Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 552

Sonntagsausflug – ausgefallen. Weil mein Mädchen den zweiten Workshop gegeben hat (diesmal war sie viel zufriedener damit, wie es gelaufen ist) und weil es so windig war, dass sie nicht mit uns raus gehen wollte. Wir waren stattdessen auf dem Reitplatz, wo das Wetter uns in einer Tour mit einer kalten Dusche gedroht hat – aber es blieb bei der Drohung. Da mein Mädchen ziemlich kaputt war nach 4 Stunden Workshop mit Menschen (Ponys sind viel einfacher im Umgang, sagt sie!), haben wir nur ein paar Kleinigkeiten geübt und vorher und nachher schön Freedom Based Training gemacht. Soll heißen: ich darf am Reitplatzrand förstern. Aber ich soll halt nicht irgendwie förstern, also nicht so wie normalerweise bis über beide Augenbrauen im Gras verschwinden und die Welt um mich herum vergessen, sondern schön aufmerksam bleiben, meine Umwelt im Blick behalten und regelmäßig den Fokus wechseln. Kann ich jetzt schon immer besser und dann ist mein Mädchen sehr zufrieden mit mir und wir sind ganz entspannt zusammen.

Dieses Bild dient nur dazu, Facebook auszutricksen

Gestern fiel dann auch noch der traditionelle Montagsausflug mit dem Ausreitkumpel aus, ist das denn zu fassen! Aber weil so schönes Wetter war, haben wir nochmal alleine ausreiten geübt ohne alleine auszureiten. Mein Mädchen ist ganz begeistert von dieser neuen Variante, weil wir immer stückweise üben können und uns dann wieder etwas erholen, während wir einfach Diego hinterherlaufen. Hier unser Ausritt in der Übersicht:

Mein Mädchen hat mich diesmal richtig gesattelt (nicht nur mit dem Reitpad) und wir sind alleine rechts vom Hof geritten. (Links wäre mir lieber gewesen!) Ich war mutig, wenn auch nicht schnell. Beim Nachbarn bin ich ein paar mal stehen geblieben um zu gucken, habe mich aber überreden lassen, weiter zu gehen. Als wir dann auf meine ehemalige Galoppstrecke abgebogen sind (wo wir jetzt nur noch Schritt reiten dürfen), wurde ich munter. Ich hab mich nämlich genau erinnert: da an der Bank, da durfte ich letztes Mal grasen! Habe also punktgenau die Bremse reingehauen. Aber was soll ich sagen: war nicht erlaubt. Sattdessen sollte ich weiter gehen mit dem Versprechen, dass ich „gleich“ grasen darf. Soso. Aber vorher waren da ein paar Rinder (Landsleute von mir, Schotten), die mich so intensiv angestarrt haben, dass mir etwas mulmig wurde. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet, wir haben die Straße überquert und dann ist sie abgestiegen und ich durfte tatsächlich grasen. Da hatte Diego uns auch schon eingeholt, der durfte dann auch was futtern.

Nach einer Weile ging es weiter, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen, der Mann ist ja noch zu Fuß unterwegs. Am schmalen Weg, wo die Reiter sich immer unter den Weiden ducken müssen, wurde es dann aufregend, da stehen nämlich jetzt auch wieder Rinder! Und die fanden uns gruselig aber spannend und haben sich ganz komisch bewegt. Ich möchte wirklich wissen, wie Diego das macht! Der guckt die einmal an und schon rühren die sich nicht mehr vom Fleck. Dann geht er hoch erhobenen Hauptes die ganze Koppel entlang ohne auch nur einmal mit dem Ohr zu wackeln. Krass! Ich kann das nicht, mir wird blümerant, wenn die so gucken. Mein Mädchen ist dann auch lieber abgestiegen und hat geführt, weil ihr ja immer blümerant wird, wenn mir blümerant wird. Vor allem auf dem super schmalen Weg, wo man nirgendwo hin kann, um den Abstand zu den Rindern zu vergrößern (außer schnell nach vorn). Als das geschafft war und wir dann am Landgasthof waren, musste ich erstmal was erledigen. Zum Glück hatte ich ja den Sattel drauf, in den Satteltaschen sind nämlich die Tüten für diesen Fall. Also konnte mein Mädchen alles einsammeln. Weiter ging es und als wir hinten aus dem Dorf wieder raus waren, ist sie wieder aufgestiegen. Um noch etwas alleine ausreiten zu üben, hat sie einen Trab angestimmt und wir sind ein großes Stück getrabt, während Diego ja nur Schritt geht im Moment. Ich wollte ja links den kurzen Weg nach hause, aber mein Mädchen hat mich überredet, geradeaus zu gehen. Dann, am Ende des Weges, ist ja immer Entscheidung: links nach hause oder rechts zum Berg? Keiner von uns Ponys will über den Berg, das ist so anstrengend. Aber mein Mädchen hat gesagt, ich soll mal rechts abbiegen und ich war artig und hab das gemacht. Und nach ein paar Metern ist sie dann abgestiegen und ich durfte wieder grasen (uff, es geht doch nicht über den Berg, so ein Glück!). Diego hatte ich schon vergessen, aber der kam irgendwann auch hinterher. Mein Mädchen wieder rauf und dann die Landstraße entlang, da hat sie gemerkt, dass sie schon etwas entspannter ist mit den ganzen Autos, weil ich das ja voll gut kann.

Bei den Nachbarpferden vorbei, dann ist sie wieder abgestiegen und während Diego nach hause gegangen ist, durfte ich NOCHMAL grasen – voll die gute Bilanz! Diesmal ist sie nach dem grasen nochmal aufgestiegen und den Rest nach hause geritten, zu Übungszwecken. Ich hab wieder alles perfekt richtig gemacht, aber aufregend ist das schon immer noch für uns. Manchmal denkt mein Mädchen, es dauert nicht mehr lang, bis wir das können, aber wenn dann wieder Rinder an ganz blöden Stellen auftauchen, dann glaubt sie, dass das niemals was wird. Da hilft wohl nur das, was sie eh am liebsten tut: üben.

Euer fast allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 551

Gestern wollte mein Mädchen mit mir Handarbeit machen. Aber dann hat sie gesehen, dass ich etwas für meine Haut getan und mir eine schöne, dicke, feuchte Pflegemaske aufgelegt hatte. Ehrlich, das ist gesund und reinigt die Haut! Aber sie findet es eklig.

Was denn? Das ist gut für die Haut!

Deswegen hat sie spontan umgeplant und beschlossen, dass sie lieber Freiarbeit machen möchte, damit sie mich nicht anfassen muss. Auch gut – so lange die Keksrate stimmt! Sie hat also Stangen in die Halle gelegt und ich sollte rüber marschieren. Das ist ja Teil unseres Winterprogramms, das haben wir lange nicht gemacht. Diego war vor mir schon dran mit der Turnerei und mein Mädchen sagt, er hat das super hingekriegt. Letzten Winter waren Diego und ich uns einig, dass man die Stangen auch einfach beiseite schubsen kann, wenn die im Weg liegen. Aber wir haben beide festgestellt, dass sich das sehr negativ auf die Keksrate auswirkt. Man muss also die Hufe richtig hochheben und dabei auch gut zielen, damit alles liegen bleibt. Jedesmal wenn man es ohne KLONK schafft, gibt es einen Keks – bzw um diese Jahreszeit lecker Apfelstückchen, das lohnt sich richtig! Es fing einfach an, aber dann hat sie die Stangen immer höher gelegt. Ich sage euch, das ist anstrengend! Da muss ich meine Füße ordentlich hochnehmen, im Trab wäre das leichter mit etwas Schwung. Aber nein: Schritt.

Hoch die Füße!

Als ich dann 20 Minuten über die Stangen geturnt war, wurde mir etwas matt. Da hat mein Mädchen gemeint, wir gehen noch kurz wippen. Ah, wippen mag ich! Habe vorgeschlagen, dass wir diesmal mit quer wippen anfangen (also mit den Vorderhufen auf der Wippe von rechts nach links) und hab meinem Mädchen erstmal gezeigt, wie toll ich das jetzt kann. Dann eine vorsichtige Wendung auf der Wippe und noch „normal“ gewippt. Ich habe jetzt rausgefunden, wie ich meinen Schwerpunkt viel weiter nach hinten verlagern kann. Ui, aber da müssen meine Hinterbeine gut halten, damit ich nicht das Gleichgewicht verliere! Mein Mädchen war hingerissen von meiner Performance und alsbald hat sie gesagt, wir machen lieber Schluss, bevor meine Kräfte mich verlassen.

Das war ein richtiges Workout sage ich euch! Jetzt ahne ich schon, was mir im Winter an Krafttraining bevorsteht. Na wie gesagt: so lange die Keksrate stimmt.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel im Fitness- Studio

Distanzreiten

Distanzreiter sagen gern „jedes normal gerittene Pferd kann einen Einführungsritt laufen“. Auf der Seite des VDD ist das zum Glück etwas vorsichtiger formuliert, dort steht „Ein gesundes Pferd oder Pony, was regelmäßig 3-4 mal in der Woche gearbeitet wird, sollte einen Einführungsritt/Fahrt von 25-40 km schadlos überstehen.“ (Quelle)

Ein Blick in meinen Kundenkreis lässt da bei mir sofort die Frage aufkommen: was heißt „gearbeitet“? Denn viele meiner Schülerinnen machen viel Handarbeit, Bodenarbeit aller Art, reiten viel Schritt. Längere Zeit traben oder gar galoppieren tun viele gar nicht – aus verschiedenen Gründen. Und beim Ausreiten hapert es hier in Schleswig-Holstein häufig an geeigneten Wegen – wer längere Trab- oder gar Galoppstrecken vor der Haustür hat, kann sich glücklich schätzen. Hier bei uns im Gelände vor Ort ist das schon sehr schwierig, da müsste ich viel Asphalt traben (was ich mit Einlagen in den Hufschuhen durchaus machen würde) und dann hoffen, dass mir nicht allzu viele Autos/Fahrräder/Spaziergänger/Trecker entgegen kommen, so dass ich nicht dauernd durchparieren muss. Die Strecken die wir reiten und das Training das wir machen ist für uns nur möglich weil wir den Luxus eines Anhängers und Zugfahrzeugs haben und also in anderes Gelände fahren können.

Der Einführungsritt, den wir 2018 mit Finlay geritten sind, war jeweils mit T8 ausgeschrieben (8min pro km, also 7,5km/h). Was habe ich vorher gerechnet und mit Equilab die Gangarten getrackt: wie viel Trab müssen wir schaffen, damit wir innerhalb dieser Zeit bleiben? Mir erschien das schwierig. Geritten sind wir nachher tatsächlich deutlich flotter, wir waren mit Tempo 7 unterwegs (8,5km/h). Aber zum Anfang unseres Trainings konnte ich mir das kaum vorstellen, denn Finlay war im Schritt extrem langsam.

Duncan schafft im Schritt 5,5km/h (das wäre T11) und im Trab 11,5km/h (entspricht ca T5). Wenn ich über die damals ausgeschriebenen 28km in Tempo 8 reiten wollte, müsste ich also 14km traben (das dauert 70min) und 14km im Schritt reiten (dauert 154min), um in den vorgeschriebenen 224min ins Ziel zu kommen. Die beiden Einführungsritte, die ich mit Finlay geritten bin, waren jeweils ohne Pause ausgeschrieben, die Strecke wurde also an einem Stück geritten. Mit so einer Rechnung bin ich damals ins Training gestartet um zu wissen, was wir können müssen.

Der Ritt, bei dem ich jetzt geholfen habe, war mit T9 ausgeschrieben und hatte eine 40minütige Pause, das ist wesentlich gemütlicher.

Aber es geht auch noch um ganz andere Dinge auf so einem Ritt: das Pferd muss ja erstmal zum Veranstaltungsort kommen, also sich verladen lassen und entspannt fahren. Am Veranstaltungsort wird in der Regel keine Box zur Verfügung gestellt, sondern man baut sich selbst einen Paddock: das Pferd muss also zaunsicher sein und sollte sich nicht endlos aufregen über alles, was es dort zu sehen gibt. Dann stehen mindestens 2, im Falle einer Pause sogar 3 tierärztliche Untersuchungen an. Ins Maul fassen, das Auge anschauen, Hautfalte ziehen, abhören, Muskulatur abtasten, vortraben. Auf dem Ritt, bei dem ich geholfen habe, waren 3 oder 4 Pferde, die bei der dritten Untersuchung dieser Art sehr ungnädig waren. Ich war verwundert, dass ihnen zum einen trotzdem einen guten Gesamteindruck attestiert wurde und dass zum anderen nur eine Besitzerin kommentierte „das müssen wir wohl mal üben“. Ich hätte mir gewünscht, dass das Thema angesprochen wird und die Reiterinnen in die Pflicht genommen werden, herauszufinden, was das Problem ist. Hatten die Pferde zu viel Stress, waren sie zu müde oder war es einfach die wiederholte Konfrontation mit der Tierärztin? Wenn ein Pferd so deutliche Gegenwehr zeigt, darf das in meinen Augen nicht kommentarlos hingenommen werden – auch wenn für den Moment die Lösung darin besteht, dem Pferd zu sagen, dass das jetzt sein muss.

Neben diesen Dingen müssen die Pferde auch damit zurechtkommen, im Gelände anderen Pferden zu begegnen, überholt zu werden und selbst zu überholen. Sie müssen durch fremdes Gelände laufen in dem man nie weiß, ob hinter der nächsten Kurve eine Rinderweide, ein Matschloch oder gestapelte Heulage-Ballen mit flatternder Plane lauern. Das Wetter spielt dabei natürlich auch seine Rolle – ist es heiß und mückig, windig und regnerisch oder mild und sonnig?

Und als ob das nicht genug wäre, müssen die Pferde auch noch damit leben, dass ihr Mensch sicher eine gewisse Aufregung mitbringt und im Start/Ziel-Bereich eine etwas wuselige Grund-Atmosphäre herrscht.

Kurz und gut: es wäre wünschenswert, dass jedes Reitpferd die Grundkondition für einen Einführungsritt hat. Und diese Grundkondition rein körperlich herzustellen, ist auch nicht so ein großes Hexenwerk, erfordert aber etwas Planung, Zeit und Engagement. Aber all das Drumherum will geübt und überlebt werden. Und ich persönlich würde nicht wollen, dass mein Pferd alles auf einmal zum ersten mal wuppen muss. Ihr wisst schon: ich mag alles üben.

Ich hoffe ich habe Euch jetzt nicht abgeschreckt und Ihr seid noch dabei. Denn so ein Ziel vor Augen zu haben, kann ein wunderbarer Ansporn sein. Eine Liste an Dingen, die gehen müssen, ein Trainingsziel für die körperliche und mentale Fitness. Auch auf diesem Distanzritt ist mir wieder aufgefallen, wie freundlich die Atmosphäre ist. Niemand tritt mit großem Ehrgeiz an und alle sind sehr hilfsbereit untereinander. Ich erinnere mich noch an unseren allerersten Ritt, den wir bestritten haben ohne jemals vorher auf einem Distanzritt gewesen zu sein. Checkkarten, Vortraben, Trossen – wir hatten keine Ahnung von nix. Wir sind damals zur Meldestelle marschiert, haben gesagt „wir sind die die von nix ne Ahnung haben“ und wurden wunderbar durch den Ablauf des Rittes geleitet. Es gab wertvolle Tipps gratis und niemand hat uns belächelt oder von oben herab belehrt. Ich kann also jeden Freizeitreiter nur ermutigen, so ein Abenteuer mal in Angriff zu nehmen. Mit Finlay habe ich damals im Januar 2018 den Entschluss gefasst, das wagen zu wollen und bin im September auf den Ritt gegangen. Das ganze Jahr hatte ich diese Vision vor Augen und ich kann euch sagen: oft bin ich nur deswegen überhaupt aufs Pferd gestiegen. Auch mal abends, bei immer noch 32° im halbdunkeln. Und es hat sich gelohnt, denn das Vergnügen liegt ja nicht nur bei dem einen Tag an dem man den Distanzritt bewältigt, sondern in all den kleinen Zielen, die man vorher erreicht, all den Fortschritten, die man sieht. Und ganz nebenbei lernt man sein Pferd noch viel besser kennen und beobachten. Ob es jetzt ein Distanzritt oder etwas anderes ist: ich wünsche mir, dass mehr Pferde mit ihren Menschen mal solche Unternehmungen wagen. Schon die Vorbereitungen für so ein kleines Abenteuer bringen Pferd und Mensch voran, sowohl in der Beziehung zueinander als auch was die Fitness angeht. Also traut Euch, da gibt es noch so viel zu entdecken!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 550

Nach dem erfolgreichen Sonntagsausflug kam der traditionelle Montags-Ritt. Ab in die Wackelkiste, den Ausreitkumpel abholen und los. Aber kaum waren wir angekommen, fing es an zu regnen. Also sind wir noch ein bisschen in der Wackelkiste stehen geblieben und haben Heu gefuttert. Dann wurde der Regen doller. Und noch doller. Vorne im Auto saßen die Mädchen und haben gewartet, hinten standen wir und haben Heu gegessen. Es schüttete.

So lange es regnet, futtern wir noch ein bisschen.

Aber irgendwann war es dann doch vorbei. Aussteigen, satteln los reiten. Der ganze Regen der da runter gekommen war, stieg jetzt wieder auf und machte dicken Nebel. Die Mädchen fanden es romantisch, wir Ponys eher gruselig. Perfektes Säbelzahntiger-Anschleich-Wetter war das! Uns wurde versprochen, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt. Aber wer weiß? Wir Ponys sehen ja so lecker aus…. Trotzdem sind wir mutig voran getrabt (meistens) – einer von uns hat es immer geschafft. Manchmal war das, als würde man in eine weiße Wand rein laufen! Der Boden war glitschig von dem vielen Wasser was da in so kurzer Zeit runter gekommen war. Also kein Galopp, aber Trab ging, wenn man gut auf die Hufe aufgepasst hat. Schuhe hatten wir zum Glück keine an (oder zum Pech, dann hätten wir mehr über den Asphalt laufen können und wären nicht immer die Bankette langgeglitscht). Mein Mädchen meinte, das hätte ich ja nun wirklich hinreichend geübt bei der ganzen Toberei, die ich in jüngeren Jahren so veranstaltet hab. Damals, als ihr immer ganz blümerant wurde, wenn sie mich beobachtet hat beim spielen und toben. Jetzt bin ich ja nicht mehr so wild, aber diese erworbene Fähigkeit, meine Füße auch bei Glitsch unter mir zu halten, die ist ja noch da.

Also Trab. Und Trab. Und Trab. Und mehr Trab. Mehr Nebel. Und es wurde dunkel. Und noch dunkler. Trab. Immer weiter. Mein Mädchen war ein bisschen müde, aber sie hat gesagt, wir schaffen das beide. Und es wurde noch dunkler. Mein Mädchen hat die Lampe angemacht, aber bei dem Nebel hat man mit Lampe noch weniger gesehen als ohne, also wieder aus. Irgendwann hat sie zu mir gesagt „du siehst mehr als ich, also bitte kümmere dich um den Weg“. Ok, kriege ich hin. Hab schließlich die besseren Augen und ich weiß auch, dass es nicht mehr weit ist bis zur Wackelkiste. Das hab ich mir nämlich in den letzten Monaten angewöhnt: immer merken wo die Wackelkiste steht. Das ist manchmal nicht so einfach, weil wir von verschiedenen Orten in das selbe Gelände starten. Aber ich gebe mir Mühe den Überblick zu behalten.

Eine letzte Kreuzung, ein schneller Blick auf die Karte (ich wurde nicht gefragt, hab wohl nicht deutlich genug gesagt wo es lang geht), sind nur noch 500 Meter. Schritt! An der Wackelkiste angekommen war es fast komplett dunkel. Ich war hungrig, habe aber auf Aufforderung artig gewartet, bis alles abgetüddelt war. Bis auf den Moment als das Mädchen vom Ausreitkumpel den Deckel von der Keksdose offen gelassen hat…. wer soll da nein sagen?

Dann durften mein Ausreitkumpel und ich noch was grasen, während mein Mädchen die Wackelkiste gewendet hat. Ich hab meinen schicken roten Schlafanzug anbekommen, damit mein Rücken warm bleibt. Den haben wir geschenkt bekommen von einer erfahrenen Distanzreiterin! Der Schlafanzug war schon auf vielen Distanzritten mit. Da fühle ich mich wie so ein Vollprofi wenn ich den anziehen darf.

Die Mädchen fanden es romantisch, wir Ponys eher etwas gruselig.

Und schon ging es wieder heim und dort durften wir dann auch alle direkt auf die Weide.

Ok diesmal war die Kalorienbilanz für mich leider nicht so gut, aber mein Mädchen sagt, wir haben nochmal richtig was für die Fitness getan. Wir sind nämlich 11km solide durchgetrabt! Mit 11,5km/h. Wie lange wir also am Stück getrabtsind, könnt ihr leicht schätzen. Leider hat mein Mädchen keinen Puls gemessen, weil das im Dunkeln eh alles so tüddelig war. Schnaufig war ich jedenfalls nicht, dass fand sie schon mal ein sehr gutes Zeichen.  Es war jedenfalls ganz schön anstrengend mit dem Nebel, der Dunkelheit und dem glitschigen Boden, aber ich bin ja ein tapferer Ritter und kann sowas.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel im Nebel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 549

Und wieder bin ich um zwei Ausritte reicher geworden. Hier erst mal der Bericht vom Sonntag:

Mein Mädchen und ich sind wieder allein losgezogen. Diesmal ist sie gleich auf dem Hof aufgestiegen und hat mir gesagt, dass wir rechts vom Hof gehen. Wenn ich es nicht schaffe, hat sie versprochen, steigt sie ab. Aber ich hab das geschafft! Bin los gegangen, zuerst etwas zögerlich, aber es ging. Beim Nachbarn war ein bisschen Halligalli auf der linken Seite wo der Hengst ist. Und auf der rechten Seite war jemand auf dem Reitplatz. Da konnte ich mich gar nicht so richtig entscheiden, musste erstmal stehen bleiben. Aber nach ein bisschen gucken ging es weiter. Wir haben einen kleinen, fluffigen Trab eingelegt und sind einfach geradeaus in Richtung Dorf. Aber bevor man ins Dorf kommt, geht es rechts ab, da ist ein Grasstreifen auf dem wir reiten dürfen. Den bin ich auch noch fröhlich lang marschiert und als es gerade so richtig gut lief, hat mein Mädchen mich angehalten und ist abgestiegen. Grasen! Mmmmm das ist ja fein!

Diego und der Mann sind derweil auch von zu hause gestartet und haben sich auf den Weg gemacht, uns einzuholen. So ein Mist, dass die so schnell sind! Ich konnte gar nicht so viel Gras essen wie ich gern wollte.

Mist, da kommen sie schon!

Na gut, als sie dann da waren ist mein Mädchen wieder aufgestiegen und mit Diego und dem Mann zusammen sind wir dann weiter ins Dorf und hinterm Dorf rum. Da durfte ich dann auch nochmal vorweg traben, damit wir noch ein bisschen „alleine“ unterwegs sind. Und tatsächlich hab ich fast vergessen, dass Diego hinter mir ist und mich kurz erschreckt als er angetapert kam – hörte sich komisch an! Mein Mädchen hat mich ein bisschen ausgelacht. Dann weiter. Hier müssen wir links! Ja das stimmt. Zum Glück, ich hatte kurz befürchtet, sie könnte rechts wollen, da gehts zum Berg…..

Und schon waren wir wieder auf dem Heimweg. Ich hab wieder bewiesen, wie gut ich mit Motorrädern klar komme (mein Mädchen muss da immer doll atmen. Ich frage dann nach einem Keks, füttern beruhigt ihre Nerven). Sie hat wieder ihr ABC-spiel gespielt, diesmal mit Automarken. Kennt jemand eine mit J ?

Als wir dann bei meinem alten Freund, dem Mülleimer, vorbeikamen, ist sie abgestiegen und ich durfte wieder 10min grasen, während Diego schon nach hause gegangen ist. Ah, schön schlemmen! Dann ging es heim und wir waren sehr zufrieden mit unserem Ausflug. Insgesamt habe ich es diesmal geschafft, mehr Kalorien zu mir zu nehmen als ich verbraucht habe und das ist eine tolle Bilanz, finde ich!

Euer Winterspeck sammelnder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 548

Wackelkiste! Ausflug! Und das bei dem schönen Wetter.

Ab in den Wald, dort trafen wir Herrn Fjord, den kenne ich ja nun schon. Ich finde allerdings trotzdem, dass er am besten aussieht, wenn er mir nicht zu nah kommt. Naja. Erstmal satteln. Wie ich da so stehe kommt ein älterer Herr angedackelt und tätschelt mir erstmal ungefragt den Po. Mein Mädchen war mal wieder froh, dass ich ein so entspannter Geselle bin und sowas mit Fassung trage!

Dann ging es los, auf bekannten Wegen. Ich war gut drauf und bin ordentlich marschiert, das war für Herrn Fjord aber kein Problem, der hat gut mitgehalten. Ich hab ihn öfter mal angemeckert, wenn ich fand, dass er in der falschen Position war (und das war er immer dann, wenn er ansatzweise neben mir war. Aushalten kann ich den eigentlich nur vor oder hinter mir. Aber mein Mädchen findet, er darf auch neben mir gehen, zumal wenn da genug Abstand ist. ICH FINDE DAS NICHT!)

Der sonst so ruhige und stille Wald war gestern gar nicht ruhig und still. Da waren Fußgänger mit und ohne Hund, Radfahrer und auch erstaunlich oft Autos unterwegs. Und Pfützen – ich meine, Pfützen sind normal, aber wenn die Sonne so scheint und sich darin so fies spiegelt, ist das schon nochmal eine andere Nummer. Wobei Herr Fjord eine kuriose Art hat, mit Pfützen umzugehen: der planscht da drin rum! Ey! Hör auf hier herumzuspritzen! Ich sag ja: der soll mal lieber Abstand halten!

Nach einer Weile, als wir auf dem schönen geraden Weg waren, sagt mein Mädchen „Trab!“ – und ich weiß ja jetzt wie sie das will: schnell! Bin also abgezogen wie gelernt. Da ist mein Mädchen fast vor Lachen von meinem Rücken geplumpst, weil Herr Fjord etwas überrascht hinter uns her schaute! Sie hat mir dann erklärt, dass mein Trabtempo bitte variabel anpassbar sein soll an die Gegebenheiten. Also mit dem Ausreitkumpel so schnell wie möglich, aber wenn jemand dabei ist, der nicht so schnell ist, dann eben ruhiger. Ach so. Na dann trabe ich eben langsamer, auch kein Problem. Mein Mädchen hat sich gefreut, dass ich das kann.

Plötzlich schallt es von hinten „Radfahrer! Aus dem Weg!“ Oha, auf so eine freundliche Aufforderung machen wir natürlich gerne Platz….

Also Schritt, die Radler vorbei lassen. Vorne tauchte derweil aus einem Seitenweg ein Pferd mit Reiterin in Fahrradbegleitung auf. Das Mädchen von Herrn Fjord meinte nur ganz trocken „oh, ein Nicht-Reiter mit reitender Freundin – herzliches Beileid!“ und dann haben unsere beiden Mädchen gelacht. Das Pferd lief derweil die ganze Zeit im Schritt vor uns her und ich wollte es ja nun wirklich gern einholen! Aber ich weiß ja: ungefragtes Antraben ist nicht gestattet. Also habe ich im Schritt Gas gegeben. Mein Mädchen hat schon wieder gelacht, weil ich plötzlich so schnell Schritt gehen kann wie nie! Wie so eine Nähmaschine, sagt sie. Aber das Pferd haben wir trotzdem nicht eingeholt. Schließlich sind die abgebogen und wir sind geradeaus weiter und dann konnten wir auch endlich wieder traben. Huiiiiii und los! Ach so nein, ich soll ja heute ruhiger machen. Wir sind ein schönes Stück durchgetrabt und mein Mädchen war enorm zufrieden mit mir. Ich war auch zufrieden. Bis plötzlich…

REH!!!

Das kreuzte vor uns den Weg ohne zu fragen! Da hab ich mal ne Vollbremsung gemacht. Mein Mädchen fand, dass ich gut reagiert habe, weil ich dann einfach stehen geblieben bin und geguckt habe und dann weiter getrabt bin.

Dann ein bisschen Schritt, noch ein bisschen Trab, wieder Schritt. Zwischendurch hatten wir doch noch Distanzritt-Feeling, denn die Markierungen hingen noch überall in den Bäumen, das hat meinem Mädchen gleich noch mehr gute Laune gemacht, weil sie wieder von einem Distanzritt träumen konnte.

Markierung = Distanzritt-Feeling

Dann gemütlich im Schritt die kleine Straße lang (auf der uns bisher noch nie auch nur eine Menschenseele begegnet ist). Einer rechts am Rand, einer links am Rand – ja ok, war blöde, aber muss man sich deswegen als Radfahrer zwischen uns durchschleichen und uns erst ansprechen wann man genau zwischen uns ist? Der hatte Glück, dass wir so coole Socken sind. Nur die Mädchen sind ordentlich zusammengezuckt. Dann an der Schafweide vorbei, plötzlich blökt es links von mir sehr laut! Aber auch da ist nur mein Mädchen zusammengezuckt, ich hab das weggesteckt. Und dann, als wir nachher im Schritt waren, waren da noch diese Menschen, die den Wald eingesammelt haben. Also irgendwie den ganzen Wald: körbeweise Moos und so alte, getrocknete Zweige. Das fanden wir gruselig. Das haben die alles in ein Auto geladen – ich glaub, die wollten den Wald stehlen! Den schönen Ausreit-Wald! So geht das ja nun nicht!

Unsere Mädchen fanden, wir haben das alles toll gemeistert, mit den vielen Menschen die da unterwegs waren, wo sonst nie jemand ist. Noch ein letzter Trab, eine letzte Pfütze – diesmal hatte Herr Fjord eine neue Idee und wagte einen Sprung darüber, was sein Mädchen einen kurzen Moment aus der Fassung brachte – dann den letzten Kilometer Schritt zu Fuß. Herr Fjord war etwas außer Atem, deswegen fand sein Mädchen, er sollte noch etwas verschnaufen bevor er in die Wackelkiste steigt. Mein Mädchen hat dann – ponyfreundlich wie sie nun mal ist – vorgeschlagen dass sich ja anbieten würde, uns etwas grasen zu lassen. Ich war zwar überhaupt nicht außer Atem, fand den Vorschlag aber super und habe mich direkt in die leckeren Brombeeren gestürzt, während Herr Fjord etwas krüsch im Gras herum gewühlt hat, bevor er etwas fand, was er essen mochte. Wir haben also noch ein paar Minuten geschlemmt, bevor es dann wieder in die Wackelkiste ging und ab nach hause. Gute 14km in knapp über 2 Stunden haben wir geschafft und mein Mädchen war ganz erstaunt, denn der Ritt kam ihr sehr gemütlich vor. Früher waren 7km/h Durchschnitt schon recht flott, aber jetzt ist das eine ganz entspannte Nummer. Ich war fit und fidel bis zum Schluss und schon hatte mein Mädchen gute Laune, weil das ganze Fitness-Training eben doch was gebracht hat. Kopfmüde war ich auch nicht, trotz all der Menschen, die da unterwegs waren. Also alles fein und ich bin wieder der Held!

Unser Ausritt in der Übersicht, allerdings sind längst nicht alle Autos und Radfahrer eingezeichnet, sonst würde man das Bild nicht mehr sehen….

Abends hat mein Mädchen sich dann schnell noch bei Agriaride angemeldet, die spenden nämlich in diesen Tagen 5€ an die Pferdeklappe für jede Anmeldung. Bis morgen könnt ihr da auch noch mitmachen!

Euer fröhlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 547

Gestern haben wir wieder ein bisschen alleine ausreiten ohne alleine auszureiten geübt. Diego soll ja ganz viel Schritt gehen und im Moment soll er auch den Mann noch nicht tragen (sehr zum Leidwesen des Mannes, der zwischendurch gesagt hat, er könne mein Mädchen jetzt verstehen, dass sie das zu Fuß gehen so satt hatte…. ).

Es lief also so: mein Mädchen und ich sind zu Fuß vom Hof gegangen bis zu der Stelle wo uns neulich dieses kleine Missgeschick passiert ist und ich ohne sie nach hause geflitzt bin. Ich habe das ehrlich gesagt längst vergessen – ich habe mich nur daran erinnert, dass ich dort grasen durfte! Und das durfte ich diesmal auch wieder, bis Diego und der Mann uns eingeholt haben. Leider sind die ja so unglaublich flott, dass die Graszeit viel zu kurz war. Dann ist mein Mädchen aufgestiegen und wir sind weiter marschiert – der Mann vorneweg in seinem flottesten Schritt, Diego hinterher und dann wir. Ich bin wirklich gelaufen so schnell ich konnte, aber ich war trotzdem zu langsam. Mein Mädchen hat mich aber doll gelobt wie schön fleißig ich Schritt gehen kann. Ab und zu durfte ich dann nachtraben. Mein Mädchen hatte einen nervösen Tag und hat sich über die viele Motorräder aufgeregt, obwohl sie ja weiß, dass mir die egal sind. Aber mein großer Bruder, der hatte da Angst vor und also ist sie irgendwie immer noch gestresst mit den Dingern. Also fing sie wieder ihr ABC-Spiel an. Diesmal mit Pferderassen. Aegidienberger, Belgisches Kalblut, Criollo, Dänisches Warmblut, Esel (oha! Da hat sich wohl einer eingeschlichen!), Friese…… Manchmal fiel ihr nichts ein aber dann hat sie von vorn angefangen und nach und nach füllte sich das Alphabet. Wenn sie gar keine Idee hatte, hat sie den Mann gefragt. Bei R waren beide etwas ratlos, obwohl ihnen ja wenigstens das Rheinisch Deutsche Kaltblut hätte einfallen können, aber ist es halt nicht. Und bei Z waren sie nicht sicher, ob „Zelter“ eigentlich eine echte Rasse ist oder nur eine Bezeichnung für Gangpferde war.

Während sie also so grübelten, sind wir die Landstraße entlang marschiert und dann hinterm Dorf rum. Der Mann hatte sich ein neues Spiel überlegt: ich sollte neben ihm gehen, genauso schnell wie er (sein Schritt war mittlerweile einen Tacken langsamer geworden) und wenn ich das geschafft habe, gab es ab und zu einen Keks aus seiner Tasche. Toll! Mein Mädchen war nicht ganz so entzückt, weil ich ihre Ansagen mehr oder weniger geschmeidig ignoriert habe und nur noch Augen für die Tasche des Mannes hatte. Naja und in all der Ablenkung sind die beiden dann doch tatsächlich falsch abgebogen! So dass wir dann plötzlich schon an der Dorfstraße standen, obwohl es noch weiter hinten rum hätte gehen sollen.

Aber anstatt dann einfach nach hause zu gehen, was sich angeboten hätte, hat mein stures Mädchen darauf bestanden, dass wir auf unsere Kilometerzahl kommen wollen (waren eh nur gute 5km), also ging es jetzt eben die Dorfstraße entlang. Und zwar den Teil der Dorfstraße, den wir sonst nie gehen (weil es ja hintenrum viel schöner ist). Ui, das fand ich aber spannend! Noch dazu war Glitzertag – es war so hell und alles hat geglitzert und gefunkelt, das finde ich ja immer ein bisschen spannend. Ich musste dann auch prompt zwei mal äppeln, aber da der Mann ja eh zu Fuß war, hat er das schnell weggemacht. Und Autos waren da, soooo viele Autos und Motorräder! Mir egal, aber meinem Mädchen ja nicht.

Dann waren wir am Landgasthof und von da aus geht es wieder ins Grüne, da kennen wir uns aus. Als wir dann an der letzten Ecke vor zu hause angekommen waren, ist mein Mädchen abgestiegen und ich durfte grasen, während Diego und der Mann nach hause gegangen sind. Mein Mädchen hat sich die Uhr auf 10 Minuten eingestellt, damit die auch wirklich ganz weg sind. Ich habe zünftig geschmaust und als die 10 Minuten um waren haben wir uns allein auf den Heimweg gemacht. Wir haben noch ein bisschen traben geübt und als wir zu hause ankamen, saß der Mann am Wegesrand und hat auf uns gewartet, während Diego schon im Stall stand.

Mein Mädchen hat gesagt ich habe alles richtig gemacht und dass wir noch gaaaaaanz viel Dorf üben, bis uns das alles ganz normal vorkommt.

Euer Dorf-Erkunder Sir Duncan Dhu of Nakel

Nächstes Jahr

Der Herbst kommt angeweht. Es wird schon wieder viel früher dunkel und wenn Ende Oktober die Zeit umgestellt wird, werden nicht mehr viele Ausritte mit dem Ausreitkumpel möglich sein. Diego wird jetzt erst wieder vorsichtig antrainiert, da gehen wir jetzt lieber kein Risiko ein mit seinem Bein. Viele Spaziergänge auf glattem Asphalt, später mit Reitabschnitten werden wir machen bevor es wieder richtig losgeht – bis dahin ist November und wer weiß was das Wetter dann tut.

Alleine rausgehen zu üben steht zwar weiterhin auf dem Programm aber ich habe Zweifel daran, dass wir bei Sturm und Regen viele Fortschritte machen werden.

Kurz und gut: dieses Jahr wird im Gelände vermutlich nichts aufregendes mehr passieren. Ich freue mich auf gemütlichere Ausritte und habe schon ein paar Dinge für den Winter auf meiner Wunschliste. Mal bei einer Stangenstunde mitreiten auf einem Hof in der Nähe. Mal eine Trainerin holen die uns was über Intrinzen erzählt. Mal Online-Unterricht zum Thema Wippen machen. Und die Augen offen halten, was sich noch so anbietet an Winter-Beschäftigung.

Ein bisschen frustriert bin ich schon: Wieder ist eine Saison vergangen und ich gehe immer noch nicht allein ausreiten. Wieder ist eine Saison vergangen, in der wir nicht auf dem Trainingsgelände des Pferdefreizeitparks Eidertal waren. Wieder ist eine Saison ohne Distanzritt vergangen. Aber ich weiß auch: jetzt noch unbedingt etwas übers Knie brechen zu wollen ist einer der schlimmsten Fehler die man in der Pferdeausbildung machen kann. Und deswegen denke ich an das was Elsa Sinclair so schön formuliert wenn sie sagt „ich trainiere nicht für heute, sondern für nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr“.

Das bedeutet für mich auch: ich höre jetzt nicht einfach auf, an diese Dinge zu denken. Ich lege sie nicht beiseite und fange im Frühjahr neu an. Sondern ich trainiere alles, was ich trainieren kann – für die nächste Saison. Stangen und kleine Sprünge so lange der Reitplatzboden es möglich macht. Kondition durch lange Schritttouren wann immer das Wetter mitspielt. Und auch alleine rausgehen im Rahmen der Möglichkeiten. Und wenn das bedeutet, dass ich im Winter beim Nachbarn stehe und mein Pony grasen lasse, dann weiß ich: ich tue was für die nächste Saison.

Und im Winter will ich mich vermehrt um alles kümmern, was im Sommer zu kurz gekommen ist. Mehr Freedom Based Training, Bodenarbeit, Clickern, Intrinzen (wenn ich es denn verstehe). Mich vielleicht endlich mal mehr mit enrichment beschäftigen (habe eine schöne Gruppe auf Facebook dazu gefunden wo Ideen geteilt werden). Langweilig wird mir im Winter also nicht werden, so viel steht fest. Nur die Energie muss reichen, wenn die Tage kurz werden und das Wetter ekelhaft. Aber auch da kann mich der Gedanke tragen wofür ich das tue: manchmal eben nicht, weil es mir heute viel Spaß macht, sondern als Training für die nächste Saison. Das wird mein Ansporn, wenn ich denke, dass mein Sofa und eine Tasse Tee viel attraktiver sind als der kalte Offenstall.

Seit angekündigt wurde, dass der nächste Distanzritt im Aukrug schon Anfang April stattfinden wird, ist allerdings etwas mehr Druck hinter diesem Winterplan. Denn ich möchte natürlich gern mit reiten, aber wie schaffe ich es, Duncan im Winter entsprechend fit zu kriegen?

Ich werde versuchen, alles zu verbinden und das beste hoffen für unsere Fitness und dann entscheiden ob wir uns das zutrauen oder nicht. Im Wesentlichen wird das vom Wetter den Winter über abhängen – werden die Straßen frei bleiben so dass ich mit dem Anhänger los kann? Werde ich genug raus kommen um die Kondition zu erhalten? Wird der Reitplatz frostfrei sein so dass ich an der Doppellonge ordentlich viel Galopp-Arbeit und Stangentraining machen kann? Von all diesen Faktoren wird unser Trainings-Erfolg abhängen. Lassen wir uns überraschen…. nächstes Jahr.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 546

Gestern war Einzugs-Jahrestag! Vor 5 Jahren bin ich bei meinem Mädchen eingezogen. Sie hat mir versprochen, dass wir viele Abenteuer zusammen erleben und also habe ich eingewilligt, im Gegenzug den schwierigen Job des Herzensreparateurs zu übernehmen, denn ihr Herz war schlimm gebrochen nach dem mein „großer Bruder“ über die Regenbogenbrücke gegangen war.

Gestern wäre also der beste Tag gewesen um meine Arbeit mit einem zünftigen Abenteuer zu belohnen und wie es der Zufall wollte, fand genau gestern ein Distanzritt statt! Aber was soll ich euch sagen… ich durfte nicht mit!! Angeblich hätte ich die 27km noch nicht so gut geschafft, weil ich ja nach 15km schon so müde bin. Aber das ist doch nicht meine Schuld wenn das Training dauernd ausfällt weil irgendwer keine Zeit hat! Ich finde das unverschämt. Und wer durfte stattdessen auf Distanzritt gehen? Mein Ausreitkumpel und das schnellste Pony der Welt. Mit MEINER Wackelkiste sind die da hin gewackelt worden (mein Ausreitkumpel hat ganz blöd geguckt als ich da nicht drin stand). Alles eine riesige Unverschämtheit.

Das Mädchen vom Ausreitkumpel und das Mädchen vom schnellsten Pony der Welt haben also an dem Ritt teilgenommen, der Mann hat sie getrosst (war also Mädchen für alles) und mein Mädchen hat derweil den Organisatoren des Ritts geholfen. Sie war den ganzen Tag bei der Tierärztin und hat geschrieben, sagt sie. Das geht so: bevor man als Pony auf die Strecke darf, muss man zur Voruntersuchung. Die Tierärztin misst Puls, schaut sich an ob man anständig traben kann ohne zu humpeln, schaut ob man genug gegessen und getrunken hat (dafür schaut sie einem ins Auge, drückt einem den Finger ans Zahnfleisch, kneift einen in den Hals und lauscht nach dem Grummeln im Bauch), dann wird noch die Muskulatur sowie die Sattel- und Gurtlage abgetastet und wenn man das alles hinter sich gebracht hat, bekommt man dafür Noten. A für Alles tiptopp oder B für könnte Besser sein oder C – dann darf man nicht mehr teilnehmen weil man nicht fit genug ist. Manchmal ist es aber auch nicht A, B und C, sondern 1,2 oder 3, das hängt davon ab was untersucht wurde. Und so hat mein Mädchen abends erzählt, sie hätte den ganzen Tag

A1A1AAAA

in Checkkarten eingetragen. Und Pulswerte. Oft 40 oder 44, bei den etwas entspannteren Kandidaten 36 und ein Haflinger war da, der tiefenentspannt mit 28 angetreten ist.

Dann durften die Pferde alle auf die Strecke – manche sind 27km gelaufen (wie mein Ausreitkumpel und das schnellste Pony der Welt), manche sogar 43km. Alle hatten ihre Strecken aufgeteilt in zwei Runden zu bewältigen, zwischen denen sie zurück ins Camp kamen, nochmal durchgecheckt wurden und eine kurze Pause gemacht haben. Aber ach! Weil mein Mädchen ja nicht mit war, musste das Mädchen vom Ausreitkumpel den Weg selbst finden. Mein Mädchen hatte ihr extra die Karte aufs Handy geschickt aber es war so früh und sie war so müde und da hat sie den zu reitenden Kreis falsch herum aufgezeichnet. Und das Mädchen vom Ausreitkumpel war auch müde und hat nicht kapiert, dass die Wegmarkierung rechts von ihr sein sollte anstatt links. Und so sind sie erst munter ein paar km in die falsche Richtung geritten, bevor ihnen jemand erzählt hat, dass sie andersherum reiten müssen. Es war also fast so, wie wenn wir neue Wege erkunden. Umdrehen! Und so wurde die erste Runde etwas länger für die 4…..

Derweil kamen am Camp schon die ersten Pferde in die Pause und wurden wieder durchgecheckt.

A1A1AAAA

Eigentlich sah es bei allen so aus. Gelegentlich hatte die Tierärztin eine kleine Anmerkung, dann gab es mal einen Pfeil nach unten oder ein AB. Oft hat sie gesagt „dein Pferd möchte erstmal was essen und trinken“. Die Frau ist mir sympathisch, die versteht wirklich was von Ponys!

Dann hatten die Pferde 40min Pause bis es auf den zweiten „Loop“ ging. Auch mein Ausreitkumpel und das schnellste Pony der Welt waren schließlich in der Pause und haben gute Checkkarten bekommen. Mein Ausreitkumpel hat sich am Start/Ziel-Tisch ein paar Möhren geben lassen, die ein Kind da verfüttert hat.

Und dann kamen die ersten schon ins Ziel (da wurde nur Puls gemessen), hatten zwei Stunden Ruhe und wurden danach nochmal durchgecheckt. Einige Pferde waren wohl schon etwas genervt von dem ganzen ans Zahnfleisch drücken, in den Hals kneifen, ins Auge gucken, Stethoskop überall hinhalten. Andere haben gepennt und das Gegrabbel ignoriert. Mein Mädchen hat sinniert, wie sie das alles mit mir üben kann. Auch das vortraben, denn einige hatten gar nicht mehr so viel Lust auf das Hin- und Hergetrabe. Aber in den Regeln steht, man soll sich als Pony fröhlich am hängenden Strick und ohne das jemand treibt vortraben lassen. Sollte man also können! (Kann ich doch. Aber ihr kennt mein Mädchen, alles will sie üben).

A1A1AAAA mein Mädchen sagt, sie kann jetzt nur noch A und 1 schreiben, alles andere wurde aus ihrem Kopf gelöscht. Als das schnellste Pony der Welt zum Check kam, hatte er eine kleine Beule in der Gurtlage und bekam ein B, da hat mein Mädchen erstmal nachdenken müssen wie man so ein B wohl schreibt, so matschig war ihr Kopf von all dem A1A1AAAA schreiben.

Und schließlich wurden alle für Wackelkistentauglich erklärt und durften nach hause. Aber halt! Vorher war ja noch Siegerehrung! Und vor der Siegerehrung das große Bedanken bei den Helfern. So und jetzt kommts, das dickste aller dicken Enden, ich sage es euch! Denn als die Veranstalterin sich bei meinem Mädchen bedankt hat, hat sie gesagt „für Duncan hatte ich eigentlich einen Sack Möhren“ – was heißt „hatte“ und „eigentlich“? Ich meine, ich habe im Schweiße meines Angesichts Strecken getestet und Strecken getestet und noch mehr Strecken getestet und wo sind jetzt die Möhren? Ha! Die hatte das Kind verfüttert! AN MEINEN AUSREITKUMPEL!!!!! Ich glaube es ja nicht! DER hat das Abenteuer, meine Wackelkiste, mein Mädchen UND meine Möhren! Und ich steh hier zu hause und schiebe Langeweile und Hunger!

Wenn ich den erwische…..

Euer erboster Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. mir wurde eine Nachlieferung der Möhren versprochen. Ich denke darüber nach, sie vor den Augen meines Ausreitkumpels genüsslich zu verspeisen während er nichts abbekommt. Verdient hätte er es.

Entscheidungshilfe

31 Jahre ist mein Merlin jetzt alt. Und es geht im gut – noch. Die alten Knochen machen ihm nicht allzu viel Ärger, auch wenn ein Galopp auf die Weide selten geworden ist und abenteuerlich aussieht. Seine Zähne werden stetig weniger, im Unterkiefer sind kaum noch Backenzähne und der, den er Zahnarzt beim letzten Besuch rausgenommen hat (einfach so mit der Zange in ein paar Sekunden, weil der Zahn eh schon lose war), hatte kaum noch Wurzel. Merlin hat seine Zähne einfach aufgebraucht.

Mein Zauberer

Eines Tages – in absehbarer Zeit – werden wir eine schwere Entscheidung treffen müssen. Die Entscheidung, ihm nur noch ein letztes Mal zu helfen, nämlich beim Sterben. Nur: wann ist der richtige Zeitpunkt? Jetzt noch nicht – zum Glück. Aber wenn es so weit ist, will ich nicht zu lange zögern, das wäre nicht im Sinne meines Pferdes. Und ich will nicht anfangen zu diskutieren, sondern schnell und entschlossen handeln.

Schon seit ein paar Jahren hängt in unserer Waschküche ein „Notfallplan“. Dort steht, was wir nicht mehr tun wollen: er soll nicht mehr in die Klinik gefahren werden. Sollte er festliegen, soll er auf keinen Fall „hochgespritzt“ werden. Und ich möchte ihm auch nicht ständig mechanisch hoch helfen, wenn es mit dem Aufstehen nicht mehr klappt. Sollte eine Verletzung Boxenruhe erfordern, werden wir ihn nicht einsperren – entweder wir versuchen es dann ohne einsperren, oder wir lassen ihn gehen. Wiederholt auftretende Koliken wären in seinem Fall ein Anzeichen dafür, dass der Organismus nicht mehr funktioniert (Merlin hatte in den 23 Jahren bei mir nur eine einzige Kolik, deswegen sehe ich das bei ihm so). Diese kleinen Eckdaten stehen also schon lange fest. Und erst neulich fiel mir auf, dass das eine reine „negativ-Liste“ ist: Dinge die wir nicht mehr tun wollen. Jetzt arbeite ich an einer „positiv-Liste“: Dinge, die meiner Meinung nach noch gehen müssen, damit sich für Merlin das Leben noch lohnt. Schmerzfrei im Schritt laufen und auch nochmal ein Stück traben, meinetwegen mit leichten, gut verträglichen Schmerzmitteln. Gut um die zwei Kurven am Eingang seines Separees kommen. Aktiv am Herdenleben teilnehmen, also mal Fellkraulen machen und mit den anderen zusammen dösen. Sich hinlegen zum schlafen. Das sind Dinge, die ich persönlich für unabdingbar erachte. Es reicht mir nicht dass ein Pferd „noch frisst“. Die fressen auch noch wenn sie unter größten Schmerzen leiden.

Wie ist es gelungen, dass mein Pony so alt geworden und dabei einigermaßen fit geblieben ist? Lag es an meiner tollen Hufpflege, meiner „gesunderhaltenden“ Reiterei? Sicher nicht, denn ich habe in beiden Bereichen viele Fehler gemacht. Hätte ich beides besser hinbekommen, wäre er vielleicht noch fitter – aber verbrauchte Zähne hätte er halt trotzdem. Die Tatsache, dass mein Pony noch so gut dasteht ist im wesentlichen wohl zwei Faktoren zu verdanken: unserer Offenstallhaltung mit viel Bewegung und der Futtermittelindustrie. Denn die Möglichkeit, dem fast zahnlosen Greis 5 Eimer „Matsche“ am Tag zu füttern, ist das, was ihn noch am Leben hält. Heu fressen geht nicht mehr und selbst Gras wird nur noch unzureichend verwertet. In der Natur wäre seine Zeit also längst abgelaufen und ohne Heucobs würde es nicht mehr gehen.

Dass Merlin noch so gut dasteht liegt also auch daran, dass wir die Pferde am Haus haben und problemlos 5 mal am Tag füttern können. Und natürlich daran, dass wir es uns leisten (können) jeden Monat viel Geld für Heucobs auszugeben. Nach allem, was mein wunderbares Pony für mich getan hat, ist das das mindeste was ich tun kann. Ansonsten passiert mit uns beiden nicht mehr viel – ab und zu bestellt er sich nachdrücklich eine Bauch-kraul-Einheit und das war es dann auch. Sicher könnte ich auch mein altes Pony noch mit etwas Gymnastik fit halten, aber mir fehlt die Zeit bzw Energie, noch ein Pony zu bespaßen und ich glaube der Nutzen würde sich in Grenzen halten. Er scheint auch ganz zufrieden zu sein und fragt nicht nach mehr. Die Vorfreude auf den nächsten Eimer bestimmt seinen Tagesablauf und das ist doch völlig in Ordnung.

Ich weiß jetzt schon – aus Erfahrung – dass ich manches bereuen werde, wenn es ans Abschied nehmen geht. Aber ich weiß auch – ebenfalls aus Erfahrung – dass es mir persönlich hilft, schon vorab ein bisschen Abschied zu nehmen. Vorher schon zu überlegen, wie es sein wird, wenn der weiße Zauberer nicht mehr da ist. Wie werden die anderen Ponys reagieren? Es wird merkwürdig sein, wenn ich keine riesigen Eimer mehr anrühren muss und es wird mich schmerzen, dass da kein drängelnder Opa mehr ist, der jetzt gleich unbedingt zu seinem Futter muss und mich hungrig anwiehert. Kein Pony wird dann mehr in der Lage sein, das Stalltor aufzumachen. Aber ich weiß auch, dass mein wunderbares Pony – genau wie unser Hund – mir einen Topf voll Gold hinterlassen wird in Form von schönen Erinnerungen. Ich weiß auch, dass es mir ein Trost sein wird, dass er so alt geworden ist und sein Leben voll gelebt hat. Und dass ich überzeugt bin dass es – trotz aller Fehler, die ich gemacht habe – insgesamt ein gutes Leben war. Merlin hinterlässt neben dem Topf voll Gold auch einen Topf voll Wissen. Duncan hat jetzt ein besseres Leben, weil ich von Merlin so viel gelernt habe. Und viele, viele meiner Kundenpferde profitieren von all dem, was Merlin mich gelehrt hat.

Noch ist er hier, mein Zauberer. Wie lange noch – das weiß niemand. Und deswegen sind wir vorbereitet, damit es dann, wenn es so weit ist, so reibungslos wie möglich geht.

Damals, als mein alter Warmblüter mit schwerer Kolik da stand, war ich enorm dankbar, dass wir so eine Notfall-Liste hatte. Er war fast 30 Jahre alt und der Tierarzt sagte „ich könnte noch eine Nasenschlundsonde legen oder ihr könntet in die Klinik fahren, aber ich weiß, das wollt ihr beides nicht.“ Genau. Und der Tierarzt wusste das deswegen, weil nicht nur in unserer Waschküche unser Notfallzettel liegt, sondern auch schon lange beim Tierarzt, dem wir die Liste geschickt haben. Es hat uns an jenem schwarzen Tag viel Abwägen, Diskutieren und Überlegen erspart und das war gut so. Mein alter Wurzel war tags zuvor noch über die Koppel galoppiert, aber es war nicht seine erste Kolik und diese war zu schwer um ihm das noch anzutun. Wofür? Wenn altersbedingt danach keine guten Jahre mehr kommen können, sondern allenfalls ein paar Wochen, dann mache ich da nicht mehr mit. Und ich entscheide so, wie ich ein Leben lang über mein Pferd entschieden habe – nach bestem Wissen und Gewissen. Ich möchte mich nicht im letzten Moment drücken und mein Pferd plötzlich sich selbst überlassen. Egal wie schwer es für mich ist: es ist der letzte Liebesdienst, den ich meinem alten Tier erweisen kann.