Nachdem wir dann eine ruhige Zeit hinter uns gebracht hatten – bisschen unterrichten, bisschen selbst das üben, was wir auf dem Kurs gelernt haben – wurde es Zeit für den nächsten Ausritt. Das Wetter war schön, nicht zu warm, nicht zu viele Vampire unterwegs. Also ab in die Wackelkiste und den Ausreitkumpel abholen! Mein Mädchen hat gesehen, dass ich meine neuen Hufschuhe bereits nach 370km ziemlich kaputtgelaufen habe und wollte die gerne etwas schonen. Sie meinte, die geplante Strecke müsste auch ohne Schuhe gehen, aber weil sie nicht ganz sicher war, wollte sie die Schuhe mitnehmen. Sie hat sie also an der Seite vom Sattel mit dem Karabiner festgemacht.
Ich bin ja gewohnt, alles mitzuschleppen, was sie und ich so brauchen. Wasser und Futter für sie, Erste-Hilfe-Set, Kacktüten, ein Wechselshirt für sie, Fliegenspray für mich, ihre Pipi-Hilfe (weil sie nicht ihren nackten Hintern in die Landschaft halten will). Aber wenn wir mit dem Ausreitkumpel unterwegs sind, nimmt das andere Ausmaße an! Plötzlich trage ich auch noch die Wasserflasche vom Mädchen vom Ausreitkumpel, sein Fliegenspray (als ob er nicht meins nehmen könnte!), und in diesem Fall auch noch seine Hinterhufschuhe, weil die ihn irgendwie mächtig gestört haben und er ständig mit den Hufen gestampft hat. Die hat mein Mädchen hinten in die Tasche gestopft, die Karabiner waren ja mit meinen Schuhen besetzt. Ich glaube, ich sollte mal ein bisschen Transportgeld verlangen für die ganze Schlepperei! Aber ich bin ja ein geduldiger Ritter und mache das alles mit ohne zu murren.
Los ging es in den schönen Wald! Diesmal voll verkleidet mit Maske und Decke, denn in dem Wald gibt es Hirschlausfliegen und ne Menge Zecken, da wollten die Mädchen lieber kein Risiko eingehen.
Kaum waren wir munter losmarschiert und hatten die ersten ein oder zwei Kilometer hinter uns, kam die Meldung vom Mädchen: „Hufschuh verloren!“. Hä? Ich hab doch gar keine Schuhe an? Also wirklich, das ist die hohe Kunst: Hufschuhe verlieren, die man gar nicht anhat! Da hatte einer der Schuhe sich vom Karabiner gelöst. Die Mädchen haben kurz beraten was zu tun ist und dann beschlossen, dass wir weiter reiten und den Hufschuh am Ende suchen, wenn wir zurückkommen. Den zweiten Hufschuh hat mein Mädchen dann lieber in der Packtasche verstaut, damit der nicht auch noch verloren geht.
Nach diesem Drama konnte es dann wirklich losgehen. Erstmal wieder nach bester Mädchen-Logik: sich beschweren, dass die Äste so nah am Wegesrand wachsen und ihr die Arme zerkratzen, aber wegförstern soll ich sie auch nicht. Ihr ist einfach nicht zu helfen! Ich war schön vorneweg, aber entgegen der Erwartung meines Mädchens war mir nicht nach sehr viel Tempo zumute. Am Abend davor hatte ich den Turbo auf dem Reitplatz gezündet und sie meinte, ich würde vielleicht mal ordentlich galoppieren wollen, aber mir war warm unter meiner Zebradecke und mir war nicht nach galoppieren. Na, auch recht, also waren wir die meiste Zeit im Trab. Alsbald kamen wir dann auf einen Teil der Strecke, den wir bei unserem großen Ausritt auch geritten sind. Der Ausreitkumpel und ich haben uns bang gefragt, ob die Strecke diesmal wohl NOCH länger werden soll als letztes Mal. Jedenfalls haben wir beschlossen, uns unsere Kräfte lieber gut einzuteilen.
Nach ein paar Kilometern kamen wir dann auch wieder in das Dorf – diesmal von der anderen Seite als letztes Mal. Und im Dorf hab ich ja immer was Wichtiges vor: da wird geäppelt! Weil das so einen lustigen Effekt hat. Erst flucht mein Mädchen, dann steigt sie ab und tüddelt ewig mit der Tüte rum und meistens geht sie danach zu Fuß weiter bis die Strecke wieder schöner wird. So verschaffe ich mir eine kleine Pause von der Schlepperei!
Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat so lang meine Zügel gehalten und wir Ponys waren soooooo artig. Kaum war mein Mädchen fertig mit einsammeln, ging es los: Motorrad! Motorrad! Motorrad! Motorrad! Motorrad! – hört das denn gar nicht mehr auf? Früher hab ich für jedes Motorrad einen Keks bekommen, was ist eigentlich aus dieser Regel geworden? Hau mal was raus, mein Mädchen! Hat sie dann auch. Sie wollte mit uns stehenbleiben, bis die ganzen Motorräder vorbei sind, aber es nahm einfach kein Ende und so sind wir schließlich losgegangen, während gefühlte 28947423 Motorräder an uns vorbeigefahren sind. Wir Ponys waren ganz unbesorgt, haben uns gelegentlich einen Keks geben lassen und schließlich kehrte auch wieder Ruhe ein. Zack! – Mädchen stolz.

Am Friedhof ist mein Mädchen dann wieder aufgestiegen – von der Bank, an der ich es ihr damals, vor 5 Jahren, schon angeboten hatte. Manche Angebote muss man wohl länger aufrechterhalten, bis sie angenommen werden!
Weiter ging es eine schöne gerade Strecke, da sind wir dann ein bisschen galoppiert, mein Mädchen und ich. Mein Ausreitkumpel durfte nicht galoppieren. Der war nämlich mal wieder in Hops-Laune und hatte seinem Mädchen schon ziemlich früh am Anfang des Ausritts einen ordentlichen Seit-Hopser zugemutet, bei dem sie fast den Abgang gemacht hätte und sich einen Muskel gezerrt hat. Jetzt war sie ihm böse und wollte, dass er ganz schnell trabt, dann kann er nämlich nicht so gut hopsen. Wenn er langsam galoppiert, macht er gern mal einen Zick-Zack-Parcours (jeder Anlass ist ihm recht: ein Baumstamm, ein Baumstumpf, ein böse aussehender Stein, ein gruseliger Grashalm…. So ist er eben!)
Wir sind also vorneweg galoppiert und mein Mädchen hat hart mit mir verhandelt, dass sie doch auch mal einen Rechtsgalopp will und nicht immer nur Linksgalopp. Aber mir fiel das schwer und als ich den Rechtsgalopp schließlich gefunden hatte, war er irgendwie nicht rund. Mein Mädchen hat sich also direkt eine mentale Notiz gemacht, dass ich zum Haus- und Hof-Osteopathen muss, weil da was nicht stimmt. Danach war ich auch irgendwie verklemmt und bin nicht mehr so recht vorangekommen. Es wurde ein zähe Angelegenheit, obwohl die Wege wirklich schön waren. Mein Ausreitkumpel war auch nicht mehr so recht gewillt, die Verantwortung zu übernehmen und vorneweg zu gehen. Und dann sind wir auch noch am üblichen Wackelkistenparkplatz vorbeigeritten! He, Mädchen, da links da müsste doch die Wackelkiste stehen! Aber mein Mädchen hat nur gelacht und gesagt, ich wüsste doch wohl, wo die Wackelkiste geparkt ist und müsste mich ja erinnern, dass wir diesmal auf einem anderen Parkplatz gestartet sind. Naja, aber die Wackelkiste ist ja beweglich, da weiß man nie! Nein, weiter ging es, nochmal über die große Straße, aber dann waren wir auch schon fast da. Wir sind dann nochmal das kleine Stück abgeritten, wo der Hufschuh liegen könnte – aber da lag er nicht. Also haben wir umgedreht und sind den Weg zur Wackelkiste zurückgeritten. Und da lag er, ganz unschuldig, mitten auf dem Weg! Er hatte die ganze Zeit auf uns gewartet, ist das nicht nett von ihm? Zum Glück waren die Wege ja gut genug, um ohne Schuhe laufen zu können.


Wieder an der Wackelkiste wurden wir gekühlt und dann haben wir uns schön nach Hause wackeln lassen. Und während ich ja zum Glück gut geschützt war mit Decke, Fliegenmaske und Spray hat mein Mädchen sich glatt zwei Zecken mitgenommen aus dem Wald. Ich glaub, sie braucht auch eine Zebradecke!
Knapp 15km in 2 Stunden haben wir geschafft – obwohl es sich eigentlich langsam angefühlt hat, also doch ganz schön flott. Aber mir war sooooo warm, mein Mädchen hat meinen Puls gefühlt, der war etwas höher als sonst (60) und ich war ausnahmsweise auch ein bisschen schnaufig – das bin ich sonst eigentlich nie. Egal, schön war es trotzdem!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der sich gemeinsam mit seinem Mädchen schon sehr auf den Herbst freut…)