Manches ändert sich nie

Neulich bekam ich vielleicht die interessanteste Absage meines Lebens.

Eine Hufpflegekundin teilte mir mit, sie habe sich nun eine andere Hufpflegerin gesucht (so weit, so normal). Begründung: Ihr Pferd steht seit dem Stallwechsel ja so schlecht still (wir hatten Probleme, weil die Stute extrem unruhig war) und sie möchte mir das nicht mehr antun (danke!). Deswegen hat sie sich eine Hufpflegerin gesucht, der das nichts ausmacht.

Und das war der Moment wo ich stutzte. Also anstatt das Problem zu lösen – kurzfristig indem man z.B. einen Kumpel für das Pferd daneben stellt, weil sie nicht allein am Putzplatz stehen will, langfristig durch Training – sucht man sich jemanden, dem das nichts ausmacht.

Ich bin seit 26 Jahren Hufpflegerin. Als ich noch jung und ambitioniert war, war ich oft diejenige, die alles ausgehalten hat. Ich habe mir große Mühe gegeben, jedem noch so hampeligen Pferd die Hufe zu machen. Mein Rücken hat es mir komischerweise nicht gedankt. Aber noch schlimmer: kaum eine Kundin hat es mir je gedankt. Es wurde immer als selbstverständlich hingenommen, dass ICH das Problem löse. Irgendwie war es immer MEIN Problem, das hinzukriegen und ich war viel zu nett. Wenn ich dann doch mal verärgert war, war es oft das letzte Mal, dass ich gerufen wurde, dann wurde ich ersetzt (obwohl man mir vorher versichert hatte, dass man noch nie so zufrieden war und dass niemand anders das Pferd bearbeiten könnte).

Hier kann ich jetzt das Verhalten von der anderen Seite beobachten: die Kundin sucht sich eine Hufpflegerin, die jung und unverbraucht ist und noch glaubt, es sei IHR Problem. Und jetzt wo ich es von dieser Seite sehe, kann ich zwei Dinge sagen: 1. Das eigentliche Problem wird nicht gelöst werden. Die Besitzerin sieht nämlich keinen Anlass, selbst etwas zu tun, so lange jemand anders ihr Problem „löst“ (=ausbadet). 2. Die junge Kollegin wird sicher in einigen Jahren ähnlich dastehen wie ich, sich frustriert von all den Kundenpferden trennen, die nie das Stillstehen und Hufe geben lernen werden, weil es ihnen nie jemand beibringen wird.

Und obwohl ich das ja sogar anbieten würde zu üben, hat mich noch nie jemand dafür gebucht. Stillstehen und Hufe geben kann ja angeblich jedes Pferd (lang genug um einmal husch-husch die Hufe auszukratzen – wenn das Wetter und die Laune stimmt – aber halt leider nicht lang genug um sie professionell zu bearbeiten). Unterrichtsstunden zu bezahlen für so ein Thema ist extrem unsexy, man möchte doch viel lieber etwas Instagram-taugliches üben oder zumindest etwas worauf man im Stall nicht unangenehm angesprochen wird.

Vielleicht haben Pferdebesitzerinnen heutzutage auch keine Vorstellung mehr davon, wie ein Pferd mit guter Grunderziehung sich eigentlich benimmt. Und davon, wie man das erreicht. Aber vor allem gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, dass viele gar nicht wissen, wie viel leichter und angenehmer das Leben für ALLE Beteiligten wird, wenn das Pferd weiß, was zu tun ist und Lust hat, es richtig zu machen. Das ist paradox, denn der Markt ist voller Trainer aller möglichen Methoden, trotzdem wirkt es in meiner Freizeitreiter-Blase so, als würden die Pferde immer weniger können, immer weniger bewegt und immer weniger gefordert. Die Konsequenzen tragen letztlich die Pferde, die ständig angemault werden, weil sie nicht tun was sie sollen und gleichzeitig immer dicker und immer kränker werden. Und all die Profis, die an diesen Pferden arbeiten sollen und ihre  Gesundheit und Sicherheit dafür aufs Spiel setzen.

Ich liebe meine beiden Jobs, die Hufpflege und das Unterrichten. Aber ich werde mir gestatten, gerade bei der Hufpflege noch mehr auf mich zu achten, ganz besonders nach dieser Absage, die mir endlich ganz klar aufgezeigt hat, wo das Problem liegt. (Nämlich da wo es eigentlich immer liegt: bei der Pferdebesitzerin….) Die Erfahrung hat mich nun endgültig gelernt, dass Pferde, die beim 2. Und 3. Termin nicht still stehen können, das niemals können werden, weil sich niemand darum kümmert. 

Ich wünsche meiner jungen Kollegin, dass sie das früher merkt als ich. Wenn kein Hufbearbeiter mehr kommt, weil das Pferd nicht steht, wird die Pferdebesitzerin vielleicht merken, dass SIE es ist, die das Problem lösen muss. Und dass sie dafür eine breite Auswahl an Ausbilderinnen und Methoden findet, wenn sie nur möchte.  Und ja: das kann viel Arbeit sein. Arbeit, die dann endlich die Person macht, die sie machen sollte.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 11. Juni 2025

Mädchen, was ist das?

Das ist Deine Sommer-Schüssel. Deine Rüstung sieht mir etwas ausgebeult aus und da ihr jetzt jede Nacht auf der Weide ordentlich Gras futtern könnt, brauchst du keine große Extraportion mehr, nur noch Mineralfutter.

Aber ich trainiere doch so hart! Das sind doch alles nur Muskeln!

Nein, hat sie mir nicht geglaubt. Aber jetzt kommt´s! Am Montag war nämlich die Pferdewaage da und die war ganz auf meiner Seite!

Im Januar habe ich 393kg gewogen. Und das fand mein Mädchen tatsächlich etwas zu wenig. Deswegen durfte ich dann ordentlich extra futtern, vor allem die guten Proteine, von denen sind nämlich zu wenige in unserem Heu. Und jetzt meinte sie also plötzlich, mir das alles streichen zu können, weil wir auf Weide gehen! Aber nix da: die Waage zeigt 406kg an! Und das ist so eine kleine Gewichtszunahme bei so viel Muskelaufbau, dass es wirklich keinen Grund gibt, mir dermaßen die Ration einzukürzen. Und jetzt will ich nichts mehr hören von Beulen in der Rüstung, mein Mädchen!

Diego hatte schon ein ähnliches Schicksal ereilt – auch seine Schüssel war verdächtig leer – aber der soll ja nun auch ganz ernsthaft ins Training einsteigen und daher meinte mein Mädchen, nachdem er auf der Waage schlanke 580 kg zeigte, dass er auch wieder etwas mehr in seinem Eimer sehen darf.

Also: zum Glück war die Waage da, hätte mir ja sonst keiner geglaubt!

Und mein Mädchen muss wohl mal zum Augenarzt, wenn sie Speck sieht wo gar keiner ist.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel der jetzt doch nicht so stramm Diät halten muss wie befürchtet

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7. Juni 2025

Montag langer Ausritt, Dienstag hatte ich frei, Mittwoch war reiten angesagt. Und da hat mein Mädchen ernst gemacht, das sage ich euch! Weil sie im Gelände gemerkt hat, dass ich im Galopp noch ganz schief werde. Also brauche ich noch mehr Geraderichtung und das üben wir dann jetzt auf dem Platz. Anstatt also auf dem Zirkel zu galoppieren, galoppieren wir die lange Seite runter und ich soll mich schnurgerade ausrichten. Ich schiebe da nämlich immer ein bisschen den Po nach innen, das macht das galoppieren leichter mit so einem Reitergewicht im Rücken. Aber mein Mädchen findet, das soll ich jetzt mal lassen. Uff! Das war richtig, richtig anstrengend.

Am Donnerstag haben wir Doppellonge gemacht und da hatte sie auch so ein Thema am Wickel: Galopp (diesmal auf kleinem Kreis) und dann vom Galopp in den Trab aber im Trab nicht irgendwie, sondern gleich wieder korrekt gebogen und mit freier Schulter. Da kam ich ordentlich in Schwung und hatte dann zwischendurch kein Verständnis mehr für Stillstehen. Man kann es ihr ja wieder nicht recht machen: stehe ich nach dem Keks still, soll ich losgehen. Gehe ich direkt wieder los, soll ich stillstehen. Kann sie sich mal entscheiden? Zum Schluss haben wir wieder fahren vom Boden gemacht und ich sollte Schulterherein gehen. Das klappt schon einigermaßen anständig. Und was macht mein Mädchen, wenn etwas einigermaßen anständig klappt? Richtig, sie erhöht den Schwierigkeitsgrad. Also fragte sie mich dann von hinten nach Kruppeherein. Herrje, was für ein Chaos! Das war ein Geeier, Geschwanke und sie wurde auch ganz tüddelig. Aber sie meinte, ich hab mich da gut durchgebissen. Mir rauchte der Kopf!

Apropos rauchender Kopf: die richtige Anstrengung kam dann gestern. Meine kleine Freundin war da und weil so viel Wetter war, sind wir in die Halle gegangen. Mein Mädchen hatte sich eine neue Aufgabe überlegt: ich soll jetzt unterscheiden! Es gibt „Ball“ und „Matte“. Wenn meine kleine Freundin „Ball“ sagt, soll ich den Ball schießen – das haben wir hinreichend geübt, das kann ich. Aber danach, wenn ich den Keks verspeist hatte, sagte meine kleine Freundin immer „Matte“ und dann sollte ich mich – mit allen 4 Hufen – auf die Matratze stellen. Nun kann ich ja gut auf der Matratze stehen, hatte aber bisher kein Wort dafür. Und jetzt wird ja auch noch erwartet, dass ich das mehr oder weniger alleine auf Distanz mache (ok, das klappt noch nicht so gut). Und kein Bein vergessen! Mein linkes Hinterbein war manchmal nicht mit drauf und dann gibt es leider keinen Keks, bis ich das korrigiert habe.

Nach 15 Minuten schwirrte mir schon der Kopf. Ball, Keks, Matte, Keks, Ball …. Was? Hä? Ich war fix und fertig. Da meinte mein Mädchen, ich könnte jetzt noch was Neues lernen, nämlich Pause machen. Dafür gibt es kein Wort, sondern meine kleine Freundin hat sich hingehockt (mein Mädchen war sehr stolz auf sie, dass sie keine Angst hatte, das zu tun! Ich war auch stolz, schließlich habe ich mir dieses Vertrauen hart erarbeitet!) und dann haben wir einfach zusammen rumgestanden und unsere Köpfe etwas ausrauchen lassen.

Gemeinsam Pause machen

Danach ging es noch ein bisschen, aber ich sage euch: das war echter Denksport! Am Ende hatte ich mir den obligatorischen Möhrentupper echt verdient. Meine kleine Freundin war nachher allerdings auch sehr müde vom vielen denken, die fand das auch anstrengend, das hat mich ein bisschen beruhigt.

Eins muss ich meinem Mädchen lassen: Langeweile kommt hier keine auf im Moment!

Euer hart trainierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Eine kleine Kettensägen-Analogie

„Merke: Bevor du anfangen kannst, musst du erst noch etwas anderes erledigen.“

Das ist einer der Lieblingssprüche meines Vaters und ich finde ihn in der Pferdeausbildung oft wieder. Neulich zum Beispiel, als ich mit einer Schülerin daran arbeitete, dass ihr Pferd die Gebisshilfen richtig versteht. Warum haben wir damit nicht schon viel früher angefangen? Ganz einfach: weil das Pferd nicht allein auf dem Reitplatz sein mochte und große Schwierigkeiten hatte, sich entsprechend zu konzentrieren und überhaupt mitzumachen. Wir hatten also erst andere Dinge zu üben und zu klären, bevor wir uns dem Thema Gebisshilfen widmen konnten.

Oder Diego vor der Kutsche: bevor es losgehen kann, muss allerhand geübt werden und das Geschirr korrekt einzustellen, dauert eine Ewigkeit, mal so probieren, mal so, bis alles endlich passt. Diese Zeit muss man sich nehmen, nützt nix. Denn wenn man sich diese Zeit nicht nimmt, wird es gefährlich für alle Beteiligten.

Am deutlichsten wird das Problem eigentlich immer beim Verladetraining. Niemand scheint Lust zu haben auf Verladetraining und so fällt den meisten Pferdebesitzern erst dann ein, dass man das ja mal üben sollte, wenn sie ihr Pferd transportieren wollen. Mit viel Glück werde ich dann zwei Wochen vorher angeschrieben und soll es dann richten. Spoiler: in vielen Fällen reichen zwei Wochen einfach nicht….

Als ich neulich mit der kleinen, elektrischen Kettensäge schnell was wegsägen wollte, kam der Spruch meines Vaters voll zum tragen. Als erstes flog die Kette vom Sägeblatt. Ok, kriege ich hin. Kette wieder dran gefummelt, neuer Versuch. Kette ab. Also von der Weide den weiten Weg bis in die Wohnung, denn zum Glück sitzt dort mein Mann im Homeoffice. Der zeigt mir, wie ich die Kette spannen kann. Ach so! Muss einem ja auch erklärt werden. Schneller Test: Kette bleibt drauf, aber die Sägeleistung geht gegen Null, die Kette ist stumpf. Neue Kette drauf. Und dann muss geölt werden und der Öl-pump-Knopf (wie auch immer der auf fachmännisch heißt) tut nicht. Oder doch? Wo kommt da jetzt das Öl nicht durch? Kettensäge wieder auseinanderbauen. Eine gefühlte Ewigkeit später ging es dann. Und ich war mittlerweile so genervt, dass ich den Ast auch mit den Zähnen hätte durchfräsen können. Himmelherrgottarschundzwirn! Ich wollte doch nur was sägen und dafür dieses kleine handliche, kraftsparende Gerät einsetzen, was jetzt meine Nerven zersägt hat!

In diesem Moment denke ich oft: komisch, bei den Pferden macht mir das nichts aus. Und dann denke ich wieder ans Verladetraining. Die meisten Dinge, die ich mit meinen Pferde mache, machen mir Spaß und ich habe bei den in der Regel kein zeitlich vorgegebenes Ziel. Schnell was absägen war in meinem Kopf eine Aufgabe von 5 Minuten, die sich plötzlich unendlich aufblähte. Es gab ein klares Ziel: der Ast soll weg, dann bin ich fertig. In der Pferdeausbildung gibt es kein „fertig“. Deswegen stresst es mich auch nicht so, wenn es mal länger dauert. Wobei es natürlich schon schön ist, wenn man „geradeaus durchtrainieren“ kann, wie ich es nenne. Soll heißen: man geht einen Trainingsschritt nach dem nächsten, egal wie klein die Schritte sind, aber es geht stetig voran. Rückschritte, Hindernisse und ungeplante Pausen nerven natürlich immer, gehören aber bekanntlich dazu und stören mich beim Pferd nicht so wahnsinnig.

Vielleicht ist es bei Hobby-Handwerkern genauso? Wenn der berühmte Spruch „der Weg ist das Ziel“ zur eigenen Wirklichkeit wird, weil man so viel Spaß hat daran, den Weg zu gehen, dann ist es vielleicht egal, wenn eine halbe Stunde für Werkzeugreparatur drauf geht. Wenn man aber auf ein Ziel hinarbeitet, dass es möglichst schnell zu erreichen gilt, dann ist das eben nicht mehr egal. Was lerne ich daraus? Mehr Verständnis für die Pferdebesitzerinnen die keinen Bock haben, bestimmte Dinge zu üben. Und dass es Teil meines Job ist, ihnen möglichst viel Spaß an diesen Übungen zu vermitteln. Und gelegentlich daran zu erinnern, dass auch Verladetraining dazu gehört, und dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass zwei Wochen dafür reichen. Denn im Zusammensein mit Pferden bestimmt man nicht allein, wie lange etwas dauert. Das Pferd hat das letzte Wort. Oder wie Arnulf immer sagt „Du bestimmst das Spiel, das Pferd bestimmt die Zeit“.

Das Pferd! Nicht die blöde Kettensäge.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu von 4. Juni 2025

Während ich viel beschäftigt bin mit Ausreiten, alleine Ausreiten (ohne alleine Auszureiten), Reitschülerinnen unterrichten, springen üben und ähnlichem hat Diego den 2. Bildungsweg eingeschlagen. Er lernt jetzt das, was mein Mädchen mir immer noch nicht zutraut (pah!) weil ich angeblich noch nicht erwachsen genug bin (Unterstellung!): das Kutsche-ziehen. Ich glaube ja nicht, dass das so kompliziert ist, ehrlich gesagt. Man läuft doch da auch nur geradeaus und biegt an einer Kreuzung rechts oder links ab. Was soll daran schwer sein?

Aber Diego sagt, so einfach ist es gar nicht. Erst muss man mal ein passendes Fahrgeschirr bekommen. Und das ist ein elendiges Getüddel! Hier muss was verstellt werden, da was ausgetauscht, dort noch ein Loch ins Leder. Dann ausprobieren, dann nochmal verstellen.  Ok, klingt sehr nervig, sehe ich ein.

Außerdem muss man absolut geräuschfest sein. Alles was von hinten an Geklapper, Geschepper, Geklöter oder Schleifgeräuschen kommt muss man ganz solide wegignorieren. Und dann sind da noch die Leinenhilfen: so ein Kutschfahrer hat ja keine Sitz- und Schenkelhilfen, sondern nur Leinen, Stimme und Peitsche. Na gut, aber das kann ich ja schon, mein Mädchen fährt mich ja auch schon vom Boden. Was soll daran jetzt so kompliziert sein? Aber Diego ist da anders drauf. Der ist nämlich nicht so straff gefedert wie ich, sondern eher so eine Art Gummipferd mit hohem Schwerpunkt und deswegen gerät er gerne mal ins Schwanken, wenn er nicht genug Zug Richtung Horizont entwickelt.

Weiter geht es mit dem Justieren der Kutsche. Diego hat ja einen eigenen Rolls-Royce bekommen, den aber noch nie gezogen. Denn sein Rolls-Royce hat nur zwei Räder und muss deswegen perfekt ausbalanciert werden für Diegos Größe. Daran arbeiten die Menschen noch. So lange zieht Diego die Kutsche von der gestrengen Fahrlehrmeisterin, zu der er jeweils mit der Wackelkiste hingefahren wird. Die achtet darauf, dass alles richtig läuft und der Mann das auch gut lernt. Der hat zwar diesen Kurs gemacht, aber von einem Kurs kann man diese ganzen Griffe noch nicht gut genug um sie dann auch in Echtzeit mit eigenem Pferd und leichter Nervosität korrekt hinzukriegen. Üben, üben, üben! Diego muss auch üben. Die gestrenge Fahrlehrmeisterin gibt ein bisschen andere Kommandos, da muss er sich anpassen. Und dann üben sie stehenbleiben und anfahren. Und das anfahren, sagt Diego, ist nicht so einfach! Man muss sich nämlich mit Macht gegen das Brustblatt stemmen, bis die Kutsche ins Rollen kommt. Und das ist doch eine sehr ungewohnte Sache, da war er sich am Anfang gar nicht so sicher ob das wirklich klappt. Normalerweise soll man ja nicht gegen Dinge angehen und das weiß Diego ja auch! Aber wenn die Kutsche mal rollt, dann rollt sie. Bis zur nächsten Kurve! Da kann man nämlich auch nicht einfach so rumgehen wie man will. Man ist ja in der Schere, also hat man nicht die normale Bewegungsfreiheit, sondern muss ein bisschen seitlich herumtreten. Und dabei muss man noch den Wendekreis der Kutsche mit einkalkulieren.

Wie schwer kann das schon sein?

Ich weiß nicht, ich finde das klingt viel komplizierter als es aussieht. Wenn man mich mal machen lassen würde, ich würde das bestimmt prima hinkriegen. Mein Mädchen meint, körperlich hätte ich es da wahrscheinlich einfacher als Diego: tieferer Schwerpunkt, strammere Federung und kürzerer Radstand kommen mir da wohl entgegen. Ich tu mich deswegen eh leichter mit der Balance. Aber wie gesagt, man lässt mich nicht. Weil ich halt angeblich noch nicht erwachsen, vernünftig und erfahren genug bin. Oder weil mein Mädchen ein Angsthase ist und sich nicht traut. Eines von den beiden….

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel der das mit dem Kutscheziehen natürlich mit links könnte

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 3. Juni 2025

Montag! Wackelkiste! Ah ich mag es, wenn die Dinge so sind wie sie sein sollen. Auf geht’s, den Ausreitkumpel abholen! Nach einer kleinen Weile sind wir ausgestiegen. Wo sind wir? Ooooooh im Lieblingswald! Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, ich würde ja wieder mal lächeln. Klar, ich hab mich so gefreut! Dieser Wald verspricht immer gute Ausflüge. Also los, hopp hopp! Nicht so langsam!

Der Anfang der Strecke war ein Stück Weg den wir noch nicht kannten, inklusive einmal den Abbieger verpassen und umdrehen.

Da geht’s nicht weiter, scheint mir…

Ich war schon auf Zack und wollte ordentlich Tempo machen, aber mein Mädchen stand auf der Bremse. Es war schon wieder schwer, es ihr recht zu machen: nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam, schön am Rand, wegen der Steine, aber auch nicht mitten durch die Büsche und NICHT FÖRSTERN nebenbei. Puh! Ein paar Minuten haben wir hin und her diskutiert. Aber dann habe ich es plötzlich rausgehabt. Und da war mein Mädchen vielleicht glücklich! Ich bin ganz gleichmäßig flott voran getrabt und sie konnte schön in den Bügeln stehen (das geht nur wenn ich den Trab gut hinkriege, sonst muss sie leichttraben, weil es mit dem Schwung nicht stimmt). Mein Mädchen hat dann gesagt, das fühlt sich so gut an, da traut sie sich auch einen kleinen Galopp. Und ich hab mir gedacht: verlorenes Vertrauen muss vorsichtig wieder aufgebaut werden. Also aufs erste Kommando gesittet angaloppieren, dann ganz ruhig und gleichmäßig weiter und dann aufs erste Stimmkommando SOFORT in den Trab. Ha! Perfekt hab ich das gemacht! Und mir damit noch ein paar kleine Galoppaden verdient. Ihr seht: ich komme gut voran mit dem Vertrauensaufbau.

Mein Ausreitkumpel hat derweil ein bisschen rumgemault, der musste mal pieseln aber er hat einfach nicht die richtige Stelle dafür gefunden. Ja, das Problem kenne ich auch! Man kann ja nicht einfach schnöde irgendwo hinmachen. Das Ambiente muss schon stimmen! Und das beste Piesel-Ambiente ist nun mal weitab vom Weg in den Büschen, am besten mit ein paar Brombeeren und Brennnesseln, die einen am Bauch kitzeln. Zum Glück fand sich dann so ein Platz neben einem schmalen, matschigen Waldpfad, der meinem Mädchen nervlich einiges abverlangt hat. Dort war rechts ein ziemlich tiefer Graben und dann lag auch noch ein Baumstamm quer. Wie war das mit dem Vertrauensaufbau? Ich hätte einen Hopser machen können über den Stamm, aber ich habe mich dann entschieden, meine Beine sehr gesittet und ruhig einzeln rüber zu heben. Weil es dahinter auch matschig war und ich bei der Landung hätte rutschen können. Zack! – wieder Vertrauenspunkte gesammelt.

Für ein gutes Foto tut das Mädchen vom Ausreitkumpel alles…

Nach 10km war ich etwas kopfmüde und wir haben eine schöne Graspause eingelegt. Dann kamen wir an die letzte Abbiegung, von dort geht es 5km immer geradeaus. Mein Mädchen war froh, dass sie sich jetzt nicht mehr um die Navigation kümmern muss (das ist ja immer ihr Job, weil wenn man das dem Mädchen vom Ausreitkumpel überlässt, werden die Ritte immer deutlich länger als geplant… )

Wir hatten gerade ungefähr die Hälfte dieses langen Weges hinter uns und sind gerade nach einer kleinen Schrittpause wieder angetrabt als plötzlich

SCHUSS!!!

Man, haben wir uns vielleicht erschreckt! Ich hab sofort Gas gegeben. Aber beim zweiten Galoppsprung fiel es mir wieder ein: denk an den Vertrauensaufbau! Also habe ich auf mein Mädchen gehört und durchpariert zum Trab. Und dann zum Schritt. Dafür gab es direkt einen Keks und mein Mädchen hat sich irre gefreut, auch wenn ihr vor Schreck die Kniee gewackelt haben. Wir sind dann gleich wieder angetrabt und sie hat ein fröhliches Lied gesungen, damit sie wieder entspannen kann. Ich hab mich dann auch wieder entspannt und so konnten wir noch ein bisschen traben.

Endlich mal wieder im Lieblingswald!

Gegen Ende, nach gut 15km, war dann aber doch ganz schön die Luft raus und der Ausreitkumpel wollte auch nicht mehr nach vorn gehen und die Verantwortung übernehmen. Irgendwie haben wir aber noch einen flotten Kilometer geschafft, bevor wir das letzte Stück dann im Schritt gegangen sind. Mein Körper konnte schon noch laufen aber ich war ordentlich kopfmüde und mein Kumpel auch. Aber ich finde das ja so angenehm, mal so richtig ausgepowert zu sein und war sehr zufrieden mit mir und der Welt!

Zu später Stunde waren wir dann wieder zuhause und ich durfte direkt mit den anderen auf die Weide, das hab ich mir redlich verdient.

Euer Vertrauen aufbauender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 1. Juni 2025

Samstag nachmittag war es wieder so weit: wir waren alleine ausreiten ohne alleine auszureiten. Es ging also wieder in die Wackelkiste und in denselben alten Wald. Diesmal hatte mein Mädchen aber eine etwas längere Strecke ausgeheckt und wir haben uns auch wieder flott vom Mann verabschiedet. Der hat es gemütlicher angehen lassen und ist nur bis zum roten Punkt gegangen, dort hat er auf uns gewartet, während wir den Schlenker im Norden mitgenommen haben. Das war schon etwas aufregend, weil ich diesen Weg erst einmal gesehen habe und das ist schon länger her. Ich mochte daher nicht so schnell traben, aber ich war schon bereit, weiter zu laufen – im langsamen Zuckeltrab. War meinem Mädchen auch ganz recht. Was ihr nicht so recht war, waren meine Bemühungen, den Weg nebenbei noch frei zu förstern. Man kann es ihr einfach nicht recht machen! Wenn da tiefhängende Zweige sind, beschwert sie sich. Will man die aber wegmachen, beschwert sie sich auch! Überhaupt: wenn ich langsam laufe, macht sie sich Sorgen, ob ich überfordert bin oder ob mir der Weg zu steinig ist. Gebe ich aber mehr Gas, macht sie sich Sorgen, ob ich wohl noch bremse, wenn sie mich darum bittet. Sagte ich schon, dass man es ihr nicht recht machen kann? Das geht schon beim Holen vom Paddock los: komme ich nicht, weil da noch ein Grashalm steht, macht sie sich Gedanken, dass ich keine Lust habe. Komme ich hochmotiviert angeprescht, macht sie sich Gedanken, ob ich wohl einen verrückten Tag habe und sie wirklich mit mir ausreiten gehen kann.

Aber ich schweife ab. Wo war ich? Ach ja, der Schlenker. Sie hat mir versprochen, dass wir am Ende von dem Weg eine Graspause einlegen. Der Mann hat uns derweil virtuell verfolgt. Und das gleich doppelt! Er verfolgt mein Mädchen über eine App auf ihrem Handy, während er mich über meinen neuen Tracker verfolgt. Theoretisch kann er so auch sehen, ob wir noch gemeinsam unterwegs sind, mein Mädchen und ich. Praktisch haut das nicht immer so hin, weil die Handy-App langsamer ist als der Tracker. Jedenfalls rief er an, sobald ich die ersten drei Maulvoll gegessen hatte und wollte wissen, warum wir nicht weiter gehen. Man, nun hetz mich nicht! Naja, ich durfte dann noch ein bisschen was naschen, dann ging es weiter. Die Wege sind leider dort wirklich sehr, sehr steinig und mein Mädchen hat versprochen, dass wir nächstes Mal mutig auf andere Strecken gehen, wo nicht so viele Steine herumliegen. Gern, dann würde ich auch mehr Gas… ach so das möchte sie ja nicht. Oder doch? Wer weiß das schon. Sie jedenfalls nicht!

Ich darf essen bis der Mann uns eingeholt hat. Sehr ihr ihn?

Nach einer Weile haben wir dann den Mann eingeholt, der schon auf dem Rückweg war. Haben ihn überholt, sind noch ein gutes Stück getrabt und dann ist mein Mädchen abgestiegen und ich durfte noch grasen. Ich gestehe: ich war kopfmüde. So viel Verantwortung! Aber mein Mädchen war irre stolz auf uns beide und der Mann war auch zufrieden mit dem Lauf des Abends. So schreiben wir weitere 6,9km auf unsere Liste, mit dem Zusatz „alleine ausreiten“.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss auf die Weide. Gute Nacht!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Prioritäten

Was ich gerne machen würde

  • Mit Duncan allein ausreiten (üben)
  • Springen (Longe und reiten)
  • Mit anderen Pferden ausreiten gehen
  • Überhaupt die Begegnung mit anderen Pferden üben
  • Irgendwo einen Paddock aufbauen und ihn reinstellen als Übernachtungsübung
  • Stundenlang Freedom Based Training machen
  • Weiter an unseren lustigen Tricks arbeiten, da hab ich noch sooooo viele Ideen!
  • Mit Arnulf den „Rolls Royce“ flott machen  (die Gig, die wir für Diego gekauft haben)
  • Mit Arnulf und Diego weiter Kutsche fahren üben (dazu später mehr)
  • Über all diese Dinge schöne Blogartikel schreiben

Was stattdessen passiert:

Plötzlich haut das Wetter uns nach wochenlanger Dürre jede Menge Regen, ordentlich Wind und Starkregenfälle um die Ohren, ich muss deswegen dringend endlich Dünger streuen (was komplizierter ist als sonst, weil wir erst den Düngerstreuer flott kriegen müssen), das Anweiden der Ponys erfordert viel Planung und Aufmerksamkeit, Diego hat ein Hufgeschwür – und kaum war er wieder halbwegs fit, fiel plötzlich auf den Feiertag unsere Wasserversorgung aus. Und obwohl ich nicht viel damit zu tun hatte, war Arnulf von morgens bis abends damit beschäftigt, nur um dann noch eine halbe Nachtschicht einlegen zu müssen und das bringt mich dann auch aus dem Tritt.

Deswegen gab es gestern auch keinen Artikel für Euch. So ist das mit den Plänen und dem Leben. Und es erinnert mich daran, dass wir immer einen langen Atem brauchen, wenn es darum geht, neue Dinge zu üben und zu etablieren, denn es kommen eigentlich immer eine Menge ungeplante Verzögerungen und Hindernisse dazu. Es erinnert mich außerdem daran, meine Prioritäten klar zu haben – an welchem Thema möchte ich im Moment unbedingt dranbleiben, wo investiere ich meine Ressourcen (Zeit, evt Geld, jede Menge Nerven). Und es hilft mir, auch mal unfreiwillig Dinge zu üben: Duncan kann das jetzt mal aushalten, wenn ich nicht 100% bei der Sache bin. Wir tun dann eben nur die Dinge, die wir gut können, erwarten keine Exzellenz und es geht nur darum, im Training zu bleiben (auch damit der Ritter nicht zu moppelig wird. Manchmal geht es wirklich nur um schnöde Bewegung zum Kalorien verbrennen).

Selbst unter allerbesten Bedingungen könnte ich nicht all die Dinge tun, die oben in meiner Liste stehen (die wiederum ja schon stark eingekürzt und priorisiert ist! Meine Wunschliste wird jedes Jahr länger…. ). Also muss eine klare Priorität her!

In den letzten Jahren sind unglaublich viele Ausritte ausgefallen, weil entweder Diego oder der Ausreitkumpel nicht fit waren und ich musste feststellen, dass es schwieriger als gedacht ist, Termine mit anderen potentiellen Mit-Ausreitern zu finden (ich bin da auch sehr empfindlich und anspruchsvoll bei der Auswahl). Aber vor allem musste feststellen, dass Duncan sich einfach (noch?) nicht so recht begeistern kann für die Anwesenheit anderer Pferde, um nicht zu sagen beim letzten Ausritt mit Herrn Fjord hatte ich alle Hände voll zu tun mit meinem schlecht gelaunten Motz-Ritter… Daher habe ich jetzt die Priorität klar auf „allein ausreiten“ gesetzt. Und mein lieber Mann hat mich überredet, dafür seine Hilfe in Anspruch zu nehmen, siehe Tagebucheintrag vom 27. Mai. Tatsächlich haben wir zum ersten Mal einen richtig großen Schritt in die richtige Richtung geschafft, so dass ich jetzt das Gefühl habe, dieser Plan könnte wirklich aufgehen und uns ans Ziel bringen. Der Zeitaufwand ist immens, denn wir müssen beide Zeit haben, dann mit dem Anhänger zum Wald fahren (eine Strecke sind da allein schon 25min Fahrzeit), dann reiten (eine derzeit noch viel zu kurze Strecke im Verhältnis zum Aufwand), dann alles wieder zurückfahren und dazu kommt ja noch das Anhängen bzw. Parken des Anhängers sowie das Ein- und Ausräumen sämtlicher Sachen und die Tatsache, dass Duncan in diesem Wald wirklich 4 Hufschuhe braucht wegen des Schotters (ich stelle mal wieder fest dass diese Hufschuhe nicht meine endgültige Ausreit-Lösung sind, das ist mir zu aufwändig. Aber was soll ich sagen: Klebeschuhe sind bestellt und bezahlt aber die Lieferung verzögert sich….)

Trotzdem: der Anfang ist gemacht. Der Sommer liegt noch vor uns. Diegos Huf scheint so weit wieder ok zu sein (den Rest erledigt wohl die Zeit), es kommt wieder Wasser aus der Leitung, das Wetter wird (angeblich) bald sommerlich und ab jetzt sind die Ponys auch wieder die ganze Nacht auf der Weide, was mir ein entspannteres Pony beschert.  Manchmal fühlt es sich an wie „zwei Schritte vor, einen zurück“. Manchmal fühlt es sich auch an wie „einen Schritt vor, zwei zurück“. Aber ich erinnere mich durchaus auch an Zeiten, die sich anfühlten wie „zwei Schritte vor, dann noch einen vor“. Und vielleicht kommen ja auch solche Zeiten mal wieder. Man darf eben nur nicht erwarten, dass das immer so ist….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 27. Mai 2025

Montags-Ausritt ist schon wieder ausgefallen! Aber der Mann hat einen neuen Plan ausgeheckt. Er will mein Mädchen bei ihrem großen Traum unterstützen: alleine ausreiten! Aber hier bei uns vom Hof zu gehen bleibt schwierig. Allein auf unserer kleinen Hausrunde sind Rinder, viele andere Pferde, Autos, Motorräder, Hunde, Fahrradfahrer, der Dornröschenweg und neuerdings Diegos Endgegner: Vogelscheuchen! Das ist alles viel zu viel für die Nerven meines Mädchens. Eine neue Strategie muss her!

Also Hufschuhe an und in die Wackelkiste klettern. Wir sind in den Wald gefahren, in dem nie jemand ist. Das ist der Wald in dem mein Mädchen mich am Anfang auch ganz viel geritten ist, als das noch ganz neu für uns war mit dem reiten. Dort angekommen hat sie mich gesattelt und dann sind wir erstmal zu Fuß los. Ich habe ihr signalisiert, dass ich mich ganz wohl fühle ohne Begleitpferd und mir das gar nichts ausmacht. Also ist sie alsbald aufgestiegen. Der Mann ist erst noch neben mir hergelaufen aber mein Mädchen hat ihn dann gebeten, nach hinten zu gehen, weil sie nicht wusste ob ich mich an ihm orientiere. Papperlapapp! Ich bin doch ein großer Ritter und kenne diesen Wald wie meine Westentasche! Bin also munter voran marschiert – zack! – Mädchen glücklich. Zwischendurch war sie manchmal kurz etwas nervös, aber insgesamt war es ein toller Ausritt. 5,2km mit recht viel Trab haben wir geschafft, die meiste Zeit haben wir den Mann nicht gesehen, weil er weit hinten war. Er hat dann eine Abkürzung genommen, wir sind einen kleinen Extra-Schlenker getrabt. So kam er wieder vor uns und wir haben ihn dann eingeholt und überholt.

Tschüss, lieber Mann, wir sehen uns später wieder!

Am Ende war mein Mädchen sehr müde aber wir alle sehr zufrieden und haben beschlossen, das demnächst zu wiederholen. Mein Mädchen hat sich auch schon angeschaut ob man da nicht einen schöneren Schlenker reiten könnte, weil das eine Stück Weg so doll geschottert ist. Und da stehen neue Reitwegeschilder, es bleibt also spannend ob man da bald neue Wege reiten kann.

Also da geht noch was! Und dann muss ich mit ihr noch das Tempo neu verhandeln, aber ich wollte nicht alles auf einmal verlangen….

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 26. Mai 2025

Ich sagte ja bereits: ich bin ein vielbeschäftigtes Pony! Hier meine letzte Woche im Überblick:

Montag: Ausritt ist leider ausgefallen! Aber stattdessen kam meine kleine Freundin und wir haben mal wieder Fußball gespielt. Ich soll den Ball jetzt ins Tor schießen, nicht einfach irgendwo hin, das ist eine neue Herausforderung! Zweite Herausforderung: das Gras ignorieren, das ich zwischendurch schnell mal vertilgen könnten wenn keiner guckt….

Aber damit war der Montag noch nicht zu Ende, denn kaum hatte ich nach dem Fußballspielen meinen Eimer leer gefuttert, kam noch die nette Frau die damals meinen Sattel probegeritten ist. Die wollte auch nochmal Unterricht nehmen und zwar zum Thema longieren! Mein Mädchen hatte sie dabei beobachtet wie sie „komische Sachen“ macht, aber mein Mädchen war nicht sicher, was da so komisch ist. Also brauchte sie mich zum Übersetzen. Ich hab mir die Körpersprache von der Frau angeschaut und gesehen: überzeugt mich nicht. Warum sollte ich da jetzt außen auf den Kreis gehen? Nö. Und da hat mein Mädchen dann auch verstanden wo das Problem ist und konnte meiner Schülerin gut helfen. Zack! Lief alles wie am Schnürchen und jetzt wird es auch mit ihren Pferden besser klappen. Merke: ich unterrichte nicht nur, ich dolmetsche auch! Weil mein Mädchen mich so gut kennt und dann an meinem Verhalten sieht, was die Menschen besser machen können.

Dienstag ging es gleich weiter mit dem Job, da kam noch meine zweite kleine Freundin, mit der übe ich jetzt galoppieren! Da ist es gut, dass ich meine tolle Spezial-Krawatte anhabe, da kann meine kleine Freundin sich festhalten, sonst fliegt sie doch ein bisschen in die Luft, wenn ich meine schönen großen Galoppsprünge mache. Aber wie es so ist: üben hilft! Und so wurde es dann auch alsbald besser.

Am Mittwoch war mein Mädchen dann dran mit reiten. Da haben wir ausgiebig gearbeitet, auch die Übergänge vom Schritt zum Galopp und umgekehrt bauen wir jetzt wieder mit ein. 40 Minuten strammes Programm, da wurde mir dann doch etwas matt um die Muskulatur, aber mein Mädchen war stolz wie Bolle, weil wir soooooo gute Fortschritte gemacht haben. Sie findet auch, dass ich im Moment wirklich fantastisch aussehe, gut bemuskelt bin und eine schöne Haltung habe. Das hört man doch gern!

Mein Mädchen findet, ich sehe sehr gut aus!

Am Donnerstag war das Wetter schön kühl, da hat sie dann beschlossen, ich könnte nochmal was für die allgemeine Fitness tun und schön über Stangen traben und kleine Sprünge springen. Mir war allerdings nicht so sehr nach action zumute, der Wetterumschwung saß mir noch in den Knochen und die Umstellung auf Gras vielleicht auch. Ich hab natürlich alles brav mitgemacht aber mein Mädchen meinte, ich bräuchte vielleicht doch eine Pause und deswegen hatte ich am Freitag frei. Wir haben schön Freedom Based Training gemacht und beide unsere Kommunikation geübt, während ich mein Mädchen einmal um den Paddock herum mitgenommen habe.

Am Samstag ging es dann schon wieder weiter, da kam Reitschülerin Nummer 3! Die ist schon erwachsen, aber recht klein und leicht. Sie kann schon ein bisschen reiten, hat aber kein eigenes Pferd und wie so viele Menschen hat sie nie gelernt, WIE leicht und schön reiten sein kann, wenn man so ein gutes Pony hat wie mich. Ihr bringe ich im Wesentlichen bei, WENIGER zu machen. Sie findet mich ganz toll und freut sich immer so, Zeit mit mir zu verbringen, das ist süß. Und mein Mädchen ist begeistert, wie ich mich jetzt schon auf verschiedene Menschen einstellen kann, die unterschiedlich mit mir umgehen. Ich finde das interessant, auch wenn es nicht immer gleich klappt.

Gestern wollte mein Mädchen gern ausreiten gehen, aber Diego hat sich einen gelben Schein geholt, der hat einen Humpelfuß. Also sind wir nochmal auf dem Platz geritten und haben ganz viele Seitengänge im Schritt und im Trab geübt. Puh, das ist auch ganz schön anstrengend auf die Dauer! Deswegen war die Einheit auch nicht so lang. Aber mein Mädchen war wieder sehr angetan.

Jetzt mal sehen wie diese Woche läuft!

Euer viel beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel