Krankes Pony    

Heute gibt es mal wieder keinen Artikel für Euch. Duncan hat Anaplasmose und obwohl es ihm im Moment gut geht, liegen meine Nerven ordentlich blank. Ich hoffe sehr, dass der Spuk nächste Woche überstanden ist. Bis dahin freue ich mich über mein super artiges Pony, der schon viel Lob von den Tierärztinnen bekommen hat für sein tadelloses Benehmen. Und ich bin gespannt, ob er sich auch bei der 5. Spritze noch so tadellos benehmen wird….

Drückt uns die Daumen, dass er die Medikamente gut verträgt, dann sollte alles bald wieder gut sein.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 14. Juli 2025

Die Woche verging wie im Flug! Da hatte ich gar nicht die Muße, euch was zu berichten.

Am Montag ist mein Montags-Ausflug einfach ausgefallen. So ein Mist! Aber es kam ein mysteriöses Päckchen an und mein Mädchen war fürchterlich aufgeregt deswegen! Erst hat sie sich nicht getraut, es aufzumachen. Dann hat sie es aufgemacht. Und große Augen gekriegt. Weil der Inhalt sooooo schön aussah. Aber sie hat sich nicht getraut, es auszuprobieren. Weil sie Angst hatte, es könnte nun doch nicht passen. Schließlich kam der Mann und mit dem zusammen hat sie sich getraut. Und was soll ich sagen: passt doch perfekt! Das ist mein neues Zaumzeug. Eine richtige Distanzreittrense! Weil ich ja nach meiner kleinen Panne nicht mehr ohne Gebiss ins Gelände gehen darf (bis ich mich so lange ordentlich benommen habe, dass sie mir wieder traut. Bei ihr dauert das wahrscheinlich ungefähr 100 Jahre!). Es ist ein multifunktionales Zaumzeug. In erster Funktion ist es ein ganz normales Halfter. Aber natürlich eins in den Lieblingsfarben meines Mädchens! Außerdem hat es Ringe in die man Zügel einhängen kann – falls sie sich jemals wieder traut, mich ohne Gebiss zu reiten, könnte sie das Halfter also als Sidepull nutzen. Und dann gibt es den anderen Teil. Da hängt das Gebiss drin und da ist ein Stirnriemen dran. Wenn ich das Halfter schon anhabe, kann man diesen Teil mit Druckknöpfen am Halfter befestigen. Man kann aber den Gebiss-Teil auch einzeln nutzen, wenn man kein Halfter braucht (z.B. wenn wir auf dem Platz reiten).

Außerdem hat sie sich noch ein leichtes Führseil dazu machen lassen. Das bleibt jetzt beim Ausreiten an meinem Halfter. Vorteil: wenn wir eine Graspause machen, kann sie einfach das Gebiss mitsamt Zügeln abnehmen und ich darf sofort grasen – kein Gefummel mehr mit dem Strick.

Mein Mädchen ist ganz glücklich mit diesem Kauf. Ich bin da ja nicht so, aber es ist bequem und praktisch, das ist schon ok. Und wenn mein Mädchen mir 2387510 mal sagt, wie wunderschön ich aussehe, habe ich ja auch nichts dagegen einzuwenden.

Am Dienstag kam dann meine kleine Freundin. Weil schon wieder so viel Wetter war, sind wir in der Halle geblieben und haben Matte, Ball und die andere Matte geübt. Himmelherrgott das wird ja immer komplizierter hier! Jetzt gibt es zwei Matten, dazwischen liegt der Ball und den soll ich aber nur manchmal schießen und wenn meine kleine Freundin sagt ich soll ihn nicht schießen dann darf ich ihn nicht schießen …. Aber wir waren gut drauf und hatten eine Menge Spaß. Es wird immer besser mit uns und meine kleine Freundin hat auch schon ganz schön was drauf!

Am Mittwoch hatte ich dann frei. Mein Mädchen hatte nämlich Geburtstag! Das neue Zaumzeug war eins ihrer Geschenke. Außerdem hat der Mann ihr noch ein Abhörgerät geschenkt, aber davon erzähle ich euch später. Wir Ponys haben von den beiden nicht viel gesehen, außer dass sie abends kamen, um uns auf die Weide zu lassen.

Am Donnerstag kam dann meine winzigkleine Freundin. Die war leider nicht gut drauf und sehr überfordert mit allem. Ich hab mir solche Mühe gegeben! Aber es hat nicht geklappt. Als sie auf dem Hocker stand und eigentlich aufsteigen wollte, hab ich gedacht: jetzt helfe ich ihr doch. Aber herrje, es endete im Desaster! Ich wollte ihr einfach noch etwas näher kommen, damit sie leichter aufsteigen kann und habe sie dabei aus Versehen aus dem Gleichgewicht gebracht. Tut mir leid! Naja, sie kommt diese Woche wieder und dann mache ich es wieder gut, versprochen!

Am Freitag waren mein Mädchen und ich dann in der Halle und haben wippen und sowas geübt. Samstag hatte ich schon wieder frei, weil sie den ganzen Tag unterwegs war.

Gestern haben wir dann das neue Zaumzeug mit einem schönen Sonntagsausflug eingeweiht. Wir waren beide sehr zufrieden, wie gut es funktioniert. Ich war sehr gemütlich unterwegs, der Mann meint, ich hätte wohl schon Sommerferien. Trotzdem war zweimal ein schöner kleiner Galopp drin und weil ich so entspannt war, hatte mein Mädchen auch keine Angst und wir hatten auch keinen Streit. Auch mal schön!

Bis auf einen querliegenden Ast, den der Mann von der Straße gezogen hat, war der Ausritt ziemlich ereignislos, so richtig sonntäglich gemütlich.

Nachmittags hatte Diego dann noch einen zweiten Auftrag, denn sein „Rolls Royce“ wurde passend auf ihn eingestellt. Da wurde er nochmal aufgeschirrt – er hatte schon Sorge, dass er eine zweite Runde arbeiten soll! – aber es wurde nur alles eingestellt, er hat mal bisschen probegezogen und dann durfte er wieder gehen.

Jetzt starten wir in die neue Woche und auch diese Woche wird wohl wieder eine Menge los sein! Was genau, das erfahrt ihr dann später.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit neuem Zaumzeug

Frech gefüttert

„Meine Osteopathin hat gesagt ich soll dem nicht mehr so viele Leckerlies geben, der ist so frech“. Oh, dieser Satz hätte fast meine Unterrichtsstunde gesprengt, aber ich habe mich dann auf zwei kurze Sätze beschränkt und mich lieber dem gewidmet, worum ich gebeten worden war.

Aber jetzt muss ich da doch noch was zu sagen. An dem Satz ist ja so ziemlich alles falsch!

Ein Pferd wird NICHT frech, weil es Leckerlies bekommt. Beweis? Die vielen „frechen“ bzw schlecht erzogenen Pferde, die nie mit Futter belohnt werden. Ganz einfach. Da muss ich nur an unsere Schulpferde von früher denken….  Davon abgesehen ist „nicht mehr so viele Leckerlies“ ganz sicher KEIN Rezept um die Pferdeerziehung zu verbessern. Der Erfolg dieser Erziehung hängt nämlich in keiner Weise mit der Anzahl der gegebenen Leckerlies zusammen. Und ich meine in KEINER Weise, niemals. Der Erfolg der Erziehung hängt wesentlich davon ab, ob der Mensch einen Plan, Ahnung von Körpersprache und ein gutes Timing hat. Das alles kann man MIT oder OHNE Leckerlies haben – oder eben nicht haben.

Ich kenne ein paar Menschen, die lieber ohne Futter arbeiten, weil ihr Pferd durch die Gabe von Futter aufdringlich wird (sagen sie). Ich sage: es wird durch schlechtes Timing bei der Futtergabe aufdringlich. Aber wenn ein Mensch keine Zeit, keine Lust oder nicht das nötige Wissen hat, sich damit auseinanderzusetzen und sich deswegen entscheidet, das Futter lieber wegzulassen, finde ich das völlig ok. Denn Futterlob ist eine Kunst für sich. Dadurch, dass Futter so ein starker Verstärker ist, belohnt man das Verhalten natürlich viel mehr als wenn man ohne Futter lobt. Das heißt, dass jeder Fehler, den der Mensch macht, deutlicherer Konsequenzen hat als ohne Futter. Und wenn jemand sich das nicht zutraut, dann ist es mir lieber, es wird ohne Futter gearbeitet, als wenn ständig ungünstiges Verhalten mit Futter verstärkt wird. DAS ist dann nämlich unter Umständen ein wirklich großes Problem. Pferde, die einen bedrängen, weil sie Futter wollen, sind kein Spaß.

Deswegen hatte ich am Anfang auch Zweifel, ob meine kleinen Schülerinnen mit Duncan mit Futter arbeiten sollen. Ich hatte erst die Idee, dass nur ICH ihn belohne, aber es stellte sich schnell heraus, dass das nicht praktikabel ist. Also hilft nur eins: Duncans kleine Schülerinnen müssen von Anfang an das korrekte Timing lernen. Und das können sie auch! Da Duncan das mit dem Futterlob von mir von klein auf ganz gut verinnerlich hat, ist es auch recht leicht. Das führt dazu, dass ich seine kleine Freundin völlig bedenkenlos mit einem Tupper voller Möhrenstücke zu Duncan gehen lassen kann. Beide haben das voll raus: er steht vor ihr und flippt schier aus, weil er sooooo gern die Möhrenstücke will. Sie wartet, bis er einen Schritt rückwärts von ihr weggeht, dann bringt sie ihm die Möhre. Wieder rückwärts, Möhre. So kommt er nicht ein einziges Mal auf die Idee, das Mädchen zu bedrängen. Er weiß, dass ihm das keinen Erfolg bringt. Und er weiß, welches Verhalten ihm diesen Erfolg bringt. Die Entscheidung ist leicht, egal, wie groß die Gier auch sein mag.

Neulich hatte die Kleine dann eine neue Idee und während ich abgelenkt war, weil ich mit ihrer Mutter über den nächsten Termin verhandelte, versuchte sie, das rufen zu üben. Sie ließ Duncan zurück gehen, rief ihn dann beim Namen, ging etwas rückwärts um ihn anzulocken. Er kam gierig auf sie zu und sie merkte, dass „hooo“ ihr jetzt auch nicht mehr ganz so viel half. Aber sie bekam keine Angst und er wurde auch nicht allzu fordernd, denn beide wussten sich zu helfen. Sie wusste ganz genau, dass er jetzt nichts bekommen durfte, weil er viel zu nah gekommen war. Und er wusste, dass er wohl wieder zurückgehen muss, bevor er etwas bekommt. Ich hingegen wusste, dass wir das mal zusammen anschauen und schlauer üben müssen, damit es besser klappt. Trotzdem war ich stolz auf die beiden, denn sie haben hervorragend gezeigt, wie sicher eine gute Grundstrategie einen machen kann. Dann kann auch mal kurz Chaos ausbrechen, ohne dass es im Desaster endet.

Futter kann Ponys gierig machen. Es kann ablenken. Es kann auch sehr viel Stress auslösen. Aber es macht überhaupt niemanden frech oder aufdringlich. Frech und aufdringlich, bissig oder sonstwie unangenehm werden Pferde aus Unsicherheit oder weil die falschen Dinge belohnt wurden – mit oder ohne Futter. Lasst Euch also bitte keinen Futterbären aufbinden. Wer mit Futter belohnen möchte, sollte sich damit beschäftigen, wie das gut funktionieren kann. Auch wer nur gelegentlich einen Keks gibt, sollte Regeln einführen, wann und wie es den gibt, das macht das Leben für alle Beteiligten leichter. Wer lieber ohne Futter belohnen möchte, sollte herausfinden, was das eigene Pferd als echte Belohnung empfindet. Timing ist für alle das A und O.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 6. Juli 2025

Sonntagsausflug! Da das Wetter ziemlich unberechenbar wirkte, sind wir von zuhause aus losmarschiert. Diego war erst etwas unmotiviert unterwegs, denn die Richtung verhieß nichts Gutes: wollen die etwa schon wieder über diesen verdammten Berg? Nach einer Weile hatte Diego sich dann aber auch eingelaufen und alles war wie immer: er vorneweg, ich hinterher. Entweder wir traben dann ein Stückchen nach, oder Diego bleibt kurz stehen und wartet auf mich. Dann bekommt er vom Mann einen Keks. Und ich finde, ich kann dann ja wohl auch einen Keks haben! Den hole ich mir dann einfach. Danach wollte ich immer hinter Diego einparken und ihn herzhaft in den Po kneifen. Mein Mädchen hat mich gefragt, ob ich etwas Pony-Po zum Nachtisch nach dem Keks bräuchte, aber der Mann hat meinen wahren Plan durchschaut: Ich beiße Diego in den Po, dann läuft der schneller, die Lücke zwischen uns wird größer, Diego muss anhalten, bekommt dafür einen Keks und ich hole mir auch schnell einen ab. Ha! Man muss eben langfristig planen!

Diesmal war die Tour nicht ganz so anstrengend. Wir sind den breiten Weg hochgelaufen, der ist lange nicht so steil und vor allem nicht so kurvig wie der schmale Weg. Und dann einfach auf dem Radweg an der Landstraße zurück. Da ist mein Mädchen zu Fuß gegangen und Diego und ich haben sie zwischen uns genommen, damit sie sich nicht fürchten muss. Sie fand das gelegentlich etwas zu eng aber das war uns egal.

Als wir nach 7,3 km in 1 Std 33min wieder zuhause angekommen waren, hat der Mann dann festgestellt, dass er den ganzen Ritt über den Hufkratzer in der Hosentasche hatte. Er meinte, er sei der Mann, der den Hufkratzer schneller zieht als sein Schatten! Gut, dass mein Mädchen schon abgestiegen war, sonst wäre sie bei dem Spruch direkt vor lachen runtergefallen.

Flugbetankung! Man beachte den Hufkratzer in der Hosentasche.

Nach dem Ausritt hat mein Mädchen den Mann noch gebeten, mich mal schnell anzuschauen, weil irgendwas mit mir nicht stimmt. Ich bin zwar motiviert und fröhlich gelaufen, aber irgendwas ist nicht richtig. Und natürlich hatte sie recht! Ich hatte mir einen Brustwirbel verdreht. Der Mann hat das aber ruckzuck wieder gerichtet, jetzt sollte alles wieder gut sein. Mein Mädchen hat gerätselt, wie ich das geschafft habe. Sie hat den Verdacht, dass ich das bei der letzten Kratz-Aktion in der Wackelkiste gemacht haben könnte. Es hat halt so doll gejuckt! Und sie hat sich geärgert, dass sie wieder dreimal überlegt hat ob sie sich das alles wohl nur einbildet, anstatt den Mann gleich zu fragen. Jedenfalls hat sie jetzt neben dem üblichen Hüftcheck noch etwas anderes, wonach sie schauen kann, wenn sie das Gefühl hat, dass mit mir was nicht ganz stimmt. Und sie ist sehr froh, dass wir unseren eigenen Haus- und Hof-Osteopathen haben.

Am Nachmittag hatten die Menschen dann noch ein Spezialprojekt. Mein Mädchen hat sich nämlich schon wieder was Neues für meine Hufe ausgedacht und neue Hufschuhe bestellt. Und zwar als Bausatz, zum selber zusammenschrauben. Sie kamen also in den Stall, haben mir was angezogen, daran rumgemalt und sind wieder gegangen.

1. Schritt: Anzeichnen. Da war ich noch motiviert!

Dann kamen sie aber alsbald wieder. Schuhe an, Schuhe aus. Und etwas später nochmal Schuhe an, Schuhe aus. Herrgottnocheins jetzt hab ich aber keine Lust mehr! Aber es gab Kekse, da konnte ich dann doch nicht nein sagen. Jetzt sind die Botten so weit zusammengeschustert und bekommen morgen noch einen Feinschliff (dafür muss ich aber wohl nichts anprobieren) bevor wir dann einen Testritt starten. Darauf sind wir schon ganz gespannt! Es ist ja nicht so leicht, Hufschuhe zu finden, die für mich gut funktionieren. Und die Klebedinger waren gar nicht gut für meine Hufe, die sind total schnell aus der Form geraten. Die ewigen Equipment-Fragen! Das scheint nie ein Ende zu nehmen.

Jetzt geht´s aber erstmal schön auf die Weide. Gute Nacht!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 4. Juli 2025

Heute will ich euch mal von den Fortschritten mit meiner neuen, winzigkleinen Freundin berichten. Also sie war jetzt insgesamt dreimal da. Beim ersten Mal hat sie sich ja nichts getraut außer Kekse zu werfen. Beim zweiten Mal hatte mein Mädchen alles gut vorbereitet und sich was schlaues überlegt. Das Matten-Spiel nennt sie das! Es geht so:

Ich soll von einer Matte zur anderen laufen. Auf der Matte soll ich jeweils anhalten, wenn alle 4 Hufe drauf sind. Keks! Damit meine klitzekleine Freundin sich nicht fürchten muss, ist zwischen uns ein Zaun. Ich bin also im Paddock bei den Matten, sie ist draußen. Und weil sie sich noch nicht traut, mir Kekse aus der Hand zu füttern, hat sie einen schönen großen Löffel, von dem sie mir die Kekse reicht.

Mein Mädchen hatte das mit mir geübt, damit ich auch ganz sicher weiß, was ich zu tun habe. Aber als meine klitzekleine Freundin mit dem Löffel und dem Keks drauf kam, hatte ich nicht den Mut, mir den Keks zu nehmen. Sie sah so ängstlich aus und ich wollte nicht unhöflich sein! Deswegen bin ich ganz lang auf der Matte stehen geblieben und habe geradeaus geschaut wie ich es gelernt habe. Und hab auf den Keks gewartet, aber den hätte ich mir selbst nehmen müssen. Naja, es hat etwas gedauert, bis wir es raushatten. Dann ging das mit den Keksen ganz gut, aber von einer Matte zur anderen laufen fand ich recht schwierig, weil meine klitzekleine Freundin noch so gar nicht weiß, wie man mit uns Ponys spricht. Sie hat zwar die richtigen Worte gesagt, aber zu jedem Wort gehört ja noch so viel Extra-Information! Wo schaut sie hin, wo läuft sie hin, wie hält sie ihren Arm? Und all diese Infos haben mir gefehlt. Mein Mädchen und die Mama von meiner klitzekleinen Freundin haben versucht, uns beiden zu helfen, aber so richtig in Fahrt gekommen sind wir nicht. Es hat ein paarmal recht anständig geklappt, aber dann mochte meine winzige Freundin nicht mehr. Sie wollte mich dann lieber etwas bürsten. Also Halfter drauf und mein Mädchen hat mich festgehalten, während meine Mini-Freundin mich gebürstet hat. Ich habe brav stillgestanden und mich von meinem Mädchen bekeksen lassen. Aber ich war doch etwas irritiert, dass ich meine neue Freundin gar nicht richtig begrüßen konnte! Immer wenn ich mal freundlich hallo sagen wollte, war sie auch schon wieder hinter ihrer Mama verschwunden. Wie soll ich sie denn kennenlernen und mich vernünftig vorstellen, wenn sie so tut als sei ich ein kinderfressender Säbelzahntiger?

Mein Mädchen fand, ich habe das enorm geduldig gemacht und hat gesagt, wir kriegen das schon hin.

Gestern war meine Mini-Freundin dann wieder da. Diesmal wurde ich gleich geputzt – von Mama und Tochter zusammen, während mein Mädchen dafür gesorgt hat, dass die Keksrate stimmt. Dann ging es ans Hufe auskratzen. Mein Mädchen hat meinen Huf hochgehalten, und meine Mini-Freundin sollte auskratzen. Aber sie hat sich nicht getraut. Und so stand ich da auf drei Beinen und habe gewartet. Mein Mädchen fand mich krass geduldig. Ich hab nicht gezuckt und nicht gewackelt, bis es schließlich los ging mit dem Auskratzen. Nachdem das erledigt war, sind wir dann zum Reitplatz gegangen, denn meine winzigkleine Freundin wollte so gerne mal auf meinem Rücken Platz nehmen. Also zum Aufsteigestein und passend eingeparkt. Und dann standen wir da so. Und standen. Und standen. Meine Mini-Freundin hat mit sich gerungen. Ich hab ab und zu einen Keks bekommen und die Statue gemacht. Nicht bewegen. Oder soll ich noch etwas näher ran, damit sie es leichter hat? Hab ich ab und zu angeboten. Nur so eben den Bauch bisschen rüberschieben. Na los, klitzekleine Freundin, nimm Platz! Nach einer langen Zeit hat sie sich schließlich durchgerungen und ist aufgestiegen. Ich bin einfach stehengeblieben, wie mein Mädchen es mir gesagt hat. Dann standen wir eine lange Zeit. Aus einer Pony-Statue war also eine Reiter-Statue geworden.

Mein Mädchen hat sich mit meiner Mini-Freundin über dies und das unterhalten. Schließlich wollte meine Mini-Freundin eine Runde um den Platz geführt werden. Klar! Mach ich doch gern. Dann war aber auch schon längst die Zeit um und zum Absteigen wurde ich wieder am Aufsteigestein eingeparkt.

Am Ende hat meine Mini-Freundin sich getraut, mir meine Spezialkrawatte auszuziehen. Immerhin! Wir machen also doch langsam Fortschritte. Mein Mädchen meint, wenn es irgendjemand schaffen kann, dass meine neue kleine Freundin mutiger wird,  dann ja wohl ich. Weil ich so ein Guter bin.

Nach der Stunde war ich ziemlich müde. So viel Geduld zu haben, kann auch anstrengend sein! Aber mein Mädchen war sehr, sehr stolz auf mich und das ist jede Anstrengung wert.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel in seiner neuen Funktion als Pony- Statue

Merkwürdiges Verhalten

Pferde kommunizieren über Verhalten – und es gibt immer noch eine Menge Leute, denen das nicht klar ist. Neulich hatte ich diesbezüglich eine Begegnung mit einer Reitbeteiligung eines Kundenpferdes. Nachdem das Pferd seine Besitzerin abgebockt hatte, habe ich mit der Reitbeteiligung Bodenarbeit gemacht und dabei auch den Rücken des Pferdes abgetastet. Auf leichten Druck an einer bestimmten Stelle drückte das Pferd jedes Mal den Rücken weg und riss den Kopf hoch. Und obwohl ich dachte, dass das völlig eindeutig sei, musste ich eine Menge dazu erklären, warum ich sehr davon abrate, dieses Pferd derzeit reiten zu wollen. Hä? Die verständnislose Reaktion des Menschen auf diese offensichtliche Kommunikation von Pferdeseite (aua!) ließ mich ratlos zurück.

Aber es gibt auch oft Pferdeverhalten, dass mich ratlos zurücklässt. Duncan hat eine neue Angewohnheit: wenn ich ihn aus dem Stall hole, bleibt er häufig außerhalb des Stalltors stehen und ist nur mit Mühe dazu zu bewegen, bis zum Anbinder weiterzugehen.

Ich dachte, das bedeutet, dass er den Anbinder nicht mag. Mag er den Platz nicht? Mag er nicht angebunden sein? Mag er nicht, dass er dort immer geputzt und begrabbelt wird? Ich versuchte, den Anbindeplatz positiver zu belegen, indem es dort öfter mal die Schüssel gab und beim Putzen mehr Kekse. Das Verhalten blieb.

Gleichzeitig ist er im Moment manchmal nicht so recht gewillt, zu kommen, wenn man ihn ruft. Genauer: er kommt schon, lässt sich aber auf halbem Wege von einem Grashalm ablenken, der noch dringend gegessen werden muss. Dieses Verhalten ließ mich darüber nachdenken, dass ich es vielleicht von der falschen Seite betrachte: vielleicht ist es nicht so, dass er nicht kommen möchte (er wirkt dann auch eigentlich immer motiviert, etwas zu tun), sondern eher, dass er nicht von dem Knabbergras im Paddock WEG gehen möchte. Und dieser Gedankengang wiederum brachte mich dazu, das Problem des Stehenbleibens auf dem Weg zum Anbinder von einer anderen Warte zu sehen. Meine derzeitig Arbeitshypothese: Er hat lange Zeit von mir einen Keks bekommen, nachdem er aus dem Stall gegangen war. Und zwar deswegen, weil ich ihn meistens vor mir her durch die Tür gehen lasse und ihm dabei einfach den Strick über den Rücken lege. Ich möchte aber sichergehen, dass er anhält und nicht die 5m weiter Richtung Gras läuft. Also habe ich lange Zeit immer „hooooo“ gesagt und fürs Anhalten einen Keks gegeben. Irgendwann habe ich mir das abgewöhnt, weil er angefangen hat, von selbst anzuhalten. Und ich glaube, er vermisst manchmal diesen Keks. Er findet, dass es nicht weitergehen kann, bevor er nicht den „Anhalte-Keks“ hatte. Ich werde diese These jetzt überprüfen.

Auch Diego hat manchmal interessante Arten der Kommunikation. Als wir neulich nach 3 Stunden Ausritt auf dem Weg zurück zum Anhänger waren – wir waren noch ca 500m vom Anhänger weg, bereits abgestiegen und es war für die Ponys klar wo wir sind – blieb Diego plötzlich mehrmals stehen. Er hob dann immer leicht den Schweif und ich dachte, er will äppeln oder pieschen, aber es passierte nichts. Ich machte mir Sorgen: geht es ihm nicht gut? Erst am Anhänger bemerkte ich, dass eine Bremse an der Rückseite seines Hinterbeins saß. Als ich die weggemacht hatte und ihn dort kratzte, war er sehr glücklich und das Problem war anscheinend behoben. So wie es aussieht, hat er mir – weil ich ja hinter ihm her ging – die Bremse zeigen wollen. Es fehlte aber Schweifschlagen als Hinweis für mich, dass es ein Insekt sein könnte und so habe ich ihn leider viel zu spät verstanden, den armen Kerl. Wahrscheinlich hält er mich jetzt für ziemlich dumm….

Es ist unerlässlich, dass wir lernen, das Verhalten unserer Pferde korrekt zu interpretieren. Manchmal müssen wir dazu auch nachfragen oder etwas ausprobieren. Ich finde es vor allem wichtig, immer wieder klarzustellen, dass es immer nur Hypothesen sind, die wir aufstellen. Wenn jemand mich fragt „warum macht der das?“ sage ich immer dazu, dass meine Antwort nicht notwendigerweise korrekt sein muss. Oft versuche ich auch, mindestens zwei mögliche Antworten zu finden. Es liegt an uns, immer mal zu hinterfragen, was unsere Pferde uns sagen möchten. Selbst wenn es uns eindeutig scheint, muss das nicht stimmen.

Und keine Sorge: dem Pferd mit den Rückenschmerzen wird natürlich geholfen. Und es wird natürlich auch nicht geritten, bis der Rücken wieder ok ist, denn zum Glück ist die Besitzerin verständiger als die Reitbeteiligung. Und auch die kann im Grunde nichts dafür, sie hat es halt bisher nicht besser gelernt – und etwas über Bord zu werfen, was man seit 30 Jahren so macht, ist nicht so einfach wie es sich anhört. Vielleicht konnte ich ja den Grundstein legen für etwas Nachdenklichkeit.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 1. Juli 2025

Samstag alleine ausreiten, Sonntag große Tour mit Diego und Montag ist Montagsausflug mit dem Ausreitkumpel! Ich bin wieder voll motiviert in die Wackelkiste geklettert. Dort haben wir erstmal was Neues geübt. Mein Mädchen möchte nämlich, dass ich lerne, brav in der geparkten Wackelkiste zu stehen, während vorne die beiden Kekstüren offen sind. So dass ich auch mal in der Wackelkiste warten kann, ohne dass es da drin gleich so warm und stickig wird. Der Mann hat ein bisschen gelacht, weil ich da natürlich gar nichts lernen muss. Wer hier was lernen muss, ist mein Mädchen. Die muss nämlich aushalten, dass ich da vorne den Kopf rausstrecke. Sie muss lernen mir zu vertrauen, dass ich trotzdem nicht versuche, vorne auszusteigen (das ist ihre Sorge). Als ob ich sowas machen würde, so lange hier drin noch lecker Heu ist! Aber wenn die Katze vorbei läuft muss ich halt schon mal rausschauen.

Guckuck!

Nachdem wir das 5 Minuten gemacht hatten, hat mein Mädchen die Kekstür zugemacht und wir sind losgefahren, den Ausreitkumpel abholen. Gemeinsam ging es dann weiter zum Ausritt-Startpunkt und dort ging die Kekstür wieder auf. Ah, da ist ja ein leckerer Busch direkt vor der Tür! Da hab ich mal den Kopf rausgeschoben und mir was abgezupft. Mein Mädchen hat furchtbar lachen müssen!

Nett von meinem Mädchen, so nah am Busch zu parken!

Dann sind wir aber ganz normal ausgestiegen und wurden gesattelt. Ich kenne die Gegend hier, hier ist das Dorf mit den netten Autofahrern. Ehrlich, die sind alle super freundlich, jeder macht langsam und hält Abstand von uns. Wir sind den langen Weg geradeaus gestartet und mein Mädchen hat sich erinnert, dass das der Weg ist, wo sie zum ersten Mal ein Stück auf mir saß und ich sie wirklich getragen habe. 3 Jahre ist das jetzt schon her! Kaum wollten wir antraben, kam die erste Kuhkoppel. Da bleiben wir lieber noch im Schritt! Eins von den neugierigen Rindern ist die ganze Länge der Koppel hinter uns her marschiert. Aber hier sind nicht nur die Autofahrer nett, sondern auch die Kühe. Sie ist nur ruhig hinter uns her gegangen und hat uns beobachtet – kein Rennen, keine komischen Geräusche und ihre Freundinnen haben sich dezent im Hintergrund gehalten. So konnten mein Mädchen und ich das gut aushalten. Später sind wir noch an ganz, ganz vielen Rinderkoppeln vorbeigekommen und die waren auch alle so nett. Es scheint einfach eine freundliche Gegend zu sein!

Als die Rinderkoppel zu Ende war, ging es in den Trab. Mein Ausreitkumpel – seines Zeichens Schecke – hat wieder mal Gründe gesucht um Vollbremsungen oder Seitsprünge hinzulegen. Baumstümpfe sind eins seiner favorisierten Themen. Oder Bänke. Oder Hecklöcher. Und wenn gerade nichts Passendes da ist, erfindet er zur Not was, da ist er kreativ. Wahrscheinlich liegt das daran, dass „Schecke“ fasst so klingt wie „Schrecke“. Ich hab einmal so getan als würde ich mich dann auch gleich vor der Bank fürchten, aber mein Mädchen hat geschimpft und gesagt, ich hätte mich bisher nie dafür interessiert, was der SchRecke gefährlich findet und ich bräuchte jetzt wahrhaftig auch nicht damit anzufangen. Jedenfalls war es ein bisschen schwierig, weil mein Ausreitkumpel entweder hinter mir war und mich zu langsam fand – er wollte mir doch tatsächlich in meinen ritterlichen Po kneifen! – oder er war vorne und fand, er würde zu viel Verantwortung tragen. So ging es ein bisschen hin und her, mal war er vorne, mal ich.

Wir sind zum ersten Mal den ganzen langen Weg durchgeritten, mein Mädchen wollte mal sehen wie es dort aussieht. Und wir waren ganz begeistert, wie schön es da ist! Dann im Bogen rum, durch den Wald im Galopp. Der SchRecke war vorneweg und mein Mädchen und ich haben die Diskussion vom Sonntag wieder aufgenommen: wenn einer vorneweg galoppiert, dann möchte ich überholen – oder wenigstens einholen! Da könnte ich doch jetzt mal in SEINEN Po kneifen! Aber mein Mädchen wollte Abstand halten. Und dann hab ich auch kapiert warum, denn plötzlich legt der SchRecke eine Vollbremsung hin, die sich gewaschen hatte! Zum Glück ist sein Mädchen sattelfest (er trainiert sie dahingehend ja auch ständig). Und wir hatten genug Abstand um nicht mit den beiden zu kollidieren. Ok, hab ich verstanden, manchmal ist Abstand doch ganz gut.

Wir kamen dann wieder auf den langen geraden Weg zurück und sind noch ein gutes Stück galoppiert. Ich rechts auf dem Grasstreifen, mein Ausreitkumpel links, so hatten wir das Problem mit vorne und hinten nicht. Ich hätte schon Lust gehabt auf ein kleines Wettrennen, habe mich aber überzeugen lassen, dass das nicht dran ist. Stattdessen haben wir Tempounterschiede im Galopp geübt. Allerdings ist mein Mädchen mit „voran“ im Galopp noch dermaßen zaghaft, dass es kaum einen Unterschied macht. Naja, vielleicht mit etwas mehr Übung….

Jedenfalls war das Mädchen vom Ausreitkumpel ganz entzückt, sie findet, dass mein Galopp viel schöner geworden ist. Und meine Hufschuhe finden das anscheinend auch, die haben nämlich einwandfrei gehalten im Gegensatz zu früher.

Ruckzuck waren wir dann auch schon wieder zurück im Ort, schnell noch eine kleine Graspause, Rest des Weges zu Fuß zur Wackelkiste und ab nach Hause! 10km in 1h15 haben wir geschafft.

 Das war ein ganz toller Ausritt und wir hatten alle ganz viel Spaß. Mein Mädchen würde am liebsten gleich heute wieder los und ich hätte nichts dagegen! Aber leider hat sie ja auch noch andere Sachen zu tun, das ist schade. Jedenfalls ist sie hoch zufrieden mit mir und meinem Benehmen und somit kann ich weiter an ihrem Vertrauen arbeiten, damit ich eines Tages mal wirklich schnell galoppieren darf. Aber ich fürchte das dauert noch….

Euer flotter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 29. Juni 2025

Sonntag! Und endlich mal wieder ein richtig schöner Sonntagsausflug! Fliegenmaske auf den Kopf, Halfter drüber und mit Diego in die Wackelkiste. Immer spannend: wo kommen wir wieder raus? Ach hier sind wir, im zweiten Lieblingswald! Aber was ist denn hier los? Sonst ist hier immer absolute Stille und wir sind ganz allein, jetzt stehen da ganz viele Autos und da sind eine Menge Hunde unterwegs! Mein Mädchen war kurz besorgt, dass uns das den Ausritt versauen könnte, aber die Hundeleute sind nicht weit in den Wald gegangen. Die haben Schleppen gelegt und die Hunde sind den Geruchsspuren gefolgt. Wir haben uns das genau angeschaut, während wir gesattelt wurden. Bis man mal fertig angezogen ist, dauert das ja immer ein bisschen und diesmal waren wir bestens unterhalten.

Dann ging es los, mein Mädchen erst zu Fuß an den Hunden vorbei, aber alsbald ist sie aufgestiegen und als wir dann an den letzten Hunden vorbei waren, war der Wald auch wieder so, wie er sonst immer ist: still.

Es ging ein schönes Stück durch den Wald, dann raus auf die Plattenwege. Diego hat einen munteren Trab angeschlagen. Mädchen, der ist ganz schön schnell, da müsste ich … nein, war nicht erlaubt. Ich sollte mich im Trab anstrengen, dann schaffe ich das auch. Jaaa schon, aber Galopp wäre halt schöner! Na gut. Aber als Diego dann angaloppiert ist, durfte ich auch. So, jetzt aber! Der ist vor mir, das geht gar nicht! Dem zeige ich jetzt mal was ein schnelles Pony ist! MÄDCHEN! RUNTER VON DER BREMSE!  Ach herrje, da wurde sie ganz zickig. Meine Güte, da will man mal zeigen wie viel PS man hat und schon wird sie ganz merkwürdig. Als der Mann wieder durchpariert hatte, hat mein Mädchen erstmal geschaut ob mein Gebiss noch sitzt. Sie meinte sie hat so an mir herumgezerrt, dass mir eigentlich mindestens 4 Zähne fehlen müssten. Aber wisst ihr was? War mir egal. Als der Mann wieder angaloppiert ist, hab ich dieselbe Diskussion nochmal geführt. Da muss doch was zu machen sein! Warum bestimmt sie denn eigentlich immer alles? Nach der dritten Diskussion dieser Art war dann erstmal Schluss mit Galopp. Die schönen Wege waren vorerst alle und so sind wir eine Weile im Schritt unterwegs gewesen. Eine ganze Weile später ist Diego nochmal etwas getrabt und galoppiert, da habe ich dann wirklich versucht, mich anständig zu benehmen und wurde auch gebührend gelobt. Mein Mädchen hat sich gefragt, ob sie zu mir durchgedrungen ist oder ob es einfach daran lag, dass wir schon länger unterwegs waren und mein überschüssiger Bewegungsdrang weg war. Tja, das bleibt vorerst mein Geheimnis, mein Mädchen!

Der Rest des Ritts verlief unspektakulär. Ich war die ganze Zeit hinten und der Mann durfte heute das Tempo bestimmen. Wenn unser Abstand zu groß wurde, sind wir nachgetrabt. Ansonsten hat mein Mädchen geübt, mir mehr Verantwortung zu übertragen. Zum Beispiel bei den Wasserdurchritten, die gar keine Wasserdurchritte waren, weil kein oder kaum Wasser da war. Trotzdem geht es da immer einmal steil runter und steil rauf mit Steinen und Matsch. Sonst wollte sie immer bestimmen wo ich langgehen soll, heute hat sie mir die Verantwortung für die Wahl des besten Weges überlassen und sich gefreut, weil ich so gute Entscheidungen getroffen habe. Tja, siehst du, mein Mädchen, wenn man mich mal machen lässt, klappt das alles! Ich meine ja nur!

Ja unter der Rüstung da stecke ich! Und ich hab meine Ruhe vor den Fliegviechern

Dann ein gutes Stück zu Fuß über den schottrigen Weg. Mein Mädchen hat sinniert, wie es wohl sein wird, wenn ich mal so ganz richtig erwachsen und vernünftig bin. Hä? Ich bin doch schon voll erwachsen und vernünftig! Nur sie hat das noch nicht geschnallt. Oder sie versteht nicht, dass hinter jemandem her galoppieren einfach nicht vernünftig ist. Im Galopp besteht Überhol-Pflicht, wir Ponys wissen das! 

Außerdem musste sie ein bisschen lachen, weil sie mir ja nach dem letzten Montagsausflug wieder die guten Proteine gegeben hat, damit ich mehr Power habe und Lust zu laufen. Und heute fand sie, dass ich das schon wieder übertreiben würde. Man kann es ihr wirklich nicht recht machen.

Dann hat sie darüber nachgedacht, dass wir in diesem Wald ja auch mal alleine ausreiten gehen könnten ohne alleine auszureiten und welche Strecke wir dann nehmen könnten. Allerdings ist dieser Wald recht weit von uns weg, das dauert ein bisschen bis man da ist. Aber er ist sooooo schön!

Schöner Wald

Nachdem wir schon eine ganze Weile unterwegs waren, wurden Diego und mir die Füße und die Köpfe müde. Wir sind also gemütlich zurück zur Wackelkiste geschlendert und als wir dort wieder ankamen, hatten wir 14km in 3 Stunden auf der Uhr. Also ich hätte das ja schneller geschafft, aber mich hat ja wieder niemand gefragt! Mit meiner Fliegenmaske war ich äußerst zufrieden unterwegs, das werde ich jetzt den ganzen Sommer so machen. Keine Mistviecher mehr am Kopf!

Jetzt freue ich mich auf den nächsten Ausflug.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit genügend PS unter der Haube

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 28. Juni 2025

Hallo Mädchen, was machen wir denn heute? Ah, Wackelkiste! Na dann nix wie los!

Es ging in den Wald. Und zwar ganz alleine! Nur sie und ich. (Naja, fast. Der Mann saß mit im Auto, aber er hat sich nicht blicken lassen). Im Wald angekommen hat sie mich wie immer an der Wackelkiste angebunden und gesattelt. Kaum war der Sattel drauf, tauchten 2 Isländer mit ihren Reiterinnen auf. Hallo! Seid ihr meine Freunde? Aber nach einem kurzen Schnack sind die ohne uns weitergegangen. Hey! Wartet mal! Wollen wir nicht zusammen….? Aber nein, weg waren sie. Das fand ich erst gar nicht so witzig, aber dann habe ich mich wieder beruhigt und das fand mein Mädchen gut. Sie ist dann aufgestiegen und wir sind losgestiefelt. Ich war gut drauf, aber eilig hatte ich es nicht. Wir haben dann folgendes ausgehandelt: ich trabe so langsam wie ich will, soll aber auf Kommando ab und zu für ein paar Schritte beschleunigen. Hab ich jedes Mal gut gemacht und durfte dann wieder so langsam wie ich wollte. Ich finde, man soll es nicht überstürzen, wenn man so ganz allein unterwegs ist. Nach einer Weile wurde ich mutiger und dann sind wir sogar ein schönes Stück galoppiert!

Wochenend und Sonnenschein und ich mit dir im Wald allein….

Mein Mädchen war gerade so richtig stolz auf uns beide, als wir dann am Waldrand ankamen. Und dort lauerten sie uns auf – die Insektenschwärme! Mein Mädchen hatte darauf verzichtet, mir meine nigelnagelneue Fliegenmaske aufzusetzen, weil ich die ja beim Ausreiten noch nie aufhatte und sie dachte, es könnte mich irritieren. Aber jetzt hat sie das bitter bereut und meinte, ganz sicher hätte mich die Maske sehr viel weniger gestört als diese Heerscharen von allen möglichen Fliegviechern, die uns jetzt verfolgten. Wenigstens hatte ich meine Zebradecke auf, so dass sie sich auf meinen Kopf beschränken mussten. Aber es war wirklich nicht schön! Wir sind die ganze Zeit getrabt, aber die Mistviecher haben das Tempo einfach mitgehalten. Das hat mir einiges an Tapferkeit abverlangt und mein Mädchen hat sich dauernd bei mir entschuldigt. Da sie noch nicht auf Sommer eingestellt ist, hatte sie auch kein Fliegenzeug an Bord, das hat sie sonst immer noch in der Satteltasche mit. Sie hat noch viel zu lernen!

Auf dem schönen Plattenweg wollte mein Mädchen nochmal galoppieren, aber ich war nervlich schon so ein bisschen am Ende und hatte eine Idee, die ihr nicht gefiel (plötzliche Beschleunigung bis auf über-Insekten-Geschwindigkeit war nicht ihr Ding).

Kaum hatten wir uns wieder auf ein Tempo geeinigt, da kam uns plötzlich eine Kutsche entgegen. Kutsche kenne ich ja, aber das Pony wollte ich doch gern mal angucken. Mein Mädchen ist schnell abgestiegen und hat mich dran vorbeigeführt, während die Kutschfahrer freundlicherweise angehalten haben.

Da sie nun schonmal abgestiegen war, haben wir dann erstmal eine schöne Graspause gemacht, dann ist sie wieder aufgestiegen und wir sind noch bis zum größenwahnsinnigen Dackel getrabt. Das ist so ein kleines Hündchen hinter einem großen Tor, der meint er sei Cerberus und das Tor nur Deko. Da mein Mädchen weiß, dass ich den gruselig finde, hat sie vorsorglich durchpariert und als ich spitze Ohren gemacht habe, ist sie abgestiegen um mich gegen den Möchtegern-Cerberus zu unterstützen. Er war gar nicht zu hause, aber jemand hat da im Garten komische Geräusche gemacht, das war mir auch nicht ganz geheuer. Kaum hatten wir das hinter uns und waren um die nächste Kurve – ich war schon etwas abgelenkt weil in der Ferne ein Trecker übers Feld fuhr und ich nicht einschätzen konnte, was ich da sehe – da kam von hinten ein sehr schneller, sehr großer Trecker um die Kurve gedonnert! Ich war starr vor Angst, mein Mädchen hat mich ganz schnell überredet, in eine Feldeinfahrt zu gehen und dem Monster mutig in die Augen zu schauen. Dann hat sie dem Treckerfahrer gewunken, der hat netterweise gebremst und wir haben beide einmal durchgeatmet.

Nach diesem Schreck ist mein Mädchen erst noch ein gutes Stück zu Fuß gegangen und hat die Trecker-Lage abgecheckt, denn da waren auch noch ein paar mehr von den Dingern und sie wusste nicht, wo die lang fahren. Zum Glück blieben die aber alle weit weg und so ist sie mutig wieder aufgestiegen und hat gesagt, es ist nicht mehr weit und wir traben noch ein bisschen. Na gut! Also sind wir noch etwas getrabt – ich war nicht sicher ob ich jetzt eigentlich lieber bremsen oder rennen möchte und mein Mädchen war sehr mit atmen beschäftigt – bis wir an die letzte Abzweigung kamen. Dort dann Schritt und als wir gerade gemütlich zurück zur Wackelkiste bummeln wollten, kam von hinten noch ein schepperiges Gefährt angeklappert! Mein Mädchen bekam es mit der Angst und ist im Schritt von meinem Rücken gehopst. Ich war unbesorgt, das war die gute Nachricht. Der Autofahrer hat dann netterweise abgebremst und uns sehr rücksichtsvoll überholt.

An der Wackelkiste hat der Mann uns in Empfang genommen und dabei geholfen, mich auszuziehen. Dabei hat mein Mädchen dann wieder festgestellt, dass sie noch nicht auf Sommer eingestellt ist: kein Wasser zum kühlen oder trinken, keine Fliegendecke für die Heimfahrt. Ach Mädchen! Manchmal braucht sie wirklich lang zum lernen.

Sie war ordentlich müde und ich ehrlich gesagt auch. Wir hatten 7,6km ganz allein geschafft und das sogar in einer Stunde! Das bedeutet: Distanzritt-Tempo. Mein Mädchen meint, wir müssten nur einfach die 3-4fache Strecke im selben Tempo schaffen und schon wäre der erste Distanzritt geritzt. Naja, ob wir das so ganz allein schaffen würden, weiß ich ja nun nicht…. Ich brauchte ein Nickerchen in der Wackelkiste, eine Dusche, ein Sandbad und Gesellschaft von meinen Freunden, mein Mädchen eine große Tasse Tee und eine schöne Pause.

Jetzt sind wir ganz stolz auf uns. Wir waren beide sehr mutig, ich war sehr geduldig mit den ganzen Fliegviechern und mein Mädchen hat wieder was gelernt – Fliegenmaske und Spray müssen her, da gibt es keine Ausreden!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Unbewusste Inkompetenz

Ich unterrichte ständig Reiterinnen mit eigenen Pferden. Und manchmal ist das ein großes Problem. Nämlich dann, wenn beide, Pferd und Reiterin, nicht wissen, was da noch so möglich wäre. Unbewusste Inkompetenz nennt sich das, wenn man  gar nicht weiß, was man nicht weiß. Duncans kleine Freundin hat es neulich treffend beschrieben: sie mühte sich ab, einen schönen runden Zirkel zu reiten. Nach einigen Runden hatte sie plötzlich raus, wie sie ihren Körper einsetzen muss. Aber das war ihr nicht klar, sondern sie sagte „das hat er alleine gemacht, ich hab gar nichts gemacht“. Da musste ich lachen, denn so lange da Gras am Reitplatzrand steht wird Duncan ganz sicher nicht von allein einen schönen runden Zirkel laufen. In Wirklichkeit war er den gelaufen, weil sie korrekt geritten ist. Aber sie kennt das nicht: Reiten aus dem Sitz. Sie kennt nur drücken, ziehen und schieben um zu lenken. Deswegen hatte sie keine Vorstellung davon, dass Reiten mit Sitzhilfen sich so anfühlen kann als hätte man „gar nichts gemacht“.

Wie leicht reiten sein kann, wie einfach Aussitzen sein kann, wie fein Pferde reagieren können – viele Reiterinnen wissen das nicht, weil sie es nie gefühlt haben. Sie mühen sich ab auf dem Weg zu einem Ziel, das sie noch gar nicht kennen. Und das ist für mich manchmal ganz schön kompliziert zu unterrichten.

Für mich selbst gilt allerdings das gleiche. Neulich bin ich Diego geritten und plötzlich war da ein neues Level. Seine Trabtritte wurden (noch) größer, dabei ruhiger und erhabener und obwohl ich schon immer sage, ich lasse Diego fliegen, war ich dem Fliegen diesmal noch näher als sonst. Und hier kommt eine weitere Schwierigkeit: wenn man das einmal gefühlt hat, will man das immer wieder. Aber man kann es anfangs nicht wiederholen. Es ist wie damals, als ich das Jonglieren gelernt habe. Ich hatte mir ein Buch gekauft und drei Bälle. Man lernt jonglieren ja aber nicht aus einem Buch, genauso wenig wie man reiten aus einem Buch lernt. Das Buch zeigt einem die Technik, aber der Körper muss das fühlen. Beim jonglieren läuft das so: man wirft die Bälle in die Luft und sie fallen zu Boden – 100 mal, vielleicht öfter. Ab und zu fängt man ein oder zwei Bälle, aber alle drei in der Luft zu halten kommt einem lange Zeit unmöglich vor. Dann gelingt es irgendwann. Aber nur kurz. Dann fallen die Bälle wieder wie Steine zu Boden und der Erfolg lässt sich nicht wiederholen. Das Stadium der bewussten Inkompetenz ist erreicht: ich  weiß, dass da etwas ist, was ich noch nicht kann (aber ich möchte es lernen!)

Lernen fängt mit viel Zufall an, das vergessen wir gern. Der Körper macht zufällig eine passende Bewegung. Jetzt muss das Gehirn abspeichern: diese Bewegung führt zum Erfolg! Aber von einmal ist da eben nix wirklich abrufbar gespeichert. Es braucht noch mehr Zufälle, bis es schließlich genug gute Zufälle gab, so dass der Körper die Bewegung absichtlich wiederholen kann. Beim reiten wie auch beim jonglieren kann das nicht bewusst passieren, denn das bewusste Denken ist dafür viel zu langsam (ein weiteres Problem beim Unterrichten: bis ich gesehen habe, was zu tun ist, es gesagt habe, meine Schülerin es gehört hat und dann umsetzen konnte ist der Moment in dem es zu tun gewesen wäre schon längst vorbei).

Der Körper muss das machen, ohne dass das Gehirn allzu viel denkt. Das Gehirn kann Bilder und Ideen liefern, aber keine Handlungsanweisung geben. Und dann, mit viel Glück, lässt sich der goldene Moment immer häufiger wiederholen, bis er schließlich zum neuen Standard wird. Bewusste Kompetenz ist beim Reiten keine sehr bewusste Kompetenz sondern eher ein „ich weiß, dass mein Körper das kann“. Und dann habe ich vielleicht noch ein paar Tricks die mir helfen, um da hin zu kommen. Unbewusste Kompetenz hingegen haben oft die begnadeten Reiter, die das, was sie da tun, leider überhaupt nicht unterrichten können, weil sie nämlich nicht wissen, wie sie das eigentlich machen.

Beim jonglieren ist es einfach zu sehen, wann man ein Ziel erreicht hat: wenn ich die drei Bälle quasi beliebig lang in der Luft halten kann, hab ich es geschafft. Dann kann ich mir neue Figuren ausdenken oder mehr Bälle jonglieren. Beim Reiten sind die Stufen eigentlich unsichtbar. Ich kann mich natürlich an Lektionen lang hangeln. Kann ich schon im Galopp einen schönen runden Zirkel reiten? Kann ich einen Seitengang reiten? Aber das, was gutes reiten wirklich ausmacht, ist viel weniger greifbar. Geht mein Pferd „über den Rücken“? Hebt es den Brustkorb an? Ist es „geradegerichtet“? „Versammelt“ es sich? All diese merkwürdigen Reiterbegriffe, die niemand zu meiner Zufriedenheit wirklich erklärt, versuchen meiner Ansicht nach, ein bestimmtes Bewegungsgefühl zu beschreiben, das man eben eigentlich nicht beschreiben kann. Wer das alles nie gefühlt hat, wird nicht wissen wie es ist. Eben so wie jemand, der nie Schokolade gegessen hat, nicht wissen kann, wie sie schmeckt, auch wenn 100 Leute es ihm beschrieben haben.

Und so endet dieser Artikel mit der einzigen Empfehlung die ich geben kann: versucht, verschiedene Pferde zu reiten und seid offen für das, was da noch kommen kann. Hört nie auf zu träumen von feiner, leichter, kraftvoller, so dass dieses Bild auch immer bei eurem Pferd ankommen kann, denn auch euer Pferd weiß wahrscheinlich nicht, wie gut sich das alles anfühlen kann. Die gute Nachricht: das Niveau von Pferd und Reiter ist dabei völlig egal. Leicht und fein reiten erfühlen, das kann auch Duncans kleine Freundin schon, während sie im Schritt das Lenken übt (und nein, Duncan ist NICHT leicht zu lenken, weil er selbst noch mit seinem Gleichgewicht kämpft und nur dann schön laufen kann, wenn man ihn entsprechend unterstützt). Man muss also nicht warten bis zur ersten Piaffe, damit reiten Spaß macht.