Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 425

So, jetzt ist es passiert! Ich hab euch zu viele Geschichten erzählt! Oder aber: mein Mädchen ist zu doof, den Computer richtig zu bedienen. Jedenfalls ist der Speicherplatz voll, weil ich immer so viel zu berichten habe! Aber Rettung naht, denn mein Mädchen hat einen Verwandten, der total gut mit Computern umgehen kann und ihr jetzt hilft, alle Bilder und Videos kleiner zu machen, ohne dass sie alles einzeln machen muss. Trotzdem muss sie danach noch alles wieder austauschen, um dann neuen Speicherplatz zu haben und so lange sie das noch nicht gemacht hat, kann ich euch keine Bilder und Videos mehr zeigen!

Sie sagt, es ist ein bisschen wie beim Pferdetraining: erst sind Übungen und Dinge riesig und groß und sehen nach viel Arbeit aus. Später werden sie ganz klein und fallen nicht mehr auf und nehmen nicht mehr so viel Platz im Hirn ein, so dass Kapazitäten frei werden für andere Dinge. Also zum Beispiel: jetzt, wo ich das mit dem Lenken, Beschleunigen und Bremsen voll raus hab, kann ich mich beim Reiten auf dem Platz auch noch darauf konzentrieren, wie ich besser traben kann. Und zack! ist mein Mädchen schon wieder total stolz, weil ich einen ganz neuen Trab gefunden habe, mit viel größeren Tritten und mehr erhabener Kraft. Und jetzt würde ich euch gern ein Video dazu zeigen, aber da müsst ihr euch noch etwas gedulden. Und dann muss ja auch noch das Halloween-Video geschnitten und eingestellt werden und ganz nebenbei hat mein Mädchen ja auch noch das eine oder andere zu tun außer hier zu schreiben. Also bitte habt ein Einsehen, das kommt alles noch, versprochen.

Hoffentlich seid ihr etwas geduldiger als mein Mädchen und ich – wir sind beide keine geduldigen Typen.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (mit der unfähigen Tippse, aber ich lieb sie trotzdem)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 424

Neulich waren wir wieder alleine ausreiten ohne alleine auszureiten. Diesmal in der Version für Fortgeschrittene. Das war so: Der Mann hatte plötzlich beschlossen, dass er mit Diego die Hausrunde spazieren geht. Und mein Mädchen hat ihre Chance gewittert und gefragt ob wir mitkommen dürfen. „Ich will aber flott gehen“ sagt der Mann. Was soll das nun wieder heißen? Als ob ich nicht flott wäre! Na gut, Diego ist natürlich im Schritt soooooo schnell, da komme ich mit meinen kurzen Beinen nicht hinterher, das wissen wir ja. Aber uns hat das gut in den Kram gepasst, denn wir konnten dann üben. Wir sind einfach an Diego vorbeigetrabt und dann getrabt, getrabt, getrabt, ganz alleine vorne weg. Weil es nur so eine kleine Runde war, hatte ich aber keine Schuhe an und prompt hab ich mir einen Stein eingetreten und mein Mädchen musste absteigen und mir den Stein aus dem Huf fummeln, weil der mich beim Laufen gestört hat. Dann ist sie wieder rauf geklettert und wir sind weiter gegangen (im Schritt, weil der Boden da so fies war). Diego hatte uns natürlich alsbald eingeholt und wir haben eine Graspause gemacht. Dann ging es wieder los und wir sind wieder vorneweg getrabt. Den ganzen langen Grasweg durch. Mein Mädchen hat uns immer Mut zugesprochen. „Wir können das“ hat sie gesagt und nach einer Weile haben wir das dann auch beide wirklich geglaubt. An der großen Eiche haben wir kurz angehalten und ein Auto vorbei gelassen, dann noch ein Stück Trab und ein Stück Schritt und wir waren am Baum. Dort ist sie abgestiegen und ich durfte grasen. Mein Mädchen hat auf die Uhr geschaut und sich gefragt, wann Diego und er Mann wohl kommen. Nach 4 Minuten meinte sie, wir gehen jetzt allein nach hause. Wir sind dann losgegangen und Diego hat uns nach und nach noch eingeholt, so dass wir ungefähr gleichzeitig zu hause waren. Mein Mädchen und ich waren sehr, sehr stolz auf uns und mein Mädchen sagt, sie hat drei Sachen gelernt: Nicht ohne Schuhe, lieber mit Sattel (sie hatte nur ihr Pad drauf) und besser geht es uns beiden im Trab. Im Schritt haben wir einfach zu viel Zeit, nachzudenken und gruselige Sachen zu entdecken. Im Trab kommen wir schön in unseren Rhythmus und fühlen uns viel besser. Ich finde Trab ja sowieso besser.

Da Diego in den letzten Tagen ein bisschen gehumpelt hat, steht heute kein großer Ausritt an, also wiederholen wir wahrscheinlich diese Übung, diesmal für die ganz Fortgeschrittenen, sagt mein Mädchen. Ich bin gespannt, was das bedeutet!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. kein Foto – der Mann hat es versucht, aber wir waren einfach viel zu schnell außer Sichtweite!

Normal

Am Montag war Duncan ordentlich nassgeschwitzt, das hat er ja auch in seinem Tagebuch berichtet. Daraufhin bekam ich eine Sprachnachricht von einer Schülerin, die sich über sich selbst totlachte, weil sie sich immer gleich Sorgen macht, wenn ihr Pferd ein bisschen schwitzt. Sie hatte anhand des Artikels bemerkt, dass sie da wohl irgendwo in ihrem Gehirn falsch abgebogen ist. Denn natürlich ist es total normal und sogar gesund, dass ein Pferd auf einem flotten Ausritt schwitzt. Wir machen schließlich Konditionstraining und Duncan soll sich ja auch richtig auspowern (das habe ich am Montag offensichtlich NICHT geschafft).

Für mich war das Anlass, über „normal“ nachzudenken. Normal ist etwas, was einer Norm entspricht. Diese Norm legt die Gesellschaft fest und jeder für sich selbst. Sie ist aber durchaus nicht unverrückbar, wie wir am einfachen Beispiel des Rauchens sehen können: vor ein paar Jahrzehnten war Rauchen quasi immer und überall normal. Über die Zeit hat sich die Einstellung der Gesellschaft zu dem Thema verschoben: heute ist es normal, dass z.B. im Restaurant und im Zug nicht geraucht werden darf.

Zu meiner Reitvereinszeit war es normal, dass ein Pferd fast 24 Stunden in der Box steht, heute ist das – zumindest in den Kreisen, in denen ich unterwegs bin – nicht mehr normal. Zum Glück!

Als ich anfing, mit meiner Freundin auszureiten, waren 6km für mich „die große Runde“. Ein knappes Jahr später sind Finlay und ich 28km Einführungs-Distanz geritten. Unser „normal“ hatte sich verschoben. Für meine Freundin hingegen war es vorher schon völlig normal, viele Kilometer zu fahren oder zu reiten. 20km vor der Kutsche war eine ganz normale Durchschnitts-Fahrt am Sonntag. Und es war auch normal für sie, dass das Pony nachher nassgeschwitzt war und eine hohe Atemfrequenz hatte, die für mich schon sehr bedrohlich aussah (was sie keineswegs war!).

Weil ich damals im Distanzritt-Training erlebt habe, wie „normal“ sich verschieben kann, bin ich viel besserer Dinge im Training mit Duncan. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie etwas, was er und ich unheimlich anstrengend finden, in einem halben Jahr „auf einer Arschbacke“ erledigt ist. Zum Beispiel 9 km flotter Ritt mit 6km Trab. Vor einem halben Jahr waren wir danach kaputt, jetzt nicht mehr. Und das obwohl wir nun wahrhaftig nicht hart trainieren und keineswegs sehr sportlich ambitioniert unterwegs sind. Vor einem Jahr war der erste gemeinsame Trab so gar nicht normal, heute ist es normal, dass wir jede Gelegenheit zum traben nutzen und dabei auch lange nicht mehr so zimperlich sind, was die Böden und Wege angeht.

Es gilt also, immer wieder mal zu schauen, was wir als „normal“ empfinden und ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre, dieses „normal“ zu verschieben. Dicke Pferde gelten heute als normal und werden also nicht mehr als dick angesehen. Eine böse Falle, denn nur weil wir es nicht so empfinden wird es nicht weniger ungesund.

Viele meiner Reitschülerinnen sehen es als „normal“ an, nicht oder nur wenig zu galoppieren – genau wie ich. Für Merlin hatte mir ein Trainer vor vielen Jahren mal den Tipp gegeben, ein halbes Jahr nur Schritt und Galopp zu reiten und nicht zu traben. Das war einer der besten Tipps die ich bekommen habe, es hat Merlin sehr gut getan und es hat unser „normal“ verschoben. Jetzt, mit Duncan, habe ich noch keinen Galopp auf dem Platz (und ich glaube das dauert auch noch). Vorerst kann ich also nur im Gelände galoppieren und arbeite jetzt daran, dort unser „normal“ zu verschieben. Meines in Hinblick auf die Geschwindigkeit, die er dabei aufnimmt und unser beider in Hinblick auf die Frage wie lange und auf welchen Wegen wir galoppieren.

Ich habe dabei eine sehr interessante Beobachtung gemacht, nicht nur bei mir, sondern auch bei Schülerinnen: wenn man sich angewöhnt, sein eigenes „normal“ immer wieder zu verschieben, wird auch diese Verschiebung normal.

Manche sagen dazu „raus aus der Komfortzone“ aber das ist nicht das was ich meine, bzw nicht das, was ich empfinde. „Raus aus der Komfortzone“ ist für mich inzwischen ein sehr negativ besetzte Forderung. Die Verschiebung von „normal“ hingegen kann extrem kleinschrittig sein. Zum Beispiel: wenn es normal für mich ist, Duncan ca 20 Minuten auf dem Platz zu reiten, verschiebe ich das, indem ich dann, wenn ich denke ich könnte aufhören, noch eine Runde dran hänge. Das tue ich konsequent seit ca einem halben Jahr. Ich schaue beim Reiten eigentlich nie auf die Uhr, ich arbeite nach Gefühl. Ich schaue nur davor und danach, so dass ich weiß wie lang die Einheit war. Und siehe da: nachdem ich immer eine „Runde“ mehr geritten bin als mein Gefühl gesagt hat, hat sich unser normal auf knapp 30 min erhöht. Ganz ohne dass wir die Komfortzone verlassen hätten.

Klar, bei den ersten Galoppversuchen im Gelände war ich ganz schön raus aus meiner Komfortzone. Aber wenn wir jetzt den Weg einfach mal durch galoppieren, wo wir vorher immer nach der Hälfte durchpariert haben, dann ist das nur etwas anstrengender. Wenn ich mich daran gewöhne, dass mein Pferd nach einem Ausritt schwitzt und schnauft, wird es normal und beunruhigt mich nicht.

„Normal“ kann gut sein – wenn ich weiß wie mein Pferd sich normalerweise verhält, kann ich Abweichungen schnell erkennen und so bei Problemen schneller eingreifen. Umgekehrt kann „normal“ aber auch gefährlich sein: wenn ich es gewohnt bin, dass mein Pferd beim Satteln die Ohren anlegt, nehme ich das nicht mehr als Not-Signal wahr. Wenn in einem Stall fast alle Pferde Gegenwehr beim Satteln und Gurten zeigen, normalisiert sich das und es ist plötzlich völlig ok, darüber hinweg zu gehen. Wenn es in einer Reitweise normal ist, dass das Pferd mit der Nase hinter der Senkrechten läuft, verschiebt sich unser ALLER Bild von normal, ob wir wollen oder nicht. Wenn unser Gehirn mit genügend dieser Bilder gefüttert wird, gewöhnt es sich daran. Es ist eine nützliche und gleichzeitig gefährliche Funktion unseres Gehirns, dass es „normal“ verschiebt – oft ohne dass wir das so recht merken. Und deswegen ist es an uns, das immer wieder zu überprüfen. Und wenn wir dann herausfinden, dass unser normal eigentlich nicht das ist, was wir wollen oder dass es einer objetiven Überprüfung nicht standhält (wie z.B. beim Gewicht eines Pferdes, wo es sehr gute, wissenschaftlich fundierte Kriterien zur Beurteilung gibt) – dann wird es Zeit, dieses normal zu verschieben.

Und so werde ich weiter an meinem normal schieben, denn mein Pony ist noch lange nicht so fit wie es mal sein kann und soll, meine Reitstrecken und Trainingsintensität kann sich also immer weiter steigern und ich bin gespannt, wo diese Verschiebung uns hin führt. Und ich verschiebe auch weiterhin mein normal in punkto Angst: es ist inzwischen normal für mich, dass bei fast jedem Ausritt mindestens eine Situation auftritt, in der ich Angst bekomme. Das ist gut, denn es bedeutet auch, dass es normal für mich geworden ist, immer wieder Dinge zu tun, vor denen ich mich etwas fürchte, von denen ich aber auch weiß: ich kann sie nicht besser vorbereiten, wenn ich es jetzt nicht tue, tue ich es nie. Und deswegen ist es gut, dass dieses „ich tue es jetzt“ für mich normal geworden ist. Sonst wäre es nämlich normal, es nie zu tun und immer nur völlig angstfrei auszureiten und das würde uns ganz schön einschränken, Sir Duncan und mich.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 423

Montag! Und endlich, endlich ist mein Mädchen wieder fit! Los geht es zum Ausreitkumpel bei allerfeinstem (zu warmem) Wetter! Mein Mädchen hätte mich gern noch flott nachgeschoren, aber die Zeit war leider etwas zu knapp. Vielleicht war sie aber nachher froh, dass sie das nicht gemacht hat….

Als wir beim Ausreitkumpel ankamen, erwartete mich eine Überraschung:

Zwei Ausreitkumpel für mich!

Nicht nur DER Ausreitkumpel kommt mit, sondern auch das schnellste Pony der Welt! Da wusste ich gleich: das wird ein flotter Ritt! Und das ist auch gut so, ich hatte nach der langen Ausreitpause doch so ein paar Hummeln im Hintern! Drei Hunde hatten wir auch mit, zwei, die ich schon gut kenne und den neuen, den ich noch nicht so gut kenne und der mich letztes Mal so fies erschreckt hat.

Los ging es, wie immer erst zu Fuß bis in den Wald. Dann aufsteigen und lostraben. Das schnellste Pony der Welt vorneweg, dann mein Ausreitkumpel, dann ich. Zwei Hunde vor mir, einer hinter mir, das hat mich bisschen genervt. Nach einer Weile hat mein Mädchen dem Mädchen vom Ausreitkumpel das gesagt und sie hat den dritten Hund gerufen so dass er auch vor mir war und ich die alle im Blick behalten konnte. Wir haben uns so schön eingegroovt mein Mädchen und ich als plötzlich

HUND!!!

Man, haben wir uns vielleicht erschreckt! Wir hatten beide nicht mitbekommen, dass der neue Hund rechts in den Wald abgebogen war und plötzlich kam der direkt neben mir aus dem Gebüsch geschossen! Ich bin in die Luft gesprungen und einen Meter weiter links wieder gelandet, hab kurz überlegt ob ich noch einen Bocksprung nachsetze, bin dann aber lieber ein kleines Stück galoppiert. Mein Mädchen ist zum Glück mitgekommen (natürlich nicht „zum Glück“, sondern weil ich sie mitnehme! Ihre Sicherheit ist mir schließlich genauso wichtig wie meine!). Aber wir hatten beide etwas wackelige Knie. Dagegen hilft aber laufen bekanntlich am besten, also weiter im Trab, atmen und beruhigen. Und die Hunde besser im Blick behalten.

So ging es dann weiter. Ab und zu mussten wir durchparieren oder auch mal anhalten, weil uns Hunde, Autos oder Radfahrer begegnet sind, aber im Wesentlichen haben wir versucht, durchgängig zu traben. Nun ist das schnellste Pony der Welt einfach das schnellste Pony der Welt und viel schneller als ich – wobei der diesmal echt entspannter und langsamer war als letztes Mal. Ich hab mir im Trab einen abgestrampelt und hab versucht, mitzukommen. Mädchen, wollen wir nicht…. nein, kein Galopp. Diese Diskussion hatten wir eine ganze Weile, aber als ich dann mal artig wirklich nur getrabt bin, durfte ich auch mal ein Stück galoppieren. Allerdings nicht lang, weil wir ja gleich aufgeholt hatten. Dann wieder Trab. Ich hab mich so angestrengt! Hat mein Mädchen auch gemerkt und mich immer doll gelobt.

Als wir schon eine ganze Weile unterwegs waren, kamen wir an dem Umspannwerk vorbei. Da liegen immer noch die großen Metallplatten auf dem Boden, aber wir kennen die ja alle und traben da einfach rüber. Klonk, klonk, klonk – aber plötzlich ist mir mein Hinterbein weggerutscht! Mein Mädchen hat das gar nicht gemerkt, weil ich es so elegant abgefangen habe, aber was sie gemerkt hat, war, dass ich einen kleinen Hüpfer gemacht habe und mich ein bisschen geärgert hab und in Galopp gefallen bin. Und deswegen wollte sie wieder durchparieren. Aber weißt Du was, mein Mädchen, jetzt hab ich die Faxen dicke! Da vorne ist das schnellste Pony der Welt, der Ausreitkumpel ist im Moment hinter uns und der Abstand nach vorn ist zu groß und jetzt WIRD GALOPPIERT! Menno. Ach, da wurde sie wieder so blöde, hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass das gar nicht gestattet ist, wenn sie es nicht gestattet hat. Verflixt! Naja. Weil ich so ein Guter bin, hab ich dann doch wieder durchpariert und wurde doll gelobt. Ich meine: ich weiß ja, wie ich friedlich mit ihr leben kann, so ist es nicht. Aber wenn ich nunmal Hummeln im Hintern hab und galoppieren will, dann ist das manchmal wichtiger als friedliches Zusammenleben…..

Ein letztes Stück Trab, dann absteigen, bisschen Schritt, Graspause, nach hause führen. Ich war sauber durchgeschwitzt (sauber im wahrsten Sinne des Wortes, denn wenn man so schwitzt, kommt der ganze Dreck mit raus!) aber keineswegs auch nur das kleinste bisschen müde. Mein Mädchen war ziemlich kaputt, weil sie so viel mit mir diskutiert hat und ja auch lange Ausreitpause hatte (was bei ihr bedeutet, sie hat keine Hummeln im Hintern sondern ist schon wieder voll aus der Form!). Ja was denn, sie hätte mich ja auch einfach galoppieren lassen können! Dann hätte sie sich anschnallen, die Aussicht genießen und ganz entspannt reiten können. Aber nein, das wollte sie ja nicht! Menno.

Einmal nass geschwitzt.

Vielleicht war sie also doch froh, dass sie mich nicht mehr scheren konnte, weil ich dann noch windschnittiger und schneller gewesen wäre. Die App sagt, ich habe meine Trabgeschwindigkeit von den üblichen 10,5-11,5km/h auf satte 12,4km/h gesteigert. Ha! Ganz schön sportlich, oder?

Mein Mädchen sagt, wir galoppieren auch bald mal wieder, sie muss nur mal gut überlegen, wo man am besten ein schönes, langes Stück durchgaloppieren kann. Außerdem hat sie gesagt, ich hätte das im Großen und Ganzen wirklich gut gemacht und sie weiß ja, dass ich viel Dampf habe nach so einer langen Ausreitpause. Außerdem hat sie gesagt, ich bin ein ganz feiner Kerl, habe gut auf sie aufgepasst und meistens gut zugehört und sie will ja auch ein Distanzpony und es ist doch super dass ich so gern laufe. Natürlich war sie wieder überrascht, wie viel Kondition ich aufgebaut habe (warum? Dafür trainieren wir doch?) und sie hat wieder festgestellt, dass SIE mehr Kondition braucht. Jaja, immer dieselbe Leier. Weißt Du was ein tolles Training für Reiter ist, mein Mädchen? Galopp!

Ach das war ein feiner Ausflug. Ich hätte aber auch noch ne Runde drangehängt. Mein Mädchen hat überlegt, ob ich wohl nur so schnell war, weil ich aufgeregt war, aber zu hause war mein Puls bei den üblichen 44 und also war ich wohl nicht soooo aufgeregt, sondern eben einfach nur schnellen Hufes unterwegs.

Euer flotter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 422

Tja, heute hätte mein erster großer öffentlicher Auftritt sein sollen. Aber nix war´s. Nachdem nicht nur mein Mädchen, sondern dann auch noch der Mann sich mit irgendeinem fiesen Virus herumgeschlagen haben, waren die beiden noch nicht in der Verfassung für große Abenteuer. Ich war echt traurig, aber mein Mädchen hat gesagt, ich hätte auch keinen Spaß gehabt, wenn sie nicht voll einsatzbereit ist und sie fände es mir gegenüber nicht fair, weil ich ja noch gar nicht so viel Lebenserfahrung habe, sondern noch ihre volle Aufmerksamkeit und Unterstützung bei solchen Unternehmungen brauche. Ja, das ist auch wieder wahr.

Damit das ganze Kostüm-Gedöns aber nicht ganz umsonst war, haben wir uns trotzdem verkleidet und hier zu hause ein kleines Video gedreht. Bis wir das rausbringen können, dauert es etwas, weil das noch bearbeitet werden muss, aber hier kommen schon ein paar „Outtakes“ für Euch.

Das gemeine – und tolle – an meinem Kostüm war: es war essbar! Das war erst gemein, weil ich nicht naschen durfte, aber dann war es toll, weil wir es am Ende einfach aufessen durften. Lecker!

Ein essbares Kostüm! Da muss ich doch mal naschen …..
Wer errät das Kostüm?

Das Wetter war leider nicht nett zu uns, es hat uns den Film total verregnet. Aber wir waren trotzdem tapfer und haben es durchgezogen.

Das Ergebnis kommt dann die Tage, wenn mein Mädchen es geschnitten hat. Es ist anfangs sehr, sehr gruselig, hat aber ein Happy End!

Mehr verrate ich aber nicht.

Euer Filmstar Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 421

Ganz schön stürmisch war das hier bei uns. Oder wie wir in Norddeutschland sagen „büschen Wind“. (Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben – aber wir haben hier keine Schafe in Sichtweite und können das also gar nicht überprüfen…..)

Jedenfalls haben wir Ponys uns die meiste Zeit in der Halle verkrochen. Und da kam zwischendurch mein Mädchen vorbei und wir haben uns ein bisschen mit der Wippe, dem Steg und der Matratze beschäftigt. Mein Mädchen ist immer noch nicht wieder richtig fit! So ein Mist. Aber zum Wippen hat es gereicht. Vorher wollte sie mein Hufe auskratzen, das macht sie immer so. Und da fiel ihr auf, wie viel einfacher das ist, wenn ich dabei etwas erhöht stehe! Ich geh ja eh immer sofort auf den Steg wenn sie mich in die „Spielabteilung“ lässt und warte dort auf sie. Und da dachte sie, sie versucht es mal, mich da gar nicht erst runter zu holen zur Hufkontrolle.

Und weil ich das so gut gemacht habe, haben wir dann gleich noch etwas Beine heben geübt. Das ist nicht so einfach, wie es aussieht, wenn man auf einer Matratze steht! Da muss ich gut im Gleichgewicht bleiben. Aber ich kann das natürlich perfekt. Und dann muss ich gut aufpassen, welches Bein ich heben soll. Nicht durcheinander kommen! Danach hab ich noch schön gewippt und – zack! – Mädchen stolz, weil ich das alles sooooo toll gemacht habe. Voll konzentriert und gar nicht so zappelig wie ich sonst manchmal beim wippen bin. Mein Mädchen sagt, ich bin schon wieder ein gutes Stück erwachsener geworden. Ach, das höre ich ja gern!

Euer sehr erwachsener Sir Duncan Dhu of Nakel

Experimente

Am Beginn jeder Reitstunde frage ich meine Schülerin, was sie machen möchte. Die lustigste Antwort darauf gab mir eine langjährige Schülerin, die auf mein „was ist der Plan?“ antwortete: „ich hab keinen, ich weiß doch wie gern Du experimentierst“. Da musste ich schmunzeln und klärte sie dann auf, dass ich auch dann experimentiere, wenn sie einen Plan hat…..

Da ich kein festes Konzept unterrichte, sondern versuche, für DIESE Reiterin und DIESES Pferd, so wie sie da heute vor mir stehen, sinnvolle Übungen und Hinweise zu finden, ist es immer ein experimentieren.

Besonders deutlich wurde mir das jetzt wieder mit einer Schülerin, die ich seit einigen Monaten begleite. In unserer ersten Stunde hatte ich bestimmte Ideen, was das Pferd angeht. Aber die Schülerin hatte ich ein bisschen übersehen, die war überfordert. Zum Glück äußerte sie das auch direkt und ich konnte einen Schritt zurücktreten und sehen, dass ich – bevor wir dem Pferd helfen können – die Schülerin erst mal in die Lage versetzen muss, dem Pferd zu helfen.

Am schwierigsten beim Unterrichten finde ich das Lehren des korrekten Timings. Für ein Pferd, das eine doppelt so schnelle Reaktionszeit hat wie wir Menschen, werden Dinge schnell un- oder missverständlich, wenn unser Timing nicht stimmt. Und beim Reiten setzt man fast zwangsläufig immer verschieden Hilfen ein, selbst wenn man es nicht will: man sitzt irgendwie, also gibt es schon mal IMMER eine Gewichtshilfe. Dann tun Reiterbeine oft nicht das, was der Reiter will, da gibt es ungeplante Schenkelhilfen. Und die Zügel in unseren Händen tun in aller Regel auch ungeplante Dinge, ganz abgesehen von allen psychischen Dingen, die wir mit im Sattel haben und die sich ganz direkt und konkret auf unser Pferd übertragen. Nun haben wir unser Pferd also völlig ungeplant mit einer Menge an Informationen bombardiert, mit denen es oft gar nichts anfangen kann, weil es in aller Regel (zumindest in den Kreisen, in denen ich mich bewege), nicht die entsprechende Ausbildung genossen hat, sondern im Gegenteil eher einer lebenslänglichen Verwirrung unterworfen war.

Gut geraten ist halb verloren, ich bleibe dabei. Und die Pferde raten, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt um mit uns Menschen klar zu kommen. Sie raten wild drauf los und nach und nach findet jedes seine eigene Taktik, mit der es einigermaßen rum kommt.

Nun komme ich also in eine Situation, in der die Reiterin meist nicht recht weiß, was sie da so alles tut, was sie tun könnte oder sollte und das Pferd weiß eben auch nicht so genau, was von ihm gefragt ist. Da haben wir noch nicht über handfeste Probleme gesprochen die von den Rückenschmerzen der Reiterin über den unebenen Reitplatz bis hin zu den ungünstigen Hufen des Pferdes beiden das Leben schwer machen.

Und ich soll es nun richten und habe dafür 45min Zeit. So fühlt es sich manchmal an….. und obwohl das natürlich keine Schülerin aktiv und bewusst von mir erwartet, tun es viele unbewusst doch. Sie stellen sich vor, dass in dem Moment, wo sie korrekt reiten (und das muss doch in 45min zu lernen sein!) das Pferd auch sofort korrekt läuft. Das wäre so als würde ich eine Ballettstunde nehmen in der Erwartung, danach Schwanensee tanzen zu können.

Und so verbringe ich viel Zeit damit, von der langen, langen To-Do-Liste, die sich mir beim Betrachten von Pferd und Reiterin präsentiert, erst mal Dinge ans Ende zu schieben, die wir jetzt eh nicht ändern können. Wenn ich dann alles nach hinten geschoben habe, was ich jetzt, hier und heute nicht ändern kann, bleiben noch genug Punkte, an denen wir uns abarbeiten können. Jetzt ist mein Job, den Punkt zu finden, an dem ich heute die schnellste, beste und effektivste Veränderung erreichen kann. Und das ist immer damit verbunden, dass ich Kompromisse eingehe, anders geht es nicht.

Ich probiere also was aus, versuche, meiner Schülerin etwas zu erklären und ein neues Bild zu geben. In den meisten Fällen wissen weder Reiterin noch Pferd, wie es besser geht, also muss ich überlegen, wem von beiden ich es zuerst erkläre und wie. Und so beginnt ein wilder Ritt durch 45min in denen ich Informationen in die beiden „Blackboxes“ Reiterin und Pferd hineingebe und beobachte, was wieder herauskommt.

Je länger ich diese Arbeit mache, desto höher wird naturgemäß meine Trefferquote, aber trotzdem ist es viel experimentieren und ab und zu liege ich total daneben. Dann freue ich mich, wenn ich eine neue Chance bekomme, um es besser zu machen.

Denn letztlich gilt Elsas wunderbare Richtschnur für alles was ich tue: „Wird es besser oder wird es schlechter?“ Und dann die entscheidende Frage dahinter „woran erkenne ich, was besser und was schlechter ist?“. Denn eins haben mich die Jahre gelehrt: Ob es besser oder schlechter wird, erkennt man NICHT an der Kopfhaltung des Pferdes, an seinem Tempo, an der Ausrüstung die jemand nicht, noch nicht oder nicht mehr verwendet, an Schleifen oder Abzeichen die jemand hat, an Schweiß der fließt oder nicht fließt und noch nicht mal daran, ob die Reiterin glücklich ist. Ob es besser wird oder nicht erkennt man am ehesten am Pferd. Daran, ob es sich sicherer fühlt, entspannter ist, sich groß und schön präsentiert, eine Aufgabe mit mehr Zuversicht angeht, sich lieber anfassen lässt als vorher, weniger Schmerzanzeichen zeigt oder vielleicht einfach mal einen Powernap einlegt.

Experimentieren können wir uns leisten – vor allem an zwei Enden der Skala: wenn wir nichts zu verlieren haben und wenn wir nicht MEHR zu verlieren haben. Dabei muss der Ausgang des Experiments offen sein: es ist kein Experiment, wenn wir vorab schon nicht bereit sind, zu akzeptieren, dass es schief gehen könnte. Daher müssen wir klarstellen, was im schlimmsten Fall passiert. Wenn wir nichts zu verlieren haben heißt das: im Zweifel gelingt halt der Zirkel nicht. Oder im Falle von Duncans und meinem Projekt „allein ausreiten“ versuche ich, meine Experimente so zu gestalten, dass es im Zweifel einfach nur etwas länger dauert, bis es uns gelingt. Ich halte das Risiko so klein, dass mein Experiment möglichst nicht dazu führt, dass er gar nicht mehr mit mir raus will.

Am anderen Ende der Skala, dort wo wir nichts MEHR zu verlieren haben, steht vielleicht das Pferd, das man nicht mehr zuverlässig von A nach B führen kann und das schon von einigen Trainern als gefährlich eingestuft wurde. Hier gilt es, die Sicherheit das Menschen herzustellen und dann das pferdefreundlichste Experiment zu starten, das mir einfällt. Und das sind dann manchmal Methoden, auf die eine Besitzerin sich zuvor nicht eingelassen hätte, weil sie zu lange dauern oder zu komisch aussehen, aber jetzt hat sie nichts mehr zu verlieren.

Häufig wird Pferdebesitzerinnen vom ausprobieren eher abgeraten. Das kommt sicherlich daher, dass zu viele Ausbilderinnen zu viele blöde Ergebnisse gesehen haben. Ich denke anders: wir sollten alle darin ausbilden, Experimente so zu gestalten, dass sie sinnvoll, pferdefreundlich und sicher sind.  Und so gehe ich mit einem neuen Vorsatz aus diesem Blogartikel: anstatt immer „heimlich“ im Unterricht zu experimentieren, möchte ich meine Schülerinnen öfter mal anleiten, das selbst zu tun. Manche tun das schon und oft bekomme ich dann Rückmeldung, was gut geklappt hat und was nicht, darauf können wir aufbauen und vielleicht auch mal den Weg, den wir eingeschlagen haben, korrigieren.

Manche mögen meine Experimentierfreude nicht. Sie mögen lieber ein festes Konzept haben und das ist ja auch völlig in Ordnung. Da gilt mein alter Spruch: es gibt zwei Sorten von Schülerinnen – die einen halten mich aus, die anderen hab ich nicht lang……

In diesem Sinne auf zu fröhlichen neuen Experimenten!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 420

Allerfeinstes Herbstwetter! Da wäre doch ein schöner Ausritt am Sonntag dran gewesen – Stichwort Romantik – und ein flotter Trab am Montag mit dem Ausreitkumpel!

Stattdessen hab ich Langeweile geschoben. Mein Mädchen ist am Sonntag noch nicht mal im Stall aufgetaucht! Der Mann kam zum füttern und hat gesagt, sie liegt mit einem fiesen Virus im Bett und kann nicht ausreiten gehen. Menno.

Am Montag kam sie dann selbst in den Stall gekrochen um uns unser Heu zu geben und hat mich ganz traurig angeschaut, weil sie nix mit mir machen konnte.

Am Dienstag ging es zum Glück schon wieder besser und sie hat es wenigstens schon mal geschafft, den Rundlauf für uns wieder zu eröffnen, aber erst nachdem sie alle Eicheln weg geharkt hatte. Eine Gemeinheit ist das! Das wäre doch mal ein Festessen geworden! Aber sie gönnt uns wirklich nix. Angeblich sind zu viele Eicheln sehr ungesund. Pah! Das sagt sie bestimmt nur so.

Die paar Eicheln hätten wir doch fix weggenascht……

Danach hatte sie dann noch genug Energie um mit mir ein bisschen Bodenarbeit zu machen. Sie hat ein paar Stangen hingelegt und mit mir „Füße sortieren“ geübt. Als ob ich das üben müsste!

Rechte Beine rechts, linke Beine links. Kann ich.

Nachdem ich die ersten zwei Übungen einfach mal so nebenbei erledigt hatte, hat sie mir die Stangen als „Mikado“ hingelegt. Teilweise waren die ganz schön hoch! Ja ich weiß, eigentlich soll man beim Mikado keine Stangen durch die Gegend werfen. Aber ich verrate euch was: Wenn man den Huf ganz knapp zu wenig hebt, dann in der Bewegung innehält, das Mädchen anblinzelt, mit dem Bein die Stange vom Block wirft und dann stehenbleibt und „ups, runtergefallen!“ signalisiert, kriegt man doch sehr lustige Reaktionen vom Mädchen! Sie hat mir dann die Aufgabe einfacher gemacht. Und noch einfacher. Bis ich schließlich gnädig war und die Beine genug gehoben habe, so dass die Stange liegen geblieben ist. Schließlich war sie ja noch etwas angeschlagen, da muss man auch mal Gnade vor Recht ergehen lassen. Aber ich denke, ich habe meinen Standpunkt klar gemacht: Stangen, die im Weg herum liegen, werden weggeräumt. Füße heben tu ich nur, wenn es nötig ist.

Klar KANN man da rüber steigen. Aber warum?

Heute hat sie die Stangen dann auch wieder sinnvoller verwendet, wir haben ein bisschen reiten geübt und die Stangen zur Orientierung im Raum verwendet, das leuchtet mir ja eher ein.

Hoffentlich ist sie jetzt bald wieder ganz fit, schließlich wollen wir am Sonntag zum Gruselparcours gehen und unser Kostüm präsentieren und das wollen wir vorher auch noch einmal ganz richtig üben!

Euer nicht ausgerittener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 419

Mein Mädchen ist ja Equipment-Fan. Das muss alles stimmen, sonst kann sie das nicht leiden. Wenn Sachen nicht so sind, wie sie das praktisch findet, dann probiert sie so lange rum, bis alles so ist, wie sie es will. Deswegen probiert sie auch immer wieder was Neues, weil sie hofft, dass es noch besser geht. Und dazu leiht sie sich ständig Sachen von Leuten, die heimlich (oder unheimlich) meine Fans sind.
Jetzt war das eine neue Packtasche. Die liegt nicht hinten, sondern vorne auf meiner Schulter. So kann mein Mädchen immer an alles ran. Und die hat ganz viele verschiedene Taschen, das ist toll. Und verwirrend, weil mein Mädchen sich dauernd fragt, in welcher von den vielen Taschen nun das ist, was sie eigentlich gerade sucht. Dann macht sie 6-7 Reißverschlüsse auf und überlegt, ob sie mal einen Plan malen und mir zwischen die Ohren schnallen soll. Untersteh dich! Lern gefälligst einfach auswendig, was wo ist! Ich muss ja auch alles im Kopf behalten und kann mir nix aufschreiben!


Außerdem ist sie auf der Suche nach einer Kopflampe. Falls ihr einen Tipp habt… die, die sie jetzt hat, ist zwar sehr, sehr hell aber auch blöd zu verschnallen und einen Wackelkontakt hat sie auch. Also soll mal was anderes her, damit wir auch im Dunkeln reiten können. Weil der Ausreitkumpel im Winter im Hellen keine Zeit für uns hat.
Und dann ist da ja noch die Sache mit meinen Hinterhufschuhen! Also das Problem ist zwar weitgehend gelöst, aber eben nur weitgehend. So ganz immer halten die noch nicht, das hat man ja gesehen. Jetzt hat sie schon mit etwas Bandage den Schuh verkleinert, so dass ich mehr nach vorne in den Schuh rutsche.

Und jemand hat ihr den Tipp gegeben, dass Streichkappen evt verhindern könnten, dass ich mir die Schuhe selbst runter trete (das tu ich halt manchmal, meine Hinterbeine wollen immer gern nah beieinander sein beim Laufen…..). Und prompt hat mein Mädchen Streichkappen geliehen bekommen. Jetzt sucht sie in ihrer Sattelkammer nach den Streichkappen, die mein großer Bruder auf seinem ersten Distanzritt gewonnen hat und von denen sie dachte, dass sie sie nie brauchen würde. Mal sehen, ob sie die noch irgendwo findet.


Immer wenn sie dann denkt, es wäre alles perfekt, fällt ihr wieder was neues ein.
Aber heute ist sie kurz mal total verrückt geworden. Wir sind nämlich zu einer Halloween-Party eingeladen und da sollen wir uns verkleiden! Und mein Mädchen hat sich ein sehr, sehr gruseliges Kostüm ausgedacht. Was das ist, verraten wir natürlich noch nicht, soll ja eine Überraschung sein! Damit ich mich aber nicht fürchte, weil es so gruselig ist, haben wir einen Probelauf gemacht. Mit halbem Kostüm. Ich hab mich nicht gefürchtet. Also ist für Dienstag eine komplette Kostümprobe angesetzt. Da soll ich dann auch mal richtig laufen in meinem Outfit und ich soll mir das komplette Outfit von meinem Mädchen schon mal anschauen können. Ich sag mal so: wahrscheinlich wird es mich nicht gruseln. Weil ich ja nicht so der Typ bin, der sich schnell gruselt. Aber es ist ja nett von ihr, dass sie ganz sicher gehen will. Schließlich wird das mein erster öffentlicher Auftritt! Und da will alles gut vorbereitet sein. Wir werden euch dann natürlich ausführlich berichten.


Euer gruseliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Unbeugsam

Pferde äußern sich nicht über Sprache, sondern über Verhalten. Im Laufe der Jahre, im Zusammensein mit vielen Kundinnen, habe ich gelernt, dass Menschen sich auch sehr viel ehrlicher über Verhalten als über Sprache ausdrücken, aber das steht auf einem anderen Blatt…..
Manche Verhaltensweisen von Pferden sind total klar. Wenn die Nase an die Kekstasche wandert und die Oberlippe daran herum nestelt, können wir uns wohl sicher sein, was das bedeutet.
Aber was genau will mein kleiner Ritter mir sagen, wenn er im Gelände plötzlich einfach irgendwo hin abbiegen will? Das kann alles Mögliche bedeuten! Hat er ein körperliches Problem, ist er müde, drückt der Sattel, scheuert ein Hufschuh? Oder hat er einfach keine Lust mehr? Habe ich mich missverständlich ausgedrückt? Möchte er sich einfach was zu essen besorgen? Hat er Lust, vom Weg abzubiegen, weil er diesen Weg schon so lange kennt und jetzt mal woanders lang gehen möchte?
Häufig, wenn wir im Gelände an eine Kreuzung kommen, möchte er in eine andere Richtung abbiegen als ich. Häufig führt diese Richtung ihn nicht nach Hause oder zum Anhänger, sondern weiter weg. Die Strecke, die wir montags häufig reiten (die er also wirklich in- und auswendig kennen sollte), führt über einen Weg hin, einmal im Kreis und den gleichen Weg zurück. Wenn wir den Kreis geritten sind, will er eigentlich immer nochmal auf den Kreis abbiegen, nie zurück Richtung Ausgangspunkt. Eines Tages werde ich ihn dort mal selbst entscheiden lassen und schauen, was dann passiert.

Aber als wir die Bergtour gemacht haben, fand er es schon angemessen, nach dem ersten Berg Richtung Heimat abzubiegen. Heißt das, die Trab-Ausritte machen ihm mehr Spaß als das Klettern? Auch Diego äußert sich bei der Bergtour an einer Stelle immer so, dass er nach Hause abbiegen will, obwohl er das sonst eigentlich nie tut. Ich glaube, wir haben hier einfach zwei Flachlandtiroler….
Am Montag, als der Hund meiner Freundin ganz oben auf dem Holzstoß stand und Duncan beunruhigt war, kam wieder dieses deutliche „ich muss hier abbiegen“ zum Vorschein. Und mein Helikopter-Gen lief sofort auf Hochtouren. Der ist überfordert, der weiß, dass wir jetzt viel traben wollen und will das nicht, der hat Angst, keine Lust oder oder.
Dann habe ich beschlossen, mal so zu tun als wäre das, was er da tut, nur eine Reaktion auf den Schreck und das legt sich dann schon. Einfach voran, Trab geradeaus, dann geht es bestimmt gleich wieder. Es ging ja dann auch und er wollte auch am Ende des Kreises wieder so abbiegen, dass wir die Runde nochmal geritten wären. Heißt das, er hat sich dann wieder beruhigt und Spaß an unserem Ausritt gefunden? Oder ist er einfach nur ein sehr artiges Pony? Manchmal ist das alles sehr schwer zu unterscheiden.
Neulich durfte ich mal kurz das Pferd einer Schülerin reiten, die sich immer viele Sorgen macht, ob es ihrem Pferd gut geht. Es war interessant für mich, denn kaum saß ich auf dem Pferd, fühlte ich seine Sorgen sehr deutlich, aber ich bin jetzt sicher, dass sie woanders herkommen als meine Schülerin denkt. Während sie immer an den Sattel denkt und an ihren Sitz, denke ich eher, dass das Pferd gestresst ist, weil es nicht weiß, wie es seinen Körper verwenden kann und weil es Hilfen nicht als Hilfen verstanden hat, sondern als Übergriffe, die es abzuwehren gilt.
Aber auch das ist erst mal nur eine Interpretation, dessen muss ich mir bewusst bleiben. Das Verhalten eines Pferdes ist eine Botschaft an uns, aber was diese Botschaft genau ist, was das Verhalten bedeutet, müssen wir uns langsam erarbeiten und immer wieder überprüfen, ob das wohl wirklich so stimmt.
Mein kleiner Ritter äußert sich anders als andere Pferde. Natürlich hat sowieso jedes Pferd seinen eigenen „Dialekt“ und das kann es manchmal auch so schwierig machen, sie zu verstehen. Ich glaube, britische Ponyrassen bedienen sich generell mal einer anderen Sprache als andere Rassen die wir hierzulande so kennen. Das Highlandpony an sich zeigt gerne mal den berüchtigten „Plant“ (Wurzeln schlagen), immer wieder Thema in diversen Foren. Wenn das Pony überfordert ist, bleibt es stehen. Auch Duncan zeigt dieses Verhalten, allerdings nur dann, wenn wir alleine ausreiten gehen wollen. Er fühlt sich dann noch nicht sicher genug.
Außerdem fällt mir bei ihm deutlich auf, wie er seinen Körper ganz fest und gerade machen kann, wenn er eine deutliche Meinung zu etwas hat. Das kann zur Folge haben, dass er einfach geradeaus weiter geht, anstatt abzubiegen, oder dass er weiter läuft anstatt zu bremsen. Auf dem Reitplatz führt es manches mal dazu, dass wir es einfach nicht schaffen, abzuwenden. Dann scheint es mir weniger eine Meinungsäußerung als eine Problemlösung zu sein: er hat das Gleichgewicht verloren und hilft sich, indem er sich in der Geraden versteift. Es ist jedenfalls ein Gefühl, dass ich als „Rigidity“ bezeichnen würde (das online-Lexikon bietet u.a. „Unbeugsamkeit“ als Übersetzung an und ich denke sofort an Asterix und ein kleines gallisches Dorf…..) Und genau so fühlt es sich auch an. Gerade so, als würden seine Gefühle in dem Moment so stark in seinem Körper sein, dass dieser unbeugsam wird, ebenso wie sein Geist. Ein interessantes Gefühl (so lange es nicht gerade im Galopp auftritt, dann finde ich es sehr beängstigend…..) Dieses Gefühl versuchen Reiter häufig sofort zu unterbinden oder zu beenden. Ich bemühe mich darum, das möglichst selten zu tun (also nur in Situationen, in denen es uns gefährlich werden kann). Denn ich glaube, dass dieses Gefühl, dieses körperliche Verhalten daherkommt, dass man diese Ponys für schwere Arbeiten gezüchtet hat. Wer einen Hirsch den Berg herunter tragen soll, braucht genau jene Art von Unbeugsamkeit. Nur wer sich ordentlich anspannen kann, wenn nötig, wird so etwas schaffen. Nur wer sich so fest machen kann, kann einen schweren Baumstamm ziehen. Es ist eine Qualität solcher Pferde, dass sie das können, kein Manko! Und ich möchte eben jene Kraft nicht brechen, denn das ist die selbe Kraft, mit der Duncan mich jeden Berg runter trägt und mit der er seinen Rücken gegen mich stemmt, während er Kilometer um Kilometer trabt. Ich bin im Verhältnis zu ihm recht groß und schwer, er braucht Kraft, um mich zu tragen und dazu muss er sich unbeugsam machen sonst hängt sein Rücken durch. Es ist jene Unbeugsamkeit, die ihn stark macht und in dem Moment wo er dieses Gefühl gegen mich einsetzt, habe ICH den Fehler gemacht (und sei es nur weil ich ihn in eine Situation gebracht habe, wo ein Hund plötzlich zwei Meter über ihm steht oder weil ich seiner Meinung nach zu viel bremse, wenn er vorwärts will).
Mein Job ist nicht, diese Kraft zu brechen oder zu verbiegen, sondern sie für mich zu gewinnen und zu lenken. Wenn mir das gelingt (immer öfter), wird Duncans Unbeugsamkeit nicht nur meinem Pony, sondern auch mir zu Gute kommen. Und dann haben Duncan und ich ganz ohne Zaubertrank übermenschliche Kräfte, wenn wir unsere Kräfte bündeln und sie sich dadurch vervielfachen. Denn eben diese Unbeugsamkeit, die sich körperlich äußert, ist ja ein Ausdruck seines inneren Gefühls. Und es sind zwei Seiten derselben Medaille, ob man sich mit aller Macht wehrt und sich deswegen gegen etwas stemmt, oder ob man sich stark, stabil und unbesiegbar fühlt und deswegen groß und aufrecht dasteht wie ein stolzer Krieger. Ein Verhalten drückt ein Gefühl aus, und unser Job ist es, das Blatt zu wenden und die andere Seite dieses Gefühls zu entdecken um eine Stärke daraus zu machen. So einfach ist das! Und so schwer.