Prioritäten

Was ich gerne machen würde

  • Mit Duncan allein ausreiten (üben)
  • Springen (Longe und reiten)
  • Mit anderen Pferden ausreiten gehen
  • Überhaupt die Begegnung mit anderen Pferden üben
  • Irgendwo einen Paddock aufbauen und ihn reinstellen als Übernachtungsübung
  • Stundenlang Freedom Based Training machen
  • Weiter an unseren lustigen Tricks arbeiten, da hab ich noch sooooo viele Ideen!
  • Mit Arnulf den „Rolls Royce“ flott machen  (die Gig, die wir für Diego gekauft haben)
  • Mit Arnulf und Diego weiter Kutsche fahren üben (dazu später mehr)
  • Über all diese Dinge schöne Blogartikel schreiben

Was stattdessen passiert:

Plötzlich haut das Wetter uns nach wochenlanger Dürre jede Menge Regen, ordentlich Wind und Starkregenfälle um die Ohren, ich muss deswegen dringend endlich Dünger streuen (was komplizierter ist als sonst, weil wir erst den Düngerstreuer flott kriegen müssen), das Anweiden der Ponys erfordert viel Planung und Aufmerksamkeit, Diego hat ein Hufgeschwür – und kaum war er wieder halbwegs fit, fiel plötzlich auf den Feiertag unsere Wasserversorgung aus. Und obwohl ich nicht viel damit zu tun hatte, war Arnulf von morgens bis abends damit beschäftigt, nur um dann noch eine halbe Nachtschicht einlegen zu müssen und das bringt mich dann auch aus dem Tritt.

Deswegen gab es gestern auch keinen Artikel für Euch. So ist das mit den Plänen und dem Leben. Und es erinnert mich daran, dass wir immer einen langen Atem brauchen, wenn es darum geht, neue Dinge zu üben und zu etablieren, denn es kommen eigentlich immer eine Menge ungeplante Verzögerungen und Hindernisse dazu. Es erinnert mich außerdem daran, meine Prioritäten klar zu haben – an welchem Thema möchte ich im Moment unbedingt dranbleiben, wo investiere ich meine Ressourcen (Zeit, evt Geld, jede Menge Nerven). Und es hilft mir, auch mal unfreiwillig Dinge zu üben: Duncan kann das jetzt mal aushalten, wenn ich nicht 100% bei der Sache bin. Wir tun dann eben nur die Dinge, die wir gut können, erwarten keine Exzellenz und es geht nur darum, im Training zu bleiben (auch damit der Ritter nicht zu moppelig wird. Manchmal geht es wirklich nur um schnöde Bewegung zum Kalorien verbrennen).

Selbst unter allerbesten Bedingungen könnte ich nicht all die Dinge tun, die oben in meiner Liste stehen (die wiederum ja schon stark eingekürzt und priorisiert ist! Meine Wunschliste wird jedes Jahr länger…. ). Also muss eine klare Priorität her!

In den letzten Jahren sind unglaublich viele Ausritte ausgefallen, weil entweder Diego oder der Ausreitkumpel nicht fit waren und ich musste feststellen, dass es schwieriger als gedacht ist, Termine mit anderen potentiellen Mit-Ausreitern zu finden (ich bin da auch sehr empfindlich und anspruchsvoll bei der Auswahl). Aber vor allem musste feststellen, dass Duncan sich einfach (noch?) nicht so recht begeistern kann für die Anwesenheit anderer Pferde, um nicht zu sagen beim letzten Ausritt mit Herrn Fjord hatte ich alle Hände voll zu tun mit meinem schlecht gelaunten Motz-Ritter… Daher habe ich jetzt die Priorität klar auf „allein ausreiten“ gesetzt. Und mein lieber Mann hat mich überredet, dafür seine Hilfe in Anspruch zu nehmen, siehe Tagebucheintrag vom 27. Mai. Tatsächlich haben wir zum ersten Mal einen richtig großen Schritt in die richtige Richtung geschafft, so dass ich jetzt das Gefühl habe, dieser Plan könnte wirklich aufgehen und uns ans Ziel bringen. Der Zeitaufwand ist immens, denn wir müssen beide Zeit haben, dann mit dem Anhänger zum Wald fahren (eine Strecke sind da allein schon 25min Fahrzeit), dann reiten (eine derzeit noch viel zu kurze Strecke im Verhältnis zum Aufwand), dann alles wieder zurückfahren und dazu kommt ja noch das Anhängen bzw. Parken des Anhängers sowie das Ein- und Ausräumen sämtlicher Sachen und die Tatsache, dass Duncan in diesem Wald wirklich 4 Hufschuhe braucht wegen des Schotters (ich stelle mal wieder fest dass diese Hufschuhe nicht meine endgültige Ausreit-Lösung sind, das ist mir zu aufwändig. Aber was soll ich sagen: Klebeschuhe sind bestellt und bezahlt aber die Lieferung verzögert sich….)

Trotzdem: der Anfang ist gemacht. Der Sommer liegt noch vor uns. Diegos Huf scheint so weit wieder ok zu sein (den Rest erledigt wohl die Zeit), es kommt wieder Wasser aus der Leitung, das Wetter wird (angeblich) bald sommerlich und ab jetzt sind die Ponys auch wieder die ganze Nacht auf der Weide, was mir ein entspannteres Pony beschert.  Manchmal fühlt es sich an wie „zwei Schritte vor, einen zurück“. Manchmal fühlt es sich auch an wie „einen Schritt vor, zwei zurück“. Aber ich erinnere mich durchaus auch an Zeiten, die sich anfühlten wie „zwei Schritte vor, dann noch einen vor“. Und vielleicht kommen ja auch solche Zeiten mal wieder. Man darf eben nur nicht erwarten, dass das immer so ist….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 27. Mai 2025

Montags-Ausritt ist schon wieder ausgefallen! Aber der Mann hat einen neuen Plan ausgeheckt. Er will mein Mädchen bei ihrem großen Traum unterstützen: alleine ausreiten! Aber hier bei uns vom Hof zu gehen bleibt schwierig. Allein auf unserer kleinen Hausrunde sind Rinder, viele andere Pferde, Autos, Motorräder, Hunde, Fahrradfahrer, der Dornröschenweg und neuerdings Diegos Endgegner: Vogelscheuchen! Das ist alles viel zu viel für die Nerven meines Mädchens. Eine neue Strategie muss her!

Also Hufschuhe an und in die Wackelkiste klettern. Wir sind in den Wald gefahren, in dem nie jemand ist. Das ist der Wald in dem mein Mädchen mich am Anfang auch ganz viel geritten ist, als das noch ganz neu für uns war mit dem reiten. Dort angekommen hat sie mich gesattelt und dann sind wir erstmal zu Fuß los. Ich habe ihr signalisiert, dass ich mich ganz wohl fühle ohne Begleitpferd und mir das gar nichts ausmacht. Also ist sie alsbald aufgestiegen. Der Mann ist erst noch neben mir hergelaufen aber mein Mädchen hat ihn dann gebeten, nach hinten zu gehen, weil sie nicht wusste ob ich mich an ihm orientiere. Papperlapapp! Ich bin doch ein großer Ritter und kenne diesen Wald wie meine Westentasche! Bin also munter voran marschiert – zack! – Mädchen glücklich. Zwischendurch war sie manchmal kurz etwas nervös, aber insgesamt war es ein toller Ausritt. 5,2km mit recht viel Trab haben wir geschafft, die meiste Zeit haben wir den Mann nicht gesehen, weil er weit hinten war. Er hat dann eine Abkürzung genommen, wir sind einen kleinen Extra-Schlenker getrabt. So kam er wieder vor uns und wir haben ihn dann eingeholt und überholt.

Tschüss, lieber Mann, wir sehen uns später wieder!

Am Ende war mein Mädchen sehr müde aber wir alle sehr zufrieden und haben beschlossen, das demnächst zu wiederholen. Mein Mädchen hat sich auch schon angeschaut ob man da nicht einen schöneren Schlenker reiten könnte, weil das eine Stück Weg so doll geschottert ist. Und da stehen neue Reitwegeschilder, es bleibt also spannend ob man da bald neue Wege reiten kann.

Also da geht noch was! Und dann muss ich mit ihr noch das Tempo neu verhandeln, aber ich wollte nicht alles auf einmal verlangen….

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 26. Mai 2025

Ich sagte ja bereits: ich bin ein vielbeschäftigtes Pony! Hier meine letzte Woche im Überblick:

Montag: Ausritt ist leider ausgefallen! Aber stattdessen kam meine kleine Freundin und wir haben mal wieder Fußball gespielt. Ich soll den Ball jetzt ins Tor schießen, nicht einfach irgendwo hin, das ist eine neue Herausforderung! Zweite Herausforderung: das Gras ignorieren, das ich zwischendurch schnell mal vertilgen könnten wenn keiner guckt….

Aber damit war der Montag noch nicht zu Ende, denn kaum hatte ich nach dem Fußballspielen meinen Eimer leer gefuttert, kam noch die nette Frau die damals meinen Sattel probegeritten ist. Die wollte auch nochmal Unterricht nehmen und zwar zum Thema longieren! Mein Mädchen hatte sie dabei beobachtet wie sie „komische Sachen“ macht, aber mein Mädchen war nicht sicher, was da so komisch ist. Also brauchte sie mich zum Übersetzen. Ich hab mir die Körpersprache von der Frau angeschaut und gesehen: überzeugt mich nicht. Warum sollte ich da jetzt außen auf den Kreis gehen? Nö. Und da hat mein Mädchen dann auch verstanden wo das Problem ist und konnte meiner Schülerin gut helfen. Zack! Lief alles wie am Schnürchen und jetzt wird es auch mit ihren Pferden besser klappen. Merke: ich unterrichte nicht nur, ich dolmetsche auch! Weil mein Mädchen mich so gut kennt und dann an meinem Verhalten sieht, was die Menschen besser machen können.

Dienstag ging es gleich weiter mit dem Job, da kam noch meine zweite kleine Freundin, mit der übe ich jetzt galoppieren! Da ist es gut, dass ich meine tolle Spezial-Krawatte anhabe, da kann meine kleine Freundin sich festhalten, sonst fliegt sie doch ein bisschen in die Luft, wenn ich meine schönen großen Galoppsprünge mache. Aber wie es so ist: üben hilft! Und so wurde es dann auch alsbald besser.

Am Mittwoch war mein Mädchen dann dran mit reiten. Da haben wir ausgiebig gearbeitet, auch die Übergänge vom Schritt zum Galopp und umgekehrt bauen wir jetzt wieder mit ein. 40 Minuten strammes Programm, da wurde mir dann doch etwas matt um die Muskulatur, aber mein Mädchen war stolz wie Bolle, weil wir soooooo gute Fortschritte gemacht haben. Sie findet auch, dass ich im Moment wirklich fantastisch aussehe, gut bemuskelt bin und eine schöne Haltung habe. Das hört man doch gern!

Mein Mädchen findet, ich sehe sehr gut aus!

Am Donnerstag war das Wetter schön kühl, da hat sie dann beschlossen, ich könnte nochmal was für die allgemeine Fitness tun und schön über Stangen traben und kleine Sprünge springen. Mir war allerdings nicht so sehr nach action zumute, der Wetterumschwung saß mir noch in den Knochen und die Umstellung auf Gras vielleicht auch. Ich hab natürlich alles brav mitgemacht aber mein Mädchen meinte, ich bräuchte vielleicht doch eine Pause und deswegen hatte ich am Freitag frei. Wir haben schön Freedom Based Training gemacht und beide unsere Kommunikation geübt, während ich mein Mädchen einmal um den Paddock herum mitgenommen habe.

Am Samstag ging es dann schon wieder weiter, da kam Reitschülerin Nummer 3! Die ist schon erwachsen, aber recht klein und leicht. Sie kann schon ein bisschen reiten, hat aber kein eigenes Pferd und wie so viele Menschen hat sie nie gelernt, WIE leicht und schön reiten sein kann, wenn man so ein gutes Pony hat wie mich. Ihr bringe ich im Wesentlichen bei, WENIGER zu machen. Sie findet mich ganz toll und freut sich immer so, Zeit mit mir zu verbringen, das ist süß. Und mein Mädchen ist begeistert, wie ich mich jetzt schon auf verschiedene Menschen einstellen kann, die unterschiedlich mit mir umgehen. Ich finde das interessant, auch wenn es nicht immer gleich klappt.

Gestern wollte mein Mädchen gern ausreiten gehen, aber Diego hat sich einen gelben Schein geholt, der hat einen Humpelfuß. Also sind wir nochmal auf dem Platz geritten und haben ganz viele Seitengänge im Schritt und im Trab geübt. Puh, das ist auch ganz schön anstrengend auf die Dauer! Deswegen war die Einheit auch nicht so lang. Aber mein Mädchen war wieder sehr angetan.

Jetzt mal sehen wie diese Woche läuft!

Euer viel beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel

Eine lange Liste

Duncan ist sprachgesteuert. Ich hatte noch nie ein Pferd das so extrem und genau auf Worte reagiert wie er. Und so hat sich inzwischen eine lange Liste an Stimmkommandos etabliert, die Duncans Schülerinnen teilweise zur Verzweiflung treiben. Denn während ich mir die Worte und auch die Betonung ja selbst aussuchen konnte, müssen die Menschen, die nun mit ihm arbeiten, diese Worte übernehmen obwohl sie vielleicht etwas ganz anderes sagen würden.

Alles angefangen hat wohl damals mit

„waaaarte“ = kein Huf bewegt sich bis es den Keks gibt, egal was der Mensch tut. Allerdings stellte ich dann fest, dass diese Definition nicht ganz korrekt ist, weil ich ganz oft „waaaarte“ sage und dann die Hufe auskratze, also einzeln hochhebe. Und so fehlte mir ein Wort, was bedeutet, dass ich z.B. den Hufschuh schließen will und somit das Bein anfasse, aber NICHT möchte dass er es hebt.

„steh!“ = Huf stehen lassen (er kennt auch „und ab“ für abstellen, aber das ist nicht wirklich sauber geübt und klappt nur selten)

„hoooo“ hingegen heißt: aus der Bewegung zum Stehen kommen.

Macht allein drei Worte fürs stehen!

Dann haben wir natürlich

„Duncan dhuuuuuuu“ fürs Kommen

„voran“ = losgehen oder in der Gangart beschleunigen

„Trab“ = antraben (wenn er noch nicht richtig warm ist gerne auch mit einem „und“ davor)

„Teeeeerab“ = aus dem Galopp in den Trab durchparieren.

„Schschschschritt“ = zum Schritt durchparieren

Diese Worte kennen viele Pferde. Witzigerweise verwenden die meisten Leute für Schritt und Trab diese Worte, aber beim Galopp scheiden sich die Geister und jede macht was anderes. Duncan kennt

„Aaaaaaaachtung – und hopp!“ fürs Angaloppieren. Häufig reicht nach ein paar Übergängen aber auch die eine oder andere Hälfte des Kommandos.

„Laaaangsam“ = Verlangsamung des Tempos innerhalb der Gangart ist im Moment unsere Hauptübung im Gelände, wenn Sir Duncan mal wieder den Flug-Modus einlegt und mir zeigen möchte, WIE schnell er inzwischen traben kann.

„Seite“ ist ein Kommando dass ich eigentlich nur beim Fahren vom Boden verwende für eine Seitwärtsbewegung, während ich jetzt an

„step aside“ arbeite für eine sehr steile Seitwärtsbewegung über eine Stange

Duncans Lieblingsworte sind sicher

„Keks!“ – unser Markerwort für „hast du richtig gemacht jetzt gibt es Futter“ und

„grasen“ was bedeutet er darf das essen was vor seiner Nase steht (Gras oder den Inhalt seines Eimers)

„und Schluss!“ hingegen heißt, dass jenes Vergnügen nun leider ein Ende hat.

Und jetzt wird es verwirrend, denn ich habe festgestellt dass ich unbemerkt ein gleichklingendes Kommando erschaffen habe

„Schuss!“ heißt nämlich: schieß den Ball ins Tor! Nun denke ich, bei den beiden besteht keine Verwechslungsgefahr, da die Situation völlig unterschiedlich ist. Aber trotzdem: einmal nicht aufgepasst, schon hat man zwei gleich klingende Worte verwendet.

„Ball“ ist übrigens anders vergeben, das heißt nämlich „geh zum Ball und schieß ihn, egal wo hin“

Dann haben wir noch

„zuuuuurück“ (wofür das wohl steht?) und

„wippwapp“ das ich als Tempovorgabe fürs Wippen verwende

Bestimmt habe ich das eine oder andere Wort vergessen. Ich habe nie wirklich getestet, ob das Wort alleine reicht. Wahrscheinlich nicht, denn die Pferde lesen uns ja so fein, dass sie auch dann noch Körpersprache sehen wenn wir glauben, keine Signale mehr zu verwenden. Trotzdem ist mein Eindruck, dass Duncan sehr viel mehr mit den Worten anfangen kann als viele andere Pferde die ich kenne. Wahrscheinlich habe ich eine angeborene Präferenz genutzt und über die Jahre so trainiert, dass er nun sehr gut darin geworden ist, die Worte zu unterscheiden und mit Handlungen zu verknüpfen. Und diese „Fernsteuerung“ hilft mir jetzt ungemein, wenn Duncan andere Menschen unterrichtet, denn ich kann ihm leicht helfen und wenn die Menschen dann die Worte übernehmen, können sie ihm auch selbst helfen, die manchmal wirre Körpersprache zu verstehen, die ungeübte Menschen verwenden.

Einige Worte sind für ihn ganz klar definiert und viel geübt. Andere sind mehr so „organisch gewachsen“ und immer im Zusammenhang mit Körpersprache verwendet. Ich sehe keinen Grund, beim reiten oder Longieren ausschließlich ein Wort zu verwenden und alle anderen Hilfen wegzulassen. Aber wenn wir in der Sommerhitze mal wieder nach anderen Beschäftigungen suche und uns wieder Wippe, Steg und Co widmen, überlege ich mir das nochmal. Denn ihn dort mehr aus der Ferne steuern zu können, könnte Vorteile haben und ich glaube, er hat Spaß daran, zu knobeln.

Kein Pferd braucht Stimmkommandos. Es ist eigentlich komplett unnatürlich, dass ein Pferd Lautkommandos befolgt, denn untereinander machen sie das so gut wie gar nicht. Pferde sind schweigsame Gesellen. Aber wir Pferdefrauen sind das nicht und wenn wir schon quatschen, dann darf das auch Sinn ergeben.

Nur in einer Situation werde ich ganz still: im Freedom Based Training. Das ist eine der Möglichkeiten für Duncan, zu unterscheiden ob ich gerade etwas von ihm will oder nicht. Natürlich will ich im FBT auch etwas erreichen, aber ich gebe ihm keine Handlungs-Anweisungen oder  Kommandos, sondern „kommentiere“ lediglich das, was er tut. Und diese Kommentare sind nur körpersprachlich. So kommt es mir zu Gute, dass ich sonst so viel quatsche, denn der Unterschied könnte deutlicher nicht sein…

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 19. Mai 2025

Jetzt habe ich schon wieder so lange nichts für euch geschrieben, liebe Menschen, tut mir leid! Ich bin ein viel beschäftigtes Pony, da ist es manchmal schwer, die Zeit dafür zu finden.

Es gibt so viel zu tun! Zum einen sind da diese kleinen Grashalme überall im Paddock, um die ich mich kümmern muss. Dann gehen wir jetzt jeden Morgen auch richtig auf die Weide und dürfen 4 Stunden futtern. Danach brauche ich immer ein ausgiebiges Verdauungsschläfchen.

Und neben meinem Mädchen, mit der ich fleißig Dinge übe, habe ich ja jetzt auch 3 Reitschülerinnen, die regelmäßig kommen! Meine kleine Freundin, dann noch meine andere kleine Freundin und jetzt auch noch eine erwachsene Reiterin, die etwas von mir lernen möchte! Und jede von den dreien ist ein bisschen anders. Ich muss mich auf jede einzelne einstellen und genau darauf achten, was diese Person jetzt gerade meint – die drücken sich ja auch aus Unwissenheit oft noch nicht so ganz klar aus. Mein Mädchen sagt, man kann nie mehr als eine neue Sache auf einmal lernen, deswegen muss ich viele Fehler einfach hinnehmen und ausbügeln. Das ist anstrengend, aber ich mache das ganz, ganz toll, finden die Menschen.  Mein Mädchen feiert mich immer sehr und sorgt dafür, dass ich genügend Kekse bekomme.

Ich habe noch einen Haufen Geschichten zu erzählen, aber ich fange mit der neuesten an. Gestern war mein Mädchen nämlich auf Distanzritt. Ohne mich! Ist das zu glauben? Als sie dort war, hat sie dann festgestellt, dass sie die 44km ohne mich gar nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen kann. 44km in ca 6 Stunden, das ist für sie ja gar nicht machbar. Also konnte sie leider nicht mitmachen. Aber dafür hat sie geholfen. Sie hat sich in den Büschen versteckt und den Reitern aufgelauert, glaube ich. Sie sagt, sie hat sich gar nicht versteckt, sondern schön offensichtlich dort gestanden, Fotos gemacht und geschaut, ob da auch jeder vorbei kommt, der vorbei kommen soll. Nicht, dass jemand heimlich abkürzt und nur so tut als hätte er 44km gemacht! Aber sie sagt es war ein leichter Job. Nachher hat sie Kartoffelsuppe gefuttert und sich all die Pferde angeschaut. Da war alles vertreten vom kleinen Shetty mit ca 1m Stockmaß bis zum großen Shire-Horse mit 1,92m! Das fand mein Mädchen toll. Und sie war ein bisschen neidisch auf die Starter, aber sie sagt, unsere Zeit kommt auch noch. Mit etwas Glück sogar noch diesen Sommer!

Nachmittags war sie dann schon wieder zu hause und hatte doch noch Zeit für mich. Sie hat ein großes Stangengewusel auf dem Platz aufgebaut und Diego und ich hatten allerhand zu tun um unsere Füße durch diese Stangen zu sortieren. Rechtsrum, linksrum, geradeaus, drüber, durch und dann andersherum.

Mein Mädchen war begeistert von mir, ich war hoch motiviert und hatte ganz viel Lust. Ich habe in letzter Zeit viel Fitness gemacht und meine optimierte Fütterung zeigt jetzt auch Wirkung. Leider meint mein Mädchen, dass in Kombi mit dem Weidegang schon wieder etwas zu viel Speck auf meinen Rippen aufgetaucht sei, so dass mein Eimer in Zukunft deutlich weniger Leckereien enthalten wird als in den letzten Monaten. Und es wurde uns angedroht, dass wir wieder mal zur Waage reiten, um unser aktuelles Gewicht zu überprüfen. Ich fürchte nur, dass da im Moment nix gutes für mich bei rauskommen wird. Aber mein Mädchen meint, das wäre schon ok, weil der Gehalt im Gras jetzt bald wieder weniger wird und wir ja fleißig arbeiten, das kriegen wir dann schon hin mit der Figur. Naja, irgendwas ist eben immer!

So jetzt muss ich mich aber wieder um das leckere Gras hier kümmern, bis bald, liebe Menschen!

Euer grasender Sir Duncan Dhu of Nakel

Richtige Antworten

In der Regel, wenn wir Pferde ausbilden, zeigen wir ihnen, was sie tun sollen. Wir zeigen ihnen, welche Reaktion erwünscht und welche unerwünscht ist. Und wenn wir das gut hinkriegen, können dabei alle – auch das Pferd – eine Menge Spaß haben.

Was wir den Pferden eher selten zeigen, ist, wie viele Möglichkeiten es gibt, auf eine bestimmte Situation zu reagieren. Für uns ist es in den meisten Fällen so, dass wir eine vorgegebene Antwort im Kopf haben, bevor wir die Frage stellen. Diese Antwort finden wir richtig und alles andere hat unser Gehirn schon vorab als „falsch“ eingestuft. Das kann so weit gehen, dass manche Pedanten eine Antwort als falsch betiteln, weil sie nicht den gewünschten Wortlaut hat. Ich habe zum Beispiel erfahren, dass es Menschen gibt, die es ganz schrecklich finden, wenn ihnen jemand am frühen Morgen ein freundliches „Guten Tag“ entgegenbringt, weil man um diese Uhrzeit gefälligst „Guten Morgen“ zu sagen hat. Ok das ist ein extremes Beispiel, aber gar nicht selten sind wir im Pferdetraining genau so unterwegs.

Wäre es nicht gut, wenn wir unseren Pferden auch beibringen würden, dass es mehrere richtige  Antworten geben könnte, so dass ihnen nachher mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen? Gleichzeitig können diese Antworten für uns wichtige Informationen enthalten. Wenn ich z.B. ein Kundenpferd bitte, den rechten Vorderhuf zu heben und es hebt stattdessen den linken, ist diese Antwort zwar technisch gesehen „falsch“, kann aber ein wichtiger Hinweis sein. Ich habe schon erlebt, dass in dem linken ein großer Stein steckte und das Pferd den erst loswerden wollte und um Hilfe bat. Es kann aber auch sein, dass das Pferd gerade den rechten Huf aufgrund seines aktuellen Gleichgewichts nicht gut heben kann, aber auch nicht ungehorsam sein möchte. Dann kann ich ihm helfen, sich schlauer hinzustellen, um den rechten Huf heben zu können. Oder es ist ein altes oder krankes Pferd, das grundsätzlich Schwierigkeiten hat mit dem Hufeheben und ebenfalls nicht total verweigern möchte, sondern mir sagen, dass es für die Bearbeitung die Hufe nicht hergeben mag, weil das zu schmerzhaft oder zu anstrengend ist. In jedem Falle gilt: wenn das Pferd den linken statt den rechten Huf hebt, kann ich sehen, dass es sich bemüht. Das Pferd kann verhindern, dass wir in Streit geraten, und trotzdem seine Meinung sagen. Schlau, oder? Und aus diesem Grund auch irgendwie eine „richtige“ Antwort.

Duncan soll derzeit lernen, sich selbst besser zu regulieren und mit seinen eigenen schlechten Launen kreativer umzugehen, anstatt sie am nächstbesten auszulassen. So lange wir beide gemeinsam etwas tun, hat er nur selten schlechte Laune, aber in seiner Freizeit ist er oft etwas miesepetrig, weil er noch nicht erwachsen genug ist, um Wege zu finden, sich selbst bessere Laune zu machen. Gerade so wie menschliche Teenager. Also üben wir verschiedene Möglichkeiten, wieder ein besseres Gefühl zu finden. Auch hier gibt es viele richtige Antworten (und nur eine wirklich falsche).

Je größer das Repertoire an (einigermaßen) richtigen Antworten ist, die man im Angebot hat, desto besser und einfacher wird das Leben für alle Beteiligten.

Egal, was wir machen, wie wir es machen und warum, wir können alle die Augen offenhalten und beobachten, welche ANDEREN richtigen  Antworten unser Pferd für uns bereithält.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 11. Mai 2025

Mein Mädchen war fleißig. Sie hat unsere Stangen gestrichen und noch 5 neue Stangen dazu. Jetzt haben wir 10 knallbunte Stangen, jede sieht anders aus, damit man sie ganz klar voneinander unterscheiden kann. Das ist wichtig, wenn sie mit Reitschülern Lenken üben möchte, damit sie sagen kann wo es langgehen soll.

Für mich hat sie die Stangen erstmal alle in eine laaaaaange Reihe gelegt und wir haben Doppellonge gemacht. Ich weiß ja: ich soll kein „klonk“ machen, wenn ich über die Stangen gehe. Aber das ist bei 10 Stangen doppelt so schwer wie bei 5! Das war schon echt eine Herausforderung! Ich denke mir ja immer: schnell ran, schnell weg. Gaaaaaas! Aber mein Mädchen fand das eine super Gelegenheit um nochmal das mit dem „laaaaaangsam“ zu üben. Also in der Ecke vor den Stangen „laaaaaangsam“, dann, wenn ich langsam war, kurz vor den Stangen „ok!“ und dann durfte ich da rüber fliegen. Hat Spaß gemacht!

Die laaaaange Reihe

Am Freitag kam meine kleine Freundin. Für die hat mein Mädchen dann einen Kreis aus Stangengassen aufgebaut – naja ein 5-eck. Und zwar eines nach ihrer Art, also nicht gerade akkurat…. aber egal. Meine kleine Freundin sollte mich da durch lenken. Hat sie schon ganz gut hingekriegt! Dann hat mein Mädchen vorgeschlagen, wir könnten das doch mal im Trab probieren. Meine kleine Freundin war erst nicht ganz überzeugt, aber dann hat sie gesagt, wenn mein Mädchen macht, dass ich trabe, dann könnte sie das lenken übernehmen. Ach, ihr kennt mich, ich bin Gentleman. Ich habe den Job für sie gemacht und bin ganz fein durch die Gassen getrabt. Sie hat schön gesessen und es genossen. So muss das sein! Schließlich ist sie meine Freundin und hat danach einen Tupper voller Möhrenstücke für mich. Und wisst ihr was toll ist? Sie vertraut mir jetzt schon richtig gut. Sie kann auch schon traben ohne sich an meiner „Krawatte“ festzuhalten!

Lenken üben mit meiner kleinen Freundin

Gestern haben mein Mädchen und ich dann mit den bunten Stangen lenken geübt – für Fortgeschrittene. Im Trab einmal durch die Gasse, dann innen rum, mittendurch, außenrum, mittendurch. Und danach außen um die Gasse und die nächste innenrum – ui, das war ganz schön eng! Und zum krönenden Abschluss sind wir noch galoppiert, aber da schaffen wir nur immer eine Gasse mittendurch, ganz selten noch eine zweite mittendurch, den Rest geht es außenrum, sonst sind die Kurven zu eng. Trotzdem fand mein Mädchen, dass wir das schon echt gut hingekriegt haben. Und außerdem findet sie es toll, wenn die bunten Stangen in der Sonne so schön leuchten. Und mich findet sie auch toll, das ist das wichtigste (vor allem wenn es sich in der Keksrate niederschlägt).

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Schritt für Schritt

(eigentlich wollte ich wieder Donnerstags für euch schreiben, aber mein Kopf ist noch nicht wieder so sortiert wie ich ihn brauche. Daher erst heute.)

Schritt für Schritt, wie Tranquilla Trampeltreu. Und jetzt kennt hier wieder niemand dieses wunderbare Kinderbuch und ich stehe dumm da.

Tranquilla Trampeltreu ist eine Schildkröte, die zur Krönung des Königs reisen möchte. Sie ist natürlich kein schnelles Tier, aber ein sehr beharrliches. Und egal wie oft man ihr sagt, dass sie es nicht rechtzeitig zur Krönungszeremonie schaffen wird, sie geht weiter. Und ich möchte verraten: sie kommt rechtzeitig – gewissermaßen.

Schritt für Schritt ist auch der einzige Weg, den man in der Pferdeausbildung gehen kann. Jeder, der Schritte auslässt, wird dafür früher oder später einen hohen Preis zahlen. So wie ich, als mein Pony mir durchgegangen ist und mein Leben für viele Wochen umgekrempelt hat. So ein rechter Daumen ist doch irgendwie ein sehr wichtiges Körperteil…

Nach und nach arbeite ich nun die Fehler auf, die da passiert sind. Dabei geht es wieder mal oft um Ambiguitätstoleranz. Ich muss aushalten, dass BEIDES gleichzeitig wahr ist: es ist meine Schuld, dass er durchgegangen ist, weil ich Voranzeichen übersehen bzw nicht richtig eingeordnet habe und weil da eine Lücke in seiner Ausbildung klaffte, die ich nicht bemerkt habe. Aber andererseits hat er sich eben auch wirklich schlecht benommen und eine sehr dumme Entscheidung getroffen (er ist schließlich selbst auch gestürzt!). Ganz am Ende fällt es immer auf den Menschen zurück, weil wir die Pferde in die Menschenwelt holen und somit die Verantwortung tragen. Andererseits ist so ein Pferd ja eben immer noch ein Lebewesen mit einer eigenen Persönlichkeit und es trifft eigene Entscheidungen. Zwischen diesen beiden Wahrheiten liegt ein Raum in dem man sich trefflich streiten kann – was ich nicht vorhabe.

Was ich stattdessen vorhabe ist, die Lücken zu schließen die da klaffen. Die Strukturen zu erkennen die zu dem Durchgehen geführt haben und so zu verändern, dass eine Wiederholung beliebig unwahrscheinlich wird. Gleichzeitig hoffe ich aber auch auf die Zeit – darauf, dass mein Pony einfach erwachsen wird und von selbst etwas mehr Ruhe in sich findet.

Welche Lücken habe ich gefunden?

Zum einen ist da die Tatsache dass alle Ausreitbegleitungen schneller unterwegs sind als Duncan. Jeder einzelne mit dem wir bisher unterwegs waren, war in fast jeder Situation schneller als mein kleines Ritterpony. Und das in Kombination mit meinen Gedanken an Auslastung und Training führte dazu dass ich oft mehr getrieben als gebremst habe. Es sei denn er war mir viel zu schnell, dann wurde unelegant gebremst und ich war im Überlebensmodus. So richtig geübt, dass er mal langsam macht und auch langsam bleibt, habe ich nie. Ich war zufrieden wenn er in der angesagten Gangart blieb. Lediglich im Galopp habe ich das mal wirklich ein bisschen geübt, allerdings nicht als „langsam“ (mit entsprechendem Stimmkommando), weil er das im Galopp noch gar nicht kann, sondern nur als „Kopf oben halten und nicht allzu sehr dem eigenen Schwerpunkt hinterherpurzeln“. Hier ist also unsere neue Lektion: „Langsam“ kennt er ja vom Reitplatz, aber im Gelände habe ich es eben so gut wie nie verwendet. Wie sagt meine Freundin? „Da hast du einen Sack voll Stimmkommandos und dann vergisst du die im Gelände alle“.

Außerdem darf ich einfach mehr darauf achten, wie seine Laufmanier ist. Läuft er mit großen Schritten im „Flugtrab“, das ist ein Trab in dem ich gut in den Bügeln stehen kann (relativ unabhängig vom Tempo), dann läuft er schön und lässt die Energie von hinten nach vorne gut durch. Oder kann ich nicht in den Bügeln stehen sondern muss leichttraben, dann ist er mir aus der Balance geraten und braucht Hilfe. Letztes Jahr hatte ich den Versuch gestartet, ihn einfach laufen zu lassen, weil ich die Hoffnung hatte, dass er sich selbst entsprechend entwickelt, aber ich habe schon im Laufe des Sommers das Gefühl gehabt dass das keine gute Idee war und jetzt weiß ich: er braucht tatsächlich mehr Gymnastik im Gelände. Schulterherein, Schenkelweichen, Stellung im Genick, Übergänge und Tempounterschiede, all das hilft ihm sowohl körperlich als auch seelisch. Und vor allem macht es, dass ich ihn ganz viel loben kann, was wiederum die Verbindung zwischen uns besser aufrecht erhält. Dann ganz ehrlich: das Pony im Gelände loben dafür dass es kilometerweise munter vor sich hintrabt, das tu ich nicht oft genug. Was dazu führt, dass ich ihn viel öfter dann anspreche, wenn ich etwas zu kritisieren habe als um etwas gutes zu sagen. Und das war wahrscheinlich bei unseren Ausritten im Winter (inklusive dem Durchgeh-Ausritt) ein echter Stimmungskiller.

Wir fangen jetzt von vorne an. Mit all meinen alten Ängsten und ausgerechnet in einer schwierigen Jahreszeit, in der das Pony sich nur für eins interessiert: Gras. Aber wir haben einen Plan und das hilft mir schonmal enorm weiter. Schritt für Schritt, anders geht es nicht.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7. Mai 2025

Nach unserem ersten richtigen Ausritt am Samstag war am Montag gleich die nächste Tour angesagt.

Die machen immer den Anhalter und wollen mit fahren.

Mein Mädchen sagt, sie muss jetzt in Übung bleiben, sonst wird ihre Angst zu groß. Wir sind also gleich wieder zum Ausreitkumpel und direkt nochmal die selbe Strecke geritten (nur den einen Schlenker andersherum, zur Abwechslung). Ich bin zwar erst nicht motiviert gewesen das heimische Knabbergras, das so großzügig in unserem Paddock wächst, zu verlassen, aber als wir erstmal unterwegs waren, kamen die Erinnerungen an diese Strecke. Also die GUTEN Erinnerungen. Auf der Strecke sind wir nämlich eigentlich immer lässig durchgaloppiert. Erinnerst du dich noch, mein Mädchen? Das war doch toll, oder? Ja, sie erinnerte sich, aber sie findet, ich muss jetzt erst richtig viel Anstand lernen. Tsssss, wer bremst hat Angst! Aber mein Mädchen sagt dann immer „ja und gute Freunde nehmen Rücksicht wenn der andere Angst hat“. Also haben wir im Trab geübt. „Laaaaaangsam“ kam von oben und dann sollte ich im Trab das Tempo reduzieren. Wenn es gut läuft, kann ich das auf Stimmkommando und Sitzhilfe. Wenn es nicht so gut läuft, muss mein Mädchen eine kleine Parade am Zügel geben. Wenn es gar nicht gut läuft…. ach, sprechen wir lieber nicht darüber.

So nun finde ich ja, wenn sie „laaaaaangsam“ sagt und ich gebremst habe ist der Job erledigt und ich kann wieder herzhaft beschleunigen. Ich meine: die ganzen Jahre die wir zusammen unterwegs sind, waren wir immer mit so schnellen Ausreitkumpels los und immer ging es darum, irgendwie mitzuhalten. Jetzt soll ich plötzlich langsam machen? Das ist doch Blödsinn! Naja. Mein Mädchen meint, wenn sie „laaaaaangsam“ sagt, dann soll ich so lange langsam traben bis sie was anderes sagt. Herrje. Und wenn ich dann eingeschlafen bin und vor mich hinzottel, dann sagt sie plötzlich „voran!“ und ich muss erstmal den Motor wieder anschmeißen. Kaum ist der warm heißt es dann wieder „laaaaangsam“. Anstrengend. Wir hätten die 10km in der Hälfte der Zeit schaffen können! Dann wären wir auch schneller bei der Grasstelle gewesen und ich hätte mehr Zeit zum Schmausen gehabt. Aber mein Mädchen sagt, so geht die Rechnung nicht. Ich finde schon!

Schmause- Pause

Aber es ist schön, überhaupt mal wieder draußen zu sein, das gebe ich zu.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel der endlich wieder ausreiten gehen kann

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 5. Mai 2025

So liebe Menschen, da bin ich wieder! Habt ihr schon sehnsüchtig gewartet? Also ich muss sagen, meine kleine Panne im Februar hatte ganz schön miese Konsequenzen! Eine davon habt ihr zu spüren bekommen, mein Mädchen konnte nicht tippen. Aber ich sage euch, das ist harmlos gegen das was ich hier erdulden musste! Sie war völlig aus dem Tritt und konnte ihre rechte Hand so gut wie gar nicht gebrauchen. Das heißt: keine Ausritte für mich! Anfangs haben wir viel Freiarbeit gemacht, einmal hat sie mich auch mit einer Hand longiert. Dann hat sie sich getraut und ist mich auch mit einer Hand geritten. Zügel in die linke und ne Gerte konnte sie auch nicht halten, das hat uns schon nochmal vor ganz neue Herausforderungen gestellt! Die Lenkung war am Anfang ganz schön hakelig sage ich euch. Sie ist mich zwar früher schon einhändig geritten, aber wenn es da nicht geklappt hat, hat sie halt doch nochmal gemogelt und mit der anderen Hand mit in die Zügel gegriffen. Ging ja nun nicht! Also sind wir über den Reitplatz geeiert bis wir es schließlich raus hatten. Wir sind dann auch getrabt und sogar galoppiert, haben Seitengänge geübt aber vor allem hat mein Mädchen mit mir die Gebisshilfen nochmal ganz sorgfältig geübt. Nicht dagegendrücken, das ist jetzt auf gar keinen Fall mehr gestattet! Nicht den Kopf einfach ablegen und mich tragen lassen. Immer schön die Rumpfmuskulatur in Aktion bringen und mich anständig bewegen, kein „Babybonus“ mehr. Aber ich muss sagen: es ging gut und hat uns voran gebracht.

Allerschlimmste Konsequenz: Abenteuer abgesagt! Die diversen Trainingsritte, die geplant waren, aber auch das Abenteuer selbst. Nix mit 44km. Wir sind beide in jeder Hinsicht voll aus dem Training, mein Mädchen ist wieder zur Bangbüx mutiert (oh man ich hatte mir so schön ihr Vertrauen erworben in jahrelanger Kleinarbeit und dann vergesse ich mich einmal…. futsch!) und also fährt sie jetzt ohne mich zum Distanzritt und hilft dort den anderen, während ich zu hause bleiben muss. Sie sagt, es ist keine Strafe, sondern es ist jetzt einfach so. Aber ich sage euch: es fühlt sich an wie Höchststrafe! Und für unseren zweiten geplanten Distanzritt stehen wir jetzt auch nur auf der Warteliste, weil der Ritt schon voll war bevor sie überhaupt wusste wann ihr Daumen wieder einsatzfähig ist. Das läuft ja so gar nicht gut für uns!

Und dann die fehlenden Ausritte. Kein Ausflug, kein Abenteuer, nix. Platzarbeit. Und Platzarbeit. Und mehr Platzarbeit. Jaaaa, sie hat sich um Abwechslung bemüht, aber irgendwann ist es halt auch mal gut! Ich habe aber gute Miene zum bösen Spiel gemacht und mir nichts anmerken lassen, wegen des Vertrauens, das ist ja nun von Grund auf wieder neu erwerben muss.

Erst Ostermontag ist mal wieder was interessanteres passiert. Da ging es in die Wackelkiste (auch da sind wir voll aus der Übung!) und in den Wald. Dort trafen wir Herrn Fjord und sind eine kleine 5km Schrittrunde geritten. Aber so richtig losgegangen ist es erst diesen Samstag. Da ging es endlich wieder zum Ausreitkumpel! Wow den hab ich ja ewig nicht gesehen! Und dann in eins unserer schönen, ruhigen Ausreitgebiete, wo nix gefährliches ist. Keine Straße, keine Spaziergänger, keine Trecker, nix. Da sind wir dann 10 km geritten. Das tat gut, endlich mal wieder ein bisschen traben. Mein Mädchen hat höchste Konzentration verlangt, ständig sollte ich mich biegen oder seitwärts gehen oder Übergänge machen. Aber ich war einfach super artig wie immer und ich glaube ich habe schon wieder ein paar Vertrauenspunkte sammeln können. Da muss ich jetzt dringend dranbleiben, damit Abenteuer-technisch mal wieder was vorangeht! Nachher war ich echt kopfmüde, dieser Vertrauensaufbau ist anstrengend, sage ich euch!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel – endlich wieder voll dabei!