholfen hat, konnte ich auch mal so ein Rind anschauen und es ist dann auch tatsächlich weg gegangen.

Mein Kopf hat schon ordentlich geraucht, als wir schließlich Feierabend gemacht haben. Mein Mädchen hat sich bei mir entschuldigt, weil sie fand, sie wäre mir keine gute Hilfe gewesen. Sie fand die Rinder nämlich auch ganz schön groß und beeindruckend und war sich auch nicht sicher, ob die weggehen, wenn wir kommen. Na gut, dann sind wir uns ja einig, mein Mädchen!

Die sind größer und schwerer als ich!

Wir haben dann auf dem Weidestück übernachtet, aber in der Nacht fing es an zu regnen und alles wurde immer nasser und nasser. Am frühen Morgen kam dann der Mann und hat uns in den Stall gebracht, da waren zwei Boxen für uns vorbereitet. Hey, warum muss ich denn in den Knast? Ich habe nichts verbrochen! Das fand ich voll blöd. Aber ich bin ja ein artiges Pony und habe mich in mein Schicksal gefügt. Da war Heu und wo Heu ist kann man es eine Weile aushalten wenn nötig.

Am Sonntag hatten wir dann morgens nochmal Unterricht und haben tolle Sachen gemacht, mein Mädchen und ich. Ich hab gut aufgepasst und mir Mühe gegeben, immer meine Beine richtig zu sortieren und mein Mädchen war stolz wie Bolle. Die Zuschauer haben gejubelt und uns angefeuert und immerzu gesagt, wie toll sie mich finden. Jetzt weiß ich was Merlin immer meint, wenn er sagt, Kurse sind toll! Das macht ja richtig Spaß!

Reitlehrer Alex, der ein großer Merlin-Fan ist, hat mich am Ende angeschaut und gesagt, ich sei ein würdiger Nachfolger. Und ich glaube, da bin ich nochmal ein gutes Stück gewachsen.

Nachmittags ging es dann nochmal in die Halle, aber diesmal waren nicht nur Diego und ich dort, sondern auch noch zwei andere Pferde! Oooooooh war das aufregend! Mein Mädchen hatte Sorge, ob mein Kopf wohl schon so raucht, dass bald was durchbrennt, aber ich habe alle meine Geisteskraft gebündelt und mich nochmal so doll konzentriert wie ich nur konnte. Wir haben geübt, mit der Garrocha zu reiten, da muss man wirklich gut aufpassen, damit das gelingt! Und ich habe mich konzentriert was das Zeug hielt, bis mein Mädchen meinte, das reicht jetzt wirklich. Sie ist dann abgestiegen und ich durfte neben Diego stehen und entspannen während die anderen beiden Pferde noch gearbeitet haben.

Danach nochmal kurz in den Knast – das haben wir gar nicht verdient! Diego war auch schon ziemlich angefressen davon. Aber die Menschen haben nur noch eingepackt und dann durften wir in die Wackelkiste und es ging nach hause. Man war ich müde, ich konnte kaum noch geradeaus denken nach den ganzen Erlebnissen. Mein Mädchen ist natürlich wieder wahnsinnig stolz auf mich, weil ich das alles so toll hingekriegt habe. Und sie ist auch richtig, richtig müde, weil es für sie auch ganz schön viel Abenteuer war. Wir waren beide sehr froh, dass Diego und der Mann dabei waren, das hilft ja immer so. Irgendwann, sagt mein Mädchen, sind wir so gut, dass wir das auch ohne die beiden können, aber bis dahin lassen wir uns gerne von ihnen helfen.

Heute gehen wir erstmal ausreiten mit dem Ausreitkumpel. So ein schöner Ausritt ist genau das was mein Kopf jetzt braucht, damit sich alles wieder sortieren kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (offiziell würdiger Nachfolger von Merlin dem Zauberer)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 518

Morgens zu einer ganz unüblichen Zeit kam mein Mädchen und hat Diego aus dem Stall geholt. Warte mal, der geht ja in die Wackelkiste! Da will ich aber mit! Und tatsächlich, ich durfte mit. Schnell einsteigen da vorne ist Heu! Nein, erst warten. Warum denn? Hufe auskratzen. Jetzt aber schnell! Nein, nochmal warten. Was denn jetzt noch? Einmal den Staub abbürsten. Oooooooor Mädchen mach hinne, Diego futtert mir ja alles weg! Unsere helfende Hand, das Mädchen vom Schimmelfreund, hat sich totgelacht über mich, weil ich es so eilig hatte. Schließlich durfte ich einsteigen und es ging los. Alsbald waren wir angekommen und sollten aussteigen. Aber vorne war noch Heu, da haben wir es nicht so eilig…. haben uns dann aber überreden lassen. Da war Gras, das ist ja auch fein, und wir durften essen. Aber da stand schon einer!

Hallo, bist Du ein neuer Ausreitkumpel?

Wieso sagst Du denn gar nix?

Hallo, wer bist du denn?

Ganz schön lecker, Dein Gras hier, wollen wir bisschen zusammen grasen?

Jetzt antworte mir doch mal!

Das war vielleicht ein schweigsamer Geselle. Nix hat der gesagt, gar nix. Ich hab dann beschlossen, dass es sinnlos ist, mit ihm reden zu wollen. Diego und ich haben lieber von dem leckeren Klee genascht, der dort wuchs. Aber allzu schnell fand das ein Ende und wir sind in eine Scheune gegangen. Dort war eine Tierärztin, die uns beiden etwas Blut abgezapft hat. Bei Bremsen stört mich das, bei Tierärzten ist es mir egal. Das piekst einmal ganz kurz, dann gibt es einen Keks und schon ist es vorbei.

Diego sollte nämlich noch eine letzte Kontrolle haben, weil er ja so krank war. Und weil er so einen dollen Zinkmangel hatte, hat mein Mädchen beschlossen, dass bei mir vorsichtshalber auch mal der Zinkwert angeschaut werden soll, nicht dass ich da auch einen Mangel hab. Jetzt warten wir auf die Ergebnisse. Aber Diego geht es prima, mein Mädchen ist sich sicher, dass da so weit alles gut ist. Sollte da noch ein Zinkmangel sein, kann sie ja weiter dagegen anfüttern. Er mag sein Zinkpulver nicht sooooo gern aber mit seinem Lieblingsmüsli geht es trotzdem rein. Alle anderen Werte werden zwar mit kontrolliert, aber eigentlich nur noch der Form halber.

Als wir also Blut abgegeben hatten, hab ich mir nochmal den Untersuchungsstand anschauen dürfen, der hat so interessant gerochen! Dann wieder raus zum grasen, mein Mädchen hat die Wackelkiste gewendet, während wir Ponys geschmaust haben und dann ging es auch schon wieder heim. Mein Mädchen war wieder stolz auf uns, weil wir soooooo entspannte Ponys sind. Wir Ponys waren froh, weil es leckeres Gras gab und im Anhänger leckeres Heu. War nur bisschen schade, dass wir nicht ausreiten gegangen sind, aber irgendwas ist ja immer.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem schweigsamsten aller Freunde

Er hat mir einfach nicht geantwortet…

Steigerung

Wie Duncan Euch berichtet hat, waren wir am Montag so flott unterwegs wie noch nie. Es war plötzlich warm geworden und in meinem Kopf waren diese Stimmen „Pferde bei Hitze nicht überfordern“ aber unter mir war mein Pony und das galoppierte fröhlich und neben mir war meine Freundin die sagte „der hat ja noch nicht mal erhöhte Atmung“.

Ich war nie im Leistungssport – weder selbst für mich noch mit Pferd. Ich kenne mich mit echtem, sportlichem Training gar nicht gut aus. Das was bei uns „Training“ heißt, ist für Sportler ein Witz.

Einen Tag nach unserem flotten Ritt mit über 11km/h Durchschnittsgeschwindigkeit höre ich den Distanzreitpodcast und stelle fest: auf der deutschen Meisterschaft ist die Siegerin in knapp 11,5 Stunden (Reitzeit) 160km mit über 3000 Höhenmetern geritten. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 14km/h . Und da wird mir dann klar: Training ist halt ganz was anderes. Klar messe ich mich nicht mit der deutschen Meisterin und mein Highlandpony könnte eine solche Leistung auch gar nicht erbringen, weil er für andere Sachen gezüchtet wurde. Aber wenn man die Obergrenze mal sieht, kann man manchmal die eigene Leistung besser einsortieren. Wenn ich das Gefühl hatte, soooooooo schnell und lang geritten zu sein und dann höre, dass Leistungssportler diese 10km mit ihrem Pferd durchgängig galoppieren, dann bin ich wieder still. Es tut mir gut, so etwas zu hören, weil es mir klar macht: ich bin in keinem Bereich, in dem mein Pferd irgendwie ernsthaft gefordert ist. Und jetzt kommt der spannende Teil, denn ich will unser Training ja steigern. Und das ist übrigens der Teil, den die meisten Freizeitreiter meiner Meinung nach verpassen. Sie üben mit ihrem Pferd so allerhand und sie gehen auch mal ausreiten, aber sie steigern sich nicht. Und ich glaube mittlerweile, dass viele genau deswegen nicht gut vorankommen. Die Horsemanship-Bewegung hat uns allen eingetrichtert, aufzuhören, wenn es gut läuft. Und das ist ja auch richtig, wenn das Pferd etwas lernen soll. Aber die Freizeitpferde, die ich so sehe, die scheinen Dinge nur noch zu lernen und dann nie zu trainieren. Und dann steigert sich da halt keine Leistungsfähigkeit. Und ja, die meisten Freizeitreiter sollten die Leistungsfähigkeit ihrer Pferde dringend steigern, das würde nämlich zu mehr Gesundheit führen. Mehr Galopp verbessert die Atmung, mehr Krafttraining verbessert die Fettverbrennung, mehr Ausdauertraining verbessert die Laune. Ich vermisse bei den meisten Pferden eine gute Grundfitness – und da nehme ich mich und mein Pony nicht aus, aber ich arbeite daran.

Und also soll sich Duncans Pensum steigern. Und das heißt: mein innerer Helikopter muss das mal überleben. Ihn mal anfeuern, ihm vorschlagen, nochmal zu galoppieren, ihm was zutrauen. Und staunen, wie er da raus kommt bei der Wärme und die Pulswerte völlig in Ordnung sind. Und mich freuen, wie er am nächsten Tag kommt und fragt, was wir heute machen. Und nicht glauben, dass er gleich kaputt geht, selbst wenn ich ihn mal überfordern SOLLTE (was mir auf körperliche Leistung bezogen noch nicht gelungen ist). Natürlich ist so ein Pulswert auch nur eine Aussage über das Herz-Kreislauf-System. Natürlich muss ich auch Bänder, Sehnen und Knochen im Blick haben. Aber das darf nicht zur Ausrede werden, nie aus dem Quark zu kommen.

Mein Finlay musste viel trainieren um unseren ersten kleinen Distanzritt in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Für den zweiten war er zu schlecht trainiert und wir haben es nicht in der Zeit geschafft (macht ja nix). Aber obwohl er sich immer so schwer getan hat, hatte er Spaß dabei. Finlay hat immer gut auf sich aufgepasst und Pause gemacht, wenn er eine brauchte. Ich wurde da nicht gefragt. Duncan tut sich von Natur aus leichter, obwohl der so klein ist und damit prozentual gesehen mehr Gewicht trägt (Finlay war 12 cm größer und wog fast 600kg, Duncan nur gut 400kg). Mein kleines Pony ist enorm stark und läuft sehr effizient. Vor allem läuft er gern, sehr gern.

Ich höre inzwischen von zwei Schülerinnen, die an ihren Ställen keine Mitreiter fürs Gelände finden. Weil die potentiellen Mitreiter 12km „zu weit“ finden und 8km/h Durchschnitt „zu schnell“. Und einer dieser Ställe steht voller Isländer – eigentlich doch die Rasse für Leute die gern im Gelände unterwegs sind. Wenn ich zurückdenke an unseren Ritt am Montag, habe ich einen leisen Verdacht, warum das so sein könnte. Denn so eine Steigerung erfordert einen gewissen Mut. Gerade in den sozialen Medien wird einem – wenn man in den entsprechenden Filterblasen unterwegs ist – quasi permanent eingebläut, wie schnell das geliebte Pony Schaden nehmen kann. Zu früh geritten, zu schnell geritten, zu harter Boden – Pony kaputt. Einem Faktencheck halten diese Behauptungen zwar so einfach nicht stand, aber im Unterbewusstsein sind sie abgespeichert. Ich habe das „Glück“ dass ich überall die Gefahren vom Gegenteil sehe: zu dicke Ponys, Ponys die Atemprobleme haben, Arthrose bei Pferden, die überhaupt nie ernsthaft etwas geleistet haben. Das macht mich ein bisschen immun gegen die Stimmung, die mir im Internet entgegenschwappt. Trotzdem habe ich immer wieder Angst, ich könnte mein Pony überlasten. Und dann tut es mir gut, wieder und wieder von den anderen zu hören. In meinem Fall von den Distanzreitern, die nicht müde werden zu betonen, dass „jedes normal gerittene Pferd“ einen Einführungsritt von 30km schafft. Und das heißt nach deren Maßstab ist Duncan noch kein „normal gerittenes Pferd“. Oder von meiner Freundin, für die 20km Trab vor der Kutsche einfach die normale Sonntagstour sind und die gern einen ihrer Ausbilder mit den Worten zitiert, das Pferd sollte dreimal in der Woche nass geschwitzt sein.

Wir müssen uns immer und ständig bewusst machen, wie sehr unsere Wahrnehmung und unsere Maßstäbe sich nach dem richten, was wir täglich sehen und hören. Und anstatt andere zu verteufeln für das, was sie ihren Pferden abverlangen, können wir ja mal hinschauen, ob wir nicht etwas lernen können. Und uns und unseren Pferden mal mehr zutrauen, und das eine oder andere mal staunen, wie toll unsere Pferde das finden. Duncan, der mich in unseren gemeinsamen 5 Jahren nur eine handvoll mal angebrummelt hat, hat genau das heute getan in freudiger Erwartung von mehr Abenteuer und Anstrengung. Dass unser Reitplatz bereits in der prallen Sonne lag, war ihm egal, er stand parat. Und ja, heute haben wir nur im Schritt an seiner Balance gearbeitet, aber ich weiß genau, was er hätte leisten können und wollen und gedenke das auch demnächst wieder abzurufen denn ich kann eins ganz konsistent beobachten: ein paar Tage nach den größten Herausforderungen hat mein Pony die beste Laune und die meiste Motivation für mehr. Er will sich gern steigern und freut sich, wenn ich mich traue. Und ich glaube kaum, dass er das einzige Pony ist, das so empfindet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 517

Ausflüge, Ausflüge! Ich hab da etwas Nachholbedarf, nachdem Diego UND mein Ausreitkumpel beide so lang nicht fit waren. Aber jetzt geht es wirklich wieder los! Am Sonntag waren wir mit Diego unterwegs, die selbe Runde wie letzte Woche aber mit einer kleinen Erweiterung. Da im Wald die Vampire auf uns lauern hat mein Mädchen die Devise ausgegeben, dass wir da einfach ohne zögern durchtraben. Am Anfang war Diego noch ein bisschen wankelmütig und wurde immer mal langsamer und schneller und langsamer. Mich hat das etwas genervt aber mein Mädchen hat gesagt, wir üben jetzt das Abstand-halten. Und dann ist Diego plötzlich wieder rein gekommen in seine frühere Form und ist wie ein Uhrwerk getrabt und ich einfach hinterher. Mein Mädchen war happy und ich auch. Durch den ganzen Wald durch, ohne den Mücken eine Chance zu geben. Pech gehabt! Da mussten die sich an den Spaziergängern sattsaugen. Nach dem ausgiebigen Trab (4,5km) war Graspause mit Pulsmessen angesagt. Wir waren beide so um die 80 und sind dann fix runter gekommen. Diego hat einen Trick gefunden der Pulsmessung zu entgehen: einfach dann, wenn mein Mädchen die Schweifrübe in der Hand hat, „zufällig“ mit dem Hintern in die Brennesseln drehen. Und schon kann man wieder in Ruhe essen, ohne befummelt zu werden.

Unterwegs war alles wie immer: ich hab schön ins Dorf geäppelt, die Spaziergänger haben uns auf den Zebralook angesprochen und ansonsten war schönstes Reitwetter bei Sonne und Wind. Mein Mädchen ist diesmal ohne Gebiss geritten, nur mit dem Bosal und ich sage euch: das ist praktisch! Da kann ich unterwegs mal schnell ein Hälmchen oder ein Ästchen abreißen ohne dass ich dann mit dem Gebiss in die Bredouille komme. Mein Mädchen meint, wenn ich das schaffe, ohne das Tempo zu verändern, kann ich das ruhig machen. Ich denke, wir diskutieren das noch aus.

Das war also der Sonntag – insgesamt 11km. Und gestern dann direkt wieder los mit dem Ausreitkumpel in den Wald.

Vor dem Ritt ein Schlückchen Apfelschorle bitte!

Und wenn ich es euch sage: Fliegendecke, Bimselgebämsel im Gesicht, Spray überall und im Gesicht noch so ein Gel, aber die kommen einfach trotzdem! Mein Mädchen meint, die Fliegviecher haben gelernt dass sie das leckerste Essen da finden wo es am meisten stinkt. Aber sie hatte gut vorgeplant: kürzere Runde aber dafür flott, flott, flott! Man muss wirklich einfach so schnell durch die Mückenschwärme durch wie man kann. Da ich aber ja im Galopp meine Hufschuhe hinten immer runterziehe und der erste Teil des Weges zu steinig war um ihn ohne Schuhe zu machen, sind wir erstmal getrabt bis der steinige Teil vorbei war. Mein Ausreitkumpel hat natürlich wieder lässig die Verantwortung an mich abgegeben und ich musste vorneweg. Es war sehr warm und ich hatte es nicht so eilig. Aber dann, als der steinige Part zu Ende war, hat mein Mädchen mir ganz schnell die Hufschuhe ausgezogen (man hat so ca 20 Sekunden bis die Blutsauger gemerkt haben, dass man sich nicht mehr bewegt!) und dann ging es los mit dem galoppieren. Und da wurde ich wach! Vor allem weil meine werte Reiterin jetzt ENDLICH mal kapiert hat, dass ich zuverlässig, artig und ein Gentleman bin. Mit dem Bosal komme ich besser zurecht und wir sind wieder in unseren gleichmäßigen Reise-Galopp rein gekommen. Zwischendurch durchparieren wenn der Boden matschig wurde, dann weiter. Ich war etwas flotter als mein Ausreitkumpel, der alsbald einen großen Abstand hatte. Während ich mutig an allen gruseligen Dingen vorbeigaloppiert bin hat er wieder die Sattelfestigkeit seines Mädchens durch den ein oder anderen Hüpfer mit der einen oder anderen integrierten Vollbremsung getestet. Sie hat aber alle Tests mit Bravour bestanden und nur geschimpft wie ein Rohrspatz. Als mir etwas matt wurde, sind wir ein Stück getrabt, bis die beiden uns eingeholt hatten. Mein Mädchen war mittlerweile im Helikopter-Modus: es ist doch so warm und ich bin noch nie so lange galoppiert, ob es mir wohl gut ginge? Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat nur gelacht und gesagt, ich hätte ja noch nicht mal erhöhte Atmung und außerdem würde ich wohl kaum weiter galoppieren wenn ich nicht mehr wollte. So ein Typ bin ich ja nun nicht. Aber sie fand, ich könnte etwas geistige Erholung vertragen und mein werter Ausreitkumpel könnte ja mal die Verantwortung übernehmen. Der fand das blöde, aber er ist dann vorneweg galoppiert während ich noch etwas getrabt bin. Als wir einen guten Abstand hatten, hat mein Mädchen mir dann erlaubt, anzugaloppieren. Ich seh meinen Ausreitkumpel so vor mir und denke: den schaffe ich. Bisschen schneller, mein Mädchen? Ja, war erlaubt! Noch ein bisschen schneller? Auch erlaubt! Schau mal, wir holen den ein! Ein bisschen schneller noch? Auch erlaubt! Ach, das war schön, endlich hat sie mal nicht auf der Bremse gestanden. Noch mehr Galopp und noch mehr, aber dann wurde es meinem Mädchen bange. Ich war nämlich doch schon etwas müde und der Weg ist da ziemlich wellig und sie wollte nicht, dass ich im Galopp stolpere. Also bitte Trab! Mein Ausreitkumpel und ich haben uns dann noch vor ein paar Pfützen gegruselt, weil da so komische Insekten drauf waren. Aber an einer Pfütze haben wir schön was trinken können und ich sage euch, auch das ist mit dem Bosal so viel einfacher als mit dem Gebiss! Mein Mädchen sagt, zu manchen Gelegenheiten werden wir trotzdem noch das Gebiss mitnehmen aber für die normalen Ausritte geht das jetzt so. Das finde ich mal eine richtig gute Idee, mein Mädchen!

So kamen wir klatschnass geschwitzt aber glücklich an der Wackelkiste an. Mein Mädchen hatte einen Eimer Wasser und den Schwamm mit. Aber erst wurde Puls gemessen: 80. Da waren die Sorgen meines Mädchens, ich könnte mich völlig verausgabt und übernommen haben, schon wieder verflogen.

Aber eine blöde Wendung nahm es dann doch noch: Mein Ausreitkumpel hatte einen Hufschuh verloren! Was war zu tun? Die Mädchen haben sich abgesprochen, das Mädchen vom Ausreitkumpel ist zurück gelaufen und mein Mädchen hat uns Ponys versorgt. Abschwammen, alles ins Auto einpacken, nochmal Puls messen (der war runter auf 60, also alles im grünen Bereich), noch unsere Fliegendecken mit Wasser tränken damit wir schön abkühlen können und dann durften wir in die Wackelkiste. Wir sind ja so gute Ponys, man kann uns auch allein sehr gut versorgen.

Dann sind wir eine halbe Ewigkeit gewackelt worden, weil wir gaaaaaaanz außenrum mussten um das Mädchen vom Ausreitkumpel am anderen Ende des Weges abzuholen. Den Schuh hat sie nicht gefunden, vermutlich liegt er in einer Pfütze oder so. Wir Ponys waren langsam etwas ungehalten, weil unser Heu alle war. Mein Ausreitkumpel hat mal schnell den Vorderhuf ins Heunetz verhakt um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, aber geholfen hat es nicht.

Als wir alle wieder zu hause waren, hat mein Mädchen NOCHMAL Puls gemessen (40) und war dann endlich wirklich überzeugt, dass mir die Tour nicht zu viel war (trotz wirklich warmem Wetter). Wir haben alle unsere Rekorde gesprengt und sind 10km in 48 min geritten, 7km im Trab und sagenhafte 2,3km im Galopp (was ungefähr doppelt so viel ist wie bisher). Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit im Galopp war 16km/h und als ich Gas geben durfte waren es mal 17 oder 18km/h. Jaja, ich kann viel schneller laufen, aber ich weiß, dass mein Mädchen das nicht will wenn ich sie an Bord habe. 16km/h ist jetzt unser neues Reisegalopp-Tempo, daran hat sie sich gewöhnt (zumindest auf den übersichtlichen, geraden Wegen). Es wird wirklich langsam besser mit ihr!

So und jetzt habe ich heute frei (weil mein Mädchen sich erholen muss, ihr wisst schon).

Das waren zwei schöne Ausflüge!

Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel