Wisst ihr, mein Mädchen hat ja ihre Schwächen. Aber sie hat eben auch große Stärken! Sie hört mir zum Beispiel gut zu. Und während Spontanität definitiv NICHT zu ihren Stärken gehört, hat sie doch ein gutes Gedächtnis. Ihr erinnert euch an den Ausritt neulich, als ich gegen Ende noch gefragt habe, ob wir da nicht nochmal abbiegen wollen, nur um zu schauen, wo dieser Weg eigentlich hinführt? Tja, das hat sie sich genau gemerkt. Und mir dann quasi zum Geburtstag geschenkt, dass wir da mal abbiegen. Wir waren da übrigens schon einmal, aber das ist laaaaange her.
Na jedenfalls bin ich ja 8 Jahre alt geworden und deswegen haben wir den Geburtstags-Ausflug in der „Erwachsenen-Version“ gemacht. Nur sie und ich, ganz allein. Los ging es mit der Wackelkiste in den Lieblings-Wald und dann also auf diese Strecke. Also von der Wackelkiste weg und dann rechts abbiegen ins (fast) unbekannte Gelände. Ich war gut drauf und zum ersten Mal habe ich auch alleine ohne zögern einen flotten Schuh hingelegt. Sonst war ich ja immer noch etwas unsicher so ganz allein und bin lieber etwas langsamer unterwegs gewesen, aber in letzter Zeit hatten wir so viele Erlebnisse, die mir gezeigt haben, dass mein Mädchen und ich Probleme gut lösen können, auch wenn sie auf meinem Rücken sitzt und niemand vor mir her geht, das hat mir Mut gemacht.
Hab dann gleich mal einen kleinen Trab vorschlagen. Und nachdem wir eine Weile nicht so schöne Böden hatten, kamen wir auf einen Plattenweg, da hab ich nach Galopp gefragt. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, sie wollte es eigentlich ruhiger angehen, weil ich doch diesen Samstag so eine lange Strecke gehen soll. Aber hey, ich hab Geburtstag! Da darf ich mir doch auch was wünschen oder? Und ich hab SO nett gefragt ob ich galoppieren darf, da konnte sich gar nicht nein sagen. Kaum war ich aber angaloppiert, hab ich lieber auch schon wieder durchpariert. Weil ich nämlich Rinder gesichtet hatte, da hinter dem Knick. Die standen da und haben gegrast. Mein Mädchen hat gesagt, so lange die so weit weg stehen und futtern, können wir traben. Dann hat sie mir eingeschärft: wenn die Rinder anfangen, sich zu bewegen, werden wir LANGSAMER. Und wenn ich Hilfe brauche, soll ich ihr das sagen und ihr genug Zeit geben, um abzusteigen. Aber die Rinder waren entspannt und also brauchte ich keine Hilfe. Als das erledigt war, konnten wir dann endlich galoppieren.
Dann im Schritt über einen Hof – bisschen unheimlich, aber ich hab das gut gemeistert – und weiter ging es. Hoppi galoppi und weil ich Geburtstag hab, darf ich galoppieren so viel ich will! Finde ich. Und mein Mädchen fand das dann auch. Sie hätte ja gern mal einen Rechtsgalopp gehabt, aber den hab ich einfach momentan im Gelände nicht im Angebot. Keine Ahnung, wo der ist. Auf dem Platz weiß ich das.
Als wir gerade auf eine Kreuzung zu getrabt sind, hörten wir von hinten einen Trecker anrauschen. Kurze Panik beim Mädchen, weil der echt schnell war, aber er hat dann abgebremst und wir sind schnell abgebogen, sie hat mich umgedreht, damit ich mir das anschauen kann. Kein Problem, kann ich. Dann links. Ach so ne, wir müssen hier rechts! Mein Mädchen war mal wieder leicht irritiert, wie oft man auf einem Kreis, der auf der Karte nach „immer linksrum“ aussieht, dann doch geradeaus oder rechtsrum reitet. Sie kennt sich einfach so gar nicht aus! Zeit, dass ich mal wieder die Wegwahl treffen darf. Hat sie mir auch für demnächst versprochen. Auf dem Rückweg hat sie mir noch ein Geburtstagsständchen gesungen. Ich freu mich ja immer, wenn sie singt, weil das heißt, dass sie sehr zufrieden mit mir ist und gute Laune hat.
Schließlich waren wir wieder an der Wackelkiste. Oh, Ausritt schon zu Ende? Schade. Das waren doch nur 10km, mein Mädchen! Und das soll ein vernünftiger Geburtstag sein?
Aber nein. Es stellte sich heraus, dass es eine Spezialausgabe von Ausritt war! Wir kamen zur Wackelkiste, ich wurde abgesattelt und durfte durch die Kekstür etwas Heu schmausen und etwas Wasser aus dem Eimer trinken. Aber irgendwas war anders als sonst. Mein Mädchen hat herumgewurschtelt, aber ich sollte gar nicht einsteigen. Und dann hat sie mich einfach wieder gesattelt! Na da schau an. „2. Runde“, sagte sie. Und ist diesmal direkt aufgestiegen (sonst geht sie ja immer erst zu Fuß). Ok, dann gehen wir wohl nochmal los. Genau wie eben auch: erst geradeaus und dann an der ersten Kreuzung rechts. Aber nein, das war gar nicht geplant! Jetzt sollte ich hier geradeaus gehen! Hä? Da war ich doch kurz verwirrt. Aber nur kurz. Dann ging es weiter.

Hier sind so viele leckere Pfützen, die will ich alle verkosten! Mein Mädchen war genervt. Ich hatte ja gerade erst Wasser bekommen, da meinte sie, ich müsste jetzt doch nicht schon wieder was trinken. Aber ich fand halt schon. Ich arbeite ja an meinem Gourmet-Atlas „Die leckersten Pfützen Schleswig-Holsteins“! Wird bestimmt ein Bestseller.
Hörst Du auch dieses komische Geräusch, mein Mädchen? Ja sie hat sich auch gefragt, was die da arbeiten im Wald. Dann sahen wir es: da war ein merkwürdiges Gefährt, das hat den frischen Schotter verteilt. Zum Glück kein so ganz schlimmer, grober Schotter, aber trotzdem. Es sieht doch auch einfach hässlich aus, wenn alles grau ist! Wir sind aber auf den Reitweg abgebogen, bevor wir an dem Gefährt angekommen waren. Sind dann im Schritt den Weg lang, der ist etwas tückisch, mit Lunken und hohem Gras. Dort sind auch die Matschlöcher, die dem schönen Spanier solche Sorgen bereiten. Ich kann die, kein Problem. Und neben uns – ein paar hundert Meter weg – fuhr dieses Gefährt. Schepper, schepper, schepper. Die ganze Zeit auf unserer Höhe in unserer Geschwindigkeit. Ade, schöne Romantik! Aber mein Mädchen meinte, das sei eine perfekte Übung. Ich konnte das aber gut wegatmen, kein Problem. Zack! Mädchen stolz.

Schließlich sind wir dann abgebogen und waren das Schepperdings los. Noch ein bisschen Trab und schon waren wir wieder an der Wackelkiste. Insgesamt haben wir 17km (10km in der ersten, 7km in der zweiten Runde) gemacht in gutem Tempo (um nicht zu sagen deutlich schneller als mein Mädchen sich das für den letzten Ausritt vor dem Distanzritt überlegt hatte, aber das war mir sowas von egal! Ich hatte doch Geburtstag!).
Das war sehr schön, mein Mädchen! Nun überlegt sie, ob wir nicht öfter mal so Touren mit zwei „Loops“ machen. In manchem Gelände würde sich das vielleicht anbieten und ich könnte dann immer eine schöne Heu- und Trinkpause haben.
Euer sehr erwachsener Sir Duncan Dhu of Nakel (8!)
