Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 10. Juli 2026

Nach dem Kurswochenende hatte ich viel Pause. Nicht, weil ich es so dringend gebraucht hätte, aber mein Mädchen hatte viel zu tun und sie brauchte auch viel Erholung nach den heißen Tagen mit wenig Schlaf. Da bin ich als Pony im Vorteil, ich kann tagsüber Nickerchen einlegen so viele ich will. Mein Mädchen ist da manchmal sehr neidisch!

Aber ein bisschen was gab es doch für mich zu tun, denn meine neue Freundin kam mal wieder. Ich habe schon wieder eine aufgegabelt! Eine Erwachsene – jetzt hab ich zwei kleine und zwei große Freundinnen, die regelmäßig kommen. Mein Mädchen hat gelacht, als ich meine neue Freundin kennengelernt habe, denn sie hat gesehen, dass ich meine Taktik geändert habe. Früher war ich bisschen aufgeregt und unsicher, wenn neue Menschen kamen. Jetzt weiß ich, dass die alle nett zu mir sind, auch wenn sie einen komischen Dialekt sprechen und manchmal selbst nicht wissen, was sie tun. Ich weiß auch, dass mein Mädchen zur Not immer einspringt und mir hilft. Und also kann ich mich aufs Wesentliche konzentrieren. Erstmal: Keks-Check. Welche Tasche muss ich ansteuern und hat dieser neue Mensch verstanden, wie die korrekte Berechnung der Keksrate funktioniert? Wenn nicht, muss ich da erstmal nacharbeiten. Dann die zweite wichtige Frage: kann ich Grünzeug ergattern? Auf dem Weg zum Reitplatz zum Beispiel, oder auch auf dem Reitplatz selbst? Ist die Person durchsetzungsfähig oder kann ich mit leichter Ignoranz schon viel Leckeres erreichen?

Und wenn sie dann aufgestiegen sind: Tempo und Richtung – bestimmt die Person oben das oder macht das mein Mädchen von unten…. Oder lässt mein Mädchen den Dingen (also mir!) ihren Lauf und amüsiert sich (un)heimlich? Das ist ja ihre Lieblingsmethode. Dann gibt sie zwar Hinweise, greift aber nicht ein. Zum Beispiel bei meiner neuen Freundin. Da hab ich die Nase (und die Zähne!) erstmal in diesen einen leckeren Busch gesteckt, der da am Reitplatzrand wächst. Mal sehen, ob sie Einwände hat. Aber sie hat hochkonzentriert in den Busch gestarrt, also hab ich einfach gefuttert, egal was sie da oben getrieben hat. Mein Mädchen hat ihr dann gesagt, dass sie vielleicht lieber mal da hinschauen sollte, wo sie hin will….. da war ich dann so freundlich und habe mich bequemt, diese Nascherei vorerst stehen zu lassen (also, bis wir wieder dran vorbeikommen, versteht sich. Dann geht die Diskussion von vorne los. Man lernt nur durch Wiederholung!).

Und dann diese Regel mit dem Kuchen! Mein Mädchen sagt ja immer, wer sie umreitet, muss Kuchen backen. Und dann stellt sie sich in der Pause ganz nah an mich ran (angeblich um was zu erklären), in der Hoffnung, dass die Lenkung von oben versagt, und sie Kuchen bekommt. Und ich stecke dann in der Zwickmühle: Soll ich nett zu meinem Mädchen sein und dafür sorgen, dass es Kuchen gibt? Oder bin ich nett zu meiner Reiterin und gleichzeitig nett zu mir selbst, weil mein Mädchen mir vielleicht zu schwer wird, wenn sie zu viel Kuchen futtert? Ich muss sie schließlich tragen! Hmmmmm.

Eine weitere Regel ist: wer die Tonne umreitet, muss sie von oben wieder aufstellen! Hat in diesem Fall allerdings nicht geklappt,  trotz vollem Körpereinsatz.

Jedenfalls habe ich viel Spaß am Unterrichten. Mein Mädchen findet es zu lustig, wenn ich verschmitzt schaue und meine Reiterinnen auf die Probe stelle. Dabei bin ich natürlich so artig, dass niemandem etwas passiert, ich mache nur ungefährlichen Quatsch. Bin schließlich Ritter und Gentleman! Was zur Folge hat, dass sie mich alle toll finden, auch die Neue. Und ich bin gut im Beibringen, meine Schülerinnen werden immer besser! Darauf ist mein Mädchen sehr stolz. Dann sagt sie wieder, ich würde meinem Freund Merlin auch in dieser Hinsicht alle Ehre machen.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel  (Lehrpferd-Professor in the making)

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