Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 545

Montagsausflug! Mein Ausreitkumpel soll ja am Sonntag auf Distanzritt (zusammen mit dem schnellsten Pony der Welt – der wird den Ritt sicherlich gewinnen!). Dafür hat er viel trainiert und ist jetzt verdammt fit! Ich hingegen war in den letzten Wochen viel zu wenig unterwegs – Diego ist ja nicht startklar (er kann jetzt aber wohl langsam wieder anfangen, sagt mein Mädchen. Mit Schritt…..), letzte Woche war kein Montagsausflug und unter der Woche hatte ich einfach nicht so viel Zeit für mein Mädchen. Wir haben zwar immer geübt, den Hof rechts zu verlassen, aber für viel mehr „Arbeit“ war ich nicht zu haben, denn im Moment bin ich auf einer wichtigen Mission: Winterspeck! Jaja, ich weiß schon, ich bekomme hier angeblich auch im Winter genug zu essen. Aber sicher ist sicher! Die Gene meiner Vorfahren über viele Generationen sagen mir, dass so ein Winter verdammt kalt und hart werden kann und dass man besser vorsorgt, wenn man im Frühling noch da sein will. Und diese Gene sind stärker als alles andere. Also läuft es so: Nachts dürfen wir ja immer auf die Weide. Derweil fallen auf dem Rundlauf tüchtig Eicheln von den Bäumen. Morgens möchte ich die Eicheln dann verputzen, aber muss feststellen, dass mein Mädchen den Zaun zu gemacht hat und ich da nicht ran komme. Sie räumt dann erstmal den Löwenanteil an Eicheln ab, bevor sie den Zaun wieder aufmacht. Meine Kumpels und ich wandern dann den ganzen Tag im Kreis um den Rundlauf, da die Eichen ja kontinuierlich kleine Leckereien fallen lassen. Immer von einer Eichel zur nächsten – mein Mädchen sagt, wir sind die reinsten Staubsauger. Wir nehmen eben was wir kriegen können! Und wenn sie mich dann ruft, weil sie was mit mir machen will….. naja wie gesagt, eigentlich habe ich dafür keine Zeit! Und deswegen, weil sie das versteht, haben wir in den letzten Wochen dann nicht so viel gemacht, sondern sind halt viel rechts vom Hof gegangen, da durfte ich ja dann auch essen.

Mädchen! Daraus hätte ich doch 1a Winterspeck machen können! Menno.

So, aber Montagsausflug ist natürlich trotzdem! Also haben wir jetzt einen extrem fitten Ausreitkumpel, der inzwischen fast so schnell traben kann wie ich galoppiere und mich, der nicht viel Zeit und Gelegenheit für Training hatte. Naja, aber ich lasse mich ja auch nicht lumpen. Habe am Anfang mal ordentlich Gas gegeben. 2km Trab und fast 4km Galopp (mit kleinen Trab- Unterbrechungen) später war die erste Luft dann raus. Mein Ausreitkumpel ist dann vorneweg gelaufen, das fand ich ganz gut. Problem: sein Trab. Der ist einfach so schnell geworden! Ich bin auch schneller geworden, stimmt schon, aber ich kann das hohe Tempo noch nicht so lange durchhalten.

Nach einer Weile war ich schon etwas müde, muss ich zugeben. Mein Mädchen hat gesagt, wir machen eine kleine Graspause und sie geht ein Stück zu Fuß aber dann müssen wir wieder los – das zieht sich sonst so und es wird schon wieder dunkel! Die Pause hat mich erfrischt, danach ging es wieder. Es war dann auch nicht mehr so weit, das hab ich schon noch geschafft. Als die Wackelkiste in Sichtweite war, sind die Mädchen abgestiegen und den Rest zu Fuß gegangen. Als wir angekommen waren, war mein Puls auf 60 runter, also alles gut. Mein Mädchen hatte gehofft, dass wir mal auf die Idee kommen uns zu wälzen, aber wir wollten lieber essen, während mein Mädchen die Wackelkiste wendet und dann ging es auch schon wieder nach hause. 14,5km haben wir gemacht mit 9,6km/h im Schnitt.

Nächsten Montag fällt der Montagsausflug dann schon wieder aus, weil mein Ausreitkumpel ja am Sonntag auf Distanzritt geht. Und mein Sonntagsausflug findet auch nicht statt, weil mein Mädchen und der Mann den ganzen Tag auf dem Distanzritt sind um zu helfen. Wie soll man da auch fit bleiben? Egal, Hauptsache genug Winterspeck.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel auf wichtiger Winterspeck-Mission

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 544

Allein ausreiten! Große Träume spornen mein Mädchen ja immer am meisten an. Und also überlegt sie sich so allerhand und wir gehen bei jeder Gelegenheit ein paar Meter vor die Tür. Zum üben, grasen und Kekse naschen. Mit der Doppellonge oder geführt, mal vor der Arbeit auf dem Reitplatz, mal danach. Und gestern ist sie dann geritten. Aber nicht normal, sondern immer hin und her: zum Reitplatz, auf den Hof, auf die Straße, umdrehen, wieder auf den Reitplatz. Im Schritt und im Trab. Ich sag mal so: mein Favorit wäre gewesen, LINKS vom Hof zu gehen, aber das war nicht im Angebot. Ok, dann rechts vom Hof. Auf den Reitplatz mochte ich gar nicht so gern, das macht einfach nicht so viel Spaß. Aber rechts vom Hof haben wir es jetzt ganz lässig 160m geschafft – bis zur Grundstücksgrenze. Ich wäre auch weiter gegangen aber das wollte mein Mädchen noch nicht. Na gut! Keks, umdrehen, wieder zum Reitplatz. Eine Runde rum, Keks, wieder zur Straße. Ach, eigentlich ganz lustig, das Spiel! Mal sehen wo uns das hinführt.

Nur mein Mädchen ist natürlich nicht zufrieden – weil ich keine Lust auf Reitplatz hatte. Sie ist aber auch kompliziert! Anstatt dass sie sich freut, weil ich gerne raus gehe. Was ist denn falsch mit ihr? Naja, ich arbeite noch an ihrer Ausbildung….

Euer lustige Muster laufender Sir Duncan Dhu of Nakel

Werkzeugkoffer

Duncan und ich üben alleine rausgehen (immer noch oder mal wieder?). Wir turnen, am Strick, an der Doppellonge und demnächst auch geritten, die Straße rauf und runter, meterweise. Ich denke mir allen möglichen Schabernack aus, den wir dort gut machen können – einfache Führübungen wir Schritt, Trab und Halt, ein bisschen Seitwärts, ein paar Kreise um mich herum. Aber auch eine „Anti-Weglauf-Übung“: ich schicke ihn vor mich, gehe mit dem Strick in der Hand weit hinten und bleibe dann kommentarlos stehen, so dass Zug auf den Strick kommt. Er soll lernen, dann den Kopf und Hals zu wenden, anstatt geradeaus stehen zu bleiben. So haben wir das nie wirklich geübt, aber es kann Weglaufen besser verhindern als reines Anhalten, weil er das Wenden mit in die Übung einbezieht. Nach dem Wenden soll er dann flott auf mich zukommen und bekommt bei mir seinen Keks.

Wir beziehen auch grasen und das was ich im Freedom Based Training übe mit ein: behalte Deine Umwelt im Blick. Nicht den Kopf ins Gras stecken und alles um dich herum ausblenden. Aber auch ich selbst übe mich darin, die Umwelt auch in diesen friedlichen Momenten nicht zu vergessen.

Ich versuche, mich dem Problem von möglichst vielen verschiedenen Seiten zu nähern, denn das verspricht den größten und schnellsten Erfolg. Ich muss gar nicht ganz genau wissen, welche Übung jetzt die beste ist, ich kann sie ja alle machen. Natürlich alle pferdefreundlich und nett, mit einem Lächeln und ohne großen Druck. Alle darauf ausgelegt, Duncans Vertrauen in meine und in seine eigenen Fähigkeiten zu steigern.

Vor mir steht also ein gut gefüllter Werkzeugkoffer und je länger ich über das Problem nachdenke, desto mehr Werkzeuge entdecke ich. Ich kann mir auch noch welche dazuholen von anderen Pferdemenschen.

Währenddessen fällt mir beim reiten auf dem Platz das Gegenteil auf und endlich wird mir klar, was mein bisheriges Problem war. Das klingt für einige von Euch jetzt vielleicht komisch, aber ich hab mir immer die Werkzeuge aus meinem Koffer nehmen lassen. Weil es immer – egal was man macht – da draußen einen Trainer oder eine Ausbilderin gibt, der oder die sagt, dass man das nicht machen soll. Und alle können das logisch begründen. Und so passiert das, was ich schon so lange beklage: ich traue mich kaum noch etwas. Kruppeherein reiten ist schlecht weil …, lieber nur Schulterherein und Traversale. Galoppieren so lange es im Schritt und Trab noch nicht klappt ist schlecht weil….. Den Hals des Pferdes biegen ist schlecht weil…. Rückwärtsrichten ist schlecht weil…. zu viel Vorwärts ist schlecht weil… zu wenig Vorwärts ist schlecht weil…

Meine Erfahrung ist: es findet sich immer jemand, der das Gegenteil behauptet. Egal was ich gerade gelernt habe, egal womit ich gute Erfahrungen gemacht habe, da draußen ist jemand, der mir das Gegenteil davon schlüssig und scheinbar logisch erklären kann. Und ich Dummerchen habe mich davon so verunsichern lassen, dass ich mir die Werkzeuge aus dem Koffer genommen habe. Und dann steht man da, hat nur noch einen Schraubenschlüssel und kann nix mehr erreichen. Also habe ich in den letzten Wochen all meine Werkzeuge wieder zusammengesucht und in den Koffer getan. Es mag einige geben, die ich selten benutze, aber viele sind sehr hilfreich und oft in Gebrauch.

Es kommt mir merkwürdig vor, dass in einer Welt voller Vielfalt und Möglichkeiten genau das dazu geführt hat, dass ich mich selbst so eingeschränkt habe. Da werde ich wohl als erstes Mal mein Werkzeug nehmen und das Brett vor meinem Kopf abmontieren, damit ich wieder klarer sehen kann.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 543

Also kein Montagsausflug. Weil der Ausreitkumpel sich Muskeln wachsen lassen soll. Ich hab übrigens gehört, dass er diese langen Touren ganz schön anstrengend findet. Man munkelt, er habe leichten Protest angemeldet, als er gemerkt hat, dass er wieder so eine lange Tour machen soll. Pah! Das könnte mir nicht passieren! (Ich laufe erstmal munter los und stelle unterwegs irgendwann fest, dass ich müde werde, aber das ist ja wohl normal, oder?).

Mein Mädchen und ich mussten uns also hier zu hause vergnügen. Aber mein Mädchen träumt ja nach wie vor davon, dass wir endlich richtige Ausritte alleine schaffen. Ich würde ja losziehen, aber ich möchte halt links runter vom Hof! Rechts ist mir nicht wohl. Nun kennt ihr ja mein Mädchen: so lange mir rechtsrum nicht wohl ist, findet sie es falsch, allein loszugehen. Also was macht sie: was sie immer macht. Üben! Sie hat sich jetzt vorgenommen so oft wie möglich unser Aufwärmprogramm auf der Straße zu machen. Also gestern Doppellonge bzw Fahren vom Boden. Kringel über den Hof, rechtsrum, linksrum, kurz auf die Straße, wieder auf den Hof. So lange und so oft, bis ich auch rechtsrum munter geradeaus ein paar Meter losmarschiert bin. Dann sind wir zum Reitplatz „gefahren“ und haben dort Doppellonge gemacht. Sie hat wieder mal einen ganz akkuraten Kreis aufgebaut und den soll ich dann laufen. Das ist nicht so einfach wie es klingt, weil sie nur so ganz kleine Hütchen aufgestellt hat, da müssen wir beide genau hinschauen wo es langgeht. Es gibt dann einen inneren und einen äußeren Kreis und dann versuchen wir, das gaaaaaaanz genau zu machen. Aber sie war schwer begeistert, wie schön energisch ich jetzt wieder laufen kann mit meinem durchgeyogaten Rücken. Nach einer Weile waren wir dann fertig und dann hat sie noch ihr Dehnübungsprogramm durchgezogen. Ich finde das immer ein bisschen blöde, weil ich nämlich darauf warte, dass ich grasen darf. Das darf ich ja meistens nach der Arbeit und deswegen bin ich beim Dehnen etwas ungeduldig. Dann durfte ich grasen und mein Mädchen hat Freedom Based Training gemacht. Ich soll nämlich lernen, nicht mit dem Kopf im Gras zu verschwinden und an nix anderes mehr zu denken, sondern meine Umwelt mit im Blick zu haben. Das üben wir jetzt und mein Mädchen findet, das ist alles schon viel besser geworden – ich kann es besser und sie hat besser verstanden, wie sie mir helfen kann.

So viele Übungen an einem Tag – Hof verlassen, Doppellonge, Dehnübungen und „aufmerksames Grasen“!

Aber ganz unter uns: ein zünftiger Ausritt mit dem Ausreitkumpel wäre mir lieber gewesen…..

Euer beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 542

Heute Nacht war bei uns „Weidedisco“. Nicht, dass wir da Lust drauf gehabt hätten, aber im Nachbardorf war TreckerTreck und die haben bis tief in die Nacht mit ihren riesigen Maschinen irgendwelche Wettbewerbe gemacht und danach noch länger ausgiebig gefeiert. War also nicht so toll mit der Nachtruhe, weshalb wir uns dann morgens erst nochmal ein Nickerchen gegönnt haben. Aber dann war ja bestes Wetter und ich hatte Hoffnung auf einen feinen Ausflug!

Diegos Bein ist wieder dünn und hoffentlich wieder heile. Da niemand genau weiß, was da überhaupt los war, ist das aber nicht ganz gewiss. Deswegen soll er jetzt so wieder antrainiert werden, wie Igel sich lieben, sagt mein Mädchen: gaaaaaaaaaanz vorsichtig.

Die gute Nachricht: das heißt, wir haben einen Sonntagsausflug gemacht. Die schlechte: zum Austoben hat es nicht gereicht. Naja. Also es ging los und der Mann hat ganz getreu dem guten alten Motto gehandelt: wer sein Pony liebt, der schiebt läuft nebenher. 7km haben wir gemacht, natürlich alles im Schritt, wegen antrainieren und Vorsicht und so. Damit wir trotzdem was für unsere Muskeln tun, ging es über den Berg. Und damit ich auch was tue, hat mein Mädchen mich aufgefordert, den schnellsten Schritt zu gehen, den ich so gehen kann. Ach, da war sie aber hoch erfreut, dass durch die ganze Gymnastik und Pony-Yoga und so mein Schritt doch tatsächlich nochmal einen Tick flotter geworden ist. Sie ist übrigens nicht gelaufen, sie hat sich natürlich tragen lassen. Ich bin ja Gentleman….

Am steilen Berg ist sie aber netterweise abgestiegen, sowohl als es steil hoch ging, als auch steil runter. Und an der Landstraße ist sie auch zu Fuß gegangen, weil sie irgendwie ein bisschen nervös war – unsere Panne von neulich sitzt ihr noch in den Knochen.

So von oben fotografiert sind die beiden ganz schön klein!

Also ich sage mal so: es war schön, wieder mal raus zu kommen, aber so ein kleiner Schrittausritt reicht gerade um warm zu werden. Was tut mein Ausreitkumpel derweil? Er trainiert! Schnell und weit. Er ist nämlich – zusammen mit dem schnellsten Pony der Welt – für seinen ersten Distanzritt angemeldet! In zwei Wochen ist es so weit. Und deswegen machen die beiden heute einen zünftigen Trainingsritt und morgen steht er deswegen nicht für einen Ausritt zur Verfügung, weil er seine Muskeln wachsen lassen muss. Schade für mich, schön für ihn. Ich bemühe mich, es ihm zu gönnen, aber ein bisschen neidisch bin ich doch. Mein Mädchen meint, wir werden uns stattdessen mal wieder der Doppellonge widmen, damit ich etwas Energie loswerden kann. Schwacher Trost, aber nützt halt nix.

Euer nicht ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Neue Fragen

Duncan ist fertig mit Trinken. Er steht vor der Pfütze, ich sitze auf seinem Rücken. Sein Ausreitkumpel ist schon wieder losmarschiert. Duncan hingegen bleibt stehen. Als ich ihn treibe, entlastet er ein Hinterbein und bewegt sich keinen Schritt. Ich bekomme Panik: was ist mit ihm?

Ich steige ab und rufe nach meiner Freundin, die umkehrt und zurück kommt. Ich gebe ihr Duncans Zügel und messe erstmal Puls. 76, das ist völlig in Ordnung, dafür dass wir gerade 13 km in flottem Tempo unterwegs waren. Ich kenne diese Werte und heute profitiere ich zum ersten Mal davon. Dann führe ich Duncan ein Stück: lahmt er? Nein. Ich trabe ihn an der Hand, da kommt er auch ganz ok mit. Er läuft wie ein Uhrwerk, weder meine Freundin noch ich können ein Problem erkennen. Aber sein Gesicht sieht müde aus. Also führe ich ein Stück. Wenn es nach ihm ginge, würden wir stehen bleiben, aber es fängt schon an, dunkel zu werden und wir sind zwar nicht an der Straße, aber völlig unbeleuchtet unterwegs. Ich führe ihn 500 Meter, er wirkt ok. Dann kommt der letzte Plattenweg für heute. Vor uns liegen noch knappe 2km und wenn ich eins auf meinem zweiten (und letzten) Distanzritt mit Finlay gelernt habe, dann das: wenn das Pony müde ist, ist Schritt gehen keine gute Option. Also steige ich wieder auf. Aber Duncan drängelt Richtung Gebüsch – eigentlich ein Zeichen dafür dass er Pieschen muss. Aber er lässt sich bitten. Es dauert, ich pfeife (unser Piesch-Signal), ich lasse ihn immer wieder einen Schritt vorgehen. Schließlich macht er tatsächlich eine kleine Pfütze, aber ob er wirklich musste, weiß ich nicht, denn es ist recht wenig, was da kommt. Danach ist er bereit, wieder loszugehen. Er trabt noch einmal wie ein kleines Uhrwerk, gibt sogar nochmal Gas, die Beine können noch laufen.

Mir bleibt nachher nur, mir das alles zu merken und mir Strategien zu überlegen, die ich probieren könnte. Vielleicht wäre es klüger gewesen, ihm 5 Minuten Graspause zu gönnen, das probiere ich beim nächsten mal. Die Frage ist nur, ob er dabei geistig so einschläft, dass er dann gar nicht mehr in Gang kommt. Gleichzeitig erkenne ich mal wieder, was ein Pferd so alles können muss, bevor es auf Distanz- oder Wanderritt gehen kann. Vor gut 2 Jahren war mein Plan, Duncan zu zeigen, dass man sich seine Kräfte einteilen muss. Dass man nie weiß, wie lang der Weg noch wird. Dass es nicht so viel Sinn macht, das ganze Pulver am Anfang zu verschießen. Und mein Plan ging auf: er war besser regulierbar am Anfang unserer Ausritte, weil er wusste: da kommt noch genug zum austoben. Diesen Montag war er aufs Galoppieren aus. Er weiß doch, wie es läuft, wenn wir mit dem Ausreitkumpel unterwegs sind. Und er will laufen, er liebt galoppieren. 13km hat er gut „gezogen“, und dann – plötzlich – war Schluss. Sobald wir Schritt gingen und an der Pfütze angehalten haben, war Ende mit dem Vorwärtsdrang. Oder war es die Tatsache, dass wir schon an zwei Abbiegungen vorbeigeritten waren, die uns auf kürzerem Wege zum Anhänger gebracht hätten? Normalerweise scheint Duncan das ja immer egal zu sein bzw oft habe ich das Gefühl er weiß es nicht. Aber diesmal bin ich nicht sicher – hatte er das auf dem Schirm und meinte, es sei Zeit, zurückzukehren zum Heu? War er verwirrt, weil wir nicht den selben Weg zurück geritten sind, den wir gekommen waren? Oder war es ein taktischer Fehler meinerseits, dass wir bei den schnellen Ritten jetzt so oft ohne Graspause durchgezogen haben – will er deswegen schnell zurück, weil er Hunger hat? Es gibt für mich viele offene Fragen, aber es gibt auch für Duncan etwas zu lernen: manchmal gibt es die Option einer Pause einfach nicht. Manchmal, wenn es dunkel wird, wenn Menschen noch einen Termin haben, wenn man irgendwo im Nirgendwo steht und ein Gewitter aufzieht…. dann gibt es diese Möglichkeit nicht. Dann muss man die Zähne zusammenbeißen und es durchziehen. Kräfte mobilisieren – in diesem Fall eher geistige als körperliche – und weitermachen. Auch das will geübt werden, das habe ich jetzt verstanden. Und ich als Mensch muss entscheiden, wie viel Druck ich machen darf und will. Wie deutlich sage ich meinem Pony, dass wir weiter gehen müssen? Wann akzeptiere ich ein „nein“, auch wenn es dann vielleicht nachher dunkel/spät/kalt/nass wird?

Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Das erfahre ich wohl frühestens beim nächsten Ausritt. Ich habe nur Beobachtungen gesammelt: Als wir dann wieder am Anhänger waren und gekühlt hatten, war Duncans Puls bei 60, er kann also körperlich nicht massiv überfordert gewesen sein. Im Anhänger hat er kaum Heu gefressen, sondern die meiste Zeit gedöst – also muss er SEHR kopfmüde gewesen sein. Als wir nach hause kamen, war er sehr anhänglich. Es war schon dunkel und ich habe ihn direkt zur Weide gebracht. Die anderen Ponys waren noch irgendwo im Paddock unterwegs, ich habe den Weidezaun aufgemacht, aber Duncan ist die ganze Zeit bei mir geblieben und nicht zum Gras gelaufen, ich habe ihn dann hin begleitet. Da wir ihm noch eine Abschwitzdecke übergelegt hatten, kamen wir eine Stunde später nochmal (ich hatte Arnulf gebeten, mit aufs Pony zu gucken), da kam Duncan uns unaufgefordert entgegen. Seine Muskeln waren weich, er freute ich über Äpfel und wirkte gesund und munter. Auch als ich eine weitere knappe Stunde später wiederkam um die Decke abzunehmen, war er ganz er selbst und bestens gelaunt. Was auch immer das alles bedeutet: in irgendeiner Form krank oder köperlich „kaputt“ war mein Pony wohl nicht. Im Gegenteil: tags drauf war er bestens gelaunt und bereit für weitere gemeinsame Aktivitäten.

Es ist nicht der erste Ausritt, bei dem ich fürchtete, ihn überfordert zu haben. Auch dieses mal zeigt sich wieder: nach diesen Ausritten ist Duncan mir besonders zugewandt. Auch am Tag danach sucht er den Kontakt zu mir mehr und deutlicher als sonst. Woraus ich folgere, dass er es toll fand. Richtig auspowern, an Grenzen stoßen, über sich hinauswachsen. Das scheint Duncan zu lieben! So ein Pony hatte ich noch nie. Wie ich am besten damit umgehe, muss ich jetzt wohl lernen, durch vorsichtiges Ausprobieren und beobachten, Rücksprache halten mit dem Pony, meiner Freundin, meinem Mann und dem einen oder anderen erfahrenen Pferdemenschen.

Die gute Nachricht: Pubertät scheint vorerst wieder vorbei zu sein, Duncan war wieder ganz er selbst, aufmerksam, artig und gut im Gleichgewicht. Juhuuu!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 541

In Urlaub war sie. Ohne mich. Was soll sowas? Ich hab hier zu hause Langeweile geschoben. Ja, alles ganz nett mit den Kumpels und der Weide, aber das reicht mir halt nicht. Ich habe dann immer Gatsbys Mädchen bei der Stallarbeit beaufsichtigt. Und Eicheln gesammelt – so lange es ging. Denn kaum kam ein Windchen auf und wollte mir mehr Eicheln bescheren – zack! – war der Zaun zu und wir durften nicht mehr auf den Rundlauf. Wegen der Eicheln. Menno.

Naja, Freitag kam mein Mädchen wieder und wir haben gleich etwas Handarbeit (Pony-Yoga) gemacht. Sie war ganz begeistert wie gut ich mitgemacht habe und meinte, vielleicht sei ich wohl mal wieder (vorläufig) fertig mit Pubertät? Samstag dann eine kleine Reiteinheit mit Betonung auf Yoga, Sonntag war sie den ganzen Tag weg, hat einen Kurs gegeben. Wie jetzt, erst Urlaub und dann kein Sonntagsausflug?

Aber am Montag hat sie dann endlich wieder die Wackelkiste rausgeholt. Juhuuu! Ausreitkumpel abholen, an einen schönen Platz fahren und los geht die Gaudi! Mein Mädchen hat mir versprochen, dass ich laufen darf. Aber dann kam sie wieder mit ihren ollen Regeln um die Ecke: sie will die Gangart bestimmen. Mädchen! Wer will denn traben wenn er galoppieren kann? (Sie. Ich nicht.) Ich war artig, hab aber immer wieder nachgefragt. Ach komm schon….. Eeeeeeendlich war es dann so weit. Hoppi galoppi! Und da war sie ganz begeistert. Yoga plus Osteopathie plus Dehnübungen macht den Ritter geschmeidig und den Galopp wunderschön. Ach, da war mein Mädchen happy! Ich auch, weil ich ausgiebig galoppieren durfte. Nach einer Weile meinte sie dann, es sei Zeit, den Rechtsgalopp mal wieder anzufragen. Hat bisschen gedauert, aber dann hab ich ihn gefunden. Und auch der klappt jetzt wieder viel besser und ist nicht mehr so schief und krumm. Nur mein einer Hufschuh hat rumgezickt. Es war nämlich so: vorm Ausreiten, als mein Mädchen mir die Schuhe anziehen wollte, musste sie feststellen, dass ich nicht untätig war, während sie Urlaub gemacht hat. Ich habe eine Menge Horn produziert und so waren meine Füße jetzt zu groß für die Schuhe. Da musste sie erst noch die Raspelmaschine schwingen. Daraufhin haben die Schuhe wieder gut gepasst, aber eben nicht mehr ganz so knalleng gesessen und da fing doch der rechte vordere Schuh wieder an, sich dauernd zu drehen. Nachdem sie ihn zweimal wieder geradegerückt hatte, hatten wir die Faxen dicke und sie hat mir die vorderen Hufschuhe einfach ausgezogen. Die Wege waren gut, das war kein Problem.

Mein Ausreitkumpel war anscheinend auch nicht untätig in den 2 Wochen in denen wir uns nicht gesehen haben – der kann jetzt plötzlich vorneweg laufen! Und hat das auch immer wieder getan. Ach das ist ja mal nett, da kann ich auch mal die Verantwortung abgeben! Wobei: möchte ich überhaupt hinten sein? Im Galopp könnte ich doch mal zeigen, wer hier tempomäßig die Hosen an hat, oder? Nein, war nicht erlaubt. Und weil ich ja so ein Guter bin, habe ich brav meinen Abstand gehalten, auch wenn ich finde, dass das langweilig ist. Apropos tempotechnisch die Hosen anhaben: im Trab ist mein Ausreitkumpel mir diesbezüglich weit überlegen. Aber ich arbeite daran und mein Mädchen fand, dass mein Trab schon deutlich flotter geworden ist. Sie meint, nächstes Jahr kann ich vielleicht genauso flink traben wie mein Ausreitkumpel. Ich meine, Galopp ist eh die schönere Gangart. Wir werden das noch diskutieren müssen, denke ich….

Schaut genau hin, wir Ponys sind beide im Bild!

Naja. Bei Kilometer 13, muss ich gestehen, hatte ich dann einen Anfall von Kopfmüdigkeit. Ich dachte mir, nachdem wir einen schönen Schluck aus einer Pfütze hatten, könnten wir jetzt auch ein Nickerchen einlegen. Mein Mädchen ist abgestiegen und ein Stück zu Fuß gegangen, hat aber gemeint, ein Nickerchen sei leider nicht drin, weil es dunkel wird und wir zusehen müssen, dass wir zur Wackelkiste zurück kommen. Sie hat mich dann überredet, nochmal Pipi zu machen und dann sind wir noch die letzten 2km getrabt, da bin ich wieder aufgewacht. Mein Beine konnten noch gut laufen, nur Denken war halt nicht mehr so meins. Dann waren wir wieder an der Wackelkiste. Wir waren ordentlich durchgeschwitzt und schön ausgetobt. Nach dem Abschwammen war mein Puls aber wieder auf den gewünschten 60 und mein Mädchen war hoch zufrieden mit meiner Fitness.

Die schlechte Nachricht ist: nächsten Montag fällt der Ausflug dann auch schon wieder aus. Menno. Wie soll man sich denn dann austoben? Ich hoffe mein Mädchen denkt sich ein gutes Ersatzprogramm aus.

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Zustandsbericht

Was für einen Glücksgriff ich getan habe, als ich Duncan zu mir geholt habe, konnte ich ja nicht wissen. Aber seit fast 5 Jahren, die er nun bei mir ist, macht er eigentlich immer alles richtig, hat auf alles Lust und ist für jeden Spaß zu haben. Jetzt ist er 6 Jahre alt und so langsam kann ich seinen erwachsenen Charakter erahnen. Auf dem Reitkurs sagte jemand, Duncan habe so einen stillen, feinen Humor und ich weiß genau, was gemeint war. Den entdecke ich auch gerade, diesen trockenen, hintersinnigen Humor. Nicht so offensichtlich wie mein Finlay, der alles ins Maul genommen hat, jeden Menschen anfummeln musste und ein bisschen herumgealbert hat, so etwas tut Duncan in der Regel nicht. Es sind kleine Momente, in denen es unterm Pony-Schopf hervorblitzt. Witze, die sich nicht nacherzählen lassen, eher bestimmte Gesichtsausdrücke in bestimmten Situationen, die einen zum Lachen bringen. Und dahinter ist diese Grund-Ruhe entstanden die mir selbst auch so wahnsinnig gut tut. Diese Verlässlichkeit und Stabilität schätze ich sehr an meinen Ponys und ich versuche, selbst für sie so verlässlich und stabil zu sein wie ich kann.

Na gut, neulich ist es schief gegangen. Aber im Nachhinein sehe ich es deutlich optimistischer, denn ich sehe, wie viele Fehler zusammen kommen müssen, bis es dann mal schief geht. Und ich habe ganz klar herausgefunden, was ich üben muss. Mehr noch: ich weiß jetzt, welche Fragen ich an meine Ausbilder stellen kann. Und dann bin ich wieder ein Stück schlauer geworden.

Trotzdem ist da noch ein bisschen „Gewackel“ in der Stabilität und vielleicht hat auch das zu unserer Panne beigetragen, denn Duncan scheint noch einen Pubertätsschub durchzumachen. Was zu erwarten war und vielleicht ist es nicht der letzte. Er ist da ja sehr mild – während ich andere Ponys erlebt habe, die wirklich jede einzelne Regel auf den Prüfstein stellen, checkt Duncan nur kurz grob ab und begnügt sich dann mit schlechter Laune und verlangsamter Ausführung von Kommandos die ihm gerade nicht in den Kram passen. Mein zuverlässigster Anzeiger dafür, dass Duncan Pubertät hat, ist das „warte“-Kommando. Das funktioniert eigentlich immer. Nur eben dann nicht, wenn er wieder in dieser „ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ – Stimmung ist. Dann steht er für einen Moment still und wandert dann völlig ungerührt in Richtung des nächsten grünen Halmes, jeden meiner Kommentare betont ignorierend. Ich muss schon wirklich in den Strick greifen und auch ernsthaft ziehen, bis er seine Idee aufgibt – für den Moment. Das macht er ein paar mal so, dann werde ich sauer und ranze ihn an, woraufhin er meistens artig stehen bleibt, aber ein Gesicht zieht wie drei Tage Regenwetter. Diese Abläufe sind gleich, seit er den ersten Pubertätsschub hatte. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass eines Tages, wenn der Spuk vorbei ist, plötzlich alles wieder klappen wird. Bis dahin versuche ich, eine klare Kante zu ziehen, ohne allzu oft wütend zu werden. Bei Finlay habe ich oft versucht, Streit zu vermeiden, was alles nur verschlimmert hat. Also bin ich bei Duncan eher auf der Schiene, meinen Willen in diesen Fällen rigoros durchzusetzen (und mir dabei vorzubeten, was ich von einer Kundin gelernt habe, die eine pubertierende Tochter hatte. Lächelnd sagte sie zu mir „manchmal ist man als Mutter eben einfach dazu da, Grenzen zu setzen“.)

Ich versuche, neugierig zu bleiben auf das was kommt und ich bemühe mich, das alles nicht allzu persönlich zu nehmen – was nicht immer einfach ist….

Mal sehen, was ich in ein paar Wochen zu berichten habe, wenn Sir Duncan vielleicht seine Ritterlichkeit wiederentdeckt hat. Und dann lasse ich mich überraschen, was der Herbst uns noch so an Auflügen bringen wird bevor es dann schon wieder Richtung Winter geht. Die Liste an Dingen, die ich in dieser Saison schaffen wollte, ist deutlich länger als die Liste der Dinge, die ich geschafft HABE. Die Liste der Dinge, die ich im Winterhalbjahr tun will, ist ebenfalls lang. Und dann ist da noch die viel längere Liste an Dingen, die ich überhaupt mal mit Duncan probieren möchte. Es gibt also viel zu tun, aber erst muss mein Pony sein Gehirn sortieren dürfen und Gymnastik machen, um den Körper wieder gerade zu kriegen.

Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Und wenn der Weg das Ziel ist, ist es egal wie lang der Weg ist. Und manchmal ist ein Ziel auch nur im Weg. Es bleibt also bei der alten Weisheit: immer langsam mit den jungen Pferden.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 540

Ich habe einen neuen Lehrauftrag: ich unterrichte jetzt Doppellonge! Weil ich das schon so gut kann. Da kam ein junger Mann, der möchte mit dem Pony seiner Freundin gern sportliche Sachen machen, hat aber noch keine Ahnung wie. Und für sportliche Sachen bin ich ja zuständig, das ist ja allgemein bekannt! Also ging es los. Beim ersten Termin kam es mir vor, als würde der Typ chinesisch sprechen. Ich hab immer zu meinem Mädchen geguckt und die hat mir übersetzt, was er meint. Trotzdem war ich ein bisschen aufgeregt und hab deswegen immer doll nach dem Grünzeug am Reitplatzrand gehascht. Aber ansonsten weiß ich ja, im Zweifel lieber langsamer werden und nachfragen.

Mittelschwere Verknotung!

Eine Woche später kam er wieder. Ich erwartete schon wieder großes Chaos und hab meinem Mädchen erstmal gesagt, dass sie bitte immer in Sichtweite sein soll! Klar ist sie ja eh. Aber dann hat es klick gemacht und der Mensch hat verstanden wie es geht. Und dann konnte ich ihm auch zuhören und ihn verstehen, weil es kein chinesisch mehr war, sondern nur noch etwas undeutlich.

Aber jetzt hat er es schon ganz gut raus!

Und ich muss sagen: der Kerl hat einen großen Vorteil! Der ist nämlich fit! Wenn der losrennt, dann muss ich mich schon bemühen um auf meiner Außenbahn noch flotter zu sein. Manchmal ist er einfach so schnell gerannt, dass er dann plötzlich vor mir war. Hä? Was macht er da? Dann hat mein Mädchen gelacht und dem Menschen gesagt, er soll sich mal bremsen. Aber der hat so einen Energieüberschuss, das ist dem immer wieder passiert. Egal, wir hatten Spaß und er lernt das schon noch. Ich durfte zum Schluss sogar einen kleinen Hopser mit einbauen, das war lustig!

Mein Mädchen war schon wieder super stolz, was für ein tolles Lehrpony ich doch bin, sogar an der Doppellonge. Und meine Galopp-Schülerin hat berichtet, dass sie es geschafft hat, mit ihrem Pony zu galoppieren! Daran habe ich auch meinen Anteil als Lehr-Pony. Toll oder?

Euer Lehr-Pony Sir Duncan Dhu of Nakel

Strategie

Derzeit findet die TransGermania statt – ein langer Distanzritt über 21 Etappen unter dem Titel „vom Alpenrand zum Meeresstrand“. Ich verfolge das Geschehen so weit wie möglich, denn ich finde es wahnsinnig interessant. Zum einen sind da die Vorbereitungen der einzelnen Teams gewesen, da wurde vor allem die Frage der Fütterung aufgeworfen. Wie geht das, wenn man mehrere Stunden am Tag flott unterwegs ist, wie viel Zeit bleibt den Pferden zum Ruhen und zum Fressen und wie viel müssen sie extra bekommen, damit sie nicht zu viel Gewicht verlieren? Welches Equipment wird benötigt? Eine Reiterin hat 4 (!) Sättel mit, um nach Bedarf tageweise wechseln zu können. Zwischendurch fragte jemand, wie die Pferde das eigentlich im Krieg gemacht haben – da waren auch lange, harte Tagesmärsche zu bewältigen und ganz sicher waren keine 4 Sättel, keine 8 Decken, keine Wechselgurte da, geschweige denn Zusatzfutter aller Art und Sorte. Ich denke mal, es ging den Pferden damit ähnlich „gut“ wie den menschlichen Soldaten…. zum Glück sind wir heute in der Situation, eine solche Veranstaltung aus Spaß zu machen und dafür zu sorgen, dass es den Pferden dabei gut geht. Daher finden ja auch täglich mehrere Checks durch die Tierärzte statt, so dass niemand sein Pferd aus Ehrgeiz überfordert. Etwas, wofür ich den Distanzssport liebe und was ich mir sehr wünschen würde für jeden anderen Pferdesport….

Seit dem 24.8. sind die Reiter und Fahrer unterwegs. Sie können täglich neu entscheiden wie viel Strecke sie reiten – meist zwischen 20 und 60km. In jeder der zwei Pausen kann in der Wertung aufgehört werden, den Reste der Strecke reist das Pferd dann bequem im Anhänger. Und es scheint verschiedene Strategien zu geben: während eine Reiterin, die regelmäßig berichtet, bisher täglich „nur“ 20-30km reitet, reiten andere im Moment anscheinend die volle Strecke (täglich 40-80 km) . Ich reime mir zusammen, dass verschiedene Ziele dahinterstehen. Man kann entweder hoch pokern und sagen: ich versuche, die komplette Strecke über alle Tage zu reiten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich dann eines Tages nicht mehr durch die VetChecks komme, recht groß ist und ich den Ritt dann beenden muss ohne auf die letzten Tagesetappen überhaupt noch starten zu dürfen. Oder man versucht, jede Tagesetappe zu starten und beendet lieber jedesmal vorzeitig. Denn die ausgeschriebene Gesamtstrecke liegt weit jenseits meiner Vorstellungskraft, so viele Tage hintereinander Strecken von 60km zu reiten ist eine wahnsinnige Leistung und es bleibt abzuwarten, ob das überhaupt ein Team komplett schafft.

Ich habe auch gelesen, welche strategische Frage noch im Raum steht: schneller reiten, dann hat das Pferd mehr Zeit zum regenerieren, oder langsamer reiten, weil das weniger anstrengend ist?

Mich fasziniert diese Veranstaltung – nicht, weil ich daran teilnehmen möchte, sondern weil die aufgeworfenen Fragen mich selbst zum Nachdenken bringen. Weil dieser lange Ritt neben der reinen körperlichen Leistung eben so viele Gedanken zur individuellen Strategie aufwirft. Zur eigenen Zielsetzung, den Schwächen und Stärken des eigenen Pferdes. Jetzt, wo Duncans Grundausbildung auf ziemliche sicheren Beinen steht, geht es weniger um „üben“  – obwohl da auch noch viele Punkte auf meiner Liste stehen. Aber es geht – das lerne ich gerade ein bisschen auf die unangenehme Tour – auch um eine gute Strategie. Bisher habe ich Duncan nach jedem anstrengenderen Ausritt einen Tag frei gegeben. Das war ein guter Plan, so lange wir recht regelmäßig Sonntags einen ruhigen Ritt mit Diego und Montags einen flotten Ritt mit dem Ausreitkumpel hatten. Dienstags hatte Duncan dann frei und es blieben Mittwoch, Donnerstag und Freitag für Gymnastik-Programm (Samstags habe ich eigentlich nie die Zeit etwas mit ihm zu machen). Jetzt, mit den Möglichkeiten anderer Ausreitbegleitungen, waren da plötzlich mehr Ausritte und ich habe ihm dazwischen meist frei gegeben. Und schon nach wenigen Wochen muss ich mir eingestehen, dass das eine blöde Strategie war, denn es mangelt jetzt doch deutlich an Gymnastik. Duncan hat zu wenig „Pony-Yoga“ gemacht und zieht sich jetzt beim kleinsten Anlass schief. Er läuft nicht mehr so schön wie noch vor ein paar Monaten und das ist nicht nur das Wachstum (das habe ich zu lange gedacht). Ich stricke mir also eine neue Strategie – nach jedem langen Ausritt verordne ich Duncan jetzt eine Handarbeits-Einheit mit vielen Seitengängen, alle Muskeln einmal dehnen und durchbewegen. Und dann geht es wieder ans ausprobieren, denn so eine Strategie braucht ja mehrere Wochen, vielleicht Monate, bis sie wirkt. Vielleicht geht es auch noch anders noch besser, das weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, was ich – ohne dabei gewesen zu sein – von der TransGermania lernen kann. Denn eigentlich ist das, was dort gefragt ist, doch das, was wir auf lange Sicht alle wollen: Das magische Maß finden zwischen Leistung und Erholung und so über die lange Strecke am meisten Freude gemeinsam mit dem Pferd zu haben. Dabei ist es egal, ob diese Strecke im Wortsinne gemeint ist und wir Kilometer sammeln, oder ob es um gemeinsame Erlebnisse und Jahre geht. Welche Mischung an gemeinsamen Tätigkeiten bringt uns das optimale Ergebnis an körperlicher Fitness, Freude, Motivation und Anreizen für den Kopf? Diese Frage dürfen wir uns immer wieder stellen und immer neue Antworten finden.