Der Blog macht Pause

Mein Daumen ist leider doch nicht nur verstaucht, sondern hat ein angerissenes Innenband. Tippen ist mühsam, diktieren noch mühsamer (wegen der Korrekturen). Ihr werdet daher einige Wochen verzichten müssen, tut mir leid.

Die gute Nachricht: vermutlich werden wir am 30.3. und vielleicht auch am 6.4. jeweils einen Workshop anbieten, schreibt mich an, wenn Ihr Interesse habt!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7.März 2025

Wenn es mit dem Ausreiten nicht klappt mache ich eben Indoor-Sport. Meine kleine Freundin hat mir ja gezeigt, wie ich den Fußball richtig schieße. Diesmal hat mein Mädchen im Schweiße ihres Angesichts den größeren Ball aufgepumpt, der geht besser, weil ich nicht so schnell mit dem Huf AUF dem Ball lande. Die Menschen waren total begeistert von meinen Fähigkeiten. Ich habe verstanden: wenn der Ball nicht eine gewisse Distanz rollt, war der Schuss nicht gut genug für einen Keks. Dann muss ich nacharbeiten, das mache ich inzwischen selbständig. Außerdem habe ich eine besondere Fähigkeit entwickelt, die mein Mädchen ganz faszinierende findet: ich kann den Ball aus der Ecke rausdribbeln! Mit geschickter Beinarbeit und gelegentlichem Einsatz von Kopf und Nase kriege ich den Ball aus fast jeder Ecke raus bugsiert. Wenn ich gut geschossen habe, bleibe ich stehen und mache mein „Keksgesicht“, dann kommt meine kleine Freundin und bringt mir meine wohlverdiente Belohnung.  Meine kleine Freundin lehrt mich jetzt das passende Stimmkommando „Ball“, denn später gibt es vielleicht mal was zu unterscheiden (im Moment ist ja eh nur der Ball da, also ist klar, was mein Job ist). Mein Mädchen möchte jetzt zusammen mit meiner kleinen Freundin weitere Pläne schmieden, was wir lustiges daraus machen können. Ich sag mal so: solange die Kekstasche voll ist, stehe ich parat!

Mein Mädchen ist irre stolz auf meine kleine Freundin und mich. Ihr müsst nämlich wissen, dass mein Mädchen sich die ganze Zeit hinterm Zaun aufhält und nur Kommentare abgibt und mal Hinweise, wie es besser gehen könnte. Aber meine kleine Freundin hat mir das alles selbst beigebracht!

Ich wurde schon gefragt, ob ich jetzt Profi-Fußballer werde, aber ich sehe mich eher als Jugendtrainer, ist die Stelle beim HSV noch frei? Die Nachwuchs-Spieler könnten einiges von mir lernen. Zum Beispiel warum Fußballshorts unbedingt groooooooße Taschen brauchen, dass der Rasen essbar ist, wie man das Publikum auf seine Seite bringt und wie man den Ball mit der Nase spielt.  

Naja, wenn ich es recht bedenke bleibe ich doch lieber meiner angestrebten Karriere als Distanz-Pony treu. Denn so schön Fußballspielen auch ist, es geht doch nichts über ein echtes Outdoor-Abenteuer.

Euer Fußballer Sir Duncan Dhu of Nakel

Nachsitzen

Nach dem Unfall wieder aufs Pony zu steigen ist mit Unwohlsein verbunden. Die Angst ist wieder da. Aber sie ist nicht übermächtig, ich komme zurecht. Und bei diesem Maß an Angst weiß ich: ich kann reiten.

Beim reiten auf dem Platz suche ich jetzt nach jenen Lücken in Duncans Ausbildung, die ein solches Durchgehen zugelassen haben. Klar, er ist 6,5 Jahre alt (also in der Pubertät) und viele Pferde spinnen gerade etwas – es ist dieser Übergang vom Winter zum Frühling. Aber ich finde auch Lücken, die ich schließen kann. Dazu gehört zuallererst, dass ich ihn jetzt mit Gebiss reite, auch auf dem Platz, um dort das zu üben, was im Gelände solche Ausbrüche verhindern soll. Kleine Dinge. Zum Beispiel das Gefühl, wenn ich nach einer Stehpause die Zügel in die Hand nehme und Duncan mir als allererstes Gegendruck gibt. Ich habe ihm anscheinend noch nicht gut genug erklärt, was ich von ihm möchte, wenn ich Kontakt am Gebiss aufnehme.

Ich bin Duncan die meiste Zeit seines Lebens gebisslos geritten. So auch am Tag unseres Sturzes. Mir war klar, dass ich am Bosal keine Chance habe, eine Notbremse zu ziehen, ich hatte mich darauf verlassen, dass ich die nicht brauche (ich Dummerchen). Bei viele Ausritten hatte ich das Bosal UND das Gebiss mit und schon öfter das Gefühl, dass ich ihn nur durch das Gebiss noch „im Zaum“ halten konnte. Ich dachte, ich könnte ohne Gebiss los, ich habe mich auf Diegos Anwesenheit verlassen. Die Möglichkeit, dass Duncan AN Diego VORBEI durchgehen könnte, gab es in meinem Kopf einfach nicht.

Das Gebiss bekommt jetzt Scheiben und einen Kinnriemen, der das Durchrutschen durchs Maul verhindert, so dass ich auch einen herzhaften one-rein-stop durchführen kann, den wir auf dem Platz fleißig üben werden und demnächst auch im Gelände mal erproben. Ich bin gespannt, ob ich genug Kraft und Mut aufbringe, wenn mein kleiner Teenager-Rüpel es wirklich ernst meint und seinen Hals wieder so gerade und steif macht.

Auch beim Führen über den Hof gibt es noch Kleinigkeiten zu verbessern. Ich hasse es, so ein Korinthenkacker zu sein, aber wenn mein Pony blödes Verhalten zeigt, bin ich lieber ein Korinthenkacker, als dann ungerecht hart hinzulangen wenn es gefährlich wird. Mir ist es lieber, all die kleinen Details zu diskutieren und ich hoffe, dass damit ein großer Kampf ausbleibt. Eine Garantie gibt es dafür nicht.

An der Longe ist Duncan mir auch noch zweimal schön abgebrettert, als meine Freundin mich unterrichtet hat. Ihr Plan war, mit ihm Frustrationstoleranz zu üben und zumindest der Plan, den Frust auszulösen, hat schonmal sehr gut funktioniert. Immerhin konnte ich einige Tage später die gleiche Situation noch einmal herstellen und eleganter lösen.

Auf der anderen Seite – und das ist wieder mal sehr faszinierend – ist mein Pony motivierter denn je. Er kommt aus der letzten Ecke angeflitzt wenn ich ihn rufe und dackelt auch mal beim Absammeln hinter mir her um nach Beschäftigung zu fragen. Er gibt sich an vielen Stellen große Mühe, seine Artigkeit unter Beweis zu stellen, manchmal fast ein bisschen demonstrativ, als würde er mir etwas beweisen wollen, während er an anderen Enden Diskussionen startet. Seine Laune ist prima, ER findet es gar nicht schlimm, dass ich plötzlich so kleinlich und etwas streitsüchtig geworden bin. Er sucht nach Grenzen und Reibung und mir geht das alles gewaltig auf die Nerven, weil ich doch gerade eigentlich das Gefühl hatte, dass wir schon so schön weit sind.

Bis ich dieses Gefühl wieder habe, wird sicher noch viel Zeit ins Land gehen. Die Panne hat mich gewaltig zurückgeworfen. Gleichzeitig ist da dieses Ziel: 44km am 18.5. Aufgeben ist keine Option. Und zwischen diesen beiden Polen darf ich jetzt den richtigen Weg für uns beide finden. Soll halt nochmal einer daherkommen und sagen, Pferdeausbildung sei doch ganz einfach…

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 2. März 2025

Schon wieder kein Sonntagsausflug! Und da soll man nicht komisch werden! Der Mann war wieder weg um das Kutsche fahren zu lernen. Ihr Menschen lernt ja leider so furchtbar langsam, das zieht sich….

Am Freitag war der Zahnarzt da und hat meine Beißerchen schön in Form gebracht. Ich war total artig und habe mein Mädchen die ganze Zeit angeschielt, damit sie auch ja mitkriegt, was für ein tolles, erwachsenes Pony ich doch bin. Weil sie mir ja unterstellt, ich hätte Pubertät. So ein Quatsch! Es war doch IHRE Idee, dass wir im Mai 44km Distanzritt mitmachen! Und ich meine, es geht da doch um Tempo und Fitness! Da hilft doch so ein Schritt-Ausritt und ein bisschen Longe auf dem Platz nicht weiter. Da müssen Kilometer auf den Tacho kommen und zwar flott! Und weil sie das nicht begreifen will, habe ich halt bei der letzten Longeneinheit auch mal an der Beschleunigung gearbeitet. Ui da wurde sie schon wieder ganz muksch! Das Mädchen vom Ausreitkumpel war dabei und hat gesagt, ich müsste mal meine Frustrationstoleranz üben. Papperlapapp, ich bin doch nicht frustriert, so lange ich nur schnell und lange genug laufen darf! Aber wenn man mich ständig bremst, dann wird das halt nix. Naja, es ging nicht so gut für mich aus, letztendlich bestand man darauf, dass ich mich benehmen muss. Pah!

Heute hat mein Mädchen dann eben diese Longeneinheit wiederholt. Ich war 20 Minuten artig, dann war der Motor warm und ich habe eine kleine Diskussion gestartet. Im Galopp aus der Ecke raus und dann an der langen Seite durchparieren, das war mir doch zu dumm. Da hab ich doch noch Meter vor mir! Da muss ich doch nicht gleich – oh. Jetzt wurde sie aber wirklich sauer. Ach egal, neue Runde, neues Glück! Nach einigen Wiederholungen habe ich es mir überlegt und doch gleich durchpariert. Keks! Aber sie war noch nicht fertig mit mir. Jetzt ging es daran das Ganze mit Trab-Schritt-Übergängen zu wiederholen. Ich trabe munter vor mich hin, mein Mädchen sagt „Scheeeeeeritt“ und ich überlege mir das. Ja, vielleicht könnte ich gleich – oh. Wieder sauer. Aber hier muss doch irgendwo Diskussionsspielraum bestehen! Es kann doch nicht angehen, dass SIE immer alles bestimmt, oder? Leider lief es dann doch darauf hinaus. Nach einigen Versuchen fiel mir wieder ein, wie lange ich keinen Keks hatte und ich habe beschlossen, doch lieber sofort durchzuparieren wenn sie es sagt. Da war sie dann auch sehr lieb mit mir und wir haben gleich Feierabend gemacht.

Und ehrlich gesagt, war das genau das richtige heute, so eine herzhafte Diskussion. Danach war mir etwas entspannter zumute und ich war ganz fröhlich mit meinem Mädchen. Die war allerdings schweißgebadet und musste dringend unter die Dusche (ihre Fitness!! Wie soll sie bloß 44km schaffen, selbst wenn ich sie trage?). Sie meinte aber, sie wäre „Sieger nach Punkten“. Solange ich „Sieger nach Keksen“ bin ist es mir egal. Ich hoffe nur, dass sie bald zur Vernunft kommt und einsieht, dass man keinen Blumentopf gewinnt, wenn man ständig auf der Bremse steht! Und natürlich hoffe ich noch mehr, dass es bald mal wieder einen richtigen Ausritt gibt.

Euer angeblich pubertärer Sir Duncan Dhu of Nakel

Gestürzt

In all den Jahren, die Duncan und ich zusammen sind, hat er mich nie verletzt. Bis er neulich im vollen Galopp durchgegangen ist und selbst in der Kurve den Halt verlor, so dass wir uns beide am Boden wieder fanden. Er war sofort wieder hoch und kam mit einer Schürfwunde davon, während ich mit Kopf und Daumen gebremst habe. Eine Beule (danke an meinen Helm, sonst hätte mein Kopf wohl anders ausgesehen!) und einen verstauchten Daumen später wird es Zeit, nochmal nachzudenken, was da passiert ist und warum.

Unfälle passieren, das ist ja oft die Ausrede derer, die nicht so viel von Sicherheitsmaßnahmen halten. Ein Restrisiko bleibt, egal wie sehr wir uns absichern. Und ein Pferd bleibt eben immer ein Pferd. Als ich angefangen habe, Duncan zu reiten, habe ich nicht nur meinen Helm, sondern auch meine Schutzweste im Gelände immer an. Wo ziehe ich die Grenze? Zum Beispiel bei einer Airbag-Weste. Aus praktischen Gründen möchte ich mit so einer Weste nicht reiten, denn ich würde garantiert beim ständigen Auf- und Absteigen im Gelände auch ständig vergessen, die Sicherung dran oder abzumachen. Während der Helm bei unserem Sturz meinen Kopf gerettet hat, hätte es für meinen Daumen keine Schutzkleidung gegeben. Irgendwo ist man immer verletzlich.

Eine andere Sicherheitsmaßnahme wird jetzt aber wieder Einzug halten bei uns: ich werde vorerst mit Duncan nur noch mit Gebiss ins Gelände gehen. Der allergrößte Sicherheitsfaktor im Umgang mit dem Pferd ist aber immer die Ausbildung von Pferd und Mensch. Meine Pferde sollen bitte fit genug sein, um viele meiner Fehler ausbügeln zu können, aber ich muss auch fit genug sein um möglichst wenige Fehler zu machen und um meinen Pferden im Zweifel helfen zu können. So dass ein Unfall erst dann passiert, wenn mehrere Fehler auf beiden Seiten passiert sind und somit sehr unwahrscheinlich wird.

Der Unfall, den wir hatten, war eigentlich ein Klassiker mit einer kleinen Besonderheit.  Der Klassiker war: ich habe viele Voranzeichen nicht beachtet. Die Besonderheit war, dass ich mal wieder ein neues Pony habe. Der Duncan, den ich letzten Winter hatte, ist einem neuen Duncan gewichen und das hätte ich zwar vorher schon merken können, aber ich habe es nicht realisiert. Der „neue“ Duncan ist kräftiger und geht mit überschüssiger Energie anders um als der „alte“. Es so wie Elsa zu mir sagte: lern dein Pferd kennen, und wenn du ein junges Pferd hast, dann lernst du es 17 mal neu kennen…..

Der „neue“ Duncan hat plötzlich die Angewohnheit, sich vor Dingen angeblich zu fürchten, die er kennt und die harmlos sind. Was mir nicht klar war: dem „neuen“ Duncan hilft es nicht, zwei Stunden flotten Schritt zu gehen, um seinen Übermut los zu werden. Letztes Jahr war das die beste Methode um wieder Ruhe ins Pony zu bringen. Diesen Winter scheint es eine sehr geeignete Methode zu sein, um ihn wütend zu machen. Ich hätte es ahnen können, aber ich hab es halt nicht geschnallt. Ich hab auch nicht geschnallt, dass da was anders ist als sonst, als er plötzlich auf dem Heimweg beschleunigt hat. Für viele Pferde ist das ja normal, aber für Duncan so gar nicht. Als der dann, als wir zu Fuß unterwegs waren, neben mir einen kleinen Hüpfer machte, hätte ich eine neue Chance gehabt, zu ahnen, dass etwas anders ist als sonst. Und das Gefühl, dass er mir an der Rinderkoppel gab, hat mich zwar absteigen lassen, aber ich war mir sicher, danach wieder aufsteigen zu können.

Außerdem war ich mir ja immer sicher, dass er niemals durchgehen wird, wenn Diego vor ihm herläuft. Ihr seht: da habe ich mich in vielen Punkten getäuscht. Ich habe Annahmen getroffen, anstatt hinzuschauen und die Realität zu sehen.

Dann kam noch ein weiterer Faktor dazu: die Angst. Ich habe immer geglaubt, ich reite besser OHNE Angst. Stellt sich raus, dass das so nicht ganz stimmt. Ein bisschen Sorge hätte dazu geführt, dass ich nicht wieder aufgestiegen wäre. Und obwohl ich nicht sicher weiß, ob ich Duncan vom Boden aus hätte halten können, wäre er doch dann zumindest ohne mich gestürzt, was mir einiges erspart hätte. Ein bisschen MEHR Angst hätte mir also ganz gut getan! Anscheinend werde ich ohne Angst sofort unvorsichtig, das wusste ich auch nicht.

Viele Faktoren haben also dazu geführt, dass es so gekommen ist, wie es dann gekommen ist. Interessant finde ich die Reaktionen um mich herum. Die einen meinen, dass ein 6,5 jähriges Pferd mal durchgeht ist ganz normal. Die anderen finden es sehr beunruhigend, dass sogar ein so entspanntes Modell wie mein Duncan durchgeht, schließlich ist er kein Araber! Was viele aus eigener Erfahrung kennen ist das Kopfkino, das man danach oft hat.

Auch Lösungsansätze sind unterschiedlich. Eine Freundin meinte nur ganz trocken „viele Distanzreiter stellen ihre Pferde über Winter ja einfach auf die Koppel und machen gar nichts mit ihnen, die wissen wohl schon, warum….“. Aber von der Highlandpony-Reiterin aus England weiß ich, dass sie regelmäßig reiten muss, weil ihre Angst sonst so überhandnimmt, dass sie auf ihr (noch deutlich energischeres) Pony nicht mehr aufsteigen würde.  Meine Freundin verspricht mir, mich an sein Verhalten zu erinnern, wenn ich auf einem längeren Ritt meine, er wäre müde. Wenn es nach ihr ginge, würden wir jetzt einfach jeden Tag 15 km reiten, dann wäre mein Ritter auch zufrieden. Leider hat man ja im Leben auch noch andere Dinge zu tun als auszureiten….

Ich hingegen denke vom Verstand her, dass ich jetzt ebenso gut allein ausreiten gehen könnte, da sich ja gezeigt hat, dass die Anwesenheit eines anderen Pferdes ihn nicht am durchgehen hindert. Aber das ist natürlich nur eine Schlussfolgerung, die der Verstand zieht, das Gefühl geht da nicht mit. Und jetzt überlege ich, wie ich das Kribbeln aus meinem Pony kriege ohne Gefahr für Leib und Leben.

Andererseits denke ich an die 44km Distanzritt, die ich reiten möchte. Und ich weiß: Finlay hätte das nicht so einfach gekonnt. Duncan kann das ziemlich sicher einfach so abliefern. Er hat eben diese Energie und den Willen ins Weite. Er möchte laufen, laufen, laufen und hat Freude daran, Kilometer zu machen. Das eine kann man vielleicht nicht ohne das andere kriegen. Trotzdem hoffe ich, dass der ganz große Übermut sich verwächst und ich eine passende Strategie finde. Denn noch ist der Winter nicht vorbei, bis die Pferde von selbst wieder ruhiger werden, geht noch Zeit ins Land. Und nach dem Sommer kommt ja auch wieder ein Winter, der überstanden werden will.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 24. Februar 2025

Gestern war wieder kein Sonntagsausflug. Der Mann lernt ja Kutsche fahren und war daher nicht da. Mein Mädchen ist zum ersten Mal seit unserem Sturz wieder auf meinen Rücken geklettert (nachdem wir uns eine Woche mit Bodenarbeit und Freilaufen beschäftigt haben), ihr Daumen ist fast wieder heile. Sie hat mir gesagt, wenn ich so einen Mist nochmal mache, haben wir ein echtes Problem, weil dann ihr Vertrauen in mich doch sehr erschüttert wäre, ich möge also auf solche Stunts verzichten. Wenn es aber doch so kribbelt? Sie hat auch gesagt, sie versucht mir zu helfen, das Kribbeln loszuwerden.

Also ran an die Arbeit. Ich hab mir Mühe gegeben und mein Mädchen war sehr begeistert, wie schön ich gelaufen bin. Allerdings hat sie auch den Ton etwas angezogen. Früher, wenn ich mal so etwas aus dem Gleichgewicht geraten bin und in eine Richtung gedriftet bin, hat sie immer ganz sachte versucht, mir wieder in mein Gleichgewicht zu helfen. Jetzt findet sie, ich könnte das auch einfach mal lassen, meine Körperspannung beisammenhalten, mir mehr Mühe geben und dann könnte ich das ja wohl auch. Ich soll ja im Mai 44km laufen, das muss es mit der Rumpfstabilität auch klappen, sagt mein Mädchen. Außerdem haben wir die Bremse fürs Gelände geübt. Es ist ja so: auf dem Platz höre ich immer gut zu und bremse auf leise Signale, so dass mein Mädchen nie an den Zügeln zieht (soll man ja auch eigentlich nicht, ist ja voll unprofessionell). Aber wenn ich mal wieder dieses Kribbeln fühlen sollte und es auf eine Kurve zu geht, dann möchte mein Mädchen sicher sein, dass ich weiß, was es heißt, wenn sie einfach mal herzhaft unprofessionell am Zügel zieht und dass ich weiß, dass ich mich dann wirklich zusammenreißen und bremsen muss. Also üben wir das jetzt. Sicherheit geht schließlich vor!

Als wir fertig waren, waren wir so weit ganz zufrieden, aber der Tag war noch nicht zu Ende! Eine kleine Heumahlzeit später tauchte sie schon wieder auf und holte mich ab. Sieh an, da war ein fremdes Pferd in unserer Halle! Das ist ein Freund von Herrn Fjord. Er ist auch ein Norweger, aber ein ganz heller! Und er ist ein Jahr jünger als ich.

Außer dem fremden Pferd waren auch allerhand Dinge in der Halle aufgebaut. Da hing Zeug von der Decke, Matratzen lagen auf dem Boden, der Ball lag herum, die Plane lag im Weg und in der Ecke stand eine große norwegische Fahne (die hatte der Norweger mitgebracht).

Die anderen Sachen kannte ich alle schon, aber diese Fahne haben wir uns mal näher angesehen. Wenn mein Mädchen die doll über meinen Rücken geschwungen hat, war das schon ein bisschen gruselig, muss ich gestehen! Aber mein Mädchen fand, ich habe mich toll damit auseinandergesetzt und es gab Möhren, also konnte ich das nach einer Weile dann auch gut aushalten. Dann sind wir ein bisschen durch die Halle gewandert und haben uns alles angeschaut und immer, wenn wir am Ball vorbeigekommen sind, habe ich einen kleinen, eleganten Schuss gemacht. Meine kleine Freundin wäre stolz auf mich gewesen, wenn sie das gesehen hätte!

Zum Schluss hab ich mich noch in die Plane hüllen lassen und dann meinte mein Mädchen, dass es reicht und hat mich rausgebracht. Gatsby hat auch noch ein bisschen Sachen geübt und ich stand noch am Tor und habe zugeschaut bis ich gemerkt habe, dass es jetzt keine Beachtung mehr gibt.

War ganz nett, aber ein schöner Sonntagsausflug wäre mich doch lieber gewesen, so einer mit ganz viel Trab und Galopp…..

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der sich dringend einen richtig vernünftigen Ausflug wünscht!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 21. Februar 2025

Hier kommt mein Sonntags-Eintrag für euch, auf den ihr bestimmt schon wartet…

Ah, ein Sonntagsausritt! Das tut aber auch Not! Erstmal alles anziehen. Ich stand ganz entspannt am Anbinder und habe unschuldig geguckt. Daraufhin hat mein Mädchen entschieden, sie könnte heute ohne Gebiss mit mir los. Erst ging sie zu Fuß, da habe ich noch getrödelt und gebummelt, bis von hinten eine Radlerin mit Hund kam. Die rief von weitem „nicht erschrecken!“, das hab ich dann mal zum Anlass genommen, mich zu erschrecken. Mein Mädchen hat mich ausgelacht, ich hätte wohl nicht alle Tassen im Schrank. Etwas weiter ist sie dann aufgestiegen und es ging los mit Turbo-Schritt. Ich fand alles gruselig: Baumstümpfe, Schneereste am Wegesrand und allerhand unsichtbare Dinge. Wissen die Menschen denn nicht, dass um diese Jahreszeit die jungen Huchmampfs schlüpfen? Und die sind so hungrig, die fressen so ein Pony mit einem Happs! Aber mein Mädchen hat nur gesagt, ich soll mal lieber vorwärts marschieren. Na gut. Nach einer Weile hatte ich mich abgeregt. Durchs Nachbardorf zu Fuß, einmal kurz bei der Autobahnbrücke vorbeischauen (aber rauf getraut haben wir uns nicht, wir sind völlig aus der Übung und müssen von vorn anfangen).

Wieder aufsteigen, weiter reiten durch den Wald. Schön war das da mit dem Schnee und dem Sonnenschein. Mein Mädchen und der Mann waren ganz entzückt, dass ich immer noch so flott Schritt gehen konnte. Als wir wieder Richtung Heimat kamen, habe ich es gefühlt: da war noch Kribbeln in mir drin! Habe meinen Schritt nochmal beschleunigt, mein Mädchen war ganz überrascht dass ich immer noch so viel Energie habe. Ich war ein bisschen sauer – wir waren wirklich die ganze Zeit nur im Schritt unterwegs gewesen, es gab keine Graspause und überhaupt war das kein Ausritt nach meinem Geschmack. Habe noch einen kleinen Streit angezettelt wegen grasen beim Aufsteigen, dann gleich noch einen, weil ich auf dem rutschigen Weg gern traben wollte, weil Diego schon wieder so unverschämt weit vorne war. Und dann kamen wir an die Rinderkoppel und da haben die komische Dinge getan. Mein Mädchen ist prompt wieder abgestiegen, weil sie gemerkt hat, wie sich das Kribbeln in mir immer mehr aufgebaut hat. Nach der Rinderkoppel, wir waren schon fast zu hause, ist sie dann wieder aufgestiegen und meinte, es geht jetzt wieder. Da hat sie sich aber getäuscht! Als der Trecker von hinten kam, hat es mich verlassen. Bin losgaloppiert und habe nicht mehr zugehört. Mir war alles egal, ich wollte jetzt rennen! Auch als ich in der Kurve hingefallen bin und mein Mädchen dabei verloren habe war mir das egal. Aufstehen und weiterrennen! Bis zum Nachbarn. Da bin ich dann stehengeblieben.

Naja, ok, das war wohl keine so tolle Aktion. Mein Mädchen hat sich den Daumen verstaucht und meint, ich wäre jetzt selbst schuld, dass sie erstmal nicht reiten kann. Genauer: dass sie MICH nicht reiten kann. Diego ist ja immer so artig und zuverlässig, den reitet sie trotzdem, mit einer Hand. Mir traut sie da im Moment nicht.

Aber ich kann auch nix dafür, wenn sie mir nicht zuhört! Ganz ehrlich, ich habe es ihr so oft gesagt! Da bucht sie ein feines Abenteuer und macht mir Vorfreude und dann will sie 2 Stunden Schritt auf derselben, abgelatschten Runde reiten? Das passt halt nicht zusammen!

Schön war das – nur halt zu langsam!

Die Menschen meinen, ich hätte mal wieder Pubertät. Aber eigentlich habe ich Burgkoller und üble Langeweile. Und ein Mädchen das das nicht richtig versteht! Menno

Euer kribbeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Abenteuer voraus

 Ich plane Unternehmungen gern sorgfältig und ich habe auch viel Angst davor, mein Pony zu überfordern. Aber diesmal ist es etwas anders gelaufen und ich habe (wenn auch unfreiwillig) beschlossen, ein kleines Wagnis einzugehen. Mein Plan sah vor, dass wir im Mai einen kleinen Distanz-Ritt – also einen Einführungsritt über 26 km – nennen, um dann im Juli auf dem 2. Distanz-Ritt vielleicht mutig genug zu sein, um 41 km zu nennen.

 40 km an einem Tag zu reiten (hab ich in meinem Leben noch nie getan), noch dazu im Distanz-Tempo, war bisher eine Vorstellung, die für mich immer weit in der Zukunft lag, obwohl ich weiß, dass viele schon beim 1. Distanzritt eine solche Strecke in Angriff nehmen. Es kam mir für Anfänger wie mich und Duncan absurd vor, es kam mir für ein Highland Pony als ersten Ritt absurd vor und es kam mir auch für mich selbst einfach als körperliche Anstrengung absurd vor. Aber wenn Duncan mich eines gelehrt hat, dann, dass ich ihn chronisch unterschätze. Ich habe ihm noch nie wirklich zu viel zugemutet und jedes Mal wenn ich dachte „diesmal war es ihm zu viel“, jedes Mal wenn er müde nach Hause kam und ich dachte „morgen will er nichts von mir wissen“ kam er am nächsten Tag besonders freudig auf mich zu. Das waren auch oft die Tage an denen er mich fröhlich angebrummelt hat – er war bereit war ein neues, feines Abenteuer zu erleben.

 Nun aber zurück zum Distanz-Ritt. Ich wollte also den 26 km Einführungsritt nennen, aber ich habe mir damit zu viel Zeit gelassen! Mir war nicht bewusst, dass so viele Leute sofort dabei sein wollten….. und so lag ich abends nach einem Tag voller eisigem im Ostwind mit Kopfschmerzen auf dem Sofa und scrollte durch Facebook, als plötzlich die Meldung auftauchte, dass der Einführungsritt bereits ausgebucht ist! Ich schrieb panisch an meine Freundin, ob sie den Ritt schon genannt hatte, denn wir wollen ja zusammen reiten – aber auch sie hatte noch keine Nennung losgeschickt. Was tun? Ich beschloss, dass ich nicht bereit bin, dieses Abenteuer, auf dass ich im Grunde seit 6 Jahren warte, zu verpassen. Somit habe ich uns jetzt für Mai für einen Kurzdistanz über 44 km angemeldet, da waren noch Plätze frei. Wahrscheinlich ist das ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass ich verrückt geworden bin. (Wahrscheinlich werden einige, die mich persönlich kennen, jetzt sagen, dass ich sowieso schon immer irgendwie verrückt war).

 Jetzt ist also die Frage: was ist vorher noch zu tun? Denn das eine sind die 44 km, die in Tempo 8 bewältigt werden wollen, was für uns bedeutet, dass wir (wenn ich ohne Galopp rechne) über die Hälfte der Strecke im Trab zurücklegen müssen, um in der Zeit zu bleiben. Unser längster Ausritt bisher überhaupt ging knappe 20km, das war letzten Sommer…..

 Aber so ein Distanzritt birgt ja auch noch ganz andere Fallstricke und Tücken, nämlich zum Beispiel die Anwesenheit vieler fremder Pferde im Camp und auch auf der Strecke, wo man vielleicht mal überholt wird oder jemanden überholen möchte. Zum Beispiel die Tatsache, dass nach dem 1. Loop eine fünfzigminütige Pause gemacht wird – das heißt das Pferd bekommt eine Pause und soll danach wieder losgehen, etwas was wir im Alltag nicht tun. Dann kommt natürlich viel Anfassen durch den Tierarzt dazu – Puls messen, abhören etc. Meine eigene Aufregung wird dazu kommen und in unserem Fall bei einem Distanzritt auf der Schusteracht in Preetz kommt auch die ein oder andere Tücke im Gelände auf uns zu. Denn dort gibt es sehr viel Wasser und entsprechend wird der Distanzritt Brücken enthalten, die überquert werden müssen. Ihr erinnert Euch: Brücken waren von Anfang an nicht unbedingt Duncans Ding. Eigentlich kommen wir jetzt ganz gut über normale Brücken,  aber ich weiß aus meiner Erinnerung an meinen ersten Distanzritt mit Finlay, der auch auf der Schusteracht stattgefunden hat, dass dort durchaus auch Brücken zu bewältigen sein könnten, die außerhalb unserer Norm liegen. Brücken, die länger und/oder sind schmaler sind als die Brücken, die Duncan bisher kennt, Brücken, die komische Geräusche machen oder unter denen Kanus fahren. Und so wird ein guter Teil der Vorbereitung daraus bestehen, zunächst mal herauszufinden welche Brücken wir üben können und müssen. Da die Strecke noch nicht bekannt gegeben ist, müssen wir da ein bisschen raten, aber üben schadet ja sowieso nie. Das heißt zunächst geht es mit dem Auto los, um zu erkunden wo und wie man diese Brücken anfahren und üben kann, dann brauchen wir einen oder zwei Übungstage, an denen wir uns im Wesentlichen diesen Brücken widmen (und viele, viele Kekse auf Tasche haben).

 Dann geht es um organisatorische Fragen: mit welchem Hufschutz können wir starten – kann Duncan 44 km mit seinen Hufschuhen laufen, ohne dass die scheuern, reiten wir evt einen Teil der Strecke barhuf oder müssen wir uns vorher noch damit auseinandersetzen einen Klebebeschlag zu bekommen (bitte nicht, allein das ist schon ein Mammutprojekt…)

 Wir werden einen Proberitt mit einer Pause machen – also ausreiten, nach Hause kommen, Pause machen, wieder losreiten – damit das schon mal passiert ist und sich nicht völlig neu und verwirrend anfühlt. Natürlich werden wir auch ein paar längere Ausritte einplanen, nachdem wir ja jetzt im Winter so gut wie gar nicht draußen waren. Aber ehrlich gesagt ist meine Erfahrung mit Duncan, dass die Kilometer ihm nicht so viel ausmachen werden (er ist verdammt fit….) was ich als Problem sehe ist eher die Zeit. Denn wenn wir 44 km in Tempo 8 reiten, wären das fast 6 Stunden reine Reitzeit plus 50 Minuten Pause dazwischen – so lang waren wir noch nie zusammen unterwegs. Auch das gilt es also mal zu üben bei einer ausgedehnten, aber langsamen Tour. Nicht nur Duncans Kopf braucht dieses Training, auch meiner. So eine lange Zeit die Konzentration aufrecht zu halten will geübt werden!

11 Wochen haben wir jetzt noch und die sind schnell rum. Ich brauche klare Prioritäten und muss hoffen, dass nichts dazwischenkommt (wobei das bereits passiert ist, aber dazu demnächst mehr….)

In einer Sache bin ich mir ziemlich sicher: während ich mich fürchterlich aufregen werde, wird Duncan das ganze als großartiges Abenteuer ganz nach seinem Geschmack betrachten. Und ich fürchte mich jetzt schon vor dem, was danach passieren wird: mein kleiner Nimmersatt wird noch besser trainiert sein, noch mehr Beschäftigung wollen und nicht einsehen können, warum wir das jetzt nicht jede Woche machen. Ich hatte noch nie so ein Pony und ich habe mich noch nicht daran gewöhnt….

Charakterbildung

Der Umgang mit Pferden ist gut für den Charakter, sagt man. Besonders kann ich das dieser Tage beobachten, wenn Duncans kleine Freundin da ist. Neulich zum Beispiel:  wir hatten schon in der Stunde zuvor besprochen, dass wir diesen kleinen Trick gemeinsam üben würden, dass Duncan zwischen zwei Tonnen einparkt, auf denen ein Mensch steht. Es war auch schon klar, wer da erstmal auf den Tonnen steht: ich. Da es nicht ganz ungefährlich ist, bei den ersten Versuchen weiß man ja doch nie ob das Pony nicht eine Tonne umstößt, den Kopf im entscheidenden Moment hochnimmt oder man selbst das Gleichgewicht verliert. Noch war es aber nicht so weit, denn Duncan wurde erst noch geputzt. Während seine kleine Freundin das tut, bin ich zwar immer in der Nähe, beschäftige mich aber anderweitig. Sie kommt gut mit ihm klar, bis es dazu kommt, dass er mal wenden soll. Dann legt sie ihm vorsichtig die Hand an die Kruppe und fragt ihn leise, ob er wohl rumgehen könnte. Er war aber gerade ein bisschen eingedöst und fand ihr leichtes Schieben wohl eher als angenehmes Schaukeln, jedenfalls rührte sich nichts. Ich riet ihr, sich ein bisschen wichtiger zu nehmen, groß zu machen und etwas lauter zu sprechen, aber da passierte nicht viel. Von ferne sagte ich „geh mal rum!“ Duncan wachte auf und ging rum. „Bei dir klappt das“ sagt das Mädchen. „ja, weil ich mich selbst wichtig nehme“ „das kann ich nicht so gut“

Und hier war mein Einsatz:

„Wenn ich nachher auf diesen beiden Tonnen stehe, dann möchte ich, dass du dich so wichtig nimmst, dass Duncan dir zuhört. Ich will da nicht runterfliegen, weil du dich nicht wichtig genug genommen hast und er die Tonnen umschubst oder sowas“ Ich habe sehr darauf geachtet, das sachlich zu sagen und nicht streng zu klingen. Weiter haben wir nicht darüber gesprochen. Aber als ich dann auf den Tonnen stand, da hatte sie das wunderbar im Griff. Sie steuerte Duncan präzise und genau und hatte eine so klare, ruhige Ausstrahlung, dass der Trick auf Anhieb gelang. Und mir wurde klar: sie hat sich selbst wichtig genommen um mich zu schützen, das fiel ihr leichter als sich selbst einfach nur wichtig zu nehmen, damit Duncan wendet. Wenn sie es so ein bisschen üben kann, wird sie vielleicht eines Tages auch mehr für sich selbst einstehen. Man muss einem feinen, freundlichen Pony wie Duncan dazu ja keinen Druck machen oder ärgerlich sein. Wenn man ausstrahlt, dass das gerade wichtig ist und dass man nicht bereit ist, Gezappel oder Ignoranz hinzunehmen, dann ist Duncan ja mehr als bereit, gut mitzumachen. Er freut sich über klare, sachliche Anweisungen und kann sich dann auch prima konzentrieren. Und das ist doch das perfekte Setting für ein Mädchen, um zu lernen wie das geht: ruhig und selbstsicher für die eigenen Ziele und Wünsche einstehen, klare Grenzen setzen ohne ärgerlich zu werden.

In der nächsten Stunde haben wir uns dann mit Fußballspielen beschäftigt. Hier ging es darum, das Pony genau zu beobachten, Kriterien festzulegen, wann belohnt wird und Zwischenschritte zu erkennen. Auch mal kurz auszuhalten, dass es nicht geklappt hat und Duncan Frust schiebt, weil es keinen Keks gab. Zu erkennen, wann er eine Frage stellt und wann er einfach irgendwas tut ohne nachzudenken.

Wenn beide Fähigkeiten zusammenkommen – die genaue und gute Beobachtung des Gegenübers sowie das eigene „Standing“, dann wird Kommunikation auch mit Menschen leichter. Der Umgang mit Pferden ist gut für den Charakter – wenn wir guten Umgang mit Pferden lernen und lehren.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 11. Februar 2025

Ui, was für ein eisiger Ostwind! Mein Mädchen ist am jammern, sie findet diesen Wind ganz schrecklich anstrengend. Ihr Winterpelz hat ziemlich große Ausmaße angenommen, während ich einfach meine Haare ein bisschen aufstelle, etwas mehr Heu knuspere (das macht einen warmen Bauch) und gut ist. Nachdem ich vormittags ausgiebig geschlummert und gedöst hatte, war ich frisch und erholt, als sie mit der Longe kam. Wir sind also auf den Platz gegangen und ich habe munter losgelegt, als plötzlich…

MONSTER!

Ab in den Fluchtmodus, nichts wie weg! Als ich am Ende des Reitplatzes angekommen war, fiel mir auf, dass ich doch glatt mein Mädchen verloren hatte und eine leere Longe hinter mir her zog. Oh, sorry. Bin stehengeblieben und habe mich wieder einsammeln lassen. Weiter ging es. Einige Runden Trab- Galopp-Übergänge später dann

HUCHMAMPF!

Wieder Fluchtmodus, aber diesmal war mein Mädchen vorgewarnt und hat mich festgehalten. Ein paar Runden später kam dann noch ein

GESPENST!

Aber auch da hat sie wieder festgehalten. Nach einer Weile ging es mir dann besser und die ganzen erschreckenden Geschöpfe waren weg. Mein Mädchen meint, die wären ohnehin nur in meinem Kopf gewesen, wegen dem kalten Wind. Sie kann das verstehen, das ist schon ok wenn das mal passiert. Aber sie war froh, dass sie sich von vorneherein für longieren entschieden hatte. Insgesamt haben wir fast 50 Minuten gearbeitet, danach war ich deutlich entspannter. Dann kam noch der Mann in seiner Eigenschaft als Osteopath vorbei und hat mir den Hals geradegerückt, da war ein bisschen was durcheinandergekommen. Gut, dass wir die helfenden Hände direkt vor Ort haben.

Zeit für Mittagessen!

Aber der Tag war noch nicht zu Ende. Nachmittags kam meine kleine Freundin noch vorbei. Wir haben uns in der Halle verkrochen, um dem Wind zu entgehen. Als meine kleine Freundin mich dort geputzt hat, fiel der Blick meines Mädchens auf den Sitzball, der noch in der Ecke lag. Ob wir Lust hätten, Fußball zu spielen? Meine kleine Freundin hatte doll Lust. Und dann ging es los. Ich habe keine Bedenken was den Ball angeht, aber warum man dagegentreten soll, ist mir nicht klar. Gut, für Kekse tue ich bekanntlich alles, also los! Aber dann kam mein Bein immer zu hoch (der Ball ist einfach zu klein für mich!) und mein Huf stand dann immer AUF dem Ball und ich kam ins rühren. Meine kleine Freundin hat die Kekse verwaltet, mein Mädchen stand hinterm Zaun außer Reichweite und hat nur hilfreich kommentiert. Ich sollte also lernen, zu dem Ball hin zu gehen und dann mit dem Vorderbein – nicht zu hoch! – den Ball anzuschubsen. Kekse nur für gelungene Versuche. Was für ein Denksport! Ich musste meine kleine Freundin im Blick behalten, den Ball anvisieren und meine Beine koordinieren! Nach einer halben Stunde war mir schon etwas matt im Hirn, aber ich habe noch ein paar gute Schüsse geschafft, bevor dann die wohlverdiente Möhrenparty das Geschehen abrundete. Mittlerweile stieg wohl schon Rauch aus meinen Ohren, jedenfalls habe ich mir ein wohlverdientes Nickerchen gegönnt. Alle waren wieder sehr stolz und zufrieden mit dieser schönen Einheit.

Schwieriger als es aussieht!

Euer Fußballspieler Sir Duncan Dhu of Nakel