Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 1. August 2025

Jetzt hab ich euch schon wieder lange nichts erzählt, aber ich kann berichten, dass ich munter und fidel bin. Ich hatte noch ein bisschen Schonzeit, währenddessen hat Diego fleißig das Kutsche ziehen geübt. Er zieht ja jetzt seinen eigenen „Rolls-Royce“, das ist nochmal anders als die Kutsche die er bisher gezogen hat. Und da muss er wieder neu lernen wie das geht. Der Mann muss auch noch lernen wie das alles gut funktioniert, aber sie machen schöne Fortschritte unter den Augen der gestrengen Fahrlehrmeisterin. Mein Mädchen ist immer als Helferin dabei, geht neben Diego her,  wenn es kritisch wird und er etwas Unterstützung braucht so ganz allein da vorne. Zum Beispiel weil er an einem gruseligen Hof vorbei muss oder weil ein Monster-Trecker von hinten kommt.

Am Sonntag hat mein Mädchen das erste Mal wieder auf meinem Rücken gesessen und wir haben wieder angefangen mit reiten. Das ging auch gut und sie war sehr zufrieden mit mir.

Die Woche war dann allerdings irgendwie durcheinander, weil das Wetter macht was es will. Erst ist es schwül und es sind so viele Bremsen auf dem Reitplatz, dass man da nicht mehr hin kann. Dann fängt es wieder an zu schütten und man möchte nicht auf den Reitplatz, weil man sofort klatschnass wäre. Und wenn dann die Sonne wieder rauskommt, ist es wieder furchtbar schwül und die Blutsauger sind zahlreich.

Deswegen haben wir uns meistens in der Halle verkrochen. Wir haben viel wippen geübt und mein Mädchen hat das alles gefilmt, weil sie nämlich mal eine professionelle Meinung dazu hören will, was wir da so tun. Das ist vielleicht wieder anspruchsvoll! Nix mit einfach mal drauf los wippen. Erst muss die Kamera richtig stehen und das Licht gecheckt werden. Dann soll ich alle Varianten zeigen, die ich drauf hab. Danach hat mein Mädchen sich das alles angeschaut und an uns beiden herumgekrittelt, wie es so ihre Art ist. Ich lasse zu oft das eine Gelenk durchhängen, sie belohnt zu oft an falschen Punkten und verpasst die besten Wipp-Bewegungen. Also am nächsten Tag alles von vorn: Kamera aufstellen, Beleuchtung checken, wippen. So herum, anders herum. Und wenn die Kamera schon steht, könnten wir ja schnell noch den Steg filmen. Und den Panther Walk. Ruckzuck waren 45min um und unser beider Köpfe nur noch am rauchen. Mein Mädchen hat sich bei mir entschuldigt, als ich angemerkt habe, dass ich ein bisschen müde bin. Das ist nämlich ganz schön anstrengend, vor allem fürs Gehirn! Aber die Keksrate stimmt, also gehe ich satt raus aus dieser Veranstaltung. Auch was Schönes.

Diesen Sonntag wollen wir endlich mal wieder ausreiten – wenn denn das Wetter mitspielt!

Da könnt ihr uns mal bitte die Daumen drücken.

Euer zu lange nicht mehr ausgerittener Sir Duncan Dhu of Nakel

Unsicherheit

Vor zwei oder drei Jahren kam ich zu einer neuen Schülerin, die mir im Vorfeld berichtete, wie schwierig ihr Pferd werden kann. So, dass man es an schlechten Tagen nicht mehr unbeschadet zum Reitplatz führen konnte.

Gleichzeitig zeigte sie mir, dass das Pferd oft bei der Bodenarbeit nach dem Strick schnappt und auf ihm herumkaut. Was man dagegen machen könnte, wollte sie wissen. Mein erster Vorschlag war: gar nichts. Denn das Schnappen nach dem Strick sah für mich nach reiner Unsicherheit aus. Das Pferd war nervös, er musste auf etwas herumkauen, der Strick bamselte direkt neben seinem Maul herum, also rein damit. Ich fing an, mit dem Pferd ruhig zu arbeiten. Das Schnappen des Stricks war mir dabei allezeit ein guter Wegweiser und er ist es bis heute. Das Verhalten ist so gut wie weg, es ist die absolute Ausnahme geworden, dass er sich den Strick schnappt, aber wenn er es tut wissen wir beide, die Besitzerin und ich: das war viel für ihn. Vielleicht braucht er eine Pause oder wir machen die Übung etwas einfacher, gehen einen Schritt zurück. Und so haben wir beide das, was sie anfangs wegtrainieren wollte, lieben gelernt: ein Stress-Anzeiger den man nicht übersehen kann.

Auch ein anderes Pferd hat einen solchen Anzeiger. Der ältere Wallach, der als nicht mehr reitbar in meinen Unterricht kam, hat einige körperliche Baustellen. Aber ich war überzeugt, dass wir ihn mit gutem Training zumindest verbessern können. Das erste was mir auffiel, war, dass er während der Handarbeit dauernd auf dem Gebiss klapperte und öfter den Kopf schüttelte. Das Kopfschütteln, so erklärte mir die Besitzerin, käme von seinen zwei Genickbeulen. Und dass er so mit dem Gebiss klappert – naja, er ist eben immer sehr überambitioniert. Dachte sie.

Mit geduldiger und ruhiger Arbeit wurde der Wallach immer geschmeidiger und lernte, sich besser zu tragen. Heute wird er wieder geritten und profitiert auch davon, obwohl er nicht immer ganz taktklar geht. Das Klappern auf dem Gebiss und das Kopfschütteln sind für uns auch bei ihm wertvolle Anzeiger geworden. Beides ist so gut wie weg und wenn es doch mal auftritt wissen wir – wie auch bei dem anderen Pferd – wir müssen einen Schritt zurückgehen, wieder für Entspannung sorgen und noch besser auf das Pferd achten.

Mit solchen Pferden zu arbeiten finde ich extrem leicht. Denn man sieht ihnen 2 Meilen gegen den Wind an, wie gestresst oder entspannt sie sind. Die introvertierteren Typen sind so viel komplizierter. Wenn Diego vor der Kutsche nicht recht vorwärts möchte, ist das zwar für uns eindeutig – wir kennen ihn gut – aber für manch anderen wäre es „Faulheit“ (ein Grund, warum viele Tinker irgendwann Probleme bekommen mit den Menschen, weil ihre Unsicherheit nicht erkannt wird). Und der sonst so sichere Diego ist sich beim Fahren noch so gar nicht sicher. Es fällt ihm schwer, sich ohne Reiterhilfen auf der Mitte der Straße auszubalancieren und er möchte so sehr alles richtig machen, dass er sich selbst stresst – ein Verhalten, dass wir bei ihm auch schon oft beobachtet haben. Die leiseste Kritik kann ihn total verunsichern, wenn die Aufgabe noch nicht 100% vertraut ist.

Duncan zeigt Unsicherheit wieder anders, er wird dann eher etwas schneller, ein bisschen hampelig und zappelig. Das war besonders sichtbar, als er zum allerersten Mal mit seiner kleinen Freundin gearbeitet hat. Sie wusste nicht, wie sie ihn führen kann und er war total verloren (obwohl ich versucht habe, ihm Signale zu geben, die ihm helfen). Er war unglaublich schnell und wusste sichtlich nicht wohin mit sich.

Aber eine Sache haben alle 4 hier beschriebenen Pferde gemeinsam: wenn sie unsicher werden, werden sie auch schief. Sie verziehen und verbiegen sich in ihrem Körper, können nicht mehr von hinten nach vorne geradeaus gehen. Die Energie der Hinterbeine verpufft entweder in Windungen der Wirbelsäule oder geht nach unten in den Boden anstatt das ganze Pferd kraftvoll nach vorn zu bewegen.

Und das kann schnell zum Teufelskreis werden. Denn wenn man diese Pferde dann treibt, dann finden sie manchmal den Ausweg nicht. Manchmal schon! Aber nicht immer. Es gilt, genau zu beobachten. Und sich zu fragen: ist das Pferd unsicher, weil es nicht gut laufen kann, oder kann es nicht gut laufen, weil es unsicher ist? Und so habe ich wieder etwas entdeckt, worauf ich mehr Augenmerk legen möchte in der Arbeit mit Pferden. Es bleibt spannend….

Symptome

Pferde kommunizieren über Verhalten. Nur: was ist normal? Und was nicht? In manchen Fällen, wie bei meinem Kundenpferd neulich, ist das ganz klar. Den Rücken runterdrücken und den Kopf hochreißen, wenn man leicht mit Daumen und Zeigefinger in den Rücken drückt ist nicht normal. Und wenn es dann noch immer an derselben Stelle dieselbe Reaktion gibt, dann heißt das „aua“. So weit, so einfach.

Einmal war ich bei einem Hufkunden, der lahmte. Ob er wohl ein Hufgeschwür bekommt? Na dann nehme ich mal die Abdrückzange. Nur: Huf in die Hand, Zange in die andere Hand und das Pferd zieht den Huf schon weg, bevor ich ihn mit der Zange überhaupt berührt habe! Anscheinend weiß er, dass es mit der Zange wehtun kann. Aber würde es auch jetzt weh tun oder ist das nur eine Erinnerung? Das sagt er mir ja nicht.

Und dann sind da die unspezifischeren Symptome. Wie das Pferd, das zu mir in den Unterricht kam, weil es so nervös war und nie stillstehen konnte. Aus einer Intuition heraus riet ich zur Magenspiegelung und BINGO das Pferd hatte schlimmste Magengeschwüre. Oder der eine, super nette Kerl von Wallach, der gelegentlich ausrastete. Auch das war kein Erziehungsproblem, sondern Folge eine Borreliose-Infektion.

Was Diego seinerzeit genau hatte, wissen wir bis heute nicht – vermutlich einen Abszess irgendwo im Körper. Ein anderes Kundenpferd wurde kürzlich mit einer Kehlkopflähmung diagnostiziert, die aufgrund von Asthma 3 Monate übersehen wurde, weil man die Atemnot immer dem Asthma zuschrieb. Ein anderer, der partout keine Muskeln aufbauen konnte, stellte sich ebenfalls als chronisch krank heraus: Magenentleerungsstörung.

Seit ich mit Pferden zu tun habe, hat sich viel verändert in der Pferdemedizin. Wo früher ein Pferd einfach als „alt“ abgestempelt und im Zweifel auch fix eingeschläfert wurde, gibt es heute noch eine Palette an Möglichkeiten. Und wo – leider auch heute noch oft – ein Pferd als „widersetzlich“, „stur“ oder „faul“ gilt, finden engagierte Pferdebesitzer und Tierärzte oft Schmerzen als Ursache für Verhalten.  Diagnostik und Medizin haben sich irrsinnig entwickelt in den letzten 30 Jahren. Als ich Teenager war, musste man für ein simples Röntgenbild noch in die Klinik fahren, heute kann man sogar Magenspiegelungen vor Ort im eigenen Stall durchführen.

Aber es kommen eben auch immer neue Probleme dazu. Borreliose ist schon lange auf dem Vormarsch, jetzt kommt die Anaplasmose immer mehr bei den Pferden an. West-Nil-Fieber ist schon da – vor 2 Jahren waren es Einzelfälle in Brandenburg und jetzt ist es so verbreitet, dass auch hier zur Impfung geraten wird – andere Dinge (z.B. Babesiose) sind im Anmarsch. Es wird also alles komplizierter.

Die Tierärztin, die Duncan mit seinem Fieber behandelt hat, hat mir allerdings auch einen Satz erzählt, der mir Mut gemacht hat: sie hat im Studium gelernt „wenn die Pferdebesitzerin sagt, da ist was, dann ist da was. Auch wenn man das als Tierarzt nicht gleich sieht“. Da lernen die jüngeren Tierärzte doch mal was Vernünftiges. Mein Duncan wäre ja an seiner Colitis nach der Kastration vielleicht gestorben (oder jedenfalls ganz sicher nicht so glimpflich davongekommen) wenn ich damals auf meinen (jetzt ehemaligen) Tierarzt gehört hätte. Der hat mir auch im Nachgang noch versichert, das sei alles Quatsch gewesen, mein Pony hätte halt wegen dem Stress ein Magenproblem gehabt. Wie gut, dass mein Pony so deutlich war und wir sofort in die Klinik gefahren sind. Duncan hat gewissermaßen damals sein eigenes Leben gerettet, weil er so unmissverständlich klar gemacht hat, wie schlecht es ihm geht.

Auch bei einem kleinen Hufgeschwür war er deutlich und humpelte was das Zeug hielt (spielte aber gleichzeitig wilde Wutz im Paddock, das eine schließt das andere nicht immer aus!).

Jetzt habe ich gelernt, was ich ihm NICHT an der Nasenspitze ansehen kann: Fieber. Während Diego bei 39,2° das Fressen vollständig eingestellt hat, war Duncan auch mit 40,6° noch im Trab zum Gras unterwegs. Zum Glück ist Fieber nun eins der wenigen Symptome die auch für den Laien kostenlos und schnell zu überprüfen sind. Und ich nehme mir fest vor, dieses einfache Mittel öfter zu nutzen, weil ich mich schon manches Mal im Nachhinein geärgert habe, dass ich das nicht einfach schnell gemacht habe.

Zum Glück haben jetzt, während seiner Antibiose, die Tierärztinnen jedes kleinste Symptom sehr ernst genommen, Duncan mit Argusaugen (eher Argusohren) überwacht und mich ganz wunderbar beraten, so dass er das starke Medikament gut vertragen hat.

Und ich hab wieder was über mein Pony gelernt und bin froh, dass ich nicht (nochmal?) mit einem fiebrigen Pony ausreiten war. Denn er wäre ja trotzdem gelaufen, leider.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 23. Juli 2025

Was war das denn für eine Woche?

Sonntag – gemütlicher Ausritt. Ich berichtete davon. Ich war so entspannt, dass mein Mädchen sich schon leise Sorgen gemacht hat. Aber es war ja auch so warm und das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte, dass ihre Ponys auch alle sehr entspannt sind.

Montag ging es dann los: Wir wollten einen flotten Ausritt mit dem Ausreitkumpel starten. Mein Mädchen hat mich rausgeholt, um mir die Schuhe anzuziehen, aber sie wollte doch gern sichergehen, dass ich fit bin. Also hat sie – um ihre Nerven zu beruhigen – schnell mal Fieber gemessen. Und dann ging es rund! Meine Temperatur war nämlich bei 39,8° und das fand mein Mädchen ja gar nicht lustig! Also gab es statt des Ausritts einen Besuch von der Tierärztin. Menno. Die meinte, ich könnte eigentlich ruhig ein bisschen müde sein und matt wirken bei der Temperatur. Wieso? Hast Du Kekse? Nein, sie hatte eine Spritze für mich. Erst auf der einen Seite Blut raus, dann auf der anderen Fiebersenker rein. Na das läuft ja für mich. Aber im Anschluss gab es dann doch Kekse.

Dienstag. Was wir eigentlich machen wollten: mit Diego auf Shoppingtour gehen! Er braucht ja noch einen Fahrzaum, scheint aber eine Sondergröße zu haben. Deswegen hätten wir mit der Wackelkiste zu einem Laden fahren sollen, um für ihn einkaufen zu gehen. Und wenn wir schonmal da sind, können wir auch gleich dort eine schöne Runde ausreiten gehen.

Was stattdessen geschah: Fieber messen (40,5°), ekligen Fiebersenker ins Maul bekommen – igitt! – schön mit Wasser kühlen. Mittags wieder messen (der Fiebersenker tut seinen Dienst, Normaltemperatur). Abends dann wieder messen (40,6°) und schon wieder Fiebersenker schlucken. Mir war das alles aber einigermaßen egal, ich hab mein normales Leben weitergelebt. Die Menschen haben sich einerseits gefreut, dass ich mich gut fühle und vor allem gut fresse, andererseits meinte mein Mädchen, das sei auch gefährlich, wenn ich nicht richtig Bescheid sage, wenn ich krank bin. So merkt sie das ja gar nicht! Wenn mir was wehtut, sag ich immer gleich Bescheid, aber das Fieber hat mich einfach nicht gestört.

Mittwoch: siehe Dienstag….  Fieber messen, Fiebersenker schlucken, kühlen, Fieber messen. Aber die Temperatur ging runter.

Am Donnerstag kam dann wieder die Tierärztin und hat mir Medikamente gespritzt. Weil es so teuer ist, wenn die Tierärztin extra zu uns fahren muss, haben wir es dann anders gemacht. Weil ich 5 Tage lang Spritzen bekommen musste, bin ich immer mit der Wackelkiste zur Tierärztin gereist. Sie hat mir meine Medikamente gespritzt, ich habe dafür den Rasen vor der Praxis gemäht. Ein fairer Deal! Mein Mädchen war unglaublich stolz auf mich, weil ich das alles sooooo artig mitgemacht habe. Bin halt ein Guter! Bin auch am 5. Tag noch gut in die Wackelkiste gestiegen, habe mich artig abhören lassen und ganz still gestanden, wenn sie mit ihrer blöden Spritze kam. Im Anschluss gab es immer viele Kekse und dann bin ich der vereinbarten Gärtnertätigkeit nachgegangen. Allerdings immer zu kurz, dann sollte ich schon wieder in die Wackelkiste. Warte mal! Da steht noch ein zu hoher Grashalm, den muss ich noch schnell stutzen!

Jetzt habe ich diese Woche noch Schongang, soll nur im Schritt bisschen Bodenarbeit machen (das Rennen erledige ich heimlich allein im Paddock) und nächste Woche kann es langsam wieder losgehen. Abends kommt mein Mädchen immer noch mit dem Fieberthermometer (leicht verdiente Kekse!), um auf Nummer sicher zu gehen.

Eine Sache ärgert uns allerdings doch sehr: wir hätten einen Startplatz für einen Distanzritt gehabt und jetzt sind die WIEDER alle ohne uns los gewesen! So haben wir wieder eine Saison verpasst, denn hier in unserer Gegend gibt es nur 2 Ritte im Jahr und die sind jetzt rum. Na super. Irgendwie hat es wohl nicht sein sollen. Aber mein Mädchen meint, wir müssten jetzt den Tierarzt-Check jedenfalls nicht mehr üben: Abhören, in die Augen schauen, Schleimhäute testen, in den Hals kneifen – das hatte ich alles so oft in der letzten Woche, das hab ich perfekt drauf.  

In ein paar Wochen muss mein Blut nochmal nachgetestet werden, dann hoffen wir auf gute Ergebnisse.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Krankes Pony    

Heute gibt es mal wieder keinen Artikel für Euch. Duncan hat Anaplasmose und obwohl es ihm im Moment gut geht, liegen meine Nerven ordentlich blank. Ich hoffe sehr, dass der Spuk nächste Woche überstanden ist. Bis dahin freue ich mich über mein super artiges Pony, der schon viel Lob von den Tierärztinnen bekommen hat für sein tadelloses Benehmen. Und ich bin gespannt, ob er sich auch bei der 5. Spritze noch so tadellos benehmen wird….

Drückt uns die Daumen, dass er die Medikamente gut verträgt, dann sollte alles bald wieder gut sein.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 14. Juli 2025

Die Woche verging wie im Flug! Da hatte ich gar nicht die Muße, euch was zu berichten.

Am Montag ist mein Montags-Ausflug einfach ausgefallen. So ein Mist! Aber es kam ein mysteriöses Päckchen an und mein Mädchen war fürchterlich aufgeregt deswegen! Erst hat sie sich nicht getraut, es aufzumachen. Dann hat sie es aufgemacht. Und große Augen gekriegt. Weil der Inhalt sooooo schön aussah. Aber sie hat sich nicht getraut, es auszuprobieren. Weil sie Angst hatte, es könnte nun doch nicht passen. Schließlich kam der Mann und mit dem zusammen hat sie sich getraut. Und was soll ich sagen: passt doch perfekt! Das ist mein neues Zaumzeug. Eine richtige Distanzreittrense! Weil ich ja nach meiner kleinen Panne nicht mehr ohne Gebiss ins Gelände gehen darf (bis ich mich so lange ordentlich benommen habe, dass sie mir wieder traut. Bei ihr dauert das wahrscheinlich ungefähr 100 Jahre!). Es ist ein multifunktionales Zaumzeug. In erster Funktion ist es ein ganz normales Halfter. Aber natürlich eins in den Lieblingsfarben meines Mädchens! Außerdem hat es Ringe in die man Zügel einhängen kann – falls sie sich jemals wieder traut, mich ohne Gebiss zu reiten, könnte sie das Halfter also als Sidepull nutzen. Und dann gibt es den anderen Teil. Da hängt das Gebiss drin und da ist ein Stirnriemen dran. Wenn ich das Halfter schon anhabe, kann man diesen Teil mit Druckknöpfen am Halfter befestigen. Man kann aber den Gebiss-Teil auch einzeln nutzen, wenn man kein Halfter braucht (z.B. wenn wir auf dem Platz reiten).

Außerdem hat sie sich noch ein leichtes Führseil dazu machen lassen. Das bleibt jetzt beim Ausreiten an meinem Halfter. Vorteil: wenn wir eine Graspause machen, kann sie einfach das Gebiss mitsamt Zügeln abnehmen und ich darf sofort grasen – kein Gefummel mehr mit dem Strick.

Mein Mädchen ist ganz glücklich mit diesem Kauf. Ich bin da ja nicht so, aber es ist bequem und praktisch, das ist schon ok. Und wenn mein Mädchen mir 2387510 mal sagt, wie wunderschön ich aussehe, habe ich ja auch nichts dagegen einzuwenden.

Am Dienstag kam dann meine kleine Freundin. Weil schon wieder so viel Wetter war, sind wir in der Halle geblieben und haben Matte, Ball und die andere Matte geübt. Himmelherrgott das wird ja immer komplizierter hier! Jetzt gibt es zwei Matten, dazwischen liegt der Ball und den soll ich aber nur manchmal schießen und wenn meine kleine Freundin sagt ich soll ihn nicht schießen dann darf ich ihn nicht schießen …. Aber wir waren gut drauf und hatten eine Menge Spaß. Es wird immer besser mit uns und meine kleine Freundin hat auch schon ganz schön was drauf!

Am Mittwoch hatte ich dann frei. Mein Mädchen hatte nämlich Geburtstag! Das neue Zaumzeug war eins ihrer Geschenke. Außerdem hat der Mann ihr noch ein Abhörgerät geschenkt, aber davon erzähle ich euch später. Wir Ponys haben von den beiden nicht viel gesehen, außer dass sie abends kamen, um uns auf die Weide zu lassen.

Am Donnerstag kam dann meine winzigkleine Freundin. Die war leider nicht gut drauf und sehr überfordert mit allem. Ich hab mir solche Mühe gegeben! Aber es hat nicht geklappt. Als sie auf dem Hocker stand und eigentlich aufsteigen wollte, hab ich gedacht: jetzt helfe ich ihr doch. Aber herrje, es endete im Desaster! Ich wollte ihr einfach noch etwas näher kommen, damit sie leichter aufsteigen kann und habe sie dabei aus Versehen aus dem Gleichgewicht gebracht. Tut mir leid! Naja, sie kommt diese Woche wieder und dann mache ich es wieder gut, versprochen!

Am Freitag waren mein Mädchen und ich dann in der Halle und haben wippen und sowas geübt. Samstag hatte ich schon wieder frei, weil sie den ganzen Tag unterwegs war.

Gestern haben wir dann das neue Zaumzeug mit einem schönen Sonntagsausflug eingeweiht. Wir waren beide sehr zufrieden, wie gut es funktioniert. Ich war sehr gemütlich unterwegs, der Mann meint, ich hätte wohl schon Sommerferien. Trotzdem war zweimal ein schöner kleiner Galopp drin und weil ich so entspannt war, hatte mein Mädchen auch keine Angst und wir hatten auch keinen Streit. Auch mal schön!

Bis auf einen querliegenden Ast, den der Mann von der Straße gezogen hat, war der Ausritt ziemlich ereignislos, so richtig sonntäglich gemütlich.

Nachmittags hatte Diego dann noch einen zweiten Auftrag, denn sein „Rolls Royce“ wurde passend auf ihn eingestellt. Da wurde er nochmal aufgeschirrt – er hatte schon Sorge, dass er eine zweite Runde arbeiten soll! – aber es wurde nur alles eingestellt, er hat mal bisschen probegezogen und dann durfte er wieder gehen.

Jetzt starten wir in die neue Woche und auch diese Woche wird wohl wieder eine Menge los sein! Was genau, das erfahrt ihr dann später.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit neuem Zaumzeug

Frech gefüttert

„Meine Osteopathin hat gesagt ich soll dem nicht mehr so viele Leckerlies geben, der ist so frech“. Oh, dieser Satz hätte fast meine Unterrichtsstunde gesprengt, aber ich habe mich dann auf zwei kurze Sätze beschränkt und mich lieber dem gewidmet, worum ich gebeten worden war.

Aber jetzt muss ich da doch noch was zu sagen. An dem Satz ist ja so ziemlich alles falsch!

Ein Pferd wird NICHT frech, weil es Leckerlies bekommt. Beweis? Die vielen „frechen“ bzw schlecht erzogenen Pferde, die nie mit Futter belohnt werden. Ganz einfach. Da muss ich nur an unsere Schulpferde von früher denken….  Davon abgesehen ist „nicht mehr so viele Leckerlies“ ganz sicher KEIN Rezept um die Pferdeerziehung zu verbessern. Der Erfolg dieser Erziehung hängt nämlich in keiner Weise mit der Anzahl der gegebenen Leckerlies zusammen. Und ich meine in KEINER Weise, niemals. Der Erfolg der Erziehung hängt wesentlich davon ab, ob der Mensch einen Plan, Ahnung von Körpersprache und ein gutes Timing hat. Das alles kann man MIT oder OHNE Leckerlies haben – oder eben nicht haben.

Ich kenne ein paar Menschen, die lieber ohne Futter arbeiten, weil ihr Pferd durch die Gabe von Futter aufdringlich wird (sagen sie). Ich sage: es wird durch schlechtes Timing bei der Futtergabe aufdringlich. Aber wenn ein Mensch keine Zeit, keine Lust oder nicht das nötige Wissen hat, sich damit auseinanderzusetzen und sich deswegen entscheidet, das Futter lieber wegzulassen, finde ich das völlig ok. Denn Futterlob ist eine Kunst für sich. Dadurch, dass Futter so ein starker Verstärker ist, belohnt man das Verhalten natürlich viel mehr als wenn man ohne Futter lobt. Das heißt, dass jeder Fehler, den der Mensch macht, deutlicherer Konsequenzen hat als ohne Futter. Und wenn jemand sich das nicht zutraut, dann ist es mir lieber, es wird ohne Futter gearbeitet, als wenn ständig ungünstiges Verhalten mit Futter verstärkt wird. DAS ist dann nämlich unter Umständen ein wirklich großes Problem. Pferde, die einen bedrängen, weil sie Futter wollen, sind kein Spaß.

Deswegen hatte ich am Anfang auch Zweifel, ob meine kleinen Schülerinnen mit Duncan mit Futter arbeiten sollen. Ich hatte erst die Idee, dass nur ICH ihn belohne, aber es stellte sich schnell heraus, dass das nicht praktikabel ist. Also hilft nur eins: Duncans kleine Schülerinnen müssen von Anfang an das korrekte Timing lernen. Und das können sie auch! Da Duncan das mit dem Futterlob von mir von klein auf ganz gut verinnerlich hat, ist es auch recht leicht. Das führt dazu, dass ich seine kleine Freundin völlig bedenkenlos mit einem Tupper voller Möhrenstücke zu Duncan gehen lassen kann. Beide haben das voll raus: er steht vor ihr und flippt schier aus, weil er sooooo gern die Möhrenstücke will. Sie wartet, bis er einen Schritt rückwärts von ihr weggeht, dann bringt sie ihm die Möhre. Wieder rückwärts, Möhre. So kommt er nicht ein einziges Mal auf die Idee, das Mädchen zu bedrängen. Er weiß, dass ihm das keinen Erfolg bringt. Und er weiß, welches Verhalten ihm diesen Erfolg bringt. Die Entscheidung ist leicht, egal, wie groß die Gier auch sein mag.

Neulich hatte die Kleine dann eine neue Idee und während ich abgelenkt war, weil ich mit ihrer Mutter über den nächsten Termin verhandelte, versuchte sie, das rufen zu üben. Sie ließ Duncan zurück gehen, rief ihn dann beim Namen, ging etwas rückwärts um ihn anzulocken. Er kam gierig auf sie zu und sie merkte, dass „hooo“ ihr jetzt auch nicht mehr ganz so viel half. Aber sie bekam keine Angst und er wurde auch nicht allzu fordernd, denn beide wussten sich zu helfen. Sie wusste ganz genau, dass er jetzt nichts bekommen durfte, weil er viel zu nah gekommen war. Und er wusste, dass er wohl wieder zurückgehen muss, bevor er etwas bekommt. Ich hingegen wusste, dass wir das mal zusammen anschauen und schlauer üben müssen, damit es besser klappt. Trotzdem war ich stolz auf die beiden, denn sie haben hervorragend gezeigt, wie sicher eine gute Grundstrategie einen machen kann. Dann kann auch mal kurz Chaos ausbrechen, ohne dass es im Desaster endet.

Futter kann Ponys gierig machen. Es kann ablenken. Es kann auch sehr viel Stress auslösen. Aber es macht überhaupt niemanden frech oder aufdringlich. Frech und aufdringlich, bissig oder sonstwie unangenehm werden Pferde aus Unsicherheit oder weil die falschen Dinge belohnt wurden – mit oder ohne Futter. Lasst Euch also bitte keinen Futterbären aufbinden. Wer mit Futter belohnen möchte, sollte sich damit beschäftigen, wie das gut funktionieren kann. Auch wer nur gelegentlich einen Keks gibt, sollte Regeln einführen, wann und wie es den gibt, das macht das Leben für alle Beteiligten leichter. Wer lieber ohne Futter belohnen möchte, sollte herausfinden, was das eigene Pferd als echte Belohnung empfindet. Timing ist für alle das A und O.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 6. Juli 2025

Sonntagsausflug! Da das Wetter ziemlich unberechenbar wirkte, sind wir von zuhause aus losmarschiert. Diego war erst etwas unmotiviert unterwegs, denn die Richtung verhieß nichts Gutes: wollen die etwa schon wieder über diesen verdammten Berg? Nach einer Weile hatte Diego sich dann aber auch eingelaufen und alles war wie immer: er vorneweg, ich hinterher. Entweder wir traben dann ein Stückchen nach, oder Diego bleibt kurz stehen und wartet auf mich. Dann bekommt er vom Mann einen Keks. Und ich finde, ich kann dann ja wohl auch einen Keks haben! Den hole ich mir dann einfach. Danach wollte ich immer hinter Diego einparken und ihn herzhaft in den Po kneifen. Mein Mädchen hat mich gefragt, ob ich etwas Pony-Po zum Nachtisch nach dem Keks bräuchte, aber der Mann hat meinen wahren Plan durchschaut: Ich beiße Diego in den Po, dann läuft der schneller, die Lücke zwischen uns wird größer, Diego muss anhalten, bekommt dafür einen Keks und ich hole mir auch schnell einen ab. Ha! Man muss eben langfristig planen!

Diesmal war die Tour nicht ganz so anstrengend. Wir sind den breiten Weg hochgelaufen, der ist lange nicht so steil und vor allem nicht so kurvig wie der schmale Weg. Und dann einfach auf dem Radweg an der Landstraße zurück. Da ist mein Mädchen zu Fuß gegangen und Diego und ich haben sie zwischen uns genommen, damit sie sich nicht fürchten muss. Sie fand das gelegentlich etwas zu eng aber das war uns egal.

Als wir nach 7,3 km in 1 Std 33min wieder zuhause angekommen waren, hat der Mann dann festgestellt, dass er den ganzen Ritt über den Hufkratzer in der Hosentasche hatte. Er meinte, er sei der Mann, der den Hufkratzer schneller zieht als sein Schatten! Gut, dass mein Mädchen schon abgestiegen war, sonst wäre sie bei dem Spruch direkt vor lachen runtergefallen.

Flugbetankung! Man beachte den Hufkratzer in der Hosentasche.

Nach dem Ausritt hat mein Mädchen den Mann noch gebeten, mich mal schnell anzuschauen, weil irgendwas mit mir nicht stimmt. Ich bin zwar motiviert und fröhlich gelaufen, aber irgendwas ist nicht richtig. Und natürlich hatte sie recht! Ich hatte mir einen Brustwirbel verdreht. Der Mann hat das aber ruckzuck wieder gerichtet, jetzt sollte alles wieder gut sein. Mein Mädchen hat gerätselt, wie ich das geschafft habe. Sie hat den Verdacht, dass ich das bei der letzten Kratz-Aktion in der Wackelkiste gemacht haben könnte. Es hat halt so doll gejuckt! Und sie hat sich geärgert, dass sie wieder dreimal überlegt hat ob sie sich das alles wohl nur einbildet, anstatt den Mann gleich zu fragen. Jedenfalls hat sie jetzt neben dem üblichen Hüftcheck noch etwas anderes, wonach sie schauen kann, wenn sie das Gefühl hat, dass mit mir was nicht ganz stimmt. Und sie ist sehr froh, dass wir unseren eigenen Haus- und Hof-Osteopathen haben.

Am Nachmittag hatten die Menschen dann noch ein Spezialprojekt. Mein Mädchen hat sich nämlich schon wieder was Neues für meine Hufe ausgedacht und neue Hufschuhe bestellt. Und zwar als Bausatz, zum selber zusammenschrauben. Sie kamen also in den Stall, haben mir was angezogen, daran rumgemalt und sind wieder gegangen.

1. Schritt: Anzeichnen. Da war ich noch motiviert!

Dann kamen sie aber alsbald wieder. Schuhe an, Schuhe aus. Und etwas später nochmal Schuhe an, Schuhe aus. Herrgottnocheins jetzt hab ich aber keine Lust mehr! Aber es gab Kekse, da konnte ich dann doch nicht nein sagen. Jetzt sind die Botten so weit zusammengeschustert und bekommen morgen noch einen Feinschliff (dafür muss ich aber wohl nichts anprobieren) bevor wir dann einen Testritt starten. Darauf sind wir schon ganz gespannt! Es ist ja nicht so leicht, Hufschuhe zu finden, die für mich gut funktionieren. Und die Klebedinger waren gar nicht gut für meine Hufe, die sind total schnell aus der Form geraten. Die ewigen Equipment-Fragen! Das scheint nie ein Ende zu nehmen.

Jetzt geht´s aber erstmal schön auf die Weide. Gute Nacht!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 4. Juli 2025

Heute will ich euch mal von den Fortschritten mit meiner neuen, winzigkleinen Freundin berichten. Also sie war jetzt insgesamt dreimal da. Beim ersten Mal hat sie sich ja nichts getraut außer Kekse zu werfen. Beim zweiten Mal hatte mein Mädchen alles gut vorbereitet und sich was schlaues überlegt. Das Matten-Spiel nennt sie das! Es geht so:

Ich soll von einer Matte zur anderen laufen. Auf der Matte soll ich jeweils anhalten, wenn alle 4 Hufe drauf sind. Keks! Damit meine klitzekleine Freundin sich nicht fürchten muss, ist zwischen uns ein Zaun. Ich bin also im Paddock bei den Matten, sie ist draußen. Und weil sie sich noch nicht traut, mir Kekse aus der Hand zu füttern, hat sie einen schönen großen Löffel, von dem sie mir die Kekse reicht.

Mein Mädchen hatte das mit mir geübt, damit ich auch ganz sicher weiß, was ich zu tun habe. Aber als meine klitzekleine Freundin mit dem Löffel und dem Keks drauf kam, hatte ich nicht den Mut, mir den Keks zu nehmen. Sie sah so ängstlich aus und ich wollte nicht unhöflich sein! Deswegen bin ich ganz lang auf der Matte stehen geblieben und habe geradeaus geschaut wie ich es gelernt habe. Und hab auf den Keks gewartet, aber den hätte ich mir selbst nehmen müssen. Naja, es hat etwas gedauert, bis wir es raushatten. Dann ging das mit den Keksen ganz gut, aber von einer Matte zur anderen laufen fand ich recht schwierig, weil meine klitzekleine Freundin noch so gar nicht weiß, wie man mit uns Ponys spricht. Sie hat zwar die richtigen Worte gesagt, aber zu jedem Wort gehört ja noch so viel Extra-Information! Wo schaut sie hin, wo läuft sie hin, wie hält sie ihren Arm? Und all diese Infos haben mir gefehlt. Mein Mädchen und die Mama von meiner klitzekleinen Freundin haben versucht, uns beiden zu helfen, aber so richtig in Fahrt gekommen sind wir nicht. Es hat ein paarmal recht anständig geklappt, aber dann mochte meine winzige Freundin nicht mehr. Sie wollte mich dann lieber etwas bürsten. Also Halfter drauf und mein Mädchen hat mich festgehalten, während meine Mini-Freundin mich gebürstet hat. Ich habe brav stillgestanden und mich von meinem Mädchen bekeksen lassen. Aber ich war doch etwas irritiert, dass ich meine neue Freundin gar nicht richtig begrüßen konnte! Immer wenn ich mal freundlich hallo sagen wollte, war sie auch schon wieder hinter ihrer Mama verschwunden. Wie soll ich sie denn kennenlernen und mich vernünftig vorstellen, wenn sie so tut als sei ich ein kinderfressender Säbelzahntiger?

Mein Mädchen fand, ich habe das enorm geduldig gemacht und hat gesagt, wir kriegen das schon hin.

Gestern war meine Mini-Freundin dann wieder da. Diesmal wurde ich gleich geputzt – von Mama und Tochter zusammen, während mein Mädchen dafür gesorgt hat, dass die Keksrate stimmt. Dann ging es ans Hufe auskratzen. Mein Mädchen hat meinen Huf hochgehalten, und meine Mini-Freundin sollte auskratzen. Aber sie hat sich nicht getraut. Und so stand ich da auf drei Beinen und habe gewartet. Mein Mädchen fand mich krass geduldig. Ich hab nicht gezuckt und nicht gewackelt, bis es schließlich los ging mit dem Auskratzen. Nachdem das erledigt war, sind wir dann zum Reitplatz gegangen, denn meine winzigkleine Freundin wollte so gerne mal auf meinem Rücken Platz nehmen. Also zum Aufsteigestein und passend eingeparkt. Und dann standen wir da so. Und standen. Und standen. Meine Mini-Freundin hat mit sich gerungen. Ich hab ab und zu einen Keks bekommen und die Statue gemacht. Nicht bewegen. Oder soll ich noch etwas näher ran, damit sie es leichter hat? Hab ich ab und zu angeboten. Nur so eben den Bauch bisschen rüberschieben. Na los, klitzekleine Freundin, nimm Platz! Nach einer langen Zeit hat sie sich schließlich durchgerungen und ist aufgestiegen. Ich bin einfach stehengeblieben, wie mein Mädchen es mir gesagt hat. Dann standen wir eine lange Zeit. Aus einer Pony-Statue war also eine Reiter-Statue geworden.

Mein Mädchen hat sich mit meiner Mini-Freundin über dies und das unterhalten. Schließlich wollte meine Mini-Freundin eine Runde um den Platz geführt werden. Klar! Mach ich doch gern. Dann war aber auch schon längst die Zeit um und zum Absteigen wurde ich wieder am Aufsteigestein eingeparkt.

Am Ende hat meine Mini-Freundin sich getraut, mir meine Spezialkrawatte auszuziehen. Immerhin! Wir machen also doch langsam Fortschritte. Mein Mädchen meint, wenn es irgendjemand schaffen kann, dass meine neue kleine Freundin mutiger wird,  dann ja wohl ich. Weil ich so ein Guter bin.

Nach der Stunde war ich ziemlich müde. So viel Geduld zu haben, kann auch anstrengend sein! Aber mein Mädchen war sehr, sehr stolz auf mich und das ist jede Anstrengung wert.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel in seiner neuen Funktion als Pony- Statue

Merkwürdiges Verhalten

Pferde kommunizieren über Verhalten – und es gibt immer noch eine Menge Leute, denen das nicht klar ist. Neulich hatte ich diesbezüglich eine Begegnung mit einer Reitbeteiligung eines Kundenpferdes. Nachdem das Pferd seine Besitzerin abgebockt hatte, habe ich mit der Reitbeteiligung Bodenarbeit gemacht und dabei auch den Rücken des Pferdes abgetastet. Auf leichten Druck an einer bestimmten Stelle drückte das Pferd jedes Mal den Rücken weg und riss den Kopf hoch. Und obwohl ich dachte, dass das völlig eindeutig sei, musste ich eine Menge dazu erklären, warum ich sehr davon abrate, dieses Pferd derzeit reiten zu wollen. Hä? Die verständnislose Reaktion des Menschen auf diese offensichtliche Kommunikation von Pferdeseite (aua!) ließ mich ratlos zurück.

Aber es gibt auch oft Pferdeverhalten, dass mich ratlos zurücklässt. Duncan hat eine neue Angewohnheit: wenn ich ihn aus dem Stall hole, bleibt er häufig außerhalb des Stalltors stehen und ist nur mit Mühe dazu zu bewegen, bis zum Anbinder weiterzugehen.

Ich dachte, das bedeutet, dass er den Anbinder nicht mag. Mag er den Platz nicht? Mag er nicht angebunden sein? Mag er nicht, dass er dort immer geputzt und begrabbelt wird? Ich versuchte, den Anbindeplatz positiver zu belegen, indem es dort öfter mal die Schüssel gab und beim Putzen mehr Kekse. Das Verhalten blieb.

Gleichzeitig ist er im Moment manchmal nicht so recht gewillt, zu kommen, wenn man ihn ruft. Genauer: er kommt schon, lässt sich aber auf halbem Wege von einem Grashalm ablenken, der noch dringend gegessen werden muss. Dieses Verhalten ließ mich darüber nachdenken, dass ich es vielleicht von der falschen Seite betrachte: vielleicht ist es nicht so, dass er nicht kommen möchte (er wirkt dann auch eigentlich immer motiviert, etwas zu tun), sondern eher, dass er nicht von dem Knabbergras im Paddock WEG gehen möchte. Und dieser Gedankengang wiederum brachte mich dazu, das Problem des Stehenbleibens auf dem Weg zum Anbinder von einer anderen Warte zu sehen. Meine derzeitig Arbeitshypothese: Er hat lange Zeit von mir einen Keks bekommen, nachdem er aus dem Stall gegangen war. Und zwar deswegen, weil ich ihn meistens vor mir her durch die Tür gehen lasse und ihm dabei einfach den Strick über den Rücken lege. Ich möchte aber sichergehen, dass er anhält und nicht die 5m weiter Richtung Gras läuft. Also habe ich lange Zeit immer „hooooo“ gesagt und fürs Anhalten einen Keks gegeben. Irgendwann habe ich mir das abgewöhnt, weil er angefangen hat, von selbst anzuhalten. Und ich glaube, er vermisst manchmal diesen Keks. Er findet, dass es nicht weitergehen kann, bevor er nicht den „Anhalte-Keks“ hatte. Ich werde diese These jetzt überprüfen.

Auch Diego hat manchmal interessante Arten der Kommunikation. Als wir neulich nach 3 Stunden Ausritt auf dem Weg zurück zum Anhänger waren – wir waren noch ca 500m vom Anhänger weg, bereits abgestiegen und es war für die Ponys klar wo wir sind – blieb Diego plötzlich mehrmals stehen. Er hob dann immer leicht den Schweif und ich dachte, er will äppeln oder pieschen, aber es passierte nichts. Ich machte mir Sorgen: geht es ihm nicht gut? Erst am Anhänger bemerkte ich, dass eine Bremse an der Rückseite seines Hinterbeins saß. Als ich die weggemacht hatte und ihn dort kratzte, war er sehr glücklich und das Problem war anscheinend behoben. So wie es aussieht, hat er mir – weil ich ja hinter ihm her ging – die Bremse zeigen wollen. Es fehlte aber Schweifschlagen als Hinweis für mich, dass es ein Insekt sein könnte und so habe ich ihn leider viel zu spät verstanden, den armen Kerl. Wahrscheinlich hält er mich jetzt für ziemlich dumm….

Es ist unerlässlich, dass wir lernen, das Verhalten unserer Pferde korrekt zu interpretieren. Manchmal müssen wir dazu auch nachfragen oder etwas ausprobieren. Ich finde es vor allem wichtig, immer wieder klarzustellen, dass es immer nur Hypothesen sind, die wir aufstellen. Wenn jemand mich fragt „warum macht der das?“ sage ich immer dazu, dass meine Antwort nicht notwendigerweise korrekt sein muss. Oft versuche ich auch, mindestens zwei mögliche Antworten zu finden. Es liegt an uns, immer mal zu hinterfragen, was unsere Pferde uns sagen möchten. Selbst wenn es uns eindeutig scheint, muss das nicht stimmen.

Und keine Sorge: dem Pferd mit den Rückenschmerzen wird natürlich geholfen. Und es wird natürlich auch nicht geritten, bis der Rücken wieder ok ist, denn zum Glück ist die Besitzerin verständiger als die Reitbeteiligung. Und auch die kann im Grunde nichts dafür, sie hat es halt bisher nicht besser gelernt – und etwas über Bord zu werfen, was man seit 30 Jahren so macht, ist nicht so einfach wie es sich anhört. Vielleicht konnte ich ja den Grundstein legen für etwas Nachdenklichkeit.