Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 21. Juli 2026

Letzte Woche lief hier nicht viel. Meinem Mädchen war es ständig zu heiß und zu schwül und es waren Massen an Vampiren unterwegs, die uns blutleer saugen wollten. Nachdem sie am Wochenende ja zweimal früh auf war, um ausreiten zu können, hatte sie Schlafmangel und Sommerblues. Also war Laumalochen angesagt. Am Montag kam eine meiner großen Freundinnen zum reiten (wir machen gute Fortschritte zusammen!). Dienstag und Mittwoch hab ich verbummelt – abgesehen von der Tatsache, dass mein Mädchen und der Mann einige Male kamen, mich gesattelt haben und dann mit dem Maßband an mir herumgefummelt haben – was ist da wieder los? Ich denke das erfahrt ihr nächste Woche….

 Erst am Donnerstag hatte mein Mädchen wieder Lust, etwas zu machen, aber bitte nur in der schattigen Halle! Und also haben wir unseren neuesten Trick geübt: Slalom! Sie hat sich in den Kopf gesetzt, dass ich Slalom um 4 Tonnen laufen soll. Am Ende von diesem Slalom steht mein orangenes Target, da soll ich dann ankommen und es mit der Nase antippen, dann gibt es Kekse. Das mit dem Slalom ist nicht soooo schwierig. Am Anfang ist mein Mädchen neben mir hergelaufen und hat mir angezeigt, an welchen Tonnen ich rechts und bei welchen ich links vorbeigehen soll. So weit, so unkompliziert. Dann meinte sie, da der Ablauf immer gleich ist, könnte sie sich mal etwas Arbeit sparen und so fing sie an, mir weniger Hinweise zu geben und außerdem auch noch immer früher stehen zu bleiben, während ich meinen Slalom allein zu Ende laufe. Ran ans Target, „touch“ machen und dann kommt sie angeflitzt mit der wohlverdienten Belohnung.

Nun ist sie ja aber eben wie sie ist und meint, ich könnte das doch alles noch viel besser machen!  Zum Beispiel stellt sie sich vor, dass ich das alles im Trab absolvieren kann! Erst war ich davon nicht ganz überzeugt. Mir ist schließlich auch warm! Aber es gab für jeden Trabvorschlag meinerseits einen Sonderkeks und so stieg meine Motivation beträchtlich. Und nach einer Weile war ich gut in Schwung und habe die zweite Hälfte des Slaloms schon im Trab absolviert. Dann abgebremst und im Schritt ans Target.

Tja, hier war dann wieder der übliche Mädchen-Auftritt: das ist toll, kann aber NOCH besser werden! Ansprüche hat sie…

Slalom

Aber die nächste Gelegenheit zum üben war gar nicht weit, denn am Freitag kam meine neueste Freundin und weil meinem Mädchen schon wieder alles zu heiß war, schlug sie vor, dass wir nochmal das Target ohne Slalom üben. Meine neueste Freundin hat noch nie Clickertraining gemacht (auch „positive Verstärkung“ oder R+ genannt). Daher kam es am Anfang zu kleineren Störungen im Ablauf, aber nach einer Weile haben wir geschmeidig zusammengearbeitet. Ich hab mir wirklich die größte Mühe gegeben, das Target direkt aus dem Trab zu treffen, aber es war schwieriger als gedacht! Dann, nach einem Richtungswechsel, hat es plötzlich geklappt und ich wurde über den grünen Klee gelobt, mit Keksen überhäuft und hatte Feierabend. Mein Mädchen hat gerätselt, wieso das jetzt so gut ging und dann mal aus meiner Perspektive geschaut. Da musste sie feststellen, dass das Target einfach deutlicher erkennbar ist, wenn dahinter nicht noch 238979 Sachen stehen, sondern nur eine Wand zu sehen ist. Jetzt will sie demnächst überprüfen, ob das wohl der Grund für den Erfolg war.

Habe mich dann auch noch ausgiebig kratzen lassen – das ist ja sonst nicht meins, aber einer von den fiesen Blutsaugern hatte mich doch tatsächlich an die Innenseite meines Hinterschenkels gestochen – wie soll man da denn rankommen, um sich zu kratzen? Also hat mein Mädchen das freundlicherweise übernommen.

Am Samstag hatte ich schon wieder frei. Mein Mädchen war arbeiten und als sie dann am Nachmittag nach Hause kam, hat sie sich lieber eine Kutschfahrt mit Diego bestellt. Da muss sie nämlich nicht viel denken und kann einfach die Ruhe genießen. Außerdem war bei uns zu Hause leider keine Ruhe, denn der Nachbar hat sein Getreidefeld abgeerntet, das war mich recht viel Getöse verbunden. Sie hat dann auf der Kutschfahrt mal wieder davon geträumt, wie ich das eines Tages mache. Aber ihr fehlt immer noch die Traute dafür und so muss ich erst noch wieder am Vertrauen in meine Person arbeiten, bevor da endlich mal was losgeht.

Schwuppdiwupp war die Woche vergangen, ohne dass ich ernsthaft was hätte tun müssen. Mein Mädchen meint, das würde man meinem leicht vermehrten Bauchumfang auch direkt ansehen und so hoffte sie sehr, dass das bereits versprochene kühlere Wetter auch wirklich kommt.

Und es kam, aber davon erzähle ich euch nächstes Mal!

Euer slalomlaufender Sir Duncan Dhu of Nakel

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