Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 394

Mann war heute viel Wetter! Regen und Sonne und dann wieder Regen und Wind und noch mehr Regen und viel Regen auf einmal und Wind und Sonne und dann alles wieder von vorn. Mein Mädchen hat geschimpft wie ein Rohrspatz, weil sie dauernd nass wurde. Schließlich hat sie aufgegeben und beschlossen, den Tag lieber drin zu verbringen und zu hoffen, dass der Wetterbericht stimmt, der hat nämlich versprochen, dass es Abends besser werden soll. 

Tatsächlich gab es Abends einen wunderschönen Regenbogen und die Menschen haben beschlossen, dass Zeit ist für ein Reitplatzdate. Unser Dienstagsausflug ist nämlich wegen dem vielen Wetter auf Donnerstag verschoben. Also Reitplatzdate, das heißt, der Mann, Diego, mein Mädchen und ich gehen alle zusammen auf den Reitplatz. Oder auch nicht, denn kaum waren wir dort, fing es wieder ein bisschen an zu regnen und mein Mädchen hatte Angst, dass da wieder so ein Guss runter kommt. Also ist sie mit mir in die Halle gegangen, während der Mann und Diego draußen geblieben sind. Sie hat dann mit mir in der Halle etwas Handarbeit gemacht zum aufwärmen, während Merlin und Caruso um uns herum gelaufen sind, weil sie auch Kekse wollten. Mein Mädchen hat immer versucht, sie weg zu schicken und ich war schon etwas genervt von all dem hin und her.

Als es dann aufhörte zu regnen (war auch nicht viel), sind wir wieder raus
gegangen auf den Reitplatz und haben noch ein bisschen reiten geübt. Ich war
etwas tüddelig im Kopf nach all dem Wetter und dem hickhack, aber ich hab
natürlich trotzdem mein Bestes gegeben und mein Mädchen war auch sehr zufrieden mit mir. Sie war auch etwas tüddelig im Kopf, weil sie fast den ganzen Tag drin war und das einfach überhaupt nicht leiden kann. Aber wir können inzwischen auch ganz gut aushalten, wenn wir beide tüddelig sind.

Jetzt hoffen wir, dass das Wetter bald etwas beständiger wird, so ist das
wirklich nervtötend. Aber es soll ruhiger werden und für Donnerstag hat mein
Mädchen schon eine ausgiebige Tour geplant – juhuuuu! Da können wir unsere
Nerven wieder zusammenflicken.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 393

Sonntagsausflug – special edition! Ab in die Wackelkiste und ein kleines Stück gereist. Dann dort ausgestiegen und – sieh mal einer an, da stand eine zweite Wackelkiste und da stieg der schöne Spanier aus! Hallo, dich kenne ich doch! Du bist doch einer von meinen Freunden in der Ferne! Stellte sich heraus, dass wir zum Ausreiten verabredet sind! Ooooooooh ich war aufgeregt! Nur mal gucken – ich meine anfassen! Nein, nur gucken, NICHT anfassen. Immer diese verdammten Regeln! Und mein Mädchen zieht das knallhart durch!

Los ging es, erst mal am Umspannwerk vorbei. Da ist immer noch Baustelle und also immer noch die Baken an der Seite und die Metallplatten am Boden. Mich interessiert das ja nicht. Und überhaupt interessierte mich nur der schöne Spanier! Der allerdings fand das schon irgendwie merkwürdig, da rüber zu gehen. Ich fand eher merkwürdig, wie er da rüber gegangen ist. Na kann ja jeder machen wie es ihm gefällt.

Dann sind unsere Mädchen aufgestiegen und wir sind los marschiert. Diego und der schöne Spanier vorneweg – himmelherrgott, schon wieder so ein schneller Schritt-Gänger! Und ich mit meinen kurzen Beinen hinterher. Plötzlich höre ich von vorn das Mädchen vom schönen Spanier zum Mann sagen „wollen wir mal warten?“. Da wusste ich jetzt gar nicht, ob ich das nett finden soll oder unverschämt. Als ob ich nicht zur Not noch einen zweiten und einen dritten Gang hätte um die beiden einzuholen! Ich bin halt nur so furchtbar nett und lege ungefragt keine Sprints hin. Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal, wenn die da vorn es so eilig haben. Dafür verpassen sie die Hälfte der Landschaft, weil sie so schnell daran vorbei flitzen. So.

Der schöne Spanier hat mir dann einen fantastischen neuen Trick gezeigt: er kam an einer merkwürdig gewachsenen Pflanze vorbei und hatq mal so getan als würde er sich davor fürchten. Sein Mädchen hat dann seine Nase direkt darauf zu gesteuert, damit er sich das mal anschaut und der schöne Spanier hat prompt von der merkwürdigen Pflanze abgebissen! Das finde ich ja mal eine sehr patente Art, an Futter zu kommen! Mit antäuschen!

Weiter ging die Reise. Damit die beiden Großen nicht immer warten müssen, sind mein Mädchen und ich immer mal ein Stück nachgetrabt. Nun bin ich ja Typ „Dampflok“ (die schließlich von einem Briten wie mir erfunden wurde!) und finde einfach, wenn ich dann schon mal trabe, kann ich damit doch auch gleich weiter machen. Andererseits wollte ich aber nicht an dem schönen Spanier vorbei, dann wenn er hinter mir ist, kann ich ihn ja gar nicht mehr anschauen! Ich muss ihn doch im Auge behalten! Ein echtes Dilemma, sage ich euch…

Wir sind eine Schleife geritten und dann den selben Weg zurück. Und wo kamen wir da vorbei? Richtig: an der merkwürdig gewachsenen Pflanze. Und weil ich mir genau gemerkt habe, wie der Spanier das gemacht hat, hab ich ganz kurz angetäuscht ich würde diese Pflanze etwas unheimlich finden und dann versucht, mir ein Maul von davon zu nehmen. Mein Mädchen hat furchtbar lachen müssen, aber leider ist sie diesem guten Trick gar nicht auf den Leim gegangen. Sie kennt mich nämlich schon so gut, dass sie fast erwartet hat, dass ich versuche, das nachzumachen. Mist.

Naja, immerhin haben wir dann noch eine ausgiebige Graspause eingelegt, dann ging es auch mit meinem Blutzucker wieder. Mein Mädchen ist danach ein Stück zu Fuß gegangen und ich habe gemerkt, dass mein Kopf schon ganz schön müde ist vom Spanier-im-Blick-behalten.

Als sie wieder aufgestiegen ist, sind wir noch ein Stück getrabt – wieder waren die beiden Großen vorneweg sooooo schnell! Ich hab kurz gefragt ob wir galoppieren wollen, mein Mädchen hat nein gesagt und dann dachte ich mir, Trab ist auch fein. Ja, ich war wirklich schon ordentlich kopfmüde und das hat sich letztlich auch auf meine Beine ausgewirkt.

Der schöne Spanier (rechts) und ich.

Zum Glück waren wir dann bald wieder an den Wackelkisten und haben noch ein Picknick gemacht. Wir Ponys sind da ja im Vorteil, für uns wächst überall was schönes, für die Menschen hatte das Mädchen vom schönen Spanier einen Picknickkorb mitgebracht, damit sie uns nicht hungrig beim Schmausen zuschauen müssen.

Der schönste Teil war das Picknick am Ende!

Am Ende sind wir jeder wieder in seine Wackelkiste geklettert und das war es mit dem Sonntagsausflug. Jetzt muss ich mein Gehirn ausruhen! Aber wir machen jetzt öfter Ausflüge mit dem schönen Spanier, sagt mein Mädchen, weil das so fein funktioniert hat mit uns. Jetzt habe ich noch einen neuen Ausreitkumpel! Mein Mädchen sagt, wenn das so weiter geht werden wir bald Termin-Probleme bekommen, weil wir so viele Ausreitkumpel haben. Ich hätte da ja einen Vorschlag: einfach öfter ausreiten! Aber leider muss sie ja zwischendurch auch immer arbeiten, um unser Futter zu verdienen. Schade eigentlich, aber ich will ja auch keinen Hunger leiden….

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem neuen Ausreitkumpel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 392

Heute sind mein Mädchen und ich wieder allein los gezogen. Ich habe beschlossen, euch jedes Mal davon zu berichten, damit ihr unsere Fortschritte genau verfolgen könnt. Auch wenn es keine sehr langen Geschichten sind – es sind ja auch noch keine sehr langen Ausritte….

Ich bin diesmal mutiger vom Hof runter gegangen und wir sind ein paar Meter weiter gegangen als letztes Mal, ganz knapp am Nachbarn vorbei. Das sind immerhin gute 300Meter, spektakulär, oder? Fast schon ein Distanzritt!

Dort ist sie abgestiegen, hat mich grasen lassen und nach ein paar Minuten ist sie wieder aufgestiegen und es ging nach hause. Wir haben etwas seitwärts gehen geübt von einer Straßenseite zur anderen und mein Mädchen war hoch zufrieden damit wie ich das gemacht habe. Dann hat sie mich eine Weile einfach geradeaus gehen lassen, da wurde ich zwar ein klitzekleines bisschen flotter als sonst aber sie fand, das ging noch. Am Ende sind noch ein paar Vögel hoch geflogen, da sind wir beide kurz zusammen gezuckt, aber nichts wildes. Am Hof angekommen, bin ich diesmal hoch anständig und aufmerksam geblieben und habe nicht versucht, per Ideallinie die kleinste Kurve zu kratzen.

Wie beim letzten Mal auch schon ist sie einfach sitzen geblieben und mit mir zum Reitplatz geritten. Wie beim letzten Mal auch fand ich das einen Hauch unheimlich zwischen den beiden Zäunen durch zu gehen mit ihr oben drauf (wenn sie neben mir geht, fällt mir irgendwie nicht auf, wie laut das E-Gerät da knackt!). Auf dem Reitplatz haben wir ganz kurz ein bisschen lenken geübt und sind einmal schön getrabt und – zack!- Mädchen stolz und zufrieden! Zum krönenden Abschluss durfte ich auf dem Reitplatz dann auch noch ein bisschen grasen, währen mein Mädchen das Rumstehen geübt hat.

Das war jetzt unser 4. Ausritt allein. Wir sind noch nicht weiter weg als am Anfang, aber wir sind schon beide viel entspannter und mein Mädchen sagt, darauf kommt es an. Bisher sind wir immer links vom Hof geritten, aber mein Mädchen sagt, demnächst reiten wir mal nach rechts vom Hof. Wenn wir uns ein gutes Stück Weg nach links und ein gutes Stück Weg nach rechts erarbeitet haben, können wir irgendwann die komplette Hausrunde schaffen, das ist unser erklärtes Ziel! Machen wir aber erst, wenn wir uns beide mutig genug dafür fühlen. Bis dahin, wisst ihr ja, machen wir das Meter für Meter.

Euer mutiger Allein-rausgeher Sir Duncan Dhu of Nakel

Ein besseres Gefühl

Ich stehe vor der Autobahnbrücke, Duncan neben mir. Mir ist schlecht. Die Bilder in meinem Kopf gehen mir durch. All die Techniken die ich gelernt habe, bleiben heute wirkungslos. Zu viel Stress in der letzten Woche und jetzt habe ich keine Kapazitäten mehr frei. Aber nun sind wir hier und ich will diese verdammte Brücke mit meinem Pony üben.

Ich frage mich also: was können wir gut schaffen? Wir stellen uns zusammen an den Rand der Brücke. Ein Auto jagt das nächste. Autos stressen mich sowieso, schon zu Fuß an einer stark oder schnell befahrenen Straße ohne Ponys stresst es mich (ich habe dann keine Angst, aber es regt mich auf). Mein Pony schaut sich das alles an. Ich weiß nicht, wie hoch seine Anspannung wirklich ist, das finde ich schwer einzuschätzen. Ich bin mit atmen beschäftigt. Ich warte, bis mein Stresspegel sinkt, dann drehen wir um und gehen grasen. Ein paar Minuten später wiederholen wir das ganze. Ich denke an Elsa Sinclairs Satz am ersten Tag im ersten Kurs bei dem ich war „Ich belohne ein gutes Gefühl mit einem noch besseren Gefühl“. Das war auf die Pferde bezogen, aber ich habe in den letzten Jahren gelernt, mit mir selbst so umzugehen wie mit den Pferden. Duncan hat im Moment nicht so ein großes Problem (sagen wir: ich bringe ihn nicht in die Situation, denn ich könnte das heute nicht händeln). Ich kann mich also um mich selbst kümmern. Wenn es mir besser geht, gehe ich zurück, anstatt einen Schritt weiter zu gehen.

Viele meiner Reitschüler haben mich schon darüber reden hören, besonders gern wenn es darum geht, das Aussitzen im Trab zu lernen. Die meisten Reiter versuchen, so lange auszusitzen, bis es nicht mehr geht. Dann traben sie leicht. Das Gehirn geht frustriert aus der Aufgabe und beim nächsten Mal klappt es nicht viel besser. So zieht sich Üben endlos hin. Ich hingegen halte mein Schüler an, so lange auszusitzen, bis es klappt und dann sofort entweder durch zu parieren oder leicht zu traben. So merkt sich das Gehirn das richtige Gefühl und sagt „ok, kann ich“.

Es ist das selbe Prinzip das ich anwende, wenn Duncan und ich allein ausreiten gehen: gerade dann, wenn er fleißig und mutig voran geht und sich entspannt, steige ich ab und lasse ihn grasen.

Wenn Dinge dann besser laufen, kann man natürlich länger dabei bleiben, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es NOCH BESSER wird. Aber so lange diese Wahrscheinlichkeit klein ist, macht es keinen Sinn, weiter zu machen, denn es wird ziemlich sicher schlechter werden statt besser.

Ja, ich hätte am Sonntag mit Duncan über die Autobahnbrücke gehen können, da bin ich sicher. Wie es ihm damit gegangen wäre, kann ich nicht genau beurteilen, mir wäre es schlecht gegangen. Ich hätte 40 Schritte lang Panik geschoben (ja, ich bin vorab einmal ohne Pony drüber gegangen und habe Schritte gezählt). Dann hätten wir aber noch zurück gemusst und das hätte es in diesem Fall nicht besser gemacht. Stattdessen schreibe ich die Tour auf meine Liste. Ich habe schon heraus gefunden, dass man von dort aus auf verschiedenen Wegen zu uns nach hause reiten kann – auch auf längeren, aber schöneren als der, den wir am Sonntag geritten sind. Und wir können dann gleich immer noch die Rinder mit üben, das trifft sich doch gut. Und danach haben wir genug Zeit, unseren Stress gemeinsam wieder abzubauen durch ausgiebiges Schritt gehen. Gemeinsam Stress erleben und wieder abbauen ist etwas, was Beziehungen total stärkt. Und Duncan kann gleichzeitig lernen, wie ich bin, wenn ich Stress habe und dass trotzdem nichts schlimmes passiert. Ich hoffe, dass er eines Tages zu mir sagt „ich weiß, Du hast Angst, aber es ist wirklich gar nichts los“.

Finlay wusste: je aufgeregter ich bin, desto größer das Abenteuer. Und ich bin überzeugt, dass es freudige Erwartung in ihm ausgelöst hat, wenn ich aufgeregt war. Merlin hat sich auch gefreut wenn ich aufgeregt war, denn dann ging es oft auf einen Kurs und dort war Publikum für ihn und ein Reitlehrer der ihn bewundert. Merlin hat Kurse geliebt (und ich amüsiere mich immer noch darüber, wie oft er mit seinem Charme jemandem aus dem Publikum einen Apfel oder einen Banane aus dem „Fresskorb“ abgeluchst hat).

Noch kann Duncan das nicht wissen, aber er kann schon ganz gut damit umgehen, wenn ich Stress habe. Natürlich wäre es schöner, wenn ich die Nerven hätte, ihm helfen zu können. Ich bin aber leider auch nur ein Mensch – und zwar einer, der sich viele Sorgen ums Pony macht.

Jetzt sehen wir mal, wie es sich weiter entwickelt mit mir und der vermaledeiten Autobahnbrücke. Niemand zwingt mich dazu, dort rüber zu gehen. Wahrscheinlich wird es immer etwas tagesformabhängig bleiben und auch davon abhängen wie viel Verkehr darunter ist. Aber ich möchte mein Pony so sicher kriegen, dass wir – wenn es sich mal einfach nicht vermeiden lässt – auf jeden Fall da rüber kommen.

Immer wieder begegnen mir Reitschülerinnen, die sich für ihre Angst schämen. Ich hingegen schäme mich lediglich dafür, wie ich früher mit den Ängsten anderer Menschen umgegangen bin. Als ich selbst noch jung und (relativ) ungesorgt war und noch der Illusion unterlag, dass Ängste irgendwie rational begründbar sein müssen, bin ich wohl über so manchen Menschen hinweggegangen. Inzwischen habe ich durch Finlays Tod einen ganzen Sack voll neuer, weitgehend irrationaler Ängste, die auch durchaus an verschiedenen Tagen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Was ich an einem Tag gut meistern kann, löst an einem anderen Tag Panik aus.

Deswegen biete ich all meinen Schülerinnen eine offene Tür an: wenn jetzt gerade, mitten im Unterricht, der Gedanke kommt „jetzt würde ich mich trauen zu galoppieren“, dann sag mir das. Dann galoppieren wir JETZT. Denn in der nächsten Stunde ist es vielleicht wieder nicht möglich. Man muss die Chancen nutzen, die sich einem bieten.

Und ich blicke voller Stolz auf all jene Schülerinnen, die inzwischen ohne Sattel traben oder mit Sattel galoppieren, ausreiten gehen oder was auch immer es war, was ihnen solche Angst gemacht hat. Und ich hoffe, ich kann mich selbst genauso gut unterstützen wie ich es bei diesen Frauen geschafft habe.

Bei den Pferden weiß ich wie es geht und ich weiß auch: das wird schon. Früher oder später, mit mehr oder weniger Arbeit. Und immer entdecke ich noch ein Detail was ich anders machen könnte, wie ich mein Timing verbessern kann oder Zwischenschritte erschaffen.

Duncan konnte neulich im fremden Wald im Trab vorne weg über all die kleinen Flüsse traben (dort sind nicht wirklich Brücken, man hat nur plötzlich ein paar Meter Geländer am Weg und daher weiß man sofort, dass dort Wasser fließt). Seine Ohren wurden spitz und er schaute fokussiert Richtung Boden, aber er hat sein Tempo nicht verändert. Und ich dachte an unsere ersten kleinen Brücken über Wasser und konnte sehen, wie weit wir schon gekommen sind. Auch das gehört für mich zum Ängste überwinden dazu: anstatt auf das zu starren, was man noch nicht kann, immer mal schauen, was man früher alles nicht konnte und jetzt schon geht. Das macht nämlich auch ein besseres Gefühl.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 391

Dienstaaaaaaag! Als mein Mädchen mich vom Paddock gerufen hat, hab ich sie erst mal fröhlich angebrummelt. Das tu ich äußerst selten und deswegen fragt sie sich jetzt die ganze Zeit ob das bedeutet, dass ich wusste, dass wir einen Dienstagsausflug mit dem Ausreitkumpel machen. Ja na klar wusste ich das! Aber woher ich das wusste, das bleibt mein kleines Geheimnis. Mein Mädchen muss ja auch nicht ALLES erfahren. Jedenfalls hab ich mir brav meine Schuhe anziehen lassen und die Panade vom Pelz bürsten und dann ging es ab in die Wackelkiste. Auf dem Weg zum Ausreitkumpel fing es an zu gießen wie aus Eimern und mein Mädchen hat gehofft, dass das Mädchen vom Ausreitkumpel sich irgendwo unterstellt und wir alle abwarten bis es aufgehört hat – aber das Mädchen vom Ausreitkumpel wollte mein Mädchen nicht warten lassen und stand parat, so dass mein Kumpel im Starkregen in die Wackelkiste gelaufen kam (und heilfroh war, dass es da drin so schön gemütlich trocken ist und man in Ruhe Heu essen kann). Wir sind dann in einen neuen Wald gefahren und als wir dort waren, schien die Sonne ganz unschuldig vom Himmel und es wurde wieder schwül warm. Egal, denn wir wollten ja jetzt los! Erst mal größere Dramen seitens des Ausreitkumpels. Da sein Mädchen ihn ein paar Wochen nicht reiten konnte und jemand anders ihn geritten ist, hat er sich ein paar Marotten angewöhnt – oder soll ich sagen, er hat sich an welche von früher erinnert, als er noch klein, frech und ungezogen war. Also konnte er nicht still stehen beim Aufsteigen und beim Nachgurten und er musste ständig rum tüddeln. Ich hab gewartet, mich benommen wie ein Superstar und mir dafür ab und an einen Keks geben lassen. Dann ging es endlich los. Rein in den Wald und einfach mal den Reitwegeschildern nach. Aber ach! Schon nach knapp 2km wurde der Weg sehr wild, überwachsen und mit Baum-Resten übersät. Erst sind wir tapfer weiter marschiert, aber dann wurde uns klar: hier ist kein Weg. Also umdrehen. Kurze Zeit nach dem Umdrehen mussten wir aber fest stellen, dass mein Ausreitkumpel einen Hufschuh verloren hatte! Also ist der Ausreitkumpel wieder umgedreht und zurück ins Unterholz, während ich weiter Richtung großem Weg gegangen bin und wir haben alle den Schuh gesucht. Das war zwar ärgerlich, aber unsere Mädchen waren stolz auf uns Ponys, weil wir uns ohne zögern mitten im fremden Wald getrennt haben und außer Sichtweite gegangen sind.

Der Schuh lag weiter vorn auf dem großen Weg. Mein Mädchen hat dann auf ihr Handy geschaut und wir haben einen neuen Plan ausgeheckt. Los ging es! Natürlich im Trab, denn Ausreiten mit dem Ausreitkumpel heißt traben, traben, traben! Ich hatte mich jetzt schon schön wieder eingelaufen und bin munter voran getrabt. Mädchen, wir könnten doch auch…. nein, kein Galopp. Ach, schade. Naja, Trab ist auch eine schöne Gangart, also weiter ging es, bis wir an die nächste Kreuzung kamen. Bremsen! Das Handy nach dem Weg fragen. Und weiter. Ein Stück, dann bremsen, das Handy nach dem Weg fragen. Wir Ponys wurden etwas grummelig, können wir jetzt mal weiter laufen? Dieses ewige Anhalten nervt! Aber leider mussten wir noch öfter anhalten. Und nochmal umdrehen, weil der eine Reitweg, den wir nehmen wollten, leider nach den etwas ausgiebigeren Regenfällen der letzten Tage kein Weg sondern eher ein Pony-verspeisender Sumpf geworden war, in den wir dann doch nicht gehen wollten.

Dann nochmal anhalten – weil mein Kumpel seinen Schuh verloren hatte. Und nochmal! Mein Mädchen hat ihm nämlich kürzlich seine Hufe in Form gebracht und das hat sie sehr gründlich gemacht und jetzt sind die Schuhe zu groß. Als wir dann weiter getrabt sind, hörte ich mein Mädchen oben murmeln „Ruckedigu, ruckedigu, der Schuh ist zu groß, was ist das hier bloß?“. Beim 4. Schuhverlust hatten wir alle die Faxen dicke und der Ausreitkumpel musste barhuf weiter laufen und seine Schuhe in der Satteltasche tragen. Während sein Mädchen ihm die Schuhe ausgezogen hat, habe ich von meinem Mädchen die Erlaubnis bekommen, mir einen Happen Gras zu nehmen. Mit Gebiss im Maul. Und dann war ich überfordert mit dem Gebiss und dem Happen Gras. Mein Mädchen wollte aber nicht absteigen. Also hat sie mir von oben das Gebiss aus dem Maul genommen, ich hab mein Gras gekaut und dann hat sie von oben das Gebiss wieder in mein Maul gefädelt. Ich nehme mir das ja eh selbst und das hab ich dann eben auch gemacht. Zack! Mädchen stolz.

Als das dann endlich geklärt war, konnten wir den letzten Teil der Reise in Angriff nehmen. Da kam noch ein langes Stück geradeaus, aber das war etwas anstrengend, weil der Boden lauter Wellen hatte, also ging es drei Schritte bergauf, um einen Stein herum, drei Schritt bergab, durch eine große Pfütze um 4 große Steine herum, 4 Schritte bergauf, 2 Schritte bergab, durch eine große Pfütze, um 2 große Steine herum….. und so weiter. Ich immer im Trab munter vorne weg. Mein Kumpel hat hinten dran mit seinem Mädchen kurz gewartet, denn die wollten nochmal galoppieren. Und dann ist mein Mädchen ja schon immer happy, weil ich einfach meinen Trab weiter laufe, egal ob er da hinten erst Schritt geht, dann angaloppiert kommt und dabei noch die Pfützen mit einem Sprung nimmt. Ich hab einfach zugesehen dass ich meine Beine sortiere und nicht auch noch einen Schuh verliere, denn kurz vorher hatte mein Mädchen gesehen, dass bei mir eine Schraube weg ist, der mein Schuh hielt zum Glück trotzdem sehr gut.

Am Ende ging es dann in den Schritt und mein Ausreitkumpel und ich haben ein bisschen Pfützen-Feinabschmecken gemacht, bis unsere Mädchen dann abgestiegen sind, um den Rest zur Wackelkiste zu laufen.

Pfützen-Feinabschmecken!

Als wir dann wieder in der Wackelkiste waren, fing es prompt an zu regnen und ratet mal, wer beim Ausladen dann wieder schön nass wurde…..

Aber egal, wir sind satte 5,7km von unserer 8km-Tour getrabt, das hat uns allen sehr gut getan und wir Ponys waren spitze. Ich freu mich schon auf nächsten Dienstag, jetzt wollen wir unsere Strecken langsam wieder steigern, wir haben ja noch großes vor im Herbst und müssen trainieren!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel endlich wieder mit Ausreitkumpel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 390

Sonntagsausflug! Heute in der special edition. Also es war so: wir sind in die Wackelkiste geklettert und ein kurzes Stück gewackelt worden. Raus kamen wir an einer Stelle die ich schon kenne und wo mein alter Feind auf mich wartet: die Autobahnbrücke! Letztes Mal sind wir da ja schon rüber marschiert, mein Mädchen und ich. Aber dieses Mal war Ferienbeginn und die Autobahn war soooo doll befahren und mein Mädchen hatte irgendwie nicht genug Mut zum Frühstück, jedenfalls sind wir heute nur da rauf gegangen, ganz an den Anfang, wo die Blechkisten gerade anfangen, unter mir durch zu fahren, und da haben wir herum gestanden. Erst wollte ich in einer Tour Kekse essen, wie es sonst auch war. Aber mein Mädchen meinte, ich soll mir das mal richtig angucken und nicht nur an die Kekse denken. Oh ja, das war doch echt spannend! Vor allem weil die Dinger alle verschiedene Geräusche machen. Hab ich mir alles aufmerksam angeschaut. Zwischendurch gab es natürlich trotzdem den einen oder anderen Keks. Aber wisst ihr, wer echt voll krass drauf ist? Diego und der Mann! Die haben die ganze Zeit am Geländer gestanden und sich das in aller Ruhe angeschaut, wie die Blechkisten unter ihnen weg flitzen, eine an der anderen! Mein Mädchen hat diese Nerven einfach nicht.

Mann, sind die lässig!

Naja, nach einer Weile hatten wir dann genug, sind zurück zur Wackelkiste und die Menschen haben uns gesattelt. Los ging es bei den freundlichen Rindern vorbei! Links waren die Mama-Rinder, die haben sich nicht so um uns gekümmert. Aber rechts, da waren die Teenager, solche wie ich, und die fanden uns sooooo spannend! Und ich fand die auch spannend! Damit ich mich nicht fürchte, hat mein Mädchen ihnen Namen gegeben. Fiete, Ole, Michel, Hinnerk, Klaus, Uwe, Frechdachs…. aber es waren sehr viele und da wurden ihr die Namen etwas knapp. Diese Weide war echt lang, da geht man locker 500m neben den Rindern her, die bleiben dann mal stehen, kommen dann hinterher gelaufen, traben mal los, machen mal einen Hüpfer… das ist schon eine Herausforderung für mein Mädchen und mich!

Aber soll ich euch verraten, wer wieder mal alles im Griff hatte? Diego und der Mann! Gibt´s doch gar nicht, können die alles? Wenn der Mann zu Diego gesagt hat, er soll mal die Rinder-Teenies in Schach halten, hat Diego sich zu denen hingedreht und sie angeschaut und da sind die alle stehen geblieben und haben sich nicht mehr vom Fleck gerührt! Ich glaube, ich habe den krassesten Pony-Adoptiv-Papa den man sich nur vorstellen kann! Mein Mädchen sagt auch immer, Diego ist ein Wunder-Pferd. Kann alles, weiß alles, macht alles und ist auch immer gesund. Ein erstaunlicher Bursche! Und an dem muss ich mich messen lassen mit meinen knapp 5 Jahren. Das ist eine ganz schön hohe Messlatte, sage ich euch. Aber andererseits macht er mir ja auch alles vor und trägt ständig die Verantwortung.

Die haben einfach immer alles im Griff! Sogar die Rinder-Teenies.

Nach der Autobahnbrücke und den Rindern mussten mein Mädchen und ich erst mal unsere Nerven polieren. Wir sind eine schöne lange Strecke Schritt geritten, dann ein Stück getrabt (ich habe vorgeschlagen, wir könnten auch galoppieren. Erst war das nicht erlaubt, aber dann…) und dann tönt es von oben „Aaaaachtung… und hopp!“ und wir sind schön galoppiert! Mein Mädchen ganz entzückt wie fein ich das kann. Dann durchparieren und wieder Schritt. Da waren wir schon fast zu hause und mein Mädchen hat beschlossen, wir könnten wieder „alleine ausreiten ohne allein auszureiten“ üben. Also sind wir noch ein schönes Stück getrabt, während Diego im Schritt geblieben ist. Ich hab natürlich alles richtig gemacht, bis… ja bis da Monster hinterm Gebüsch waren! Da sind wir lieber Schritt gegangen und mein Mädchen hat laut „Moin!“ gesagt. Die Monster haben „Moin“ geantwortet, aber ich war nicht sicher, ob das nicht vielleicht ein Trick ist! Vielleicht wollen die Monster uns nur in Sicherheit wiegen um uns dann leichter verspeisen zu können? Also hat mein Mädchen die Monster gebeten „Können Sie bitte irgendwas sagen? Vielleicht darüber wie schön das Wetter ist?“ Und dann haben die Monster gesagt, das Wetter sei wirklich schön (es war nicht zu warm, etwas windig und nicht zu sonnig). Und da habe ich es dann geglaubt, dass es doch keine Monster waren, sondern nur zwei ganz harmlose Spaziergänger. Ach so. Kann man ja aber nie wissen!

Wir sind dann noch weiter geritten und als wir fast zu hause waren ist mein Mädchen abgestiegen. Da kam Diego von hinten, der hatte uns schon wieder eingeholt, und wir sind zusammen nach hause gegangen. Die Wackelkiste haben die Menschen dann später abgeholt. Ach, das war eine schöne Tour! Und ich finde, ich bin schon ganz schön mutig. Mein Mädchen findet das auch und meint, ich muss auch noch gar nicht alles so gut können wie Diego, wir haben ja noch viel Zeit und Gelegenheit, die Welt zu erkunden und fest zu stellen, das die meisten Dinge ungefährlich sind. Und bis dahin freuen wir uns, dass wir Diego das Wunder-Pferd haben, der uns so schön hilft bei allen aufregenden Sachen. Danke Diego!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem besten Adoptivpapa der Welt

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 389

Mein Mädchen und ich, wir hatten gestern Ja-Tag! Gestern vor 4 Jahren haben wir abgemacht, dass wir es miteinander wagen wollen. Und wir haben es beide nicht bereut!

Damals war ich noch ganz klein und sie war sehr, sehr traurig. Sie konnte nicht tanzen und lachen und einfach Freude haben, weil mein Bruder gerade über die Regenbogenbrücke gegangen war. Sie hat mich gefragt, ob ich ihr Herz reparieren kann. Ich hab gesagt, ich schaff das! Ihr wisst ja, an Selbstbewusstsein hat es mir noch nie gemangelt. Aber diese Herz-Reparatur war so eine Mammut-Aufgabe! Am Anfang war mein Mädchen ganz oft traurig und hat viel geweint. Alle möglichen Sachen haben sie zum weinen gebracht. Und sie hatte viel, viel Angst um uns Ponys. Aber ich war immer da und war einfach ich selbst. Trösten konnte ich sie ja nicht, das konnte niemand. Aber ich war halt da und habe Zeit mit ihr verbracht und sie so genommen, wie sie nun gerade war. Wenn sie auf einem Spaziergang traurig war oder Angst hatte, bin ich ruhig neben ihr her gegangen und hab gewartet, bis es ihr wieder besser ging. Dann hab ich sie abgelenkt, indem ich mir lustigen Schabernack ausgedacht habe, damit sie nicht so viel Zeit hat für ihre traurigen Gedanken. Das hat ganz gut funktioniert!

Später, als ich sie dann endlich tragen konnte, wurde es noch ein gutes Stück besser. Sie mag nämlich gern getragen werden und ich gebe ihr so ein sicheres Gefühl, sagt sie. Bin schließlich Gentleman!

Und neulich hat sie zu mir gesagt, sie glaubt, ihr Herz ist jetzt so gut wie möglich repariert. Ein kleiner Schaden wird da bleiben und ein bisschen mehr Angst als vorher bleibt auch, sagt sie. Aber ich habe einen verdammt guten Job gemacht in den letzten 4 Jahren! Ich persönlich denke ja, dass da noch mehr geht. Ich glaube, wenn ich noch weitere 4 Jahre investiert habe, wird sie sich wundern, wie viel besser es noch wird! Aber das sehen wir dann.

Im Ausgleich für meine Herz-Reparatur-Arbeiten hat mein Mädchen mir damals eine Menge Abenteuer versprochen – und auch geliefert! Was wir nicht schon alles erlebt haben! Und immer, immer ist sie stolz auf mich, weil ich das alles soooooo gut mache.

Vor 4 Jahren haben wir „Ja“ gesagt!

Jetzt freuen wir uns auf die neuen Abenteuer die noch kommen. Und jeden Tag sagen wir wieder „ja“ zueinander. Das ist schön.

Euer romantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 388

Menno, mein Mädchen hat ja gestern schon das beste verraten! Aber ich wette, ihr wollt nochmal alle Details darüber hören, was für ein groß(artig)es Pony ich bin, oder?

Es war so: die Nacht war regnerisch und wir waren auf der Weide und entsprechend waren wir morgens noch sehr müde. Normalerweise ist mein Mädchen ja nie so früh im Stall aber diesmal kam sie wirklich zur Unzeit! Und normalerweise, wenn sie sieht, dass wir liegen und schlafen, geht sie weg und kommt später wieder, wenn wir ausgeschlafen sind. Aber diesmal ging das nicht, denn wir waren verabredet! Also mussten wir leider aufstehen. Seufz….

Wenigstens gab es einen Keks ans Bett.

Aber zum Glück ging es nicht gleich los mit laufen und aufpassen, sondern erst mal zu einer Heumahlzeit in die Wackelkiste, da konnten wir in Ruhe aufwachen. Wir sind nämlich wieder zu Ritter Willibald gefahren. Ach da hab ich mich gefreut, den wieder zu sehen! Ich dachte, ich nehme ihn mal offiziell in meinen Freundeskreis auf mittels einer Runde Popo-Kneifen – ich meine ehrlich: Willi hat den größten, rundesten, stattlichsten Po den ich je gesehen habe, wie soll ich denn da NICHT reinkneifen wollen! War aber bedauerlicherweise nicht erlaubt. Noch nicht mal schnüffeln oder lecken…. ach schade aber auch. Nur gucken, nicht anfassen, hat mein Mädchen gesagt.

Naja, wir sind also wieder zusammen los gezogen, Willibald, Diego und ich mit jeweiligem Reiter. Die beiden Großen vorneweg und ich hinterher. Ab in den Wald – da war es ganz schön rutschig von dem vielen Regen! Da musste man gut auf seine Füße aufpassen, aber ich kann das ja perfekt, weil ich in den Wintern zu hause immer so viel mit Gatsby spiele und da ist es auch rutschig. Man muss immer nur sehen dass man den rutschenden Fuß fix wieder unter den Körper zieht, dann geht das.

Nach einer Weile wurde der Weg besser und wir sind ein kleines Stück getrabt, aber nur ganz langsam. Weil Diego vorneweg gelaufen ist und der fand den Boden nicht so gut und das Gelände sehr fremd und meinte, da trabt man lieber nur so ganz verhalten. Ich hätte mich da mehr getraut und wollte das auch per Popo-Kneif-Post über Willi nach vorne durchgeben (also ich kneife Willi und Willi kneift Diego und dann weiß Diego dass er mal schneller traben soll) aber auch das war wieder nicht erlaubt. Menno.

Nach dem Trab ging es auf einen schmalen Waldweg und da ging es steil bergab! Ich war schon dabei, die Pobacken zusammenzukneifen um mein Mädchen da runter zu tragen, da meinte sie, das wäre nix und ist lieber abgestiegen. Fand ich nett von ihr. Ich hätte das aber geschafft! Na, so ist sie ein Stück zu Fuß gegangen bis wir den Berg geschafft hatten und noch etwas weiter zu einem schönen Aufsteigestein und dann wieder aufgestiegen. Tja, nun weiß ich ja schon: ist man einen Berg runter geklettert, muss man woanders wieder hoch! Und so war es dann auch. Willi ist da ja gut trainiert der marschiert einfach ein Tempo durch. Ich hab zwischendurch etwas Schwung geholt, weil das da echt steil wurde.

Weil ich die ganze Zeit hinter Willi her laufen sollte und immer diesen Po vor mir gesehen habe und nicht rein kneifen durfte, war ich langsam etwas maulig, da hat Willis Reiterin gesagt, ich könnte ja auch vorne laufen. Ich? Das kleinste Pony soll die ganze Verantwortung tragen? Ja, sollte ich. Und mein Mädchen meinte, ich kann das auch. Im fremden Gelände. Na gut, dann bin ich also los marschiert! Und hab natürlich alles perfekt gemacht. Besonders das klein sein, das kann ich gut: mein Mädchen konnte wieder überall problemlos durch reiten wo die anderen beiden gut überlegen mussten, wie sie weiter kommen ohne einen Ast ins Gesicht zu kriegen. Tja, kleine Ponys haben große Vorteile!

Aber dann kam der Fluß! Ein reißendes Gewässer! Da war ich mir dann doch nicht mehr so sicher. Man weiß ja nie! Es könnte da zum Beispiel Krokodile oder Piranhas geben! Oder fiese Stromschnellen, die einen weg reißen! Also nur nicht zu voreilig da rein. Ich hätte es ja einfacher gefunden, wenn einer der Großen da vor marschiert und schaut ob es sicher ist, aber die haben gesagt, ich wäre auch groß genug, das zu schaffen. Naja und nachdem alle mir Mut zugesprochen haben und ich für die ersten Schritte Richtung Ufer ein paar Kekse kassiert hatte, bin ich dann eben doch rein gegangen in die Fluten. Ich fand mich sehr mutig! Und dann wollte ich flink wieder raus und bin einfach schnell ans andere Ufer geschwommen – na gut, gelaufen. Dort hat mein Mädchen mich endlos gefeiert und viele Kekse raus gerückt, das fand ich sehr nett.

Stromschnellen? Schlingpflanzen? Womöglich sogar Haie? Und ich trage die Verantwortung…..

Gegen Ende des Ausritts war ich zugegebenermaßen etwas kopfmüde, aber ich mag das ja, mal so richtig was zu erleben! Also ist mein Mädchen das letzte Stück zu Fuß gegangen. Wieder an der Wackelkiste angekommen war ich doch sehr traurig, dass Willibald wieder nach hause gegangen ist – ich dachte, er ist jetzt mein Freund und kommt mit zu uns! Aber so ist das wohl, manche Freunde sieht man nur manchmal. Wir sind jedenfalls schon wieder für die nächste Tour verabredet, da freu ich mich drauf!

Euer mutiger Flussüberquerer Sir Duncan Dhu of Nakel

Bedenkzeit

Duncan stoppt 3 Meter vor den „reißenen Fluten“. Er ist schon eine längere Strecke mutig voran gegangen durch das fremde Gelände, aber das ist ihm jetzt doch nicht ganz geheuer. Hinter uns stehen zwei erfahrene Pferde – würde einer von den beiden vor gehen, wäre es sicher gar kein Thema, Duncan würde sofort hinterher dackeln. Aber ich finde, mit fast 5 Jahren und über einem Jahr Reit-Erfahrung können wir mal versuchen, das Problem ohne Hilfe zu lösen. Und so ist heute der erste Tag gewesen an dem wir so eine Herausforderung ohne Führpferd und ohne Absteigen gemeistert haben. (Hier bitte einen gedanklichen Tusch abspielen!)

Neulich wurde auf Facebook gefragt, was wohl das wichtigste sei, was man im Zusammensein mit Pferden gelernt hätte. Es hat mich etwas Zeit – Bedenkzeit! – gekostet, bevor ich die Antwort kannte: Zeit lassen.

Zeit lassen wird in meinen Augen oft falsch verstanden. Viele scheinen „Zeit lassen“ gleich zu setzen mit „nichts tun“. So lassen sie ihren Jungpferden ganz viel Zeit – nämlich zum fressen, spielen und schlafen – aber dann, wenn es los geht, dann ist plötzlich Schluss mit Zeit lassen. Dann geht es los.

Duncan gehört einer Pferderasse an, die nicht unbedingt „Fluchttiere“ sind. Ich mag es nicht mehr hören, wie jedes Pferd pauschal als Fluchttier bezeichnet wird. Gerade den Tinkern wird das so oft zum Verhängnis, aber auch die Highlandponys und andere britische Ponyrassen sind da ganz vorn mit vertreten, denn meistens kommt bei ihnen lange vor der Flucht erst mal Erstarrung. Und diese Erstarrung wird ihnen dann als „Sturheit“ oder „Faulheit“ ausgelegt. Erst wenn man sie durch diese Erstarrung durch drückt, löst man die Flucht aus. Und leider kann man in diesem Video von unserer heutigen Heldentat sehen, dass auch mir genau das passiert ist. Als Duncan mit den Vorderhufen im Wasser stand, war in meinem Kopf das Problem gelöst. Er hätte dort aber noch einmal Zeit gebraucht um in Ruhe zu verarbeiten, wo er ist und was er jetzt tun soll und kann. Stattdessen habe ich ihn zu energisch zum Weitergehen aufgefordert und ihn dadurch unnötig beschleunigt. Asche auf mein Haupt!

Duncan bezwingt die reißenden Fluten

Neulich mit dem Regenschirm habe ich es besser hinbekommen. Anstatt – nur weil Duncan nach außen hin nicht auf den Schirm reagiert hat – das Thema bis zum letzten auszureizen und noch mit dem Schirm in der Hand los zu reiten, habe ich den Absprung (im wahrsten Sinne des Wortes) geschafft und lieber zu früh als zu spät aufgehört.

Der Unterschied zwischen den beiden Situationen lag in meiner mentalen Verfassung: einmal war ich frei in meiner Entscheidung, das andere mal habe ich (unnötiger weise) gedacht, meine Mitreiter wollen ja auch weiter. Dadurch habe ich mir nicht genug Zeit genommen, obwohl das natürlich überhaupt kein Thema gewesen wäre. Da hab ich noch was zu üben! Mein Pony hingegen hat das großartig gemacht: hinschauen, auf Aufforderung einen Schritt näher, wieder hinschauen. Nase ins Wasser tunken, überlegen. Wieder einen Schritt vor, wieder überlegen.

Neulich habe ich einen schönen Satz dazu gelesen, der von John Lyons kommen soll „A safe horse ist always quiet, but a qiuet horse isn´t neccessarily safe“ (ein sicheres Pferd ist immer ruhig, aber ein ruhiges Pferd ist nicht notwendigerweise sicher). Und genau das ist der Punkt: nur weil ein Pferd ruhig aussieht, muss es das nicht sein. Auch Profis können übersehen, dass ein Pferd angespannt ist. Bei Diego zum Beispiel ist selbst für uns, die wir ihn seit über 10 Jahren kennen, die Aufregung oft nur an der Äppel-Quote erkennbar. Oder für mich erfühlbar daran, dass er seine Wirbelsäule krumm zieht. Ein Pferd, dass sich langsam bewegt, kann panische Angst haben! Und ich bitte sehr darum, dass man vorsichtiger mit dem Wort „Fluchttier“ umgeht, denn dieses Wort ist es, was immer das Gefühl ihn uns weckt, dass jedes Pferd gleich losrennt, wenn es sich fürchtet.

Wenn ein Pferd also langsam wird oder stehen bleibt, dann dürfen wir erst mal durchatmen und uns darauf besinnen , wie oft wir schon gesagt haben „ich lasse meinem Pferd Zeit“. Das ist dann der Moment in dem sich zeigt, wie ernst es uns damit ist. Ich fange dann manchmal an, Sekunden zu zählen. Wie lang wird uns Menschen so eine halbe oder ganze Minute, wenn wir mal abwarten sollen, während unser Pferd Eindrücke verarbeitet!

Aber noch ein anderer Aspekt von „Zeit lassen“ ist mir heute wieder aufgefallen. Wenn meine Freundin und ich zusammen flotte 11km reiten, dann denke ich manchmal, dass der erste Distanzritt nicht mehr fern ist. Aber heute habe ich wieder gelernt, dass er doch noch recht weit weg ist. Denn auf einem Distanzritt würde sich all das aufsummieren was heute auch zusammen kam – und noch mehr. Mehr fremde Pferde, fremde Leute, fremdes Gelände, unerwartete Hindernisse wie ein Bach, eine Brücke oder ein großer Trecker, eine aufgeregte Reiterin und, und, und. Heute waren wir 6,5 km unterwegs und Duncan war am Ende deutlich kopfmüde. Bis wir 25km schaffen, braucht es noch viel mehr Routine und Erfahrung.

Na klar, wir könnten morgen los ziehen. Ich bin sicher, er würde das gut machen. Ich bin aber auch sicher, dass er überfordert wäre. Und das ist dann der Punkt, an dem viele Schülerinnen zu mir kommen: das Pferd lässt sich nicht mehr verladen. Oder es möchte nicht mehr ins Gelände. Oder oder oder. „dabei ist ihm nie was schlimmes passiert“. Tja, oder eben doch, es hat nur keiner wahr genommen….

So wie damals in der Schule, wenn wir etwas gefragt wurden und da war diese unerträgliche Stille und der erwartungsvolle Blick des Lehrers. Und allein das hat uns so unter Druck gesetzt, dass wir ein Blackout hatten. Stellt Euch vor der Lehrer hätte gesagt „wenn du die Antwort kennst, melde dich, auch wenn es erst in 10 Minuten ist“. Wie viel öfter hätten wir die richtige Antwort geben können?

Wenn Duncan und ich uns jetzt öfter an solche Herausforderungen wagen, will ich noch einen Schritt zurücktreten. Noch mehr warten und meinem Pony noch mehr Zeit geben. Warum auch nicht? Es ist nur unser menschliches Gefühl, das uns einflüstert, dass das schneller gehen muss . Üben kann man das überall: an der Supermarktkasse geht es nicht so schnell wie geplant? Gebt dem Menschen vor Euch Zeit. Auf der Landstraße ist ein Trecker den Ihr nicht überholen könnt? Gebt ihm Zeit. Jemand hat Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden? Gebt ihm Zeit. Wenn wir uns das überall angewöhnen, ist es beim Pferd auch nicht mehr so schwer. Und der wirkliche Zeitverlust findet eh nicht in den genannten Situationen statt, das Gefühl trügt. In der Pferdeausbildung sowieso! Mark Rashid sagt „We usually have two options with horses: we can either give them time to think, or wish we had“ (frei übersetzt: in der Regel haben wir zwei Optionen mit Pferden: wir können ihnen entweder Zeit geben, nachzudenken, oder wir können uns wünschen, wir hätten das getan). Denn in der Regel werden die Dinge nicht besser, wenn wir die Bedenkzeit einfach weglassen. Kurzfristig vielleicht, aber langfristig eigentlich nie. Und wenn Duncan nicht so ein Guter wäre, hätte er sich bei zu viel Druck vielleicht entschieden, einen riesigen Satz über den Bach zu machen. Abgesehen davon, dass das für mich unangenehm gewesen wäre, wäre auch der Lerneffekt ein sehr ungünstiger: „Hauptsache schnell rüber, egal wie“ kann nämlich ganz schnell sehr gefährlich werden für Pferd und Reiter.

Mehr Bedenkzeit macht im Endeffekt weniger Bedenken!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 387

Eigentlich hätten wir gestern nochmal ausreiten wollen. Wir wären sogar verabredet gewesen mit dem schönen Spanier! Stattdessen hat es den ganzen Tag ausgiebig geregnet. Mein Mädchen hat da gar nichts dagegen, sie sagt, die Natur kann das Wasser immer noch gut gebrauchen und so einen schönen Landregen wie gestern allemal, dann kann der Boden sich wirklich wieder vollsaugen. Die Weide produziert dann feines Futter für uns und uns Ponys ist es auch lieber wenn es nicht so warm ist.

Mein Mädchen träumt davon, bei so einem Regen ganz gemütlich mit mir allein ausreiten zu gehen. Aber so weit sind wir noch nicht. Deswegen haben wir uns gestern auf eine schöne Runde Wippen beschränkt, das hat Spaß gemacht und ist auch sehr gut für meine Muskulatur und mein Körpergefühl (sagt sie. Ich sage, es ist gut für die Keksrate!).

Heute haben wir uns dann dem großen Thema gewidmet: allein ausreiten. Neuer Versuch! Mein Mädchen war nicht zufrieden mit dem letzten Mal, sie fand mich zu aufgeregt. Sie möchte das gaaaaaaanz entspannt haben. Deswegen haben wir es diesmal anders gemacht: sie ist auf dem Hof schon aufgestiegen und dann sind wir vom Hof runter geritten. Das fand ich etwas kurios und war ein bisschen zögerlich unterwegs, aber ich bin gegangen. Ein paar mal anhalten und Keks kassieren, dann weiter. Schließlich bin ich in Fluss gekommen (so nach 50 oder 100 Metern) und da fand mein Mädchen, es sei Zeit, umzudrehen. Wir also zurück, da war ich ganz entspannt. Und dann nochmal am Hof vorbei – hm. Da war ich wieder nicht überzeugt. Aber ein paar Meter weiter ist sie abgestiegen und hat mich grasen lassen, damit kriegt man mich ja immer! Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir sind NOCHMAL am Hof vorbei geritten! Na gut. Ich bin dann los marschiert, das fand sie toll – absteigen, grasen lassen. Dann wieder aufsteigen und weiter reiten. Und gerade als ich mich entschlossen hatte, fleißig voran zu gehen hat sie mich angehalten und umgedreht. Hä? Wieso denn jetzt zurück? Das ist komisch. Sie hat gelacht und gesagt, genau so will sie es haben. Ich soll nicht nach hause wollen, denn wenn ich dringend nach hause will bin ich eigentlich überfordert. Mir ist das alles zu theoretisch, aber ich bin jedenfalls insgesamt ganz zufrieden damit wie es gelaufen ist und mein Mädchen ist sogar sehr doll zufrieden. Sie sagt, wir erarbeiten uns das Meter für Meter. Und wenn sie das sagt, dann MEINT sie Meter für Meter. Weil sie ja überzeugt ist, dass der langsame Weg der schnellere ist und vor allem der entspanntere. Ach, mir alles egal, hauptsache Grasen und Kekse und Abenteuer!

Jetzt geh ich weiter wachsen und mich ganz erwachsen und großartig fühlen.

Euer allein-Rausgeher Sir Duncan Dhu of Nakel