Als das Wetter dann endlich wirklich kühler geworden war, ging es mal wieder mit dem Rennesel los. Es war so windig, dass mein Mädchen sich getraut hat, in einen unserer Lieblingswälder zu fahren. Der ist um diese Jahreszeit mit Vampiren besser bestückt als Tanssylvanien, deswegen halten wir uns normalerweise fern, aber tatsächlich hatten die Vampire Fresspause! Wir sind sogar ohne Zebradecke unterwegs gewesen (der Rennesel hat sie mir getragen, falls ich sie brauche, aber ich brauchte sie nicht).

Am Anfang war es etwas holprig. Mein Mädchen wollte sehen, wie ich allein starte, aber ich hatte ja schon gecheckt, dass der Rennesel und der Mann dabei sind und ich fand es nicht richtig, ohne die beiden loszugehen. Habe den Schneckenschritt eingelegt und immer gelauscht, ob sie wohl bald kommen. Als sie dann kamen und mein Mädchen aufgestiegen war, war ich ganz durcheinander und wusste auch erst nicht ob ich wirklich losgehen möchte. Mein Mädchen hat sich Sorgen gemacht, ob es mir wohl gut geht und sich geärgert, dass sie zu Hause nicht Fieber gemessen hatte vorm Start. Seit der Anaplasmose im letzten Jahr fürchtet sie sich, wenn es mir nicht einwandfrei gut geht.
Andererseits fand sie meine Blockadehaltung auch nervig und wusste nicht so recht damit umzugehen. Sie meinte dann, wir versuchen es jetzt eine Weile und wenn sich nichts ändert, drehen wir eben um. Ich bin dann langsam in Gang gekommen und schließlich wurde meinem Mädchen klar, was da los ist: Hüfte wieder schief! Jetzt hat sie sich nochmal geärgert, dass sie das nicht vorab zu Hause gecheckt hat. Andererseits kann bei schiefer Hüfte ja reiten auch helfen. Also haben wir seitwärts gehen geübt und viele Übergänge gemacht, damit ich locker werde und nach und nach ging es besser. Trotzdem war die angepeilte Runde meinem Mädchen zu viel und sie wollte abkürzen. Da aber im Wald einige Wege gesperrt waren, wollte sie denselben Weg zurück wie hin, aber nicht direkt umdrehen, das mag sie nicht. Nun gibt es da so einen kleinen Schlenker den man reiten kann, hinten bei den Friesen vorbei, wo der Holzstoßdrache wohnt, der mich und den schönen Spanier einmal so erschreckt hat. Der Rennesel, dieser Feigling, wollte diese Strecke lieber nicht mitkommen. Wegen der Matschlöcher, sagt er. Also sind mein Mädchen und ich allein da lang geritten und der Rennesel hat auf uns gewartet. Mutig am Brennholz vorbei und dann links auf den Weg abbiegen.
WAS IST DAS?
Hinter den Büschen bewegt sich doch was! Da hab ich vorsichtshalber einen beherzten Sprung zur Seite gemacht, um uns aus der Gefahrenzone zu bringen. Dann hab ich hingeschaut. Ach, da sind ja zwei Pferde! Hallo! Und wer war das? Die beiden Organisatorinnen vom Distanzritt! Die waren da auf Erkundungstour, weil sie noch was wegen der Strecke schauen wollten. Nach einem kleinen Schnack sind die beiden den Weg geritten, den wir gerade gekommen waren und wir haben den Rennesel wieder eingesammelt. Dann kam die beiden Pferde an der Ecke wieder raus, wo ich mich vom Rennesel getrennt hatte. Ein Stück sind wir parallel geritten, die beiden auf dem Reitweg, ich auf der Straße. Und die haben lange Beine! Wenn die antraben, sind die quasi schon weg. Aber ich hab das gut gemeistert, sagt mein Mädchen, und mich nicht über Gebühr aufgeregt. Schließlich, an der nächsten Kreuzung, sind die beiden abgebogen und wir geradeaus gegangen. Auch das habe ich sehr gut weggesteckt, sagt mein Mädchen, und war sehr stolz auf mich. Voll erwachsen fand sie das.

Wir haben uns dann auf den Rückweg gemacht und weiter meine Hüfte weich geknetet. Es wurde insgesamt immer besser und schließlich gab es sogar noch eine Graspause, in der mein Mädchen feststellen musste, dass ich einen Hufschuh geschrottet habe. Das war zu erwarten, denn der war beim Umbau schon angeschlagen. Sie wollte aber erst testen ob der Umbau überhaupt funktioniert, bevor sie neue Teile kauft. Der Schuh war auch für jetzt noch ok und blieb dran, also konnte es weitergehen. Mein Mädchen hat sich vom Mann eine Gerte aus einem Zweig schneiden lassen, damit sie mir besser zeigen kann, was ich machen soll, um meine Hüfte locker zu kriegen, das hat gut funktioniert und so bin ich noch ganz fein gelaufen und alle waren zufrieden. Kurz vor Schluss kamen uns noch zwei Reiter entgegen – ihr ahnt sicher schon, wer das war! – und dann ging es in den Schritt. Wir bummelten so vor uns hin und der Mann meinte, er reitet mit dem Rennesel schon mal vor. Die Wackelkiste war schon in Sichtweite und mein Mädchen in Feierabendlaune. Aber ich sag dir was, mein Mädchen: diese Wege hier, die sind schon ein bisschen ausgetreten, finde ich. Und hier links waren wir ewig nicht! Genaugenommen sind wir überhaupt erst ein einziges Mal hier links abgebogen. Und ich würde wirklich gern nochmal schauen, was da so los ist. Mein Mädchen hat herzhaft gelacht und gesagt, ich könnte das gern selbst entscheiden. Hat stillgesessen und die Zügel nicht angefasst. Ich hab ein bisschen hin und her überlegt und mich dann entschieden: ja, ich biege hier nochmal links ab. Mein Mädchen hat sich sehr gefreut über diese Initiative. Weil sie aber nicht noch eine Runde reiten wollte, ist sie nach einem kurzen Stück abgestiegen und hat mir noch eine Graspause gegönnt, damit ich weiß, dass sie das fein findet, wenn ich eigene Ideen äußere. Dann sind wir zurückgegangen zur Wackelkiste und nach Hause gefahren, wo ich prompt noch osteopathisch nachbehandelt wurde.
15 km haben wir trotz allem geschafft und mein Mädchen hat wieder zweierlei gelernt: IMMER vorher Fieber messen, damit sie sich sicher sein kann und vorher die Hüfte checken (das kann sie inzwischen selbst ganz gut), um zu wissen ob mit Schiefe zu rechnen ist.
Euer derzeit etwas schiefer Sir Duncan Dhu of Nakel