Der nächste Ausritt hat nicht lange auf sich warten lassen. Nachdem ich am Freitag erstmal beim Haus- und Hof-Osteopathen war (der hat mir schnell die Hüfte wieder gerade gemacht, keine große Sache, und er war sehr angetan, wie locker ich bin!), ging es am Samstag wieder auf Tour. Diesmal in Begleitung vom Rennesel.
Mein Mädchen kam recht früh (für ihre Verhältnisse), weil es schon wieder ziemlich warm zu werden drohte. Erstmal ging es zum Coiffeur für einen neuen Zopf, wegen der Wärme. Frisch frisiert bin ich fröhlich in die Wackelkiste marschiert und habe dem Rennesel großzügig etwas von meinem Heu angeboten – aber der wollte mal wieder nix. Kein Wunder, dass der so knochig aussieht, wenn er nie was futtert!

Wir kamen am Ponyhof raus, da kenne ich mich gut aus, da waren wir schon ganz oft. Satteln, einsprühen, diesmal ohne Decke los. Der Rennesel – der sich auch als Packesel ganz gut macht – hat meine Decke für den Notfall mitgenommen. Ha! Endlich schleppt mal ein anderer!
Erstmal wie immer ein Stück zu Fuß. Dann ist mein Mädchen auf meinen Rücken geklettert und es ging los. Rinderweide! Ich wollte schon ganz munter vorbeimarschieren, da hat mein Mädchen zum Mann gesagt, er soll mal hinter uns bleiben und sich raushalten. Moment mal! Ich ganz allein hier vorne? Und jetzt soll ich die ganze Verantwortung tragen, wenn da eine riesige Herde mit riesigen schwarz-bunten Kühen steht? Puh! Plötzlich kam ich mir doch etwas klein vor. Und was soll ich sagen: kaum war ich todesmutig an er ersten Kuh vorbeimarschiert (die mich sehr intensiv angestarrt hat), da kam die zweite angeflitzt und bockte auf den Zaun zu! Mädchen! Was soll ich denn jetzt machen! Weiteratmen, meinte sie. Aber ich war mir doch nicht so sicher. Nachdem ich mehrfach SOS nach oben gefunkt hatte, ist sie dann netterweise abgestiegen und hat die Verantwortung übernommen. Puh! Sie meinte aber, ich hätte das trotzdem toll gemacht und wir würden das jetzt einfach ein bisschen üben.

Dann kam eine ganze Weile nix aufregendes mehr – zum Glück! Ich bin fröhlich gemütlich vor mich hingetrabt und um uns herum summte und brummte es die ganze Zeit, dass es zum fürchten war! So lange man nicht durchpariert, können sie aber nicht landen, also einfach weiterlaufen! Mein Mädchen fand das bisschen eklig, wenn die Bremsen ihr ins Gesicht geknallt sind, aber besser als gebissen werden ist es allemal, da waren wir uns einig. Hier rechts! Das ist doch der Ochsenweg – und hier ist der Boden so schön. Da hat mein Mädchen einen Galopp vorgeschlagen und ich war sehr dafür. Erst musste ich mich bisschen eingrooven, aber dann hab ich meinen Rhythmus gefunden und bin zügig durchgaloppiert mit bis zu 20km/h. Mein Mädchen war stolz wie Bolle, weil ich das jetzt so toll kann! Und im Galopp hat man dann auch Ruhe vor den brummseligen Fliegviechern.
Nur einen Haken hatte das Ganze: nach dem Galopp hatte ich ordentlich geschwitzt und das lockte nur noch mehr von den fiesen Bremsen an! Aber nicht umsonst trage ich ja immer allerhand Zeug herum – unter anderem einen „Deo-Roller“ mit Stinkezeug, der die Viecher zumindest etwas von mir fernhält. Mein Mädchen hat mich eingeschmiert, während ich noch am Traben war, Durchparieren wollte ich lieber nicht! Der Mann hat dann den Roller genommen und mich während der Fahrt an den Körperstellen beschmiert, an die mein Mädchen nicht rankam. Sehr sportlich! Dann hab ich mich getraut, Schritt zu gehen und wir kamen dann auch in eine Gegend in der nicht so viele Bremsen waren. Aber mein Mädchen wollte gerüstet sein für den weiteren Weg und hat sich vom Mann einen schönen Zweig schneiden lassen.
Der hatte oben einen Griff und dann zwei schön belaubte Enden, die genau rechts und links über meinen Hals passten. Damit hat sie mich dann einfach in einer Tour abgestrichen – vorne, hinten, unten und dann wieder vorne, hinten, unten. Erst dachte ich, der Zweig sei zum Essen, aber dann habe ich den smarten Plan dahinter verstanden und mich abstreichen lassen, während wir im Schritt und Trab unterwegs waren. Im Galopp brauchte sie das nicht machen, da hat sie den Zweig schön hinter uns herwehen lassen.

Mein Mädchen ist sehr zufrieden mit dieser Version der Bremsen-Vertreibung und bietet solche Zweige jetzt kostengünstig zum Bestellen an. Vegan, rein biologisch abbaubar aus nachwachsenden Rohstoffen, passend für jedes Pferd vom Shetty bis zum Shire! Mit smartem Griff, leicht zu handhaben, für Rechts- und Linkshänder geeignet! Kann nach dem Ausritt auch direkt als Leckerli verfüttert werden. Wenn das kein Angebot ist! Jetzt zum unschlagbaren Einführungspreis von 20€ pro Zweig.
Naja, Spaß beiseite. Nach 11km, die wir mit einem Affenzahn hinter uns gebracht hatten, kamen wir an DEN Vorgarten. Also DER Vorgarten! Und da standen schon wieder zwei Stühle, zwei Wasserflaschen für die Menschen und ein großer Bottich mit frischem Wasser für mich bereit! Ich durfte dann den Rasen dort mähen, während die Menschen sich mal wieder ein leckeres Eis genehmigt haben. Ach, das war fein! Den Vorgarten merke ich mir, mein Mädchen hat mir schon angemerkt, dass ich niemals wieder ohne Vollbremsung dort vorbeigehen werde, nachdem ich jetzt ZWEIMAL leckerste Verpflegung dort genießen durfte.
Nach ausgiebigen, recht erfolgreichen Mäharbeiten meinerseits war es dann Zeit für den Heimweg. Die Wackelkiste war nicht weit entfernt und so ist mein Mädchen einfach den Rest mit mir zu Fuß gegangen. Der Mann hat uns nach Hause kutschiert und wir waren hoch zufrieden mit diesem schönen Ausritt.
Während mein Mädchen mir erzählt hat, dass manche Pferde 120km laufen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 km/h war sie sehr stolz auf unsere 11km mit 9km/h Durchschnitt. So schnell war das alles gar nicht geplant, aber manchmal haben Bremsen eine erstaunlich beschleunigende Wirkung!
War jedenfalls ein toller Ausflug ganz nach meinem Geschmack und ich muss sagen, ohne die Zebradecke komme ich doch besser klar mit der Hitze. Da will mein Mädchen jetzt nochmal nachbessern, damit es mir nicht immer so warm ist. Vorschläge sind uns willkommen!
Euer bremsenbeschleunigter Sir Duncan Dhu of Nakel