Energie

„Raketenwetter“ oder auch „Drachenpferd“ – es ist Winter, manche Pferde haben deutlich mehr Laufbedürfnis als im Sommer. Und das liegt nicht daran, dass die irgendwie eingesperrt wären, die meisten leben genauso wie im Sommer. Aber das Wetter macht sie einfach „wild“. Von allen Seiten höre ich, dass es nicht nur beim Ritter „kribbelt“. Während das bei manchem ruhigeren Kandidaten sogar ganz angenehm sein kann (Merlin bin ich immer am liebsten geritten wenn es unter 5 Grad war und auch heute ist das noch seine Wohlfühltemperatur), wird manch anderer dann eher unkontrollierbar.

Wenn ich als Ausbilderin komme, wird von mir oft erwartet, dass ich das Energieniveau des Pferdes auf magische Art und Weise sofort regulieren kann – rauf oder runter, je nachdem was der Mensch gerade möchte. Und erst jetzt wird mir so richtig bewusst, was wir da von unseren Pferden eigentlich verlangen. In so einer Herde ist das Energielevel oft gut eingespielt. Je nach Tageszeit, Wetter und Jahreszeit ist da mal mehr, mal weniger Action. Meist wird gemeinsam geruht, gemeinsam gerannt oder gewandert. Und dann komme ich als Mensch und habe meinen ganz eigenen Plan. An einem Tag ist so schönes Wetter, da möchte ich gern einen feinen Ausritt machen. Mein Pony hat aber beim ersten Sonnenschein nach 3 Tagen eigentlich eher ein Nickerchen in der Mittagswärme geplant. An dem Tag hingegen, an dem es krachkalt und neblig ist, möchte ich als Mensch nicht so lang draußen sein und plane daher eine kürzer Einheit – dabei wäre das für mein Pony vielleicht eher der Tag an dem man mal 3 Stunden loszieht. Mensch und Pferd sind sich da einfach von Natur aus so gar nicht einig und das kommt im Winter besonders zum tragen (weil wir Menschen eben keinen vernünftigen Pelz haben, wie Duncan immer wieder feststellt).

Ich versuche immer, Kompromisse zu finden. Wenn mir kalt ist und mein Pony flitzen möchte, nehme ich ihn an die Longe und laufe selbst viel mit. So wird mir warm und er kann sich austoben. Wenn die Sonne scheint und es sehr warm ist, gehen wir viel Schritt, meist wird er dann munter wenn er schwitzt und sich darüber abkühlt. An ganz schwierigen Tagen habe ich mit Duncan zum Glück immer die Möglichkeit, wippen zu gehen. Egal wie überdreht er ist, das kriegt er einigermaßen hin. Und auch wenn er ein bisschen müde war, wacht er beim Anblick der Wippe sofort auf.

Auch diesen Winter sehe ich ihm den Energieüberschuss am ehesten an seiner Laune an. Er meckert dann sehr rum wenn ich Heu füttere und wirkt mit der Gesamtsituation unzufrieden. Man möchte ja meinen, dass Offenstallpferde sich selbst austoben können, aber sie tun es eben nicht so richtig. Ein bisschen wie Kinder, die nicht so richtig wissen, was sie mit sich anfangen sollen.

Damit ich als Mensch meine Pläne verfolgen kann und weil ich nun mal diejenigen mit den Terminen und der Uhr bin, wird mein Pferd lernen müssen, sich anzupassen. Klar kann ich auch auf Wünsche eingehen, aber wenn ich zum ausreiten verabredet bin, kann ich manchmal nicht warten, bis mein Pony ausgeschlafen hat. Und wenn er gerne nur galoppieren möchte, der Boden aber einfach zu rutschig und mir das deshalb zu gefährlich ist, wird er sich auf Trab beschränken müssen. Und wenn alles vereist ist, dann sind wir auf unsere winzige Halle beschränkt, in der auch nicht viel mit Tempo los ist. Dann ist Kopfarbeit das Mittel der Wahl. Ich komme ihm so weit wie möglich entgegen, aber letztlich muss er lernen, sich anzupassen. Seine eigene Energie zu regulieren, sich runter zu regeln oder ein bisschen aufzuwachen. Am einfachsten ist es sicher, wenn wir als Menschen immer ein ähnliches Energieniveau möchten. Das ist leicht, wenn jemand sehr gleichmäßig arbeitet, also z.B. viel reitet und longiert, so dass immer viel Bewegung im Spiel ist oder umgekehrt eher viel Hand- und Bodenarbeit im Schritt macht, so dass es immer ruhig zugeht. Wenn ich mein Pony hole, weiß er aber oft nicht, was gefragt ist. Und das was gefragt ist, reicht von Handarbeit im Schritt bis zu 15km flottem Ausritt weitgehend im Trab und Galopp. Ich denke, dass er inzwischen gelernt hat, sowohl am Equipment, als auch an der Vorbereitung und meiner eigenen Stimmung zu erahnen, was wohl auf dem Programm stehen könnte. Ansonsten gebe ich ihm eben die Zeit, die er braucht, um sein Energieniveau anzupassen. Wir alle kennen das vielleicht vom Sport: erstmal anfangen, das dauert, bis der Körper sich darauf eingestellt hat, dass jetzt mehr Energie gebraucht wird. Aber nach einer Weile geht es dann. Wenn zu viel Überschuss da ist, baue ich erst etwas Kopfarbeit und Konzentration ein oder versuche, das „Überdruckventil“ gerade so zu regulieren, dass er laufen kann, aber nicht durchdreht.

Manchmal schätzt einer von uns (oder wir beide) die Situation aber auch falsch ein.  Als wir gestern in Begleitung der Kutsche unterwegs waren, hatte ich vermutet, dass wir ordentlich Gas geben müssen um mitzuhalten. Aber dem war nicht so, Eria war eher langsamer als wir, im Schritt so wie im Trab. Also war plötzlich angesagt, das Tempo nach unten zu regulieren, das stieß bei Duncan zunächst auf Verwirrung. Und ich meine wirklich Verwirrung, denn Energieüberschuss hatte er nicht, er war ganz entspannt. Er hatte sich nur auf ein flottes Workout eingestellt, das dann keines wurde. Auch solche Dinge passieren, gerade wenn man mit anderen unterwegs ist die man noch nicht so gut kennt.

Ich glaube, die Fähigkeit, zu einer beliebig von außen vorgegebenen Zeit Energie bereitzustellen oder sich zu entspannen ist eine wesentliche Fähigkeit um gut zurechtzukommen im Leben – sei es als Mensch oder als Pony. Und ich möchte der Entwicklung dieser Fähigkeit mehr Aufmerksamkeit widmen. Wenn jemand Trainer oder Bücher zum Thema kennt, her mit den Tipps.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 22. Januar 2025

So, ein Abenteuer war ja für heute versprochen, da habe ich mich gleich morgens am Stalltor eingeparkt und alles ganz genau beobachtet. Mein Mädchen hat allerhand Zeug ins Auto geräumt, unter anderem meinen Sattel. Juhuu! Dann hat sie mich rausgeholt und mir die vorderen Hufschuhe angezogen. Aber dann war alles falsch: wir sind nur am Halfter mit der Longe auf den Reitplatz gegangen und ich sollte eine Runde traben und eine Runde galoppieren und schon war der Spaß vorbei! Hey! Das ist doch kein Abenteuer! Also habe ich weiter am Stalltor gestanden. Und siehe da: die Wackelkiste kam zum Vorschein. Na geht doch! Ich durfte einsteigen und los ging es. Wo wir wohl hinfahren? Ach, da ist ja Ritter Willibald! Aber der stand im Paddock und mümmelte Heu. Am Anbinder stand seine Frau Eria, eine große Scheckstute. Und in der Einfahrt stand eine Kutsche! Der Mann hat dann mit dem Mädchen von Eria das ganze Fahrgeschirr an sie dran getüddelt, während mein Mädchen mich gesattelt hat. Weil der Mann ja noch keine Ahnung hat, hat er sich alles zeigen und erklären lassen – das hat vielleicht gedauert! Ich stand derweil mit meinem Mädchen da so rum. Hab mir mal die Kutsche angeschaut und durfte mal Willis Fahrgeschirr anprobieren (der kann nämlich auch die Kutsche ziehen, nur heute hatte er frei).

Willis Geschirr war doch bisschen groß.
Eines Tages kann ich das auch!

Dann war endlich alles fertig und los ging es: der Mann mit Erias Mädchen auf der Kutsche, Eria vor der Kutsche und mein Mädchen und ich hinterher. Meinem Mädchen war kalt vom Warten, also ist sie erstmal zu Fuß gegangen. Als wir dann in den Wald kamen, wollte sie aufsteigen, hat aber den Kutschfahrern gesagt, sie brauchen nicht warten, sie übt das jetzt mit mir. Also mein Job war, stehenzubleiben, während die Kutsche weiterfährt. Kann ich. Ganz geduldig bis mein Mädchen oben ist und alles sortiert hat. Keks, dann aufs Kommando warten und dann durfte ich nachtraben. So ging es durch den Wald, mal im Schritt und mal im Trab. Zwischendurch durfte der Mann Erias Leinen nehmen, da hatte mein Mädchen schon Sorge, dass es jetzt wild werden könnte, aber Eria ist sehr anständig und hat das alles mit Fassung getragen. Das Tempo war angenehm, oft war es mir im Trab sogar zu langsam. In der Gegend sind ein paar Berge und da kann so eine Kutsche doch mal schwer werden, scheint mir.

 Mein Mädchen war ganz entzückt, wie fein ich das alles gemacht habe. Nur zum Schluss gab es noch ein bisschen Diskussion, denn Eria durfte noch ein Stück galoppieren und ich habe dann auch die Erlaubnis bekommen für den dritten Gang. Aber kaum hatte ich den eingelegt, stand mein Mädchen auch schon wieder auf der Bremse und wollte „Reisegalopp“. Pah. Und dann war das Vergnügen auch schon wieder vorbei, weil Eria durchpariert hat. Naja. Mein Mädchen meint, das üben wir dann nochmal. Ich erinnere mich doch genau, wie fein wir im Sommer einfach kilometerweise galoppiert sind – wenn ich mal losgelaufen bin, will ich doch nicht gleich wieder bremsen! Naja, trotzdem war es ein schöner Ausflug und mein Mädchen war sehr zufrieden. Als wir ungefähr 8 oder 9km später wieder angekommen waren, hat sie mich an der Wackelkiste angebunden, mir den Heusack vor die Nase gestellt und mir meinen roten Schlafanzug übergezogen, weil ich doch etwas geschwitzt hatte (Winterpelz und so). Ich stand da ganz allein (die Menschen haben mich von weiter weg beobachtet), auch als ein großer Trecker kam. Und der Mann (der Mann! Der kritischste, anspruchsvollste Mensch unter der Sonne!) hat mich sehr toll gefunden, weil ich das ganz gelassen beobachtet habe, wie der Trecker da vorbeifuhr.  Sehr erwachsen fand er das und mein Mädchen ist fast geplatzt vor Stolz.

Ein interessanter Ausflug war das!

Dann hab ich mich wieder nach Hause wackeln lassen und meinen Kumpels erzählt, was das für ein interessanter Ausflug war und wie cool ich das alles gemacht habe mit fremdem Pferd in weitgehend fremdem Gelände hinter der Kutsche her. Voll der Große bin ich nämlich und ich kann sowas, jawoll!

Euer sehr erwachsener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 21. Januar 2025

Letzte Woche war nicht viel los.

Am Freitag hat mein Mädchen mir wieder ein In-Out aufgebaut. Ich wusste ja jetzt wie das geht und wollte mal zeigen, wie schnell ich galoppieren kann. Hab mich flach und lang gestreckt, die zwei Hopser im Turbo-Tempo erledigt und wollte dann meine wohlverdiente Lobeshymne inklusive Keks. Aber mein Mädchen fand das albern und meinte, das wäre hier kein Zeitspringen und ich soll mal weiter galoppieren und im Takt bleiben. Pah! Wenn sie so lustig versucht, neben mir her zu laufen im Galopp, das spornt mich einfach an, ihr zu zeigen, WIE langsam sie eigentlich ist! Da kann ich nicht anders, das muss sie schon einsehen. Naja, nach ein paar Runden ging es dann und ich hab ein bisschen ruhiger gemacht – wenn sie das denn unbedingt so will…

Am Sonntag haben die Menschen ausnahmsweise gearbeitet, deswegen kein Ausritt. Menno. Dafür haben wir auf dem Platz ein bisschen reiten geübt. Wenn mein Mädchen und ich reiten, dann üben Diego und der Mann jetzt oft fürs Kutsche fahren. Diego findet das super, weil es sehr gemütlich zugeht. Nur im Schritt. Sie üben wenden und anhalten und losgehen – Diego kann das ja natürlich alles längst, aber der Mann übt, sich nicht in den Leinen zu verheddern und gut auszusehen dabei. Diego und ich haben immer Spaß, wenn wir zusammen auf dem Reitplatz sind, weil wir dann nicht nur unserem eigenen Menschen Kekse aus der Tasche ziehen, sondern auch noch dem jeweils anderen. Das ist lustig und erhöht die Keksrate!

Wir üben reiten, die beiden üben fahren.

Und gestern kam dann meine kleine Freundin wieder. Ach herrje, die hat vielleicht gefroren! Meine Menschen haben ja zwar keinen eigenen Winterpelz, ziehen sich aber einen an. Meine kleine Freundin hat da wohl noch nicht so viel Erfahrung und hatte sich nur so eine Art „Araber-Pelz“ angezogen anstatt eines Pony-Pelzes. Mein Mädchen hatte Mitleid mit ihr und hat ihr schnell noch eine Jacke von sich übergezogen. Das sah lustig aus! Während sie ihre Hände unter meiner Mähne gewärmt hat (bittesehr, gern geschehen), hat meine kleine Freundin gefragt, ob mir denn auch kalt sei. Pah! Da zeigt sich, wie wenig Ahnung ihr Menschen von ordentlichen Pelzen habt. Sieht man doch, wie kuschlig warm mir ist.

Meine kleine Freundin ist im geliehenen Winterpelz versteckt!

Wir haben wieder fahren vom Boden geübt, weil meiner kleinen Freundin das so viel Spaß gemacht hat. Und diesmal ging es schon sehr viel besser! Wir haben das jetzt schon ganz gut drauf, sie und ich. Mein Mädchen steht weiter weg am Rand und gibt mir manchmal Hinweise mit ihrer Stimme, aber ansonsten machen meine kleine Freundin und ich das alleine klar: rechts um die Kurve, links um die Kurve, anhalten. Und wenn wir die Kurve verpasst haben: rückwärts und neu anfangen. Ich habe mich so doll konzentriert, dass mir fast der Kopf geraucht hat. Am Ende kommt ja dann immer das Beste: die Möhrenparty! Ich hab das jetzt raus: meine kleine Freundin geht erst weg und wenn sie wieder kommt, hat sie den magischen Tupper in der Hand. Mann, ich war schon ganz aufgeregt als sie wegging und habe meinem Mädchen in einer Tour erzählt, was jetzt gleich passieren wird! Da hat sie gelacht und sich gefreut, dass ich meine kleine Freundin so toll finde. Klar, wie kann man einen Menschen mit einem Tupper voll Möhren nicht toll finden?

Für morgen hat mein Mädchen mir ein Abenteuer versprochen. Wird auch mal wieder Zeit, es fängt schon wieder an, so zu kribbeln… also drückt mir die Daumen, dass das was wird!

Euer erwartungsvoller Sir Duncan Dhu of Nakel

Ein Freund, ein guter Freund

Neulich habe ich in einem Podcast  eine schöne Umschreibung gehört für das was Elsa „in Harmonie gehen“ nennt. Sie lautet: „verhalte Dich wie ein Freund“. Und ist es nicht das, was wir alle sein wollen? Ein Freund für unser Pferd? Im Freedom Based Training ist die Definition dieses Verhaltens klar umrissen, aber Freundschaft hat viele Gesichter und auch die, die kein FBT machen, können diesen Satz für sich mal durchdenken.

Wie verhält sich denn ein Freund? Ein Freund ist zum Beispiel jemand, der mit uns gemeinsame Aktivitäten unternimmt auf eine Art und Weise die sich für uns beide gut anfühlt. Wenn ich mit meiner Freundin ausreiten gehe, dann haben wir ähnliche Vorlieben, einen ähnlichen Rhythmus. Wir nehmen aber auch Rücksicht aufeinander, um diesen gemeinsamen Rhythmus herzustellen. Das ist ein Teil der Freundschaft. Ein anderen Teil von Freundschaft ist für mich, dass ich versuche, die Bedürfnisse des anderen wahrzunehmen und zu erfüllen. Wenn meine Freundin mich bittet, keinen Knoblauch an die Salatsoße zu tun, dann merke ich mir das. Ich werde es nicht nur dieses Mal machen (das ist selbstverständlich), sondern ich werde es nächstes Mal von selbst nicht tun. Ein Freund ist auch mein Mann, der mir ansieht, wann ich eine Tasse Tee gebrauchen könnte und mich dann fragt, ob er mir eine machen soll. Er kommt mir dabei zuvor bei der Erfüllung meiner Wünsche (ich könnte mir den Tee ja auch selbst kochen).  Und dann geht es noch eine Stufe weiter: manchmal, wenn ich nach hause komme, hat er mir schon eine Tasse Tee hingestellt. Weil er weiß, dass ich nach vielen Stunden im Kalten gern einen heißen Tee trinken möchte. Der Tee „köchelt“ dann auf dem Stövchen und ist für mich ein großes Geschenk von einem wunderbaren Menschen, der an mich gedacht und meinen Wunsch vorausgesehen hat. Er kennt mich eben gut!

Bei Duncan habe ich ein Beispiel gefunden, an dem ich es gut erklären kann: Popo kratzen. Duncan wird in der Regel nicht gern gekratzt. Er ist nicht so ein Anfass-Typ. Als seine Freundin weiß ich das und fasse ihn nur dann an, wenn es nötig ist. Aber es gibt eine Ausnahme: wenn er Winterfell verliert. Wir haben festgestellt – er und ich – dass es dann ein paar Tage oder Wochen gibt, an denen er gern oberhalb der Schweifrübe gekratzt wird. Das ist ein sehr kleiner Bereich vom Pferd und eine sehr kurze Zeit im Jahr in der er das mag. Letztes Jahr hat er herausgefunden, wie er mir sagen, kann, dass er da jetzt gekratzt werden will: er dreht den Po in meine Richtung (ohne mir nah zu kommen) und schaut sich dann zu mir um und macht eine „Genusslippe“. Klare Ansage! Der Bitte komme ich natürlich gerne nach. Ich verhalte mich wie eine Freundin. Dieses Jahr möchte ich versuchen, den Zeitpunkt zu erhaschen, zu dem es anfängt. Ihm gelegentlich anbieten, dass ich ihn kratzen könnte, noch bevor er mich danach fragt. Er kann dann ja sagen oder nein, es ist ja nur ein Angebot. So als würde mein Mann sagen „möchtest Du eine Tasse Tee?“. So kann ich Duncan zeigen, dass ich seine Bedürfnisse im Blick habe. Es ist nur ein kleines Beispiel, aber eines an dem ich es gut sehen kann. Ein Freund ist jemand, der Wünsche erfüllt die du aussprichst. Ein noch besserer Freund, der dich gut kennt, ist jemand, der Deine Wünsche schon erahnt und vorab anbietet, sie dir zu erfüllen.

Der Grat ist schmal. Ich habe mal ein paar mal einen jungen Mann gedatet, der beobachtet hatte, dass ich beim ersten Essen gehen einen KiBa trank und danach meinte, das würde ich so wollen. Da wurde ein KiBa für mich bestellt, ohne dass ich gefragt wurde, und das hat mich doch massiv gestört. Er kannte mich einfach noch nicht gut genug, bildete sich aber ein, mich zu kennen. Er hat versucht, sich wie ein guter Freund zu verhalten, obwohl er das noch gar nicht war, und das funktioniert eben so nicht. Das kann auch beim Pferd ganz schön nach hinten losgehen. Wenn wir echte Freunde sein wollen, liegt es also an uns, zu überprüfen, was wir denn schon wirklich über unser Pferd wissen und wo wir vielleicht falsche Schlüsse gezogen haben. Ein guter Freund ist man nicht, indem man einfach nur nett ist. Ein guter Freund zu sein bedeutet echtes „Investment“. Sich Mühe geben, beobachten, nachfragen, zuhören, es ernst meinen. Egal, ob mein Gegenüber ein Mensch ist oder ein Pferd.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 12. Januar 2025

Sonntag! Und heute hat der Sonn-Tag seinem Namen wirklich alle Ehre gemacht: die Sonne hat den ganzen Tag wie verrückt geschienen. Und das heißt: Ausfluuuuuuuug! Das wurde aber auch wirklich mal Zeit! Das Anziehen hat wieder eine halbe Ewigkeit gedauert. Mein einer Hufschuh hat rumgezickt, da war eine Schraube lose und gepasst hat er auf mysteriöse Art und Weise auch nicht mehr. Außerdem war mein Mädchen unsicher bei der Wahl ihres Pelzes. Unsereiner hat da keine Wahl. Und da es heute nach kalt wird, hat mein Mädchen auch entschieden, dass wir nicht entpelzt werden.

Als endlich alles fertig war, ging es los. Ach, das tat gut, die Beine mal wieder zu strecken. Diego und ich waren bestens gelaunt. Als wir dann einen kleine Trab einlegen wollten, hat Diego mal gezeigt, was in ihm steckt. Ich schwöre, der ist nicht getrabt, der ist geflogen! Ich wusste gar nicht wie mir geschieht. Habe dann – mit Erlaubnis von oben – einen schönen Reisegalopp angestimmt bis wir Diego wieder eingeholt hatten. Aber viel getrabt sind wir heute nicht, denn es war ein Schritt- Ausritt für die Grundkondition geplant. Die kleinen Trabstrecken dienten nur der Auflockerung. Wir haben die Zwei-Dörfer-Tour gemacht. Also erst rüber nach Kleinvollstedt – das muss das längste Dorf der Welt sein! Dort sind die Menschen abgestiegen und zu Fuß gegangen, während ich Vorgarten-Watching gemacht habe. Dann bei den schönen Friesen vorbei, die sich wieder mächtig in Pose geworfen haben. Kurz danach wollten wir eine Graspause einlegen, aber das Wetter der letzten Wochen hat nichts übrig gelassen, was uns ernsthaft essenswert schien, und so ging es weiter, noch ein kleiner Trab durch den Wald, dann im Schritt durch den Sonnenschein. Wir sind einfach so gleichmäßig vor uns hin gelaufen, mal der eine vorne, mal der andere. Als wir schließlich in Groß Vollstedt waren, sind die Menschen nochmal zu Fuß gegangen. An der Rinderweide sind sie wieder aufgestiegen und den Rest nach hause geritten. 12,4km in gut 2 Stunden und am Ende war Diego doch rechtschaffen müde und fing an, etwas zu schlurfen, aber insgesamt hat er gut durchgehalten (ich ja sowieso) und mein Mädchen und der Mann waren hochzufrieden mit dem Lauf der Dinge. Ich habe noch ordentlich Dehnübungen verpasst bekommen, weil ich mich neulich wieder so schief gezogen hatte und jetzt wieder gerade werden soll. Und wenn die Muskeln so schön durchgewärmt sind, dann dehnt es sich bekanntlich besonders gut. Anschließend durften wir in der Sonne Heu schmausen und haben den Rest des Nachmittags verdöst.

Wochenend und Sonnenschein…

Ach, das war ein toller Sonntag! Jetzt ist mein Burgkoller kuriert und die Laune gerettet!

Euer gut durchgelüfteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Gute Vorsätze

Ich höre ja oft Podcasts. Und da kommt Anfang Januar das unvermeidliche Thema zur Sprache: gute Vorsätze und wie man dann wirklich dranbleibt. Ich habe das für mich selbst ja komplett aufgegeben, mir Vorsätze zu machen, das hilft mir gar nicht. Aber trotzdem möchte ich natürlich Dinge ändern und besser machen. Für mich ist es kein „am 1. Januar anfangen und dann durchziehen“, sondern ein immer wieder anfangen. Immer wieder den Faden verlieren, aber ihn dann immer wieder neu aufnehmen. Wie dem auch sei, in einem Podcast kam ein Tipp, der mich besonders angesprochen hat: mach Dein neues Ziel zur Priorität.

Da habe ich mich ertappt gefühlt, denn auch ich habe versucht, die neuen Ziele einfach in den bestehenden Alltag mit rein zu quetschen. Was bei mir oft zur Folge hatte, dass ich erst den Alltag bewältigt habe und dann zu müde war für mein neues Ziel. Das neue Ziel vorne an stellen und sich trauen, dafür auch ganz bewusst mal etwas anderes liegen zu lassen, ist für mich daher vielleicht der wertvollste Tipp zum „dranbleiben“ den ich bekommen habe.

Aber ich wollte ja über Ponys schreiben! Also sagen wir es so: im Internet, da gibt es diese perfekten Frauen. Vielleicht sind die im echten Leben ja auch so perfekt, das kann ich nicht überprüfen. Aber fest steht: die bringen mich auf die Palme. Eine schreibt, sie putzt ihre Pferde jeden Tag. Das ist voll wichtig, Fellpflege hilft vor allem im Winter gegen Parasiten und so. Leuchtet mir ein (vielleicht auch nicht, aber auf den Inhalt kommt es jetzt nicht so an). Nur: die Dame hat meines Wissens 4 Pferde. Die putzt sie alle jeden Tag? Da sind nach meiner Rechnung die ersten 1,5 Stunden schon vergangen. Wo nimmt sie die her? Denn trainiert werden die lieben Tiere ja auch alle mehrfach in der Woche. Und das alles während sie erfolgreich selbständig ist. Für mich, die ich leider wenig belastbar bin und sehr viel Schlaf brauche, ist so ein Pensum unvorstellbar. Ich weiß, andere brauchen viel weniger Schlaf und Pause als ich aber auch deren Tag hat doch nur 24 Stunden oder? Haben diese Frauen eine Haushaltshilfe, eine Putzfrau, eine Stallhilfe oder wie darf ich mir das denken?

Selbst wenn ich es wollen würde: Für mich wäre es völlig unrealistisch, mir jetzt vorzunehmen, alle unsere Ponys jeden Tag zu putzen. Zumindest wenn ich es mir ZUSÄTZLICH zu meinem normalen Pensum vornehmen würde. Ich müsste mir dann schon überlegen, wo ich die Zeit hernehmen soll. Und das heißt: etwas anderes muss liegenbleiben oder wegorganisiert werden.

Nun ist es nicht meine Absicht, die Ponys jeden Tag zu putzen, aber es gibt schon Dinge, die ich angehen will. Und gerade nachdem ich über Jahreszeiten und den Einfluss des Wetters nachgedacht habe, ist mir klar geworden: ich möchte mehr in Abschnitten arbeiten. Es gibt Zeiten, die dienen dem Ausreiten bzw dem Ausdauertraining. Es gibt Zeiten, da ist das Wetter nicht so oder es ist nicht viel Zeit, dann können wir uns mehr der Handarbeit widmen. In manchen Zeiten widme ich mich vielleicht intensiver der „passiven“ Beschäftigung mit Duncan: Huf- und Fellpflege, Dehnübungen, Freedom Based Training. Alles abhängig von Wetter, meiner Zeit, seiner Laune.

Was ich aber durch den Podcast nochmal ganz klar verstanden habe: ich kann nicht alles schaffen. An den Tagen, an denen Duncan dieses Kribbeln spürt und sich austoben muss, wird das Putzen ausfallen zugunsten einer ausgiebigeren Longen-Einheit. An den Tagen, an denen ich mich intensiv um seine Hufe und sein Fell kümmere, wird die Zeit nicht reichen, um noch zu reiten. Ich muss mich entscheiden (oder im Lotto gewinnen, um mehr Freizeit zu haben. Oder rausfinden, wie diese perfekten Super-Frauen aus dem Internet das machen). Bewusst etwas weglassen, um Platz für etwas anderes zu schaffen, anstatt zu versuchen, alles in einen Tag zu quetschen.

Und so dreht sich das Vorsatz-Blatt ein bisschen um: Gerade so, wie man ein Regal oder die berüchtigte Gerümpel-Schublade nur aufräumen kann, wenn man erstmal Sachen RAUS nimmt, bevor man was neues rein legt, möchte ich erstmal sehen, wo die Zeit und Energie herkommen können, die ich für meine neuen Vorsätze brauche. Was mache ich heute NICHT, damit ich stattdessen das machen kann, dem ich heute die oberste Priorität gegeben habe?

Wenn es um mein Pony geht, geht es dabei auch um seine Priorität für den Tag. Hat er großen Bewegungsdrang? Oder hat er dringend eine Hufpflege nötig? Ist er heute gut gelaunt und hat sowieso auf alles Lust? Ist er vielleicht auch einverstanden damit, heute nichts mit mir zu unternehmen? Was würde er weglassen, wofür würde er Platz schaffen, wenn es seine Entscheidung wäre? Ich kann mich nicht immer danach richten, aber manchmal schon.

Einen guten Vorsatz habe ich aber schon. Allerdings nicht erst seit dem 1.1.2025 sondern seitdem wir hier eingezogen sind. Damals haben Arnulf und ich vereinbart, die Zeit mit unseren Ponys als Priorität zu sehen und zu genießen, denn dafür machen wir das hier schließlich alles.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 8. Januar 2025

Gestern morgen hatte ich wieder ganz doll dieses Kribbeln in mir drin. Nach dem ganzen Sturm und drinnen rumstehen, ging es einfach nicht mehr! Also habe ich mal in den Tobemodus geschaltet, bin in Höchstgeschwindigkeit über den Paddock gerast. Caruso ist mitgerannt, aber sein Kribbeln war schneller aufgebraucht als meins. Da stand ich nun im Paddock und es kribbelte einfach zu doll! Also bin ich ein paar mal auf der Stelle in die Luft gesprungen, bis Gatsby kam und gesagt hat, wir könnten doch auch schön spielen. Das haben wir dann ausgiebig getan, dann ging es wieder. Mein Mädchen hat das alles beobachtet und gedacht, gegen Kribbeln weiß sie doch was. Also kam sie ein paar Stunden später und wir sind mit der Longe auf den Reitplatz gegangen. Mein Mädchen hat Stangen hingelegt und wir haben ein ausgiebiges Aufwärmprogramm gemacht. Dann hat sie zwei klitzekleine Sprünge aufgebaut. Es ist so: wir haben jetzt ein paar mal geübt, dass ich einen kleinen Sprung schaffe. Vor ein paar Wochen hat sie dann mal zwei Sprünge hinterheinander aufgebaut. Das war so geplant, dass ich zwei Galoppsprünge dazwischen machen konnte. Das war lustig, aber auch wirklich etwas kompliziert! Ich bin dann immer über den einen Sprung rüber und war dann etwas überrascht, dass da gleich NOCH einer kommt! Manchmal hab ich es geschafft, aber oft war doch etwas Fußchaos. Diesmal hat mein Mädchen die Sprünge enger zusammengestellt, nennt sich „in-out“. Das heißt, wenn ich nach dem Sprung gelandet bin, muss ich auch schon gleich wieder abspringen für den nächsten. Hoch sind die Dinger ja nicht, aber man muss eben doch wissen wo die Füße hingehören. Beim Aufbauen hat sie zu mir gesagt „ich weiß ja jetzt dass du sowas schaffst ohne dir die Haxen zu brechen“. Klar, Füße sortieren kann ich doch gut. Ich also im Galopp los, über den ersten Sprung – huch! – da kommt ja schon der zweite! Aber ich habe es irgendwie hingekriegt. Und mein Mädchen hat mich gefeiert. Keks!! Und wenn sie dann so ausflippt, gleich mehrere Kekse raus haut und verrückte Geräusche macht, dann fühle ich mich sehr angespornt, muss ich sagen! Also los, ich will nochmal! Und nochmal! Und nochmal! Zwischendurch sollte ich aber auch bitte noch ein paar schöne Kringel im Trab machen. Jaja. Jetzt aber wieder zu den Hopsern, ja? Ach, das war lustig. Alsbald hat mein Mädchen gesagt, wir hören jetzt auf. Weil nämlich alles so toll geklappt hat und ich ein ums andere mal perfekt da rüber gesprungen bin. Und dann hört sie ja immer lieber auf, weil sie sich so ärgern würde, wenn es dann nicht mehr klappt. Aber ich hoffe, dass wir das bald mal wieder machen – großer Spaß!!

Mein Mädchen hat leider vergessen, ein Foto für euch zu machen, aber das lässt sich ja nachholen.

Euer hopsender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7. Januar 2025

Na, liebe Menschen, habt ihr alle schön den Schwerpunkt tief gehalten? Also wir haben ja immer noch kein Schaf zum nachschauen, aber es kommt mir doch so vor, als hätten die gestern abend zeitweilig keine Locken mehr gehabt. Das hat ganz schön gepustet! Aber uns Ponys ist das relativ egal. Caruso hat seine warme Decke anbekommen, weil der Wind nicht gut ab kann, wir anderen sind ja gut gerüstet für so ein Wetter. Als Schotte bin ich ja „double-coated“, mein Fell besteht also quasi aus warmer Unterwäsche und einem wind- und wasserabweisenden Mantel (mit stufenlos einstellbarer Isolation!), damit habe ich es immer schön kuschlig. Die Stellen, die mein Mädchen entpelzt hatte, sind jetzt schon wieder gut nachgewachsen, auch da reicht es für mich total aus um warm zu bleiben.

Aber eigentlich wollte ich euch ja was anderes erzählen. Bevor der Sturm kam und den Schafen kurz die Locken rausgebürstet hat, war nämlich noch meine kleine Freundin da. Da es geregnet hat, wollten die Menschen nicht auf den Reitplatz, also sind wir in die Halle gegangen. Mein Mädchen hat überlegt, was wir mal schönes machen könnten und dann hat sie beschlossen, mal „fahren vom Boden“ zu üben. Ich kann das ja voll gut, aber mit meiner kleinen Freundin hintendran, die das noch nie gemacht hat, musste ich mich richtig doll konzentrieren. Die drückt sich noch nicht so eindeutig aus, ist oft spät dran und vergisst noch manchmal was zu tun ist. Und fahren vom Boden hat sie noch nie gemacht, da hatte sie eine Menge zu tun! Aber inzwischen kenne ich sie ja schon ganz gut und weiß, dass ich auch mal vorsichtig was probieren kann und sie mir dann sagt ob es das war was sie meint. Und wenn es gar nicht klappt, schiele ich zu meinem Mädchen, die gibt mir einen Hinweis.

Für meine kleine Freundin war das eine neue Herausforderung, aber es hat ihr Spaß gemacht. Jetzt sind mein Mädchen und ich ganz gespannt, ob sie es nochmal machen möchte, wir werden sehen! Mein Mädchen ist jedenfalls sehr stolz auf uns beide. Auf mich, weil ich so fein zugehört habe, mich gaaaaaaaanz doll konzentriert und natürlich alles gut hingekriegt habe. Und auf meine kleine Freundin, weil sie anfängt, mir zu vertrauen (sie hat ja leider ein paar schlechte Erfahrungen mit anderen Ponys gemacht, die leider mit ihrer Aufgabe als Lehrpferd überfordert waren) und weil sie schon wirklich viel gelernt hat. Läuft bei uns! Trotzdem möchte ich anmerken, dass ein ordentlicher Ausritt zur Hebung meiner allgemeinen Laune dringend nötig ist.

Euer Lehrpony Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 5.Januar 2025

Neues Jahr, neues Glück! (Dachte ich). Als mein Mädchen zum reiten kam, war ich gut gelaunt. Dachte ich doch, es ist ja Sonntag und da gehen wir bestimmt ausreiten! Zumal der Mann und Diego auch auf dem Hof standen zum antüddeln. Als alles an mir dran war, wollte ich munter vom Hof runter marschieren. Aber ach! Leider war kein Ausritt angesagt. Mein Mädchen meinte, das Wetter sei zu fies und ich bestimmt total unausgelastet nach einer Woche Freizeit (kann ich was dafür, dass sie weg war?). Wir gehen auf den Reitplatz. Menno. Lust hatte ich keine. Also hab ich auf dem Weg dorthin ein paar Ablenkungsmanöver gestartet und Hofbesichtigungstour gemacht. Ich habe nämlich rausgefunden, dass das gestattet ist, wenn ich freundlich zu einer Stelle hinziehe und anzeige, dass ich da was gucken möchte. Ich gucke dann kurz oder rieche mal an was und dann versuche ich, heimlich zum essen überzugehen. Leider ist mein Mädchen erprobte Pony-Besitzerin und es gelingt mir fast nie, auch nur ein Hälmchen zu erhaschen. Schade. Naja, nach einigen Abzweigungen waren wir dann doch auf dem Reitplatz angekommen und ich habe mich entschlossen, das Beste draus zu machen. Zu meinem Trost kam auch Diego alsbald dazu. Diego und der Mann üben jetzt Kutsche fahren ohne Kutsche, ich kann das ja schon lang. Diego kann das eigentlich auch voll gut, aber er hat in seinem Leben so viel Freiarbeit gelernt und sollte da immer den Menschen anschauen, deswegen braucht er immer etwas Zeit um zu verstehen, dass er jetzt vorneweg marschieren soll. Wenn er dann den Schalter umgelegt hat, kann er es total gut und der Mann kann mit der Doppellonge kämpfen Griffe üben.

Also hat jeder sein Übungsprogramm gemacht. Mein Mädchen und ich haben Übergänge geübt. Sie zählt dann den Takt in ihrem Kopf (1-2-3-4 für Schritt, 1-2-1-2 für Trab und 1-2-3 für Galopp) und ich soll das erfühlen. Kann ich schon voll gut, wenn ich erstmal warm bin. Nebenbei mussten wir die Augen offen halten, damit wir nicht mit Diego, dem Mann oder den meterlangen Leinen zwischen den beiden kollidieren. Ging aber alles sehr fein. Und dann hatte Diego plötzlich Feierabend und hat den Platz verlassen! Da wollte ich mit: vielleicht gehen die ja noch ausreiten? Aber das war nicht erlaubt. Und weil ich ja so ein Guter bin, habe ich dann noch ein paar Minuten artig weitergemacht. Mein Mädchen wusste, dass mir das schwerfällt und ist alsbald abgestiegen, dann durfte ich noch auf dem Reitplatz rumlaufen und nach Grashalmen suchen, während sie Rumstehtraining gemacht hat.

Anschließend durfte ich noch meine Schüssel mit klebrigem Schmatzofatz leeren und dann ging es wieder in den Stall zur nächsten Heumahlzeit. Mein Mädchen meint, ich könnte mich schonmal drauf einstellen, dass es noch ein paar Wochen lang sehr wenige Ausritte geben wird, aber ich lasse natürlich nicht locker und werde bei jeder passenden Gelegenheit meine Meinung zu dem Thema äußern!

Euer etwas reitplatzgenervter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Wie gefällt euch die neue Überschrift?

2025

So, da ist es jetzt, das neue Jahr. Und so sehr es mich nervt, das alles an einem willkürlich gewählten Datum festzumachen, so sinnvoll ist es doch, immer mal Bilanz zu ziehen und neue Pläne zu schmieden.

Einige Pläne stehen schon fest. Das erste Abenteuer startet im Februar, wenn Arnulf seinen Kutschenführerschein macht. Denn Diego, jetzt ja auch nicht mehr ganz jung, soll Arnulf nicht mehr immer tragen müssen. Er kann es noch und wenn er wieder trainiert ist, wird er es auch wieder länger können, aber er wird auch ein fantastisches Kutschpferd werden und mit Arnulf hinter ihm schneller wieder auf mehr Kilometer kommen. Duncan ist derweil ja immer noch nicht vor der Kutsche, weil ich es ihm einfach noch nicht recht zutraue. Aber das macht nichts, unsere Zeit zum fahren kommt noch und ich reite ja sowieso lieber.

Im Sommer ist wieder ein Reitkurs gebucht und die Termine für zwei kleine Distanzritte stehen auch schon im Kalender. Davor steht vor allem noch „Kopftraining“ an, also lange unterwegs sein, aber nicht schnell. Ich weiß jetzt, dass das Tempo (im Gegensatz zu damals mit Finlay) gar kein Problem sein wird. Aber der Kopf muss mitmachen und da gibt es noch zu üben. Auch mehr Begegnungen mit fremden Pferden, gerne auch mehreren fremden Pferden auf einmal, möchte ich noch haben zum üben.

Außerdem hoffe ich, dass wir endlich mit dem Thema alleine ausreiten weiterkommen. Wieso wir da in 2024 so wenig geschafft haben, ist mir gar nicht ganz klar. Irgendwie war das Wetter schwierig und ich war oft am Limit – wahrscheinlich auch deswegen, weil wir im Frühjahr so lange um Diegos Gesundheit gekämpft haben. Naja, neues Jahr, neues Glück. Aufgeben ist keine Option, dann dauert auch das eben wieder mal länger als geplant. Duncan war an vielen Stellen schneller als ich dachte, an anderen brauchen wir länger – so ist das Leben. Dazu möchte ich mich technisch auch noch etwas aufrüsten und für Duncan einen Tracker haben, denn mein größter Horror ist, dass er mich unterwegs verliert und ich nicht weiß wo er ist. So ein Stück Technik kann mir Sicherheit geben und dieses Sicherheitsgefühl bedeutet hoffentlich, dass ich die Technik niemals brauche…. Ich fürchte allerdings, dass dieses Projekt erst ab Juni richtig starten wird, denn erfahrungsgemäß ist Duncan im Frühjahr schreckhaft und das taugt meinen Nerven so gar nicht zum alleine reiten.

Ich möchte auch anfangen, Stangen und kleine Sprünge zu reiten (bisher haben wir das nur an der Longe gemacht).

Grundsätzlich möchte ich aber vor allem meine gewonnenen Erkenntnisse zum Thema Wetter und Jahreszeiten zu meinem Vorteil nutzen. Soll heißen: wenn das Wetter im Winter es mal hergibt, möchte ich das vor allem für längere Schritttouren nutzen, denn es hat sich gezeigt, dass schnelleres reiten mein kleines, allzu fittes Pony gar nicht gut auslastet. Ich möchte nochmal mit ihm gemeinsam verinnerlichen, dass eine ausgiebige, flott gerittene Schritttour uns da besser taugt. Wenn es dann im Frühjahr wieder mit den Montagsausritten losgeht, möchte ich ihm dieses Jahr nicht mehr dienstags frei geben, sondern den Tag nach dem flotten Ritt für Handarbeit, Dehnübungen und Keksgymnastik nutzen. Außerdem habe ich gelernt, dass es nicht klug ist, ihm viel „reitfrei“ zu geben und stattdessen zu longieren, denn anscheinend braucht er deutlich mehr Gymnastik zwischen den Ausritten und deutlich weniger Ausdauer-Training. Das hängt aber natürlich auch davon ab, wie er seine Figur hält….

Wenn dann die Hitze kommt, möchte ich mir die Tageszeiten schlauer einteilen. Ich habe gemerkt, dass morgens zwischen 9 und 10 Uhr, wenn ich es noch ok finde auf dem Reitplatz, einfach nicht seine Zeit ist. Er ist dann sehr unmotiviert, das heißt, wenn ich nur zu dieser Zeit die Möglichkeit habe, etwas mit ihm zu machen, wird es wiederum Handarbeit sein oder ich lege lieber eine Wippeneinheit ein. Andererseits kann die Wärme mir helfen, das alleine ausreiten weiter voranzutreiben, dann kommt mir ein etwas träges Pony ja deutlich entgegen….

Wenn das Wetter gut ist, möchte ich vor allem Zeiten verlängern. Also auch auf dem Reitplatz endlich mal wegkommen von unseren üblichen 30-40 Minuten und mal deutlich längere Sessions machen, damit sich unser beider Konzentrationsspanne verlängert und wir auch noch besser herausfinden, wie wir sinnvoll Pause machen können, denn da hapert es noch ein bisschen. Aus einer Pause wieder neu starten habe ich jetzt schon mit kleinen (sekundenlangen) Pausen geübt, das scheint ein Thema zu sein, dass der Übung bedarf. Im Gelände gilt das gleiche: rausfinden, wann er eine Pause braucht und wie die am besten aussieht. Ist es besser für ihn, ein paar kleine Pausen zu machen oder lieber eine große?

Die Frageliste ist noch endlos lang, aber langsam, ganz langsam habe ich das Gefühl, dass unsere Beziehung und Duncans Ausbildung auf einem stabilen – wenn auch noch nicht kompletten – Fundament ruhen auf das wir beide uns verlassen können. Und das lässt mich auf ein gutes Jahr hoffen.

Frohes neues Jahr euch allen!