Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 388

Menno, mein Mädchen hat ja gestern schon das beste verraten! Aber ich wette, ihr wollt nochmal alle Details darüber hören, was für ein groß(artig)es Pony ich bin, oder?

Es war so: die Nacht war regnerisch und wir waren auf der Weide und entsprechend waren wir morgens noch sehr müde. Normalerweise ist mein Mädchen ja nie so früh im Stall aber diesmal kam sie wirklich zur Unzeit! Und normalerweise, wenn sie sieht, dass wir liegen und schlafen, geht sie weg und kommt später wieder, wenn wir ausgeschlafen sind. Aber diesmal ging das nicht, denn wir waren verabredet! Also mussten wir leider aufstehen. Seufz….

Wenigstens gab es einen Keks ans Bett.

Aber zum Glück ging es nicht gleich los mit laufen und aufpassen, sondern erst mal zu einer Heumahlzeit in die Wackelkiste, da konnten wir in Ruhe aufwachen. Wir sind nämlich wieder zu Ritter Willibald gefahren. Ach da hab ich mich gefreut, den wieder zu sehen! Ich dachte, ich nehme ihn mal offiziell in meinen Freundeskreis auf mittels einer Runde Popo-Kneifen – ich meine ehrlich: Willi hat den größten, rundesten, stattlichsten Po den ich je gesehen habe, wie soll ich denn da NICHT reinkneifen wollen! War aber bedauerlicherweise nicht erlaubt. Noch nicht mal schnüffeln oder lecken…. ach schade aber auch. Nur gucken, nicht anfassen, hat mein Mädchen gesagt.

Naja, wir sind also wieder zusammen los gezogen, Willibald, Diego und ich mit jeweiligem Reiter. Die beiden Großen vorneweg und ich hinterher. Ab in den Wald – da war es ganz schön rutschig von dem vielen Regen! Da musste man gut auf seine Füße aufpassen, aber ich kann das ja perfekt, weil ich in den Wintern zu hause immer so viel mit Gatsby spiele und da ist es auch rutschig. Man muss immer nur sehen dass man den rutschenden Fuß fix wieder unter den Körper zieht, dann geht das.

Nach einer Weile wurde der Weg besser und wir sind ein kleines Stück getrabt, aber nur ganz langsam. Weil Diego vorneweg gelaufen ist und der fand den Boden nicht so gut und das Gelände sehr fremd und meinte, da trabt man lieber nur so ganz verhalten. Ich hätte mich da mehr getraut und wollte das auch per Popo-Kneif-Post über Willi nach vorne durchgeben (also ich kneife Willi und Willi kneift Diego und dann weiß Diego dass er mal schneller traben soll) aber auch das war wieder nicht erlaubt. Menno.

Nach dem Trab ging es auf einen schmalen Waldweg und da ging es steil bergab! Ich war schon dabei, die Pobacken zusammenzukneifen um mein Mädchen da runter zu tragen, da meinte sie, das wäre nix und ist lieber abgestiegen. Fand ich nett von ihr. Ich hätte das aber geschafft! Na, so ist sie ein Stück zu Fuß gegangen bis wir den Berg geschafft hatten und noch etwas weiter zu einem schönen Aufsteigestein und dann wieder aufgestiegen. Tja, nun weiß ich ja schon: ist man einen Berg runter geklettert, muss man woanders wieder hoch! Und so war es dann auch. Willi ist da ja gut trainiert der marschiert einfach ein Tempo durch. Ich hab zwischendurch etwas Schwung geholt, weil das da echt steil wurde.

Weil ich die ganze Zeit hinter Willi her laufen sollte und immer diesen Po vor mir gesehen habe und nicht rein kneifen durfte, war ich langsam etwas maulig, da hat Willis Reiterin gesagt, ich könnte ja auch vorne laufen. Ich? Das kleinste Pony soll die ganze Verantwortung tragen? Ja, sollte ich. Und mein Mädchen meinte, ich kann das auch. Im fremden Gelände. Na gut, dann bin ich also los marschiert! Und hab natürlich alles perfekt gemacht. Besonders das klein sein, das kann ich gut: mein Mädchen konnte wieder überall problemlos durch reiten wo die anderen beiden gut überlegen mussten, wie sie weiter kommen ohne einen Ast ins Gesicht zu kriegen. Tja, kleine Ponys haben große Vorteile!

Aber dann kam der Fluß! Ein reißendes Gewässer! Da war ich mir dann doch nicht mehr so sicher. Man weiß ja nie! Es könnte da zum Beispiel Krokodile oder Piranhas geben! Oder fiese Stromschnellen, die einen weg reißen! Also nur nicht zu voreilig da rein. Ich hätte es ja einfacher gefunden, wenn einer der Großen da vor marschiert und schaut ob es sicher ist, aber die haben gesagt, ich wäre auch groß genug, das zu schaffen. Naja und nachdem alle mir Mut zugesprochen haben und ich für die ersten Schritte Richtung Ufer ein paar Kekse kassiert hatte, bin ich dann eben doch rein gegangen in die Fluten. Ich fand mich sehr mutig! Und dann wollte ich flink wieder raus und bin einfach schnell ans andere Ufer geschwommen – na gut, gelaufen. Dort hat mein Mädchen mich endlos gefeiert und viele Kekse raus gerückt, das fand ich sehr nett.

Stromschnellen? Schlingpflanzen? Womöglich sogar Haie? Und ich trage die Verantwortung…..

Gegen Ende des Ausritts war ich zugegebenermaßen etwas kopfmüde, aber ich mag das ja, mal so richtig was zu erleben! Also ist mein Mädchen das letzte Stück zu Fuß gegangen. Wieder an der Wackelkiste angekommen war ich doch sehr traurig, dass Willibald wieder nach hause gegangen ist – ich dachte, er ist jetzt mein Freund und kommt mit zu uns! Aber so ist das wohl, manche Freunde sieht man nur manchmal. Wir sind jedenfalls schon wieder für die nächste Tour verabredet, da freu ich mich drauf!

Euer mutiger Flussüberquerer Sir Duncan Dhu of Nakel

Bedenkzeit

Duncan stoppt 3 Meter vor den „reißenen Fluten“. Er ist schon eine längere Strecke mutig voran gegangen durch das fremde Gelände, aber das ist ihm jetzt doch nicht ganz geheuer. Hinter uns stehen zwei erfahrene Pferde – würde einer von den beiden vor gehen, wäre es sicher gar kein Thema, Duncan würde sofort hinterher dackeln. Aber ich finde, mit fast 5 Jahren und über einem Jahr Reit-Erfahrung können wir mal versuchen, das Problem ohne Hilfe zu lösen. Und so ist heute der erste Tag gewesen an dem wir so eine Herausforderung ohne Führpferd und ohne Absteigen gemeistert haben. (Hier bitte einen gedanklichen Tusch abspielen!)

Neulich wurde auf Facebook gefragt, was wohl das wichtigste sei, was man im Zusammensein mit Pferden gelernt hätte. Es hat mich etwas Zeit – Bedenkzeit! – gekostet, bevor ich die Antwort kannte: Zeit lassen.

Zeit lassen wird in meinen Augen oft falsch verstanden. Viele scheinen „Zeit lassen“ gleich zu setzen mit „nichts tun“. So lassen sie ihren Jungpferden ganz viel Zeit – nämlich zum fressen, spielen und schlafen – aber dann, wenn es los geht, dann ist plötzlich Schluss mit Zeit lassen. Dann geht es los.

Duncan gehört einer Pferderasse an, die nicht unbedingt „Fluchttiere“ sind. Ich mag es nicht mehr hören, wie jedes Pferd pauschal als Fluchttier bezeichnet wird. Gerade den Tinkern wird das so oft zum Verhängnis, aber auch die Highlandponys und andere britische Ponyrassen sind da ganz vorn mit vertreten, denn meistens kommt bei ihnen lange vor der Flucht erst mal Erstarrung. Und diese Erstarrung wird ihnen dann als „Sturheit“ oder „Faulheit“ ausgelegt. Erst wenn man sie durch diese Erstarrung durch drückt, löst man die Flucht aus. Und leider kann man in diesem Video von unserer heutigen Heldentat sehen, dass auch mir genau das passiert ist. Als Duncan mit den Vorderhufen im Wasser stand, war in meinem Kopf das Problem gelöst. Er hätte dort aber noch einmal Zeit gebraucht um in Ruhe zu verarbeiten, wo er ist und was er jetzt tun soll und kann. Stattdessen habe ich ihn zu energisch zum Weitergehen aufgefordert und ihn dadurch unnötig beschleunigt. Asche auf mein Haupt!

Duncan bezwingt die reißenden Fluten

Neulich mit dem Regenschirm habe ich es besser hinbekommen. Anstatt – nur weil Duncan nach außen hin nicht auf den Schirm reagiert hat – das Thema bis zum letzten auszureizen und noch mit dem Schirm in der Hand los zu reiten, habe ich den Absprung (im wahrsten Sinne des Wortes) geschafft und lieber zu früh als zu spät aufgehört.

Der Unterschied zwischen den beiden Situationen lag in meiner mentalen Verfassung: einmal war ich frei in meiner Entscheidung, das andere mal habe ich (unnötiger weise) gedacht, meine Mitreiter wollen ja auch weiter. Dadurch habe ich mir nicht genug Zeit genommen, obwohl das natürlich überhaupt kein Thema gewesen wäre. Da hab ich noch was zu üben! Mein Pony hingegen hat das großartig gemacht: hinschauen, auf Aufforderung einen Schritt näher, wieder hinschauen. Nase ins Wasser tunken, überlegen. Wieder einen Schritt vor, wieder überlegen.

Neulich habe ich einen schönen Satz dazu gelesen, der von John Lyons kommen soll „A safe horse ist always quiet, but a qiuet horse isn´t neccessarily safe“ (ein sicheres Pferd ist immer ruhig, aber ein ruhiges Pferd ist nicht notwendigerweise sicher). Und genau das ist der Punkt: nur weil ein Pferd ruhig aussieht, muss es das nicht sein. Auch Profis können übersehen, dass ein Pferd angespannt ist. Bei Diego zum Beispiel ist selbst für uns, die wir ihn seit über 10 Jahren kennen, die Aufregung oft nur an der Äppel-Quote erkennbar. Oder für mich erfühlbar daran, dass er seine Wirbelsäule krumm zieht. Ein Pferd, dass sich langsam bewegt, kann panische Angst haben! Und ich bitte sehr darum, dass man vorsichtiger mit dem Wort „Fluchttier“ umgeht, denn dieses Wort ist es, was immer das Gefühl ihn uns weckt, dass jedes Pferd gleich losrennt, wenn es sich fürchtet.

Wenn ein Pferd also langsam wird oder stehen bleibt, dann dürfen wir erst mal durchatmen und uns darauf besinnen , wie oft wir schon gesagt haben „ich lasse meinem Pferd Zeit“. Das ist dann der Moment in dem sich zeigt, wie ernst es uns damit ist. Ich fange dann manchmal an, Sekunden zu zählen. Wie lang wird uns Menschen so eine halbe oder ganze Minute, wenn wir mal abwarten sollen, während unser Pferd Eindrücke verarbeitet!

Aber noch ein anderer Aspekt von „Zeit lassen“ ist mir heute wieder aufgefallen. Wenn meine Freundin und ich zusammen flotte 11km reiten, dann denke ich manchmal, dass der erste Distanzritt nicht mehr fern ist. Aber heute habe ich wieder gelernt, dass er doch noch recht weit weg ist. Denn auf einem Distanzritt würde sich all das aufsummieren was heute auch zusammen kam – und noch mehr. Mehr fremde Pferde, fremde Leute, fremdes Gelände, unerwartete Hindernisse wie ein Bach, eine Brücke oder ein großer Trecker, eine aufgeregte Reiterin und, und, und. Heute waren wir 6,5 km unterwegs und Duncan war am Ende deutlich kopfmüde. Bis wir 25km schaffen, braucht es noch viel mehr Routine und Erfahrung.

Na klar, wir könnten morgen los ziehen. Ich bin sicher, er würde das gut machen. Ich bin aber auch sicher, dass er überfordert wäre. Und das ist dann der Punkt, an dem viele Schülerinnen zu mir kommen: das Pferd lässt sich nicht mehr verladen. Oder es möchte nicht mehr ins Gelände. Oder oder oder. „dabei ist ihm nie was schlimmes passiert“. Tja, oder eben doch, es hat nur keiner wahr genommen….

So wie damals in der Schule, wenn wir etwas gefragt wurden und da war diese unerträgliche Stille und der erwartungsvolle Blick des Lehrers. Und allein das hat uns so unter Druck gesetzt, dass wir ein Blackout hatten. Stellt Euch vor der Lehrer hätte gesagt „wenn du die Antwort kennst, melde dich, auch wenn es erst in 10 Minuten ist“. Wie viel öfter hätten wir die richtige Antwort geben können?

Wenn Duncan und ich uns jetzt öfter an solche Herausforderungen wagen, will ich noch einen Schritt zurücktreten. Noch mehr warten und meinem Pony noch mehr Zeit geben. Warum auch nicht? Es ist nur unser menschliches Gefühl, das uns einflüstert, dass das schneller gehen muss . Üben kann man das überall: an der Supermarktkasse geht es nicht so schnell wie geplant? Gebt dem Menschen vor Euch Zeit. Auf der Landstraße ist ein Trecker den Ihr nicht überholen könnt? Gebt ihm Zeit. Jemand hat Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden? Gebt ihm Zeit. Wenn wir uns das überall angewöhnen, ist es beim Pferd auch nicht mehr so schwer. Und der wirkliche Zeitverlust findet eh nicht in den genannten Situationen statt, das Gefühl trügt. In der Pferdeausbildung sowieso! Mark Rashid sagt „We usually have two options with horses: we can either give them time to think, or wish we had“ (frei übersetzt: in der Regel haben wir zwei Optionen mit Pferden: wir können ihnen entweder Zeit geben, nachzudenken, oder wir können uns wünschen, wir hätten das getan). Denn in der Regel werden die Dinge nicht besser, wenn wir die Bedenkzeit einfach weglassen. Kurzfristig vielleicht, aber langfristig eigentlich nie. Und wenn Duncan nicht so ein Guter wäre, hätte er sich bei zu viel Druck vielleicht entschieden, einen riesigen Satz über den Bach zu machen. Abgesehen davon, dass das für mich unangenehm gewesen wäre, wäre auch der Lerneffekt ein sehr ungünstiger: „Hauptsache schnell rüber, egal wie“ kann nämlich ganz schnell sehr gefährlich werden für Pferd und Reiter.

Mehr Bedenkzeit macht im Endeffekt weniger Bedenken!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 387

Eigentlich hätten wir gestern nochmal ausreiten wollen. Wir wären sogar verabredet gewesen mit dem schönen Spanier! Stattdessen hat es den ganzen Tag ausgiebig geregnet. Mein Mädchen hat da gar nichts dagegen, sie sagt, die Natur kann das Wasser immer noch gut gebrauchen und so einen schönen Landregen wie gestern allemal, dann kann der Boden sich wirklich wieder vollsaugen. Die Weide produziert dann feines Futter für uns und uns Ponys ist es auch lieber wenn es nicht so warm ist.

Mein Mädchen träumt davon, bei so einem Regen ganz gemütlich mit mir allein ausreiten zu gehen. Aber so weit sind wir noch nicht. Deswegen haben wir uns gestern auf eine schöne Runde Wippen beschränkt, das hat Spaß gemacht und ist auch sehr gut für meine Muskulatur und mein Körpergefühl (sagt sie. Ich sage, es ist gut für die Keksrate!).

Heute haben wir uns dann dem großen Thema gewidmet: allein ausreiten. Neuer Versuch! Mein Mädchen war nicht zufrieden mit dem letzten Mal, sie fand mich zu aufgeregt. Sie möchte das gaaaaaaanz entspannt haben. Deswegen haben wir es diesmal anders gemacht: sie ist auf dem Hof schon aufgestiegen und dann sind wir vom Hof runter geritten. Das fand ich etwas kurios und war ein bisschen zögerlich unterwegs, aber ich bin gegangen. Ein paar mal anhalten und Keks kassieren, dann weiter. Schließlich bin ich in Fluss gekommen (so nach 50 oder 100 Metern) und da fand mein Mädchen, es sei Zeit, umzudrehen. Wir also zurück, da war ich ganz entspannt. Und dann nochmal am Hof vorbei – hm. Da war ich wieder nicht überzeugt. Aber ein paar Meter weiter ist sie abgestiegen und hat mich grasen lassen, damit kriegt man mich ja immer! Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir sind NOCHMAL am Hof vorbei geritten! Na gut. Ich bin dann los marschiert, das fand sie toll – absteigen, grasen lassen. Dann wieder aufsteigen und weiter reiten. Und gerade als ich mich entschlossen hatte, fleißig voran zu gehen hat sie mich angehalten und umgedreht. Hä? Wieso denn jetzt zurück? Das ist komisch. Sie hat gelacht und gesagt, genau so will sie es haben. Ich soll nicht nach hause wollen, denn wenn ich dringend nach hause will bin ich eigentlich überfordert. Mir ist das alles zu theoretisch, aber ich bin jedenfalls insgesamt ganz zufrieden damit wie es gelaufen ist und mein Mädchen ist sogar sehr doll zufrieden. Sie sagt, wir erarbeiten uns das Meter für Meter. Und wenn sie das sagt, dann MEINT sie Meter für Meter. Weil sie ja überzeugt ist, dass der langsame Weg der schnellere ist und vor allem der entspanntere. Ach, mir alles egal, hauptsache Grasen und Kekse und Abenteuer!

Jetzt geh ich weiter wachsen und mich ganz erwachsen und großartig fühlen.

Euer allein-Rausgeher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 386

Also, eins muss ich meinem Mädchen lassen: Wenn sie etwas fest verspricht, dann hält sie sich auch dran. Also ging es gestern los. Das Wetter macht ja was es will: kommt die Sonne raus und der Wind ist weg, dann ist es heiß, kommt die nächste Regenwolke ist es kalt, windig und nass. Mein Mädchen und der Mann waren daher total ratlos, was wohl anzuziehen sei. Na, ich bin ja Gentleman und trage ihre Jacke so lange es zu warm ist. Nachher war sie sehr froh drum, dass sie die anziehen konnte!

Gut dass sie mich hat – unter anderem zum Jacke tragen!

Ich war eher gemütlich gelaunt, aber trotzdem haben wir ein kleines Galöppchen hingelegt, einfach so, weil wir das jetzt so gut können. Ansonsten sind wir fast nur im Schritt unterwegs gewesen, 10km in 2 Stunden.

Am Ende war ich recht bummelig und Diego hatte es eilig, da hat mein Mädchen zum Mann gesagt, er braucht den armen Diego nicht immer bremsen, sie schaut mal, was ich so denke wenn der Abstand größer wird. Ich hab da meine Regeln: so lange Diego gut in Sichtweite ist, ist es mir egal. Aber wenn er um die Kurve verschwindet, finde ich, dass es Zeit ist aufzuholen. Mein Mädchen fand das aber nicht. Stattdessen haben wir etwas Schulterherein geübt, was ich jetzt schon richtig gut kann. Wenn ich es gut gemacht hab, hab ich einen Keks bekommen. Dadurch wurde aber der Abstand zu Diego immer größer, weil ich für den Keks ja anhalten muss! Naja, mein Mädchen meinte, wir schaffen das und ist weiter geritten. An Nachbars Hengst vorbei – der hat da sein komisch hohes Quietschestimmchen erklingen lassen, keine Ahnung was bei dem eigentlich los ist. Als ich mich dann etwas entspannt hab, ist sie abgestiegen und den Rest zu Fuß gegangen. Zu hause hat sie mich aber nicht gleich abgesattelt, denn wir hatten noch einen Auftrag! Ihr wisst ja, ihr dürft immer Wünsche äußern worüber ich euch was erzählen soll. Und einer meiner Fans (oder Groupies?) hatte sich ein Regenschirmreitvideo gewünscht. Nun, ich bin ja grundsätzlich ein furchtloser Ritter aber mein Mädchen hatte Sorge, ich könnte mich doch etwas erschrecken. Deswegen hat sie mir der Schirm erst mal gezeigt. Ist schließlich lang her, dass ich was mit einem Regenschirm zu tun hatte! Aber das hat mich nicht gestört.

Erst mal testen ob der Schirm mich stört. Tut er nicht.

Dann hat sie beschlossen, mit dem Regenschirm in der Hand aufzusteigen. Na klar, das hat sie wieder in äußerster Eleganz hinbekommen. Nicht. Aber ich kenne sie ja und ich bin ein sehr geduldiges Pony…. Aufs Losreiten hat sie dann verzichtet. Weil ich das alles so toll gemacht hatte und sie fand, ich sollte jetzt Feierabend machen.

Na, mein Mädchen, wird’s denn gehen?

Heute wollen wir dann nochmal los, diesmal vielleicht sogar mit der Wackelkiste. Aber erst warten wir den Regen ab, denn mit dem Schirm in der Hand reitet es sich halt doch nicht ganz so gemütlich und ich glaube im Galopp könnte es sein, dass mein Mädchen dann einfach weg fliegt! Das will ich ja auch nicht – wer soll mir dann meine Kekse geben?

Zwischen den Ausritten beschäftige ich mich mit wachsen. Mein Mädchen erkennt dass daran dass ich viel liege, manchmal pubertär und manchmal sehr gemütlich bin und es in meiner Hüfte beim laufen manchmal laut „plopp, plopp“ macht. Und ich mag dann nicht gebürstet werden, ganz egal wie weich die Bürste ist. Das müsst ihr Menschen nicht verstehen. Mein Mädchen sagt, erwachsen werden ist harte Arbeit, sie erinnert sich noch sehr gut daran und deswegen ist das voll ok wenn ich dann mal nicht ganz ich selbst bin. Sie weiß ja inzwischen auch, dass das nur eine Phase ist und ich danach noch viel schöner, stärker und wundervoller bin als vorher!

Euer (er)wachsender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 385

Mädchen! So geht das nicht! Weißt Du wann wir zum letzten Mal ausreiten waren? Ich kann mich kaum noch daran erinnern, so lange ist das her! Immer nur auf dem Platz im Kreis Yoga machen ist doch kein Leben für einen Ritter! Und ich mache nur noch mit, weil ich so furchtbar nett bin.

Mein Mädchen hat sich 10000 mal bei mir entschuldigt. Erst war Wetter, dann waren Kopfschmerzen wegen Wetter, dann waren hundert andere Sachen. Und ich bin ja so ein Guter und dackel jedes Mal wieder Richtung Reitplatz mit ihr. Aber langsam ist es mal genug! Dann war noch Satteltest, das hat es gar nicht besser gemacht. Also es ist so: fürs Gelände haben wir ja jetzt einen tollen Sattel. Aber auf dem Platz finden wir den nicht so toll. Der braucht immer so 5-10 Minuten bis er warm geritten ist und das ist irgendwie schon unsere halbe Reitzeit. Und dann ist er hoch und schwammig, so fürs Dressurreiten geht das nicht so toll. Und das Pad was wir haben ist zwar ganz ok, lässt aber die Beine von meinem Mädchen unverhältnismäßig lang an meinem schlanken(!) Bauch herabhängen, was nicht gut ist, wenn sie Signale mit der Wade geben möchte. Ach, es ist wieder ein Drama! Also hat sie sich wieder Sachen geliehen zum ausprobieren. Hinbasteln, herbasteln, probereiten, feststellen, dass das Mist ist und alles wieder abbauen. Das zerrt an meinen Nerven, Mädchen! Und dann wie gesagt kein Ausritt. So hatten wir das damals aber nicht besprochen, mein Mädchen! Damals, vor fast 4 Jahren, hast Du mir fest versprochen, dass wir Abenteuer erleben und raus gehen! Und jetzt reiche ich eine Protestnote ein.

Am Donnerstag waren wir dann WIEDER auf dem Reitplatz. Diesmal hatte mein Mädchen Unterricht. Aber selbst das läuft ja nicht wie es soll. Diego und Merlin haben mir erzählt, dass Unterricht toll ist, weil man da einen Reitlehrer in der Mitte hat, mit dem man flirten kann und der gelegentlich sogar einen Keks raus rückt. Außerdem findet er einen toll und lobt ständig. Aber was soll ich euch sagen: Nichts dergleichen passiert! Weil der Reitlehrer von meinem Mädchen jetzt so weit weg wohnt, macht sie nämlich jetzt Online-Unterricht. Das heißt sie hat nur diesen Knopf im Ohr und ich kann den Reitlehrer nicht sehen und schon gar nicht anfassen! Er kann mir auch nicht vormachen, was ich machen soll. Ach menno.

Bei Merlin damals, da lief das so:

So leicht hatte Merlin das damals! Und ich?

Ja DAS ist doch einfach. Aber ich gucke mal wieder in die Röhre, ich muss selbst rausfinden was ich denn nun machen soll, nachdem mein Mädchen es in ihrem Ohr gehört und dann in ihrem Körper einigermaßen knapp umgesetzt gekriegt hat. Und das alles auch noch mit Motivation, bitte, obwohl der letzte Ausritt bereits eine ganze Ewigkeit her ist. Also habe ich zu meinem Mädchen gesagt: dieses eine Mal mache ich noch mit. Danach bin ich für Yoga erst wieder zu haben, nachdem wir zwei, drei schöne Ausritte gemacht haben. Und nachdem ich dann im Unterricht brilliert habe, hat sie gesagt, wir machen jetzt eine Platz-Pause. Wir üben jetzt das Reiten auf dem Sommerreitplatz (mit Galopp!) und wir üben alleine ausreiten (ohne Galopp, schade) und wir gehen mit Diego dem Großen ausreiten. Und wenn sie keine Zeit oder Lust hat, gehen wir wippen. Das ist doch mal ein guter Plan und danach mag ich bestimmt auch mal wieder Yoga machen. Ach und mein Spaziergehkumpel ist auch bald wieder „im Dienst“ dann können wir wieder zusammen traben gehen.

Mit diesen versöhnlichen Aussichten starte ich jetzt ins Wochenende und hoffe, dass mein Mädchen diese Versprechen alle einhält.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem Burgkoller

Harmonie

Um Harmonie herzustellen, braucht es zwei. Das klingt nach einer Binsenweisheit, oder? Ich hätte das auch vermutet, wenn es mir jemand so gesagt hätte. Aber so richtig klar war es mir eigentlich nicht. Ich bin ein ziemlich harmoniesüchtiger Mensch, ich hasse Streit. Das wurde mir in der Vergangenheit oft zum Verhängnis, weil ich ausgenutzt, manipuliert oder anderweitig schlecht behandelt wurde. Dann habe ich eingesehen, dass ich zwei Möglichkeiten habe: ich lerne, mit manchen Menschen zu „streiten“, also in irgendeiner Form für mich einzustehen, und gleichzeitig verbanne ich so viele dieser Menschen wie möglich aus meinem Leben. Leichtes Spiel für mich, da ich ja selbständig bin und es zum Glück wirklich genug nette Leute gibt, die meine Arbeit mögen und wertschätzen. Und im privaten Umfeld kann ich mir ja sorgfältig aussuchen, mit welchen Menschen ich mich umgebe.

Um Harmonie herzustellen, braucht es nämlich zwei, und wenn mein Gegenüber nicht daran interessiert ist, kann ich mich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln, das wird nichts ändern.

Da musste erst Elsa Sinclair kommen und mir einen völlig neuen Blick auf die Pferdewelt eröffnen, damit mir das in dieser Deutlichkeit vor Augen geführt wird und ich entdecke, wie ich echte Harmonie mit meinem Pony erreichen kann. Nicht die Art von „Harmonie“ die wir oft sehen, bei der in Wirklichkeit ein Partner (nämlich das Pferd) einfach das macht, was der andere sagt. Das ist keine echtes Einverständnis zweier Lebewesen, das ist Gehorsam, Erziehung, gute Ausbildung – nenne es wie Du willst. Es ist nichts schlechtes daran, aber es ist keine Harmonie, bei der der Gleichklang dadurch entsteht, dass jeder seinen eigenen Anteil hat und etwas dazu beiträgt, dass die Verbundenheit bestehen bleibt. Vergleichbar vielleicht so: wenn ich – als absolute Null im Tanzen – jetzt mit einem hervorragenden Tänzer tanzen würde, dann könnte der mich vielleicht so gut führen, dass ich mich eingermaßen durch einen Wiener Walzer stolpern könnte. Harmonie wäre da nicht, ich müsste einfach zusehen, dass ich mich möglichst gut anpasse und er müsste 100% der Verantwortung übernehmen für die Schrittfolge und die Bewegungen die wir machen. Wenn er genügend Geschick hat und den Tanz ganz einfach wählt, kommen wir mit Glück so durch, dass ich ihm nicht auf die Füße trete. Das ist oft das, was wir in der Pferdeausbildung tun: Erfahrene Ausbilder wählen eine Aufgabe so, dass das Pferd sie einigermaßen erfüllen kann, wenn man sie gut durch führt. Wenn man dann aber versucht, einen Laien das selbe tun zu lassen, wird es nicht klappen, weil Pferd und Reiter dann nicht wissen, wie es geht.

Wenn wir aber unser Pferd mitnehmen in den Prozess, wenn wir üben, wie wir gemeinsam (!) Übereinstimmung herstellen können, wie jeder sich ein bisschen an den anderen anpasst, dann kann echte Harmonie entstehen. Und die fühlt sich vor allem fürs Pferd ungleich besser an, als das reine „geführt werden“. Das heißt, wenn das Pferd dieses Gefühl immer wieder mit uns findet, wird es anfangen, danach zu suchen und besser mit uns zu kommunizieren. Es wird auf eine für uns verständliche Art und Weise ankündigen, was es gleich zu tun gedenkt, was uns wiederum die Möglichkeit gibt, der Bewegung zu folgen. Umgekehrt können wir dann unsere Bewegungen so ankündigen, dass das Pferd wirklich die Möglichkeit hat, sich MIT uns zu bewegen anstatt immer leicht hinterher zu hängen.

Wer passt sich wem an?

Als einfachste Methode das zu üben empfinde ich den Gleichschritt. Dort können wir Menschen uns zur Not zu 100% ans Pferd anpassen. Und dann passiert die Magie: das Pferd fängt an, sich auch an uns anzupassen. Und beide gemeinsam finden heraus, wie es am besten funktioniert.

Das setzt natürlich voraus, dass das Pferd grundsätzlich an Harmonie interessiert ist! Manchmal ist es das nicht. Weil es zum Beispiel gerade erst erwachsen wird. Ich weiß genau, wann Duncan wieder einen Pubertätsschub hat, weil er dann sowohl in der Herde als auch bei mir nicht freundliche Gemeinschaft sucht, sondern Grenzen .

Aber auch wenn ein Pferd gar nicht weiß, dass Harmonie mit Menschen möglich ist und wie sie funktionieren kann, wird es nicht danach suchen. Ein Pferd kann das wohl nur wissen, wenn es das erst mal von anderen Pferden gelernt hat. In einem vernünftigen Herdenverband passiert das von allein. Aber auf Jungpferdekoppeln habe ich da ehrlich gesagt so meine Zweifel, denn die jungen suchen oft nach Grenzen und eher selten nach friedlicher Übereinstimmung. Wenn niemand da ist, der ihnen die Harmonie anbietet, wissen sie vielleicht nie, dass es dieses gute Gefühl überhaupt gibt. Und wenn so ein unnatürlich aufgewachsenes Tier danach noch von einem Pensionstall in den anderen umzieht (leider traurige Realität), dann wird es auch keine stabile Herde vorfinden, in der es nachträglich lernen kann, wie schön dieses gegenseitige Anpassen ist.

Hat das Pferd auf normalem Wege von den anderen Pferden gelernt, dass diese Art des Zusammenseins ein erstrebenswerter Zustand ist und wie man da gemeinsam hinein findet, dann muss es auch noch lernen, wie das mit dem Menschen geht. Denn Menschen sind keine Pferde, so viel steht fest. Menschen bewegen sich anders, haben keinen Schweif und keine beweglichen Ohren, sind viel zu langsam und so weiter. Außerdem sind Menschen nicht so lang wie Pferde. Und ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass das eins der größeren Probleme in der natürlichen Kommunikation ist . Ich kann als Mensch entweder neben der Schulter oder neben der Kruppe oder neben dem Kopf meines Pferdes stehen, aber ich kann nicht – wie ein anderes Pferd das kann – meine Schulter an seiner Schulter ausrichten während unsere Hintern nebeneinander sind und unsere Köpfe auch. So bleibt eine Menge Raum vor und hinter mir übrig, den ich nur imaginär füllen kann. Darum ist es auch so schwierig für Pferde, geradeaus neben ihren Menschen her zu gehen ohne zu schwanken, zu drängeln, sich seitlich zu verschieben oder weg zu driften.

Das Pferd darf also lernen, wie es Harmonie mit dem Menschen herstellen kann und der Mensch darf lernen, wie er Harmonie mit dem Pferd herstellen kann. Beide müssen erst herausfinden, wie gut sich das anfühlt. Beide dürfen die Erfahrung machen, dass man manchmal nicht mehr sicher ist, wer die Bewegung initiiert hat. Diese Art von Übereinstimmung ist genauso fragil wie Gleichgewicht. An beidem zu arbeiten ist meditative Konzentrationsarbeit, sieht von außen oft komplett unspektakulär aus, bringt uns aber dem näher, wonach wir uns gerade im Zusammensein mit unseren Pferden so oft sehnen und wovon viele von uns von Kindesbeinen an träumen: echte Verbundenheit mit unserem Pferd.

Wer die nicht sucht und darauf keine Lust hat, braucht keinen Unterricht bei mir zu nehmen. Systeme, in denen das Pferd nur „dressiert“ wird, interessieren mich nicht mehr. Aber zum Glück bin ich damit ja nicht allein. Viele träumen von der tiefen Verbindung zum geliebten Vierbeiner. Ein bisschen Gleichschritt gehen üben mag lächerlich wirken, kann uns unserem Ziel aber ein großes Stück näher bringen. Und in den letzten Wochen gab es mehrere Momente wo Duncan und ich plötzlich im Gleichschritt unterwegs waren, obwohl ich das gar nicht geplant hatte. Mein Highlight war, als ich Duncan vom Rundlauf abgeholt hatte und einfach losgerannt bin, er frei hinter mir her, dann setzte er zum Überholen an (dachte ich). Und plötzlich trabte er genau so neben mir wie ich lief, im perfekten Gleichschritt den ganzen Weg runter. Und das obwohl er mir jahrlang versichert hat, dass ich dafür einfach viel zu langsam bin! Momente wie dieser sind es, in denen ich ganz klar fühle: ich bin meinem Pony wichtig. Mit mir zusammen zu sein, bedeutet ihm etwas. Immer wenn ich ihn in der Herde mit einem seiner Kumpel im Gleichschritt sehe, denke ich „die beiden sind Freunde“. Und nach mehreren Erlebnissen dieser Art in den letzten Wochen denke ich, ich kann das auch über uns sagen: Wir sind Freunde.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 384

Also mein Mädchen und ich haben ja rechts abbiegen geübt. Und plötzlich hatte ich es raus und alles ging ganz fein. Und dann, ein paar Tage später ging es plötzlich links herum nicht mehr so gut! Also abbiegen schon- sozusagen etwas zu gut, weil ich immer die Kreise verkleinert hab. Mein Mädchen hat mit mir geübt und dann nochmal geübt und dann hat sie gesagt „ich glaub du musst zum Osteopathen, du bist ja ganz schief!“.

Also hat sie den Osteopathen bestellt. Der wohnt ja zum Glück hier und ist mit meinem Mädchen verheiratet, das ist voll praktisch. Also Sonntag morgen war großer Check. Und mein Mädchen will ja immer was neues lernen deswegen hat sie gesagt, sie will versuchen, selbst zu sehen was da los ist. Sie hatte eh schon so eine Ahnung, weil sie das Gefühl vom Reiten schon kennt. Der Mann hat mich geführt und sie hat von hinten auf meinen schönen Po geguckt. Danach hat sie mich geführt und der Mann hat mich von allen Seiten beguckt. „Und?“ hat er dann gefragt, „was denkst Du?“ Meine linke Poseite ging nicht so gut runter wie die rechte. Hat sie gesehen. Und auch schon vermutet, dass die linke Poseite auch nicht so gut nach hinten schwingt wie die rechte. Der Mann hat das bestätigt. Dann hat sie gesagt „du weißt, deine Stäbchen mag der nicht. Also wenn du es ohne machen kannst, sind wir dir dankbar“. Der Mann hat nämlich so Stäbchen, mit denen er über die Muskeln geht, damit man als Pony bestimmte Bewegungen macht. Kann ich aber gar nicht leiden! Deswegen hat er es dann ohne Stäbchen gemacht. Hat an meinem Bein gezogen, damit sich da alles wieder löst. Dabei hat er mich einmal ganz schön aus dem Gleichgewicht gebracht! Da hab ich ihn böse angefunkelt und mein Mädchen hat gelacht und gesagt, jetzt wäre ich ihm doch wieder gram. Naja.

Der Mann fühlt ob mein Genick gerade ist. Ja, ist es. 

Bisschen Massage für den verspannten Muskel. Aber der ist schon viel besser geworden.

Nachdem mein Hintern dann wieder halbwegs gerade gerichtet war, hat der Mann noch mein Genick gecheckt, da war aber alles in Ordnung. Dann noch einen Muskel in Hals, der immer etwas verspannt war, aber das ist besser geworden sagt er. Und dann wollte mein Mädchen noch wissen, wie das jetzt mit dem Beinkreisen sein soll. Weil ich beim Laufen meine Hinterbein etwas ungünstig drehe, soll ich nämlich außer Training auch noch mehr Wellness kriegen. Heißt in diesem Fall, dass mein Mädchen mein Bein nimmt und damit in der Luft kreist, damit meine Muskeln schön locker werden.

Naja, ich hatte ja erwähnt: es war stürmisch. Und mein Mädchen hockt da so (nicht zu hause nachmachen! Immer stehen bleiben!) und kreist mein Bein und plötzlich

Katze!!!

Man, ich hab mich vielleicht erschreckt! Bin in die Luft gesprungen und nach vorn. Mein Mädchen hat sich auch doll erschreckt. Dann hat sie mich gelobt, weil ich so fein auf sie aufgepasst habe, obwohl ich mich so erschreckt hatte. Und sie war froh, dass wir nicht ausreiten waren, weil ich doch etwas nervös war durch den Wind. Normalerweise springe ich ja wegen der Mieze nicht gleich in die Luft. Andererseits, mein Mädchen, hast du aber auch mal fest gestellt dass ich nach ein paar Kilometerchen im Trab nicht mehr so nervös bin. Schon vergessen? Naja.

Jedenfalls war die Osteopathie dann beendet und ich wurde „geheilt“ in den Stall entlassen. Mein Mädchen hat nochmal gegrübelt, seit wann ich wohl so schief bin und ist zu dem Schluss gekommen, dass das wohl seit der schlimmen Gewitternacht so ist, als wir bei dollem Regen und mehreren Gewittern auf der Weide waren. Da hab ich mich wohl verspannt und jetzt merkt sie sich: in Gewitternächten gibt es Heu statt Weide, damit wir mehr drin bleiben und wenn es doch mal so ist, gibt es tags darauf extra Wellness und gezielte Pony-Yoga-Übungen, damit alles wieder locker wird.

Jetzt bin ich wieder voll geschmeidig und kann rechts und links rum total gut abbiegen.

Euer durchgecheckter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 383

Sommer ist eine schwierige Jahreszeit, findet mein Mädchen. Entweder es ist zu heiß zum ausreiten, oder es gewittert, oder – das ist in letzer Zeit irgendwie öfter so – es stürmt. Mitten im Sommer Sturm! Was soll denn das?

Jedenfalls war es am Samstag hier so fies heiß und schwül dass mein Mädchen arge Kopfschmerzen hatte und da schon beschlossen hat, dass es am Sonntag vormittag nix wird mit ausreiten. Weil Sonntag vormittag nämlich dann Sturm war und dann bin ich immer doch nicht so ganz entspannt und dem fühlte sie sich mental nicht gewachsen. Also haben wir vormittags erst mal eine Sitzung Osteopathie mit dem Mann gemacht, aber davon erzähle ich euch demnächst mal.

Abends hatte der Wind dann etwas nachgelassen und mein Mädchen hat sich einigermaßen fit gefühlt und gesagt, statt Ausritt probieren wir nochmal was neues aus. Sie hat mich gesattelt und wir haben Diego und den Mann mitgenommen und sind auf unseren Sommerreitplatz gegangen. Ihr wisst schon, da wo wir jetzt immer unser Fitnesstraining an der Longe gemacht haben. Aber mein Mädchen wollte diesmal nicht selbst laufen, sondern reiten. Ok, aber Graspausen will ich trotzdem haben! Ja, hat mein Mädchen gesagt, die kriege ich, aber nur wenn ich mich auch mit dem Bosal gut benehme. Wenn ich mich nicht gut genug benehme und sie mich mit Gebiss reiten möchte, dann wird es kompliziert, denn dann müsste sie für jede kleine Graspause ab- und anschließend wieder aufsteigen. Ok, ich wusste also direkt, was für mich auf dem Spiel steht! Benehmen ist angesagt! Tu ich doch aber eh immer. Also ehrlich!

Auf dem Weg nach oben zum Sommerreitplatz war schon etwas Aufregung, weil Gatsby und Caruso gedacht haben, wir gehen auf die Weide und uns ganz aufgeregt begleitet haben. Mit etwas hin und her haben wir es aber dann geschafft, dass die beiden draußen geblieben sind. Die sind dann die ganze Zeit am Zaun auf und ab getigert und waren sauer, dass wir auf der Weide sind und sie nicht. Das hat mich anfangs dann doch dezent abgelenkt, möchte ich gestehen, aber nach einer Weile konnte ich das wie ein Großer wegignorieren.

Mein Mädchen und ich haben Lenken geübt im Schritt und im Trab, das hatten wir schnell raus. Dann ist sie mit mir über die Stangen getrabt und hat sich da erst mal gewundert. Ich habe ja so einen gemütlichen Schottentrab, normalerweise hat sie es ja wirklich bequem da oben. Aber über den Stangen nutze ich die Federkraft meiner Beine und dann macht es doing-doing-doing weil ich als ganzes hoch und runter dotze. Da musste sie da oben einiges ausgleichen! Und schon hat sie beschlossen, dass das doch gutes Training wird für uns beide und wir das jetzt öfter machen. Weil es für mich ja auch gutes Training ist, das mit ihr als Gewicht oben drauf zu üben. Ok, wenn ich dafür eine Graspause bekomme…..

Na und dann hat sie sich was ganz wildes überlegt. Sie wollte galoppieren! Sagt sie doch da oben „Aaaaachtung….. und hopp!“! Nun weiß ich ja sehr wohl, was das heißt, aber auf dem Sommerreitplatz geht es ja ständig bergauf und bergab. Und bergab will sie nicht mit mir galoppieren wenn sie drauf sitzt, das traut sie mir noch nicht zu. Also haben wir nur bergauf zum galoppieren. Und weil sie nicht gleich die lange Seite runter wollte, sollte ich das auf der kurzen Seite schaffen. Mädchen, 25 Meter sind da einfach nicht lang genug und mit dir oben drauf um die Kurve schaff ich auch noch nicht, glaube ich. Das ist einfach was anderes als im Gelände geradeaus, da kriege ich das alles leicht geregelt.

Also wenn sie nicht auf meinem Rücken sitzt, kann ich schon ganz gut ohne Anlauf angaloppieren. Aber mit ihr da oben drauf bin ich noch nicht so flott im Beine sortieren. Also immer wenn sie „Aaaaachtung….. und hopp!“ gesagt hat, habe ich rückgemeldet, dass ich wohl weiß, was sie will, aber dass das so nicht geht. Nach ein paar missglückten Versuchen hat sie sich ein Herz gefasst und gesagt, dann nehmen wir doch gleich die lange Seite, aber ich musste versprechen, nicht los zu flitzen. Ehrlich, was sie immer denkt! Ich bin doch Gentleman! Derweil hat der Mann sich überlegt, auch galoppieren zu wollen und plötzlich kam Diego uns im Galopp entgegen! Da hab ich doch mal kurz das Ding mit den Manieren vergessen und… naja lassen wir das. Mein Mädchen hat geschimpft, also hab ich mich schnell wieder zusammengerissen, weil ich ja verstanden hab, was da auf dem Spiel steht – meine Graspause!

Und dann hat mein Mädchen es nochmal versucht. Diesmal mit verbessertem Kommando. Sie hat gesagt „Aaaaachtung….. und hopp!“ und dann „hopp!hopp!hopp!“ im Galopptakt und dabei immer mit den Händen so vor gegangen und dann hab ich es geschafft! Wir sind bis zum Ende der langen Seite galoppiert und das ging wirklich sehr sehr gut, fanden wir beide! Ich war sehr zufrieden mit mir und der Graspause und mein Mädchen war ganz stolz und fröhlich dass das so fein ging. Das haben wir dann ein paar mal wiederholt und dann war auch schon wieder Feierabend.

Hopp! Hopp! Hopp! Hopp!

Mein Mädchen sagt, ich hab das so gut gemacht, das wird sie sich wohl auch ohne Diego trauen. So können wir unser Fitness-Programm um einen neuen Punkt erweitern. Ok, aber es wird auch wirklich mal wieder Zeit für einen Ausflug, ja? Du weißt ja, die echten Abenteuer finden jenseits der Grundsstücksgrenze statt!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 382

Fitness, Fitness, Fitness! Mein Mädchen ist etwas besessen davon, ehrlich gesagt. Sie hat nämlich ein Vorbild. Eine Frau, die sie niemals getroffen hat! Ist das nicht verrückt? Diese Frau wohnt in England und hat auch ein Highlandpony. Ihr Pony heißt „Brownbread Easter Rabbit“. Und jetzt sagt noch einmal, ich hätte einen komischen Namen! Die beiden – also die Frau und das Pony – sind jedenfalls ziemlich berühmt. Das Bild von denen ist sogar auf manchen Futtertüten drauf! Das beeindruckt mich! Mein Mädchen ist eher davon beeindruckt, dass die beiden auf Distanzritte gehen. Schon lange. Und das obwohl sie am Anfang viele Schwierigkeiten hatten und die Frau viel Angst hatte (ich glaub das Pony auch). Und jetzt haben die vor kurzem einen 82km-Ritt in der Wertung (also schnell genug um nicht raus zu fliegen) geschafft!

Mein Mädchen sagt ja immer, 80km ist ihr persönliches Lebens-Ziel. Das ist was, das kann sie sich vorstellen, mal zu schaffen. (Hä? Wieso denn SIE? Die Arbeit soll doch ICH machen!). Und jetzt hat Rabbit das vorgemacht und mein Mädchen ist angefixt. Sie meint, da braucht man viele Jahre Vorbereitung (besonders mit einem kleinen Pony mit kurzen Beinen wie ich eins bin). Und man braucht dafür einen Haufen Fitness-Training.

Deswegen war sie auch ganz entzückt, als ich hoch motiviert mit ihr zum Sommerreitplatz marschiert bin. Soll ich ihr verraten, dass ich das nur wegen der leckeren Graspausen mache?

Dort hatte sie Stangen aufgebaut über die ich rüber traben sollte. Leider hat es mit dem Filmen nicht so gut funktioniert, eigentlich wollte sie meinen schönen Galopp drauf haben, aber die Kamera wollte das wohl nicht. Vermutlich ist mein Galopp einfach zu schnell für die Technik – ich bin wohl doch mit Überlichtgeschwindigkeit unterwegs, denke ich!

Zwischendurch habe ich mir überlegt, dass die Graspausen eigentlich zu kurz sind und ich doch mal schnell noch ein Hälmchen zur Stärkung brauche. Aber leider war sie wieder so nah dran und hat das (meistens) zu verhindern gewusst. Naja. Trotzdem hat es Spaß gemacht. Nach 20 Minuten wurde mir etwas matt um die Beine und ich habe Antrag auf Feierabend gestellt, aber mein Mädchen sagt, das ist nur in meinem Kopf, im Gelände kann ich viel länger laufen. Diese 20 Minuten sind irgendwie so unsere übliche Arbeitszeit und die hat sich bei mir so eingebrannt, da tickt meine innere Uhr. Aber mein Mädchen sagte, ich werde bald 5 Jahre alt und kann jetzt schon auch mal mehr machen und daran gewöhnen wir uns jetzt beide (sie ist nämlich auch immer nach 20 Minuten der Meinung das sei schon alles fein so). Weil es jetzt nicht mehr nur darum geht, alles schön und richtig zu machen – das kann ich ja eh – sondern auch einfach um wiederholen und trainieren, also Muskeln beanspruchen und so. Wegen der 80km von denen sie in völlig durchgeknallten Momenten manchmal heimlich träumt.

Während dem Laufen ist Grasen leider nicht erlaubt, aber den Versuch war es wert…..

Naja, so nach knappen 30 Minuten war dann aber doch Schluss und wir sind gemeinsam runter gegangen in den Stall. Da hat sie meinen Puls gemessen, der war bei 49. Ihren eigenen Puls hat sie lieber nicht gemessen. Der war nämlich garantiert sehr viel höher als meiner, obwohl ICH ja immer den weiten Weg außen rum laufen muss!

Dann hat sie mich noch mit dem nassen Schwamm etwas abgekühlt, das mag ich wirklich sehr gern. Anschließend hab ich mir eine Panade gemacht und das war dann unser Programm für heute.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel (personal trainer fürs Mädchen)

Lernprozess

Völlig unabhängig voneinander haben zwei Schülerinnen mir in den letzten Wochen fast identisch formuliert gesagt „ich hab gelernt, dem Lernprozess zu vertrauen“. Und da kann ich nur sagen: ich auch.

Die eine Schülerin erklärte es einer anderen, die eine erste Stunde bei mir gehabt hatte, so: „Am Anfang klingt das immer voll kompliziert, wenn Lioba das erklärt, aber am Ende wird es dir doch klar und ist alles ganz logisch und einfach“. Ok, nun hätte ich ja lieber gehört, ich könnte alles so erklären, dass es von Anfang an einfach und logisch klingt. Aber vielleicht ist es besser, wenn es das nicht tut, denn wenn etwas allzu einfach ist, ist es vielleicht zu sehr vereinfacht…..

Viele Menschen lernen im Erwachsenenalter nicht mehr so oft neue Dinge. Als Reiter lernt man aber immer dazu (hoffentlich!) und das ist eins der Dinge, die die Beschäftigung mit der Reiterei oder grundsätzlich mit Pferden so interessant macht. Es gibt unendlich viel zu entdecken und auszuprobieren und selbst wenn man jemals mit einem Pferd alles können würde (kann man ja eh nicht), sind da ja noch all die anderen Pferde, die ganz anders sind.

Ich bin keine Lern-Expertin. Aber ich habe auf unzähligen Kursen (von denen ich bei die meisten nur Zuschauer war) herausgefunden, wie es für mich am besten funktioniert. Ich darf mir nicht allzu viele Notizen machen, sonst kann ich nicht gut genug zuhören. Wenn ich einfach zuhöre und hin schaue, bleiben Dinge hängen. Ich habe ein sehr auditives Gedächtnis und es ist für mich hilfreich, wenn der Reitlehrer Dinge oft auf die selbe Art sagt (auf Kursen passiert das ja meistens eh) und am allerbesten in einer etwas auffälligen Tonlage, auf Englisch oder mit einem Akzent, so dass es sich vom „Alltagsdeutsch“ abhebt. Da ich Menschen sowieso mehr an ihrer Stimme als an ihrem Aussehen erkenne, kann ich diese Sätze dann eins zu eins in meinem Kopf abrufen (und es macht mich völlig irre, wenn jemand anders diese Sätze dann anders sagt!).

Nach dem Hören kommt für mich dann das Fühlen. Mein Highlight diesbezüglich war mein letzter Kurs mit Merlin, an dem ich im Oktober 2019 teil genommen habe. Vielleicht war ich damals etwas schlechter im Lernen, weil kurz zuvor mein Finlay gestorben war, mag sein. Jedenfalls erarbeiteten wir eine neue Feinheit im Schulterherein. Erst im Mai 2020 kam dann plötzlich der Moment. Ich arbeitete mit Merlin auf dem Reitplatz, es machte „klick“ und ich wusste: DAS hat mein Reitlehrer im Oktober gemeint! Weil ich es plötzlich fühlen konnte. Der lustige Plot-Twist: Vor diesem magischen Moment war mir gar nicht klar gewesen, dass ich es noch nicht richtig gefühlt hatte!

Lernen geht unterschiedlich von Mensch zu Mensch. Wenn ich Schülerinnen habe, die sehr stark visuell lernen, bin ich herausgefordert. Denn dann darf ich auf einem Sinneskanal unterrichten, der bei mir völlig unterrepräsentiert ist. Auch das ist für mich dann ein Lernprozess und eine spannende Reise: welche Erklärung kommt bei dieser Schülerin am besten an? So wird auch Unterrichten niemals langweilig.

Um etwas bestimmtes lernen zu können, muss man aber wohl auch „bereit“ sein. Manches mal, wenn mir jemand etwas erklärt oder wenn ich etwas „plötzlich“ begreife, kann ich mich erinnern, wie mir das jemand schon mal vor vielen Jahren erklärt hat und ich es entweder abgelehnt habe oder einfach nicht verstehen konnte und verworfen habe. Es braucht ein gewisses Level an Vorwissen, um bestimmte Informationen überhaupt aufnehmen zu können und manchmal die Bereitschaft, einen liebgewonnen Glaubenssatz über Bord zu werfen.

Neulich sagte eine Schülerin „ich entdecke neue Dimensionen“ und sie beschrieb den Prozess so: da ist eine Stufe vor ihr, die ist sehr hoch und sie steht davor und denkt „oh, das ist aber hoch“. Wenn sie dann endlich mühsam da hoch gekrabbelt ist, dann geht es laaaaaaaange geradeaus und sie denkt „ich komm überhaupt nicht voran, nichts wird besser“. Bis die nächste Stufe kommt, die ihr dann wieder viel zu hoch erscheint um sie zu schaffen.

Duncan und ich können jetzt auf dem Reitplatz eine zivilisierte Rechtskurve reiten. Da staunt Ihr, was? Seit über einem Jahr reite ich meinen kleinen Ritter, wieso schaffen wir erst JETZT diese Kurve?

Naja, lenken konnte ich ihn vorher schon auch, nur schön war das nicht. Er hatte nicht verstanden, wie er seine Wirbelsäule mitnehmen kann in die Bewegung nach rechts und wohin er seine Beine am besten setzt um ganz geschmeidig um die Kurve zu kommen. Was im Alltag ohne Reiter völlig selbstverständlich ist, kann mit Reiter auf dem Rücken schnell zur Herausforderung werden! Zumal unsere Reitplatzkurven etwas sind, was Pferde normalerweise so gar nicht laufen. Es sind eben „Pony-Yoga“-Übungen!

Unser Lernweg zur Rechtskurve ging ungefähr so:

  • ich stelle fest: auf dem Reitplatz kommen wir nur schlecht rechts rum
  • ich denke: Übung macht den Meister und wenn ich ihn einfach immer wieder auffordere, rechts abzubieben, wird er schon dahinter kommen, wie das geht
  • es bessert sich aber nicht nennenswert
  • ich beschließe, die Platzarbeit ruhen zu lassen und ins Gelände zu gehen bis er größer und kräftiger ist und besser gelernt hat, seinen Körper mit mir oben drauf zu benutzen
  • im Gelände ist alles toll, aber gelegentliche Versuche zeigen: die Rechtskurven auf dem Reiplatz bleiben wie sie sind.
  • ich nehme gruseligen Unterricht, der mich nirgendwo hin bringt aber zum Nachdenken anregt
  • ich übe Seitengänge an der Hand und versuche, die Dinge dort zu verbessern, was auch gelingt, das Reitproblem aber nicht löst
  • ich nehme guten Unterricht, aber zunächst nur an der Hand
  • Duncan lahmt zum Zeitpunkt des Unterrichts also reite ich Diego
  • Diego zeigt mir mit Hilfe meines Reitlehrers eine neue Dimension von Fühlen und Balance
  • ich verstehe, dass ich das auf Duncan übertragen kann und bekomme es in Teilen hin
  • ich nehme Reitunterricht auf Duncan und es gelingt unter Anleitung ganz gut, lässt sich aber allein nicht richtig wiederholen
  • ich schaue beim Kurs zu (wo glücklicherweise jemand genau das selbe Problem hat wie ich!) und kann nochmal ganz in Ruhe von außen beobachten, wie das alles aussieht und höre die Theorie dahinter nochmal in Ruhe erklärt.
  • ich fahre nach hause und versuche, das mit Duncan nach zu reiten. Es hakt noch, aber ich ahne dass es besser wird. Manche Kurven gelingen, manche nicht.
  • nach 3 Tagen Wiederholung denke ich, Duncan wird keine Lust mehr haben. Aber Duncan zieht mich förmlich zum Reiplatz. Und ich lerne gleich noch etwas neues über mein Pony. Er macht das, was Finlay immer gemacht hat: mir zeigen, wenn er etwas verstanden hat!
  • Mit der Garrocha in der Hand biegt er plötzlich wunderbar rechts ab – Zufall? Einfluss der Gearrocha auf ihn oder mich? Oder klappt es wirklich?
  • Wir testen es am nächsten Tag ohne Garrocha und ich stelle fest: ja, wir können es jetzt wirklich!!
  • Wir sind beide stolz wie Oskar und freuen uns über unsere schönen Rechtskurven im Schritt genauso wie wir uns über einen fliegenden Wechsel freuen würden. Die Reiteinheit endet nach 5 min weil ich nicht riskieren will das etwas schlechter wird.
  • jetzt kommt die spannende Zeit: wird der Erfolg dauerhaft sein und können wir jetzt (fast) immer schön rechts abbiegen? Zumindest wissen wir jetzt beide wie es geht. Wenn wir es uns noch ein paar mal neu erarbeiten müssen, kennen wir den Weg und lassen uns nicht verunsichern.

Von den ersten Versuchen bis jetzt sind übrigens viele Monate ins Land gegangen…. Ihr denkt, das ist ein weiter Weg für eine einfache Rechtskurve? Oder seit Ihr schon länger dabei und wisst, dass das für Reiter mit einem gewissen Anspruch völlig normal ist?

Klar: hätte ich das gleich besser gewusst, wären wir schneller da hin gekommen. Andererseits: ich reite seit über 30 Jahren. Auch rechts rum – wirklich! Da muss erst ein kleiner Duncan kommen und mir erklären, wie schwer das sein kann, damit ich noch eine neue Dimension entdecke. Diese neue Dimension zu kennen und in der Lage sein sie zu fühlen wird wiederum allen anderen Pferden helfen, mit denen ich zu tun habe. Denn je besser ich selbst etwas fühle, desto besser kann ich es Pferd und Reiter vermitteln.

Dem Lernprozess zu vertrauen kann nervenzerfetzend sein. Es kann uns Geduld abverlangen – mit uns selbst oder dem Pferd. Und sicher werden wir das eine oder andere Mal zu lange vertrauen, dass der Weg den wir da beschreiten, schon zum Ziel führen wird – bis wir merken, dass wir doch wirklich auf der Stelle treten. Wie kann man nun unterscheiden, ob man auf der Stelle tritt oder nur auf einem langen Plateau unterwegs zur nächsten hohen Stufe ist? Ich weiß es auch nicht. Wenn ich mir unsicher bin, frage ich jemanden um Rat und das ist eigentlich auch der einzige Rat, den ich Euch geben kann.

Und weil ich da nun gerade so schön dabei bin mache ich heute kurz Werbung für mich selbst (obwohl ich das hasse). Ich gebe nämlich jetzt auch online-Unterricht. Wer also zu weit weg ist und mich nicht persönlich sehen kann, aber Bock auf Lernen hat, kann sich gern bei mir melden, am besten per Whatsapp an 0160-8462350 oder mail an lioba@orbis-alia.de dann besprechen wir alles weitere.

Trotz aller Hindernisse und Anstrengungen finde ich nämlich, eins steht wohl fest: Lernen macht Spaß. Mensch und Pferd und zu sehen wie stolz beide sind, wenn etwas plötzlich klappt, macht meinen Job zum schönsten Job der Welt. Ob es dabei um eine Rechtskurve im Schritt oder etwas spaktakuläreres geht, ist völlig egal.