Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 518

Morgens zu einer ganz unüblichen Zeit kam mein Mädchen und hat Diego aus dem Stall geholt. Warte mal, der geht ja in die Wackelkiste! Da will ich aber mit! Und tatsächlich, ich durfte mit. Schnell einsteigen da vorne ist Heu! Nein, erst warten. Warum denn? Hufe auskratzen. Jetzt aber schnell! Nein, nochmal warten. Was denn jetzt noch? Einmal den Staub abbürsten. Oooooooor Mädchen mach hinne, Diego futtert mir ja alles weg! Unsere helfende Hand, das Mädchen vom Schimmelfreund, hat sich totgelacht über mich, weil ich es so eilig hatte. Schließlich durfte ich einsteigen und es ging los. Alsbald waren wir angekommen und sollten aussteigen. Aber vorne war noch Heu, da haben wir es nicht so eilig…. haben uns dann aber überreden lassen. Da war Gras, das ist ja auch fein, und wir durften essen. Aber da stand schon einer!

Hallo, bist Du ein neuer Ausreitkumpel?

Wieso sagst Du denn gar nix?

Hallo, wer bist du denn?

Ganz schön lecker, Dein Gras hier, wollen wir bisschen zusammen grasen?

Jetzt antworte mir doch mal!

Das war vielleicht ein schweigsamer Geselle. Nix hat der gesagt, gar nix. Ich hab dann beschlossen, dass es sinnlos ist, mit ihm reden zu wollen. Diego und ich haben lieber von dem leckeren Klee genascht, der dort wuchs. Aber allzu schnell fand das ein Ende und wir sind in eine Scheune gegangen. Dort war eine Tierärztin, die uns beiden etwas Blut abgezapft hat. Bei Bremsen stört mich das, bei Tierärzten ist es mir egal. Das piekst einmal ganz kurz, dann gibt es einen Keks und schon ist es vorbei.

Diego sollte nämlich noch eine letzte Kontrolle haben, weil er ja so krank war. Und weil er so einen dollen Zinkmangel hatte, hat mein Mädchen beschlossen, dass bei mir vorsichtshalber auch mal der Zinkwert angeschaut werden soll, nicht dass ich da auch einen Mangel hab. Jetzt warten wir auf die Ergebnisse. Aber Diego geht es prima, mein Mädchen ist sich sicher, dass da so weit alles gut ist. Sollte da noch ein Zinkmangel sein, kann sie ja weiter dagegen anfüttern. Er mag sein Zinkpulver nicht sooooo gern aber mit seinem Lieblingsmüsli geht es trotzdem rein. Alle anderen Werte werden zwar mit kontrolliert, aber eigentlich nur noch der Form halber.

Als wir also Blut abgegeben hatten, hab ich mir nochmal den Untersuchungsstand anschauen dürfen, der hat so interessant gerochen! Dann wieder raus zum grasen, mein Mädchen hat die Wackelkiste gewendet, während wir Ponys geschmaust haben und dann ging es auch schon wieder heim. Mein Mädchen war wieder stolz auf uns, weil wir soooooo entspannte Ponys sind. Wir Ponys waren froh, weil es leckeres Gras gab und im Anhänger leckeres Heu. War nur bisschen schade, dass wir nicht ausreiten gegangen sind, aber irgendwas ist ja immer.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem schweigsamsten aller Freunde

Er hat mir einfach nicht geantwortet…

Steigerung

Wie Duncan Euch berichtet hat, waren wir am Montag so flott unterwegs wie noch nie. Es war plötzlich warm geworden und in meinem Kopf waren diese Stimmen „Pferde bei Hitze nicht überfordern“ aber unter mir war mein Pony und das galoppierte fröhlich und neben mir war meine Freundin die sagte „der hat ja noch nicht mal erhöhte Atmung“.

Ich war nie im Leistungssport – weder selbst für mich noch mit Pferd. Ich kenne mich mit echtem, sportlichem Training gar nicht gut aus. Das was bei uns „Training“ heißt, ist für Sportler ein Witz.

Einen Tag nach unserem flotten Ritt mit über 11km/h Durchschnittsgeschwindigkeit höre ich den Distanzreitpodcast und stelle fest: auf der deutschen Meisterschaft ist die Siegerin in knapp 11,5 Stunden (Reitzeit) 160km mit über 3000 Höhenmetern geritten. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 14km/h . Und da wird mir dann klar: Training ist halt ganz was anderes. Klar messe ich mich nicht mit der deutschen Meisterin und mein Highlandpony könnte eine solche Leistung auch gar nicht erbringen, weil er für andere Sachen gezüchtet wurde. Aber wenn man die Obergrenze mal sieht, kann man manchmal die eigene Leistung besser einsortieren. Wenn ich das Gefühl hatte, soooooooo schnell und lang geritten zu sein und dann höre, dass Leistungssportler diese 10km mit ihrem Pferd durchgängig galoppieren, dann bin ich wieder still. Es tut mir gut, so etwas zu hören, weil es mir klar macht: ich bin in keinem Bereich, in dem mein Pferd irgendwie ernsthaft gefordert ist. Und jetzt kommt der spannende Teil, denn ich will unser Training ja steigern. Und das ist übrigens der Teil, den die meisten Freizeitreiter meiner Meinung nach verpassen. Sie üben mit ihrem Pferd so allerhand und sie gehen auch mal ausreiten, aber sie steigern sich nicht. Und ich glaube mittlerweile, dass viele genau deswegen nicht gut vorankommen. Die Horsemanship-Bewegung hat uns allen eingetrichtert, aufzuhören, wenn es gut läuft. Und das ist ja auch richtig, wenn das Pferd etwas lernen soll. Aber die Freizeitpferde, die ich so sehe, die scheinen Dinge nur noch zu lernen und dann nie zu trainieren. Und dann steigert sich da halt keine Leistungsfähigkeit. Und ja, die meisten Freizeitreiter sollten die Leistungsfähigkeit ihrer Pferde dringend steigern, das würde nämlich zu mehr Gesundheit führen. Mehr Galopp verbessert die Atmung, mehr Krafttraining verbessert die Fettverbrennung, mehr Ausdauertraining verbessert die Laune. Ich vermisse bei den meisten Pferden eine gute Grundfitness – und da nehme ich mich und mein Pony nicht aus, aber ich arbeite daran.

Und also soll sich Duncans Pensum steigern. Und das heißt: mein innerer Helikopter muss das mal überleben. Ihn mal anfeuern, ihm vorschlagen, nochmal zu galoppieren, ihm was zutrauen. Und staunen, wie er da raus kommt bei der Wärme und die Pulswerte völlig in Ordnung sind. Und mich freuen, wie er am nächsten Tag kommt und fragt, was wir heute machen. Und nicht glauben, dass er gleich kaputt geht, selbst wenn ich ihn mal überfordern SOLLTE (was mir auf körperliche Leistung bezogen noch nicht gelungen ist). Natürlich ist so ein Pulswert auch nur eine Aussage über das Herz-Kreislauf-System. Natürlich muss ich auch Bänder, Sehnen und Knochen im Blick haben. Aber das darf nicht zur Ausrede werden, nie aus dem Quark zu kommen.

Mein Finlay musste viel trainieren um unseren ersten kleinen Distanzritt in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Für den zweiten war er zu schlecht trainiert und wir haben es nicht in der Zeit geschafft (macht ja nix). Aber obwohl er sich immer so schwer getan hat, hatte er Spaß dabei. Finlay hat immer gut auf sich aufgepasst und Pause gemacht, wenn er eine brauchte. Ich wurde da nicht gefragt. Duncan tut sich von Natur aus leichter, obwohl der so klein ist und damit prozentual gesehen mehr Gewicht trägt (Finlay war 12 cm größer und wog fast 600kg, Duncan nur gut 400kg). Mein kleines Pony ist enorm stark und läuft sehr effizient. Vor allem läuft er gern, sehr gern.

Ich höre inzwischen von zwei Schülerinnen, die an ihren Ställen keine Mitreiter fürs Gelände finden. Weil die potentiellen Mitreiter 12km „zu weit“ finden und 8km/h Durchschnitt „zu schnell“. Und einer dieser Ställe steht voller Isländer – eigentlich doch die Rasse für Leute die gern im Gelände unterwegs sind. Wenn ich zurückdenke an unseren Ritt am Montag, habe ich einen leisen Verdacht, warum das so sein könnte. Denn so eine Steigerung erfordert einen gewissen Mut. Gerade in den sozialen Medien wird einem – wenn man in den entsprechenden Filterblasen unterwegs ist – quasi permanent eingebläut, wie schnell das geliebte Pony Schaden nehmen kann. Zu früh geritten, zu schnell geritten, zu harter Boden – Pony kaputt. Einem Faktencheck halten diese Behauptungen zwar so einfach nicht stand, aber im Unterbewusstsein sind sie abgespeichert. Ich habe das „Glück“ dass ich überall die Gefahren vom Gegenteil sehe: zu dicke Ponys, Ponys die Atemprobleme haben, Arthrose bei Pferden, die überhaupt nie ernsthaft etwas geleistet haben. Das macht mich ein bisschen immun gegen die Stimmung, die mir im Internet entgegenschwappt. Trotzdem habe ich immer wieder Angst, ich könnte mein Pony überlasten. Und dann tut es mir gut, wieder und wieder von den anderen zu hören. In meinem Fall von den Distanzreitern, die nicht müde werden zu betonen, dass „jedes normal gerittene Pferd“ einen Einführungsritt von 30km schafft. Und das heißt nach deren Maßstab ist Duncan noch kein „normal gerittenes Pferd“. Oder von meiner Freundin, für die 20km Trab vor der Kutsche einfach die normale Sonntagstour sind und die gern einen ihrer Ausbilder mit den Worten zitiert, das Pferd sollte dreimal in der Woche nass geschwitzt sein.

Wir müssen uns immer und ständig bewusst machen, wie sehr unsere Wahrnehmung und unsere Maßstäbe sich nach dem richten, was wir täglich sehen und hören. Und anstatt andere zu verteufeln für das, was sie ihren Pferden abverlangen, können wir ja mal hinschauen, ob wir nicht etwas lernen können. Und uns und unseren Pferden mal mehr zutrauen, und das eine oder andere mal staunen, wie toll unsere Pferde das finden. Duncan, der mich in unseren gemeinsamen 5 Jahren nur eine handvoll mal angebrummelt hat, hat genau das heute getan in freudiger Erwartung von mehr Abenteuer und Anstrengung. Dass unser Reitplatz bereits in der prallen Sonne lag, war ihm egal, er stand parat. Und ja, heute haben wir nur im Schritt an seiner Balance gearbeitet, aber ich weiß genau, was er hätte leisten können und wollen und gedenke das auch demnächst wieder abzurufen denn ich kann eins ganz konsistent beobachten: ein paar Tage nach den größten Herausforderungen hat mein Pony die beste Laune und die meiste Motivation für mehr. Er will sich gern steigern und freut sich, wenn ich mich traue. Und ich glaube kaum, dass er das einzige Pony ist, das so empfindet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 517

Ausflüge, Ausflüge! Ich hab da etwas Nachholbedarf, nachdem Diego UND mein Ausreitkumpel beide so lang nicht fit waren. Aber jetzt geht es wirklich wieder los! Am Sonntag waren wir mit Diego unterwegs, die selbe Runde wie letzte Woche aber mit einer kleinen Erweiterung. Da im Wald die Vampire auf uns lauern hat mein Mädchen die Devise ausgegeben, dass wir da einfach ohne zögern durchtraben. Am Anfang war Diego noch ein bisschen wankelmütig und wurde immer mal langsamer und schneller und langsamer. Mich hat das etwas genervt aber mein Mädchen hat gesagt, wir üben jetzt das Abstand-halten. Und dann ist Diego plötzlich wieder rein gekommen in seine frühere Form und ist wie ein Uhrwerk getrabt und ich einfach hinterher. Mein Mädchen war happy und ich auch. Durch den ganzen Wald durch, ohne den Mücken eine Chance zu geben. Pech gehabt! Da mussten die sich an den Spaziergängern sattsaugen. Nach dem ausgiebigen Trab (4,5km) war Graspause mit Pulsmessen angesagt. Wir waren beide so um die 80 und sind dann fix runter gekommen. Diego hat einen Trick gefunden der Pulsmessung zu entgehen: einfach dann, wenn mein Mädchen die Schweifrübe in der Hand hat, „zufällig“ mit dem Hintern in die Brennesseln drehen. Und schon kann man wieder in Ruhe essen, ohne befummelt zu werden.

Unterwegs war alles wie immer: ich hab schön ins Dorf geäppelt, die Spaziergänger haben uns auf den Zebralook angesprochen und ansonsten war schönstes Reitwetter bei Sonne und Wind. Mein Mädchen ist diesmal ohne Gebiss geritten, nur mit dem Bosal und ich sage euch: das ist praktisch! Da kann ich unterwegs mal schnell ein Hälmchen oder ein Ästchen abreißen ohne dass ich dann mit dem Gebiss in die Bredouille komme. Mein Mädchen meint, wenn ich das schaffe, ohne das Tempo zu verändern, kann ich das ruhig machen. Ich denke, wir diskutieren das noch aus.

Das war also der Sonntag – insgesamt 11km. Und gestern dann direkt wieder los mit dem Ausreitkumpel in den Wald.

Vor dem Ritt ein Schlückchen Apfelschorle bitte!

Und wenn ich es euch sage: Fliegendecke, Bimselgebämsel im Gesicht, Spray überall und im Gesicht noch so ein Gel, aber die kommen einfach trotzdem! Mein Mädchen meint, die Fliegviecher haben gelernt dass sie das leckerste Essen da finden wo es am meisten stinkt. Aber sie hatte gut vorgeplant: kürzere Runde aber dafür flott, flott, flott! Man muss wirklich einfach so schnell durch die Mückenschwärme durch wie man kann. Da ich aber ja im Galopp meine Hufschuhe hinten immer runterziehe und der erste Teil des Weges zu steinig war um ihn ohne Schuhe zu machen, sind wir erstmal getrabt bis der steinige Teil vorbei war. Mein Ausreitkumpel hat natürlich wieder lässig die Verantwortung an mich abgegeben und ich musste vorneweg. Es war sehr warm und ich hatte es nicht so eilig. Aber dann, als der steinige Part zu Ende war, hat mein Mädchen mir ganz schnell die Hufschuhe ausgezogen (man hat so ca 20 Sekunden bis die Blutsauger gemerkt haben, dass man sich nicht mehr bewegt!) und dann ging es los mit dem galoppieren. Und da wurde ich wach! Vor allem weil meine werte Reiterin jetzt ENDLICH mal kapiert hat, dass ich zuverlässig, artig und ein Gentleman bin. Mit dem Bosal komme ich besser zurecht und wir sind wieder in unseren gleichmäßigen Reise-Galopp rein gekommen. Zwischendurch durchparieren wenn der Boden matschig wurde, dann weiter. Ich war etwas flotter als mein Ausreitkumpel, der alsbald einen großen Abstand hatte. Während ich mutig an allen gruseligen Dingen vorbeigaloppiert bin hat er wieder die Sattelfestigkeit seines Mädchens durch den ein oder anderen Hüpfer mit der einen oder anderen integrierten Vollbremsung getestet. Sie hat aber alle Tests mit Bravour bestanden und nur geschimpft wie ein Rohrspatz. Als mir etwas matt wurde, sind wir ein Stück getrabt, bis die beiden uns eingeholt hatten. Mein Mädchen war mittlerweile im Helikopter-Modus: es ist doch so warm und ich bin noch nie so lange galoppiert, ob es mir wohl gut ginge? Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat nur gelacht und gesagt, ich hätte ja noch nicht mal erhöhte Atmung und außerdem würde ich wohl kaum weiter galoppieren wenn ich nicht mehr wollte. So ein Typ bin ich ja nun nicht. Aber sie fand, ich könnte etwas geistige Erholung vertragen und mein werter Ausreitkumpel könnte ja mal die Verantwortung übernehmen. Der fand das blöde, aber er ist dann vorneweg galoppiert während ich noch etwas getrabt bin. Als wir einen guten Abstand hatten, hat mein Mädchen mir dann erlaubt, anzugaloppieren. Ich seh meinen Ausreitkumpel so vor mir und denke: den schaffe ich. Bisschen schneller, mein Mädchen? Ja, war erlaubt! Noch ein bisschen schneller? Auch erlaubt! Schau mal, wir holen den ein! Ein bisschen schneller noch? Auch erlaubt! Ach, das war schön, endlich hat sie mal nicht auf der Bremse gestanden. Noch mehr Galopp und noch mehr, aber dann wurde es meinem Mädchen bange. Ich war nämlich doch schon etwas müde und der Weg ist da ziemlich wellig und sie wollte nicht, dass ich im Galopp stolpere. Also bitte Trab! Mein Ausreitkumpel und ich haben uns dann noch vor ein paar Pfützen gegruselt, weil da so komische Insekten drauf waren. Aber an einer Pfütze haben wir schön was trinken können und ich sage euch, auch das ist mit dem Bosal so viel einfacher als mit dem Gebiss! Mein Mädchen sagt, zu manchen Gelegenheiten werden wir trotzdem noch das Gebiss mitnehmen aber für die normalen Ausritte geht das jetzt so. Das finde ich mal eine richtig gute Idee, mein Mädchen!

So kamen wir klatschnass geschwitzt aber glücklich an der Wackelkiste an. Mein Mädchen hatte einen Eimer Wasser und den Schwamm mit. Aber erst wurde Puls gemessen: 80. Da waren die Sorgen meines Mädchens, ich könnte mich völlig verausgabt und übernommen haben, schon wieder verflogen.

Aber eine blöde Wendung nahm es dann doch noch: Mein Ausreitkumpel hatte einen Hufschuh verloren! Was war zu tun? Die Mädchen haben sich abgesprochen, das Mädchen vom Ausreitkumpel ist zurück gelaufen und mein Mädchen hat uns Ponys versorgt. Abschwammen, alles ins Auto einpacken, nochmal Puls messen (der war runter auf 60, also alles im grünen Bereich), noch unsere Fliegendecken mit Wasser tränken damit wir schön abkühlen können und dann durften wir in die Wackelkiste. Wir sind ja so gute Ponys, man kann uns auch allein sehr gut versorgen.

Dann sind wir eine halbe Ewigkeit gewackelt worden, weil wir gaaaaaaanz außenrum mussten um das Mädchen vom Ausreitkumpel am anderen Ende des Weges abzuholen. Den Schuh hat sie nicht gefunden, vermutlich liegt er in einer Pfütze oder so. Wir Ponys waren langsam etwas ungehalten, weil unser Heu alle war. Mein Ausreitkumpel hat mal schnell den Vorderhuf ins Heunetz verhakt um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, aber geholfen hat es nicht.

Als wir alle wieder zu hause waren, hat mein Mädchen NOCHMAL Puls gemessen (40) und war dann endlich wirklich überzeugt, dass mir die Tour nicht zu viel war (trotz wirklich warmem Wetter). Wir haben alle unsere Rekorde gesprengt und sind 10km in 48 min geritten, 7km im Trab und sagenhafte 2,3km im Galopp (was ungefähr doppelt so viel ist wie bisher). Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit im Galopp war 16km/h und als ich Gas geben durfte waren es mal 17 oder 18km/h. Jaja, ich kann viel schneller laufen, aber ich weiß, dass mein Mädchen das nicht will wenn ich sie an Bord habe. 16km/h ist jetzt unser neues Reisegalopp-Tempo, daran hat sie sich gewöhnt (zumindest auf den übersichtlichen, geraden Wegen). Es wird wirklich langsam besser mit ihr!

So und jetzt habe ich heute frei (weil mein Mädchen sich erholen muss, ihr wisst schon).

Das waren zwei schöne Ausflüge!

Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 516

Gestern war mal wieder Zeit für die Waschanlage! Abgesehen davon, dass der Winterdreck noch in meinem Schweif herumhing, lasse ich mich auch schon mal ein bisschen aufhübschen, denn das nächste Abenteuer wartet schon auf uns! Das erzähle ich euch dann, in gut einer Woche ist es so weit!

Gestern also erstmal Waschanlage. Mit Hindernissen: der gelbe Eimer war nicht mehr ganz dicht, um mich herum schwirrten schon wieder hungrige Blutsauger, die mir an den Pelz wollten und meine Geduld war dann nach dem Einweichen auch schon erschöpft. Ich genervt, Mädchen genervt. Aber irgendwie haben wir es dann doch noch hingekriegt und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ab durch die Waschanlage!

Danach sind wir „turnen“ gegangen. Weil meine Hinterbeine irgendwie so ein komisches Eigenleben haben seit dem letzten Wachstumsschub hat mein Mädchen beschlossen, dass wir da mal was für tun. Und getreu ihrem Motto „finde so viele Varianten wie möglich“ hat sie sich eine neue Übung überlegt, die ging so: Sie hat die Matratze direkt an den Steg gelegt, dann bin ich mit den Hinterhufen auf den Steg gegangen (Vorderhufe am Boden) und bin seitwärts gegangen, also erst über den Steg und dann vom Steg seitwärts auf die Matratze. Holla! Das war mal interessant. Ich meine: ich kann das natürlich. Aber mein Mädchen hat mir angesehen, dass ich eine Menge Informationen zu verarbeiten habe bei dieser Übung.

Gar nicht so harmlos wie ich es aussehen lasse!

Wir haben auch noch andere Seitwärts-Varianten geübt und zum Abschluss durfte ich noch kurz wippen. Das mache ich persönlich ja am allerliebsten! Mein Schweif ist in der Zeit gut getrocknet und sieht jetzt aus wie neu (mal sehen wie lange).

Euer frisch gewaschener Sir Duncan Dhu of Nakel

Ich kann das besser

„Show him that you can do better“ (Zeig ihm, dass du das besser kannst) ist einer der Sätze von Elsa Sinclair, die mir besonders hängen geblieben sind. Wenn Du etwas falsch gemacht hast, zeig deinem Pferd, dass du es besser kannst. Das ist eine sehr heilsame Einstellung, wenn ich mal das Gefühl habe, ich hätte alles komplett verbockt. Und genau dieses Gefühl hatte ich neulich mal wieder.

Duncan ist gewachsen. Er sah wieder so komisch aus (er hat dann, wie Finlay damals auch, so einen birnenförmigen Bauch und einen leichten Karpfenrücken), er war krumm und schief in alle Richtungen, schlecht gelaunt und pubertär. So weit, so unangenehm. Aber das kenne ich ja nun, das sitzen wir aus. Die Schiefe hat Arnulf behandelt und ich habe etwas Wellness obendrauf gemacht. Ich habe ein bisschen langsamer gemacht, mehr Doppellonge, weniger reiten. Passt schon. Dann war Duncan wieder ganz der alte und ich dachte, es geht wieder los. Ging es auch, nur: reiten auf dem Platz war plötzlich „kaputt“. Wir hatten schon so schön an seiner Geraderichtung gearbeitet, er lief auf beiden Händen (altersentsprechend) gleichmäßig schön und war durchlässig, ließ sich lenken und mit etwas Geschick und Ruhe auch vernünftig biegen. Und da wollte ich ja nun anknüpfen. Ich bin sicher, Duncan wollte das auch, aber obwohl er den osteopathischen Check bestanden hatte, wollte es einfach nicht klappen. Oder sagen wir: nicht immer. Momenteweise war alles gut, dann wieder nicht. Linksrum hatte ich eine Art Brett unterm Hintern, Duncan lief entweder einfach gnadenlos nach links oder er blieb stehen und ging nicht mehr los. Und wir gerieten in Streit. Wie dumm von mir, ich weiß doch, dass er das nicht macht, um mich zu ärgern. Wir stritten nicht so doll wie an dem Tag als er so schief war, aber immer noch zu doll – als ich abstieg, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Da steht mein kleines Pony und er bemüht sich immer so sehr und ich kriege es nicht hin, ihm richtig zu helfen. Nach etwas Nachdenken kamen mir ein paar Ideen, die ich versuchen könnte. Und so kam ich am nächsten Tag mit genau jener Einstellung zu Duncan, die ich von Elsa gelernt habe: ich zeige dir jetzt, dass ich das besser kann. Und zum Glück war Duncan auch total bereit, sich das von mir zeigen zu lassen, nachtragend ist er ja (im Gegensatz zu Finlay) nicht.

Wir ritten 15 Minuten im Schritt, ganz in Ruhe und übten nur, unser Gleichgewicht zu finden. Ich fühlte mich um 2 Jahre zurückversetzt, als wir gerade dabei waren, herauszufinden, wie das mit dem Lenken auf dem Reitplatz überhaupt geht. Aber ich konnte das jetzt akzeptieren – wir fangen eben von vorn an. Wir erarbeiten uns alles neu, denn Duncans Körper ist anscheinend sehr neu. Und ich vermute, es wird nicht der letzte Wachstumsschub gewesen sein, da kommt bestimmt noch mehr solcher kleinen Dramen auf uns zu. Mit viel Lob, viel Ruhe und ganz einfachen Übungen kamen wir da hin, dass Duncan links und rechts im Schritt ein hübsches kleines Schulterherein auf dem Zirkel hinkriegte. Dann wollte es eh schon wieder regnen und ich nutzte das als Anlass, um aufzuhören. Wir gingen mit einem zufriedenen Gefühl vom Platz und ich hoffe dass Duncan gemerkt hat, dass ich das besser kann. Und ich werde hoffentlich nächstes Mal schneller schalten und nicht streiten, sondern in aller Ruhe so viele Schritte zurückgehen wie nötig und da anknüpfen, wo ich anknüpfen kann.

Leider sind wir in der Pferdewelt fast alle mal darauf konditioniert worden, uns „durchzusetzen“. Der Mensch sagt, was gemacht wird und das Pferd hat zu gehorchen. Wie schwierig all jene leicht aussehenden Dinge für unser Pferd sind, verkennen wir oft. Das schon ein vernünftiger Zirkel etwas ist, was gelernt und geübt werden will, hat mir damals im Reitverein niemand gesagt. Und wahrscheinlich hat es auch niemand gedacht. Wieso, im Kreis laufen kann doch jeder. Ja sicher, nur wie ist halt die Frage…. Duncan hat mir schon in den allerersten großen Wachstumsschüben immer gezeigt, was das mit ihm macht. Dann ging es plötzlich am Steg nicht mehr, die Wippe hat sich anders benommen, wenn sein „Radstand“ und sein Schwerpunkt sich verändert hatten und einmal hat er ja auch einfach vergessen, dass er ein linkes Hinterbein hat – das war irgendwie völlig aus dem System verschwunden. Neuer Körper, alles neu lernen. Das gute ist ja: je öfter er es neu lernt, desto schneller geht es. Und ich kann derweil üben, nicht mit ihm zu streiten über Dinge die er gar nicht richtig machen KANN. Klingt einfach, ist es aber im Eifer des „Gefechts“ leider nicht immer…. Und dann ist es eben manchmal so, dass man am nächsten Tag wieder kommt und dem Pferd zeigt, dass man es besser kann. Ich persönlich glaube fest daran, dass die Pferde das auch merken und dann besser damit umgehen können, wenn wir Menschen uns mal daneben benehmen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 515

Neulich durfte ich wieder Lehrpferd sein. Eine Schülerin von meinem Mädchen kam und wollte galoppieren üben. Ich kenne die schon, die war schonmal da und wir haben zusammen geübt. Sie hat immer gute Kekse mit, das macht sie schonmal pauschal sehr sympathisch. Außerdem stellte sich heraus, dass sie voll gut Ponys kratzen kann. Ich bin ja eigentlich nicht so der Kratztyp, aber sie hat diese eine kleine Stelle gefunden, wo ich das wirklich gut finde. Aaaaahhhh schön.

Sie hat die eine gute Kratzstelle gefunden!

Als sie genug gekratzt hatte, ging es auf den Reitplatz. Aber ihr Galopp-Mut hatte sie schon wieder verlassen. Was denn? Ich passe voll gut auf meine Reiterinnen auf, du musst dir keine Sorgen machen! Aber es ging nicht um mich, sie war einfach nicht so gut drauf und mochte sich an diesem Tag dieser Angst nicht stellen. Und das ist ja auch völlig in Ordnung, weil wir doch auch so ganz viele tolle Sachen zusammen machen können! Mein Mädchen weiß, was ihr selbst an schlechten Tagen am besten hilft: nur fühlen. Also hat sie mich an die Longe genommen und meine Reiterin hat gefühlt. Zum Beispiel ihre Sitzbeinhöcker. Und jetzt habe ich eine offizielle Wunderheilung vollbracht! Denn bisher konnte sie immer nur einen ihrer zwei Sitzbeinhöcker fühlen, aber auf meinem Rücken fühlte sie sie plötzlich doch beide! Ha! Ich kann das voll gut mit dem unterrichten!

Fühlen, fühlen, fühlen!

Nachdem sie im Schritt ganz viel gefühlt hatte, sind wir noch ein bisschen getrabt. Der Reitplatz war voller Pfützen und Matschlöcher, da war es doch etwas komplizierter als normal, gleichmäßig zu traben. Tut mir leid, da habe ich dir das etwas schwer gemacht…. aber sie hat auch da wieder ganz viel gefühlt und ich bin ja so ein Guter, ich halte ja sofort an, wenn meine wertvolle Fracht auch nur ansatzweise ins Rutschen kommen könnte. Ich habe dann vorgeschlagen, ob wir nicht doch noch galoppieren wollen. Weil so ein Galopp genaugenommen doch viel bequemer ist als der Trab. Meine Reiterin mochte aber nicht, aber sie ist kurz abgestiegen, damit ich mal flitzen kann. Da war sie mir doch noch viel sympathischer! Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir haben noch geübt, Schritt verlangsamen und beschleunigen nur aus dem Sitz heraus. Das war kompliziert, weil mein Mädchen ja in der Mitte stand und ich dann immer bei ihr noch gucken wollte, was gemeint ist, aber sie hat ganz feste versucht, mir keine Signale zu geben (naja, das geht genaugenommen natürlich nicht). Nach ein paar Versuchen hatten wir das aber gut raus und dann haben wir noch geübt, aus dem Schritt in den Trab zu kommen nur über den Sitz. Dann hatte meine Reiterin für den Tag genug gefühlt und ich wurde in meinen wohlverdienten Feierabend entlassen. Meine Reiterin hatte jetzt bessere Laune als vorher („Ponys machen glücklich“ sagt sie immer und das stimmt!) und dass wir nicht galoppiert sind hat keinen von uns gestört (ich durfte ja trotzdem kurz galoppieren). Manchmal, sagt mein Mädchen, ist es nicht der richtige Tag um sich einer Angst zu stellen. Sie selbst kennt das nur zu gut. Und als gutes Lehrpferd nehme ich selbstverständlich Rücksicht darauf, was meine Schülerinnen wollen und was ihnen gut tut.

Euer Lehrpferd Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 514

Und schon wieder ein Ausflug! Weil Montag war. Ausreitkumpel! Bist du fit? Wir wollen doch jetzt mal wirklich richtig flott durchreiten, das hatten wir sooooo lange nicht! Mit der Wackelkiste ging es an den Waldrand. Aber ach! Der Waldrand bei schwülwarmem Wetter, da tut man gleich wieder unfreiwillig was gegen das Insektensterben. Decken, Fliegengebimselbämsel, Spray und trotzdem kommen die wilden Blutsauger. Da hilft leider nur eins: Tempo! Man muss einfach schneller laufen als die fliegen bzw landen können. Deswegen fiel die Aufwärmphase im Schritt ausnahmsweise aus. Mein Dieselmotor hat etwas gestottert, aber angetrabt bin ich natürlich trotzdem. Mein Ausreitkumpel wollte mal wieder keine Verantwortung übernehmen und klebte mit seiner Nase an – oder eher auf – meinem Hintern. Ich glaube er ist zu faul, seinen Kopf zu tragen und versucht ernsthaft, den auf mir abzulegen. Aber er darf das. Also von mir aus. Sein Mädchen hingegen fand das blöd und hat ihm gesagt, er soll jetzt mal vorneweg, er kann schließlich flott traben und ich war ja noch etwas langsam unterwegs. Also der Ausreitkumpel vorneweg. Der Weg war natürlich voller Pfützen – HÜPF – HÜPF – HÜPF – BREMS – HÜPF – RUTSCH- HÜPF das war ungefähr die Gangart des Ausreitkumpels. Mein Mädchen hat mir dann vorgeschlagen, dass wir etwas Abstand halten, falls er wieder einen Sliding Stop macht. Ok! Dann haben wir lustig Trab-Galopp-Übergänge gemacht. Langsam wurde ich warm!

Alsbald war der rutschige Weg zu Ende – und auch die Ambitionen meines Ausreitkumpels, Verantwortung zu übernehmen. Wer ging also wieder mutig voran? Ich. Im Galopp. Mein Mädchen findet, mit dem Bosal geht das alles viel besser. Ich bin schön gleichmäßig galoppiert, bis…. Mädchen, da stimmt was nicht! Tja, einer von meinen hinteren Hufschuhen hatte sich mal wieder gedreht. Mein Mädchen hat geschimpft, aber dann hat sie gesehen, dass tatsächlich nichts kaputt gegangen ist diesmal. Trotzdem hat sie mir versprochen, dass wir jetzt hinten auch kleben werden. Meine Hinterhufe sind nämlich ziemlich runtergelaufen, weil wir so viel ohne Schuhe unterwegs waren und mit den Schuhen kann ich halt leider einfach nicht ohne Verluste galoppieren, weil ich hinten so eng laufe. Mein Mädchen hofft, dass sich das mit Training und Wachstum noch verbessert, aber im Moment ist es wie es ist.

Nachdem sie mir den Schuh wieder gerichtet hatte, ging es weiter im Trab zur Brücke. Die Brücke, mein alter Feind! Aber jetzt hab ich das ja voll raus und kann da rüber traben! KLONK KLONK macht das unter meinen Hufen, aber ich hab es weggesteckt. Dann waren wir im Dorf, da gehen wir Schritt. Und wie immer waren da ein paar Spaziergänger, die es ganz erstaunlich fanden, wie ich aussehe „Ich wusste gar nicht, dass man jetzt auch Zebras reiten kann!“ sagt der nette Mann am Straßenrand. Nun kennt mein Mädchen diese Sprüche ja schon und hatte die passende Antwort parat „ja, das ist jetzt der neue Trend!“ hat sie behauptet. Pah! Und dann sagt der Typ doch „kommt der aus Mittel-Afrika?“ „Klar“ sagt mein Mädchen, „aber es ist ihm hier zu kalt“. Echt jetzt, Mädchen? Zu kalt? Zu mückig wohl eher! Naja. Weiter ging es durchs Dorf. Als wir schon fast wieder raus waren, sahen wir von weitem eine Frau mit Hund, die stehenblieb sobald sie uns sah. Die fürchten sich wohl vor uns? Da sind die Mädchen abgestiegen, das Mädchen vom Ausreitkumpel hat die Hunde angeleint und wir sind zu Fuß weiter. Und wie wir so gehen merke ich ein dringendes Bedürfnis. Habe ich euch schon erzählt, dass ich nur dann Pieschern kann, wenn ein kleines Abenteuer dabei ist? Ein Graben, ein paar Brennnesseln, Dornengestrüpp oder sowas, sonst kann ich nicht. Und hier war alles passend. Mein Mädchen wäre gern im Boden versunken vor Scham, weil ich genau neben dem fremden Hund angehalten habe, um zu tun was ich nicht lassen konnte. Was denn? Das war halt der beste Platz dafür und dem Hund macht das nix aus.

Meine Schuhe hinten hat mein Mädchen mir dann ausgezogen denn nun ging es zu dem schönen Weg und da wollte sie doch noch galoppieren. Das war aber eine sportliche Nummer nach dem ganzen Regen, weil es überall rutschig, sumpfig und matschig war. Also sind wir doch die meiste Zeit getrabt und nur zwischendurch ein bisschen galoppiert. Mein Mädchen fand aber ich habe den schwierigen Boden super gemeistert und dass das tolles Balance-Training war. Aus dem Wald wieder raus sind die Mädchen dann abgestiegen, ich hab meine Schuhe wieder anbekommen und wir sind ein Stück die Straße lang gegangen (wenn mein Mädchen im Wald nicht falsch abgebogen wäre, wäre das übrigens gar nicht nötig gewesen, aber wir sind diese Strecke zu lang nicht geritten und also…… tsss tsss). Während wir so unterwegs sind, bemerkt mein Mädchen plötzlich ein frisches Lüftchen an ihrem Bein. Reithose kaputt! Das ist wohl auf dem rutschigen Weg passiert, denn der ist auch voller tiefhängender Äste, da ist sie wohl unbemerkt an einem hängen geblieben. Zum Glück kann der Mann nähen, der flickt ihr das bestimmt.

Ja das war abenteuerlich diesmal!

Als die Mädchen dann wieder aufgestiegen sind und wir weiter traben wollten, zeigte sich das Übel: Der Ausreitkumpel lahmt! Sein Humpelfuß ist ja eigentlich wieder gut, aber er hat so lang gehumpelt, dass seine Muskeln alle ganz verspannt waren und anscheinend war das jetzt doch ein bisschen zu viel. Was ist zu tun? Sir Duncan Dhu muss auf Rettungsmission gehen! Also sind mein Mädchen und ich los getrabt Richtung Wackelkiste, während der Ausreitkumpel im Schritt geführt wurde und die Mädchen haben vereinbart, wo wir den Ausreitkumpel abholen können. Und so waren wir plötzlich ganz allein unterwegs, mein Mädchen und ich. Aber mein Mädchen hat eine neue Taktik gelernt, wie sie ihren Kopf beruhigen kann. Sie heißt „ABC-Spiel“. Also man sucht sich eine Kategorie, in ihrem Fall Bäume, und findet für jeden Buchstaben einen Baum. Ahorn, Buche, Ceder, …äh…. Dornengestrüpp, Esche, Fichte, …äh…. Giraffenbaum…. ungefähr so hat sie das gemacht. Es macht ihr gute Laune, wenn sie sich zwischendurch Blödsinn ausdenkt, weil ihr auf die Schnelle kein echter Baum einfällt. Und so sind wir munter getrabt. Plötzlich klingelt es in ihrer Tasche! Sie wollte aber nicht durchparieren und da ihr Handy beim Reiten immer an der Leine liegt, ist das auch kein Problem. Also Handy raus, da war das Mädchen vom Ausreitkumpel dran. Er musste auch mal pieschern und auf mysteriöse Art und Weise konnte er danach wieder einwandfrei laufen! Anscheinend hatte er sich so verklemmt, weil er so dringend musste, dass er gar nicht mehr laufen konnte. Jedenfalls war alles wieder gut und sie kommen jetzt hinter uns her. Wir sind weiter getrabt bis der Weg zu Ende war, dann ist mein Mädchen abgestiegen und hat mich grasen lassen. Ich hoffte auf einen fürstlichen Schmaus aber was soll ich sagen? Mein Ausreitkumpel war soooo flott, dass es nur für einige Maulvoll gereicht hat. Jetzt aber schnell zur Wackelkiste, bevor die Blutsauger uns noch den letzten Tropfen auslutschen! Außerdem hatte ich nach der Tour schon wieder einen amtlichen Heuhunger. Im Moment bin ich immer sooooooo hungrig! Aber nach 11,9km (davon 3km allein!) im stattlichen 7km/h Durchschnitts-Tempo darf man auch hungrig sein. Unsere Mädchen waren wahnsinnig stolz auf uns, weil wir uns so klaglos getrennt haben und uns so unglaublich anständig benehmen können. Das war zwar eine ungeplante, aber sehr erfolgreiche Übung und wir sind zufrieden nach hause gewackelt. Dort durfte ich dann auch gleich auf die Weide, gegen den Hunger.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (kurzzeitig auf Rettungsmission)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 513

Sonntagsausflug! Nachdem mein Mädchen ja am Freitag meinte, ich würde immer so doll auf die Vorhand kommen, hat sie sich mal was neues überlegt. Anstatt meinem Sidepull hat sie mir das Bosal angezogen und dann das Gebiss dazu. Ohne Gebiss traut sie sich ja immer nicht so recht, weil sie denkt, ich könnte mal „jung und wild“ sein. Diego geht ja immer nur mit Bosal raus, aber der kann und weiß ja alles und benimmt sich immer und ausnahmslos perfekt (der Streber). Mir traut mein Mädchen ja immer allerhand Schabernack zu obwohl ich wirklich nie Mist baue und doch so ein Guter bin. Ganz schön ungerecht finde ich das!

Na jedenfalls habe ich dann also das Bosal drauf bekommen. Damit üben wir ja immer auf dem Reitplatz und ich verstehe besser, wie ich darauf reagieren soll. Und tatsächlich war mein Mädchen von Anfang an begeistert, wie schön ich damit laufe und ich bin auch begeistert, weil das für mich alles klarer und verständlicher ist. Tatsächlich war mein Mädchen so begeistert, dass sie schon angekündigt hat, das demnächst mal ohne Gebiss zu versuchen, wenn wir in sicherem Gelände unterwegs sind und Diego als Lebensversicherung dabei haben. Als ob ich nicht zuverlässig wäre. Ich werde bald 6 Jahre alt und habe mir noch nie was zuschulden kommen lassen! Aber sie traut mir immer noch nicht über den Weg. Es ist manchmal recht mühsam mit ihr….

Was neues probieren. Hat gut funktioniert!

Wir sind heute durchs Dorf geritten, da haben wir eine Tradition, Diego und ich. Auf dem Hinweg habe nur ich mitten im Ort geäppelt, auf dem Rückweg haben wir uns ein Synchron-Äppeln genehmigt (gibt es das als olympische Sportart?). Beide Male mit dem entsprechenden Gefluche von den Menschen, beide Male hat mein Mädchen dann die Tüte geschnappt und alles eingesammelt um es im nächsten Gebüsch wieder zu entsorgen. Gleichzeitig ärgert sie sich immer über die Anwohner, die gar nicht wissen, was ihnen tolles entgeht für ihre schönen Gärten. Aber anscheinend will ja niemand den guten Stoff haben, denn wenn mein Mädchen das Zeug nicht wegräumt, bleibt es liegen bis es plattgefahren und weggeregnet ist. Also räumt sie es weg, weil wir uns ja nicht unbeliebt machen wollen.

Danach ist sie dann ein Stück zu Fuß gegangen und hat mit mir geschimpft. Weil ich, sobald sie zu Fuß geht, in den Schleich-Modus verfalle, wie sie es nennt. Nachdem ich jahrelang versucht habe, sie zu überreden, schneller zu sein beim Spazierengehen, bin ich ihr jetzt plötzlich zu langsam – sie weiß einfach nicht was sie will. Wenn sie dann wieder aufsteigt, wache ich wieder auf und lege meinen schönsten Turboschritt hin. Ich hab einfach kapiert, dass ich die zu-Fuß-Strecken als geistige Pause nutzen kann! Aber mein Mädchen findet das blöd und meint, auf so einem kurzen Ausritt bräuchte ich sowas doch gar nicht. Dabei weiß ich doch gar nicht wie lang der Ausritt wird, man weiß ja nie auf was für Ideen sie kommt!

Hinten raus aus dem Dorf in den Wald, da wollten wir mal schauen ob der eine Weg wieder frei ist. Ja, er ist frei, wenn man an einer Stelle gut aufpasst, dass man nicht im Sumpf versinkt. Diego war gut drauf und so sind wir ordentlich getrabt. Das war auch nötig, denn die Blutsauger wollten in Heerscharen über uns hereinfallen und uns leerlutschen! Aber im Trab haben sie keine Chance. Dann durchs Dorf wieder zurück (mit Synchron-Äppeln) und dann noch den Weg mit den tiefhängenden Weiden – die hängen so weit runter, dass selbst mein Mädchen sich ducken muss. Ich biete dann immer an, das wegzuförstern, aber natürlich ist das wieder nicht gestattet. Tssss tsss tsss, dabei wäre der Weg dann frei!

Ich würde das ja wegförstern, wenn man mich den lassen würde.

200Meter vor unserem Hof hörten wir es schon donnern und der Mann hat mein Mädchen gelobt für ihr gutes Timing. Und kaum waren wir ausgezogen und die Stalltür hinter uns ins Schloss gefallen, fing es an zu regnen. Ach das war wieder fein, zusammen unterwegs zu sein!

Diegos Fitness ist deutlich gestiegen, er war den ganzen Ausritt fit und fidel, so dass wir jetzt die Strecken wohl wieder etwas steigern können. Mein Mädchen und der Mann freuen sich, dass das Trainingsprogramm so gute Früchte trägt, aber Diego hat mir erzählt, dass er zwischendurch doch etwas Muskelkater hatte von den vielen Doppellongen-Einheiten, die mein Mädchen mit ihm gemacht hat. Aber da hab ich kein Mitleid, ich brauche einen sportlichen Diego damit wir schön ausreiten können!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem fitten Adoptiv-Papa Diego

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 512

Ausreitkumpel! DER Ausreitkumpel! Mein liebster, bester, tollster äh… manchmal nervigster Ausreitkumpel. Der mir immer das Schweifhaar richten möchte während er hinter mir her trabt und nur allzu gern die komplette Verantwortung an mich abgibt. Ich lieb den Typen, der ist einfach mein bester Kindheitsfreund, daran ist nix zu rütteln. Trotzdem: geh nicht so nah neben mir!

Also er stieg zu mir in die Wackelkiste – wie gut wir das jetzt können! Früher haben wir dann immer noch versucht, in der Wackelkiste zu spielen und zu rangeln. Deswegen gibt es eine „Quietsch-Kreisch-Sicherung“ für jeden von uns, das heißt wir werden seitlich so angebunden dass wir die Nasen nicht zusammenkriegen. Außerdem haben wir ein extra Heunetz zwischen unseren Köpfen. Dann können wir uns aufs Mampfen konzentrieren.

Aussteigen wollten wir jetzt nicht so dringend, das Heu war dann doch sehr lecker… aber die Mädchen haben uns nett überredet. Na gut.

Erstmal bisschen zu Fuß, dann haben wir eine schöne Aufsteigehilfe gefunden und die Mädchen sind aufgestiegen. Auf geht´s im Trab! Mir war gruselig zumute, da waren Baumstümpfe und Reste von altem Heu am Wegesrand…. mein Mädchen meinte, ich würde ja spinnen. Später fiel ihr auf, dass wir viel von dem leckeren Zuckerheu hatten und sie vermutet, dass ich deswegen so merkwürdig drauf bin. Zucker macht mich ja immer schreckhaft, meint sie. Ich glaube ja eher es liegt am mangelnden Speckpolster, aber da geht mein Mädchen irgendwie nicht mit.

Als der Weg zu Ende war, hat sie mich durchpariert und das war auch gut so, denn plötzlich tauchte von links ein Fahrrad auf! Ein komisches Ding, gar kein normales Rad, sondern eins mit Anhänger und Fähnchen! HUCH! Ein kleiner Satz musste da schon sein. Dann über den gruseligen Hof, aber den fand ich diesmal nicht gruselig. Bis plötzlich…. HUCH! kam da plötzlich ein Mensch aus der Tür! Nächster Satz zur Seite. Mein Mädchen trägt das ja inzwischen mit viel Fassung, ich nehme sie ja immer mit und so weit springe ich ja auch nicht.

Weiter ging es im Trab an den Bahnschienen längs. Da kam ein Zug von vorn! Mein Mädchen hat mir gut zugeredet und gesagt wir schaffen das jetzt im Trab, er kommt schließlich von vorn. Aber der nahm und nahm kein Ende, das war schon ganz schön beängstigend! Hab ich aber geschafft. Und weiter im Trab, bis wir dann vor uns den Radler sahen, der an einer Kreuzung stand und aussah als wüsste er nicht so es lang geht. Aber er hat nur freundlich gelächelt als wir vorbei gegangen sind, also alles gut. Noch ein bisschen Trab, aber dann kam ein Hund von vorne und wir mussten anhalten, damit das Mädchen vom Ausreitkumpel ihre Hunde an der Seite ablegen kann. Der andere Hund fand uns etwas angsteinflößend, aber schließlich ist er doch an uns vorbei gegangen. Bis das alles erledigt war, hatte der Radfahrer und schon wieder eingeholt und fuhr dann an uns vorbei mit einem Lob, wie artig wir alle wären. Nach dem ganzen Getüddel brauchte ich erstmal einen Drink und habe die Pfützen abgeschmeckt, die da so waren, bis mein Mädchen meinte, wir wollen dann auch mal weiter und nicht jede Pfütze einzeln verkosten. Schade!

Den schönen Grasweg rechts rein und immer weiter im Trab bis zum nächsten Hund. Es war ganz schön viel los so am Freitag nachmittag mit schönem Wetter und das Mädchen vom Ausreitkumpel war dezent genervt. Ich wäre auch lieber einfach durchgetrabt aber es nützt ja nix. Mein Mädchen plant jetzt schon die nächste Tour in ein weniger touristisches Gebiet, damit wir mal durchtraben können.

Nachdem wir noch ein paar Hunde und Spaziergänger erledigt hatten, war die Bahn vor uns schön frei. Mädchen, wie wäre es mit einem Galopp? Sie hatte etwas Sorge, weil ich ja so guckig bin und wir so lange nicht galoppiert sind im Gelände. Da höre ich von hinten vom Mädchen vom Ausreikumpel: „ein kleiner Galopp vielleicht?“. Ach, ich mag die, die ist einfach super. Die schiebt mein Mädchen immer an, damit die Abenteuer besser, länger und schneller werden. Mein Mädchen hat gesagt, sie muss mal schauen, sie erinnert sich noch allzu gut, wie ich auf dieser Strecke immer von rechts nach links gehopst bin wegen der Vögel. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gelacht und gesagt „Du und Dein Kopf“. Also hat mein Mädchen sich doch getraut. Ich durfte angaloppieren und wollte gerade so richtig loslegen, da hat sie mich wieder durchpariert. Dann wieder angaloppieren, wieder durchparieren. Mein Mädchen meint, nach meinem letzen Wachstumsschub hänge ich jetzt wieder so auf der Vorhand und das fühlt sich immer so an als könnte man mich nicht bremsen. So ein Quatsch! Aber sie und ihr Kopf sind eben so und ich bin ja ein Gentleman und nehme darauf natürlich Rücksicht. Alsbald war es eh vorbei, weil schon wieder Spaziergänger kamen. Trotzdem: Galopp ist jetzt auch wieder auf dem Plan. Und meine Klebeschuhe haben gut gehalten!

Aus Rücksicht auf den Ausreitkumpel, der ja jetzt erst wieder so richtig laufen kann, sind wir den etwas kürzeren Weg geritten und so waren wir alsbald am Absteigepunkt. Sobald mein Mädchen unten ist weiß ich ja: da passiert nix mehr. Dann dödel ich so neben ihr her und versuche, etwas zu Essen zu erhaschen. Und mein Mädchen ist genervt, aber das ist mir wurst.

An der Wackelkiste haben wir uns dann alles ausziehen lassen, haben noch einen kleinen Flirt eingelegt und dann ging es wieder nach hause. Schön war das! Und das schönste ist, dass das jetzt wieder richtig losgeht. Juhuuuu!

DER Ausreitkumpel

Euer Sir Duncan Dhu mit dem besten aller Ausreitkumpel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 511

Obwohl das Wetter gar nicht so danach aussieht, sind wir hier im Sommermodus angekommen. Die letzten Härchen von meiner Winterrüstung habe ich abgeworfen (aber wartet nur, direkt nach der Sommersonnenwende werde ich anfangen, mich für den nächsten Winter zu rüsten!) und wir dürfen jetzt wieder nachts auf die Weide zum schmausen. Leckerleckerlecker – wobei, das ist echtes Diätgras was da jetzt steht. Es ist lang und hart und hat nur wenig Zucker. Da essen wir fast lieber von dem extra süßen Heu, das mein Mädchen für Diego gekauft hat, als der so mäkelig war! Mein Weidebauch ist auch schon wieder beträchtlich geschrumpft, weil das Gras so langweilig geworden ist – mein Mädchen merkt das ja immer am Sattelgurt. Sie freut sich, aber wie soll ich bei der schmalen Kost Winterspeck anlegen?

Da wir ja nun hoffentlich auch wieder so richtig flott mit dem Ausreitkumpel losziehen können, hat mein Mädchen es nochmal mit dem Kleben versucht. Der letzte Bekleb wollte ja einfach nicht halten. Jetzt hat sie etwas anderes probiert, nämlich die Schalen von meinen Hufschuhen an meinen Hufen festzukleben. Dann brauche ich diesen Ballenhalter hinten am Huf nicht mehr, wo ich mir immer reintrete, weshalb ich dann den Schuh verliere. So also der Plan und schon ging das Gefummel und Gefrickel wieder los: Hufe schön sauber machen, ordentlich abschleifen, trocken föhnen, Staub runter bürsten. Kleber in die Schalen, Schale an den Huf halten, kurz warten, absetzen. Und wer musste dabei die ganze Zeit ihm wahrsten Sinne die Füße still halten? Richtig: ich. Zum Glück gab es Kekse. Mein Mädchen hat – wie immer – gejammert, dass sie alles hasst, was mit Kleber zu tun hat. Eigentlich wundert sie sich, dass sie nicht bis heute einen Tisch aus der Grundschule an ihren Fingern kleben hat, weil sie das noch nie konnte. Diesmal klebten nur die Einmalhandschuhe an meinem Huf, aber zum Glück hat sie sie wieder abbgekommen, sonst hätte das doch recht peinlich ausgesehen. Jedenfalls war sie im Anschluss ganz zufrieden mit ihrem Werk, auch wenn es zugegebenermaßen eher …. kreativ aussieht.

Kleben ist nicht Mädchens Stärke…

Jetzt droht mein Mädchen damit, das an meinen Hinterhufen auch noch zu machen, wenn es sich vorne bewährt. Da werde ich aber noch eine Menge Kekse brauchen, damit ich dafür die nötige Geduld aufbringe! Vielleicht muss ich mal mit dem Mann sprechen. Ohne den kriegt sie es ja eh nicht hin, wenn der sich weigern würde, hätte ich vielleicht eine Chance. Andererseits: wenn Bekleben bedeutet, dass wir öfter flott ausreiten, hätte es auch seine guten Seiten….

Heute starten wir dann erstmal den Härtetest und ziehen mit DEM Ausreitkumpel los – der einzig wahre, beste, schnellste und mir der liebste von allen! Hoffentlich ist er wieder fit und wir können ausgiebig traben, vielleicht ist ja auch ein Galöppchen drin. Drückt mir die Daumen!

Euer neu beklebter Sir Duncan Dhu of Nakel