Abenteuer voraus

 Ich plane Unternehmungen gern sorgfältig und ich habe auch viel Angst davor, mein Pony zu überfordern. Aber diesmal ist es etwas anders gelaufen und ich habe (wenn auch unfreiwillig) beschlossen, ein kleines Wagnis einzugehen. Mein Plan sah vor, dass wir im Mai einen kleinen Distanz-Ritt – also einen Einführungsritt über 26 km – nennen, um dann im Juli auf dem 2. Distanz-Ritt vielleicht mutig genug zu sein, um 41 km zu nennen.

 40 km an einem Tag zu reiten (hab ich in meinem Leben noch nie getan), noch dazu im Distanz-Tempo, war bisher eine Vorstellung, die für mich immer weit in der Zukunft lag, obwohl ich weiß, dass viele schon beim 1. Distanzritt eine solche Strecke in Angriff nehmen. Es kam mir für Anfänger wie mich und Duncan absurd vor, es kam mir für ein Highland Pony als ersten Ritt absurd vor und es kam mir auch für mich selbst einfach als körperliche Anstrengung absurd vor. Aber wenn Duncan mich eines gelehrt hat, dann, dass ich ihn chronisch unterschätze. Ich habe ihm noch nie wirklich zu viel zugemutet und jedes Mal wenn ich dachte „diesmal war es ihm zu viel“, jedes Mal wenn er müde nach Hause kam und ich dachte „morgen will er nichts von mir wissen“ kam er am nächsten Tag besonders freudig auf mich zu. Das waren auch oft die Tage an denen er mich fröhlich angebrummelt hat – er war bereit war ein neues, feines Abenteuer zu erleben.

 Nun aber zurück zum Distanz-Ritt. Ich wollte also den 26 km Einführungsritt nennen, aber ich habe mir damit zu viel Zeit gelassen! Mir war nicht bewusst, dass so viele Leute sofort dabei sein wollten….. und so lag ich abends nach einem Tag voller eisigem im Ostwind mit Kopfschmerzen auf dem Sofa und scrollte durch Facebook, als plötzlich die Meldung auftauchte, dass der Einführungsritt bereits ausgebucht ist! Ich schrieb panisch an meine Freundin, ob sie den Ritt schon genannt hatte, denn wir wollen ja zusammen reiten – aber auch sie hatte noch keine Nennung losgeschickt. Was tun? Ich beschloss, dass ich nicht bereit bin, dieses Abenteuer, auf dass ich im Grunde seit 6 Jahren warte, zu verpassen. Somit habe ich uns jetzt für Mai für einen Kurzdistanz über 44 km angemeldet, da waren noch Plätze frei. Wahrscheinlich ist das ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass ich verrückt geworden bin. (Wahrscheinlich werden einige, die mich persönlich kennen, jetzt sagen, dass ich sowieso schon immer irgendwie verrückt war).

 Jetzt ist also die Frage: was ist vorher noch zu tun? Denn das eine sind die 44 km, die in Tempo 8 bewältigt werden wollen, was für uns bedeutet, dass wir (wenn ich ohne Galopp rechne) über die Hälfte der Strecke im Trab zurücklegen müssen, um in der Zeit zu bleiben. Unser längster Ausritt bisher überhaupt ging knappe 20km, das war letzten Sommer…..

 Aber so ein Distanzritt birgt ja auch noch ganz andere Fallstricke und Tücken, nämlich zum Beispiel die Anwesenheit vieler fremder Pferde im Camp und auch auf der Strecke, wo man vielleicht mal überholt wird oder jemanden überholen möchte. Zum Beispiel die Tatsache, dass nach dem 1. Loop eine fünfzigminütige Pause gemacht wird – das heißt das Pferd bekommt eine Pause und soll danach wieder losgehen, etwas was wir im Alltag nicht tun. Dann kommt natürlich viel Anfassen durch den Tierarzt dazu – Puls messen, abhören etc. Meine eigene Aufregung wird dazu kommen und in unserem Fall bei einem Distanzritt auf der Schusteracht in Preetz kommt auch die ein oder andere Tücke im Gelände auf uns zu. Denn dort gibt es sehr viel Wasser und entsprechend wird der Distanzritt Brücken enthalten, die überquert werden müssen. Ihr erinnert Euch: Brücken waren von Anfang an nicht unbedingt Duncans Ding. Eigentlich kommen wir jetzt ganz gut über normale Brücken,  aber ich weiß aus meiner Erinnerung an meinen ersten Distanzritt mit Finlay, der auch auf der Schusteracht stattgefunden hat, dass dort durchaus auch Brücken zu bewältigen sein könnten, die außerhalb unserer Norm liegen. Brücken, die länger und/oder sind schmaler sind als die Brücken, die Duncan bisher kennt, Brücken, die komische Geräusche machen oder unter denen Kanus fahren. Und so wird ein guter Teil der Vorbereitung daraus bestehen, zunächst mal herauszufinden welche Brücken wir üben können und müssen. Da die Strecke noch nicht bekannt gegeben ist, müssen wir da ein bisschen raten, aber üben schadet ja sowieso nie. Das heißt zunächst geht es mit dem Auto los, um zu erkunden wo und wie man diese Brücken anfahren und üben kann, dann brauchen wir einen oder zwei Übungstage, an denen wir uns im Wesentlichen diesen Brücken widmen (und viele, viele Kekse auf Tasche haben).

 Dann geht es um organisatorische Fragen: mit welchem Hufschutz können wir starten – kann Duncan 44 km mit seinen Hufschuhen laufen, ohne dass die scheuern, reiten wir evt einen Teil der Strecke barhuf oder müssen wir uns vorher noch damit auseinandersetzen einen Klebebeschlag zu bekommen (bitte nicht, allein das ist schon ein Mammutprojekt…)

 Wir werden einen Proberitt mit einer Pause machen – also ausreiten, nach Hause kommen, Pause machen, wieder losreiten – damit das schon mal passiert ist und sich nicht völlig neu und verwirrend anfühlt. Natürlich werden wir auch ein paar längere Ausritte einplanen, nachdem wir ja jetzt im Winter so gut wie gar nicht draußen waren. Aber ehrlich gesagt ist meine Erfahrung mit Duncan, dass die Kilometer ihm nicht so viel ausmachen werden (er ist verdammt fit….) was ich als Problem sehe ist eher die Zeit. Denn wenn wir 44 km in Tempo 8 reiten, wären das fast 6 Stunden reine Reitzeit plus 50 Minuten Pause dazwischen – so lang waren wir noch nie zusammen unterwegs. Auch das gilt es also mal zu üben bei einer ausgedehnten, aber langsamen Tour. Nicht nur Duncans Kopf braucht dieses Training, auch meiner. So eine lange Zeit die Konzentration aufrecht zu halten will geübt werden!

11 Wochen haben wir jetzt noch und die sind schnell rum. Ich brauche klare Prioritäten und muss hoffen, dass nichts dazwischenkommt (wobei das bereits passiert ist, aber dazu demnächst mehr….)

In einer Sache bin ich mir ziemlich sicher: während ich mich fürchterlich aufregen werde, wird Duncan das ganze als großartiges Abenteuer ganz nach seinem Geschmack betrachten. Und ich fürchte mich jetzt schon vor dem, was danach passieren wird: mein kleiner Nimmersatt wird noch besser trainiert sein, noch mehr Beschäftigung wollen und nicht einsehen können, warum wir das jetzt nicht jede Woche machen. Ich hatte noch nie so ein Pony und ich habe mich noch nicht daran gewöhnt….

Charakterbildung

Der Umgang mit Pferden ist gut für den Charakter, sagt man. Besonders kann ich das dieser Tage beobachten, wenn Duncans kleine Freundin da ist. Neulich zum Beispiel:  wir hatten schon in der Stunde zuvor besprochen, dass wir diesen kleinen Trick gemeinsam üben würden, dass Duncan zwischen zwei Tonnen einparkt, auf denen ein Mensch steht. Es war auch schon klar, wer da erstmal auf den Tonnen steht: ich. Da es nicht ganz ungefährlich ist, bei den ersten Versuchen weiß man ja doch nie ob das Pony nicht eine Tonne umstößt, den Kopf im entscheidenden Moment hochnimmt oder man selbst das Gleichgewicht verliert. Noch war es aber nicht so weit, denn Duncan wurde erst noch geputzt. Während seine kleine Freundin das tut, bin ich zwar immer in der Nähe, beschäftige mich aber anderweitig. Sie kommt gut mit ihm klar, bis es dazu kommt, dass er mal wenden soll. Dann legt sie ihm vorsichtig die Hand an die Kruppe und fragt ihn leise, ob er wohl rumgehen könnte. Er war aber gerade ein bisschen eingedöst und fand ihr leichtes Schieben wohl eher als angenehmes Schaukeln, jedenfalls rührte sich nichts. Ich riet ihr, sich ein bisschen wichtiger zu nehmen, groß zu machen und etwas lauter zu sprechen, aber da passierte nicht viel. Von ferne sagte ich „geh mal rum!“ Duncan wachte auf und ging rum. „Bei dir klappt das“ sagt das Mädchen. „ja, weil ich mich selbst wichtig nehme“ „das kann ich nicht so gut“

Und hier war mein Einsatz:

„Wenn ich nachher auf diesen beiden Tonnen stehe, dann möchte ich, dass du dich so wichtig nimmst, dass Duncan dir zuhört. Ich will da nicht runterfliegen, weil du dich nicht wichtig genug genommen hast und er die Tonnen umschubst oder sowas“ Ich habe sehr darauf geachtet, das sachlich zu sagen und nicht streng zu klingen. Weiter haben wir nicht darüber gesprochen. Aber als ich dann auf den Tonnen stand, da hatte sie das wunderbar im Griff. Sie steuerte Duncan präzise und genau und hatte eine so klare, ruhige Ausstrahlung, dass der Trick auf Anhieb gelang. Und mir wurde klar: sie hat sich selbst wichtig genommen um mich zu schützen, das fiel ihr leichter als sich selbst einfach nur wichtig zu nehmen, damit Duncan wendet. Wenn sie es so ein bisschen üben kann, wird sie vielleicht eines Tages auch mehr für sich selbst einstehen. Man muss einem feinen, freundlichen Pony wie Duncan dazu ja keinen Druck machen oder ärgerlich sein. Wenn man ausstrahlt, dass das gerade wichtig ist und dass man nicht bereit ist, Gezappel oder Ignoranz hinzunehmen, dann ist Duncan ja mehr als bereit, gut mitzumachen. Er freut sich über klare, sachliche Anweisungen und kann sich dann auch prima konzentrieren. Und das ist doch das perfekte Setting für ein Mädchen, um zu lernen wie das geht: ruhig und selbstsicher für die eigenen Ziele und Wünsche einstehen, klare Grenzen setzen ohne ärgerlich zu werden.

In der nächsten Stunde haben wir uns dann mit Fußballspielen beschäftigt. Hier ging es darum, das Pony genau zu beobachten, Kriterien festzulegen, wann belohnt wird und Zwischenschritte zu erkennen. Auch mal kurz auszuhalten, dass es nicht geklappt hat und Duncan Frust schiebt, weil es keinen Keks gab. Zu erkennen, wann er eine Frage stellt und wann er einfach irgendwas tut ohne nachzudenken.

Wenn beide Fähigkeiten zusammenkommen – die genaue und gute Beobachtung des Gegenübers sowie das eigene „Standing“, dann wird Kommunikation auch mit Menschen leichter. Der Umgang mit Pferden ist gut für den Charakter – wenn wir guten Umgang mit Pferden lernen und lehren.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 11. Februar 2025

Ui, was für ein eisiger Ostwind! Mein Mädchen ist am jammern, sie findet diesen Wind ganz schrecklich anstrengend. Ihr Winterpelz hat ziemlich große Ausmaße angenommen, während ich einfach meine Haare ein bisschen aufstelle, etwas mehr Heu knuspere (das macht einen warmen Bauch) und gut ist. Nachdem ich vormittags ausgiebig geschlummert und gedöst hatte, war ich frisch und erholt, als sie mit der Longe kam. Wir sind also auf den Platz gegangen und ich habe munter losgelegt, als plötzlich…

MONSTER!

Ab in den Fluchtmodus, nichts wie weg! Als ich am Ende des Reitplatzes angekommen war, fiel mir auf, dass ich doch glatt mein Mädchen verloren hatte und eine leere Longe hinter mir her zog. Oh, sorry. Bin stehengeblieben und habe mich wieder einsammeln lassen. Weiter ging es. Einige Runden Trab- Galopp-Übergänge später dann

HUCHMAMPF!

Wieder Fluchtmodus, aber diesmal war mein Mädchen vorgewarnt und hat mich festgehalten. Ein paar Runden später kam dann noch ein

GESPENST!

Aber auch da hat sie wieder festgehalten. Nach einer Weile ging es mir dann besser und die ganzen erschreckenden Geschöpfe waren weg. Mein Mädchen meint, die wären ohnehin nur in meinem Kopf gewesen, wegen dem kalten Wind. Sie kann das verstehen, das ist schon ok wenn das mal passiert. Aber sie war froh, dass sie sich von vorneherein für longieren entschieden hatte. Insgesamt haben wir fast 50 Minuten gearbeitet, danach war ich deutlich entspannter. Dann kam noch der Mann in seiner Eigenschaft als Osteopath vorbei und hat mir den Hals geradegerückt, da war ein bisschen was durcheinandergekommen. Gut, dass wir die helfenden Hände direkt vor Ort haben.

Zeit für Mittagessen!

Aber der Tag war noch nicht zu Ende. Nachmittags kam meine kleine Freundin noch vorbei. Wir haben uns in der Halle verkrochen, um dem Wind zu entgehen. Als meine kleine Freundin mich dort geputzt hat, fiel der Blick meines Mädchens auf den Sitzball, der noch in der Ecke lag. Ob wir Lust hätten, Fußball zu spielen? Meine kleine Freundin hatte doll Lust. Und dann ging es los. Ich habe keine Bedenken was den Ball angeht, aber warum man dagegentreten soll, ist mir nicht klar. Gut, für Kekse tue ich bekanntlich alles, also los! Aber dann kam mein Bein immer zu hoch (der Ball ist einfach zu klein für mich!) und mein Huf stand dann immer AUF dem Ball und ich kam ins rühren. Meine kleine Freundin hat die Kekse verwaltet, mein Mädchen stand hinterm Zaun außer Reichweite und hat nur hilfreich kommentiert. Ich sollte also lernen, zu dem Ball hin zu gehen und dann mit dem Vorderbein – nicht zu hoch! – den Ball anzuschubsen. Kekse nur für gelungene Versuche. Was für ein Denksport! Ich musste meine kleine Freundin im Blick behalten, den Ball anvisieren und meine Beine koordinieren! Nach einer halben Stunde war mir schon etwas matt im Hirn, aber ich habe noch ein paar gute Schüsse geschafft, bevor dann die wohlverdiente Möhrenparty das Geschehen abrundete. Mittlerweile stieg wohl schon Rauch aus meinen Ohren, jedenfalls habe ich mir ein wohlverdientes Nickerchen gegönnt. Alle waren wieder sehr stolz und zufrieden mit dieser schönen Einheit.

Schwieriger als es aussieht!

Euer Fußballspieler Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 8. Februar 2025

Hm lecker Heu. Was? Halfter? Jetzt? Äh ja ok. Wieso? Wackelkiste! Da musste ich kurz mal umschalten von einem Programm aufs andere. Wobei in der Wackelkiste ja auch immer jede Menge lecker Heu ist. Aber Heu mit Abenteuergeschmack und dem Duft von Vorfreude.

Wo sind wir? Ah beim Ausreitkumpel! Fabelhaft, das ist genau das was ich heute brauche, ordentlich die Beine strecken. Erst sind die Menschen zu Fuß gegangen, wie immer. Mein Mädchen war nicht so richtig auf der Höhe und meinte, sie muss sich heute besonders gut auf mich verlassen können. Klar! Bin doch Gentleman.

Dann aufsteigen. Wollen wir los? Nein, noch Schritt. Ach menno, jetzt quasselt doch da oben nicht so viel. Ausreiten mit dem Ausreitkumpel heißt doch traben und galoppieren bis man nicht mehr mag! Das ist Tradition! Aber die Mädchen haben sich zu lange nicht gesehen und haben gequatscht. Und gequatscht. Haaaaaaallllloooooo! Trahab!

Ah, endlich. Jetzt aber flott! Schon stand mein Mädchen auf der Bremse. Was denn? Ich bin ordnungsgemäß im Trab geblieben! Was ist bloß los mit dir? Jetzt mal ehrlich: ich bin EIN EINZIGES MAL kurz angaloppiert und habe nach 2 Galoppsprüngen durchpariert. Den ganzen restlichen Ausritt war ich im Trab. Warum muss man denn da auf der Bremse rumstehen? Ich halte mich doch an die Regeln! Sie vertraut mir einfach nicht, daran liegt´s. Seit über 5 Jahren sind wir jetzt zusammen und sie vertraut mir IMMER NOCH NICHT. Das ist doch nicht normal oder? Ich hab mich immer anständig benommen (ja ok, ich hab auch mal an den Grenzen der Regeln rumgekratzt aber wirklich, was richtig schlimmes hab ich nie gemacht).

Ich bin also hochanständig getrabt und sie hat mich auch sehr gelobt. Aber kaum dass ich dachte, sie hat sich beruhigt und ich darf jetzt ein bisschen das Tempo erhöhen (im Trab, wohlgemerkt!) fand sie das schon wieder nicht richtig und stand auf der Bremse. Also einerseits möchte sie, dass ich flott trabe, andererseits aber auch nicht zu flott. Ich soll schön nach vorne ziehen, aber nicht zu doll, weil sie sonst sofort das Gefühl hat, ich würde wie eine Dampflok durch jede Hilfe durchrennen und mich nie wieder bremsen lassen. Ach, es bleibt kompliziert mit ihr.

Und überhaupt: immer die gleichen ollen Runden.  Die kenne ich doch schon auswendig! Können wir nicht mal hier abbiegen? Oder da vielleicht? Nein. Nichts darf man. Seufz.

8,6km sind wir geritten. Also eine schöne Aufwärmrunde. Und was machen wir jetzt? Mein Mädchen hat geseufzt. Dann hat sie getan, was sie immer tut, nämlich versprochen, mein Pensum zu erhöhen. Aber sind wir mal ehrlich, das verspricht sie ja schon so lang. Und wirklich mehr geworden ist das jetzt nur bedingt. Mal ist das Wetter falsch, dann hat sie keine Zeit. Kann ich ja nun auch nix für, jedenfalls geht das so nicht. Das Kribbeln in mir war doch noch gar nicht weg! Also habe ich heute Nacht noch eine ordentliche Runde mit Gatsby getobt. Lange und ausgiebig. Natürlich direkt unter ihrem Schlafzimmerfenster, damit sie es hört. Vielleicht versteht sie es dann besser.

Euer immer noch kribbeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. mein Mädchen fürchtet sich ein bisschen, wie das erst werden soll, wenn mein Eiweißmangel aufgefüllt und meine Muskulatur wieder top in Schuss ist – tja, das wirst du ja dann sehen, mein Mädchen, wie das wird!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7. Februar 2025

Neulich waren mein Mädchen und ich wieder reiten üben auf dem Platz. Aber am Ende wurde es bisschen kurios: da hat sie mich zwischen zwei von diesen blauen Tonnen gelenkt, die wir da neuerdings herumstehen haben, und ist dann mit ihren Füßen auf die Tonne gestiegen, so dass sie hoch über mir stand! Dann hat sie gesagt, ich hätte das toll gemacht, hat sich wieder hingesetzt, ist raus geritten und unsere Einheit war zu Ende. Aha – und was sollte das jetzt? Na, egal. Menschen sind verrückt, aber harmlos.

Gestern kam dann meine kleine Freundin wieder. Und jetzt zeigte sich doch das ganze Ausmaß dieser Übung! Erst hat mein Mädchen sich auf meinen Rücken geschwungen und meine kleine Freundin hat mich geführt. Zwischen den Tonnen sollte ich jeweils auf passender Höhe anhalten, mein Mädchen hat sich hingestellt und dann wieder hingesetzt. Als wir das von beiden Seiten ein paar mal geübt hatten und ich schon anfing zu verstehen, wo der korrekte Haltepunkt ist, ist mein Mädchen auf den Tonnen stehengeblieben und meine kleine Freundin hat mich weg geführt. Dann hat sie mich wieder hin geführt und zwar so, dass ich (mit tief gehaltenem Kopf) unter den Beinen meines Mädchens durchgeschlüpft bin und wieder passlich so zu stehen kam, dass sie sich nur hinzusetzen brauchte. Keks! Da sind die beiden Mädchen ganz schön ausgeflippt, weil das im ersten Anlauf gleich so toll funktioniert hat.

Einparken mal anders! Inklusive Einpark-Assistentin

Mein Mädchen war wahnsinnig stolz – auf mich, aber auch auf meine kleine Freundin, die mich punktgenau und präzise gesteuert hatte. Das wurde dann gleich mal wiederholt und danach hat meine kleine Freundin ihren ganzen Mut zusammengenommen und die beiden haben die Rollen getauscht: jetzt hat mein Mädchen mich also geführt und meine kleine Freundin wurde auf den Tonnen „abgestellt“ und dann wieder abgeholt. Applaus für alle!

Für mich war das eine sehr gute Einheit, vor allem was das Keks- zu Aufwand-Verhältnis betrifft. Die Mädchen haben mich ohne Ende gefeiert und so sind wir alle sehr zufrieden vom Platz gegangen. Ganz Gentleman habe ich meine kleine Freundin noch bis auf den Hof getragen, wo dann die traditionelle Möhrenparty zum Abschluss stieg.

Eine rundum gelungene Angelegenheit!

Euer gut bekekster Sir Duncan Dhu of Nakel

Fütterung

Seit über 20 Jahren haben wir nun unsere Pferde am Haus und sind somit vollständig selbst für die Fütterung verantwortlich.

Früher kam mir das alles einfach vor. Gutes Heu und ein Mineralfutter dazu, das sollte für normale, gesunde Pferde ja wohl reichen. Und es hat gereicht. Während um mich herum alle meinten, das Heu was ich da kaufe wäre zu früh gemäht für unsere tendenziell zu dicken Ponys, waren die tendenziell zu dicken Ponys zwar immer tendenziell etwas zu dick, aber eben nur etwas, und ansonsten rundum fröhlich und gesund. Kein Husten, kein Kotwasser, keine Hufrehe, keine anderweitigen Kümmernisse. Der Heubauer kam einmal im Jahr und machte uns den Schober voll, Weide gab es in Maßen (wegen der tendenziell zu dicken Ponys), Mineralfutter wechselte ich immer mal ab, um Über- oder Unterversorgung nach Möglichkeit zu vermeiden. Also eigentlich ist Pferdefütterung jetzt wirklich kein Hexenwerk. Dachte ich.

Aber natürlich gab es Dinge zu verbessern. Wir experimentierten mit Heunetzen, um Fresszeiten zu verlängern und somit Fresspausen zu verkürzen. Dann kam der erste automatische Toröffner ins Spiel, der das Problem sehr viel effektiver löste als die Netze. Mittlerweile kam im Internet dann auch Kritik an den Netzen auf, die nicht spurlos an mir vorüberzog. Überhaupt: das Internet. Tod jeder inneren Gewissheit, die man jemals hatte….

Als ich dann feststellen musste, dass mein damaliger Senior sein Heu nicht mehr kauen konnte, erwarb ich extra für ihn ganz weiches, kurz geschnittenes Heu. Allerdings war das von der Qualität nicht ganz einwandfrei, mein Pferd fing an zu husten. Damals der neueste Schrei: Heu bedampfen. Und tatsächlich stellte das die perfekte Lösung für mein altes Pferd dar.

Dann ging es los mit den Problemen: der Heubauer, der uns jahrelang einwandfreies Heu geliefert hatte, nahm es mit der Qualität plötzlich nicht mehr so genau. Das Heu war „staubig“ (warum auch immer dieses beschönigende Wort immer für „schimmelig“ verwendet wird), es war einfach nicht trocken genug als es gepresst wurde. Ich bedampfte alles, aber das war ja keine Dauerlösung. Also suchten wir nach neuen Heubauern. Und die Jahre die folgten, waren nervtötend. Immer, wenn wir glaubten, einen guten Lieferanten gefunden zu haben, wurde uns im Jahr darauf nur Schrott geliefert.

Vorletztes Jahr habe ich zum ersten Mal Heu analysieren lassen und war geschockt: das spät gemähte Heu von Naturschutzweiden, das so strunkig wirkte und damit Pony-geeignet aussah, hatte einen viel zu hohen Zucker- und dafür einen viel zu niedrigen Eiweiß-Gehalt. Ich war ratlos was ich damit jetzt anfangen soll und ließ mich professionell beraten. Das Ergebnis war leider eher mittelmäßig – ich weiß ja nicht, wie schlecht es ohne die Beratung gelaufen wäre, jedenfalls stand Duncan im Frühjahr so gar nicht gut da.

Jetzt habe ich wieder anderes Heu gekauft und diesmal wurde die Analyse gleich mitgeliefert. Die Zuckerwerte sind super niedrig (gut für tendenziell dicke Ponys), aber die Eiweiß-Werte halt auch. Inzwischen habe ich von vielen Seiten gehört, dass sinkende Eiweiß-Werte im Heu anscheinend ein flächendeckendes Problem werden. Die Zeiten, in denen wir einfach „gutes Heu und ein Mineralfutter“ füttern konnten, sind wohl endgültig vorbei. Und so gibt es wieder mal was neues zu lernen und ich setze mich mit Rationsberechnung auseinander. Wieder mal werde ich mich nicht bis zum Experten fortbilden, sondern gerade so viel lernen, wie ich jetzt und heute für meine Ponys brauche. Aber eins habe ich bereits gelernt: Beim Füttern gibt es genauso viele Meinungen wie beim Reiten. Zu jeder beliebigen Aussage findet sich einer, der das Gegenteil behauptet. Das letzte Wort haben auch hier wieder meine Ponys – wer gut aussieht, gut dasteht und gut läuft ist wohl grundsätzlich nicht ganz falsch gefüttert worden. Duncans angepasste Ration macht sich bereits jetzt – nach knapp zwei Wochen – bemerkbar. Bessere Laune, mehr Bewegungsfreude und lockerere Muskulatur machen mir Mut, dass ich auf dem richtigen Weg bin. All meinen Schülerinnen, die mich diesbezüglich fragen, kann ich leider nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten und einen ganz allgemeinen Rat geben: setzt euch mit dem Thema auseinander, es ist komplizierter geworden als es mal war…

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 3. Februar 2025

Der Mann lernt jetzt das Kutsche fahren, damit wir dann bald mit Diego vor der Kutsche auf Tour können. Und der Kurs findet natürlich an meinem heiligen Sonntag statt, wenn ich doch einen Ausflug machen möchte! Unverschämt! Aber mein Mädchen hatte eine andere lustige Idee. Wir haben nämlich Besuch bekommen! Und zwar von meinem Ausreitkumpel und dem schnellsten Pony der Welt. Die kamen mit MEINER Wackelkiste auf den Hof gefahren, dann haben die Menschen den Reitplatz voller Dinge geräumt, uns alle gesattelt und los ging es.

Die Pony-Gang

Wir sind zu dritt über den Reitplatz geturnt, Schrittstangen, Trabstangen, Tonnenslalom und ein kleiner „Sprung“ aus den weichen Dualgassen. Mein Mädchen hat beobachtet, dass jeder von uns Ponys seine eigene Springtaktik hatte. Wenn mein Ausreitkumpel den Sprung nicht richtig getroffen hat, hat er schnell noch einen klitzekleinen Galoppsprung davor gebastelt. Das sah sehr lustig aus! Das schnellste Pony der Welt war der Oberstreber, der hat fast immer richtig getroffen. Er ist der älteste von uns und wir glauben, dass er schon Springerfahrung hat. Wenn es doch mal nicht gepasst hat, hat er schnell von Galopp in Trab umgeschaltet und die Lage noch gerettet. Ich hingegen habe da eine andere Vorgehensweise, die sich an der Longe schon bewährt hat: auch wenn noch ein halber Galoppsprung Platz gewesen wäre, einfach beherzt abspringen und hoffen, dass es bis auf die andere Seite reicht. Das hat allerdings mein Mädchen manchmal sitztechnisch etwas aus dem Konzept gebracht, daran muss sie sich wohl erst noch gewöhnen. Leider gibt es keine Videos von meinen verwegeneren Sprüngen, da müsst ihr eure Fantasie bemühen. Aber wir hatten auch viele schöne Sprünge, wo es richtig gut gepasst hat. Nachher haben die Menschen noch zwei kleine Kreuze aus den Stangen gebaut, so dass wir drei Sprünge hintereinander hatten, wie ein richtiger Parcours.

Hoch die Füße!

Ich gestehe allerdings, dass das für meinen Kopf alles ganz schön anstrengend war. Die anderen Ponys im Blick behalten, meinem Mädchen zuhören, die Stangen ordnungsgemäß überqueren und dann auch noch springen! Nach 30 Minuten war bei mir die Luft raus, ich konnte nicht mehr so gut denken. Meinem Ausreitkumpel ging es genauso. Nur einer war noch fit, – natürlich! – das schnellste Pony der Welt. Der hat dann noch allein mit seiner Reiterin ein paar Runden gedreht und wir haben zugeschaut und ihn angefeuert. Mein Mädchen hat den kühnen Plan, dass ich über die blauen Tonnen springen könnte, wenn sie sie auf den Boden legt. Aber sie wusste nicht recht ob das zu schwierig ist. Das schnellste Pony der Welt hat das dann mal für uns getestet und gesagt: voll einfach. Die sind weder viel höher noch viel weiter als der kleine Kreuzsprung. Einfach Anlauf nehmen und rüber. Das steht jetzt demnächst mal auf dem Programm, wenn es wieder ans longieren geht.

Hopp hopp hopp…

Wir Ponys sind dann Heu essen gegangen und meine Kumpels sind wieder nach hause gefahren. Schade eigentlich, ich hätte auch gern mal wieder eine Runde mit meinem Ausreitkumpel gespielt!

Trotzdem ein gelungenes Sonntags-Alternativ-Programm.

Euer springender Sir Duncan Dhu of Nakel

Sicherheitscheck

Duncans kleine Freundin ist 12 Jahre alt. Und ihre bisherigen Erfahrungen mit Pferden sind ziemlich schlecht. Geschichten, die sie mir erzählt, handeln immer von Pferden, die ihrer Aufgabe anscheinend gar nicht gewachsen waren. Die durchgehen, wenn es die kleinste Störung gibt (weil z.B. ein Kind beim Absteigen das Bein nicht hoch genug genommen hat und am Sattel hängen geblieben ist). Wörtlich ist mir der Satz im Ohr geblieben „Duncan ist das erste Pferd das ich kenne, das keine Angst vor der Gerte hat“. Sprich: die Zustände müssen gruselig gewesen sein. Ich dachte, seit ich als Kind in der Reitschule war, hätten sich die Dinge verbessert…

Ganz langsam erarbeitet Duncan sich ihr Vertrauen. Er kennt sich jetzt schon ganz gut aus, ist selbst nicht mehr so aufgeregt, wenn sie da ist, sondern weiß, dass er im Zweifel immer bei mir nachfragen kann, wenn er etwas nicht verstanden hat. Und dass Stehenbleiben auch hier immer eine gute Option ist. (Natürlich hat er auch herausgefunden, dass sie Kekse in der Tasche hat, das soll ja nicht unerwähnt bleiben)

Wir probieren allerhand Dinge, die man mit Pferden machen kann. Fahren vom Boden fand sie z.B. toll und diese Woche haben wir es mal mit longieren versucht. Im Schritt haben Duncan und sie das schnell hingekriegt. Dann schlug ich einen Trab vor. Unsicherer Blick. Ich fragte, was sie denn befürchtete was passieren könnte. „weiß nicht“. Sag doch mal: was ist das Schlimmste was passieren könnte? „er könnte losrennen und mich hinterherschleifen“

Das ist – theoretisch – eine realistische Möglichkeit. Was sage ich jetzt? Das macht er nicht? Nein, denn sie soll nicht MIR glauben, sondern selbst entscheiden, ob sie sich mit dem Pony in dieser Situation sicher fühlt. Also habe ich ihr erklärt, dass wir Menschen (als Affen) immer dazu neigen, uns festzuhalten. Dass aber im Umgang mit Pferden immer gilt: loslassen, loslassen, loslassen. So wie sie die Longe hält, kann sie im Notfall sofort loslassen, ohne, dass sich etwas zuziehen kann. Damit war sie einverstanden. Ok. Sonst noch schlimme Ideen? „er könnte sich erschrecken und losrennen und dann falle ich hin“. Ja, auch das kann theoretisch passieren. Ich fragte, wovor er sich denn hier erschrecken könnte. „vor einem Spatz der hier rum flattert“ (möglich) „wenn eins der anderen Pferde plötzlich auftaucht“ (möglich) „oder wenn ich aus versehen ein lautes Geräusch mache“ (auch möglich). Keines der Szenarien wäre geeignet, Duncan in Galopp zu versetzen. Aber sie soll selbst rausfinden, woher sie das wissen könnte. Also sage ich: neulich hast du ihn erschreckt, weißt du das noch? „ja stimmt, da war er in der Scheune angebunden und ich bin plötzlich um die Ecke gekommen“. Und woran hast du gemerkt, dass er sich erschreckt hatte? „er hat so geguckt“ stimmt. Und er ist vorher ganz doll zusammengezuckt. Ist er da losgaloppiert? „nein“ gut, dann weißt du also, dass er nicht der Typ ist der gleich losgaloppiert. Wenn wir draußen im Gelände wären, wäre das vielleicht was anderes aber hier drin ist er zu hause und fühlt sich sicher. (kurzes Gespräch darüber, wie und wo ein Pferd sich zu hause fühlt. Eigentlich wie ein Hund, der auch weiß wo zu hause ist, meint sie, und ich stimme ihr da zu. Ich erzähle, wie er sich im Gelände losgerissen hat beim Spazierengehen und direkt nach hause galoppiert ist.)

„und wenn ich hinfalle?“ Tja da schlage ich vor, wir probieren das aus. Große Augen. Du lässt ihn im Schritt um dich rumgehen und dann lässt du dich fallen. Gesagt, getan.

Test bestanden!

Duncans Reaktion war wie erwartet. Keks! Meine kleine Schülerin war sehr glücklich und sofort bereit, den Test für die Kamera zu wiederholen.

Danach hatte ich noch ein Angebot, was noch schlimmes passieren könnte: er könnte zu dir kommen und dich umrennen oder umschubsen. Was machst du um das zu verhindern? In die Luft springen, mit den Armen wedeln und schreien, wenn du ihn auf dich zukommen siehst. Ok.

Und jetzt überlegen wir, ob noch etwas schlimmes passieren könnte. Keine Idee mehr. Dann nehmen wir uns jetzt noch ein paar Momente und malen uns aus, was denn passieren SOLL. Was ist das BESTE was passieren kann? Damit du dieses Bild im Kopf hast und er das an deiner Körpersprache sehen kann.

Nach dieser Besprechungs- und Test-Reihe konnte sie ihn ohne Angst traben lassen. Und ich bin froh, denn sie hat nicht einfach MIR geglaubt, sondern das Pony kennengelernt, eingeschätzt und einen kleinen Test gemacht. Gerade so, wie ich es persönlich auch mache, bevor ich etwas mit einem mir unbekannten Pferd tue.

Horrorszenarien im Kopf sind nicht dazu da, weggewischt zu werden. Anschauen, auseinanderbauen, Wahrscheinlichkeiten abwägen, Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und Tests durchführen. Wenn dann alles ok ist und noch viel Angst übrig bleibt, kann man die Aufgabe immer noch in kleine Häppchen zerlegen. Wenn danach noch Angst übrig bleibt kann man entweder sagen „ich mache es trotz Angst“ oder man holt sich Unterstützung, die kompetent ist, bei übertriebenen Ängsten zu helfen. Aber vorher finde ich es ganz wichtig, festzustellen, ob die Angst nicht vielleicht begründet ist. Und ihre Ängste waren aufgrund ihrer Vorerfahrung sogar sehr begründet, nur eben nicht für Duncan.

Ich wünsche mir so sehr, dass kein kleines Mädchen, das Ponys liebt, solche Erfahrungen machen muss wie sie. Anfänger (egal welchen Alters) brauchen Anfänger-geeignete Pferde!! Und gleichzeitig bin ich unfassbar stolz auf meinen kleinen großen Ritter, der ihr so fein hilft mit seiner beständigen, verlässlichen Art – und das wo er selbst erst 6 Jahre alt ist.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 29. Januar 2025

Dann will ich mal auflösen! Ihr habt ja wild herumgeraten. Also Diego wiegt 595 kg und ich wiege 393kg (zumindest war das am Sonntag so und ich möchte darauf hinweisen, dass wir beide mit viel Mühe und Liebe so geäppelt haben, dass zwei so schöne Zahlen dabei rauskamen!).

Mein Mädchen war ganz überrascht, denn das heißt, dass ich seit dem letzten Wiegen Ende Oktober 23 kg abgenommen habe! Und jetzt findet sie mich eigentlich schon fast etwas zu schlank. Es ist ja unter dem Pelz wirklich schwer zu beurteilen und natürlich verliere ich im Winter auch immer etwas Muskelmasse, weil mein Mädchen ja einfach nicht so richtig wettertauglich ist und wir viel weniger ausreiten gehen. Aber 23kg in 3 Monaten fand mein Mädchen verdächtig. Also hat sie sich zu hause gleich hingesetzt und sich mit Rationsberechnung beschäftigt. Sie hat gejammert und geflucht und war ganz frustriert, weil das nämlich gar nicht so einfach war und sie nachher Kopfschmerzen hatte. Bei der Berechnung kam nämlich raus, dass unser Diät-Heu so wenig Eiweiß hat, dass sie es voll schwer findet, das vernünftig auszugleichen, ohne dass ich dann gleich dick und fett werde. Sie wusste, dass da zu wenig Eiweiß für uns drin ist, aber es mal schwarz auf weiß zu sehen, WIE VIEL da fehlt hat sie ein bisschen erschreckt. Aber jetzt kommen die guten Nachrichten für mich: Rationserhöhung! Und das heißt meine Schüssel ist jetzt viel besser gefüllt als vorher. Das gefällt mir!

393kg
595kg

Für Diego hat mein Mädchen noch nicht gerechnet. Der sieht im Moment gut aus, er bekommt ja auch noch anderes Extra-Heu und zwei Schüsseln am Tag (ich nur eine – unverschämt!). Eigentlich braucht er nicht mehr auf den Rippen, nur Muskulatur muss da dran. Und da die Tage ganz langsam etwas länger werden, soll das jetzt auch ernsthaft wieder losgehen. Also ist mein Mädchen ihn gestern gleich mal ein bisschen auf dem Platz geritten und hat festgestellt, dass sie voll aus der Übung ist, so ein großes, schwungvolles Pferd zu reiten. Und Diego ist voll aus der Übung mal ein paar Kurven mehr zu traben. Aber das kommt sicher auch wieder.

Nachher, als sie auf meinen Rücken geklettert ist, fand sie mich plötzlich wieder klein und schmal – alles eine Frage der Gewohnheit! Mein Mädchen hat ein paar Tonnen aufgestellt, die sie netterweise geschenkt bekommen hat. Zum Aufwärmen hat sie mich da frei drum herumlaufen lassen.  Ich hatte aber ein paar andere Ideen, was man mit so einer Tonne noch alles machen könnte (umschmeißen und die Beine darum verknoten fand ich lustig. Mein Mädchen hat gelacht und fand mich ein bisschen verrückt. Ich mag das wenn sie lacht!) Später sind wir dann drum herumgeritten und sie war ganz angetan von meiner verbesserten Kurvenlage (daran haben wir in den letzten Wochen viel geübt).

Neuer Sport: Tonnen umkreisen

Und jetzt lassen Diego und ich unsere Muskeln wieder wachsen, damit wir im Frühling startklar sind, wenn die großen Ausritte starten.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit der erhöhten Futterration

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 27. Januar 2025

Sonntag ist Ausflugstag – so will es das Gesetz! Leider hat die Erfahrung mich aber gelehrt, dass mein Mädchen sich nicht immer an dieses Pony-Gesetz hält. Und so richtig eine Handhabe hat man ja gegen so ein ungebührliches Verhalten als Pony leider nicht. Ich funkel sie dann immer böse an und dann schämt sie sich wenigsten ein bisschen. Oder ich gucke sehr enttäuscht, dann ist sie traurig.

Na, wie dem auch sei, gestern war ja wieder Sonntag. Diego und ich haben beobachtet, wie die Menschen die Wackelkiste startklar gemacht haben. Aaaaaaah ein feines Abenteuer! Ich kann es fast schon riechen!

Super! Die Menschen bereiten die Wackelkiste vor!

Aber dann passierte etwas ungeheuerliches: sie haben vergessen, uns mitzunehmen! Sind ohne uns vom Hof gefahren! Ich stand fassungslos an der Stalltür und konnte meinen Augen nicht trauen. Mein Mädchen mit der Wackelkiste weg und der Mann mit seinem Auto hinterher. Das darf doch nicht wahr sein!

Es war nichts zu wollen, sie waren weg, also haben wir beschlossen, ein kleines Nickerchen einzulegen. Kaum waren wir fertig mit nickern, da waren die Menschen auch schon wieder da (ohne Wackelkiste). Nun wurden wir angezogen und gesattelt – Gott sei Dank, doch noch ein Abenteuer! – und dann ging es los. Mädchen, ich will links vom Hof! Nein, es ging rechts. Menno. Aber egal, Hauptsache es geht los. Den ersten Teil sind die Menschen zu Fuß gegangen, dann sind sie aufgestiegen. Mein Job war derselbe wie immer: meinen schnellstmöglichen Schritt gehen, damit ich den gemütlich dahinschlendernden Diego nicht ganz am Horizont verliere. Seufz. Aber mein Schritt wird flotter, das finden auch die Menschen. Es ging die altbekannte Strecke nach Kleinvollstedt. Wollen wir nicht mal da abbiegen? Wenn ich sowas vorschlage ist mein Mädchen immer ein bisschen traurig, denn viele von diesen Wegen, die so verlockend aussehen, enden alsbald irgendwo im Nirgendwo. Also ging es weiter auf den alten ausgetretenen Pfaden Straßen. In Kleinvollstedt allerdings sind wir dann an einer Stelle geradeaus gegangen, wo wir eigentlich sonst immer abbiegen. Ganz hintenrum ging es, ich war da schonmal, aber noch nicht oft. Und dann ging es über die große Straße. Da waren wir auch schon, aber wir sind da nicht hin gelaufen, sondern mit der Wackelkiste hin gewackelt worden. Ich weiß: hier links geht es zu der Autobahnbrücke wo wir ein paarmal geübt haben! (Wird auch mal wieder Zeit, findet mein Mädchen, aber Lust hat sie nicht so recht…). Diesmal ging es aber gar nicht links, sondern rechts und dann über den Gruselhof. Ach, an den erinnere ich mich noch. Da waren wir mal im Zuge so eines Autobahntrainings. Das ist 4 Jahre her! Am Gruselhof habe ich meinem Mädchen nach oben gefunkt, dass es mich gruselt. Da ist sooooo viel lautes Zeug und sooooo viele Rinder in einem Pferch und es riecht komisch… also ist mein Mädchen netterweise abgestiegen und der Mann hat es ihr gleichgetan. Diego war derweil etwas langsam geworden. Er hat mir erklärt, dass er diese Strecke mal mit meinem großen Bruder gelaufen ist. Und das man dann einen kleinen Kringel reitet und dann all die vielen Kilometer wieder zurück nach hause laufen muss! Das war ihm zu viel. Er ist ja noch nicht wieder auftrainiert und fand, er sollte seine Kräfte doch lieber so einteilen, dass er es auch wieder zurück schafft. Aber der Mann hat ihm gut zugesprochen und ihm gesagt, dass er NICHT alles wieder nach hause laufen muss. Hat Diego ihm aber nicht wirklich geglaubt. Als wir an dem Gruselhof vorbei waren, sind die Menschen wieder aufgestiegen und wir wollten noch ein kleines Stück durch den Wald traben. Aber da kam ein Auto. Dann antraben. Auto! Schritt. Wieder antraben. Auto! Schritt. Wieder antraben. Auto! Was soll das denn? Und als alle Autos vorbei waren, tauchten vor uns drei Reiter auf, die in unsere Richtung ritten. Das eine Pferd wurde nervös, als es uns bemerkte, also war klar: wir bleiben im Schritt. Wir waren aber schneller als die und hatten sie dann bald eingeholt und auch überholt. Danach noch etwas weiter im Schritt bis wir schließlich weit genug weg waren um schließlich doch noch ein Stück zu traben. Auch schau an, den Hof da hinten, den kenne ich doch! Da waren wir mal als ich noch winzig klein war! Oh das war aufregend, so viele fremde Pferde! Heute bin ich da ja etwas entspannter. Klar, interessant sind die alle immer noch, aber ich kann damit besser umgehen.

Und was war da noch? Unsere Wackelkiste! Diego war ganz erleichtert. Wir haben die Sättel runter bekommen und der Mann hat Diego sogar noch die Hufschuhe ausgezogen. Warum, das stellte sich kurze Zeit später heraus. Auf dem Hof gibt es nämlich jetzt eine Pferdewaage und da sollten wir drauf. Ihr dürft schätzen, was wir beide so wiegen!

Was die Waage wohl anzeigt?

Mein Mädchen meinte, man müsste ja auch die 5 Äppelhaufen noch drauf rechnen, die wir unterwegs haben liegen lassen, aber ich finde das unfair. Was weg ist, ist doch weg! Zu hause hat sie übrigens einen Äppelhaufen abgewogen, weil sie wissen wollte, wie viele Kilos wir wohl unterwegs am Straßenrand drapiert haben (jetzt dreht sie völlig durch). Der Haufen den sie gewogen hat, war 1,2kg schwer.

Nach dem Wiegen ging es dann ab in die Wackelkiste und wir konnten gemütlich schmausend nach hause fahren. 10,2 km in knapp 2 Stunden haben wir gemacht. Für Diego reicht das, mehr schafft er noch nicht. Ich bin dann gut warmgelaufen und mein Mädchen war hoch zufrieden mit meiner Performance. Ich auch. Feines Abenteuer, gerne wieder!

Euer abgewogener Sir Duncan Dhu of Nakel (na, wie viel schätzt ihr?)