Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 3. Februar 2025

Der Mann lernt jetzt das Kutsche fahren, damit wir dann bald mit Diego vor der Kutsche auf Tour können. Und der Kurs findet natürlich an meinem heiligen Sonntag statt, wenn ich doch einen Ausflug machen möchte! Unverschämt! Aber mein Mädchen hatte eine andere lustige Idee. Wir haben nämlich Besuch bekommen! Und zwar von meinem Ausreitkumpel und dem schnellsten Pony der Welt. Die kamen mit MEINER Wackelkiste auf den Hof gefahren, dann haben die Menschen den Reitplatz voller Dinge geräumt, uns alle gesattelt und los ging es.

Die Pony-Gang

Wir sind zu dritt über den Reitplatz geturnt, Schrittstangen, Trabstangen, Tonnenslalom und ein kleiner „Sprung“ aus den weichen Dualgassen. Mein Mädchen hat beobachtet, dass jeder von uns Ponys seine eigene Springtaktik hatte. Wenn mein Ausreitkumpel den Sprung nicht richtig getroffen hat, hat er schnell noch einen klitzekleinen Galoppsprung davor gebastelt. Das sah sehr lustig aus! Das schnellste Pony der Welt war der Oberstreber, der hat fast immer richtig getroffen. Er ist der älteste von uns und wir glauben, dass er schon Springerfahrung hat. Wenn es doch mal nicht gepasst hat, hat er schnell von Galopp in Trab umgeschaltet und die Lage noch gerettet. Ich hingegen habe da eine andere Vorgehensweise, die sich an der Longe schon bewährt hat: auch wenn noch ein halber Galoppsprung Platz gewesen wäre, einfach beherzt abspringen und hoffen, dass es bis auf die andere Seite reicht. Das hat allerdings mein Mädchen manchmal sitztechnisch etwas aus dem Konzept gebracht, daran muss sie sich wohl erst noch gewöhnen. Leider gibt es keine Videos von meinen verwegeneren Sprüngen, da müsst ihr eure Fantasie bemühen. Aber wir hatten auch viele schöne Sprünge, wo es richtig gut gepasst hat. Nachher haben die Menschen noch zwei kleine Kreuze aus den Stangen gebaut, so dass wir drei Sprünge hintereinander hatten, wie ein richtiger Parcours.

Hoch die Füße!

Ich gestehe allerdings, dass das für meinen Kopf alles ganz schön anstrengend war. Die anderen Ponys im Blick behalten, meinem Mädchen zuhören, die Stangen ordnungsgemäß überqueren und dann auch noch springen! Nach 30 Minuten war bei mir die Luft raus, ich konnte nicht mehr so gut denken. Meinem Ausreitkumpel ging es genauso. Nur einer war noch fit, – natürlich! – das schnellste Pony der Welt. Der hat dann noch allein mit seiner Reiterin ein paar Runden gedreht und wir haben zugeschaut und ihn angefeuert. Mein Mädchen hat den kühnen Plan, dass ich über die blauen Tonnen springen könnte, wenn sie sie auf den Boden legt. Aber sie wusste nicht recht ob das zu schwierig ist. Das schnellste Pony der Welt hat das dann mal für uns getestet und gesagt: voll einfach. Die sind weder viel höher noch viel weiter als der kleine Kreuzsprung. Einfach Anlauf nehmen und rüber. Das steht jetzt demnächst mal auf dem Programm, wenn es wieder ans longieren geht.

Hopp hopp hopp…

Wir Ponys sind dann Heu essen gegangen und meine Kumpels sind wieder nach hause gefahren. Schade eigentlich, ich hätte auch gern mal wieder eine Runde mit meinem Ausreitkumpel gespielt!

Trotzdem ein gelungenes Sonntags-Alternativ-Programm.

Euer springender Sir Duncan Dhu of Nakel

Sicherheitscheck

Duncans kleine Freundin ist 12 Jahre alt. Und ihre bisherigen Erfahrungen mit Pferden sind ziemlich schlecht. Geschichten, die sie mir erzählt, handeln immer von Pferden, die ihrer Aufgabe anscheinend gar nicht gewachsen waren. Die durchgehen, wenn es die kleinste Störung gibt (weil z.B. ein Kind beim Absteigen das Bein nicht hoch genug genommen hat und am Sattel hängen geblieben ist). Wörtlich ist mir der Satz im Ohr geblieben „Duncan ist das erste Pferd das ich kenne, das keine Angst vor der Gerte hat“. Sprich: die Zustände müssen gruselig gewesen sein. Ich dachte, seit ich als Kind in der Reitschule war, hätten sich die Dinge verbessert…

Ganz langsam erarbeitet Duncan sich ihr Vertrauen. Er kennt sich jetzt schon ganz gut aus, ist selbst nicht mehr so aufgeregt, wenn sie da ist, sondern weiß, dass er im Zweifel immer bei mir nachfragen kann, wenn er etwas nicht verstanden hat. Und dass Stehenbleiben auch hier immer eine gute Option ist. (Natürlich hat er auch herausgefunden, dass sie Kekse in der Tasche hat, das soll ja nicht unerwähnt bleiben)

Wir probieren allerhand Dinge, die man mit Pferden machen kann. Fahren vom Boden fand sie z.B. toll und diese Woche haben wir es mal mit longieren versucht. Im Schritt haben Duncan und sie das schnell hingekriegt. Dann schlug ich einen Trab vor. Unsicherer Blick. Ich fragte, was sie denn befürchtete was passieren könnte. „weiß nicht“. Sag doch mal: was ist das Schlimmste was passieren könnte? „er könnte losrennen und mich hinterherschleifen“

Das ist – theoretisch – eine realistische Möglichkeit. Was sage ich jetzt? Das macht er nicht? Nein, denn sie soll nicht MIR glauben, sondern selbst entscheiden, ob sie sich mit dem Pony in dieser Situation sicher fühlt. Also habe ich ihr erklärt, dass wir Menschen (als Affen) immer dazu neigen, uns festzuhalten. Dass aber im Umgang mit Pferden immer gilt: loslassen, loslassen, loslassen. So wie sie die Longe hält, kann sie im Notfall sofort loslassen, ohne, dass sich etwas zuziehen kann. Damit war sie einverstanden. Ok. Sonst noch schlimme Ideen? „er könnte sich erschrecken und losrennen und dann falle ich hin“. Ja, auch das kann theoretisch passieren. Ich fragte, wovor er sich denn hier erschrecken könnte. „vor einem Spatz der hier rum flattert“ (möglich) „wenn eins der anderen Pferde plötzlich auftaucht“ (möglich) „oder wenn ich aus versehen ein lautes Geräusch mache“ (auch möglich). Keines der Szenarien wäre geeignet, Duncan in Galopp zu versetzen. Aber sie soll selbst rausfinden, woher sie das wissen könnte. Also sage ich: neulich hast du ihn erschreckt, weißt du das noch? „ja stimmt, da war er in der Scheune angebunden und ich bin plötzlich um die Ecke gekommen“. Und woran hast du gemerkt, dass er sich erschreckt hatte? „er hat so geguckt“ stimmt. Und er ist vorher ganz doll zusammengezuckt. Ist er da losgaloppiert? „nein“ gut, dann weißt du also, dass er nicht der Typ ist der gleich losgaloppiert. Wenn wir draußen im Gelände wären, wäre das vielleicht was anderes aber hier drin ist er zu hause und fühlt sich sicher. (kurzes Gespräch darüber, wie und wo ein Pferd sich zu hause fühlt. Eigentlich wie ein Hund, der auch weiß wo zu hause ist, meint sie, und ich stimme ihr da zu. Ich erzähle, wie er sich im Gelände losgerissen hat beim Spazierengehen und direkt nach hause galoppiert ist.)

„und wenn ich hinfalle?“ Tja da schlage ich vor, wir probieren das aus. Große Augen. Du lässt ihn im Schritt um dich rumgehen und dann lässt du dich fallen. Gesagt, getan.

Test bestanden!

Duncans Reaktion war wie erwartet. Keks! Meine kleine Schülerin war sehr glücklich und sofort bereit, den Test für die Kamera zu wiederholen.

Danach hatte ich noch ein Angebot, was noch schlimmes passieren könnte: er könnte zu dir kommen und dich umrennen oder umschubsen. Was machst du um das zu verhindern? In die Luft springen, mit den Armen wedeln und schreien, wenn du ihn auf dich zukommen siehst. Ok.

Und jetzt überlegen wir, ob noch etwas schlimmes passieren könnte. Keine Idee mehr. Dann nehmen wir uns jetzt noch ein paar Momente und malen uns aus, was denn passieren SOLL. Was ist das BESTE was passieren kann? Damit du dieses Bild im Kopf hast und er das an deiner Körpersprache sehen kann.

Nach dieser Besprechungs- und Test-Reihe konnte sie ihn ohne Angst traben lassen. Und ich bin froh, denn sie hat nicht einfach MIR geglaubt, sondern das Pony kennengelernt, eingeschätzt und einen kleinen Test gemacht. Gerade so, wie ich es persönlich auch mache, bevor ich etwas mit einem mir unbekannten Pferd tue.

Horrorszenarien im Kopf sind nicht dazu da, weggewischt zu werden. Anschauen, auseinanderbauen, Wahrscheinlichkeiten abwägen, Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und Tests durchführen. Wenn dann alles ok ist und noch viel Angst übrig bleibt, kann man die Aufgabe immer noch in kleine Häppchen zerlegen. Wenn danach noch Angst übrig bleibt kann man entweder sagen „ich mache es trotz Angst“ oder man holt sich Unterstützung, die kompetent ist, bei übertriebenen Ängsten zu helfen. Aber vorher finde ich es ganz wichtig, festzustellen, ob die Angst nicht vielleicht begründet ist. Und ihre Ängste waren aufgrund ihrer Vorerfahrung sogar sehr begründet, nur eben nicht für Duncan.

Ich wünsche mir so sehr, dass kein kleines Mädchen, das Ponys liebt, solche Erfahrungen machen muss wie sie. Anfänger (egal welchen Alters) brauchen Anfänger-geeignete Pferde!! Und gleichzeitig bin ich unfassbar stolz auf meinen kleinen großen Ritter, der ihr so fein hilft mit seiner beständigen, verlässlichen Art – und das wo er selbst erst 6 Jahre alt ist.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 29. Januar 2025

Dann will ich mal auflösen! Ihr habt ja wild herumgeraten. Also Diego wiegt 595 kg und ich wiege 393kg (zumindest war das am Sonntag so und ich möchte darauf hinweisen, dass wir beide mit viel Mühe und Liebe so geäppelt haben, dass zwei so schöne Zahlen dabei rauskamen!).

Mein Mädchen war ganz überrascht, denn das heißt, dass ich seit dem letzten Wiegen Ende Oktober 23 kg abgenommen habe! Und jetzt findet sie mich eigentlich schon fast etwas zu schlank. Es ist ja unter dem Pelz wirklich schwer zu beurteilen und natürlich verliere ich im Winter auch immer etwas Muskelmasse, weil mein Mädchen ja einfach nicht so richtig wettertauglich ist und wir viel weniger ausreiten gehen. Aber 23kg in 3 Monaten fand mein Mädchen verdächtig. Also hat sie sich zu hause gleich hingesetzt und sich mit Rationsberechnung beschäftigt. Sie hat gejammert und geflucht und war ganz frustriert, weil das nämlich gar nicht so einfach war und sie nachher Kopfschmerzen hatte. Bei der Berechnung kam nämlich raus, dass unser Diät-Heu so wenig Eiweiß hat, dass sie es voll schwer findet, das vernünftig auszugleichen, ohne dass ich dann gleich dick und fett werde. Sie wusste, dass da zu wenig Eiweiß für uns drin ist, aber es mal schwarz auf weiß zu sehen, WIE VIEL da fehlt hat sie ein bisschen erschreckt. Aber jetzt kommen die guten Nachrichten für mich: Rationserhöhung! Und das heißt meine Schüssel ist jetzt viel besser gefüllt als vorher. Das gefällt mir!

393kg
595kg

Für Diego hat mein Mädchen noch nicht gerechnet. Der sieht im Moment gut aus, er bekommt ja auch noch anderes Extra-Heu und zwei Schüsseln am Tag (ich nur eine – unverschämt!). Eigentlich braucht er nicht mehr auf den Rippen, nur Muskulatur muss da dran. Und da die Tage ganz langsam etwas länger werden, soll das jetzt auch ernsthaft wieder losgehen. Also ist mein Mädchen ihn gestern gleich mal ein bisschen auf dem Platz geritten und hat festgestellt, dass sie voll aus der Übung ist, so ein großes, schwungvolles Pferd zu reiten. Und Diego ist voll aus der Übung mal ein paar Kurven mehr zu traben. Aber das kommt sicher auch wieder.

Nachher, als sie auf meinen Rücken geklettert ist, fand sie mich plötzlich wieder klein und schmal – alles eine Frage der Gewohnheit! Mein Mädchen hat ein paar Tonnen aufgestellt, die sie netterweise geschenkt bekommen hat. Zum Aufwärmen hat sie mich da frei drum herumlaufen lassen.  Ich hatte aber ein paar andere Ideen, was man mit so einer Tonne noch alles machen könnte (umschmeißen und die Beine darum verknoten fand ich lustig. Mein Mädchen hat gelacht und fand mich ein bisschen verrückt. Ich mag das wenn sie lacht!) Später sind wir dann drum herumgeritten und sie war ganz angetan von meiner verbesserten Kurvenlage (daran haben wir in den letzten Wochen viel geübt).

Neuer Sport: Tonnen umkreisen

Und jetzt lassen Diego und ich unsere Muskeln wieder wachsen, damit wir im Frühling startklar sind, wenn die großen Ausritte starten.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit der erhöhten Futterration

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 27. Januar 2025

Sonntag ist Ausflugstag – so will es das Gesetz! Leider hat die Erfahrung mich aber gelehrt, dass mein Mädchen sich nicht immer an dieses Pony-Gesetz hält. Und so richtig eine Handhabe hat man ja gegen so ein ungebührliches Verhalten als Pony leider nicht. Ich funkel sie dann immer böse an und dann schämt sie sich wenigsten ein bisschen. Oder ich gucke sehr enttäuscht, dann ist sie traurig.

Na, wie dem auch sei, gestern war ja wieder Sonntag. Diego und ich haben beobachtet, wie die Menschen die Wackelkiste startklar gemacht haben. Aaaaaaah ein feines Abenteuer! Ich kann es fast schon riechen!

Super! Die Menschen bereiten die Wackelkiste vor!

Aber dann passierte etwas ungeheuerliches: sie haben vergessen, uns mitzunehmen! Sind ohne uns vom Hof gefahren! Ich stand fassungslos an der Stalltür und konnte meinen Augen nicht trauen. Mein Mädchen mit der Wackelkiste weg und der Mann mit seinem Auto hinterher. Das darf doch nicht wahr sein!

Es war nichts zu wollen, sie waren weg, also haben wir beschlossen, ein kleines Nickerchen einzulegen. Kaum waren wir fertig mit nickern, da waren die Menschen auch schon wieder da (ohne Wackelkiste). Nun wurden wir angezogen und gesattelt – Gott sei Dank, doch noch ein Abenteuer! – und dann ging es los. Mädchen, ich will links vom Hof! Nein, es ging rechts. Menno. Aber egal, Hauptsache es geht los. Den ersten Teil sind die Menschen zu Fuß gegangen, dann sind sie aufgestiegen. Mein Job war derselbe wie immer: meinen schnellstmöglichen Schritt gehen, damit ich den gemütlich dahinschlendernden Diego nicht ganz am Horizont verliere. Seufz. Aber mein Schritt wird flotter, das finden auch die Menschen. Es ging die altbekannte Strecke nach Kleinvollstedt. Wollen wir nicht mal da abbiegen? Wenn ich sowas vorschlage ist mein Mädchen immer ein bisschen traurig, denn viele von diesen Wegen, die so verlockend aussehen, enden alsbald irgendwo im Nirgendwo. Also ging es weiter auf den alten ausgetretenen Pfaden Straßen. In Kleinvollstedt allerdings sind wir dann an einer Stelle geradeaus gegangen, wo wir eigentlich sonst immer abbiegen. Ganz hintenrum ging es, ich war da schonmal, aber noch nicht oft. Und dann ging es über die große Straße. Da waren wir auch schon, aber wir sind da nicht hin gelaufen, sondern mit der Wackelkiste hin gewackelt worden. Ich weiß: hier links geht es zu der Autobahnbrücke wo wir ein paarmal geübt haben! (Wird auch mal wieder Zeit, findet mein Mädchen, aber Lust hat sie nicht so recht…). Diesmal ging es aber gar nicht links, sondern rechts und dann über den Gruselhof. Ach, an den erinnere ich mich noch. Da waren wir mal im Zuge so eines Autobahntrainings. Das ist 4 Jahre her! Am Gruselhof habe ich meinem Mädchen nach oben gefunkt, dass es mich gruselt. Da ist sooooo viel lautes Zeug und sooooo viele Rinder in einem Pferch und es riecht komisch… also ist mein Mädchen netterweise abgestiegen und der Mann hat es ihr gleichgetan. Diego war derweil etwas langsam geworden. Er hat mir erklärt, dass er diese Strecke mal mit meinem großen Bruder gelaufen ist. Und das man dann einen kleinen Kringel reitet und dann all die vielen Kilometer wieder zurück nach hause laufen muss! Das war ihm zu viel. Er ist ja noch nicht wieder auftrainiert und fand, er sollte seine Kräfte doch lieber so einteilen, dass er es auch wieder zurück schafft. Aber der Mann hat ihm gut zugesprochen und ihm gesagt, dass er NICHT alles wieder nach hause laufen muss. Hat Diego ihm aber nicht wirklich geglaubt. Als wir an dem Gruselhof vorbei waren, sind die Menschen wieder aufgestiegen und wir wollten noch ein kleines Stück durch den Wald traben. Aber da kam ein Auto. Dann antraben. Auto! Schritt. Wieder antraben. Auto! Schritt. Wieder antraben. Auto! Was soll das denn? Und als alle Autos vorbei waren, tauchten vor uns drei Reiter auf, die in unsere Richtung ritten. Das eine Pferd wurde nervös, als es uns bemerkte, also war klar: wir bleiben im Schritt. Wir waren aber schneller als die und hatten sie dann bald eingeholt und auch überholt. Danach noch etwas weiter im Schritt bis wir schließlich weit genug weg waren um schließlich doch noch ein Stück zu traben. Auch schau an, den Hof da hinten, den kenne ich doch! Da waren wir mal als ich noch winzig klein war! Oh das war aufregend, so viele fremde Pferde! Heute bin ich da ja etwas entspannter. Klar, interessant sind die alle immer noch, aber ich kann damit besser umgehen.

Und was war da noch? Unsere Wackelkiste! Diego war ganz erleichtert. Wir haben die Sättel runter bekommen und der Mann hat Diego sogar noch die Hufschuhe ausgezogen. Warum, das stellte sich kurze Zeit später heraus. Auf dem Hof gibt es nämlich jetzt eine Pferdewaage und da sollten wir drauf. Ihr dürft schätzen, was wir beide so wiegen!

Was die Waage wohl anzeigt?

Mein Mädchen meinte, man müsste ja auch die 5 Äppelhaufen noch drauf rechnen, die wir unterwegs haben liegen lassen, aber ich finde das unfair. Was weg ist, ist doch weg! Zu hause hat sie übrigens einen Äppelhaufen abgewogen, weil sie wissen wollte, wie viele Kilos wir wohl unterwegs am Straßenrand drapiert haben (jetzt dreht sie völlig durch). Der Haufen den sie gewogen hat, war 1,2kg schwer.

Nach dem Wiegen ging es dann ab in die Wackelkiste und wir konnten gemütlich schmausend nach hause fahren. 10,2 km in knapp 2 Stunden haben wir gemacht. Für Diego reicht das, mehr schafft er noch nicht. Ich bin dann gut warmgelaufen und mein Mädchen war hoch zufrieden mit meiner Performance. Ich auch. Feines Abenteuer, gerne wieder!

Euer abgewogener Sir Duncan Dhu of Nakel (na, wie viel schätzt ihr?)

Energie

„Raketenwetter“ oder auch „Drachenpferd“ – es ist Winter, manche Pferde haben deutlich mehr Laufbedürfnis als im Sommer. Und das liegt nicht daran, dass die irgendwie eingesperrt wären, die meisten leben genauso wie im Sommer. Aber das Wetter macht sie einfach „wild“. Von allen Seiten höre ich, dass es nicht nur beim Ritter „kribbelt“. Während das bei manchem ruhigeren Kandidaten sogar ganz angenehm sein kann (Merlin bin ich immer am liebsten geritten wenn es unter 5 Grad war und auch heute ist das noch seine Wohlfühltemperatur), wird manch anderer dann eher unkontrollierbar.

Wenn ich als Ausbilderin komme, wird von mir oft erwartet, dass ich das Energieniveau des Pferdes auf magische Art und Weise sofort regulieren kann – rauf oder runter, je nachdem was der Mensch gerade möchte. Und erst jetzt wird mir so richtig bewusst, was wir da von unseren Pferden eigentlich verlangen. In so einer Herde ist das Energielevel oft gut eingespielt. Je nach Tageszeit, Wetter und Jahreszeit ist da mal mehr, mal weniger Action. Meist wird gemeinsam geruht, gemeinsam gerannt oder gewandert. Und dann komme ich als Mensch und habe meinen ganz eigenen Plan. An einem Tag ist so schönes Wetter, da möchte ich gern einen feinen Ausritt machen. Mein Pony hat aber beim ersten Sonnenschein nach 3 Tagen eigentlich eher ein Nickerchen in der Mittagswärme geplant. An dem Tag hingegen, an dem es krachkalt und neblig ist, möchte ich als Mensch nicht so lang draußen sein und plane daher eine kürzer Einheit – dabei wäre das für mein Pony vielleicht eher der Tag an dem man mal 3 Stunden loszieht. Mensch und Pferd sind sich da einfach von Natur aus so gar nicht einig und das kommt im Winter besonders zum tragen (weil wir Menschen eben keinen vernünftigen Pelz haben, wie Duncan immer wieder feststellt).

Ich versuche immer, Kompromisse zu finden. Wenn mir kalt ist und mein Pony flitzen möchte, nehme ich ihn an die Longe und laufe selbst viel mit. So wird mir warm und er kann sich austoben. Wenn die Sonne scheint und es sehr warm ist, gehen wir viel Schritt, meist wird er dann munter wenn er schwitzt und sich darüber abkühlt. An ganz schwierigen Tagen habe ich mit Duncan zum Glück immer die Möglichkeit, wippen zu gehen. Egal wie überdreht er ist, das kriegt er einigermaßen hin. Und auch wenn er ein bisschen müde war, wacht er beim Anblick der Wippe sofort auf.

Auch diesen Winter sehe ich ihm den Energieüberschuss am ehesten an seiner Laune an. Er meckert dann sehr rum wenn ich Heu füttere und wirkt mit der Gesamtsituation unzufrieden. Man möchte ja meinen, dass Offenstallpferde sich selbst austoben können, aber sie tun es eben nicht so richtig. Ein bisschen wie Kinder, die nicht so richtig wissen, was sie mit sich anfangen sollen.

Damit ich als Mensch meine Pläne verfolgen kann und weil ich nun mal diejenigen mit den Terminen und der Uhr bin, wird mein Pferd lernen müssen, sich anzupassen. Klar kann ich auch auf Wünsche eingehen, aber wenn ich zum ausreiten verabredet bin, kann ich manchmal nicht warten, bis mein Pony ausgeschlafen hat. Und wenn er gerne nur galoppieren möchte, der Boden aber einfach zu rutschig und mir das deshalb zu gefährlich ist, wird er sich auf Trab beschränken müssen. Und wenn alles vereist ist, dann sind wir auf unsere winzige Halle beschränkt, in der auch nicht viel mit Tempo los ist. Dann ist Kopfarbeit das Mittel der Wahl. Ich komme ihm so weit wie möglich entgegen, aber letztlich muss er lernen, sich anzupassen. Seine eigene Energie zu regulieren, sich runter zu regeln oder ein bisschen aufzuwachen. Am einfachsten ist es sicher, wenn wir als Menschen immer ein ähnliches Energieniveau möchten. Das ist leicht, wenn jemand sehr gleichmäßig arbeitet, also z.B. viel reitet und longiert, so dass immer viel Bewegung im Spiel ist oder umgekehrt eher viel Hand- und Bodenarbeit im Schritt macht, so dass es immer ruhig zugeht. Wenn ich mein Pony hole, weiß er aber oft nicht, was gefragt ist. Und das was gefragt ist, reicht von Handarbeit im Schritt bis zu 15km flottem Ausritt weitgehend im Trab und Galopp. Ich denke, dass er inzwischen gelernt hat, sowohl am Equipment, als auch an der Vorbereitung und meiner eigenen Stimmung zu erahnen, was wohl auf dem Programm stehen könnte. Ansonsten gebe ich ihm eben die Zeit, die er braucht, um sein Energieniveau anzupassen. Wir alle kennen das vielleicht vom Sport: erstmal anfangen, das dauert, bis der Körper sich darauf eingestellt hat, dass jetzt mehr Energie gebraucht wird. Aber nach einer Weile geht es dann. Wenn zu viel Überschuss da ist, baue ich erst etwas Kopfarbeit und Konzentration ein oder versuche, das „Überdruckventil“ gerade so zu regulieren, dass er laufen kann, aber nicht durchdreht.

Manchmal schätzt einer von uns (oder wir beide) die Situation aber auch falsch ein.  Als wir gestern in Begleitung der Kutsche unterwegs waren, hatte ich vermutet, dass wir ordentlich Gas geben müssen um mitzuhalten. Aber dem war nicht so, Eria war eher langsamer als wir, im Schritt so wie im Trab. Also war plötzlich angesagt, das Tempo nach unten zu regulieren, das stieß bei Duncan zunächst auf Verwirrung. Und ich meine wirklich Verwirrung, denn Energieüberschuss hatte er nicht, er war ganz entspannt. Er hatte sich nur auf ein flottes Workout eingestellt, das dann keines wurde. Auch solche Dinge passieren, gerade wenn man mit anderen unterwegs ist die man noch nicht so gut kennt.

Ich glaube, die Fähigkeit, zu einer beliebig von außen vorgegebenen Zeit Energie bereitzustellen oder sich zu entspannen ist eine wesentliche Fähigkeit um gut zurechtzukommen im Leben – sei es als Mensch oder als Pony. Und ich möchte der Entwicklung dieser Fähigkeit mehr Aufmerksamkeit widmen. Wenn jemand Trainer oder Bücher zum Thema kennt, her mit den Tipps.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 22. Januar 2025

So, ein Abenteuer war ja für heute versprochen, da habe ich mich gleich morgens am Stalltor eingeparkt und alles ganz genau beobachtet. Mein Mädchen hat allerhand Zeug ins Auto geräumt, unter anderem meinen Sattel. Juhuu! Dann hat sie mich rausgeholt und mir die vorderen Hufschuhe angezogen. Aber dann war alles falsch: wir sind nur am Halfter mit der Longe auf den Reitplatz gegangen und ich sollte eine Runde traben und eine Runde galoppieren und schon war der Spaß vorbei! Hey! Das ist doch kein Abenteuer! Also habe ich weiter am Stalltor gestanden. Und siehe da: die Wackelkiste kam zum Vorschein. Na geht doch! Ich durfte einsteigen und los ging es. Wo wir wohl hinfahren? Ach, da ist ja Ritter Willibald! Aber der stand im Paddock und mümmelte Heu. Am Anbinder stand seine Frau Eria, eine große Scheckstute. Und in der Einfahrt stand eine Kutsche! Der Mann hat dann mit dem Mädchen von Eria das ganze Fahrgeschirr an sie dran getüddelt, während mein Mädchen mich gesattelt hat. Weil der Mann ja noch keine Ahnung hat, hat er sich alles zeigen und erklären lassen – das hat vielleicht gedauert! Ich stand derweil mit meinem Mädchen da so rum. Hab mir mal die Kutsche angeschaut und durfte mal Willis Fahrgeschirr anprobieren (der kann nämlich auch die Kutsche ziehen, nur heute hatte er frei).

Willis Geschirr war doch bisschen groß.
Eines Tages kann ich das auch!

Dann war endlich alles fertig und los ging es: der Mann mit Erias Mädchen auf der Kutsche, Eria vor der Kutsche und mein Mädchen und ich hinterher. Meinem Mädchen war kalt vom Warten, also ist sie erstmal zu Fuß gegangen. Als wir dann in den Wald kamen, wollte sie aufsteigen, hat aber den Kutschfahrern gesagt, sie brauchen nicht warten, sie übt das jetzt mit mir. Also mein Job war, stehenzubleiben, während die Kutsche weiterfährt. Kann ich. Ganz geduldig bis mein Mädchen oben ist und alles sortiert hat. Keks, dann aufs Kommando warten und dann durfte ich nachtraben. So ging es durch den Wald, mal im Schritt und mal im Trab. Zwischendurch durfte der Mann Erias Leinen nehmen, da hatte mein Mädchen schon Sorge, dass es jetzt wild werden könnte, aber Eria ist sehr anständig und hat das alles mit Fassung getragen. Das Tempo war angenehm, oft war es mir im Trab sogar zu langsam. In der Gegend sind ein paar Berge und da kann so eine Kutsche doch mal schwer werden, scheint mir.

 Mein Mädchen war ganz entzückt, wie fein ich das alles gemacht habe. Nur zum Schluss gab es noch ein bisschen Diskussion, denn Eria durfte noch ein Stück galoppieren und ich habe dann auch die Erlaubnis bekommen für den dritten Gang. Aber kaum hatte ich den eingelegt, stand mein Mädchen auch schon wieder auf der Bremse und wollte „Reisegalopp“. Pah. Und dann war das Vergnügen auch schon wieder vorbei, weil Eria durchpariert hat. Naja. Mein Mädchen meint, das üben wir dann nochmal. Ich erinnere mich doch genau, wie fein wir im Sommer einfach kilometerweise galoppiert sind – wenn ich mal losgelaufen bin, will ich doch nicht gleich wieder bremsen! Naja, trotzdem war es ein schöner Ausflug und mein Mädchen war sehr zufrieden. Als wir ungefähr 8 oder 9km später wieder angekommen waren, hat sie mich an der Wackelkiste angebunden, mir den Heusack vor die Nase gestellt und mir meinen roten Schlafanzug übergezogen, weil ich doch etwas geschwitzt hatte (Winterpelz und so). Ich stand da ganz allein (die Menschen haben mich von weiter weg beobachtet), auch als ein großer Trecker kam. Und der Mann (der Mann! Der kritischste, anspruchsvollste Mensch unter der Sonne!) hat mich sehr toll gefunden, weil ich das ganz gelassen beobachtet habe, wie der Trecker da vorbeifuhr.  Sehr erwachsen fand er das und mein Mädchen ist fast geplatzt vor Stolz.

Ein interessanter Ausflug war das!

Dann hab ich mich wieder nach Hause wackeln lassen und meinen Kumpels erzählt, was das für ein interessanter Ausflug war und wie cool ich das alles gemacht habe mit fremdem Pferd in weitgehend fremdem Gelände hinter der Kutsche her. Voll der Große bin ich nämlich und ich kann sowas, jawoll!

Euer sehr erwachsener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 21. Januar 2025

Letzte Woche war nicht viel los.

Am Freitag hat mein Mädchen mir wieder ein In-Out aufgebaut. Ich wusste ja jetzt wie das geht und wollte mal zeigen, wie schnell ich galoppieren kann. Hab mich flach und lang gestreckt, die zwei Hopser im Turbo-Tempo erledigt und wollte dann meine wohlverdiente Lobeshymne inklusive Keks. Aber mein Mädchen fand das albern und meinte, das wäre hier kein Zeitspringen und ich soll mal weiter galoppieren und im Takt bleiben. Pah! Wenn sie so lustig versucht, neben mir her zu laufen im Galopp, das spornt mich einfach an, ihr zu zeigen, WIE langsam sie eigentlich ist! Da kann ich nicht anders, das muss sie schon einsehen. Naja, nach ein paar Runden ging es dann und ich hab ein bisschen ruhiger gemacht – wenn sie das denn unbedingt so will…

Am Sonntag haben die Menschen ausnahmsweise gearbeitet, deswegen kein Ausritt. Menno. Dafür haben wir auf dem Platz ein bisschen reiten geübt. Wenn mein Mädchen und ich reiten, dann üben Diego und der Mann jetzt oft fürs Kutsche fahren. Diego findet das super, weil es sehr gemütlich zugeht. Nur im Schritt. Sie üben wenden und anhalten und losgehen – Diego kann das ja natürlich alles längst, aber der Mann übt, sich nicht in den Leinen zu verheddern und gut auszusehen dabei. Diego und ich haben immer Spaß, wenn wir zusammen auf dem Reitplatz sind, weil wir dann nicht nur unserem eigenen Menschen Kekse aus der Tasche ziehen, sondern auch noch dem jeweils anderen. Das ist lustig und erhöht die Keksrate!

Wir üben reiten, die beiden üben fahren.

Und gestern kam dann meine kleine Freundin wieder. Ach herrje, die hat vielleicht gefroren! Meine Menschen haben ja zwar keinen eigenen Winterpelz, ziehen sich aber einen an. Meine kleine Freundin hat da wohl noch nicht so viel Erfahrung und hatte sich nur so eine Art „Araber-Pelz“ angezogen anstatt eines Pony-Pelzes. Mein Mädchen hatte Mitleid mit ihr und hat ihr schnell noch eine Jacke von sich übergezogen. Das sah lustig aus! Während sie ihre Hände unter meiner Mähne gewärmt hat (bittesehr, gern geschehen), hat meine kleine Freundin gefragt, ob mir denn auch kalt sei. Pah! Da zeigt sich, wie wenig Ahnung ihr Menschen von ordentlichen Pelzen habt. Sieht man doch, wie kuschlig warm mir ist.

Meine kleine Freundin ist im geliehenen Winterpelz versteckt!

Wir haben wieder fahren vom Boden geübt, weil meiner kleinen Freundin das so viel Spaß gemacht hat. Und diesmal ging es schon sehr viel besser! Wir haben das jetzt schon ganz gut drauf, sie und ich. Mein Mädchen steht weiter weg am Rand und gibt mir manchmal Hinweise mit ihrer Stimme, aber ansonsten machen meine kleine Freundin und ich das alleine klar: rechts um die Kurve, links um die Kurve, anhalten. Und wenn wir die Kurve verpasst haben: rückwärts und neu anfangen. Ich habe mich so doll konzentriert, dass mir fast der Kopf geraucht hat. Am Ende kommt ja dann immer das Beste: die Möhrenparty! Ich hab das jetzt raus: meine kleine Freundin geht erst weg und wenn sie wieder kommt, hat sie den magischen Tupper in der Hand. Mann, ich war schon ganz aufgeregt als sie wegging und habe meinem Mädchen in einer Tour erzählt, was jetzt gleich passieren wird! Da hat sie gelacht und sich gefreut, dass ich meine kleine Freundin so toll finde. Klar, wie kann man einen Menschen mit einem Tupper voll Möhren nicht toll finden?

Für morgen hat mein Mädchen mir ein Abenteuer versprochen. Wird auch mal wieder Zeit, es fängt schon wieder an, so zu kribbeln… also drückt mir die Daumen, dass das was wird!

Euer erwartungsvoller Sir Duncan Dhu of Nakel

Ein Freund, ein guter Freund

Neulich habe ich in einem Podcast  eine schöne Umschreibung gehört für das was Elsa „in Harmonie gehen“ nennt. Sie lautet: „verhalte Dich wie ein Freund“. Und ist es nicht das, was wir alle sein wollen? Ein Freund für unser Pferd? Im Freedom Based Training ist die Definition dieses Verhaltens klar umrissen, aber Freundschaft hat viele Gesichter und auch die, die kein FBT machen, können diesen Satz für sich mal durchdenken.

Wie verhält sich denn ein Freund? Ein Freund ist zum Beispiel jemand, der mit uns gemeinsame Aktivitäten unternimmt auf eine Art und Weise die sich für uns beide gut anfühlt. Wenn ich mit meiner Freundin ausreiten gehe, dann haben wir ähnliche Vorlieben, einen ähnlichen Rhythmus. Wir nehmen aber auch Rücksicht aufeinander, um diesen gemeinsamen Rhythmus herzustellen. Das ist ein Teil der Freundschaft. Ein anderen Teil von Freundschaft ist für mich, dass ich versuche, die Bedürfnisse des anderen wahrzunehmen und zu erfüllen. Wenn meine Freundin mich bittet, keinen Knoblauch an die Salatsoße zu tun, dann merke ich mir das. Ich werde es nicht nur dieses Mal machen (das ist selbstverständlich), sondern ich werde es nächstes Mal von selbst nicht tun. Ein Freund ist auch mein Mann, der mir ansieht, wann ich eine Tasse Tee gebrauchen könnte und mich dann fragt, ob er mir eine machen soll. Er kommt mir dabei zuvor bei der Erfüllung meiner Wünsche (ich könnte mir den Tee ja auch selbst kochen).  Und dann geht es noch eine Stufe weiter: manchmal, wenn ich nach hause komme, hat er mir schon eine Tasse Tee hingestellt. Weil er weiß, dass ich nach vielen Stunden im Kalten gern einen heißen Tee trinken möchte. Der Tee „köchelt“ dann auf dem Stövchen und ist für mich ein großes Geschenk von einem wunderbaren Menschen, der an mich gedacht und meinen Wunsch vorausgesehen hat. Er kennt mich eben gut!

Bei Duncan habe ich ein Beispiel gefunden, an dem ich es gut erklären kann: Popo kratzen. Duncan wird in der Regel nicht gern gekratzt. Er ist nicht so ein Anfass-Typ. Als seine Freundin weiß ich das und fasse ihn nur dann an, wenn es nötig ist. Aber es gibt eine Ausnahme: wenn er Winterfell verliert. Wir haben festgestellt – er und ich – dass es dann ein paar Tage oder Wochen gibt, an denen er gern oberhalb der Schweifrübe gekratzt wird. Das ist ein sehr kleiner Bereich vom Pferd und eine sehr kurze Zeit im Jahr in der er das mag. Letztes Jahr hat er herausgefunden, wie er mir sagen, kann, dass er da jetzt gekratzt werden will: er dreht den Po in meine Richtung (ohne mir nah zu kommen) und schaut sich dann zu mir um und macht eine „Genusslippe“. Klare Ansage! Der Bitte komme ich natürlich gerne nach. Ich verhalte mich wie eine Freundin. Dieses Jahr möchte ich versuchen, den Zeitpunkt zu erhaschen, zu dem es anfängt. Ihm gelegentlich anbieten, dass ich ihn kratzen könnte, noch bevor er mich danach fragt. Er kann dann ja sagen oder nein, es ist ja nur ein Angebot. So als würde mein Mann sagen „möchtest Du eine Tasse Tee?“. So kann ich Duncan zeigen, dass ich seine Bedürfnisse im Blick habe. Es ist nur ein kleines Beispiel, aber eines an dem ich es gut sehen kann. Ein Freund ist jemand, der Wünsche erfüllt die du aussprichst. Ein noch besserer Freund, der dich gut kennt, ist jemand, der Deine Wünsche schon erahnt und vorab anbietet, sie dir zu erfüllen.

Der Grat ist schmal. Ich habe mal ein paar mal einen jungen Mann gedatet, der beobachtet hatte, dass ich beim ersten Essen gehen einen KiBa trank und danach meinte, das würde ich so wollen. Da wurde ein KiBa für mich bestellt, ohne dass ich gefragt wurde, und das hat mich doch massiv gestört. Er kannte mich einfach noch nicht gut genug, bildete sich aber ein, mich zu kennen. Er hat versucht, sich wie ein guter Freund zu verhalten, obwohl er das noch gar nicht war, und das funktioniert eben so nicht. Das kann auch beim Pferd ganz schön nach hinten losgehen. Wenn wir echte Freunde sein wollen, liegt es also an uns, zu überprüfen, was wir denn schon wirklich über unser Pferd wissen und wo wir vielleicht falsche Schlüsse gezogen haben. Ein guter Freund ist man nicht, indem man einfach nur nett ist. Ein guter Freund zu sein bedeutet echtes „Investment“. Sich Mühe geben, beobachten, nachfragen, zuhören, es ernst meinen. Egal, ob mein Gegenüber ein Mensch ist oder ein Pferd.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 12. Januar 2025

Sonntag! Und heute hat der Sonn-Tag seinem Namen wirklich alle Ehre gemacht: die Sonne hat den ganzen Tag wie verrückt geschienen. Und das heißt: Ausfluuuuuuuug! Das wurde aber auch wirklich mal Zeit! Das Anziehen hat wieder eine halbe Ewigkeit gedauert. Mein einer Hufschuh hat rumgezickt, da war eine Schraube lose und gepasst hat er auf mysteriöse Art und Weise auch nicht mehr. Außerdem war mein Mädchen unsicher bei der Wahl ihres Pelzes. Unsereiner hat da keine Wahl. Und da es heute nach kalt wird, hat mein Mädchen auch entschieden, dass wir nicht entpelzt werden.

Als endlich alles fertig war, ging es los. Ach, das tat gut, die Beine mal wieder zu strecken. Diego und ich waren bestens gelaunt. Als wir dann einen kleine Trab einlegen wollten, hat Diego mal gezeigt, was in ihm steckt. Ich schwöre, der ist nicht getrabt, der ist geflogen! Ich wusste gar nicht wie mir geschieht. Habe dann – mit Erlaubnis von oben – einen schönen Reisegalopp angestimmt bis wir Diego wieder eingeholt hatten. Aber viel getrabt sind wir heute nicht, denn es war ein Schritt- Ausritt für die Grundkondition geplant. Die kleinen Trabstrecken dienten nur der Auflockerung. Wir haben die Zwei-Dörfer-Tour gemacht. Also erst rüber nach Kleinvollstedt – das muss das längste Dorf der Welt sein! Dort sind die Menschen abgestiegen und zu Fuß gegangen, während ich Vorgarten-Watching gemacht habe. Dann bei den schönen Friesen vorbei, die sich wieder mächtig in Pose geworfen haben. Kurz danach wollten wir eine Graspause einlegen, aber das Wetter der letzten Wochen hat nichts übrig gelassen, was uns ernsthaft essenswert schien, und so ging es weiter, noch ein kleiner Trab durch den Wald, dann im Schritt durch den Sonnenschein. Wir sind einfach so gleichmäßig vor uns hin gelaufen, mal der eine vorne, mal der andere. Als wir schließlich in Groß Vollstedt waren, sind die Menschen nochmal zu Fuß gegangen. An der Rinderweide sind sie wieder aufgestiegen und den Rest nach hause geritten. 12,4km in gut 2 Stunden und am Ende war Diego doch rechtschaffen müde und fing an, etwas zu schlurfen, aber insgesamt hat er gut durchgehalten (ich ja sowieso) und mein Mädchen und der Mann waren hochzufrieden mit dem Lauf der Dinge. Ich habe noch ordentlich Dehnübungen verpasst bekommen, weil ich mich neulich wieder so schief gezogen hatte und jetzt wieder gerade werden soll. Und wenn die Muskeln so schön durchgewärmt sind, dann dehnt es sich bekanntlich besonders gut. Anschließend durften wir in der Sonne Heu schmausen und haben den Rest des Nachmittags verdöst.

Wochenend und Sonnenschein…

Ach, das war ein toller Sonntag! Jetzt ist mein Burgkoller kuriert und die Laune gerettet!

Euer gut durchgelüfteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Gute Vorsätze

Ich höre ja oft Podcasts. Und da kommt Anfang Januar das unvermeidliche Thema zur Sprache: gute Vorsätze und wie man dann wirklich dranbleibt. Ich habe das für mich selbst ja komplett aufgegeben, mir Vorsätze zu machen, das hilft mir gar nicht. Aber trotzdem möchte ich natürlich Dinge ändern und besser machen. Für mich ist es kein „am 1. Januar anfangen und dann durchziehen“, sondern ein immer wieder anfangen. Immer wieder den Faden verlieren, aber ihn dann immer wieder neu aufnehmen. Wie dem auch sei, in einem Podcast kam ein Tipp, der mich besonders angesprochen hat: mach Dein neues Ziel zur Priorität.

Da habe ich mich ertappt gefühlt, denn auch ich habe versucht, die neuen Ziele einfach in den bestehenden Alltag mit rein zu quetschen. Was bei mir oft zur Folge hatte, dass ich erst den Alltag bewältigt habe und dann zu müde war für mein neues Ziel. Das neue Ziel vorne an stellen und sich trauen, dafür auch ganz bewusst mal etwas anderes liegen zu lassen, ist für mich daher vielleicht der wertvollste Tipp zum „dranbleiben“ den ich bekommen habe.

Aber ich wollte ja über Ponys schreiben! Also sagen wir es so: im Internet, da gibt es diese perfekten Frauen. Vielleicht sind die im echten Leben ja auch so perfekt, das kann ich nicht überprüfen. Aber fest steht: die bringen mich auf die Palme. Eine schreibt, sie putzt ihre Pferde jeden Tag. Das ist voll wichtig, Fellpflege hilft vor allem im Winter gegen Parasiten und so. Leuchtet mir ein (vielleicht auch nicht, aber auf den Inhalt kommt es jetzt nicht so an). Nur: die Dame hat meines Wissens 4 Pferde. Die putzt sie alle jeden Tag? Da sind nach meiner Rechnung die ersten 1,5 Stunden schon vergangen. Wo nimmt sie die her? Denn trainiert werden die lieben Tiere ja auch alle mehrfach in der Woche. Und das alles während sie erfolgreich selbständig ist. Für mich, die ich leider wenig belastbar bin und sehr viel Schlaf brauche, ist so ein Pensum unvorstellbar. Ich weiß, andere brauchen viel weniger Schlaf und Pause als ich aber auch deren Tag hat doch nur 24 Stunden oder? Haben diese Frauen eine Haushaltshilfe, eine Putzfrau, eine Stallhilfe oder wie darf ich mir das denken?

Selbst wenn ich es wollen würde: Für mich wäre es völlig unrealistisch, mir jetzt vorzunehmen, alle unsere Ponys jeden Tag zu putzen. Zumindest wenn ich es mir ZUSÄTZLICH zu meinem normalen Pensum vornehmen würde. Ich müsste mir dann schon überlegen, wo ich die Zeit hernehmen soll. Und das heißt: etwas anderes muss liegenbleiben oder wegorganisiert werden.

Nun ist es nicht meine Absicht, die Ponys jeden Tag zu putzen, aber es gibt schon Dinge, die ich angehen will. Und gerade nachdem ich über Jahreszeiten und den Einfluss des Wetters nachgedacht habe, ist mir klar geworden: ich möchte mehr in Abschnitten arbeiten. Es gibt Zeiten, die dienen dem Ausreiten bzw dem Ausdauertraining. Es gibt Zeiten, da ist das Wetter nicht so oder es ist nicht viel Zeit, dann können wir uns mehr der Handarbeit widmen. In manchen Zeiten widme ich mich vielleicht intensiver der „passiven“ Beschäftigung mit Duncan: Huf- und Fellpflege, Dehnübungen, Freedom Based Training. Alles abhängig von Wetter, meiner Zeit, seiner Laune.

Was ich aber durch den Podcast nochmal ganz klar verstanden habe: ich kann nicht alles schaffen. An den Tagen, an denen Duncan dieses Kribbeln spürt und sich austoben muss, wird das Putzen ausfallen zugunsten einer ausgiebigeren Longen-Einheit. An den Tagen, an denen ich mich intensiv um seine Hufe und sein Fell kümmere, wird die Zeit nicht reichen, um noch zu reiten. Ich muss mich entscheiden (oder im Lotto gewinnen, um mehr Freizeit zu haben. Oder rausfinden, wie diese perfekten Super-Frauen aus dem Internet das machen). Bewusst etwas weglassen, um Platz für etwas anderes zu schaffen, anstatt zu versuchen, alles in einen Tag zu quetschen.

Und so dreht sich das Vorsatz-Blatt ein bisschen um: Gerade so, wie man ein Regal oder die berüchtigte Gerümpel-Schublade nur aufräumen kann, wenn man erstmal Sachen RAUS nimmt, bevor man was neues rein legt, möchte ich erstmal sehen, wo die Zeit und Energie herkommen können, die ich für meine neuen Vorsätze brauche. Was mache ich heute NICHT, damit ich stattdessen das machen kann, dem ich heute die oberste Priorität gegeben habe?

Wenn es um mein Pony geht, geht es dabei auch um seine Priorität für den Tag. Hat er großen Bewegungsdrang? Oder hat er dringend eine Hufpflege nötig? Ist er heute gut gelaunt und hat sowieso auf alles Lust? Ist er vielleicht auch einverstanden damit, heute nichts mit mir zu unternehmen? Was würde er weglassen, wofür würde er Platz schaffen, wenn es seine Entscheidung wäre? Ich kann mich nicht immer danach richten, aber manchmal schon.

Einen guten Vorsatz habe ich aber schon. Allerdings nicht erst seit dem 1.1.2025 sondern seitdem wir hier eingezogen sind. Damals haben Arnulf und ich vereinbart, die Zeit mit unseren Ponys als Priorität zu sehen und zu genießen, denn dafür machen wir das hier schließlich alles.