Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 29. Juni 2026 Teil 2

Am nächsten Morgen kam mein Mädchen schlaftrunken angewackelt und sagte, es geht wieder los. Du so früh hier? Das wird doch nix. Aber zum Glück war ja der Mann dabei, der hat aufgepasst, dass alles gut läuft. Als wir dann wieder auf dem Hof waren, ging es diesmal direkt in die Reithalle zu einer weiteren Unterrichtsstunde. Oje! Frau Reitmeisterin hat sich alle Mühe gegeben, meinem Mädchen zu sagen, was sie wann tun soll. Aber ihr wisst ja schon: die Reaktionszeiten von euch Menschen sind einfach viel zu lang! Deswegen müssen wir Pferde ja immer auf euch aufpassen und bringen euch bei Gefahr selbständig in Sicherheit. Bis ihr geschnallt hättet, dass da ein Monster im Gebüsch sitzt, wären wir ja alle längst Monster-Frühstück geworden. Und so war es hier jetzt auch – also nicht mit Monstern, aber mit Anweisungen. Annehmen, nachgeben, nachtreiben, und mein Mädchen war immer zu spät und zu langsam. Ich war schlussendlich ehrlich gesagt etwas verwirrt – und mein Mädchen auch.

Als unsere Stunde zu Ende war, habe ich mir ein Taxi genommen (der Mann hat mich nach Hause gewackelt), während mein Mädchen noch dort blieb um den anderen Reitern zuzuschauen und am Theorie- Unterricht teilzunehmen. Sie hat Frau Reitmeisterin gesagt, wie verwirrt sie war und dass sie hofft, dass sie das in der nächsten Einheit mal fühlen kann, wie das gehen soll. Ich hab derweil den Tag im Stall verdöst, denn es war wirklich, wirklich heiß.

Mein Mädchen und die anderen Menschen hatten sich gefragt, wie viel man uns Pferden bei so einem Wetter wohl zumuten kann, und so hat mein Mädchen ein Thermometer mit in die Reithalle genommen. Jetzt sage ich mal so: ich weiß, dass 30° heiß ist. In der Reithalle waren es aber 86°! Du meine Güte! Mein Mädchen hat gesagt, das wäre in diesem Fall das gleiche, nur einmal Celsius und einmal Fahrenheit. Hä? Dann hat sie gesagt, man addiert die Grad Fahrenheit mit den Prozent Luftfeuchtigkeit und der Wert der da rauskommt, sagt einem, wie gefährlich es wohl ist, Sport mit dem Pferd zu machen. Das kam mir fast etwas komplizierter vor, als die Berechnung der korrekten Keksrate! Aber man will ja auch nicht irgendwann umfallen vor lauter Hitze.

Also hat sie neben das Thermometer einen Zettel gelegt, damit alle nachschauen können:

Hitzeindex

Temperatur in F° + Luftfeuchtigkeit in % = Risikowert

unter 130: alles ok

131-150: Risiko niedrig

150-180: Risiko mäßig

Über 180: Gefahr

(Quelle: Kernkompetenz Pferd)

So konnte sie immer die Lage checken und feststellen, dass wir das ganze Wochenende während unserer Reitzeiten nie nennenswert über 150 kamen.

Am Samstag Abend sind wir dann wieder hingefahren. Vorher hat mein Mädchen Fieber gemessen, um zu sehen, ob ich wohl innerlich doch heißer bin als geplant, aber ich hatte meine Körpertemperatur perfekt geregelt, da war sie sehr zufrieden.  Und ich war trotz Hitze hoch motiviert, vor allem, nachdem mein Mädchen mir vor dem Ritt eine kühle Dusche verpasst hatte, damit ich nicht schon vor dem Start so heiß bin.

Frau Reitmeisterin hat dann den Wunsch meines Mädchens erfüllt und ihr mehr Zeit zum Fühlen gelassen und plötzlich hat es bei uns beiden „Klick“ gemacht und wir wussten, wie das geht. Ich hab mich in Pose geworfen und bin wie ein Meister-Tänzer durch die Halle geschwebt, dass es eine wahre Freude war. Frau Reitmeisterin war baff, wie fix ich das alles umsetzen kann und wie leicht das mit mir läuft. Tja, unterschätze niemals ein kleines, plüschiges Pony! Den Golf I, so sagt Frau Reitmeisterin, lassen wir ab sofort in der Garage, wir sind jetzt nur noch im „Jaguar-Modus“ unterwegs, mein Mädchen weiß jetzt, wie sie mir helfen kann, den zu finden. So waren mein Mädchen und ich sehr glücklich nach diesem Ritt und sind beseelt wieder nach Hause gefahren.

Im „Jaguar- Modus“ unterwegs

Zu Hause wurde ich nochmal schön kalt abgeduscht und durfte dann wie immer die Nacht mit meinen Kumpels auf der Weide verbringen. Und diese Nacht hatte es in sich! Da fing es an zu regnen und zu donnern und zu blitzen! Aber wir Ponys waren froh um die heiß ersehnte Abkühlung, auch wenn der Schlaf etwas zu kurz kam. Ich habe mir eine kleine Panade gegönnt, aber damit mein Mädchen sich nicht grämt, hab ich mich danach vom Regen wieder sauber waschen lassen.

So fand sie Sonntagmorgen – wieder viel früher als ich sie sonst zu Gesicht bekomme – dass ich doch ein sehr reinlicher Schimmel bin und es kaum was zu putzen gibt. Ich war zwar nass, aber sauber. Ich bin wieder hoch motiviert in die Wackelkiste geklettert und habe mich ein viertes Mal zu dem Hof mit Frau Reitmeisterin wackeln lassen. Wir haben alles nochmal geübt, was wir in den Einheiten davor gemacht haben und Frau Reitmeisterin hat sich nochmal meinen schönen Galopp angeschaut und meinem Mädchen Tipps gegeben, wie der NOCH SCHÖNER werden kann.

Außerdem hat sie nochmal betont, wie toll ich das alles mache und was noch alles in mir steckt. Dann waren wir alle ganz zufrieden mit unserer Leistung und haben uns verabschiedet. Ich wäre ja auch gern noch geblieben, all die nette Aufmerksamkeit und so viele potentielle Pferde-Freunde! Aber gut, zu Hause ist es ja auch schön. Als wir nach Hause gewackelt waren, wollte mein Mädchen mich aus der Wackelkiste aussteigen lassen. Aber ach! Sie war so müde und fertig mit der Welt, dass ihr Hirn wohl einfach eingeschlafen war. Sie hat mehrfach gesagt, dass ich doch endlich aussteigen soll. Ich hab das auch kurz mal versucht, aber dann fiel mir auf, dass sie eine Kleinigkeit vergessen hatte: ich war vorne noch angebunden! Da kann ich doch gar nicht aussteigen, du dummes Mädchen! Ich hab sie dann nur eindrücklich angeschaut, bis sie es gemerkt hat. Sie musste furchtbar über ihre eigene Tüddeligkeit lachen und hat für mich gleich ein paar Kekse springen lassen, weil ich so schlau war und mich nicht aufgeregt hab, sondern einfach stehengeblieben bin.

Ich bin dann in den Stall entlassen worden und habe mir erstmal ein ausgiebiges Nickerchen gegönnt. Mein Mädchen hat den ganzen Rest des Tages mit Herumgammeln verbracht und kam nur noch runtergeschlichen, um uns einen Happen Heu zu servieren.

Nebenbei hat sie große Pläne geschmiedet, weil sie hofft, dass wir mal Frau Reitmeisterin bei ihr zu Hause besuchen und Unterricht nehmen können – sooooo weit weg wohnt die nämlich nicht. Es riecht also mal wieder sehr nach neuen Abenteuern!

Aber jetzt ruhen wir uns erstmal ein bisschen aus, bevor es weiter geht.

Ich hoffe, ihr habt die Hitze alle gut überstanden!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

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